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Spanien.
in Italien ihre Reinheit verloren; man gefiel sich in einem schwülstigen Styl, in einergekünstelten, gewundenen, übertriebenen Ausdruckswcisc, in Tcclamationcn über kleinlicheGegenstände, in der afsectirtcn Strenge der Stoiker, die sich mit dem feinen ästhetischenSinn übel verträgt. Es ist aber darum nicht weniger wahr, daß die Spanier, trotzaller ihrer Mängel, einen sehr bedeutenden Anthcil hatten an der literarischen Dcmi-Renaissance, weiche den Zeitraum zwischen der Negierung VespasianS und der Epocheder Antonine kennzeichnet.
Wir haben oben Columcllas Namen genannt. Beiläufig möge hier erwähntwerden, daß seine Abhandlung cle ro rrwtiea in den spanischen Schulen als Hand- oderLesebuch cingeführt wurde. Mit dem Unterricht in der Grammatik, Rhetorik und Juris-prudenz verband man so einen wirklichen Cursus im Feldbau und in der ländlichenOekonomie* **) ). Unter den Kaisern nahmen die Studien mehr und mehr einen cncyklo-pädischcn Charakter an: das große Werk dcS älteren Plinius liefert unS ein Beispieldieser Richtung. Auf einem anderen Gebiet könnte man das Gleiche auch von denInstitutionen Quintilians sagen. Man begann jetzt auch, kurze Abrisse zum Gebrauchder Studircnden abzufasscn; wir werden später sehen, was daraus hcrvorgieng. DieAendcrung des socialen Lebens hatte unter allen Umständen neue Bedürfnisse erzeugenmüßcn. Tic Aufmerksamkeit zersplitterte sich auf alle möglichen Gegenstände; eine ge-wisse Mannigfaltigkeit von Kenntnissen, wenn sie auch nur ganz oberflächlich blieben,war für jeden eine Nothwendigkcit geworden, und wie das immer in Staaten geschieht,die ihren HLHcpunct hinter sich haben und mit Zersetzung bedroht sind, — Gelehrsamkeitfieng an mehr zu gelten als Geist.
Tie Einführung des Christcnthums auf der Halbinsel trug ihre Früchte erst nachdem Sturze der römischen Herrschaft. Tic spanische Kirche hatte früh schon ihre Mär-tyrer gehabt; kaum aber fühlte sie sich als Herrin ans ihrem Gebiet, als ihre Annalenauch schon einen Act der Intoleranz zu verzeichnen haben: den Härcsiarchen Priscillianließ der Usurpator Maximus hiurichtcn auf Betreiben der Bischöfe JthacuS und Jdacus.Wir wollen indessen zugleich bemerken, daß die beiden Kirchcnfürsten sich dadurch beiihren AmtSbrüdcrn verhaßt machten: die spanische Geistlichkeit glühre damals noch nichtvon dem blutdürstigen Feuereifer, der sie später ausgezeichnet hat.
Nene Prüfungen standen ihr jedoch bevor unter den ersten Barbarcnköuigen, welckeArianer waren. Aber als die erzwungene Toleranz anfhörtc, alS Lcovigild und NeccaredZum katholischen Glauben sich bekehrt hatten, da begann sic alsbald sich wieder schadloszu halten. Das Königthum nahm in Spanien mehr als in irgend einen: andern Landeeine religiöse Färbung an ^), und die Lehre von: weltlichen Arm wurde dort in allihrer Strenge durchgcführt. Es ist ganz natürlich, daß der öffentliche Geist, und zu-nächst die Jugenderziehung die Folgen dieser Gestaltung der Tinge empfanden.
Tie ersten spanischen Christen zählten unter sich einige ausgezeichnete Lehrer; auchdie religiöse Poesie war in Gunst bei ihnen: Juvcncus, Rufns, FestuS, Aqui-liuS Severus, und vor allen Prudentius, der Gegner des Symmachus, verdienenErwähnung. Als Geschichtschreiber glänzt OrosiuS: sollen wir auch den Idainsnennen? Wie weit entfernt sind wir schon vom Jahrhundert eines Lucan, eines Seneca,eines Quintilian! Aber die Finsternis sollte noch dichter werden!
Durch eine lange Fricdcnszcit verweichlicht, waren die Spanier nicht im Standegewesen, sich der Vandalcnschaarcu zu erwehren, welche sich über die Halbinsel crgoßenund sie zwei Jahre lang unbarmherzig verwüsteten. Die Sucvcn folgten ihnen undverheerten vollends alles mit Feuer und Schwert. Viele Städte wurden gänzlich deinBoden gleich gemacht oder ausgebrannt, fürchterliche Grausamkeiten wurden begangen,ganze Einwohnerschaften hingcmordet. Spanien hatte noch nicht Zeit gehabt, wieder aus-
*) Schlosser, Gcsch. der alten Welt, Bd. III, 1. S. 435.
**) Euirot, Lüvilisation en Xuropv, Isccn IX.