Druckschrift 
3 (1862) Göthe - Kindsmädchen
Entstehung
Seite
854
Einzelbild herunterladen
 

854

-Kant.

ber gegenwärtigen 3 e *t / ' mo bie ^ß^tiofop^ie gunt ©djaben jebeS tieferen unb felbftän=bigeren geiftigen Hebend leiber! fo feljr berad)tet wirb, hat man großenteils gar feine3bee mehr babon, waS für eine große ^Bewegung ber ©eifter biefe SBiffeufdjaft herbor»bringen fann; Wir älteren Heute, bie wir unfere UniberfitätSftubien nod) in bett 20gerSafjren biefeS 3nhrl)unbertS gemad)t, haben wenigftenS nod) etwas babon erlebt, WaSfür große SBirfungen bie Stadjfolger fantS in ben ©emütbern ber ftrebfamen 3ugenbherborbracßten; aber bennod) war biefe fpätere ^Bewegung burd) gilbte, ©(beding, §eget,Iperbart, ©d)leiermad)er u. a. nur eine Stad)Wirfung bon bem Slnftoße, ben Äant bernbeutfdjen ©eifte gab. 2118 Ä. mit feinen 6pod)e mad)enbeit Sßerfen auftrat, ba entftanbber rechte ßrül)ling beö wiffenfd)aftlid)en ©eifteßlebenS unferer gebanfenreidjen Nation.SUIeS regte, bewegte unb entwidelte fid), als Ä. feine Sritifen herauSgegebcn batte. Slud)ber äBiberfprudj gegen feine Helfen erzeugte neues Heben; aber biel größer War bie3abl berjenigen ültänner, bie biefe fj3b>tbfopbt e in ib rer 3td tbeiter auSbilbeten unb aufbie berfd)iebenen ©pljären bcS ©eifteS unb ber 2Biffenfd)aften anWanbten. Snfolgebeffen entftanb bamalS in Seutfdjlanb ein fo großartiges pl)ilofoph<fd)eS Heben, baßbaSfelbe unfere Nation allein fd;on nnfterblid) machen würbe, wenn fie nidjt aud) fonftfdjon als baS geiftige Sentrum ber neueren 2Jtenfd)l)eit baftänbe. 68 gab gar, balbfeine beutfdje Uniberfität mehr, auf ber nidit bie Äantfdje ^ßbjilofofo^ie wäre gelehrtworben, befonberS geidjnete fid) al8 Snterpret ber Äantfdjen 'Bhilbfophte ber IßrofefforSteiuljolb in 3ena att8, ber benn aud) biefe Uniberfität gum §auptfij$ ber ÄantfdjenStilofophie in SJtittelbcutfdjlanb erhob unb il;r babuvd) einen neuen ©lang gab. Slberaud) alle anberu äßiffeufdjaften bewegten fid) am Gnbe beS 3ahrl) u nbert8 um bie Äantfdje^S^itofo^^ic als um il)re gemeinfd)aftli<he Singet. SBon ber Sleftljetif ift oben fd)on bieSiebe geWefen; bie Äritif ber UrtheitSfraft war e8, bie g. 58. in ©d)iHer ein neuesHeben unb neue Slnfdfauungen erWedte unb il)n in ben ©tanb feilte, jene äfthetifdjen2lbljanblungen über ba8 (Erhabene, über Slnmuth unb SBürbe, über baS Illaibe unb baSSentimentale, bie Briefe über bie äfthetifcfje Gcrgiefiung gu fd)reiben, bie man um fomet)r bewunbert, je öfter man fte liest unb bie bie bortrefflichfte ©eetenfpeife für 3üng=tinge bilbet, bie baS ©tubiurn ber fßhitofophte anfangen Wollen. Sie Äantfdjen ©d)riftenüber SÜloral ferner haben nid)t bloß ber 90 r £oralß5tlofDf)b)ie eine neue ©runbtage gegeben,fonbern fie haben aud) unmittelbar unb mittelbar bagu beigetragen, baS fittlid)e Heben inunferer gangen Station gu reinigen unb bon jenem egoiftifdjen (EubämoniSmuS gu be=freien, Wornad) ber SDtenfdj baS ©ute nicht um beS ©Uten felbft wißen, fonbern umber glücflid)en folgen willen thun foK, bie für feine ißerfon barauS entfpringen. Slud)bie Steligion innerhalb ber ©rengen ber bloßen IBernunft hat unferer ©h C0 ^ D S'e einenheilfamen Slnftoß gegeben unb bem ragen ^Nationalismus wenigftenS eine fid)ere ber=ftanbige ©runblage gegeben. Slber am allertiefften wirfte Ä. natürlich auf bie ^3£)tfo=fopljie felbft ein burd) feine metaphhfifdje ©d)riften, inSbefonbere burd) feine Sbritif berreinen SSernunft. Unb wie Ä. als afabemifcher Hehrer bahiti Wirfte, in ben ©tubirenbenben ©eift felbftanbiger Swrfdjung gu erweefen, fo Weden auch feine pl)ilofophif<h en©djriften bie felbftänbigften pl)ilofophifd)en jyorfdjer. (Er fteht auch in biefer 58egie=hung über allen -ßhilofophen ber neueren 3 e it unb unter ben griechifd)en fßhitofophettift ihm etwa nur ©ofrateS §ur ©eite gu fteHen. Sie nad)fantifd)en 5ßhif°f°hh en haben Iei=ber! bietfad) baS ©d)idfal gehabt, baß ihre ©djüler Stadjbeter ihrer ©ebanfen unbFormeln würben; bagegen finb bie fßhilofophett, bie fid) an ber Äantfdjen ^Ph>iIofrp^tcherangebilbet haben, meiftenS I)öcf)ft felbftänbige ©eifter, benen bie &antfd)e fßhiM°pl8 enur bagu gebient hat, bie in ihnen liegenbe eigentljümlidje philofopl)ifd)e ©abe gu ent=wideln unb ihr bie ihrer Statur entfpred)enbe ©eftalt gu geben. SSSie äußerft berfd>ie=ben, ja Wie entgegengefe^t finb bie pl)ilofopl)ifd)en ©pftenie bon gidjte, .ßerbart, Äraufe,§rieS, ©chopenhauer u. a. unb bodj entfpringen fie alle aus ber Äantfdjen fßhtlofo*pl)ic unb nod) ift bis auf ben heutigen Sag feiner gum 5ßl)Hbfbphen geworben, bernicht ein grünblidjeS ©tubiurn auS ben Äantfd'en ©djriften gemacht hätte. Sie Äantfdje