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Strafe.
und roheren Kameraden zn machen. Einem begabteren Schüler mag unter Umständendas Salz des feinen SpottcS ohne Nachtheil zu kosten gegeben, ja es kann ihm dies so-gar zur Förderung werden; aber solch ein Salz will cum §rano salis angcwendct werden.Ironie, von oben herab ihre scharfgespitzten Pfeile einbohrend, wird namentlich in denJahren des aufstrebenden Ehrgefühls eher schaden als nützen, jedenfalls wird sie ihrenZweck unter vier Augen leichter erreichen, als wenn der Jüngling in Gegenwart seinerMitschüler sich beschämt sieht. Wer irgend mit der Jugend zu thun hat, sollte sich immerrecht gegenwärtig halten, was ihm in den Tagen seiner eigenen Entwicklung wohl oderwehe gethan, und bedenken, wie finnpflanzenartig während dieser Jahre das Herz imPunct der Ehre empfindet. Ter Erzieher, welcher des Zöglings Ehrgefühl sich zumFeinde macht, wird dessen Gewissen nicht leicht zum Bundesgenossen haben, und dock be-darf er beider als Gehülfen gegen die Regungen und den Widerstand von Seiten derunedlen Triebe des natürlichen Menschen. — Anhangsweise mag hier noch beigefügtwerden, von welchem volkspädagogischen Werth eine honnete Behandlung derjenigen Jüng-linge ist, welche die strenge Schule der Uebung für den Kriegsdienst durchzumachen haben;denn je nachdem die Vorgesetzten mit ihnen, welchen kein Widersprechen erlaubt ist, um-gehen, wird ein williges und männliches Wesen, oder aber Verbissenheit und Verschmitzt-heit und anstatt des militärischen Gehorsams die Augendienerei erzeugt, welche nur derGelegenheit wartet, um in Meisterlosigkeit und Unfug überzugehen. Man hat, zurSchonung der Ehre, bei den Heeren die Prügelstrafe abgeschafft; man hat aber damitwenig oder nichts gethan, wenn das rohe Schimpfen und Hineinflnchcn über die Leutebestehen bleibt.
Je umfassender das Strafgcbiet des Wortes — denn die meisten pädagogischenStrafen bestehen doch in mündlichen Rügen — und je entsprechender der vernünftigenAnlage des Zöglings diese verständlichste Art der Zurechtweisung ist — denn „Schelten,"d. i. mit dem ernsten Worte strafen, „schrecket mehr an dem Verständigen, denn hundertSchläge an dem Narren" (Spr. Sal. 17, 10) und „wer Strafe höret, der wird klug"(15, 32), — um so mehr kommt es darauf an, daß sie auch in der rechten Weise er-folgt: kurz und bündig, energisch, ohne Bitterkeit und Hohn, ohne Verletzung der auch indem Irrenden zu achtenden Ehre. Wo der ganze Mensch niedergcdonnert wird, da richtetsich hernach auch der ganze wieder auf und seine Fehler sammt ihm. Hat der Zöglingdurch sein Vergehen sich selbst beschimpft, so ist Beschimpfung durch den Erzieher daskräftigste Mittel, das Gefühl der Scham in ihm vielmehr zurückzudrängen; er wird da-durch in einen Stand der Nothwehr versetzt, bei welchem er nicht nur sich selbst vcr-theidigt, sondern am Ende auch noch sein Vergehen vor sich zu entschuldigen versucht ist.Dann wird das Gefühl der Beschämung zur Abcndröthe, auf welche Nacht folgt, anstattdaß es als Morgenröthe einem bessern Tag vorangienge. Daß letzteres geschehe, dazumuß der sittliche Ernst und die würdige Sprache der tadelnden Zurechtweisung dienenein gereinigtes Zürnen aus dem Gewisseu an das Gewissen.
Gehen wir nunmehr drittens zu der Betrachtung der strafenden That über, sobegegnen wir zunächst der Frage von dem Schlagen. Dabei erinnere man sich audas oben über den Einfluß der Zeitvorstellungen auf gewiße Strafarteu Gesagte. Ist»cmlich in einem Lande oder in einer Anstalt diese Art von Züchtigung durch die öffent-liche Meinung verpönt und für etwas der Sitte wiversprechendes allgemein anerkannt,so kann nur noch etwa theoretisch über ihren Werth geurtheilt werden, aber praktischist das ohne Belang, es müßte denn die Noth zur Einsicht in die Unentbehrlichkeitsolcher Strafe zurückführen und man erkennen, daß übertriebene Schonung der Ambitionzuletzt ein ganzes Volk ambitionskrank machen und ins Elend führen kann. WasDeutschland betrifft, so wird hier in den meisten Häusern und Schulen noch körperlicheZüchtigung angewendet. Wie verhält sich dem gegenüber die wissenschaftliche Pädagogik?In der Regel wird Schlagen nur, wie der Krieg, als ultima ratio angesehen; wennalles andere nicht mehr hilft, alsdann der Stock. In frühern Zeiten war es häufig