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Sturm.
sich hci'ter und liebenswürdig wie früher, eine literarische Thätigkcit ließen zuletzt seinebis zur Blindheit geschwächten Augen nicht mehr zu. Sein sehnlichster Wunsch wareine Reise nach England zu der Asche seines besten FrcnndcS und GesimiungSgcnosscnBuccr, um wie dieser ciust bei Eramncr Schutz gefunden hatte, so nun selbst in der-Nähe der hochverehrten Königin Elisabeth eine letzte Zuflucht zu suchen. Aber die Krafteines mühe- und arbeitövcllcu Lebens war erschöpft; nach vollendetem 82. Lebensjahreentschlief er am 8. März 1589 eines sanften und schmerzlosen TodeS, indem er beivollem Bewußtsein seine Seele in die Hände seines Heilandes empfahl. Seine Gebeineruhen auf dem St. Gallus-Kirchhof zu Straßburg. — Drei Kinder aus seiner erstenund ein Söhnchcn aus seiner zweiten in Straßburg geschlossenen Ehe starben im zar-testen Alter. Eine dritte Gattin, Elisabeth gcb. von Hohenburg, hintcrließ er alsWittwe. Ueber seine äußere Erscheinung berichtet die vituo 8t., S. 10
Folgendes: Er war von mittlerer Statur, starkem und rüstigem Körper, dunkler undgesunder Farbe, festem und ehrsamem Blick. Seine Stimme war hell und gleichmäßig,sein Gang leicht und etwas bequem. Im Benehmen liebenswürdig zugleich und ehr-würdig, im Gespräch ernst und heiter war er zu Rath und That entschlossen und ge-wandt, voll Eifers für die öffentlichen und für die Privatangelegenheiten seiner Freunde,mit denen er häufig und gern auf gemeinsamen Spaziergängen und bei sonstigen Zu-sammenkünften verkehrte." Ein schönes Denkmal der Pietät und Zeichen der Verehrungist das kurz nach Sturm's Tode im I. 1590 (von Phil. Glaser, Professor der grie-chischen Sprache in Straßburg) herausgegebene Sammclwcrkchcn: Narren 8turmiani s.blpiosäia sor. in obitum numini v. ä. ,7o. 8turmii una, cum llurantuliis viäem nw-moriuk et Arutituäinis er§o Laotin a äivsrsis umiois et äiseipulis. Die dogmatischenStreitigkeiten sind vergessen, nur den Verdiensten und dem edlen Charakter Sturm'swird bas verdiente Lob gespendet.
Das älteste Porträt, welches wir von ihm besitzen, ist ein Holzschnitt, der ihn im68. Lebensjahre darstellt, in der seltenen ersten Ausgabe von äo exoreitatt. rlrot. liboraeaäemiorw, 1575 (wiederholt in äe univ. ratious eloe. rlrot. 1576). Einen zweiten,im Ausdrucke etwas verschiedenen Holzschnitt enthalten die Nauen 8trrrmiaui. Nacheinem von Tob. Stimmer gemalten (von van der Heyden gestochenen) Oclbilde ist dieschone Lithographie verfertigt, welche Schmidt seinem Leben Sturm'S voranstcllt.
II. Sturms Schule. In der Schrift äe literarum Irrclin rocta aperrorräin hatSturm das Ideal und die Aufgabe seiner Schule mit großer Entschiedenheit undKlarheit entwickelt. Während seiner 45jährigen SchulamtSthätigkcit ist er davon nichtabgcwichen, bei gegebenem Anlaß wiederholt er dasselbe und hält daran unumstößlichfest. Kenntnisse und wissenschaftliche Bildung sind ihm zwar der nächste Zweck derStudien; aber was Hilst alles Wissen, wenn das Leben damit im Widerspruche steht?
Als eigentliches Ziel haben wir daher die Frömmigkeit und Religiosität anzuseheu,wozu der jugendliche Geist durch die Pflege der Wissenschaft hcrangczogcn werden soll.
Die Brauchbarkeit der Kenntnisse wird bedingt durch geschmackvolle Bildung derRede, welche nothwcndig hiuzukommen muß. Diese letztere ist denn die nächste undunmittelbare Aufgabe der Gelchrtcnschule und muß frühzeitig beginnen. Der Studirteunterscheidet sich von dem Nichtstudirtcn eben dadurch, daß er mit der Frömmigkeit,welche allen Menschen zukommt. Kenntnisse und eine gebildete Rede in Wort und Schriftverbindet. Dies ist die piotan litvrata, welche Sturm allcrwärtö als das Ziel derSchulbildung ausstcllt, deren Anerkennung und Verbreitung er seine schulmännischeThäiigkcit gewidmet hat.
Die Claffcncinthcilung und die Lchrpcnsa richten sich nach der nächsten und un-mittelbaren Aufgabe, der fortschreitenden Bildung der Rede (des Unterrichts in der ^lateinischen Sprache). Mit dem 6. Lebensjahre wird der Knabe der Schule übergeben,um die einzelnen Elasten (elasnes, oräinen, curiae, tribun) zu durchlaufen, deren Zahlden 9 (später 10) Lebensjahren gleich ist, welche für den Unterricht in der lateinischen