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9 (1873) Spanien - Vives
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Sturm.

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der Rede, sowie das Berechnete, auch was tiefer und versteckt liegt, hcrvorgchobcn. Ge-lesen wird was von Vergil und Homer noch übrig ist oder was beliebt; bei letzteremfindet man ohnehin alles, was zum Redner gehört, so daß man ans ihm die Theorie,wenn noch keine vorhanden wäre, Herstellen könnte. Thukydidcs und Sallust werdenvon den Schülern privatim gelesen und durch schriftliche Ucbersctzungen dem Lehrer ge-zeigt, wie weit sie verstanden sind. Uebrigens gicbt auch hier der Lehrer anderenSchülern andere Stellen zum Privatstudium auf, die dann durch den Verkehr derselbenunter einander dennoch Gemeingut aller werden. In zunehmender Vollendung sollen diewöchentlichen dramatischen Aufführungen stattfinden und wird überhaupt von denSchülern dieser Stufe im Schreiben und Declamiren eine von wissenschaftlicher Bildungzeugende Festigkeit (litarutu consuatuäo), in allen poetischen und prosaischen ArbeitenKunstmäßigkeit verlangt. An Sonn- und Festtagen werden paulinische Briefe von denSchülern selbst erklärt und ausgezeichnete Stellen oratorisch amplificirt als Vorübungfür die Kanzelberedsamkcit.

In der Schrift äs lit. luäis geschieht zuerst in dieser Classc der Realien eine bc-sondre Erwähnung. Nämlich Arithmetik solle gelehrt werden, was später schon in derzweiten Classe der Fall war, Mela (Geographie) und Proklos (mathematische Geographie)sollen gelesen und die Elemente der Astrologie mitgetheilt werden (ela lit. luä. XXVII.epp. elass. I. 10).

Hatte der Schüler diese 10 Elasten mit Erfolg absolvirt und sich ein Berufsstudiumgewählt, so sollte er sich »un während der folgenden 5 Jahre in freierer Bildungswcisedurch den Besuch der öffentlichen Vorlesungen (xublieua lectiones) diejenigen Sach-und Fachkcnntnisse erwerben, mit denen er alsdann in das Leben eintreten könnte. Inden 10 Gymnasialclassen find die Lehrer gleich wie Familienväter, denen die Zöglingeunbedingten Gehorsam leisten müßen; während des akademischen Cursus unterwerfen sichalle Mitglieder, wie in einem Freistaate, freiwillig dem Gesetze. Letztes Ziel ist aberauch hier die xivtus literata. Im Anschluß an Vorhandenes (die Proff. des theolog.Instituts im Dominicancrkloster, dasgelehrte Capitel von St. Thomas" hielten schonseit längerer Zeit vielbesuchte Vorlesungen) traf Sturm die Einrichtung, daß thcils fürdiesen Zweck berufene Lehrer, theils Geistliche, Aerzte, Juristen, Naturknndige, die inStraßburg lebten, auf seine Einladung öffentliche Vorträge hielten über Theologie,Jurisprudenz, Medicin, Philosophie, Geschichte, Mathematik, Physik und Philologie.Diese Einrichtung, welche Sturm mit einer gcwißen Vorliebe pflegte und auf seinGymnasium aufbaute, erhielt zwar im I. 1567 das Privileg einer Akademie, konnteaber doch die Universität nicht ersetzen und den Jüngling nicht vollständig für seinenLebcnsberuf vorbcrciten. Nicht mit Unrecht erklärt sic Raumer (I. S. 287; Ausg. 3S. 290 für einunglückliches Mittelding zwischen Gymnasium und Universität." Dievon Sturm vollzogene Verbindung der Straßburger Akademie mit seinem Gymnasiumerscheint indessen so auffallend nicht, wenn man bedenkt, daß unsere Begriffe über dieUnterschiede zwischen Gymnasium und Universität erst vom Ende des vorigen Jahrhundertsher datiren und daß früher vieles von dem, was als zur allgemeinen Bildung desStudircnden gehörig dem Gymnasium zugewiescn werden muß, nur auf Akademieen undUniversitäten gelehrt wurde. Durch Sturms Namen und Wirksamkeit fand auch dieStraßburger Akademie Anerkennung, aber keine Nachahmung im Auslände. Von ganzanderer Art war Wolfs xudlieum auäitorium, das noch auf die oberste Classe desaugsburger Gymnasiums folgte und die Gymnasiasten vor ihrem Uebcrtritt auf dieAkademie oder Universität bei einer geringeren Zahl von Lehrstunden und Aufgaben aneine selbständigere Thätigkeit gewöhnen sollte (Raumer I. S. 252).

Sturms Ideal, Bildungsmittel, Methode. Mit einer begeisterten Ver-ehrung des elastischen Altcrthums und gründlichem Eingehen in den aus Italien stam-menden Humanismus verband Sturm den tiefen Ernst christlicher Gesinnung und Ge-sittung, echter Religiosität. Er wich zwar von den sächsischen Reformatoren darin ab,