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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Strafe.

Art. Schulstrafen S. 296). Da es aber gleichwohl Sprüchwöiter fürs Schlagen giebt,so leitet dieser Gelehrte dieselben von Gelehrten ab, es seien Umschreibungen alttesta-mentlicher Sätze, welche der Schulmeister sodann zu Cardinalsätzcn erhoben und insUnendliche variirt habe; so z. B. die Sprichwörter: „Allzugelind zieht böse Kind!frische Ruthen, fromme Kinder; Ruth macht böse Kinder gut; du sollst den Sohnbitten, wie man den Esel thnt." Dagegen erhebt nun das Volkssprichwort Einrede:„Der Pfaffe vergißt, daß er in der Schule gewesen ist; vom Schlagen hat niemandVortheil als der Mezger; Zorn wirft blinde Junge; besser ein Kind ungeschneuzt lassenals ihm die Nase abbeißen; Zwang nährt nicht lang; wenn man ein Kind mit einemWeidengertlein schlägt, wächst es nicht mehr; das Kind, das man mit der Hasel züch-tigt, verkrüppelt." Abgesehen von einzelnen dem Sprichwort geläufigen Zuspitzungen inden einander gegenübergestellten Sätzen wird man doch nicht sagen können, sie seien soverschieden, daß die einen nur die natürliche, die andern die mislcitete Volksrede ent-halten. Aber Rochholz geht noch weiter und behauptet, unser vaterländisches und sitt-liches Bewußtsein sei durch Kleriker mit den ungenießbaren Ueberbleibseln hebräischerund antik heidnischer Vorstellungen wie mit benagten Knochen abgespeist worden; ganzanders der bürgerliche Verstand; auch nach der Reformation sei man bald wiederum indie eiserne Zeit zurückgesunken, und diese eiserne Zeit erkläre sich auf folgende Weise:der Mönch stammte meistens aus der Leibeigenschaft, auch in höher» Ständen drohteihm noch die Sklavenpeitsche, dies gieng auf den christlichen Staat und zuletzt auf denfreien Mann über; der ursprünglichen Sklavengesinnung thaten sich die Gebiete geist-licher und weltlicher Herrschaft ans. „So kam Stock und Ruthe znm Regiment, undum so erbarmungsloser mußten beide geschwungen werden, sobald sic derjenige führte,der sie vorher ausschließlich gekostet hatte." Die so hart gezüchtigten Jungen undMädchen, meint R., wurden dann ebensoviel dreinschlagende Väter und Mütter, unddie abgestumpfte Empfindung durchdrang alle Stände. Sonach müßten wir in derSitte der körperlichen Züchtigung eine nndeutsche, von zu Mönchen gewordenen Leib-eigenen und beschränkten Magistern dem Volke eingeimpften Erziehungskrankheit erkennen,durch welche wir z. B. selbst hinter amerikanischen Wilden zurückzustehen hätten, wiewir denn zu hören bekommen, daß ein Sioux-Indianer am Missouri zu einem christlichenMissionar gesagt habe: „Man hat mir erzählt, daß ihr eure Kinder schlaget; das istgrausam." Lassen wir dem Indianer seine Vorstellung von unserer Grausamkeit undsein wir froh, daß wir seine Vorstellung von dem, was nicht grausam ist, nicht anunsrer Kopfhaut zu erfahren haben. Dem Autor des interessanten Genrebildes von „DieRuthe küssen" aber werden wir wohl entgegenhälten dürfen, daß er den Gelehrten undKlerikern Unrecht thnt, wenn er sie für alle die herben Schläge, welche in frühemZeiten auf Hände und Rücken der Kleinen gefallen sind, verantwortlich macht. Eswaren eben herbe Zeiten, da sie fielen und da man meinte, an dem Eingeben vonBirkenrnthenlatwerge und am Einreiben des Rückens mit ungebrannter Asche oder wiesonst der Humor nicht ungntmüthige Namen schöpfte, die Haupthausmittel gegen kindlicheVergehen zu haben. Wer kann aber wissen, in welche Herbigkeit auch die Erziehungsarbeitabermals hineingeriethe, wenn wiederum jahrelange Kriege das Bestehende und die Ge-müther durchschütterten wie vor Alters. Von je ist die Function des Streifens in Pro-portion zu der ganzen Gedanken- und Geistesentwicklung eines Volks gestanden und eshaben alle Stände miteinander theilgenommen an der größer» oder geringeren Hart-schlägigkeit oder Feinfühligkeit der Zeit, diese aber entsprachen zumeist dem, was die Be-völkerungen dnrchzumachen und zu erfahren hatten. Diese geschichtliche Regel wird durcheinzelne Ausnahmen von Zurückbleiben oder Vorausschreiten nicht umgestoßen, dagegenmuß man sich allerdings vor derjenigen Täuschung über den Genius einer Zeit hüten,welche entsteht, wenn bloße Theoretiker als dessen vollgültige Vertreter angesehen wer-den wollen und dafür diejenigen Männer, welche mitten in der wirklichen Arbeit anden Dingen und Menschen stehen und täglich erfahren, wo der Schuh drückt, nichts