Religionsunterricht in höheren Schulen.
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liche und unvollkommene Rcligionsbegriffe (I, 45), auch in den Psalmen (I, 106),deren ganze Sammlung man „sehr unzweckmäßig" in vielen reformirten Gemeindenals ein religiöses Liederbuch für Christen ansehe (I, 108). Die Propheten gelten alsMänner von ausgezeichneter Einsicht und hervorragenden Talenten, Vorzüge, welchedas Alterthum unmittelbar von der Gottheit hergeleitet habe (I, 120). Irgendgründliches Eingehen aus den Inhalt eines Bibelbnches findet sich nirgends; nichteinmal Jesaja 53 wird erwähnt, und der Brief an die Römer erscheint als Abwehrvon jüdischem Particularismus; sein „Hauptinhalt" sei „die Bestimmung der christ-lichen Religion für alle Menschen" (1,192). Von Rechtfertigung durch den Glaubenhier kein Wort, ebensowenig in der christlichen Religionsgeschichte, welche den Pri-manern nicht einmal die „Apologie" nennt (II, 94). Der Trost der kirchengcschicht-lichen Betrachtung ist (II, 130) dann der, daß der Geist des Christenthums nie ganzverschwinden wird; wer aber Gott mit reinem Herzen verehrt und recht thut, darfgewiß sein, daß ihn Christi Geist regiere. Ueberdies ist die „Geschichte der christ-lichen Religion ein vortreffliches Hülfsmittel, echte Bildung zu befördern und dasWesentliche von dem Zufälligen absondern zu lehren." In der Religions- und Sitten-lehre aber wird vom Glauben kaum gesprochen; er ist willige Annahme der LehreJesu, rechter Glaube als wirksames Princip guter Gesinnungen und Handlungen(III, 168). Entsprechend ist die Lehre vom Heilswege in einem Abschnitt „von dersittlichen Besserung als Bedingung der höheren Glückseligkeit" (III, 166 ff.) verwandelt.Die letztere hat ihre Grade, und der Böse kann auf eine Annäherung an dieselbehoffen (III, 189); von Auferstehung des Fleisches hören wir Zweideutiges (III, 181),sowie die Himmelfahrt Jesu als Schriftausdruck erwähnt wird (III, 123). DieDreieinigkeit wird in der Lehre von Gott nicht behandelt, erst bei Gelegenheit derTaufformel in unbestimmtem Lichte dargestellt (III, 158); ist doch auch der heiligeGeist nur Zeitvorstellung für die göttliche Kraft (III, 156), und der Sinn des Aus-druckes „Sohn Gottes" von Christo bleibt zunächst unaufgeklärt (III, 112ff.); nachher(156) heißt es, er werde so genannt, weil er Gott am ähnlichsten war. So istJesus uns denn auch „ehrwürdig" als Lehrer, als Führer zur Tugend, als Wohl-thäter der Menschen, der sie von der Furcht erlöst (III, 129, 134, 141); in seinemReiche ist er „in einem moralischen Sinne König." Solcher Verflachung der Kirchen-lehre von den Aemtern Christi dient als Erklärung die leichtfertige Auffassung derSünde, welche hier als naturgemäß erscheint, eine Folge der früheren Macht dersinnlichen Begierden (III, 90. IV, 18 f. 51 f.), ehe die Vernunft erstarkt, übrigens dochdes Menschen eigene Schuld (III, 89). — Das war die Seelennahrung, mit welcherunsere Gymnasiasten vieler Orten lange Zeit gespeist wurden. Ja es ward diesem Buchekaum Concurrenz gemacht. Nachdem schon 1818 Niemeyer die 9te Auflage seinesLeitfadens herausgegeben, erschien erst 1823 (2te Ausl. 1836) ein zu gleichem Zweckbestimmtes „Lehrbuch des christlichen Glaubens und Lebens" von Marheinecke, inden Formen des kirchlich-symbolischen Lehrbegriffs, aber durchweg auf den GrundlagenHegelscher Philosophie ruhend und dem Kenner als idealistischer Pantheismus Wohlerkennbar. Da fühlte sich der bekannte rationalistische Theologe Bretschneider inseiner Stellung als Religionslehrer der Prima des Gothaer Gymnasiums veranlaßt,seinerseits für obere Gymnasialclassen ein genügenderes Lehrbuch zu verfaßen, welchesausgesprochenermaßen im Einklänge mit dem Fortschritt der Wissenschaften stehen undgegen völlige Abwendung von der Kirche wie gegen Mysticismus sich richten sollte.Das Buch ist gründlicher und wissenschaftlich tiefer begründet als das Niemeyersche;entwickelt es doch sogar zur Vorbereitung der philosophischen Religionslehre (welcheder Offenbarungsgeschichte, der geoffenbarten Religionslehre, der Lehre von der Kircheund ihren Anstalten und der Kirchengeschichte vorangeht) eingehend die Theorie derSinnenerkenntnis, Vernunfterkenntnis und der Vergleichung beider, mit Bezugnahmeauf Kant und andere Philosophen. Aber dabei oder vielmehr eben darum ist doch