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Spanien.
rückblcibcnden eine stille Erbitterung, die in der Unterstützung zu Tage kam, welche dieJuden den Mauren bei der Eroberung Andalusiens leisteten.
Man kann sich leicht denken, daß die Wirren des fünften Jahrhunderts und dasgewaltsame Vordringen der Gothen den Schulen einen tödtlichen Stoß versetzten. DerKlerus allein erhielt seine Lampe brennend in der finstern Nacht; mitten in der allge-meinen Barbarei suchte er wenigstens für sich selber einen schwachen Schein des Lichtsder Wissenschaft zu bewahren. Drei Namen insonderheit verdienen cs, daß man ihrergedenkt: cs sind die drei Brüder Leander, Fulgcntins und Jsidorus von Sevilla,im siebenten Jahrhundert, alle drei in der hebräischen, griechischen und lateinischenLiteratur wohl bewandert. Der Unterricht hierin hatte also in der Hauptstadt der Bäticanicht ganz aufgchört. Bei Isidor verweilen wir einen Augenblick, wegen seines Etymc-logikon (origanum s. et^moloAiarum lidri XX), einer wahren Encyklopädie des Wissensvon göttlichen und menschlichen Dingen, nicht vollendet, aber später überarbeitet von demBischof Braulio von Saragossa; ein Werk, welches mit den Schriften des BoethiuSund Cassiodorus und dem Abriß des Marcianus Capella das Privilegium thcilte, dieStudirenden in das trivium und grmärivium cinzuführcn *). Nur die drei ersten vonden zwanzig Büchern, aus welchen das Werk zusammengesetzt ist, entsprechen dieser tra-ditionellen Einthcilung der Studien **). Beiläufig wollen wir bemerken, baß dieser Bischofvon Sevilla der erste war, welcher im Mittelalter mit der Naturgeschichte sich beschäftigte.Freilich darf man von ihm weder Beobachtung noch Kritik verlangen; seine Vorstellungensind oft gerade so verworren, als seine Etymologien gewagt sind; aber das „unfruchtbareDenkmal" ***) interessirt den Geschichtsforscher dadurch, daß cs ihm einen Maßstab fürdie Unwissenheit der Zeit giebt, in welcher cs geschrieben wurde, und damit auch für dieniedrige Stufe, zu welcher die höheren Schulen hcrabgcsunkcn waren. Auch ist zu be-achten, daß der Plan des Werkes einer Richtung entspricht, auf welche wir schon beiColumella hingedeutet haben. Die große sokratische Lehrwcisheit war verloren gegangenoder wenigstens bedenklich entartet; statt die Geister aufzuschlicßcn, ihre schöpferischeKraft anzurcgen, ließ der Unterricht sie sich passiv verhalten und schnürte sie in dieBande hergebrachter Definitionen und Formeln ein. Die Wissenschaft erstarrte, sie kaman den Schüler ganz fertig, von außen her: man hielt sich für gelehrt, wenn man invordu nmZ-istrl geschworen hatte und wörtlich herzusagen wußte, was auswendig gelerntworden war. Da eine tiefere Forschung nicht mehr im Brauch, ja gar nicht mehrmöglich war, so überredete man sich leicht, daß man alles wiße, wenn man ein wenigvon allem wußte: niemand fand sich, der die verbrieften und beglaubigten Jrrthümerberichtigt und die Obersätze der Schlüsse durch ueue Beobachtungen geprüft hätte. JedeWissenschaft war der Theologie untergeordnet und wurde nach der für diese angenom-menen Methode behandelt, d. h. auf eine Anzahl oanonss, dogmatisch formulirte Sätze,zurückgeführt. Später, viel später, — und nicht in Spanien! — löste sich von demencyklopädischen Programm der Studicnordnung die Idee des Organismus der Wissen-
Das Etymologikon blieb ein Schulbuch bis ins zwölfte Jahrhundert. S. Uouobst,bistoirs äos soienoW natirrsilog an ino^on ÜAe. Inaris 1853. 8. p. 40.
Die allgemeine Inhaltsangabe des Werks wird eine Vorstellung von der Mannigfaltig-keit des darin mehr oder weniger ausführlich abgehandcltcn Stoffes geben. Buch 1: Grammatikund Geschichte. 8: Rhetorik und Dialektik. 3: Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik.4: Mediciu. 5: Gesetzgebung. 6: Bücherabschreibcr und geistliche Aemter. 7: Von Gott undheiligen Menschen. V: Von der Kirche und Synagoge, Häresie und Schisma, Zauberern undHeiden. 9: Von den Sprachen. 10: Etymologien, alphabetisch geordnet. 11: Von demMenschen. 12: Von den Thieren. 13 und 14: Von der Welt und dem Erdkreis, und seinenTheilen. 15: Von Städten, Häusern und vom Landbesitz. 16: Von Metallen, Steinen, vonMaß und Gewicht. 17: Vom Feld- und Gartenbau, von den Pflanzen. 18: Kriegswesen undSpiele. 19: Bauwesen, Schiffswescn, Kleidung. 20: Nahrung und allerlei Hauörath.
***) Pouchet a. a. O.