Strafe.
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umgekehrt, und das stumme Instrument galt für den Stellvertreter der Worte nicht nurim Ziehen sondern auch im Lehren; nt mit dem Jndicativ: 6 Tatzen, und so eine Schlagtaxefür mancherlei Schnitzer im Lateinschreiben. Man wird annehmcn dürfen, daß dieserBrauch allgemein in Abgang gekommen ist; er ist mit Recht verurthcilc und die Latein-schule hat gelernt, durch die Vervollkommnung der methodischen Einübung von Regelnjene ältere grobe Stockmethode zu entbehren. Indessen wird man den Lehrer nicht ohneweiteres verdammen können, welcher unter Umständen sich einer solchen abbrevirtenBeihilfe zum Behalten von Regeln mit Maßhalten bedient. Hier tritt dann aber derStreich weniger als Strafe denn als Denkzettel auf, uikd nicht das tiefer liegende Ge-wissen will durch das sinnliche Mittel getroffen, sondern das Gedächtnis erneuert undbefestigt, der Vergeßlichkeit ein Notabene gegeben werden; und wo man alle Schülergleichmäßig behandelt und jeder ohne Ausnahme für den gleichen Fehler den gleichenDenkzettel erhält, da läßt das gemeinsame solnmsn miseris ein Gefühl individuellerVerletzung nicht aufkommen. Was die Anwendung des Stocks aus grammatikalischeVerfehlungen betrifft, so bezeugen doch noch manche der Aeltercn, daß ihr Schulsackimmerhin demselben seine größere Haltbarkeit auch mit verdanke; aber gewiß ist, daßman niemand zum Gelehrten prügeln kann, und daß es ein nicht eben weites Alters-gebiet für Leruschläge gicbt. Wo solche überhaupt noch angewendet werden, dürften siein die Mitte zwischen die ersten und letzten paar Knabenjahre fallen, d. h. in die Zeitzwischen dem ersten manchem Kopfe überaus schwerfallenden Bewältigen der Elementeund zwischen dem Eintreten des Schülers in die innerlich spontanere Geistesthätigkeit,da bei dem einen Pflichteifer und Ambition den äußerlichen Antrieb ersetzen, bei demandern sich die Nutzlosigkeit der letzteren bereits geoffenbart hat und angezeigt ist, daßer die Ziele der Bildung auf dem schulmäßigen Wege nun einmal schwerlich erreichenwerde. Nicht mehr bloß als Denkzettel, sondern als wirkliche Strafen treten jedochdiejenigen Lernschläge auf, welche dem Faulen, dem an habitueller Nachläßigkeit undSchaudelci leidenden Knaben zugemessen werden. Das sind Vergehen, sittliche Unarten,ihnen gegenüber reagirt die gerechte Indignation und vergilt dem Fleisch durch sinnlicheMittel. Mit dieser Ansicht tritt man allerdings den in der neuen Pädagogik herrschen-den Maximen entgegen. So will z. B. Schräder (Erziehuugs- und Unterrichtslehre8- 62) die körperliche Züchtigung bei Faulheit, Nachläßigkeit, Plauderei, Vergeßlichkeitnicht zulassen, auch nicht bei Lügen und Verstocktheit, sondern sie nur angeweudet wissenbei frechem Trotz, Roheit, Bosheit, also nur als einen schnellen Willcnsbrccher beiunverschämtem Betragen, dem gegenüber er die augenblickliche Ohrfeige für die besteSühne und das zuverläßigste Heilmittel erklärt, und auch der Roheit und Bosheitgegenüber sollen wenige Schläge mit einem dünnen Stückchen auf die Finger oder denRücken genügen. Schräder geht somit in seiner Abneigung gegen den Stock weiter alsman zur Zerr der ersten nachdrücklichen Bekämpfung des mit diesem getriebenen Mis-brauchs gegangen ist. So läßt Campe (Allgemeine Revision des gesammtcn Schul-und Erzichungswesens Th. X) den Stock gelten für ein schon verwöhntes, verdorbenesKind, wiewohl da nur bei vorsätzlichem Ungehorsam, halsstarriger Widersezlichkcit undbei Sanguinikern, ja nicht bei Cholerikern, bei Verlezung anderer und gegen schädlichekörperliche Gewöhnungen (S. 557). Das stärkste, was gegen das Schlagen gesagtwerden könnte, sagt wohl E.L. Rochholz in seinem interessanten: „Die Ruthe küssen."Ein Abschnitt aus der deutschen Erziehungsgeschichte (Pfeiffers Germania Jahrgang l.S. 134 u. f.). Er behauptet, die alten freien Deutschen haben ihre Kinder gar nichtgeschlagen; es liege dies überhaupt nicht in der Sittenlchre des deutschen Volkes, undwenn unter den mittelhochdeutschen Dichtern einige die Ruthe preisen, so seien es didak-tische Autoren, deren Wissen und Urtheil auf die Klosterschulung zurückwcise, auf dersie stehen, so der schwäbische Marner, der schwäbische Katholik Abraham a Sanra Clarader schwäbische Lutheraner Häberle (der bekannte Buchführcr über alle von ihm in 51Jahren der Schulthätigkcit ausgetheilten körperlichen Züchtigungen jeglicher Art, s. d.