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9 (1873) Spanien - Vives
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Spanien.

bald sic mir erst im Lande gehörig befestigt war, cs sich vcr allem andern angelegensein ließ, daS Wiederaniblühen der Wissenschaften nnd Künste zu fördern, aber unterganz andern, ganz neuen Bedingungen.

Im geraden Gegensatz gegen die Germanen unternahmen die Araber ihre Erobe-rnngszüge anZ Bckehrnngseifcr. Statt daß sic sich hätten vcn den Besiegten bckebrcnlassen, drangen sie überall vordas Schwert in der einen, den Koran in der andernHand". Gleichwohl begriffen sie nach und nach, von der großen Umwälzung an, welchedas muhammcdanische Spanien vom Joch der Khalifcn des Ostens befreite, daß der Ge-wissenszwang Gefahren für die Dauer ihrer Herrschaft hcrbciführcn würde. Tic Christenlebten daher in Cordova ruhig fort nnd hatten freie NcligicnSübung unter der einzigenBedingung, daß sie äußerlich den Islam respcctirten. Tie Kirchen- nnd Klosterschnlcnblieben geöffnet; dagegen waren öffentliche Aemtcr ausschließlich den Muselmännern Vor-behalten, die gemischten Ehen wurden begünstigt, und die den Renegaten zu Thcil wer-dende Bevorzugung breitete nnincrklich die Lehre Muhannncds aus, so weit die arabischeHerrschaft reichte. Tie Inden wurden nicht minder gnädig behandelt als die Christen:wir haben bereits erwähnt, daß sie sich von vorne herein bereits Ansprüche ans freund-liche Berücksichtigung erworben hatten.

Um sich im Besitz ihrer Eroberung zu befestigen, rechneten die Araber hauptsächlichans die Uebcrlcgenheit ihrer wissenschaftlichen Bildung, nnd ans den Einfluß des mate-riellen Wohlstandes, welchen sie der Bevölkerung brachten. Schon im Mcrgcnlandehatten sie die Schriften der Griechen kennen gelernt, und wenn auch der größere Theilderselben als gefährlich für den Gläubigen geächtet wurde, so waren doch wenigstensAristoteles, Thcophrast, Euklid, Ptolcmäns und Hippokratcs in Damaskus und in Bagdadheimisch geworden. Als Cordova Mittclpunct eines, unabhängigen Reiches gewordenwar, trat es auch die geistige Erbschaft der letztgenannten Hauptstadt des östlichen Khalifcn-staates an, welche nun allmählich in Ucppigkeit versank nach den glänzenden Regierungendes Harun Alraschid nnd Almamnn (762833). Ter zweite abendländische Khalif,Hasch cm I., Haruns Zeitgenosse, cröfsnete bereits jenes Zeitalter des neuen geistigenAufblühens, er schützte die Gelehrten und gründete Schulen, in welchen die Christen zn-gelasscn wurden und arabisch lernten: eine Maßregel, welche überdies den Vortheil hatte,die beiden Völker einander zu nähern. Abdcrrahman II. gicng ans demselben Wegeweiter: die Schulen einer großen Zahl von Städten erhielten eine regelmäßige Aus-stattung mit Einkünften aus Staatsgütern; dreihundert Waisenkinder wurden in derSchule der großen Moschee von Cordova*) erzogen nnd unterhalten. Ter Khalif warein leidenschaftlicher Verehrer der Poesie, dieser vcn den Arabern so hoch gehaltenenKunst: man rühmt seine eigenen in VerSmaß und Reim ausgezeichneten Stegreifdich-tungen; die Musik liebte er so sehr, daß er dem berühmtesten Tonkünstlcr Persiens Alibcn Scrrab reiche Anerbietungen machen ließ, bis dieser nach Spanien kam, wo erdann in Cordova eine eigentliche Musikschule leitete. Herrliche Bauwerke stiegen empor,Paläste, Moscheen, Brücken, Wasserleitungen, Bäder nnd Brunnen: die großartigen An-stalten zur Bewässerung der reichen Landschaft um Cordova verbreiteten überall köstlicheFrische nnd Fruchtbarkeit, und machten die andalusische Hauptstadt und ihre Umgebungzu einem reizenden Aufenthalt. Ter Hof gab daS Beispiel seinen und gebildeten Lebens,geistige Genüße wechselten mit ritterlichen Kampfspiclcn und Festen aller Art, welche dasVolk ergötzten und sich seines neuen Wohlergehens erfreuen ließen. Wir erinnern beidieser Gelegenheit daran, daß die Khalifcn von Cordova als die eigentlichen Begründerdes Ritterthnms anzuschcn sind.

*) Lembke Bd. I, S. 368. Schäfer Bd. II, S. 62. Der Ban der Aljama, der großenMoschee von Cordova (heutzutage die Kathedrale), welche alle im Orient übcrtraf, ward schonunter Abderrahman I., dem Gründer des onnnajadischen Khalifats in Spanien, begonnen.Dieser Fürst hatte sich überhaupt bereits durch seine Prachtliebe und seinen Kunstsinn aus-gezeichnet.