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9 (1873) Spanien - Vives
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Spanien.

Muhammcd I., Sohn und Nachfolger AbdcrrahmanS II., zeigte weniger Eifer fürGründung und Fortführung wissenschaftlicher Anstalten, als sein Vater. Aber der Anstoßwar einmal gegeben, und der Fortschritt erfolgte von selbst.Zn Eordooa wurde daaHans eines gelehrten Fakih, Iahst el Laithi, der in seiner Jugend zweimal in den Orientgereist und von dem berühmten Malik bcn Ancs, seinen: Lehrer,Spaniens Verstandund der kluge Andalusier" genannt worden war, von Zuhörern und Schülern in Mengebesucht, gleich einem öffentlichen Lehrsaal" *).

Unter der Regierung Abderrahmans III. (912971) und Alhakcms II.(971976) erreichte dann das Khalifat der Ommajadcn seinen höchsten Glanz in jederHinsicht. Niemals waren die Gelehrten, Dichter und Künstler gesuchter, zu keiner Zeitwurden verhältnismäßig beträchtlichere Summen auf Bibliotheken und wissenschaftlickeSammlungen verwendet**). Selbst vortrefflich unterrichtet, wußte Abdcrrahman Illlseine Leidenschaft für die Förderung alles Wissens auch den Großen seines Hofes nunzuthcilcn. Das Hans des Wcssirs Abu Aamir bcn Achmed ben Said wurde der Sam-melplatz der berühmtesten Männer Andalusiens: man las daselbst Gedichte vor, mandiscntirte wie in unfern Akademien***). Die Mcdicin, die Naturwissenschaften, die Mathe-matik und Astronomie waren zumal in hohen Ehren. Alhakcm II. krönte dann seinesVaters Werk, indem er mit großen Kosten im ganzen Orient Abschriften der bestensowohl alten als neuen Schriftsteller fertigen ließ)), indem er spanische und auswärtigeGelehrte nach Cordova zog und die Philosophen schützte,welche nun endlich sich ihrenStudien widmen konnten, ohne fürchten zu müßcn, von den Fanatikern umgebracht zuwerden."

Es versteht sich, daß unter so erleuchteten Fürsten auch die Schulen blühten, undder Unterricht in allen Stufen tüchtig organisirt war. Abdcrrahman richtete sogar höhereTöchterschulen ein: die Mädchen in denselben waren Lehrerinnen anvertraut, welche sicin allgemeinen Kenntnissen unterrichteten und ihnen Gedichte erklärten. Alhakcms Vor-sorge erstreckte sich auf alle Altersstufen und auf alle Elasten der Gesellschaft.TiePrimärschulcn", sagt Dozy a. a. O.,waren bereits zahlreich und gut. In Andalusienkonnte jeder lesen und schreiben, während im christlichen Europa die Höchstgestellten dessenunkundig waren, wofern sie nicht dem Priestcrstande angehörtcn. Grammatik und Rhetorikwurden ebenfalls in den Schulen gelehrt. Alhakem hielt gleichwohl den Unterricht fürnoch nicht genug verbreitet, und in seiner wohlwollenden Fürsorge für die Armen stifteteer in seiner Hauptstadt siebcnundzwanzig Schulen, in welchen die Kinder vermögensloserEltern unentgeltlich unterrichtet werden solltet: die Lehrer waren von ihm besoldet. Wasdie Universität Cordova betrifft, so war sie damals eine der ersten der Welt. In dergroßen Moschee denn da wurden die Vorlesungen gehalten behandelte Abu Belribn Moawijah, der Korcischite, die gelehrten Streitfragen über Muhammcds Personund Lehre; Abu Ali Kuli aus Bagdad dictirte daselbst ein großes, schönes Heft, welcheseine unglaubliche Menge merkwürdiger Nachrichten über die alten Araber, ihre Sprüch-wörter, ihre Sprache und Poesie enthielt, und welches er später selbst unter dem TitelAmüli (d. h. Dictatc) herauSgab; die Grammatik lehrte Ibn cl Kntiah, welcher nachAbu Ali Küli's Unheil der gelehrteste Grammatiker Spaniens war. Andere Wissen-schaften hatten nicht minder berühmte Vertreter. Auch zählten die Studenten, welchedie Vorlesungen besuchten, nach Tausenden. Tie meisten von ihnen studirten, was mandas Fikh nannte, d. h. Theologie und Rechtswissenschaft: das Fikh führte nämlich zu deneinträglichsten StaatSstcllen."

') Schäfer Bd. II, S. 63.

**! Die Stadt Cordova allein besaß 70 von Abdcrrahman gestiftete Bibliotheken.

Schäfer Bd. II., S. 64.

ch) Arabische Geschichtschreiber berichten, daß er in seinem Palast in Mcrwan bis auf400,000 Bände znsammenbrachte. S. Ilistoiro ckss musulmans ck'Lspa§ns. I.ovcko 1861.

8. Doms III, p. 108.