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Spanien.
Nicht bloß Cordova, sondern mich Granada, Sevilla, ilativa, Valencia, Jacn,Murcia, Almcria, Malaga, Vclez besaßen im zehnten Jahrhundert Akademien und höhereSchulen, die den Christen und den Juden so gut wie den Mnhamedancrn ofscn standen.Die Juden hatten in derselben Zeit ebenfalls Spccialschulcn gegründet für das Studiumihrer heiligen Schriften. Vorbild für diese Anstalten war die von dem Rabbi Moschchaus Persien gestiftete jüdische Akademie zu Cordova, deren Glanz in die Hauptstadt derKhalifen zahlreiche Gelehrte ans Nordafrika, ja aus fernen asiatischen Ländern versam-melte. Ha schein II., Sohn des Alhakcm II., gewährte den Söhnen Israels seinen be-sondern Schutz, er ließ sich den Talmud ins Arabische übersetzen und verlangte in derMischnah unterrichtet zu werden. Die positiven Wissenschaften wurden von den Indenmir dem gleichen Eifer wie von den Arabern bearbeitet. Alle Schranken waren gefallen;man lebte unter dem Schirm einer religiösen Duldung zusammen, von welcher die Ge-schichte nur wenige Beispiele kennt. Dieser Stand der Dinge dauerte zwar nicht lange;allein seine wohlthätigcn Wirkungen ließen sich noch mitten in den Stürmen war-uchmcn, welche das Khalifat erschütterten. So kam es, daß die hebräische Bildung undLiteratur ihre höchste Blüte erst im zwölften Jahrhundert erreichte, im Jahrhundert desAbcneSra und Maimonides. Aber so groß war auch schon der Einfluß des reli-giösen Fanatismus, der seit der Usurpation des Hüdschib Alinansur sein Haupt in Spa-nien wieder zu erheben begann, daß die Schriften des Maimonides, dem man imübrigen einen hohen, die Masse überragenden Geist nicht absprcchen kann, von giftigemHaß gegen die Andersgläubigen erfüllt find. Alinansur hatte gegen das Ende dcSzehnten Jahrhunderts die Periode der Umkehr damit eröffnet, daß er die von Alhakcmmit Sorgfalt und Liebe gesammelten literarischen Schätze, mit Ausnahme der theologi-schen, grammatischen und mcdicinischcn Werke, auf öffentlichem Platze verbrennen ließ.Die Philosophie vorzugsweise war Gegenstand offener Verfolgung; aber, wie Nenanbemerkt, alle Anstrengungen, die man machte, um sie zu unterdrücken, dienten nur dazu,ihr neues Leben zu geben. „Das goldene Zeitalter Alhakcms selbst hat der Nachweltkeine berühmten Namen zu verzeichnen hintcrlasscn: aber die von der Glaubcnswnthverfolgten Avempace, Abubaccr, Avenzoar, Averroös*) haben ihre Namen undihre Werke im Strome europäischen Lebens, das heißt im wahren Leben der Menschheitverewigt."
Man ist berechtigt anzunehmcn, daß die Unduldsamkeit des Hüdschib nur in demBedürfnis ihren Grund hatte, sich des Volkes Gunst zu erwerben, um seine angemaßteStellung zu decken und sich darin zu halten. Persönlich schätzte er die Gelehrten, unddie Geschichtschreiber sagen, in Friedcnszeiten sei sein Palast selbst gleichsam eine Akademiegewesen. Er gefiel sich auch darin, die Schulen und Lehranstalten zu besuchen, er setztesich mitten unter die Schüler hinein und duldete nicht, daß die Lcctioncn durch sein Er-scheinen unterbrochen wurden. Den Eifer der Lehrenden und der Lernenden belohnte erreichlich, und sorgte dafür, daß die Ausgezeichnetsten für die Stellen an den Moscheenund als Kadis ausgesucht wurden. Die bei seinem Tode ansbrechendcn Bürgerkriegeund die Kämpfe mit den Christen lähmten nun aber allmählich den Eifer für geistigeBestrebungen, von dem er das letzte Beispiel gegeben halte. Die arabische Wissenschaftzählte, wie die jüdische, im zwölften Jahrhundert noch ausgezeichnete Vertreter; aber inder Hauptsache war sie unter dem Einfluß der religiösen Ausschließlichkeit auf eiumalmit Unfruchtbarkeit geschlagen, wie von einem Mehlthau betroffen, und den christlichenNationen allein blieb von jetzt an die Aufgabe, die Früchte des aus dem Alterthum über-kommenen Erbes zur Reife zu bringen. Dieses Erbe zu erhalten und ihnen zu über-liefern scheint in der That die weltgeschichtliche Mission der Bekenner des Islam gewesenzu sein.
*) Jbn Babjah, Ilm Zohr, Jbn Tofail, Jbn Raschid.
Idvorroös ot 1'^.rorroisms, Uaris 1852. 8. S. 6.