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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Strafe.

den da nothwcndig, wo mehrere mit einander eingespcrrt werden, damit nicht gemein-samer Unfug oder von den Starkem gegen die Schwachen Unbill geübt werden kann.

Eine weitere Strafe durch die That ist die Auflage von sog. Strafarbeiten.Hiegcgen wird zwar cingcwendet, daß es eine Entwürdigung der Lernarbeit sei, wennman dieselbe zu solchem Zweck anwende. Allein es ist nicht abznsehen, warum maneinem trägen oder schaudelichen Kinde nicht das schlechtgemachte Pensum zum Bcsser-machen aufgeben und hiefür ihm an der sonst der Erholung gewidmeten Zeit einen Abzugmachen soll; aber selbstverständlich verlangen wir für eine mißrathene Arbeit an sichund ohne Rücksicht auf die Stellung des Willens zu derselben, das Nacharbeiten nichtals Strafe sondern als Hülfe. Ucbcrhaupt muß man bei solchen Lcrnaufgaben sichdavor hüten, daß man dem Kinde nicht das Lernen selbst dadurch zum Ekel macht;„die Hauptaufgabe ist vielmehr, dem Schüler das Lernen zur Lust zu machen; diegeistige Arbeit ist eine Ehre des Menschen — und diese will man zu einem Strafmittelmachen?" (Nägelsbach, Gymnasialpädagogik, 2. Aust. S. 63. Das ganze Kapitelvon den Strafen in diesem Buch enthält viele goldene Worte.) Für andere Vergehenist darum eine vermehrte Lernaufgabe nicht passend, um so eher dagegen das Auferlegenvon solchen Geschäften, wozu eine Anstrengung der Glieder gehört. So wird dann dieZeit der Freiheitsentziehung nützlich ansgefüllt, dem Müßiggang, welcher der LasterAnfang, gesteuert, und es kann hernach der Bestrafte mit einem erleichterten Herzenwieder den Blicken des Erziehers begegnen. Haben wir auf Grund der Schrift allesArbeitensollen nach einer Seite hin als eine Strafe anzusehen (1. Mos. 3.), so wirdauch der Arbeitszwang sich für gcwiße Fehltritte rechtfertigen lassen als ein Gehen aufdem Wege der göttlichen Pädagogik.

Körperliche Züchtigung, Freiheitsentziehung und Nöthigung zur Arbeit sind diedrei hauptsächlichsten Erweisungen der strafenden That. Allein es stünde schlimm umdie Erziehung, wenn sie häufig gcnöthigt wäre, zu solchen schärfern Mitteln zu greifen.Es giebt viel einfachere, und die sinnlich weniger einschnciden und dennoch dem Gemüthrecht nahe gehen können. So ist Entziehung einer Gunst für das feiner fühlendeKind oft recht empfindlich und wirksam, als z. B. Nichtmitgcnommcn werden, wenndie Eltern einen Ausflug machen, auf den gewohnten lieben Platz am Tisch neben Vateroder Mutter beim Essen verzichten müßen, gar nicht am Tisch essen dürfen und dgl.Wer wird zu Herbern Mitteln greifen wollen, so lange diese und ähnliche anschlagen!Auch die Entziehung des Mitgcnusses von einem Licblingsgcricht ist zu den leichternCorrcctionsmittcln zu rechne». Dagegen erscheint das eigentliche Strafhungcrn währendder Jahre des Wachsthums nicht angemessen, es geschehe denn gegen Kostverachtungaus Schleckerei, wobei dann die verschmähte Speise durch Hunger genießbar gemachtwerden soll, oder wegen Naschhaftigkeit. Völlige Nahrungscntziehung zu der Zeit, woder Körper gewöhnt und gcnöthigt ist sich zu restaurircn, lenkt die Gedanken viel zustark dem sinnlichen Bedürfnis entgegen, als daß für die Gedanken der Reue noch ge-nügend Raum übrig bliebe, wogegen eine mit Maßen verhängte Kostschmälerung vongünstiger Wirkung sein kann. Nur soll man nicht vergessen, wie leicht durch das falscheMitleid irgend eines Hausgenossen eine solche Strafe illusorisch werden kann.

Mit den vorhin genannten Mitteln der Gunstcntziehung verwandt, aber jene zu-gleich weit hinter sich lassend, ist diejenige Strafe, welche ein Zögling, der sich durch-aus nicht mehr von den Seinigen ziehen lassen will, durch Entfernung aus demHause und Uebergabe an Fremde zu erleiden hat. Eine solche Exilirung kann selbst inFamilien, bei welchen es an der Erziehungsthätigkeit nicht fehlt, uöthig, und sic kannauch nüzlich werden theils durch die damit verbundene Gemüthserschütterung und Ge-wissensweckung, theils infolge der Diversion, welche zuweilen der ganzen Gedankenrich-tung eines Zöglings damit gegeben wird. Es ist Versetzung in andern Boden, undwird das richtige Klima getroffen, so kann sie gelingen. Aber eine große Verantwor-tung ist die Auswahl. Wer bloß, um sich die Unlust der Erziehung vom Halse zu