Stumpfsinn.
Sturm.
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gielosigkeit des Gemüths und das Fehlen cineö jeden idealen Schwungs in der Seele.Es liegen also die Merkmale des Stumpfsinns mehr noch auf der moralischen als aufder logischen Seite. Sein Wesen ist Trägheit aus Mangel an Interesse, Unempfindlich-keit gegen dasjenige, was sonst den Geist gegenüber von den Eindrücken der umgebendenWelt reagircn macht. Man hat aber zu unterscheiden diejenige geistige Interesselosigkeit,welche von schwachen Sinnen und angeborener Mattigkeit des inncrn Triebes hcrrührt,sodann diejenige, welche ihren Grund in dem Mangel an Reizungen deS Bewußtseinsalso in äußeren Umständen hat, und endlich diejenige, welche direct von moralischer Ver-schuldung herrührt. Die erstgenannte ist vorwiegend pathologisch zu betrachten und eignetsich mehr noch zu ärztlicher als zu pädagogischer Behandlung, wiewohl auch der Unter-richt ihr Abhülfc bringen kann; hat man doch die Erfahrung in den Anstalten fürschwachsinnige Kinder gemacht, daß z. B. nicht selten die Formenlehre, die GeometrieSinne und Verstand zu wecken vermochte. Selten ist ein Menschcngeist so auf allenSeiten umschlossen und vermauert, daß auch gar nirgends ein Lichtstrahl in denselbeneindringen könnte, und Aufgabe des Erziehers ist es, den Punct zu entdecken, an welchemman jenem beikommt, sei es durch Bild oder Ton oder Zahl oder durch Beschäftigungder Glieder — Arbeit, Turnen re. Die einzig richtige Methode ist hier die, keine Me-thode zu haben, sondern ganz individuell zu verfahren. — Der Stumpfsinn aus Mangelan Reizungen für das Bewußtsein hat seine Heimat namentlich in den Gegenden desEinödesystems, und zieht besondere Nahrung aus dem Einzelviehhüten — eine schwereAufgabe für den Lehrer an solchen Schulen, und wobei er das Kind nicht entgeltenlassen darf, was an den Verhältnissen liegt. Das Bleigewicht der Monotonie des Lebensvon der Seele abzuwälzen ist eine wahrhaft humane, evangelische Arbeit, und diese Ar-beit liegt z. B. auch denen ob, welche mit den langjährigen Jnsaßcn der Zuchthäuser zuthun haben. Hier ist das andere Extrem von der Stumpfheit zu bekämpfen, welche ausUebcrreiz und Zerstreuung bei denen entsteht, die von früh an in dem immerwährendenWechsel von Bewußtscinsrcizungen umgctrieben werden. — Wo Stumpfsinn aus mora-lischer Verschuldung entstanden ist, fragt es sich, ob hier nicht wiederum in erster Liniedie ärztliche Behandlung einzutreten hat, im andern Fall wird man mit ernsten Zucht-mitteln einschreiten und dem Kinde nichts schenken, denn Weichheit und Schonung sindhier ebensowenig angelegt, als bei einem, der dem Erfrieren nahe schlafen will, und derstirbt, wenn man ihm den Willen läßt, anstatt ihn aufzurütteln. — Legt Stumpfheitsich auf eine ganze Schule, dann hat der Lehrer sich zu fragen, ob nicht sein Unterrichtes ist, der die Seelen schlafen macht, es sei durch eigene Stumpfheit und Langweiligkeit,oder durch Schärfe und Hast, die Muth und Athem den Schülern rauben.
A. Hauber.
Stundenplan s. Lectionsplan.
Stundenzahl s. Unterrichtszeit.
Johannes Sturm. Literatur. Außer zahlreichen persönlichen Notizen, die in SturmsSchriften selbst Vorkommen, sind hier zu nennen die älteste -cktttrsnwmx vitao -Io.Lturinü in dem von Phil. Glaser, Prof, der griech. Spr. in Straßburg, unmittelbarnach Sturms Tode herausgcgcbencn Sammelwerkchen Nanks Lturnüruü, iLr^sut. 1590;eine Oratio Lo vita llo. Lturinü von Melchior Junius ebendaselbst; das Uro^rammaund die ^.xpsncüx 6llronolo§ioa von Rector Sebiz nebst den Gedächtnisreden der Proff.Boeclcr und Bach zum ersten Jubiläum des Straßburger Gymnasiums im I. 1638;Beigaben zu „Fünff Christl. Predigten vom geistlichen Schulbrunncn v. Johann Schmidt,Straßb. 1641. 4°." Die älteren Verfasser und Sammler von Gelehrtcnbiographieen:'loissior, «loxss äos llommss savants, Iltroollt 1696. II. p. 116, ülslolüor ^.ctum,vitas dorm. Ulülosoplloruin, HoictsIborZAo 1715. x. 342 scxc;; Nicero» von Rambach,Halle 1760. XX. S. 86 fgg.; Dun. Oo. Lloellolii Uolxlüstor, Imboeas. 1714 (s. d.Register) u. A. Rnhkopf, Gesch. des Schul- und Erziehungswesens in Deutschland.I. S. 364 fgg. Niemeyer, Grundsätze der Erz. und des Unterrichts, 1825. III.