Druckschrift 
3 (1862) Göthe - Kindsmädchen
Entstehung
Seite
855
Einzelbild herunterladen
 

Äant.

855

Ißfyitofopfyte ift in .tiefer 2Beife für ten beutfchen ©eift ein unoergängtidied Sid^t ge=worben, weites feine »orgüglidje Sebendlraft befonberd baburd) bewiefen hat, baß ed badin ben »erfdjiebenen ©eiftern fdjlummernbe eigenthümlidje Sidjt beS ©eifted Wecfte unbnährte; gteidjwie bad eine fid) felbft gleid) bteibenbe ©onnenlidtt in ben »erfdjiebenenburd)fid)tigen StRebien in öerfd)iebener ber fRatur ber 9Rebieit entfpredf enter SBeifefid) brid)t.

33ead)ten wir nun aud) nur bad SBenige, wad über bie großen SBirluitgen berÄantfdjen^ilofo^ie bidl)er gefagt worben ift, fo brangt fid? um fo mehr bie grageauf, Wad mad)t benn bie Äantfdje -ßfyüofopfyie fo groß, wad giebt ifyr biefen ®pod)entad)enben (Einfluß auf bad beutfd)e (Eulturleben, auf beutfdje Silbung unb (EntWidlung,wad ift itjr ©runbgebante, il)r fßrincip? 3Ran hat Ä. oft ald ten ©ofrated (manfömtte »ielleidjt mit nodj größerem SRedite ifjn ben ©ofrated unb Ißtato in (Einer ißerfonnennen) ber neueren 3eit begeidjnet unb in ber Sfat pat fein Unternehmen mit bembed alten ©otrated in einer 23egiel)uug etwad fel)r älehnlidjed, wenn er aud) in anbereröegiehuug über ben ©tanbpunct bed ©ofrated ungeheuer weit I;itrauSgeljt. 2Ranrühmt ed bem ©ofrated nad), baß er bie )Ph^ D f D: P^ e 00111 fMmmel auf bie (Erbe, inbie §äufer unb auf ten SDfarft eingeführt, b. I). baß er ben 2Renfd)en unb namentlichbad moralifdje 3Befen bed SRenfdicn gurn SRittelpuuct unt £>auptgegenftanb feiner tyfy*lefopl)ie gemad)t habe. S)ad tl)at Äaut in feiner 2lrt aud). ©eine SSorgänger, bie bogmatifdjenH5hil°f°ßh en / ha«^ bie (Erfenutnid ber Singe gefudjt unb bad geiftige IBerntögen im9Rcnfd)en, weldjed bod) ber Sräger aller (Srfenntnid ift unb alle (Erfenutnid bebingt,babei ald gegeben öoraudgefe($t; bagegen ließ St. bie Singe unb alle bie §hP°iW ei?unb -Principien, burdj bie man in bie SBelt ber Singe (Einheit unt gttfammenhang gubringen fudite, gunäcbft bei ©eite liegen unb unterfudfte guerft ben ©eift, ber boc^,man mag fagen, wad man will, ber Präger alled ÜRadfbenfend, aller Sl)ätigfeit, allerSBahrheit, Wo nidjt felbft bie 2Bahrl)eit ift. Sa tiefe Unterfudjung bed ©eifted, man magfonft and) »erfahren, Wie man will, bod) jebenfattd nur mittelft bed tl)ätigen ©eiftedfelbft angefteßt Werben f'aitn, fo bietet bie Stantfdje guerft bad großartige

©djaufpiel bar, baß ber ©eift fiep felbft gum ©egenftanbe l;at, bei fid) ift, in feinemeigenen (Elemente fid) bewegt ober fprobuct unb probucirenbe lEhätigfcit gugleid) ift.SBenn wir tiefe SIbdtractien »on jeber äußerlichen Dbjectiöität unb biefe reine 23egie=Ijung bed ©eifted auf fein eigened SBefeit ald f^reibjeit begeidjuen, fo fönnte man biefi'antfdje fPhilefophie aud) bie fPhilofopljie ber Freiheit nennen, Wie tenn aud) bieSbeeber Freiheit in aßen Sphären feiner fpl)ilofophie eiIie unenblid) widrige Stoße fpielt.Slber um beftiuiniter gu erfennen, worin ber Stern ber Stantfd)en Spiiilofophie gn fuepenift, haben wir bie »erfd)iebenen Sphären bed ©eifted unb bie bem entfpred)enben§aupttljeile bed Stantfdjen ©hftemd gu itnterfdfeiben. St. blieb babei ftehen (»gl. Stritifber Urtheildfraft, (Einleitung ©. 15 unb IG), baß alle ©eelenoermögen ober |5ähig=leiten auf bie brei gurüdgeführt werten: bad (Erfenntnidüerniögen, bad 53egel)rungd»enmögen unb bad ©efühl ber Suft unb Unluft unb baß fid? biefe nicht Weiter aud einemgemeinfd)aftlid)en ©runbe abteiten taffen. Siefer Srid)otomie bed ©eifted entfpred)enbie brei ^auptWerte ber Äautfdfen )Philtf»Phi°; inb ein b ie ®riti! ber reinen Vernunftbie 33ebingungen, bie ©rengen unb bie ÜRethobe ber Srfenntnid, bie Sriti! berpraltifchen 93ernunft ben SBillen unt bie Sinti! ber Urtheildfraft befonberd bad © e=fühl, namentlid) bad ©efühl für tad ©d)öne unt (Erhabene unterfudrt. ®a bieSlritif ber reinen Vernunft mit bem SBefeu ber iPhif°f°P^ e am innigften gufammen»hängt, bie Äritil ber praftifdjen Vernunft unmittelbar in bad ©ebiet ber ißäbagogilübergreift, fo mögen über beite hi° r nod) einige SBenterlungcn -ßlah finbeit, bie bagubienen fbnnen, Santd 93cbeutitng für bie gortbiltung bed beutfdien ©eifted richtig guwürbigeu.

3lße SHMffenfdjaften haben ed mit ber Srlenntnid gu tl)un, inbeut fie fidj aße bedSrlenutnidoermögend bebienen, um in bad 2Befen ber 35inge eingubringett, unb fie unten