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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Religionsunterricht in höheren Schulen.

dies ist auf dem Gymnasium rein unmöglich; — oder man muß sie in das Prokrustesbettdes Gymnasialcaptus werfen, und so gewinnt man nur einen verstümmelten Rumpf,einen Leichnam. Man verderbt die Theologie wie die Empfänglichkeit für die Religionzugleich und leitet zu der Leichtfertigkeit an, die mit wenigen Phrasen ein Wort in derTheologie meint mitsprcchen zu können. — Encyklopädische Kenntnisse sind noch keineWissenschaft."

Nehmen wir zu der bisherigen Entwicklung die Einsicht hinzu, daß sich der Reli-gionsunterricht nothwendig nach den verschiedenen Elasten gliedern müße, etwa wieKohlrausch in der berühmten Verordnung des westfälischen Schulcolleginms vomJahre 1830 über den Geschichtsunterricht eine dreifache Stufe desselben, eine biogra-phische, eine ethnographische und eine universalhistorische unterschieden hat: so werdenWir ans Grund dessen, was bisher gezeigt ist, im Anschluß an unsere Programm-abhandlung (vgl. bes. S. 11) nunmehr folgenden Lehrgang Vorschlägen dürfen:

Untere Classen (Biblische Geschichte).

Sexta. Biblische Geschichte des A. Testaments mit zugehörigen Sprü-chen. Bei Gelegenheit der Gesetzgebung wird der Dckalog mit Luthers Erklärungeingereiht. Artikel 1. wird vorangeschickt, Artikel 2. und 3. werden ebenso wie Lieder,*)welche auch sonst an den Unterricht angeschlosten werden können, an den betreffendenStellen des Kirchensahrs erlernt, (2. zu Weihnachten, auch zu Ostern wiederholt, 3. zuPfingsten) über das hier die allgemeinsten Belehrungen gegeben werden. BiblischeGeographie und Archäologie d. h. für Kinder bei Gelegenheit der Geschichte. —Das Vaterunser ohne Erklärung wird zum Beten eingeübt; es schließt sich leicht andas zweite Gebot an.

Quinta. Im allgemeinen wie in Sexta; jedoch hier biblische Geschichtedes N. Testaments, welche durch Artikel 1 mit Erklärung eingeleitet wird und aufArtikel 2 nebst Erklärung hinführt.

U. Mittlere Classen (Bibellesen).

Quarta. Erweiterung der Kenntnis des Kirchenjahrs und Erklärung der evan-gelischen Perikopen. Außerdem Evangelium Lucä, wobei zu Cap. 11 dasVaterunser mit Luthers Erklärung besprochen wird. Bei Gelegenheit der Erwähnungvon Taufe und Abendmahl werden die Hauptstücke von den Sacramenten erlernt,wenigstens die in ihnen enthaltenen Sprüche. Das Memoriren von Kirchenliedernund Bibelsprüchen wird in früherer Weise fortgesetzt.

Untertertia (rvsx. Tertia 1. Jahr). Die epistolischen Perikopen. Außer-dem im Sommer die Geschichte des alten Bundes mit Lection aus der Bibel;im Winter das Leben Jesu besonders nach Matthäus mit Hervorhebung derBergpredigt und Parabeln. Der erste Artikel wird zu jenem, der zweite zu diesemPensum verglichen. — Memoriren wie auf den früheren Stufen.

Obertertia (rosx. Tertia 2. Jahr). Die Apostelzeit nach der Apostel-geschichte nebst einer Auswahl aus den neutestamentlichen Briefen; gele-gentlich Mittheilungen aus der Missionsgeschichte (im Sommer). Im Winter zu-sammcnfassende Besprechung des Katechismus mit Hervorhebung der bisher nichtdurchgcnommencn Stücke, welche sich an die Apostelgeschichte anlehnen lassen. Auchkann eine Biographie Luthers hinzugefügt werden. — Memoriren wie früher.

*) Was das Lernen der Kirchenlieder betrifft, so scheint es durchaus nöthig, daß dazuan jeder Anstalt eine bestimmte Auswahl getroffen werde, natürlich eine mäßige Zahl (etwa24—30), ebenso für die Bibelsprüche. Die in Greifswald festgesetzten Lieder habe ichin meinem Prozr. S. 16 f. mitgetheilt. Eine andere Vertheilung giebt Hollenberg Hülfsb.S. V S. Aust.; dabei berücksichtigt er alle 52 Lieder, die er in seinem Buche hat abdrucken lassen.<Jn Württemberg ist eine bestimmte Zahl von Liedern und Sprüchen für alle Volks- und fürdie unteren und mittleren Classen der höheren Schulen vorgeschrieben. D. Red.)