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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
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Religionsunterricht in höheren Schulen.

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auch die alten Classiker, in den Kreis der Betrachtung gezogen werden. Es geziemtder centralen Stellung des Religionsunterrichtes, wie wir das schon oben (Abschn. II.)berührten, mit allen Unterrichtsfächern in Beziehung zn treten, ja selbst auf die mo-dernen socialen und staatlichen Verhältnisse ihr Licht zu werfen. Nicht umsonst stehtgeschrieben, daß in Christo alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgensind: daS muß vor allem der Religionsunterricht bewahrheiten.

Uebrigens muß der Schüler sich selbst hier äußern dürfen und mit dem Lehrerin lebendigen Verkehr treten, der sich an der Schrift entzünde. Auch aus mangel-haften Bemerkungen eines Schülers, welche nicht in den eingeschlagencn Lehrgangpassen wollen, doch etwas Brauchbares zu machen, wie eS Hieckc meisterlich verstand,zeigt den Pädagogen. Man muß dann freilich mehr thun als sich auf ein bestimmtesPensum zu der einzelnen Lection vorbereiten.

WaS nun die einzelnen Zweige des Unterrichtes angeht, so möchten auch wir fürdie biblische Geschichte hervorhcben, wie es wesentlich darauf ankommt, das Bibel-wort selbst in die Herzen der Kinder zu pflanzen. Der Lehrer erzähle im Sinne undmöglichst mit den Worten der Schrift, nicht in sklavischer Weise getreu, veranschaulichedurch die nöthigen geographischen Hinweisungen, durch biblische Bilder, durch kurzeantiquarische Erklärungen, gebe auch die erforderlichen sprachlichen Erläuterungen, wobei errecht das jedesmalige Bedürfnis zn erforschen hat. Vor allem sorge er dafür, daß dieHelden der biblischen Geschichte vor den Kindern leiben und leben und ihrer Phantasiesich unauslöschlich einprägen. Es kommt hier alles eben auf kindliche Biographie an;daneben wird es sich freilich in der höheren Schule schon früh ganz natürlich machen,daß ein Fortschritt im Zusammenhang bemerkbar werde, und demgemäß auch dieMessianität des alten Testamentes hervortrete. Ist die Geschichte erzählt und vielleichtnoch gelesen, dann werde sie durchgefragt, so daß der Schüler weiß, was er da gelesenhat, aber ohne räsonnirende und moralisirende Weise: schon das Kind soll hier mehrals moralische Erzählungen sehen. Erst dann wird die Aufgabe des Wiedcrerzählensfolgen dürfen, welche sich übrigens sehr unterstützen läßt, wenn man den Kindern einFragebüchlein wie Dörpfelds Enchiridion zur häuslichen Wiederholung in die Händegiebt. Gegen so einfache Zusammenfassungen wie etwa nach der Geschichte von Achab:„Hier sehen wir, wie der liebe Gott alles weiß, und wie wir ihn daher in jedemAugenblick scheuen müßen" u. dgl., wird sich auch in Sexta nichts sagen lassen. DasLernen der Bibelsprüche schließt sich naturgemäß an die biblische Geschichte oder auchan andere Pensa an, darf aber nicht für sich betrieben werden. (Zu diesem Passusvgl. Encykl. I. S. 64b f.)

Die Kirchenlieder liest wohl überall zumeist der Lehrer ausdrucksvoll vor,etwa nach einer Bemerkung über Entstehung und Verfasser, und zeigt dann in kateche-tischer Weise den Gedankengang auf und hebt einzelne Schwierigkeiten; ein Schüleroder mehrere mögen eS dann Nachlesen. Noch in der Tertia wird dergleichen nichtüberflüssig sein, obwohl hier die Erklärung kürzer sein kann. Die Kirchenlieder schließensich, wie schon gesagt, oft gut an das Kirchenjahr an, mitunter auch an die Bibel,z. B. Eins ist Noth an Luc. 10, oder an den Katechismus. In den höheren Elastenwird es recht sein, bei den Wiederholungen die Lieder mit anderen oder mit Schrift-stellen zu vergleichen, um nicht durch sie zn ermüden. Einige eignen sich auch trefflichzu Fingerzeigen für das sittliche Leben und zn apologetischen Bemerkungen, indem sievor uns gewißermaßen das ganze Herz des Beters ansschütten, so die beiden Liedervon Gerhardt „O Welt, sieh hier dein Leben" und „Ist Gott für mich", die man janicht übergehen sollte. Sollen wir noch sagen, daß man möglichst den unverfälschtenText lernen lassen muß? Mützell hat eS gezeigt, wie freilich selbst bessere Gesang-bücher vielfach im einzelnen abweichen (lieber den Anhang zu dem Berliner Gesang-buch. Aus der Zeitschr. f. d. Ghmn.-Wes. Jahrg. VII. Snpplementband. 1853);

Pädcig. Encyklvpadie. VII. 5