©nfijhlopÄMe beS gefanmttcn (Srpfjitni^ mb ttntcrritfjtötocfcit$. Dritter Danb. ^nnifelopatrie be§ gefamnitett Gfytcfjuttgfc mib UntairfiteuiefctK bearbeitet tum mm Ätijaljl 5d)tütnattm »itii (Myrten, fyerauSgegebett unter SDftitotrfung toott Sßrof. Dr. t). ^altttCt uttb $rcf. Dr. Söilöcnmttf) in Tübingen öort Ä. X 5ct)Jttib, Sftector beS ©bmnaftumä in Stuttgart. Prittcr Dank ©ötlje — 3?tnb§mö&c(jen. SSerlag bcn 9tubülf SSeffer. 1862. ÖJötpC. 3 n ©ötpe’d ‘ißäbagogif taffen fiep 2 gerieben unterfdjeiben, bie bed 18 . unb bie bed 19 . Saprpunbertd; fie merben begre^t burd) bie franjöfifc^e fftebolution. 3n ber erften ^ßeriobe ift bie 9 ?id)tung eine bottftänbig inbioibualiftifd)e; alles, mad bem SItenfdjen eingeboren ift, foll er ftrebenb, irrenb unb finbenb attmäplid) aud ftd) peraud entmideln, um in ber pödjften Kultur 3m bottftänbigen Uebereinftimmung mit fiep felber 31t gelangen. Oie ißabagogif ber 3tt)eitcn ißeriobe ift focialiftifd): bie Sr^iepung mirb eine gemeinfame, alle SebenSgebiete umfaffenbe, unb mäprenb bie ©efettfdjaft bie öo£t= ftänbige Sntmidhtng ber ©efammtlrafte bed SDSenfdjen übernimmt, pat ber Singettte badjertige, mad iptn bor allem eigen ift, 31« Steife 31t bringen unb fid) jurn tpätigen Organ ber SDtenfeppeit 3U machen. SBurbe biefer gortfepritt burdj bie geänberte SBelt» läge unb bie gefteigerten gorbevungen, bie an jeben ergeben, bebingt, fo blieben bod^ im ©runbe @.’d Slnfidjtcn bon Sqiepung biefelben. ©ein Srsiepungdbegriff fd)Iießt fiep bem ©efepe ber SDtetamorppofe an. SBie er im organifepen Sßadjdtpum 3toei Slidjtungen unterfdjeibet, ein inbibibuetted Söittfürftreben unb bie Untertoerfung unter bad allgemeine ©efep, ber auerfdjaffenen ©runbibee gemäß: fo im SOtenfdjen bad angeborne ©d)idfal, bad burd) bie Anlage beftimmt mirb, unb, bamit im 235 iberftreit, ben Bufatt bed Sehend, ber ben urfprünglid)en Sparafter beeinträchtigen, aber nidjt jerftören lann. Oad 3 nnere entfaltet fidj in Sleaction gegen bie ©inneneinbriide, trägt jebod) bie Srfaprung burep Slnticipation in fid), mie bad Singe Siept unb färben; bon ber angebornen S 3 efd)affen= peit bed Organidmud, ber fid) attmäplid) burd) SBirfung unb ©egentoirfung erfd)ließt, ift bie S 3 ilbungdfäpigfeit abhängig. Oie innere gorm aber, bie mit ber ©eburt ge» geben ift, unb fid) mit äkmußtfein unb Sonfeqitens in bem Don und beperrfdjtenSeben audprägen foH, mirb burd) Befall unb SBittfiir bepinbert, unb ed ift bie grage, ob ber fid) fetbft übertaffene iOtenfd) and bem ropen Slement ein bem ©eifte entfßrungened Ur= bilb 3ufammenftellen »erbe. „Oad ©epieffal ift ein bornepmer, aber tpeurer Spofmeifter. 3d) mürbe miep lieber an bieSSernunft eined menfd)lid)en SDtcifterd palten. Oad©d)id= fat mag an bem 3 u f a ^ <■ burd) ben ed toirft, ein fepr ungeleufed Organ paben. Oenn feiten fd)eint biefer genau unb rein audjufüpren, mad jened befeploffen pat." Oie Sr= jiepung foll alfo an ©teile bed Bufattd treten unb 3um Organ bed ©dndfald merben, um ben SDtenfepen 3U feiner SBeftiramnng 3U fitpren, b. p. 3itr bellen Sntmidlung ber Slnlagen nad) bem eingebornen Urbilbe. Oie Straft oer Sntmidlung fap @. in ben Slnlagen felber, unb betrad)tete er bad Seben gleid)fant ald bie SBeitergeburt bed 9 Jfen= fdjen and fid), fo feilte biefe burd) bie Sr3tepung geregelt unb erleicptert merben. Kd ift alfo 1) bie Sr3iepung aud bem 3 nnern bad ©runbprincip bon @.’d $äba= gogif, „bad Sluferbauen bon innen aud.“ „ 333 ad in bem 2 )tenfd)en niept ift, fommt aud) nidjt aud ipm." „Sine Straft beperrfept bie anbere, aber leine faitn bie anbere bilben; in jeber Slnlage Hegt and) allem bie traft fid) 3U bolleuben; bad berftepen menig 9 Jtcn= fdjen, bie bodj lepreit unb mirten motten." Stttein „ein jeber ift befdjränft genug, ben. anbern 3U feinem Sbeubilbe ei^iepen 3U motten." 2 ) „Sltled mad an unb in und ift, muß in ©pat bertoanbelt merben." Sitte tpatlofe 23 erfenfung ber ©eele in fid), moburep ber 3 m ^fP a H bon 3 nnen= unb Slußenmelt erzeugt unb unbered)tigte Sin» bilbungen möglid) merben, berbaunt @. aud ber Sr3iepung. ©elbft irriges §anbeln, menn ed aud bem ©runbe bed äBefendjgperborgept, ift ber SSertrrung bed müßigen ©e= banlend bor3U3iepen, ba ed 3ur SBaprpeit füprt. 3 ) 3 ebed Sr3iepungdraittel foll 3uglei(p B^ed fein. „SBepe jeber Slrt bon SSilbmxg, toelepe bie mirffamften SOSittel •päSag. (JiupfloväSic. III. 1 2 @6t$c. Walter SBilbung jerftort unb uns auf baS Grnbe hinweist, ftatt uns auf bem Sege felbft ju begtiitfen." 4) Sie @vjict)uug t)at bie ©inljeit ber menfdflidfen Natur ju bewahren ober fyerjuft eilen. Sie Llebereinftimmitng beS S?enfd)eit mit fid), feiueß Seitens unb SermögeitS, „bie Gsinigfeit mit feinem ©djicffal" gel)t auS ber ridj= tigen 93eti;ätiguug ber Slnlagen Ijerbor. „Sa3 fd)önfte 3iel iß bie Harmonie mit fid), baS I;i5d;fte 3iet, baff mir mirflid) Herren über bie Stittet ju unfern 3toedcn finb.“ Ser Ürnern @inl;eit Wiberftrebt bie Sereingetung ber gäl)ig!eiten, ber ©egenfah „ber fogenauntett obern unb untern ©eelcnlräfte." Serftanb unb ©inulidjfeit, Vernunft unb Phantafte nüißen im ®(eid)gewid)te gehalten Werben. 3lnbrerfeit8, um bie Sermifd)img beffeit, mag getrennt ejriftirt, in ber ©eete 31 t berieten, finb bie berfdjiebencn £(}ätigteiteu 31 t fonbern. parallel mit bcn finutidjen Organen fd)eint @. eine Drganifation ber ©eete anjuiteljinen, bereu ©hfteme in einanber übergehen unb bitrd) bie Sernunft geeinigt Werben, aber nur in ber Srennnng jur ©tärte unb ©efunbljeit gelangen. SeSljalb treiben in ber päbagogifdien Prebin} bie 3öölinge auSfdjtießlidj immer nur Sine ©adje. £ier Wirb and; bie Sinljeit bou ©dritte unb Heben burc£)gefül;rt. 5) Sie £l;atigf'eit muß eine bienenbe fein, bie Äinber müßeit 31 t Sieueru ergegen merben. Surd) ben ©eljorfam, ber aus Sijrfurdjt l)erborgel;t, mirb bie gefetlfdjaftlidje unb rcligiöfe fo mie bie fittlidje Sinl;eit möglidj, ba alle Kräfte Sinem ©illen untertoorfcn merben. 6 ) 3 ebe Negation ift auS ber Srgieljung 31 t entfernen. Siefcr ©runbfah ift überall confequent burd)gefiil)rt; mie gegen bie ©Spaltung ber ©eelenfraft, baS KlafftfU ciren in ben Naturreinen, ift ©. gegen bie fritifdje Sehanbluug bon -Philologie unb ®efd)id)te, gegen bie anatomifd)e unb anall)tifd)e Niethobe it. f. m. Um guerft bon ber Hehnnetl)obe 31 t fqjvecfjcn, fo hielt er freilid) 3lnalt)fe unb ©t)n= thefe mie ®iit= unb 3lu8athmen für bie nothmeubigen gunctioncn bed ©eifteS, bie baS Heben ber Siffcnfdjaft auSntadjen; allein mie feljr ©. baS fi)ntl)etifd)e Sehrberfalmen bor^og, beweist am beutlidjften fein Sorfdßag, bie plaftifdje Slnatomie eiugufiihren für ben linterridjt junger Stebiciner unb Siinftler, benen ftatt ber ©ection, bie bem SIrgt, bem ©eiehrten iibcrlaffen bleibt, ber tuenfdjlid)e ÄBrper nad) StuSfetn, Neroen unb Säubern au 8 geformtem unb gefärbtem 333ach 8 nadjgebilbet unb gufammengefeht Wirb. ,,©ie follen in furgent erfahren, baß 31 nfbauen mehr belehrt als Cnnreißen, Serbinbeit mehr als Srenncn, SobteS beleben mehr als ba 8 @etcbtete nod) einmal tobten; Ittrg alfo, wollen ©ie mein ©djitler fein?“ Sei bem bibaltifdjen Sortrage barf ber Hehrer fein ‘Problem flehen laffen unb fid) etwa in einiger Sntferuung baritm bewegen, ©leid) muß etwas beftimmt fein (b e p a a 11 fagt ber Jpotlänber) unb nun glaubt mau eine Seile ben unbefannten Naitnt 31 t befifseu, bis ein anberer bie Pfäl)le wieber auSreißt unb fogleid) enger ober Weiter abermals wieber bepfäl)tt.“ „SaS So ciren, b. h- ber gufammenhängenbe Heljrbortrag, ift erft bann Wahrhaft nü(jlid), Wenn Soncerfatioit unb Äatedjifation fid) anfdjließen, mie eS urfpriiuglid) gehalten Würbe.“ Lieber bie Äitnft beS &atedjifiren 8 fagt ber ©ehiilfe in ben Sahlöerwanbtfdjaftein „Raffen ©ie einen ©egenftaub, eine Staterie, einen Segriff, wie man eS nennen will; halten ©ie il;it red)t feft; machen ©ie fid) il)it in allen feinen Sl)ei(cn vedjt beutlid), unb bann wirb eS 3l) nen leicdjt fein, gefprädjSWeife, an einer Stoffe Bon Äinberit 31 t erfahren, was fid) babon fdjon in if;neu eutwicfelt l)“t, WaS nod) anjnregeit, 31 t überliefern ift. Sie Slntworten auf 3ljre fragen mögen nod) fo ungehörig fein, mögen nod) fo fel;r in’s Weite gehen, wenn nur fobamt 3l) re ©egenfrage ©eift unb ©imt wieber hercinmärtS 3 iel;t, wenn ©ie fid) nid)t bon Sh^etn ©tanbpunct berri'tden taffen, fo muffen bie Äinber juletjt benfeit, begreifen, fid) fiberjeugen nur bon bem, waS unb wie eS ber Het)renbe Will, ©ein größter fehler ift ber, wenn er fid) bon ben Hernenben mit in bie Seite reißen läßt, wenn er fie nicht auf bem Prtncte feftsnhalten Weiß, ben er eben jept bel)anbelt." So eS angeht, muß bem Sort bie 3tnfd)aiumg 31 t fpiüfe fomnten. „Ipat mau erft einen fiebern Slicf gethan, fo fdjließt fid) baS Sort an ben lebenbigen Giitbrud; nun ?aun man beulen unb beurtt)eilen." Sod) muß baSjenige, WaS wir Ier= @ötr;e. 3 nen, fo wie berjettige, oon bem Wir lernen, ttnfrer Statur gemäß fein, nnb fetßft oofl= fontnuie SSorbilber tnadjen irre, inbcm fie und oeranlaffen, nethwenbige 33 ilbuiigdftufen jn überfpringen." Sind) barf bie Snteßigeitj- nidjt einfeitig nnb ohne 9 tücffid;t auf©itt= lidffeit nnb ittnred @£eid)gewid)t gehoben Werben, wie in einem 23 riefe and Stom fagt, er fürdjte, SDtcrife würbe bttrd) feinen Umgang fiiiger, aber Weber richtiger, beffer nod) gliicflidjer werben, eine gurdjt, bie il)n abhatte ganj offen gegen il)n 31t fein. — Söiit jeber abgelegten ©eiftedfeffel übernehme man bie fßflidjt größter ©etbftbeherrfdfuug. — Sittber miiße man um bed ©uteit nnb 9 tü(jlid)en wißen bidWeifeit betrügen. SJtan bürfe mit ihnen nid)t immer wie mit fid) felber fpredjen, Weif ed ißflidjt fei, an* bern nur badjenige 31t fagen, Wad fie aufnefymeit fBitnen. 33 orurtIfei(e nnb irrtEjttmtidje begriffe, bie fie hören, fiitb nidjt 51t wißcrlegen, fonbern irgenbWo au einen richtigen Säegriff aujufnüßfeit, um fie wo nicht nüfclich bod) unfdjäßlid) 3U madjen.' (©0 Sta* taliend ©eutung ber (Sngelderjdjeinungen, bed tnedited Stufn-cdjt.) — ©er Sefjrer muß uiefyr Wiffen, ald bie ©djitler aßenfaßd wiffen foßen; er barf 3War bad 23 efte oer* fdjweigen, aber nidjt Ijalbwiffenb fein." Sehren fann audj berjeuige, ber nidjt bocirt, „Wenn er bttrdj ©fiat bem Urteil, bttrd) Urtljeil ber©ljat 3tttn Sehen hilft." ©erSSater pflegt ein fdjledjter Srjiefyer ,31t fein, „er beljätt immer eine 2lrt bon bedpotifdjem 55er= fiattnid 31t bem ©oljnc." SDtütter bagegen fiitb bie beften Srjietjeriunen iljrer ©öd)ter. — Seljrbüdjer 3ugteidj für ben ©ebrattdj bed ©djiilerd nnb bed Seljrerd bißigte ©. nidjt. S'äbjrlidje öffentliche Prüfungen, in betten fid) bie glterit bon ben gortfd)ritten ber 3 f)rigeu übergettgen tonnen, fittcen wir and) in ber päbagogifdjen ißrooing (in SB. SStetfterd SBanberjaljrett), bod) nicht in ber ©eftalt bed Grjraiuend. Ob gäljigfeiten 31t gertigfeiten geworben fiitb, ift ©egenftaub ber ^Prüfung (Ottilie). gür bad Äinbedaltcr fiitb bie fritljefteit Sinbrüde entfdjeibenb; nad) ihnen hüben ftd) bie Organe, 3. S 3 . bad Sluge. „SSteift öerfpredjen Äinber mehr ald fie halten, unb ed fdjeint, ald Wenn bie Statur unter attbern fd)elmifd)en ©treidjett, bie fie und fpielt, and) hier ftd) gattg hefonberd feftgefefjt, und 3unt S 3 eften 31t haben." „Stiemanb glaube bie erften (Sinbriicfe ber 3 ugenb überwinbett 31t tonnen. 3ft er in loblidjer ffreil)eit, umgeben oon ebeltt ttttb fdjönen ©egenftänbett, in bem Umgang mit guten SJteitfdjen aufgewad)fen, hüben ihn feine SDteifter bad gelehrt, Wad er guerft wiffen mußte, tun bad Uebrige leidfter 31t begreifen, I)at er gelernt, toad er nie 31t oerlernen braudjt, Würben feine erften fpanblttngen fo geleitet, baß er bad ©ttte fünftig leichter unb bequemer ooß* bringen tarnt, ol;ue fid) irgettb etload abgeWöt)nen 3U ntüßett; fo wirb biefer ÜDteitfdj ein reitted, boflfomntenered unb glücflidjered Sehen führen ald ein anberer, ber feine erften Sugenbträfte itt SBiberftanb nnb Srrthum gitgefegt hat. wirb fo oiel oon Sr* giehuttg gefprodjen unb gefd)rieben, ttttb id) felje nur wenig SStenfdjen, bie ben einfachen aber großen S 3 egriff, ber alle§ anbere in fid) fd)ließt, faffen ttttb in bie Shtdführung übertragen tonnten." „SDiit Wenig SBorten laßt fid) bad gatt3e g^iehungdgefdjäft attdfpredjcn; man er* 3ieI;e bieÄnaben 3u®ienern, bie 9 Stäbd)en 3« 5 U?üttern, jo wirb cd über= all Wohl ft eben." 3 ebe öffentliche, politifdje, literarifdje ober im weitern ©itttte gefeßige SBirffamfeit hielt ©. für unweiblidj, bad (Slternhaud für bie hefte ©d)ttle ber Sütäbdjen.— 3 n ben uiebern ©tänben ift ihre Gä^iehung leicht. Stidjtig werben fie nur 3ur nädiften Sraitdjbarl'eit herangehoben. 9 teinlid)feit üeranlaßt fie mit greuben, etwad auf fid) 31t halten, ©ie foßett mannigfaltig gefleibet gehen. 3 tt ben gebilbeten ©tän* ben ift bie Slufgabe feljr oerwidelt. Snbem matt bie Äinber für einen Weitern Äreid 31t hüben gebenft, treibt man fie leidit ind ©rensenlofe, ohne tut Singe 31t behalten, wad beim eigentlid) bie innere Statur forbert. (©. SBaljto. 2 . ©h- 7 . Ä.) 3 n betSSobeße „berSJtann bon 50 3 aljren" finben wir ein SDtufter* bilb höherer weiblicher 6r3iehung ffissirt. 3 n Sucianen unb Ottilien ift eine unweibtidje 93 ilbttng einer ed)t weiblidfen ent* gegengefteßt. SBie, iut gaße bad glterntjaud nicht gureidjt, bnrd) eble grauen theild bie 4 ©ötße. fünftigen £)audl)älterinnen, tljeild bie feineren Talente gu ergieljen feien, wirb burd) ©Ijerefeitd unb Dttiliend Sßirtfanifeit begeidjuet. (Seljrjaljre.) ©ie 9iomanlectitre ber* bannt ®. aud ber weiblid)en 33efd)äftigung. — ©ie ©rgieljungdanftalten für Änabeit legt er in eine länblidje Umgebung. ®r »erlangt für fie sie Uniform, Weil fie fid) ge= tobljnen miißen, „gufantmen gu fjanbeln, ftd) unter 3j)redgleidjen gu »erliereu, in fDiaffe gu ge!jord)en unb ind gange gu arbeiten." Med, Wad gur Srwedung bed ©Ijrgeiged bient, fd)ließt er aud; bie SlinCer foflen „im allgemeinen Sinne mit »ielett leben." ©urd) bie 33ibet ift ber ©runb ber 33itbung gu legen. Sßürbe bem 21. ©. ein Mdgitg and 3ofepl)ud beigefügt, ber 2lpoftelgefd)id)te eine gortfefmng bid auf bie uenefte 3dl* unb »or ber Offenbarung 3ol)aitnid Cie reine djriftlid^e Seljre gu= fammengefaßt, fo reidjte bie Sßibel »oflig aud. M fie reifen fid) weiter bie ©laffifer, in benen fidj „bad ©efütß, bie 23etradjtung nodj nid)t gerftüdelt fanb, jene faum t>eil= bare ©rennung in ber gefunben SRcnfd)enfraft nod) nid)t »orgegangen war." SSon il)nen finb bie ©riedjen bcn 9?omern »orgugieljen, bie wie ungcbilbete Sente, bie gu großem Vermögen gelangen, überlaben unb bornirt bleiben. 21m wenigften mar er für bad Satein=fdjreiben unb fpredjen, „in bem fid) ber ©djulmann Ijöfjer unb »ornel)tner »orfommt, ald er fid) in feinem Mtagdtcben bünfen barf." ©ie tritifdje unb etpmo* logijdje 23el)aublung ber Slajfifer nüdbißigte er. ©pradje, ©ialeft, Stil unb ©djrift fei ald Äörper eined jeben geiftigen Sßerfd angufefyen, bad 3nnere, ©igentlidie einer <2d)rift fei gu erforfdjen unb babci »or aßen ©ingen gu ermägen, mie fie fidj gu unferm eignen 3nnern »erhalte, unb in wiefern burd) jene Sebendlraft bie unfrige erregt unb befrudjtet werbe. ©r miß eine realiftifdje Snterpretation, im 3ufammenl)ang mit Seben, Sieligion unb Äunft. ©o fdjließen fie fid) ald ©rgängung ber §iftorie an bie SBibel, unterfdjeiben fid) aber »on il;r aud) barin, baß bort ber ©t)pud ber 25ölferfd)idfale, l)ier bad Snbiüibueße ijeroortritt. ,,©ie ©efd)id)te foß ben ©ntljufiadmud erregen;" bat;er ift bie biograpijifdje @efd)id)tdergäljfung ein fo »ortrefflidjed Silbungdniittel, unb „bie ärmlidje äBaljrljeit ber l)iftorifdjen fritif," meld)e bie ©efdjidjte bed ©ntljufiadmud be= raubt, inbem fie ben großen ©inn ber ©rabition »ernid)tet, aud bem Unterrichte gu entfernen, ©ie neuern ©pradjen müßen nad) @. eigentlich in ihrer fpeimat gelernt werben, gugleid) mit ben ©lementen, worauf fie ritljen, unb wo biefed nid)t möglidj ift, fann mau Wenigftend annaljernb eine tünftlidje fpetmat für fie Ijerßeßen. ©benfo foflte mau ßfaturgegenftänbe nur in »oßftänbiger Umgebung fennen lernen unb nid)td, ald Wad und unmittelbar lebenbig umgiebt. „Sin DJaturalienfabinet f'ann und »orfomtnen wie eine ägt)pßfd)e ©rabftiitte, Wo bie »erfdjiebenen ©l;ier= unb ißflangengo( 3 en balfamirt uml)erftel)en. — 3n ben aßgenteinen Unterrid)t foßte bergleid)cn nid)t einfließen, um fo weniger ald etWad itäljered unb würbigered fich baburd) »erbrüngt fielß. — ©ad eigent* lidje ©tubinm ber SCltenfdjljeit ift ber Sßtenfdj." ©ad ßlaffificiren unb ©djematifiren ald wißfürlid)e ©rennung ober 25erbinbung bed 25orl)anbenen hielt er für fd)äblid), ebenfo, baß man fich 1Iur ber fünftlidjcn ©pperiniente, ber ßJHfroffope unb gernröfire ftatt ber ge= fitnben ©inne gur DJaturerl'enntnid bebient. 3m aflgeineinen War ©. gegen eine gu weite Mdbeljnung ber 3fealien, bie meljr gerftreueit ald bilcen, wenn fie nidjt metl)o= iifd) unb »oßftänbig überliefert Werben, ben ©prad)enübungen unb ber 23egrünbung in ben eigentlichen SBorfenntnijfen 3 e 't unb Slufmertfamfeit nehmen unb bie meiften gur Sereblung unb Sßürbe bed ©eifted fül)renbcn ©tubien »erfeidßen.— fjür bie fittlid)e ©rgieljung gelten bie ©ebote: fDfaßiguitg im Sßißfürlidjeu, ©mfigteit im 9Jotl)Wen= bigen. ®.’d 33orfdjriftcn tonnten wir in golgenbent gufammenfaffen: 1) iOtan laffe bie 3 u g e u b in löblicher gr eil) eit aufmadjfen, ohne ifyren üßtutl) bnrdj täglidjed ©djelten uub ©abeln gu fyemmen unb gegen ©igenljeiten, bie »on wahren Un= arten (23erftbßeu gegen bie ©l)rfurd)t) Wol)l gu unterfdjeiben finb, rigorod gu fein; bie übermäßige ©treuge rächt fid), fobalb ber Slnabe majorenn ift. 2) ©ie Äraft ber © e 1 b ft b e l) e r r f d) u n g uub © n t f a g u n g muß fpftematifd) geübt werben, in aßen, aud) in ben geiftigen ©enüffen, ba oljne geiftige ©iät „wad ©öfßc. 5 Jur ©eligfett führen feilte, gur Serbammnid mirb.— Siiemanb Bebenft leidjt, baß und Vernunft unb ein tapferes SßoKen gegeben ftnb, bamit leir und nid)t allein »om Söfen, fonbern aud) Bern Uebermaß bed ©uten jnrficftjalten." 3) 9^idjt »erbieten, fon= bern gebieten, nid)t hiubern, fonbern beförbern! ©ad fyetjler^afte ift nidjt burd) ©emaltrnittel ju entfernen, fonbern ißm bad @nte 511 fubftituiren. SDie gureßt ift bad fd)Iedf>tefte Erjießungdmittel. 4) E i n e r a ft I o f e, I; a ft I o f e, gefeltige Süfjätigfeit ift bad Element förderlicher, geiftiger nnb fitt= I i d) e r ©efuubßeit, nnb jtoar eine ©ßätigfeit, bie im Serßältuid junt j u f ü n f= tigen Serufe ftebjt. Ein praTtifdjer gefunber Sßeltfiun, frühe Erfaffung bed mirf» liehen Sehend, ©emanbtßeit nnb Umfidjt fotl früh ertoedt toerben, moju u. a. ©. and) Heinere Steifen für feßr nüijlidj hielt, ©tatt ber gar ju »ieten tljeoretifdj gelehrten Äenntniffe, bie man »on ben äufiinftigen ©taatdbienern »erlangt, moburd) bie jungen Seute »or ber $eit geiftig nnb förßerlid) rninirt merben, ftatt Slbfiractioneit, 5}3t)iIofo= fhemen nnb Sücßerftaub, moburd) fie furgfidjtig, blaß, bem ©ämon ber £)t)dod)onbrie »erfüllen nnb 3ugeubgefüßt nnb Sugenbluft unmicberbringtidj »erlieren, mitt er mehr STfjathraft unb ißrayid. Sor altem münfd)t er eine ßanbmerfdartige 33 e f ch ä f= tigung für bie 3 u g e n b. 9fm gtücftichften finb bie Äinber baran, bie bad ©e= toerbe ihred SSaterd treiben: bie geerbten Anlagen finben fich fogleid) in ber red)tcn SBerfftätte ßehnifdj. ©enn auch für bad ^anbloerf gitt bad ißrineiß: bie »oKfommnen Sehrer finb ba jn finben, too eine ©ad)e ju fpaufe ift, ben heften llnterridit gießt man aud »ollftänbtger Umgebung. 3 U Slolent unb ©enie gehören correfßonbirenbe Organe, bie fie jur 33irtixofität fteigern. „Sebe, and) bie geringfte gäßigfeit, mirb und ange» hören, nnb ed giebt feine unbeftimmte jjaßigfeit. Siitr eine gmeibeutige, gerftreute Er» gteßung macht ben SDienfdjen itngemiß, fie erregt SBilnfdje, ftatt Triebe ju beleben." „SDtan fott fiaud, er freut ftd) beffen atd eined fettenen ©liicfd; aber mer ihn gang erfdjöpft, ber muß ihn fennen lernen, menn er nidjt maßnfinnig ift." Ed ift aber ein Unterfdjieb jmifdjen bem leeren »ergeblidjen unb bem jufunftd»ollen ©udjen, „bem ebetn ©ließen unb ©treben nadj bem Seffern, moburd) mir bad ©Ute, bad loir ju finben glauben, fetbft her»orbriugen." Oft mirb ein3rrthutn frudjtreid), wenn man eine 3 eit lang atd fpauptgmed »erfolgt, mad fid) fpäter nur ald SKittel ermeidt. fyalfehe unb ridjtige Seftrebungcn fann man burd) bad Stcfultat unterfeßetben; nur auf feinem fßlaße ift jeber ßrobuctiö. — ©er Ergießung burd) ben Srrthum mirb bie S r= j i e ß u it g burd) bad © e f e ß entgegengefteHt, gunaeßft für grauen, bie nur einen Seruf hüben nnb nicht irren bürfen. „Ed ift beffer nad) Siegeln ju irren, atd ju irren, menit und bie SBitlfiir unfrer Siatur h'n unb h^' treibt, unb mie id) bie SJicnfdten feße, fd)eint mir in ißrer Siatur immer eine Süde jn bleiben, bie nur burch ein entfdjieben audgefprochened ©efej) audgefüttt merben fann," fagt Siatatie. — ©ie Sitbung b e r iß ß a n t a f i e ift für bie ©ittlidjfeit notßmenbig. 2 öcr nad) einer moratifdjen Kultur ftrebt, ßat alle llrfad)e, feine feinere ©innlicßfeit jugteid) mit audgubilben, bamit er nießt in bie ©cfaßr fomme, »on feiner moratifeßen ßerabjugteiten, inbem er fid) ben Sodungcu; einer regettofen ißßantafie übergiebt." „Ed bemaßrt fid) bie Straft aller ’E . 6 ©ötbc. finnlid)»fittlid)en Giinbrüde am ftärlften, meint ber SRenfd) gang auf fid) felbft gurüdge» toiefen ift." ©em priöaten ©tittleben beS 18. 3aI)rt)itnbertS, too man irren unb fudjett burfte, folgte unfre3eit, bie 3eit ber ÜJRaffentoirfnng, beS greitgenlofen 35ertel)r8, ber riefig an» toad)fenben Snbuftrie unb Soncurreng. „5Bor ber Reoolution mar alles Seftreben, itad)= her oermanbelte fid) alles in fjorberuitg." §ttr bie ©rgiel)ung mar nun ein neues ißro» bient gu lofen: mie l'ann beit SSebürfttiffen einer urngemanbelten ©efeflfdjaft aufs ooH» lommenfte genügt unb bod) bie iperfönlidjfeit mtb I;öl)ere Ratur beS SDlenfdjen gerettet merben? ®ie Slntmort enthält bie päbagogifd)e Tronin 5. ©ie mirb ein Uto» fiien genannt, too fpmbolifd) eine Reihe Oon 3beeit bargefteHt toerben. ®od) benterfen toir gelegentlich, baß ©djulmänner burd) bie ftymbolifdje fyorut I;ier unb anbertoärtS fid) nidjt oerleiten laffen mögen, bie pabagogifdje Seiftung @.’S für bloßen ©ilettantiS» muS ober poetifd)e Träumerei anjufeljeu. 3n ber päb. Ißroo. ift 1) bie Religion b e r 9R i 11 e 1 p u it c t b e r 6 rg i e 1) u n g , auf fie ift bie culturfyiftorifdje Silbttng tut mefeittlidjen befdjränlt. ©eit 3 ©laubenSartifeln entfpredjen bie 3 ©aHericn ber ^jeiligthümer mit ihren ©emälben, unb üertreten 3 Religionen, bie etl)nifd)e, djriftlidje uitb vtyilofovtyifdje, ober 3 @l)rfurd)ten, üor bem, toaS über mtS ift, toaS unter unS ift, unb toaS unS gleich ift, meldje fe nad) ber ©tufe, auf ber bie Äinber ftel)n, burd) fpm» fcolifdje @riiße begeid)ttet merben. 2) 3 n jebeni SSejirf to i r b eine gertigfeit a u S f d) 1 i e ß 1 i dj unb in oollftänbiger Umgebung gelehrt. ÜJtit bem Sld'erbau beginnen bie ßögKnge, unb nad) einer ißritfungSgeit toerben fie fe nad) ihren Neigungen in anbre Regionen oerfefct, bis fie fo fd)uclt als mögtid) il)ren 53eruf gefun» ben Ijaben. 3) ©er © e f a n g i ft b a S SI e nt e n t ber Srjieljung, er begleitet febe 93efd)äftigung, an ifnt ffließen ftdj Red)t=, ©d)önfd)reiben, 9Reß= unb Redfeitfunft u. f. to; ©laubenS» unb ©ittenbefenntniS, burd) baS 23ilb eingeprägt, in ©ebärben ausgeprägt, merben burdj ©efäitge überliefert. 4) ©aS 3S50rt ift als Srgi cf)ungS= mittel fo oiel als möglid) befeitigt; eS ift, in S3ilb unb ©01t aufgelöst, als ©ept bem Siebe, als Srllörung bem ©emälbe, als SpoS ber ißlaftif beigegeben. 5) © i e Uniformirung, tooburd) bie Srgrüitbung ber f5al)ig!eiteit gefjinbert mirb, ift aufgegeben, ©d)nitt mtb Farben fönneit millfürlid) attS ben oorl)anbenen 3Sor= rätl)en getoäl)lt toerben. 6) gür neuere ©praßen mirb eine fünftlid)e §ei= mat gefdjaffen, ba alle Rationen oertreten firtb. 3nt ©egenfa^e 31t bem gram* matifdjeu 33üd)erftubinm Ijat @. bie tebenbige ©pradjbilbuug burd) feine reitenben @ram= ntatifer ironifd) oerfinnbiiblid)t. 7) Realien merben in ber fpanbwerfS» unb ÄunftprapiS gelehrt. 8 ) Rid)tS -ßabagogif d)eS ift als bloßes SRittet Oom Seben gefonbert; eS mirb nic^tgeturnt, jonbern gearbeitet, geritten, bie ©d)au= ftellung ber öffentlichen Prüfung ift mit einem ÜDiarft oerbunben u. f.f. 9) ®S wirb immer ber gange Wt c n f d) b e f d) ä f t i g t, gugleidj Äörper unb ©eift, äußerer unb innerer ©init. 10) ® a S b I 0 ß 3 n b i 0 i b u e 11 e i ft b it r d) b i e © e f e 11» fdjaft aufgehoben. ©0 gefd)el)en aud) alle Seiftungen mit oereinteit Kräften. 11) ®ie ftrengfte ©isciplin mirb ohne febe © e to a 11 f am f e i t geübt. ©ieS mirb erreid)t burd) eine l)ierard)ifd)e ©lieberung unb burd) bie ©hrfurdjt; fie nidjt bejeigen gu bürfen gilt, üor ber SJerbattnung, als l)öd)fte ©träfe. 12) ©aS ©d)'att= f p i el ift o erb amt t, ba, wo aHeS ©hätigfeit, 2Bal)rl)eit unb ßl;ara!tcr ift, nicht müßige 3ufd)aucr m ib abfid)tlid)e SJerfteHung fein bürfen. ©diließlid) führen mir an, baß bie päbagogifdje Bewegung, in bie ®.’S Sngenb fiel, nad) einem 200jährigen pabagogifdjen ©djlummer, Oon entfdjeibenbem Einfluß auf feine Richtung mar. ©eine häusliche Srgiel)uug bietet unS bie ©egenfafce oon leiben» fd)aftlid)em eigenen ©treben unb altoaterifdjer Suergie, ©alent unb Sl)ara!ter, lieber» flitgeln unb ©ingreugen, Freiheit unb 3' l ' an g; bie mohtburdjgefühlte llnfid)erl)eit eines etnfigen väterlichen ©ilettantiSmuS toedte früh bie Kritif, baS miberfpred)eube 93e» biirfuis bie 3nbioibualitätSrid)tung in ber fßabagogit, meld)cr baS bunfete ©treben beS ©otlfe’ö Sectitrc. 7 3eitaIterS uub Stouffeau, - beffen ©olmetfdjer, entgegen Jam. SRouffeau unb 33afebom fanbett fo ben em^fänglic&ften 23oben ; 93JertI;er unb ©ö (3 bemeifen bie Sintoirfung eines jebeit non itmen. Snnerlid; felbftänbig, Oon Dtouffeau fatl;etifd) ergriffen, entloicfette er feine 3been in biametralem ©egenfaße 3 U biefem mäl;renb eines (falben SaljrljunbertS, aud; in prattifd;er Slnmenbung. ©o finben mir il;n in SBcimar als liebeoollen Pfleger uub Gerjicfyer eines Äuaben, beS Jungen griebridj non (Stein, ben er 2 3al;re lang in feinem £>aufe l;atte unb miffenfd;aftlid; unb praftifd; mit betn beften Srfolge unterrid;= tete, fpater nad; ©d;ißerS SOieinung iroj3 ättangel an Jebeui ©enie „ein päbagogifd;eS Äunftmerf." Slefinlid; fein 33erI;ältniS 3 U 9ftori(3 in Stalien. Stile feine greunbfd;aften finb pabagogifdje Siinbniffe. Seljrenb fndjte er fid; nid;t feiten über naturmiffcnfd;aft= lid;e SDtaterien Marl;eit 31 t oerfdjaffen ober, tnie bei ber non ilfm gegriinbeten ©l;eater= fd;ule, fid; an ben fyortfdjritten feiner ßnglinge emporjuftubiren. (Einen tl;ätigen (Ein* flufj übte er ferner auf baS ©d;utmefen feines SanbeS auS. '2t. SDtbcitöerg. ©ötf)C. Seetüre ©. in päbagogifd;er £)infid)t. ©afj @ötl;e’S ©diriften auf ber .fpod;fd;ute and) einen ©egenftanb beS miffenfdfaftlidjcn Unterrid)tS bilben fönnen, Ja follen, nerftetjt fid; eigentlid; non felbft. Dbloot;! eS nid;t an Sßeranlaffung fehlen mürbe, ein SBort 3 U fagen über baS ©ajj unb 2Bie biefer 23el;anblitng @. auf §od;fd;ulen, fo ift bieS Ja burd; baS fßrogramm ber päbagogifd;en (Encptlopübie auSgefd;loffen. ®a= gegen nerfie^t eS fid; nid;t non felbft, ob unb lote ®ötl;e inncrljalb ber Sel;ranftalten, toeldje bie confirmirte ^ngenb ju bilben unb 31 t leiten l;aben bis 3 ur fpod;fd;ule unb anbern I;öl;cru SBilbungSanftalten, im öffentlichen Unterridjt bel;anbelt merben foK. GcS erfd;eint 31001 - nieten befrembtid;, baß mau nur überhaupt biefe gvage ft eit eit inoüe, inbem bie einen leinen 3 we 'fri bariiber fyabeit 31 t tonnen meinen, bie JJrage ol;ne mrf- tereS 3 U nerneinen, mal;reitb bie anbern, menn aud; uid;t ebenfounbebingt, fie bejahen 31 t müßen glauben. Stber eben biefer fdjroffe ©egenfatj ber Stufidjten bemeist fdjon flar, baß eS fid; I;ier mirftid; um eine grage unb um eine, fid; nidjt nou felbft beant= loortenbe grage l;anbett. ©ie für baS ©aß (Entfd;iebenen merben fid; fd;led;tmcg be= rufen auf bie 9totl;menbigfeit aud; einer äfttietifd;en SSilbnng unb ben allgemeinen bil= benben unb erjieljeuben (Einfluf; ber beutfd;en Stationalliteratur unb merben eS barunt für eine Barbarei, Ja faft für ein Saorilegium erflären, ben größten beutfd;en ©id;ter ber Sugenb in ifyrem empfanglid;ften Sitter entjiel;en 3 U moKen. ©ofern fie aber fd;on als nerftänbige Server unb ©rjiefter bod; bie immerhin im SBege ftel;enben ©d;mierig= leiten fid; uidjt oerbergen tonnen, merben fie biefe ©d;mierigfeiten burd; bie rid;tige 23el;anblung beSSBie Ieid;t überminben 31 t tonnen IJoffen. ©ie unbebingt SSerneinenben bagegen merben runbmeg erttären: fobalb bie fßabagogit auf eoangelifd; d;riftlid;en ©tanbpunct fid; fteHen motte, mäße fie bie S3efd;äftigung mit einem ©id;ter JebenfaES uom öffentlichen Unterricht aitSfcbließen, beffen 2ßeltaufd;auuug mit Jenem ©taubpitnde fo nielfad; in offenbarem Sßiberfprnd; ftelje. ©ofern unb fomeit aber biefe grunbfäij» Iid;eu ©egner ber 35efd;äftiguug mit ©ötfye’S ©d;riften im öffentlidjen Unterrid;t bod; nidht ebenfo gntnbfä^Iid;e ©egner Jeber äftt)etifd;eu 23ilbnng unb Jeber 33efd)äftigung mit beutfd;er SRationalliteratur in ben öffeutlid;en Seljranftalten finb, nietteid)t fogar nicht läugiten, bajj o^ne Jene loefeuttidjen SRangel aöerbingS bie Seetüre @ötI;e’S in ber genannten 9iid;tung großen SBertt) I;aben tonnte, unb fofern bie grunbfä(}tid;en S5ertl;eibiger ber 93efd;äftiguug mit @Btl;e bod; immerhin bie babei 3 U iiberminbenben ©d;mierigteiten anertennen, forbent beibe ©IJeile ebenbamit felbft eigentlich ba 3 U auf, in eine genauere (Ermägung ber oben begeict;neten fyrage einjutreten. ©ieS mirb aber aud) babitrd; nal;egelegt, baß bie öffentlichen Set;ranftalten oermöge ifjrer ga^en ©tel» lung unb 23ebeittung fogar bie 33erpftid;tung l;abeu, baS 9tid;tige unb (Erfpriepd;e 3 U nertreten unb inS 2Berf 3 U fe^en gegenüber non ber entgegengefe^ten einfeitigett 6 r» 3 iet;ungS= unb Untcrrid;tSmapime nicht nur oieter Sel;rer, foubern inSbefonbere and; ber 6 ltern felbft. stimmt bie frömmelnbe Slengfttid;teit unb Sngfierjigteit mancher Sltern einen entfdjiebenen Stnftojj au aöer 33efd;äftigung mit fdjöner Siteratur, fofern fie nidjt 8 ©ötpe’d Scctuie. fpedfifd) djriftlidje gärbmtg an ftd) trägt, mtb bann nod) oielmepr an ber 23efd)üfti' gung mit ben 333erfen eined foldjen „SBeltfinbed" wie ©ötpe, fo gilt ed, wenn icfj fo fagen barf, ben Sinter ber Sugenb, unb bie Sugenb bem 3)idjter 5 U erhalten, gerabe baburdj, bafj man jenen 33ebenfen ebenfo it)r Diedjt wiberfapren laßt, wie man iljr Unred)t jurüdweigt. Ebenfo gewiß paben aber bie öffentlidjcn Sebranftaltcn baburd), baß fie ben ®id)ter felbft in bie Ipanb nehmen unb non ihrem ©taubpuncte auS bie Sugenb mit itym befannt ntad)en, bad Sntereffe einer gefunben, b. p- Wahrhaft djriftlid) Rumänen ißäbagogif bei ber Sngenb ju oertreten gegenüber non Eltern, für berat ganje 333cltanfd)auung nnb Sebendprayid foldje ©Triften wie bie ©ötbe’d gleid)fam bad En an» gelium bilben. ®cr öffentlidje Unterricht muß, je tuel)r er auf ber einen ©eite ben @e= Wimt au§ ber 23efdjäftigung mit bem Sidjter für bie Sngenb ju jiel;en fudjt, ber fid) Wirtlich giepen läßt, auf ber anbern burd) bie 23eljanblung bed 2 )id)terd unb bie 9lrt ber Sepaublung ben Damm gegen äftidbraud) unb fdjäblidjen Einfluß aufridjten, Weldjm bie päudlidje Erjiepung aitfguridjten Oerfäumt ober nerWeigert. — lim nun bie gefteHte fjrage, ob überhaupt bie öffentliche Seetüre ©Btlje’S in ber genannten Sftidjtung ju^u» taffen fei, ju beantworten, wären oor allem bie bagegen erhobenen SBebenfen näher ind Sluge 51 t faffen. 3>ad fpauptbebenten ftüfct fid), Wie bereits angebeutet Worben, auf ben SBiberfprud) ber in ©ötbe’d SBerfen 311 ®age tretenben 2BeItanfd)auung mit ben ©runbfüpen bed Ebriftentljumd überhaupt, unb im gttfammenbang barnit auf ben fittengefäprlidjen Einfluß, weldjcr non ber Seetüre ©ötbe’d wegen beffen indbefonbere gefürchtet Wirb, Wad fid) auf bie finnlicpe Siebe unb bad ®efd)led)tdoerhältnid im gan» gen bejieht. Ed ift nun freilid; h'er nid)t ber Ort, bad fo niel befprodjene 23erl)ältnid ©öthe’d junt (Ehriftenthum erfdjöpfenb ju erörtern, wie fepr mau fid) baju aud) oer» fucht fühlen fönnte ebenfo burd) bieÜlrt, wie ©Btbe in biefer £>infid)t häufig angegriffen Wirb, ald burd) bie Slrt, wie er gewöhnlich bagegen oertbeibigt wirb. 335ad will bad toenigftend heißen, ba unb bort einjelite ©teilen aufjuftedjen, in weld)en ©öthe fid) ent» Weber ffeptifd) über religiöfe unb djriftlidje $iuge audfprid)t ober fogar pofitinen Unglauben unb 333iberwiHen gegen djriftlidje Sel)ren unb StnfdjauungdWeifeit ncrrütl)! Siragt ed ftdj babei bod) immer wieber im einzelnen, in welchem beftimmten 3 ufammenl)ange foldje anftößig erfdjeittenbe 21udfprüd)e auftreten, unb wie weit fie baburdj il;re Erflä» rung, .bejiehungdWeife Entfdjulbigung ober Rechtfertigung erhalten, unb müßen bod) bie ©eftalt, in weldjer El)riftentbum unb Sirdje ©öthe in feiner ßeit gegenübertrat, unb alle bie 2InSfd)reitungen unb Einfeitigfeiten, weldje bad Sßeftrebeu, bad Sitte aufju» löfeu unb ein Dfeued ju bilben, auf biefem ©ebiete erjeugte, in ihrem Einfluß auf jene wiberdjriftlid) nnb antireligiös lautenben Urtheile mit in 9ied)itung gezogen werben. ®en lebendfrohen unb fdjarffidjtigen Silngliug Wioerte, wie bie eoangel. Äirdjengeitung (1837 in bem Stuffafc: Sl)ara!ter unb Ehriftentl)um) fagt, feine eigene Äirdje ald ein {alter unb btaffer Seidjnam an. Einzelne Sludfprüdje unb Urtheile ®ötl)e’d, Wie feljr fie bem Ebrifteutbum Wiberftreiten, ja feinbfelig eutgegentreten mögen, fönnen bal)er nicht ald bad SBebenflicpfte betrachtet werben, mögen fie aud) oieHeidjt im SDtunbe bed ®id)terd unb eines fold)en £>idjterd gefährlicher erfd)einen, ald mand)e ebenfo cinfeüige, ja nod) einfeitigere unb fdjroffere llrtpeile üon ©egnern, bie bem Ebrifteutbum grunbfäfc» lid) fid) entgegenfteHen. ®ad 23ebenflidjfte non biefer ©eite fann nur in ber ®iffouanj ber ganjen 333eltanfdjauung bed ®id)terd mit bem Eljriftentbum gefunben werben, unb aud) jene einjelncn anftößigen Sludfprücbe finb boi^ugdweife iufofern non 33ebeutung, ald fie mit biefer non ber djriftlidjen abweidjenben 333eltanfdjauung überhaupt jufammenhängen. Ebenfowenig fann aber auf ber anbern ©eite bie 3lrt, wie ©öthe häufig oertbeibigt unb gerechtfertigt Werben will, ohne Weitered über bie Sebcnfen I)inüberfül)ren. Ed läßt fidj aud ©öthe’d ©djriften eine Reihe non einzelnen 3luSfpriid)en, ja ganjen 2lb= fepnitten anfilpren, in Wellen fid) ein jarter unb feiner ©inu für bad ©roße unb @d)öne ber Religion überhaupt, unb für bad Ebriftentpum unb feine pciiige llrfunbeit indbefon* bere audfpridjt, ja ©teilen, in welcpen gleid)fam bie fepönften ©locfentöne bed Epriften» ©ötljc’S Scctüre. 9 tßuntS anltingen; baßer mand)e ja fogar ©ötße in retigiöfer SSegießung über ©djifler [teilen. Sßie feßr man nun baS alles and) anerkennen mag, fo bar[ man bcd) and) nid)t überfeßen, ob unb mie jene günftige Urteile eben nur auf biefeS ober jenes Ein= getne fxd^ begießen, unb meiter, mie jene ©todentöne barurn befonberS mit anflingen, meil ber ®td)ter baS fünftlerifdjc ©egenbitb alles beffen fcßaffenb, maß in bcr mirf= lidjen Seit „bcbeutenb," fdjeu unb groß ift im ©Uten unb 33öfen, oßne unmaßr gu merben, bie Jone unb färben nütaufneßmen muß, bie eon ber fftetigien unb bem Eßriftentßum ßerftammen. 3)aS mag nun für bie ©röße beS 3)id)terS atS ®id)terS fpred)en, aber eS bemciSt nod) nid)t fd)lecf)tl)iu für feine 2Bettanfd)auung unb ben religiöfen unb d)riftlid)en Eßarafter berfetben überhaupt; eS fönnen ja bie eingelnen, bem Eßriftentßum günftig unb giinfiiger lautenben StuSfprücße gu ber SBeltanfdjauung beS 3)id)terS fid) berßalten nidjt mie baS SB eil, fonbern mie baS Db gleich. 3nS= befonbere fornrnt eS gur richtigen SBitrbigung barauf an, ob bie religiöfe SlnfcßaitungS- meife, bie ber iDidjter 51 t erfeunen giebt in jenen eingelnen ©teilen, and) mirfüd) auf einem Sutereffe beS SBißenS an.ber 9fetigion beruht, ober nur ber ißßantafie unb bem ©efüfjte anget)ört. ß^'fbßen biefem äftßetifcßen unb bem etbjifc^en Eßarafter ber gfrörn» migfeit ift bocß ncd) ein fel)r mefentlicßer Unterfdjieb. Slßein and) ßier ift eS mit bem Eingelnen uid)t getrau; eS müßte bielmcßr gegeigt merben unb merben fönnen, baß bie gange SBeltanfdjauung beS ®id)terS nid)t bie bem Eßriftentßum entgegengefeßte fei, als meld)e fie bieten gilt, baß fie gmar nid)t baS bon mandjen bertangte fpecteß unb un= mittelbar djrifttidje ©epräge trage, aber bocß in ißren mefentlidjften Elementen einen attgemeiu unb mittelbar djriftlidjen Eßarafter, unb überßaitpt foldje SSorgüge berSBaßr» ßeit unb ©röße befiße, meldje aße SRängel unb ©djmädien berfetben meit überftraßten unb einer djriftlidjen SBettanficßt, menn fie nur fetbft bie rechte fpöße ttnb SBcite 31 t geminnen miffe, nid)t nur nid)t ftörenb in ben SBeg treten, fonbern in itjrcr Seife fogar forberub entgegenfommen. ttnfer 3 bmd forbert nun aber bod), baß mir, fo meit eS ßier mögtidj ift, etmaS näßer eingetjen auf baS SSerßättniS ©iitße’S gur d)rift(id)eit Sßettanfdjauung überhaupt; unb gmar märe baS SBicßtigfte für unS bie ®iffonanj, meld)c gmifdjen beiben fid) barfteßt unb bargufteßen fdjeint. ©ött)e nennt fid) fetbft miebertjott einen Reiben, unb biefeS .fpeibnifdje an ißm ift bie mit ber ctaffifcfjen, namentlich gried)ifd)en öermanbte, übermiegenb äftßetifdje SBettanfdjauung, metdje bie eißifdje gmar nid)t anSfdjließt, aber fie fid) nnterorbnet; it)r tjöc^fteS 3beat ift bie Harmonie beS ®afeinS, baS 3 u famnien[trebeu ber mannigfaltigen enblidjett Äräfte gu einem ©angen ber SBirfung, in metd)ern baS ©afein eine eigeutßünilidje SSebeutitng unb ber ntcnfdj» ließe ©eift, tnbem er biefe SEBirfuug ertennt ober fetbft ßerborbringt, eine- innere 23e= friebigung unb einen ©enuß geminnt. ©ötße fetbft fagt in ber Stbßanbtung über 2Bin= fetmann: „menn bie gefunbe 9fatur beS -Dtenfdjen atS ein ©angeS mirft, meitu er fid) in ber SBett a(S in einem großen, fdjönen unb mürbigen ©angen füßtt, menn baS ßarmonifdie 23eßagen ißm ein reineS, freies Entgiicfen gemüßrt, bann mürbe baSSBettaß, menn eS fid) fetbft empfinben könnte, atS an fein 3iet gelangt, aufjaudjgcn unb ben ©ipfet beS eigenen SBerbcnS unb SBefenS bemunbern. ®enn mogu bient aße ber Stuf« manb bon ©onneit, SDfonben, fßtaneten ec., oon gemorbenen unb merbeubeit SBetten, menn fid) nid)t guteßt ein gtiidtid)er SDkenfdj feines ®afeinS erfreut?"'—-3ft benn aber für ©ötl)e mirfiid) ber ©enuß baS teßte unb ßöcßfte 3ml beS üebenS, mie man fo oft fagt? SlßerbittgS nid)t ber grob materieße unb fiunlidje ©enuß, aud) nid)t ber träge, meid)tid)e, feige ©enuß, metd)er oßne Slrbeit unb Stnftrengung bie gotbenen grüdjte bom grünen 33aurae beS SebenS pftüden miß, jg nid)t einmal ein ©enuß, für melden baS fitttid)e ©efeß unb bie barauf ritßenbe Drbnung beS menfd)tid)en SebenS gar {einerlei ©d)ran!e bitbete — unb bennodj ber ©enuß in ber Slnfdjauung unb Eroberung ber ©üter, aud) ber geiftigen ©ittcr beS £ebenS. ©ötße miß aßerbingS bie ®inge ber SBelt aud) bom fitttidjen ©tanbpunct auS beurtßeiten unb beßaitbeln, aber er miß baS uya&ov nur, fofern eS aud) unb fofern eS boraßem baS %aiöv ift, baßer ißm, mie ben 10 ©öthe’S Scctürc. ©riechen nadj beut treffenben SB orte ißlato’S im ipt;UeBu8, baS SBefetr beg ©Uten in bag ©djöne entfliegt. ©a8 ©ute X;at für iljn SSebeutung unb SBertlj ganj befonberS infofern, als eg 92atur unb Datnrprobuct ift, fofern eg eine Hebung ber natürlidjen menfdjtidjen Äraft ift, bie ettoaS bebeittenbeS fdjafft, fofern eg ein bernünftigeg, maß* X;aItenbeS unb tyarutonifdjeS Sfmn ift, burdj toeldjeS bag Seben beg (Einzelnen toie beS ©aujen in einen ungehemmten gluß ber (Enttoidluug unb (Entfaltung ücrfefjt unb bamit bie greube beg ©afeinS gemehrt toirb; gut ift ihm bie XebenSXräftige, aber and) maß* l;altenbe fdjßne SDtenfdjIidjfeit. beg 2Xj un & Aber ©ötlje toeiß nichts, tuiXX toenigfteng nidjtg toiffen boui ©ittlidjen, fofern eg ber ©egenfag ber Datur unb beg nur Datür* lidjen ift unb fein foH, fofern eg fidj griinbet auf bie ißftidjt, alg eine unbebingte gor* bernng an beit meufdjlidjen SBiHen, toeldje aug einer it & er ft n n Xi dj en SBeit, aug ber Legion eines abfotut ©Uten unb ^eiligen ftammt unb ben nadj bent 33ilbe eineg Ieben= bigen ©otteS gefdjaffenen SDeufdjen an biefen ©ott fetten unb ju ihm emporjiehen foH; fagt bodj @ötl;e meintet»: „Dedjt lj fl t jeber eigene (Eljarafter, e§ giebt fein Unredjt als ben SBiberfprudj." OötXje toiH nichts toiffen oom ©ittlidjen, fofern eS ein Kampf beS Dtenfdjen mit fid) felbft unb feiner bem ©Uten toiberftrcbenben Datur, unb ein Kampf mit ber SB eit unb ber in ihr herrfdjenben ißotenj beg 23öfen unb Unheiligen fein foXX, fofern eS eine 23erläugnnng feiner felbft unb eine Aufopferung ber fdjönften äußeren ©iiter beS menfdjlidjen ©afeinS unb eine ©törung beg ungehemmten unb „beljaglidjen" gtuffeg beg Sehens forbert. ©ittlidjer Kampf unb fittlicfje Aufopferung finben eine Anerkennung bei ©öthe im ©runoe nur, fofern bie barin fidj äußernbe Kraftanftren* gnng and) ein äftijetifdjeS SBohlgefatlen erzeugt, aber nid)t fofern barin einer ®e* toiffenSpftidjt unb jtoar oft in einer SBeife ©ettüge gefdjiel^t unb gefdjeljen muß, toeldje baS SebenSgefüIjl beg natürlidjen SDeujdjen in fdjonungSlofefter unb fdjmerj* lidjfter Art beriefst. fjalf fagt bon ©ötlje in ber ©djrift: ©ötlje attS näherem perfönlidjem Umgang bargefteüt ©. 148: „(Eljaraltere toie Suttjer unb (Eoriolan ber* festen iljn in ein getoiffeg Unbehagen, toaS fich nur baburdj erflären läßt, baß ihr SBefen mit bem feinigen iir einem geheimen SBiberfprudje ftunb." Gcbenbafelbft führt galt bie Aeußerung ©ötlje’S an: „Religion unb -Politif finb ein trübeg (Element für bie Kunft: idj ljabe fie mir immer fo loeit als möglich born Seite gehalten." SDan fage aber nidjt, baß biefeS Urtljeil ja nur oom ©tanbpunct ber Kunft auggelje, bon loeldjem aug Öetradjtet eg auch nidjt einmal gang loafjr ift; benn bie Antipathie beS KiinftlerS ift beutlidj genug hier auch bie Antipathie beg SDenfdjen; unb biefe Antipathie beg SDenfdjen beljerrfdjt bie Anfdjauung unb baS Urtljeil beg KiinftlerS. SBeit er ift bafitr §u erinnern an ben bietbefprodjenen unb ebenfobiel entfdh«Ibigten unb bodj nie* malg ganj ju entfdjulbigenben 3nbifferentiSmu8, fa SBibertoitten ©öttje’g gegenüber bon ben nationalen unb überhaupt ben großen gemeinfdjaftlidjen Sntereffen ber SDtenfdjXjeit, loeldje in ben toeltfjiftorifdjen SJThatfadjeit ber Deformation, ber franjöfifdjen Debolution, ber beutfdjen SlefreiuugSfriege unb Aehnlidtem in 33ctoegung gefegt toorbeit finb, unb fperj unb ©etoiffen beg ernfter benfenben unb tiefer füljlenben SDenfdjen in Anfprudj nehmen müßen. SBaS ift bieg aXXeg anberS, als SDangel an toahrer fittlidjer ©iefe unb SBärme auf ber einen ©eite unb bie Kälte unb ©djtoädje eines äftljetifdjen (Egoismus auf ber aitbern? SBeit nun fo ©ötlje, nadj bem treffenben SBorte Stljoludg, nur Datur toar unb fein mollte, tonnen mir itng audj nidjt lounbern, baß er fidj fo gar nid)t jit finben mußte in bie Anerkennung beS uttgeljeuern SBiberfprudjS, meid)er in ber fittlidjen Datur beS SDenfdjen, fomie fie nun ift, h err töt, in bie Anerfennung ber SDiadjt einer in bie menfdjlidje (Enttoidluug überhaupt eingebrungenen ©törung unb SSerteljrung. Dicht nur baß ihn eine innereKluft boit ber auguftinifdjen Sehre bon ber ©ünbe trennte, »eit er „nadj aßen ©eiten an bie Datur »ertoiefen toar unb fie ipm in ihrer .^errlidjkeit erfdjienen toar," toie er fagt, fonbern erlegt e§ beutlidj genug bem (Sljriftenthum felbft jur Saft, baß eg burdj feine Sehre bon ber ©ünbe erft ben Diß in bie gefuube unb harmonifdje Anfdjauung unb (Enttoidlung hereingebracht h&6e. ©ßtlje’6 ßcctürc. 11 Statt angucrfeniten, bajj baS G.!)riftentl)um beit fdjon uorljanbenen fftijj inS Sidjt gefteHt hat, aber and) bie Teilung bafür barbietet, preist er bie 3 e >t ber ©riedjen mit beit begeidjnenben SBorten: (1 9 Jed) fanb fid) baS @efüt)l unb bie 33 etrad)tung nid)t jerftiidfeit, nod) toar jene famit heilbare £remtitng in ber gefmtben äRenfdjenfraft nod) nicht oorgegaugen." 9 Dcit biefem Urtl)eil, baS mir über ©ötlje’S 33 ert)ältni 8 jur fittlidjeu 2 Bettanfd)aitung fällen müfeit, ift nun audi fdjon Wefentlid) baS Urttjeil über feine Stellung jum Sl)ri= ftenttjum inSbefottbere attSgefprocben. ©ötlje mar ju fel)r nidjt nur SDienfdjenfettner, foubern felbft ÜRenfd), unb ein 31t großer £>id)ter, als bafj er grunbfäfclid) dtle unb jebe 3 Bal)rl;eit ber Religion l)ätte oerwerfen fönnen unb Wollen. -Rennt er fid) aud) felbft ein Söeltünb, fo fefjt er ljinju, baß biefeS SBeltfinb bod) aucf) eine Seite Tratte, bie nadj bent fpiinmlifdjen beutete. SEBenn er ferner and) fagt: „idj glaube aud) aus ber 2 Bal)rt)eit 31t fein, aber auS ber Sßalirfeit ber fünf Sinne, fo mar bodj fein ©eift ju tief angelegt unb feine ’pfantafie 31t reid), als baff fie mit einer materialiftifdjen, öoltairifdjen, popularphitofophifdjen SJerläugnung ober Su§l)öl)Iung ber Religion fid) Ratten befreunben fonnett (man oergl. feinen SluSfprud) über bie tpopularpl)ilofopt)ie unb bie religiöfe Slufflärung bei gall ©• 381 ), unb nid)t oielmebr 3U einem einigen unb abfoluten ©runb aller ®inge aufgeftiegen mären unb im Dicidje ber 9 tatur mie beS ©eifteS eine lebenbig mirfenbe unenblidje SRadjt unb SSernunft an3nfd)auen unb 31t füllen gefudjt Ratten. Sein wiffenfdjaftlidjeS, fein poetifdjeS unb fein pcrfönlid) ntenfd)= lidjeS, ja and), mentt man fo fagen wiK, fein religiöfeS Sntereffe haben fid) bafyer barin gttfammengefunben, beut Spinoja ben Prang ju reifen, 3toar nid)t fo, baff er bantit baS pl)ilofopl)ifd)e Spftern Spinoga’S unb alle feine Sonfequengen fid) fyatte aueignen unb aud^ nur fiar gnnt Sewußtfein bringen motten, fagt er bod) felbft: man benfe aber nidjt, baß id) feine Sdjriften l)ätte unterfdjreiben unb ltttd) ba3U budjftäblid) be= fenuen mögen; mit metapI)t)ftfdjen -Problemen modjte er fid) nur menig befaffen, mie galt bemerft, „benit bie gludjt beS Ueberfinnlidjen loar mit ihm geboren unb baS Reid) ber (Erfahrung 30g it;n gang auSfdjließenb an," —■ fonbern mit Spinoga mill er fid) nur 311m fßantfjeiSmuS als einer gemiffeit SEBeltanfdjauung überhaupt befennen, fofern baS enge 3 ufarantenfd)Iingen beS Unenblidjen unb Gsnblidjen nid)f nur eine lebenbigere unb geiftigere Slnffaffitng ber -Ratur 31t förtern fdjeint, fonbern and) in SSerbinbung mit bent begrifflichen §ellbuufel, baS beut ißanthciSinuS eigen ift, ber iPfantafie unb bent ©efiifyle einen mpfteriöfen ipintergrunb Bereitet, meld)er fomol)l bie bidtterifdje 9 ln= fd)attung als religiöfe Stimmungen gulaßt unb begünftigt, obwohl bei ©ötl)e baS 3 utrauett 3U Spino3a, mie er fagt, nod) inSbefonbere auf ber frieblidjett Sßirfuug rufte, bie er in il)ttt l)eroorbrad)te, b. I). auf beut 3 )etermini 8 mu 8 feines eine ftrenge SRotljwenbigMt oerfiiubigenben SpftemeS, weldjer einerfeitS eitt ntajflofeS Streben gügclte, anbererfeitS baS Sittliche bent ‘Ratürlidjen näher rüdte unb ben fategorlfd)eit Smperatiö 3111- 9 htl)e roieS. Religion unb Sl)riftentl)um fanbett bal)er bei @otl)e eine Stelle eigentlich nur als Sadje ber -Phantafie unb beS ©efiiljlS, nidjt aber ober meit meniger fofern fie eine fittlidje Erhebung unb einen fittlidjeu Pantpf forbern. füeblid), fagen mir mit Stfjolud: (bermifdjte Sdjriften S 3 attb II. S. 369 ), erfdjeiut il)in Religion unb Sittlidjteit, ja baS innertidjfte unb märmfte djriftlidje Streben, fobalb eS fampfioS fid) barfteltt als Erzeugnis einer fd)önen Sßatur unb an foldjen ©emütl)ern, bie, meit eS ebenfo iljre Ratur ift unb fie fid) ihrer fdjönett Stimmung nur als einer ©abe unb nicht als eines Erworbenen bewußt finb, attdj jebent anbern bie Irt gönnen, 31t fein, Wie er ift, unb in großer SRilbe unb SSielfeitigfeit gewähren laffeit, maS irgenb in ber SRenfdjenWelt fid) regt, gleidjmie fie gewähren laffen, maS im Sdjoße ber Ratur fid) erzeugt l) a i- ©Btlje’S Sßlid ruht mit SBohtgefaHen auf religiöfen Raturen, wenn bie grümmigfeit in ihnen baS erzeugt, ma§ er fo djarafteriftifdj eine „fdjöne Seele" nennt (mie bei bem fprättlein »01t Plettenberg in ben Sefenntniffen einer fdjönen Seele, bent Pönig Sttbmig Rapoleon, galt S. 165 ), jenen mitben ^rieben, jene fid)ere 9 hthe unb 12 ©ötljc'S Scctürc. gefiigfeit eines in ©ott unb SljriftuS gefammelten ©emütljS. STber nur bie bftjdjo= logifdje Srfdjeinung, nur ber Ijarmonifdje 5luSbrncf einer geWiffen geistigen SRidjtung intereffirte iljn baran, nidjt ber Suljalt felbft, nidjt bie Sßaljrljeit, bie 31 t „©runbe liegt," wie er benn öon foldjen ©timtnungen unb Erfahrungen „einer fdjönen ©eele" foldjen gerabeju fagt: fie berufen auf ber ebelften Slciufdjung unb ber jarteften ©erwedjSlung beS ©ttbjectioen unb Dbjectiöen. 9lber er I;at einen Waljren SBiberwillen fomoljl für feine ißcrfon, als anbern gegenüber gegen bie ©eite ber Religion unb beS ©Ijriften» tjjumS, treidle ben SDtenfdjen jur ©infeljr in fidj felbft aufforbert unb it>u in fein ®e= wiffen treibt, bamit er burd) ©rfenntniS feiner ©djulb unb fittlidjen Unmadjt nidjt nur bie bcrföljnenbe, fcnbern and) bie crlBfenbe, (äuternbe unb Ijeiligenbe äfiadjt ber 9feli» gioit an fid) erfahren lerne. ©eroinuS fagt: tbie eifrig ©otlje ermähnte, ben SDtenjdjen erfennen ju lernen, fo warnte er bodj bor ber ©elbfterlenntniS; Wer fid) in ben eigenen SSufen fd)auete, bem, meinte er, fei eS fo fd)Ied)t in feiner ipaut, wie bem, ber fein eigenes @el)iru belauerte. ©benfo meinte ©öttje: „ein 51 t gartcS ©eWiffen, wetd)eS baS eigene utoralifdje ©elbft fo Ijod) fdjntjt, baß es ifjm nidjt oetjeiljen WiH, mad)t Ijtjfjc» d;onbrifd)e SOienfdjen, Wenn eS nidjt burd) eine große Sljütigfeit balancirt wirb." SDtit foldjcit Slnfdiaunngen berrammelte er fidj unb anbern ben 2 Beg, ber äum ßljrifteittljum füljrt. 2öie er felbft bon bem innern ©eWiffenSlampf, ber iljn ergreifen will, wenn er in eine »erfeljrte 93af)it Ijinetngeratijen ift, fid) fo ju fagen bnrd) eine bidjterifd)c ®r= löfuug befreit, inbem er baS, was iljn innerlidj bewegt unbbelaftet, in ^oetifdjer®ar= fteCung ans fid^ IjinauSftellt unb bon fid) „ablöSt," fo will er ben ÜDtenfdjen überhaupt nidjt in bie Siefe feines SBefenS bringen laffen, bamit er int ernfttidjeu Kampfe mit fid) felbft ben Söeg 31 t innerlid)er ^Befreiung unb ©rljebung finbe, fonbern treibt iljn aus foldjeut lebenüeqeljrcnbeit fittlidjen ©rübein fogleidj an bie Dberflädje, bamit er burd) eine „große Sljätigfeit" bon ben felbft gefdjaffenen ©efpcnflern fid) loSmadje, WaS er in betn begeidjttenben ©prudje offen IjeraitSfagt: „2BaS borbei ift, nidjt bereu’ eS, fdjlagenb an bie Wunbe 33ruft, lebe nur ein beßreS ÜßeueS, unb bergiß ben alten Sßuft." ©ötlje Weiß jWar Woljl, WaS SBiebergeburt ift, unb man fann eS nidjt fdjotter fagen, als er eS in ben fd)onen 333orten gefagt Ijat: „Sange Ijab’ idj mid) gefträubt, enblid) gab idj ttad), Wenn ber alte SJtcnfdj jerftäubt, Wirb ber neue Wadj; unb fo lang bu baS nidjt Ijaft: biefeS „©tirb unb SÖSevbe," bift bu nur ein trüber ©aft auf ber bunfeln Srbe." Slber er glaubt bod) nidjt itt Sßaljrljeit an eine foldje innere llntwettbung unb Erneuerung, wie baS ßdjriftentljuiu fie.fcrbert unb berfpridjt; fagt er ja bod) jjeremto» rifdj: „Sein SJtenfd) tann eittegafer feines äßefenS anbern, obgleidj er oieleS fann; fe(j’ beiiten gttß auf ellenljolje ©öden, bu bleibft bod) immer, WaS bu bift." Samt eS unS batjer wuttbern, baß iljnt ant ©Ijriftentljum unb ganj befonberS ber fßerfon ©Ijrifti eben baS Oor allem perfönlid) juwiber ift, worin üjr eigentljümlidjeS SBefett, iljre ©röße unb weltljiftorifdje SDiiffion befteljt? Stidjt als wollte er iljttt überhaupt ben Sricg erflären, Weil er bod) „in einem gcWiffen ©Ijriftentljitm" ben ©ipfel ber SDtenfdjlidjfeit finbet; ja fogar aud) ben 3Q3ertt> beS einfachen biblifdjen EljriftentljuinS für einen ge= wißen ©tanbfntnet ber 23ilbung anjuerfeniteit geneigt ift, aber eS ift nidjt fein ©tanb= punct unb fott nidjt ber allgemeine fein. 9?odj im 3aljre 1808 fcfjreibt er: „eS foitimt mir wie allen jpeiben ganj Wttnberlid) Oor, baS Sreu 3 auf meinem eigenen ©runb unb SSobett aufgefjflanjt 31 t fcljen unb ©Ijrifti 231ut unb Sßunben poetifdj prebigen 31 t Ijören, oljtte baß eS mir gerabe jttwiber ift. 2Bir ftnb btcS bod) bem Ijöfjeren ©tanbpuncte fdjttlbig, auf ben unS bie bßljilofopljie geljoben Ijat. SBir haben baS 3becHe fdjöfjen gelernt, eS mag fid) aud) in ben wunberlidjften formen barftellen," 93riefwed)fel mit Sacobi ©. 239. Slber er proteftirt nun fogar auSbrüd'üdj gegen bie 21uSfdjließlid)feit beS 61)ri)tentI)itmS in einem SBriefe an Saoater: „33ei bem 2Bunfdje, in Gsinem Snbtoibuum alles 31 t genießen, unb bei ber Unmöglidjfeit, baß bir ein Sttbioicuum genug tljuu lann, i|t eS Ijcrrlidj, baß auS alten feiten unS ein 23ilb übrig blieb, in baS bu betn aHeS übertragen, in iljm bidj befpiegeln, bidj felbft attbeten fannft. Sftur baS fann idj nidjt ©ötfie’S Settüre. 13 anberS als ungereimt unb einen 9tanb nennen, baß bu alle löftlid;en gebern ber taufenb» fa^ett 93ögel unter bem fpimmel ihnen, als Waren fie ufurfnrt, auSraufft, um beinen IßarabieSooget au8fd;ließliat, baß eS fid;, Wenn eS an bem einen ober anbern @nbe jerriffen Wirb, felbft wieber jufammenfliclen fann; unb WaS ftnb bie taufenbfältigcn ^Religionen anberS, als taitfenbfad;e Steußerungen biefer ^eilungSlraft? SDtein ißflafter fdjlägt bei bir nid;t an, beinS nid;t bei mir; in unferS 33aterS 2lfotl)cfe fmb biel 9tecepte." 2Bie gering ift bei adern ©d;eine öon Toleranz biefe ganze Slufdjauitng Born Sßefcn ber Sfeligion, wenn fie am Snbe nicftS anbereS ift, als ein alter, aber warmer 9tocf, in weldjen ber SRenfd; ■ fid; felbft beim Unwetter jn füllen fnd;t! Unb Weld;er ©tolj unb Slriftolra» tiSmuS beS ©eifteS, ber bieSrüden, an welchen bie SReiftcn fid; fortfdjleppen, auf ben tpöhen nicht ju bebürfen glaubt, auf bie er fid; gefdjwungcn l;at! Ueberfdjauen wir nun baS bi8l;er 9luSgefül;rte, fo Wirb baS Urtl;eil allerbiugS gerechtfertigt erfdieinen: eS beftel;e eine fel;r wefeutlidje Tiffonanj jwifdjen ©ötl;e’S SBeltanfdjauung unb bem 6l)rifteutl;um, weil jene eine einfeitig äftljctifche ift unb gerabe baS entbehrt, worin bie ©röße öon biefem bcftel;t, ben fittlidjen Ernft unb bie fittlidje Sraft. 3lber WaS ift nun bie anbere, bem (£^riftentb>um jugefe^rte, if;m entgegenfommenbe ©eite ber ©ötlfefdfen 3Beltanfd;auung? SDtan wirb nicht $u biel fagen, wenn man fagt: SlfleS baS, Worin bie Wahre bid;terifd;e ©röße @ötl;e’S fid; geige, fteHe il;n auf bie ©eite beS Shriftentl;um8, fo gewiß baS ßhriftentfmm eben barum baS ©roßte unb $öd;fte ift, Weit eS, recht berflanben, alles ©roße, Ebte unb ©cböne, auch eS nid;t ben Rameit Sl;rifti tragt, anerlennt nach bem SQSorte (S^rifti: Wer nid;t wiber mich ift, ift für mich. SBie fallen wir aber jene ©röße @ötl;e’S bezeichnen? 2Bie fein 9ftanget barin beftefjt, baß er nur Statur ift, fo feine ©röße barin, baß er ganz Statur ift. 9tid;tS war ihm bafer frember, als bie unnatürliche Unruhe unb lieber» reigtheit eine® in bie SEßeite fdfweifenben, fich in geftaltlofen fubfectioen Träumereien unb 93egehrlid;feiten berlierenben ©inneS, wäl;renb bod; baS ©ute unb ©d;öne jebem fo nal;e Hege, unb „man überall nur ins üotle Seben hineingreifen bürfe, um, Wo man eS faeft, eS and; intereffaut 51t fiuben,“ nichts frember als bie SBidliir unb Unge» bulb, weld;e bie Tinge nicht cor adern fein laffen unb fie nehmen wiü, wie fie fich felbft geben, fonbern fie meiftert unb juredjtmacht. Sßie groß ift bagegen ©ötlje in ber rüdl;a!tSlofen, reinen, liebeßoden Eingebung an adeS, WaS irgenb in ber äußern Statur unb im SRenfd;enIeben fich ih m «Id „beteutenb," b. lj* «Id d;arafteriftifch unb eigentümlich, als SluSbrud unb Erfd;etaung einer fd;affenben Äraft unb eines bilbett» ben ©efefseS, eben barum aud; als ein ©lieb eines großen ©anjen fid; barftedt, als ein mitlliiigeiiber Ton in ber fparmonie ber SBelt, unb WaS ebenbamit baS Sntereffe beS 23efd;auenben unb §örcnben fpannt unb ben 9teid;tl;um unb ©enuß beS mcnfd;lid;en ©eifteS erhöl;t! Seine mcnfd;lid;e Snbioibualität, fagt Tl;dnd, bie rein baS War, woju bie Ratnr fie mad;te, ja leine 33lume beS gelbeS, lein Safer ber Erbe War ihm ju Hein, er fndjte bie ©frache ju oerftel;en, bie aus ihnen rebet, er lonnte, wie galt fich trefflich auSbrücft, fid; tranmenb in fie oerwanbeln. Unb wie er nun bie Tinge mit ebenfo reinem unb treuem, als feinem ©inne auffaßte, fo gab er fte aud; Wieber, unb Wenn er fie auch 14 ©ötljc’S Scctütc. in bidjterifdjent ©piegelbitbe wiebergab, fo War baS jwar Sßoefie, aber nicht nur feine Sßoefic, fmtbern bie Sßeefie beS ©egeuftanbeS felbft, befreit »om ßufaKigen unb Sleußer* liefen unb Ieudjtenb in unb aitS feiner eigenen 3bee. SD?an Ijat fdjon eft baran erin= nert, baß „ber tiefe unb feine I)iftorifd)e ©imt, ber feit 50 Sauren in ber 9?atur= forfdjuug uns @efd)id)te, in 9?edjtS= itub ©prad)tuiffenfdjaft ftitl entporgeWa‘d)fen unb feljt ju einer Ijerrfdjenben SDtadft geworben ifi, »ott ©ruttb auS @ötl)efd)e ®en!= unb ©inueSWeife fei" (SSifmar @efd>. b. beittfd). ?J?atienaltitt.). (Sbenfo Vöirb man nur bei» ftimnten flutnen, trenn ber Seijtere fagt: ®iefe (Entäußerung »ott SgoiSntuS, welcher bie ®inge nur fid) felbft, feiner jttfälligen 9?eigitng unb SBilbung geredet machen unb bie Srfdjeinungen nur haben tritt, trie er fie fid) gebadet hat, biefe großartige Uneigen* niihigfeit, wetd)e an beit ©egenftaub feilte feiner 9'fatur frembartige Slnforbcrung ftetlt, biefe S3a()rt)aftigfcit unb Sirene, Weldje heilige ©dfeit trägt, an ber bargebotenen 6 r= fdjeinuug wittfürlidj etwas 31 t oerriiden — altes biefeS ift eS nid)t aus ©Btlje’S ©inneS* ttttb ®enfweife itt bie ©intteS* unb ®enfweife ber beften unfrer 3 c 4gcnoffen über* gegangen? 3n biefer ©inneS* unb ®enfweife, Wetdje auch baS eigenwillig fid) in fid) »erfd)ließettbe SBefett überwinbet unb fid) offen unb empfänglidj erhält für bie lebenS* trarme 2BirlIid)feit, bie nid)t erft gefud)t, fottbern nur genommen Werben barf, wie fie fid) giebt, in betu „tluffd)ließenbeu, 58at)nmad)enbeu, Sefreienbett unb ©elttidjerlöfen* ben ber ©ötb)efd;ett 2Beife" fönute man mit SBitmar aflerbingS and) eine S3ritcfe fittben für bie Wütige fpingabe an baS Shriftenthum; „eingelebt in biefe 5)tut)e unb SDiitbe, itt biefe llneigennüt|igfeit unb 5lnfprud)Slofigfcit, wie wir fie an ben weltlichen ®ingett üben gelernt, lernen Wir fie and) beut (Sbriftentl)utn, bem bisher rerfd)mäl)teu unb 3 urütfgeftoßenen gegenüber üben, unb »erlernen Wir, wie ben weltlichen ®iugcn, fo and) il)ut unfre ©enanfen unb SSlufprildje »ortaufen ju taffen, unb werben wir geneigt eS 31 t nehmen, wie eS fid) giebt, eS mit einfältigem, offenem ©ittn 51 t nehmen atSbaS, Wa§ unfrer ©eete baS £id)t, bie ©ered)tigfeit, ben grieben bringt, unb eS ebeufo in feiner 6 igentl)ümlid)feit unb feiner einfadten 3Bat)rf)eit 3 U uerftehen, wie wir baS (Eigen* tb)ünttid)e itt 9?atur unb @efd)id)te »erftehett unb aiterfenneu gelernt haben, ^reilid) läßt fid) baS and) wieber nidjt fo unbebingt behaupten. ®enn bie SBefriebigung unb ^Beruhigung, wetdje aus ber treu fid) hütgebenbett Sluffaffung ber Weltlichen ®inge ent* fpringt, fattit ebenfo gut and) 3 U einer fold)en Sättigung äfthetifdjer unb wiffenfdtaft* Iid)er 3öe(tanfd)auitttg werben, bei Welcher baS 33ebürfniS unb bie 9?eigttng, aud) bem (M)riftentt)um Singe unb^erj 31 t öffnen, um fo Weniger auffomnteit wirb, als man l)W^ um „nehmen" 31 t Ibntten unb 31 t biirfen, »orher auch h^vgeben, unb jwar feinen 2 Bit= lett X)cr= unb h'ttgeben muß. ®ie ®ütl)efd)e ©inneS* unb ®enfweife — baS, WaS man häufig aud) einerfeitS it)rc Dbjectiüität, anbrerfeitS ihren DtealiSniuS genannt, hat frei* lid) ben SBertt) btefeS 93 ot' 3 ugS oft fel;r einfeitig überfpannenb, l) a * öu’lmel)r barin eine betu (Ettviftenttjum giiitftige ©eite, baß fie wenigstens einem richtigen Urtivit über fein äSefett unb feine Sigentl)ümlid)feit ben 2Beg bahnen fantt. ©crfelbe attfgefd)toffene unb l)ingebenbe ©intt, ber @ött)e in SRatur unb ©efcffidjte auf baS S©t;atfäd>lid)e unb fein eigenthümlidjeS ©epräge taufdjen lehrte, fudjt aud) im Sl)riftenthum ber 33ibet, wie itt bett (Erfdfeinungett beS djriftlidjeit SebenS baS dfaralteriftifd) SBebeutfante, bie fdjarf ausgeprägte 3nbi»ibualität auf, geht bid)terifd) tt)eilnehmenb in bie eigen* thümlidten djriftlidfett 2tnfd)auungeit unb (Empfinbungen ein unb weist bie Sahlh^t unb SBittfür aitfflärerifdjer unb moralifirenber 9IuSlecrmtgen unb llmbeittungeu gurüd'. ®er SBerf. beS oben genannten SlrtifelS ber eoaugel. Äirdjenjeitnng fagt: @ötl)e felbft ein Kharafter (lieber: greuttb beS (St)arafteriftifd)en) weitbete atSbalb and) bie SBaffen ber ßl)avafteriftif gegen bie tI)eo(ogifd)en 3tbStractionen; mit bem „Prolog 31 t ben neueften Offenbarungen" tl)at er einen Äerufdjitß nicht bloß auf 33ahrbt. Sbettfo ntad)t fid) ©ötl)e luftig über baS I)ünnitifd)tlare 2titgcfid)t ber batttaligen SSernunft unb jiirnt fegar über bie falten, biirren SDioraliften feiner nidft nur weit barnit ber poetifdje 9?eij jerftört würbe, fottbern weit bamit baS Unterfdjeibeube beS ShriftenthitmS, woburd) eS ©ötlje’g gcctürc. 15 ift, mag ift unt in feiner SBeife mirft, bernidjtet mirb. Dbgleidj ©ötlje anfänglich and) bott ber Äantifdjen -ßljilofopljie ergriffen mttrbe itnb non ter jmifdjett 3 bee nnb Grfal)rung befeftigten Kluft 51 t fagen meiß, fpridjt er bodj bagegeit and) ben midjtigett ©aß anö: tag £>ödjfte märe, ju begreifen, baß alleg factifdje fdjon ®beorie ift; man fttdje nur nidjts hinter ben ^Phänomenen, fie felbft fhtb bie Seljre; unb ebenfo: bie 9?atur ^at meber Kern, nod) ©d)a(e, alleg giebt fie mit Gütern male. ®ie organifdj genetifd)e SDcetI;obe ber Slfatnrbetradjtuitg, bie ©cffe ben abgtracten ®^eorien entgegenfteUte, toeldje bie 9?atur meifterten, ftatt fie 31 t befragen, ift, mie bereits benterft, im leßten I)alben 3al;rl)unbert and) in ber Sluffaffung ber ©efdjidjte jitr Ijerrfdjenbeu ÜKadjt ge= loorben; auf tag Gljriftentbunt angementet, fomtte fie unb fann fie bor allem taju bienen, einer unbefangen fdjarfen „objectiben" Grfenntnig feines eigentl)ümlidjen 35Be= feuS im Unterfdjieb namentlid) non bcnt SBordjriftlidjen in bie §anb 31 t arbeiten. 9J?an muß aber and) lociter fagen: bnrd) iljreit 9feali8nut8 unb bie bamit gegebene SBaljrljeit beg SBeltbilbeg, bag feine ®idjterljanb fdjafft, ftelle fid) bie SBeltaufdjauitng ©ötlje’g in eine nal)e 33ejiel)nng 3 U 111 Gljriftentbum. ©ötlje berliert fid) nidjt in felbftgefd)affne 3bea(e, fonbern malt ben SJfenfdjen, mie er ift im Outen unb SBöfeit, in feinem 9iingett nad) beut ©roßten unb Steiften, loie in feinen geifern unb ©djtnädjen, unb tiefe SBaljrljeit mirb burd) bie f>oetifcC)e Sluffaffung, mie bereits bemerft, nidjt jerftört, fou= bern nur l)eraitggel)oben aug bem jufätligen SSeitoerf itnb in eine bolle fdjarfe 33elettdj= tung geteilt, loeldje im 23efdjatter and) ben Sinbrud, ben befrietigeuben Ginbntcf ber SBaljrljeit Ijerborbriitgt. ®ent Sl)rifteutl)itm nun tarnt ein fotdjeS ßettgtiiö beg „SBeltlinbeg“ bott ber SBelt, toie fie ift, nur miHfommeu fein, ba eg gtoar fein Raufst jmtt fpimntel ergebt, aber ebenfo getoiß mit feinen Süßen auf ber Srbe fteljt itnb ben SJieitfdjen, meldjen eg gemimten miß, juuädjft fo nimmt itnb fdjilbert, mic er mirflid) ift itt feinem ganzen SBefen itnb ®reiben, allerbingS tun il)tt burd) feine Segler unb ©djmadjljeiten, mie fie ju ®ag treten, in fid) felbft, in tag 3ttnerfte feines SBcfeng, loo bie SBttrjel beg Itebetg liegt, Ijincityufübjren, unb anbererfeits burd) bag ©ute itnb SBabre, tag erl)at unb nod) bielineljr fud)t, über fid) felbft Ijiuaitg 31 t führen junt ©roßten unb 23eftett, bag er er ft empfangen feil. SBentt ntttt fo mie bag Sl)rifteutl)mu int S3er= l)ältnig jur SBelt unb bie SBelt im SSerljaltnig 311111 Gljriftcutljmn einmal ift, eine loeltlidje SSilbttng ittt Unterfdjieb bott ber djriftlidjen, eine Slrt meltlidjen Soan= geliuntS, mie man @ötl)e’g ®id)tungen genannt l)at, ittt Unterfdjieb bott teilt geiftlidjcit Goattgelium ter SSibel auf tritt, muß bann tag 3eitgui8 eineg foldjeit meltlidjen Gban= gelimtig in feiner ißartcilofigfeit unb Unbefangenheit, aber atlerbingg and) itt feiner fßartcilidjfeit unb 23efaitgenl)eit nidjt eine gatt 3 befonbere 33ebeittung für tag Gljriftem tljmtt geminuett ebenfotooljl in SSe^ieTjutig auf bie ©djattem, afg bie Sidjtfeiten beg tnenfdjlidjen Söefettg ttttb ©trebeitg? SBer fattit laugiten, taß ©ötlje tag menfdjlidje SBefen in beut Sidjte fdjöuer, cbler, ja großer Gigenfdjaften erfdjeinen läßt, attd) mo fie nidjt unmittelbar auf beut ©rttttbe djriftlidjer Heberjeuguitg ruljeu? Slber ebenfomenig foHte man läugneit, baß alleg bicfeg ©roße unb ©djöne, meint eg and) nidjt beit SSameit Sljrifti tragt, nidjt gegen tag Sljriftentljmn sengt, taß oielmeljr tag Sljriftentljum für bagfelbe ift; tcnn eg märe nidjt bie SBaljrljeit, bie Ijödjfte unb bie bolle SBaljrljeit, memt eg nidjt 9taum Ijatte für alleg, mag mirflid) maljr unb gut ift, ober memt eg etmag maljveg, guteg itnb fdjöueg barum berloerfeit mellte, meil eg felbft nod) etmag bollfemmitcreg unb beffereg bat unb giebt. Sollte eg aber auf ber anbent ©eite maljr feilt, baß „in ©ötlje’g bebem tenbfteu ^Soefieen ein SUiiStott liege, meint attdj ein ttodj fo leifer, meldjer ebenfomenig bott Slbfdjluß unb Söefriebigung jeugt, mie er geeignet ift, bolle ungetljeilte 23efricbi= guttg 31 t gemaljrett,“ — unb baß eg maljr ift, mirb ein ttadj teilt SDtaßftab beg bol(= fonuuenen Stealg ridjteubeg Urzeit nur betätigen fönnen —• fo fpridjt and) bieg nur mieber für bag Sljriftentljmn; beim eg ifl nidjt fdjmer, 31 t jeigeit, taß jette Süfigtötte, melde audj in ben bollfommenftett ©djöpfitngen ©ötlje’g übrig bleiben, itjre Slitflöfitng 16 ©ötßc’S Scctüre. allein finben fömtten in ber öoUlommenen Harmonie, Welche baS Sljriftenti;um ergeugt als ber „DrpfyeuS, ber baS S^ier im SDrenfdjen gäljmt unb eerwanbelt" (Doftergee, ©öthe'S Stellung gum ß^riftent^um), als ber ßriebenSbote, ber auf baS SSergänglidje unb Srbifdje baS Sonnenlicht eines Unöergängtidjen, eines ©ottlidjguten unb ©ebenen hereinfalleit läßt, Slber mir mäßen nod) Weiter gehen unb eS fogar für einen 3rrtl;um unb ein SSorurtheil erllären, wenn man baS ©roße einer ißoefie, wie ber ©öthe’S, als baS GcrgeugniS ber reinen SSienfdjennatur betrauten unb biefe ebenbamit in ihrem SBerthe unb in ihrer Äraft bem ßfiriftentlmm unb feiner öermeintlidjen SluSfdjIießlidjfeit entgegen» [teilt, als wollte man fagen: fietje hier, WaS ein äftenfdj, ein wahrer, echter SKenfcß ift unb fdjaffen lann, auch trenn er fein Efjrift, fein befonberS gefärbter unb auS= fdjließüdjer ßfirift ift. Sin 3rrtl;um unb ein SSorurtheil ift baS, benn, um eS mit einem SBorte 31 t fagen, gerabe baS SSefte unb ©djönfte biefer weltlichen ißcefte ift eben gleifd) üont gleifdje beS (Sljriftent^umS unb SSeiit bon feinem S3eine; unb Wenn ©öthe felbft, wie Wir hörten, bagegen fwoteftirt: alle föftlidjen gebern ber taufenbfadfen S3egel unter bem [pimmel ißnen, als wären fie ufurpirt, auSguraufen, um ben ißarabieSbogel be§ ShriftentfiuniS auSfddießlid) bamit gu fdjmüden, fo fagen wir ißm unb aKen, bie iljn bergöttern, ittS SIngefidjt: bie fdjBnften ßebern, mit welken bu beiite Slunftwerle fdjmüdft unb bie S31öße ber 9?atürlil)igenia eine djriftlidje SIRabonna genannt, mau hat baran erinnert, baß ©ßthe ben iitnern ßwiefpalt im menfdjlidjen bergen an gauft nidjt.fo wahr unb treffenb hätte fc^ilbern fönnen, wenn ihm nidjt baS Gcbangetium bie gadel ber ©elbfterfenntniS borgehalten hatte, unb SSitmar fagt unübertrefflich fdjön, baß bie aitS ber SÜefe ßerauSgeWadjfene Sidjterblüte ©ötße’S gleidt ber SBafferlilie, bie bon ben SBettcn hin* unb hergefdjaufelt wirb, mit ihren SBurgetn feftgeWadjfen War auf bem ewigen ©runbe, ber gelegt ift, ehe ber SB eit ©runb gelegt War, unb fo glauben wir and) mit SS., „baß man, fnnabfteigenb an bem Schafte biefer Silie, au ber SBitrgel berSßflange bie ißerte finben fönne, Welche fößlidjer ift, als alle ©d;ä( 3 e, weldje in ben Schiffen unb ©djifflein t)in= unb hergeführt Werben über bie mtfidiern Sßege." •— 3n ber SUfat Wollte man nur in boHer Unparteilidifeit, ohne gweierlei SJfaß unb ©ewidjt angitWenben, einmal genau abwägen, was bie üordjrifttidje SBelt unb gWar in bem, was nadj ©öthe felbft feinen 351ütefninct bilbet, im ©riedjen» •thmn wirflid) erreicht hat, unb WaS bagegen baS ßh r ift en thum, aufgefaßt in ber gangen Siefe unb SBeite feines fßrincipS, ift unb gewirft hat, unb wollte man bann weiter mit beibem »ergleid)eu, WaS man an ©öthe am meiften beWunbert unb am häuften freist, fo müßte man erfennen, wie bie großartigften ©ebanlen, bie fd)önften färben, bie lieblidjfteu £öne ©öthefdjer ©idjtung aus bem ßh r 'f te nthnm ftammen, gWar aller» bingS nicht immer unmittelbar auS feinem gefdjicbtlidjen 33ud)ftaben, aber aitS bem ßhrtftenthum, Wie e§ in ber weltgefdjidjtlidjen Sntwicflung fein inneres SBefen mehr unb mehr hewutSfehrenb gleidjfam gu einem unfießtbaren, geiftigen ßluibum geworben ift, baS bie gange SlnfdjaitungS» unb SnipfinbungSWeife ber mobernen SBelt burdjbringt unb beherrfdjt. Sinleudjtenber mag biefer ßnfammenhang mit bem Slwiftenthum bei ©d)iKer erfdjeineit, beffen hbdjftrebenber fittlidjer 3bealiSmuS, wie immer, itt feinem felbftgenügfamen ©tolge fidj in birecteu ©egenfafj ftettt gum ßh r 'f ten thnm als einer ffteligion ber SSerföhnung unb Srlöfung, nidjt weniger als ber h™melftürmenbe bhilofoßhifä ) 2 SbealiSmuS ber neuern ßeit feinen Urfprung genommen hat auS einer energifdjen ßinlehr beS ntenfdjlidjen SSewußtfeinS in fidj felbft unb auS ber SoSreißung beS SBiHenS oon allem nur natürlichen unb äußerlichen, Wie fie in bem SJtaße unb in ber Slrt innerhalb ber oordmftlichen SBelt fid; niemals gebilbet Ijnben, bagegen aber mit ber djriftli^en ©rnnbanfdjanung bem innerften unb tiefften ©runbe nach Wefentlid) gufammenhäitgt. 3it SBahrheit aber treibt baS ßh r >f* c nthum, wenn ich fo fagen fotl, ben Äeit in bie üftitte jwifchen ben ©chillerfdjen 3bealiSmuS unb ©öthefdjen Realismus, ©ötljc’S gectürc. 17 inbem eS toett unenblicben ©ebalt eines Voal^rfiaft ibealen, göttlich Bottfommenen, t>ei= Itgen unb feligen SebenS gegenwärtig ^infteßt in menfd;lid;et ©eftalt, l)ereingebiibet in bie ganje unb Botte 2Birftid;feit beS irbifrfjen '©afeinS, Wäbrenb bagegen ©Btbe’8 unb ©dptterS SBeltanfcbauung jule(3t nur bie disjecta membra poetae finb, Welche eben in bieder Trennung einfeitig unb unwahr werben mußten, ber <3d)iHer’fdje 3beaIiSmuS ben Soben ber 2Birllid;feit oerlierenb burd) bie ©röße unb §öl)e, in weldje er ben ntenfdjlidien ©eift Ijinauf^eben Witt, ofyne itjni bod) bie glüget geben ju tönnen, mit tneldjen er fidj loSjureißen Bermod)te Bon ber ©d)Were, bie i^n an bie Gerbe unb fidj felbft tettet, — ber ©öti;efd;e SiealiSnutS in ber ganjen SBa^r^eit unb ©djirabeit feines lebenskräftigen SilbeS Bont SOtenfdjen jwar Wohl aud; angefdjienen unb gehoben, aber nid)t burd)Ieud)tet, certiärt, geheiligt unb gefättigt Bon bem Sid)te unb eer Äraft beS Unöergängtidjwafiren unb ©uten. SBenn nun bieg ba§ SSerl)ältniS ber ©Btfyefdfen SBeltanfdjauung jum Ebrifteutbum ift unb wenn jene in ihrer SBeife unb Bon ihrem ©tanbort auS ebenfo gewißermaßen um bie Sßeltberrfdjaft ringt, Wie biefeS Bon bem feinigen, fo Wirb bodj fautn ein 3 We 'f^ mehr barüber ftattfinben fünnen, baff man bie 3ugenb, fobalb il;re geiftige SSübungöftufe bafiir überhaupt reif unb etnpfänglid) ift, aud) im öffenttid)en Unterridjt in baS SerftünbniS beS großen beutfdjen ©idjterg einfübren, unb if>r bie 93efd)äftigitng mit feinen SBerfen eben burd; bie fiinweifung auf bie allgemeinen ©efidjtgpuncte, Bon Weldjen ber®id)ter, Wie wir fallen, ju betrad)ten ift, redjt gewinn* unb genußreidj inadjen muß. @8 fdjeint' bem nun aber nocfj baS befonbere fpinberniS in ben SBeg ju treten, WeldjeS Wir oben fdjon im allgemeinen angebeutet haben, nämlid) ber fittengefäbrlidje Einfluß, Weidner Bon ber Seetüre ©ütlje’g gefürchtet wirb wegen ber Slrt unb SÖBeife, Wie in feinen ©idjtungen bie finnlidje Siebe unb überhaupt alles, WaS mit bem ge* fdjteditlidjen 35ert)ältnt8 jufannnenbängt, aufgefaßt unb beßanbelt wirb. 3n biefer Se= jieEtung fann man Bor allem fd)on bie Offenheit unb D?adtfyeit fel>r bebenflicf> finben, mit Weldjer baS, WaS bie djriftlidje ©ittlidjfeit unb ©itte Bor Slug unb Dfyr oerhüHt, gerabe IjerBorgejogen unb ber Slnfdjauung bingeftettt wirb, Weiter aber aud; bie jjrei* heit unb ©djonung, mit weldjer baS, WaS bie djriftlidje ©ittlid;feit unb ©itte einfach Berbietet unb BerWirft, bidjterifd) bel;aubelt, wenn aud) nid;t gerabeju gerechtfertigt unb entfd)utbigt, bod) immerhin fo bargeftellt wirb, baß ber 9feij beS ©imtlübfdjönen unb Slngenebmen gewißermaßen ber fittlid;en Seurtbeilitng baS @leid>gewicht galten, ober fte jurüdbalten unb einfdjränfen fott. SBaS man nun ba jur fftedjtfertiguug beS ©icbterS fagt unb fageu fann, liegt faft auf ber £>anb: baß er als ®id)ter bie SBelt ju malen unb ju fdjilbern habe nicht wie fie fein fott, fonbern wie fie ift, unb ein 9?ed)t habe auf alles, WaS in irgenb einer Sßeife noch fdjoit ift, wenn eS auch nicht baS ©Ute felbft ift; ja baß ebenbarum feinem SBeltbilbe bie Bolle bid)terifd;e Söafir^eit fehlen würbe, Wenn er ein fo WefentlidjeS Element, baS gerabe ju ben mäd;tigften Rebeln bet ipoefie überhaupt gehört, auSfdjließen wollte unb fottte, baß Bielmehr ©otlje als ©iebter and) bie poetifdje ©eredjtigfeit infofern übe, als er bieUeberfdjreitungen ber ©ebranfen ber ©ittlidjfeit nnb ©itte an ihrem eigenen Unrechte untergeben taffe, Wie in ffauft, ben 3ßablBerWanbtfd)aften; baß weiter burd; bie Slrt unb Sßeife ber Sebanblung ber fttten* gefährliche Einfluß biefer Silber wefentlidj abgeftumpft werbe, inbem ©öthe burd) bie 9?nbe, SeibenfcbaftSlofigfeit unb baS maßbaltenbeSBefen in ber ©arftettung beS ©innlidj» febönen ft^ oortl)eilbaft unterfd;eibe oon ben ©idjtern,,welche baS ©innlicbfd;öne unb Slngenebme gerabeju rafßnircn unb bie Süfternheit unb Seitenfcbaft bamit bemuSfor* bem, baß enblid? and; 4,2111 ©rnnbfab: ben deinen ift alles rein, an einer wobt* erjogenen unb fittlid) geftärften Sugenb bicfeS ®efäbrlicb= unb Serberblicbfcb^inenbe ebenfo wirfungSloS Borübergeben werbe, wie in ber Erfahrung beS täglichen SebenS, weld;e baSfelbe unb baju nod; in grellerer ©eftalt an Slug unb £>b r oorüberfiibre, ja felbft bei ber Seetüre berSibel, weldje bie gefeit gewinne, fo wäre barüber nidjt oiet 31 t ftreiten; etwad anbereg aber ift eg, wenn bie bidjterifdje SarfleCtung mit einem geWißen innertidfj gehegten, ja gefteigerten 23et;agen gerabe bei biefen ©egenftänben oerweilt unb fie heroorfeljrt. ®ied aber ift eben bei ©Btlje ber galt: biefe feinere ©inntidjfeit, bie bann aber bod; and; oft red;t grob wirb, biefer gefdjledjttidje Ehifureigmug ift untäug» bar ein ©runbjiig ©Bttjefdjer ®idjtung, wie feiner eigenen ißerfon, unb eg ift gewiß beseidjncnb, wenn er einmal fiiuwirft: er ijabe fid; bag Sbeate nie anberg, alg unter ber §orm einer grau öorftetlen tonnen. Ertenneu wir ferner Ootlfommen an, baß ©Btlje burd; bie ruhigere, teibenfdjaftgtofere, maßt;altenbe SBeife ber SarfteÜung beg ®efd;Ied;tlid)en fid; untcrfd;eibe oon ber finnlidjett Raffinerie unb ber liifternen lieber^ reijung fo mand;er anberer ®id;ter unb Sichtungen, obwol;! bod; aud; bei @ött;e bie Süöctlen ber Stift oft ^od; gefeit unb über bag Ufer fd;tagen, fo mäßen wir bod; fagen, baß jwar bag Uebermaß eben atg fold;e 8 burd; ben Stet gegen bag lteberreijte, 3Biber- natürlid;e unb fjrec^c, toetdjen eg erzeugt, ben oerberbtidjen Einfluß abftumpfeu tarnt, freilich au( h nicht muß, barunt aber bod; bie begieljuuggWeife maßhatteitbe, rut;ige unb leibeitfdjaftglefe SarfteÜung jenen öerberblidjen Einfluß nidjt fd;ted;thin aufhebt, itn ©egcntbjeite ißn gerabe infofern wieber ^ertcifü^ren tarnt, atg bag an fid; mit djrift= lieber ©Ute unb ©ittlidjteit ©treitenbe in ben Singen beg Seferd bag SlnftBßige oer- liert, ja 3 ttm 5 Jer 3 eil;lid;en unb fogar Siebengmürbigett wirb, Wenn eg burd; ben 9?eij ber ;>oetifd;en gorm gewißermaßen oerflart unb 3 War atg eine ©cf)Wad}ljeit, aber alg eine ed;t ntenfd;tidje ©djWadjfjeit in ©d;u (3 genommen wirb; Wag eg um bag „fjatbwegg ehrbar tljun" ift, wiffett wir au§ bent SRunbe ©otlje’g fetbft. Ebenbarum Wirb aud; bie fwettfdje @ered;tigteit, wetdje ber ®id;ter in bem ©d;idfat bever übt, Welche in bem ©ebiet ber finntidjen Siebe bie ©djranfe überfdjreiteu, in ber Reget einen befonberg ftarfen fittlichen Eiubrud nidjt niadjen, weit bie ©iinbe bod; Weit mehr alg eine Entwidtunggtrantljeit, bentt atg eine©d;utb bchanbett unb auf ben ©d;utbigen ein poetifdjer Jpeiligenfdjeiu geworfen wirb (ogl. bie 2 Bafjtoerwanbtfd;aften), burd; wet» chen bie ©itnbe wenigfteng atg fdjBner unb tiebengwürbiger erfdjeint, atg bag, wag red;t unb gut ift, unb bafjer aud; ber Ernft beg fitttidjen llrtl;eitg an ber Erregung jperföntidjer ®h e ^ na ^ mc abgeftumpft wirb. 2Bag gilt bie ©üttbe, Wenn man, um eg fo augjubrütfcn, fo fdjBn fünbigt Wie gaitft, unb weit man alg ein gaitft fiinbigt, burd; feinen Untergang nur bag SOiitleib über fid; hereinruft! Unb ift nicht ber fRenfd; nur 3 U geneigt, wenn man it;m eine fd;ötte ©ünberin Oor bie Singen matt, Wetd;e 23uße tljut, lieber auf ihre ©ünbe httn^ufdiaueri, atg auf il;re 23uße? ®ie -parallelen ber Erfahrung beg tägtidjen Sebettg unb ber 33ibet tonnen um fo weniger etwas beweifen, Weit fte biefe ®inge nidjt im ^oetifdjen ©piege'tbitbe ttnb barunt mit bem Re^e ber tpoefie I;irtftetlen, fonbern in ber nadten SS5at;rl>eit ber 2Birttid;feit, nnb bie S3ibel wenigfteng nid;t oerfet;tt, bamit ben Ootlen fitttidjen Ernft ju oertnitpfen, Wetdjer bent SRigbraud; einen ftarten Riegel oorfdjiebt, obwol;! bie 33ibel gar nidjt fo rigorog, oiet» mehr fogar, Wenn man Witt, echt poetifdj barin ift, baß fie ben Reij beg ©ittnlidj» fdjönen unb Slngeneljitten itt ben oon ©ott georbneten ©djranfen anertennt, il;u aber and; 31 t heiligen uttb ju oerttären fud;t; ogl. ©pridjwBrter 5. 33. 18. 19. SBärc eg baher nidjt möglid;, bie Seetüre ©Btße’g mit ber l; 2 rauWad;feuben Sugenb fo ju Xjanb= Ijaben, baß jener gefürdjtete fittengefal;rtid;e Einfluß abgeloeljrt unb ihm mit Erfolg entgegengearbeitet würbe, fo müßte fie unbebingt nntertaffen uttb um fo met;r unter» laffen Werben, alg eg eben eine I; crantoac hfeitbe Sugenb ift, mit wetdjer ber ®id;ter getefen werben müßte, alfo eine foldje, bie neben ihrer relatioen fitttidjen Rein» ©ötlje’6 Sectürc. 19 l;eit nnb Unfd)ulb nod) nidft feie fittlidje Steife unb Straft befi(jt unb befreit fann r meldje fie maffnet gegen bad Unreine nnb ©ittlid)Oermerflid)e, cutdj menn ed in fdtöner gorrn ü)r gegenübertritt. 6 d mag mm aßerbiugd fd)ioer fein, ben fittengefäljrlid)ett (äinflug ber Seetüre ©ötlje’d abjutoefyren, aber unmöglid) ift ed barum feinedmegd, unb ift ed fdjon bedmegen nid)t, meil bie befprodjene ©djattenfeite ber Oötbjefdjen £>id)tung. nid)t in aßen feinen SBerfen gleidj ftar! Ijernortritt, fo baff ed nur bie ©adje ber päba» gogifdjen 2 ßeidl)eit ift, f)ier bad Sfedjte 31 t treffen, ©0 merben mir atfo and) oon biefer ©eite and betradjtet fein Sebenlen tragen bürfen, bie Seetüre ©ötlje’d in ben öffentlidjen Unterricht aufnefymen 31 t bürfen. Um fomidjtiger aber mirb bann bie fjrage nad) benx 2Bad unb 355 i e merben. 2)er ©runbfah nun, melden ber Slrtifel: ®eutfd)e ©pradje Sanbl. ©. 916 üer» tljeibigt, baff ein eigentlid) literaturgefd)id)tlidjer Unterricht für bie Sllterdclaffen, meldje mir im Singe haben, oermerfltd) fei, mirb im aßgemeinen feftbleiben mügen, obmoljl er fid), auf ein befdjeibened fDtaff 3 urücfgefül;vt, oießeidjt nodj Dcrhältnidmäffig red)t» fertigen lägt für bie früheren fperioben ber beutfdjen SJationalliteratur, fofern er bagu bienen foß, bad gefdjidjtlidje 33ilb Don ber Sntmidlung bed beutfdjen Solfed überhaupt etmad ooflftänbiger audguseidjnen, unb ed aitd) beim beften Sßißcn nicht möglid) fein mirb, mehr ald menige groben älterer beutfdjer Siteratur fetbft 3 U lefen. Sebenfaßd aber nun tann Oon einem eigentlid) literaturgefd)id)tlidjen Unterrid)t in 33egiehung auf bie ißeriobe ber beutfdjen ßlaffifer nid)t bie Sfebe fein, benn hier gerabe merben bie mit 3ted)t gefürchteten Sladjtljeile, bie Srgeugitng eined oberfläd)Iid)en nafemeifen Slb* fpredjend unb 9tad)fpredjend, eined blafirten, für ben bilbenben (Einflug unb einen leben* bigen ©enug abgeftumpften 2 Befend gan 3 befonberd eintreffen, ooßenbd gar menn ein feiger Unterricht ber meiblid)en 3ugenb biefed Sllterd applicirt merben moflte, märe bied in ber 2 ßj at uid)td anbered, ald eine Slnmeifung, ihr bie ©trümpfe blau 3 U färben. 955ie märe aber eine Iiteraturgefd)id)tlid)e Seljanblung ©djißerd unb @ötl)e’d im ftren» gen ©inn aud) nur möglich, ta bie Sebingungen bed Serftänbniffed in biefent Sllter fehlen unb fehlen müfjen, cor allem bie Stenntnid bed (Entmicflungdganged ber neueren P)ilofopl)ie! Sllfo gilt ed aflerbingd oielmeljr „Sefeu unb immer mieber Sefen" (Sb. I. ©. 916); aber freilich aud) eine ftreuge 2ludmal)l beffen, mad man mit ber Sugenb liedt, unb eine foldje ftrenge Sludmaljl ift bei ©öthe hoppelt nothmenbig, nicht nur meil mand)ed gerabe oon bem Sebcutenbften, mie Sauft, ben ^orijont biefed Sllterd über» fteigt, fonbent and) megen ber oben befprocfjenen materießen Sßebenfen. ©elefen, im öffentlidjen Unterricht 001 t Sel)rern unb ©djüleru gelefen merben fann unb barf ent* fd)iebeit nur bad, mad nicht pofitio oerftögt gegen d)riftlid)e ©ittlid)teit unb ©itte, mad alfo indbefonbere frei ift oon aßem Sebenflidjen unb ©efährlid)en in Segieljung auf bad ©ebiet ber gefdfledjtlidjen SJerljältniffe. tDaburdj gieht fid) nun freilich bei ©öthe ber Sfahmen fehl' in bie (Enge. ©ange ©tiide ber Slrt •— unb @an 3 ed 3 U lefen ift eben aud) mieber gerabe befonberd midßig — mären bod) nur Sphigenie, ^errrnan unb ©orotljea, £affo, obmol)l bann and) (SingetneS, mie aud Bidjtung unb SBaljrheit, oon ben Iprifdjen @ebid)ten, Saßaben :c. nicht audgefd)Ioffen merben fann, mäljrenb ynuft, (Egmont, ©03 oon Serlid)iugen ic., fo begeidjnenb fie and) für bie ©ötljefdje Slrt finb, auf ber ©eite bleiben mögen. Mein foß nun oon biefent meitern gar nicfjtd gefagt, foß bad, mad man nicht öffentlich unb genteinfam lefen fann, gang mit Stiüfdjmeigen übergangen merben? 3d) glaube barum nidjt, meil tl)eild ber Seljrer bod) nid)t hinbern fann, bag ©d)üler unb ©chülerinnen für fid) auch nad) biefem meitern greifen, unb auch oon ihren eitern häufig genug nidjt baran geljinbert merben, unb baljer bie^3flid)t ljat, bem gefährlichen einflug einer foldien-prioatlectüre menigftend bie ©pi^en abgubrechen, tljeild barum nicht, meil bie ©dfüler in höhere Silbungdanftalten, mie bie Unioerfität, übergehenb nun fich felbft unb ber freieften 3Bahl ihier Seetüre in ber Sfegel überlaffen finb, unb meil bie literaturgefd)idjtlid)e Sehanblung ber beutfdjen Slaffifer auf ben Unioerfitäten fid) meift nur auf ben äftljetifdjen ©tanbpunct fteßt, menigftend ben 20 ©ötße’S Sectürc. etljifdjen, rettgiöfen nidjt irt fcer SBeife heroorfefjrt, baß fie barauf au 8 geljen Würbe, bem möglichen fdjäbüdjen (Einfluß ber Seetüre beutfc^cr Stofftier entgegenjuVoirfeit; fie mag freilidj habet een ber S 3 orau 8 fej 3 ung ftdj leiten laßen, fte habe eS mit einer toot?l= erlogenen unb fitttidjreifen 3ugenb ju tljun, »or ber unb mit ber man bon ben (Dingen rebett tönne unb nütße, tcie fte einmal (ittb. Slber eben biefe SSorauSfejntng, wenn fie überhaupt audj nur gemadjt unb bebadjt tbirb, lann fte fo oljne weiteres gemadjt Wer= ben? Unb ftetlt fie nid^t eben eine gorbertttig, Weldje bie Seljrer nnb Grgieljer fdjon borber jn erfüllen haben? SIHerbingS— haben bis Seprer, fofern fte audj Srjieljer finb, überhaupt bie bßflidjt, bie 3ugenb in biefer fo widjtigen Uebergangdperiobe fittlidj ju letten unb ju ftärfcit, fo fommt eS ihnen gang gewiß audj ju, fie fittli’d) jn waffnen gegen bie gefäfjrlidje unb fc^äblid^e Sßirlung, Weldje bie Seetüre beutfdjer Slaffiler auf fie haben lann, unb fie auf ben SSoben ju fteüen, auf Weldjem ihre fünftige größere ©elbftänbigfeit ihnen nidjt jum gaUftricf wirb. (Darum werben bie Seigrer mit ben ©djülern, fobalb biefe bafür geiftig reif fittb, offen reben mäßen bon allem bem, Worin ©ötlje’S Sßeltanfdjauitng mit ben ©runbfäjsen einer fhttidjen unb ber djriftlidj religiöfen SBeltanfdjauuitg in ©oHifion fommt. @8 genügt aber nidjt, fo widjtig e 8 and) ift, ben ©djüler barauf tjirtjurroeifen, baß bie (ßoefie ein 23ilb bon ber SBelt Ijinfteöt, urdjt Wie fte fein feil, fonbern Wie fie ift im ©Uten unb SSöfen, unb eS baher gang berfehrt wäre, aus ihrer (Darftelhtng eine SebenSntoral fdjöpfen ju wollen, fonbern matt muß bem (Didjter pofitib baS 9iedjt beftreiten, bie ©renjen, Weldje bte djriftlidje Stljit jieljt, in ber 2ßeife, wie er eS tljut, gu überfdjreitcn, unb ebenfo bie Freiheit, bie er fidj nimmt, einen finnlidjen SpifureiSmuS bidjterifdj 3 U h e 3 en > i a getoißermaßen gu heiligen. (Der Seljrer wirb bieö audj in gleidjem 5D?aße thun fönnen, ohne fidj in ben 93erbadjt fttt= lidjer ©plitterridjterei unb eines funftljaffenben (ßebantiSmuS, weldjer feinem SBorte ben Grfolg rauben Würbe, bei feinen ©djülern gtt bringen, als er baneben ein Wahres unb WarnteS Sntereffe für bie ißoefte gu erfentten giebt ttnb bem (Didjter in allen feinen unläugbaren Sorgügen bolle ©eredjtigleit wiberfahren läßt. (Der Lehrer muß in feiner gangen ‘jßerfönlidjleit, in feinem (Dijitn unb Sieben überhaupt bem ©djüler ein 33orbtlb geben bon jener fittlidjen ©tärle, Stulje unb Gntfdjiebenljeit unb bon jener männ= lieben Sleufdjheit inSbefonbere, weldje nidjt nur an adern bent Unreinen unb 93er= feljrten, baS man nun einmal in ber SBelt fehen unb hören muß, hülfe eS ftdj auch in bie fdjönfte ©eftalt, unbewegt borübergeht, fonbern eS fogar, Wo eS nötljig ift, flreng gurüdweiSt, nnb muß babei hoch lebenSfrifdj unb lebenSwarm bleiben unb ftdj fperg unb Singe offen erhalten für aüeS, was waljrhaft groß ttnb fdjön, IjevggeWinnenb unb h^edjebenb ift. ©etragen bon biefent (Einbruch feiner ißerfönlidjfeit wirb fein Sffiort audj in biefer 23egieljung einen (Eingang gewinnen nnb bem 3ttngling gur SBaffe unb ©djutjweljr werben. (ES wirb aber, um bieS gu erreidjett, felbft baS nidjt fyin= reid)en, baß man auf bie ©djattenfeiten ber ©ötljefdjen bJ3oefte hinweist, fonbern man Wirb ftdj audj nidjt fdjetten bürfen, gur Grflärung unb richtigen (Beurteilung beffen, waS man fabelt unb iniSbiHigt an ©ötlje’S bßoefie, audj bie (ßerfönlidjleit beS (DidjterS felbft, biefeS „©alomo’S ber (Didjtfunft,'' wie SUbert Änapp in feinem ©ebicfjte über ©öthe ihn treffenb nennt, feinen SebenSgang unb feinen Gljaratter mit l^ereingugiehen. §iegegen proteftirt man nun freilich fjäuftg nidjt nur im allgemeinen fdjon barum, weil bieS eine unbefugte tßermifdjung ber (ßerfon unb beS ©egenftanbcS, fowie beS etljifdjen unb beS äftljetifdjeu UrtheilS fei, fonbern auch auS bem befenbern ©runbe, weil man batttit bie frifdje begeifterte Eingebung an bie Äunftwerle beS (DidjterS gutn oorauS jerftöre unb bie fjreibeit beS UrtljeilS gefangen nehme. 3fdein nidjt nur erfor= bert fdjon baS bolle 33erftänbniS ber SBerle beS ®idjterS fchledjterbingS bie Kenntnis biefeS (Epponenteit, ber in ber ‘iperfönlidjfeit unb in bem Sehen beS SMdjterS gegeben ift, fonbern man muß ftdj baju nodj ganj befonberS baburch aufgeforbert fühlen, baß »iele »on benen, weldje fo eifrig gegen bie SSertnifdjung ber perfönli^en SSeurtheilung ©ötlje ’8 mit ber feiner Sffierte proteftiren, ganj in benfelben geljler »erfaHen, unb einem ©ötlje’d gectürc. 21 ^erfönXit^en „©öthecultud* fyitfoigen, ber nidjt nur oft ind Stbgefd)tnad:te fid) oerliert, fonbern gerabeju SQSibertoillen unb @!el erregen muß. ©o!d)em Unioefen gegenüber, Don toeldjem felbft ber neuefte treffliche 33iograph ©ötlje’d, Setoed, fid) nidjt ganj frei gehalten hat, gilt ed, alte ©d)attenf eiten ber ©öthefcfjen ißerfönlidjfeit, feinen feinen finn» lieben Spitureidmud, fein fitttidj unentfdjiebened unb unträftiged, fein ariftofratifdj ftotjed unb unbeutfcfjed SBefen mit berfetben ©eredjtigteit IjerDoräujieljen unb 51 t beleud)» ten, mit toeld)er man aud) bem Siebendtoürbigen, bent 9tuf)igflaren unb 2 Jtenfd)lid)» fdjönen feiner ißerfönlidjfeit bie Dotte Slnertennung jeHt. XDer beliebte ©runbfah, bie ißerfon unb iljre geiftigen ©djöpfungen audeinanberjitljatten, ift mit and ber Sßelt» anfdjauung heraudgetoadjfen, toeld)e ©ötlje Dertritt, er ift aber barum nidjt toeniger einfeitig unb falfdj, ja, um ed gerabe b^audjufagen, er ift pofitto toiberdjriftlid). ®ie gurdjt enblidj, burd) biefed ^eretngieljen bed ißerjönlidjen ber 3 ugenb ben reinen unb freubigen ©enuß bed ®id)terd ju Derberben, ift getoiß grunblod, wenn anberd ber Selber nur babei Derftefyt, burd; fein eigenes SSeifpiel unb burd) bie 2lrt ber 23el)anb» tung bed 3)id)terd bie ^Begeiferung unb Siebe gu erzeugen, tueld)e überhaupt bie 93e= fd)äftigung mit liefen ©djöpfungen ber SDidjtfunft formt unb forbern barf, unb fie ju erjeugen eben an ben 3)idjtungen, toeldje oorzugdioeife oerbieneu, mit ber 3ugenb gelefeu ju toerben. 2 ßie nun aber für liefen 3 tuecf jene oben audgel)obenen ®id)tungen ©öt^e’d in ber öffentlichen Seetüre beijanbelt toerben fotten, barüber außer ben all» gemeinen, für bad Sefen beutfd)er Klafftter in beit fybfyeren Klaffen geltenben Regeln (ogl b. 2 lrt. ®eutfdje ©pradje) nodj befonbere aufzufteHen, fd)eint faum nöthig, toenig» ftend müßte ftd) ber Llnterjeidjnete, ber nur htqe 3 £ it in ber Uebung foldjen Unter» richte geftanben ift, baoon eigentlich bidpenftren. ®ie S3ebenfen mancher ipäbagogen gegen ben Sßertlj unb ÜKujsen ber fd)utmäßigen 33efd;äftigung mit unfern beutfd)en Klaffifern, bie ©orge, baß „bie jugenbliche fyrifdje in bem Krgreifen nationaler Äunft» toerfe, bie erfte, buftige ^Begeiferung in bem ^Berühren ttnb fpinemleben oljue päba» gogifdjed Sentfeit" gerftört ober gefd)ioad)t toerben ntöd)te (ogl. 23anb I. ©. 920) — finb aDerbingd tooht $u beherzigen. Sine „aKzuoerfanbedmäßige 3 ei ‘ 9 ^ e ^ erun 3 “ Dottenbd bad ^terbeifdjleppcn Don gelehrtem SIpparat tonnen bem ©efammteinbruef unb ber Smpfinbung ber herDorftedjenben einzelnen ©djonljeiten, toorauf ed bod) in liefern SUter hauptfidfid) antommt, nur ju leicht fdjaben, toogegen biefed 3>et Diel eljer erreicht toerben tann burd) toieberljolted, in ber red)ten SBeife gefd)eheitbed SBorlefen burd) ben Set)rer unb bie ©chüler, ettoa auch mitteift bed bramatifd)en iBortraged oertljeilter ftotlen burd) bie ©djüler, toomit fid) aud) einzelne erläuternte, namentlid) üftl)etifd)e SSemer» tungen oerfnüpfen mögen (ogl. b. SIrt. ®eutfd)e ©prad)e). 2 lHeiu ganz möd)te bodj toegen bed möglichen fJtidbraudjed unb Uebermaßed eine tiefer einbringenbe unb länger Dertpeilenb.e 23ehanblung ber beutfehen ©idjtertoerte im öffentlichen Unterrid)te nid)t ju oertoerfen fein, toenn mit biefer Seetüre toirtlid) nid)t nur ein Dorübergel)enber ©enuß, fonbern ein bleibenber ©etoinn ergielt toerben foü; liest man ja loch aud) bie SMdjter» inerte bed claffifd)en SKterthumd nicht nur barum ftatarifd), toeil man bie fprad)lid)en Uttb anttquarijd)en ©d)toierigteiten bed SSerftänbuiffed ju übertoinben tmt, unb tommt ed bod) babei ganz auf bie Slrt unb bad 2J?aß unb indbefoubere barauf an, baß ber Sel)rer bad äfthetifd)e unb fitttid)e 3 ntereffe im @d)üter oorzugdtoeife ju erregen unb bie fritifd)e SSetradjtung, toenn aud) nid)t oöüig audzufdfießen, bod) fo unterjuorbnen toeiß, toie ed einem Sllter angemeffen ift, tneldjeS atterbingd oietmehr anfd;auen, auf» nehmen, lieben unb betoitnbern, freilich nid)t nur mit ber ißh anta fi e unl5 l 15111 § er 3 en r fonbern aud) mit bem Äopfe betounbern lernen foU, atd auatt)firen, tritiftren unb regi» ftriren. Sin tiefered Kingehen nicht nur auf ben3n()alt, fonbern felbft aud) bie gmra bei ber Seetüre ©öthefdjer ®ichtungen mit ber 3ugenb toirb aber um fo mehr geredjt» fertigt fein, aid bie ©d)üier burd) liefe Seetüre aud) lefen, uttb bie Ktaffiter lefen lernen unb burd) bie ©etoöhnung an ein tiefered Kinbringen unb einen Dertrauten Um» gang mit liefen clafjtfdjen ©djöpfungen Dor jener oerberb(id)en SSielleferei unb ©d)neU= 22 ©ötljc’d Sectüre. leferei bcmafyrt Serben foßett, ju welker bie äftljetifdje Siteratur bet Sugenb fo leidjt 33 eranlaffung giebt. ©oß nun aber bod) audj nod) etmad fpecießed gefagt merben über bie 33 eljaub= tung ber 3 )itf)tungen ©ötfye’d, meidje mir für bie öffentlid)e Sectüre mit ben ©dfülern auggejeidjnet Ijaben, fo mödße bie 3 pl)igenie fid) gauj befonberd baju eignen, nid)t nur überhaupt bad @igentl)ümlid)e unb ©roße ©ötljefdjer ißoefie, foubern aud) in biefen SSorjügen indbefonbere ber erhabenen 9 htl)e, ©infalt unb X>urd)fid)ttgfeit ifyre 2 $ermanbt= jdjaft mit bem claffifdjeu Slltertfyum uad^nmeifen, ebenfo aber audj ben Unterfdjieb be§ antifen unb mobernen ©tanbpunctd, meldjer vor aßeut in bem feelenooßen Sßefen, ber Sieinfyeit, 3 art fieit unb Snnigteit bed 3nf)altd, fomie in bem burdj bad ©tücf teeren» ben „£>aud)e bed lyriebextS“ fid) 311 erlernten giebt. SBenn man bad Sefstere „bad beutfdje ®rbtl;eil" genannt ltnb in unferm ©tücfe bie Sßfung bed großen fßroblentd, ben ©eift bed Slitertljumd mit beutfdjent Seibe 3U umfleiben, gefitnben l)at (Hilmar), fo ift bied toofyl mafir. SDfan rniro aber ebenfo gut, vießeid)t nod) riditiger unb genauer fagen fonneu: bie Spfyigenie ©ütfye’d fei bie djriftlidj »erflärte 3pl)igenie bed claffifd)en 2Utertf)umd; ed ift nidjt bie 3pl)igenie ber gricd)ifd)en ißoefie; baß fie bad nidjt ift, geigt jebem fd)on bie S 3 ergleid)ung ber 3 f'i)igenie bed (äuripibed unoerfeunbar; bie @ötf)efd)e 3pl)igenie ift aber aud) genau gefprodjen nidjt eine d)riftlid)e fOfabonna, mie man fie genannt f)at, beim ed ift bod) nur gricdjifcfje Snbioibualität, aber ind 3 beai erhoben, in bad SSilb ed)t menfdilidjer ©roße unb ©d)önl)cit berfiärt, load mir I)ier vor und Ijaben. Stber bie färben unb Smne biefer SSerflärung ftammen and bem Cü)riftenti)um unb 3tt>ar bem ßfyriftentljum, mie ed in S(eifd) unb 93 txit ber neuern 3eit übergegangen aßed mafyrljaft menfd)lid) ©roße, ©d)öne unb ©bie bejeidjnet, oljne baß ed ben 9 ?amcn bed 61 )riftentl)umd trägt unb tragen miß, vielmehr fogar ber menfd)= lid)en fRatur aid if)r urfpriinglidjed Sigentljum gerabe im ©egenfaf3 311 bem fdjärfer, vofler unb eigenti)ümtid)er audgeprägten Sljriftentljmn ber SSibel 3ugefprod)en mirb. SBie leljrreid) ift ed nun, bie ©elbfttäufdjung bed großen SDidjterd, menn id) fo fageit fofl, über ben llrfpntng ber jjoljen 2Infd)auungen, meldje er in feiner Spljigenie jum Studbrud bringt, burd) bie SSergteidjung mit bem wahren SBefen bed claffifdjen 2 IIter= tf)umd überhaupt unb bem Sf;arafter ber ©itripibeifd)en 3 pl)igenie indbefonbere nad)3u= toeifen, mie leljrreidj aber and), bie Slunft bed £>id)terd 3U bemunbern, ber bod) biefed d)rifttid)e SJfetaß gan3 nur in beit formen clafftfdjer 2lufd)auung audpragt, ber bie Siomantif ber djriftlidjen 3nnerlid)feit, bie $iefe unb 3 avt ^eit d)viftlid)en ©efüfyld unb djriftlidier ißfyantafie nid)t burd)bred)en unb für fid) lautmerben, fonbern fie nur gleidj= fam über ber rufjigen, bitrd)fid)tig fiarett c(affifd)en gorm l)infd)meben läßt, fo baß ed bem Sefer 31t 9 Rutf)e mirb, mie loenn er „in ben ©d)atteu bed alten ^eiligen |jained," „in ber ©öttin ftißem ^eitigtfjum" unb an ben ©eftaben ber meiten ©ee, mo „ben greuuben bie SBeflen bid an bie giiße fpielten,“ von ferne ©loden unb Drgeitöne I)ören müßte. Unfre 3 pl)igenie ber Sugeub and) aid ein üJfufter bed IDrama’d coqu* führen, miß und 3mar bie ©trenge ber Äritif megen „bed SRattgeld an fpanbhtng" verbieten, aber itid)t nur ift I)ier, uacfj ©djißevd bcrtrefftid)em 2ludbrud, bie ©efinnung gur £>anblung gemalt unb barin eine SBarntafel aufgefteßt gegen biefenigen, metdfe eiuerfeitd bad ©d)anfpiet 311m ÜEummefplai} fid) überftürsenber, effectl)afd)enber §anb= hutg mad)en, anbrerfeitd in iljm nid)t ein inneres Seben ljeroortreten unb fid) abmideln laffen, fonbern an ben brautatifd)en S)iai)men ©uirtanben fd)öner iKeben unb ©entenjen aufi)ängen (»gt. aud) Sitmar) — fonbern ed ift unb bleibt bie 3pt)igenie gleidjmolil ein mal)red, nur etma von £affo nod) übertroffened SDiufter unb ißorbilb bramatifd)cr ©djiti^ung unb Sbfuug. Sttblid) ift nid)t bad Setjte, auf mad ber 231 id mit bem voßen 2 Bo()lgefaßen ber 23 emunberung bermeilt, bie 33oßenbung ber bid)terifd)en ©pvad)e, loeldte mie ein fd)öner Seib um bie fd)öne ©eete bed 3ul)altd ftd) fdjmiegt, unb bie bnrdigebilbete SOJelobie unb Harmonie bed 23 erfed, meld)e ben Sefer mie auf fünften 2Beßen batjiuträgt. — 3m llnterfd)ieb von ber 3pt)igenie fteflt und @btl)e mit §er= ©ötljc’ö Scctürc. 23 mann unb ®orothca ganj in bie ©egenWart unb jrnar bie unpoetifd) fdjeinenbe ©egeuwart beS häuSlidjett unb bürgerlidjeu SebenS I)ineiit unb bringt unS in ben ein= fad)en SSerhältuiffeit unb 33ermid(uugen eines foldjen engeren fireifeS bie Sinheit eines fittlid) gefunben, tiidjtigen unb ernften ©trebenS mit ber wahren ißeefie beS SebenS jur 2lnfd)auuug, lueldje and; baS 2ttltägtid)e unb f leinfte ju oerflären oermag. ®ett Ijo^en 9tei$ unb Söertlj biefer ®id)tung l)at man aber mit 9i'ed)t aud) barin gefunben, baff ber ®id)ter biefeS „häuSlid) bürgerliche (EpoS" abfteüt auf ben burdbleudjtenben £>inter= grunb bebeutenber ßeitereigniffe, unb tamit bemann ber jener 5Dtattl)erjigfeit unb fentimentalen Söafdjtjaftigteit, in Weld)e bie ibpllifdje ©djüberung ber 33eljaglid)feit beS hauSlidjen (Stilllebens fo leid)t »erfüllt. SBenn nun in biefer SBejiehung [perntann unb Dorothea burd) biefe feine Sßorjiige ein erWünfd)teS IDtittel barbietet, bie Sugenb ju warnen Bor einfeitiger 33ewunberung beS 3bt)Uifd)en, Weldje in ihrer Slrt ebenfo Ber* berblicf) wirfen fönnte, wie baS gierige Ipafdjen nadj allerlei SeibenfdjaftS*, ©turnt* unb ®rangpoefie, fo wirb man eS •— unb gerabe bei ber öffentlid)en Seetüre beS ©tüdS — bod) aitd) betlagen ntitßen, baß ber ®id)ter feine ipoefie nicht aud) ferner unb nod) enger mit ben Sntereffen beS öffentlichen unb nationalen SebettS jufammengefniipft l)“t, Woju er in @öj3 Bon 33erlid)ingen als einem edjten IBolfSbrama einen fo fdjönen Sin* fang gemacht hntte (obwohl gerabe @öh um ntaudjer Ginjelnljeiten willen fith nic^t unbebingt wie Hermann unb Dorothea jur öffentlidjen Seetüre mit ber Sugettb, Welche wir hieb int Sluge h“ben, eignen uiödite). ©obann wirb man attd) bei aller Slnerfen* ttung ber ©djönljeiten biefer ®id)tung nidjt Berfe Sitbung fpodjgefteXtter fid) fnüpfen, mit feiner taftboHen ißotemif öloßtegt, obwotjt man bafeei bann and) begreifen lernt, wie für ©öttje felbft, ber offenbar in ©affo aud) perfiintidje Srlebniffe bid)terifd) „bou fid) abgetoSt tjat," biefeS £>ofteben bennod) 3ur „©elita geworben ift, wetdje ben ©imfon feiner Soden beraubte." Se= bentt man enblid) aud) nod) bie große Äunft, wetdje ber ®id)ter in ber Stnlage unb ©urdjfüljrmtg feines ©tüdeS bewahrt, in ber Slrt, wie er bie einjelnen, leife borauS* beutenben ©bne anfdjWetten laßt, bis fie „in ifjrent »otten Stange jur Harmonie be§ @anjen jufammenfd)tagen," fo mag e§ atterbingS nidjt ju biet fein, wenn mau gefagt I)at, baß famn ein ißrobuct ltnferer Siteratur fo geeignet fei, ben ©efdjmad an at(tag= lid)ent XtnterljattungSfutter bon ©runb aus ju berberben unb ben Sefer 51t wieberfjoltem Sefen unb einem fid) ftetS crueuernben ©enuffe ehijulaben (Situtar), WaS für fid) fdjon einen ftarfen SeWeggrunb bitben müßte, ben ©affo mit ber IjeranWadjfenben Sitgenb ju tefeu. ©a wir und nun fd)on faft ju tauge an ben befprodjenen ipauptftiideu auf= gehalten I)abeu, müjjeu wir eS untertaffen, aud) ■ nod) ju reben bon ber Sctjaubtung einjetner auSgewäf)tter Srudjftüde auS fotdjen SBerten ©ötfye’S, bie fid) atS ©anjeS nid)t eignen, wie auS ©öj bon SSerXid)ingen, Reittede gudjS, ©idjtung unb SBaljrtjeit auS meinem Seben, fowie aud) einzelner lt)rifd)er @cbid)te, Sattaben 2c. Gcinent erfal;= renen Setjrer Wirb es aud) ba uid)t an mannigfattigem unb reidjeut ©toffe festen, um ben ©inu ber ©djüter für wat)re bidjterifdje ©djönfjeit ju Weden unb 3U naljren, aber aud) nid)t an Slufforberuug, ber 3 ugenb 3U geigen, Wie ein reiner unb fefter fitttid)er ©inn unb eine tebenbige griimmigfeit fein §inberniS finb, atteS watjrljaft ©djöne 3U bewunbern unb 3U genießen, bietmetjr gerabe ein SRittet, fid) ben ©enuß unb ben ©eWinn 31t ert)öl)cn, weit fie teuren, ben §onig bom ©ift 3U unterfd)eiben unb baS ©rofje unb ©djöne am ©roßten unb ©djönften 31t uteffen. Sanbercr. GtottC^flirdjt, (Bottfcltglcit, f. griimmigfeit. ©Olüicniautc. SBie ber Raute ber Sonne, fo ftammt aud) ber Raute ber @ou= oernante auS bem gran3Öfifdjen, ja wir braud)en für biefen Segriff baS grembWort mit nod) größerem Redjte, ba bie ©ragerinnen beSfetben urfprüngtid) boqitgSWeife auS granfreidj bejogen Würben. Srsteljerinnen finb beibe, bie Sonne unb bie ©ouceruante; wenn alfo ißuriften biefen beutfdjen StuSbrud üorgie^en, fo treffen fie nidjt gan3 baS Redjte: ebenfo bcjeidjnet ber Rante Seherin, ober gar fpauStetwcriu etwas anbereS, atS was mau mit ©oubernante be3eid)nen Will. SemerfenSWertfj ift immerhin, baff aud) anbere ©pradjen biefeS 2 Bort bei fid) eingebürgert Ijabeit: bie engtifdje fagt go- vernant unb governess, bie ruffifd)e guivernantka; ja franzusinka wie bei unS „gran3Öfin" ift eine weniger refpeetbotte Se3eid)nung für unfern Segriff im befonbern. *) ©er ©taub ber ©oubernante ift ein gang moberner: er ift burd) ein SebürfniS entftanben, WetdjeS erft bie neuere 3 eit fennen gelernt unb 3U befriebigen gefudit Ijat. ©arum ift er ein 3iemtidjeö jünger atS ber ©taub beS fpofmeifterS. 2 Bo 3. S. eine gamilie auf bem Sanbe feine ©elegeuijeit l)atte, iXjre ©cdjter bie Senntuiffe unb gertig= fetten ertangen 3U taffen, wetdje bie moberne Sqieljung ber gebitbeten ©taube mit ntefyr ober Weniger Redjt bertangt, unb Wo man bie©öd)ter nidjt auS bemtpaufe geben Wollte, um fie in einem ißenfionat, wie man fagt, bitben 3U taffen, ba mag fid) bie Rfutter nad) einer gutgefd^uXten ©eljütfiu untgefefjen Ijaben, bie bann tetjrte WaS fie fonnte an ©djutwiffen, Sünfteit, unb fogenannten weibtidjen ober oietmefjr bämtidjen *) 3 n granfreidj beißt übrigens beutjntage bie ©oubernante institutrice, fte würbe ficb bureb ben Rainen gouvemante berabgefept gtauben. Sine Sonne läßt fub aber gerne gou- vernante nennen. ®ag SBort gouvemante begeiebnet außerbem fdjoit längfi unb amb je(jt itodj gailj gewöbllticb une femme qui gouverne le menage surtout d’un komme veuf ou celi- bataire, eine §ausbä(terin. äebnti^ beißt bonne ba unb bort in granfreidj unb in ber @^Weij ba« ©tubemnäbdjen, bie §au«magb, ohne atte Sesiebung ju Sinbern. ©ouöcntantc. 25 SIrbeiten, Wohl aud) feie jüngeren Snaben in il;re Sehre nnb 3 ud)t nahm, wdl)renb ber Leiter, ber Server ber Knaben, ein ©eifttidjer in ber 9ZäIje bie Södjter unterwies in höherem SBiffen. ©o hatte fie einen gut gegrüubeten fßlag im Haufe, war oI)nel)in Wohl oft eine 2lngel)örige ber gauiilie, unb nahm fid) and) beö HauSWefenS mit an. SuS ift unb heißt inbeffen nod) nid)t ©oituernante. 3eneS 23cbürfniS nun Würbe aber wol)l äunädjft nnb oo^ugSweife in reidjeren ariftofratifdjen Raufern empfnubeu, wo bie ÜDZutter fid) mit ber geiftigen pflege ber Södjter nid)t befaffen tonnte ober woflte, aud SDZangcl an Beit, aus 93ornel)mt)eit, ober weit fie felber ben gefteigerten 21n|>rüd)en au wiffenfd)aftlid)e ober fiinftierifdje 23ilbung nid)t genügen 3 a tonnen fiirdjtete. Siefer Um= ftanb im allgemeinen fdjott gab bent ©tanbe ber basu ^Berufenen, ter ©ouücrnanten etwas ariftofratifd)e 8 . 3m 17ten 3al)rt)uuCerte gab eS inbeffen gewiß nod) feljr wenige ©ou= oernaitteu, mit 2luSnaI)me ber l)öd)ften Greife. 2$on ©ouoernanten in gürfteithaufern woflett wir aber l)ier uidjt tjaubetn, benn biefe finb etwas aparteS ; fic finb nidjt feiten oerl)eiratl)ete grauen ober SEBittweu, WaS feljr 31 t loben, unb öfters auS ber großen 2Belt felbft, and) wantiern fie nidjt, unb finb oiet früher an ben Höfen aufgenommen gewefen, als ber 9Zante ber ©ouoeruante als foldjer eyiftirte. Erft als in ber 3 Weiteu Hälfte beS= felbcn bie fran^ofifdje ©ßradje als l)öfifd)eS unß oorneI)nteS EonDerfationSmittel in ben flöfyereu Greifen allgemein 3 U werßen anfieng, ja bei uuS Seutfdjen in ber golge bis 3 U ben mittleren ©tauben Ijerunterftieg, 31 t ben mehr ober weniger eitetn Honoratioren, ba warb aßmdljtid) baS Verlangen nad) @el)ülfinnen laut, Weld)e mit ben ber fiiuber* Wärterin eutWadjfenen Sßdjtern foßten fraujöfifdj parlireu tönneu. SDZütter unb Södjter wünfdjten fie I;erbei, leife unb laut: unb biefeu Stuf oernahtu bie fein Ijörenbe frait 3 Ö= ftfdje ©oubernante, unb begann il;re UKiffiou unter ben Eulturoölfern ber neuern Beit. Sie SDZobe, wie bei afleut WaS Don fjJariS tommt, lljat baS 31)rc Ijinju. 23alb ertönte jener Stuf bis auS bent fernen, ciüilifationSbebiirftigeu Dften Ijerüor, bie DZadjfrage warb ftärter, ber Slrtifel Warb nid)t mehr bloß auS graitfreidj geliefert. Eine SDZcuge tentfdjer unb englifdjer SDZäbdjen unb grauen haben feit jener Beit il)rc SebenSaufgabe in fretnßen Häufertt 3 U erfaßen gefudjt, unb in unfern Sagen ift wie in Dielen anbern Singen bau SebürfniS bttrd; ben Slnbraug ber Eanbißatiitneit wie eS fdjeint ntel)r als genügt, unb bie Eoncurrenj beginnt ber oljnefjiu nid)t 3 U beneitenben ©ouDernante iljr S 00 S nod) fd)Werer 31 t machen. Siefer Beitfninct ift benn um fo elfer geeignet, baß bie ernfte SBiffenfdjaft ber fßäbagogen, Wie bie Eule ber ÜDZineroa, ihren ging hinter ber leidtjt befdjwingten granjöfiu her nimmt, unb fie unb il;re ©taubcSgeuoffinnen betrad)tet, wie fie finb, waS fie tl)itu unb was fie leiben in ben Käufern, wo man eine ©ouöeruante halten 31 t foßett glaubt. Ser Erinnerung bcS ÜSerfafferS ftel)t eine Stngaf;! fold)er jüngerer unb älterer Samen 3 U ©ebot, unb beut Bb-'ed btefeS SlnffafceS liegt eS woI)t nahe, mit theilnel)ineuber ©djärfe bie Steife burd) 3 itgel)en. Es wirb fid) babei für biejeuigen, weldje au biefem SCrtifel ein Sntereffe haben, am Snbe mehr lernen laffett, als auS tljeoretifdjen 93etrad)tungen unb abStracteu ©äfcen. Dl)uel)in ift eS gerabesn unntöglid), bie ©oitDernante itt einem ein= 3 igcn tbfnfdjeu 23ilße 3 U 3 eid)nen: bie ©attuitg tl)eilt fid) in mehrere Slrten, bie ©piel= arten abgeredjnet. Sie Streit ber cinjelneu werben wir Wol)l int aßgemeinen in fol= genben ©rupften unterbringen tonnen. 2 llfo 1) bie ha nbwerfS mäßige ©ouoernante. fDZau »ergeilje baS SBort, eS foß feinen 33ormurf enthalten: beim cS finb redjt tüchtige 3-nbioibuen barunter begriffen, ©ie ift faft burdjweg auS einer ehreitwertljen bürgerlichen gauiilie, Sochter eines 23e= amten, @eiftlid;en unb bgl., hat meiftenS Diele ©cfdjwifter, unb oft Sdjwefteru, bie ebenfaßS ©onoernanten finb. Surd) il)re Eltern ober Sormünber ift fie 3 W @ouüer= uante beftimmt worben, I)at fleißig unb forglid) it;re Sehrjahre als ©djiilcrin, fettener als Unterlehrerin an einem SDZäbdjeninftitut burd)gemad)t uttb aßerlei gang orbeutlid) gelernt. DZutt tommt fie in eine ©teße mit tem naioen 33ewußtfein, baß fte biefelbe anSfüßen fönne: aus ber ©d)wei 3 unb auS granfreid) Wol)l and) mit einem brevet Der= 26 ©ouMcrnantc. feljen. D^me Otofj auf iljr Sßiffen, ohne befonbere Eiteffeit, aber audj ohne ©efdjeibem ljeit, erflärt fic fid) für fällig, fyrangöfifdj unb ßeidjueu, ©efdjidjte unb ©eograpljie, 2)?itfif unb 9ied)nen u. f. w. gu lehren. 9Jian glaubt iljr, unb fie beginnt arglos iljr ©efdjäft. Die Däufdjungeit bleiben nid)t aus, aber fie bleibt ungebeugt, unb Weiß mit holbem weiblidjent SDiutlj oerfdjiebenartigeu ©türmen gu wiberftefjen. Dljne^in wirb fie nidjt oorgugSWeife in glängenben, h°h ett Raufern, oielraeljr gerne and} in weijl= Ijabenben, meljr bürgerlich lebenben fyamilien angetroffen, weldje für bie brillanten fertig» feiten in fremben ©pradjett unb in mufifalifdjer Eyecution fein fo fritifdjes 2luge unb Dfjr haben, wie jene, mo fo häufig gerabe bie Dberflädje, bie 2luSfpradje, ber ülnfdjlag als. Hauptfadje betradjtet wirb, ©ie nimmt eS and) nic^t übel, wenn man iljr einjelne gädjer abuimmt nnb burd) ©rioatunterridjt erfeljt: bafiir arbeitet fie unter Umftänben mit ber 9?abel unb in Deutfdjlanb felbft mit bem ©iigeleifen fröhlid) mit: unb bei gantilien- feften fpielt fie SBaljer unb Eontretüuge über ©erg unb 2ü)al, unb feroirt ben Dl) ee unb ftreid)t bie ©utterbrobe. ©ie läßt fid) gerne bei il)rem Daitfnamen nennen; oon manchen granjBfinnen erfährt man faum einen anbern, als g. 33. MUe. Amelie, Celestine, Octavie, Yirginie big Zephyrine. 3m Unterridjt ift fie meiftenS ftreng, fie tljeilt fet;r accurat mit waS fie weiß, unb man muß genau lernen WaS im ©udje ftel)t. 3lbgefeljen non einer oft unbarmherzigen ©d)ärfe gegen bie kleinen ift fie ein gutljergigeS SBefen, ohne oiel ®eift, ohne auSfdjroeifenbe ©h anta fi e r mit fid? felbft gu= frieben; fie ift baljer meift frifd) nnb gefunb, nnb conferoirt fid) gut. Dabei befi^t fie praftifdjen ©erftanb, ift pünctlidj, geWiffenljaft, unb WaS bie grangofen sage nennen, mohf auch ein loenig auS ©eredjmmg, beim fie weiß, baß ein guter 9fauie gur ©e= treibung iljreS ©efdjüftS gehört. Ebenbarum ift fic and) fparfam, ja man fagt, fie loerbe toohl mit ber 3 e it ein Wenig geigig. ©ie lauft gewiß nicht leidjt einen neuen fput, wenn eS nidjt geboten ift, unb mit ©uj5 fudjt fie feine (Eroberungen gu madjen. SBenn eS erlaubt ift ifre geheimen ©ebanfen gu betaufdjen, fo tarf man tool)l im ©ertraucn fagen, baß and) fie gerne eine honette, liebe Hausfrau Werben möchte nnb bagu Wollen wir il)r and) oon Hergen ©litcf wünfdjen. 3 utt? ei!en ift ein Hofmeifter in ihrem ©ereidje: unb gwar bann gewöljnlid) nidjt ber geWanbte nnb erfahrene junge Herr, ber in ben rorneljmen Streifen ©liicf macht, fonbcrn ber befdjeibenere, Oon etwas unbeholfenem ©eneljmen, ber in @efeflfd)aften nidjt öiel gu reben weiß, unb barmn gerne unb mit SluSfcauer in ben Sfotenljeften blättert, unb bte DiteMuftrationen ber SJiufifalien ftubirt. Einen foldjen leitet fie mit oortrefflidjem Daft, fie unterjocht iljn, unb Wenn er eS Werth ift, bcfommt er fie gur grau, falls nidjt früljer ein ehrlidjer ©eamter ober Kaufmann iljr fein ^erj unb feine fpanb geboten h<*t. ©ie wirb bann eine etwas pebantifdje SDJutter, unb eine treffUdje Haushälterin. ©leibt fie aber unoermäljlt, fo wirb fie meiftenS eine heitere, gewanbte alte Dame, welche iljre fleinen Erfparniffe ftreng gu Siatlje hält, unb hoch ihren Siefpect gu behaupten Weiß, ©ie ift in btefer ©egieljung in ber Dljat bewunbernSwerth unb achtungSwerth in hohem ®rabe. SBeldje 9iefignation, weldjeS Helbenthum ein foldjeS weibliches ©ernütlj gang im ftitlen bethätigt, baöon Ijat ein oberflädjtidjer ©eurtljeiler feine Slfjnung. ©ei färglidjem, oft fümmerlidjem üluSfotnmen flagt fie nicht, unb lehnt fidj feineSWegS rebeHifdj auf gegen bie unbanf» bare falfdje Söelt, bie nun einmal ©djulnreifter unb ©djitlmeifterinneu meiftenS ärmlich begaljlt, nnb gleidjerweife in ber SDlehrgaljl ber jyäHe auSrangirt, Wenn fie alt werben, ohne gehörig für fie gu forgen. ©ie’ muß öfters in ßorgerücften Saljren nodj mit Hanbarbeit nadjljelfen, wenn fte nidjt im SluSlanbe eine befdjeibene diente erworben Ijat, wooon fpäter. 3moeiIen grünbet fie audj eine Keine ErgieljungSanftalt, in weldjer fie bann eine etwas befpotifdje SDionardjin fpielt gegen Sehrerinnen nnb 3ögliuge. — SQWt btefer ©figge ift ein galjlreidjer ÜJfittelfdjlag ohne fßoefie unb üfomantif gegeidjnet. ®S fdjeint faft als ob fidj biefer DtjpuS am auSgeprägteften unter ben ©ouoernanten frangöfifdjer 3 ull 3 e fmbe, unb — soit dit sans blame — unter ben frangöfifdjen ©djweigevinnen. Die festeren foKen häufig rtadj beutfdjem ©egriff folibere Äenntniffe ©oubcrnantc. 27 fabelt; bie eigentlichen grangofinnen, 3umal bie fßariferiitnen, tootfen baS nidjt gugeben, fie haben il)r Spanten beftanben, unb tl)un fictj auf iljre SEournüre, ihren ©efdjmad, iljre 2 luSfprad)e aud) ettoaS 31t gute. 3 n großen ©täbten bitben fid) moI)l Heine So= terieu; in meldjen fid) grangöftnnen unb ©dnoeigerinnen mit lanbgmannfdjaftlidjer Sifer= fud)t gegenüber fteljen. „Ces Suissesses,“ „ces Frangaises“ geljt e8 h>erü6er unb hinüber. ®ie Ie^tcrn finb geraubter, bie erftern gelehrter, eine fpifse 3 ul1 3 e befi^en beibe. — Snbeffen aud) unter ben beutfdjen unb englifdjen ©ouoernanten ift tiefer ©ppug gaf)t= reid) oertreten, nur mit ber entfpredjenben nationalen gärbuttg. ©an3 anberS geftalten fid) bie SIfpecten bei ber gmeiten gractien, rneldje mehr fporabifd) Oorfommt, unb feiner Nationalität oorgugSmeife angchört. Nennen mir fie 2) bie h0d)ftrebenbe ©ouoernante: id) meiß fein anbereg SBort 3U finben: pre- tentieuse, ambitieuse mürbe man frangöfifd) fagett, unb bod) nid)t ba8 gange tamit begeidjnen. 2Ber hat nicht fd)on unter ben ©ouoernanten bfaffe, nteift hodjgemadjfene ®e= ftalten getroffen, in beren 3''9 en gefdjrieben fleht, baß fie fid) für 3U gut, 3U oor= nehm halten für ihre ©teile, baß fie fid) nicht glücflid) fühlen in ihrem Berufe. ©ofd)e finb hier gemeint. NceifteuS ftammen fie aud einem §aufe, in meldjem bie Nüttel mit bem ©treben, eg §öl)eren unb Neid)eren gfeid) 3U thun, nidjt gfeidjen ©d)ritt hielten, ©ie finb in @emol)nheiten ergogen, meld)e eine fd)fed)te SBorbereitung auf bie Snt= fagungen finb, bie ihrer märten. 3t)ien Sernf haben fie feiten gemählt, fie marett ge= nbtl)igt ihn gu ergreifen; niebriger fonnte nid)t gegriffen merben, il)re Sermantten, ihr Name, iljr ©tanb mollten eg. ®a haben fie fid) nun mof)I eine glängenbe Saufbaljn gebadjt, in jugenblidjer fJJhantafte, unb fid) ermannt, in allem mag bie große SBelt oon il)nen oerlangt fid) auSgitbilten, je nad) llmftäuben unb ©aben mit mehr ober meniger Srfclg: äußerlich menigfteng repräfentiren fie gut, oft mit angehcn/m Slegang, mie fie 311 jenen Streifen gut paßt, in meld)en fo oieled bloße Slffectation ift. Imdjftrcbcnbe ©ouoernante fitd)t bie großen fpäufer auf, uub mirb fid) im füllen gerne ntandte ®e= müthigung ihres ftoljen fersend gefallen laffen, menn eg il)r gelingt, beim hohen 2tbel ober bei einem SNiflionär 3U bienen, ©ie ift mit fid) felbft oiel 3U oiel befdjäftigt, als baß fie mit ihren ©d)iiterinnen fid) oiel befdjäftigen Knute. 5 )al)er lommt eg mot)l mit, baß bie oornehmen 3 öglinge fotdjer 35 amen oft fo gar meuig pofitiücS lernen, mit Sludnaljme ber conüentioneHcn 9 J?anieren, unb ber fterecttjpen Nebemeife mit fdjöner SluSfpradje. S)ie hod)ftrebenbe ©ouoernante leitet ferner früh an ben Neroeit, unb hat Ntigräne; für ipre üble Saune fud)t fie bann mo!)l il)re 3 äglingc burdj Somplaifancen gu entfd)äbigen, meld)e ihre 2luctorität untergraben; allein fie hält and) hierin mol)l mehr auf ben ©cfjein al8 auf ba8 SBefen. 3 m ©alon ift fie eine gang anbere als int ©d)ul3immer, fie citirt 23 tjron uub £>eine: benn fie hat oiel gelefen! fie glänjt am ^Siano, unb fingt mit burd)bringenber Seibenfdjaft, unb erntet mit ©folg ben 2lpplaug ber ©efeflfd)aft. 9 Iber nid)t gern mirb fie fid) basu üerftehen, bei einer soiree dansante SNufif 3u machen, benn fie miß felbft mit taugen, unb ohne baß fie felbft c8 meiß, er= märten ihre ©ebanfen, baß biftinguirte länger fie aufforbern. 3n ihren greiftuflben unb bis tief in bie Nad)t liegt fie ®id)ter uub Nomane, unb näljrt in ihrem unbe= madjteu §er;en epaltirte Hoffnungen, fie fehnt fid), felbft eingebürgert 31t merben in ben Streifen, in melden fie fid) bemegen barf. 3 ) er itnglücflicfje SSMberfprud) in ihrem 3 nnern mirb nicht feiten baburd) nod) erhöht, baß fie in ihrem ©emütlj einen geheimen Neib unb $aß gegen bie 23 egünftigten trägt, manchmal oon H a uS aug aner3ogeu, fo baß fie nid)t fähig ift, mit unbefangener, freubiger ÜDanfbarfeit 3U genießen. Sg ift mirllid) nierlmürbig, baß man in manchem Haufe, mo auf ben Slbel jjetoergeit IoS= gejogen mirb, bod) bie £cd)ter mo möglid) 3ur ©ouoernante in abelid)en Häufern mad)en miß. ®iefe eignet fidj benn gang befonberg bagu, eine fotd)e ungufriebene, anfpntdjgocße ©ouoernante 31t merben. 2luS mehr als einem ©runbe erfdjeint ihr, menn fie routinirter gemorben ift, am oorgüglichften eine ©tefle bei gränlein, rneldje leine Nhttter haben, ober beren ÜJiutter fid) nidjtS um fie lümmert, mag auf baS ©leidje 28 ©ouöcrnante. IjiunuSlommt. 3 uweiten ftrebt fie fid^ beS HauSregimentS 3U bemndjtigen: bie Sntriguen,. in bie fie fid) mit ber Sienerfdjaft berwidelt, finb eine Quelle bon öerje^renben @e- müt^uftnnben, wie fte auS feber Ufurpation entfpringen. ©eiten erreidjt fie üjreit 3 wecf. ©ie ift im übrigen nidjt« weniger als fjauSljälterifd), fie bleibet fidj mit feinfter SÜedjercfje, unb ift Siicfjterin in ©adjen be« guten ©efdjmncES unb ber SDiobe. SBoju follen iljr bie Leinen Gtrfparniffe bienen? ©ie ermartet ein große« 2 ooS in Ungebulb. Slber bie 3 eit berftreidjt. SBeun fie bie Urtljeile Ijören fönitte, weldje über fie fallen, mürbe fie bielleidjt geteilt Werben; bodj faum, benn fie geifert ju beit tljöridjten 3 ung= frauen. $ie unb ba wirb fie frülj fdjon flatfdjffidjtig in Ijotjeni ©rabe, ein geljler, ber fid) mit ben 3aljren nidjt beffert; ober fie wirb fentimentnl, unb glaubt ein 9 iec^t ju fyaben, außerorbentlidj empfinblidj 31t fein. 3Ijre Konfibengen in biefem ipunct finb feljr peinlidj, unb fdjwer gu beljanbeln. Sie Säufdjungcn, weldje fie erlebt,, beffern fie feiten. Sie wenigen fyäde ausgenommen, Wo fie eine §eiratfy ntadjt, burdj weldje übrigen« in ber Siegel fein S©t>eil glüd'lidj Wirb, ift iljre 3 u ^ u,1 ft eine trübe, iljr Seben ein berfeljlteS. Sie SJiunificenj borneljmer Häufer fidjert il;r manchmal ein ©nabenbrob, juweilen reidj= lid) genug, aber fie genießt audj bieß nidjt mit ©eetenrulje unb mit 93 ef>ngen; — man faitn eine foldje woljl an ©pieltifdjen bezweifelt wagen fefjen: auf Lotterie unb Sfarten fefjt fie fortwäljrcnb nodj fdjmadj glinimenbe Hoffnungen. Slnbere berfommen früljer, einige enben nodj trauriger. 28 ir wenben un« 3U einem 23 ilbe, weldje« un« weniger meljnüttljig ftimmt, 31t einer SIbart ber Ijodjftrebenben, 3U ber gelehrten ©oubernante. Siefe fjat friilj fdjon ober im SBeriauf ber 3 e it iljren Sroft unb iljren Siuljm in ber 28 iffenfdjaft gefugt unb wie oerfidjert wirb audj gefunben. ©ie treibt biele«, wa« nidjt auf ber £ifte ber gewöljn^ lidjen ©ouoernanteumiffenjdiaften fteljt: fie liebt 3. 33 . bie 33 otanif, angeblidj audj bie Slftrononiie, unb trägt fjäufig eine SSriÜe, wenn fie eine gewiffe 3 a ^l Bon Saljren Ijinter fid) Ijat. Sljre ßorrefponbeng ift groß, fie geWöljnt fid) in iljren SSriefen iljre gunse Umgebung unb fid) felbft 3U fdjilbertt, fie bidjtet in fßrofa unb in 33 erfen, fie fdjreibt aud) bramntifdje ©tücfe 3um HanSgebraud) bei gamiüenfeften unb fonft: fürs fie leudjtet in mehreren garben bor ben Ungelehrten unb Ijie unb ba audj in literarifcfjen Äreifen. SBenn eS iljr glüdt, eine« iljrer Sr3eugniffe burd) bie fßreffe 3um ©emeingut ber SDienfdjljeit 3U madjen, bann Ijört fie nidjt metjr auf. ©ie berWanbelt fidj in eine ©djriftfteUeriu. SSciblidje SiobeHen, für weldje fie in Sagebüdjern unb ^Briefen ©toffe finbet, 33 lumen= unb ©tammbudjfpradje finb iljrgad); auch pabagogifdjen £ucubrntionen giebt fie fidj juweilen Ijin. 3 e nadj Uniftänben, aber fetten, gelingt eS iljr, ben Son 3U treffen, ber iljr ein SluSlonnnen fidjert. 2 Öir wollen gewiß Weber über berljeiratljete nodj über unoermäfjlte Slutorinncn fribote unb ungeredjte Urteile mieberljolen, unb fennen eingelue bortrefftidje Srfdjeinungen au« uufernt ©ebiete gar Woljl. SIber in ber SJieljzaljl ber Qätte ift eS mit ben geleljrten HbdjfLebenben bodj ein eigen Sing. 3 um ©liid' unb jwar 31t ihrem eigenen ©tüd finb fie nidjt feljr jahtreidj. — 6« fdjWeben bem 33 erfaffer Ijier unter anbern namentlich englifdje Originale bor, 3U bereu accom- plisliments audj Latin, Greek and classios getjören. Sie gelehrte beutfdje ©oubernante 3umal bernnbert öfters ihre natürlidje ©pradje, welche auf eine unbefdjreiblidje unb fdjwer erllärlidje 3 Beife einen eigeutljümlidjen Gfjarafter unb in ber 2 IuSfprad)e einen 3ierlidj 3Witfdjernben ober boctoral fdjnarrenben Son anninimt. ©ie fpridjt gewö^nlidj feljr grammatifdj, unb perfekt iljr Seutfdj sugteidj gerne mit fieinen ©aUiciSmen, ober mit SlugliciSmen, iurj mit 3 e i^ en » taß man bie ^eimifdje Sfebeweife ein wenig bergeffen ober fidj abgewöljut Ijabe. SS ift djarafteriftifdj, baß in legerer SSesieljung eben nur bie Seutfdjen unb gwar mit SIbfidjt unb Suft fünbigen. Sen grangöfiunen fällt eS nie ein, in ©ermaniSmen gu madjen. 2 Iudj fdjwärmt bie Seutfc^e 3War fentinientaler als irgenb eine für iljre Heimat, ift aber benmngeadjtet oft nur 3U gerne bereit, baS SluSIänbifihe ^öljer 3U fteüen. 3 a audj einen fremben Sialeft aljmt fie woljl gelehrig ©ottöcrttanfc. 29 nach, unb begatt il;n als SluSjei^nwng in ber Heimat, ohne it>n je »ergeffen ober verlernen 31 t moßen. 5Dfan fönnte fagen, in biefen ©ruppen feien nur Sytreme gefdjilbert unb lieblos jergtiebert. Oie ein 3 elnen 3üge futb aber auS ber 2Birf(id;feit genommen, unb ber Gsrnft ber Aufgabe »erlangt moljt eine gteidjfam mebicinifc^e Unbarmfjergigfeit. OaS Sebcn ift ja hart unb ernft: ber 23eruf ber ©ouöernanten mahrlidt in toieter 33esie^itng auch, nur mirb er erfahrungsmäßig eben l;ie unb ba nur ju Ieidjtfinntg ober 3 U ober» flädjlidj aufgefaßt, gür bie Älagen unb Seiben bevfelben haben mir eben fo gerniß ftetS ein tfyeiinefymenbeS DI;r gehabt, Seiben, an benen bie fperrfdjaften eine fernere Sdjttlb tragen. 9Jur mußten mir äunädjft betonen, maS unb mie bie einjetnen ©ott- »ernanten fiub, maS fie einfefcen unb bemnadj ermarten fönnen. ©ouöernante gu mer= ben erfdjeint auf ben erften SBIicf in tuandjem SerpltniS eine fo leiste SluStunft, um mie man meiß fagt eine Stellung in ber SBett ju geminnen unb — fein 33rob 31 t öer= bienen. Oa merben benn bie unerfahrenen Sßfäbdjen in ben ft'atnpf mit bem Seben, in bie frembe SEBelt t)inauSgefd)icft, unb mögen feljen mie fie gurecht fomtnen. So mifcfjt fid) jenen Erinnerungen mol;! ein 3 U 3 tiefer SBehmutlj bei, benn immerhin ift eS ein ntenfdßidjeS SBefen, ein armes junges meiblidjeS SEBefen, meld;eS fämpft, unb beffen SBegen man ohne Führung nid)t folgen fann. 3h« Engel hüben fie mohl auch, bie ihnen fämpfen geifert! ®S giebt aber nun hoch aud) Erinnerungen tröftenber 2lrt. SERan erfennt leidjt in jenen beiben Oppen einanber gegeniiberftehenbe ©egenfäjse, meldje übrigens baS ge= mein haben, baß fie ihr eigenes als 3'ct ih re§ Strebend IjtnfteUen, fei eS in ba= naufifd;er ober pt>arttaftifdjer SBeife. es muß nun and) einen OppuS geben, ber edjt meiblidj nicht für fich, fonbern für anbere in mitber ^Begeiferung mirft. Ober, menn Setbftfudjt unb Eingebung beS eigenen SBißenS .fidj gegenüberftehen mie SBelt unb ehriftentfjum, mag aud) ber 2luSbrucf gelten, baß eine foldje nicht für fid), fonbern für ihren §errn, in feinem Oienfte ttiätig ift. 3d; t»eiß fein beffer SBort für fte, als 3) bie ed)te ©ouöernante, bie rechte. 9htdj fte hot fidj tDoI>t feiten ihr 2lmt ermätßt, fonbern eS angenommen, als eS ihr auferlegt mürbe burdj eine ähnliche 9?oth= menbigfeit mie ihren Schmeftern. Sie tjat Der aßem ein reges ©emiffen, ein lebenbigeS S3emußtfein, meines ihr fagt, baß eS nod; eine anbere SSebingung beS ©elingenS in ihrem Slmte giebt, als baS SfuSftaffirtfein mit Äenntniffen unb ©emanbtheiten. Sie meiß, baß fie guerft fidj felbft ersogen bjaBett unb fort ergießen muß, menn fie baS fernere ©efdjäft übernimmt, grembe 3 U erjiehen. Unb öor aßem meiß fte, baß menn fie mit 9J?enfd)en= unb mit Engeljungen rebete, unb hätte ber Siebe nicht, fo märe fte ein tönenb Erj unb eine ftingenbe Sdjefle. 3n jener 23ibelfteße ftelß eS überhaupt in fur 3 er Summa aufgegeic^net, maS biefer Siebe SBefen ift. Oie rechte ©ouöernante ift nun aßerbingS feine gtänjenbe Erfdjeinung, fie mirb öor ber Söelt feine große 9foße fpielen, fie miß eS nid)t. So gebiegen ihre Äenntniffe tjäufig finb, fo ift fie bod; be» fdjeiben, nicht abfpredjenb, oft fdjüdjtern; unb ib>r SBiffen ift überhaupt nicht bie fpaupt= fache. SDiit öerhältniSmäßig geringer SBiffenfdjaft, bie ja ftetS Stücfmerf ift, mirb auch baS Sdjulgimnter ber ©ouöernante regiert. 2Bie lieblich unb anmutig aber, auch menn fie auf Schönheit feine Slnfprüdje machen fann unb ihre Ooßette ganj einfach befteßt ift, erfdjeint fte bennedj in ihrem reinlidjen, uttfdjulbigen ^Balten! Sie fteflt fiep uid)t ttngeberbig unb läßt fich nic^t erbittern. 3 n ihrem Unterricht lernen ihre 3öglinge etmaS, ohne baß baS 3'mmer miebertönte üon 3anfen unb Sßeinen. genter ift fie ftch bemußt, baß fte eine Oienerin im fpaufe ift; je mehr fie baS meiß, befto meniger mirb fte eS gu fühlen haben. ®S ift mirfiidj fo, je meniger man 2lnfprüche barauf macht, als ein ©lieb ber gamiüe biftinguirt 31 t merben, befto mehr hat man Stusficpt barauf, unb mirb eS mie öon felber in einer gamiiie, mo eS überhaupt einen Sßerth hat. 2lute ©oubernante ift nid)t ein bloßeg 3 beal, fie fommt Der in berfdjiebenen Dhtancen, unter allerlei 33olf. 9?ur ift ju bemerfen, baß fie feinegmegg ibentifd) ift mit ber fpecififd) frommen ©oubernante, meldje gar mol)I unter bie gemerbtreibenbe ober unter bie tjodfmiitbige Slrt faden tann. Sfye mir und bon biefem erfreulid) p n S5ilbe mieber ber SBelt gumenben, moltem mir and; nod) eine Grfdjeinung ermähnen, bie eg mofyt merth ifi. ®g fommt nämlidj and) bor, baff SP'fäbdjen unb junge Samen, bie eg mie man ju fagen pflegt nidjt nötljig I^abeit, auS bem elterlichen tpaufe fid) in bie meite offene SBelt fernen, unb getrieben bon einem Srange, unter gremben ju mirfen, alg ©oubernanten mit ihrem ißfunbe mudjern. @g finb bag meifteng I)Bd;ft tüd)tige, begabte Staturen, energifdje ©fyaraftere, metdje überall Sldjtung um fid) l;er berbreiten, unb mit 23egeiftentng unb Grfolg i^r 3lmt erfüllen, aud) für bie SSilbitng il;reS eigenen ©eifteg unb ^erjeng reid)en ©emittn ernten. Subeffen finb biefc einjelnen bodj ju inbibibueH, unb bie Sriebfebern in ihrem ©emüthe nnb geiftigen ©treben finb ber ißerfönliä)feit einer jeben berfeiben ju eigen» ihümlid), alg baff fie mie eine befonbere Slrt neben ben anbern jufammengefaßt merben fonnten. 33cn biefen S3etrad)tungen unb gerabe burdj biefelben beranlaßt, ntüffen mir ung aber nun abmenben, um and) bie äußere Stellung ber ©oubernanten inS Singe ju faffen. Siefeg fehr mefcntlidje Sfioment ift an fid) außerorbentlicfj berfdeieben ber Statur ber ©ad)e nad); mir moffen hier baSfel&e nad) ben berfdjiebenen Sänbern, meld)e ©oubernanten anjieljen, menn and) nur nüt ©treiflid)tern 31 t beleud)ten berfud)en. 33eginnen mir mit granfreidj. Slug ben Sänbern fraujöfifdjer 3 un ö e gel)en, mie fd)on bemerft, ©oubernanten in SÖtenge in bie ffrembe. SSon biefen ift aber hieb nidjt bie Dfebe, fonbern bon ben ©oubernanten in granfreid) felbft, einl)cimifd)en unb fremben. SDterfmürbigermeife finb in franjöfifc^en Sanben, alfo and) ^Belgien unb befonberg bie Suisse frangaise mitgered)net, bie ©teilen allem nad) nidjt feljr jal)lreid). Sie große SDlenge ber ißenfionate unb 3 nftitute, unb bie flöfterlidie Grjiehuitg giebt moljl ©clegen» l)eit ju ißlacirung einer Slnjabl bon institutrices unb sousmaltresses u. f. f., aber bie ©oubernante in ber gamilie ift eben barum nid)t befonberg tjäufig. ©ie ift and) nid)t befonberg gut bejahlt. 3n ber ©d)meij bermenbet man um fo meniger hierauf, alg bie ©emohnheit mel)r unb mehr auffömmt, mit beutfdjen gamilien bie Södjter aug= jutaufdjen, um mit bem gegenfeitigen Grienten ber Sanbegfpradjen an Drt unb ©teile eine Sehrerin 31 t erfparen, eine fing auggebadjte SOtobe, meldje aber in ihrem annoncen» mäßigen betriebe bod) etmag bebenflid)eg h<*t. Sie ffamilie felbft ift in romanifd)en Sänbern etmag anberg geartet alg bei ung. 3m allgemeinen barf man fagen, baß bie S3efürd)tungeu, meldje man für bie fittüdje Haltung einer jungen Sodjtcr gerabe in granfreid) etma hegen fönnte, infofern meniger gegrünbet erfreuten, alg biefelben @e= faljren bem unbemad)teit jungen SDtäbdjen aud) in Gnglanb, ja in Seutfd)lanb bro^en fönnen. Sie SScmadjung ber Sodjter ift in fyranfreid) eine t)Bd)ft forgfältige, ja arg» möhuifche, unb bie fyamilie immey noch ein 3lft)l, in meldjem beg SBolfeg ©ittlicbfeit ge» pflegt mirb. Sie Montane aug ber fpauptftabt bürfeu unfer llrtljeil nid)t einfeitig be= ftimmen. 23ef)anbelt mirb bie ©oubernante in ber Siegel freunblid), fie nimmt Eljeil an ben jfreuben unb ^eften beg §aufeg. 3 n bornel)inen Käufern fjoielt fie eine bebeu» tenbe Stolle; unb Ijier ift bie ^errfdjenbe Snglänberin, ober bie fieggemoljnte granjöfin an ihrem fplahe, Diel feltener eine Seutfd)e. Seziere erlangt mohl in granfreid) nid)t häufig mag fie fud)t, am eheften nod) in ben pyoteftantifdjen gamilien: höd)fteng bilbet fte fid) bort bollenbg aug für il)ren 93eruf. Sehren mir baljer juriid nad) Seutfdjlanb. SImh h'e* ift bie 9temuneration burd)fd)nittlid) eine geringe, bie Goncurrenj groß, bie Slugfid)t auf bie gufunft iw* ©ouDcrnante. 31 ganzen feine troftreidje. ®ie mefjr unb mehr SSoben geminnenbe 3nftitutS= unb öffent= Iicf>e Gc^ieBung ift ben ©ouDernanten nid)t günftig. 3n ©utSBefigerSfamilien, unb namentlidj auf norbbeutfdjen Sbelpfen BlüBt inbeffen ttod) manche Gcpiftenj gebeiBtidj. 3n ®eutfdjlanb ift bie 2lrt, »ie bie ©ouDernante Don ben Sltern angefe^en »irb, faft burdjauS eine gemütBlidje, in jeber 93ejiefyung beS SBorteS: ntan BeBanbett fie je nadj Umftänben aucß mit gemütfjlidjer 3tiicffid)t8lofigleit: fie gehört jum £>aufe, etwa »ie eine arme 33afe, »ie eine ©eBülfiu bei $ 11 ( 3 = unb Äleibermad)en. Sine SluSlänberin »eig fidj nteift utel)r in Stefpect ju fejjen, als bie ein^eimifdje; bed) gel)t eS aud) in biefern ißuncte »ie in Dielen anbern nadj bem ©priid)»ort: b« e «tan in ben Sßalb ft^reit tc. HeBrigcnS finb bie 3«ftänbe in ®eittfdjlanb int atlgemeinen Befannt genug unb in baS Befonbere fönnen mir l;ier nidjt eingeBen. DBneBin fudiett Diele beutfd)e SDtäbdjen in bie gerne ju entfemmen, unb focfenb in SBegief^ung auf großes (äinfomnten unb folibeS 2Befen erfdjeint Der allem Snglanb. ®ort finb bie ©ouDernanten allerbingS Weit glänjenber BmtDrirt/ »eil bie greife alter ®inge Beider finb, nnb eS ift Bier leidjter möglid) fid) eine Sfente ju erfparett. 3 um <ä beutfdje SliufifleBrerinnen finben in (änglanb iBjre 9ied)mtng, in bem ebetn Sanbe, »d alles gut BejaBIt »irb »aS „gefragt ift." Unb ba ber muftfalifdje ©inn ben geBornen Gtnglänberiunen Dielfad) aBjugeBen fdjeint, fo fud)t man Bei bem Bäufig nur erfünftelten, aBer fafBionaBeln SntBufiaSnmS für bie Sffufif begierig bcutfdje SeBrerinnen unb SeBrer. Sin trtufif'alifdjer SIBenb in einer englifc^en ©ciree, »0 bilettirenbe graue^immer fingen, ift freilicß für bentfdje DBren oft aujjererbentlid) angreifenb, unb fd)»er 3 U ertragen. Sind) außerbem finb gut gefd)ulte beutfd)e ©ouDernanten *) bem (Snglänber, »enn er einmal fidB entfdjließt, eine grentbe Bei fid) aufjuneBmen, immerhin nod) lieber als granjöfimten: unb ein gutes englifd)e 8 |jau 8 ift etwas i|3räd)tigeS, ©olibeS, »aBi'Baft SbleS. Slber eine ®eutfd)e muß bod) il)r §erj feft in Beibe Spänbe neljmen, »enn fie nad) Gnglanb geht. ®ie Snglänber finb, oB»oBl uns ftanunDertoanbter als anbere Stationen in ®u= ropa, bod) unenblid) Diel anberS in SBejieBitng auf ben Sott, ber burd) baS §auS geht. 35a ift bie ©prad)e Beim kommen unb ©eben, Beim (Stnpfang unb 2lBfd)ieb u. f. f. eine ganj Derfd)iebene. Statt unb fteif erfd)einen fie unS oft, too fie in ber Siefe bod) Berjtid) »arm finb, bod) nidjt für jebermann, fontern eyclufio für bie, »eldje geprüft unb eingelaffen finb. 33on Dorn B ei 'ein namenttid) Balten fie grentbe bon fid) ferne. ©elBft bie englifdjen ©ouDernanten fönnen eS oft faum Der»inben, baff man fid) fo gar nidjtS um iBre ©efiiBle flimmert. ®ie eigentl)ümlid)e engtifd;e (Stifette ift Biwmet= »eit Derfd)ieben Don ber lieBenSWiirbigen, aBer oft treulofen 3 uüor fommenBeit ber granjofen. Sßenn ©efeUfdjaft fommt, 31 : SIBenb, aud) gu SJiittag, »irb Bäufig bie Governess Bi»aufgefd)icft in iljr ©djutjimmer, il)r Sffeu Bat fie bann mandjeSmal *) SBetdje ülnfprüdje übrigens fet;r getoBfmlid) gemacht »erben, baDon fann man fid) ait§ ben Annoncen in ben euglifdfen gedungen Ieid)t eine SBorfteHung machen. SBir »ollen eine fo!d)e copiren; Senner »erben fmnbert ähnliche getefen Baben. SHlfo: „WANTED, in a private family of the utmost respectability, a young lady, fully competent to impart instruction to five little girls and a boy, varying from tbe ages of four to twelve. She must be a perfect mistress of the usual branches of an English education, including geograpliy, the use of the globes, arithmetic, history, and composition. None need apply who are not proficient in singing and piano-forte playing, and fully competent to teach and speak the French language with a Parisian accent. Some knowledge of German and Italian indispensable. —■ NB. A young person of lady-like manners and agreeable dispo- sition would find this a desirable home.“ £onft »irb aud) drawing unb »Opi gar painting unb harp playing baju ge»iinfd;t. ®iefe ©teüe trug 25 ißfunb Sterling: »eil bie junge ®ame, toetepe fie übernahm, nicht met)r 31 t berlangen »agte, als man il;r bot. ©ie ertrantte in biefern desirable home an Ueberlabung mit ®ef(Baften unb §ersenStrcinfuugen. — @8 »irb behauptet, baß bie ©ouDernanten in (änglanb ein giemlid) bebeittenbeS Kontingent in bie 3rren» Bäufer liefern! 32 ©oubcrnante. cinfam ju bergepen, eS Wirb ip nadjgefcpdt, wäpenb bie Softer rtodj bleiben, ©ie fiat itidbt 31 t erfdjeinen, wenn fte nipt gerufen wirb. SBirb fie aber gerufen, um bie Sinber 31 t überWad;en, fo ift e 8 nielfad} euglifdjer 3Sraud), baß fie nidjt ins ©efpräd) ber ©amen ge 3 ogen tnirb, baff fie leine berfeiben anreben feil, wenn fie nid)t norgeftefft ift, einige trodene fragen fiat fie 31 t beantworten, Wie in einem (Spanten, fdiweigenb trinft fie ihren ®pe, bie §erren ftarren fie an, fie empfängt finge ^Befehle unb Wenn fie nidjt jeitig genug aufftep, fo madjt man eS ip bemerllid); falls fie nidjt and Piano gefeffeft Wirb unb fpiefen muff. ©ie Nefpectabilität bufbet and) nidjt, baß bie ®ou= öernante, Wenn fie mit ben Niäbdjen fpajieren rennen muß, mit irgenb einer ©ante il;rer Sefanntfcpft fpredjen barf, unb wäre eS ipe befte fyvennbin, ja ipe Platter ober ©djWefter. Unb wie pnbelt man um ip salary! SBie fdjwer wirb eS ba einem beutfdjen fpetgett, wo fefbft (Snglänberinnen über ben ©rud fenf 3 en! ©ie ©djifberttngen ber Gsngfanber nämlidj finb boti bon ben (Srniebrigungen unb Seiben ber ©oubernanten. ©ie ScKetriftil fiat ftd) neuerbingS biefeS ©tjema’S mit (Srfotg bemädjtigt, unb jeber Senner ber euglifdjen Literatur Wirb fidj fofdjer ÜJlärtperinnen erinnern, bie ipn in ©idend u. a. begegnet finb. 33ei (Surrer PeH nnb anbern weibfidjen ©djriftfteüerinnen, bie au 8 (Srfapung reben, ift bie leibenbe ©oubernante eine ftepnbe ffigur geworben, ©er ©runb liegt gewijf jnm ©Ijeil in ber §örte ber ^erjen, weldje bie fperrfdjaft PtammonS mit fidj bringt. ©0 finb aber bie (Snglänber: fie entpHen fefbft ipe ©d)äben offen unb beuten fie fogar auS; hoffen Wir mit ihnen, baff e§ baburd) aff» mäfilidj beffer Werbe. (Sin beutfdjeS SNäbdjen hat affo einerfeits eine reidje ©djufe ber (Sntfaguitgen bor fid), Wenn fie nad) (Sngfanb geht. Mein fie fann eS audj gut treffen; benn ein ttnerfdjBpfiidjer ©rnnb bon ©üte Wartet hinter ber fdjroffen Slußenfeite bet redjt biefett edjt englifdjen gfantilien, unb wenn man einmal jpeunb in ihrem Streife geworben ift, fo ift man es auf Sebeitdjeit. ©ie übrigen (Sufturfanber (Suropa’ 8 , Stafien, ©cfjWeben u. f. w. bieten launt 33e= fonbereS bar, Norbamerila ebenfowenig; in§äufern, Wo eine ©onbernante aufgenommen Wirb, -ift ba Wolfl bie allgemeine europäifdje Pilbung fo aufgenommen, baß bie fpeci= fifche Nationalität baburd} abgefdjliffen erfdjeint, unb pdjftenS tnep eine Neigung 3 ur fratgöfifdjen ober 3 ur englifdjen ober audj beutfdjen ffärbttng 3 U erlennen ift. Nur bon einem Sanbe miiffen Wir nod) befonberS reben, Welches fange 3dt für baS (Sfborabo ber ©oubernanten unb §>ofmetfter gegolten pt, nämlidj bon Nußfattb. ©ie 3 eiten änbern fich übrigens fdjneü, unb eS ift fep bieffrage, ob eS nod) fange fo gepn Wirb, wie wir eS per fd)ifbern fönnen. 2Ufe jpüpinge, Wolfen wir einen Slugen 3 eugen fagen taffen, wenn baS (Si§ beS Sronftabter Pleerbufens gefdfimoljen unb pnter ber Pörfe bon Petersburg jener intereffante Ptarlt eröffnet ift mit Papagaien, NeiSbögefn n. f. w., bie mit ©djiffen attS füblidjeren 3bnen angelommen finb, ba fiep man audj regelmäßig junge ©amen ans Sanb fteigen mit jerlnidten ©djleiern unb 3 errütteter (Soiffitre, nod) bleidj bon ber ©eefranlpit. ®aS finb priefterinnen berPlinerba, beftimmt baS ffeuer ber Kultur in Nußlanb anjufadjen unb ju unterpften. Pon ben füpen Süften beS Petersburger PlaiS angeWep, bon bem färmenben, bärtigen .ffafenbolf fcpn in Sron= ftabt erfdjredt unb ein unbeftimmteS ©rauen bor ben gefürchteten ruffifdjen Peamten im fpeqen, ©orge unb Sfngft im Singe, fdjeiben fte bon ber Sajüte wie bom festen (Sddjen Paterfanb. SBenn bie SIrmen nidjt bon jemanb empfangen werben, berfteden fte öfters in einem §otef auf Sßaffili Dftrow einige ©age ip-en Äummer, bis ber, an weld)en fie abreffirt Waren, fie and 2idjt jiep. 3n ein meift bornehmeS §“«8 einge= treten beginnt nun bie arme ©oubernante eine neue SeibenSepod;e. ($8 bfenbet fie ber ©Ian 3 beS ungeWopten ?upuS, baS laute, tumultuofe Seben eines ruffifd^en großen §aufeS regt fte auf; mit ben ffinbcrn, bie iper ©orgfaft anbertraut finb, in 3t m mer qitartirt, bie nie fo pimlid) finb, wie fte eS Wol;I gewopt war, pt fte launt einen ftitfen SPinlef für ftp, unt ipen Summer 3 U berWeinen. 3pe ?eiben berftep man nicht, ©ie fühlt fidj bielfad) berlep, unb merf't halb, baß aud) fte nidjt überall redjt ©ouccrnante. 33 paßt. ©o gut fie iljre Toilette eiitjuridjtett glaubte, ber bie ©d)Wefter eilt paar felbft= geftidte Äragen itnb bte SDfutter geftricEte Warme Slermel für baS falte Saitb Beifügte, fo Wirb fie bod) Balb imie, baß baS für bie itorbifdje 9?efibenj nidjt auSreidjt. 5D?a= niereit, SluSfpradje, gagott aller Slrt fdjüdjtert fie ein. Snbeffen mit ber 3 cit fommt Statt), man legt ben peitnifdjen ©onntaggftaat Bei ©eite, man greift in ben balb ge= füllten ©elobeutel, l)üutet fid) itad) Petersburger SDfobe, legt and) bie Sentimentalität ab, weldje in ber greinbe überhaupt nirgenb am piafce ift, lernt Wenigfteng ben ©ag über eine anftänbige SWieue ber fpeiterfeit unb SBeltluft annel)tnen, wenn aud) 9fad)tS nod) l)ie unb ba eine Sdjrätte aufs Stiffen rinnt. Unb and) baS l)brt auf; beim man Wirb in ber ©fiat nidjt gequält, im ©egentljeil meift mit 9Id)tung unb mit greuttblidj» feit bel)anbelt, wenn matt ftd) irgenb 31 t finbett Weiß, man erljält als SBewcife con ©unft unb Slnerfennitttg reiche ©efdjenfe, ja man l)at ein teiblid) brillantes Sieben. ©8 gehört bajit aber ein oöHiger ÜDtanget att ©mpfiubelei, unb eine gewiffe ffälte unb ©Ijarafter» ftärfe, bie fid) aufnterffam in iljreu ©djranfen oertljeibigt, benn cor ruhiger unb fyof* ltdjer geftigfeit ftreid)en bie 23oritel)tnen, aud) bie Sfuffeit, meift freuublid) bie ©eget. S)ie ©oueernaute finbet aud) ©elegenljeit genug, il)r Sidjt cor ber SBelt leudjteit 3 U laffen, fid) gefeiert unb iljre ©itelfeit befriebigt 3 U fel)cn. häufiger als irgenbwo fonft in ber SEBelt be 3 aubert fie in Dhtßlanb baS £>er 3 eineg jungen Slbjutantcu ober Dberften, unb wirb babttrd) früher ober fpäter eine ©eneralitt, bie ©oireen unb 23äHe giebt, — ob aber attd) eine gliidliaje ©attin unb gute SDfutter teurer SinberV — ^ebenfalls giebt baS 3lmt ein reicfjlidfeS 2lu8fomtnen, ja Ueberfdjuß unb meifteuS SluSftdjt auf Vermögen uttb forgettlofe 3 ufunft. ©inb boc^ bort franjofifd^e, ettglifdje, beutfdje @ou= öernanteit beffer be 3 al)lt als beutfdje orbentlidje profefforen! SDiandje f omni eit fdjon mit ber überlieferten fpoffiutng, bereinft mit einem gonbS in il)r ©aterlanb 3 urütfju= feljreu unb iljre alten ©age in Siulje unb in ©rinnerungen an bie temps passes 3 U cerbringen. ®ie ©täbte ÜJiontbeillarb, Sfaiicp, Saufanne, Sfieufdjatel u. a. 3 eigcn eine 9fnjaf)l foldjer ©apitaliftinnen, bie il)r 35ermögen in Sfuglanb fammelten. Studj fommt eS in biefem Saube ntefjr als fonft wo cor, baß eine Ijobe'gatnilie ber Sefjrerin iljrer ©öditer eine bebeuteube Sfente für Sebei^eit fidjert. ©ie 3 “I)l ber ©oucernauten in 9iußtanb ift feljr bebeutenb. ©in Sliann, Weldjer in ber Sage War, hierüber fid) ein Urtljeil 31 t bilben, fagte, baß in Petersburg allein 1500 big 2000 fein mögen. SBie ciele im fogenannten Snnern, ift fdjwer 3 U fageit. 3 n ben einigermaßen beteutenben ©oucernementgftäbten, Wo im SBinter bie ©efellfdjaft fid) fammett, bilben fie fleine ©oloitien, weldje mit einattber in Skrbinbuttg fteljen, Parteien Ijabeit, 25erfd)Wörungen fdjmieben unb bgt. 911S cor einiger 3 e 't bie 9?ad)rid)t fid; oerbreitete, baß eine @ou= cernante in einem l)ol)eii jpaufe ber 2Balad)ei förperlid) gejüdjtigt Worben fei, ba ging eS wie ein Sauffeuer burdj Siußlanb, unb eine Slrt con 35erruf längte fid) baran. ©iefe jungen ©amen fiub l)äitfig eine befonbere SBüqe ber ©efeKfdjaft, baS muß ein banf* bareS ©emiitl) aiterfennen, WetdjeS ciel con ifynen erfahren unb gelernt l)at; unb bie bunte fOtannigfaltigfeit ber Dfationalitaten giebt bent 35erfeljr mit ilpten einen be= fonbern Sfeij. SUeuerbingS giebt eS nätulid) aud) ciele geborene 9iuffiunen, weld)e ©oucernauten Werben; abelidje graulein, 23eamten= unb DfficierStodjter, Weldje in einem ber 3 al)lreid)eit Snftitute corgebilbet Würben, unb il;re ©teilen üoHfommen aug 3 ufüHen im ©taube finb. Sind) auS beut giubelljaufe in SJfogfau, einer großartigen unb Wie man fagt gans au 8 = gejeidjnet geleiteten Slnftalt gcljeit alljäljrlidj eine 3 lit 3 al)l ber talentcollften Sftäbdjen als ©r 3 iet)erinlten I)ercor. ©ie werben inbeffcit nidjt fo Ijod) be 3 af)(t wie bie fremben: SluSlänbifdjeS Ijatte bis cor fitrjem burdjweg I)öl)ent 2öertl) in Sfußlattb als baS ©in= Ijeintifdje. SluS ©eutfdjlanb, aitS ben Dftfeeproüinsen, and) auS ginulatib werben äftäbdjcn bcutfdjen, fdjwebifdjeu unb finnifdjeit ©ebliitS in baS SOtoSfoWiterlanb importirt; bie ©nglauberiniten werben auS ©rünben ber Srfaljrung uub ber ÜDfobe wegen für bie fßatoag. (SnciiHopabic. III. 3 34 ©ouöernantc. ©teilen ber 23onnen oorgüglid) gefdjäfst, ober and) als finishing governesses finb fie nid)t feiten. Sei weitem bie meiften Oouoernanten aber, nid)t bloß in flfußlanb, fon= bern auf ber (Erbe überhaupt, finb frangöfifd^er Slbfunft, unb gwar liefert offne gweifel toerlfältniSmöjfig tein Sanb nie^r Seherinnen als bie frangöfifd^e ©djweig. 3n 9?orb» amerifa foH Connecticut in ä^xttid;er 233eife feine Söd)ter über bie gange Union fd)icfen. 3BaS nun bie Silbung ber Oouoernanten für ityren fpecieüen SSeruf betrifft, fo fallt biefelbe mit ber Silbung ber Seherinnen fo feh gufamnten, baß baS Cingelne herüber für biefen Slrtifel auf bewahrt bleiben muß. — 9htr in ber ©d)weig finben fid), im äitfammenlfang mit ben eben berührten SSer^altniffen, befonbere Slnftalten für bie Sitbnng Oon Oouoernanten. 3m ÜBaabtlanbe erteilt baS conseil de l’instruction publique bie Siplome nad) einer ftrengen Prüfung; außerbem giebt eS and) ^3rioatanftaIten, Weldje äl)nlid)e ßeugniffe auSftellen. ©eminare für Seherinnen überhaupt, in toeldjen natiirlidfcrWeife and) Oouoernanten oorgebilbet toerben fönnen, finben fid) in oerfd)ie= benen ©taaten, ioo für cffentlidjen Unterricht burd) Seherinnen geforgt ift. — Sie grangöfinnen foUen nad) bem ©efefse mit brevets Oerfelfeu fein, Weldje oon einer eigenS eingefehen Commiffion erteilt toerben. Cin brevet, weldjeS bie aptitude d’etre ad- mise comme maitresse d’etudes dans les maisons d’eduoation des demoiselles be= geugt, gereidjt natürlich gur befonberen Cmpfeljlung and) für ben (Eintritt in eine )ßri= oatfteHe. Sie Prüfungen finb feit bem 3at)re 1850 nidjt mel)r Bffentlid). fjrüfjer würben fie abgeb)alten im hotel de viüe, unb in ber Sorbonne, älian bereitete fid) tooh auf biefelbe oor mit £)ülfe eines manuel, tcie für baS Saccalaureat. Sod) reicht gur ^Befähigung für bie 2lnnaf)tne einer OouoernantenfteHe baS 6rftel;en ber Prüfung für ben ißriöatunterridjt ooKfommen hm — 2Iud) baS rufftfdje SDlinifterium ber 3luf= llärung hl SSorfdjriften äl^nlic^er 9Irt gegeben, nad) weldfen bie Oouoernanten geprüft toerben foUen; allein für bie SluStänberinneu in ^ßrioatbienften blieb bie ©adje in ber SrayiS rein facultatio; bod) erinnere id) mid), baß eine frangöfifdfe, fein gebilbeteSame an ber Unioerfität in Äafan ein brillantes Cjamen beftanb, unb ein Siplom erfter Claffe erl)ielt. — Sie Cnglänberinnen finb feiten mit ettoaS äl)ulicf)em oerfeX;eit. 3n= beffen erfeffe id) auS bemSIaubud) für 1852,*) in bem report on theChurch ofEngland Training Schools for Schoolmistresses by Her Hajesty’s Inspector of Schools, the Rev. F. C. Cook, baß auS biefen Seherinnenfdjnleu and) eine Slngalfl oon ©ou= oernanten h rü °rgiengen, meld)e »orlier geprüft toaren unb certificates betamen. — Sie Seutfdjen finb in ber 9fegel im S3efi(5 oon ©d)nl= ober SnftitutSgeugniffen, toeld)e ü)nen bie brevets erfeljen, Wo barnadj gefragt wirb. — Sod) baS alles betrifft gunädjft bloß bie 33ilbung burd) ben Unterrid)t: unb baS ift betanntlid) nur bie eine ©eite, Weld)e einfeitig oerfolgt bie gelehrte ©ouoernante erzeugt. SBenu bie grauenbilbung in ber Siegel baS 5)3robuct einer anbcrn CntWidlung ift als bie beS SianneS, wenn bei ih bie intettectueHe ©eite Weniger in ber gorm beS Iogifd)en SentenS als ber inftinctioen,. unmittelbaren Sluffaffung ber Singe tffätig ift, fo liegt auf ber §anb, wie ber ©ouoer= nante bie ©efal)r oal)e liegt, baß ih ©emütl) auf unweiblidfe S3al)nen fid) oerirrt. Cbeubaniit h n 9* moh gufamnten, baß and) ber ©ouoernantenftanb bereits eine Cigen= tl)ümlid)feit entwid'elt h^ weld)e an ben einzelnen Snbioibuen fid) auSprägt, unb an weldjer man ben weiblichen SJientor ober bie SJiiueroa fd)on erfennen tann als baS, WaS fie ift, and) wenn fie oljne3ögImge fid) präfentirt, namentlid) aber wenn fie neben benfelben als Wad)fame Seiterin erfd)eint, Wo in ber Siegel baS ©pecififd)e, Unbefinir- bare nod) beutlic^er ertennbar ift. ©d)on oben ift bemertt worben, baß eS eine eigene ©ouoernantenfpradje giebt. Sie eigentümliche ©tetlung beS Weiblidjen SBefenS, weld)eS oon SlmtSWegen mit ben 2Biffenfd)aften fid) befdjaftigen foH, ergeugt benn h £ unb ba *) Minutes of the Committee of Council on Education; correspondence, financial Statements and reports by Her Majesty’s Inspectors of Schools. Presented to both Houses of Parliament by Command of Her Majesty. London 1852. Oouöetnanfe. 35 autp eine Garricatur ber 33 ilbuitg: eine gemiffe 2 Tffectation unb ißruberie finb Ätippen, toeldje im gaprmaffer iprer Sebengbapn liegen. Gin gefunber ©imt Bcrmeibet biefetben inbeffen opne befonbere Slntoeifung; nnb faft miß eg fdjeinen, alg ob foldje SDMbdjen, mie Jünglinge, bie einem geiftigen Berufe fiep mibmen, eine ßeit ber SC^ov^eit burep= nuupen, epe fie geläutert finb. ©aß nur immer ein freunbtidfer unb moptmoflenber 33 eratper, ein ©enuitp, in metepeg fie ipr Vertrauen fepen fönnen, ipnen nape ftünbe, um fie jur ©elbfterfenntnig jn führen, fie aufsuriepten, mo fie ju ftraudjeln bropen, ju tröffen, mo ipr fpev,3 brechen miß. 3 n aflent Vorpcrgepenben finb nun mopl and) Sßomente genug enthalten, um fdfließtidf in ben mieptigen gingen über bie Sßapt beS SSerufg einer ©ouuernante, über bie Vebingungen, unter benen eg geratpen fei ein SJiäbepen für biefen 93 eruf ju erjieljen, unb über bie Vebingungen beS ©eiingeng in bemfelben bie nötpigen gingerjeige an bie £>anb 31t geben: mitfpiitfe ber Slbstraction unb Siefleyion merben biefelben opne ©epmierig= teit gefunben merben. ©erniß ift ßor aßem mopt ju prüfen, ob bie Vetreffenbe 31t bent ferneren Stmte ber ©rgiel;erin unb Seprerin bie nötigen Gigenfcpaften pat, mobei mir mieberunt auf biefen Slrtifel Bermeifen müßen. Gin ÜDtäbcpcn, metd)eg ©ouBernante merben foß, foflte and) bie ©oben befipen unb bie Gqiepung genoffen paben, meßpe biefelbe fäpig mad)cn, einerfeitö fiep nid)t ju pod; 31t bünfen, um ben größten Speit iprer 3 e ü niit Stübern 3U3nbringen, unb anbererfeitg nidjt 311 niebrig, um aud) Bor ben 9 ieid)en unb £mepgefteßten in ber SBett ipre ©teßung in ber rechten SSSeife bienenb bepaupten 3U tönneu. ©ie mirft fid) aud) meg, unb teuft Bon fiep unb iprem 9 lmt 3U niebrig, menn fie fiep einbrängen miß in eine ©ppäre, mo ipr Slmt aufpört. gür fo mand)e märe eg beffer gemefen, menn fie eine braBe fpaugfitugfer, ,'paugpälterin, tranfen* Pflegerin, ja Sabenmäbepen ober Slrbeiterin gemorben märe, ftatt baß fie bag angebtiep ftanbeggemäße Seben ber ©onoernante gemäptt pat, metdjeg fie niept befriebigt, meit fie nid;tg rediteg mirten tann, nnb metepeg fo oft nur ein gtängenbeg Gtenb ift. Unb mäprenb man niept umpin tonnen mirb, ben ftßangel an moptmoßenben ßfüeffiditen, an maprer unb perjticper Speitnapme, an Vertrauen unb ©anfbarfeit ernftlid) 3U rügen, über melcpen bie ©ouBernanten fo oft mit 9 fed)t ttagen tönnen, fo muß man botp auep fagen, baß nur eine ©ouoernante, metepe mirflid) erfüflt, mag fie nerfpriefjt, ber Sleptung unb beg Vertrauend berer mertp fein tann, metd)e fie anfteßen. ®ag mirb ipr benn mopt aud) 31t Speit merben, menn fie fiep red)t aufrichtig geprüft pat: ben Stufricptigen läßt Gr’g gelingen! S>emt and) fotdfe Gttern, metepe in Seieptfinn ober in §od)mutp be= fangen bie ©onBernante anfangg nur mie eine Strt Bon gefaulter Äammerfungfer an= fepen unb bepanbetu, niept aber alg ipre ©teÜBertreterin unb ©epütfin bei ben ipnen anBertrauten ijBfänbcrn, finb am Gnbe bod) nod) im ©tanbe 3U ertennen, metepe Siebe ein meibtidjeg ©eniütp Stinbern entgegen3ubringen im ©tanbe ift, eine Siebe bie ftart unb freubig ift, bie nädffte naep ber äßuttertiebe. 3 um ©dßuffe aber nod) einige SBorte 3ur Drientirung in einer anbern Vesiepung. Vefannttid) pat man pie unb ba ber fransöftfdjeu ©prad)e alg einem Unterrieptggegem ftanbe in ber meiblicpen Grsiepung unb ben frangöfifdjen ©ouBernanten atd fotdfen ben Strieg erttärt. ©ie erftere 31t Bertpeibigen ift pier ber Drt nidjt; menn man „jmei ©pradjen grünblich gelernt 31t paben" für bitcenb palt autp bei ÜDtäbcpen, mirb man bag grai^öfifcpe immerpin bem Sateinifd)en unb autp bem Gnglifdjen noep Bor3iepen fönnen (f. b. Strt. Gnglifcpe ©praepe); jebenfaßg ift big fept bie Äenntnig begfetben für bie Södfter ber f. g. großen SBett gerabe3u eine Sfotpmenbigfeit. ©egen bie frau= 3Öfif ett würbe. 9 ?amentlid; ift er boüftänbig einoerftauben mit ben ©emertungen, wetd;e in bem Irtifel SntwicflungSperiobe 33b. II. ©. 139 ber (Enü)Hof>äbie uachjulefen finb. ©gl. auch ©aurS ©rjielmngStehre, 2. Slufl., ©. 99 ff. Slber eine Slnefbote möge ftatt einer ausführlichen SlntWcrt gelten. ®ie berühmte Madame Campan, früher ©orlefcrin bei ben ©d;wcftern SubwigS XVI., bann erfte Kammerfrau unb greunbin feiner unglücf* lidjen ©emahlin, grünbete unter Dlapolecn eine ©rjiehnngSanftalt in St. Germain, unb würbe bon ihm jur ©orftcherin feines SnftitutS 31 t Ecouen beftinxmt. Madame, fprad; er 3 U il;r eines ®ag§, notre Systeme d’education des demoiselles ne yaut rien. Qu’est-ce qu’il nous faut? — Des mercs, Sire, antwortete fie. So lange baS irgenbWo Wahr ift, wirb eS and) ©oubernanten geben, unb ©ott fei San!, baß eS beim bod; aud) foldje giebt, bie ben ÜWangel, wenn auch nicht »ollftänbig, bod; einigermaßen erfefcen. 3n ©ejiehung auf bie Literatur faun ber ©erf. hier gunädjft nur nennen, WaS il)ut bei ber Mfaffung bcrftehenbeit 3lrt itetS hat bienen foHen: Karl b. au nt er, ©efd). ber fpäbagogif III. STIjl. 2 Slbth- ©tuttg. 1852. ©. 170—178. — Ottilie 2B i I b e r= muth, auS bem grauenteben I. ©b. ©tuttg. 1855. — ©mma StathufiuS, aus bem SEagebud; eines armen gränleiitS. fpaüe 1857. — Slußerbem Ware wol;l nod; mandjeS 31 t benithen gewefen unb $u nennen, WaS er in ben fpanben bon ©oubernanten ge* fel)en l; a G ©djriftcn bon Madame Guizot, (Lettres sur l’eduoatiou), Madame Ai- mable Tastu (l’education maternelle), Mademoiselle Ulliac Tremadeure etc. etc. — (Ettrrer ©eil, ®idenS, Kohl, SSfanber (bergen) unb nod) manchenid;t eben fpecififd; V'äbagogifd^e ©d)riftfteHer finb für baS SluSlaub bereits citirt unb mehrereS fd)Webte ihm auf biefem ©ebiet nur in ber (Erinnerung bor, ohne baff er bie betreffenben SBerfe fid; hatte berfd)affen fönnen. ®ie ftatiftifdien SUoti^en, weldje er geben 31 t fönnen Ijoffte, finb leiber äum größeren ®l; e 'l auSgeblieben. — ®ie oben genannten bon grauenhanb *) „Unfere embeimifd;en ©oubernanten finb bet allen Stängeln bod; biel beffer als bie 9)tehr* 3 al;l biefer granjöfinuen, biefe anfs nnbeftimmte berabfd;iebeteu Sorettcn unb entlaffeiten Gomö* biantinnen, Welche ficQ aus Verzweiflung auf bie Srjtehung werfen, als auf baS lebte iOiittel, baS tägliche Vrob 51 t berbienen, ein SDtittel, für welches Weber ©alent, noch Sugenb, nod; Kennt* niffe uötbig finb, fonbertt nur bie itötljige 2IitSffn'ad;e fceS grrra unb bie SOtanieren einer dame du comptoir.“ „Scnigftens war es fo in ben 30er Sahren." „©iefe frati 3 Öfifd;eit Srjieherhincu," fährt er fort, ititb bics ift bod; aud; bejeidjneitb, „muß man übrigens uid;t mit beiten berwechfcltt, Welche bis 311 m 3aT;re 1812 nad; Oiujjlaub gingen, Samals War grattlmcl; weniger bourgeois, unb bie (iiqiehcrtuncu, Weld;e herüber famen, Waren aus einer anbern @d;id;te ber ©efellfchaft, Sunt ©heil Töchter bon (Emigranten, bott eyilirtcu Striftolraten, ober SBittwen bon Offizieren, oft aud; bereit berlaffene grauen. 9taf)oteon berheirathete feilte Krieger öfters in ber Strt, Wie untere ©utsbefiher bie Scibcigencit, ot;itc fid; biel um bie Siebe ober Steigung 311 befiimmertt. t°f* fDoctorWiirbe, fpäter in bad HBürsburger fßriefterfeminar aufgenommen, 1790 ^icenjiat, fobann fßräfect bed abeligen ©eminard bafelbft, nadjljer Senbirector ber eqbifdjöflidjen fßagenanftalt in ©alsbitrg, hier nod) Bor ber ©aculari= fation entlaffen; 1801 grühfaljr fßrof. ber £f) c ^- 3 U Sanbdl)ut, 1801 |)erbft ©djul= unb ©tubienratf) in Samberg; 1810 baßerifdjer 3iegierungS= unb Äreid=©d)ulratl) in Saireittl), an ber Regierung bed Dbermainfreifed bi» 1825 (ald fotdjer Bcrl)eiratl)et); ba um biefe Seit bie 5h-eid=©d)ulräil)e in Samern eingesogen würben, fo erfolgte feine Duied= cirung unb er fonnte fid> Bon ca um fo ungestörter feinen Iiterarifd)en unb praftifd)» oolfdfreunbtidjen Sefirebungett auf bem gelbe ber fpabagogif ^jingeben; f 28. gehr. 1841 3 U Saireuth (Bgl. Soigtd ülefrolog Bon 1811. 21Hg. Sitt. ß. 1841). 35ie entfdjiebene Sebeufuitg @rd. liegt sunädjfi auf bem wiffenfdjaftlidjen ©ebiet. ©eine Sf)re ift ed, einer ber erften getnefen 31 t fein unter eenen, weldje in neuerer Seit einer wiffenfd)aftlidjen Segriinbung ber fßäbagogif unb einer aÜfeitigen bewußten Sluffaffung ihrer 3bee, gegenüber einer haltungdlofcn unb fdjWanfenben Gcmpirie unb einem bloß inftinctioen, wenn and) nod) fo geiftreidien unb im einseinen treffenben, 3)enfen unb praftifd)en Serfttdjeu, bie Sahn brachen. 9?od) mehr: auch bie Slnerfcnnung baBon barf ni^t fehlen, baß er in feinen ©djrifteu, bie ald gunbgrube tieferer Slnfdjauungett Wohl toerth wären, mel)r belaunt unb ftubirt 31 t Werben, SBefentlidjed 3 ur (Srfenntnid ber richtigen fßrincipien einer gefunben Sqiehungdlehre beigetragen h«t r wie benn and) merfwürbigerweife bie neuere grjiehuitgdfunbe nad) manchen Srrtoegen auf Biele ber Bon ihm audgefprodjenen gunbantentalwahrheiten 3 urüctfommt. S)amit hängt bad be= foncere Scrbienft jufanuuen, burch feine 9?id)tung entfd)iebnen Sinfeitigfeiten in ben f?äta= gogifchen Seftrebungen ald ©egengewidjt unb (Srgänjung 3 U bienen, Woburd) feine S©hätig= feit ein Wefentlidjed ©Heb in ber @ntwidlungdgefd)td)te ber mobernen (ßabagogif bilbet. Sd faun bied attdgefprod)en Werben bei allem Sugeftänbnid, baß bie £h e °i'ien ®rS. in ihren ©runblegttngen noch Biel 3 U fehr unfrei unb mit ©d)eHing’fd)en $l)ü 0 H'h em en Ber= quilt finb, baß feine ©ebuctionen Bielfad) an 9)?auierirtf)eit unb Äünfttidjfeit (eiben unb baß er bei feinem ©ange Bon ber fpö()e herab in bie -ßrayid häufig falfd) tritt unb in ©onfequenjen Wie -Kitteln fehlgreift. ©eine wiffenfdjaftlidjen fpauptwerfe finb: ®iuinität ober fßrincip ber ein 3 ig wahren 9)f enfdjenbilbung 31 er f c fl er en Segrünbung b er Srji eljungd* unb Hut errid) td wif f enf d) aft. grfte Stuft. 1811. 3. Stuft. in 2 Sh e ^ en , Saßreutl) 1830, unb — ald 21udfüt)rung ber barin niebergelegten Sbeen ©ie Glcmentarfdjule fürd.Sehen in ber ©runblage jur Reform bed Unterricht«. 4. Stuft. in 3 £f)t- €> c f unb SBunfiebel bei ©rau 1839 (ber 2 . SCheit ift erft nad) beut Xobe ®rd. 1842 erfdjienen). *) *) Sie unmittelbar praftifd;e Sarftettuug be« ©r.’fdjen Unterrichtdfqfteiud giebt ba« SBerf be« treuen für @r. begeiferten @d)iiter«, 3. S. Subtoig, (Santor unb ©chullehrer 51 t Sinblacb bei SBaqreutb: SSotlftänbig fn'aftifdje Bearbeitung ber fed)« erften 2eben«*SSert)ätthif|'e na^ ©rafer 58. 1—6, §of unb SBuuftebet, ©rau. 1840—1844. 38 ©tafer. 3nbetn ©r. bei ben wiffenfdjaftlidjen ®artegungen ber -ßrincipien ber ©rgiehungd= unb Unterridjtdlehre öon ber ißeftiminung bed SDSenfdjen atS foldjen unb Oon bem ©ebartfett audgeljt, baß jeglidje Sljättgfeit auf biefem Selbe nur beit 3rced verfolgen fönne, bad tu jener Siegenbe ju »ertoirflid^en, hat er eine einheitliche, ridjtige unb fol= genreidje ©runblage für feine ©ntwictlungen unb Sludführungen gefunben. ©djabe, toafj bie nähere Sludeittanberfefeung biefer 2Bal;rljeit oielfad) anftatt auf U)iffenfd)aftlid)=antfyro= pologifcfjen, öon djriftlicbem ©elfte getränften, Slnfdjauungen $u rul;en— toie fd;on oben bemerft •— öon gum ©l;eil ungenießbaren ©peculationen befyerrfdjt unb eingeengt wirb, in ihren Sludführungen mager unb unbefriebigenb bleibt, unb in einer etwad unbefyoh fenen mit bem ©ebanlen ringenbcn SDarfteKung erfolgt. „Die SSeftimmnng bed Sienfc^en in ber SBett ift" aber „bie oorgüglidie ffteprafentation bed göttlichen ©eind im Sferhält= nid gu ben übrigen ©attungen ber SBefen. ©ie ift baljer SHüinität b. I). bie 3)ten= fdjen foHen burd; ein ©elbftfein ober burd) ein mit ihrer 3bee ibentifdjed Sebeit ober ein mit eignem ©elfte unb eigner ©fyatigfeit burd;and unb ftetd beftimmted ©ein, — bad Slbbilb bed göttlichen ©eind oorgugdweife barftellen." 3nbem fofort ©rgiehuug unb Unterridjt gur ©rfülluug jener hinleiten foHen, „haben fle bermittelft ber ©inwirfnng ber reifen fDienfdjen ben berantoadifenben SJicnfdjen in berfRidjtung 31t unterftü^en, baß feilt ©efammtoermögen, fein ©ein gu begrünben, um fo seifiger unb fidjerer ^erOor= fomuie." §iebei legt nun aber ®r. ben größten SBertf) barein, baß ber ©i-gieper bei feinem @efd)äfte sloar „loegen ber eiuselnen mannigfadjen 93egiehungen bed menfd)lid)eit Sehend itt ber SB eit bie ntenfdjlidjeu Anlagen unb Äräfte ftdj öereinjelt benfen, aber in ihrer Sludbilbung ftetd sugleid) ald ein ©efammtoermögen nehmen feile. 3nwiefcrn er alfo jum S3el)uf feiner ergieherifdjen ©l;atigfeit bie Sludbilbung ber eiuselnen Stnlagen übernehmen will, muß ed nicht nur bloß in harmonifdjer wechfelfeitiger S3erbittbung gefcljehen, fonbern wahrhaft in ununtcrfdjeiDbarer ©inheit, um ein menfd^lidjed SBefen Sn bilben." 3n fjolge biefer ©runbanfdjauungen geljt bei ihm einmal ein fpauptbeftreben bahin, ber ergiehenben unb unterridjtenben ©hätigleit eine aHfeitige, ben gangen 3Jten= fdjen ind Singe faffeube Sludbilbung ber phhfifd;eit, intellectucllen, äßhetif^en, moratifchen Srafte (Sntwidlnng ber Seibed= unb ©eelenftärfe: ©ugcnb, Äuitft, SSernunft) 31t fidjern (nameutlid) aud; „ber Unterricht muß in jebem SOiomente total bilbenb fein"), ©d hängt aber bamit and; bad SBeitere gufammen, baß ihm jebe Sefdjränfung ber 3bee ber SOien= fdienbitbung unb ber uöthigen SJiittel für biefeu 3mecf ald bad größte Unrecht erfdjeint, cd giebt ebenbarum and; neben allen Sefonberheiten unb eigenthümlidjen 33ebiirfniffen „einen ewigen, allgemeinen ©rgieljungd» unb Sehrplan," unb ed ift baljer aud) „eine wahre SJerfünbignug an ber SDienfdjheit, wenn man entweber aud unöerjeihlicher SBiüfür ober aud 33efehränftheit unb bod) lieblofer Slnntaßung beit ‘äDtenjdjett irgenb einen ihnen ge= bührenbeit Sehrgegenftanb oorenthalten will. Sein gürft barf gebieten: ÜJiein S5oll foU nur bied nnb bied miffen unb in meinen ©djulett foll nur bied unb bied oorfom= men; fonbern — bie ©ottljeit nur l;at hier gu gebieten unb hat geboten, ©ie hat ed beftiuimt, Wad ber fDJenfdj ald ÜDtenfd) wiffen ntüße unb folglich ift bie 33efd)ränfitng bed 9)tenfd)enunterrid)td aud; wahrhaft eine ber himntelfdjreienben ©ünben gegen ben heiligen ©eift." ©taube man nidjt, baß ®r. burch bad gefttialten foldjer ©runblage in oage 2)teiifd)heitdbilbitngötraume hineingeführt Werbe. ®aöoit hat ihn ber ihm eigene höhere biüinatorifd)=praltifd)e S3tid bewahrt, oermöge beffen er neben bem 3' e ^ ber aH= gemeinen üBtenfdjheitdergiehung bad 33ebürfniö ber befonbern ©tanbederjiehung nicht bloß anerfennt, fonbern einer ber erften fßäbagogeu ift, Weld;er bie gerabe hier fidj gettenb niachenben Unterfd)iebe — aUerbingd halb mit mehr halb mit Weniger ©lücE — auf bie ridj= tigen ‘Prittcipien gurütfguführett fudjt. — grageit wir nun aber in SSegiehuitg auf bie @ntwicf= tung ber ntenfd;Iid)en firafte naher, weldjed bad 3iel ber edjt menfd)lid)en Sludbilbung fei, fo befteht ed nad) @r. in ber Befähigung 1) „bad ntenfd)lid;e ©ein felbft gu be= grünben" unb 2) „ed 51t begrünben in ber rechten gorm" b. h- in freier, felbftbewußter, ceruünftiger ©elbftbeftimmnng. ®aburd) conftituirt fid; nadj einer ©eite (bie anbere ©rafet. 39 f- fpäter) nidjt nur non felbft baSjenige, WaS auf biefer ©runblage ben wahren ©eljalt ber mcnfd;lid)en S3ilbung als foldje ausprägen fett, fonbevn eS wirb bamit aud) bic 2lrt unb Sßeife jebeS listigen geiftigen EiuWirfenS normirt. @8 ift oerfehrt, Wenn eS nidit burdjauS ©elbftbewußtfein, ©elbftanfdfauung, ©elbftänbigleit unb baper oernünftige ErlenntniS fövbert. 2)er Unterricht inSbefonbere muß „geiftbitbenb“ fein: „er ift nur bann »aprer SD'fenfdjenunterridjt, wenn er ben ©elbftunterricpt beförbert." „SDagu üer= fangt er eine fteigenbe Uefutng ber ©eifteöfräfte“ unb gwar muß, Wenn baS SBiffen im SKenfdjen febenbig begrüntet werben fott, immer fo unterrichtet »erben, „baß ftetS eine S3orftettung unb eine ÄenntuiS fid) auf bie anbere griinbe, ber Unterridft muff bie im fDfenfdfen fd)on twrpanbenen 23orftettungeu in ununterbrodfener ffteipe, ftetS erweitern, »eSmegen er auch fein ©efdjäft mit bem SluSforfdjen beS borgängigen .guftanbeS beS <3d)üferS in Skgiepmtg auf fein SBiffen gu beginnen unb entfpredjenb bem alfgemeinen ttfaturgefe(3 ber ©ucceffion mit bem Slnfttüpfeu ber neuen 2?orftettungen an bie borge= funbenen fortgufepen hat" u. f. w., wie Wir beim überhaupt hier eine fReipe bon ©äpen fmben, bie uns an bie fßeftalojji’fdjen ifSriucipien erinnern. —• 3)a8 ttRiSlicpe in bem ©r.’fdjcit ©pptem ift nur baS, baß fid> bon bem eingenommenen ©tanbpuncte aus in feinen GrgiepungSgrunbfäpen unb SluSeinauberfepungen auf eine ungebüprtidie SBeife baS SBiffen ober baS bewußte berftänbig calcuiirenbe fReflectiren als fpauptfactor ber menfcp= lidjen SBifbung nadi allen ©eiten in ben 33orbergrunb brangt unb fid) auf eine ben linblidfen EutwidlungSgefepen wiberfpreepenbe, anbere Srgiepung8mäd)te becinträdftigenbe unb mandje UnterridjtSgebiete oerlepenbe SBeife geftenb madft. SBäprenb @r. im fRedjte i|t im feurigen Äampfe gegen jeglichen SRedjaniSmuS beS llnterridjts, währenb er felbft wieber Wohl fühlt, baß jebe tiefere Slnreguug beS gangen SRenfdjen nur bon einer frifdjen, febenbigen Slnfcpauung fdjöner, ridjtiger 33erpältniffe unb einem 3ntereffe beS innerften ttRenfcpen baran anSgeljen lann, ift eS bocp fo, baß bei ihm unwittlürlid) baS Element ber einfadjen ©ewöpnung unb ber gemütplidjen EntWidluug 31t fur3 fommt unb ber §auptpebel ber menfdflidjen SSilbung immer wieber in ein raifonnirenbeS SBiffen babon, wie etwas fein fottte, warum eS fo ift, „in bie jjwrberung ber (Sinfid^t in eie ©rünbe unb folgen, bie 3^erf>itäßigfeit, fRüplicpfeit, Slngemeffenpeit ber ÜDinge" gefegt wirb.*) — iDiefe Einfehigleit muß fid) — wie natürlid) — borperrfepenb im ©ebiete beS fReligiöfen unb SRoralifdjen perauSftetten, auf bem bie Kenntnis ber Wahren ©ruubgefepe beS ntenfdüidjen SebenS bie gange Entwidfung beperrfdjt. „®ie ÜRotpWenbigt'eit beS moralifdjen ©efiiplS muß auS ber lebeucigen Slnfdjauung ber gerat beS menfdjüdfen ober göttlidjen ©einS perüorgepen unb ber 5ERenfcp ift bottenbet." „£>aft bu einmal in ber jungen ©eele bie flare ErfeuntniS ber freien ©elbftbeftimmung, bie barauS peröorgepenben S3egriffe ber 3niputation ber ©djulb unb ©träfe, beS 33erbienfte8 unb beS SBertpeS begrünbet, — gelungen ift bir bann baS Widjtigfte SBerf, Cen 2Ren= fchen geboren gu haben." S)ie golge babon ift, baß baS gange SBefen ber ttRittpeilung fieS frommen unb fittlidhen SebeitS berlannt wirb, Cie Äircpe felbft öorperrfdfenb als Sepranftalt, als ©djule erfdjeint unb bie Entwidtung beS fReligionS = Unterrichts auf feiner ©runblage auftatt bon unbemittelter Einführung in bie 9lnfd;auungen beS ge= fcpicptlid/en unb tpatfäd)lid;en frommen SebenS — bon reftectirenben 23etrad)tungen über bie welttidjen ®inge unb menfd;lid)en Einlagen, Wobei ®r. mit feinen fiinftlid) gemalten Ergählungen häufig auf ben überwunbenen SlufflärungS=©tanbpunct ber ph'lauthcbßiflhen ©d)ule gurüdfinft, unb in feinem ferneren ©tufengang bon ber uerftänbigen Sntwicf= luug beS 30fenfd)en unb ber umfaffenben @iufid)t in bie 9?atur unb SRenfihenWelt ab= hängig gemad)t wirb. — üDie Slnfidjten ©r.’S erftreden fid} aber in ihren Eonfequengen auf alle eingelnen ©eiten unb ©h e ^ e UnterridjtS, wie bieS am beutlidjften an ben *) ©arum ift auch für ©r. ber unterricbttiche ©runbfap ^aratterißif^: „ber Unterricht muß ben ©dfüler flets in 3>rielpalt mit fid) fethß fo lange gu fepen fu^en, bis er bie (Sinbeit felbß pnbet unb fefthält." 40 ©rafct. ©rttnbfäpen für ben erfien Sefeunterridjt peröortritt. SBäprenb er habet gegen bie Sortur ber alten medjanifdjen ( 23 ud)ftabir=) Sefeunterrid)tdmetl)obe ju gelbe jiefyt, in toeldjetu unoermittelt oom felbftbetoußten ©eifte gönnen unb Sautbe3eidjnungen aufgenommen toerben fotten, gel)t er $ugleidj fo toeit, aud) ben Stepf)ani’fd)en Sautirunterricpt für bie erfte Äinbedqual 31t erflärett, weit bie 23 ud)ftabcnfortnen bemSliube auctoritätdmäßig ein* geprägt toerben, unb »erlangt rationelle 23 egritnbung berfetben, iubent er auf erfünftelte SÜBeife barin ben Sludbrnd: ber Stellung ber öerfdjicbenett Sprad)organe nadigebilbet toiffen mitt. *) (®ad ©rafer’fdje Slementiren.) Unb bod) barf pintoieberum, toemt man bariiber lädjeln mödjte, bie Slnertennung @r. nidjt öerfagt toerben, baff er mit feinem Streben in ben Oiei^en ber Sdjutmänner, toelcbe einen enttoicfelnbe'n Sefeunterridjt ge* fdjaffeu haben, oben anftcl;t, baß er indbefonbre ber ljauptfädjlid)e Sdjöpfer bed Sdjreib* lefeunterridjtd ift, bem ber (älementarunterridjt eine fo tocfentlidje görberung »erbanlt. iJJod) bleibt und aber eine fpauptfeite bed ©r.’fdjen Spftemd ju betradßen, toetdie bemfelben eine befonbre fpecififdje Sebeutnug giebt. ®d ift bie fobgenreic^e Srfenntnid ber SBaljrljeit, baß, „toemt and) bie Ijarmonifdje 2ludbitbung ber menfd)Iid)en Sräfte bad fpauptaugenmerf bed Srjieperd fein muß, bod) biefe nur mit ber prattifdjen Segie^ung auf ben gtoed 31t beforbern ift, um ben SJienfdjen für Seben unb 2 Bett 31t bi Iben, fo baß alfo jebe Uebung eine burd) ben Segriff oon einer prattifdjen hebend» be3ic^uug geleitete Uebung toirb. ®iefe 23 orfd;rift ift," fagt er, „barttm mit befonbernt 3 ?ad)brud 31t geben, toeit man fo leidjt mit bem 23 egrtff einer meufd)lid)en Einlage unb ber gorberttng iljrer Ülttdbilbung im Äopfe auf ben 3rrtoeg gerät!), atten Anlagen nur bie p&d)ft möglidje Sludbilbttng 3U geben unb ed bem Scbidfal 31t iiberlaffen, toetd)en ©ebrattd) ber 9 )?enfdj einft »on feinem Sermögen mad)t." 2$ielmeljr ift bad 3iel ber St^ieljung nidjt bloß im Subject 31t fud)en, toomit bie 3 bee berfelbeit ttnooff* !ommen unb leer bliebe. So getoiß ald ber Unterricht bad S 3 ermögen bilben fott, fid) im Sehen bar3uftetten, fo getoiß muß er nun aud) burd) benfelben jeber 3 eit ind Seben Ijineingeftefft toerben, bamit er ed fdjaue. ®aruut ift „bie Ipauptqueffe (fpauptgegen* ftanb) ber tnenfdjlidjen Äenntnid bie 3bee bed Sehend felbft" b. Ij. toenn ed bieS8eftiin= rnung bed 2)?enfdjen ift, ein toaljred Slienfdjenleben 31t führen, fo muß »or allem barauf andgegangen toerben, bem Sftcnfdjen bie fnnbe »on bent ju öerfdjaffen, toad er 31t einem toaprljaft tnenfdjlidjen Sehen in affen @emeiitfd)aftdbe3iel)ungen („benn bad Seben ftettt fid) für ben SO ( fenfd)en ald @emeinfd)aft bar") gur (Erfüllung- fehreS l)äudiid)en unb bür= gerlidjett 23 entfd bcbarf. SBenn bied gefd)iel)t, fo bilbet fid) burd) bie Slnfdjaitung bed toirflid)en Sehend, in toeld)er alle äBafyrfyeiten fid) oerlorpern, »on felbft and) bad leben* bige rehooffe 3 ntereffe am Unterridjt; er unterrichtet fid) fo am leidjtefteu unb fidjerften felbft." „,'pintoeg alfo im 5 D?enfd)enunterrid)t mit atten eiufeitigen, l)ol)len, fteifen unb getünftelten Uebungen bed SBerftanbed, toeldje am Snbe nur bie gertigleit Ijerborbringen, 31t jäljlen, 31t tneffen unb 31t fpredjen, übrigend fidj »ont Seben — nur ettoad 31t benfen unb mit ^Begriffen fein Spiel 31t treiben, toobei am Snbe mit allem einbringlidjen fßre* bigen unb toarnten Slufforberungeu, ber ®ttgenb unb ber ©ottl)eit 31t l)ulbigen, bad ge* priefene ißrincip ber Siebe nur in ber Sinbilbung tootynt, aber lein fperg bitrdjgliiljt, toeit nicht ber @efammtunterrid)t über bad Seben badfetbe in febem 3 J?oment anregte. §inmeg mit Uebungen bed aufteimenben 9 )iettfd)en, tooburd) er gan3 bem ©ange ber 9 ?atur jutoiber nur einfeitige gertigfeiten erljält. Slber nod) toeiter Ijitttoeg mit bem ge* *) Siefer ©ebanfe fiiprte ®v. aud; ju ber ätufßetlung ber »erfeprten Speorie, baß ber Unter* ridjt ber Saubfiummen mit bem Unterricht ber SBoHfiuntgen oerbunbeu toerben fBnue unb fotte, fofent nad; ipnt aucp ber Sottfiunige toie ber Sanbßmnme bie Sorte »om SJtunbe fiep abtefeit laffen unb abtefen fernen foUte unb ber ganje tßertepr in fid;tbaren 3 eid;en in tepter Pinie barauf fiep gritnben miiße. — SDtan bergeffe bariiber aber aud; pier nicpt, baß ©r. berjenige iß, ber 31t* erß bett immer noep nicpt gepörig getoürbigten ©ntnbfap geprebigt pat, baß bie tßitbung bed £aub* ßumtnen fo ttenig a(« möglich ber ©ilbnug be« SBottfinnigen 311 bifferiren unb ipn in bie ©emeinfd;aft bedfetben 31t führen pabe. ©rafer. 41 ml'hnlidjen Elementar = ©d)ulunterrid)t, mobei bad jarte Kinb bei feinem elften (Eintritt in bie Sorfyaffe beS menfd)tid)en SBiffend gleich mit bei ärgcrlidjften @eiftedft)rannei be= mitlfemmt mirb unb bie Äenntniffe bed ntenfdjlidfen Sehend and 33üdjern erlernen muß. 3d; fage ed unberljolen nnb laut: bie erfte ©djule mar bad ©rab bed — Sebcndunter» ridjtd. Steuer füllten ber SBater unb bie Söfuttcr bad SSebürfnid, ifjre Kinber 31 t unter» ridjten, aber fie Ratten fein anbered 3 ’ e t ted ltnterridjtd tmr bem 2 luge, a(d bad 23ilb bed Sehend nnb barauf Bejog fid) all ihr Unterridjt, fo wie iljn bie ©elegeu» heit oeranlaßte, unb ber Knabe reifte an bed SBaterd §anb fräftig unb berftänbig jum Sehen fjeran unb bad SRäbdjett entmicfelte fid) unter ber Seituug ber SRutter 3 itr fiugen Jungfrau. 25ie offene Statur unb ber Umgang mit SDtenfdjen mar bad Slementarun» terrid)tdbud), beffen fid) ber SSater bebiente, bie £)audmirtl)fd)aft mar bie STafet ober fyit'ef, meldfe bie SJtutter benähte, unb ber Unterridjt hatte fo großed ©ebeihen, baff mir in ber @efd)id)te bed SSaterlanbed oft mit inniger greube und munbent über ben gefunbeit Serftanb unb bie eble Kraft ber SDtänner, fo mie über bie Klugheit unb Ougenb ber grauen. Slber bad 95erl;äugnid mellte eine 3 roifd)enperiobe, um bie SRenfdjen 31 t einer nod) b>öl;eren Sebendmeidl)eit 31 t führen. ©d entftanb bie ©djule-unb nun muß ed bafjin fommen, baß bie ©djule burdj Kunft bad Sehen ber Kittber bor ber ©d;ule mieber Ijerfteüt, aber nur auf einem immer I;öf)ern ©rabe, unb ber Unterridjt muß nidjtd mehr leiften, ald mad bie Statur unb bie SDtenfdjen an bem ©djiiler leifteten, menn er nad) einem fd)en mit eigenem 23emußtfein borgeseidjneten ©ange im fteten SBerfeljr mit ihnen fid) 31 t unterrichten tradjtete." — S)aß mit biefen ©runbfäßen ©r. tro(j mannig» fadjer S3erü!)ruugen beiber bod) eine entfdßebene ©rgänsung ber formaliftifd)en 3?id)» tung fßeftaiojjid, gegen ben er an maudjen Orten birect polemifirt, hübet, leudjtet ein! ©ein 33erbienft ift ed, ebenbaburdj für jebe ©d)itle, aud) bie 33olfdfd)itle, bie nid)t bloß accibentieUe fonbern mefentlidje 33ebeutung bed fachlichen (realen) 8 ebend=Unterrid)t$ gegenüber bon fdjlimmen SBefdjränfungcn nnb engherzigen Sluffaffungen feftgeftelft 31 t haben. „Jeber SRenfd) ift nur bann im mafjren Sinn SDtenfd), menn er fein ©ein feI 6 ft 31 t begrünben bermag. Stirn fetjt aber bie ©efbftbegrünbuug and; bie Kenutnid beffen boraitd, mad 3 m ©elbftbegritnbung gehört, nämlich bie Kenutnid ber SSebingungen unb gormeu bed ©eind, fo mie bie Kenntnid, jene an 3 umeuben unb in biefe fid) 31 t gießen; folgtid) ift bie ©umme biefed SBiffend ein allen SDtenfdjett nethiged SBiffen." SBellte man aber ihm 31 tm SSermurfe madjen, burd) bie tperborljebung bed Stealen im Unterridjt beförbere er eben nur mieber bie ©efaljr ber S3ielmifferei, bed unffaren Sr= fennend, ber 3erftreuung im Unterrid)te, meldje SßeflaIog 3 i befeitigt Ijabe, fo mürbe feinen Jbeett großed ltnredjt gefdjebjcu. SStan fautt fid) nidjt ftärfer gegen bie Unmethebe, nad) ber bei bem fogeuannten 3tealien=Uuterrid)t bem Kinbe nur gemiffe einzelne Äenntniffe nach miHfiirlidjer SBeife mitgetfjeitt merben, gegen bie Stuffüljrnng jener unbeftimmten ©umme boit ©ad)fenutniffen, bie bon ber pI;üontfjrcf>inifdjeit 3 e ü h er im Sehrplan unter ber Sfubrif „gemeiunüjsige Äenntniffe" laufen, unb gegen bie grunbfafciofe unb unge» biil)rlid)e ©rmeiterung bed Kreifed bon miffendmerthen Äenntniffen für bie SBolfdfdjüler bermahren ald er. 6 d giebt mie für ben •ßeftalejäianidmud nur ©ine SOfethobe, bie fid> auf bad tBebiirfnid ber fiitblidien Statur grünbet, fo für ihn nur „Sine ©efammt» lenntnid, bie ber 3bee bed menfdjUdjen Sehend cntfprid)t" b. h- einen Snbegriff gteidj» nothmenbiger Äenntniffe, bie il;re beftimmte Sfudbehnuug unb S 3 egren 3 ung in bem 23e= mußtfein babon finben, mad ber SDtenfch fein feil, ©ben bedmegen barf aud) bie 2 lud= führung bed realen llnterridjtd nad) ihm nidjt barin beftel)en, baß 3 . SS. bie einzelnen Äenntniffe aud ber Staturgefdjidjte, ©eographm at 8 Sehrgegenftänbe aufgeführt merben. „Oer SSorrath biefer Äenntniffe märe für bad Kinb nidjtd mehr, ald bie Officin einer Slpothefe einem phnrmaceutifchen Sehrjungen ober ^aublanger, ber mit gutem @ebäd)tnid bie ^Benennung unb §erfunft bed ganjen IBorrathd ber SRebicatnente fenneu lernt." „SSieltnehr mäßen alle biefe Äenntniffe eine SSe 3 iehung auf bad Sehen bed Äinbed unb bie beftimmten unb geiftigen SSerhältniffe, in benen ed fid; bemegt, haben.“ 42 ©rufet. ®aburd) I)at @r. im ißrincip jeben für baS Jtinb frembartigen, uuoerbaulidjen Stoff auSgefd;ieben uub bie ©runblage für eine richtige 9luSmaf;t teS Stoffs überhaupt unb für bie befonbern Stänbe feftgefteßt. 3 u 3^ e '4) fudjt er für bie 2lufehtanberfoIge unb ben Sel;rgang biefeS UnterridjtS gegenüber jeber ptantofen 2Bißfür einen feften Sefyrplan auf ber ©runblage ber fid; bttrd; ben SebeuStrieb erl;öl;euben Sßißbegierbe unb ber uatiir= lid;en Srmeiteruug beS 2lnfd;auungSfreifeS beS ÄinbeS ju griinben. ®armn loirb nad) feinen Sbeen baS Sinb bttrd; bie oerfdjiebenen ©emeinfd;aftSfreife, Familie, ©emeinbe, Sanbgerid;t (Dberamt), SfegieruugSbegirf (!), Staat, ®eutfd;tant> (beutfd;er 23unb!), in benen aüe SebeuS=&'enntniffe ß;ren orgaitifd;cn Sßittelfuuct fiuben foßen, l;inburd;gefüf;rt. 2Bäre nur aud; Xjier nidjt bie 2luSfül;rung, toie fie für bie 2$oIfSfd)ule namentlid; „bie Gtementarfdjule fürs Seben" barfteßen foß, in aßgu [teife Sd;ablonen unb fiinftlidje gönnen gebannt uub bie 2lrt ber iße'panblung beS Singeinen Oon jener fdjon begegneten rcfIectircnb = raifonuirenbeu 2Beife, metd;e auf ben betr. Stufen bie gemütl;lid;e Seite ber 9?aturbetrad;tung uub bie bttrd; 3'°e4begriffe beS IBerftanbeS unbeirrte, gefdjidjtlic^ tl)atfäd;tid;e 23eirad;tung beS 3)?enfd;entebenS nidjt 31t if;rent 9ied;te fomnten läßt. — SBott burdjgreifeitbem ©inftuß mußte bie 3bee beS SebenSunterrid;tS bei ©rafer auf bie fßrincipien beS in feinem Sinne fid; geftalteubeu 9ieligionSitnterrid;tS fein. 3e mefir er feine Slitfgabe barein fefjt, bie Stinber nad) aßen Seiten in baS ed;t menfd)lid)e Seben einjufüfyren unb bttrd; bie 9lnfd;auung beffetben iutterlid; gu bitben, befto meljr erfd;eint il;nt bie fßetigion oorl;errfd;enb als gönn, bie bem meitfd)Iid;en Seben eine ©eftalt geben fofle. ®ie gotge baoon ift, baß @r. als entfd)iebener geinb aßer bloßen gernieln unb aßgemeiuen 2Bal;rl;eiten, in benen ein abftracter 9ietigionSunterrid;t fid) beloegt, auf= tritt. „2öer ünterrid;t über bie gönn beS ©öttlidjen geben miß, muß nur barauf auS= gelten, baß er bie gornt beS göttlidjen Seins 3'ur 2lnfd;auuug bringe.“ 2)enn „bem nteufdjlidjen SBefett, baS einmal bie loapre 9ieligion ergriffen l;at, muß eS ftetS barum fein, ©otteS SEBirffamfeit ober bie geoffeubarte gönn feines SeittS gu fd;auen, um in il;r baS ättufterbilb für baS feinige 3u fiuben. ©iitent fo!d;en SBefett erfdjeittt barum bie ®ott= fyeit iiberaß unb aßeS, maS es fielet, ift ©otteS Sigentl;unt, ©otteS ißrobuct, ©otteS Slnorbnung, furg — aßeS götttid;, ©ott ift unb toirft iiberaß in ber SBelt unb im 9)Jenfd;en unb ber SJfettfd; toiß in it;m fein unb barum il;m äf;nlid; fein, barum ©otteS ÜBirffamfeit in feiner Seit unb nad; bem fßfaße feiner Kräfte barfteßen." „3d; mödjte," fagt ©r., „nur fo öiele 3ugenbtel;rer fragen: maS tl;itt il;r, ba il;r euren 3ög= ling bie Sfetigion lel;rt? 9?id;t mal;r, il;r lel;rt einen ©ott unb jergliebert feine Geigen* fd;aften uub forbert ©tauben an il;n, @el;or[am, 5ßerel;rung, 3)anfbarfeit, Vertrauen unb Siebe gegen il;u. Äoutmt I;tegu nod; bie Offenbarung, fo oermefirt fid; nur bie obige 2el;re eiuerfeitS mit befonbern 3tuSfpriid;en Bon ©ott unb oon bem, maS er für bie 9Jfenfd;en ti;at unb anbererfeßs noc^ mit meprereu gorberungen beffen, maS bie 9Jfen= fd;en leiften foßen. Sel;rer ber Sugenb! glaubt it;r mo^I I;iemit bießfeligion begrünbet gu l;aben? 3n biefenr 2Bal;ire, ber fo niete beriieft, liegt gerabe baS größte Unfieit; benn biefe eure 9fetigionStel;re fül;rt in ber ftfeget 3um ©öfcenbienft unb Stbergtauben ober guut falten fftaifonniren, 311111 Unglauben. Sel;rer ber Sugenb! Sinen ©ott le^rt iljr, forbert ©tauben unb Ül;un — unb il;r l;abt ben ©runb fd;on gnr 3rreti= gion gelegt, ben Seim ber Humanität jerfnieft, ben SD?enfd;en fd;on 311m göttlid;en groI;n= bienft oerurtbeßt. 3l;r l;abt ein großes, aßmäd;tigeS, aßgered;teS, aßmiffenbeS unb gleid;= lool;l aud; ein gefül;looßeS SBefcn beut 9)lenfd;en gum ©egenftanb beS ©taubeuS ttnb £l;unS bargefteßt unb — oertoren ift baS göttlid;e SBirfen, Seben unb Sein. ®er Sßenfd; fud;t feinen ©ott außer fid; mo immer, tl;ronenb auf feinem ^ierrfd;erfi|e, 2Bol)t= tpaten auSfpenbcnb unb Strafen anerbnenb ; barum fanu beS armen SDlenfd;en Streben fein anbereS fein, als jene gu erl;alten unb biefe 3U oerbüten. Äein 3 u f“& er be^anble bie fogenannten fpflid;ten ber ooßfommnen Siebe ©otteS oter bie Siebe 3um ©uten an fid;, üermag bie einmal begrünbete fßeligion im ©emütbe beS 5ß?enfd;en umguanbern; benn auch aße biefe 3 lt f^e beftiirfen bie ÜSorfteßung oon einem gemiffen auSmärtigen (fkafer. 43 Sßefett, baS feie boüfomntne Siebe, bie ©efinnung unb bie ©timmung ebenfalls junt Tribute oerfangt, unb eS bfeibt bann immer bie befdjränfte einseitige Sejie^ung eines getoiffen ntenfdjltdjen SeiftenS gegen baS SBefen unb baS ganje — Seben, Sßirfen unb ©ein beS ■B'ienfdjen in ber göttlichen 2öelt bleibt außer Sldjt. 3a eine DieligionSlehre, loelche nur ben SBegriff eines beftimmten ÜBefenS außer unS erjeugt unb unfer SSerfjäftniS gegen baSfelbe in getoiffen Seiftungen conftituirt, meldje bie 2lualt)fe jenes ©egriffs ober ber göttlichen SluSfprüdje felbft bcftimmt, fegt ben ©runb jn ben großen Unreifen, loeldje bie (Erbe nodj briiden. —• ©ernadjläßigt ber 9ieligionS= unterridtt ben richtigen ©ang unb fümtnert fich nicht um baS (Erfennen ber göttliche« SebenSform ober ber atlfeitigen unb einigen göttlidjen SBirffamfeit in ber 2Selt, fonbern ertoeiSt nur baS Sfafeiit eines ©otteS unb erflärt begriffe unb ©äße, toaS muß bie Hieligion berjenigen ÜDtenfdjenclaffe fein, bie mir mit beiuDiauten ©olf bejeidjnen? (Eine materielle 9ieligiou ober ein ©öjjcnbienft." (Es liegen hier unb in anbern ©teffen ntandje ©ebanfeit au 8 gefprod;en, bie toenn fte auf bie richtige Sffieife gehoben mürben, für einen mafji'baft frud)tbaren 9ieligionSunterrid)t gegenüber oon einem faffdten unb un* jeitigcn ÄatedjtSmiiSnnterridjt, überhaupt einer Slbftractheit, unter Cer biefer Unterrid)t oft nod; fdjmer leibet, oon großer ©ebeutung merben fönnteu. 2 ßie rnerfmürbig übri* genS, baß and; hier bei@r. gerabe baS, morin bie Dieligion als Seben unb Äraft unb als geftaltenbe IDiacht erfdjeint, bie ©efcpichte, inSbefonbere bie heilige ©efdjid)te nicht ju ihrem 9iedjte fomint. lleberbliden mir junt ©d;lvtß baS ©anje ber bisherigen SDarftetlung, fo mirb ein= leud)teu, baß bie miffenfdjaftlidppabagogifche ©ebeutung ©r.’S nidjt ju gering angu* fdjlagen ift unb menu eS mahr ift, maS ©djleiermadjer au8gefprod;en h at , baß bie §ebung unfreS gemeinfaraen SebettS mefentlich burd; bie fefte ©eftaltnng uufereS (Er* jiehungSmefenS bebingt fei, „unb baß jene nur ftattfinben fönne auf bent SBege beS ooH* ftiinbigen ©efd;auen8, ber genauefteu £l;eorie," fo laßt fidj nidjt lättgnen, baß @r. pieju ganj mefentlidje ©erarbeiten unb ©eiträge liefert. 5BaS unfrent EDiaune aber eine befonbere perfonlidje fpodjadjtung fidjert, baS ift, baß er unb fein Gingen nicht in ber Theorie aufgeht. 3S3ie feine miffenfdjaftlidjeit gor* fdjutigen burdjauS getragen finb oon einem freien ©lief in bie 9Jleufd;heit8*3ntereffen unb einem marinen ©inn für biefelben, fo fud;t unb ringt er hinmieberum aud; immer unb überall feine Sßiffenfdjaft mit betn Seben 30 oermitteln. 9iid;t genug, baß @r. in amt* lieber (Eigenfdjaft als ©djulaitffeher bitrd; Drganifationen unb ülnorbnungen jeglicher 2lrt förberlid) auf baS ©olfSfd)ulmefen in Dberfranfen ein.^umirfeu fudjte,—■ er, beffen äußere (Erfdjeiititng burdj bie SDtifdjung beS (ErnfteS unb beS UBohlmoHenS ben er* greifenten (Einbrud eines mal)ren ÜBeifen madjte, nahm fid; oielmehr als eifriger ©olfS* freintb unb Sehrerfreunb in ber freieften unb h'ogebenbften ©Seife ber Epebung ber ©oll'S* juftänbe, ber ©Übung Per Selber, ber (Eittmidlitng ber ©oll'Sfdjitle nad; jeber 33egieh«ug an. 2 )armu ruhte auch, als eine unfreimidige DuieScirung feiner angeftrengten Sh^tig* feit ein 3' e l 3 U feiert fd;ien, ber ©eift beS mahrhaft eblen EDianiteS nicht, er fudjte fid) in feiner Umgebung, ja in feinem Epaufe felbft ©djnlen 31 t fdjaffen, bie in feinem ©eifte mirften unb feine Sbeen oermirflidjten, mobei il;nt madere EDiäuner mie Submig unb Eßolanb 311 c ©eite ftauben. ©0 burfte ber ehrmiirbige ©reis, mitten unter freucigent Arbeiten für ©ermirflidjuug feiner Sbeen, baS aud; burd; mannigfache ©erfolgungen, bie ihn als freifinnigen EDiann unb EXathelifen trafen, fich nidjt beirren ließ, unb im geift* reidjen Umgang mit anbern eblen ©eiftern, unter beiten befonberS 3- Sr. 9iid;ter her= Oorsuheben ift, ein hoh eg 3Uter erreichen unb marb nach furjern Stranffein auS einem noch frifdjen, mahrhaft jugenblidjen ©ßirfen in bie höhere Drbnung ber ®inge oerfefct, mo ber EDienfdj „ 3 ur ooKfommenften Slnfdjauung beS mähren ©eins ber 3)iuge ober beS ©öttlidjeu" berufen ift. Siteratur ber ©rafer’fdjeit pabag. ©driften: Hieben ben oben fdjon genannten — Prüfung beS fath- praftifdjen HieligionS* lXuterrid)tS, 1800; Prüfung ber UnterridjtS* 44 (Srafer. ©regor I. metljobe ber prafttfdjen Religion Oon bem ©tanbpunct bcr ßwecfmäßigfeit aud betradjtet, 1831; bad 33erljältnid ber ©rafer’fdjen Unterridjtdmetljobe jutn pofitioen Deligioitd» ltnterridjt 1832, ber erfte Äinbedunterridjt in ber Religion, 1828; Slrdjio für Sßolf^= grjie^ung burd) firdje unb (Staat, ©aljburg 1804. 6 fpefie; bat)erifdj=fränfifdjer ©djut» merf'itr 1805. 1806; SSeobadjtungen unb 93orfdjläge über Gtrjieljung itnb ©djulett 2 33be. 1804; erfter Äiubedunterritfjt, erfte ÄinbeSqual, eine Äritif ber bisher üblidjen Sefeleljr» metljoben, 23atjreutlj 1819. ©ad ©djulmeiftertljum mit ber (Slementarfdjule fürd Scben im Kampfe, eine ©treitfdjrift gegen ©tepljani, SBatjreutb) 1820; ber burd) ©efüljl unb ©on* fpradje ber Dtenfdjljeit wiebergegebene ©aubftumme, 1829, 1834; bie |)auptgefid)tdpuncte bei ber ©erbefferung bed 33olfdfdjulwefend, 1823; bad 3ubentljum unb bie Deformation, 1828; bad USerljältnid bed (Stementarunterridjtd jur bßolitif, 1835. 1837. — (Sine ©ar- fteltung ber @r. Srjiefjungd* unb Unterridjtdgrunbfäfce f. aüg. ©djufjeititng 1837, 9Dai= unb 3uniljeft. ogl. 2lpr.=fpeft 1838; in fpergangd pab. Deal = (Snctjflopäbie I, 812; — fobann oon bem Unterjeidjueteu in äkrbiubung mit einer Äritif berfetben in ben ^Blättern aud ©itbbeutfdjlanb. Stuttgart, Äötjler 1838 tpeft 3 unb fpeft 4. — (Sin Seridjt über bie ©rafer’fdjen ©djttlen f. Ärßger, pab. Deifen. 33b. II. ©ifcnlolft. ©rcgor I. (ber ©roße), gcb. ;u Dom 540, geftorben ald romifdjer SSifdjof am 12. ÜDärj 604, ift an biefera Orte bloß barum nidjt 51 t übergeben, weil bie mittelatter» lidje ©rabition iljn jitnt ©djufjfjeiligen ber ©deuten erhoben unb barum bad Ipauptfeft ber ©djttle (©regoriudfeft, f. b. Irt. ©d)utfefte) an feinen Damen gefnüpft unb an feinem ©obedtage gefeiert fjat. ©aß er ftdj irgenb ein 33erbienft um bad djrifflidje ©djulwefen erworben fjätte, ift nidjt erWeidbar; man Ijat im ©egentljeil allen ©ritnb 51 t ber Sinnaljme, baß er aller weltlidjen SEBiffenfdjaft gram mar (fagte man iljtn bodj nadj, er Ijabe eine 33ib!iotl)ef in Dem — wie Ijernadj Omar bie in Slley.anbrien — Oer® brennen laffen, bamit bad 3lnfel)en ber 33ibet fidj erljolje; ©eringfdjäfcung ber gram» matifdjen Degeln unb ber claffifdjen Literatur fpridjt er offen aud, ogl. bad unten an= jufüfjrenbe 355er! öon Sau, ©. 11 ). ©0 ift er ju bcr Sfjre bed ©djufcpatronatd nur mit bemfelben Ded)te gefontmen, wie bie Ijeilige (Säcilia bie fßatronin ber SDttfif ge= worben ift, obgleid) oon iljren mufifalifdjen Seiftuugen bie ©efdjidjte ebenfalls fdjWeigt. ©er Slnfjaltdpunct für bie Söilbnng jener ©rabition war eine immerhin oerwanbte ©tif= htng ©regord, nämlid) bie einer ©cingerfcfjule in Dom, in Weldje er, wie aud bem Damen Orphanotrophium fjerüorgeljt, ÜBaiftnfnaben aitfnaljm. (Sr botirte biefe Stnftalt reidjlidj unb foü ben ©djülern in eigner Werfen ©efangunterridjt gegeben Ijaben. 3 U biefen Sluftrengungen beWog iljn fein (Sifer, ber djriftlidjen Äirc^e unb ifjrem ©otted® bien ft einen iljr eigenffjümlidjen unb i£>rer würbigen ©efang 51 t oerfdjaffeu unb für tm= mer 31 t bewahren. (©. b. Strt. ©efang.) ®a man nod) Ijeute bie oon iljm gefdjaffene 2lrt bed ©efanged nad) feinem Damen benennt, fo Ijaben wir Ijier nur nod) furj an» jugeben, Wad biefer gregorianifdje ©efang ift. (Sd fonnnt babei ganj barauf an, ob man ü)n im tlnterfdjiebe oon ber il)nt »orange^enben fogenannten ambrofianifdjen @e= fangcdWeife ober im Uuterfdfiebe Oon ber mobernen Diufi! d)ara!terifireit Will. SDeift fielet man ed ald fein llnterfdjeibenbed an, baß er nidjt jwei ^auptgefc^Iec^ter oon ©on= arten auf ft eilt, beren 3?er^altniffe fid) immer gleichmäßig wieberljoten, auf welker ©on® ftufe man ald auf ber ©onica anfangen mag, baß ed alfo bet ©regor fein dur unb moll giebt, fonbern baß ber Unterfdjieb ber ©onarten baburd) bewirft wirb, baß bie beiben öalbtöne, bie Wir in ber Cdurleiter Ijaben, e-f, h-c, itnoeranbert in allen ©on= arten ftetjen bleiben, alfo Wenn bie Seiter in d beginnt, nun nidjt, wie in nuferem mober» nen Dur, bad f auf fls unb bad c auf cis erfjöljt Wirb, bamit wieber ber erfte §alb® ton nadj 2 ©anjtönen, ber jweite nadj 3 ©anjtönen folge, fonbern e-f, h-c gerabe fo in ber Dleiter fteljen bleiben, wie fie in ber Cleiter ftanben; ebenfo bie Eieiter nidjt etwa Ijeißt: e -fls gis a etc., fonbern e f g a etc. SJtan fann fidj am (Stabier ben beutlidjften 33egriff oon btefett ©onarten madjen, wenn man alle ©onleitcrn oon c-c bid a-a fpielt, aber feine obere ©afte, fonbern immer nur, oljne Slndlaffung einer ein= ©reger I. 45 gigen, bie unteren Saften anfdjlägt. Saran toar nun aud), teer eine SJtclobie erfanb, gebunben; gieng biefelbe g. 33. bon d als ©rnnbton aitS, tear fie alfo borifd), fo burfte in ber ÜJielobie nidjt, leie in unferm d dur fls uttb cis, fonbern ftatt beffen f unb c, aud; nid)t teie in unferm d moll b, fonbern li oorfommen. Sie SDtelobiebilbung, unb infolge beffen fpäter, als man mehrftitninig fc(3te, and) bie harmonifdje Unterlage, mar I;ieburd) in engere ©djranfen eingefdjloffen; bie baburd) bedingten eon unfrer tnobernen fDittfif abmeidjenbeit fOtobulatiouen geben jenen Sonarten einen eigentümlichen tüitft» lerifdjett Stjaraftcr. Siefe Sonarten nennt mau bie Stirdjentonarten, fie führen (fibri= genS ot;ne ^iftorifdje SBegriinbung, benn eS find nid)t biefetben, bie bie alten ©riechen fo nannten) bie Statuen jonifd), borifd), phrpgifd), lt)bifd), mipolt)bifd) unb aotifd), teogu nod), inbetn fie um eine Duarte tiefer eerfe^t toerben, tie hhpojontfdje, hhpoborifdje u. f. to. tommen. 2(ud) haben fie 311111 Sl)eit nod) leeitere Gsigentljümlidjteiten, 3. 33. bie phrpgifdje eine eigentt)iimlid)e ©djtujjart. (3ln8füljrlid)e 33elet)rung darüber f. in <5iId)er8 |)ar= monielehre, 2. 3iufl. ©. 129 ff., in ÄraufjolbS fpanbbttd) §um Äird)en= unb Sl)orat= gefang ©. 27. unb in ben SBerten über gregorianifdjen ©efattg oott SDtaSton 1839, Sanffen 1846, Dberljoffer 1852, SBollerSheim 1858.) ©iebt man nun biefe Sonarten als baS ben gregorianifdten ©efang Unterfdjeibeube an, fo trifft bieS gu, meint man ihn mit ber gefanimten moberneit SDiufif oergteidjt, nid)t aber, wenn mau ihn beut ambrofianifdjen unb beut fpätern mittelalterlichen 3SotfÖgefaug unb Gü)or= gefang gegenüberfteßt. Senn in biefent find bie alten S'irdjeutonavten feftgehalten, mie aud; nod) in nieten erft ber prettftantifdjen Äirdje angct)örigen Stjorälcn, ohne baß ba= rum bie 33olfSgefänge (©eichet feift bu 3efu SI)rift ic. Dritten mir im Sehen fiub ic.) ober bie goroteftantifdjen SDJelobieen (33ater unfer im ^immetreid) ic. 2ld) ©ott bottt §immel fiel) barein ic.) gregorianifd) mären; ebenfo fiitben fid) jene Sonarten in den ©ahen öon fßaleftrina unb andern ÜJfeiftern, ot)ite bajj biefe gregorianifd) genannt loerben dürften. (Sbenjomciug uuterfdjeiben biefe Sonarten ben gregorianifdjen ©efang oont ambrofianifdjen. Senn baß ©regor bie öon 2lmbrofiuS gebrauchten 4fog. autl)eittifd)en Sonarten (bie borifdje, gotjrtjgifdje, Itjbifdje unb miyoltjbifdje, d, e, f, g) mit ben 4 übrigen, fog. plagalifdjett oermehrte, überhaupt baS griedjifdje ©t)ftem bloßer Setradjorbe 311 beut oiet midjtigereit ber Dctaoen erloeiterte unb baburd) aud) die ungtaubtid) fdjmerfäßige gried)ifd)e Safe! der 33egeic£)uung ber Siine befeitigte, ift 3loar ein bedeutender gortfdjritt gemefen, aber fein neues fßrindp, baS dem ©efang ber Sirdje einen beftimmten andern Stjarafter gegeben hätte. Siefer tag oietmet)r in folgendem. StntbrofiuS hatte, mie toir gmar nicht mit Siotenbeifpielen bemeifeit tonnen, aber aitS ©riinben, bie l;ier nicht gu entmidelu find, annet)inen müflen, in feine ©cfättge etmaS OoltStljünilidjeS und tttelo= bifdjeS aufgenommen, fo bajj, maS nachher erft bie eoangelifdje Sirdje mirttid) burd)= geführt ljat, nämtidj ben Stjorat der ©emciitbe als geifttid)eS 33otfStieb gu beljanbetn, in ber 3bee beö 3tmbrofiu§ gelegen haben muß. Siefe 33oItStl)ümtid)feit in 9il)t)thuutS unb 93ietobie fdjeint in ber uädjften fjotgegeit auSgeartet 31t fein, baljer benn ©regor, feinem Ijterardgid) = möud;ifd)en ©eifte gemäß, eine fJiabicatreform in ber 9iid)tmig unternahm, baff er gerade jenen rt)l)tl)inifdjen unb melobifdjen 9ieig auS allem Äirdjeu» gefange oerbanute, um ü)iit durch e ' ne 0cu'iffe SDfouotouie 1111b bitrdj baS mehr bent ©pred)cu als bent ©ingen ähnliche ffJfalmobiren, loaS fid) oI)nel)iit fdjoit 001t älterer Seit her, motjl fogar auS beit ©pnagogen herüber erhalten hatte, eine tpeiligfeit und geierlidjfeit gu geben, die beit fdjärfften ©egenfafj gu aller meltlidien ÜDhtjif bilden feilte. Sie ridjtigfte 33orftellung baoon bildet man fid), meint man ben ©efang eines latljo» lifdjett ©eiftlidjen aut Slltare, bei ber üDtcffe, bergleidjt mit irgend einem ebaitgelifdjett ßljoral, ocer and) mit dem figurirten 6I)orgcfaitg in ber römifdjeit ftirdie felbft. Ser gregorianifdje ©efang hat gmar and) feine 9ioteu, (fie fiitb oieredtg unb haben nur 4 Sitiien auf einem ©tjfteitt); fie unterfdjeiben fid) and) ttad) ihrem 3öertlj, (ihrer Sauer), aber fie find teineSmegS genau inatheiuatifdj abgegrängt unb berechnet, bie longa ift g. 33. nicht nothmenbig baS doppelte ber bi-cvis, biefe nidjt genau baS Soppelte ber 46 ©rejjor I. ©ricdjentanb. semibrevis, mie unfcre ©anje, jpalbe unb Viertel genau abgemeffen finb, fonbern ber ©änger »erfährt, wie in einem Sftecitatio, mit einiger Freiheit; eg befielen aucf) feine Safte, bie eine beftimmte geitbauer Ratten, bereu 9?oten barum jufammengeredjnet im« mer bie gleidje Summe augmadjen müßten. Dft geljt ber ©efang fange auf einem Sone fort unb enbigt erft in einer jyleyion ber ©timme; oft aber ift eine lebhaftere Vetoe« gung burd) bie ©cafa ober bie 3'nteroafte oorljanben, aber e§ ift audj bann nidjt eigentlid) eine -Klelobie, ein bag £)tj 1 ' feffelnbeg, fidj if?m burd) feinen ^ffeij einprägenbeg Sonbilbr eg finb — fönnte man fagen — bloß Slrabeglen; oft mödjte man glauben, biefe Son« reifen feien gar nidjt Oon fdjaffeitber mufifalifdjer ^3^antafie gebietet, fonbern eg habe einer ohne irgenb eine beftimmte mufilatifdje 3 bee Söne 3 ufammeugefud)t. ©eljr oiefe gregoriauifdje ©efänge aber aug ben oerfdjiebenften Saljrhunberten (benn mag ©regor fefbft gefegt, ift nidjt ju ermitteln) finb mirflidj fd)ön; fie finb bem latljolifdjen 0 fitug fo oerioanbt, baß, meint man fie anftimmt, mir ung augenblidlidj oor einen fpodj« altar oerfegt glauben. 2 lug bem ©efagten begreift fidj aber and), baß ber edjt gregorianifdje ©efang eine meljrftimmige Bearbeitung nidjt mol)l oerträgt; biefer legt iljnt fcgleidj rhtjthmifdje geffetu an, burd) bie oon feinem (Eigentljümlidjen mehr ober meniger oerloreu geht. Vloß eine bem ©änger mit Seidjtigfeit folgcnbe, fdjtoadje Drgel« begfeitung eignet fid) für ihn, baljer bie fatfjolifdjen Srganiften für biefe nidjt leidjte Slnfgabe eine tüdjtige mufifalifdje Vilbung bebürfen; fie müßen ingbefonbere bieÄirdjen* tonarten grünblid) oerfteheu, um jebe nad) ihrer flieget harntonifdj begleiten ju fönnen. Sie fetjr bebeutenbe Shätigfeit ©regorg alg Äirdjenfürft, feine (Erfolge in ber Hebung beg fßapftthumS, feine EDiiffionen, feine liturgifdjen unb haftoralen Slrbeiten— bag atleg berüljrt ung hier nidjt; eg ift Ijtefür außer ben allgemeineren firdjengefdjidjtlidjen SBerlen auf bie SRonographie oon Sau 3 U oermeifen: ©regor ber ©roße nadj feinemSeben unb feiner Sehre, Seidig, 1845. «Palmer, ©rcgorinitcr, f. |ji erontjmianer. ©rcgoriuöfcft, f. ©djulfefte. ©rtcdjeitlfUtö. Sa im Sliadjfolgenben ein möglidjft lurj gefaßter Umriß ber @e= fdjidjte unb beg gegenmärtigen 3aftanbeg beg @rjiehungg= unb Unterridjtgme« feng im Jungen Äonigreidje ©riedjenlanb gegeben merben foö, fo bleibt Im' aUe 8 ferne, mag bag ©djitltoefen im clafftfdjen SHtertljume, ober jur geit beg btjsantinifdjen Raiferreidjg, ober enblidj mährenb ber oierhunbertjährigen ßmingljerrfdjaft ber Sür« Jen anbelangt. ÜRur menige SBorte über ben 3"ftanb beg ijffentlidjen Unterridjtg in ber legten traurigen (Spodje ©riecfjenlanbg bürften h^ 5 ur Einleitung in bie ©egen« mart unb 31 a- SBürbigung ber feit ber politifdjen Unabljängigfeit beg grtedjiJdjen Volleg im ©djulmefen gemachten gortfdjritte Oorauggefdjidt merben. Eg ift allgemein belannt, baß ber lange Ärieg, ben bie ©uttanc mit iljren milben türlifdjen gerben gegen bag bijjantinifdje Siaiferreidj führten, ein ffrieg nidjt allein gegen bie djriftlidje tpeeregmadjt, fonbern überhaupt gegen djriftlidje Vilbung unb djriftlidjeg Seben, ein Vernidjtungglrieg mar. Sie ßeoftBrunggmutl) ber barbarifdjen (Eroberer richtete fidj gegen alles, mag ihrem rohen ©eifte fremb mar, ober ihren Unterjodjunggplä« nen im ÜBege 3 U fteljen fdjien. Unter bem ©djutte ber gerftörten ©täbte mürbe bie grie« djifdjc Vilbung begraben unb in ben Vlutftrömen ber hi n 8 e fd^lad>teten Vemoljuer mürbe bie 3 loar matt leudjtenbe, aberbodj nodj immer brennenbe fjradel ber griedjifdjen Söiffen« fdjaft anSgelöfdjt. Sie menigen ©eiehrten, bie bem ©djmerte ber Varbaren entgiengen, flohen ing 2lug(anb, ober oerbargen fidj in ber (Einfamfeit ber Älöfter, um fidj ber Verfolgung ber milben (Eroberer unb ber iljnen ftetg broljeuben Sebenggefahr 3 U entstehen. 3n ber Ueberjeugung, baß bag untermorfene griedjifdje Voll fich ' n f e ' n ©djidfal um fo gebul« biger ergeben mürbe, je ununterridjteter unb folglidj unfähiger eg märe, bie ©djmad) feiner Snedjtung 3 U fütjlen, machten eg fidj bie barbarifdjen (Eroberer jur fftegierungg* mayime, jeben höheren Unterridjt bei bemfelben 3 U oerhinbern, ja jebe h^h ere gexftige Regung in U;m 3 U erftiden. Sarum mürbe bie Errichtung unb Erhaltung ^öljerer ©dju« ©ricdjenlanb. 47 len, too bie gried)ifche Sugenb in ber Spradje ihrer Sorfahren, in ber ©efd)id)te, SKa» t^ematif unb Philofoßhm unterrichtet Serben feilte, nod) ftrenger »erboten, als ber Sau ber Sirenen, moju man mittelft Sejal^ung Ijo^er ©elbfummen bie Erlaubnis erhalten fonnte. Slber aud) außerbem mürbe baS gried)ifd)e Soll »on feinen ßmingherrn fo ftar! barniebergefyalten unb fo furd)tbar gequält, baß bie beftänbige Sorge für bie 3 lbmel)rung ber ihm täglid) brotjenben mannigfaltigen ©efafjren unb für bie Srtoerbung ber notl)= bürftigften SDIittel 31t feinem Lebensunterhalt feinen h^eren ©ebanfen bei ihm auf» fommen ließ. Schulen unb anbere SilbuugSmitfel mußten alfo ganj bernad)Iäßigt mer= ben, unb baS griedjifdje Soll mußte in immer tiefere Unmiffenheit ftnfen. Erft in fpa» terer 3eit un b namentlich im 18 . 3al)rhunbert fiengen bie dürfen an, fid) gegen iljre d)riftlid)en Unterthanen meniger argmöhnifd) ju geigen, inbern fie glaubten, ihre fperr» fdjaft über biefelben märe nunmehr burd) fo lange ©emol)nI)eit unerfdjütterlid) befeftigt. $>ie Sage ber Ehriften »erbefferte fid) ein menig. ®urd) ihre Serül)rung mit ben an= bern d)riftlid)en Söllern Europa’S, mit meld)en fie je^t häufiger 51t »erleiden begannen, erm eiterte fid) aümühlid) ber @efid)tSlreiS ihrer Äenntniffe, iljreSegierbe nad) Selchrung mürbe ftärfer angeregt unb bie Sefriebigung berfelben burd) bie Srmerbung ber bajit nötigen ©elbmittel erleichtert. ES öermcl)rteu fid) bemnad) in ben oon ©riechen be= roohnten ißrobinjen bie früher fo fparlidjen SottSfd)ulen, eS entftanben nad) unb nad) in einigen Stabten aud) h^h ere ©d)ulen, in melden bie altgried)ifd)e Sprad)e un» bie ©efchichte, t)k unb ba aber aud) Elemente ber Philofophie, ber ffthetorif, ber Slfathe» matif unb ber Phhftf gelehrt mürben. S)ic befannteften unb frud)tbarften unter biefeit Sd)uten mären folgenbe: 1 auf ber 3 nfel PatntoS, 1 auf EI)io8, 1 in Ät)benien, 1 in Smt)rna, 1 in ßagora, unb eine gmeite in SJfelia auf bem Serge Pelion in £heffnlittt; 2 in Sanina in EpiruS, 1 auf bem Serge 91 tl)o 8 , 2 im Peloponnes (bie eine in ©emifeana, bie anbere in St)tina), 1 in Äurutfdjefdjme am SoSporoS unb 2 in ben ®onaufür= ftentl)ümern, (bie eine in Sudjareft, bie anbere itt Saffty,) mo biefelben »on ben pl)anarietifd)en dürften gegrünbet unb unterhalten jitm Unterrid)te ber auS allen tiir= fifd)en Srooinjeu bahin auSmanbernben @ried)eit unb 3itr Serbreituug gried)ifd)er Spradje unb Silbung unter ben höheren Eiaffen ber Siolbomaladjen felbft erfprießlidje SMenfte leifteten. liefen Sd)ulen, bie meiftentheils burd) Stiftungen oaterlanbSliebenber SDZänner, ober burd) freimittige Seiträge gegrünbet unb unterhalten mürben, ftanben oft öortr'eff» liehe, in Stalien, granlreid) ober S)eutfd)lanb gebilbete ©eiehrte öor, meld)e gegen einen geringen, 511 ihren SebenSbebürfniffen fautn h> lu ‘eid)enben ©eljalt faft ben ganjen £ag eifrig befd)äftigt maren, bie Sd)nljugenb in oerfdjiebenen ff-äd)ern 31t unterrid)ten. Unb obmol)! biefe Schulen in mancher Sejiehung fel)r mangelhaft loaren, fo hüben fie bod) baju gebient, ben ©eift ber gried)ifd)en Sugenb 31t erhellen unb ihr ^>erg für baS SEBahre, ©ute unb Schöne empfänglich 311 machen. 3 n biefen Sdculeit bereiteten fid) allmählich bie SDZänner bor, metd)e ihre SanbSleute ermuntern unb begeistern unb 3m- politifd)en grei» heit führen foKten. 2 BaS erftenS baS SelfSfd)ulmefen in jener Epod)e betrifft, fo befanb eS fich in fd)Ied)= tem 3 uftanbe. 9 Zur in Stabten unb gierten unb in menigen ftarl bemohnten £)rtfd)af= ten beftanben EIementarfd)ulen, in metdjen eine Heine Stngahl Äittber burd) einen Solls» fdjullehrer, gemöl)nlid) burd) ben 'Pfarrer beS DrteS, im Sefen, feiten aud) im Sdjreiben theils nad) ber inbiöibuellen, tl)eils nach ber fimultanen Sehrmethobeunterrichtet mürbe. Äaum ber fnmberifte £h e ^ ber mänulidjen Seoölferung beS SanbeS, meldjeS jefet baS gried)ifd)e Königreich auSmad)t, lernte lefen unb fdjreiben. ®ie meiblidje Se* toölferung aber blieb ohne allen Unterricht, fo baß eine beS SefenS unb Sd)reiben8 aud) nur nothbürftig lunbige ©riechin, mit SluSnaljme ber großen Stabte, für eine große Seltenheit galt. Srft einige 3 al)re »er ber gried)ifd)en Sdiilberhebung mürbe eine all» mähliche Serbefferung beS SollSfchuImefenS burd) ©eorgioS ÄleobuloS, einen gelehrten ©riedjen aus Ph'f'ßßoßoIiS, metcher SDZathematil unb 9 caturmiffenfd)aften in ®eutfd)Ianb unb granlreid) ftubirt h“tte, eingeleitet. ®a biefer PZann fiulpflid)tig, unb bie (Eltern ober Pfleger finb bei ©träfe ungehalten, bie ©otfgjdjute burd) iljre Kinber ober ipflegefinber regelmäßig befudjen 31 t taffen, außer Wenn fie fid) auSmeifen, baß fie bafür forgeit, baß ihre Kinber ober -pflegefiuter auf anbere ©Seife bie uötl)igeu ©d)ulfenntniffe fid) erwerben. Siefe ©eftiuuuung fonnte freitidj bisher leiben nidjt ftreng beobadjtet Werben, befouber« fann fie ba nid)t in Slnwenbung fonuuen, wo eine ©emeiube Wegen ber 31 t biinnen, über eine weite 8 anbe«ftrecfe verbreiteten ©enölferuug au« mehreren, weit non einanber ©riedjenlanb. 49 liegenben Dörfern befielt, ©ie öffentlichen SSotföfc^uten finb afle nad) ber SJietpobe beS medjfelfeitigen Unterrichtes eingerichtet. 3ebe ©emeinbe fott menigftenS eine foldje Sdjule haben, bie Bon i£jr auS bem (Ertrage beS ©emeinbeBermögenS, ober auS inbirecten unb birecten ©emeiubeumlagen unterhalten ioirb. 2Bo bie ©emeinbemittel pr Unterhaltung ber Solfsfdjule ermeiSüdj nidjt hinreichen foBten, ba fomrnt bie Regierung ber ©enteinbe fubfi= biarifd) p fpülfe. (ES giebt übrigens audj mehrere ©olfsfdjulen, bie aus StiftungSfonbS ober auS ben GEinfünften befümmter Äirdjen ober Klöfter unterhalten merben. ©ie 2lnppl ber Kinber, bie in eine SSolfSfdjule aufgenommen merben, richtet fid) nad) ber ©imen= fion beS ©ebäubeS. ©ie geräumigfte Schule faßt 500 Schüler. Söo alfo bie fdjut= pflichtigen Kinber biefe 3 a hl überfteigen, ba muff für bie (Srridjtung noch cmberer Sdjulen geforgt merben, meldje ebenfaBS auS ©emeinbemitteln unb nur auSnaljrnSmeife burdj Sßeihüife ber Regierung gegrünbet unb unterhalten merben. (ES ift nidjt gef erlich beftimmt, fonbern nur Born SKinifterium als Siegel angenommen, baff nebft bem fjaupt* leerer audj ein ober jmei Unterlehrer in jenen 33olfSfdjuIen unterridjten foBen, mo bie Sdjülerjapl baS SJiapimum Bon 150 ober baS Bon 250 überfteigt. ©iefe Siegel mirb aber bisher auS SKangel an ben erforberlidjen ©elbmitteln in ben menigften SßolfSfdjuten in Slntnenbung gebracht. Siur bie KretS= unb 33ejirfSfdjulen paben aBe neben bem £>auptleprer aud) einen Unterlehrer. 2lud) ißriBatperfonen, über bereit Sittlichleit unb Söefäpigung p einem foldjen Unternehmen feilt gmeifel obmaltet, fönnen unter 2lutori= fation beS pftänbigen StaatSminifteriumS auf eigene Sfedjnung eine (Elementarfdjule errichten, in meldjer aber ber Unterricht nur Bon gehörig geprüften SeljramtScanbibaten ertheilt merben barf. 2Iudj foldje Schulen ftehen unter ber Sluffidjt ber oerfdjiebenen Sdjulinfpectionen ttnb ber Dberauffidjt ber Siegierung. Slujjer ben genannten regeh mäßigen tßolfsfdjulen, bie nad) ber ÜBletpobe beS medjfelfeitigen Unterrichtes eingerichtet finb, epiftiren auch nod) manche unregelmäßige, b. i. foldje 33olfSfdjulen, in benen Seprer nach i3er älteren inbioibuellen £eljrmethobe unterrichten. Soldje unre= gelmäßige ober Stßinfelfdjulen merben aber nur in jenen ©orfern gebulbet, mo eine regelmäßige Schule in gehöriger Sfälje nidjt eyiftirt unb megen BJfangelS an SKitteln nidjt fo halb gegrünbet merben fann. Sie merben einzig unb aflein burdj Sdjutgelber unterhalten. £ur (Eröffnung ober Unterhaltung einer foldjen Sdjnle ift bie (Erlaubnis beS pftänbigen SftiitifteriumS nöthig. Sefonbere Sftäbdjenfdjnlen epiftiren nur in ben Stabten. 3n ben ©Brfern merben bie SBolfSfdjuleu Bon ben Kinbern beiber ©efcfjledjter befudjt. ©a faft fammtlidje 23emopner beS Königreiches mit SluSnapme ber 3nfeln StjroS, ©euoS, SfapoS unb ©pera, beren Semopner tpeilmeife ber fatljolifdjen (Sonfeffion ange= hören, fid) pr orientalifdjen Kirdje befennen, fo bat ber Staat für confeffionede 23olfS= fdjulen nidjt p forgen. ©ie gemifdjten SSetnopner ber genannten Snfeln fdjicfen ihre Kinber ohne aden Siadjtpeil in eine unb biefelbe ©emeinbefdjule. 3nbeffen hat bie fatpo= Ufdje ©eiftlidjfeit bort einige confeffioneBe Sdjulen gegrünbet, meldje auS Eßrioatinitteln unterhalten merben. ©ie SJolfSfdjulen jeber ©emeinbe fiepen unmittelbar unter berSlufftdjt einer Schuh commiffton, meldje Socalfdjuliitfpection ober auf griedjifdj (Epporie peißt, unb auS bem SBürgermeifter als -ßräfibenteu, aus einem Born Sfontardjen unter ben DrtS= geiftlidjen p bejeidjnenben ©eiftlidjen unb auS 2—4 Bon bem ©emeinberatlje p ernen= nenben ©emeiiibebürgern beftept. 2öo bie ©emeinbebürger oerfdjiebenen (Eonfeffionen angeljören, mirb ein ©eiftlidjer Bon jeber (Eonfeffion beigepgen. ©iefer (Epporie, beren SJtitglieber auf ein 3aljr ernannt merben, aber audj mieber gemäplt merben fönnen, liegt im afigemeinen bie 33eauffidjtiguitg, gförberwtg unb Leitung beS SocalfdjulmefenS ob, inSbefonbere aber bie Sorge für ben 23au ober bie fperfteüung unb Unterhaltung ber Sdjitlhäitfer, für bie 3Infdjaffung ber Sdjulgerätpfcpaften unb Sdjulbebürfniffe, für ben regelmäßigen Sdjulbefudj, bie Slufredjtpaltung ber ScpulbiScipIin, bie Uebermadjung 4J3ät>ag. ffinojftopälsie. III. 4 50 ©riedjeitlanb. ber SlmtSfütjrung ber ©djutteljrer, bie 33erWaltung beS örtlichen ©djuIftiftungSoermogenS,. enbtid) bie 33ejeid;nung ber Oom ©djutgetbe ju befreienben armen Familien, ©ie (Spljorie bifitirt toenigftenS einmal beS SRonatS bie S?ocatfdjuten, unb erftattet an ben äuftänbigen. (Spardjen (SJejirfScommiffär) ober IRomardjen (©eneralcommiffär) SSeridjt über bie war» genommenen ©ebredjen, über bie etwaigen SSebürfniffe ober bie notljwenbigen SSerbeffe= rungen ber üocatfdjulen, wie über bie Btonomifdjen ißerljättniffe berfetben. SRad) bent SolfSfdjuIgefetse oom 6/18. gebruar 1833 foHte über ber Socatfdjitlinfpection eine SBejirfS» fcfjulinfpection nnb nod) über biefer eine RreiSfcfjuIinfpection hefteten, Oon benen bie erftere auS bem Gcpard)en als ißräfifcenten, auS bem griebenSridjter am ©ifse ber (Spardjie, auS einem oom SRomardjen jn bejeidjnenben ©eifttidjen unb einem Selber ber IjeHenifdjen ©d)ute unb auS 2—4 oon bem SSejirlSrallje §n ernennenben SBejirf^bürgern; bie ledere aber oom -Romardjen fetbft, als ißräfibenten, aus bem SBejirfSgeridjtSprafi» benten itnb ©taatSprocurator am ©ifse ber -Rontardjie, ferner auS einem bort ange= (teilten unb Oom HRinifterium beS Jtirdjen» unb ©djutWefenS ernannten ©eifttiefen unb einem ©tjmnafiat» ober UnioerfitätS=$rofeffor unb auS 2—4 oon bem ÄreiSrattje 3 U ernennenben SreiSbürgern jufammen gefegt wirb. ®ie erftere foHte baS 2SotfSfd)ul= Wefen im Sejirfe, bie ^Weite baS im ganzen Greife beauffidjtigen unb leiten, ©iefe jmei Ijoljeren (Spljorien finb aber biStjer nic^t 31 t ©tanbe gefommen. 3n bereu (Srmangtung, finb bie Sparten unb IRomardjen mit ber leeren 93eauffid)tigung ber ©d)uten iljreS SBejirleS unb SreifeS oom SRinifterium beauftragt nnb mit ben baju nötigen Snftruc» tionen oerfetyen worben. SRadj biefen foH ber (Spardie alte 6 SOfonate, ber SRomardj aber febeS Saljr eine SnfpectionSreife madjen, um oon bem ßuftanbe ber ©djuten, Oon ber 21mtSfüfyrung ber Steljrer unb ber Socatinfpectionen unb überhaupt Oon ben ©cf)ul= oertjattniffen Kenntnis 31 t nehmen, lieber ben23efunb wirb üon bemfelben an baS 2Ri= nifterium beS firdjen» unb ©djnlWefenS 53eridjt erftattet. SßaS befonberS bie l!el)rfät)igteit unb bie ied)nifdje StmtSfiitjrung ber 23ottSfd)utIet)rer betrifft, fo werben bie SBolfSfdjuten ber oerfd)iebenen ©enteinben, auS weiten ein 33egirf beftefyt, Oom SBejirfSfdjuIIeljrer (bem tpauptfd)utlefyrer ber 5BolfSfd)itIe am ©ifse beS (Spar» d;en), bie SSolfSfdjulen beS SSe^irfeS aber, bem bie tpauptftabt ber SRomardjie angefört, fowie jene ber §auptftäbte ber oerfdjiebenen S3e§irfe, auS melden bie ganse 5Romard)ie befteljt, oom ÄreiSfdjuIIeljrer (bem (paupttefrer ber S3olfSfdE)itle am ©i( 5 e beS SRomardjen) beauffid)tiget. ©aritm oifitiren bie S 3 e 3 irlSfd)utteljrer unb bie SreiSfdjulteljrer alte 6 Söionate bie unter il;re 2lufftd)t geftettten ©ollsfdjuten nnb berieten über baS (SrgebniS itjrer SSifitation an ben ©irector beS ©djuüeljrerfeminariumS in Stttjen. (Sben biefem ift bie oberfte 2Utffid)t über fämmttidie SSoIfSfdjuten 3 ugewiefen, er ift aud) bem StRini* fterium beS Äircben» unb ©djutmefeuS atS Dberfdjulbeljorbe für baS SBotfSfdjutwefen beigegeben unb feitet baSfetbe unmittelbar unter bem SRinifter fetbft. 33on ßeit 31 t ßeit oifitirt er aud) bie SolfSfdjnlen beS ÄönigreidjS, um fid) bitrd) eigene SBarnetjmung oon bem ßuftanbe berfetben 3 n überzeugen, lieber bie SSefugniffe ber oerfdjiebenen ©dmtinfpectionen oerweifen wir auf baS bereits erWäljnte @efe (3 oom 6/18. gebr. 1833. 2BaS bie (SinWirtitng ber lirdjlid)en 23et)örben auf bie ©olfsfdjulen anbetangt, fo befc^ränft fid) biefelbe barauf, baß fie ben 9?etigionSunterrid)t beauffidjtigen unb bie religiöfen ©djutbüdjer, Weld)e eingefütjrt Werben fetten, 3 U genehmigen tjaben. 3m 3. 1830 beftanben im gried)ifdjen Äonigreidje nur 71 SBolfSfdjulen mit 6721 ©djütern unb ©djüterinnen. ©eit ber 3eit Ijat bie Stngaffl ber SSotfSfdiuten nnb ber in benfelben lernenben 3ugenb fo jugenommen, ba§ bie ©tatiftif ber 33otfSf djuten im 3atjre 1858 nad) bem officieücn SSeridjt beS betreffenben HRinifteriumS folgenbe 3afjlen lierauSftettte: ©tiedjenlanb. 51 Regelmäßige öffentliche 33ell8fd)ulen für Äitaben unfc SRäbdjen . 360. bergleicßen für 9Diäbd)en allem . 52. Regelmäßige fßribatfdjulen für Änaben unb 9)fäbd)en .... 30. bergteidjen für äfläbdien allein . 12. 4547 Unregelmäßige (fimultane) Ißrioatfdjulen für beibe @efcf)led)ter . 300. 7547 ©ie regelmäßigen ©emeinbefdjulen »erben befud)t üon Änaben 30,520. „ SRäbdjen 4,753. ©ie regelmäßigen fßrioatfdjulen oon Änaben . ,. 4,580. „ Riäbdjen. 1,743. ©ie unregelmäßigen non Änaben itnb Sftäbdjen ungefähr . . 10,000. ©limine 51,596. ©a bie gange 33eoölferung beS Slönigreid)S fid) beinahe auf 1,050,000 ©eelen be= läuft, fo betragen bie bie S3olfdfd)ulen befitd)enben Sinber mehr als V 20 ber Seoelferung. SRan füßlt bereits baS SJcbiirfniS »on §ortbilbitng8= ober ©onntag8fd)ulen: es fitib aber leiber nodj leine fo!d;e errietet »erben. 3>n ben regelmäßigen ©emeinbefdjulen lehrten im 3aljre 1858 Lehrer 454, Leljre= rinnen 79. 3n ben regelmäßigen fßribatfdjulen Lehrer unb Lehrerinnen 42. 3 U «Öen biefen lontmen nod) bie 300 Lehrer unb Lehrerinnen ber unregelmäßigen S3olf8fdjuIen htngu, fo baß baS in ben SBclfSfdjulen leljrenbe Ißerfonal fid) auf 875 beläuft. ©ie Sefolbttng beS ißerfonalS ber öffentlichen S3olfSfd)ulen erforberte im Safjre 1858 eine tluSgabe bon 440,631 ©radjmen (1 ©. = 257 2 Sreujer), öon benen 324,829 au$ beut Ginlommen ber ©emeinben felbft, bie übrigen 115,802 ©radjmen aber non ber Regierung getragen »ttrben. Ss nerfteßt fid), baß bie Sludgaben für bie Unterhaltung ber regelmäßigen ober unregelmäßigen fßriöatfdjulen in ber oben angegebenen ©umme nid)t einbegriffen fiub. ©ie regelmäßigen SSolfdfdtulen fiub nad) ber Einleitung gurn »ed)felfeitigen Unterridjte, ( ’Ey X eiQiSiov rj oSrjyo s t yg ullrjlodiöaxzixrjs fie&oäov 1*8. y. 1850.) einem nott 3. JlofeniS, ehemaligem ©irector beS ©djitllehrerfeminariumS, I)auf>tfäd)Iid) nad) ©arafin bearbeiteten 33udje eingerid)tet. ©ie h^ben g»ei Slbtbeiluugen, eine niebere beS »edjfelfeitigen unb eine I)öl)ere beS ft)nbibaltifd)en ober fimultanen UnterridjtS. ©ie elftere begreift 8 (Haffen in fid), »eldje bie ©djüler.burdjfdjnittlich in 1—2 Jahren burdjmadjen, bie festere in 2 ober (in ben ©tabtfd)ulen) 3, beren jebe einjährig ift. ©ie Klaffen »erben nad) ber ©tufe ber Äenntniffe gebilbet. ©ie in ben Solfsfdjulen gu lehrenben ©egenftänbe fiub in ber oben erwähnten Einleitung gutn »edjfelfeitigen Unterridjt ange* geben. Sille ©djiiler »erben im Lefen, ©djreiben, Redjtten, in ben SlnfangSgrünbeu ber neugried)ifd)eit ©rammatif unb in ber Religionslehre unterrichtet, ©er ReligionS= unterricht »irb in ber Regel non bem Leljrer felbft ertheilt. 3n feltenen gälten aber, »o bie ©djiiler gemifdjt fiub, haben bie (Sltern ber einer anbern Religion als jener beS Lel)rerS angehörenben SOHnbergaljl ber Äinber für beren Religionsunterricht gu forgen. ©er Unterricht in ber höheren (ft)nbibaftifd)en) ©d)nlabtl)eilung ift fo eingerichtet, baß bie ©d)üler and) einige Äenntuiffe in ber ©eograßhtc, ber biblifd)ert unb ber baterlän» bifdjen @efd)idjfe, ber Raturgcfd)id)te unb ber altgried)ifd)en ©rammatif, »eldje einen großen (Sinfluß auf bie täglidje gortbilbung ber neugrielangel an ©(putleprern werben oft bie ©ipulcanbibaten attd) fogleid) ald ©cpulteprer angefteüt, bod) immer mit ber erwähnten Verpflid)tung. ®ie Äreid» unb Vejirfdfdjuttchrer wer» ben nur aud ber 1., bie ©djullebjrer ber ©emeinbett erfter Klaffe nur aud ber 1. unb 2. Klaffe ber ©djulcanbibaten genommen, bie 3. Klaffe berfelben beredjtigt nur jur 2ln= fteüung in ben ©emeinben 2. unb 3. Klaffe. ßur ^Beförderung bon einer niebern in eine Rohere (Etaffe ift eine neue ißrüfung erforderlich- Obwohl jährlich 40—60 ©d)utcanbi= baten bad Kpamen beftepen unb bad ®iptom erhalten, fo ift bod) immer nod) 2J£anget an ©djitllehrern, Weit bad ©d)ullehrerfeminar aud) bie cpriftlidfe Veoölfentng ber tiirlifcpen ißrooinjen mit ©(pulleprern, ebenfo wie bie Unioerfität biefelbett mit peüenifd)en £eprern unb ißrofefforen berfiept. ®ie Slnftettung ber ©cpulleprer in ben ©emeiucefdjulen ge» fcpiept bom äftinifterium bed Ä. unb ©d)ttlwefend auf Vorfcptag ber ©emeiube. SBegen Unfteißed ober 9?ad)Iäßigfeit, fd)lecpten ^Betragend ober Unfittlicpfeit Werben gegen bie ©djulleprer folgende ®idcipliuarftrafen berpangt: 1. Vermeid, 2. ©elbbuße bid ju 20 ®radjmen, 3. ©ufpettfion bon 8 ®agen bid ju 6 SJfonaten mit ober opne ©epaltdentäiepung. ®a btdper bie bom ©efepe borgefcpriebenen ßreid» ober SBejirfd» fdjulinfpectionen nid)t eingefept worben ftnb, fo werben bie ®idciplinarftrafen, mitÜlud» napme bed Vermeifed, auf ülnjeige ber anderen ©cpulinfpectionen bom juftänbigen älii» nifterium felbft berpäugt. S'fur in bringenden gälten fann ber Dlontard) ober Kpard), ober aud) bie Socalfdjulinfpection ben ©chulleprer hon feinen 2lmtdberrid)tungen fnfpeit» biren; febod) unter der Verpftid)tung, fogleicp darüber an bad 2)?inifterium ju berid)ten. 3n fcfjwereren gälten berfiigt bad 3J£inifterium bie Knttaffung aud bem ®ienfte, aud) Wo foldje nid)t bon 9fed)tdwegen nach dem ©trafgefepe eintritt. ®ad ÜDiinimum bed monatlichen ©epalted ift: 1. für ben Äreidfdjulfeprer 100 ®rad)men, 2. für ben SBegirldfchulbeprer 90 ®rad)men, 3. für ben ©chulleprer 2. Klaffe unb für bie ünterleprer ber Sreid» unb Vejirfdf(pulen 80 ®rad)men, 4. für bie ©cpul» 54 ©riedjentanb. leerer 3. Staffe 50 SDradjmen. Ser @et>alt ber $rei§= unb 33e$irf8fdjulleprer Wirb aKe 5 3apre um 10 Sradjmeit erpopt, opne aber Je baS SDfajcimum bon 140 Sracp= men jit überftcigen. Stußer bem ©epalte fabelt bie Scpulleprer aller Staffen freie 3Bop= nmtg für ipre -perfoit unb ergeben aus ber ©enteinbefaffe atS moitattidjeS Scputgetb 22 Sepia (100 8. = 1 Sradjme) für jebeS ©cpulfinb. Sa§ bejaplte Sd)utgetb wirb bon bent ©emeinberatp auf bie Eltern fo bertpeitt, baff bie Firmen gattj frei bleiben, bie bemittelten 93ürger aber ttacp SDiaßgabe iprer birecten Steuern 10—50 £epta nionatticp ju entrichten paben. 3 ur Unterftüpuug alter ober franfticper Scputleprer, unb ber 3S5ittwen unb Sßaifen ber berftorbenen ift bor einigen Sauren eine ©pariaffe errietet Worben, in Welcpe 2 /ioo be8 ©epatteS unb einige Heine Scputgebüpreit fließen. 23efonbere Stementarmabepenfcpulen finb Sieger nur in beit Stabten errichtet Wor= beit. SBaS bereits bon ben SBoIfSfcpulett gefagt Worben ift, baS gilt and) bon ben 9Mb= d)enfd)ttlen, foweit eS anwenbbar ift. SS berftept fid), baß ben äftabcpenfcpuleit ©djul* leprerinnen borgefept Werben, baß ber Unterricpt in benfetben attd) weibliche Slrbeiteit mitbegreift, unb baß bie SiSciplinftrafen bem jartereit ©efiipte ber üDlabdjeit angepaßt Werben. 3ur 33i(buitg ber Scpulleprerinnen bienen bie pöpereit SDläbcpenfcputeit (f. unten), befonberS eine bor 22 Sapreit boit ber ppilopabeutifcpen ©efeKfcpaft in Slipen erridjtete, mit Wetdjer and) eilte SOtufterfd)ute jur Hebung für bie fünftigen Scpulleprerinnen ber= bunben ift. S3on ber Sinricptung biefer Sd)ute werben Wir fpäter fprecpeit. Sie Scpulleprerinnen Werben bon berfetbeit Soramiffion epaminirt, wetdje bie Sd)ut= leprer prüft. Dbgteid) baS SolKfcputwefeit in ©riedjentanb feit ber ^Befreiung beSfelbeit große gortfdjritte gemaept hat, fo läßt eS bed; nod) biet ju Wfinfcpeu übrig. SBeber bie Sltt= gapl ber ©enteiubefcpulen, nod) bie ber borfcpriftmäßig gebitbeten ScpulauttScanbibateit reicht für ben 3'becE piit, barum beftepen nod) biete SBinfetfdjuten. SSiete Sinber, befonberd in ©euteinben, Wetd)e auS ntepreren, Weit bon einanber liegenbett Heilten Sorfern be= ftepen, bleiben opite allen Unterricht. Slitbere bertaffen bieScpute ju früp. Sa» ©efep über beit Sdjittbefud) Samt uid)t überall ftreng burcpgefüprt werben. Sa§ 33ebürfni8 bon Sonntags = Staffen unb g'ortbitbungS = Sd)uten wirb täglich mepr gefüplt; and) bie 23ilbung ber Sdjutteprer ift oft mangelpaft unb bie 33eaufficptigung ber Sdpulen Wirb nod) nicht mit ber gepörigen Siegelmäßigfeit unb Sorgfalt gefüprt. II. SDfittelfcpulwefen. SaS äftittetfeputwefen begreift bie peHenifcpen Scputett unb bie ©pmitafiett in fid). SBäprenb beS greipeitSfantpfeS, in welcpent @ried)en(anb in S°lg e ber 36tftöruugSWutp ber fehtblidjeit tpeere mepr unb mepr beröbete, tonnten faunt 10 peHenifcpe Scpulen, bon beiten bie meiften auf ben Snfelit beftanben, ein füut= nterlidjed Sehen friften. Unter ber Stegierung beS tßrafibenten Äapobiftria würbe im 3apre 1829 auf Slegina eine Slrt ©pmnafutm unter bem Stauten Sentratfd)ute er= richtet unb unter bie Seitung beS pod)berbienten ©enitabioS geftettt. lieber 500 junge Seute, bon beiten manche ben Sampf mitgemaept patten, ftrömteit bon alten Seiten in Slegina jufammeit, getrieben bon ber Segierbe nad) pöperer Sitbung. 93atb barauf würben aud) meprere peKenifcpe Scpulen gegrünbet, 15 int ipeloponneS mit ungefapr 800, 18 auf benSnfetit mit ungefapr 1100, phigegen nur 2 auf bem nod) grüßtentpeitS bon feinbtiepen Struppen befolgten grieep. geftlanb mit ungefapr 100 Scptttern. Slußerbent würben meprere peKenifcpe ißrioatfdjuteu eröffnet, in wetcpeit biete junge Seute llnterricpt crpielten. Slber eilte tebpaftere SntWidtung beS Scpulwefenä überpaupt, wie beS Sötittel» fcpulwefenS inSbefonbere, begann erft nad) Sonftituirung ber fönigtidjen Sfegierung. Surcp eine am 31. ®ec. 1837 ertaffeue t. 33crorbnuitg Würben bie peHenifcpen Sdjuten unb ©pntnafieit geregelt. 23eibe Scputarten Warben auf StaatSfoften errieptet unb utt= terpalten, mit SluSnapme einiger auS StiftungSfonbS ober and bent Sinfommeit benad)= harter StBfter unterpaltenen unb einiger Sltuntnate ober ißribatfcpulen. Sd)utgetb Wirb Weber in ben peHenifcpen Scpulen nod) in ben ©pntnafieit bejaptt. Sie SKittetfcputen, ©riedjcntanb. 55 in fofern fie bom Staate fetbfl unterhalten toerben, haben feinen confefftottelfen Sf;arafter, felbft anf jenen hier 3nfeln nid;t, beren 33etoof;ner fid; jum Sljeit jur fatholifdjen fiirdje befennen. Demnach befugen alle ©riedjen biefelbeit heHenifdjen Spulen unb biefelben @l;mnafien unb genießen benfelben Unterbiet mit 2lttSnaf;me beS 9Migion8unterrid;tS, melier beit Schülern bon religionSbertoanbten Servern ertl;eilt toirb. Die ^eßenifdjeit Sd;ulen entfpredjen ben in Deutfdjlanb fogenannten lateinifdjen unb jugleid) ben j)ü!;e= ven 23ürgerfd;ulen, inbem fie ben 3 'oecf ^ben, nid;t nur für baS @t;nntafium boräu» bereiten, fonbern auch jenen jungen Leuten, bie fidj ju einem bürgerlidjen ©etoerbe be= ftimmen, bie baju erforberlidje Ijii^ere intetteciueHe 23ilbung ju bieten. 3eber ber 48 SSejirfe beS &önigreid;e 8 muß toenigftenS eine heKenijd;e Scf;ule haben. 3n einigen tSejirfen hefteten aber mehrere. Die boßftanbigen hetten'fdjen Sdjulen haben 3 Staffen, bereu jebe einjährig ift, unb 3 2el;rer. @8 giebt aber aud) an mel;= reren Orten uuboHftänbige ^eHenift^e Schulen, beren Sd;üler, nad;bem fie bie borl;au= benen Staffen burdigemad;t haben, in eine bodftänsige übergehen. 3ebe bollftänbige l;etlenifd;e Sd;ule toirb beit bem Sd;oIard;en geleitet, toeld;er aud) ber Sehrer ber oberften Slaffe ber Sd;nle ift. Sieben ihm fielet bie Sehrerconferenj, toeldje monatlich einmal, nötigenfalls aber aud; öfters, jur 33eratl;ung jufammen fommt. S 8 entfdjeibet babei bie Stimmenmehrheit, unbefdjabet beS 9Jed;te8 beS Sd;otard;en, ben SMjitg beS 33efd;luffeS too er e 8 uötl;ig eradjtet aufjufchieben, um bie Sache ber Sntfdjeibung beä juftänbigen SDiinifteriumS anheimjuftcHen. 3ene ^eHentfd>en Sdjulen aber, bie mit einem ®t;mnafünn oerbunbeit finb, toerben bom ®t;mnafiard;en felbft ge= leitet. 2Bo eine l;eKenifd)e Sdjute epiftirt, toirb aud; eine Spljorie ober Sdjulcommiffion «ingcfcfct, beftehenb an 8 bem Spardjen, ober außerhalb beS SijjeS ber Spardjie bem 33iir= germeifter als fßräfibentcn, einem gebitbeten ©eiftlidjen, einem Beamten beS Ortes, unb jtoei bom ©emeinberathe .ju toaljlcnben ©emeinbebürgern. Diefe Spljorie beratt;et über alles, toaö bie Srl;altuug unb S3erbefferung ber Schulen betrifft, fteljt bem Sdjolardjen jnr 2lnfred;thaltung ber Orbnuug in bemfelben bei, toad;t über ben fittlidjen 3uftanb ber Sd;ule unb barüber, baß bie Sehrer il;re i)3flid;t erfüllen, baß bie ben Unterricht, bie üehrbüdjer, bie 93acanjen, bie Feiertage betreffenbeu ©efejse unb tßerorbnungen bod= jogen toerben, entfdjeibet bie borfommeuben Streitigfeiten ber Seljrer über Orbnung nnb ©egenftänbe beS Unterrichtes, fo roie bie ÜSefdjwerbeu ber Seljrer nnb Sltern ber Sdjitler gegen einanber, forgt für baS Sdjulgeböube unb bie @inrid;tuug beSfelben, für bie Slnfdjaffung ber nötl;igen 33ücf;er, bie 33ibliotl;ef unb anbere Sehrmittel, inbem fie ba 8 Srforberlidje gehörigen Orts borfdjlagt, tool;nt ben SSifitationen ber Schule nnb ben fßrüfungen bei unb erftattet barüber toie überhaupt über ben 3uftanb ber Schule burd; ben Spardjen 23erid;t an baS SDiinifterium be§ Ä. unb SdjultoefenS. 2BaS befonberS bie Slmtsfiiljrung ber Sefjrer unb ben Unterridjt betrifft, fo ftehen bie hellenifdjen Sdntlen jebcn ÄreifeS unter ber Sluffidjt be 8 @t;mnafiard;en beS nädj= ften ©tjmnafiumS, toeldjer fie jaljrlid; einmal bifitirt unb über ben SSefitnb an baS ju» ftanbige SKinifterium berichtet. Die Spljorie unb ber ©t;mnafiard; als 3nfpector finb bie fpecictlen Organe ber Siegierung jur Seitung ber l;dlenifd;eu Schuten; außerbem aber bienen als fold;e ber Spard; ober Sfomardj, toeld;e fie ebenfalls beauffidjtigen unb bifitiren unb bon il;rent ßuftanbe bem SJiinifterium 9?ad;rid;t geben. Die ©tjmnafien haben ben 3*°^/ jungen Leuten, toetdje bie hedenifdje Sdjule ab= folbirt l;ubeu, eine nod; höhere SluSbilbuug gn oerfdjaffen, bcfonberS aber biejenigen, bie fid; 31 t einem gelehrten fjadje beftimmen, für bie Uniberfität borjubereiten. 3eber ber 10 Greife beS ffiönigreid ;8 foßte ein ®t;mnafium am Sijse ber Sfomar» d;ie haben. Slber toegen ber fleinen Slngahl ber einen höheren Unterricht berlangeuben Schitier blieben bisher 4 Streife ol;ne ®t;ntnafium. hingegen finb inSltheu, too außer ben Sd;ütern beS ffreifeS biele junge ©riechen bon ben turfifd;cn fßrobinjen jn ihrer 3luSbilbung herbeifommen, jtoei ©pmnafien errichtet toorben. 2 lußer ben genannten, ioe!d;e auf Soften 56 ©ticdjcnlanb. beö «Staates errietet unb unterhalten' werben, tarnt jebe Stabt, bie eine Ijellenifdje Sd)ule befifct, ein @t)mnafium griinben, wenn, fie bie jur Unterhaltung beSfelben nötigen ©elb» mittel h«t- 2Iudj fßriüatyerfonen, weld)e bie erforberlid^en Kenntniffe unb (Eigenfdjafteit haben, tonnen mit (Erlaubnis beS juftänbigen 2)linifterium8 ein ben @t)tnnafien gbeic£>= fontmenbeS Stlunmat unter ber Verpflichtung eröffnen, nur foldje 8 el)rer ju uerwenbeu, bie öom ©tinifterium anerfaitnt finb, unb fid) ben ©efe^en uttb Verorbnmtgen ju fügen, bie ben Unterridjt unb bie £eljrbüd)er in ben ©tjntnafien, fo wie bie Veauffidjtigung berfetben betreffen. Sie unmittelbare Leitung beS ©tjmnafiumS fleht beitt nmaftarcf?en ju, weither fid) aber mit bem neben ihm ftehenben SehrercoHegium über bie SJtethobe oeS Unter» rid)ts, bie Drbnung ber Sel)rgegenftänbe, bie ju gebraudjenben 8 ehrbüdjer, bie 51 t öer= faffenben -Programme unb über alles beratet, WaS bie innere Drbnitng beS @t)iuna= fiumS unb bie SiSciptin ber Sd)ü!er betrifft. Sem genannten Kollegium gegenüber hat ber ©pmuafiard) baSfetbe fltedjt, WeldjeS ber Sd)oIardj gegenüber bem 8 el)rercouöent hat. SWBthigenfallS labet er aud) bie (Spfwrie jur 9JiitberatI)ung ein. Sie (Sf>l;oite be= fleht aitS bem 9?omard)en als fßräfibenten, auS bem Semardjen, auS einem am Si(jc ber 9?omard)ie wohnenben höheren ©eiftlidjen unb aus 2 »ott bem @emeinberatl)e ge» wählten Stabtbiirgern. Siefe (Eptwrie hat mit ber früher befprodjenen Sphorie ber h e ^ en ^ fd)en Schulen gteidje Pflichten unb Vefuguiffe, unb fallt mit biefer in ben KreiS=fpaupt= ftabten jufamtuen. Stuffer ber 2Iuffid)t, welche bie genannte (Ephorie über baS ©hinnafiunt führt, werben aud) fßrofefforen ber phiIofofjl)ifd)en ffacultat öon 3 eü ju 3 e 't öomföti» nifterium jur Vifitirung halb biefeS, halb jenes @t)mnafiumS beorbert, weldje alsbantt über ben Krfunb an baS äftinifteriuut berid)ten. 9tad) einem officieUett Veridjte beS SDUnifteriumS belief fid) bie 3 a ht fämmtlidjer auf Staatstoften unterhaltenen notlftanbigen unb unooßftänbigen ^eUenifdhen Sdjulen im Safere 1858 auf 79, weld)e öon 5342 Schülern befud)t würben. Sa 8 f'el)rperfonal beftanb aitS 142 Seljrern unb 13 @el)ülfen; unb ber Staat öerauSgabte jur Unterhaltung berfetben jährlich 257,511 Sradjmen. 9Jtan gählt bis jept 7 @t)iunafien, non benen 2 in 3ltl)en, 1 in 9?auplia, 1 in fßatra, 1 in Tripolis, 1 in Santia unb 1 in Spra ift. Seht aber wirb ein ad)teS unooHftänbigeS ©pmnafium im SJiefoIongt errichtet. Sn ben oben aufgejählten 7 @t)tnnafien lehrten im 3al)re 1858 50 fßrofefforen unb erhielten Unterricht 1124 Sd)iiler. Sie jährlichen SluSgabcn beS Staates jur Unterhaltung ber 7 @t)tnnafien beliefen fid) auf 199,755 Sradjmeu. 3u ben erwähnten, auf Staatstoften unterhaltenen I)eßenifd)eu Schulen unb @t)tn= nafien fonunen 4 üllumnate (3 in Sltljen unb 1 in St)ra) unb 9 heßenijd)e iPrioat» fd)itlen, in weld)en 50 fßerfoneit lehrten unb 718 Sdjiiler Unterricht erhielten. Sie Sdjitler ber befagten fO'iittelfdjnleu jufamnten genommen, ergiebt fid) bie Summe öon 7184. Vergleidjt man biefe 3al)t mit ber ber VoltSfdjulen, fo tommt beinahe auf 7 VolfSfdjüler ein Sftittelfdjiiler. SiefeS Verhältnis ift jebocf) nicht ganj ridjtig, fofern manche Sdjüler ber ©pntnafien unb mand)e Sllumnen oom 31uSlanbe fommen, währenb fämmtlidje VoIfSfd)üIer bem Königreid) angehören. 97od) ift ju bemerten, baß ber Sanbftrid) SRaina auf bem ißelopottneS, bann 3lna= tolien, 2Ifarnanien unb (Euböa im Verhältnis ju ben aitbern Sl)eilen beS Königreiches fet)r Wenige Schüler in bie 2)iittelfd)ulen fd)iden. Um in eine heEtenifd)e Schule aufgenommen 31 t werben, muff man ein üom Schul» tehrer unb ber fßrüfungScommiffion unterjeichneteS 3 elt 3 tt ^ öorlegen, bafj man bie VolfSfdjule abfolöirt hat. §ienad) ift baS ÜKormalalter beS (Eintritts in bie Ijellenifdie Schule baS 10. 8 ebenSjal)r. Sie üoüftänbige ^cEtcnifche Sd)ule hat 3 (Eiaffen, beren jebe einjährig ift. ©ewöljnlid) fleht jeber Seljrer einer beftimmten Klaffe ber öotlftän* bigen Schule uor. 2ßo aber ber Seljrerconbent eS jweefmäßig finbet, führen bie Sehrcr ihre Schüler burd) mehrere Klaffen. Um in ein @t)mnafium aufgenommen 3 U werben, muß man in einer öon ben ©ricdjcntanb. 57 ©hmnafiatbrofefforen »orgenommetten Prüfung barttjun, baß man bie oorfd)rifttnäßigen in ber fyeHenifcfyen ©c^ule bargebotenen Äenntniffe erworben hat, baß man alfo bte in ber atiifdjen fßrofa gemöhnttdjen gönnen unb bie ©runbregeln ber griedfifdjett @rant= matif fennt, baß man bie leidere attgriedjifdje fßrofa ziemlich berftetjt, ein aus berfet* ben bictirteS ©tücf ridjtig ober wenigften« ohne einen attffadenben ort^ogra^^ifdien geiler fdjreiben fann, bie regelmäßigen geraten ber lateinifdten ©raminatif unb bie in ber hcdettifdjen ©djule Borgetragene Slritbmetif, @eograpI;ie unb ©efchidjte weiß. Sin oodftänbigeS ©tynmajutm h“t oier einjährige Staffen. 3n ben ©hmnafien wirb ber Unterricht in ber tateinifdjen ©pradte unb ber SDtathematit, oft aud) in ber ©efcfjidtte, beftimmten gadjtehrem übertragen, bereit jeher ade Staffen itt feinem gad;e unterrichtet. 2Ba« aber bie übrigen Sefwgegenftänbe betrifft, fo fteht ben fßrofefforen fetbft bie Sntfdjeibung jn, ob fie nur itt beftimmten Staffen, was gemöljntid) gefd)ief»t, Iet)ren, ober ihre ©d)üler bttrd) mehrere Staffen beg ©tjntnafiitmS führen tooden, unter ber 33ebingung ber 3uftimntung bed f]3rofefforen=Sodegiumg. ®ie in ben hcdettifdjen ©chuten unb ben ©hmnafien jn tehrenben ©egenftänbe, fowie bie einem jeben berfeiben Wödjenttidj jugetheilten ©tunben, fittb in ber SSerorbnttng üont 31. üDecetttber 1837 oor= gefdjrieben, Wetdie jebod; fpäter in ber fßrayiä einige StRobificationen erlitten hat. 9?a= menttid) ift bie 9?atitrgefd|id)te unb bie Slnthroftologie au§ ben h e ö en 'f^) eu ©chuten, wie bie Shemie aus ben ©hmnafien auSgefdjtoffen. 2ßir geben eine tabedarifche Ueber= ficht ber Sehrgegenftänbe mit ben für einen jeben berfeiben beftimmten wochenttidjen ©titnben: ^cllcmfdjc Schule. I. «Hälfe. II. «Haffe. III. «Haffe. SReligionStebve n. Bibtifche ©efcbicfite, toijchentt. 2 ©tunb. 2 ©tunb. 2 ©tunb. ©rtedjifche ©brache unb ©rammatit „ 12 „ 12 „ 12 „ Satetnifche ©brache uttb ©rammatit „ 0 „ o „ 3 „ ©eograbhte. ,, 3 tt 2 „ 9 " tt ©efchichte. ,, 3 „ 3 „ 3 „ üJiatbematit (Strithmetit tt. nachher ©eometrie). ,, 3 „ 3 „ 3 „ granjbfifche ©brache tt. ©rammatit „ 4 „ 4 „ 4 „ Äattigraohte.. ,, 2 „ 9 tt 2 „ dtynutaftunt. SReligioitOtebre ..... toijchentt. ©riethifdje ©bradje n. ©rammatit ,, Sateinifche ©brache tt. ©rammatit ,, ©eograbhte ...... ,, Sttatbematil. ,, ©efchichte. ,, ?hbftt. „ gran$l}ftfcbe ©bradje ... ,, cptiitofobbifcbe ißrobäbeutit . ,, I. «Haffe. II. «Haffe. III. «Haffe. IV. «Hälfe. 2 ©tunb. 2 ©tunb. 2 ©tmtb. 2 ©tunb. 9 „ 9 ff 9 „ 9 „ 5 „ 5 tt 5 5 „ 3 „ 3 ,, 0 „ 0 „ 3 „ 3 ,, 3 „ 3 „ 3 „ 3 ,, 3 „ 3 „ 2 „ 2 2 „ 2 „ 3 „ 3 ,f 3 3 „ 0 1 0 ff 2 9 " tt Stußer ben oben angegebenen Seljrgegenftänben wirb itt einigen ©hmnafien audj in ber englifchen unb bentfdjen ©brache Unterricht ertheitt, ber aber nicfjt obtigatorifdj ift. Sind) bie tateinifdje ©brad)e ift in ber hedenifdjen ©dftute, Wo fie erft in ber britten 58 ©ricdjenlanb. ©laffe beginnt, für jene ©djüler nidjt obligatorifdj, toeldje fidj nidjt für bad ©Ijmita* fiunt oorbereiten, fonbern fidj jn einem ©etoerbe ober junt Banbel beftimnten. gür biefe leßtern ift audj im ©tjmnafium 311 ©tjra bad Satein nidjt obligatorifdj nnb bie ©inridjtung getroffen, baff fie in ben juin Unterrichte in ber tateinifdjen ©pradje be= ftimntten ©tuitben in bemfelben ©tjmnafium 33 ortefungen über Tedjnologie, Banteld= geograpljie nnb jpanbeföred)t frören. Ter Unterridjt in ber 9 feligicn roirb in ber IjeHenifdjen ©djule oon einem Seljrer, im ©ijmnafium aber oon einem eigene angeftedten ©eiftlidjen in allen ©taffen erteilt. 3n ben feljr fettenen fallen, loo unter ben ©djiilern einige toenige nidjt ber griedjifdjen Sirdje angeljörenbe fid; finbeu, l;aben bie ©Iteru für iljren Unterricht in ber Religion 31t forgen. gür ben Äirdjenbefudj ber ©djüler überhaupt, fo toie für bie Erfüllung il;rer übrigen 9 ?eIigiondpflichten fotlen bie ©Item ober Pfleger felbft ©orge tragen. Tie ©d)itle trägt baju nur mit ihrem täglichen 9 fatlj bei. Ter Unterricht toirb immer mit einem furgen ©ebet oon ben in ber griedjifdjen Sirdje üblichen eröffnet unb gefd)loffen. 3 um griedjifdjen unb lateiiüfdjen Unterridjt in ben l)ellenifd)en ©djulen bienen be= ftimmte ©Ijreftomatljien. 3n ben ©ijtnnafien aber finb nur im allgemeinen bie ©djriften ber griedjifdjen unb römifdjen Slaffifer bejeid)net, roeldje jum ©yponiren bienen fotlen. gür alle in ben obigen Tabellen angegebenen Seljrgegenftänbe befteljen je(3t ©djul= büdjer nnb roerben allmählich beffere audgcarbeitet, toeldje 00m SJMnifterium in ben ©d)itlen unb ©tjmnafieit eingefi'tl;rt loerben, nadjbent fie oon einer 31er fßrüfmtg ter= felbcit ernannten ©ommiffion für 3toecfmäßig erflärt toorbeit finb. 3um ©ontponiren im Slltgriedjifdjen roerben in ben ©tjmitafien 3ioei ©tunben roödjent= lidj üerroenbet, im tateinifdjen aber nur eine ©tunbe. 2ludj roirb ben ©djülern toödjent» lidj eine Bandaufgabe fotooljl im ©riedjifdjen ald im tateinifdjen gegeben. 3n ben griectjifdjen ©ompofitionen erftrebt man nidjt allein ©orrectljeit, fonbern aud) eine ge= roiffe ©legan3. Tie lateiuifdjen ©ompofitionen h)^ n 3 e 3 eit bienen Ij'" t ptfädjlidj jur Sin= Übung ber grammatifdjen 9 ?ege(u. Tie 2 $erfification toirb leiber oernadjläßigt. Ter fran3Öftfd)e tlnterrid;t roirb ebenfalld 31er 2 Intoenbitng ber 9 fegeln mit ©ompofitionen oerbunben. Tie bem ©tubiunt biefer ©pradje anberaumte 3 «t reicht 31er Uebuug im franjöfifdj ©predjen nicht Ijin. Ter mathematifdje Unterridjt begreift bie ©temente ber ©eontetrie, ber llgebra unb bie ebene Trigonometrie. Ter Unterricht in ber ißljhf^ 'ft beit mciften ©tjmnafieit, aud SDfanget an ben nötljigen Apparaten, feljr unootlfommcn, ittbem er fidj auf eine furje TarfteUung ber allgemeinen ©igenfdjaften ber fförper, auf bie einfadjften teljrfähe oont ©leidj= geroidjt unb ber 23 etoegung unb auf bie ©rflärung foldjer 9 ?aturpljänomene befdjränft, bie audj oljne Slpparate begriffen loerben fönuett. Tie erroäljnte Ißerorbitung fpridjt audj üott einer Tljeorie ber fchönen fünfte, bie aber feiten im 3"ft""i"enljaug oorgetragen roirb. ©eloöljnlidj loerben bie ©djiiler mit ben loefentlidjften 9 fegelit berfelbeji nur gelegentjeitlidj belannt gemadjt, namentlich in ber ©iuteitung 3m- ©rflärung eitted 9 febnerd oberTidjterd unb bei ber ©rflärung unb 2lnaltjfe berfelben. 3n ber ftaKigrapljie loerben bie ©djüler nur in ben hetlenifdjen ©djuten, nidjt in ben ©tjmnafien unterrichtet, ©efang aber, 3 e ’ < h nc " i'"b Turnen finb bidljer audgeblieben. 3n ber heKenifdjen ©djule ift bad ßlaffeuleljrerftjftem iibtidj, im ©tjmnafium ljin= gegen hewfdjt bad gadjleljrerftjftein fo üor, baß mit iudnaljme ber griedjifdjen ©pradje, öfterd audj ber ©eograpljie unb ©efdjichte, jeber ber übrigen Seljrgegenftänbe oon einem ^adjleljrer in allen Slaffen geleljrt roirb. ©d ift ben teljrern nidjt oerboten, außerhalb bed ©djullocaled ihren ©djülern f) 3 rt= Oatunterridjt 31t geben, roeldjer nadj ber befonbern Uebereinfttnft 3toifchen biefen ober iljren ©Itern ober Pflegern unb ben teljrern honorirt toirb. ©ricdjcnlanb. 59 ßtoar fett jebe Ijettenifdje ©d)ute unb jebe'S @t)mnafimn eine junt ©ebraudj ber Server, juiu S^eit aud) ber ©d)üler beftimmte 33ibliotl)el haben. ES ift aber bisher 31t biefem 3'»ecfe aus Mangel an ©elbmittetn feljr wenig gefd)eljen. Sine Socation ber ©datier finbet nur im ©d)ulbiarinm unb jwar auf folgcnbe Slrt ftatt: am Eitbe jebeS SDlonatS beftimmt jeber Seljrer nad) feinen täglichen ©emerfungen bie einem feben feiner ©d)üler gebiil)renbe Socation. 2tu3 biefeit Socationen ber einzelnen fjyacfjer, utul= tiplicirt mit beftimmten, bie oerfd)iebene ©eltiutg berfeiben filr baS ©djullcbeu oor= fteßenben 3a^(en, wirb bie totale monatliche Socation unb wieber auS ben monattidjeit bie jäl)rlid)e berechnet. 2113 SD^ittel gegen ©djuloerfaumniffe bienen Reibung an bie Eltern ober Pfleger unb ©erweis; 100 biefe SO?ittet oft angeWenbet uid)t3 helfen, toirb enblid) ber ©djüter gewarnt unb bann auSgefdjloffeit. Dbgleid) bie oont ©tinifterium erlaffeueit ©djuigefefje ratl)enb fid) über bie ganje Aufführung ber ©d)ü(er nid)t nur innerhalb, fonbern and) außerhalb ber ©djute erftreden, fo Wirb hoch bie ©Sorge für bie 3udjt berfeiben außerhalb ber ©d;ule ihren Eltern unb -Pflegern überlaffen. giolg» lieh '»«ben bie ©dji'iler nur für häuslichen Uufteiß unb für ©ergehen innerhalb ber Anftalt beftraft. ©iSciplinarftrafen finb ©erweis 001t ben einjelneit Sehrern ober ©ro= fefforen, Abfoitberung wal;renb ber Sehrftitnben, ©erweis üom ©d)olardjen ober ©t)in= najtardjen allein ober öor ber Sehrerconferenj, ©djularreft üoit 1 ©tunbe bis auf eine 28od)e, womit aud) beftimmte Arbeit unb .ftoftfdjmalerung üerbuitben werben lann, jeben» falls aber mit 3uftimmung beS ©djotardjen ober ®t)mnafiard)en, Au3fd)ließuug auS ber ©djule ober auS allen ©djulett, Wobei bie 3"f t i" im a"3 nicht nur ber Sel)rercouferens, fonbern and) ber Ephorie nöthig ift, ber ©ecurS aber an baS juftänbige ©linifterium frei» ftel)t. 33üd)Iein 3ur regelmäßigen ©littl)ei(ung ßoit Eenfuren feitenS ber ©djute an bie Eltern finb in Wenigen ©djulen üblid). ©ie auswärtigen ©d)üler müßen bent ©djol» ardjen ober ©tjmnafiax'd}en 001t einem gead)teten ©ürger als ©teßoertreter ihrer Ettern ober gi'crforger oorgeftellt Werben, welche für bie Unterbringung unb bie gute Auf» führung berfeiben außer ber ©d)ule, fo wie aud) für -bie Erfüllung ihrer religiofen ©flid)ten $u forgen haben. ©aS ©d)uljal)r fowol)l für bie heßenifdjen Schulen als für bie ©tymnafien be= ginnt am 3/15. ©eptember, unb jerfattt in jwei ©emefter. ©er Unterricht im erften ©e= mefter bauert bis 15/27. gebruar, wo bann eine ©riifuttg in ©egenwart ber Ephorie allein oorgenommen wirb; einige Sage nach biefer ©rüfung am 1/13. ©iärj beginnt baS jWeite ©emefter unb bauert bis ©litte 3uui, wo Bann bie jährliche öffentliche ©rüfung öor ber Ephorie, ben eiitgelabenen Eltern unb ©flegern, fowie bent baju jngelaffenen ©ublicunt gehalten wirb. ©ad) ber öffentlichen ©rüfung im Einfang 3uli beginnen bie ©ommerferien unb bauern bis 3/15. September. ©ie Abiturientenprüfung finbet nach ber jebeSntaligen ©eftimmung ber ©rofefforeit» conferenj entweber am ©djfuffe beS @d)uljal)reS ober am Anfänge beS folgenben ftatt. ©ie wirb toon ben ©t)mnafia(profefforen in ©egenwart ber Ephorie gehalten unb ift ntünblid) unb fd)riftlich. ©ie münbliche beftel)t in ber Erllärung unb grammatifdjen Analpfe fold)er ©tücfe auS einem fdjwereren altgried)ifd)en unb einem leichteren lateiui» fd)en ©rofaifer ober ©idjter, bie nidjt gelefen Worben, unb in ber 2luflöfung einiger mathematifdjen Aufgaben auS ben borgetrageiten ©l) e 'l en ber ©latbematil. ©ie fd)rift= lidje aber beftel)t in einer neugriedjifdjen Ueberfel|ung auS einem fd)Wererett altgried)ifd)en unb einem leichtern lateinifdjen ©djriftfteKer unb in einer lurjen altgried)ifd)en unb lateinifdjen Gotnpofition, non beneit bie erftere neben ber grantmatifdjen ©idjtigfeit auch einen guten ©til haben foß. 3m Iehrenben ©erfonal unterfdjeibet man ©rofefforen, Sel)rer unb ©el)ülfeu. ©er ©itel eines ©rofefforS wirb nur beujenigen gegeben, bie im ©t)mnafium eines bott ben oben bejeidjneten obligatorifd)en gadjern lel)ren, anSgenommeit ben mit beut ©eligionS» unterricht beauftragten ©eifttidjen. ©ie anbern, welchen eine Sehrftetle im ©hntnafium 60 ©riccfjcntanb. ober in ber fyellentfcfjen ©dritte befinitio übertragen ift, feigen Lel)rer. ©ehitlfen aber feigen jene, welche nod) nid)t befinitio angeftefit, fonbern jur Hebung nur prooifcrifd) mit bem Unterridjte eine« Sod)ed in ber t;eüenifdjen ©djute beauftragt Wor= ben finb. Gsd giebt ältere, oft tüchtige Selfrer unb ©hmnaftalprofefforen, bie auf feiner ltnioerfität ftubirt hoben. ©eitbem aber bie St. Verorbnung ocnt 18. Oft. 1850 er» taffen toorben, muß man, um als Lehrer in einer ljeflenifdfen ©djute angeftettt ju Wer» ben, nad) Slbfotoirung bed ©tjmnafittmd menigftend 3 Wei 3 ot)re lang bie pbitofopbifdjen nnb pljilctogifrfjen Vortefungen auf ber ltnioerfität befugt, fleißig an ben Hebungen im pfyitotogifdfen ©eminariunt bafetbft $t)eit genommen unb fobann in einer befonbcrd auf bie beiben ctaffifcfen ©pradjen unb Literaturen, auf @efd)id)te unb Slrdjäologie unb auf SDlathematif ficfj erftredenben Prüfung oor einer aud (ßrofefforen ber p^itofo^ifdben gacultät 3 ufammengefe^ten ©onttniffion feine fjät^igfeit. ju einer fotd)en Slnfteßung be= wiefen hoben. 3 ltr SlnfleHung atd ®t)muafiathrofeffor aber ift nad) ber ermähnten Ä. Verorbnuitg ber ©octorgrab ober bad Licen 3 iaten=©intern erforberlidj; ber er» ftere fann nad) oierjät)rigem, bad jtoeite nad) breijatjrigent ^b'lofof 3 l)ifd)en ober ^^ito- togifd)en ©tubium auf ber ltnioerfität bitrd) eine Prüfung ertangt toerben, Wetd)e int Hniocrfitätdgefelje oorgefdjriebett ift. 2 (ttßer biefer Prüfung ift bisher feine anbere Oerorbnet, feine praftifdje, feine fße» förberungdpritfung. ©er gegenwärtige ©langet an Lehrern unb Sßrofefforeit mad)t fotdje Prüfungen" nnjutägig; er fontmt befonberd batjer, baß oiete Oon ben jungen Leuten, bie it)re ©tubien auf ber Uuioerfität beenbigt hoben, oon ben d)riftlid)en ©emeinben in ben titrfifdiett ©täbten unter feljr oortbeitt)often SBebiitgungen eingetaben werben, bort Lel;r= ftetten ju übernehmen. 3n alten auf Stoften bed ©taated ober ber ©emeinben unterhaltenen h e ß cn 'fß? en ©djttlen unb ©hmnafien werben bie Lehrer unb ©rofefforeu bttrth Stöniglid)ed patent angeftettt unb hoben alle ©taatdbienereigenfdiaft. ©ie 3Bat)t ber Lehrer unb ißrofefforen ftel)t ber Regierung fetbft ju, mit Studnaljnte einiger burd) ©tiftungdfonbd gegriinbeten unb unterhaltenen Sehranftalten (wie 3 . iß. bie 3lt)ijarifd)e), bereu ©tifter fid) unb ben fünftigcn Verwaltern bad 9ied)t ber äöal;! ber Lehrer oorbeljalten hoben. 3n ^Betreff bed ©etjotted unterfc^eibet man in bett t)eHenifd)en ©djuten 3 ©taffen oon Lehrern; 100 , 130, 160 ©radjnt&t monattid). ©er ©djclardj t)at 200 ®rad)men ntonatlid). 3n beit @t)tunaficn befommt ber ©hmnafiardj monattid) 300, bie ißrofefforen 250 ®rad)nten. ©er angegebene @el)att ber oerfthiebenen Lehrer unb Sßrofefforen fann je» bod) nad) fünfjährigem ©ienfte um V 6 erhöht Werben. ®ie Let)rer unb ißrofefforett hoben biefetben 9ted)te auf Sßenfton unb üfudjeichnung, wie bie attbern ©taatdbiener, unb werben in benfetben Säßen wie jene ttub überbied nod) wegen ltnfitttidjfeit bed ©ienfted enttaffen. 3« bett ©littelfd)uten foßen and) bie geifttidjen ©eminariett geredinet Werben, beren bidher brei niebere unb ein höhered eyiftiren. ©ie nieberen, beren eind in jebem Streife errid)tet Werben foß, hoben ben 3' D ecf, ©orfgeifttidje 31 t bilben, alfo junge Leute, bie fid) 3 itm ißriefteramt berufen fühlen, mit ben einem ®orfgeiftlid)en notl)Wenbigften Äenntniffeu 3 U oerfehen. ©er Lehrcurfitd in benfetben nnterfdjeibet fid) oon bem ber heßenifdjen ©chuten nur baritt, baß 3 itm Unterrichte in ber gried)ifdjen ©pradje theitd ctaffifd)e ©djriften theitd ©djriften ber Stirdjenoäter bienen, baß ein größerer Stated)id= mud, eine furse teid)tfaßtid)e ©ogmatif unb Stirdjengefdjidite gelehrt Werben unb baß bie ©d)iiler unter ber Leitung eines ©eifttidjen fid) für ihr fituftiged 2lmt oorbereiten. ©ie ©d)iiter hoben 3Bot)nung unb Stoft im ©eminariunt fetbft unb werben theitd auf eigene Stoften theitd aud ^Beiträgen bed I)öh e ^ n Stterud unb ber Stlöfter unterhotten, ©ton 3 ät)(t bidher ungefähr 80 ©dritter in ben beftehenben niebern ©eminariett. ©ad höhere ©eminariunt (bie fogenannte Sihyarifdje ©djute) würbe Oor 16 3 al)rett aud bem ©tiftnngdfonb ber oerewigten beiben Vritber fßhisorid in Üttljen gegrünbet unb wirb ©ricdjcntanb. 61 auS bemfelben unterhalten. SS enthält 5 Staffen, bon beiten bie 4 nieberen ben 4 @i)uinafiatclaffen entbrechen mit bem emsigen Unterfdjiebe, baß aud) h ier nebft ben alten Slaffifern Äirdjenbäter gelefen mtb in ber 4. noch einige tl)eologifd)e Seljrgegem ftänbe borgetragen »erben. Sie 5. Stoffe ift rein gu einem furggefaßten Unterrichte itt bett toefentlichften tljeologifdjen gädiern beftiutmt. Sie ©eminariften, bie baS ©entina» rinnt abfolbirt haben, ftnb nad) Srreidjung beS fanouifdjen SebenSalterS gu alten &ir= chenämtern befähigt. 9Jtand)e bon benfetbcn aberfudjen auf ber Unioerfität eine »eitere hhitologifdje unb theotogifche SluSbilbttng. SJiait gahlt jefet ungefähr 40 ©eminariften, bon benett 20 aus bem ©tiftungSfonb ber ©djule felbft, bie übrigen aber tljeitS bon Ätöftern tljeilS auS eigenen SKitteln unterhalten »erben. SluS bent bisher ©efagten erfieht man bie getoiß nid)t unbebcutenben g-ortfdjritte, »eld)e baS 9Jcittetfd)ut»efen in einem 8 anb getnadjt hat, »eld)eS bor 26 3al)ren auS einem gehnjährigen 3eoftöruitgSfriege gattg beriuüftet heraustrat. SS beftehett aber nod) biete SDiättgel in ben ©djulett, bie nur attmäl)Iid) gehoben »erben fönnen. SaS überall itnSattbe ftarf auSgefprod)ene Verlangen nad) höherer Söitbung notijigte bie Ä. 9regierung gur boreiligen Srridjtung einer großem 3lttgal)l bott heßenifd)ett ©djuten mtb ®t)tnnafien, als fie mit tüchtigen 8 el)rern berfehen tonnte. Sie ffolge babon ift, baß ber Unterridjt nid)t überall gleid) gut unb in manchen Schulen, »ol)l auch in einigen ©hmnafiatclaffen mangelhaft ift. SBefottberS leibet ber Unterricht in ber lateiitifdjen ©pradje, »ofitr bis je^t nur »enige tüchtige Selber borhanben fittb. Sie altgried)ifd)e ©pradfe ift g»ar beffer berforgt, eS »erben aber bie ©djüler im Somponiren nod) immer nid)t hinveidjenb geübt. Studj fühlt matt, baß fotooht gegen ©djuloerfäumiüffe, als für bie SiScipIitt außer ber ©djule einige lOiaßregeln getroffen »erben feilten. III. Diealfcfjul»efen. §öl;ere 23ürgerfd)ulen »erben in @ried)enlanb getoiffer» maßen burd) bie hedenifcbett ©djuten erfebt. Senn bie Seprgegenftänbe in ber heUent= fdjen ©djrtle gteid)en benett ber ^oberen S3ürgerfdjuten, ausgenommen 1. bie latetnifdje ©prad)e, bie nur in ber 3. Staffe beginnt unb nicht obligatorifd) ift, unb 2. bie alt= griednfdje ©prad)e, »eld)e für ben @ried)en feine gang frembe oder tobte ©pradje ift, »ie bie tateinifdje für bett Seutfdjeit, unb bereu Kenntnis, fotoeit fie in ber heüettifdjen ©djute angeftrebt »irb, bem ©riechen gur 33egritiibung unb gum richtigen ©ebraud) ber neu= gried)ifd)ett ©prad)e ebenfo itoth»enbig ift, »ie bem Seutfcpen ber in ber höheren 23iirger= fdjrtle ertheüte Umerrid)t im Seutfdien. StuS bcmfelben ©runbe, »eit nämtid) baS ©tubium ber altgried)ifd)en ©pradje für {eben gebilbeten ©riedjen noth»enbig unb als »eiter ge= triebeneS ©tubium feiner 5Dcutterfprad)e 51 t betrachten ift, fann aud) baS ©hmnafium gu ©hra, »o bie lateinifdje ©pradje nid)t für alle ©d)üler obligatorifd) ift, als eine 9tealfd)ute gelten; benn baburd) geht baS Sigenthiimlidje ber gelehrten ©djulen berloren unb bie Dtealien bleiben als §aupt=UnterridjtSgegenftänbe übrig. Stts eigentlidje Dfealfdjttlen fittb bisher in ©riedjentanb nur g»ei ©d)ttlen gu be= trad)ten: eine l|3ribatfd)itle in ©hra, »o junge Heute gunt §anbelSftanb fidi oorbereiten, unb eine ©etoerbfdjule in Stthcn, »o 100—150 jungen Leuten bie einfadjfteu unb ge= bräuthlid)fteit Äenntniffe in ber Dliathematif, Ißhbftf mtb Shentie unb ein praftifdier Um terridjt im greil)antogeid)nerx, in ber 9J?alerei, in ber fßlaftif, in ber Holographie mtb Shalfograpljie mtb in ber Saufunft geboten »irb. Sie SDlilitair= unb bie fDtarinefdjule in 2ltpen, »ie and; eine praftifdje Hanbbaufduite gu Sirt)ntl) gehören nid)t h»her. IV. £>Bl)ere 3tnftalten für äJiäbdjen. lieber ben Slementarfdjulen für 9Jiäb= d)en giebt eS in ben großem ©tabten aud) höh eve 9Jiäbd)enfd)uleit, bie aber bisher mit StuSnahme ber in 2ltl)en beftel)enben Seutralfdjute ber fi^itopäbeutifd^en ®efeHfd)aft ißri= »atanftalten ftnb. 9)?an gählt bisher 10 foldje 9)iäbd)enfdiulen (»oöon 3 in Sltheit), in betten ungefähr 900 9Jiäbd)en einen höheren Unterricht genießen. Ser SehrcurfuS itt bem felben ift 3jäl)rig unb unterfdjeibet fich oon jenem ber l)eHenifd)en ©chuten nur baburd), baß bie lateinifd)e ©prad)e gang auSgefd)toffen, bagegen bie frangöfifd;e, oft aud) bie engtifdje gelehrt, baß für bie äftl)etifdje 33ilbung mehr ©orge getragen »irb unb folglich 62 (Srtcdjenlanb. greityant^eicfynen unb ©efang als unerläßliche Sehrgegenftänbe betrachtet werben, baß enblid) weiblidje 2lrbeiten h' n 3« lammen, ©en I)Dl) eren 9??äbd)enfd)ulen fielen weibliche Ißerfoiten oor; aber aud) Seigrer ertheilen Unterricht in benfelben. Sie ftehen unter ber Dberauffid)t ber Regierung, h a f> en aber iäbd)en= fd)ttlen beftimmen, finb gehalten, nod) ein 3al)r in ber Sentralfdjitle 3 U verbleiben unb bie 4. (Staffe 31 t abfoloiren. ©iefe ©d)itle wirb theilS burd) ^Beiträge ber ©efellfd)aft, theils burd) baS Don ben Sllumnen be 3 al)lte SahreSgelb, tl)eils aus ©d)ulgelbern, il)eilS aber and) burd) ©ubfibien ber Regierung unterhalten. SOJan jählt je^t über 100 2 llum= nen in berfelben, bie nteiftenS Ißenfionäre theils ber Regierung, theils reidjer ©tabtge» meinben, theils ber @efeHfd)aft finb. ®aS ©djulgebäube, eins ber größten unb fd)Bn= ften ©ebäube Don 2ltl)en, Derbantt man ber 33aterlanbSliebe unb greigebigleit beS^errn 2(rfaleS, eines reid)en unb hodjDerbienten, in ber 2Balad)ei lebenbeit gried)ifd)en 2 lr 3 teS. (33gl. b. 33erid)t in 9?323üd)er f. 1860 2lbtl). 2 , ©. 154. f.) V. 2B a i f en h « n f er. Unter ber tiirlifdjen Iperrfdfaft eyiftirte in gan 3 ©riedjen» laub lein einiges 2ßaifen!)auS. Srft unter ber ff. fftegierung Dor wenigen 3al)ren bad)te mau and) an bie Srrid)titng foldjer 3 >f)il a ttth)ro 3 Jifd;en 2lnftalten. SS finb bisher nur brei, Don benen 3 Wei in 2ltl)en, gegriinbet worben. ®aS eine nad) 3. 9)1. ber ffö» nigin, ber erhabenen SBefchü^erin beSfelben, 2lmalieitm genannt, ift für bie BerWaiSten SWabdjen beftimmt. Sin geräumiges unb fd)BneS ©ebäube, Welches theils burd) bie SBohlthätigleit ber beiben SETfajeftäten, theils burd) 23eiträge befonberS gried)ifd)er ®a= men erbaut Worben, bient 31 a- 2BoI)Uung ber 2ßaifenmäbd)en, Weld)e gegenwärtig 60 an ber im Sefen, ©djreiben unb Sledjneu, in ber Religion unb in oerfd)iebenen Weiblidjen Arbeiten unterridjtet werben. Sine Sommiffion Don ©amen, präfibirt Don ber ^rinseffin SDlaria , forgt für baS ©ammein ber ©elbbeiträge 3 ur Unter» haltung ber Slnftalt. Sin Saßital Don beinahe 400,000 ©rad)men ift bereits 3 ur Un= terhaltung beSfelben 3 ufammengebrad)t worben. ®aS §weite ift b a nßtfäd)Iid) aus einem 33erniäd)tuiffe Don ©eorgioS unb 2lelaterina Shan 3 i ffonfta gegriinbet unb bient 3 ur 2htfnal)me Don DerWal)rIoSten SBaifenlnaben, Weld)e (gegenwärtig 40) im Sefen, ©d)rei= ben, Dfedjnen unb in ber Religion unterrichtet Werben unb baju nod) ein £>anbwerl lernen. ®a 8 §auS ift Don ben Srben beS fperrn Sßrani aus äBien ber Slnftalt ge» fd)entt worben. Sin britteS 2Baifenl)auS finbet fid) in ©i)ra, unterhalten Don ber ©emeinbe. VI. ®a bie UniDerfitäten im )ßlane biefeS SBerleS nid)t einbegriffen finb, fo fd/ließen Wir biefen 2lrtilel mit ber 33emerlung, baß bie in 2ltl)en im 3al)re 1837 gegrünbete DttoUlnioerfität nad) bent Sftufter ber beittfdfen Unioerfitaten organifirt ift. ©ie be= greift Wie biefe Dier gacultäten, Don benen aber bie tl)eelegifd)e, nad)bent ein ^'rofeffor wegen feines Dorgerüdten SUterS nid)t mel)r lefen fann, ein 3 Weiter 31011 Sr 3 bifd)of er» nannt unb ein britter Derftorb'en ift, aus 9Jlangel an ^ßrofefforen unDoüftänbig bleibt, ©ie SInjahl ber orbentlichen unb außerorbentlid)en Ißrofefforen belauft fid) auf 42, bie ber ©tnbenten auf ungefähr 500, Don benen bie eine fpälfte bem ffönigreidj angelwrt, bie anbere aber Doit ben türlifdjen IßroDi^en hteher lammt. (33gl. 33b. I. ©.426—468. ®. 3?eb.) hprofeffor Philippe Scan, ©irector ber ff. ))3riDatbibliothel in 2ltl)en. ©ricdjifdje ©pradjc. 63 ©ricdjifdje ©rjicljitttg, f. ©olon, Spturg. ©ricdjifdje ©JjrddjC. 1. Sin WefeutlidjeS Unterrid)tSfad) berjenigen SInftalien, weld)e ben ^ufammenhang ber gegenwärtigen Snltur mit ber Vergangenheit »ermitteln, baS antife Stement in ber mobernen 33ilbung feftl)alten fetten, ift bie gried)ifd)e ©pradje itnb Literatur. 2)aß eS im Sntereffe ber allgemeinen unb ber jngenbtidjen Vilbung Hegt, ben claffifdjen ©tubien überhaupt, itnb fomit aucf) bem ©tnbium beS ®ried)ifdjen, i£>re ©teile in ben fyßfyeren Llnterrid)t 8 anftalten nnoerfürjt ju wahren, ift im allgemeinen in einem früheren SlrtiM ber päbagog. Snct)tl- „Staffifd)e ©tubien" bargethan Werben. SIber Wä^renb bert bie beiben alten ©prad)ett unb Literaturen mehr in ihrem gleidtjen unb gemeinfamen 9ted)t, ein WefentlidjeS Slement fyöfyerer SMlbung nnb h°h erer Lel)ran= ftalten ju bleiben, betradjtet Würben, ift nun, auf bie früheren ©ä^e geftü^t, baS 9?ec^t beS @ried)ifd)en um fe mel)r einer befonberen 2Setrad)tuug 3 U unterwerfen, als »on man= d)en ©eiten römifd)e ©pradje unb Literatur für eine genügenbe 93ertretung claffifd)er Vilbung erflart,*) ober bem ©tubium be§ @ried)ifd)en nur, fofern eS ber SrfenntniS beS Lateinifdjen biene, eine ©teile in ber gelehrten ©d)ule angeWiefen wirb.**) ®ie erfte 2tnfd)auungSWeife ift Wohl nod) ein lltadjhatl jener »er Sahr^eljnten jiemlid; allgemein Ijcrrfd)enben Verkeilung, bie mel)r baS ©leidje unb ©emeinfatne ber rentifd)en unb griedjifd)en ©pradje unb Literatur in’S luge gefaßt h at t e / dl 8 >h re Verfdjieben» heit. SS gab eine ßeit, ba bie gried)ifd;e ©rammatil nad) bem äßufter ber Iatei= uifdjen behanbett unb bie ©efetse ber legieren aud) auf bie elfte augewenbet Würben, ba bie Literatur ber ©riedjen unb S)?önter als Wefentlid) eine aufgefaßt Warb. 3lu8 biefer Vorfteltung unb nur auS il;r erflärt fid) bie SDteiuung, baß bie claffifdjen ©tubien nicht gerabe notljwenbig ber hoppelten Vertretung burd) baS Lateiuifdje unb baS ©riedjifcfje bebürfett, baß eS an einer ©prad)e genügen tönne; in welchem gatte bann baS Lateinifd)e, ba in biefem junad)ft bie Vermittlung mit ber antifen Sultur für unS gegeben war, ben Vorrang behaupte. 3 ft aber jene Slnfidjt mit 9ted)t antiguirt, fo fallt mit ihr aud) i(;re geige. 2XrS claffifdje Utertljum h fl t fid) * n e ' ner jwiefad^en @eifteSrid)tung entwidelt unb abgefd)loffen. SMefe beppetten Offenbarungen beS claffifctjen ©eifteS finb unter fid; gWar »erWanbt, aber hintoteberum audj fe »erfdjieben, baß beibe als ©lieber eines ©aitjen jufammengeheren, bie fid) gegenfeitig ergänjen, bereu teineS baS anbere erfe^en ober entbehrlich machen lann. SBenn unter ben geiftigen Vermögen burd) bie 9? enter offenbar ber 2Ö i 11 e reprafentirt ift, unb jWar in feinen prattifdjen leußerungen unb Vebürfniffen, fo finb bie©riedjen (fpecieH ber jonifd)=attifd)e ©tamm) »orneljmlidj Vertreter ber 3nt eilig eit 3 , burd) alle ihre ©tufen unb 9fid)tungen. SDiefer »erfdjiebene Sharat'ter fpiegett fid) namentlich in benjenigen ©ebieten ab, Weldje als nädjfte VilbungSnüttel innerhalb beS @t)mnafium 8 bienen, in ©pradje unb Literatur. 3n Vetreff ber ©prad)e ift bieS in bem Irtifel „claffifdte ©tubien," Sb. I. 809 nadj= geWiefen worben. 3 U S^'^) ergiebt fid) auS jener Erörterung, baß baS ©tubium ber gried)ifcf)en ©prad)e in I)°h em ©cabc, jebod) in ga »3 anberer äßeife, als baS beS La= teinifd)en, ben $weden beS UnterridjtS, ber SBcdung itnb fdjarferen 2lu8bilbung ber @eifte 8 tl)ätigleit 31 t bienen »ermag. SBetttt überhaupt ber ©eift burd) Singel)en in eine frembe ©pradje unb ©eifteSferm in bem fOlaße gewinnen fattit, als le^tcre feiner unb reidjer entwidelt ift, fo muß bie Aneignung ber griedjifchen ©pradje, bie fid) eben burd) bie größte gäl)igteit auSjeict)net, bie maunigfaltigften ©ebaulenfornteu nad) ihren feinften ©djattirungen unb Ve 3 iehungen barjufteHeu unb hinwieberum bemfeiben @e= bauten »ott feiner einfad) offenen gornt bis 3110 leifen SInbeutuug I) era & turch alle *) 9)ian »ergletd)e u. a. Sntwurf einer neuen ©djulorbnung f. b. gelehrten Slnftalten 2Bürt» tembergs 1848, ©. 96. **) Äühnaji, bie Vereinigung ber principietlen ©egenfä^e in itnferem altctaffifd)en ©ebul* unterricht, SRafteuburg 1856. @. 57. 68. 64 ©tiedjifdje ©pradje. Stufen Slugbrud gu oerleil)en, ben ©eift aufg oielfeitigfte in SSfjätigfeit fe( 3 ett, bilben unb bereid/ern. — 3nbem ber 3 t0et * e ' neg sotten Verftänbuiffeg 31 t umfidjtiger 2Iuf= merffamfeit auf alle biefe feineren Küancirungen ber 9febe unb 31 t bem Verfudje nötigt, in ber SDtutterfpradje, bie bodj faum bie genügenben SDtittel h'egu befifjt, biefelbett- itadt>= gubilben, liegt barin eine Hebung beg ©eifteg, eine ©djarfung beg Stenleng, toie bie latefnifdje ©pradje mit ihrer mehr äußeren ©efefcmäßigfeit unb ihrer größeren Slrmut an formen unb SJfobificirungen beg ©ebanfeng fie nid)t bietet. — ®g l;ieße barunt bie ftaren (Srgebniffe philologifdjer gorfdjung, ben oerfdjiebenen S^arafter beiber ©brachen oöllig oerlettnen ober ignorireit, toenn man in ber ÄenntniS beg Sateinifdjen gugleid) and; eine fßrobe ober einigen Srfafc beS ©riedjifdjen 31 t finben glaubte; eg tjieße eine grobe Säufdjmtg begehen, toenn mau bie Sdjüter 3 U bem Sßatyn führen looHte, bag @ried)ifd;e ftelje bem Sateinifd)en fo nahe, Ijabe nidjt genug Sigenthümlidjeg oor ihm boraug, baß 3 ur Äeuntnig beg claffifd)en Slltertljumg and) ettoa bie eine bon beibeit ©pradjen genügen föune. SBenn toir bigtjer gunädjft bon ber @prad;e an unb für fid> vebeten, fo gefdjah eg in ber Sluerfeunung, baß biefe nidjt nur alg -Kittel 3 ur Sinfüljrung in bie griedjifdje Literatur 233ertl; ljat, baß fie oielmeljr in iljretn fein unb reictj gegtieberten Drganigniug, in ihrer garten Surdjfldjtigfeit unb 23etoegIidjfeit, in it;rer Siaioetät, toie in ihrem f)teidj= tljum bie unmittelbarfte unb größte ffuuftfdjöpfuiig beg griedjifdjen ©eifteg ift. — 3n= beffen, toir utüßen bei ber grage, ob bie gelehrte ©djule in bem Sateinifdjen eine ge= nitgenbe Vertretung beg claffifdjen Sllterthumg befifse, and) auf bie Literatur ber beißen Vetter einen oergleidjenben SSIicf toerfen. SKan fofitte freilidj benten, baß bieg iiberfliißig, baß bie Vorgüge ber griedjifdjen Siteratur im gangen unb großen anerfanut genug feien, um jeben ©ebanfen, alg fönnte bie Äenntnig beg claffifc^ett Slltertljumg and) atteiu aug ber rönüfdjen Siteratur gefd^öpft toerben, alg tpöridjt 31 t oerbannen. Stber fo lange bie Gcrfahrung geigt, baß in ber gelehrten ©djule bag ©riedjifdje neben bem Sateinifdjen für entbeljrlidj ober minber notljtoenbig erttärt toirb, fo lange neben einanber bie Sßiberfpriidje beftehen, baß man ben B^ed loitt, claffifdje SBitbiuig, aber gn ben uuentbeljrlidjen fOtittetn bag ©riedjifdje nidjt rechnet, fo lange ift bie 33eioeigfübrung, baß eg teine claffifdje Vilbung ohne Äenntnig ber griedjifdjen Literatur gibt, uidjtg iiberftüßigeg. Gcg ift natürlidj nidjt entfernt unfere Slbfidjt, ben äBertlj beg Sateinifdjen für jenen 3 toed gering angufdjlagen. Kidjt nur ftetjt ung bag Sateinifdje in fo fern näher, alg eg bag Sfebium toar, burdj toeldjeg bie Kultur beg claffifdjen 2lltertfjuntg gunädjft ung überliefert iourbe, fonbern benjenigen gtoeigen ber römifd)en Siteratur, ber fßrofa unb Voefie, in loeldjen bie ©eifteSt^ätigfeit auf praltifdje 3wede begogen toarb, lommt un= läugbar ein fetbftänbiger Söertlj, theiltoeife felbft ein Vorgug Oor ben entfpredjenben 3>oeigen ber griedjifdjen Siteratur gu. Sludj ben fonftigen SBerfen ber rönüfdjen Siteratur fotl ihr SBertlj nidjt gefdjmälert toerben. Slber bag behaupten toir, bag fdjeint ung über alte ßtoeifel ftar, baß, toie bie gelehrte ©djule bestimmt ift, ibeale Vilbung gn förbern, fo bie griedjifdje Siteratur biefemßtoed entfdjieben oor ber lateinifdjen bient. 2 luf atteu ben ©ebieten, loo ber menfdjlidje ©eift aug feinen eigenen reichen Siefen heroor fdjöpferifdj geftaltet, finb toeitaug bie ©riedjen ÜDteifter. Snfßoefie unb ^ß^tilofop^ie betoäl)ren fie eine fd)öpferifd)e Straft, eine geiftige Vielfeitigleit, eineSKadjt unb güHe ber Sbeen, eine Sdjärfe ber (Srtenntnig unb beg 2)enteug, mit ber bie Srgeugniffe ber rö= mijdjen Siteratur nid)t entfernt in Vergleidjnng fomnten. Stag aber finb bie müdjtigen ^ebet gur geiftigeu ^ebung ber Sitgenb, gur SBilbnug eineg reidjen, ibealen @eifteg= lebeng, bag finb bie 3 au 6erfrafte, bie toitnberbar in bie Siefen oon ©eift unb ©emüth eingreifen, Seben mittheilen unb toeefen, bie mit tounberbarem Keig bie Sugenb gu feffeln unb 3 U begeiftern oermögen. Äennt bie römifdje, fennt irgenb toeld)e Siteratur ein 6 pog, bag in 9laturtüaf)rheit toie in funftooHer ®urd)fühntng ben Spen §omerg gleid; fäme? bag mit gleid^eui 3^uter bie Sefer feffelte? 335eld;e 5Dfad)t ber religiösen unb ber ©ricdjifdjc @ptadje. 65 fitttidjen 3bee für beit ©tanbpunct jener alten 3 e i* * lD ’ e fi n b k’ e £fydte fo reid) unb bod) untergeorbnet ber befeelettben 3bee beS ©anjen! meid) eine güde öon aufnterffamer 33eot»ad)tnng ber Dtatur unb ber 2Bett, meid) ein 9ieid)tl)unt feiner, einig magrer 33e= obadjtungeit über ben SJtenfdjett! 9JMt ucllenbeter fßlaftif fhib bie ©eenen bi§ iu§ ©n= jelne unb Siebte bitrdjgebilbct; bie fpaublung ift int ganjeit unb im eiujelnen, wenn man nur aufmerffant ber ©idjtung folgen mag, überall pfpdjologifd) toal)r motitoirt. ©a 8 menfdjlidje §erj ift in allen feinen 23eloegmtgen, üt milber 9iol)eit, in ungeftünter Seibenfdjaft, aber attd) in ben ebelften @efül;len für 9feligion, 33aterlanb, greunbfd)aft nnb £iebe, Sirene unb (Ergebenheit, eS ift in feinett jarteflen unb leifeften 9iegitngeit, überall objectio unb loal)r, unb mit ntaßooHer 9iüdfid)t gefdjilbert. 9lber biefer ooHe Kinbrmf unb ©eintß ift nur in bent griednfdiett Original ntöglid), ba in jeber Heber» feljung boit bent eigetttljümlidien (5l)arafter, namentlich ber naioen ©djönheit ber ©id)tung bieleS ocrloren geljt. SSSie tanu ferner bie röntifdje Literatur ben ©rauten eine§ 5lefd)t)Io8 mit il)rer großartigen (Erhabenheit ttttb Sbealitat, bett ©rauten beS ©ophofleS mit ihrer maßöolleit ©djönheit ttttb fBoHenbttng irgenb ettuas al)ulid)e§ an bie ©eite fteHeu ober einett (Erfap, eine SorfteHung bon bent bieten, toaß in ber griedjifdjen fßoefte lebenbig oor utt§ fleht? Ueberhauf't ioer barf behaupten, bie ißoefte beö claffifdjen SHterthuntS 31 t feinten, ber il;r 33efteS, bie $id)tuitgeit ber ©riedten — nid)t in ltothmenbig untreuen Uebcrfej 3 uitgett, fonbern fie felbft, — in ber ©pradje, in ber fie geboren mürben, ltidjt fenitt? ©ie philofoßhtfdjen gorfdjungen unb 9fefultate bed SHterthuniS — Itter lernt fie fennen ol)tte ba§ ©tubiunt ber ©riedjeit? SDfag toold aud) ber fftettogeljalt ber ph*Io= fophifdjen ©pfteme in Ucberfefjungeit ober Dlu^ügett bargclegt toerben fönnett, fo ift bod) 001 t ber philofophifdjen 5D?etl)obe bie ©pradje gerabe bei fßlato unjertrettitlid), unb eben in ber Reinheit uttb Slnmuth, in beut SnthufiaSmuS unb ber Sronie ber ©arftellung fittb fßlato’S ©ialogen uuerreid)t, fo baß bemjenigett, ber fie nidjt itt ihrer ttrfpriing» lid)en fjoritt fennte, ttott ben 9)Jeifterioerfeit altclaffifdjer fßrofa eine f)teil)e ber fdjönfteit iterfd)Ioffen bliebe. 2 Bir moHeit Oon bent fonftigen oielfeitigeit Sieidjthum ber gried)ifd)en Literatur nidjt fpredjett; e 8 genügt att ben gegebenen 9fad)ioeifnngeit, um barjuthun, baß gried)ifd)e ©prad)e unb Literatur, entfd)ieben ba 8 mid)tigfte, bielfeitigfte unb reid)fte (Element ber antifett Kultur, feine unläugbar felbftänbige Sßebeutuitg für alle h<>h e « ©eifteScuftur uttb fpeciell für bie ibeale Sludbilbuttg ber 3ugenb h a t, unb baß toer iceale ffebenSan» fdjauung in ber Sugenb pflegen miff, auf jene« (Element im tarnen ber (enteren nid)t toirb laergidjtcn toollen. *) 2. 3luS ben fßramiffen ergi'ebt fidj folgerichtig, baß für bie gelehrten ©d)ttlen ba§ @ried)ifd)e obligatorifd)eit (El)arafter ^aben muß. 9lad)bem einmal itt ben 2 Jiittelfd)ulen, toeldje überhaupt bie Seftimmung l) a bett, ber allgemeinen 93ilbttng ju bienen, nid)t jyad)fdjülett 31 t fein, ber ©italiStttuS SBurjel gefaßt hat, loonad) jener all» gemeine 3'»e^ auf betriebener 93aft8 unb mit öerfdjiebenen Mitteln erreidjt - toerben foH, fo baß bie 9tealfd)ulett rein auf ben ©tanbpunct ber ©egentoart fid) [teilen, unb *) Sbdjlp (lieber bie SÄeform beS 3üridjer ©iraiuafiitmS 1859) führt für ben tßorrang be§ ©rtedjiftheit auch ben in tBergleicp mit bent Patciitifcbeit berborrageitbeu Belebettbett, Ocrgeiftigenbett ©inßttß an, ben bie griefhifche fßoefie auf ttttfere Sßationaltiteratur gehabt hat, unb fagt (@. 13), etafftfepe 33ilöuttg opite ©rieebifd) märe ohngefähr basfelbe toad Dlealhilbutig ohne Stvithmettf ober ohne ©eometrie; bie Ipariajletiung be« ©nedüfcpeii b. h- feine ©ißpenfabiütät fei eilte be» bäuerliche golge feiner ©eringfehäpung itt ber alten Scliola latina, befottber« im 17. unb 18. Sahrhuitbcrt, unb ber philologifd; toiffenfdfaftlichen anftatt päbagogifd; fcpulmäßigcu SSetrcißmtg naep bent neueren Stitffchtoung ber Sllterthumstoiffenfchaft, bereit Sihiger im erfteit Sraitg, bie uenertoorbene 3Bei«heit 311 ÜJtarlte 3 U bringen, beit ganjen miffenfchaftlichen Apparat in bie ©pm* ttafteit brachten, fo baß bas ©viecpifche halb 31 t einer neuen Sanbplage iourbe. @bmib. tpäliag. (Jiuijftov'ätiif. III. 5 66 ©ttedjtfdjc ©pradjc. itjre Unterridj tdmittel in ben eyacten unb 9?aturwiffenfd)aften, wie fie in ber ®egenWart fid) geftaltet haben, ferner in ben mobernen ©praßen finben, wäljrenb bie gelehrten ©d)ulen ben gufamntenhang mit ber Vergangenheit fefthalten itnb bie ©djä£e ber an= tifen Kultur ald Klemente ber gegenwärtigen bewahren foEen, fo fann, Wenn in biefer antifen Kultur bad griedjifdje Klement bad innerlid) bebentenbfte itnb reid)fte ift, bie gelehrte ©djule auf lefstered nimmermehr cerjidjten. 35aß eS nad) örtlichen Verljältniffeu Slnftalten giebt, in weiden aud Slfangel an ben nöthigen SJfitteln unb Kräften entweber bie gelehrte ober bie 9Jealfd)ule *) ihren natiir(id)en Drganidmud nidjt boEfommen entwideln fann, bad räumen wir gerne ein; aber bie 9luSnal)tue barf nicht jur Siegel werben, im aEgenteincn foE bie gelehrte Wie bie fftealfdjitle ihren Drganidmud Wahr unb folgeridjtig aus ihrem ißrincip ent* Wideln, bie Slnftalt foE bad leiften, Wad ihr 9Jame »erfpridjt. ©erben wir burd) bie innere 9?atur ber gelehrten ©djitle unb ihrer BilbungSmittet 31 t biefer Kntfcfjeibung Ijingebrängt, fo barf feine gefäEige 9?iicffid)t auf angebliche Be= bärfniffe unb ©ünfdje hierin und irren. Kd fann fid) in feiner VSeife barum haubeln, bie inneren Kinridjtungen ber ©djufe oon ben jeweiligen unb wanbelbaren Slnfidjten ber Kleinen ober befonberer Klaffen abhängig 31 t machen, je nad) biefen V3ünfd)en ben tlnterrid)tdplan für bie Kinjclnen befonberS 31 t uiobificiren. ©ncut fold^eit bemofratifdjen fßrincip barf bie gelehrte Schule um bed aBgemeinen Befteit Willen, um ber 3ugenb, um ihrer eigenen StBürbe wiEen nid)t hulbigen. — SBenn ed bei Drganifation ber9Jlittel= fd)uten nur bie Aufgabe fein fann, eine £)öl)ere aEgemeine Bilbung auf bem hoppelten VJege ber ©pmnafial* unb ber 3fealanftalten in grünblicher SBeife 3 U fidjern, aEe Kle= mente, weldje in ber ©egenwart bie I)öh erc Kultur conftituiren, unb Weldje bie Bafid ber befonbern gadjbilbung fein mäßen, bem eigenen Volf unb ?anb 31 t erhalten unb 31 t gewinnen,**) wenn jeber einzelne je nad) feiner 2Bal)l in ber gelehrten ober 9ieal= fdjule eine höhere aEgemeine 2ludbilrung unb in biefer 3 itgleid) eine aitgemeffene Vor* bilbung für bad befonbere Wiffenfd)aftlid)e ober praftifdje gad), bem er fid) wibmen wiE, erhalten fann, bann ift non ©eiten bed ©taated heftend unb genitgenb geforgt, unb man hat nid)t nötl)ig ed 3 U bebauern, wenn auf biefern 28ege mandje mehr lernen foEten, ald fie für ihren Beruf ftreng genominen brauchen. — 35a burd) ben ®uaIiSitiuS ber gelehrten unb ber fftealfdjnle .bereits ber wefentlidjften Verfdjiebenljcit in bem Bilbungd* gang unb in ber inbiöibueEen Befähigung Rechnung getragen, unb jebent bie SBaljl frei gegeben ift, auf bem einen ober bem anbern Söege ed 3 U oerfudjen, fo erfcheint eine weitere ®etegenl)eit, aud ben UnterridjtSfädjem bie conbenabcln attSguWählen, aud) im Sntereffe ber Sugenb felbft Weber ald Bebürfnid uod) als rätl)lid). 2Jfan müßte ein Neuling fein an ©djulerfahntng, Wenn man nicht wiffen foEte, einerfeitS, baß bie KItern, Wenn fie in Betreff ber Untcrridjtdfädjer, au beiten ihre ©ohne tbjeilnehmen feilen ober nicht, ih« 'Inliegcn bem Vorftanb ber ©dtule äußern, fel)r häufig nur bie Snterpreten ber SBüttfdje fiitb, Weld)e bie ©d)üler felbft hegen, anbrerfeitS, baß biefe ©ünfdje »iel= fad) burdj Bequemlid)feit ober anbere SDtomente bebingt fiitb, auf Weldje, Wenn fie offen attdgefprodjen Würben, fein Scljrcr ütiicffidjt nehmen fonnte. SBäre ed nun Wol;l bem *) 2Bir erlauben uns, auf bie Stnnierfung 31 t bem 2trt. Sidpenfatioit @. 19 unb auf bad Württ. ©orrefponbenjbtatt f. b. ©etefrteu* unb SReatfcfuten 1859, SKär; 31 t berweifen. ©djmtb. **) Vgl. 3Jiühett, 5päbag. ©Fijjen. *3eitftfjrift für bad ©pmnafiatwefen 1 SSO, 11. ©. 873. 2. „®antnt (Weit fowofl ©pmnafien mit IßaraEetctaffeu ald Qbergpmnafieu unb Steatgfmuafien in paralleler ©leicffteEitng mit gemeinfd)afttid)em Unterbau berworfen Werben) fiitbet bie gänj» tiefe Trennung unb fetbftäubig'e ffintwidtung ber ©pmnafien itnb föferen Vier* gerfcfulett für aEe Orte, benen hinlängliche ÜRittet jur Srritfjtung unb Würbigen Sludftattuug beiber Strtcn bou Stuftaften 31 t ©ebote flehen, mit Steift lebhafte Vertfcibiger. Snbem beiten bie Süiögticffeit einer bcEftäntigeu (Sntfattung ber ifuen 311 ©runbe Iicgenbcn 3bec geftefert wirb, fefeint fowoft für ifr gegenfeitiged Vernehmen am beßeit geforgt 31 t fein — ald aitcf für bad ©ebeifeit ber 2Siffenfcfaft, ber höheren Vitbung, bed öffenttidjen SSoftd," ©riedjtfdjc ©ptadje. 67 ©rnft ber (Srjte^ung angemeffeu, eine miflfaljrige S^ad^giebigfeit gegen bie SMnfche unb bie 93equemlidjfeit ber ©djüler 31 t jetgen ? 2ßa8 etma ©djüler bem griedjifdjcn Unter» ridjt abgeneigt madjt, baß Ijier bie Slnforberungen in Sejug auf IjänSlidje Slrbeiten größer gu fein pflegen, als bei Stealfädjern, baS ift ja für ben ©rgieljer oielmeljr ein fOJmnent für, als gegen, ©o erfdjeint benn, wenn einmal bie 9Baljl jmifdjen gelehrter unb fftealfcfjule getroffen ift, eine meifere üluStoaljI unter ben fpdjern ber einen ober anbern Stnftalt principieß burdjauS nicht gerechtfertigt, ebenfotoenig burdj baS Sntereffe ber ©djüler als burdj bie Bfatur unb 93eftimmung ber ©djule. 93ergleidjen mir nun mit biefem fftefultate bie ftaatlidjen Sünorbnungen unb bie tljatfädjlidjen 3 uftänbe, fo ift im allgemeinen ju fagen, baß überhaupt in betreff ber 93ebeutung, metdje bem griedjifdjen Unterricht innerhalb ber gelehrten ©djitle begulegeit fei, bie Slnfidjten unb öffentlichen Drbnungen leineSmegS feft beftimmt unb gefdjtoffen ju fein fdjeinen. füfan fann jmeifelpaft fein, ob man ben ©runb in bem SWangel ober in bem Ueberfßtß an Ißrincipien fudjen foß. 2öir finbcn toedjfelnbe ©rnnbfä^e, roenn mir Sanb mit Sanb, in benifelben Sanb bie maßgebenben ißerfönlidjf'eiten, in benfelben ißerfönlidjfeiten üerfdjiebene 3 e itläufte unter einanber oergleichen. 2 öir geljen mit ber 3eü, merben Oou ihrer ©trönutng getragen unb madjen auf ben mobernen 35orjug 2tn=' fprudj, inconfequent 3 U fein. SBenn nun hier angeführt merben foß, meldje ©tellung bem ©riedjifdjen in einigen beittfdjen ©taaten gegenmärtig angemiefen ift, fo bürfte 33oßftänbigf'eit um fo meniger nothmenbig fein, als bie 33erljältuiffe in mand)eit Sanbern ber Stabilität fo fehr er» mangeln, baß bie nädjfte 3ufunft eine Slenbentng bringen tann. 3lm menigften fdjeinen bie 93erljältniffe in ©adjfen 31 t fdjtoanfen, bem Sanbe, mo bie pljilologifdjen ©tubien jeberjeit eine grünbliche ^pflege fanben. Biadj brieflichen äJiittljeilungen eines angefehenen, mit ber Sage ber fädjfifdjen ©chulen mohl oertrauten ©djuImamteS „ift ber griedjifdje Unterridjt itirgenbS facultatio. Bfur ganj auSnaljmSmeife fann ein ©hmnafialfdjüler Oon bemfelben biSpenfirt merben, bodj finb mir baoon in 19 fahren nur jmei gäße befannt gemorben." Such in 93atjern (f. b. 3lrt. 93b. I. ©. 449) gehört baS ©rie» d)ifd)e 31 t ben obligatorifdjen gädjern, beSgleidjen in 93aben (f. b. Strt. 93b. I. ©. 406) menigftenS für aße, meldje fidj jum ©taatSbienft oorbereiten. 68 finb beSioegen nur äußerft menige ©djüler baüon biSpenfirt." ®ie 93eroronung beS preußifdjen Unter» ridjtSminifteriumS oom 7.San. 1856 *) oerfügt: „©iite ©iSpenfation Oom Unter» ridjt in ber griedjifdjen ©pradje barf in beitjenigen ©tabten, mo neben bem ©hmnafium noch eine höhere 93ürger= ober fßealfdjule befiehl, oorauSgefefjt, baß in ber festeren Satein gelehrt mirb, nidjt mehr ftatt finben. 9!Bo bagegen in Heineren ©tabten ba§ ©hmnafium audj ba 8 93ebürfni8 berer erfüßen muß, meldje fidj nidjt für ein miffenfdjaftlidjeS ©titbium ober einen SebenSberuf, 31 t melchem eine ©tjmnafialbilbung crforbert mirb, oorbereiten, fonbern bie für einen bürgerlidjen SScruf nötfnge aßgemeine 93itbung auf einer fmh eren Scljranftalt ermerben moßen, bleibt, and) menn mit bem ©hmnafium befonbere fftcalclaffen nidjt oerbunben finb, bie 3)iSpenfation Oon ber£ljeil= nähme an bem Unterridjt im ©riedjifdjen mit ©eneljmigung ber fön. fProoincialfdjul» coßegien jitläßig." 93on ©emidjt ift noch bie 6 rinnerung: „93ei ©emährung berSiSpen» fation ift ben hetreffenben ©dji'tlern bemerflidj 31 t machen, baß UnfenntniS be§ ©rie» djifihen oon ber ©Ij e ^ na ^ me attt Sllnturientenepamen auSfdjließt." — 9luf ein SKinimum erfdjeiut 93ebeutung unb 6 influß be§ ©riedjifdjen in ber Ijnnnoberfdjen Snftruction oom 15. Slug. 1846**) rebucirt, inbent hi cr nur oon ben fünftigen £h eD i 0 9 en nnb fPhitoiogen Kenntnis beS ©riedjifdjen oerlangt mirb. Sn bem mürttembergifdjen (nie eigentlich ooBjogenen) Sntmurf einer neuen ©djutorbnung oom 3. 1848 ift §. 7 unb 65 bie griedjifdje nnb bie fra^öftfdje ©pradje in ber niebern unb höh era gelehrten *) SahrbitcSer für HUjilol- unb ?ßäbag. 1856, 3. ©. 159. **) 3ritidjnft f. b. ©tjmnaftalmefen 1847, I. ©. 231. 68 ©rtedjifdjc ©pradjc. @d;ule für oerhiitblid) erflärt, „jebodj fantt ber SSorftanb ber ©djule bon ber einen ober ctnbern bidpeitfirett." 2 litd ber ©idpenfation bed iBorftaubd ift aKmäpd) eine freie SJBviljI bed ©d)iilerd geworben. 3. ©egenfeitiged 33erl)ältnid ber beiben claffifdfen ©praßen, a. ®ad ©ried)ifd)e nad) bern £ateinifd;en. — Sbenfowoljt ber feinere unb reidjere Dr= ganidntud ber griedjifdjen ©ßradje, ihre freiere, mehr an innere ©efefse gebttnbene 93e= toegnng unb bemgemaß bie größere ©d)Wierigfeit, weldje fie in formaler uns ftjntaf» ti]d)er SBejiel^ung bem ©datier barbietet, ald ber unmittetbare 3 u f amme uh an 8 unfrer ßmltitr mit ber lateinifdjen rechtfertigt bad allgemeine .fperfommen, ben gried)ifd;eit Unterricht er ft nad) bem tateinifdjen ju beginnen. 3 roar h at e ® feit bem erften ©rwad)en ber gried)ifd)eit ©tubteit nid)t au 9Jiannern gefehlt, Weldfe mit ber gried)ifd)eit ©firadfe ben Anfang gemadjt wiffen Wollten,*) unb bemertendwertl; ift ed, baß eben bon bem erneuerten ©tubiurn ber gried)ifd)en ©|;rad)e im 16. unb im 19. 3abrl;nubert and) ein neuer 2titffd)Wung ber claffifd)en ©tubien überhaupt batirt; bod) wenn wir and; bie ißorjüge ber gried)ifd)eit ©f'radje unb Siteratnr bollfommen alter» leimen, fo taffen fid) baraitd Wol)l Stnfpritdje auf eine größere Slitdbehnung innerhalb bed @t)itiitafiuind, nid)t aber auf ben Drang eined Slnfangdunterridßed abteiten. **) ®d ift nidjt uiöglid), bie in bem 9 ieid)tljum r>on Formen unb fi)ntaftifd)eu Srfd)einiiugen liegenbe ©d)iuierigleit, bitrd) nietI)obifd)e Stufenfolge, wie ©d)iuibt (©. 231) meint, fo 31 t befeitigen, baß bie für ben ülufänger bercdjnete ©rammati! in ber aitifdjen Fonnen» lehre nur ben einfad)fteit @runbtt)f.utd ber ©ßradje enthielte; benit tiefer @runbtt)f;iid ift eben nidft einfad); Weber tonnen aud ber reidjen ©lieberuug ber grted)ifd)en ©firadje gewiffe ©lieber ganj übergangen Werben, ohne baß bon born herein eine falfdje 33or= fteüung boit ber ©fradje erwedt würbe, uod) taffen fid) bie Functionen biefer ©lieber in einer für bad frühere Knabenalter berftänblidjen SBeife auf einen @ruitbü)f;ud rebu* ciren. ©ie Sectiire and) eined leid)teu .attifdjen fßrofaiferd wirft ben ©diiiler fofort in bie gauje SOiannigfaltigteit boit F Drme n unb SBebeutungen; 31 t einem eingel)enben S3er= ftänbnid berfelbcn aber, juut tlaren Unterfd)eiben bed SSerWaubteit ift unftreitig ein ge= iibtered ©eufeu erforberlid). ***) *) Still etitgel)enfcften unb grintbltd)ßcit hat bte SScarjüge ber griedjifd)cit ©^radie ■£>• ©d;ntibt bon SBittenbcrg in ber trefftidien $U'l;aitb(mtg: ,,2Betd;er boit ben Beiben altctaffifd;cu ©hradjett gebührt ber SSorrang bet bem ©huntaßatunterriebt" Beleuchtet (3tfd;r. f. b. ©bnmafiatwefeit 1849, 3 u. 4) unb aud ber rein utenfdfltdjeit, jttgeiiblidj uitbcfaitgetteit unb baburd; für aHe§ ©cföne unb 28al;re ebenfo embfitngtichen, ald fchB))ferifd;cit Settfwetfe bed ^etteuenttmind (©. 223) bte Stngcmcffenhcit biefer ©hradfe für beit erften Unterricht abgeleitet (©. 224). ®erfelbe hat auch (@. 222 ) eine Diethe bon SKctuucrit namhaft gemacht, wetdje ben Unterricht iit beit claffifrf;eit ©hrachcit mit beut ©ried;ifd;eit anfangen Wollten: [RjoBert unb Heinrich ©ief'hamtd, §enißcrl;itl;d, OihuitEen, ©ebife, ^erbart, Sod;, Frau.) ‘Paffow, ffiot;lranfd;. Sie ÜBerwiegeitbe 3auptpuncteit faum ein 3wiefpalt ber 2lnfid)ten. Stuf eine furje 3 c 't wohl fomtten mattdje burd) bie ©elbftaupreifungeu ber §amiIton’fd)en unb 3acotot’fd)eu EDtethobe Berleitet Werben, ben grammatifdjen SBeg aEmäI)lid)er ©pntljefe ber ©prachelemente ju einem ©aujen mit bem uiugefehrten analptifdjeu ju Bertaufdjen, aber nad)bem bie praftifchen Verfudje, bie mit ’lepterem angefteEt würben, fel)lfd)Iugen **) unb bad midbiEigenbe Ur= tl)eil ber Sporte beftätigteu, fo blieb bem mit Hebungen (Ueberfefcungen aud ber fremben ©prad)e in bie fDfutterfprache uub umgefeljrt) uerbnnbenen grammatifchen Uuterridjt bie ©teEe am (Eingang in bie alten ©pradjen Weiterhin unangefoditen. (Dagegen hat fid) ju oerfdjiebenen feiten ein ©treit erhoben, ob bie gried)ifd)e Seetüre uub bemnad) auch grammatifche Unterricht nidjt lieber analog bem (Sut= , wicflungdgang ber griedjifdjen Siteratur mit bem epifdjen unb jonifdjen (Dialeft ju be= ginnen habe. Stefer 2lnfid)t waren fdjoit früher it. a. Wellenberg, fperbart, be= bingungdweife W r * Xl)terfd) unb SDiff en. ***) Snbeffen 33erfud)e waren nur in be= fdjränfter iBeife gemad)t Worben, herrfdjenb in ber iß rapid war bie Ueberjeugung, baß ber attifdje Sialeft bie ©runbtage bed gried)ifd)en Unterrichts bleiben uiüße. 3 lDa r. ift leptere Bor Wenigen 3ahren aufd neue unb mit befonberer ©ewanbtheit Bon 9ll)r en ^ angegriffen, fpomer unb honterifdje ©pradje abermald als Sludgangdpnnct bed gried)ifd)en Unterridjtd aufgefteEt f) unb bie Slnweubung ber SWetljobe jugleid) burd) bie oon biefent *) SRBnite, bad UnterridjtdWefen bed preuß. ©taated. Vertut 1855, II. ©. 216 u. @. 149. **) 3n foteber Strenge uub Stilgemeinbeit möchte id) bted uid)t ansfprecbeit. ©djmib. ***) Vergl. Äiibuaft, bie Vereinigung ber principießeit (Segenfäpc in uitferem attc(affifd)en Unterricht. SRaftenburg 1856, ©. 69. — gr. pier f db , ©riec^ifcpe Orannuatit 4te Qlufl. VIII. t) Slbreitd, Sahredbericht bes Spceums ju §anuoüer 1852. ©ricdjtfdje ©pradje. 71 fdjarffimtigett Seltner ber griecf>ifd)en SDialefte entworfene griediifdje Formenlehre *) er= leichtert Worben, aber aud) biefer erneuerte ©erfud) ftiefj bei erfahrenen ©d)ulmännern auf entfdjiebene Dppofition **) unb fanb nidjt Weiter (Eingang. 68 beruht aber bic Ijerrfd)enbe grammatifdje 9Jietl)obe mefeittlidj auf bent @ruttb= fah, baff bei Erlernung einer frembeu, namentlich fogenannten tobten ©prad)e ber 935eg burd) bie £l)eüe jmn ©anjen ber ficCjerfte fei, baff man juerft bie einjelnett ©lieber unb beren wefentlidjfle Functionen fennen lernen muffe, um bann ben aus mannigfadjen ©liebem jufammengefefeten ©ebanfcn »erftefjen ober felbft bilbeit 31 t lönnen. Snbem biefe 5D?etl;obe einerfeit» unb junachft baS ©ebädjtniS in Slnfprud) nimmt, anbrerfeitd auch ein beufenbeS ^Begreifen forbert, leiftet fie ben cntfdjiebenften 9?u(}en für formale ©eifteSbilbung. 9?un muß 3 War je nad) bem Sitter unb ber geiftigen Steife halb bie eine halb bie aitbere ©eifteSfraft öorjugSmeife in Eljätigfeit Q^fe^t Werben, aber feines biefer Elemente wirb in irgenb einem ©tabium beS Uuterrid)tS »öllig entbel)rlid). 3Benn bieS auf bem phhftologifdjen ©ebiet ber©pradje, ber Sehre »cn ben Functionen ber einjelnen Fennen unb FormwBrter für fid) flar ift, fo ift bod) and) auf ihrem anato= mifdjen ©ebiete, ber Formenlehre, eine »BUige ©eherrfdjung beS ©toffS, eine flare Ue&erftdjt über ben ©orratl) »ou Fennen nid)t möglich ohne benfenbcS Sluffaffen. SDtit ben hier bargelegten ©runbfäfceu ftel)t im Einflang, Wenn in ben unteren Eiaffen Kenntnis ber ©pradje unb bemnad) grammatifd;er lluterridjt als .£>aupt 3 Wed herbortritt, in ben oberen Eiaffen als DtebengWed beibehalten wirb. Es ift bereits be= rührt Worben, baß ein einmaliges Erlernen ber gried;ifdjen Finten, berbunben etwa mit Sfepetitionen, Wie baS ©orfonttnen biefer ober jener Formen gelegentlid) fie nahe legt, uid)t aitSreid)en fönne, baff regelmäßige, mehrere 3 al)re fortgefejjte Sfepetitionen 3 *u fidlerer SenntniS erforberlid) finb. 3Benn nun htebitrdj befoubere ©rammatifftunben nothWenbig Werben, fo aud) weiterhin burd) ben fhntaftifdjeu Unterricht. äftitjj biefer in feinen Ieid)teften ©runbjiigen aud) halb neben ber Formenlehre l)ergel)en, fo wirb bod) bei ber Unmogtidjfeit, eine flare Einfidjt in bie ©putap ber griedjifdien ©forad^e ol)ne 3 ufammenhängenbe 93etrad)tung ber berwanbten 6 rfd)einungen 3 U gewinnen, bie Slnorbnung eines befonbereu fhntaftifdjeu UnterridjtS unoermeiblid). Unb biefer ein= gel)enbere Uuterridjt muff tl)eilweife, namentlid) in ben fd)Wier-igeren Selben »on bem ©ebraud) ber-tempora, ber modi, ber ©artifeln, ben höheren ©pntnafialclaffen »or= behalten bleiben, weil nur in biefen bie Steife unb ©djarfe beS UDenfenS »oranSgcfeht Werben barf, bie 311111 ©erftanbniS ber feineren llnterfdjiebe, weldie l)ier ftatt finben, nöthig ift. ***) SJiit bem grammatifdjeu Unterridjt mäßen, wie es aud; in ber ©rapid gefd)iel)t, Uebungen »erbuitben fein, Wetd;e ben abstracten Siegeln ber ©rammatif burd) concrete 3 ufammenftcllung mit ber SDiutterfpradje bie nötl)ige 9lnfd)aulid)feit unb fidjere 2 ln= wenbiutg geben, ©iefe beftehen in Uebertragungen aus ber griedjifdjen in bie 50futter= fpradje unb umgefel)rt. Sejstere S©hättgEeit, mehr auf ft)ntaftifd)em ©erfahren berul)enb, Wirb im allgemeinen Eompofition, jene, iaorgitgSWeife analt)tifd)er 2lrt, Eppofition ge= nannt. © 01 t beiben haben Wir uod), übrigens unter ©e 3 iel)ung auf bie Slrtifel beS lten ©anbeS „Eompofition" unb „Elaffifdje ©djutteetüre", in Süqe 3 U fpred)en. 6. ®ie Eompofition ift im ©riedjifdjen fo gut wie im Satcinifd)eu unb aus ben gleichen ©rünben nothWenbig; fie famt unb muff fid) burd) alle ©tufen beS fpradj* *) ätfiren«, ©riedhlfdje Formenlehre beS £onterifd)eu unb Sltttfcben ©iatefteg — als ©runbtage für eine biftort[d)»Wiffeiifd)afttid)e Sebanblitng ber griedjifcben ©rammatif. ©Bt* tingelt 1852. **) Sßerhanblungcn ber päbag. ©ection 511 ©öttingen. Sabrbb. f. ißbit. unb ©äb. 1853. 4. ©. 469—475.,. ***) 3 it biefem ©inn bat fid) aud) Fi ruß ab er in beit tßerbanbluitgeu ber päbagogifdfen ©ection ju 33afet erftärt. @. 126. 72 ©ttcdjtfdje Sprache. Itdjen Unterri^tS erflrecfett. *) SBemt fie auf ber untersten ©tufe etwa in bet Secti» nation »ott ©uhftantiö mit Abjecti» (einem ober mehreren) befielt uub Ijier fd)on, je nadjbent bie Nomina benfelhen ober »erfdjiebenen Seclinationeit angeboren, erleichtert ober erfdjwert werben fann, fo finb weiterhin in ben höheren Staffen bie mattnig» fattigfteu A6jt ufintg cn mßgtidj, inbem bie ©ä(je ber SDfutterfpradje halb geringere, balb größere Abweichungen »on bem Sl;arafter beS ©rted)ifdjen barbieten. ©o häufig nun t;ier in öffentlichen Anorbnuttgeu ein Unterfd)ieb gwifdjen Sompofitionen als Hebungen in ber gried)ifd)en ©ranunatif uitb gtuifcheit ©tililbungen gemacht toirb, fo boctrinär itnb unpraftifdj ift biefer tliiterfd)ieb. ($3 läßt fid) burd)auS feine fdjarfe ©ränge gieren, jenfeitS Weldjer nid)t meljr » 01 t grammatifd)er (Sorrectheit ober 3ncorrectf;eit, fonbern nur » 01 t mef;r ober toeniger feinem ©til bie ffiebe märe; ober »ie(mel)r nidjt wenige fßuncte, bie gewöl)iilid) nur als bem ©ebiete beS ©tilS angehörig betrachtet toerben, faften nod) unter bie Sforiit ber grammatifdfen Sorrectheit, b. h* ihre SJernadjIäjgigung ift ein Sßerjtojj gegen ben richtigen ©pradjgefcraudj. ©djott barum ift e§ wiffenfdjaftlidj nicht gerechtfertigt, ber ©djule ettoa. bie Aufgabe gu ftetlen, in Eompofitionen nur fo lange fortjufaljren, biß jette grainmatifdfe Eorrectheit bei einer Eiaffe erreicht fei, aber eS fann fid) and) fein ©djulinattn, ber int gried)ifd)eit Unterricht Erfahrungen gemacht hat, berhehlett, einerfcitS, baff fefbft bie oolfe grammatifdje ©id)erf)eit nirgenbs oott einer Eiaffe erreicht toirb, anbrerfeitS, baff, toemt fie erreicht toäre, fie balb toieber »er» foren giettge, im gaH bie Lieblingen unterblieben. SBiefern auch k'e goied)ifd)e Eompofition bei -Prüfungen nidtt entbehrt toerbett fann, erhellt aus ben 93b. I. ©. 837 angeführten ©rfinben. **) 7. Sie griedjifdje Seetüre ift auf ber unterften ©tufe neben ber Eompofition bie gtoeite fpauptübung, um in bie ÄettntniS ber ©pradje eingufiihren, bie. graiitttta» tifd)en Dfegeln bttreh bereu concrete Anmenbttttg gu erläutern uub gu befeftigen. Siefem 3mecf bienen bie I)iefür auSgearbeiteten LtebungSbiidjer, inbem fie ben ©toff, loie er für ben elften itnb für ben ioeiteren Unterricht attgemeffen ift, »on ben einfadjfteit ©ä(3en an big gu augfül)rlid)ereit -ßerioben jufaiuntenfteKen (»gl. b. Art. Elementar» biidjer). 2Benn fobantt bie ©djüler bttrd) biefe ntethobifd) fortfdhrextenben Uebitngen einige ©etoanbtheit itnb ©id)erl)eit im Epponirett erlangt haben, bann mag ber Uebergang gu einer Shreftontathie, einer Auswahl geeigneter ©tücf'e aus muftergiiltigen ©djriften erfolgen. Erft auf biefer ©tufe finb El)reftomatl)ieen, uttb gtoar fie geretbe am fpiajs.— Sem Anfangsunterricht fie gu ©ritnbe gu legen, ober gar einen fetdjten Slaffifer ben Anfängern in bie fpänbe gu geben, erfdjeint in feiner Sßeife attgemeffen. Sie Slafftfer foüen feilte A93E53itd)er toerben. Sa ber »orgelegte Sefeftoff für bie Schüler neben wenigem 23efannteit »ieteS nod) Llnbefannte enthalten würbe, fo ntiifjte ber Sehrer beiberiet *) ©. ben Slvtifel „Eompofition," nameiitlidj ©. 834, itnb bie Abbanblmtg in bem OJiattl» brottner -Programm öont 3. 1851, bas Dlcfuttat ber SBerbanblutigeit in ber päbag, ©ecttoit 51t Erlangen 0.3. 1851, Protofotte ©, 88, mtb aMpellS tvcfflidjeS SBort itt bett 5(i«bag. ©ftgjen @. 831. „And; ift es eine 27utfd)uitg, baß matt bttrd) 33efcf)ränfitng ber G.0mfj0f11i0tt im Sa» teilttfdien Wie int ©ried;ifd)ett einen wefeuttidjen ©eWitttt att Seit gtt tttad)ett hofft. 3e mehr bie Uebititgeit barin 3uritcftretett werben, uni fo ltngriittblicber uttb itttbaiier» hafterwirb ba§ IßerfiäitbttiS ber ©chriftftelter, um fo itttfidjerer bie logifdje SHlbuttg, um fo fd;toäd;er bie EntWidlung bes wiffenfchaftltd;en ©eifteS, um fo mangelhafter bie 35 0 v b i I b tt tt 3 3 it 11t Ser jlättbitis ber SJhitterfprach e itnb ber rno» berttett ©itltttr werben." **) „SBeit Jpeone ttttb Erfahrung bie unumflBjfltdje ©ewtßbeit geben, baß es fein befferes üJlittel gebe, itt beit ©eift einer ©pradfe ttttb babttvd; bcS Solfes, bem fie eigen, eingitfithrcit, gttgleid) aber and) bie Äräfte bes ©eifieS 311 iibett, als bie Ueberfeputtg aus ber ÜJlntterfpradje itt bie frentbe, fo hat man bie grted;tfd)e Eompofition in ben meiften ©htttttafien Wieber ein» geführt itnb bie jyoiberuttg einer gewiffett Seiftung itt berfelbett bei ber 9JtatitritäSprüfmig er» neuert" (Dl. ®ietfd) itt 91. Sahrbiidfcr 1860 Satt. ©. 42). g-iiv bie »julaffitng eines beutfd)» griedjifd)ett ÜBörterbuchS bei ber Prüfung f. bie ©riittbe a. a. D. ©. 168 ff. ©djitiib. ©ricdjifdjc ©fttadjc. 73 (Elemente fonbern, baS (Befannte, ben ©djülevn (Erfaßbare tmn iljnen angeben (affen, baS Uebrige felbft öorfagen. 3 lbgefeljen baoon, baff biefeS ganje ©efdjäft ttnflar unb »ermir* renb märe, lüilrbe baburd) bie Dljätigfeit ber ©djüler, menn man fie nidjt felber ju ber übelften ©emoljnljeit, bem Srratljen beS ©inneS antjalten rnill, auf ein fet>r bürftigeS 5 D?aß befdjränft, itnb bie ctafftfdjen ©djriften gemännen habet meber an Sldjtung nodj an Sfteij uttb SlnjiefmngSfraft. (Dagegen erfdjeinen auf ber non uttS bejeidmeten (Stufe, mo einerfeitS bie (Sjtpofi* tion sufammenljäugenber ©ätje nidjt ntebr 51t große ©djmierigfeiten ntadjt, anbrerfeitS nodj immer bie ©fradje felbft ber nädjfte unb eigentlidje ©egenftanb beS griedjifdjen ©tubimitS fein muß, (Etjreftomatljieen als Uebergattg tmn ben tlebungSbiidjern ju ber Seetüre ganjer clafftfdjer ©djriften eben angemeffen. 9 ?adjbem nämlidj bie tlebungg* büdjer ben fpradtjlic^eu ©toff nadj ber Drbnung unb ffolge ber ©rammatif unb jttgteidj mit ber gehörigen. Ofücffidjt auf einen metbobifdjen gortfdjritt oont Seidjteren 31UU ©djmereren jufammengefteHt unb abfoibirt Ijabett, bleibt eS immerljin müufdjeuSmertfj unb notljroenbig, baß nodj ein toeitereS SJiaterial bortjanben fei, moratt 3intädjft bie Kenntnis ber griedjifdjen ©fradje an Sl'larljeit unb ©idjerljeit gemimten fantt. 3 lt biefern 3toed finb muftergültige SIbfdjnitte erforbertidj, in meldjett ber regelmäßige ©ftradj* gebraudj ber attifdjeit (ßrofa nadj feiner SJfannigfaltigfeit borgelegt mirb. 3 u 3^ e '^ iß audj tjier nodj ein gbrtfdjritt bott leidjteren 31t fdjmievigeren ©tüden münfdjenSmertlj, menn biefe Sfiicffidjt audj natürlidj nidjt fo bitrdjgefitljrt merben tann, baß itt ben ein* 3elnett Slbfdjnitten biefer aümäljtidje ffortfdjritt feftgefjalten mürbe. Den (Bearbeitern einer griedjifdjen (Eljreftomatljie bleibt nur baS bof'f'elte £>ülfSmitteI übrig, enüoeber fdjmierigere ©äfje, mofern fie 3ttm SerftänbniS beS ©anseit nidjt notljmenbig finb, meg* gitlaffen, ober burdj (Erflärung bie ©djmierigfeiten 3U befeitigen. Die SIbfdjnitte felbft aber müßen fo gemätjtt unb biSponirt merben, baß fie einen ftnfenmäßigen ffortfdjritt bar* bieten. Diefe OÜid'fidjt nun, »erbitnben mit ber ÜJtciljmenbigMt, im allgemeinen bie griedjifdje (attifdje) ©ftradje felbft als eine in öerfdjiebenett ©djriften fid; me*, fentlidj gleidje aufjufaffen, ton ben (Etgentijümlidjfeitett ber eittselnett ©djriftfteffer nodj abjufeljen, emffieljlt für biefe Stufe Kljreftomattjteen, fofern nur in iljnett jene metbobifdje Slnorbmtng ntoglidj, anbrerfeitS bie SDiannigfaltigfeit ber ©djriftfteHer, meldje in fdjnetlerem Söedjfet fidj folgen, öorerft oljne 97 adjtljeil ift. (ES bjieße baS (BebürfniS ber ©djüler menig fettnen ober menig beadjten, mottte man glauben, baß, fo lange ber regelmäßige ©pradjgebrattdj iljnen nodj rainber »ertraut ift, biefer alfo ber nädjfte @e= genftanb tljreS 3 ntereffeS fein inttß, fie geneigt ober befätjigt feien, ben eigentljümlidjen (Sljarafter ber oerfdjiebetten griedjifdjen -profaüer inS Singe 31t faffen. SJiinber baS 3 tt= tereffe ber ©djüler als baS ber Setjrer, bie fidj natürlidj lieber mit einer ooHftänbigett claffifdjen ©djrift, als mit einer Sljreftomafijte befdjäftigett, veranlaßt ben oougeitigen ©ebrattdj Oon Slitctoren. *) (ES ift smeefmäßig, menn itt bett oberen ©tjmttaftalclaffen ein neues 3 ntereffe, baS für bie Kenntnis ber ©djriftftcüer, für bie griedjifdje Siteratur, eintritt. Denn tuttt ttadjbetti in ben untern Slbtljeilungeit bis 31t einem gemiffen ©rab eine SSertrautljeit mit bem allgemeinen äBefen ber griedjifdjen ©pradje, ©idjerljeit in ben fyorttten, Kenntnis ber midjtigften ftjntaftifdjen Srfdjeinttngen erlangt morben ift, ttttit ift bie nßtljige (Befähigung oorljanben, um audj bie fßradjlidjen (Eigentljüm* lidjfeiten ber oerfdjiebenen ©c^riftftetter 31t oerfteljeit, nun ift bie geiftige 9Wfe eingetreten, um 3 nljalt, Slttlage, (Eljarafter, 3 toet ^ einer ©djrift ridjtig attfjufaffen. Denn baß, metttt einmal bett oberen Klaffen bie Sefung g an 3er ©djriftmerfe sugemiefen mirb, bie *) Sttoas attbers betrautet ben ©egenftanb ber 2 frt. ©jreftomatbie ffib. I. @.779 ff. 3 BaS bie Siteratur ber berfdjtebettett ©(butbiiefjer für bett Unterricht tm ©riecßticben betrifft, fo Oertoeifen toir auf bie ftatiftifdjen Sfrtifel über bie größeren Sauber üDeutfdjfanbs. D. 3 teb. 74 (Sticdjifdjc ©pradje. Seetüre auf tiefe fyrage, natürlidj in einer für bie ©djule beredjneten 3lrt unb SluS= beljnung, etngeljen muff, liegt in ber Slatur ber ©adje. SBenn aber bie befonbre Slufgabe ber höheren ©tjmnaftalclaffen barin befteljt, in bie Kenntnis ber griedjijdjen Siteratur (iljrer widjtigften Krfdjeinungen), wie bie ber untern Klaffen, in bie Kenntnis ber ©pradje eingufiiljren, fo mürbe eS bodj geringe Srfaljrung ober praftifdje ^Befähigung oerrat!jen, Wollte mau biefe ©ränglinte jnr unbebingten Slidjtfdjnur ergeben. KS bleibt fortmäljrenbeS SBebürfniS burdj alle Klaffen, bie ©pradjfenntniS überhaupt (artdj abgefefjen Oon ben 93efonber^eiten eines 2MatefteS ober eines ©djriftfteHerS) ju erweitern unb 3 U befeftigen, unb bem Sefjrer toerben SDliSoerftänbniffe unb SDliSgriffe, bie Don ©eiten ber ©djüler begangen werben, mamtigfadje SJeraitlaffung barbieten, 33emerfungen über allgemeinen griedjifdjen ©pradj= gebraudj ju mieberljolen ober neu 31 t tuadjen. Slur barf freilidj bieS nur fo weit eS SebiirfniS ift gefdjeljen, unb ber Seljrer muff fidj Ijüten, burdj überfliifjige Semerlnngen ben 3ufauptgattungen ber griedjifdjen Siteratur: Sieben, pljitofopljifdje ^Dialogen, 3)ramen. 3n allen biefen ©attungen fehlt eS nidjt an SJleifter werfen, bie 3 ugleidj für ben ©tanbpunct ber ©djule fic^ eignen unb überfidjtlidj finb. (Dagegen famt bie grage, ob epifdje Dichtungen unb ©efdjidjtSmerfe gang im öffentlichen ilnterridjt abfoloirt wer= ben foUen, ob ferner bie Itjrifdje, bie gnonüfdje, bie buf'oKfdje Didjtfunft eine ©teile im ©djulunterridjt erljalten fann, oerfdjiebeu beantwortet Werben. 23ou§omer — benn im KpoS fteljt er fo einjig ba, baß lein anbrerDidjter ihm ben 33orjug ftreitig madjt — feilte {ebenfalls eine feiner epifdjen Didjtungen gang in ber ©djule ootlenbet Werben, bie anbre mag 3 ttm Dh e M bent ‘tßrioatftubium Oorbeljalten bleiben; bodj mögen bie Seljrer allen, bie fid; eine griinblidje Kinfidjt in bie Siteratur ber ©riedjen gewinnen wollen, baS ©tubium beS gangen §omer einbringlidj empfeljlen. SSon ben © efdjidjtfdjreibern, weldje in ber ©djule beljanbelt werben fönnen, ■benopljon, £>erobot, ©ljuftjbibeS finb {ebenfalls bie beiben erften nidjt 311 umgeljen. SltS SRufter gefälliger unb leidjter attifdjer ißrofa bieten fidj bie SlnabafiS ot«r bie 5lijropäbie (ober audj bie griedjifdje ©efdjidjte) Oon -Eenopljon gteidjfam bon felber bar 3 m - erften Sectilre ooKftänbiger griedjifdjer ©djriften. 3ebeufaHS oerbient Slrrian, beffen ©pradje ber oöHigen attifdjen Korrectljeit ermangelt, feinen $orgug, unb Wer bei ber SluSWaljl ber ©djnllectüre meljr auf ben 3nljalt als auf bie ©pradje feljen Wollte, würbe biefe .Slbfidjt oielleidjt nodj beffer burdj bie griedjifdje ©efdjidjte -benopIjonS erreidjen. — SBenn nun aber bei ber gemotjulidjen ©tunben 3 aljl feines biefer ©efdjidjtSmerfe im öffentlidjen Ilnterridjt ooKftänbig wirb gelefen werben fönnen, Wofern nidjt SßidjtigereS geopfert werben foll, fo bürfte, bamit bodj ber ©djüler bie SInfdjauung beS ©äugen er= hält, feine Söaljl bleiben, als biefenigen 23iidjer, Weldje Bffentlidj nidjt gelefen werben, *) lieber bie fraget ,,3Mäje griedjifdje ©djriftfteHer eignen fidj jur Seetüre in Secunda? Oevgteidje bie SBerljattblungen jn Dfdjersleten Saljrb. ber tfipit. u. ißäb. 1857. 10. @. 539—543. ©riedjifchc ©pradjc. 75 junt fßribatftnbium ju bcftimmen, ober jurn wenigften in einer oom ©anjen ju gebenben Ueberfidjt ben 3nljalt ber nidjt gelefenen Steile fpecieEer anjugeben. — Sine fotdje Ueberfidjt wirb audj bei fperobot uotljwenbig. fperobotS ©efdjidjtSbüdjer ganj 3U lefen, ift nidjt möglich; fie §u übergeben, märe ein Unrecht an ber Sugenb. SBo eS fidj barum Ijanbelt, »or bent 9lnge ber Jugenb ein erljebenbeS ©emäibe Oon ber geiftigen ©röße ©riedjeulanbS aufjuroEen, ba bürfen bie Sümpfe mit ben Werfern nidjt festen. Unb feibft ber jonifdje ®ialelt unb bie naiöe Dbjectioität ber ®arfteEung ift fiir bie Kenntnis ber griedjifdjen Literatur ju bebentfam, als baß nidjt audj biefe fftüdfidjt briitgenb bie Slufnaljme iperobotS in bie ©djullectüre anrietlje. SDiefe wirb fidj aber, fo anjieljenb auch tag Uebrige fein mag, auf bie fßerferfriege, alg ben widjtigften Stjeit unb ba§ 3iei feines ©efdjidjtSWerleS befdjränfen mäßen. — ©oEte ber Seljrer non einer anljal» tenberen Seetüre ^jerobotS Verwirrung fiir bie Kenntnis ber attifcf)en ©pradje befurchten, überhaupt bie ®ifferenj jwifdjen fperobot unb attifdjer Vrofa beutlidjer 311m Vewußt» fein bringen woEen, fo taffe er üon 3eü 3U 3«t fperobot in attifdje ©pradje umfefcen ober ba8 Jonifdje gieidj attifdj tefen. SebenfaES feilte aber mit fperobot nidjt eher an» gefangen werben, als big bie ©djüler im attifdjen Sprachgebrauch Ijinlänglidje ©idjer» heit erreidjt haben. — SQSeniger Sinftimmung bürfte über bie grage ^errfdjert, ob Th U5 tpbiceS in bie öffentliche Seetüre aufjunehmen fei. Ss fdjeint mir nidjt mögüdj. 9tn bie ©teile Senopljong fann er um feiner ©djwierigleit willen nicht treten; ed fragt fidj, ob an bie ©teile §erobot8?. Stitjiehenber, anregenber unb erhebenber finb für bieSugenb unftreitig bie ©djilberungen aug ©riedjenlanbg größter 3^^ als baS traurige — an bie eigenen 3 u ftänbe mit nieberfdjlagenber SBaljrheit ntahnenbe — ©emäibe »01t ber 3erfpattung unb bem ©treit aEer 3ntereffen, ben fßarteüämpfen im Snnern, ben Kriegen heflenifdjer ©tämme wiber einanber. — flfadj fperobot aber, in ben jwei lebten ®tjm= nafialfaljren »erlangt audj bie 23erebtfam!eit unb bie ^3b)tIofop>b)te gebieterifch Verüdfidjtigung, abgefeljen oon bem großen Vortljeil, ber uns fm' geboten Wirb, baß wir in fidj ooEenbete unb leidjt ju überblicfenbe ©an,je erhalten, wäljrenb oon Tljuftp bibeS bodj nur ein Heiner ®h e ^ getefen Werben fönnte. 9lber baS Srreidjbare — ich fpredje aus meiner (Erfahrung — ift bieS, baß ThufybibeS oon ftrebenben Jünglingen, bie fidj griedjifdjen ©tubien Xjirtgeben, prioatim ooHftänbig gelefen Werben lann. äBünfdjenSwertlj Ware, baß ber Seetüre attifdjer Siebner ober ben platonifdjen ®ia= logen meljr3eit eingeräumt werben fönnte, als bei ber gegenwärtigen ©tunbenjaljl mög» lidj ift. 93ei ber SBidjtigfeit, Weldje bie platonifdjen SDiatogen für bie philofophifdje fßropabeutif an berSranje jwifdjen ©tjmnafial» unb afabemifdjen ©tubien haben, foEten biefen brei ©emefter eingeräumt werben, fo baß für biefUebner nur ein ©emefter übrig bleibt. 2Benn nun TemoftljeneS Oor ben anbern flfebnern ben Völlig oerbient unb unter feinen fReben fidj natürlidj bie pelitifdjen am meiften jur öffentlichen Seetüre eignen, biejenigen, welche ben größten Sftebner beS SHterttjumS in feinem großartigen, raftlofen Santpf für bie erlöfdjenbe greiljeit ©riechentanbS geigen, fo ift eS bodj feljr ju bebauern, baß nidjt audj bie Ijerrfdjenbe fftidjtung attifdjer Verebtfamfeit, bie auSber ©djitle ber ©opljiften Ijeroorgegaugen oorneljmlidj um bie Sun ft ber 9febe fidj be= mühte, in einigen fßroben oertreten werben fann. (Erft burdj biefe Vergletdjung würbe audj bie Temoftljenifdje Verebtfamfeit mit ihrer natürlichen Sraft, burdj Weldje ber ©afe belegt Wirb: pectus est, quod disertum facit, in ihr ooEeS Sidjt treten. Vlato mit feiner ibealen fRidjtung barf ber ©djule, bie fßflegerin ibealer Vilbung fein foE, nidjt fremb bleiben, jumal ba fidj eine fo paffenße 3luSWahl jwifdjen fürjeren, leicpter oerftänblidjen unb mehr iu ber VorljaEc ber Vh^ p f°hh' e »erWeitenben, unb ben längeren, fdjwierigeren, in bie eella, in welcher baS (EuttuSbilb, 3bee unb 3beat, auf» gerichtet fteljt, hineinführenben ®iatogen barbietet mtb bemnadj bie SJtöglidjfeit beS gort» fdjrittS üom Seichteren jum ©djwereren gegeben ift. Von ber ©ofratifdjen Tetralogie, Weldje inSgemein unb mit fliedjt bcoorgitgt wirb, mödjte idj ben Vhäbon nidjt auS» fdjließen. Dbwoljt fein OoEeS VerftänbniS jenfeitS ber ©tjmnafialfphäre liegt, fo ift 76 Oticdjifdjc ©pradje. bod; beffext, »ad bem Verftiinbnid nafje gebraut »erben fann, in berTI; at nid;t wenig, unb ed enthalt ein fo reiches SDJaterial 31 t Uehung bed ^ifofo^ifc^en ®enfend unb jur Vorbereitung auf bad afabentifdje ©tubium ber ißfnlofopljie, baß biefer ®iaiog, jumal ba er bie ©ofratifdje Tetralogie jitm 3Ibfd>Iuß bringt, uidjt entbehrt »erben foflte. *) 3n ber griedjifdjen fßoefie nimmt ferner 2—3 Satyre in 2Infprttd;, unb ba bad attifd)e $>rama um ber mannigfadjen ©djtoierigfeiten wißen, bie ed bent Verftänbnid entgegenfteßt, fdjWerlid; fd;on mit bern öorlefjten ©t;mnafiatjahr wirb begonnen »erben fönuen, fo bürfte ed jtoetfmäjjiger fein, bad ©tubium £>onterd bis bafiin fortjufefcen, »o bie ®ramatifer eintreten fönnen, als’ mit Verfügung Römers jwifdjen bad Spod unb bad ®rama bie ©ltomifer ober bie Vttfofifer einjufd^ieben. f)3inbar muß oon bem öffentlidjen lfnterrid;t aitdgefd;Ioffen bleiben, unb fann ed um fo mehr, aid in ben Sh»-' = gefangen eitted @opl;ofled bie herrlidjften groben ft)rifd;er ifJoefie gegeben finb. 33eint Tranta ift aber bie Sludmal;! auf ©o^hofted unb Sttripibed befd;räuft. 3lefd)t)lod unb 9 Iriftopl;aned fönnen aud nafieliegenben ©riinben nidjt in grage fomnten. SBare nun ber griedjifdjen Vectttre ein größerer 3laum oergönnt, fo ntöd;ten »ol;t aud beibeit Tramatifern einige ©tiiefe gewählt »erben fönuen, unb »emt Ghtripibed auf ©opl;ofled folgen »ürbc, fo »iirbe barin ein bebeutenbed ©tüd aud ber @ntwicflungdgefd;id)te bed gried;ifd;en Tratna borliegen, bie Sinflüffe, »eld)e fopf)iftifd;e Tenfart mtb bie f)iücf= fid)t auf bad Sebürfnid unb ben ©efdjmacf bed attifd;en ®entod audithteu, unb ed müßte barauf f)mge»iefen »erben, ohne bem Talente bed ®id)terd ju nal;e jit treten, ber bttrd; bie lebhaften ©emalbe raenfd;lid)er Gtmpfinbttngen unb 8 eibenfd;aften unb eine ber mobernen Tidjtmtg fid; nähernbe Sentimentalität ohnehin bad ©emiith in hölterem @rabe befd;äftigt. Snbeffeit toenn für bie bramatifdje ®id)tung nur 2—3 ©emefter hinburd) »öd;entlid; je 2 ©tuuben gewonnen itub bemnadf 2—3 ©rauten geiefen wer» ben fönnen, fo »irb ed gewiß angenteffener fein, biefe ganje geit llur einem ®rama* tifer ju wibmeit. äKiißen wir und für einen entfdjeiben, fo oerbient fal;l Voitip ttad; bem ffianon, baß nur foldje ©djrifteit Oon fpiato ge= Wählt Werben foltten, welche für ben ©ebaitfenfrei« unb bie äülbungsftufe ber ©d;ulen 3 ugaitg* lieh unb jitgfeid; geeignet feien, bie £od;ad;tung bor ißlato in ihnen ju begritnbett, nur Slpol. Ärit. 2 ad;. Iflrotag. ©org.; Siithbpb. mtb 2 Beney. feien nodj sttlaßig, iPhäbon nid;t jit empfehlen; Shnlid; fafi alte aubern, bie fid; bei ber SSerfammtung betheiligten, nur baß SBtefe bon ißl;äbott Slnfang unb ©d;lttß unb einige« au« ©pmp. 511 tefen rietp. ©djmib. **) Um bie @d;öuheit eine« ©tiide« 51 t bottftanöigerent ©emtß 51 t bringen, empfehlen ntaudje, jebe Tragöbie ttad; ber $urd;arbeituttg be§ Septe« in bentfd;er Ueberfe( 3 ung mit bertheilten Mollen lefen ju taffen. — 3tt betreff ber 2 tu«waht be« Sefeftoff« tut allgemeinen fügen wir jur 35 er* gleid;ung nod; bie Sorfchtäge Äijd;lh« bet (a. a. D.): 0bligatorifd; fei §omer, beit bic ©chüter Wie ein beittfdje« 33uch lefen foHett, bamit fie biefe ltnfterblichen, ewig jungen $oefien Wirftid; lieb gewinnen unb genießen, auf ben mau at« ben beftanbigett ®tittefpunct bei -jeher ©elegenheit äuriitflommett mtb berWeifen, ben matt halb wörtlich halb fadjlid; immer wieber repetiren foK; bann einige ©tiidc ber Sprifer ttad; einer Slitthologie mtb bie iautbifd;en Partien ber für bie ©d;ule fid; eignenbett Tragöbiett; itt ber ifJrofa §erobot, Settophott« üluabafi« unb §effenif'a, bie ei'äählenbett SUjctle ie« 2 l;ufhbibe« ttttb einige Meben be« Spfta«; ba« Uebrige, etwa bte ©h 0 l: ge* fange ber Tragöbiett, einige Oben bon tpinbar, einige Meben be« ©emoftheite« unb Slrriatt« 2ltta» baft« nur bei befottber« guten Jahrgängen in ber @d;ule, fonft bem ißribatßubiunt 311 itberlaffen; lebigtid; bem tpribatßnbium platonifd;e ®ialogett, Sfofrate« Sieben, ipiutard;ifd;e Siographieen ober gar Sttfianifdje ©chriften ju ertauben. @d;mib. ***) ©. S. SRoth. Äleine ©d;riften ©ttg. 1857 1er 33b. @. 405—422. 9täget«bad; in beit Verhanblttngen ber päbag. ©ection 31 t ©tuttgart, 1|5rctoMe ©. 153. 154. ©riedjifdjc Sprache. ©rofibritaititicn unb Srtanb. 77 ab 3 UWed)feln, ein rafdfereS 33oranfd)reiten in febcrn einjelnen üluctor unb banxit aud) bie 9J?oglid)feit, mehr ju lefett, gefiebert fein würbe. 316er, ol)ne bie fonftigett ©rünbe hier aufjufü^ren, bie id) an anberem Drt *) gegen tiefen SSorfdjlag geltenb rnadjte, fo fetten hier nur bie unüberwinblidjett ©djwierigfeiten erwähnt werben, weldfe bie griedjifdje Literatur ber SluSfü^rung btefeS ©orfdjlagS eutgegenftefft. SBenn ferner, ftatt nun mit 2 äBodjenftitnben burdj 5—6 ©emefter fid) IjÜOT^'U bie Code 3al)l ber für bie griedjifdje Seetüre beftimmten ©tunben gitgewiefeu erhielte, fo würbe immer« hin beinahe ein noöeS ©djutfatjr au 8 fd)Iießlid) biefent ®id)ter eingeräumt Werben mti-ßen. 9?id)t nur beäugt fid) Ijiebei bie ginge auf, ob nidjt bnrd) tiefe 2Iu§fd)ließlid)feit, bet ber Befteir SDfeinung, ba« Sntereffe 311 forbern, melmeljr eine Ueberfättigung herbei* geführt würbe, fonbern and), ob bann wirflidj über brei Siertefjaljre nur ferner**) ge= lefeit, ober ob bie Sectiire fpomerS unterbrodjen Werben foH bttrd) einen attifdjen fßro* faifer. ©egen ba§ eine unb gegen ba 8 anbre erbeben ftd) bebeittenbe SBebenfeit. Unb foH bann wieber jWifdten tpomer unb Cie ©ragüoie ein fßrofaifer etitgefdjoben unb ber natürliche Bufautmenhang teS attifdjen ©ranta ’8 mit fpontcr jerriffeit Werben? ®a würbe man, um ein jweifelhafteS fßrindp burdjjufithrcn, febenfatfö bie widjtigften 25or= tbjeile opfern. ■— 9?od) bebenfe man, baß bie ottifdje ©ragobie fo gut wie fßlato, ttnb fßlato fo gut wie bie ©ragobie beit SCnfprttdi macht, ber ©djlußjtein be 6 griediifdjen Unterridjtd int @t)mnafium 31 t fein. ©0 taffe mau baut in ber ©djttle wie int Sebeit ©idjtung unb fßrofa neben einanber Ijergeljen. SBdutnlcin. ©röPfitaiUttCH 1U1Ö Srlnub. I. ©cfdjidftridjcr Ucberbltd. 1) ©ie te11 i fd> e 3eit- 3m ©ruibenttjum liegen bie 3lnfänge ber SBitbung auf ben brittifdjen Snfetn. 33ritannien galt fd)on im erften Saljrhunbert cor Sljrifti ©eburt at 8 £icd)fd)ule brtti« bifdjer ©eleljrfautfett. ®at)in wanbten fid), Wie (Eäfar beriditet, bie fonft Ijiitier ge= bitbeten ©attier, tun fid) in bie ©iefen ber SBeiSljeit einführen 31 t taffen. 3Bie bie ägpptifdjen fßriefter unb bie inbifdjen 33ral)ntinen bitbeten bie ©ntiben eine Stafte, bie im SlHeinbefifj be 8 SBiffenS war unb bttrd) it)re geiftige Uebertegent)eit bie ÜDiaffe be 8 ttuwiffenbeu SSotfeS bet)errfd)te. 3 t)r Söiffen umfaßte nicht btoß bie @et)eimtet)ren ihrer Religion, fonbern and) ülftronomie unb antere B® e ' 0 e ber Staturfunbe, nanient* tid) Strjneitnnbe. ®a 8 9?edjt$roefen war galt} in ihren fpänben, fßoefie unb SOtufif Wttrbe mit Vorliebe Bott iljnen gepflegt. (Sin jatjtreidjer ©diüterfreiS fammette ftd) ttm fie, beut fie iljr SBiffen in laietjäbjrigem Unterricht-mittheilten, mtb jwar münbtid), um ihre äßeiSljeit geheint 31 t halten, nid)t aus UnbenntniS ber ©djrift, Bon bereit fonftigem ©ebraud) fid) beuttidje ©puren corfinben. 3al)rhitnberte lang würbe fo bie bruibifdje ©etehrfamfeit auf bem SBege ber ©rabitioit » 01 t ben ÜJieiftern auf bie ©d)üler fortgepfianjt, ttnb erft uad) bent Untergang be§ ®ruibentt)um 8 würben bie im SJiunbe ber Farben tebenben ©innfpritdje ttttb 9ietigion8tet)ren aitfgejeidjnet, wetdje itt ber gorm ter ©riaben auf un§ gefommeit fiitb. fDtit ber 3iomanifirung unb (Shriftianifiruitg ber brittifdjen Snfetn würbe ba 8 ©ruicenthitut jurüdgebrangt aber nidjt gattj cerbrängt. ©puren beSfetbcn finbett fid) uod) in irifdjen fpeiligenlegenben be§ 11. SahrljunbcrtS. SLÖie weit fid) aber bie neuen S 8 itbitngSetemente mit beit fdjott Borhanbeneit oermifd)t haben, ißt eine ebettfo fdjwierige at 8 intereffante ffrage. ©td)er ift fo otet, baß ber röittifdje Sittfluß fdjon unter 3tgrtcota ftd) geltenb 31 t madjen beginnt, unb non ba an immer bebeutenber Wirb. ®ie Häuptlinge baffen ihren ©öl)nen eine rüntifdje (Srjteljitng geben ttnb öffnen rentifdjer ©itte ttnb Äunft bie ©tjür. 9Jian tröftet ftd) über ben SBerluft ber nationalen Unab« *) SSerbattMtmgen ber päbag. ©ecttott 31 t Stuttgart, ©. 153 mtb Dtecetiftott ber 9iotl)’fci)en ©(brifteit in bett SaljrB. f. mtb 5)5äb. 1858. II. 'ätbtb- 13. ©. 268. **) ©. SJerbanblungett gu OftfjerSleBett. 3abrbb. f. ifbtt- ttnb s f5äb. 1857. 10. II. StDtl). @. 542 ©ittfurt: ,,SBiirbe §omer ttnb §erobot nur ein halbes 3abr allein gelefert, fo Würben bie attifdfen govnten balb gäiijlid; aus bent ©ebadjtniffe eittfchwiitben." 78 ©rofjbtitannicn unb Srlanb. hängigfeit mit ber 6 l)re, bem mädjtigen 9iömerreid)e anjugehören. 2 lud) nad) bem ©turj biefed 3teid)ed unb ber oölügen Sodtrennung üon SRom bleibt bei ben dritten bie Vorliebe für römifd)ed SBefen, mad fid) befonberd in ber lad)erlid)en ©udit geigt, ben Urfprung bed brittifd)en 93olfeS auf ben SRBmer 33rutud gurücfgufübjren unb iiber= Raufst römifdje ©tammfagen mit ben fmimifdjen gu oerfledften. 2 lnberd mar ed in SJlorbbritannien unb 3 rlanb, mo bie feltifdfe Nationalität üon römifdjem 6 influß un= berührt blieb. Son meit größerer Sebeittung, namentlich für bie Solfdbilbung mar and; auf ben brittifd)en 3nfelu, mie fonft, bie (Einführung bed 6 hriftentl)umd. 68 faui guerft in bad eigentliche Srittenlanb, bad fd)on auf bie ©pnobe non Slrled 314 ald SSertrcter ber bieffeitigen Siöcefen bie Sifdföfe üon Sonbon, 2)or! unb Lincoln fanbte. Sermut£)lid) oon ben norbmeftlid)en ©egenben bed Srittenlanbed mutrbe bad 6 l)riftentl)um burd) Ißatriciud (c. 430) ju ben ©coten in 3rlanb, unb oon ba burd) 6 oIuniba (c. 563) 31 t ben nad) Norbbritannien audgemanberten ©coten fomie ju ben l|3icteu gebracht unb brang üon ba füblirfj fogar in bie oon ben h e ftmifd)en @ad)fen eroberten Sänber ein. SDie Steltenflöfter, bie fid) ht großer 3al)l erhoben, maren ebenfo ißflaiiäftätten ber Silbitng ald Süiittelpuncte für c^riftlidje SDUffionöthätigfeit nidit bloß für bie brittifdjeu 3nfeln fonbern and) für bad Sludlanb. Stlöfter mie Sauger inSBaled, Saugor in 3rlanb, Hh auf einer ber norbmeftlidjen Snfeln, unb Sinbidfarne im norb= Bftlidfen Sritannien finb leud)tenbe Ißuncte 'in bem ®uufel, bad auf ber @efd)id)te biefer 3eit liegt, gromute Hebungen medjfetten in biefen Stloftern mit miffenfd)aft(icf)en 33e= fd)äftiguugen unb nütjlidjen §anbarbeiten. Dtebcn ber Sibel unb ben Stird)enoatern mürben and) bie 6 laffifer ftubirt, befonberer gleiß auf bad 6 opiren unb Servieren ber iPergainentroHen, SNiffalien unb 6 oaugeIieu oermenbet, beren fdjöne ©d^rift unb eigen* thümliche Signetten noch h eu le ein ©egenftanb ber Semunbentng finb. ülud) ÜJtufif unb religiöfe ®id)tung mürben fleißig gepflegt. ®ie Hinneigung ju mt)ftifd)=philofo= phtfdjen ©tubien, ald beren ^auptoertreter Sobauned ©cotud befannt ift, läßt einen öinfluß bed untergehenben ®ruibentl)umd faum oerfennen. ®ie ©coten galten ald bie gebilbetften Selber, bie überall gute Aufnahme fanben. ©ie maren bie erften fahreuben ©d)o(aren, bie Unterridjt erfpeilten mo fid) ©elegenl)eit fanb, unb in ber Heimat!) ober grentbe ©dfitlen grüubeten. ®ie SBanberlnft ift ein heröorragenber 3 U S in bem 6 l)a= rafter ber irifd)--fcotifd)en SNondje. ®iefe ober bie Ueberfiitlung ber Stlöfter fomie Suß= geliibbe trieben fie in unmirtblidrn ©egenben in ber 9?äl;e unb gerne, mo fie Stlöfter grüubeten, meldje in enger Serbinbuttg mit ben 2Jiutterflöftern blieben. ®ie Stlöfter ju ©edingen, ©t. ©aßen, Supeuil unb Sobbio, Stilian’d in SEBürjburg, ©t. 3a!ob’d 31 t Negendburg, ©t. Söiartin’d ju 6 öfn unb ©t. ‘Hiaria’d ju SBien maren ©tiftungen ber fcetifd)en ipil^ermöndje, bie an ben genannten Drten nid)t bloß bad 6 oangclium prebigten, fonbern aud) ben ©runb jur miffenfd)afttid)en Silbung legten.' Son bleibcnbem 233ertl)0' finb bie literarifdfeit ©d)a(?e, bie in biefett Stloftern angefammelt mürben. 3u engerem Streife ald bie irifdjett ©coten mirften iljre ©tammbrüber 001 t 6 oIumba’d Stlöfter inHh (3oua) aud. ®ie Sefel)rung unb 6 ioilifirung ber rohen Rieten mar ihr SBerf. s llber aud) in bad ©ebiet ber nortI)umbrtfd)en ©adjfen bel;nte fiep tpr 6 inflitß aud, feitbem ber oon ihnen erjogene Stönig Ddmalb 9?ortl)umbrien unb bie !föad)barftaaten be= herrfdjte. 2 luf beffeu Slnfudjeit ftiftete ber Hh en f er SJiönd) 2 liban bad meitberühmte Stlofter Sinbidfarne (a. 635) beffen Slnfeheu unb ©d)äfje fpäter auf®urham itbergiengen, ®er Strom d)riftlid)er Silouug ber 00 m Srittenlanbe nad) Srlaub unb Oon ba über bad heutige ©djottlanb nad) Dtorthumbrien gebrungen mar, traf l)ieo mit einem anbern ©trom jufammen, ber oon ben fiiblid)en ©ad)fenlänbern norbmärtd brang. 2) ®ie fad)fifd)e 3 e ü- Unabhängig üon ber feltifdjenfird)e mar bad 6 hrifteu= tl)um Oon 3tom aud burch Sluguftin unb feine 40 9Jii5nd)e ju ben l)ubnifd)en ©ad)fen im ©üben oon 6 nglanb gefommen. (c. 597). SOtit ihrer Sefehrung beginnt eigentlid) erft ihre ©efd)id)te unb Silbung. ®ie Slnfänge maren bei einem nod) fo rol;en Solle, mie bie ©adjfeit batnald maren, fdjmierig, ald aber 668 ber burd) feine gried)ifd)e @e= ©tofl&tifamttcn uitb Ertaub. 79 leljrfamfeit audgejeidjnetc ©Ijeobor aud ©arfud ben Gürjftufyl öon Ganterburt) beftieg, trat eine SBenbuug ein. ©iefer ftiftete eine Älofterfdjule 3 U Ganterburt) unb gab iljr ben gelehrten 3lbt fpabrian jnm 33orfteljer. ©leidjgeitig War in 2)ort ber burd) feltene Silbung Ijeroorragenbe tSrgbifctjof SBitfrib t^ätig, ber feine bebentenben, im Slofter£in= bidfarne erworbenen Senutuiffe burd) eine Steife nad) Stom erweitert Ijatte. Gr war ber Steifegefüljrte beS 23enebict gewefen, ber bon Stom Sunftwerle itnb Uterarifdje ©d)ä( 3 e gurücfbradjte unb bad Slofter SBearmoutl) ftiftete, SBaunteifter unb SStufifmeifter bon ©allien unb Stein fouinten lieg unb fid> überhäuft unt bic 33ilbung Stortljumbriend Ijocfj eerbient rnadjte. SZBearmoutlj, bad fdjon nad) wenigen 3af)rgeljnteit 600 SJtöndje gäljlte, Ijat feinen großem fötann ljerborgebrad)t ald ben eljrwürbigen 23eba (f. b. 2 lrt.), ber bad gange SBiffen feiner 3 e ü umfaßte unb audbreitete. 2 lud feinem gabjlreidjetr ©djitlerfreid giengen bie bebeutenbften SJtänner ber fädjfifdjett Sirdie Ijerbor. Stehen bem 23ater ber englifdjeit @efd)id)te glängt ber etWad jüngere, 33eba eng befreunbete, Gcgbert, ©rgbifdjof ben S)or!, Weldjer bad Slofter bafelbft mit ber reidjfteu 23ibliotl)e! audftattetc unb eine ©djule grünbete, in ber außer ber 1 ) 1 . ©djrift bie Gtaffif'er, @ram= matif, Stljetoril unb Slftronomie bie ©egenftänbe bed Unterridjtd bilbeten. SDtan barf nur ben Stamen Sllcttin (f. b. 21.) nennen, um in Ginem SBorte gu fagen, Wad biefe ©djule leiftete. ©ie ©adjfett blieben I)inter ben ©coten nidit gitrücf. 2 öie ben irifdjen SJtöndjen gleid) bie fadjfifdjen, namentlid) SBiHibrorb, SBinfrib (SSonifag), SBilletjab, SBiHibalb ald SDtiffionare nad) ©eutfdjlanb giengen unb SBifdjofdfifse griinbeteu, fo ber» pflangtetr fie and) il)re ©eleljrfamlett auf beutfdjen 23oben. 3 n ©nglanb felbft entftanben ©deuten in SJerbinbung mit ben meiften 33 ifd)ofdfif 5 en, übrigend faft nur für bie lper= anbilbitng ber Steriler, bie um biefe 3^it allein im 23efi§e ben ©djulfenntniffen waren, unb Wo foldje erforbert würben, wie 3 . 18. bei Sfttffefcuug bon Urfunben, eingutreten l)atten. ©d ift uterlwürbig, baß fid) biefe uralte 2$erwenbttng ber Sleriter nod) bid Ijeute in bem allgemein üblidjen Stamen „Glerf" (©djreiber) erhalten b)at. ©ine neue 2lera beginnt mit Sönig Slelfreb, ben man ©nglanbd Sari b. @r. nennen lonnte. Sr faßte gnerft ben großen ©ebanlett einer ißolf'dbilbung. ©ie freigeborne 3ugenb foHte Wenigfteud bie fädjfifdje ©djrift lefen lernen, bie ©beln nod) iiberbied Satein ftubiren. 3n feinem eigenen fpaufe madjte ber Sonig ben Slnfang. ©bie unb uneble Snaben nahmen an bem Unterridjt ©fjeil. ©ie tiidjtigften SJtäuner bed 3it= unb Sludlanbed, wie Slffer aud SBaled, ©rintbalb bon ©t. Omer, 3oljattned ben 2(ltfad)fen bon Sorbet) 30 g er an ftd) unb ließ burdj bie letzteren Slofterfdntlen 3 U §t)be 21bbet) (bei Sßindjefter) unb Sletljelnet) einridjten. Slelfrebd tpaußtberbienft aber finb feine S3e=. müljungen um bie fpebung ber fadjftfdjeit ©pradje. 33olfdbid)tung Ijatte fcfjon früher begonnen (man beide nur an ©aebmottd Sieber unb SSeoWnIf), S5eba Ijätte bad ©ban= gelium 3o^annid in bie Sanbedfpradje überfetjt, 3 nterlinearg(offen 31 t ben ©bangetien würben igefdjrieben, aber bied Waren nur bie erften Slnfäitge einer ©oüdliteratur, ein Slnftoß 'gu bem, Wad ber große Simig unternahm. Slelfreb War f^oit ald Snabe burc^ feine SJtutter für fäd)fifd)e 2SoI!dbid)tung begeiftert Worben. Slitf beit ©Ijron erhoben lernte er nod) bei feinem getreuen 31 ff er Catein unb wagte fid) nun au Ueberfe( 3 imgen aud biefer ©pradje in bie fädjfifdje. Sr überfe^te 23eett)iud, Drofiud, 23eba’d Sird)en= gefc^idjte, ©regor’d cura pastoralis, ©iugelned aud Sluguftin unb begrünbete Woljl bie 21ngelfäd)fifd)e Sljronil. Sr ber Sonig, ber 56 ©d)Iad)ten gefdjlagcn, fanu, Wenn nidit ald IBegrünber, bod) ald fpauptbeförberer ber rcidjen fädjfifdjen Süeratur angefeljen werben, einer IBclldliteratur, bergleidjeit fid) lein anberer beutfdjer SSolldftamm in biefer 3eit rühmen fann. Sind) bie ©djulen würben nidjt bergeffen, Wie Slelfricd Iateinifd)= fädjfifdjed Sefebud) 3 eigt. 3) ©ie uormaunifdje 3 e ü- SortentWidlung ber angelfäd)fifd)eu 23ilbung Würbe burd) bie norntannifdje ©roberung gehemmt, Wenn aud) teinedwegd unterbriicft, beim ed finben fic^ aud biefer 3 e it ntandje literarifdje ißrobucte. ®a aber bad Storinannifd)»frait 3 Öfifd)e bie ©fradje bed §ofed unb Slbeld; ber @erid)tdl)öfe unb jum 80 ©rofibritanitien unb Svlattb. S£t;cil aud) her Stuten War, fo Würbe ba$ ©ädjftfdje in bie mittleren unb unteren Bolf 8 = fd)idjten jurüefgebrängt. ©leidjwol)! bradjte biefe Unterbrechung ber nationalen (Eutwid» Utng einen großen ©ewintt. ®ie uormannifdie ©eifttidjteit, Sanfrant unb Slnfelm an ber ©piße, berpflanjte bie continentale SSUbnng auf brittifd)en Bobeit unb erweiterte beit wiffenfdjaftlidjeit ©efidjtSfreiS. @8 war bie Qzit, Wo nad) bem Borgang bon 3(ta= lieit unb grantreid) Unib erfitäten aufblül)ten. 9?ad) bem SDiufter boit DrleanS würbe 1109 ein ©tubium 31 t (Eambribge eingerichtet, wo ißriScianS ©rammatit, bie Sogif beS IriftoteleS, 9tl)etorit unb ®t)eologie gelehrt Würbe. Sind) Dpforb, wo fepon früher eine ©d)itte beftanben hatte, erweiterte fid) pr llnioerfität unb jäl;Ite umS 3al)r 1209 bereits 3000 ©tubirenbe. Unter 9toger Bacon, 9?id)arb gijljacre unb ©nnS ©cotuS blühte eS fo auf, baß eS neben ben erften Unioerfttäten ber Beit eine ©teile eiunal)m. (Es War ber fpauptfih ber ©djolaftit, bod) ohne claffifdje, naturwiffenfdjaft» lidje unb cicitredjtlidje ©tubien auSgitfdjließen. ®ie B a hl ber ©titbireuben aus ber 9täl)e unb gerne foH in ber üDtitte beS 13. SaljrhunbertS auf 15,000 geftiegen fein. Um biefe Beit Würbe I;ier wie in (Eambribge ber Slufang mit ber (Stiftung bon Kollegien ober Konbicten gemad)t, bie in ben folgenben 3al)rhunberten in Dyforb bis auf 24, in Kambribgc bis auf 17 anwudjfen. Saburd) Würbe allerbingS baS ©tubiren aud) ben Unbemittelten fetw erleidjtert, aber sitgleid) and) baS eigentlid)e UniberfitätSWefen beetn» trädjtigt. ©urd) bie teftamentarifd)en Beftimmuitgcn ber ©tifter, nad) weldjen bie Kol» legten mehr monaftifd)e gönnen anna^men unb in fid) abgefdjloffen Waren, .Würbe bie a!abemifd)e greil)cit befdjränft unb bie Uniberfitäten Würben nur 3 U einem Komplep ber» fdjiebener, bon cinaubcr unabhängiger Korporationen. ®ie Uniberfitäten Ijatteu jurn ®t)eit bie 9Jt'itteIfd)u(en jn erfefsen. ©cd) Würben fotdje BilbungSanftalten feineSWegS bernadjtäßigt. B'^ar waren biete ber alten fäd)fifd)en ©d)ulen eingegangen, aber neue traten au it;re ©teile. 91id)t Weniger at» 500 follen in ben erften 150 3al)ren ber 97ormaunenberrfd)aft gegriinbet Worben fein, ©aneben War bie wiffenfd)aftlid)e ©t)ätig= teit in ben Äloftern eine rege. KS Würbe in benfelben hauptfädjltd) bie @efd)id)te beS SanbeS unb ber Stlöfter bearbeitet; launt ein anbereS Sanb tmt fobiete Sl)rouiften auf» juweijen als Knglanb in biefer B e *-'iobe. 3n ben ©d)itlen ift ein mer!üd)er gortfdjritt in ber (Erweiterung ber Unterrid)tSfäd)er 31 t gewähren. @o führte 3 . 93. ber Benebictiner» abt 9letl)elt)arb ben bon itjm auS bem 91rabifd)eu überfeinen Kuttib in feiner ©d)ute ein. ©ifputationen über berfdjiebene ©egenftänbe Würben eingeführt unb meift am ©age beS er 3 U einem geregelten DoIFSfdjutwefen War nodj ein weiter ©djritt. Dian fann fidj bie ©djwierigfeiten nidjt groß genug teufen. 35ie engtifdje Dation War 3 U einer Sänber unb SDteere beljerrfdjenben ©roßmadjt heran» gewadjfeu, fie hatte burdj alte ©djidjten beS SßotfeS tjinbttrdj eine praftifche Düdjtigfeit entmicfelt, wie wenig anbere Dationen — unb baS altes otjne fidj um bie DotfSe^ietjung gefiimmert 3 U haben, fteßtere mußte beStjatb atS iiberflüfftg erfdjeinen, wenn nidjt gar als gefätjrüdj. Denn burdj Hebung beS niebern SlotfS fürdjtete man beffen Kinftuß ©rof&ritanntcn unb 3tlanb. 83 unb 2lnfprü aber gu halb auf eine entlegene fßfarrei guriief, um einen bebeuteuben Erfolg fehen 31t tonnen. Um biefelbe 3eit führte 3ofepl) Sancafter biefelbe UJtethobe ein. ES ift nicht gang entfdjieben, ob er fie felbft erfonnen, ober Wie Wahrfdjeinlid) oon SeU geborgt hat. 2Bährenb aber legerer in giU'Möegogenheit lebte, fe(3te ber feurige junge Quäler feine gange Straft baran, biefeS ©hftem au§3ubilben unb 3U oerbreiten. 3n fnr3em hatte er in Sonbon 1000 ©djüler um fid). Er burdjreiSte Englanb, hielt Sorträge über bie neue SEUethobe unb gründete hulen, W03U ihm reicfjlidje Seiträge gegeben würben. 2tud) bei £of fanb er fehr günftige Aufnahme, ©eorg III., ber längft ben Sag herbei- gewünfdjt hatte, wo jebeS arme Äinb in feinem 9feid)e bie Sibel würbe lefen tonnen, gab einen bebeutenben jährlidjen Seitrag unb gewährte bie foniglidje ^protection. 1805 Würbe bie „British and Foreign School Society“ gegrünbet, bie rafd) aufblühte, obwohl £ancafter felbft, burd) pecuniäre ©cpwierigteiten geuöthigt, bie Setheiligung baran auf- gab unb nad) Slmerifa gieng, wo er nad) oielen S58ed)fetfäUen beS ©djidfalS 1838 ftarb. ®ie ®efeHfd)aft ruhte, Wie anbere um biefe 3 e >t geftiftete ©efeUfdjaften auf einer aü= gemein d;riftlid)en ©runblage mit 2luSfc^lnß alles EonfeffioneHen. ®ie Sibel würbe „ohne Slnmertung ober Erflärung" in ben ©djulen gelefen. Unb bieS fdjien baS ein= fachfte SDiittel 3U fein, um Stinber ber üerfdjiebenften 9teIigionSparteien in einer ©d)ule gu oereinigen. 2Bar aber bieS bie 2lnfid)t ber ©iffenter, fo hatten anbererfeitS bie Epi= ffopaten ihre Sebenfeit babei, baß ber ÄatechiSmuS auSgefdjloffeu werbe, ber ber einsig ridjtige Exponent ber ©d>riftwcth r peit fei. ®ie lederen grünbeten baher mit fpülfe beS Dr. SeU bie National Society for Promoting the Education of the Poor in the Principles of the Established Church, 1811, weld)e 1818 EorporationSredjte erhielt. SeU, in oielent baS ©egenftiief 3U Sancafter, blieb in Serbinbnng mit biefer ©efeUfdjaft unb hinterließ bei feinem ©obe 1832 ein Sermäd)tniS oon 120,000 fPfunb für bie SolfS= ei^iehnngSanftalten .feines SaterlanbeS. SiS um biefe 3 c ü h atten bie Reiben großen ©d)u!gefeHfd)aften gewetteifert in Serbreitnng ber Silbung in ben untern ©d)id)ten beS Solts, ©aufenbe oon ©ie Stellung ber Der» fdjiebenen Parteien gur Srgiefjunggfrage furg bargutegen. £ier wie in firdj- lid^eu unb fccialeu fragen giefet eg gmei fpauptparteien. Sie eine f»ulbigt bem $rincip ber greimilligfeit, bie anbere ift für Biitmirfung beg ©taateg. Sie „fr ei» Uli ge fßartei" (the Voluntary Party) I)ält fnrj gefagt, bie Sinmifdjung beg ©taateg in bie Srgieljung für ebenfo öerfet;rt atg beffen Sinmifdjung in !irdjlid)e Singe ober in §antel unb ©emerbe. Srgieljung gehöre gar nit^t in bie ©pljäre beg ©taateg, fonbern ber elterlichen fßflidjten unb Siebte. Siefe ben Sttern abgunetjmen, würbe gurn Somntunigmug führen. Sie gamilienbanbe »ürben gelodert, mit ber ©orge für bie Sinber and) bie Duelle ber ebelften Sugenben unb reinften greuben terftopft unb Dem ©taate felbft mit einem gefitnben gamilienleben feine befte ©runblage entgogen. ©obann »irb bie Be» fitrdjtung auggefprodjen, baß bie ©taatgergieljung, »enn allgemein eingeführt, halb ju einem tobten Bfedjanigmug ^erabfinfen würbe, »eil ber ©porn ber freien Soncurreng fehle. BMcfjtiger ift ber SinWanb, baß, ba SMigiougunterridjt Don ber Srgieljung nicht gu trennen fei, ber ©taat öffentliche ©elbmittel für religiöfe 3^ede ocrwenben würbe, »ag ben ©runbfäfeen ber Siffenter fdjnurftradg gumiberlaufe. Snblidj wirb barauf Ijingewiefen, wie Slußerorbenttidjeg in anbern ©ebieten burd) freie Bemühungen geleiftet worben, wie eben in ber (Ergießung felbft big Dor furgem alle« freiwillig gefdjeljen fei unb bon 3aljr gn 3aljr immer meljr gefdjefie, unb Weid) h e >h’ amc n Sinfluß eg auf bie ärmeren (Staffen augübe, wenn fie beibeg, bie fßflidjt unb bie IDiöglidjfeit ber ©elbftljülfe erfennen. Siefer Partei gehören alle Snbepenbenten unb Baptiften, niete non ben tlei= neren metljobiftifdjen ©ecten unb gctm größern Sljdt aud) bie Quäfer an. Bei aller Slnerfenmtng ber 2Bidjtigfeit beg greimilligfeitgprincipg erflärt bie „©taatgergieljungg» Partei" bie Beihülfe beg ©taateg für notljWenbig unb berechtigt. Bon biefer ©eite wirb oor allem ber berntalige ©tanb ber Singe ing Singe gefaßt. Sie große 3^f)f ber Berbredjer unb BagabitnDen, bie faft alle nicht bie geringfte Srgieljung genoffen haben, ber niebere ©tanb ber Bilbung bei ben arbeitenben Slaffen im Bergleich mit benen auf bem Kontinent — biefe Slj at f a( h en fagt man geugen laut genug für bie fftotl)» wenbigfeit einer fdjleunigen unb burdjgreifenben Slbljülfe. Ser ©taat habe ein DJedjt ba eingutreten, wo bie Singeinen ihre -ßflidjten oerfaumen, gum minbeften fo lange, big fie biefelben erfüllen; er Ijdbe bie cßflidjt ber fittlidjen Berwahrlofung gn fteuern; Berbredjen Dorgubeugen fei beffer, alg fie Ijernad) gn beftrafen. greiwidige Slnftrengungen wolle er nicht Ijinbern, bietmehr ermuthigen unb unterftühen. Sludj bie religiöfe grage biete feine fo große ©djmierigfeiten, baß fie nidjt befeitigt werben formten. Semgemaß war ber fßlan beg Srgieljunggaugfdjuffeg beg ©eheimen Dtatljeg furg ber: bie freiwilligen Bemühungen für bie Botfgergiehung gn unterftüjsen, bie SCRittel bagu aug ben all» gemeinen Steuern gu nehmen, biefe einer Sentralbehörbe gur Bertheilung gn übergeben unb allen Dieligiongparteien gu gut fommen gu laffen. — 3n ber ©h at biefer Ißlan fdjeint auf ben elften Blid gang gwedntäßig nub geeignet gu fein, allen geredjt gn werben. Unb bod) erhoben fidj manche unb nidjt unbegrünbete Bebenfen bagegen — nidjt bloß bon ©eiten ber Siffenter, bie il;n in allen Runden anfod)ten unb nidjt gewillt fein fonnten, ©teuern gu gaffen für ein Unternehmen, bag fie für burdjaug DerWerftidj Iji^n: auch Don greunben ber ©taatgergieljung Würbe mancheg bagegen geltenb gemacht. Bor adern erregte eine unDerantWortlidje Dberbeljörbe, wie ber Srgiehnnggaugfdjuß, Bebenfen, benn biefer War ja nidjt ein Sultugminifterium, gleidj ben anbern ÜJlinifterien bem Parlament Derantmortlidj, ober eine Slbtljeilung eineg ÜJiinifteriumg, fonbern ein, unabhängig Dom Parlament befteUter Slugfdjuß beg ©eljeimen SRatljeg, beffen umfangreiche Berhanbluugen gwar jährlich bem fßarlantent torgelegt werben, aber Wegen beg maffenljaften Setailö faum oberflächlidj geprüft »erben fönnen. Sie ©efaljr ber Bureaufratie liege gu nahe, als baß fie gang oermieben werben fönnte. ©obann »irb geltenb gemadjt, baß bie Bebingungen ber ©taatgunterftüfcung, nämlich 86 @rojM>ritannten uni) gtlanb. freiwiflige Slnftrengungen, »erfefirt feien, benn fo täme bie §iilfe nur benen gu gut, bte fte entbehren fönnen, unb Werbe benen entgegen, bie fie am meiften bebiirfen. Slud) werbe burd) bie, bett unterflüfcten ©dfulen auferlegten Regulationen bie greiheit ber ©rünber unb greunbe ber eingelnen ©dfulen gu fetjr. eingefdfränft. — Um oiefen Hebet» ftänbeit abguhelfeit, würbe »erlangt, eS fotte an bie ©teile ber allgemeinen S3efteitrung unb ber SSerwaltung burd) bie ßentralbetyörbe eine Socalbefteurnng unb 91 uf ficht treten, bie SlttSlagen gang bitrd) ©teuern (mit 9IuS[d;luß freiwilliger ^Beiträge) gebedt werben, unb ber Unterridjt gang frei fein. ®ie greunbe biefeS planes aber feilen fid) felbft wieber in gWei Parteien, bereit eine bett ReligionSnnterridfl ein* fliegen, bie attbere auSfdjließen will. ®ie erfte tocat=confeffionefle Partei (the Local Denominational Party) [teilt ben @runbfa(5 auf, baff ber Religionsunterricht »on bem ©ülfleiftung beS ©taateS Bon ben Seiftungen ber Seljrer unb ©djüter abhängig gemalt, fonbern aud) etwas anbereS gewonnen. ®a nämtidj bie tpülfe beS ©taateS au bie 33ebingung ge= fnüpft ift, baß bie Seljrer baS ©taatSeyamen beftanben unb ein ©ertificat erhalten haben (baijer certificated teachers genannt) unb bie ©djulen ber 3nfpectioit fid) unterwerfen, fo gewinnt ber ©taat auf inbirectem 2ßege baS, waS er (bei ber völligen ©djuU unb Seprfreipeit) auf birectem 2Bege nie erretdjen würbe — eine genügenbe ©ontrolt über baS ©djulwefen. ÜDie fcnft fo bittere Slrjnci ber DJegierungSauffidjt, gegen bie fid) in beut ©nglättber alles fträubt, wirb auf biefe 2 Irt fiiß eittgegebeu, gerne genommen unb oerfetjlt iljre SBirtmtg nid)t. ©inige ber SSorttjeite ber ©taatSunterftii^ung tonnen auS= naljmSWeife ältere Seljrer genießen, bie ba§ Spanien nid)t befteljett aber fid) fonft tiid)tig gegeigt Ijaben unb als „registerecl teachers“ in bie Siften ber ©taatSbeljßrbe etnge= tragen werben, ©djulen, bie feine geprüfte ober regiftrirte Setjrer haben, tonnen ©taatS» beitrage 31 t Sßauten unb ©djulmaterial, aber nidjtS Weiter erhalten, unb finb wie bie anbcrn ber Snfpection unterworfen, ©ie werben im Unterfdjieb Bon ben jäljrlidj unter* ftü( 3 teu ©djulen bie „bloß infpicirten" genannt. ®ie 3 nfpectioit nüfd)t fid) übrigens nid)t in bie ©djuljudjt, SocalöerWaltung ober ben DieligionSunterridjt, fonbern berietet bloß barüber. Sie Sluffidjt über biefe -Puncte Wirb Bon ber Socalbeljörbe ober ®iftrict= beljörbe geführt. — ®ieS ift in furjent ber DrganiSmuS ber ©taatSersieijuitgSbeljörbe, bie auS unfdjeinbaren Anfängen 3 U einer eigentlichen ©entralbetjörbe geworben. SBäljrenb fie in ben erften 3aljrett itjreS 93eftel)enS 30,000 8 . für ©cbuljwecfc öerwenbete, £>at fie im 3aljre 1859 723,000 £. BerauSgabt, im Borangeljenben 3aljre nod) Biel mehr. Unter iljrer 3nfpection fteljen je( 3 t in ©roßbritannien 9—10,000 ©djulen mit 8—900,000 Äinbern unb etwa 7000 geprüften Seljrern unb Seijrerinnen unb mehr als nochmal fo Biel ©djutjögliitgen. SSon ben ©djulgef ellfdjaften, welche mit biefer ©entralbeljörbe jufammenWirteu, ift gunädjft bie British and Foreign School Society (furjWeg bie „SSrittifdje" genannt) anjufithren, ba fie gleidj ber ©taatsbehörbe teilte confeffioneUen ©chraufen hat. ®er SßerWaltungSauSfdjuß ift auS 48 SDfitgliebern, meift Saien äufammengefeht. ®anebett befteht ein grauen=©omite. ®ie ©efeHfdjaft ift nad) ihren ©tatuten für alle djriftlidje Söefenntniffe, für baS 3n= unb SluSlanb. ©ie hat eine SKufterfdjule (Modelschool) für etwa 1000 Sinber, in Weldjer baS — nunmehr fel)r Berbefferte ÜDtonitorenftjftem ange* wenbet unb gelehrt unb Unterricht in Sefeit, ©djreiben, 9iedjnen unb Taljen ertljeilt wirb. — 3)er üteligicnSunterridjt befdjränft fid) auf Sefen biblifdjer ©tücfe. ®ie @e= feHfdjaft Ijat ferner jWei große D'Jorutalfdjuten für Seljrer unb Sehrerinnen in Sonbon, unb eine in SöateS. ®ie ©eminarifteu bleiben, aud) nadjbem fie baS ©entinar Berlaffen haben, nod) in 33egieh)ung 31 t ber SKutteranftalt. 1250 ©djulen finb gegenwärtig in 33erbinbung mit ber ©efellfdjaft. ®iefelben eingetheilt in fieben 3nfpectionSbiftricte werben jährlich Bon Igenten ber ©efellfdjaft Bifitirt. Sefetere Beranftalten auch ©djul= lehrerconferenjen, Wetdje ein ober 3 Wei SDtal beS SaljreS gehalten Werben, unb öffentliche SJerfammtnngen, um baS Sntereffe für 33 0 1f«er 3 iehung 31 t Weden unb 31 t erhalten, W03U aud) ein monatlich erfdjeinenbeS ©djulbfatt wefentlidj beiträgt. Sin tüd)tigeS ®epot oon ©djulbüdjern unb anberem ©djulmaterial oerfieljt bie befreunbeten ©djulen mit bem Utötljigen. ®ie SBirtfamteit biefer ©efellfdjaft behnt fidj über alle SBelttljeile aus. 3luf Bielen SIRiffionSftationen Werben ©hüten nah bem äJtufter ber „brittifdjen“ einge* rihtet. ®aS Sinfommen ber ©efeüfdjaft betrug 1859 c. 11,000 S., mit bem 9tegierungS= beitrag etwa IG,000 S. Unterbett confeffioneUen ©djulbeljörben fteht obenan bie National School Society, (furgweg „bie nationale ©efellfdjaft“ genannt), ©ie ift baS ©entralorgau ber ftaatslirdjlidjen ©djulen. ®er fßräfibent berfelbett ift ber -printaS Bon ©ngtanb, Sßicepräfibenten finb ade 33ifdjBfe unb 10 Bon ihnen gewählte fßairS ober ©eljeimerätlje. ©roßlmtanttien unb Jjttanb. 89 SRitglieber finb bie, ttjelrfje jäl>rlid) eine ©utnee bettragen. ®er eigentlidje Srgiel)ungS= ratlj Beftetjt außer ben Prälaten aus einem Konnte Oon angefel)enen @eiftlid)en unb 8 aien. 3n engfter SSerbinbung mit biefer Setjörbe fteljen bie ®iöcefan = @d)ulge= fellfc^aften unter bem 33orßfc beS 23ifdjofS ber ®iöcefe, unb biefen wieber unterge* orbnet bie ®ecanatS=©d)ulbel)örben (gegenwärtig etwa 300). ®ie ®cfeßfd)aften nnterftii^en bie Socalfdjulbeljörben in ähnlicher SBeife, wie ber ErgiehungSauSfdjuß, unb befteßen ®iöcefan = unb ®iftrict = 3nfpectoren, weldje baS ©efdjäft ber ©djuloifitation meift unentgettlid) übernehmen unb houptfädßid) bie religiös = !ird)lid)e Srgieljung iiber= Watten. ®iefeS 3nfpection§ß)ftem übrigens, baS mit ber Sönigl. Snfpection nichts 31 t tljun hot, i[t bis je(}t Weber allgemein nod) gleidjmäßig eingeführt, eS wirb aber ernß= lid) barauf hiugearbeitet. ®od) erftredt fid) fdjon je^t bie ®l)ätigteit unb ber Einfluß ber nationalen ©efeßfdjaft auf alle ®iöcefen unb ^ßfarrjprengel. ßfidjt weniger als 11,372 ©djulen waren im 3ahr 1859 mit ihr in SSerbinbung, bie ©djulen nidjt ge= redjnet, bie fid> nur an eine ®iöcefanfd)ulbet)örbe anfdßießen. Unter ber unmittelbaren s luffid)t unb pflege ber ©efeHfdjaft flehen bie brei großen ©dpttleljrerfeminarien in Sonbon unb eines in SöaleS, womit ßJhtfterfdjulen oerbunben finb. 3ur Errichtung oon ©erainarien unb ©d)ulen in ben ®iöcefen, gur Slufbefferung beS ©eljaltS ber 8 eljrer unb 9lnfd)affung oon ©djulbüd)ern unb Apparaten trägt bie ©efeßfdjaft äljnlid) wie ber ErgiehungSauSfdjuß bei. Sin befonbereS 3lugenmer! richtet fie auf 23efd)affung guter unb Wohlfeiler Söiidjer, Starten unb ©djulmaterialS afler 21rt. 3$on ber §auptnieberlage in Sonbon, bie jährlid) 8 . 20,000 umfe( 3 t, Werben bie galjlreidjen 3toeigbepotS mit allem nötigen oerfehen unb baburd) ben Sccalfdjulbeljörben bie 9ln= fdjaffitng erteidjtert. ®ie §auptnieber(age ift gugleidj ein Eentralbureau für ©d)ulfadjen. Sßon ihr geht aud) ein ©djulblatt, „the National Society’s Monthly Paper“ attS. SIje bie ßlegierungSinfpection inS 8 eben trat, hotte bie ©efeßfdjaft ihre eigenen Sufpectoren. 3 e^t überläßt fie bie 3 nfpection ben ®iöcefanbel)örben. ®agegen hot ße oerfdjiebene 2lgenten, um ©djulen 31 t organißren, bie „Organising Secretaries,“ unb „Organising Masters,“ b. h- praltifdje ©djulmänner, weldje auf Verlangen auSgefenbet werben, um mit ihrer Erfahrung unb Sftetljobe ben Seljrern an bie £)anb 31 t gehen, Wohl and) ben 8 eljrern eines 33 e 3 irfS währenb ber Srnteferien Verträge über ©djulmetljobe gu holten. ÜReuerbingS iß biefe 9?ad)l)ütfe entbehrlicher geworben, ba bie meiften bermatigen 8 eljrer ben ©emiuarcurS burdjgemadjt hoben, früher erhielt bie ©efeßfdjaft etwa äße 3 Saljre einen „fönigßchen S3rief" b. h* bie Erlaubnis ©djulcoBecten über gan 3 Englanb 31 t oer* anftalten, bie burdjfdjnittlidj 8 . 20,000 einbrachten. Slber feit 1852 würbe biefe Er= laubniS nidjt wieber ertljeilt, ba eine foldje befonbere 23egünßigung Einer ©efeßfdjaft unbißig erfdjien. ®a aber bie orbcntlidjen Einlünfte ber ©efeQfdjaft — etwa 8 . 13,000 jährtidj — nidjt hiureid)en, um ben Slnforberungen gu genügen, fo l;ot fie Wieberholte, jebodj oergeblicbe 33erfudje gemadjt, einen neuen SBrief gu erhalten, fyiir bie Ergieljung in SBaleS befleiß ein 3^eigauSfd)uß, auS ßttännern gebilbet, bie mit SßaleS in ge= nauer SSerbinbung flehen. ®ie Einlünfte beffelbcn betragen etwa 8 . 2000 jäl^rlidj. Eine neue ©efeßfdjaft, bie Chureh- of- England Education Society, Würbe im ßliai 1853 oon ÜRitgUebern ber „eoangelifdjen Partei“ ber ©taatSfirdje gegrünbet, weit bie nationale ©efeßfdjaft gu epclufiö gu Werben brohte. ®er )J3räfibcnt biefer @efeß= feranbilbung 90 ©roßbritannicn unb ^tlanb. üon Servern jur Stufga&e madjt, Wirb unten bie Siebe fein. Sloch finb 2 Stiftungen für ftaatsfirdjlid^e Schulen 3 U erwähnen, bie S3etton’fd^e nüt jä^rlic^ 2 . 5000 uitb bie 33e»an’fd;e für ©deuten in 2BaleS nüt etwa 2. 300. 25on ben proteftantifcpen 3)iffentern finb eS nur bie SEBeSlcpaner, bie eine Staats unterftii(juug annehmen unb fcmit ihre ©djulen unter bie 3nfpection ber Slegierung ftellen. Sängft fdjon Ratten ©onntagSfd)ufen in 93erbinbung nüt faft feber metfyobiftifdjen Gapelle beftanben, als 1839, tjunbert 3af)re uad; bem Auffommen beS SDlethobiSmuS, ber äßeSlepanifd^e GrjiehungSauSfchuß (the Wesleyan Committee of Edu- cation) ins 2eben trat. Serfelbe ift in engfter Serbinbung mit bem fird)Iidfen Dr» ganiSmuS ber SBeSlepaner. 3ebe ©d;ule fteljt unter ber unmittelbaren Aufficht eines jäbrlid; gewählten 2ocaIauSfd)uffeS, ju bem bie SegirfSprebiger (Ministers of the circuit) amtshalber gehören. SDie 2ocaIbehörben finb bem genannten GrjiehungSauSfcbuß unter» georbnet, ber im ooflften Sinne ein Gentralorgan ift, ben 23erfehr mit ber «eSlepanifchen ©emeinfdfaft unb Dberbeljörbe, fowie mit ber Slegierung »ermittelt, bie Sßifbung ber 2el;rer in ben 2 WeSlepanifdjen ©entinarien leitet, Sel;rer für Schulftetlen prüft unb empfiehlt, beit Sdjnlplan entwirft, bie Sdjulen bitrd) 3nfpectoren oifüiren laßt, für Ausbreitung ber Grjiehuitg unb Sau oon ©dfulen forgt, ftatiftifdje üiotijen fammett, furz alles thut, WaS jur görberung unb einheitlid;en Seitung beS ©djulwefenS bient. Sie Sd)ule wirb ganj angcfehen als ‘pflanjftätte ber Äirdfe. 9lur entfliehen religiöfe Sehrer, SJiitglieber ber ©emeinfdfaft, werben angefteüt. 3eben Sag wirb bie Sibel ge» lefen unb erflärt unb bie SßeSlehanifd^en SatedüSmen oorgenommen; ber Unterricht beginnt unb fdjließt mit ©ebet. Sie Sinber Imben ben WeSlepanifdjen ©otteSbienft ju befud;en. ©teidjtuohl werben nicht bloß Siuber ber SßeSlepaner aufgenommen, fonbent ohne Unterfdfieb alle, bie fidj ber ©d)uiorbnung untenoerfen. Aud; tonnen auf auS» brüdtichen SEBunfch ber Gltern bie Sinber oom fatedjetifdjen Unterricht bifpenfirt «erben, fotoie ootn tweSfeljanifdjen ©otteSbienft, aber unter ber Sebingung, baß fie eine anbere Äird)e befndjen. — 466 Sagfchulen mit mehr als 60,000 Schülern, unb 4,347 Sonn» tagSfd)ulen mit 457,000 Sd)ülern ftanben im 3ahr 1859 unter ber WeSlepanifchen Gr» jiehungSbehörbe. Sie Ginfünfte betrugen für bie Schulen unb ©entinarien etwa 2 . 5440 ohne bie oom Staat beigefteuerten 2. 3790. 9?od; finb hier bie Äatholifen ju nennen, welche ebenfalls bie Oom Staate gebotene Unterftü(jung annehmen. 3h>-’e Gentralbehörbe ift baS fatho!ifd)e Armenf d)itI = Gomite, baS fdjon 1850 ein Ginfotnmeu üon 2. 10,000 hatte, unb bamals 311 ©deuten nüt über 40,000 ftinbern gäb)lte unb fe( 3 t über 400 ©dfullccale mit mel)r als 45,000 Schülern hat, bie unter bie SlegiernngSinfpection gefteKt finb. ©egen bie genannten SdfuigefeKfcbaften treten bie jWei, Welche bie Staatsunter» ftü(3Uitg juriidWeifen, the Congrcgational Board of Education unb the Yoluntary School Society fehr in ben fpintergrnnb. Anfänglich jwar machten namentlich bie Snbepenbenten große Anftrengungen. 3n ben erften 8—10 3ahren (feit 1843) erhoben fie eine Summe Oon 2 . 160,000 für ©chuljwecfe. ©eitbem aber hat, nad) ben Gin» fünften ber beiben ©efeüfdjafteu ju fchließen, il;re Sache «enigftenS materiell nicht bie ge«ünfd)te Unterftüfncng gefunben. Sie Snbepenbenten unb Saptiften jitfammen ftnb gasreicher als bie SBeSlepaner, aber il;re 2 ©djulgcfeflfchaften h a ^ en 1859 jufammen nur etwa 2 . 2345 jufammenge» bracht, b. h- nidjt bie fpalfte oon bem ©djuleinfommen ber 2BeSlepaner. Sabei ift aber nidjt ju überfehen, baß biefe ©efeUfdjaften gegenüber ben unterftüfcten mit großen ©d;«ierigfeiten ju fämpfen haben, fo«ohl bei Grridjtung als bei Grhaltung ber Spulen. Sie fönuen nur, «o baS ^ßarteiintereffe größere Dpfer ju bringen ftarf genug ift, ober «o ihre ©d)ulen fiat 1859 über 8. 300 gur Unterftü( 3 ung hon ©djulen öermittigt. Sin 178 ©djulen mit ettoa 16,000 Stabern finb 2ehrer, bie in bem genannten ©eminar gebilbet tourben, angeftettt. (Sin ©djulinfpector öifitirt jene ©hulen unb Ijalt, mie bie Agenten ber „brittifdjen" ©efeflfhaft, öffentliche Serfamintungen mit ben ßltern ber ©hulfinber unb ben greunben ber freimidigen (ärgieljuttg. Sitte biefe ©efettfdjaften bieten bie £anb gur ©rünbung neuer, unb gur (Srmeitcrung unb Unterftüfcung fc&on befte^enber ©hulen. ®ie Anregung gur ©rünbung hon ©hulen geht meift non fßribatleuten au?, bie gunädjft einen Socalaudfdjuß bilben unb bann ftd) an bie eine ober anbere ©d)utgefettfd)aft, häufig au mehrere gugleid) um Ipülfe menben. 23i?l)er ift e? h au ßtfäd)lid) bie ©eiftlidffeit ber anglicanifdjen Sirdje mie ber ©iffenter» gemeinfhoften gemefen, bie fid) um 3lu?breitung be? 33olf?fhuImefen? öerbient gemacht hat. ©ie hätte aber nid)t biel au?rid;ten fönnen, mären il;r nid)t mie bei allen 23e= mühungen für ba? ©emeinmohl, SJlänner au? allen ©tänben l;elfenb gur ©eite getreten. c) © djul fta t i ftif. gär biefe giebt ber (Senfu? boui 3aljr 1851 eine gute @runb= läge, mobei übrigen? gu bemerfen ift, baß bei ber Unboüftänbigfeit eingelner S3erid)te manche Slngaben mittelft burd)fd;nittlid)er 23ered)nungen ergänzt merben mußten. 2öa? ,gunädjft bie galjl t> er ©djulfinber betrifft, fo ift bor allem bie im 93ert)ältni? gur 33ebölferung feljr bebeutenbe gunahme gu bemerfen, bie fidj für Gnglanb unb Sßate? au? folgenber gufammenftettuug ergiebt: fdjulen ©onn« 3n ^voccntcn ber ©ebölferuiifl 3al)t Seüölferung ©rfjülcc taflä- faulen (Sdjülec fdjüler 1 ©onn« ta*«- ! fdjiucr 1818 11,642,683 19,230 674,883 5,463 477,225 5-79 4-09 1833 14,386,415 38,971 1,276,947 16,828 1,548,890 8-87 10-76 1851 17,927,609 46,042 2,144,378 23,514 2,407,642 11-96 13-42 35ie 3 u 'mh me ber 23eoölferung in biefer 33jährigen ißeriobe beträgt 54 ißroc., bie ber Sagfhüler 218 i|3roc., bie ber ©onntag?fdjüler 404 bßroc. ©o günftig nun aber biefe? üiefultat Ijinfidjtlid) ber 3lu?behnung be? SBolf?unterrid;t? erfheint, fo ift e? feine?= meg? befriebigenb, menn man ba? Sierhältni? ber ©djüler gur SSebölferung betrad^tet. 6? fragt fidj h* er junä^ft, mie biele Staber überhaupt al? fdjulfäljig (benn fd)ul= pflidjtige giebt e? befanntlih nidjt) angufeljen finb. SBirb angenommen, baß ein ©ed)?tel ber gangen 33ebölfcrung ober 16-6 fßroc. bie ©djule befuhen fottten, fo gäbe ba? für Qcnglanb unb ÜBale? im ©enfu?jahr 2,987,934 Sinber; nimmt man nur ein Sichtet ober 12-5 i|3roe. an, fo müßte e? 2,240,951 ©hüler gegeben hoben. 9?un mar aber bie ©efammtgahl aller Äinber, bie irgenbmo unb mie tägigen Unterricht empfiengen, nad; ben ©hutüften 2,144,378 ober 11-96 ißroc., unb hon biefen am Eenfu?tag nur 1,786,324 ober 9’97 ißroc., alfo nur ein 3 e h n tel ber S3e»ölferung anmefenb, mie bie folgenbe £afel geigt: Snofcljttlen StfciUcrjolU nnflj i>en Sdjultiftcit Sdjiücr amocf. ul. 46,042 2,144,378j 1,157,685 986,693 1,786,324 968,580 817,744 ©onntag?jh- 23,514 2,407,642^1,193,788 1,213,854 1,817,499 903,545 913,954 92 ©rojjbritannicn unb 3 Manb. ®a bie 3«^ 2,144,37S alle ©djüler, and) bie in bcn Äleinfinberfctyulen fomie bie in ben tyotyern Setyranftalten umfaßt, fo toerben gunädjft bie ©ctyüler in 2 lbgug gu bringen fein, meldje über baS gemßtynlid)e ©diulalter tyinauS eine ©djute befud)en. 2118 äußerfte ©rcnge ber ©djulgeit mirb nun baS üollenbete 15. Satyr angefetyen unb menn man alle ©d)iiler über 15 Satyre oon jener ©umme abgietyt, fo bleiben 2,046,848. 2118 SInfang ber ©d)ulgeit mirb baS ooüenbete 3. £ebenSjatyr gefegt, ba biele Äinber fo frütye fdjon gur ©dntle gefdjicft merben. ®arnadj mürben bie finber oon 3—15 Satyren als jctyulfätyig gelten. ®iefe 9llterdclaffe belief fidj 1851 auf 4,908,696, aber baoon maren nur 2,046,848 ober 41-6 Proc. auf ben ©d)ulliften, unb eS bleiben 2,861,848 Äinber übrig, bie menigftenS nid)t als ©d)iiler aufgegeidjnet maren. ißon biefen mürben etma 50,000 31 t Saufe ergogeu, ferner maren 600,000 in gabrifen ober fonft befdjaftigt, tbo fie Sotyn ertyielten. ferner ißt in 2 Infd)lag 3 U bringen bie große ^tnjatyl ber Stinber, bie ityren Gltern bei ffelbarbeiteu ober im Saufe betyülflid) fein müffen. ©obann finb etma 5 Proc. biefer 2llterSclaffe bitrd) Äränflidjteit am ©d)ulbefud)e oertyinbert. Gnblid) ift nod) bie nid)t unbeträd)tlid)e 3<*tyl ber jugenblidjen 33erbredjer unb 33agabunben mit angufd)lagen. 2 Benn man bie gange 3 a tyt biefer auS beftimmten ©rünben bie ©d)ute nütyt befud)enben Äinber auf 1,245,435 ober 25'5Proc. beredinet, fo bleibenimmer nod) 1,616,413 Sinber oon 3—15 Satyren, meldje otyne ©rnnb Oon ber ©d)ule fid) fern tyalten. 2liuty menn man bie 2lIterScIaffe oon 5—15 Satyren in Setractyt gietyt, ftettt fid> baS 23ertyä(tniS nidjt oiel günftiger tyerauS, mie fid) au§ folgenber ®afel erfetyen läßt: in $roc. in iß nie. t>. SJc öölfc> VU110 in $roc. in $toc. b. 93c» ßölfc» tunfl ©djulfätyige Jlinber bon 3—15 Satyren 4,908,696 100 27-3 Stinber oon 5—15 Satyren 4,005,716 100 22-3 ©d)üler(nad) ©djul= liften) 2,046,848 41-6 11-4 ©ctyüler 1,768,231 43-8 9-8 2 Ibgetyalten burd) 2 Irbeit, Sranftyeit je. 1,245,435 25-5 6-9 21 bgetyalten ic. 1,200,285 29-9 6-6 SIbmefenb otyne ©runb 1,616,413 32-9 9-0 Slbmefenb :c. 1,037,200 26-3 5-9 ®er Umftanb nun baß 32 - 9 Proc. ber Sinbev gmifctyeit 3—15 Satyren, ober 26-3 Proc. ber 2llter8claffe Oon 5—15 Satyren fid) nid)t auf ben ©ctyulbüdjern finben, läßt fid) auf eine hoppelte ffiSeife ertlaren: entmeber bleiben bie als otyne ©runb abmefenb angenom* menen Äinber gang ber ©(tyule fern — bieS unter ber 23orauSfetyung, baß bie als ©djiiler Oergeidjneten hinter bie ©djule eine ^ieitye oon Satyren befud)en; ober eS geben bie ©d)ulliften nur bie 3 atyt bei" gu einer beftimmten 3 eit anmefenben hinter, meld)e unoeränbert bleiben !ann, menn aud) bie fiinber nur furge 3 eit bie ©d)ule befud)en, ba fie t>urd) anbere erfetyt merben. SOtit anbern SBorten: ®ie obigen 3 a tytio geben nur bie Proportion beS ©djulbefud )8 gur ©efammtgatyl ber Äinber unb biefe ift bei ber 2llterSclaffe oon 3—15 Satyren mie 5:12 (41-6 proc.) unb bei ber oon 5—15 Satyren mie 7:16 (43‘8 Proc.) monacty bie burdifdjnittlidje ©d)itlgeit 5, begietyungSmeifc 4 2 /s Satyre betragen mürbe. ®amit ift aber für bie Söjung ber ffrage, mie oiele Äinber übertyaupt bie ©djule befudjen, menig gemonneu. ®ie Äinber, bie fid) gur 3 e >t beS GenfuS nid)t auf ben ©etyuliiften fanoen, nod) irgenb einen ©runb gum SBegbleiben tyatten, tonnen gu einer anbern 3 iit eingetreten fein unb gmar an bie ©teile anberer, bie austraten. Unb bieS fctyeint in ber ®tyat ber gaü gu fein. GS finb matyrfdjeinlid) menige Stinber, bie nid)t gu irgenb einer 3 iit eine ®agfd)ule befuityen, aber nur auf turge 3 eit. ®ieS fütyrt auf bie grage nad) ber ®auer ber ©cfjulgeit. GS ift flar, baß ber bnrd)* fctynittlidje ©ctyulbefud) oon 4—5 Satyren, mie er fid) oben tyerauSgefteüt tyat, für bie Großbritannien unb Stlanb. 93 Semeffung ber wirflidjen ©cbuljeit feinen Slaßftab an bie §anb giebt. S8 läßt ftcfj aber corauSfeßen, baß bie Äinber ber boßern unb mittleren Staffen bie ©djule biel länger befugen at8 bie ber untern. Sei jenen Kinbern, bie etwa auf ein Siertel ber Gefammtgaßl ber Äinber gefdjäjjt Werben, ift anguneßmen, baß fie nid)t bloß faß alle unterrichtet werben, fonbern audj, baß fie 6—7 3aßre laug cor Ablauf beß 14. Siebend* jaßre« bie ©djule befugen. 2lnber8 ift e8 bei ben ärmeren Staffen. Sei biefen bauert — bie Ä'leinfinberfcfjuten abgered)net — ber ©cßulbefud) burdjfd)nittlid) 2, ßödjftenS 5 Saßre, häufig nur 1 3aßr ober gar nur etlidje SDtonate. 3n ben unter ber Sufpection ber Regierung fteßenben ©d)ulen hat fid) baS SerßältniS folgenbermaßeit ßerauSgeftellt: s f5rocente ber ©djfiter, bie in berfetben ©d)ulc geblieben finb: ®urd)fd)nittl. Sered)nung für bie ißeriobe unter 1 3aßr l — 2 Saßre 2 — 3 | 3 — 4 4 — 5 5 3. u. bariiber 1853 — 1859 . . . 40-96 24-21 14-8 j 9-52 . 5-65 4-84 für ba8 3aßr 1859 . 37-81 22-57 16-81 j 10-89 6-46 5-46 Dbwoßl barnadj in neuefter 3 e ü ein erfreulicher §ortfd)ritt gu gewahren ift, fo bleibt bod) nod) bie fpätfte aller ©d)üler nid)t über 2 Saßre in berfelben ©djute. Unb wenn aud) ßäuftger SSecßfel ber ©djuten, in großen ©täbten wenigftenS, oorfommt, fo erflärt bod) biefer Umftanb bie obige ©ßatfadje weit nid)t, unb bie früßer auägefprodjene Stnfidjt ber competenteften SDlänner, baß bie burcr Äinber ber einzelnen 3a&re$flaffien jur töeöölfe* ning St it a E e n. W b d) e n. «Sdjntcr in Stvbeit uiiue» ftimmt <5d)iUc« linnen in ?lrt>eit unbe* ftimmt a_ 4 3nfc- 21 79 22 78 4-8 5-07 9-32 4—5 41 59 39 61 6-7 7-1 9-02 5—6 51 49 41 59 10- 9-7 8-9 6—7 57 43 47 53 10-9 12-04 8-7 7—8 64 i 35 51 i 48 11-8 12-48 8-54 8—9 61 3 36 50 2 48 11-1 11-22 8-36 9—10 60 7 33 50 5 45 10-8 11-81 8-18 10—11 55 14 31 45 7 48 9-7 10-16 8- 11—12 46 22 32 39 11 50 8- 7-82 7-88 12—13 37 36 27 34 19 47 6-6 5*88 7-78 13—14 25 46 29 23 28 49 4-3 3-33 7-7 14—15 16 68 16 15 40 45 2-5 2-59 7-62 3—15 3. 45 16 39 38 9 53 ©iefe Safein geigen, baß bie Äinber con 6 — 10 Saßren bie ©djuten am fleißigsten befudjen (1851: 44-6 ißroc., 1859: 46-5 ißroc.) unb baß meßr Äinber Con 3—6 Saß* reu gur ©djule geßen, als con 11—14 3aßren. ®ie fiinber werben fo früß al8 möglich gur 2lrbeit cerwenbet unb mäßen fid) mit ben SlnfangSgrünbert begnügen. 9iur eilt Heiner ©ßeit bleibt lange genug, um eine grünblidje Silbung gu erlangen. 94 ©rof&ritannien unb Srlanb. 3m Silberigen mußte bie @e[ammtjaf|t ber fd;ulbefud)enben Sünber jeben ©tanbeS in Siedjnung gebraut werben, ba befonbere unb öoUftänbige Sergeidjniffe ber 93oIFS= fdjüler ftd) Weber in ben ©enfuSliften nod) fonft ftnben. ®ie 3“f>i ber eigentlid;en 33oIfSfd>üIer fann bafyer nur ungefähr angegeben werben. SDfan nimmt an, ba{j etwa 500,000 ©djüler in ^ßrioatfcbulen unb 50,000 in offentlidjen ben böberu unb mitttern ©tänoen angeboren; bann würben auf bie SolFbfdjuIen jeher 9Irt beinahe 1,500,000 ©djüler Fommen, b. b- etwa 60 bßroc. aller ©diitler, ober 30 $roc. aller Äinber jwi= fdjen 3—15 3aljren. ®ie8 ift jebod) nur eine ganj allgemeine Slngabe. Siäbern Stuf* fd)Iuji giebt ber SSiicf auf bie öerfd)iebenen Wirten ber ©beulen. 2Iud) hier wie bei ben ©djütern ift junädjft auf bie bebeutenbe 3“"a^ine im Saufe biefeö 3at)rbunbert§ binjuWeifen, bie au8 folgenber 3ufammcnftenung ^e^worge^t: 3al?I ber jur ©enfudgeit öcrl;anbenen ©djulen: 3eit ber ©rünbung vor 1801 1801—llj 1811—21 1821-31 1831-11 1841—51 L llii&c* jtimmt ©umme ^3rioatfd)uIen 487 443 1,087 2,217 4,432 16,760 5,098 30,524 Deffentl. ©ebuten 2,876 599 1,120 1,265 3,035 5,454 1,169 15,518 ©umme 3,363 1,042 2,207 3,482 7,467 22,214 6,267 46,042 @8 ift t)ier ju bemerfen, bajj bie Eingaben über bie bßrioatfcljuren Feinen fo ftdjern (Sinblicf in ba§ SßerljältniS ber in oerfdjiebenen gerieben gegrünbeten ©d)ulen geftatten wie bie öffentlichen, ba fie ebenfo rafi ber ©cfyuler in ^rocent £mrd)frf)nittl. bei* ©d) liier in einer ©djufc ©cfyulcn ©d)üler 'ißriüatfdjulen 30,524 721,396 66-3 33-5 23-6 Deffentlidje ©d)ulen 15,518 1,422,982 33-7 66-5 91-6 ®ie ^Prioatfdjulcn b a &en bemnad) gerabe ein IDrittel aller ©djüler, unb halb fo biet als bie öffentlichen ©d;ulen. 2luf eine ^ßriöatfdjule Fommen burdjfdjnittlidj 23 ©djüler, auf bie öffentlichen 91, alfo faft 4mal fo Diel als auf bie erfteren. ®ie $rioatfd)uIen fmb ber oerfd)iebenften 2lrt, fie laffen fich aber in folgenbe $aufjtclaffen eintbeilen: 1) £>i>bere ^rtoatfdjulen (fßriöatgbmnafien, Äofifdjulen, iEödjteranftalten) 4,956 2) SJtittlere (Commercialschools). 7,095 3) Siiebere (Dameschools) ..13,879 9?id)t näher befdjrieben. 4,594 30,524 Son ben böbern ©djulen wirb an feinem Drte bie Siebe fein, bei ber ^Weiten ©laffe ift e§ fd)Wer ju entfd;eiben,‘ob fie 31t ben SolFSfdjulen ober Siealfd)ulen 3U redjnen ftnb; wenn ba8 Festere, fo geboren fie fidjer 31t ben geriugften ber Irt. ®ie britte ©laffe aber gehört gans lieber, fie werben meijl oon armen grauen gehalten (baber dame school genannt), bie nur im Sefen unb 3um ®b e ^ ©djreiben unterridjten. ©rofbrttannicn unb Srlanb. 95 DieS waren früher faft bie eingigen ©d)uten für arme Slinber, finb aber jefjt gtüdlidjer S53eife im Slbnehmen. Dod) beftanben it>rer im 3a^r 1851 Woht nod) 15,000 (bie nid)t näher befdjriebenett mit in Slnfchtag gebracht), mit etwa 225,000 Äinbern im gangen, ober je löÄinbern burdjfchntttlidj (fo baß auf bie anbern ^rioatfdjuten eine Weit höhere Durdjfdjnittdgaht fomrnt, nämtich 38 ©djüter). Die öffentlichen Dagfdjuten finb nad) ben Srgebniffen be8 ©enfuS 1851, hauptfädjlidj mit 3?ücffid)t auf bie GtinnahrnSquetlen fofgenber SDfaßen claffificirt Worben: I. ©d)uten, bie burd) ©taat8= ober Socatfteuern erhalten Werben II. Dotirte ©chuten III. Sonfeffioualfd)uten IY. Serfdjiebeue ©djuten ©djulcu @d)üler Änafccn Üflat>d)cn 619 3,125 10,595 1,081 • 48,826 206,279 1,048,851 109,214 28,708 138,495 569,300 59,129 20,118 67,784 479,551 50,085 15,411 1,413,170 795,632 617,558 SSon ber erften unb bierten Staffe, Wetdje bie greif (hüten für ©elbaten* uitb ÜJfa= trofenfinber, 2trmenl;au§fdjuten unb »erfdjiebene wohltätige Slnftatten umfaffen, Wirb Weiter unten bie fRebe fein. Die 2. Stoffe begreift gwei Unterabtheilungen in fidg, 566 ©chuten mit 35,612 ©djütern, bie fpiiter unter bem 2lbf. djcn ©ciöc ©efdjl Jtlcinc Ämter mt ©djüler. Änafccn SDIäbdjcn ©djul* mcifier 8el)t> jöslinje ©roßbritannien 6,586 9,555 2,105 2,134 3,978 1,338 880,131 487,304 392,827 6,222 14,176 (Snglatib u. Sales a) llnterflüpte b) Stoß ittfpic. 5,531 8,283 2,024 1,958 3,021 1,280 757,082 419,748 337,334 4,496 1,035 7,115 1,168 1,881 143 1,804|2,261 154| 760 1,169 111 694,943 62,139 387,257 32,491 307,686 29,648 5,225 0 12,214 0 ©djottlanb 1,055 1,272 81 176 957 58 123,049 67,556 55,493 997 1,962 ©asfelbe in Ißroc. ©nglanb ©djottlanb 100 100 24-43 23-63 36-50 75-2 15-44 4-6 §iebon buräjfcbnittt. anwefenb: ;ii Den uu» terflüjjtcu infpicirt.j allen ©djulen ©roßbr. 748,164 53,237 801,401©(püt. 6-4 13*8 Englb. 623,663 43,249 666,912 „ ®te Äleinfinberfdjuten nidjt geregnet, ftnb in Snglanb in etwa 7? ber ©djulen beibe ©efdjledjter jufammen, in 4 / 7 getrennt, wäprenb in ©djottlanb etwa 4 /s aller ©djulen gemifdjte ftnb. Stuf ein ©djnlgebäube fommen bort 137, auf ein £ocal 91 Äinber, pier je 116 unb 97. GrS ift übrigens in obigen ©djulen für eine Weit größere Slnjapi öott ©djülern 3?aum ba, im ganjeit ettoa für 1,200,000 Äinber. Sliadj ben »erfdjiebenen ®enominationen »erteilen ftdj bie unter ber 3fegierung§= infpection ftepenben ©djulen folgenbermaßen, Wobei nidjt ju oergeffen ift, baß bie Snbepenbenten unb 33aptiften fic^ biefer Snfpection nidjt unterjieljen. ©taatbfirdje SSeSlepaner u. a. ^roteftanten Statpolifen ©djulen ©djulloeale Äinter 4,495 791 245 6,726 1,226 331 573,759 136,438 46,885 ßufammen: 5,531 8,283 757,082 3nx Sapre 1856 gab eS in Sitglanb unb UBaleS 15,518 Sagfdjulen mit 1,422,982 Äinbern. SUtan barf bemnadj Wopl anneptnen, baß bie gegenwärtig unter ber Snfpection ber UnterridjtSabtpeilung ftepenben ©djulen ßon etwa ber £>atfte aller STagfcpüler be= fudjt werben, weldje man xninbeftenS auf l 1 / 2 Millionen fdjäpen fann, ober bie in SlrmenpauSfdjuIen u. a. (f. oben ©affe IV) uxitgeredjnet, auf etwa 1,700,000, Wobei bie ^ribattagfdjulen für bie niebere ©affe nidjt in Slnfcplag gebradjt finb. ©freulidj ift bie ftarte 3unapme ber befferen ©affen oon ©djulen. 3m 3apr 1851 Waren etwa 4000 ©djulen mit ber üftationalfdjulgefeltfcßaft, unb 857 mit ber britifdjen in 33er= binbung, je(5t je 11,372 unb 1320. ®ie SBeSlepaner patten batnals 440 ©djulen mit 45,880 Sinbevn, jetjt 466 mit 61,023 Stinbern. ®ie Kongregationaliften jäplen 16,000 ©djüler in etwa 180 ©djulen. ®ie 3aljl ber Seprer im tßerpaltniS jur ©djülerjapl. ®iefe fann für bie ^ßrioatfdjulen gar lxidjt, für bie öffentlidjen nur nadj einer auf Reporten »on Vs ber ©tpulen berupenben ©djäpung gegeben werben. ®arnadj würbe bie ©efamxntjapt (SncljHopaDie. III. 7 98 OrofjSritannicn uitb yrlanb. bet i ! efyrer an IjBljern unb niebern ©djitlen für ba 8 3aijr 1851 etwa 40,000, bie bet Seherinnen faft 37,000 betragen, Wobei übrigens bie befolbeten ©djnljöglinge u. a. mit» begriffen finb. gür bie (5 o n f e f f i o n a I f d) u t e n ergiebt fidj für ba 8 (EenfuSjafyr 1851 fotgenbeS SerijättniS: §für 10,595 ©djulen mit 569,300 Knaben unb 479,551 äftäbdjen 53,145 Seljrer.- ©attungen Bon Üefyrent Sefjrer Scljre* rinnen 3u< fammeu Smefclfie in (Ptoc. öerbältnt« ber 2ebrer ;n ben Sdjiilmt Seljrev fiefyrc« rinnen Bu* famm. feer Sebrer Seljre* rinnen über* tyaupt fpauptleljrer 6,941 10,981 17,922 26-6 40-55 33-7 1:82 1:43 1:50 SBefolbete ßögl. 5,196 4,877 10,073 20-0 18-0 19-0 1:100 1:98 1:104 9tid)t befolbete 13,942 11,208 25,150 53-4 41-45 47-3 1:40 1:42 1:50 ßufammen 26,079 27,066 53,145 100 100 100 1:21 1:17 1:19 ®a§ 23erl)ättni8 beö männiidjen Seljrperfonafö ju bem weiblidjen ift wie 49:51- lieber ba§ Seljrerperfonai an ben öon ber 9tegieruug unterftüfsten Spulen geben bie3nfpection8berid)te öorn Satyr 1859 nähere SluSfunft. SDabei finb bie nidjt geprüften Se^rer an ben einfad) infpicirten Stuten nidjt berüdfidjtigt. ÜDaS unter ber 9tegie rungdinf pectio n ftetjenbe Seijrerp erfonal im Saijre 1859. ©roßbritannien ®epriifte Siebter. •Spittf Sichrer. ißrobclcbrcr. Sebrsögtinge. ®e= fnnttnt* ißer= tonal ©djul* meiner Scljre* I Bu* rinnen fammen mnt. mfct. 3uf. mnt. n M. 3uf- mannt. weit»!. f ^ u * ] fammen 4,137 2,741 6,878 214 81 295 100 21 121 8,219 I 7,005|15,224 22,518 Gnglb. u. JZBaleS 3,279 2,439 5,718 173 78 251 89 21 110 6,652 6,300 12,952 19,031 3ln ben öon ben Snfpectoren 1859 wirflid) öifitirten 5387 ©djnlen waren öon jener ©efarnrntjaT)! 6222 geprüfte ^eljver unb 14,176 ßöglinge befdjäftigt. S®U-- Socnle emut. sibui= $aä[clbc in SProccntcn. äSerI)riItniS ber Sichrer 31 t ben erbittern. len a) anmef. bei feer Prüfung b) burd)* fdjuittlid) 3 öglingc Sctir. BC’ßi- fiebrer riU <©rt)üfcr iU'gl. au lieber* fyauyt ©roßbritannien 5,387 8,227 808,036 6,222 14,176 30-5 69-5 1:128 ( ! 1:57 1:39 f» ff 748,164 ff fr tt 1:122(1:52 1:38 (Snglb. u. SBaleS 4,496 7,115 694,943 5,225 12,214 29-9 70-1 1:133 1:56 1:39 tt tt 631,353 tt ff tt tt 1:120 1:51 1:36 3)ie§ ifi bie burdjfdfnitttidje 23eredjnung. 3n SBirTtidjfeit Tommen auf Sinen fjanpt= leerer an ©tabtfdjuten 200, fogar 400 ©djüier, in Heineren Dörfern Weit Weniger als bie üDurdjfcfmittSjaljl öon etwa 120 <3d)iilern. ®ie Sekret an großem Sdjuten Werben burd) mehrere ©djufjögtinge (etwa ©nen auf 40—50 ©djiUer gerechnet), feltener burd) fjülfSleljrer unterftiißt. S)aS 53erI;äItuiS beS männiidjen Seljrperfonalß 51 t bem weiblidjen War wie 53-5:46-5. 2Ba8 bie ^auptleljrer betrifft, fo fommt nad) obiger lleberfidjt eine weit größere ©djüferaatjl auf (Sinen Seljrer als im 3ai;re 1851. (£s ift aber ba 8 ©rojjBtitannien unb 3Wan&- 99 nur fdjeinbar ein Jfücffdjritt, ba biefe Sefirer unb Lehrerinnen alle folcfje ftnb, bie baS Staatsexamen beftanben haben. 2)a8 Verhältnis ber ^auptlehrer ju ben ^ülfStetjrerrt ift wie 30:70, alfo gegen 1851, wo baS, Verhältnis wie 26-6:73-4 War, ein fortfehritt. 35ie ©innahmen unb Ausgaben für baS Vollsfdjulwefen. 2Bie fe^r baS 3ntereffe unb bie DpferWiHigleit für baS VolfSersiehungSWefen in ben lebten 20 Sahren geftiegen ift, jeigt bie ipatfaehe, baß oon 1841—51 nicht weniger als 4604 ©onfefftonalfdjuten erbaut ober erweitert Worben finb. Sie fofteten etwa 2 l U Honen 8., Wobon etwa V 8 burd) freiwillige Veiträge unb Vs bon bem Staate befd>afft Würben. £)ie folgenbe 3nfammenftetlung giebt bie ©innahmSquellen 1) für bie ©onfef= ftonalen (oben ©laffe III), welche hauftfäd^lich burd) freie Veiträge erhalten werben, unb 2) für alle ©onfeffionalfchulen, bie mitgerechnet, Welche beträchtlichere Stiftungen haben. Sdjnlen ber dlnffe III. Ttllc ®onfef|ic»talfd)iilcn. ftinmtljmistinclkn im Safyre 1850 (10,595 ©d)ulen, 1,048,851 ©djüler) (12,708 ©djuten, 1,188,786 ©djüfer) öinfommen in Cßroc. per ©djiiter (Sinfommen in Cßroc. per ©djüler Stiftungsgelber 8. 25,779 3-4 8. d. 6 152,087 15-8 s. d. 2. 7 freiwillige Veiträge 376,340 49-5 7. 2 398,222 41-5 6. 8 Sdjulgelb 259,135 34-1 4.11 , 296,926 31-0 5. Sintere Quellen 56,900 7-5 1. 1 69,514 7-2 1. 2 97egierungSjufd)uß 42,064 5-5 10 43,439 4-5 9 ßufammen 8. 760,218 100 14s. 6 8. 960,188 100 16 s. 2 2We anbern öffentlichen Schulen fowie bie ißriöatfdfulen für bie niebern VoIfSclaffen bajugerechnet (mit SluSfchluß ber VSaifenhäufer), mögen bie ©inüinfte etwa 8.1,100,000 betragen haben. —S)ie ©innahmSquellen ber unter ber 97egierungSinfpec= tton ftehenben Schulen, fomol)l ber unterftü(3ten als ber bloß infpicirten, jeigt folgenbe für baS 3al)r 1859 gegebene Ueberfidjt, bie jWar nid)t alle aber bod) Weit ben größten £h e tl ber Schulen in ©roßbritannien umfaßt, nämlich 5089 (aus 5387) unterfiühte, nnb 602 (aus 1199) bloß infficirte. S)abei ift ber 9fegierungSbeitrag ju= näd)ft nicht mitgerechnet. CSinnaljnwnncIlcn im 3a!)re 1859 Sdjulen unter Heg a) Untermiete Sdjitlen. crimj9-3ufpeetion. b) tilop tnfytcirte Stf). Dergleidjung mit früljerett «immijmen. 5,089 ©(()., 696,840 Äin9. 602 ©d)., 34,752 tfinb. (Stnfommcn in $roc. CSinfommen in *j$roc. Durdjfdjnittl. '■Beved)iiuu9 f* bie fßeriofte 1851—59 Satjr 1859 Stiftungsgelber 8. 42,198 7-2 8. 3,472 ui 7-73 3-6 freiwillige Veiträge 231,486 38-5 13,030 41-6 39-38 52-4 Sdjulgelb 259,395 43-2 10,810 34-5 39-47 36-1 Slnbere Quellen 67,930 11-1 4,002 12-8 13-42 7-9 3ufammen 8. 601,009 100 8. 31,314 100 100 100 Sluf ©inen Sd)üler fommen 17 s. 3 d. 18 s. 0 7* d. 18 s. 7d. 18s.67 4 d. SluSlagen für ©inen Schüler 18 s. 6 '/* d. 18 s. 11 d. 100 ©roffbritannien wnb Stlanb. ®d fyat ftdj bemnadj bad 9Serl)ättniS ber Sinnaljmdquellen nid)t Vüefentlic^ geänbert, außer fofern bad ©djulgelb in ben unterftüjjten ©c^uten in [tetem ©teigen begriffen ift (43 ißroc. 1859 gegen 36 'ißroc. 1850) — ein fdjlagenbcr 23eWeid für bie junepmenbe (Epeünapme ber arbeitenben Klaffe am Gtrjiepungdmerf. ®ad ©cpulgelb betrug 1859 burdffdjnittlicp 2d. für bie Sßodfe. (Ed bejahten 34.3 ißroc. ber ©d)üler 1—2d. per SBcdje; 38'4 ißroc. 2—3 d.; 16’2 $roc. 3—4d.; 11 ißroc. 4d. unb barüber. 23ered)net man bie ©efammteinnapmen für bie burdifcpnittlicpe ©djülerjapl, fo ergiebt ftdjigolgenbed: ©roßbritannien ©dmleu ©djülcu Einuatjmen $ür ©djulbauten 6,586 801,401 8. 693,259 8. 234,367 (Englanb unb SBaled 5,531 666,912 8. 576,878 8. 215,979 ®ied finb bie (Einnahmen aud 8ocalquelIen, tooju ber ©taatdbeiirag foramt, ber in folgcnber SBeife oertpeilt ift. @efammtauftranb bed ©taated für bad ©cpulmefen. Satyr 1359 1839—1859 gür bad ©djulmefen überhaupt (©roßbritannien) 8. 723,115 8. 4,378,183 gür bie ©cpulen allein 8. 552,463 3,251,595 gttr ©djulbüdjer unb Apparate 6,144 41,066 „ ©epattjulage für bie geprüften (certiflcated) 8eprer 86,328 435,854 „ ©epalt ber |>ülfd=, i)3robe= unb 3lbenbfd)ulleljrer u. a. 8,766 34,490 „ Stipenbien ber ©djuljöglinge 252,551 1,487,705 „ kleinere üludlageit 3,292 18,601 8. 357,081. Äopfgelber 61,183 186,231 ©djulbauten 134,199 1,047,648 fjür ©djutleljrerfeminarien 92,595 590,256 „ ©djulinfpection 41,230 355,807 „ Slbminiftratien 18,261 102,129 „ SSefferungdanftalten unb 3nbufiriefd)ulen 18,028 75,469 „ ^ßenftonen 538 2,923 (Englanb unb Söaled erhielt Don obiger ©umme 8. 572,857 3,405,685 ©taatdfircfjlidje ©cpulen 8. 438,307 2,632,789 S9ritifd)=audlänbifd)e „ 67,065 371,296 SBedlepanifdje „ 35,883 194,545 Äatpolifdje „ 30,881 136,593 2lrmenpaud= „ 721 70,462 ®er 3tegierung8jufd)uf? beträgt für (Einen ©cpüler in ©roßbritannien faß 9 s. 7d. tn (Englanb eüoa 11s. 6d. alfo mit ben 8ocaIaudlagen non 18 s. 6V 4 d. je 28 s. Id. unb 30s. ®aju finb aber nocp bie inbirecten SluSlagen für bie ©eminarien, 3nfpection unb ©tpulbauten ju regnen, meld)e per ©djüler 10s. audmacpen. (Ed foftet bemnadj bie 2 lu 8 lagen für alle infpicirten Spulen in ©nglanb auf nafieju S. 1,300,000. 2öaS bie nidjtinfpicirten (Spulen toften, läßt fidf nidjt genau fagen. ®a 8 ©dfulgelb ber 3 nbepenbenten=©d)ulen beträgt 6 — 8 d. wöchent* lidf, alfo für einen ©djulbefucß wäßrenb 40 SBodjen im 3aßr 20—24 s. oßne bie inbi= recten Äoften. 3 m allgemeinen aber barf man annehmen, baß bie nidjtinfpicirten ©djulen, mel^e oielfad) Wegen ju großer Slrmutß bie SBorbeoingungen ber Uuterftüfmng nidjt erfüllen, oiel weniger foften als bie infpicirten. Unter ber SSorauSfehung nun, baß btefer ©dfulen minbeftenS ebenfobiele finb als ber infpicirten unb baß fie ettoa halb fo oiel als biefe foften, werben ungefähr S. 2 SJHHionen für 33olt'Seräiel)ung au 8 = gegeben. Um aber ben ©lementarunterricht auf alle fd)ulfäl)igen Äinber auSäubeßnen unb auf benfelben f$mß ju feßen, Wie in ben infpicirten ©d)ulen, würben etwa S. 3 2>lit= lionen erforberlicß fein. d) ®ie ®inrid)tung ber ©dfulen. ®ße oon ber innern Drbnung bie 9?ebe ift, mag ein 3JSort über ba§ 9leußerlid;e nic^t am Unrechten ißla^e fein. Stimmt man bie ißriüatfd)ulen für bie ärmeren ©laffen ßinäu, fo finbet fidf bie größte 33erfd)ieben= Ijeit unb Slbftufung bei ben ©(^itllocalen. Ipier ein ftattlidfeS gefdjmacfüoHed ©ebäube, baS ber ganjen Hfadjbarfcßaft jur 3wrbe gereidjt, mit einer ©inridjtung im 3nnern, ber= gleichen oieHeidjt Wenige ßöt)ere ©ernten fidf rühmen lönnen. ®ort eine elenbe ®orfßütte ober eine finftere ungefunbe ©tube in einer Sßinfelgaffe ber ©tabt, wo baSfelbe enge ©emad) als SBofm^immer, ©dflaffammer unb $üd)e ber armen ©cßulbame unb jugleidl) als ©cßulftube bienen muß. ©dflecfyte Socate Waren bis oor wenigen Saßräeßnten baS ©eWößnlidfe. ©8 ift ein großes Serbienft ber oftgenannten ©dfulgefeüfdjaften fowie beS ©rjießuugSratheS, baß fie auf ben 23au unb bie ©inricßtung ber ©dfulen ein befonbereS 2Iugenmerf gerichtet unb ißre Unterftü^ung an 33ebingungen gelnüpft haben, bie bie fperftellung guter Socate gewäßrteiften. ©8 wirb bei Neubauten oor allem auf eine gefunbe Sage gefeßen. ®er ©runb unb 23oben muß groß genug fein (minbeftenS 1,200 □ ©Heit a 3 engt. f$mß), um außer bent ©djulgebäube 9iaum für einen ober äWet ©pielpläfje abjugeben. ®a 8 ©djuljimmer muß minbeftenS 12' ßod;, Woßl oentilirt fein unb gutes Sicht hoben. ®aS ßimnter ift Wo möglich ein Dblongum, fo baß an ber einen SängeWanb 3 ober 4 Steißen ©ubfeHien, atlmäbjlig anfteigenb unb burdj 3ttöfauptlel)rer (ober bie ^auptleljrerin) f;at alle Äittber in einem ober mehreren gimmern unter feiner Hluffidjt unb unterrichtet bie eine ober anbere Slaffe felbft, wäljrenb feine ©eßülfen, gogliitge ober fDionitoren fid; mit ben attbern befdjäftigen. Sin ffiormalleljrptan befteljt nur iitfo= fern, atö bie S?el;rev meift bem in ben fD'htfterfdjulen, in benen fie gebilbet tourten, nieber* gelegten ißlane folgen unb bie ooit ber betreffenbett ©efeHfdjaft beroffentlidjten Sdjul= büc^er gebrauchen. ©ie Unterridjtdg egenftänb e toaren im Senfudjahr 1851 in allen Schulen Snglanbd folgenberutaßen oertheilt; unb gwar nad) ißroc. ber Schulen unb Schüler: ©cffcittlfdjc arartfdjulcit: Sefcn ©d)rct* ben 9ted)* neu fd)id)tc SDlufit Seid). nen Unterftüfcte 73-7 70-7 94-8 94-7 84-7 75-9 33-0 6-8 7-3 Bloß iujpicirte 83-4 80-7 87-7 86-3 49-5 29-5 16-6 3-4 0-8 ©ie Angaben über 9teIigiondimterrid)t finb berhältnidmäßig nieberer, ba bie ©iffenter= fdjulen benfelben andfhließen. fpöchft intereffant wäre es, Wenn wie bei bem Senfud 1851 aud) bie berhältnidmäßige 3^1 ber Sd)üler, bie in jenen §äd)ern unterrichtet Werben, ermittelt werben fonnte. HWein für fcldje Berechnung fehlt ed gang an ben nöthigen Hingaben, ©agegen finbeit fid) in jenen Berid)ten fehr roerthboKe SD^ittheilun^ gen über bie Qualität bed Unterrid)td, aud benen fid) folgenbe Berechnung ergiebt, unb jwar nad) fprocenten ber Sdjulen, in benen bie eingelnen gäd)er gelehrt werben, nicht ©rofjbritannien unb gtlanb. 103 «ad) 5J3roc. bet ©djülen überhaupt. SluS 100 ©dptlen finb es fo unb fo oiet (wie felgt), tn benen bie Dualität beS Unterrichts fetjr gut, gut unb jiemlidj gut ift: ' Sagfdjuten Sibl. Unter« vid;t Äate« d)i3m. Scfcn Sdjtei. heit 8tedj* neu ©CO* 0inpl). ©mm» matit @C* fd)id)te munt neu ©tScl» ylin Unterftü(3te 90 89 87 89 81 82 72 81 90 91 94 Söloß infpkirte 63 63 64 68 51 51 47 62 88 70 79 Die 3al)I bet ©djulen bemnad), tu toeldjen bet Unterricht mittelmäßig ober fdjledjt ift, ftellt ftd) bei ben unterftüfjten ©d)ulen als oerhältniSmäßig febjr gering heraus. Dage» gen fielen bie bloß infpicirten ©djulen auch binftdjtlidi ber Dualität beS Unterrichts hinter jenen weit juriid. SBie finb nun aber biefe Unterrichtsfächer b ertl;eilt unb weldfeS 3iel wirb burd)fd)nittlidj erreicht? Um biefe gragen ju beantworten, mäßen junädjft jWei Klaffen bon ©d)ulen unterfdjieben werben: bie gewöhnlichen unb bie hbh e= ren. 3 U ben leiteten (Upper Schools, auch Commercial Schools genannt) gehören hauptfädjlid) bie mit ben ©eminarien in Verbinbung fteljenben ©djuleit unb anbere ftäb» tifdje VolfSfdjulen, bie bon ben Kinbern ber geringeren ©eWerbSleute unb ber beffern Slrbeiterclaffe befudjt Werben, weldje 4—6 ^3ence wödjentlidjeS ©d)itlgelb jahlen unb bie ©diule mehrere 3al)re lang befugen. VeifpielShalber mag h^f ein ©tunbenplan einer ber beften ©deuten biefer Slrt mitgetheilt Werben. 9« o r g.: 9 Uhr 15'— 9.50' I. Slbtl). Religion, TL Slbth- Sefen, HI. Slbtl). Schreiben. (2 obere Staffen) 9 „ 50'—10.25' n. Slbtl). Religion, m. „ „ I. „ (2 mittlere Staffen) 10 „ 25'—11. in. mtl). Religion, I. „ „ H „ „ (3 untere Staffen) 11 bis 12. Sitte Slbtheilungen Slrithmetif. 9Sad)m.: 2Uhr —2.35' LSlbtl). „9)iüubl.Unt." ELSlbtl). Sefen, IH.2IbtI). ©djreiben. Dies ift ber ©ntnbplan für jeben Sag außer SHittwod) unb ©onuabenb, wo ber SSadpnittag frei ift. ^Religion umfaßt 35ibellefen, KatedjiSmuS, ©tüde aus ber Siturgie (namentlid) bie fonntäglidjen Kottecten ober fßerüopen) unb Kird)engefreg. ©ehr »erfd)ieben ift gur 3eit nodj bie 6inrtd)tung ber $arod)ial= unb 3lrmen= haug=©chulen. 3n ben teueren »erben bie Kinber ber Slrmenhaugleute gang auf Koften ber ßommunen erhalten unb ergogen, in ben erfteren erhalten bie Kinber ber ärmften 9lrbeiterctaffe eine freie 6rgielmng, gum ®h e 'i auch Kleibung. ©iefe ©chulen »erben immer mehr nach bem S?ationalf^uI=©hftem eingerichtet unb bie beften berfelben fielen hinter ben 9tationalfd)uIen nicht gurüd, fo baß fie »ielfach aud) »on Sinbern be= fudjt »erben, bie ein Jteineg ©djulgelb galßen lönnen. 6g »ürbe hier »iel gu »eit füh= ren, »enn auf ßingelljeiten eingegangen »ürbe. (Einige aßgemeine 33emerfungen müßen genügen, ©ie Qualität einer ©djule ^ättgt »ielfach »on bem Sntereffe ab, bag bie ©eiftlidjen unb Localbeljörben baran nehmen, bie burdj ihren 6inflitß bie nötigen Hftit» tel gur ülnfteßung tüchtiger Lehrer u. f. ». befdjaffen unt> überhaupt eine ©dgule in Slnfehen bringen. 6g hat fidf herauggefteßt, baß große ©d)uten mit 2 big 400 Kinbern mit einem tüchtigen £>auptlehrer unb Unterlehrer unb Lehrgögüngen (et»a je einem für 40 ©djüler) »eit beffer finb atg Heinere ©djulen, »o ein Sehrer et»a 80 fiinber hat. ©djulen, in beneit bie ©efdjledjter getrennt finb, »erbienen ben 33orgug »or ben gemifd)= ten. ©ie SKäbd)en namentlich fdjeinen unter Lehrerinnen rafcher »orangufommen, unb letztere hanbhaben bie ©iSciplin fo leidjt unb fidjer alg bie üßtänner. 3 to if^ en ©tatet» unb Sanbfdjulen ßnbet ein bemerleng»erther ttnterfchieb ftatt. ©ie ©tabtfdgüler lernen rafcher unb lommen »eiter »oran in intereffanten gädjern, haben aber meift leine fo ©roptitamtie« «ttb Srtanb. 105 gritnblid)en fteuntniffe als bie langfanter lernenben ^Dorffdjüter. SaS Sefen i(t in cen ineiften ©djulen Weniger genügenb als bie anbern gädjer, aber faft o!jne 2IuSnal)me Beffer bei bett 2 Räbd)en als bei ben Knaben. 2 lud) wirb nod) oielfad) öott bett 3 nfpectoren barüber gcllagt, baß baS ©elefene unb ©eiernte Oon ben Sdjülern nicht oerftanben wirb, baf? ber Unterricht in @e[d)icfjte unb ©eograpljie namentlid) oft $u medjanifd) getrieben, bie Äinber niepr jugefiufct als erlogen werben. Sodj in allen biefen ©tüden jeigt fid) überall ein ungeheurer fjortfd^ritt gegen früher. Sagegen ift bem oft genannten Uebelftanb, bem furjen unb unregelmäßigen ©djulbefud) auf feine SOSeife abjuhelfen. 9Ran pot mit ^Belohnungen oerfdjiebener 2lrt oerfudjt, aber ohne großen (Erfolg. Sinne (Eltern finb faft gejwungen, fo früh tute möglich ihre finber etwas oerbienen 31 t laffen, unb ba bajn in gabrifbejirlen unb großen ©täDten fid) fo biete ©elegenheit bietet, fo oer= laffen bie ftinber jum größten S£h e rle bie ©dfule fdjon im 10 . ober 11 . Saljre. ÜRun ift aber ber ©djulplan auf mehrjährigen ©djulbefud), etwa bis jum 13. 3aljre angelegt unb fo ertlürt es fid) leidjt, wie aud) bei bem beften ©djulplane unb oon ben beften Lehrern baS gemünfdjte 3>et nicht erreicht wirb, ©o fdjeint eS baS @eratl)enfte ju fein, bem ©djulplan enge ©renjen 311 jiehen unb fid) baraitf 31 t befdjräufen, baß bie Äiuber Jefen, ©djreiben unb bie erften (Elemente beS DtedjnenS lernen, unb bem ÜRangel einer ooHftänbigeren ©djulbitbung burd) SSorbereitungS» unb gortbitbungSf djulen abjuhelfen. (ES erhellt hieraus, Wetd)e widrige ©tellung bie Äleintinberf djulen einuehmen. ©ie finb uid)t bloß, wie fonft, tBewaljranftalten für bie kleinen, beren (Eltern ben Sag über U)reS @efd)äfteS Ijolber oon fjaufe abwefenb finb, fonbern eigentliche 33orbe= reitungSfdjulen, in benen fie an Drbnung unb 9ieinlid)feit gewöl;irt mto in ben SlnfangS» grünben unterrichtet Werben. 3lnfd)auungSunterrid)t, ber auSgel)t oon bem Slllergewöljn» lidjften, wedt beibeS, baS SerjtänbniS unb bie 8 uft 3 um Jemen. häufiger 2Bed)fel oon ©piel unb Jemen erhält bie kleinen frifd). SaS 3wl, baS hier erreicht Wirb, ift meift befriebigenb, in ben üJiufterfdjuIen (Wie bie Home unb Colonial Infants Schools, in benen baS gröbel’fdje Sinbergartenfpftem eingeführt ift) in ber Sljat überrafd)enb. Sie Äinber lernen bis 31 t ihrem 7. 3af)re in biefen ©djulen Jefen, 3 . St), aud) Schreiben unb llumeriren, fobann bibtifdje ©prüd)e, Singen unb ntandjerlei auS ber SRaturge» fd)id)te fowie auS ber bibtifd)en @efd)id)te. ©0 uorbereitet treten fie in bie eigentlid)e ©d)ule ein unb lernen in biefer bis 3 itm 11 . 3al)re fo oiel, um fpäter fid) weiter fort» bilben 3 U tönncn. 3 U legerem 3 ll} e t fe ift ein Slnfang mit gortbilbungS = ©dju[en oerfdjiebenerSlrt gemacht worben, wohin junädjfi: bie ülbenbfdjulen gehören, in benen übrigens aud) ältere ißerfonen, bie nod) Jefen unb Schreiben lernen wollen, fid) einfin» ben. ©0 wirb in biefen ©djitlen in ben gewöhulidjeu (Elementarfädjern 3 . Sh- Oon frei» Willigen Jeljrern unterrichtet, fie ftnb aber nod) Weit nid)t fo planmäßig angelegt unb mit ben Sagfdjulen in ©erbinbuug gefegt, wie bie Sleintmberfdjuten. ülnbere gortbilbungS* fdjulen ( 3 . 33. Mechanics Institutes) in Welchen Unterricht in allgemeinen unb fpecietlen gadjern gegeben unb SSorträge über33erfdjiebeneS gehalten werben, finbenfidjhin unb wieber, finb aber unter fid) 3 U oerfd)ieben, um hier weiter berücffidjtigt Werben 3 U lönnen. Sie Ragged Schools u. f. W. gehören unter bie fRettungSanftalten. Sie ©onntagSfdjulen finb in fofern Ijier ju erwähnen, als fie für bie gortfefcuug beS ^Religionsunterrichtes ©elegeu» heit geben. (ES wirb oon ihnen, ba fie fonft nid)tS mit ben Sagfchulen 3 U tljun haben, weiter unten bie 9?ebe fein, nad)bem über bie 33ilbung unb bie 33erljättniffe ber Jeljrer an ben Sagfdjulen baS Blötljige gefagt ift. e) Sie 33erljältniffe ber Selber. 1) Sie 33ilbung ber Jeljrer. JiidjtS würbe beim (Erwachen beS ©inneS für 33 olfSer 3 iehung fo feljr gefühlt als ber SRangel an tüd)tigen Jeljrern. gür bie höheren ©chulen war burd) 2Ränner, bie eine Unioerfi» tätSbilbung genoffen hotten unb faft auSfdjließlidj bem geiftlidjen ©tanbe angehörten, geniigenb geforgt, für bie niebern ©djulen bis jum 2lnfang biefeS SahrhunbertS gar nicht. (ES gab leinen Jeljrftanb. Jeute, bie für alles anbere oerborben waren, ergriffen als le(jte 3uflucf)t baS Jel)ramt, arme grauen, bie fid) burd) ihrer §änbe 2lrbeit nicht 106 ©tofbritannien witb 3tlattb. ernähren fonnteit, fammelten um ftd) bie 9iad)bartinber, um tiefen ipr SBiffen betju= bringen, bad in ein paar 23ibelfprücpen, Sefen, oieHcidjt fogar ©djreiben beftanb. 2Bie fdjlimnt ed in biefen Singen beftettt mar, ift aitS englifdjett Romanen befannt, in benen Sorffcputmeifter, aud) ißenfionatleprer unb bie gute ,,©d;mlbaiue“ eine beliebte Stolle fpielen. 2Bie fd)Iimm ed nod) in ben „^rauenfdjnlen" (Dame Schools) befteüt ift, gept aud Angaben im Senfudjapr 1851 peroor, monadj 708 Seprer nnb Seprerinnen in ißri= oatftpüien unb 35 Seprer in öffcnttid)en ©djuleit unteräeidjneten — mit einem fireuj nämüd), weit fie itjren tarnen nidjt fdmeiben tonnten. Srft ald bie jtoei großen ©djul= gefeflfdjaften gegrünbet waren, mürbe ein Slnfang mit ber iperanbilbung oon Seprent gemalt. Ser britifdjen ©efeüfdjaft biente ipr üßtonitorenfpftem baju. ©ie tonnte menigflend Seute audfenben, bie biefed gelernt unb geübt patten. 9Iud; bie 9?ationaD gefeDfcpaft madfte gleid) anfangd einen SSerfucp unb naptn Seprjöglinge auf, bie eine SEßocpe bid 6 pödjftend 12 ÜÖJonate in iprer Sinftalt blieben. Sie tücptigften erhielten ein ©tipenbimti Bon 1—2 ©nineen mödjentlid). 2)tufterfdjulen mürben aucp im Sanbe pin unb per erricptet nad) beui SSorbilb ber beiben ©efeüfcpaften. Sin meitercr ©djritt mar bie ©rünbung ber Äleintinberfdjutgefellfcpaft für bad Snlanb unb bie Sotonien (The Home and Colonial Infant-School Society 1836), bereu anfanglidfer ißlan, bie §eranbitbung Bon Seprern unb Seprerinnen für Äleinfinberfdjuien, halb ermeitert unb auf Stementarfd)ulen audgebepnt mürbe. Sad 3apr barauf itapm bie 5 Jtational= gefeüfdjaft andp Seprerinnen auf unb forgte für Unterricpt ber Seprer in tpren grek ftunben. ©ie Berantaffte bie ©rünbung Bon ©djutlcprerf eminarien in ben einselnen Siöcefen unb entmarf einen ißtan für ein SDiufterfeminar in ber fpauptftabt. Spe biefed jur Sludfüprung tarn, grünbete ber um bad englifcpe 33oIfdfd)ulmefen podfoerbiente ©ir 3. Ä. ©putttemortp mit S. SuffneÖ auf eigene Äoften ein Seprerfeminar in Battersea 1840, bie erfte tüdjtige Inftalt biefer 2lrt. 23eibe Scanner patten fiep juoor mit bern Srjiepungdmefen in gfranfreidj unb ber ©cpmeij burcp eigene 3ln= fdpauung oertraut gemadft. Sad ©eminar mürbe nad) 4 Sapren ber 9(ationatgefe£t= fdiaft übergeben, bie injmifd^en St. Hark’s College, eine Stnftatt für ^räparanben, unb eine anbere für Seprerinnen in Whitelandhouse eröffnet patte, ©ie untermarf bie 2in= ftalten ber 3nfp ection bed Ä. Sr^iepungdaudfepuffed unb erpiett bedpalb ©taatdunter= ftüpung. Ser Regierung lag befonberd bie ©rünbung foldjer ©eminarien an unb mit iprer §ülfe entftanb im Saufe ber lepten 20 Sapre einer Steipe neuer Sinftalten. Slutp bie bvitifdje ©efeüfdjaft, bie SBedlepaner unb Äatpolifen erpielten, ba fie fiep bie 9tegierungdinfpection gefallen liegen, einen ©taatdbeitrag. -Jhtr bie Snbepenbenten nnb SDiitgtieber ber „greimiüigen ©djulgefeüfdjaft" meigerten fid), ©taatdgelber anjunepmen unb grünbeten 2 ©eminarien auf eigene Äoften, Bon benen aber eiued halb mieber eingieng. ©egenmartig (1860) giebt ed 36 ©eminarien für Seprer unb Seprerinnen, bie faft alle binnen ber legten 20 3apre erridjtet mürben. ©ie fofteten etma S. 336,000, moju bie Regierung ben britten Speit beitrug. Sie meiften ftepen in SSerbiubuug mit ber 3?ationaI= gefeüfdjaft unb ber ©taatdfirdje, opne baff anbere Senominaticnen audgefdjtoffen mären. Denominationen. ©emtnarien fftv Scmittori ften. Scljrer Ucljrc« rinnen mäunl. i n’cilU. ©cfd)Icd)t$ 1) (Sngltfdje ©taatgtirdje 15 13 918 830 a) 31ationatgefettfd;aft: a) SDtetropotitanfenünarien 2 1 206 109 ß) ©iöcefanfemin. in Serbtnb. nt. 9tat.»@efdj. 10 10 515 517 b) Stnbere ©eminarien 3 1 197 64 c) Home and Colonial School Society 1 140 2) S3ritifd>*aii6limbifdjc ©djulgefeltfdjaft 2 1 87 61 3) SBedlepaner 1 1 65 37 4) Äatpolifen 1 2 45 78 19 17 1,115 1,006 . 36 2,121 ©topfrafanntctt unb Srlanb. 107 3Diefe 36 ©eminarien mit 2,121 3ögtingen ju 9 fdjottifdjen SInßalten mit 673 ©eminariften ^injugejä^tt, giebt bte ganje 3 a h* öon 45 ©cpittfeminarien unb 2,794 ©eminariften, wetdje unter ber Snfpection ber UnterridßSabtheitung flehen, ©a bte Unterrid)t8abtt)eitung aus ben eben fepon angeführten ©riinben bie Stuggaben für baS Srjiehitnggmefen nidjt erhöhen miß, fo lange über ba§ (entere fein enblid)cr Vefdßuß öon bem Parlament gefaßt ift, fo werben öon fegt ab (1860) teine (Selber mehr für bie (Srünbung neuer ©eminarien öerwifligt, obwohl au§ ben beftehenben f'aum eine ben Slnforberungen genügenbe Slngapt öon Lehrern perüorgept. ©er ©taatsbeitrag für bie ©eminarien jerfäßt in Verwißigungen für aßgemeine unb befonbere 3*oede. gür iene, b. p- für bie Srpattung nnb Verwaltung ber beftehenben ©eminarien fteuert bie Untcrricptgabtheilung jährlich 8. 2250 bei, Wo= öon bie 97ationaIgefeßfd)aft 8. 1000, bie britifdje 8. 750, bie fdjotüfchen Slnftatten 8. 500 erhalten. Sine weit größere ©umrne, etwa 8. 100,000 Wirb für befonbere 3wede öerWißigt, bie fid) in fotgenbeßtubriten theilen: 1) Veitrag für Vüdjer, Äarten, ©iagramme, eine ©umme im Verhältnis öott 10 ©epißingen per 3®8^ n 9 1 öorau8= gefegt, baß bie Slnßatt felbft bad ©oppelte giebt. 2) gilr wißenfdjaftlidje Stpparate jWei ©rittet ber Soßen (bie 8. 100 nid)t überßeigen bürfen), unter ber VorauSfegung, baß ein paßenbeS 8ocat fid) ßnbet, unb ein tüchtiger, für biefen 3 w ed befonberS ge= prüfter 8eprer angefteßt iß. 3) ©epaltgutage für bie ©eminarhülfsteprer im Vetrag öon einem ©rittet ihrer Vefotbung unter ber Vebingung, baß ße wenigßend in bie erße Stbtpeitung ber jweiten 3eugni8ctaße (f. u.) bei ber Prüfung gefegt worben finb unb jährlidh fowoht öon bem ßiegierungginfpector als öon bem ©eminaröorftanbe gute 3eugniße erhalten. 4) Honorar öon 8. 100 für 8ectoren in befonbern fyäd)ern (@e= ftpidße, ©eograppie, engtifdje 8iteratur, )ßhpßf unb angewanbte Sötatpematif), bie ihre ©üd)tigteit in bem jährlich int Stprit abgehattenen Sectoreneyamen erprobt paben nnb öon ber ©eminarüerWattung fdjon einen ©epatt oon 8. 100 (außer freier Sßopnung) beäiehen. 5) ©tipenbien für ©eminariften (f. u.) unb 6) Vergütungen an bie ©eminar= öerwattung für aße 3ögbtnge, bie bie SlbgaugSprüfung beftehen. ■— ©ieS iß ba§ ©hßem ber Sooperation be8 SrjiehungSauSfdjuffeS, ber fomit feine Veiträge nid)t bloß öon ben ißriöatanftrengungen im Stufbringen be§ ©etbeS, fonbern aud) oon ben tpat= fäcplidjen 8eißungen ber 8eprer unb ©d)üter abhängig rnadjt. Spe iebod) öon biefen unb überhaupt öon ber innern Sinridjtung ber ©eminarien bie ßtebe iß, wetd)e mit Wenigen SluSnapmen nur eine höhere ©d)ute für bie fonft üorgebttbeten ©cpulcanbibaten finb, wirb ed paßenb fein, auf ben Slnfang ber Vilbung äurüdjugehen. ©ie VilbungSlaufbapn ber ©djulamtäcanbibaten. 1) ©ie Vorbe= reitnng für bie Aufnahme in bie ©eminarien ift jrnar benen, bie fith bem Seprßanb wibmen Woßen, nid)t näher öorgefdjrieben, bie meiften aber treten atö ©cput= amtSjögtinge (Pupil Teachers) bei ©djuttehrern ein, wetd)e öon ber fftegierung&= infpection jur Stufnapme oon $räparanbett befähigt finb. ©a faß aße Stfpiranten ben ärmeren Staffen angehören, fo ergreifen ße gerne bie Vortheile bed )ßräparanben= 3nßitut8, baS ihnen nid)t nur ihre Srjiehung pecuniär erleichtert, fonbern aud) be§ Sr= folgd öergewiffert. ©ie Snaben ober SDtäbcpen, welche a!8 ©djulamtSjögtinge eintreten Woßen, müßten ba8 13. Sebenöjapr juriidgetegt haben, ein ärjtticpeS ©efunbpeitSjeugnig, ferner ein ©ittenjeugniS öon bem ©eißtiepen unb bem 8ocatfd)ulüorftanb beibringen unb bem tönigt. Snfpector bei feiner jäl)rtid)en ©d)utöißtation jur Slufnapme öorge= ßeßt Werben, ©ie Äemttniße, bie erforbert werben, ßnb: geläufige» 8efen, SlitfangS» grünbe ber ©rammatit, ©üd)tigteit im ©cpön= unb Sftedßßpreiben, bie öier ©pecieg, 9Jtaß= nnb ©ewithtrechnung, SlnfangSgrünbe ber ©eographie, SatecpiSmug unb Umriße ber biblifdjen ©efdßdße (bet ©ißentern ftatt ber tegteren ein 3 eu gniS be8 ©cputöor= ftanbS über bie retigiöfen Senntniße). ©inb biefe Vorbebingungen erfüßt, fo wirb ein 8el)rcontract gwifeben ben Sttern ober Vormünbern ber 3ögtinge unb bem V l 'äparanben= legrer gefeptoßen, wobei ßcp bie Snfpection nidjt betpeitigt, ba fie überhaupt nur bie 108 ©ropritannicn uttb ^jrlanb- Dberaufftdft über bie ©djulen füh't unb Prüfungen hlt. 2Bie ftpon gefagt, bürfett- nur bte Oon ber 3nfpection Befähigt erflärtett Seher unb Seherinnen 3öglinge anneh men, unb jtoar bie Sekret nur Änaben, bie Seherinnen nur SDtäbdjen, bie übrigens, int 33eifein ber Seherinnen, ^rinatunterridjt oon Servern erhalten fünnen. ferner bürfen nur foldje Seher fßräparanben aufnebmeu, tüetc£;e feine fprioatjoglinge ober fonft 9?ebenbefci)äftigungen h^ en - ®ie ©djuten fobamt ittüßen unter ber Snfpection ber Regierung ftehn, ben öoüftänbigen ©djnfapparat, ©laffeneinthtfung unb gute ÜDiSciplin hben unb nidjt unter 50 ©djülern jähen. (Sin Seher !ann bis auf 4 ©djutamtS» jöglinge h^en, fo baß auf einen B^gling ettoa 40 ©d)üler fontmen. ®er fßräparanben» curS mäht ungefähr 6 Saljre, beginnt mit ber 3eit ber jahlichn SBifitation beS fönigt. 3nfpector§, bie früher ober fpäter gehalten iotrb, cnbet aber immer mit Sßeih nad;ten. 2)ie 3äglinge, toeld^e nadj bem 14. SebenSjahe eintreten, rüden in bie ent= fpredfenbe Sah'eSdaffe ein. ®er ©djutjogling ht ben Seher im Unterrid)t jtt unter= ftü(3en unb erhält oon if)tn an 5 Sagen in ber 2Bod)e je V/ 2 ©tunben fßrioatunter» rid)t. Slttjähiid) ht er oor beut 3nfpector eine Prüfung ju befielen in ben nad)ge= nannten gädjern. ©nbe beS 1. Sah reS. ©nbe bes 2. Sah res. 2e* feit ©rammatif ©titübung. 5Ratfjcmati! ©cograytyie ©efdjidjte Beidjtien SDiuftt fftcligiun SS tu GJ C* SS QJ » o Ä os> »ö SS JO QS> st ä JO g CU ’S S j-» g o fco Sfomen, 93erb, Stb* jeettb, ein» fatber ©afj. ©rjäbtung aus bem ©ebäcbt» uis jit hreiben. tpropor» tionen. 33vitif B OJ JO « cü. « nSred)itung oerlangt toirb. SBenn bie 3ögtinge bie fählidjen Prüfungen in biefen gädjern g ur 3 u j r riebenf)eit beS Snfpectorä beftehn unb ein gutes güh'nngSjeugniS erbalten, fo befommen fie ein ©taatsftipenbiunt oon S. 10 für baS erfte 3ah unb jebeS folgenbe 3ah £• 2,10.0 toeiter bis auf S. 20. Sbenfo erhalten bie fßräparanbettfehet jä^rlirf) für einen 3ög = ling S. 5, für jtoei 3äglinge S. 9, für brei 3öglinge S. 12, für oier 3ögtinge S. 15. 8ür meh als oier giebt ber ©taat feinen 3ufd)uß. ©inb bie Seher int 3 e *ume ob. Süngarb) fchrift» licp jit beantworten. * ©efchidhte nach Hallam’s History of the Middle Ages unb Constitutional History. 8) ffieograpljie: ipppfifche, politifcpe unb §anbelSgeograpie; popu» läre Slftronomie. ißfpchologie; 2ogif, ÜJioral. 9) ©eomefric mib JHcd)atiik: ©uflib 58. I—IV. SBefchreibung ber ntechani» fcl)en Kräfte unb ihrer ge» Wohnlicpffen StnWenbung; einfache ©alcitlationen. *®utlib 58. VI. unb Stuf» gaben nach 58.1-IV. Oua» brat. @leid)ungen; ©rigo» nontetrie; Dlibettireit. ©rEIärung einfacher 2Jla» fepineu u. ber beim Unter» riept in ©pnamit, tppbro» ftatil ti. Opti! gewBpnlich gebrauchten Snftrumente. ©ppcirifcpeKrigonometrie; älftronomie. ©runblinien ber SRabigation. 37ied8aniE; ^pbroftatif; Dptit. ©iffe» rential» unb Sntegral» rechnung. 10) Algebra: bis ju ben qnabrat. ©lei» jungen (inclusive). 11) Mk: *©pemie; Gleftricitat unb ' ©albanismus. ©yperimentalpphfiE (Stgri» culturchemie). ©runblin. ber ißaturppilofoppie. 12) (Englifdje Äitcralur, £atciu: *©pafefpeare’S ® amtet, ©türm ober Goriolan. SBaconsEssays.S-iteratnr» geeichte bon Gpaucer — SDiiltou. *©ngt. Siteraturgefcp. *2atein.: Georgica I. bis IV. Officia 58. I. *© riech.: Sphigenie in ©aueis; Sünabafis 58. I. ©rojjBritannfen unb Srlanb. Hl ßrfies 3 afjx. 3weite« Satyr. ©ritte« Satyr. 12 ) (Engltfdje fiilcratur, Latein: * ©ton ©rammatif. — Seittyte profaifdtye unb poe» tifttye ©tiiefe jutn lieber» fepen ine ©ngtifctye. *®eutfdty: Söatlenfiein; 30 jätyriger Ärieg. * % x a n 3 B f.: Stacine ’8 An- dromaque, SEtyierrty ’8 Conquct. 13) Hcittyttcn: greityanb» itadty SBortage, geometriTctyes mit ®iitfe Oon Sitftrumenten. greityanb» unb geometr. (wie er|tee Satyr.) Jinearperfpectibe, ©ctyat* tiren, gigurenjeictynen. 14) ißiifilt: Socatmuftf. SSocat» unb Snftrumentat» mufif. KB. 3m jmciten unb brüten ba8 eine ober anbere bei* mit * 6ejcid)ncten Öädjer nad) eigener 2Öal)I. ®ie8 ftnb im Wefentlictyen bic Setyrgegenftänbe. ßtätyereS barüber finbet fid) in ben fetyr auSfütyrtidjen SyamenSfragen (5. 93. in The Church Education Directory 1857) unb ben Reporten beS S^ietyungSauSfdjuffeS. ®a bie ©tubienjeit faft gar nie über 2 Satyre auSgebetynt wirb, bie größere Raffte ber ©eminariften fogar nur ein Satyr bleibt, jo fallen für bie weiften Stnftalten bie gäd)er beö 3. SatyreScurfeS, feltener einzelne ©egenftänbe beS 2. weg. ©ie SectionSptäne futb „obwotyt in ber £>auptfaänben einer 93orftetyerin (Superintendent), Weldjer eine ßtormal» tetyrerin unb ntetyrere ©ouoernanten beigegeben ftnb. 33efonbere8 ©ewidjt wirb auf Unterridjt in ber ßtetigion, ber Setyrmettyobe unb in ben Si^ietyungSgrunbfätsen ge» legt. 9Itgebra, ©eometrie unb työtyere ÜDtattyematiJ faßen Weg, bagegen ift Unterricht in inbuftrießen gädjern unb ^jauStyatfung in ben Setyrptan aufgenommen, ©er Setyr» curfuS ift auf 2 Satyre bercdjnet. ©er Eintritt gefdjietyt jwifctyen bem 17. u. 25. Satyr, 112 ©ropritcmmen witb Ertaub. in einzelnen Slnfialtcn fd)on mit 15 Sauren. ®ie »elften 3ßglinge, et»a 8 / 9 , flttto ©ti= penbiaten, »etdje, außer Äleibwtg, altes frei ßaben. ®ie 9^id^t=©tipettbiaten jaulen burdj* fdjnittlidj 8. 20 jäßrticß, b. et»a 2 / 3 ber Unterßaltunggtoften. 3n bie Home and Colonial School Institution tonnen aud) ©ouoernanten unb Seherinnen an ßößern ©djulen eintreten, »aS öfters gefdjie^t- 3it biefer 3lnftalt, »ie in einigen anbern, »erben außer» bem Seherinnen für Äteinfinberfdjuten gebitbet. 33iS jefet aber ift ih'e 3 a ^ herßalt» niSmaßig feh gering, »eSßatb neuerbingS bie Snfpectoren oorgefd)tagen ßaben, 9ln* ftalten für ißerfonen ooit 25—40 Sahen ju grünben, um biefe in einem 12monatlid)en KurfuS für geringere Slementar» unb für Stteinftnberfcßulen oorgubilben. ®ie Seßrmetßobe in ben ©eminarien ift faßt ohe StuSnaßme gut, in ben §aupt= feminarien, bie freiließ bie beften Seher ßaben, auSgejeidjnet. ®ie »idjtigften Sectionen »erben hon atabemifd) gebilbeten Scannern, meift Geologen, gegeben unb finb ganj geeignet, ben 3bgKngen nidjt nur grünblidje Äenntniffe, fonbern and) einen ßößeren S3egriff öon ber SBebeutung ber 33otf$erjießung beijubringen. 33efonberS ßerüorjußeben ift bie ooit ben ©djulrectoren geleitete ebenfo anjießenbe, atd teßrreicße Äritit ber Sectionen. ®ie Seiftungen ber 3öglinge finb im allgemeinen redjt befriebigenb. 3 U bemerten ift aueß ßier, »ie oben bei ben ©deuten, baß im auSbrudSöoHen Sefen bie »eiblidjen 3<5g= linge bie männlidjen »eit übertreffen. Ueberßaupt ßat eS fid) im Sauf ber 3aßre ßerauS» gefteüt, baß bie aus ben ©eminarien ßeroorgeßeitben Seherinnen troß ber feßr gefteigerten 2lnfprüd)e an fie ißren ißoften fo gut audfüHen, als bie Seßrer, aueß in 33e$ießung auf ®i8ciplin. 9Itan barf nur felbft 3 e uge fein öon ber Seicßtigteit uno ©id)erßeit, mit ber fie aud) in großen ©djuten bie Drbnung ßanbßaben. 3a eS tomrnt nidjt fetten öor, baß Kltern ißre Knaben, nadjbetn fie bie Stteintinberfcßule terlaffen ßaben, nod) längere 3eit bie üütäbdjenfdjule befud)en taffen, »eil fie ßier raftßer lernen unb teidjter in 3ud)t geßalten »erben. ®ienftprüfung. 0ür bie ©eminariften fällt biefe mit ber StbgangSprüfung jufammen. Stußer biefen tonnen fid) aber aud) anbere metben, ^räparanben, bie 3 Saßre |>ülfsteßrer gemefen finb (f. o.), unb — auf Kmpfeßtung ber $nfpectoren — Seßrer, bie über 22 3aßre alt finb, fo»ie 3tbenbfcßulteßrer. • ®ie Prüfung »irb oon ben tön. Snfpectoren öorgenommen. »Diejenigen, »etd)e barin befteßen, erßalten ein ißrüfungSjeugniS (Certificate) unb bamit SInfprud) auf ©eßattjutage. ©8 befteßen 3 3eugniSctaffen mit je 3 Slbtßeilungen. ®ie erfte ober ßöcßfte (Eiaffe ift für bie öorbe» ßatten, bie fo»oßt im fd)rifttid)en Spamen ats in ber ©djutprapiS fid) auSgejeicßnet ßaben, bie 2. Klaffe umfaßt bie, »eld)e in ben gäcßern beS 2. SaßreScurfeS (f. o.) be= fteßen; bie 3. Klaffe enbtid) feßt S3etanntfcßaft mit ben Seßrgegenftänben beS 1.3aßreS= curfeS öorauS. Stad) biefen Klaffen rießtet fid) bie ©eßaltplage, »obei öoraudgefeßt ift, baß bie £>älfte ber öon ber Socalbeßörbe fcejaßlten S3efoIbung aus freimütigen 33ei= trägen befteßt, unb baß ber Seßrer eine 2tmtS»oßnung (ober ftatt beren eine entfpreeßenbe 3ulage) ßat. Sefjrcr. öeljrerimtcjn SRinimum ©efolöuug, ©etjaltjufage, Qftintmum ©efcltmng, ©eljattaulnge. ' I. Klaffe 1. S. 60 S. 30 S. 40 S. 20 2. „ 55 „ 27.10 s. „ 36 „ 18 3. 50 „ 25 ,r 32 „ 16 II. „ 1. „ 46 „ 23 „ 30 „ 15 2. „ 43 „ 21.10 s. „ 28 „ 14 3. » 40 „ 20 „ 26 „ 13 III. „ 1. » 36 „ 18 „ 24 12 2. ,, 33 „ 16.10 s. „ 22 » 11 3. „ 30 „ 15 „ 20 „ 10 ®ie ‘©eprüften treten febodj nid)t fogteid) in ben ©enuß ber ©eßaltjulage fonbern miißen eine ißrobe^eit öon minbeftenS 15 SOtonaten befteßen, unb erft ©ropbritannicn unb ^rtanb. 113 3lblauf,jbiefer 3eit, wenn fie non feem Snfpector im ißraftifchen tüchtig erfitnben Worben finb, wirb bie ©eljaltgulage nad) ber B^ugniSclaffe QU f 5 Scitjre fipirt, unb bann je nad) bem 33erid)t beS SnfpectorS auf« neue beftätigt ober geänbert. ©o ift jebem bie ÜKBgtidjfeit gegeben, in eine fyoljere Klaffe biuaufgurüdett, aber aud; für iägige ober un= tüchtige Sehrer bie ©efafyrba, bie Bulage geftymälert gu fctyen. — Äleinfinberle^rerinnen, bie eine leichtere Prüfung gu befleißen haben, erhalten eine geringere Bulage. Kytra= gulagen Werben für Dfidjtigfeit im 3eid)nen unb (für SBaleS) in ber Welfdjen ©pradje gegeben. Selfrer über 35 Sah« alt, bie bie Prüfung nicht hefteten, aber nicht eben untüchtig finb, werben regiftrirt unb fo gutn Sehramt befähigt, aber ol;ne Slnfprud) auf Bufdjuß. — Snbuftrielehrer unb- Seherinnen erhalten auf Krapfehlmtg beS SnfpectorS eine 3utage oon 2Va ©djißing per ©djüter; 2lbenbfd)ullehrer, bie fein förmliches ®ya= men gu beftefjen haben, einen Bufdjufj oon S. 5 bis 10, Wenn fte fid) braudjbar geigen. Sie tonnen nad; 3jaf)rigem Dienft auf Knipfelßung beS SnfpectorS ohne KoncurS= Prüfung in ein ©eminar als ©tipenbiaten eintreten. — Stuf biefe 2lrt finb bie pe» cuniären SBerljältniffe ber 8el;rer bebeutenb oerbeffert Worben. 9?od; im Sah 1851 war ber burd)fd)nittlidje @el)alt eines SehrerS 8. 55 unb einer Seherin 8. 31, Währenb je(5t nur bie Seiger 3. Klaffe fo gering befolbet finb. Die ülnftellung ber Sehrer ift ©ad)e ber Socalbehorben, bie fid; beShalb an bie ©eminaröorftänbe ober bie ©djulgefeflfdjafteu wenben. ülnfprud) auf ißenfion h“fou nur bie unter ber SJegierungSinfpectiou ftel;enben geprüften Sehrer. ©ie erhalten im gälte ber Dienftuufähigfeit, nadjbent fie wenigftenS 15 3ahre an einer infpicirten ©d^ule gelehrt haben, 2 k ihrer SSefolbung als ‘’ßenfion. Ks giebt aber außerbem 33erfic^erungS= gefeflfdjaften, Wie bie Schoolmaster’s Mutual Assurance Society (g. 1849) unb The Churcli Schoolmasters Benevolent Institution (1857), Weldje bie SJiitglieber im gaße ber Äranfheit unb hoh en SllterS, fowie bereit SBittwen unb SSJaifen unterftüf$en. 3Iud) Sehreroereine giebt eS in Skrbinbung mit ben- oerfdjiebenen ©d)ulgefeß= fdjaften. Sie Nationale g. 33. hat eine SDletropolitan Slffociatiou (f. 1838), neben ber je(3t Wohl 60 anbere in ben oerfdgebenen Diöcefen beftehen. Der 3'ahceSbeitrag be= trägt einige ©dgfiinge. 23ibIiothe!en finb mit aßen Vereinen oerbnnben. 5Iuch 33or= träge über baS ©d)utwefen werben gehalten, unb bie Sehreroerfammlungen theilweife Oon ben Kentralbehörben ber ©d)ulgefeflfd)aften befdgdt. Obwohl nun in ben lebten 30 3ahren ein geregeltes 23olfSfd)ulwefen mit einem tüchtigen Sehrerftanb wie ein Sieg über gang Kitglanb ftd; auSgebreitet hat, fo behnt fid) bod) ber Kinfluß beS neuen ©djulwefeitS noch weit nicht auf aße Klaffen aus, fo baß aud) heute nod; tpülfSanftalten oerfdgebener 3lrt notlgg finb. f) fpitlfSanftalten für bie SBoIlSergiehung. Diefe, fo mannigfaltig fie finb, laffen fid; bod) in 3 ^auptgruppen theilen: Sieligiöfe Slnftalten (©onntagSfdjulen), SftettungSanftaltcn unb gortbiibungSoereine. a. Die ©onntagSfdjulen, bie ben erften SInftoß gut- SSoIESergiehung gegeben haben unb lange Beit ben ÜDianget an aßem Unterricht erfe(jen mußten, haben ihre Sebeutung nidß oerloren. Sine halbe ÜDciflion fiiitber würbe ohne aße Krgiehung auf= Wadgen, Wenn bie ©onntagSfd;ulen nid)t beftänben. Unb foßte eS auch balgn fommen, baß aße tinber Dagfdfulen befud^en, fo würben bie ©onntagSfdjulen immer nod) als auSfdgießlid) religiöfe Snftitute eine hödjft widjtige ©teßung neben ben eigentlichen 33olfSfd)uleit einnehmen, ja bann nodt mel;r als fegt ihren Bwed erfüßen — als 93?ittel= glieber jwifchen Kirche unb ©chute. 2)ieS gilt befonberS oon ben ©onntagSfdjuIen ber Denominationen, welche ben ^Religionsunterricht oon ben 2Bod)entagSfchulen auSfchließen. Die ©onutagsfdjulen’ ftetjen überhaupt faft aße in engfter Serbinbuttg mit einjelnen @e= meinben, aus bereu SJiitte ber 33erWaltuugSauSfchuß (meift mit bem @eiftlid)en an ber ©pige) fowie bie Sehrer hcrborgeljen. SBie aßgemein oerbreitet baS ©onntagSfchulwefen ift, geigt ein 33lid in bie KenfuSreporte oom 3ahr 1851. cpäoag. CäitcpICopäbic. III. 8 114 ©ropttfannicn unb ^lanb. @djU[cr ncict) ScljuUiftcu. Slde Setrcr, l>a»oii grcUoifliac Sellter. 8 c-- Sd) 11= [CU. Stile ÄtldOni SDtrtÖtfjCU i)uf. SDlannev S rauen »inc fOtäuner grauen IDlanu. UUt> Stauen 9lQc ©deuten 23,137 2,369,039 1,174,647 1,194,392 301,477 167,253 134,194 291 064 161,942 129,122 10.383 10,427 935:892 458,387 477,505 75,672 34,681 40,991 66,386 29,984 36,402 9,286 fficSletjancr 4,126 429,727 213,613 216,114 81,181 46,709 34,472 81,016 ' 46,609 84,407 165 Sirtepeni. 2,590 343,478 168,564 174,914 43,408 24,502 18,906 43,142 24,348 18,794 266 Saptificn 1,767 186,510 91,143 95,367 28,170 15,757 12,413 28,007 15,667 12,340 163 ©iefe Sifte, iucld^e außer ber ©otalfumme and) bie einjehten Angaben über bie haufjtfäd)lidjften ©encminationen enthalt, ift nidjt einmal ganj ooßftänbig. ©ie ®e= fammtjahl ber Sinber (ton bcnen et»a 76 fßrec. ber obigen 3 a hl bie ©djitlen burd)= fdjnittlid) befugen) beträgt etoa 2,407,600, bie ber fretoiüigett Seljrer 318,000. Stoa 15 fSroc. ber ftinber finb unter 6 Satiren. 21m gal)treid)ften finb bie ©onntagdfd)itler in SBated (27 ‘jßroc. ber SSetsölferung) unß in ben ülianufacturbiftricten Sancafhire unb 9)or! (16 fßroc.). 9luf einen Setjrer irnnmen burdjfdjnitttidj 7 — 8 ©djüier (bei ben ©taatdfirdjtidjen 12, bei ben äBedtet)anern 5). SD?erf»ürbig ift, baß mit bem 2Iuf= fd)»ung bed 23otfdfdjul»efend bie ©onutagdfdjuten angenommen haben: Sn ben Sauren 1830 — 50 Untrbe faßt bie £>ätfte ber obengenannten ©djulen gegrünbet. ©ie innere Sinrid)tung ber ©dfulen ift fnr,^ biefe: ©ie ffiinber berfammetn fidj borgend um 9 ober 9V», fftadimittagd um 2 Ut)r. SD?it ©ingen, ©d)rifttefen unb ©ebet »irb be= gönnen, bann bie aufgegebenen SSibelffsrüdje abgehört, hierauf ein ©djriftabfdjnitt erflärt unb bariiber fatedjiftrt. fyür bie, »etdie nid)t tefen fönnen, »irb ein fürged 23ibel»ort an einer Sefetafet analtjfivt. ©er Unterrid)t fdjtießt, häufig nadj einer t'urgen Stnfpradje bed @eiftlid)en, mit ©ingen unb ©ebet. üfteuerbingd »erben größere ©djulen in 3 Staffen geteilt, bie Steintinberctaffe (ooit 3—6 Sauren), ^auptdaffe (6—14 3.) unb obere Stoffe (über 14 3af;re). ©ie Äinber über 6 3afyre fi(3en in fteinen ©ruppen nnt ihre Seljrer. Siner ber SBorftefyer beauffidjtigt bie ©d)ttle. ©ad £>eer ber gretoittigen, junger Seute, bie größtenteils ber arbeitenben Stoffe angeboren unb ihren 9tnt)etag bent Unterricht ber armen ffinber »ibmen, ift in ber Stijat eine großartige Srfdjeinung. Itterbingd mag eingcmenbet »erben, baß ber gute SSHtte unb bie Sefyrtüd)tigfeit gtoei oerfcbiebene ©inge feien, unb hierin liegt bietieidjt ber einzige nidjt nnbcgrünbete SBor»urf, ben man bem ©onntag8fdjut»efen madjen !ann. 2tnd) f5reimiQige müßett fid) beut Spercifium nntermerfen. 2tber baß, befonberd je( 3 t, oiet gett)an »irb, um biefen Seljrern SUtettjobe beijubringett, barf nidjt überfein »erben. 3 U biefem B^tf unb «nt überhäufst bad ©onntagdfd)ut»efen gn förbern, haben fid) oerfdfiebene Vereine gebitbet, bie Sunday-School-Union fdjon 1803, »elt^e nad) benfetben ®runbfäf 3 en »ie bie SSritifdje ©djutgefeüfdjaft berfäljrt, unb an bie ftd) bie meiften ©iffenter anfdjließen. ©ie hat ein auögerehnted 33iidjgcfd)äft, pitblidrt nid)t »eniger atd 8 Sftonatdfdjriften, (bie in 110,000 Spemptaren circutiren) ttnb außer* bem oerfd)iebene ©d)ulbiid)er unb Seitfäben für bie Selber, unterftfifct bie ©djulen unb läßt biefe burd) SJtitgtieber bed Sentraioereiud befudten. ©ie ©taat»fird)e hat 1844 bad Church of England Sunday School Institute gegrünbet, bie SBedlet)= anifd)en ©onntagdfdjuten ftehen unter ber trefflichen Scitung bed Srgiehungdaud* fdjuffed ber ©efctlfdjaft. 3n ber neueren 3 e *t finb nun oon biefen @efetlfd)aften nicht bloß Bufammenfünfte mit ben Set)rern, fonbern and) Sehrctaffen (Training Classes) an äßodjenabenben »erauftaltet »orbett, »o 2J?uftertedionen gegeben unb SSorträge über bie Sehruiethobe gehalten »erben. — Uebrigend hat bad ©onntagdfdjutwefen, bet alten Un= ©rofjbritanntcit unb 3 Wanb. 115 ootlfommenheiten, bod) fdjon unenblid) siel ©uted gewirtt. Um nic(jt oon beitt Dlu^n ju rebeu, bett bie Sefirer für ftch felbft aud fo!d)er Sefdjaftigung jie^en, fo wirb bic fitt= Iid)e Hebung ber urtterften Soltdfd)id)ien, bie SScrtrauttjeit mit ber Sibel, bie Sichtung Bor bem @efe (3 gewiß nicf)t mit Unred)t ju einem guten 2!l;eU ber SBirffamteit ber ©onntagdfdiulen jugefdjrieben, weldje für unjä^tige Äinber ber einjige Drt toaren, W» fte ©uted hörten unb fafjen. Sind ben ©onntagdfdjulen ift aud) BieleS anbere ^erBor= gegangen, Wad jur fittlidjen Hebung ber Slrnten beitrug, wie Slbenbclaffen an 2Bod)en= tagen, gortbilbungdfdjulen, ©parcaffenoereine u. f. w. (Sin wohltätiger Kinfluß ift aud)' auf bie Kltern ber ©onntagdfd)üler geübt worben, ba biefe oon ben Sehrern be= fudjt werben. ©ad Sanb, bad in ber ©djule jwift^en Seilern unb ©d)ülern getnüpft Worben, lodert fidj aud) fpäter nidjt, Wenn bie ©djüler längft in uDienft ober Arbeit ge= treten finb. 2Bie bie alten Kton» ober Dtugbt)=©d)üler am liebften bie fyefte il;rer ©djule mitfeiern, fo beseitigen fid) bie früheren ©onntagdfd)ü!er häufig bei ben ©djul» feften unb 2 ludftügen itjrer ©d)ule unb treten 3 . £ 1 ;. felbft ald ©onntagdfd)ullehrer ein. — ©odj felbft bie ©onntagdfdjulen haben nidjt oermod)t, ihren Kinfluß auf alle Äinber ber ärmften Klaffe audpbeljnen. Kd finb bedljalb Slnftalten für bie oöllig oerwa!jr= lodten nötljig geworben. ß. Dlettungdanft alten (Raggcd unb Industrial Schools). Den mannig» fad)en Slnftalten biefer Slrt liegt ber ©ebante 31 t ©runbe, baß, wie -Uiüßiggang aller Safter Slnfang, fo Shätigleit ber Anfang gunt Seffern fei. Kd wirb baher in allen biefen Slnftalten bafür geforgt, baß bie Äittber für irgenb ein fpanbWert h^rangebilbet Werben. ©ie Äinber, Bon Welchen Ijitf bie Diebe ift, tonnen in 3 Klaffen geteilt werben: bie bettelarmen, bie Sagabunben unb bie fugenblidjen Verbrecher. Sie erfteren finben famrnt ihren Klient in ben Slrnten!)aufern eine Unterlunft, wo fie auf @emeinbe= toften exogen werben. 3m 3ahr 1851 gab ed in 523 Slrntenhäufern 38,067 Sinber. jDiefe fteljen je( 3 t unter ber Itnterridjtdabtheilung, beren 3nfpectoren im 3afjr 1859 469 ©deuten mit 34,911 Äinbern oifitirten. ©ie 3 Weite Klaffe ift bie ber Sagabunben, befonberd ber „Sonboner Sebuinen" (City Arabs), bie lieber junger unb SSliiße leiben, ald ihr freies Sieben aufgeben, ©ie gieljen heimatlos herum unb nähren fid) Bon Settel unb ©iebftaljl. §ür biefe finb bie Slrbeitdfdjulen (Industrial Schools) unb bie Suntpenfdjulen (Eagged Schools) gegrünbet worben, beren ed im 3ahr 1851 123 mit 22,337 Stinbern gab. ©ie umfaffenbfte Sluftalt biefer Slrt ift bie 1844 für Sonbon gegrünbete Ragged School Union, weldje je( 3 t in 170 ©djulgeßäuben faßt 25,000 Slinber hat. Von biefen Werben 15,430 in 146 ©djullocaleu ben ©ag über, unb 9,410 (in 215 Vocalen) bed Slbenbd unterridjtet. Sitte biefe unb außerbem 22,690 Äinber befudjen bie ©onntagdfdjulen biefer ©efeHfdjaft. Slußer 400 angefteHten Seljrcrn unb 380 3Jto= nitoren unterrichten in biefen ©djulen (au ©onntagen unb SSodjenabenben) 2,670 freiwillige Seljrer. 1,650 Shtbent würben im 3aljr 1859 ©teilen oerfdjafft. ©ie, welche fidj ein 3aljr lang in ihren ©teilen gut aufführen, erhalten Heine Seloljnungen. ©ie größte Sludjeidjnung aber ift bie Stuf nähme in bie ©djuhpufeergefellfdjaft (Shoeblack Society), wonach bie armen 3ungen fo begierig trauten wie bie ©ohne ber Dleidjeren nadj einer SlnfteHung im ©taatdbienft. ©iefe ©djuljpuher finb in 9 „Srigaben" oer= fdjieben uniformirt, eingetheilt unb nad) ben ©iftricten ber £>auptftabt oertheilt. Stbenbs tommen fie in bie ©djulen 3 urüd. 3h re 3 a ht Beläuft fidj auf 319 Knaben, weldje im lebten 3aljr S. 4,548 (burdjfdjnittlid) S. 14) Berbieuten. SBenn fte fid) bad Dtötljige: erfpart haben, fo wanbern fie in bie Kolonien aud, ober treten ald Scljrliuge ein. Slußerbem hat bie ©efellfdjaft 15 3ußudjtdljäufer (Refuges) für etwa 600 BerWahrlodte tinber, bie gan 3 oerfßftigt, er 3 ogen unb gefleibet Werben, ebenfo Dtadjtljerbergen für Krwadjfene, weld)e ben Unterricht in ben Slbenbfdjulen mitmadjen müßen. Kd ift ein merfwürbiger Slnblicf, wenn in bemfetben locale bie Sungen, bie Bon ber Slrbeit tommen, neben halb 3 erlumpten Siännern unb ©reifen, ÜDläbdjen unb SBeibern, im elenbeften 2luf= 3 ug in tleinen Steifen um bie §etrn unb ©amen herumfiften, welche aud Siebe 3 u bett 116 ©rofBtitannictt unb Srtanb. ißertornen fidj beg llnterricbtg attnehnten. ®ie Ragged Schools finb eigentliche Sunt* penfammter, feie non ben ©tragen unb SBinfeltt jufantuienlefen, mag tn aubent ©djuten leine Aufnahme finben lann ober toiH. ßg ift nur Sine ©titnme über bie 9?ü§lid)leit biefer Ülnftatten, jumal ba aud) bie SJiütter ber oermahrtogten Stinber fid) einfinben, um Unterridjt in ber 93ibel, in fpanbarbeiten unb 2ltt«eifttng ju georbnetem ^jaugljalten gu belontmen, «obttrdj audj auf bag l;äugtiche Seben ber ärntften ßtaffe ein roc^jI= tljätiger ßinftuß auggeübt «irb. — 35urd) biefe unb ähnliche 91nftalten «erben fittber, hie fdjon auf betn 2Bege beg 2$erberbeng finb, gerettet. 2Iber and) für bie ooitt ©eridjt öerurtt;eilten jugettblidjen 93erbredjer ift geforgt. gür biefe finb 23efferungganftalten (Reformatories) errichtet «erben, «oI;in fie ftatt «ie früher in bag 3ufd>uIe für bie arbeitenben Staffen ift, unb in feinen Sectiongplan bie gadjer einer höheren 3?eatfdjute unb fogar ptjitofoptjifdje gadjer aufgenommen IjM* ®ie Stnftalt «urbe ittt 3ahr 1859 non 344 Verfetten be= jucht, «ooon bie fpätfte et«a ßanbmerler unb über ein drittel ©d)reiber «aren. 9Itter= btngg «erben biefe gortbitbungganftalten nidtt immer fo fleißig benii^t atg ju «üufdjen «äre, mandfe berfetben finb au^ launt etmag anbereg atg bloß gefeltige SJereine. Slber .bie üorhin genannten geigen beuttidj, «ie oiet für bie § e,f)lin g fcer ?trbeiterdaffe getgan «erben fantt. -Dtanche Seute finb burdf biefetben fogar in ben ©tanb gefefjt «orben, eine höhere Saufbahn gu oerfotgen. 2. ® a g 93 o 11 g f octylanbdbiftrifte forgt. ©tatiftit bed 5Botfdfd)utWefend in ©ctyotttanb. 2lud) tyier bit= 118 ©rofBritannien unb 3r[attb. ben bie Angaben beS SenfuS 1851 bie ©runblage, aber feine fo ftdjere tute für Sng= lanb, ba fte biel unboüftanbiger finb. SS ftnb barnath im ganjett 368,517 ©d;üler, mährenb nah ben Stngaben ber fpauSbefitier über bie Sefdjäftigungcit ber 3 nmohner 426,566 ©djülcr anjunehnten mären. SIber bie le^tern Slngoben ftnb nicht juoerlaßig genug, um bie erfteren barnad) 31 t berichtigen. SBebijlletung 1851. sputet. Sd) liier in Cllroc. Ser cScuiUterung. 1. Slttgabc 2. $lngabc 2,888,742 Sinm. j 368,517 426,566 12-76 14-7 SKan mirb anttehmen bürfen, baß 14 $roc. ber 33ebölterung ben ©djulen ange= hören. ®od) aud; nadj ber nieberften Sinnahme (12-76 ^5roc.) fteUt fich ba§ $5erhätt= ni§ günftiger h«auö als in Snglanb, mo e 8 11-96 ‘proc. maren. ®a§ Nähere über bie 368,517 ©d)üler ift fjolgenbes: ' 3,349 1,893 A. ©tfjiitcr itad) ©djulliftcn. B. Stiller aittoefcitb beim CScitfuS. eptoe ber Sclnt' ten Ulme, ber Sdjttlcr nad) A. Sdjtileu: 1) Deffentlidje 2) tßribatfchul. Jluabcn SENabdjen 3ufamm. fina&en tDlät>(f)cn 3 ufamm. Jl'na* Ben gjtäB. djeu 3uf. 161,754 43,594 118,291 44,878 280,045 88,472 135,043 38,287 97,399 39,713 232,442 78,000 63-9 81-1 43-9 11-8 32-1 12-2 76 24 3ufammeit 5,242 '205,348 163,169 368,517 173,330 137,112 310,442 100 55-7 44-3 100 ©onntagsfhul- 3,803 135,435 157,114 292,549 105,911 124,113 230,024 46-3 53-7 SBährenb in Snglanb */ s aller @djüter fßribatfhulen feefudjt, ift es in ©chottlanb faunt V 4 - ®ort fommen burchfchnittlich auf eine ^riöatfdjule 23-6 ftnbere Duellen Summe per ©d)üler 8. a. u 4 s. s. 8. s. d. I. (Eiaffe 906 74,945 25,981 849 1,682 27,957 8,128 64,597 17. 2 4 A II. „ 407 30,399 31,160 334 876 5,600 890 38,860 25. 67» III. „ 964 83,383 4,663 10,088 3,996 23,965 6,313 49,052 11. 97* IV. „ 234 21,636 285 10,553 89 6,949 3,078 20,954 19. 47» 3ufammen 2,511 210,363 62,089 21,824 6,643 64,471 18,409 173,436 16. 57« 3n (Englanb war im (EenfuSjahr ba§ (Einfomtnen 217* s. per ©djüter überhaupt, in ©chottlanb 167a s., bort famen auf einen ©djüler ber (Eiaffe III 147“ s., hier nur 117* s., atfo ift bie (Erziehung in ©chottlanb wohlfeiler. 93ei ben obigen Angaben finb alle ©djulen ohne Unterfdjieb in 95etradjt gezogen. 120 ©tojjbritcimtien wnb ^ttanb. 6 d fragt fid) nun weiter, weldje oon ihnen atd eigentliche $ol!dfd;uIen anjufehew finb. Stoffe IV, weld;e 2lrmenfchulen u. f. w. umfaßt, gehört nidjt hiefyer, bagegen bie Sonfeffionalfd;ulen (Stoffe III uub 3 . Stoffe II) unb faft alle aud ber Stoffe I,. weldje mit Sludnaljme bon 14 ©djulen bie and Bffenttidjeu SDtitteln gegriinbeten ©dju= 1 len in fid; begreift. ®ie SSolldf^ulen laffen fid> bemnadj überhaupt eintfjeilen in 1 ) ©tabt= nnb parodjialfdjulen unb 2) Sonfeffioualf djulen. ®ie ©tabto ober 23urgfdjulen (Burgli Schools) fo wie bie ißarodjialfdfulen ftainmen nteift aud früherer 3eit, fie Würben, wie in £)eutfdjlanb, in 35erbinbung mit ber Stonbedlirdje gegrünbet unb burd) ©tiftungdgelber, Socalfteuern unb ©djulgelber unterhalten. 2)ie Sonfefftonalfdju» len bagegen berbanten iljren tlrfprung ben ©eceffionen öon ber ftonbedürdje. 3)rei Sßiertel berfelben finb in ben lebten 20 Sauren entftanbeu. ©djulen i) 2) (Sonfcfflonalfdjulcu. Me ©urg* fdjulett ^avodjial* [djulen ®taat8* firdje Sreifivdjc 2lnt>eie jDotirtc 3ufammcn 88 937 537 712 136 386 1,771 2,796 ©djüler 11,484 75,955 36,995 62,660 15,084 | 25,851 140,690 228,125 ÜSon ben botirten ©djulen (Stoffe II) würben nadj lb 3 ug ber ben Sonfeffionen 3 ^ gefjörenben nodj 105 ©djulen mit 14,686 ©djülern übrig bleiben, bie als gelehrte @dju= len anjufeljen Wären. SlHein biefe 3 a h^ giebt nid)t bad genaue Verhältnis, ba, Wie fchon oben bemerlt, bie VoIfSfdjnlen bielfaih aud) hßh ere I5äd)er aufnehmen, wie folgeitbe ungefähre 23eredjnung nad; Angaben bed Senfud geigt, Wobei jugleid; bie Prioatfdjulen berücffidjtigt werben feilen. Proportion ber © babei beteiligen, im gilt» Seinen geigt: 9lflc ©djulen Giafiijtö. Uuter* ridjt in ?tfle ©djiiler ©djiiler, bic Untcridjt in claff. ©yradjen erhalten auf eine ©djule Fommcn glaife I (®» r 8fö» Ien " i fParodjialfdjulen 88 47 8,208 2,035 24-8 fßr. 48 937 659 48,735 3,072 6-3 , 7 „ II. ®otirte ©djuleit 491 154 22,100 1,280 5-8 „ 8 ( ©djut. Der Oanbedftrdje 537 143 19,034 495 2-6 „ 3 „ III. { „ ber fvreifirdje 712 350 35,848 2,045 5-7 „ 5 f „ b. fdjott. gpiff.=K. 36 ' 10 1,493 122 8-2 „ 12 2lHe anbern aud glaffe I., III., IY. 548 82 25,336 544 6-6 „ 6 3,349 1,445 161,754 9,593 SJtan I;at alfo Bon ben 161,754 ©djülern ber öffentlichen ©djulen 9593 abguredj» neu, um bie ^aljl bex eigentlichen Solfdfdjiiler ju gewinnen, biefe würben bann 152,161 audmadjen. Siechnet man bie Knaben in ben iprioatfcljulen hinju, fo finb ed 2185 ©djüter in 215 ©djulen, bie Unterricht in ben claffifdjen ©pradjen erhalten; überhaupt alfo in 1660 ©djnlen 11,778 ©djüler ober 5-7 ^ßroc. aller ©djüter, ober 0'4 fßrpc. ber Seoölferung. 5£>ad auffaHenbe SDUdoerljältnid gmifdjen ben ©djnlen, in welchen bie claffifdjen ©pradjen gelehrt Werben, unb ben ©djülern, bie fte lernen, läßt fidj baraud erflären, baff bie Solfdfdjulen gum Sljeil bie ÜDlittelfdjulen erfefjen mäßen. 2lber merfwürbig ift ed, baff aud) in betreff ber gewöhnlichen Seljrgegenftänbe ein SDUdoerljältnid gwifdjen ber 3aht ber ©djulen unb ber ber Seljrer ftattfinbet. 3n mehr ald 4 / 5 aller ©djulen Wirb, außer Sefen unb ©djreiben, audj Siedjnen unb ©rammatif, in 3 / 4 ber ©djulen ®eo= grahhie gelehrt, wäljrenb flfedjnen nur ßon 2 /s ber ©djüter, ©rammatif unb ©eograpljie nicht Bott V 3 ber ©djüler gelernt Wirb, giue Sergleidjmtg in biefen ©tücfen mit gng= lanb fällt nidjt gn ©unften ©djottlanbd aud. 2)enn Bon 100 Knaben erhalten Unter» ridjt in ben folgenbeit gadjern Sefen ©vam* matif ©eo* Dteuc gvapljie ©uratfj. Sitte ©pradj. 2Jiatfje* matif fleidj. nen ©ingen in ©djottlanb (Knab.) 86 52 42 26 29 4 5-9 3-2 2 18 in gnglanb 00 68 61 26 31 2-3 2-7 2'8 5-1 13 Siodj Biel ungünftiger fallt ber SBergleidj ber beiberfeitigen fßriBatfdjulen für ©djottlanb aud. fpieraud barf allerbingd fein ©djluß auf bie Qualität bed Unter» ridjtd gemacht Werben, aber fo Biet läßt fidj erfeljeu, baß in Setreff ber gleichmäßigen Senüfjuug ber Unterrichtsmittel ©djottlanb feinen SSorgug Bor gnglanb hat, wad mit bem fdjon berührten gu frühen Sludtritt aud ber ©djule aufd engfte gufantmenljängt. gine Botlftänbige ©tatiftif laßt fidj bid auf bie ©egenwart in ©djottlanb fo wenig ald in gnglanb herabführen. »Die Seoclferuug betrug im 3a!)r 1859 etwad über 3 SDUHio» nen, unb wenn fidj bad Serljältuid ber ©djülergaljl jur Senölferung, bad 1851 ju 12.76 fßroc. angegeben würbe, nicht Beränbert hat, fo würbe bie @efammt3atjl ber ©dinier jeber 2lrt etwa 400,000 betragen tjaben. flächt gang V 8 baoon gehörte beit unter ber 122 (SrofjBrifannieit uitb Sdaitb. SftegierimgSinfpcctiort ftetyenben ©ityulen an. lieber tiefe nun liegen in ben 3nfpection8= berieten genauere Angaben bor, wobei nur einige Bloß infpicirte ©dtyulen, bie leine SSerictyte eingereidjt tyaBcn, übergangen ftnb. SD i e unter ber Sft egi er un g 8 i n f pe ct io it ft e ty e ub e tt © diu l e n im Satyr 1859: a) ilntcrflfijjtc Sdjnlcn: «) ©taatSfirctye ß ) greifirdje y) Gtpiffopalfirdfe ©djulcn ©cfonbcrlc Sdjultocalc fiir ?U!e ©djiiler Änaben ÜRftbtfjen Äna» öcn dien 33eibc ©cfd)I. kleine Äin* ber I 3u< farnmen 487 329 75 41 24 9 102 34 15 506 273 55 25 25 3 674 356 | 82 68,070 36,027 8,996 37,867 20,127 4,571 30,203 15,900 4,425 3ufammen b) ßloft infpirirlc: 891 164 74 7 151 25 834 123 53 5 j 1,112 160 113,093 9,956 62,565 4,991 50,528 4,965 3nfammen 1,055 81 176 957 58 1,272 123,049 67,556 55,493 SDie ßatyl bon 113,093 ©ctyülern war bei ber Prüfung jugegen, ber burdffctynitt= lidje ©d)ulBefuity aber betrug 116,811. SDie an ben unterftütyten ©d)ulen (mit 2ltt8fd)luß ber bloß infpicirten) angeftellten Setyrer: 1 ©dju* fen Socale @d)üler Seigrer auptfad;e fei, ift Dielen babitrd; erft gutn Sewußtfein unb gur Stnfdjauung gelontmen. Um fein ©pftem weiter gu »erpflangen, grünbete ©tow ein ©eminar. 2 )iand;e ©d;nlen würben nad; biefeti @runbfä£en in größeren ©täbten ge= grünbet unb, wag nod; widjtiger ift, ber ©runbgebanfe fetbft unb Diele eingelne (Ein= ridjtungen fanoen it;ren 2 Beg in anbere ©eminarien, fo namentlich in baS SBeglepanifdje; auch finb bie fEettunggljäitfer meift nad; bem ©towifdjen bßtane eingerichtet. Ueber biefe Rettungganftalten (Industrial Schools and Keformatories) ift nur (Eine Stimme, ©eitbem fie ing Seben getreten finb, ift nad; bem Slugfprud; eineg ber erften fd;ottifd;en 9tid;ter faum mehr ein galt Don fugenblid;en S3erbred;en Dorgefommen. SSe» fonberg gerühmt Wirb bie Slnftalt in fßottocffhawg, Wo gang Derarmte Sinber anfge» nommen, getleibet unb gum Dh e ^ gefpeigt werben. Die Snaben erhalten Unterrid;t nad; eigener 2 ßal)l im ©dhneiber», ©djufler» ober 3 > n >merhanbwer!, bie 3Kätd;en im 9?ät;en, ©triefen unb fpaitöarbeit. 3n ©tranacr werben bie Sinber gu tüd;tigen ©rojjbritannicn u«b Srlanb. 125 arbeitern herangegogen. D?id;t minber wirb für bie gortbilbung ber Sinber, bie bie ©d)ule gu früh »erlaffcn, namentlid) in fyaBriforten, burdj 9?ad)tfdjulen gefcrgt. ®ie ©Ritter galten ihren ©djulpfennig au§ ihrem SBodjenlohn. Sin Infang ift aud) gemadjt morben mit ©djulen für befonbere ©emerbe, mie Sergbau u. f. m. Snblid) merben aud) ©dfulen gcgrünbet für ,,©d)üler über 20 3al)re", bamit biefe bad in ber Sugenb Serfäuntte nad)hoIen tonnen, ©o ift in ber mannigfaltigften SBeife in ben lebten 10 3al)ren für bie görberung ber Solfdergiehung gefcrgt morben unt> bie grüdjte biefer Inftrengungen bleiben nidjt au8. 3) ®ie 33 o IS § e r giehung in 3rlanb. ®en fdjärfften ©egenfafs gu ©d)ott= lanb bilbet baS ©djulmefen in 3rlanb. 2Benn bort bie Solfgergiehung als mefentlidjer S3eftanbtl)eil ber firdjlidfen Deformation angefeljen, gleidcgeitig mit biefer aufgenommen unb feitbem mit ©orgfalt gepflegt mürbe, fo fteüten flc^ ihr in Srtanb non Inbeginn bie größten ©dfmierigfeiten entgegen, bornan bie firdflidjen. ®ie Deformation in 3r= lanb mar lamn etmad anbereS al§ eine Uebertragung bed reichen Sirdjengutä an pro» leftantifdje fßfrünbner, bie häufig tpirten ohne beerbe maren unb ifyre Sintünfte außer» halb be§ 2anbe8 bergehrten. ®ie ©emaltthätigfeit, mit ber ben 3ren eine neue Deii= gion, oon ber fie nichts mußten unb mellten, gubem in ber ©pradje ihrer Unterbrüder, meld)e fie nicht berftanben, aufgegmungen mürbe, fdjürte nur ba8 Reiter beS uralten ^affeS ber Selten gegen bte ©ad)fen. ©ie anglicanifdje Sirdje fdjien nur eine neue 3ming6urg gu fein, um bem Seife auch nod} ba8 leftfe @ut, bie Sirdie ber Säter, gu tauben. ÜDtan fann fid) beulen, mit meldjern Irgmohn alles, ma§ oon ber englifdjen Sirdje unb überhaupt oon Snglanb ans gefdjah, aufgenommen mürbe, unb mie bie er= büterten 3ren aud) in ben beftgemeinten Maßregeln ber Regierung bis in bie neuefte 3eit eine boSmittige Ibfidjt mitterten. Dfimmt man bie Irntut hinju, bie feit 3al;r= hmtberten mie ein Slip auf bem Solle liegt unb bie mit ber Innut fomie mit bem SoIfSdjaralter eng gufammenhängenbe ©leichgültigfeit gegen Silbung, fo erflart e§ fid), baß bie SollSergieljung in 3rlanb auf ber tiefften ©tufe ftel)t unb bie Serfudje, bem 9fotl)ftanb abguhelfen, bi§h« nur geringen Srfolg gehabt haben. In folgen Serfitd)en nun hat cS nicht gefehlt. ©d)on in ber DfeformationSgeit verpflichtete ein @efe£ Oom 3ahr 1587 feben 3nhaber einer fßfrünbe gur Srrichtung einer englifdjen ©dfule. Iber baS ©efeh blieb ein tobter Sudjjfabe. Sari I. beftimmte (c. 1630) ben Srtrag non bebeutenben Sanbereien (16,000 Ider) für ©djulgmede. SS mürben 7 Eöniglidje ©dptlen, atterbingS für h%« Srgiel)ung, bod) mit greifteßen für arme Snaben ge= grünbet. Mein bie 3al)t ber greifdjüler mar nie groß itno betrug oor menigen Sahren faum 3 Su^enb. Sin STtjeil ber reichen Stiftung beS menfdjenfreunblidjen SradntuS ©mith, ber feine gur 3 e ü beS ©emeinmohls ermorbenen Sänbereien für bie görberung be§ SrjiehungSmefenS beftimmte, fam ben ärmeren Slaffen ju gut. S$ mürben über 100 ©ihuten gegrüubet. 3)a8 maren aber nur gang fdjmadje Infänge. Srnft(id)er nahm 1730 ber Srgbifdjof Soutter bie SoIfSergiehung in Die §anb. Sr ftiftete bie ©efellf d;aft für ben Unterricht armer Sinber in ber englifdjen ©pradje unb er ©d)ulen ju errid)ten unb bem proteftantifd)en Sinflufj enfgegenjuarbeiten. — Sd war jur @e= niige erwiefen, baff bie Äatl)olifen fid^ eine proteftantifdje @rgiel;ung ihrer Stinber nid)t aufjwingen taffen wollten. 2tber war ed ratt)lid), ben ißrieftern, bie ohnebem fd)on im @erud) ftanbett, bad SSotf gegen bie Dfegierung auf3ul)e(3en, ober ben bigotten £>rbend= leuteu bie Steifung ber großen Sftaffe ber fiinber ju äberlaffen? 3n ber ®^at in einem ?aube, wo faft 4 / ä ber Beoölferung Äatholifen Waren unb bie Broteftanten feibft in Spiffopale, fßredbpterianer unb Siffenter oerfdjiebeuer 2lrt fid) fpalteten, fd)ien ber einjige 2IudWeg in einem Srjiehungdfhftem ju liegen, weldjed burd) 2ludfd)eibung bed confeffioneHen Siemented eine Bereinigung ermöglichen unb wenigftend bad h eran - Wadjfeube @efd)ted)t burd) gemeinfame Srjiehung enger jufammenbinben tonnte. @oId)e Srwägung leitete bie cnglifdje ^Regierung, ald fie 1829 eine Somntiffiott jur Beratung eined 9t a t i o n a I e r j i e h u n g d f t) ft e m d (National-System hier in anberer Bedeutung ald in Snglanb) nieberfefjte. ®ie Sonuniffion beftaub and brei ©taatdfird)lid)en, jwei Bredbt)terianern unb jWei ÄatI;oIiten. ©ie Bereinigte fid) ot;ne ©djwierigfeit barüber, baff bie 9tationalfd)ulen für alle Stinber ebne Unterfdjieb ber Sonfeffion fein feilten. 2lber ben 9ieligiondunterrid)t Wollte man nid)t gang audfd)ließen. Sd follten wenigftend 2ludjüge aud ber I). ©d)rift in ber autorifirten Ucberfe( 3 ung in ben ©djulen gelefen Werben, ©o Weit gab ber tatt>olifd)e Srjbifdjof, Dr. fDturrap, nad), allein feine Bifd)öfe weigerten fid), eine anbere ald bie ®onat)überfe( 3 ung in ben ©dptlen ju geftatten. ®er Sonuniffion blieb nid)td übrig, ald ben 9ieligiondunterrid)t Bon bem übrigen ©djulunterridjt ju trennen unb einen ober jWei Sage in ber 2Bod)e bafür audjnfehen. ®ie fjorberung aber, bajj bad neue Scftament auch Bon ben fatI)o= lifdjen Setjreru in ben ©djulen gebraudjt Werben fotte, hatte weiter teinc Bedeutung mehr. ®ie Sonuniffion tjatte auf biefe 2lrt Wohl bie Äatljolifen gewonnen, aber bie Broteftanten jurilcfgeftoßen. 17 Bifdjöfc ber irifdjen ©taatdtirc^e ertlärten ftch gegen bad Stationalfhftem; Bon ihrer Oeiftlidjteit trat nid)t V 20 , Bon ben predbt)terianifd)en Brebigern nur V 9 bemfelben bei. ®ie ©egner bed ©pftemd Wiberfehten fid; aud jWei ©riinben: ®ie Srjiehung beftehe, fagten fie, nid)t bloß im llnterridjte, fonbern wefenB lid) in fittlidj religiöfer Bilbung, bie ohne beftimmte §ortn ber Religion unmöglich fei. ©obann fei ed eine Slnfgabe ber eoangelifdjeit Äirdje in 3rlanb, bad Bolf allmähli«h üu eBangelifiren, Woju ein bebeutenber ©djritt gefdjehen fei, inbem Bor Sinmifchung ber ^Regierung in 8000 ©djulen biblifd;er Unterrid;t fei gegeben Worben, Wad hinfort unmöglid) werbe. 3e mehr aber bie Broteftanten Bon ben Dtationalfdjulen fid) ferne hielten, um fo gröjfern Sinfluß gewannen bie Äatholiten. gnr jene war ed ein harter ©djlag, baß mit Sinführung bed Stationalfhftemd (1833) bie bidl;erige Unterftü( 3 ung ber Kildare Place Society burd) bie ^Regierung aufhörte. Sie ©d)ulen biefer ®efeH= f^aft tonnten fid) nicht mehr I) a i ten unb giengen meift an bie 9tatioualf^ul=Sommiffion ©rofjbritannien «nb Srfanb. ' 127 über. ®a nun bie SRationaffdjufen äße anbern 31 t terfdjfingen brotyten, fo grflnbeten bie ©piffopalen mit bem Primas ton Srfanb unb mehreren Prälaten an ber ©pitye bie „Cliureli Education Society for Ireland“ (1840), Wefdje fortan ton ber London. Hibernian Society unterftütyt tourbe. Unt ben fyortgang biefer ©efeflfdjaften unb über» flaust beS irifdfen ©rgietyungSWefenS 3 U geigen, mögen bie fofgenben ftatiftifdjen Sfngaben tyier eine @teKe finben, bie leiber Weit untottftänbiger finb, afS bie über ©roßbritannien, gumal, ba bie SRefuttate beS ©eixfuS tont Satyr 1851 in ben toluminöfen (Sinjelreporten tergvaben liegen. 3m Satyr 1812 gätylte man etwa 200,000 ©djiiter, b. ty. 3-5 ißroc. ber 93etölfe= rung, bagegen ftieg bie ©djütergatyl im Satyr 1821 auf 7 - 3 ißroc. 33ei einer ©eelen» jatyl ton 6,801,827 gab eS bamalS in 10,387 ©d)ulen 494,819 ©d)üler (nad) fattyo» lifctyer SRedjnuttg über V« SRiflion) unb 3 War 357,249 ffattyolifen, 91,026 ©piffopale, 43,236 SßreSbtyterianer unb 3,308 ©iffenter. ®ie 9?ationalfd)ufen jätjtten im ©enfuS» jatyr 1851 etwa 530,000 Sinber bei einer SBetölferung ton 6,615,794, unb im Satyr 1858 in 5,408 ©ttyulen nictyt Weniger afS 803,610 Äinber (481,064 Äatty., 29,130 ©piff. 57,018 ißreSb., 2,216 ©iff.). SWein ton biefen waren burd)fd)uittlid) nur 519,664 auf ben ©d)ufliften, unb nictyt metyr als 266,091 wirflicty in ben ©djufen. ®ie Church Education Society befaß im Satyr 1859 im gan 3 en 1,615 ©ctyuten mit 78,487 Äinbern (11,963 Äatty., 51,963 ©piffopalen unb 14,580 ©iffentern).— ®ie 8 etyrerfeminarien unb 3Rufterfd)ufen finb nad) bemSBorbitb ber englifdjen eingerid)tet. ®ie 35efofbung ber Setyrer ift burdjfdjnittlidj nur 8 . 25. ®od) eS wirb überflü§ig fein, auf ©ingef» neS Weiter eingugetyen. gragt man nad) bem SRefuftate ber bidtyerigen SBemütyungen, fo ift biefed äußerft unbefriebigenb. ©er ©taat tyat große ©ummen für bie SRationaL fctyufen auSgegeben, 8.273,000 im Satyre 1858 , aber nur 8.33,000 famen auS anbern Quellen ’bagu. ®ie freiwilligen SSeiträge betrugen nur 4 S^roc. be§ ©efanuntehxfom» menS, wätyrenb bie firdtylictye ©rgietyung 8 --@efenfd)aft faft 8 . 42,000 otyne §ülfe beS ©taateS ertyob. Sffiie fürs unb unregelmäßig ber ©djufbefucty in ben 9?ationalfd)ulen ift, jeigen bie obigen 3 <*tylen gur ©enixge. Siictyt 7 8 ber in ben ©etyulliften tergeicty» neten ©c^üler befudjt bie ©djufe 3 U gleittyer^eit, unb im Satyre 1856 Würbe beredjnet, baß iibertyaupt ton ben Äinbern 3 Wifd)en 5 unb 16 Satyren faum 7* Unterricht ertyalte. 97acty bem SSeridtyte ber SRegierungSinfpectoren waren ton ben obigen 5,408 ©d)ulen 3,385, unter ber 8 eitung ton ffirieftern ftetyenbe, im traurigften 3uftanbe. ©ut fdteinen übertyaitpt nur bie ÜRufterfdtyuIeit 3 U fein. Dbwotyf ba§ SRationalftyftem feit 25 Satyren in SBirffamfeit geWefen ift, fo finb bod) nod) faft 2 A ber irifdjen SSetölferung unfätyig 3 U lefen. ©0 ift eS fein 935 unb er, baß biejeS ©tyftem wiebertyolt im fßarlament als ein töKig fetylgefdtylagener 93erfud) angegriffen Worben ift. greilid) fmb bie ©d)ulen ber firctyfidjen @efeÜfd)aft aucty nid)t tiel beffer, aber biefe finb ben ÜRationalfdjuIen gegen» über in großem 9?ad)ttyeif, ba fie feine ©taatSunterftütyung genießen unb in tielen Söffen bie nöttyigen 2Rittef nidjt aufbringen fömten. 9lu8 biefem ©runbe tyat ber ®rg= bifdjof ton Sürmagty tor fttrgem gerattyen, bie ärmeren ©ctyuten ber ^Rationaler» gietyungScommiffion gu überlaffen, ein 5Borfd)lag, ber große ©ntrüftung tyertorgerufen tyat. 333enn aber bie ©piffopalen fein SBertrauen 3 U ben ©d)nlen tyaben, bie gum größten ©tyeif unter ber 8 eitung ton Sßrieftern ftetyen unb fattyolifetye 8 etyrer tyaben, fo foKte man benfen, baß bie Sfattyolifen um fo metyr mit bem SRationatftyftem 3 ufrieben fein würben, gumal ba ber ©taat ityre ©d)ufen faft gang untertyäft. 9lüein Wie Wenig bieS ber Satt ift, geigt ber tor einem Satyre gemactyte, übrigens tergebfidje SBerfud) ber fattyofifdjen 9Sifd)öfe, bie 93offSergietyung ber Dberauffictyt ber ^Regierung gu entreißen unb gang in ityre |>anb gu netymen. ©8 ift bemnad) arnty in Srfanb, Wie in ©ngtanb bie confeffioneffe SRidtytung im ©rgietyungSwefen immer metyr tyertorgetreten, unb eS ift in neuefter 3eit tielfad) torgefd)lagen Worben, baß baS in ©roßbritannien als gWecf» mäßig bewätyrte ©tyftem ber Kooperation ber ^Regierung aud) in Srfanb eingefütyrt Werben foffe. 128 ©ropritannieit uitb Sdattb. 4. Sritif. Segt man bad beutfdje ©djulmefen ald SDtaßftab ber33eurtljeilung an, fo fteßt, um omt 3rlanb gar nidjt 31 t reben, Knglanb unb ebenfo ©djottlanb Ijinter ®cutfdjlanb oljne ffrage juriid. $ad Ijabett and) bie ©adjöerftänbigen in Knglanb feinen ipeljl. Kd i(t bie Hoffnung audgefßrodjen morbeit, baß Knglanb in 20 Safjren fidj mit anbern Räubern merbe meffen fönnen. Unb bad mirb bad fftidjtige fein, bor= audgefe(jt, baß bad Krjieljitngdmefen intenfio ttnb eytenfiö in bemfelben SKaße'^fidj ent= midelt, Wie in ben lebten 3 aljr 3 eljnten. Sßergleidjt man aber Knglanb mie ed ift mit Knglanb mie ed mar, fo muß man ftaunen über ben gemaltigen Urnfdjmung unb gortfdjritt im ÜaolfSerjie^nngdmefen binnen ber lebten 30 3a^re. 3 u bor galt Kr* jiebung für einen Suyudartifel, ber nur bem SLBoljt^abenben gugänglidj unb nötljig fei. 97un aber Ijat ß c ©taat unb bie Sirdje ald ißflidjt erfannt. SSoItSergicIjung ift ald eine ber midjtigften foctalen fragen in ben 23orbergrunb getreten. Kd gab früher feinen 23olfdfdjullefjrerftanb. Kitten foldjen gefdjaffen 51 t fjaben ift bad SBerbienft einjelner fje r= norragettber SMuncr, fo mie bed fßarlamentd unb ber Regierung. ®ie Seljrerfeminarien Ijaben einen JBergleidj mit ben beften auf bem Kontinent nidjt 31 t freuen. ®ie baraud Ijertmrgefjcttben Seigrer unb Seherinnen finb junt größten S£)eit iijrer Slufgabe getoadj* fen. 2 Bad namentlidj bie le^tereu betrifft, fo geigt bie immer fteigenbe DJadjfrage nadj t^nen am beften, baß fie iljren ißoften audfüHen. 2 ludj ift bie fjurdjt, baß fie tljrat 33eruf leidet aufgeben mürben, eine unbegrünbetc gemefen. SßonaÜen, bie ben Seminar» curd bttrdjgemadjt ^»aBen, finb Ijeute nodj 9 A° im Slmte, •— non bem übrigen 3 e h* e ^ mehrere mit ©ob abgegangen, unb nur mettige audgefdjieben. ©ad cooßeratioe ©tjftem ber Unterridjtdabtljciluug fiat fidj ald jmeefmäßig ermiefen. Kd Ijat ben 3 WaiI 8 uers tnieben unb bie freie ©Ijätigfeit angeregt, babei bie fo nötßige ©leidjmäßigfeit bed Kr= 3 ießungdplaned angcbalmt. ©er einzige S3ormurf, ber biefem ©tjftem gemad)t merben fann, ift ber, baß eben bie ©djulen, bie iijrer Slrmut megen ber fpülfe am meiften bebürfen, tiefe nidjt erlangen, fo lange fie bie geteilten Sebingungen nidjt erfüllen. 9?ur ift fdjmer 31 t feljen, mie bad geänbert merben fann, oljne bie Slnforberungen an bie Seiftungen ber Beßrer Ijerabsuftimmen, mad nidjt 3 U münfdjen, ober bad Kooße» rationdftjftem in ein ©taatderjieljungSf'jftem urn 3 umanbeln, mad in Knglanb faum tljun* lidj ift. 2Bie ed je^t fteljt, fo ift für einen tüdjtigen Seljrftanb geforgt. 3lber tied ift nur eined non ben gmei Krforberniffen für eine gute (Srgiebjuttg. ©ad anbere Krforber* nid ift, baß ber gebotene Unterricht geljörig benii^t mirb. ©aß le^tered nidjt gefdjieljt, ift ber ©runb bon bem bid )e( 3 t nidjt befriebigenben ©efauuntrefultat ber S3oIfSergteljung. 3n ben ©rauregiftern, meldje Ijier einen giemlidj fidjern Sftaßftab abgeben, Ijat nodj im 3aljr 1857 V» ber ©etrauten ben tarnen nidjt unterfdjreiben fönnen. Unb nodj mirb über bie grobe Unmiffenljeit ber Sanbbeoölfentng oielfadj geflagt. Slber bad SDiidoer» ßältnid gmifdjen Seljrmitteln unb Seiftungen ber ©djulen erflärt fidj, menn man bie großen ©djmierigfeiten bebenft, mit benen bie Sßolfder 3 ieljung 3 U fämpfen Ijat, befonberd ben fursen, unregelmäßigen unb 311 frühen ©djulbefudj. Kd ift feine Hoffnung auf Ülbfteüung biefcd Uebelftanbed. ®ie ärmeren KItern nehmen itjre Sinter ton ber ©djute meg fobalb fie etmad oerbienen fönnen, unb bad gefdjieljt mit bem 10 . ober 11 . 3aljre. 9?ur V* ber Solfdfdjüler genießt bie SBortljeile einer länger banernben ©djulgeit unb für biefe ift ber ©djulfüan trefflidj angelegt, aber für bie fDlaffe ber Sinber nidjt. Sßenu biefe Sefen, ©djreiben unb etmad üiedjuen lernen, fo ift bad aßed, mad ermartet merben fann. 33etenft man bied, fo müßen ftarfe 3' üe 'f e ^ entftetjen, ob Knglanb je tie ©tufe ber SBolfdbilbung erreidjen mirb, auf ber ©eutfdjlanb fteljt, ed müßte benu in Slbenbfdjulen bitrdj tiidjtige Seßrer auf bem in ben £agfdjulen gelegten ©runb fortgebaut merben. Um nodj einige anbere SJergleidjungdßuncte ße r °o r 3 u h^ e11 , fo ift ber Unterricht im allgemeinen nodj tüelfadj medjanifdjer unb oberflädjlidjer ald in ©eutfdjtaub, mobei aber anerfanut merben muß, baß bie 3Ketljobe in oielen ©djulen Ijödjft angiehenb unb ßraftifdj ift. 3n allem, mad bie äußere Kinridjtung ber neuge» bauten ©djulen menigftend betrifft, mirb Knglanb ber SSorjug gebüljren. 3 luet ^ m “B'9 ©roPritannien unb Srfanb. 129 finb aud) bie finden Sectionen unb bag SBedjfeln oon ©ifjen, ©eben unb ©teilen. Befoitbere Beadjtung oerbient bie Trennung ber @efd)led)ter unb Leitung ber SDtäbdjen» faulen bnrd) Sennerinnen, waS fid) in Snglanb als baS in jeber §infid)t geeignetfte erprobt not. ®ie Behanbtung ber ©d)üler ift t>ieHeic^t mehr entgegenfommenb unb nad)fid)tiger als in ©eutfdjlanb, baS Benehmen ber Äinber freier unb frtfdjer, ober and) unbefüntmerter unb ungebunbener. S8 fdjtägt aud) in biefen ©deuten, fo gut wie in ben höhnen, ber nationale Sharafter ber ©elbftäncigteit unb Freiheit burd). — n. ®a§ gelehrte ©chulmefcn in ©rofjütitannien unb Srlanb. 1 ) Borbemerfung. Biel fdjwieriger als bei bem BolfSfcfjulwefen ift eS hier, eine umfaffenbe unb gleid)» mäßige lleberfd)au ju gewinnen. ©ort war bie, allerbingS nicht leidjte, Aufgabe, baS Weit jerftreute, ungleid)artige uub oielfad) unoerarbeitete SDtaterial jufammen ,31t bringen unb ju einem ©aigen ju oerarbeiten. Stber in ben Beridjten ber StegierungSinfpection toar bod) ein centraler ©tanbpunct gegeben. Sin beträdjtlidjer Sfeil beS ©ebieteS fonnte gewiffermaßen mit bemfelben Sluge itberfdjaut unb beurteilt werben. Unb ba bie ©emi» narien unb Bolfgfd)ulen ben Befudjern offen ftetjen, mar ber große Bovtl)eil geboten, nidjt bloß eine unabhängige 2 lnfd)auung 31t gewinnen, fonbern aud; baS 9 ?efultat ber eigenen Beobachtung mit bem in ben 9 ?egierunggberid)ten angelegten ältaßftab ju oer» gleidten unb biefen 31t würbigen. 3“bem ift bie 33oIfSer3ieh«ng fo oielfad) unb oon ben oerfdfiebenften ©tanbpuncten aus im Parlament, wie in gflugfdjriften unb ber ©ageS» preffe befprodten worben, baß eine ©arftellung beS Bolfgfd)ulwefen8 oerfud^t toerben fonnte, bie ber SBahrheit nid)t feljr ferne fein mödjte. fyiir baS gelehrte ©d)ntwefen ■aber giebt eS feine 9 fegieritng 8 infpection. 3 ebe ©djute ift unabhängig, ein @an3e8 für fuh- Sinen allgemeinen SJlaßftab bieten bis auf einen getoiffen ©rab nur bie Unioer» fitätgprüfungen unb bie immer allgemeiner toerbenben Staatsprüfungen, beren Sfefultate mit 3 lngabe ber ©djulen, oon benen bie Sanbibaten fornmen, oeröffentlidjt toerben. ®od; 3eigen biefe mehr nur bie Seiftungen ber oerfdjiebenen 2 luftalten für einen beftimm» ten 3 toe( ff als ben eigentlidjen Sßerth einer ©dfule. ©ein Unterrid)t beguWol)nen ift in Snglanb, mit wenigen fehr banfen8wertl)en StuSnahmen, nid)t geftattet. 2 lnber 8 ift 08 atlerbingS in ©djottlanb, baS übrigeng nur wenige höhere ©djulen hat. 333 äl)renb eS aber immerhin nod) ntöglid) ift, mit ben größern ©djulen fid) befannt 3U machen, ta ihre ißrüfungS» unb ißreiSbeWerbunggfragen oeröffentlicht Werben, unb bie Sfectoren bem, ber mit einem beftimmten 3'oecf fie um 2tuffd)luß angeht, fotdfen meift bereitwillig geben, unb enblid) eben biefe Slnftalten fo häufig ©egenftanb öffentlidjer Befpredjung finb, fo ift über bie 3al)lreichen ©d;ulen mittleren unb unteren 9 tangeS über bie engften Greife hi«a«S wenig befannt, unb noch weniger über bie ißrtöatfdjulen, beren Wohl fünf= mal fo oiel ftnb, als aller öffentlichen, unb 3War in ben mannigfaltigften Slbftufungen oon ben beften, bie hinter ©pmnafien nid)t 3urücffteb>en, big ju ben allerfd)ledjteften, in benen faum Wag anberg als ba8 fpungern gelernt wirb. ©aS 3 ?ealfdjulwefen laßt fidj oon bem gelehrten nid)t trennen, ba e8 mit biefem oerflodjten ift, meift in ber 2Irt, baß befonbere 9 iealabtl)eilungen ober Staffen in ben §auptfdjulen gebilbet Werben. Sg Würbe fehr intereffant fein, aud) bie Unioerfitaten, welche Wie namentlich bie fdjottifdjen unb irifchen oieleg aufnehmen, Wag in ben .Steig ber ©pmnaftalbilbung gehört, in bie folgenbe Betrachtung twrein3u3iel)en, ferner bie SJälitärafabemien, BergWerff djulen, bie Äunftfdjulen, bie Sabieg=SoHege§, u. f. w. 2 lHein um bieg in genügenber SEÖeife 3U thun, müßten bie bem gegenwärtigen Slvtifel gefteeften ©rengen weit überfchritten wer» ben. Sg h>anbeit fich mehr barum, oon ben gelehrten ©djulen im engern ©inn ein möglichft treueg Bilb 3U geben, unb babei fowofil ben allgemeinen Sharafter l)rroor3U= heben, als bie engeinen 3^ge, fo weit eS in ber Süge thunlid) ift, auS3ufül)ren. 2) ©chulftatiftif. ©ie h'ohorgehörigen Angaben finb weit nid)t fo ooüftänbig, als bei ben Slementarfd)uten, unb überbieg fo mit ber allgemeinen ©chulftatiftif oer= fdjlungen, baß nicht genaue 3 a ^ en » fonbern nur annähernbe, auf oerfdjiebenen Bered)» ipitag. Snci)f[o|)ät)ic. III. 9 130 ©rofbritamticn unb Srlanb. nungen ruljenbe ©Tagungen gegeben »erben fönnen. Slucf) ^ter ift junäc^ft oont (EenfuS ; be§ Sa^rcS 1851 auSgugeI)en. Stimmt man an, baß ein Viertel ber SSeoölferung ben höheren unb mittleren ©tänben angeijört, fo belief fid) in (Englanb bie 3 a ^ ber betreff fenben Sinber gmifdjen 3—15 3al)ren auf 1,227,174. ®a ferner bie burd)fd)nittlid)e ©chulgeit biefer Äinber giemlid) ftd)er auf 6 3aljre gefdjäfet wirb, fo mürbe bie ßa^t ber im Unterricht ftel)enben tinber etma 600,000 betragen haben. 93on biefer ®efammt= jaljl fommen etma 7« auf bie ^ßrioatfd)uten. (SS ift näralid) fd)on oben gefagt morben, baß oon aden 721,396 Äinbern in 30,524 ißrioatfchulen etma V 3 in mehr als 15,000 ©d)ulen ber geringften 3trt ber ärmften (Slaffe angehöre, fo bafj ungefähr 500,000 &in= ber in nicht gang 15,000 ipriüatfdjulen auf bie mittleren unb I>öb)erett ©tänbe 51t redjnen finb. ©obann merben nach ben (SenfuSattgaben etma 50,000 Äinber in gamilien öon Hauslehrern unb ©ouoernanten ergogen. (ES mürben alfo für bie öffentlichen ©d)ulen etma 50,000 ©djüler bleiben. (ES fragt fid) nun, »einerlei Unterricht biefe ©d)üler erhalten, um barnad) bie Qualität ber ©deuten beftimmen gu fönnen. ®ie folgenbe 3ufammenftedung geigt, mie »iele ©djüler einen über bie (Slementarfäd)er hinauSgehenben Unterricht genießen. 31 uS ber gangen ©djülergalyi (2,144,378) mürben in ben nadtftehenben gädjern unterrichtet. in öffentl. ©chulen gjeuc ©imn!)cit. Sitte Sptafljcit. SDiatliematit. Seidjiteit. Änabcn SDtabdjcn Äitabcti SDtäfedjen Jtnalicn 3)irtt»d)cn Änafcen OJtät) djen 18,498 6,472 21,123 1,471 21,889 597 40,425 6,101 in fkioatfdmlen 28,669 27,663 28,414 2,007 20,295 1,116 22,725 11,808 3ufammen 47,167 34,135 49,537 3,478 42,184 1,793 63,150 17,909 ®iefe 3ahlen geigen gunädjft nur, mie oiele ©d)üler, g!eid)oieI in »eichen ©chulen, fid) bei ben einzelnen Rächern beledigen, bie eigentliche 3al)l ber ©djüler, bie eine höhere enfd)ul. (9Utc @pr.) 5Rnt>d)cnfd)uI. (^cuc TT I Collegiate and Grammar Schools 11 j botivtc 397 17 195 34 (Stoffe III. (Sonfefftonalfchulen 275 147 (EI. I. u. IV. Slnbere ©chulen 57 45 3ufantmen 924 243 dritmlfdjiileit 2,505 3,576 ©rojjbritannien unb Srlanb. 131 Dämmt man bie 3aht ber Sdjüler, bic bie alten, ber Schülerinnen, bie bie neuert Sprachen lernen, Isinju, fo ergiebt fik folgenbe 3ufaitunenfteflung: Deffentlike Sdntlen @d)uien ©djüler ©djulcn ©dnlle* I rinnen 1 5tüe <£d)ulen ?ine ’ ©ebuier 924 21,123 243 6,472 1,167 27,595 ifSrioatf knien 2,505 28,4141| 3,576 27,663 6,081 56,077 3ufammen 3,429 49,53713,819 34,1351 7,248 83,672 Died finb überhaupt nun äße Schulen, in benen irgenbmie Unterricht in Spraken- gegeben wirb, ohne bafj fie bedhalb Slnfpruk auf ben Manien einer hßh ern ©djute maken fönnten. So lommen 3. 33. fiker bie Skulen ber I. u. IV. Sfaffe (bie für 9D ( iatrofen=,Solbaten= unb gabriflinber finb) hie* ttikt in 33etrad;t, unb nie Biele außer= benr nod) in Slbjug gu bringen finb, lägt fid; nidjt fagen. DJad; bem Educational-Re- gister gab ed im 3ahr 1854 nid)t gaitj 800 ^o^jere öffentlike Sdjulen, unb nak ber Clergy List Born 3al)r 1860 etwa 380 ^obrere Sdjulen (Collegiate unb Grammar Schools) in 33erbinbung mit ber englifken Staatdfirke, an melken etma 615 ©eiftlike ald Seh= rer angefteßt maren. Somit ift bie Slbweikung ber obigen 23ered;nungen Bon biefen aud ganj Berfdßebenen Dueßen fließenben Ingaben nikt groß unb erflärt fik, wenn man bebenft, baß mandje ber oben mitgegäbjlten Skulen in ber Dßat feine höhere Sku= len finb, menn auk bad Sateinifdfe unter ben Sehrfädjern mitaufgeführt ift. Dadfelbe gilt auk hon ben ißrioatfkulen, Bon benen bie geringeren in ihren Speifegettel ald Sodfpeife mand;ed aufnehmen, mad gar nid)t, ober bod) nur in fkledfter Dualität Bor- hanben ift. Daher ed nidft ju bermunbern iß, baß in bem Educational-Register nur 1375 ißriBatfnabenfkuIen ber beffern 21rt nak einer übrigend nikt Boßftänbigen 3äh= lung aufgeführt Werben, mährenb oben 2505 angegeben maren. — Dick aber bleibt nak 21bjug Bon 2505 Änaben= unb 3576 Dftäbdjenfkulen, jufammen 6081, eine beträkt* lid)e 3al;I Bon ißrioatfdjulen, nämtik etma 8705 übrig, in melken bie hohem gäcber gar nikt gelehrt merben, fonbern nur Sefen, Skreiben, Dieknen, ©rammatif unb @eo= graphie. ®d finb bad bie fogenannten Commercial Schools, meld;e meit mehr ben D?a= tionalfkulen gleichen, ald ben oorhin genannten, unb baher hier nikt ferner ju berüd= fidßigen finb. 3n ber obigen 23ered)nung ift bie Sllterdclaffe bid jum 15. 3ahre in Stnfklag ge= bradjt worben. ®d Ware nok übrig, bie 3af;t ber Sküler Born 15. 3ahre an auf= Warte 31t ermitteln. Slßein bied ift nad) ben (Senfudtafeln faunt möglik, nikt bloß weil bad £>ergehörige nidjt meiter für fik Berarbcitet, fonbern auk Weil ed feinem ge= ringen Dheß in bie aßgemeinen Angaben BerWoben ift, wie 3. Iß. bei ber 33ertheilnng. ber Sd)üter nak ben Sehrfädjern. Sbenfomenig läßt fik bie 3ahI ber Selfrer genau beftimmen. Durdßdjnittlik fonimen nak bem ®enfud auf eine Grammar School 2—4 Sehrer, auf bie 380 ftaatd- firküdjen Sd)ulen 1—2 ©eiftlidje, wobei bie ilntcrlehrer unb gad)lel)rer nidjt mitgejählt finb, welke wohl ebenfoBiel, Wenn nidjt mehr betragen, fo baß etwa 3 Selber auf bie Sdjule geredjnet Werben fönnen. Somit mürben etwa 2500 Selber unb 650 Sel)rerin= nen an öffentliken Sdjulen angefteßt fein; auf bie ßjöhern ißrioatfkulen werben Biet= leikt je 2 Sehrer ober Sehrerinnen 3U reknen fein (ohne gelegentlik BerWenbete g Q k r Iehrer) alfo etma 5000 Seiner unb 7000 Sehrerinnen, auf bie niebern IßriBatfkuIen gegen 10,000. Dok biefe Sinnahnten finb unfiker. ßnblik läßt fik auk über bie ®infünfte ber hohem Skulen nur annähernb nad) ben hi er ßh r unBoßftänbigen Senfudreporten unb anbern Angaben etwad fagen. Die Sinfünfte ber funbirten Skulen aud Stiftungen werben auf S. 500,000 angefdjlagen. 132 ©rof Britannien unb 3Wanb. toobon Weit bet größere £fieti auf bie obengenannten ©dutlen ber Klaffe II, etwa 600 an ber 34* 3 U regnen ift. lieber ©djottlanb ift Ijier Wenig jujufiigen &u bem, wad fdjon oben in ber 23olfdfd)ulftatifti! gefagt ift. SBerben bie alten ©pradjen für bie Shtaben, bie neuen für bie SJfäbdjen ald SJtaßftab ber fyölfern 33ilbung angefel^en, fo ergiebt fid) baö golgettbe: Unterricht in alten ©yradjen neuen ©yradjen Deffentliche ©chulen: 1,445 Knaben: 9,593 ©d;ulen: 453 SRäbcpen: 4,211 fßrioatfd)itlen: 215 ,. 2,185 „ 246 „ 2,334 3ufammen: 1,660 „ H,778 „ 699 „ 6,545 2lßein nad) bem früher 23emer!ten Wirb in bieten 23olfdfd)ulen Satein gelehrt, unb nur bie 47 58urgfd)ulen fönnten ald höhere angefeljen werben, in Weld)en burdjfdjnittlidj 48 ©d)üler Unterricht in claffifdjen ©prad)en erhalten. ®od) nidjt einmal bie 47 ©d)ulen finb ald ©bmnaften anjufe^en, fonbern nur etwa 6 ober 7 haben, auf weld)e bie mei= ften clafftfdjen ©d)üler fallen. ®ad Educational-Register (1854) jäfytt nur etwa 15 höhere ©djulen (High Schools), 2llabemien, unb @rammatiffd)ulen auf mit ungefähr 3000 ©d;ülern. Srlanb l;at etwa 30 höhere ©djuleit, barunter bie 7 bon Karl I. geftifteten unb reid) audgeftatteten föniglidjen ©cfyulen, bie aber bor 10 Salären jufammen nid)t 300 ©djülcr jäfylten. 3) 3) i e öffentlichen ©d;ulen (Public Schools; Colleges, Grammar Schools). 91u§ ber bunten SDtaffe ber englifdjen ©c^ulen ragen bie großen Slnftalten ^eroor, bie fid) nad; ber 3 e it ihrer ©rünbung Wie itad; intern Sßefen in 2 Sauptclaffert tl)ei[en: bie alten Krsiebungdanftalten unb bie neueren Unterridßdanftalten. 2Bäl)renb bie Ie^= teren ben beutfdjen ©pmnafien ju oergleid)en finb, fo ftefyen bie erfteren ben englifdjen llniberfitäten näl)er. ©ie finb in engfter SSejiefmng ju ben Kollegien ber beiben £>od)= fdjulen gegrünbet Worben unb ganj barauf angelegt, bie liberale Krjiefyung »or^nbe* reiten, bie auf ber Unioerfität ootlenbet werben foH. ©ie finb oötüg unabhängige, in fid) abgefd)Ioffene 3nftitute, freie SEeidjdanftalten, wie bie Unioerfitäten, ja wie bie ©taatSürdje felbft — in 93erbinbung mit bem ©taatdgan 3 en, aber ohne unter ber Kon= trolle ber ©taatdregierung ju flehen. 2118 ©lieber bed englifdjen ©emeinwefend finb fie mit biefem l)erangewad)fen. 31)re Kntftebung fällt in bie 3eit, wo bie englifdje 9ta= tionalität, bie politifd)e unb f'ird)Iid;e Freiheit fid; entwidette. SBincbefter Kollege Würbe gegrünbet, ald ber üftorgen einer neuen 3eit bämmerte. Kton Kollege blühte fd)on, ald ber Stofentrieg audbrad;, bie Schola Coletana war bie Krftlingdfrudjt beS ^umanidmud uub bie übrigen großen ©d/uten würben in ber flteformationdjeit ind Sehen gernfen. Kton unb 2Beftminfter=KoKege, bem balb Harrow School ben fhang ftreitig mad)ie, finb 3al;r^unberte lang Collegia illustria gewefen, Wo bie ©öl;ne bed 3 ablrcid)en unb mäd)= tigen englijdjen 2lbeld il)re SSilbung erhielten. ®ie unabfeljbare Steife ber Sltänner, bie in ©taat unb Äirdje, in tunft unb 2Biffenfdjaft, im ^rieben ober Ärieg fidj aud- gejeidjnet I;aben, ift aud biefen alten ©djulen beroorgegangen. Kd ift nid;t befd^ränfte Vorliebe für bad 2Ute, Wenn mit ©tolj ^ingeseigt wirb auf bie SBänbe, bie gleich ägpptifdjen ®enlmäleru mit ©d;riftjeid;en bebedt finb, auf bie S3änte, wo 2lbbifon, SSpron, fßeel ober äSeßingtou il)re SJtamen eiugefd)nitten h<*ben, Wenn ©taatdmänner unb ©elebrte mit einer 23egeifterung oon ihrer ehemaligen ©djule reben, ald gehörten fie il)r noch an, wenn überhaupt ber Kngtänber mit Siebe unb K!)rfurcbt an biefen alt= ehvwürbigen 2lnftalten h^ngt. Kd begreift fid; aber aud), baß hier, wenn irgenbwo, bad Nolumus leges Angliae mutari feine ©eltung behält unb baß biefe ©d)ulen biel= ©rofibritannien unb Srlattb. 133 fad) baö @ef>räge beg Sllterthümlidjen, wenn nidjt Veralteten tragen, etwa tote bie Dber» rid)ter in SUongeßerüde unb £alar. Slber wag fo äußerlich in bieHeid)t auffälliger iffieife auftritt, ift nur ber Slugbrucf beö bem engtifdjen Volle eigenen confematioen KharatterS, be§ ©inneS für Kontinuität, bie nie mit ber Vergangenheit bricht unb nur im geftl;alten ober fe^r üorfidjtigen nnb aUtnäljligen gortbdben beS 3Uten eine 23ürg= fd^aft fielet für ben fid^ern Vefifs in ber ©egentoart. 2öiH man fidh tounbern, baß h eu t e nod) toie bor 400 3al)ren bie ©d)iiler in Kton in einem ungeheizten ©djulraume frieren unb auf bem Knie fdt>rei6en müßen, unb baß bie ißrügelftrafe nad) bem ©d)ulgefef} aud) nod) bei bem Vrmtaner lamt angetoenbet toerben, fo »ergcffe man nid)t, baß eS in Knglanb überhaupt lein ©ebiet gibt, fei eS ©taat ober Kirdje, Korporation^» ober ©tan» beStoefen, too fid) nid)t beraltete ©efefje unb Kinridjtungen finben toürben. SDlau läßt fie ftel;en, toie alte Vättnte, big fie enttoeber, toenn iunerlid) faul, öon felbft äufammen» fallen, ober toeutt nod) Sebenglraft in il)nen ift, neue ©d)oße treiben. Dur too bie allgemeine ©timmung fid) entfc^ieben gegen eine Kinrid)tung augfprid)t, toirb bie Slyt an bie SBurjel gelegt. VSic aber bie alten neu belebt toerben tonnen, baS h at 2I)omag Slrnolb, ber Magister Angliae, glänjenb betoiefen. Um aber eine beffere Kinfid)t in bie gegenwärtige Kinrid)tung nnb Vebeutnng ber alten ©djuten ju gewinnen, muß ein Vlid in ihre Vergangenheit geworfen toerben. Kg lomnten babei £)außtfäd)lid) bieSlnftalten in 23etrad)t, toeldje Sllitmnate fittb: bie©d)u= len 31t SBindjefter (gegrünbet 1387), Kton (1441), SBeftminfter (c. 1565), Dugbt) (1567), Narrow (1571), (EhviftS fhofpital ober Blue Coat School (1552) unb Charterhouse School (1611), beibe inSonbon, fobaun bie Grammar Schools: St. Pauls School (1509), Merchant Taylors School (1561) 31t Sonbon, unb bie bon König Kbtoarb VI. im 3al)r 1552 geftifteten grcifd)ulen itt Virntingham, Vebforb unb £unbribge, fotoie bie 1834 auf ©runb einer alten ©tiftung erweiterte City of London School. ®ie alten Alumnate würben nach einem ähnlidjen Ißlane, wie bie Uni» »erfitätgcoUegien gegrünbet. ^ ©ie Waren halb !ird)tid)e, l;c tourbe in aß biefen ©djuleit nidjt fpärlid) gebraud)t. 3 n Ston war Freitag ber trüget» tag unb in Sßeftminfter rühmte fic£> ber feiner 3eit fo betannte Dr. 33u8bt), ber fein fRectoratSjubiläum feiern tonnte, fein ©tod fei baS ©ieb, um bie guten ©djüler auSju= fdjeiben. Slber ben ©tocf ju appliciren War aßejeit SSorrecbt bed fRectorS. Die ©djut= orbnung war ftreng geregelt. Um 5 ilpr ftanben bie Knaben auf, jeber hatte fein S3ett in Drbnung ju bringen. Dann marfd)irten fie jum Söafdjtifd). Um 6 Uhr war 2D?or= : gengebet, um 7 fiengen bieSectionen an, 11 Uhr mar bie SRittagSftunbe, Wobei Rammet» fleifdj baS tägliche ©eridjt War. -Rad) furger SrholungSjeit begannen wieber bie Sectionen, unb nad) bem febjr frugalen 2 lbenbbrob (gewöhntid) nur Sutterbrob) giengcn bie ültumnen um 8 Uhr ju 33ett. Der ©chlaffaal, bie ©peifeljaße unb baS ©djuljimmer Waren •anfänglich für aße ©djüter gemeinfdjaftlidj. Um bie 23eauffidjttgung ber Knaben beit Lehrern 31 t erleichtern, würben auS ber oberften (Haffe „Praepositors“ (Prepostors) be= fteßt, Weldje in bem ©djlaffaate, beiDifdj unb beim ©psiel auf Drbnung ju Ratten, bie abwefenben anjumerfen unb barauf ju fetten hatten, baff aße pübfdj gewafdjen gur ©djule tarnen. Dafür hatte aber audj jeber fßrepojlor baS SRedjt, fiber= unb Unterfdjule trennte, l; in üb er warf jurn 3 e P e 'h baß ba« Carnisprivium beginne. 3 ubor Ratten ftd> bie Änaben an einem fpalptenfampf ergebt, ben fie in bem ben Diniert Zeitigen Siaume öeranftalteten. 3afyrt)unberte lang erhielt fid) (bi« bor 16 Sauren) ba§ berühmte geft „Montem,“ ba« bie Stoner um ipfingften feierten, unb beffen Urfprung in bie alte !atI)olifd)e 3elt fällt. Sie ©d)üler in pl)antajtifd)em Slitfjug mad)ten eine ißroceffion nad) einem benad)barten 33erg, Wobei fie für ben nad) ber Uniberfität abgel)enben ißrimuS (Captain of the Sehool) bon adett 3 u fd)auern ©elb (bi« auf £. 1300) fammelten unb bafür ©alj gaben. 3 u 9läd) Würben bie neuen ©d)üler mit ©al$ gerieben unb mit _gefalgenen unb gepfefferten Spigrantmen unb XBipworten iiberfdjiittet, bi« ben armen Siobijen faljige grünen über bie 23acfen liefen. Sod) fie würben bamit in ben 93unb ber ed)ten ©d)o!aren eingeweifyt. 3 u ^ e §t würben Sieben gehalten — lateinifd); wie äße« wa« gefprodjen würbe, unb ber Sag mit (Spiel geenbet. Sie SBeftuiinfterer begnügten fid), ifyren „Saptain" innerhalb be« SHofterl;ofeS auf einem ©tul)l in ißroceffion tycrumjutragen. 2Beit bebeutungöboßer jebod) als biefe alten 33räud)e waren bie ©pieie, in benen, wenn irgenbwo, Ijofyer ©inn lag. Ser ©pielplafc War ba« gelb, wo bie virtus fiel) entwidelte, törperlid)e Straft unb ©eWanbtljeit jufammt ber Süfynfjeit unb 93efonnenl)eit, bem 6l)rgefül)t unb bem S?ed)tSfinn. §ier war ba« ©ebiet, wo bie Sfnaben, frei bon aßem 3 raan 9, fP % e felbftänbige Sfepublif fcf)ufen. S« l)alf bem Primus ber ©d)ule nid)t«, wenn er burd) 33er«funft unb Siidjtigleit in lateinifefjen Sieben bie anbern über» traf, Wofern er nidjt jugleidj auf bem (Sridetplafj, beim Sootfapen unb gußbaßfpiel fic^ l)erbortl)at. 3n ben Slugen ber ©cfjüler galt e« für größere Sl)re, „fpauptmann ber (5Ife beim ©riefet" (Captain of the Eleven) ober „^auptmann ber 33cote" (Captain of the boats) ju fein, al« ißrimu« ber ©d)ule. Unb Wie bie Stuaben berfelbeu ©c^ule in biefen ©pielen um ben 5ßrei« rangen, fo würben aud) SBettlampfe jwifdjen ben ber» fdjiebenett ©d)ulen beranftaltet. Sie Gctoner unb SBeftminfterer gelten ifyre Söettfafyrten (Boat Eaces) auf ber Sfjemfe fd)on in alter 3 e 't, bie Siugbpaner unb anbere ipre (SridetWettfämpfe (Cricket Matches) unb ba« unter großem 3 u ^ au f twn na f unb fern. 6« waren ba« bie iftlpuifdjen ©piele ber 3ünger be« claffifdjen 9lltertl)um«. Unb bie Siebe ju biefen ©pielen Ijörte mit ber ©djulgeit nid)t auf. ©ridet unb 23ootfal)ren Würben unb Werben nod) auf ben Unioerfitäten jum Sljeil aud) fpäter nod) mit gleid)em ©ifer fortgetrieben. (SSgl. b. Slrt. SewegitngSfpiele. S. Sieb.) 3n bem ©piegel ber Vergangenst geigt fid) ba« SBilb be« gegenwärtigen 3 u Pn= be« ber großen SUumnate in aßen wefentlidjen 3ügen. SBotyl ift ba« Sateinifc^e nid)t meljr bie ©d)ulfprad)e, aber ba« ©tubiurn ber Slaffifer unb ba« Verfemadjen fpielen immer nod) bie erfte Sioße. Sie fpafynenfämpfe in ber 2Beftmiufterfd)uIe l)abcn längft aufgeprt, aber bie lateinifdjen Suftfpiete, je(3t mit antilem ©oftüm uno ©cenevie, wer» ben afljäljrlid) gegeben, nnb aud) in anbern ©djulen nacf)geal)mt. Sie nationalen ©piele ©ridet, gußbaß unb 93ootfapt finb biefelben wie bor 3al)rl)unberten, nur baß jeijt bie ©djüler erft ba« ©d)Wimmen woljl geübt I)aben miißen, el)e fie einem SSoote anöertrant werben. Sa« gud)S= unb gud)telft)ftem (Fagging unb Flogging) prrfc^t nod), übrigen« fo, baß ba« erftere burd; bie 3BeiSl;eit be« Siectov« moberirt, unb ba« teuere bei älteren Stnaben feltener angeWenbet, ja il)nen bie 2Bal)l gelaffen wirb, fid) bemfelben ju unter» werfen ober bie ©d)ule ju berlaffen. Slenberungen, bie in ber Gsinridjtung ber ©d)nlen ober im Sectionäplan fic^ unabweiSlid) aufbrängten, würben mit möglid)ftent 21nfd)Iufj an ba« Sllte eingefüpt unb ba« meift erft in ben lebten Sapäe^nten. Ser ©runbplan blieb unoeränbert, wo nötbjig ober tliunlidj würbe S?eue« ftilgemäß angebaut, nidjt feiten eingejwängt, fo gut e« gieng. Um nun auf baSSinjelne einjugel)en, fo lommen bie SJedjte einerDberbe^örbe (ärofjövifartntcn unb ^rlattb. 137 je tiacf) ben ©tiftungdurfunben ber Ärone, «ifcföfen, ©omcapitelit, Sorporationen, @il= ben ober öerfd)iebentlidj gufammengefeijten ^ßflegfdjaftSrättjen (Trustees) gu. ©iefe überWadjen unb beraten aße ©tiftungdangelegenfeiten, toasten, Wo Eoßegien finb, ben ißrobft ober Warden unb bie Fellows, ben Rector (Headmaster) unb ben 2et>rer ber untern ©d)ule (Lower Master, Usher) meift aud) bie ©tiftdfcfiiler, aber mifdjen fid^ uic^t in bie innere SBerWaltung ber Schule. ©er ißrobft ift, wie fdjon oben gejagt, ber Efrenborftanb unb beteiligt fidj fafi nur bei Slufnafmeprüfungen unb aßgemeinen ©djulangelegenfeiten. ©ad eigentliche £aupt ber ©djule ift mit wenigen Sludnafmen ber Headmaster. £>ier gilt üößig bad elg noiqavog ’iazco, ©ie Drganijation unb £ei= tung ber ©djule, meift and) bie Slnfteßung ber Sefrer ift ifm iiberlaffen. (Sine ©djranle fat biefe Unabfängigfeit bed ©djulfaupted nur am alten £>erfommen unb an ber öffent= licken üßteinung. ßftan fat bad SSertrauen, baff ber redjte SDtann am red)ten ^31a§ oon felbft feine ©djulbigleit tfut unb bad um fo beffer, je freier man ifn gemalten läßt, ©er Rector fiat fomit in feinem Heineren Greife eine äfnlidje ©teßung Wie bie föd)ft* gefteßten ßftänner in ber Äird)e unb im ©taat. ©ieS Wenigftend in ben großem ©djulen, namentlid) in Eton Eoßege. ©iefe ©d)ute muff überhaupt fier befonberd ind 21uge gefaßt Werben, ba fie nidjt nur weit bie größte nnb angefefenfte ift, fonbern aud) ben Efarafter ber alten ©djulen am eigentfümlicfften audgeprägt fat unb gubem für bie anbern großen Sllumnate ein 33orbilb gewefen ift. jpier blidt burd) aße nötfig ge= Worbenen Erweiterungen ber urfpritnglidje ©runbriß !lar burd). ©ied geigt ficf fogleich bei bem Sefrerperf onal. Urfprünglidj waren nur 2 Seigrer öon ©tiftungdwegen angefteßt, ber Headmaster unb ber Lower Master, ©a aber bie ,ßafl ber @ biefe ftnb alle unter Sluffic^t geftetlt. Sd ^>at fiep nämtid) in Ston (auch in Narrow) ein eigenthiimtiched SutoriatfAftern audgebitbet. 3eber ©djüter muß einen Sutor haben. Autoren aber finb nur bie claffifdjen Setirer („Masters“) unb gWar 17 für bie obere ©djule, 1 für bie untere. Sitte biefe 17 Masters haben Äoftfyäufer, in Welche fie Änaben Oerfdnebenen Sltterd unb in unbefdjräntter Bald (burd)fd)nittticb 30) aufnehmen. ®ie Sßafyt bed ©utord hängt oon ben (Ettern bed Änaben ab. Seber Bögling bat fein eigened B'utmer, bad er fetbft einridften muß. gür SBohnung, ftoft unb Sluffidjt jat;tt er S. 120 bed Sabred. 3n jebeni ipaufe ift einer ber ätteften ft'na= ben SÖtonitor (Captain) eine Strt ©tettoertreter bed Stutord, ber fonft feinen ©ehütfen bat. SDer Sutor ift gang parentis loco. (Sr überwad/t feine ßöglinge, alte Strbeiten für bie ©dfute werben oon it;m infpicirt unb corrigirt, el;e fie in 3ieinfd)rift beut Staffen= leerer oorgejeigt werben. ©o Wirb jebe Slrbeit einer hoppelten ftritif unterworfen. SOiit feinen ‘ißrioatgögtingen (nie etwad weitered gu begabten haben) nimmt ber Sutor auch anbered atd bie ©chulpenfen oor. Slm ©onntage gebt er mit atten Änaben, bie gu biefem 3®^ in Staffen getbeitt werben, bie ©onntagdtectionen burdp Sr hält SOtorgen» unb Slbenbgebet mit ihnen unb ift aud) bei Jifd; gugegen. Sin= ober gweimat in ber 2Bod;e befucbt er bie Böglinge auf ihren Bintmern unb berichtet über fie am ©djtuffe bed ©emefterd an ihre (Ettern. 2)ie meiften Änaben wohnen bei ben Stutord, anbere bei Dames bad heifH Äoftfrauen (gum Stwü ©eiftlidjen), bie bagu »on bern 9fector (Erlaubnis erhalten. fpier ift bad Äoftgelb geringer (etwa S. 80). Stber biefe Äofthäufer finb ber 3nfpection ber Autoren unterworfen, welche täglich gu beliebiger 3eit ihre SBefudhe madjen. gür biefe Snfpection bat jeber Änabe bem Sutor 10 ©uineen bed 3abrd unb etwa bad Stoppelte, wenn er Eßrioatgögting ift, gu entrichten, gür ben mattiematifchen Unterricht muff befonberd begabt Werben (faft S. 5). Stie übrigen gactjer bei ben Extra Masters ftnb eigentlich nur tßrioattectionen. Slußerbem gablt feber beim (Eintritt in bad (SoHege bem 9fector 6 ©uineen (für bie SoEegerd wirb tied oon ber ©tiftung entrichtet) unb nimmt oon bemfetben unb feinem Stutor beim Slbgang ftingenben Slbfcffieb. Slud) in IparroW, Efugbp u. f. W. ift ed gewöbrrtid), baff bie Dppibanen bei ben Sehr ent wohnen. 3)ie Äoft eit für ben ©dntter in Stugbp finb etwad geringer. 3n ber ©dritte wirb gwifd^en ©tiftd= unb ©tabtfdjütern fein Unterjcpieb gemacht. 3n ber äußern (Einrichtung ber ©diuttocate ift häufig nod) bie alte ©itte geblieben, alte ©datier in (Einer |>aEe beifantmen gu haben, unb fetbft neue ©djuten finb in biefer SEßeife gebaut worben. SDer Rector thront auf feinem Sbattjeber unb überfdfaut bad ©ange. 31)ut gegenüber ift ber ftattjeber bed gWeiten Sehrerd, unb guWeiten noch gWei anberer, wenn oier Selfrer an ber ©cf)ule finb. ©otd)e ©d)ull)aEen tonnen burd) SSor- hänge geteilt, unb bann wieber für geiertidfteiten gebraust werben, Wo ein großer 9faunt für ©cpüter unb ©äfte nöthig ift. 3n eingetnen ©deuten, wie fftugbp, haben bie (Staffen befonbere Bimmer. 3n Ston finbet fid) beibed. £)ie untere ©d;ule wie bie unterfte Staffe ber obern haben je eine große fpaEe, aber bie höh ent Staffen eigene Bimnter. häufig finb bie obern ©chuten ohne SEifdje unb ©ubfeEien, ba in ben Sectionen faft gar nicht gefdjrieben wirb. 3tt Ston finb bie Set;rfäte fogar ohne Neigung, Wad baburd) erträglidjer wirb, baß bie Sectionen immer burch 3®nfd)enftunben unterbrochen Werben unb bie ©djüter gu fpaufe ober in ber gezeigten ©d)üterbibtiothet ftd) wieber wärmen fönneit. — Sludj in ber Staffeneintheitung ift ber urfprünglidfe StppuS beibehatten Worben. 3)ie Sintheitung in 6 Staffen, 3 für bie untere unb 3 für bie obere ©d)ule (Wogu audnahmdWeife eine oierte tarn) hat feit Saljrhunberten beftattbeit, unb atd ed nöthig würbe neue Staffen gu bilben, würben biefe in bad oorlfanbene gad)* wert eingefd)oben. 3m Sauf ber 3 eit Würbe bie SJorbitbung immer mehr in Heineren ©dfuten ober fyamtlien gewonnen, batier bie untere ©d)ute mit ben Staffen 1., 2., 3. Weniger befud)t War, währenb ber Bubrang gu ber 4. unb 5. Staffe (in ber obern ©dfute) in ftetem ©teigen War, in bie 6. unb häufte bagegeu bie wenigften eintraten. SSeue Staffen würben in oerfchiebener äßeife eingefc^oben; ©rojjbritannien unb Srlanb. 139 ®tou. Obere Sdjule: VI. gorm. V. gorm. a) Obere Slbtb). b) SDiitttere „ c) Untere „ Bemove. IV. gorm. Seilminfler- VI. gorm. Bemove. Upper Shell. Under Shell. V. gorm, Upper. Under. IV. gorm. VI. gorm. The Twenty. V. gorm, Upper. Lower. Middle School, Upper. Lower. Untere Sd)ule: III. gorm u. f. to. III. gorm u. f. tü. Bemove. IV. gorm u. f. t». @8 muß ober tyier genügen, auf bie Klaffeneinttyeilung in Kton nätyer einäugetyen, wobet ju bemerten ift, baß neben ber £>aupteinttyeilung, wie fie in ben „Siften" oor= fommt, eine anbere mit 33ejug auf ben SectionStylan (A, B u. f. w.) tyergetyt. Oie Klaffeneinttyeilung in Kton 1861. A. Ute obere Sdjnlc (Upper School). 1) VI. gorm 2) V. gorm a) Obere Stbttyeilung (Upper Division) 3) b) ÜDMttfere Stbttyeit. (Middle Div.) 4) c) Untere Stbttyeilung 5) Remove 6) IV. gorm <öcf)üterjal)l. 9tebeneint$ei(ung 1791 1861 22 109 52 31 86 20 128 124 139 152 150 A. 1. Stbtty. i 20 ©ctyitter ber VI. / > St. n. bie 44 befteu > 2 Setyrer 2. „ f ber V. St. \ B ' 3 - " ( bie übrig. 84 @cty. ( 9 4 f ber V. St. a. f “ " C ‘ " | 2 Stbttyeitungen j 2 „ 8. „ |.i 3 ' E. 3 Stbttyeitungen | 3 „ F. 3 „ f 4 „ 6 Staffen 300 713 Stioa 14 Unterabttyeitungen |i6 Setyr. B. Die untere Sdjule (Lower School). 7) III. gorm a. 17 97 a. Upper Greek 30 ©ctyüter > ß. 18 ß. Lower Greek 33 „ j y. 20 y. Sense 21 „ f S. 12 S. Nonsense 13 „ l 52etyrer Remove 22 ! 8) II. gorm 27 9 -. \ 9) I. gorm 16 6 3 Staffen 132 112 Sttoa 6 Unterabttyeitungen Sufammen 9 Staffen 432 825 20 Unterabttyeitungen 21 Setyrer. Oie Änaben treten etwa 11—12 Satire alt in bie IV. Klaffe ein unb bleiben ge= wötynlid) ein Satyr in berfelben Klaffe, in ber IV. anberttyatb Satyre. Oie Unterabttyei* tungen ftnb nidtyt TßaraHelcIaffen, fonbern «Stufen, auf benen fie jwei ober brei Sdjritte öorwärtd ttyun, Wenn fie ba§ im Sommer unb um SBeitynactyten getyattene Kyamen be= ftetyen. 9tur oon ber oberften Stbttyeilung ber V. Klaffe fdjreiten fte nictyt mittelft einer Prüfung weiter, fonbern bleiben ba bi8 jn ityrem Slbgang, wenn fie nictyt öon bem Rector in bie VI. Klaffe geWatylt werben, wa8 oertyättniSmäßig wenigen ju ttyeil wirb, ba bie 3atyt 20 nidjt überfctyritten werben barf. Oiefe 20, immer 3 ur $ätfte Stift8= 140 ©roföritannten unb Stlanb. fd^üter unb Dppibanen finb eigentttc^ nur bie Slite ber obern günften, »eld)e große- S3orred)te genießt unb ein SJiittelgtieb jiMfdjen Sehern unb ©djülern bitbet. 31)nen »erben au« ber 5. Stoffe nod) bie näcfjftbeften 10—14 jitgefeOt, bie beim Unterricht beS fttector« fid) betheiligen. ©tunbenptan ber Oberen ©cftute in Ston 1861. ©tun« Den (Steifte SRontag Dienfhiß ÜJHttivod) £>onnerftaß Sreitag ©amfteiß 7Y‘ A. Poet. Graeci Satein. ißoefte £>oraj herfa» herfagen. herfagen. gen. 7'/ 2 A. ©ried). SEefi. Satein. ipoefte §omer her» u. gragen. herfagen. tagen. B. äliathematif. Poet, Graeci SJtathematif. Satein. ißoefie bitto. §ora 3 herfag. herfagen. herfagen. C. ©ried). Seft. bitto. Satein. ißoefte bitto. Sütathematit. bitto. u. gragen. herfagen. D. bitto. bitto. bitto. bitto. §om. herfag. bitto. E. bitto. SBirait herfag. Obib ober ©eographie. Poet. Graeci ©eographie. ©riechifche ©ramm. hrf. herfagen. F. ©riedh- Seft. SKathematif. Dbib (Electa) SJtathematit. Obib.SRetam. üJtathematif. unb SBattS. herfagen. herfagen. 8'/4 A. @ried).$ram. ®rama herfg. Sranta. 11 A. lüathematif. SSirgtt (Georg.) §om. Obpffee ©rieep. ißrofa. 2Jtatl)ematif. Poet. Graeci. ober Sucre?. unb 3tia§. B. ©ried). SEeft. SJirgit. Sirg. herfag. bitto. föoraj. bitto. unb gragen. C. $om. 31iaS. bitto. UJtathematib. bitto. §om. herfag. bitto. D. bitto. bitto. §om. Obpffee unb 3tia§. bitto. fporaj. bitto. E. Poet. Graeci. Sttathematit. Poet. Graeci. 'Dtathematü. SSirgit. äftathematif. F. Stefop. @efch.(®ried). ©riech- ©pigr. ©ried). ©pigr. Stefop. engt. ©efd). ober SRöm.) S A. £om.Dbpffee. Satein. ißrofa. ftrofa herfag. fhora?. B. @ried)ifche8 •föorner. bitto. Scriptores Sranta. Graeci. C. SRatbematit. bitto. bitto. §oraj. D. Script. Rom. Wathematif. bitto. SUiathematif. E. Sorn. Stepo«. @efd)id)te. Scriptores §ora? herfag. Graeci. F. ©ried). Sefl. ©riechifche @ried).@ram» @ried).@ram» herfagen. \ ©rammatif matit herfag. matit herfag. herfagen. (Spigram.) (©riech. ercitien). 5 A. Sat. ißrofa. SJtathematif. ©ried). ißrofa. B. Script. Rom. Script. Rom. bitto. C. bitte. bitto. bitto. D. 3Jtatl)ematif. bitto. SJtathematit. E. §oraj(Oben). £oras. SSirgit. F. Ooib Otsib SJteta* ©äfar. (Electa). morph- Stufgaben für bie SBodje: A. B. C. D. Sin £t)ema (b. i. eine tat. ober gried). Sompofition über ein gegebene« £t)ema) ob« Ueberfefsung in« S?ateinifc^e ober @ried)ifdje unb S3erfe eerfdfiebener Slrt. E. ®a«fetbe, aber nur tateinifdj unb ein ©roßbritannien uitb ydanb. 141 griedjifdjeS Gyercitium. F. 3 we t tatein. Gperätien in )ßrofa unb jtnei in 33erfen unb ein Gperc. in gried). fßrofa. — Sin geiertagen paben A. B. C. D. außer ben genannten Stufgaben nod) eine Ueberfe(3ung ins <£nglifd>e ju madjen; E. eine Ueberfe^ung ftatt beS gried). Sperc. F. ebenfo ftatt beS jWeiten lateinifdjen. ®ie Sectionen Wäljren ge» Wöljntidj 3 /i ©tunben. 3n ber 3 tr> if tI J e näeit fmb bie ©djüter entweber bei iljrem ®utor befdjäftigt, ober Ijaben fie frei. Üm nun ben ©tubiengang ju oeranfdjautidjen, fett ber gortfdjritt non ber unterften bis jur tjödjften Staffe furj entwidelt werben. 3n ber „Untern ©djute“ werben in ben jWei erften Staffen bie Stemente beS Sateinifdjen geteilt, teilte Uebungen (aus ben Exempla minora) aufgegeben unb bie gorinen gelernt. Slußerbem bitbeit feit furjem aud) Stritljmetit unb ©djreiben fowie bibtifdje ©efdjidjte einen £t)eit beS Unterrichts in biefen unb ben fotgenben Staffen. 3n ber unterften Slbttjeitung ber III. Staffe wirb ber ©runb jum 33erSmadjen gelegt, b. tj- eS werben junädjft nur 3B Örter ber Quantität nach ju einem 33er8 jufammengeftetlt, ohne fßüdfidjt auf ben ©inn, batjer biefe SIbttjei» tung „Nonsense“ heißt, in ber fotgenben Stbttjeitung aber wirb ber ©inn beriicffichtigt, bat)er fie „Sense“ genannt Wirb. 3n ber nädjften Stbttjeitung (Lower Greek) wirb mit bem ©riedjifdjen begonnen unb biefeS famntt bem Satein in ber oberften Stbttjeitung ber Untern ©djute (Upper Greek) fortgefe^t. S33ie weit eS bie Knaben in ben ge» nannten gädjeru bringen, unb was beim Gintritt in bie unterfte Stbtheitung ber IV. Staffe Bedangt wirb, läßt fid) aus ben SpamenSfragen erfeljen, Wetd)e ben ^Bewerbern um greifteHen in ber ©d)ute geftellt Werben. 3e nad) ihrem Sitter nun Werben ihnen leidjtere ober fdjwerere gragen geftettt. ®ie unter 11 Satiren tjaben 3. S3. tateinifche unb griedjifdje ©äf}e ju überfefeen unb grammatifd) ju auathfiren, ferner ein fleineS ©tiid auS bem gried)ifd)en Steftament ins Gngtifdje ju überfein unb einige tateinifche ®iftidja nad) gegebenem ®ept ju madjen. 33on jwötfjätjrigen Knaben wirb Weit mehr Bedangt, 3. 33. eine Ueberfefjung Bon Yirg. Aen. III. 170—81, eine anbere auS einem gried)ifdjen ®idjter nebft geograptjifdjen, gefd)id)tlid)en unb Sftamen8=Grt(ärungen, außer» bem Uebertragungen auS bem Sateinifdjen unb ©riedjifdjen ins Gngtifdje. 3m all» gemeinen wirb Bon jebem ©dritter, ber (etwa 12 3al)re alt) in bie obere IV. Staffe eintritt, erwartet, baß er bie lateinifdje ©rammatit griinbtich, bie griedjifdje jiemlidj gut !ennt, einen Stieil oon Stefop, Bon garnabt)’S Gpigrammenfammtung unb Bon Doib ge» lefen tjat, ©ewanbtt)eit im SSerfemadjen befifjt unb im StuSwenbigternen Wolf geübt ift. ®enn baju muß ber ©d)üter fd)on frühe breffirt Werben Wie ein Dtennpferb, wenn er nicht in bem SBetttauf jurüdbteiben fott. ®ie gäd)er, wetd)e in ber IV. gönn (Wo ber Knabe etwa 172 Saljre bleibt), oorfommen, finb griedjifdje ©rammatit (befonberS ©tjntap), baS griedjifdje ®eftament (3. 33. SDtattljäuS), Stefop, griech- Spigramme, DoibS SDcetamorpljofen unb Stecta, Säfar, lateinifdje unb griedjifdje ©titübungcn, tateinifche 33erfe (jweimal wöd)entlid) etwa ein ®u(3enb §epameter), gried)ifd)e, röniifdje, engtifdje unb bibtifdje @efd)ichte unb SDtatljematif. ®aS Ie(3te ^erbftepamen biefer (IV.) Staffe umfaßte alte biefe gäd)er. Singet)enbe gragen würben gegeben über bie engtifdje @e= fdjidjte Bon König 3otjann bis Gbuarb III., über bie ältere griedjifdje @efd)icf)te bis jum fßerferfricg unb über bie altteftamentlidje ©efdjidjte. Sin englifdjeS @ebid)t mußte in lateinifdje 33erfe gebracht werben. 3n ber Bemove wirb mit |wraj, „ber Stoner SBibet," angefangen unb 3War mit ben Qbcn, baneben 33irgit getefen, unb außer beiben aud) uod) auS Qoib gelernt, Bon fßrofaitern nur SornetiuS SlepoS getefen. 3m ©riechifdjen wirb im neuen ®eftament fortgefatjren, bie „Scriptores Graeci, Pars I.“ (eine SluSWatjt auS £>erobot, ®h uc h^ e8 » Penoptjon, )ßtato unb Sucian), bie „Poetae Graeci“ Pars I. (©tüde auS £jomer, §efiob, SPimnermuS, fütofdjuS, 33io, StcufäuS, SDleteager) getefen, Bergteidjenbe ©eograptjie unb ©efdjidjte getrieben unb babei noch bie griedjifdje ©rammatit auSwenbig gelernt, ta= teinifche Ueberfehungen gemadjt unb neben ben fpepametern auch baS ttjrifihe 33erSmaß Berfudjt. 3n ber V. Staffe tommen bie Poetae Graeci P. II. (eine Slnttjologie aus ben 142 ©roßbritannien uitb 3Ganb. weiften ®id}tern), Scriptores Graeei P. II., bie Scriptores Romani (2iudjüge aud Sibiud, Ekero, Jncitud) an bie Steife, ferner ferner, fporaj Satiren, Ars Poetica nnb Spiftein. Etwa 100 ßeiten aud ben geiefenen ©intern nnb 30 aud ben in ber Sd)ule nidjt gelefenen r wie EatuII, Sibuli nnb Properj werben wöchentlich audwenbig gelernt. S)aju fommt Äirchengefchichte nnb Ueberfe(3ung in griedjifdje fßrofa nnb griedjifd}e Serfe. 3n ber VI. Eiaffe werben außer ben meiften jener f^ö^her noch Döibd f^aftt, Oacitud Sttnnaien, Eicero’d Gpifteln nnb gwei griechifche ®ramen geiefen nnb festere wie auch profaifdje Stüde audwenbig geiernt, unb jitbent nod} je 70 Serfe aud jpomer, SSirgii nnb fporaj nnb 30 aud anbern ®id}tern. Serfe werben über gegebene ober freigewä^lte Schemata gemad}t, ähnlich aud) lateinifdhe unb gried}ifd}e Eompofitionen in ißrofa. 3n ben höh^ Eiaffen wirb boraudgefefst, baß ber Sd)üter and} mit ben in ber Sdjuie nidjt geiefenen SDiditern unb Profaiiern fid} befannt ntad)t unb bie fdjönften Steilen baraud bem @e= bädjtnid einprägt. 2luf biefe 2lrt gewinnt ber Schüler einen reichen Schah bon claffifdCjer bßoefie unb Profa, ber ihm bei eigenen Eompofitionen fo bieniid) ift, aid bem Kiinftler bad eingeijenbe Stubium ber Sintiie. Unb ber ©ewinn ift nicht bloß ein materieller, fonbern aud; ein formeller, fofern ber ©efdjmacf baburd} berfeinert, bad Urtf;eit gefdjärft unb eine große ®emanbtl)eit bed 2ludbrudd aud; in ber Plutterfprad}e erlangt wirb, greiiid} fönnte hier bad Sebenien entfielen, ob nicht burd} biefed 33er= fahren mehr nur werthboiie Stubien gefammeit aid ein fetbftänbiged Stubium angeregt Werbe. Ed mag jugegeben werben, baß bad Serdntad}en ben Sinn für bie gormfd}ön» heit wedt unb fdjärft unb auf ©eftaitung bed Stild einen großen Einfluß audübt. SOiacaulat) unter anbern War ein eifriger Sertheibiger bed Serdmad}end. Unb er hat ein Sßort mitjureben. 3lud} ift gertigieit im Serdntadjen gewöhniid} mit fonftiger £üd)tigfeit oerbunben. 3iber Wad Saientboüen förberiid} ift, erweidt fid} nid}t immer aid bad ©eeignetfte für bie SKitteimäßigen unb bei foid}en mag ed nur ju oft ber gaü fein, baß fie über bidjterifdjen SSerfudjen SDiuß unb ÜRufe beriieren, ober fid} auf anbere Sßeife halfen, inbem fie fid} bie Serfe madjen iaffen. ®ad audfchließlid} claffifdje Princip, bad in Eton 3ahrhunberte lang i;errfd}te, ift baher bieifad} angefodjten Worben. Einer ber früheften Eingriffe laut 1830 bon bem Ebinburgh SRebiew. 3 tDa r würbe in bem= felbcn 3ahre ein £ei)rer ber SRathemati! befteßt, aber lange war er ber eingige unb erft in neuerer 3eit traten ihm bid auf 7 ©ei}üifen jur Seite, ©ieidjwohi f'am bad Stu= bium ber ÜRathematii nid}t in 2(uffd}Wung. SBie nieber bie Stnforberungen finb, bie in ber Obern Sdjuie gejleüt werben, jeigt bie 3lnorbnung, bie mit Oftern 1859 bei neu eintretenben Sdjüiern in Kraft treten foHte. SDarnad) ift ber Stubiengang folgenber: IV. gorm: ®ie 4 Specied; Remoye: gemeine S3rüd}e unb fRegel de Tri; V. gorm: ®ccimatbrüd}e, Proportionen unb Snterefferechnung, unb für bie obere 2Ibtl}eUung Euclid. I. Sb. unb etWad Sltgebra. 5Rod) ftiefmütteriidier aid TRati)ematif finb bie neueren Spradjen behanbeit. Sie gehören gar nid}t jum Sdjuipian. Sid in bie neuefte 3^'t genügte Ein franjöfifdjer £el)rer, ein ^weiter würbe erft oor einem Sabre angeftellt. ®er beutfdje ?ei)rer, ber baneben nod} £>ebräifd) lehrt, hat für bad ©eutfd}e nur 20—30 Schüler, für bad £>ebräifd}e gar leinen. 3 lüa r ift burd} mehrere preife, bie ber Prin3=®emal}I für SDeutfd) unb granjöfifd} audgefefjt hat, fowie burd} 2 mathe» matifdje Preife bad Stubium biefer §äd}er mehr angeregt Worben, ed ift aber iaum ju erwarten, baß fie befonbere Pflege finben werben in einer Sdjuie, beren Stolj ed immer war, im Eiaffifdjen unb befonberd in ber Serfeiunft bie erfte in Engianb ju fein. ®ad Serfemadjen hat übrigend feit ber Stiftung ber 3 Newcastle Scholarships (1829) nicht mehr fo bad Uebergewid}t, wie früher. ®enn bei ber ^Bewerbung um biefe Sti= penbien, Weidje £. 50 auf 3 Saljre betragen, fommt ed ebenfo auf tüdjtige Kenntniffe im ©ebiet ber ^Religion (Theology) unb ber ganzen ciaffifdjen Literatur unb ©efchidjte, wie auf ©eWanbtheit im Serfemacf}en an, ja eine genügenbe ^Beantwortung ber tl)eoio= logifdjen Stagen ift bie unerläßliche Sebingung ber 3ulaffung ju ber Prüfung in ben anbern Rächern. ©ropBntannictt unb Srtanb. 143 Sa biefeS Spamen oieHeicpt am meisten fidjt wirft auf bie feiftungen ber oberen ©dfüler in Ston Sollege, fo mag eS 3 Wedmäßig fein, bie bei ber eben gefdjloffenen Bewerbung geftellten fragen pier furj ju ermahnen, Wobei ju bemerfen ift, baß »on etwa 34 Änaben ber oberften 2lbtpeilung alle bis auf 6 fiep um bie ©tipenbien bewarben unb wie es fcljeint mit Spren beftanben. Ser tpeologifdje eil beS SpamenS ent= pielt eine 3?eipe non fragen über baS Si». 9?favci unb bie 2Ipoftelgefdjicpte. ©djwierige ©teilen waren ju überfepen unb gu commentiren, einige Sßerfe inS ©riedpfdje ju retro= »ertiren. 33ei SllarcuS waren 2lbweicpungen »on SRattpauS ju bemerfen, einiges über 3wed unb Slbfaffung beS So. Süfarci unb über baS Seben beS S»angelijten ju fagen. Sei ber Slpoftelgefdßcpte würbe außer ber Ueberfepung eine ©fijje oon ißauli Seien, »on ©teppani 9lebe, eine Srflärung über ben jübifdjen Urfprung unb bie tppifdje 33e= beutung beS ißfingftfefteS, unb Seweife für bie ©cpriftgemäßpeit ber Saufe, Sonfir= mation, beS StbenbmaplS, ber Liturgie, beS geiftlicpen SlmteS unb ber Drbination u. a. »erlangt, ferner würben fragen gefteHt über 2JteId)ifebef als SppuS auf SpriftuS, 3eit unb ,'pauptinl;alt ber SSSeiffagungen beS fjofea, 2lmoS, 9?apum, ©acparjap, 9?amen ber ißroppeten, bie in ber Sibef erwähnt Werben, aber feine ©djriften Unterlaßen paben; bie SJJaccabäer unb »iele anbere biblifdje ißerfonen; Sopograppie beS SempelS 3 ur 3«t ter Könige; über ben gmdfdjritt im alten Seftament gu ber SrfenntniS, baß baS ©efep bie ©ünbe nicpt wegnepme; 9lbfaffung unb 3fe»ifion ber 39 Slrtifel; bie öerfd)iebenen ertglifd)en 33ibelüberfepungen, S3eifpiele »on Sitaten im neuen Seftament, bie ftd) im alten nidjt finben; Sebeutung »on Slntinomianer, ©ocinianer, 3efuit, 3an= fenift, Sraftianer, ipelagianer, Slrminianer. — Sateinifdje Aufgaben: Ueberfepung inS Snglifdje: Cic. pro Muraen. cap. 2; Liv. XXIV, 34; Tac. Hist. IY, 14. 15; inS Sateinifdje ein ©tücf aus ©rote ’8 ©efcpicpte ©riedjenlanbS unb Shelleys Essays; ißoefie: Ueberfepung inS Snglifcpe Yirg. Georg. II, 370—392; Ov. Fasti II, 617—40; Juv. Sat. III, 250—268; ^joraj Oben I, 26 (metrifdje Ueberf.); inS £ateinifcpe: ein ©ebidß »on Sennpfon unb $war in elegifdjem SerSmaß; metrifdfe Sompofition in fjepametern über bie ©Haoerei (ober eine alcäifcpeDbe über biefeS Sperna). ©riedjifcp: Ueberfepung inS Snglifdje: Herod. IY, 67. 68 ; Thucyd. YII, 69; Aeschines in Ctesiph. 82. 21; Plato Menex. Seet. XY; inS @ried)ifd)e ein ©tüd anS ©rote YI, 48, ein anbereS auS Sacon. ^ßoefie; inS Snglifd)e Hom. Ilias XI, 543—64; Aesch. . Ag. 97—120; Soph. Oed. 343—56; Arist. Yespae 576—93; in griedßfcpe Samben: ein poetifdjeS ©tüd (etwa 20 3 c ^ en )- «Ken Ueberf eijungen inS Snglifdje mußte eine Srflärung fdjwieriger ©teilen unb SBörter beigefügt Werben; jum Speit Waren auch befonbere fragen, meift fadflidjen 3 npalt 8 jenen ©tüden angepängt, enblid) nodj eine 9?eipe befonberer fragen über ©rammatif (Stpmologie, ©pntap, ©pnonptnif) unb ©efdßcpte gegeben, 3 .23. über bie ißolitif beS ißerifleS, sie ißerferfriege, bie gried)ifd;en 1ßpilofoppen= faulen unb bie römifdfen ©taatSämter. SiefeS Spamen, baS Wafirlid; feine geringen &ennt= niffe »orauSfe^t, wirb »on 2 Syaminatoren »on Dpforb unb ßambribge gehalten unb wäljrt etwa 5 Sage. Sie fragen unb Aufgaben werben, auf befonbere Slätter ge= brudt, ben Sanbibaten »orgelegt unb »on biefen ol;ne ^ülfSntittel beantwortet. Sa eS 3 u weit führen würbe auf anbete Spamen näfyer einguge^ien, fo mag baS genannte als Seifpiel ber fdjriftlidjen Prüfungen (münblic^e fommen nur feiten nor) bienen, um fo mefyr, ba ber äußere fiergang ber fd)riftlid)en Prüfungen überall in Snglanb fo 3 temli^ berfelbe ift, unb, was bie 2lrt unb ©d)Wierigfeit ber ^‘'S^n betrifft, fein großer Unterfd)ieb 3 Wijd)en ben ©djulen erften langes ftattfinbet. 97id)t fo Weit gepenb in tfyeofogifdjen fragen, fieser aber in ben daffifdjen ift bie 2Bal)lprüfung (Election) für bie greißellen in Sambribge, Wel^e jä^rlid; im 3uli »on bem ißrobft »on Kings College unb 3 Wei Fellows („Pozers“) in Serbinbung mit bem ißrobft, Sice=-ßrobft unb Head- master oon Ston gepalten Wirb. 97ad) bem SrgebniS beS SpamcnS unb mit 23erüd= fieptigung beS fittliipen SerpaltenS fertigen biefe eine fifte, aus welcher bie eintretenben Sacanjen im Kings College auSgefüllt werben, ©leidjjeitig werben bie Kings Scholars 144 ©roßbritannicn unb 3 rtanb. für ©ton geiüäl;lt, int SUter non 9—14 Saljren. §ür bie »erfdjiebetten SllterScIaffen Werben oerfdjiebene fragen gegeben unb aud aßen ©anbibaten bie retatio beften getränt. Sa ber 3“brang 51 t ben ©tiftdfteßen feljr ftarf ift, fo ftnb aud) btefe ©yamen fetjr ftreng. Senn nun ein Knabe etwa im 11 . 3al)re in bie Stiftung eintritt unb ben gangen ©urd burdj bie obere ©djute burdjmadjt, fo fann ed nidjt festen, baß er mit bebentenben pI;itotogifd)cn Kenntniffen audgeftattet bie Unioerfität begieX;t. Sad in ©ton fo überwiegenbe claffifdje ^ringip ift in ben «reiften attbern 9Itum= naten etwad mobificirt worben. 3 n Siugbt) g. 23. befdjränfte Strnotb, nid)t oljne 9ln= ftoß gu geben, bad 23erfeniadjeu unb führte üDtattjematif, grangijfifdj unb Seutfdj ein. 3n Sefttninfterfdjool mäßen alte Knaben SDtattjeinatif: lernen, unb bie ©djiiler ber obern ©djute (mit Slitdnaijme ber IV. ©taffe) im gangen, etwa 2 / 3 ber Knaben §ran= gofifdj. SBeibe fyädjer gehören t;ier gum ©djulptan. 23ticft man gurüd auf bie eigenttjümtidje Drganifation biefer ©djuten, fo erfdjeint ©ton Bor atten wie ein altes Kfofter mit mannigfadj gefreugten ©ängen unb Bielen @e= mädjern, in betten ed nidjt leidjt ift fid) guredjt gu finben. ©ton gteidjt nidjt anbern großen 3nftituten. ®d ift eine Knabenunioerfität. Sie fpäufer ber Autoren finb,-äl)n= tid) wie bie ßoßeged in Oyforb unb ©ambribge, ©djuten für ftd). Ser Sutor ift ber eigentltdje ©rgieljcr unb infofern audj ber §au|5tlef)rer für bie eingetnen ©djüter, atd biefe Born ©intritt in bie IV. ©taffe bis gurn ©djluß ber ©cfjutgeit bei itjin bleiben, unter feiner Leitung bie Ijier fo widjtigen ißrioatftubieu treiben, ßtaffifer mit il)m tefen, alle ©djnlarbeiten fertigen unb oon itjm corrigiren taffen, e!)e fie fie in ffteinfdjrift bem ©taffeleljrer oorgeigen. Ser ©lafgtetjrer reoibirt eigetttlid) nur bie ©orrectur bed Sutord. ©r tarnt aud ber corrigirten Slrbeit taum erfeljen, Wad ber ©djüter wirftid) weif), aud) aud ber miinbtidjen Ueberfejmng in ber ©taffe nid)t, wiefern ber ©djüter fid) fetbft Borgitbereiten im ©tanbe ift. Sie ©djule ift eine Slrt Slnta, welche bie Sutorent)äufer controUirt, auf bad Saß, nidjt auf bad Sie ber Seiftungen, auf bad Siffen ber Section, nidjt auf bad Sonnen fieljt. Siefed Ijödjft eigenttjümtidje ©tjftem müßte für bie Sutoren brüdenb fein, wenn fie nidjt gugleidj Slaßtetjrer wären. ©0 aber controttiren bie Seiner eittattber in ihrer hoppelten ©apacität atd Sutoren unb ©laßle^rer, unb bie betreffenben Seljrer galten, wie ed fdjeint, biefed ©Aftern für Ijödjft gweefmäßig. Sie aber ein üßtann bad atted bereinigen tarnt, ©taßunterridjt, Seitmtg ber ©tubien Bon 30—40 3ögtingen in feinem £iaud unb etwa 30 Knaben, bie bei Dames Wonnen, nebft ißrioattectionen mit betten Bon jenen 3ögtingen, bie feine ißrioat* goglinge ftnb — bad gn begreifen ift einem SSidjteingeWeiljten unmöglid). §ür bie tiidjtigeren Knaben mag fotdje Seitung genügen, aber baß mittelmäßige, bie ber 9?ad)= hülfe am meiften bebürfen, habet gu furg tomntett, ift metjr atd Watjrfdjeiulidj. Sod) tjat audj Strnotb bie 3 a fß Bon 30 3ögtingen für Sitten Sutor nidjt gu Ijod) gefunben. Um aber ein Urttjeit über biefed ©tjftem gu fällen, mäßen bie Seiftungen biefer Sllum» nate mit benen ber anbern ©djuten Berglidjen werben, Wad jebodj erft am ©djtuffe biefed Strtitetd mögtidj ift, nadjbem äße ©djuten betradjtet Worben ftnb. Sie große 3aljl ber Knaben müßte bie Sidciptin faßt unmögtidj madjen, wenn bie Knaben nid)t fetbft eittanber in 3 nd)t hielten mittetft bed atten gaggingftjftemd, benn eine poligeitidje Sluffidjt burdj Seljrer ober gar burdj befonbere Sluffeljer ift ebenfo bem ©eift biefer ©djuten atd bem angeerbtett fyreitjeitdfinn ber ©ngtänber guwiber. 3 ened ©tjftem tann midbraudjt werben unb iß Bietfadj midbraudjt Worben, unb bod) reben itjm bie SDSänner, bie ed aud ©rfatjrung f'ennen, bad Sort, audj Strnotb, ber ed gu oerebetn fudjte. ©d fdjüht bie Jüngern Knaben am beften gegen ben SDSutljwißen ber Scannen (Ballics), ba bie „Oberen Knaben" (Upper Boys), b. Ij. bie ber VI. unb V. gerat (außer ber unteren fünften) in ©Ijren gebunben finb, itjre güdjfe gu befdjüfcen. Slße oberen Kna= ben nun, namentlich bie ber VI. gorm, bie eine Sttittelfteßung gwifc^en Seljrern unb ©Jätern einnetjuten, wählen ihre güdjfe aud ben „Untern Knaben" (Lower Boys), b. h- benen ber llemove unb IV. gorm, unb biefe treten meift gerne in bad ©tienteü ©ropritannien unb yttattb. 145 Verhältnis ju ben oberen. ©onft wirb wenig ®i8cipßn gepanbpabt. ßhtr in grabi= renben gälten wirb fBrperlid)e 3*tauptabtpeilungen, eine für bie jüngern unb bie anbere für bie altern Knaben. 2)ie erftere ift in fpertforb. ®ort werben Knaben jwifdjen 7 —10 3apren aufgenommen, borauSgefept, bag fie lefen tonnen, ©ie Werben in 7 Staffen, jebe mit 2 Unterabtpei» Jungen, eingetpeilt, weldje abwedffelnb bie „@rammatitfd)ule" unb bie ©cpreibfdjule be= fud;en, an weiten je 3 fieprer angefteßt finb. ®ie UnterricptSgegenftänbe finb bie Slementarfäcper unb bie (ßnfangSgrünbe beS Sateinifdien. SBenn bie Knaben bie oberfte Klaffe ober baS Sitter bon 12 3apren erreiept paben, tomrnen fie in bie Stnftalt in Son= bon. (pier finb bie Knaben, etwa 750, folgenbermagen ctaffificirt: Obere ©cpute: 3at;l SUtet ber Snafien „©ffeepen" 15 1 ,,SBice*@riecpen'' 90 1 111—12 bis 18 ob. 19 3 „Kroger ©ra«mu§" 60 ( „Kleiner ©rasntus" 72 5 Sltitttere ©cpule. 3at)I eiltet VI. gornt c. ioo> V. „ c. loof 13-15 Untere ©ipute: IV. gorm 102 III. „ 90 II. „ 90 I- „ 90 9—12 6iä 13 3. ?ßabftg. ©nc^flo^abic. III. io 146 ©ropritannien unb Srlanb. Knaben, bie mit 13 Safyren itid)t tüd)tig genug finb, um in bie obere ©djute ein» jutreten, tommen in bie mittlere ©djule, too fte bis gunt 15. 3al;re bleiben unb eine mehr commergieüe Srjiehung erhalten. Sind) in ber obern ©djule bürfett bie Knaben nicht über baS 15. 3al)r bleiben, außer toemt fie „©riedjen" toerben, in welkem gälte fie 3 3aljre in ber fyöcfyften (Stoffe bleiben. Stur ettoa 12 oon ben „33icegriedjen" blei» ben auf Smpfehlung ifjrer Seljrer nod; ein toeitereS 3al;r. Ser Unterridjt ift t)ier nad) Spulen eingekeilt; biefe finb bie claffifd)e (9 Seljrer), mathematifdje (3 Setjrer), englifdje (3 Server), toeldje Sefen, ©eograpljie unb ©efdjidjte in fid) begreift, bie commer^iette (3 Se^rer), too ©djreiben unb Strithmetif gelehrt toirb, enblid) bie frangöfifdfje unb bie ©chule für Beidjnen. SS ift alfo Ijier gang baS gad)fpftem burdjgefüljrt. 3ebe ©affe ift in 2 Ipälften geteilt, bie abtoed)fe!nb in ber claffifdjen unb in einer ber anbern ©cfjulen unterrichtet toerben. Sie .fjälfte ber 3 e 't ober mehr toirb in ber claffifdjen ©djule jugebradjt. 3 n bie mathematifdje ©dfule treten fie erft bann ein, toenn fie eine genügenbe Kenntnis ber Sfritljmetil haben, in bie frangöfifdje nadjbent fie in ben claffi= fdjen ©pradjen bis jit einem getoiffen ©rabe eingeübt finb. Sie Sectionen bauern oon 9—12, 2—5 (außer äftitttood; unb ©amftag 9tad)mittag). SSeifpielShalber mag ber ©tunbenplan ber „©riechen ' 1 hi« mitgetljeilt toerben: SRontag Dicnftafl ÜRitttvori) iDomm-ftag Sreitcij) ©nrnftag 3uoett. rep. ©riech. £eft. ©riech, tprofa corr. Stemofthene« Stefchpl. rep. 39 3trt. SUtatbematif Subeit. rep. Sperc. Satent. SSerfe corr. Slefchplus Slefcbbl. rep. ©riech. ©eft. ©riech- SSerfe corr. ©emofthenes Silben, rep. 39 Slrt. ÜJtatbematit Slefcbpl. rep. ffiperc. üKatbematif ©acitit« Satein. Sperc. ÜJtathematif Satein. 6perc. corr. §or. ©at. Sat. SSerfe ©riech. 35erfe ©ried). ©efch. SJtathematif Sat. Sperc. corr. Suben. ©bema ©henta Sffiährenb bie meiften Knaben eine tüdjtige Srjieljung für baS ©etoerblidje erhalten, toerben „bie ©riedjen" für bie Unioerfitäten erjogen, too 16 greiftetlen für fie offen ftnb. Stile Halbjahre toerben Spanten gehalten unb greife oertheitt. Sin Dftern geht bie ganje ©chule in ißroceffion jum b'orbmajor, oon bent fie tractirt unb befdjenft io er» ben. 40 „mathematifdje Knaben" tourben bis in bie neuefte 3^it bei §ofe prüfentirt unb befdjentt, unb toenn fie baS nautifdje Spanten hefteten, erhalten fie eine Slusftat» tung. SIm SJlatthanSfeiertag toerben oon ben „©riechen“ Sieben gehalten, bie feine ge= ringe claffifdje SSilbung beurtunben. — Sie Sinridjtung ber SInftatt hat mehr als anbere iljr eigenthümlidjeS ©epräge beibehatten. Sie SSurfdje mit ihren blauen Slßden unb gelben Unterröden uttb ©trümpfen nehmen fid) feltfam aus in bent heutigen Son» bon. Sie Koft ift einfach, fDtildj unb 23rob junt grühftücf um 8 Uhr, ^amntelfleifd) jumfDtittag (lUhr) unb 33rob unb Käfe Stbenbs 6 Uhr. Sie fOlahljeiten toerben in ber fdjönen großen fpaHe geineinfdjaftlid; eingenommen. Seber geht ein furjeS oon einem ber ©riedjeit gelefeneS unb oon Stefponforien mit Drgelflang begleitetes ©ebet ooran. Sie Knaben finb über 16 ©djtaffale oertheitt, je mit einem SJtonitor, ber baS Stbenbgebet liest, unb einer iPflegfrau, bie in bem ©aale ein Sabinet hat. Sie Knaben ftehen im ©omtner ttnt 6 Uhr, im SBinter um 7 Uhr attf, bie Jüngern gehen um 8 Uhr, bie altern um V 4 10 Uhr 31 t SSett. Sie SiSciplin ift in ben Ipänben eines StuffeljerS (Warden), unter bent 4 Rebelte ftehen. Stur in ber ©chuljeit toirb fie oon ben Sehrern geübt. ©ropTttanmcn unb yrlanb. 147 ß. Sie ^öljeren S a g f d) tt I e n (Public Day Schools, Collegiate Schools, Grammar Schools, Academies). Siefe unterfdjeiben ftc^ Don beit bisher betrachteten großen Alumnaten nicht bloß baburd), baß fte lerne Äojifdjulen firtb unb beS Sutorialfpftemg entbehren, fonbent aud) üielfad) burdj ihre innere ®inrid)tung, namentlich baburd;, baß fie häufig eine Neatabtheilung fabett. ©ie entfpredjen ben beutfdjen ©pmnafien, Spcceit, lateinifchen @d)ulett unb Nealfdjulen. ®g finb ihrer in Snglanb Diele Ijunberte, in ©djottlanb unb 3rtanb äußerft wenige. Syrern SOßefen unb SÜSertl; nadj aber finb fte fo oerfdjieben, baß nidjt einmal eine ©laffification oerfucht werben !ann. 21udj in ben beften ift bie innere ©inridjtung feinegwegg biefelbe, unb eg muß begljalb genügen, ^ier Die gu berücffidjtigen, wetdje ©djöpfungen ber neuern 3 c ü finb, ba biefe fid) befonberg Don ben alten Alumnaten unterfdjeiben. .Spieler gehören bie mit Kings College unb University College Derbunbenen ©djulen. Sie Siffenter hatten, weil ihre ©ohne Don ben alten UniDerfitäten auggefdjloffen waren, 1826—28 baS University College in Sonbon gegritnbet unb jwar nad) rtichtconfeffionellen ©runbfäfcen. 3m ©egenfajs ju ihnen grünbeten bie ©taatsürdjlidjen unter bem Patronat beS batttaligeit Äönigg ba§ Kings College (1828). 9lid)t ju DerWedjfeln mit biefett Colleges ift Die 1836 incorporirte London University, eilte Äörperfdfaft, bie Prüfungen hält unb afabemifd)e @rabe in ber philofopl^ifchen, juribifdjert unb mebicinifdjen gacultät oerleil;en fann. Nur finb bie, Welthe fotdje ©rabe erwerben Wollen, gewiffen SNatricuIationggefe(3en unb 91ufnapme= Prüfungen beim ©intritt in jene Colleges unterworfen. Sebeg ber Colleges aber hat feine befonbere 33el)örbe (Council), unter Weldjer bie 33orfiel)er ber Colleges unb bie Rectoren ber ©d)ulen flehen. Kings College School hat außer bem Headmaster unb Yieemaster 10 clafftfdje Sefirer (Assistant Masters), fobantt 12 gadjtehrer für SNatfiematil, jfranjöfifd) (3 Seljrer), SDeutfch (1 &hrer), ßeid)nen unb Sanjen. SDie 3af)l ber ©d|üler ift 407. Sag ©dtul= gelb beträgt etwa ?. 22—23 (wobei ©djreibmaterial unb ©ebraud) ber Schulbücher eingefdjtoffen ift), für bie älteren claffifdjen ©djüler etWag mehr. 93efonberS befahlt Wirb nur für 3talienifd|, orientalifdje ©pradjen, ©ingen, ©pmnaftil u. f. w. ©t^üler Werben breimal im 3afyr gu Anfang beg Surfug (Term) aufgenommen unb jwar im 2Uter Don 9—16 3apren. ©ie bleiben big gunt 18. ober 19. 3apr. — Slepniid) ift bie ©inridjtung in University College Junior School, bie 382 ©cfjüler jät)lt unb außer bem Rector 7 claffifcCje Seprer hat, 5 für 9}latl)ematil unb Naturmiffenfcf)aften unb 12 anbere. SaS ©djulgelb beträgt S. 18—19. 31Üe Snabett unter 15 Satiren, bie in bie unterfte ©taffe eintreten lönnen, werben aufgenomnten. ©ie bleiben big jutn Dollenbeten 16. 3cth r - — 3n Kings College wirb bie ©d)ule immer mit ©ebet unb S3ibellefen in ber Sapette begonnen. Sie ©djulftunben währen Don 9—3 Uhr mit einer furjen Unterbrechung um 11 Upr unb einer halbftünbigen um 1 Ufr, wo bie, welche wollen, im College ju SDiittag effen lönnen. 3n ber University Colleges School, Wo bie ©d)ut= ftunben Don 97* big 3 3 /* währen, ift 17* ©tunbe frei. 3n beiben ift SNittwod) unb ©onnabenb Nachmittag frei. Sag 3ahr wirb in 3 Sh e ü e (Terms) getheilt: Dom 20. ©eptem= ber big SBeihnachten, bann big Dftern unb Don ba big SNittfomnter. 31m ©nbe jebeg Terms wirb ein Spanten gehalten unb ben ©Item über bie Seiflungen unb Stufführuug ber 3egltnge tBeridjt erftattet (in Univ. College School gefdjieht bieg monatlich). 33or ber ©ontmerbacanj wirb eine öffentliche tßreigoerfheilung beranftaltet. Sie SSacanjen betragen im ©ontmer 7 3Bod)Ü* lec l) VI. Kl. Obere 21 ©bucpbibeS, tßtato, ©e= moftbeiteS, ©riedf. ©ra» vi. et. §oraj, 9ibiu§, tat. @tit» 1 Übungen, ©ifferentiat* 1. 16 gifer, §oraj, PibiuS, 3m Oeitat, ©acituS, ©icero. ! redjtt. Trigonometrie, At» gebra, ©nftib, ©ngtifdje ©ompofttion, @cfd)id)te, 2) „ Untere 22 ©riedj. ©eft., ©rtedj. Tr«» giter, ©emofU)., §erob., ©eograpb-, S3ud)fübrung, Monier, ©oraj, Suoenat, 1 ©benüe, Äartem, Panb» SibiuS, ©icero. | febaft» u. tptau»3eicbuen. 3) V. St. Obere 1 ©ried). ©eftant., §onter, §erob., ©itrip.; §oras, v. „ granjBftfcb unb ©eutfd). II. 18 4) „ Untere 17) Birgit, eic., 9iO. 5) IV. Kl. Obere 23 §omer, Senopb., ©icero, tßirgit, Oöib. iv. „ Shrgif, ©äfar, tat. Uebitit» III. 17 gen, ©efdj., ©eograpbie, ©bentie, ©ugt. ©ornpo» IV. 17 6) „ Untere 33 ©ried). ©eft., £enopbott, §onter, Otoib, ©attnjl, SJirgit. V. 20 fttion, AutStoeitbigternen, ©ictirtfdjreibeit, Aritbnt., Atgebra, (Suftib, 33ttd)» fübrung. ©eutfd) unb ffranj. Saitbfdjaft* unb $tait»3eid)tten. 7) III. Kt. 37 Initia Graeca, ©äfar, in. „ ©äfar, Satein. Ueb., ©efdj., VI. 18 OöibS Fasti. ©eogr., ©bentie, ©ngt. ©ontpof. u. f. 10. VII. 16 8) II. et. 34 ©ried). ©ramm., ?atein. ii. „ Kornelius 9?epoS, Sateiit. VIII. 16 ©ramm., befebnd) mtb Uebungen, ©efd)., ©eogr., IX. 17 Uebungen. ©temente ber ©bemie, ©ngt.eompofit., ©ictirt» fdjreibett, Aussoenbigter» neu, ©djreiben, Seidjnen, Aritbmetif, ©eutfd) unb X. 16 granjUftfcb. 9) i. et. 36 Sateinifdje ©rammatif, Sefebud) unb Uebungen. 236 171 Außerbeut Werben in jebem Term etwa 8 populäre Sorträge gehalten, über bereu 3uljalt nadjljer öott ben ©djülent tur$e Stuffäfee gemadjt werben. 3it ben Befonbern gädjerit ift bie Kintijeilung unb ber ©tubiengang folgeuber: für Algebra giebt eS 10 Abteilungen; in ber unterften wirb mit ben Klententen, in ber nädjfteu mit einfad)eit ©leidjungen begonnen. Sott ba wirb burd) bie oerfdjiebeneu Abteilungen aufgeftiegen bis jur 9., Wo Algebra überhaupt unb Trigonometrie geteljrt wirb, unb ber 10. unb Ijödjften, Weldje Tiffereitjialredjnuttg unb Segelfdjnitt leljrt. Tie Kuflibclaffe fiat 8 Ab= tbeiluugen, in benen ftufenWeife »ont 1. bis jum 6. unb 9. Sud) aufgeftiegen wirb. Tie Aritljmetifclaffe beginnt mit ben (Elementen in ber 1. Abteilung unb fteigt in ben folgeuben über Tecimal», 3inS= unb ©efeflfdjaftSredjitung ju ben Quabrat= unb Kübit= wurjetn auf. An biefeu 3 matljematifdjen Klaffen finb 11 ?eljrer tljätig. Ter matlje» matifdje fjauptleljrer tjat bie oberften Abteilungen in allen 3 Klaffen. 3tt beit anbern unterridjteit junt Tljeil Seljrer ber claffifdjen Abteilung. Aeljnlid) finb für neuere ©pradjen Klaffen mit Abteilungen gebilbet. ABaS nun bie claffifdje Abteilung betrifft, weldje für bie Unioerfitäten (Dpforb, Gambribge Kings College) vorbereitet, fo begreift ber regelmäßige Kurs außer Satein unb @ried)ifcf) als ben ^aupfädjern, Religion, Knglifd) unb gwuujöftfd), SDiatljentatil: unb ©djreibeit, ©efdjidjte unb ©eograpljie in fid)- Ipebräifd) wirb in ber obern 6. Klaffe gelehrt. Teutfd) ift facultatib, aber ©diitler ber 3 obern Klaffen fönnen ttadj ©rof&ritannicn uttb 3 tlanb. 14 » ben regelmäßigen ©d)utftunben am fDlitttood; unb ©onnabenb ot;ne Kytrabejatylung barin Unterricht erhalten. — 3)ie UnterridjtSgegenftänbe ftnb auf bie ©dfulftunben im allgemeinen fo oertbeilt, baß ber ctaffifdje Unterricht jtoifdjen 9 —1 Upr faßt, ber matbematifdje jtoifdjen r / 2 — 3 llt)r. 31IS SSeifpiet ber S3ertt)eitung im Sinjetnen mag ber ©tunbenplan ber untern 4. Klaffe gegeben toerben, toetdje als Uebergang Don ber ttiebern jur obern ©d^ule befonbere äßidftigleit Ifat: Sßtontag 9—10 llljr 10—11 nt)r 11—12 Ufjr 12—1 ttljr iy 2 -s llpr ©cbretben [Religion S&ibl. ©efdjicbte ©ricdf. ®eft. | Katbematif ®ienftag granjBfifcb [Birgit (Obib) Sat. ©ramm. Uebmtg., Slerfe SJtitttood) SEenopbon ©riecbifcbe Hebungen ©riedtjifdbe ©rammatit SBirgit rep. SJtBm. ©epp. ®onnerftag granjBftfcb ©attuft Sat. ©ramm. Uebmtg., SSerfe | ÜJtatbematif greitag ©djreiben Senopbon (§omer) ©riecbifdje ©rammati! ©riecb. ißoet. ©amfiag Aufgaben über griec^tfdße ob. engtifcpe ©efd). ob. ©eogr. granjBftfcb ®a§ Sitter ber ©djüter biefer Klaffe ift burdjfdjnitttidj 14 Satyre, üariirt aber, toie in aßen Klaffen bei>eutenb, oon 13 —16 ober gar 17 Satiren. Sn ber tjodjften Klaffe, ter obern fedfsten, toerben bie fdjen genannten ©dfriftfteßer getefen unb oon ben ©djütern mit großer Seidftigfeit überfefjt (in einer ?ection 5 . 33. 5 Kap. be§ S^uctybibeS). Kingeftreute fragen bejietien fid) meift auf ©adftidjeS (®e= fdjidfte, ©eograplfie u. f. to.) unb nur auf fdjtoierigere grammatifdje gornten. Sebe äBodfe toerben lateinifdje unb griecpifdie Ueberfefntngen unb 33erfe, außerbem ein eng= Xifdjer 2 Iuffat 5 getiefert. — £>ie fEealabtfieititng bereitet für baS 33au= unb Sngeniettr* gad) (Engineering), für ben ©taatSbienft (Civil Service), bie 9JHtitär=2Ifabemien, bie ÄriegS= unb §anbel§marine oor. gür bie teueren gäcfjer fotoie für tpanbetStoiffenfdjaft toerben aud) befonbere Klaffen gebilbet, ebenfo für franjofifclje unb beutfd^e Konoerfation. ®er ©tunbenplan ber VI. Klaffe ber jfealabttieitung ift fotgenber: Sttontag 9—10 Utjr 10—11 lU)r 11—12 Uljr 12—1 lltjr IV 2 - 2 V 1 Wir 2>/j-3 Ul)r SReligion unb Satein 3eict;nen granjBfifcb Sudjfitbrg. u. Engineering Sat. u. franj. Konberfation ©Treiben u. franj. Konb. ©ienftag üJtatbematif Stritbmetit ®eutfcb ober Seidenen ®eutfdp granj. Konb. ober 3 e ieutfd? unb Engineering 3eid;nen unb Engineering granjBftfcb SDiatbematif ®omterftag Sliatbematif ättatbematit ®eutfcb Satein unb ffingtifd) grattjBftfcbe Konberfation ober ®rigonometrie greitag ißtatbemati! ffingtifip unb Satein granjBftfcb tSucbfübrg. 0 . Engineering granj. Konb. ob. ®rtgon. ®entfcb ©amfiag | granjBftfcb SJtatbematif ®tfd). Konb. ob. 3eiern bed Kuflib begonnen wirb. 3 u .^ emer ^ n ift bad in biefer ©djule bei ber Formenlehre angetoanbte, in ben meiften ©djulen ungewöhnliche ©pftem, ba§ ,,Crude-©tjftem", wonadj immer auf ben ©tamnt bed SBorted „bie roljeFonn" jurüd» gegangen wirb. Sin Kings College, um bad nod) 3 U bemerfen, fc^üegen fid) (etwa 10) ©d)ulen an, bie auf bem ©ritnb ber ©toatSfirdje fielen, periobifdje Spamen burdj befonbere Spa* minatoren halten laffert unb ber Snfpection bed ©orftanbS bou Kings College unter» Werfen, bafür aber geWiße SBort^eite genießen. SDxit einem Sßorte mag nod) eine ber größten ©agdfdjulen, bie „City of London School" erwähnt Werben, bie 1834 bon ber Korporation berSlltftabt gegrünbet Würbe unb rafdj aufblühte, fo baß fie jfefet etwa 650 ©djüler ääljlt. ©ie ift beibeö eine höhere SSitrgerfdjule nnb ein ©tjmnafium, unb wirb tmuptfädjlidj bon ben 33 ürgerfö 1 ;nen ber Slltftabt befugt, bie für bad KommerjieHe ober für bie llniberfitäten gebilbet werben. ©ie ©djule, an ber mit Sinfcfjluß bed 9iectord 10 Klaßleljrer unb 12 Fadflehrer angeftellt finb, jerfäüt in eine obere unb untere, bie letztere mit etwa 250Änaben in 4 Klaffen, welche in ber englifdjen ©pradje, Slrithmetit, ©efdjidjte unb ©eograpljie unterrichtet werben. ©ie 3 erften Klaffen ber obern ©djitle mit etwa 200 Knaben hoben Satein unb neuere Sprachen, außer @eo= metrie u. f. w.; bon ber 3. Klaffe an jwetgt ftdj eine Klaffe ab, in Welker bie fftea 1= fädjer mehr berüdfidjtigt werben, währenb bie 4. — 6 . Klaffe (mit etwa 90 ©dji'tlern im ganjen) bad ©riedjifdje aufnehmen unb für bie Uniberfität borbereiten. ©er ©tubienplan, fowie bie ©reitljettung bed Saljred, bie SSacanjen, bie tägliche ©djulreit, bad atted ift faft ganj wie bei ben borljin genannten ©djulen. fftamentlidj ift hier bad Kambribge=©hftem bieHeidjt böHiger audgebilbet ald fonft wo; benn neben 14—15 claffifdje Sectionen in ber SBodje treten 9 —10 üectionen in ber SDtathematif. Unb baß burdj biefe ftarfe ^Betonung ber SDiathematif nidjtd berloren wirb, geigt bie ehren* boHe ©teHung, bie bei ber Bewerbung um Uniberfttätdfiipenbien unb ben Prüfungen bie and biefer ©djule fontmenben Kanbibaten einnehmen. ©ad ©djutgelb beträgt nur 3. 9 jährlich, ©djüler bon 7 —14 3atjren Werben auf Smpfehlung eined ©emeinberatlj* SDcitgtiebed unb eilt beigelegted är^tlidjed 3 e ugnid aufgenommen. ©ad jährliche fpaupt* epameu bor ber ©ommerbacanj, womit bie ißreidbertljeilung berbunben ift, wirb bon Uniberfitätdlehrern gehalten, 12 ©djulftipenbien (burdjfdjnittlidj 25 £. auf mehrere Saljre) unb 20 llnioerfitätdftipenbien (bon £. 25 — 50) unb eine große 3 a hl Con greifen für berfdjiebene Seiftungen im äBertlje bon 5 —15 ©uineen werben bon ber ißetjörbe gegeben. Kd ift bemerfendWertlj, baß bie fpälfte biefer ©tipenbien innerhalb ber lebten 20 Sah« gegrünbet Worben fütb. ©ie ©djule felbft war burdj freiwillige Beiträge (etwa S. 12 , 000 ) errichtet worben — einSetoeid, baß ber alte SSürgerjinn noch lebt. ©odj biefe 33eifpiele ntüßen genügen, fo feljr anbere, wie bie treffliche alte ©t. jßauld* School, bie ÜBirmingham Grammar School (bie über 500 ©chüter lj a t) unb hon neueren namentlich bie ju Kheltenbam (mit etwa 600 ©djütern), Siberpool, Srablep u. a. eine nähere 33etradjtung berbienten. ©iefe unb biele anbere fmben neben ber claffifdjen aud) eine fftealabtljeiluttg unb finb überhaupt mit größerer 23erüdfidjtigung ber jetzigen Slnfprüdje eingeridjtet. ©ie ©djulen werben tljeild bon Korporationen tljeild auf Stehen gegrünbet. ©0 feljr fidj aber auch foldje ©djulen in ber neuern 3 eit gemehrt haben, fo genügen fie hoch numerifdj weit nidjt ben Slnforberungen. ©ie meiften Äinber werben nodj immer in Knglanb in ißribatfdjulen erjogen. Khe jeboch bon biefen bie flfebe ift, muß nodj lurj ber fdjottifdjen ©tjmnafien gebacht Werben. ©er ©tjmnafialunterridjt in ©ctjottlanb bertljeilt fid), wie fdjon oben gefagt würbe, an bie Uniberfitäten, ©tabt* unb ©orffdjulen unb bie eigentlichen ©tjmnafien. 9?ur bie lefjteren („High Schools, Academies“ genannt) finb ljier ju berüdfidjtigen. Sie* fonbere KrWähnung berbienen bie High School unb bie Academy ju Kbinburg, bie High School in ©ladgoW, bie Sltabemie ju ißerth unb bie Dollar Institution, Welche ©ropritannien unb Srtaitb. 151 alle jtoifdjen 350 unb 550 ©djüter enthalten. Sie Higli School in Ebinburg beftanb fdjon cor ber Deformation unb tourbe oon Safob YI. mit bem Damen Schola Regia geabelt. ©eit einem Sabrjefmt toirb fie burdifdjuititid) üon 400 ©djiilern befugt unb ijat außer bem Dector (Dr. ©djmifj, einem Seutfdjcn) 4 (Slafjle^ver unb 6 gadjteßrer für Seutfdj, granjöftfd), 9f>?atX;ematif, ©Treiben unb S5ud)füpung, unb ©ßmnaftit. Sie ©djule ift in 6 Staffen geteilt. Sie 5. unb 6. finb bie Dectordclaffett. Sei ben anbern ift bie Sinridjtung getroffen, baß ber Sefyrer feine ©djülerabtfieitung oon ber 1. bid jur Dectordctaffe in oierjäpigem Eurfud Xjinauffüijrt. Ed tjängt nun Diel oon bem Dufe bed betreffenben Setjrerd ab, ob feine Stbttjeitung jablreid) ift ober nicfjt, ba bie Ettern oft lieber ein 3al)r jutoarten, biö ein beliebter Sefyrer feinen Eurfud mit ber 1. Etaffe toieber beginnt, ©o fann ein Setjrer 120 ober met)r ©djüter in feiner Promotion I;aben. Ser ganje ©djutcurfud ift auf 6 Satire beredetet. Sie Änaben Wunen nad) Oohenbetem achten 3ape eintreten, unb 3 toar junäcbft in bie 1. Etaffe; aber aud) ältere toerbett, unb bad ju jeber 3eit, aufgenommen unb oon bem Dector in bie paffenbe Eiaffe eingefütirt. ©ie oertaffen bie ©dritte meift in einem Sitter Oon 16 Sauren, oft aud) fpäter. — Sie ^aufhfädfer finb Satein, Engtifd;, alte unb neue @efd)icfite unb ©eograpie unb Detigion. greie gädjer, bereu SBafd oon ben Eltern abt)ängt, finb: @ried)ifd;, ^rangöfifd), Seutfd), SDatljematif, ©dfreiben unb Sud)füt>rung, 3eid)nen unb ©bmnaftif. 3n ben §aufitfäd)ern unb ©ried)ifd) unterridßet ber Dector unb bie 4 Etaßtetjrer. gür ben fpauptunterrid)t jatjlt ber ©d)üter eine ©uinee (Dectord= ctaffe £. 1.5.0) oiertelfatfrlidj, für jebed ber Debenfädjer ettoa y 2 ©uinee. Ser ©cfyuh unterridjt toäfyrt jeben Sag (mit 2tudnal>me bed ©onnabenbd, ber frei ift) oon 9 — 4 Up. Sie ©diäter beseitigen ftd; burd)fdjnitttid; bet 6 Sectionen, eingelrre fogar bet alten. Ser ©tunbenplan toar im Satyr 1859 am fDontag tote folgt: 9-10 ttbr 10-11 „ I. n. II. Staffe III. n. IV. ©taffe V. tu VI. ©taffe / (SMigiott nur SDtontagd.) | Satein unb ©ngtifd). / (SWontag: fMtgion.) | Satein unb ©ttgtifd). ©ried;. Sejl. (2Jtontagd). Satein unb ©nglifd). Satein. ©yercitien corrig. 11-12 „ Stüttymetif, ©cbreiben unb Sudjfübrung ober grau* »BPP. graujoftfcb, Strittymetif ober ©cbreiben u. SBucbfitbrnng. Stritbmetif, ©dfreibeu. granjüf. ob. ®eittfd;. ©riecb. (©e» mftb.); Stritt met.,@dbreib. u.33ud;fiibrg. granjöf. ob. SDeutfcb. 12- 1 „ Satein unb ©ngltfd). gran 3 bftftf;, ©entfd) ober SIritbmetif, ©cbreiben. granäöfifdj, Seutfcb, Stritb» metit ober ©djreiben. 1- 2 „ Satein unb ©ngtifd). Satein unb ©ngüfcb. Satein: ©icero’S Orationes selectae. 2- 3 „ Stritbmettf ober ©cbreiben. ©riecbifcb, Sritbmetif ober ©djreibett u. S3ud;fübrung. ©rtedj. (Str* rtan), Stritb. ob. ©djretb. Slritbmet. ob. ©cbretben. > 3- 4 „ ©eometrte u, Sttgebra ob. ©dfretben u. 23mbfül)rung. ©eometrte u. Sttgebra ob. ©cbreiben u. SBudjfübruug. ©eometrie ob. Stlgebra ob. ©d?reiben u. S3udifiibrung. 3m toefentlidjen ift ber ©tunbenßtan berfetbe für bie anbertt Söodjentage. Dur in ben Dectordclaffen ßnbett fid) Reine 2lenbeutngen. 3n ber YI. Etaffe mürben auf bad Sateinifd)e unb auf bad @ried^ifd)e je 9 ©tunben oermenbet unb jtoar: Cicero Orationes sei., Livius lih. XXII., ßoraj je jtoei ©tunben, Satein. ©t)ntay, Eorrectur ber Eyercitien, ©Treiben neuer Eyercitien je 1 ©tunbe; ©riectyifdjed Seft, 1 ©tunbe, 152 ©toßbritannien unb Srlaitb. ®emoftl)eneS c. Leptinem 2 ©tunbe«, GuripibeS Sieben 2 ©tunbeu, ferner 3tiaS 22—24,. ©riedpfdjeS Gpercitium, Gorrectur beweiben je 1 ©tunbe. 3« biefen 18 daffifdjen ©tun» ben tarnen 2 für ®efd)id)te unb ©eograptpe. ®ie engtifdjen Sedionen umfaffeu @ram= matif, ©tilübungen, Siteratur. ©er 9ieligionSunterrid)t beginnt in ber unterften Gtaffe mit 93ibeltefen, in ber britten unb vierten werben Porters Evidences gebraust, in ben 9fedorSdaffen baS griedpfdje ©eftament getefen. ©er Unterridjt wirb mit ©ebet ange* fangen unb gefdjtoffen. — ®ie High School ftanb bis in bie neuere 3^t unter ben daffifdjen ©djulen ©djotttanbs obenan. 3m Satjr 1824 aber erhob fid) neben il)r bie auf 2tdien gegrünbete „Edinburgh Academy,“ welche j. ©()• nad) engtifdjem Stufter eingerid)tet würbe unb oielfad) bon ben ©ötjnen beS fdjottifdjen 2lbelS befugt wirb, ©ie lpit bisher im 3at)re gwifdjen 3—500 ©d)üter gehabt. 31)* 8el)rerperfonat befielet außer beut 9iedor aus 4 daffifdjen Setjrent, einem matfiematifdjen unb 2 für ©djreiben unb Slrittpnetif, «nb je einem für bie neuen ©pradjen ©raujöfifdj unb ©eutfd)), Gnglifdje Siteratur, fyortificatiorr, 3ädpien, 9trdjitefturjeid)nen unb @pm» naftif. ©er ©djutcurS ift auf 7 Satjre in 7 (Staffen beredetet für Änaben bon 9—16 ober 17 Sauren, ber Gintritt aber ju jeber 3eit offen. Sind; Iper fiit)rt berfetbe Setjrer feine Stbtfyeitung burd) 4 Gtaffen bis jur 5. b. I). ber unterften 9tedorSdaffe. ©ie 4. Gtaffe unb bie fotgenben ftnb in 2 Unterabteilungen gefdjieben, bie claffifdje (The Clas= sical Side) unb bie 9teatabtt)eitung (The Modern Side). 3ene bereitet auf bie Uniber» fität, biefe auf Gioit» ober Stititärbienft unb baS Gommerjiette bor. Sßeibe 2tbtl)eitungen ftnb aber unter bem tpaupttetprer ber Gtaffe. ©ie 3 Gtaffen bon ber 5.—7. fielen unter bem 9tedor, ber bei bem Unterricht jeber Gtaffe je bon bem früheren Setjrer ber Promotion un» terftüjst wirb, fo baß bie ©djüter benfetben Server theitweife and) nod) in ber 9iectorSdaffe haben. 2luf ber „ctaffifdjen ©eite" werben 1772 ©tunben wöd)entluh auf bie dafftfdjen ©pradjen nebft alter ©efdpdjte unb ©eograptpe berWencet unb 10 ©tunben auf Gnglifd) unb bie übrigen jjädjer, umgefehrt auf ber „mobernen ©eite" 10 ©tunben auf bie elften jjädjer nnb 1772 auf Gnglifdj, 2Patl)ematit, 33ud)füt)rung, fyortification, tßhbfif u. f.’w.. — 3n ben 2 elften Gtaffen werben bie Glemente beS Sateinifdjen unb granjijfifdjcn ge» lehrt, in ber 3. unb 4. aut ©riedjifdj unb Gäfar, Dbib, SSirgit unb ©attuft getefem 3n ben 3 9tedorSdaffen werben £oraj, SSirgit, Gicero, SibiuS, Sucrej, ^ouier, ®^uci)= bibeS, fperobot, .Xeuoptjon, bie ©ragifer unb baS griedpfdje ©eftament »orgenonunen, ©ie „moberne ©eite" tjat ftatt @ried)id) 9tealfädjer, unter anberem tjBIjere Stattjematif, Gioit» unb Stititär=3ngenieurwefen. 3 um Religionsunterricht gehört bibtifdje @efd)id)te unb 2tttertl)ümer unb bie Evidences. — ©ie oberen Gtaffen haben oor ben ©ommer» ferien ein 5tägigeS ntünblidjeS unb fd)riftlid)eS Gyameti oor jwei Gpaminatoren oon Dpforb unb Gambribge jn be|tet)en, worauf bie ißreisoerttjeitung folgt. — ®aS ©djntgetb be= trägt 8. 15 für bie ©djüter ber 3 fyödjften Gtaffen, für bie ber elften nur 8. 10. — lußerbem ift für GinjetneS, Wie 3äd)nen, Mortificatio« it. a. befonberS ju jagten. ©ie ©djutftunben ftnb tägtid) außer ©onnabenb hon 9—3 Ul)r, bie Serien finb ganj wie in ber High School. ©ie fdjottifdjen ©pmnafieti haben mit größeren ©djwierigfeiten ju fämpfen, als bie engtifdjen. ©ie Gtaffen finb ju groß unb bie ©d)üter ju ungleichartig, ba bie Setjrer ihre ganje Stbtljeitung, aud) bie Unfähigen, in bie twfpren Gtaffen führen, fo baß in bie üiedorSclaffe ©dpiter ber oerfdjiebenften gälpgteit t'ommen. 3n ber High School h«t ber Rector nicht fo freie .^anb atS in ber Academy; bort finb bie einjetneu Setjrer (wie in ben Burgh Schools überhaupt) mehr unabhängig. Gin Mattheit in ber High School ift eS ferner, baß bie Reatdaffen nicht fo gefdpeben finb, wie in ber Academy. 2tber um fo mehr Stnertennung oerbient ber Grfotg, ber namentlich in ber High School tro(3 aCt biefer ©chwierigteiten erjiett Wirb. ®ie irifdjen ©pmnaften finb meiftenS unbebeutenb. ©ocf) giebt eS einjelne 9tuS* nahmen. llebrigenS müßen bort faft nod) mehr atS in ©djotttanb bie Unioerfität ttDubtin unb bie Queens Colleges ben Stange! an Sättelfchuten erfe^en. ©rofbritannien unb Srtanb. 153 4) ®ie fßrioatfdjulen. 3l;re 3atjt ift tueit größer als bie ber öffentlichen unb betrögt in ©ngtanb woljl 15,000. ©ie freiten fid) wie jene in SKumnate unb £ag= fdjuten unb finb nidjt fetten beibeS jugteidj. fttadj ©inridjtung, ©djüterjafjl unbSBertlj finb fie äußerft oerfdjieben fotasol;! oon ben Bffenttidjen, als unter fid). ©S mürbe aber ßödjft unbillig fein, fie bloß beStjalb, weit fie fßrioatuuternetjmungen finb, als fd)Iedjte Stnftatten ober reine ©elbfpeculationen anjufetjen. 33on nieten mag baS gelten. Slber eS ift bodj ein anbereS, wenn ein tüdjtiger ©djutmann eine Slnftatt grünbet, beren Seitung er gewadjfen ift, als Wenn ein banterotter üötütler eine ©djute anfängt, bie er bnrd) einen Ijatbgebilbeten Setjrer beforgen läßt. Slud) ift eS fein Stadjtfjeit für biefe ©djulen, baß baS perföntidje 3ntereffe DeS 23orftanbeS aufs engfte mit bem ©ebeitjen ber ©d)nte »erftodjten ift. 2>en öffenttidjen ©dritten gegenüber Ijaben biefe Stnftatten ben SSortljeil, baß fie bnrd) teine beengenben ©tatuten ober unfähige tßebörben in ber jDurcfjfüljrung eine« jwedmäßigeit ißtaneS gehemmt werben. @S giebt niete tßrioatinfth tute, bie einen SBergteid) mit öffenttidjen ©djulen nidjt ju fdjeuen Ijaben. SOtandje Ijaben 100 ©djüter unb barüber unb für biefe ein oertjättniSmäßig Weit größeres Setjrerperfonat als bie öffenttidjen. Stuf bie einjetnen ©djüter tarnt beSljatb nie! meljr ©orgfalt ner» wenbet Werben als bort. Unter ben Jtnabenfdjulen fpietett bie eine Hauptrolle, wetd)e auf beftimmte ©yamen norbereiteu. 3 U liefen gehören bie größten, aber and) eine be= beutenbe 3<# Heiner, ©etjr niete ©eiftlidje näiutidj netjmen eine befdjräntte Slujatjt non ©d)ütern in iljr |>auS auf, um fie für bie Unioerfität ober fpe^ielte ©yamen ju präpariren. Sieben ben beffern ©djulen giebt eS aber eine SDcenge mittetmößiger, foge= nannte Commercial Schools, bie faum leiften WaS eine 33ürgerfdjute in ©eutfdjlanb.— Söeit jatjtreidjer als bie Änabenfdjulen finb bie ©djulen für 5Dtäbdjen. ®a biefe faft gar nidjt in öffenttidjen ©djulen erjogen werben, fo ift ein großer ©pietraum für tßriöatunterneljmuugen getaffen. ©S giebt etwa nierttjatbtaufenb 2Rübdjen= inftitute, in benen bie neuern ©pradjen getetjrt werben, ©ie Ijaben immer eine ®ame jur tßorfteßerin, bie in bebeutenberen gäcfjern juweiten non fJadjleljrern unterftüfct wirb, meift aber 1—2 ©ouoernanten jur ©eite Ijat. 3n ben tjötjeren Snftituten wirb im granäöfifdjen, ®eutfd)en, SOtufit, 3eid)nen, 31?aten, ©efdjidjte unb ©eograpljie, ju= weiten audj im Sateinifdjen unb 3tatienifdjen fowie in Staturwiffenfdjaften unterridjtet. ®ie 23itbung, bie Ijier fowie bnrd) ißrioater^ieljung in fo nieten gamitien erreicht wirb, ift eine feljr umfaffenbe unb tiidjtige. ©S ift eine betannte ©adje, baß bie englifdjen 3)amen bnrd) eine feine S3itbung fid) auSjeidjnen. Slber audj im ©eWerbeftanb wirb immer metjr für ßrjietjung getljan, unb für biefen giebt eS eine ättenge ißriüatfdjulen 2. unb 3. ftfangeS. 91un erft, nadjbem non ben 3 fpauptetaffen ber englifdjen ©djute, ben großen 3ltum- naten, ben @t)muafien unb ben ißrioatanftalten ein SSitb gegeben Worben ift, ertjebt fid) bie grage nad) bem retatinen SBerttj berfetben — eine grage, bie an fid) iuteref* fant, in ©ngtanb gegenwärtig bie größte 93ebeutung Ijat. 23iS in bie neufte 3eit tjieng non bem •'©rabe ber 23ilbuug eines SDlamteS nidjt niet ab. ©ie War eine 3' eri5c f e i ne ©tjre, aber nid)t bie SBebingung beS äußeren gorttommenS. SBenn and) bie Ijödjften Stemter in ©taat unb Äird)e ben talentnotlften unb gebitbetften STiännern jufieten, fo würben bodj bie mittleren unb niebern ©tetten nießt natß SSerbienft, fonbern nadj ©unft befe^t. 3tüd)tigteit tjatf wenig, wo ber gamitieneinftnß fetjlte. CUjne norauSgeljenbe Prüfung würben bie Stemter im ©taat befegt unb DffijierSftetten getauft. Stber baS Ijat fieß in ben testen 3atjren geänbert. 3 utt ^^f^ lou^be ein ©yamen für ben inbifdjen ©initbienft (1855) unb batb barauf audj für ben tjeimifdjen, unb ebenfo ißrüfnngen für ben SHilitärbienft angeorbnet. ©ngtanb ift bamit in baS beutfdfe ©eteife getommen unb bie ©r$ietjung8frage Ijat biefelbe fsrattifc^e S3ebeutung gewonnen wie auf bem ©on= tinent. Unb ßrattifdj gefaßt tautet nun bie grage fo: wetdje ©djulen geben bie befte SBorbereitung für bie ©yamen? ®aS ift ber ©tanbpunct, oon bem a,uS oiete bie ganje SrjiefmngSfrage beurteilen. ®ie Slntwort aber ift: bie tßrioatfdjuten unb bie neueren 154 ©roßbritannien uttb Urlaub. ©tjmnafien, bie baS alte ©Aftern oerworfen ober bodj mobificirt Ijaben. 3« bem erften Gioileyamen trug eine neue ©djute bie ißatme baoon unb Gton toar nur burd) ben gweitlefeten in ber ßfeitje ber burdjgetommenen Ganbibaten oertreten. 3n bem lebten competitioen Gyamen für bie SDlilitärafabemie in SBootwidj (San. 1861 ) toaren unter ben 82 Slufgenommeneu nur 3 , bie früher in Gton, Siugbi) unb SBindjefter unb bann in anbern Sluftalten oorbereitet tourben. GtWa 22 tarnen birect auS öerfdjiebenen öffent= lidjen Slnftatten in Gnglanb, ©djottlanb unb Srlanb, bie nteiften Waren gaig ober bod) $ule(3t in ißriüatfdjuten ober burd) ißrioattetjrer oorbereitet Worben. Sfadj fotd)en Steful= taten wirb nun häufig ber SBertlj ber ©djuten bemeffen. Slber eS begreift fid) leidjt, bafj ©djuten, bie leinen anbern .ßuwcf Ijaben, als auf ein Spanten cinjupaufen, anberen, bie ^öbjere 3wede Oerfolgen, ben 9lang abtaufen. Unb foldjer ißriöatfdeuten finb in ueuefter 3 e ^ e * ne SKcnge cntftanben. Slber nidjt alte fßrioatanftatten gehören in biefe (Staffe ber fßauffdjulen. SEBenn aber baS 3 ur ^^P e ^ eri ber öffeittlicfjen ©djulen bei ben Gioil= unb SDtilitärprüfungen leinen begrünbeten SJorWurf gegen biefetben bitbet, fo fragt fid; weiter, ob überhaupt bie Seiftungen berfetben, unb nantentlidj in ben ctaf= fifd^en ©pradjen Ijöljer feien als bie ber 2tag= unb ißrioatfdjulen. ÜDlau lann nidjt täugnen, baff SluSjeidjuungen auf ben Unioerfitaten in großer Slnjaljl oou foldjen ge= Wonnen werben, bie nidjt auf Sltumnaten gebitbet Worben finb, unb baß ferner ber ©tubienplan in ben neueren großen ©djulen umfaffenber ift als in ben alten ©djulen. ©o Wirb benn ben alten Sltumnaten ber SSorWurf gemad)t, baß fie hinter bem gort= fd)ritt ber SBiffenfcfjaften unb ben Sluforberungen ber 3 e ü surüdgebtieben, baß ü;re ganje SDtafdjinerie oerattet unb baju nodj oiet foftfpietiger fei, als bie in neuerer 3 e ü organifirten ©djulen. ©ie Waren bis Oor 30 3aljren faft bie einzigen Ijötjern ©djuten geWefen, Ratten Saljrljunberte lang ben Unierridjt ntonopolifirt, genoßen nidjt bloß einen längft begrünbeten tjotjen Stuf, fonbern and) in iljrett ©tipeubien unb greiftetten Sln= jieljungstraft genug, um fetbft bei innerem SBerfatt i£?re äußere ©tellung nidjt ju üer= lieren. Gben baS madjte fie filier, unb baß irgenb eine reidje unb angefetjene ©orpo» ration fid) oon freien ©tüden reformiren Würbe, ift wotjt unerljört. ©idjer in itjrern Sefilje berfanlen fie in Setljargie ober fträubten fid) gegen Sfeformen. Söie nalje liegt eS liier, ißaratteten jn gieren mit ben Unioerfitaten fetbft, mit ber ©taatstirdje, bem SiedjtSwefen, bem DJiititär = unb SÖtarinewefen, ben Gittj=GorporationeH bis ju ben ftein= ften SDtuuicipalitaten Ijiitab. Unb fo oiet ift gewiß, baß bie alten ©djulen in 9tefor= men Ijinter bicfen binnen ber testen 30 3aljre nidjt jurücl geblieben finb. GS ift bei biefen etwas anbcreS als bei neuen ©djulen, bie burd) nidjtS beljinbert finb, fid) nad) ben beften neuen planen einjuvidjten, ober bei ißrioatf djuten, bie alles mögtidje oer= fließen tonnen, unb Wenn eS ntiSliugt, einfad) eingeljett oljne ©djaben für irgenb jemanb, als ben S3efi(5er. Slber ©djuten, bie SteidjSanftaiten finb, tonnen fid) nidjt auf baS Gpperimentiren oerlegen, ©ie tonnen oou teuerem nur baS 23ewät)rte anneljmen, ifjre Stefornten geljen langfanten ©djritteS boran unb bie grage ift nur, ob fie fid) benfetben öffnen ober Ijartnädig oerfdjtießen unb bamit fidj fetbft baS Urtljeil fpredjen.’ SefctereS nun tann nidjt ßon ben alten Sltumnaten gefagt werben. Sebermann weiß, wie burd) Slrnolbs ©eift bie alten gönnen neu belebt Würben, fo baß fidj Stugbtj unter iljm ju einem 3)iufter=Sllumnat erljob. Narrow ift burd) SSaugtjan erneuert worben, SBindjefter, beffen Slefonn im 3ufammenljang mit ber beS ©djwefter-College in Gantbribge in jiing= fter 3^it bewerfftetligt unb Wo unter anberen einige ©inecuren in bem College in ©ti= penbien OerWanbelt Würben, ift in neuem Slufblühen begriffen. ®aß SBeftnünfter School, bie oor 40 Saljren nodj 3 — 400 ©djüler jäljlte, fe^t nur nodj 124 in itjren SDtaitern fieljt, iß fo begreiflidj, wie ber GpobuS ber Staufteute aus ber (litp. Sine ©djute im fperjett ber ©tabt, umgeben oon SDfauern unb ßtaudjfangen ift nidjt ber befte ißta^ für ein Sltumnat. GS würbe beStjalb in jüngfter 3 e 4 b ' e ©vage tebtjaft oerßanbett, ob bie ©djute nidjt aufs Sanb Oerlegt werben fottte. Slber bie alten SBeftminfterer fträub= tcn fitß bagegen. Slm fdjwerften fdjien fidj baS größte unb erfte alter Sltumnate, Eton ©ropritanmcn uttb Igitlanb. 155 College, ju ^Reformen entfdfliejjen ju Wollen. 3)aß in ben lebten 30 Sauren Biele 3$er= befferungen bafelbft gemad)t worben finb, ift fdjon oben berührt worben. ®aß aber biefe nidjt genügen, wirb gegenwärtig non ^reunb unb jfeinb behauptet, heftige Sln= griffe auf bie Slnftalt werben gegenwärtig uamentlid) im Eornhitt= 2 Jfaga 3 ine gemadjt, aber audj Bon greunbeSljanb merben mandje ©chäben aufgebedt. Unb ©ir 3ol)n SoIe= ribge „einer oon EtonS gebübetften ©öljnen", ber in feinem Sllter feine Siebe 3 U feiner alma mater nid)t Oerloren ljat, fonbern fie nur Bon allen geehrt fel)en Witt, oerbient meljr als bie anbern 33ead)tung. Sr nun flagt, unb anbere alte Etoner mit ihm, baß bie gegenwärtige ©eneration feine fo oBttige 9Jleifterfcf)aft im claffifdjen ©tit, fein fol= djeS tiefes Einbringen in ben ©eift ber Sitten jeige, Wie bie früheren, unb baff fie bei ben ißreisbemerbungen auf ben Unioerfitäten unb bei competitinen Staatsexamen hinter anbern jurücfftefje. Er fielet ben ©runb babon I;au^tfäd>IicEj barin, baß ein Smtor ju biele 3öglinge habe unb bie Fellows bon 3oljnS College als Sefirer nadjrüden, ftatt baß, wie bei anbern Slnftatten, überallher bie tüd)tigften unb erfahrenden ?el)rer gewählt werben. Slud) ift er üBer^eugt, baß anbere gäd)er weit mehr Berüdfidjtigt werben fönn= ten, ohne ben clafftfdjen ©tubien Eintrag 31 t thun. Sr will and) bie gettowS bon Eton College jur 50cittl)ätigfi;it an ber ©(hule hrreinjiehen unb ihnen SSorlefitngen guweifen unb fie mit ben Sel)rern 3 U einem ErjiehuugSratl) bereinigt feiten unb ben Masters bie Äan 3 el offnen, bamit fie, bie eigentlidjen Erjie^er ber ft'naben, wie Slrnolb einft, aud) in ber 5fird)e auf ihre ßöglinge einWirfen fönnten. ®ie Singriffe anberer besahen fid) 3 um $heil auf baS ©efagte, sum £I)eil auf b ' e 8 r oßen Einfünfte beS 9lec= tord (ber atterbingS fo biel Sinfommen hat, als ein S3ifd)of, aber aud) eine WenigftenS ebenfo widrige ©tettung) unb ber Autoren, unb auf ben großen Slufwanb, ben bie Äna= ben madjen n. a. ©obegrünbet aud) biefe Singriffe fein mögen, fo beziehen fie fid) hoch auf Uebelftänbe, bie abgeftettt werben fonnen, nid)t auf ba§ ErsiehungSfhftcm an fid), unb baS ift es, um Wa§ eS fid) hi« befonberS hanbelt. fprioaterxiehungSanftalten mögen ben Slorsug haben, baff bieÄnaben mel)r beauffidjtigt, in ihren ©tubien mehr gefördert unb namentlid) für beftimmte 3wede, für 33robftubien beffer herangebilbet werben. Slber baS fel;en bie alten ©djuleu nid)t als ihre Slufgabe an. §ier werben bie ©ohne be§ SlbelS, ber reichen ©runbbefiher gebilbet, bie Änaben, bie einmal als ©efehgeber im SleidjSparlament, als dlidjter unb ©taatSmänner in bem f)?eid)e, über bem bie ©ontte nid)t untergeht, il)ren ißoften auSfütten fetten. ®ie Erjiehung biefer wirb bal)er anberS fein mü^en, als bie t>on fttlännern für ein beftimmteS §ad). ®8 fommt barauf an, fie ebenfo moralifd) als intettectuett tüd)tig 3 U machen, fte innerhalb fefter ©d)ranfen an felbftänbigeS $>enfen unb freies fpanbeln 3 U gewöhnen, in il)tien einen noblen ©inn, Eharafterfeftigfeit, Entfd)loffertheit, ein @efül)l ber S3erantwortlid)feit, 3 UDev üäßigleit unb Ehrenhaftigfeit 3 U Weden unb 3 U pflegen, ben ©eift nidjt 3 n bämpfen, fonbern un= fühlbar 3 U leiten. S)a 8 ift eS ungefähr, WaS oon ber E^iehung in biefen ©d)ulen erwartet wirb. 3 ur Freiheit unb ©elbftänbigfeit fott er 3 ogen werben, baher Wirb Biet fyreil)eit gelaffen, 3 ur ©elbftänbigfeit geführt. 3m ©ienen fott baS tperrfd)en, in ber focialen ©tettung, bie ber Einjelne in biefem ffinabenftaat einnimmt, baS fßftid)tgefül)l unb bie Ehrenhaftigfeit geübt werben, bie ber ©taat im großen Bon ben SDlännern forbert. $>er Ein 3 elne fott fid) erfemten lernen als 2tt) e ^ e * ne ^ ®an 3 en, als ©lieb in einer langen gefd)id)tlid)en flletlje. fyreiheitSgefühl gepaart mit Stdjtung Bor Sluctorität unb bem gefd^id^tlid) ©eworbenen, ©elbftänbigfeit Berbunben mit ber Unterwerfung unter ben SBitten ber fölajorität, claffifd^e geinljeit neben ©taatSmannSfunft — biefeS alles, WaS bie erften SHänner SnglanbS attejeit auögeseidjnet hat, ift 31 t einem guten £i)Ut eine grncht ber öffentlichen Erziehung gewefen, freilich tttc^t auSfd)ließlidj, benn es fommen auch nod) anbere gactoren in 33etrad)t, befonberS bie Sr 3 iel)ung unb feine ©itte, bie bie Knaben ber höh ern unb gebilbeten ©tänbe in bie ©djule mitbringen, fobann ber 33olfSdjarafter, ber Biele Bon jenen 3ägen im Seime enthält: bie ©elBftän= bigfeit, Unerfd)rodenheit, 3uberläßigfeit, auch bie Unterorbnung unter baS ®efe(}. Slber 156 ©ropritaitiücn unb Sdaitb. tiefe Seime »erben bod) ^aufJtfäc^Iicfj in jenen ©ernten entmicfelt. Unb über biefem @e= »inn bat »an bie ©djattenfeiten berfelben, baß bie mittelmäßigen Snaben »eitig lernen, unb anbereS, gerne überfeben unb gefagt, baß fiir fie biefe ©d;ulen eben nidjt feien. Sind) baS ift als ein S3ortbeil anjufeben, baß b»r bie böberit unb mittleren ©tänbe einanber näher gebrad)t »erben, ob»ol;l bie ©tanbeSunterfdjiebe feineStoegS fidj ganj ocr»ifd}en, unb baß ein faft unzerreißbares S3attb ber greunbfdjaft um Snaben fid} fdjlingt, bie fpäter bie oerfdjiebenften böf;etrt ©teilen in ©taat unb Sirdje betleiben. Unb ge»iß ift eS oon böd>fter 335id;tigleit, baß bem SDrängen auf baS gadjftubiuni ge» genüber biefe Slnftalten eine rein bumaniftifdje SSilbmtg geben, bie auf ber Unioerfttät fortgefebt »irb, baß fie beit Snaben erft jum feingebilbeten Sütanne beranjieben unb bie liberale Silbung öotlenbet feben »ollen, ebe baS ©tnbiuin für ben befonbern ?ebenS= beruf beginnt, ©aber bie befannte (Srfdjeinitng, baß in Suglanb fo häufig Suriften, üDtebiciner unb SDffigiere eine über ihren 33eruf roeit binauSgebenbe 93ilbung, unb »aS bamit jufamnienbängt, ein lebenbigeS Sntereffe für baS SlHgemeine haben. 3n bem ®e= fagten liegen für anbere Sänber manche »idjtige SBittle. @S finb bie Stängel nidjt oerfdjtoiegeit »orben. ©ie finb junt ®b e *t »»l größer als in ähnlichen Slnftalten in ®eutfd)Ianb. Slber baS ©etoiebt, baS auf bie Söilbung beS SbarafterS gelegt »irb, bie Srjiebung jur greibeit unb Unterorbnung jugleidj, bie SBecfung beS ®b rs unb s f3flid)t» gefübls, bie enge SBegiebung in bie ber Snabe 51 t feinem SJaterlanbe gefegt »irb, baS auf ihn fielet, fid) um ihn flimmert, bie 33egcifterung für bie SrjiebungSanftalt felbft, bie genaue Selanntfdjaft mit beren ©efdjidjte, beit großen Scannern, bie baranS ber= Oorgegangen, bie babttrd) angeregte Nacheiferung, fo»ie bie Sldjtung oor bem gefd>idjtlid> ©egebenen — baS alles finb ißuncte, bie alle 53ead;tung oerbienen unb and) anber»ärtS mehr jur ©eltung fomitten bürften. 9fod) ift übrig auf Einzelnes namentlich tntlßergleid) mit ®eutfdjlanb biujit»eifen. ®ie lieb rer an ben höheren ©d)ulen finb in Snglanb meift &beologen, in ©djott» lanb Suriften. Einen befonberen Sebrftanb giebt eS nid)t. Dber genauer gefagt, ba bie UnioerfitätSbilbung »eit mehr eine allgentein bumaniftifdje als fpecietle gad)bilbung ift, fo finb alle, bie ben UnioerfitätScurfuS burdjgentadjt haben, für baS Sebrantt mehr ober minber Oorbereitet. ®ie englifdjen S©b eo l°S en f»b, »enn fie bie Unioerfttät oerlaffen, im ©runbe nur fPhiiaiaseu. ®ie UnioerfitätSprüfungen ttnb bie afabetnifdjen ©rabe eitteS Baccalaureus (B. A.) ober Magister Artium (M. A.) unb ber ebenfalls nur eine höhere claffifdje S3ilbuttg begeidjnettbe ©rab eines Doctor legis civilis (D. C. L.) er» fe^en gemißerntaßen ein pbiloiosifdjeS Eyamen. ®a in Dyforb bie clafftfdjen, in Sam» bribge bie matbematifdjen ©tubien oor»iegen, fo »erben bie bPhilologen gemöbnlidj oon Dyforb, bie 501atbematifer 001 t Eambrioge berufen. SDteift treten bie SCbcoIogcn, nad)bent fie eine ßeit lang als bb*M c 3ifä) e Sebrer functionirt, in baS fßfarramt ein, außer »eittt fie zu einträglicheren ?ebrftetlen emporfteigen. 3 »ifdjen ben ftubirten unb grabuirten Sebrern aber unb ben uidjtftubirten (ben |jülfslebrern, Unterlebrern) ift eine große Sluft, »aS ihre fociale ©tellung uitb ihr Einlommen betrifft. ®ie Uuterlebrer erhalten ihre SBilbung »0 uitb »ie fie fönnen, unb ba ihnen ber Lehrberuf eigentlich nur ein ErtoerbSjmeig ift, fo geben fie audj gerne 51 t einem anberen, einträglidjeren @e= febäft, als ©direiber u. f. ». über. Geben fo »enig ebenbürtig finb bie auSlänbifd^en ©pradjlebrer, bie aflerbingS juitt ®beil tüchtig gebilbete SRänner unb Philologen oon gad) finb, aber jttm großem ®beit Seute aus allen ©tänben, S3olfSfd)itllebrer, bie unter biefen »eit bie beften finb unb meift il» ©lücf machen, bann ©d;reiber, ^anblungS» biener, Seltner, ©djneiber. Slttd) ift baS jubendjriftlidje Element ftarf oertreten, ©ie finb natürlich „pofefforen" ober Doctores in partibus. ©oIr häufig, in manchen ^ßriuatfdjulen fogar Siegel ift. Oie 23efotbung ber Setjrer ift fefyr oerfd;ieben. Oie Rectoren unb Oberlehrer be= fonberS an ben alten ©dfulen haben ein beträd;tlid)eS Sinlontmen, fonft oießeid;t 2. 2 — 300 , g. 01;. aber nur 2. 150 . Oie Outoren ober Sprachlehrer i n Softfd;uten h a & en burhr ju oiel fein möcfite. ®od) bie Superlatipe fpielen inSnglanb über= haupt eine große fßolle, nid)t bloß in ber ©rammatif — unb irreguläre giebt es oiele. 2lHein man muß nicht bergeffen, baß in einem Sanbe, mo überhaupt baS Sdjulmefen auf bem ^ßrincip ber greimiKigfeit ruht, mo fein Schuljmang herrfdjt, anbere Stimuli jum gleiß angemenbet merben müßen als in ®eutflanb bon bem Sdjmefter= lanb lernen fönnte; aber betrachtet man bie Seiftungen im ganzen, namentlich bie ©leidjntaßigfeit ber Seiftungen, fo ftefjt ®eutfhlaub gemiß höh«- SDtandje Slbiturienten in ®eutfd)tanb mürben im Stanbe fein, baS B. A. Spanten in Dpforb ober ©ambribge ju befielen, dagegen berfchlingen bie gadjftubien bort biel halber bie auf ben ©pmnaften ermorbene claffifd)e ®ilbung unb baS Sntereffe bafür als hier* Unb mährenb eS fierlic£> aufjeigen. 23iS sov 30 Satiren war bie ptjere 23ilbung in Snglanb Weit nidjt fo oerbreitet wie in ©eutfdjlanb. ÜDoch auch hier wie beim 23oIlgfd)utwefen ift ein großer UmfdjWung eingetreten. SSiele neue Spulen finb neben bie alten getreten, eg ift ein SBetteifer ent= ftanben jwifdjen biefen unb jenen, gwifdjen öffentlichen unb ißrioatfchulen. ttnb weit hinaug über bie Schranfen ber Sdjulen unb Unioerfitäten gebt ber Strom ber 33ilbung. Deffenttidje SSortefungen ber mannigfadjften 2trt bringen bie 9tefultate ber oerfd)iebenften Wiffenfcbaftlicfjen ©ebiete ben lernbegierigen nahe. 3n foldjen populären Sorträgen möchte Snglanb 23ead)tung oerbienen. Sie ftnb gemeinfaßlid;, ohne trioiat ju werben, ttnb hier nun berühren fiel) bie jwei ©ebiete ber ^B^ertt Siebung unb 23otfgerjiet)ung am nädjften. SDie tüchtigften -Dtänner bitten eg nicht unter ihrer StBürbe, ben 2trbeitern fo gut wie ben SBornebmen bag SBiffengWerthefte aug ihrem fiedelten ©ebiete mitju» theiten. Sg gab nie eine 3eit, wo fo ernftlid; baran gearbeitet würbe, mit beut Sauer= teig ber 23itbung alte Schichten beg SSoXfeS p burdjbringen, wie in ber gegenwärtigen. Sabei geht eg, wie in Snglanb bei allem, langfam oorwärtg, aber fidler. (fp au p t q n el I en: Report of the Committee of Council on Edueation 1860; Census of Great Britain 1851, Edueation in Great Britain ed. H. Mann 1854; Sir S. Kay Shuttleworth on Public Edueation 1847; S. Hoppus The Crisis of Populär Edueation 1847. — Sine große 2In§ahX Reporte über bie ei^elnen Seminarien unb Sdjulen. 2) The Educational Register 1855; J. Timhs School days of Eminent men 1858; Tom Browp’s Sehooldays, by an old Boy; E. E. Creasy Some aceount of the Foundation of Eton College 1848; Sir J. T. Coleridge; On Public School Edueation 1861; Cornhill Magazine 1860—61; und Johnson Eton Reform 1861. Guide to Eton 1860 a List of Eton College 1861. High School of Edinb. Report; Kings College and University College Calendar unb älplidje Reporte unb Spamengpapiere. Dr. 3. 21. SSoigt: SDtittheilungen über bag Unterridhtgwefen Snglanbg unb Schott* tanbg 1860. Dr. 9. Sßiefe, ®eutfd;e 23riefe über englifdje Srjielpng 1852. — Dr. S. Schadet, lieber bag SdjulWefen Snglanbg 1859). ©. Schön. Slachfdjrift. Soeben ift ber längft erfehnte Slericpt ber pr llnterfudjung beS 23oIlgfdpIWefeng niebergefe^ten ißarlamentg = Sommiffion üeröffentlidjt worben. SBäre bieg früher gefächen, fo würbe bie oorliegenbe 2lrbeit nid)t bloß ungemein erleichtert Worben fein, fonbern eg hätten fid> auch oielfadj bie ftatiftifdjen 21ngaben oerooIIftänbi= gen, manche Sermuthungen näher begrünben laffen. So oiel fid) aber bei einem flüd)= tigen Sinblicf in ben ooluminöfen ^Bericht erfehen läßt, fo wirb bie obige 21itffaffung ber SSoRgerjiehunggfrage im wefentlichen beftätigt. Sine SDJinorität ber Sontmiffion glaubt aEerbingg, baß eg beffer geWefen wäre, Wenn fid) bie ^Regierung in bie Srjie= hunggfrage gar nicht gemifdjt hätte; aber bie SDlajorität ift bafür unb bie ganje Som= miffion fieljt in bem Sooperatioe=Shftem ben einjig richtigen SBeg ber Setheiligung ber ^Regierung bei ber ©olfgerphung. lieber bie 2lrt ber ÜRitwirlung, namentlich bie ©ereinfadpng berfelben, 2lugbehnung auf ärmere SDiftricte, aEgemeinere ^Durchführung ber Snfpection unb bergleidjen werben oiele 3Sorfd>Iäge gemad)t, beren Srwägung unb ©enüfsung für bie enblidje Srtebigung ber Srpljunggfrage Sadje ber parlamentarifchen ©erhanblmtgen in ben nächften 3ahren fein wirb. Sine oben (Seite 97) gegebene, auf mühfamen Umwegen gewonnene Schälung per gegenwärtigen Baljl ber ©ollgfdjüler in öffentlichen Sdjulen ift burd) ben Sommiffiongberidjt merlwürbig beftätigt worben. SDie ©efammtphl tourbe für bag 3al;r 1860 auf etwa 1,700,000 Sdjüler gefügt. ®er Sommiffiongberidjt nun giebt für bag Sap 1858 bie 1,675,158. ©iefe oertheilt fich nach ben ^Denominationen auf eine SBeife, welche bie oben öfterg heroorgehobene confefftoneEe SDenbenj ing heEfte Sicht fteEt. 160 ©rofibritamticn uitb ytlanb. ©rufen. I. &onfeffional = ©d)ulen. ®c^aier 1) ©taatdfirdjlidje 1,187,086 2) ©ritifd)e 151,005 3) Sßedlebanifd)e 59,873 4) Kongregationate 33,000 5) Slnbere 32,319 6) Äatholifcfje 85,000 1,548,283 II. 9lid)t conf effiouelte Spulen 43,098 III. ©djulen, toie aud öffentlichen SDlitteln unterhalten merben (©o!baten=, SDlatrofen=, $rmenhaud= fdfulen, fftettungdanftalten) 47,748 Sie ©efammtgahl ber ©djüler: a) in öffentlichen Sagfdjulen 1,675,158 b) in )ßribat=Sagfd)ulen 860,304 3ufaiumen 2,535,462 Sad ©erljalinid ber ©djttler gur ©ebötterung in (Englanb mar 1851 mie 1: 8*36, im Saljr 1858 Wie 1:7-7, maljrenb ed in Preußen mie 1:6'27 mar. Sen ©djutbefud) betreffetib geigt ber Sommiffiondberid)t, baß 24 ißrocent ber ©d)üler gmifd)en 150 bis 200 Sage itnb nur 18*4 ißrocent über 200 Sage im Saljr bie ©djule befudjten, bie größere fpälfte aber meniger als 150 Sage. — Sod) biefe flüchtigen Zotigen müßen genügen. Ser Serfaffer. ©riißcit. Ser @ruß ift nad) 3. 3. SBagnerd, bed ^pijtlofogj^en, Sludbrud bie (Erbietung, mit jemanben in ein ©erljättniö ber Humanität gu treten. (Sr gehört biel= leid)t gu ben älteften Sleußerungeu berfelben. ©o-meit gurüd unb fo tief hinab unter ben ©öllern menfdjlidje Kultur reid/t, fo meit reicht auch ber @ruß. 3öo er aufhört, beginnt bie Hoheit, bie SBilbljeit, bie ©eftialität. (Sr ift eine ntenfd)ltd) theilnehntenbe Slnffradje einanber befannter ober aud) unbelannter, fid^ begegnettber ober fdjeibenber SJfenfdjen. ©rüßen heißt aud) urffrüngtid): anfpredjen, anreben, mie man ja heute nod) jemanben um eine ©adje „begrüßt," b. !;• anfpridjt. — 3e nad) ©olldd)aralter, ©ilbungdftanb, Sebendftellung, fociaten ©erhaltniffen geftaltet ftd> ber ©ruß feljr man= nigfaltig; im allgemeinen aber ift er immer Sludbrud ber mohtmoHenben, freuublic^eti, §öl;eren gegenüber gugleid) bemüthigen ©efinnmtg. Ser 3draetite h fl tte nid £aupt- object bed ©rußed grieben, ©chalom, ber noch ald ©alam burd) bad SUorgenlanb tönt. Ser ©riedfge miinfd)te jjjreube (^aipe = freue bidj!), ber 9?ömer ©efunbheit unb ©tärfe (Salve, Vale!). Ser Seutfdje bringt ©ott gum ©ruß: „@rüß ©ott! ©ehiite ©ott." 3n IatI)otifd)en 8änbern grüßt er im ©olle aud) mit ber Formel: „©elobt fei Sefud &l)riftud!" worauf ber ©egrüßte ermibert: „3n (Smigleit (Simen)!" ober er fefct ©ott unb ben orientalifcfjen ©alam gufammen: „@rüß ©ott mit ^rieben!" — ober er geht gleich anberen neueren ©ölfern bed Slbenblanbed mit bern Sag unb wünfdjt: „@uten SDlorgen, Sag, Slbenb, gute 9?ad)t!" nüfet auch Wohl bie ©egegnung eined Roheren, ftd) „gel)orfamft gu empfehlen," ift bed ©egegnenben „gehorfamfter Steuer," ober madjt aud bem Slbieu bed grangofen ein gebanlenlofed „Slbe!" — Slber burd) alle ©rußformein aller ©ötler Dom „Triebe fei mit eudi!" bed Sluferftanbenen bid gum „Memento mori!“ bed Srappifien Hingen gute, wohlWoHenbe 2Bünfd)e hinburdj. SDlit ben ©rußformelu berbinben fid) aud) bielfad) entfj)red)enbe ©eberben unb (Seremonieu. Slbraljam büdte fid) tief gur Gerbe nieber bor ben brei gremblingen (1 SOlof. 18, 2), eben fo 8ot (1 SDlof. 19, 1), 3alob neigt fid) fiebenmat (1 SD7of. 33, 3). 5D7an umarmte, füffete einanber in 3drael, faßte einanber traulich am ©art (2 ©am. 20, 9). 9?id)tgriißen mar ein 3eid)eu I;öd)fter (Eile. (2 Sön. 4, 29. 8uc. 10, 4). SÖlan neigt unb beugt fid) aud) heute nodj, entblößt bad fpauft, Sriegdleute beuten ©rüßen. 161 menigftenS ben guten SSiKett baju an. SDtatt briidt bem Segegnenben ober ©Reiben» .ben bie §anb, reibt bie jftafe an ber Dlafe beSfelben ic.; man löst Äanonen. OaS ©eered)t enthält ein befonbereS Kapitel ben ©alutfdjüffen, beren 33ermeigerung unter Umftänben ein casus belli merben Jönnte; ber @olbatenJated)iSmuS I)ält ftreng auf SSegrüßung ber Uebergeorbneten nad) ©tanbeSgebüIjr. Oie SSriefe ber Körner fiengen gemöhnlid) mit einem S. D. = ealutem dieit, b. i. einem ©ruße an. 3n ben Briefen ber Slpoftel finben mir immer and) ©rüße jum Jfieil oont reic^ften @eifteSgd)aIt, ent= meber an bie näd)ften (Empfänger berfelben ober burd) fie an einjelne ^erfonen. 9Jöm. 16 enthält faft nur ©rüge, ©o gebjt benn ber ©ruß burd) alte SebenSoerljältniffe l)inburcf), ^o^e unb niebere, heilige unb profane. Oetn ©ruß entfpridjt überall OanJ uub ©egen= grüß ebenfo als (ErforberniS fyumaner ©itte. ,,©d)äme bid), baß bu nid)t banJcft, menn man bid) grüßt," fagt ©irad). SBei fo bemanbten Umftänben tann eS leine jjrage fein, ob bie ($rjiel)ung in 4) aus unb ©djute aud) auf bie ^Begrüßung ihr SlugenmerJ ju ridjten habe. ©d)on bie natürlidje Humanität madjt biefeS jur lßflid)t unb baS Sfyriftentbum als ©runb unb Äraft gottgefjeiligter Humanität fpvidjt baju 3a unb Simen. (EfyriftuS felbft grüßt; fein Söangelium miH liebenbeS Sntgegentemmen gegen jebermamt unb gebietet: „(Einer lomme bem anbern mit (Ehrerbietung jubor." (3föm. 12, 10.) SDlan halte barum bieÄinber im fpaufe frühe fdjon ju biefer Uebung humaner ©itte an. OaS ftiitb tomme ober gelje nid)t ju ober bon ben (Eltern auf längere 3 e 't oljne SDSorgen= ober Slbenbgruß, @rüß= unb 33el)üte ©ott. (ES merbe jeitig gemö^nt, 35er= manbte, Sefaunte, 2$orgefe(3te, 3iefpectSperfonen, auf bem Sanbe aud) jfrembe, auf bem 2Bege braußen auch borübergeljenbe Sßanberer ju grüßen. Oaju lerne baS SSübletn aud) jeitig baS £>ütlein ober Ääpplein jiehen. „SOUt bem £>ütlein in ber fpanb manbert man burd)S ganje Sanb." §einridj IV. oon granlreid) foH ben ©prud) geführt haben: „La main au bonnet Ne coute rien et bon est.“ (jpanb an bie SDlühe Äoftet nid)tS unb ift gar nüge). Sille 9lnti=§ittabjiehbereine, mie loo^I aud) burd) ©rünbe ber ©efunbljeit, ©parfamleit je. geftü(3t, ftnb in Oeutfdjlanb immer an ber ©itte gefiedert unb beren tieferem ©runbe. SDSan halte in ber ©d)ule barauf, baß bie ©djüter ben eintretenben Sefyrer burd) ehrerbietiges Sluffteljen unb mit einer entfpredjenben ©rußformel begrüßen. Gtbenfo menn ber S3orftel)er ber ©djule, ein anberer Selber ober fonft eine Ißerfon bon 2ln= fel)en eintritt. OeSgleidjen mit bem 9lbfd)iebSgruß. fOlan halte aud) bon ©eiten ber ©chule bie ©djüler unb — mit ber gehörigen 33erüdftd)tigung ber 2ßeiblid)!eit — auch bie ©djülerinnen jurn ©rüßen außer ber ©djitle an unb rüge borlommenbenfaüS bie Unterlaffung, fei aud) als Selber ben außer ber ©d)ule begegnenben Ämtern gegenüber nicht gar ju rüdfid)tSboH, fonbern lupfe mol)l je unb je amh einmal felbft bem 33üb= lein, baS bebedten §aupteS borübergeht, baS Ääppletn mit einem freunblid) ernften: r ,3d) braud;e beinen ©ruß nicht, aber bu." Sluf Dörfern erlennt man oft ben ©eift beS Ortes unb namentlid) ber ©chule unb ihrer Pfleger ferdjt gefefidte Seffrer hatte. ©dfon biefe ©djuljeit fönnen mir als beit Anfang feiner fäbagogifdien Saufbafjn bejeic^nen. ©eine Äenntniffe nnb bie friitje 9?eife unb gejligfeit feines GharafterS getoannen itjm baS 3uteauen beS S?eibar 3 teS bitter, ber ihm feine Äinber, 4 Änaben unb 1 3Jiäbd)en, gum häuSlid)en Unterridjt übergab, ein Verhältnis, baS fid) batb fefter fnüßfte unb Bon entfd)eibenber 2 ßid)tigteit für ©ntSSO'futtjS ganjeS Sfeben toerben fodte, benn es befanb fid) unter feinen ©cbülern ftarl dritter, ber nachmals berühmt gemorbene 9?efor= mator ber geograßhifd)en 2ßiffenfd)aften, an beffen bauten fid) in ©utSlDiuthS Sieben fo Biele fd)öne Erinnerungen fnüpfen. SDte Stiftungen beS VefjrerS fteüten feinen Principal BoHfontmen jufrieben, unb als ©utsSÜluthS 1779 baS @t)tnnafium oerließ, um ju ben UnioerfitätSftubien überjugehen, gefdjah es nur unter gegenfeitig genommener Verabrebung, baß ©utSÜDiuthS nad) OoUenbeter ©tubienjeit mieber in feine alte S?el)r= ftette eintrete. ©utsSDlnthS lehrte bemjufolge, naebbem er fid) ju £>atle burd) baS ©tubium ber SStjcologie unb fßäbagogil ju feinem fiinftigen Verufe Borbereitet, in baS 9iitter’fd)e §auS jurüd unb blieb bafelbft aud) als nad) einigen 3al)ren Seibargt Diitter ftarb unb bie SDtutter ihm erflären mußte, baß fte außer ©tanb fei, ihm ferner feinen ©ehalt 3 U 3 al)len. Aber eben h'eburd) erhielt fein Sieben eine entfd)eibenbe Söenbung. ©al 3 mann, meldjer barnalS (1784) feine SrjiehungSanftalt in ©djnepfenthal eröffnete, hatte fich Borgenommen, als erften 3ögling ein begabtes Stinb unentgeltlich auf 3 unehmen, unb mahlte ba 3 u, burd) ein 3 eitungSbfatt auf bie frühe oermaiste gamilie aitfmerlfam gemaebt, ben im 6 .3al)re ftehenben Äarl Flitter. ©utSüftuthS begleitete ben Änaben nebft einem älteren Vruber unb ber SDlutter nad) @d)nebfentl)al, mo fid) batb ein fo inniges Vanb gegenfeitiger £>od)ad)tung nnb greunbfdjaft jmifd^en beiben Sh e den fnüpfte, baß ©a^mann nicht nur ben SBunfcß aitSfhrad), aud) ben älteren ©oI)n bei fid) 3 U bel)al= ten, fonbern aud) ben Siebter, ber il)m fo mohlBorbereitete 3öglinge juführte unb beffen trefflidje päbagogifd)e Vegabung er ertannte, für feine Anftalt 3 U geminnen münfd)te (ogl. SReumann, 3eitfd)r. für attgem. Grbfunbe 1859. Aug. „3ur (Erinnerung an Äarl SKitter Born ®ir. Sramer in fpatte" ©. 210). Sr mad)te ihm ben Antrag, als 3)lit= arbeitet an berfelben 3 U bleiben, unb ©utsSDhiths, ber hier für feinen unternehmenben ©eift einen freieren SBirlungSfreiS erfannte, als ihm eine anbere ©teile gemähten mürbe, gieng in ben gemadjten Vorfd)tag ohne ©d)mierigfeit ein. ©utSSJhtthö ,f;Bon beffen ^auptmerfe, ber @i)mnaftil, mir hier toie billig ^uerft reben, fanbpei feinem Amtsantritte (1785) nur einige geringe Anfänge Bon @t)mnafti! Bor, mie fte Bon SDeffau her mit nad) ©djnepfenthal übergegangen maren. Sr et 3 äl)lt uns, mie ihn ©aljmann, als er il)nt bie S?eitung berfelben übertrug, in baS etma einen 33ücf)fenfd)uß meit öftlich Bon ben feigen SnftitutSgebäuben gelegene S*aubmälbd)en, bie §arb'genannt, geführt unb mit ben SBorten: „bieS ift unfre ©hmnaftif," auf einen geräumigen, ebenen, halb Bon S3ud)en befdjatteten, h a ^ freien )ßla (3 hmgebeutet, ber, für biefen 3med Bortrefflich, bod) erft burd) ©utSSDtuthS baS, maS er jefct ift, ber mohlauSge* ftattete SDlufterptah fitrSSurnen merben foHte, Berfehen mit ben gehörigen Vorridjtungen ju ben mannigfaltigen Uebungen, mie fie mit forgfältiger 9iüdfid)tSnahme auf bie AuSbilbuttg ber einjelnen $h e *f e beS menfdjtidjen ÄBrperS Bon il)m erft erfunben, geprüft unb enblid) in ein BoUftänbigeS ©hftetu ghmnaftifdier Uebungen 3 nfaiumenge= *) 2Jt. Stoß, „3ur Srtnnerung an ©utsAiitthS unb feine ©d)nft«t." SaftB. f. Sitrnlitnß 1859. IV. ©. 251—273, fieüt ©utSfDtuthS Kuvnlehre in einer genauen Ueberfuht äufammen. fall an bie §anb gaben, würbe hier nach unb nadf ju Sage geförbert jurn heiteren Verfuge. ©o mehrten ftd> bie [pauftübungen, [falteten fidj halb fo, halb [o in neue ©eftaltungen. unb Aufgaben, unb traten unter bie oft nicht leidjt augjumittelnben [Regeln, ©o entftanb nad) 7 Sauren in ber erften SluSgabe meiner ©hmnaftil (1793) bie erfie neue 23ear= beitung eines fel)r bergeffenen unb nur nod) in gefd;id)tlidjen Slnbeutungen Borhanbenen ©egenftanbeS."—Sitte 2. lufl. ber ©fmu. erfd)ien 1804 unter bem Sitet: ©hmnaftil für bie 3ugenb, entfyaltenb eine fraftifdje 3lnweifung ju SeibeSübungen. Sin Veitrag Jur nötigen Verbefferung ber lörferlid)en Srjtehung bon ©utsSDJuthS, fürftl. [Reu= wiebifdjem ^ofrat^e unb SRitarbeiter an ber SrjiehungSanftalt ju ©djneffenthal, 2. burd)= aus umgearbeitete unb ftart Bermeljrte SluSg. mit 12 bon bem Vf. gejeidjneten Safein. ©djnfftl)., in ber Vudjh- ber S. 31. 8. VIII. u. 528 ©. — Sine 3. Slufl. neu einge= führt bon 32 . Äluniff erfcfjien in ©tuttgart 1847, nad) beS 3Sf. Sobe. — V5a§ biefeS Vud) [ein foHe, fagt ©utsSRutlfS in ber Vorrebe: „Erinnerung an ein altes fhhfifd)eS ©tärlungSmittel, baS allen [Rationen, felbft ben fyod^cuttibirten ©rieten, einft fo nühlid) loar; Sinfidjt in bie ©ad)e unb Weife Verflechtung jenes 2RittelS in bie oljne 3 w eifel ju fdflaffe Weid)lid)e Erstehung." — ©. l)at in ber 2. 2Iufl. biefeS feines 9ReifterwerlS, in beffen Snhalt tiefer einjugehen hier ber [Raum nicht geftattet r bem ©hfteme ber ghntnaftifdjen Hebungen bie größte Voüenbung gegeben. Sffienig wefentlidjeS blieb feinen [Rad^folgern hinjujufügen übrig, ©elbft bie in ©d)weben burcf) Sing aufgelommene, auf bie organifdjen ©efejse beS menfd)ltehen ©lieberbaueS gegrünbete unb in Seutfdjlanb Bon feinen Süngern, bie ©utSÜRutljS nid)t gelefen, mit Bietern Särm als neu gef rief ene Surntehre enthält, wie Äloß a. a. £>. jeigt, nid)tS r WaS nidjt Bon @uts9Ruthö [d)on beffer unb grünblicher gefagt Worben wäre. — £in= fid)tliat, p einer Dödigen Unmöglichfeit gemorben*). SBenn aber auch attS biefem ©runbe ber *) 2)er einzelne Seprer muß bas Verhältnis ber serfdjiebenen Unterrichtsfächer jur Stufgabe beS ©ansen fetttten, bamit er nicht itt Oefahr fommt, einseine, 3 . 8 . feilte eigenen ungebührlich heröorsttheben unb bie anbern bieKeiipt fetbft Dor ben Slttgen ber ©dfüter unoerftanbig perabäu* fepen; iitfomeit fantt bie fforbernng nicht erlaffett merben, bafj ber Sehrer mit allen UnterridftS* ©lmtnaftatleljrer. 167 bebeutenbe Umfang ber Stufgabe eine Steilung ber Kräfte unumgänglich notl;Wenbig mad;t, fo mitten bocf> jeben falls bie oerfdjieben ahgegweigten £l;ätigteiten burd; ein wahrhaftes inuertictjeS Baub mit eittanber oerbunben fein, in Weldjem ftdj auf eine Wirtlid; organifd;e SBeife bie Sintjeit beS ©t;mnafium8 fetber refjriifentirt. @8 taffen fid; in biefer Begiel;ung jebodj füglich nur brei befonbere 9iid;tun= gen nqd; ben gufammengel;örigcn ©ruppen oerwanbter Sel;rtl;ätigteit unterfd;eiben, bereu einzelne Steile freitid; mieber in oerfd;iebenartiger SJcobification fid) an einanber reifen tonnen. (Sine vierte ©nippe für beutfdje ©efd;id;te unb ©eographie mit Satt» mann [a. a. D. ©. 164 f.] angunel;uieit, erfd;eint nid;t als nött)ig, meint fid; aud; nicht leugnen lägt, baß in ber 2Birflid;feit bisweilen eine foldje in einer Seljrerinbibi» buatität gum Borfd;ein fornntt.) £>er eigentlid;e ©tamm unb Kern ber ©pmnafiat» Sel;rtl;ätigteit, oon welcher ber Unterricht in ber Religion, attclaffifdjen Site» ratur, ber@efd;id;te unb bem 2>eutfd;en itnmöglid; getrennt Werben fann, muß in ber Bereinigung biefer Sefyrfädjer hefteten, wenn eS aud; nicht erforberlid; ift, baß fie jebeSmal in thatfäd;licf;er Hebung bei jeher eingetnen fßerfon üorhanben ift. Slber in ber Borbereitung auf feinen tünftigen Beruf muff ber @t;iiinafiallel;rer bie begeid;neten gädjer notljwenbtg immerfort oor Stugen ^aben; ja, bis gu einem gewiffen ©rabe muß aud; jebe ber beiben anberen ©attungen Oon ©bmnafiat»SehrtI;ätigfeit ein ernfteS ©titbium barauf gerietet I>aben. 9?ur fo wirb baS eigentliche SBefen beS ©t;m» nafiumS in feiner Stiefe unb 2öal;rl;eit erfaßt unb bie innere Gsinfyeit beSfelben lebenS» träftig bewahrt werben tonnen. 31(8 bie gmeite ©nippe finb SD3 atl;ematif unb fftaturWiffenfdjaften gu nennen, bie an fid; ein fo weites unb in fid; reid;eS ©ebict umfaffen, baß aud; für bie bloßen Bebürfniffe beS ®t;mnafialunterrid;t8 faft bie gange Kraft eines 5Dieitfd;en baburd; in Stnfprud; genommen gu fein fd;eint. Stber ber Umfang unb baS »Detail ber Dtaturwiffenfdjaften ift für ben 3® e ^ ©pmnafinmS in bemfelben Btaße mel;r gu befd;ränten als bie ftrenge 9Jtetl;obif unb matl;ematifd;e »DiScipliit öon weit überwiegenbem fffierthe ift. SDiefe aber oerträgt fid; nid;t bloß mit claffifd;er Bitbung, foubern forbert felbft an ihrem Stjeite ein gewifjeS Biaß berfetben, aud; Wenn (eine befonbere Sel;vtl;ätigfeit barin geübt wirb. 3n britter 3?eil;e ftefyt bie Sel;rtl;ätigf'eit in ben neueren ©pradjen. §ier ift eine Slbtöfung ber gäl;igteit unb Betätigung Oon ber altclaffifd;en Bitbung unb Sel;rtl;ätigteit nod; weniger bentbar, unb bie jiingfte 3 e it h at burd; eine mitunter I;öd;ft glüdüd;e Bereinigung beS Sehr» berufS in alten unb neuen ©pradjen eilten großen gortfd;ritt erreicht, ©elbftoerftänb» lid; taun aber überhaupt gwifd;en biefett l;ier begeid;neten Sehrgruppen nur eine relatioe SDrennung ftattfinben. S)a8 Seben unb bie fßrafiS Werben fie in oielfadjer 9)tifd;ung geigen; eS wirb fid; g. B. in oielett galten an ben ©tamm ber erften unb Ijauptfäd;» lidjften S^ätigfeit bisweiten bie SDiatfiematif, feltener bie 9?aturWiffenfd;aft, etwa bie befd;reibenbe (3Jaturgefd;ihte) anreil;en; ober es wirb fid; in ber perfönlidjen Berbinbung halb baS Sngtifd;e halb baS grangöfifdje mit einer Sfyätigteit innerhalb ber erften ober aud; ber gweiten ©ruppe oereinigen. Stur baß ber Kern ber gangen Sehrtljätigteit am ©pmnafiutn mit ernfter Siebe unb treuem Sifer bewal;rt unb oon ben Bebürfniffen einer in fid; gufammenl;angenben, Wirtlid; organifdjeu Bilbung nidjt auf bie fpecieüe gad;entwidlung abgeirrt werbe, ift mit größter ©orgfalt gu üerhüten. »Die gürforge aber für biefe 9fid;tung fc^on in ber Borbilbung beS ©dntlmaituS liegt mehr ben päbago» gifd;eit als ben pljilologifd; en ©eminarien ob, wetd;e lejstere oorgugSweife bie pflege ber alt»clafftfd;en ©tubien, mit mehr ober Weniger Berücffid;tigung ber @pmua= fäcbent ber SHnfialt, att welcher er fleht, hirtlänglich betannt fein foUe. hieju ift aber nicht ltoth» Wenbtg, baß er int ©tanbe fei, ben Unterricht itt allen gadjern felbft git erteilen, er muß ihn nur in allen feiner Seit geuoffen b. h- er muß eine Oottftänbige ©hnmafiatbilbung empfangen haben. SBeun ein ©pntnafiallehrer, bei welchem biefe Bebtngitttg nicht gutrifft, fein 2lmt in einer ber ©efammtaufgabe beS ©hmitafiumS förberlichen SBeife OerWaltet, fo ift bies als eine 31ns» nähme angufehen. SBgl. über biefen fowk anbere huncte ben folg. Slrtifel. ®. SReb. 168 ©ijmnaftatlcljtcr. fien unb iljrer prattifdjen SBebürfniffe, ftc£> 3 um gtele gejtecft Ijabett. (Borläufig mag pier auf bie befannten ©Triften eon BrsoSfa unb £fjaulo», auf grtebemann in ipäbag.. Reoue, 1848, @. 151 ff., auf meine Drganifation bet ©eleljrteufdjule, ©. 94 ff. unb meinen Sluffafs in 3 e ttfd)rift für ©tjmnafialtoefen, 1849, ©. 1—22, lieber abgebrucft in ben „gefammelten ©dtriften", ipaße 1852, oer»iefen »erben; baS Räljere toirb ein eigener Slrtifel barüber geben). ®ie ®d)»ierig!eit, bie offenbar barin liegt, j»ifcf}en biefen Sljätigfeiten baS redjte BerljältniS Ijerooqurufen, fonnte nidjt mit bent Sntfteljen ber ©tjtnnafien er»adjfen, fonbern mußte fidj erft atlmätjlidj fjerauSftetlen. ©o lange biefe ©djulen im ©inne ber Reformatoren bie ©pradjen unb baS Soangelium oor 2lugen Ratten, tonnte banon nidjt bie Rebe fein. ^Diejenige gefdjidjtlidje unb matljematifdje SSitDung, bie unentbeljr» lidj fdjien, fdjloß fid) bamals unmittelbar an bie alten fpiftorifer unb ben Suflib au; eine »eitere SluSbeljuung »ar fcfjon bei bem beseitigen ©tanbe ber literarifdjen 8 eiftun= gen auf biefem ©ebiete nidjt möglidj. 9Ran fann bie gortbauer biefeS 3uftrf eröffnen unb baS außerorbentlidj erweiterte ©ebiet ber Seljrtljätigfeit forberte nidjt bloß eine größere 2tuf»enbung ton Kräften unb ÜRitteln, fonbern audj bie fperfteßung beS geftörten ©leidjgemidjtS burdj Ermittelung beS eigentlidjen ©djtoerpunctS in bem ©anjen. Erft bie 3 eit nadj ben beutfdjen SxeifjeitSfämpfen fonnte Ijierfür frudjtbar gentadjt »erben, unb baS fdjöne Ergebnis ber Bilbung eines eigenen ©tjmnafialleljrerftanbeS frönte bie 3 um Sdjeil großartigen Slnftrengungen auf biefem ©ebiete; mit bem lebhafter eni^fun- benen BebürfniS ergie^lidjer BSirffamfeit trat baS Snftitut ber Elaffenorbinarien fjeröor, beren Aufgabe, ben jyadjleljrern gegenüber, fdjärfer abgegrenst »erben mußte (ogl. Drganif. ber ©eleljrtenfdj. ©. 82 ff.). §atte babei baS pljilologifdje Element, inSbe= fonbere in Preußen unb einigen anbern beutfdjen Sänbern, ein faft auSfdjIießlidjeS Ueberge»idjt befommen, »oburdj fo»ofjl bie eöangelifdje ©runblage beS ©tjmnafiumS beeinträdjtigt unb tljeil»eife in grage gefteUt, als audj bie Srtljeilung beS ReligionS= unterridjtS in ein ungünftigeS BerljältniS gebradjt »arb, fo mußte Bor allen ®ingen bie fjerfteHuitg ber redjten Einheit 3 »ifdjen biefen an fidj unsertrennlidjen Aufgaben bie erfte unb unerläßlidjfte fein, BieÄeidjt ift hierin ber ©üben unfereS beutfdjen Bater» lanbeS in golge gefdjidjtlidj überlieferter Berljältuiffe glüdlidjer geblieben als ber Ror= ben. BBenigftenS muß es in Sßürttemberg ben fünftigen ©djulntämtern Xeidjter gelin= gen, baS tljeologifdje ©tubium in bem erforberlidjen fRaße mit bem yljilologifdjen 3 U öerbinben, ba in ben „eoangelifd)=tIjeologifdjett ©eminarien" biefe Bereinigung bereits bem ©tjmnafialfdjüler 3 um Be»ußtfein fommt unb lebenbig »irb, unb im ©tifte 3 U Tübingen audj jefst »ieber bie bem Seljramte fidj »ibmenben jungen Sljeologen oon einigen tljeologifdjen Sollegien biSßenftrt »erben, »enn audj nidjt ein ©leidjeS bei ben tljeologifdjen 'Prüfungen ber galt ift.*) 3n Uebereinftimmung Ijiermit erflärt fidj benn *) ®ie »ürttemb. Sbeotogen pflegen aber nicht Bloß, »ie in Rorbbeutfdjlanb, brei, fonbern Bier Sabre 31 t ftubiren, biejenigen, »eldje ftd) bem Sebramt »ibmen »ölten, »enigften« nodj ein, meifiens 3 »ei §atbjabre tanger. 3ubem »irb in SB. bie Ißräceptorat«» Bon ber lßrofefforat8»5prüfung mtterfdjieben, »etcb testete allein jutn Setjramt an Dbergbtnnaften (ber ißrima unb ©ecunba in Borbbeutfdblattb) unb ©eminarien befähigt (ogl. b. Strt. 53aijern); ber l)Srofefforatäf 3 rüfung unter» Sieben fidj meift nur fold>e, »etdje ftcb nod) nach ber lluiberfttät, »äbrenb fte fdjon in praftifcber 2bätigfeit ffattben, längere 3eit barauf Borbereitet haben. Stuf baS Eine fei hier nur hinge»»» ©tmtitaitalfeljrer. 169 aud) Ä. 9. ö. fftott) (kleine ©Triften, I, ©. 396—405) fo cntfdfteben gegen 6 rgrei= fung oon Sttaßregeln, tote einen bloß pljttologifdjen Sefyrftanb ^eroorgnrnfen im ©tanbe finb, uadjbem. et ein gletdjed Verlangen fd)on früher (bad @i)mnafialfd)ulwefen in Samern jw. 1824 ttnb 43, ©. 111), freilid) in nacfffter Sejie^ung ju ben fat^olifd^en ©dmien, audgefprod)en hatte. 3Iud) anbere pahen biefe Verbinbung ( 5 . 33. ©üntfyer, bad ©d)ttlwefen im proteftant. ©taate, ©. 345 ff. 355. ©IfauloW, @t)mnafial=fpaba= gogif, ©. 228) wenigftend foweit feftgeljalten, baß bet pfyiioiogifdje i ! et)rer notl)Wenbig jur @rtf)eilung bes fMigtondunterridjtd befähigt fein muß.*) Sefentlid) wirb jebod) bei biefer Verbtnbung beiber ©tubien hetworjttfieben fein, bafj bad päbagogifdje 3ntcr= effe unb 33ewußtfein ein t)eroorfted)enbed fein muß «nb bafj bad Se^ramt am @t)m= nafium nidjt atd ein bloßer ©ttrd)gang gut Pfarre betrad)tet werben barf. Senn ed aud) nidjt ju leugnen ift, baß bad ©djulamt eine gute Vorbereitung aud) junt geiftli» d)en SBerufe fein unb mand)er tsieljäfjrige ©dfttlmann nod) mit großem ©egen im ©ienfte ber Slirdfe arbeiten faun, fo wirb bocf) oljtte Bweifet immer bie äMjrjaljl ber ©tymnafiaHetjrer atd foldje angefeljen Werben mäßen, bie bie ?el)rtl)ätigfeit am @t)mtia= fium jnr eigentlid)en unb audfdjtiejjlidjen Sebendaufgabe bemalten. 3n biefem ©inne erfdfeint ber furf)effifd)e (Maß toorn 3al;r 1847, baß bie tiinftigen @t)mnaftallef)rer bad ©tubinnt ber Geologie mit bem ber pjilologte oerbinben unb in beiben ^adjern ifyr Syatnen madjen mäßen, wenn fie 3lnftettung tjaben wetten (woju bort ff ater nod) bie 33erfftid)tung jur Drbination für atte 9MigtondIeI)rer gefommen ift), wenn berfetbe aud) nid)t in ber Seife, Wie ed in ber ißübagog. fKeoue (1847 V. 16, ©. 372 ff.) gefdfetjen ift, einfeitig unb ungünftig beurttjeitt werben barf, bod) atd eine jn ftarte ^orberung, Weldjer nur öott wenigen in red)ter Seife wirb genügt werben lönnett. (Sin geWißed SOtaß tt)eotogifd)er SSifbung Wirb im ©djutamtdeyanten für atte @t)mna= fiatte^rer ol)ne Uuterfd)ieb, ein I)öl)ered für biejenigen, weldje jur ®rtt)eilung bed 9?eti= giondunterrid)td befähigt fein Wotten, feftgefefet Werben mäßen, ©ie '§auptfad)e inbeffen muß bafür immer auf ber Unioerfität unb burd) bie päbagogifdfen ©eminarien gefdfefyen, bie neben ben pfülofogtfdfen fid) immer me^r atd eine 97otl)Wenbigfeit erweifen werben, ©emt Wenn wir fcfyon barin £>erbft (bad clafftfdje Slttert^um in ber ©egenWart, befott* berd ©. 174 ff.) 3fed)t geben müßen, baß bie ffyitotogifdjen ©eminarien in t^rer gegen* wärtigen ©eftalt nid)t in bad antife Seben einjufütjren geeignet finb, mithin nid)t in ber redjten unb genügenben ©tettung 31 t bem Separate an ben ©fumafien fielen; fo bürfen wir nod) weniger bie Hoffnung hegen, baß bie tiefere Einheit gwifdjen ben feit, baß ein Slieotoge, Wenn feine Steigung ober ^Befähigung jum SehrerBeruf fid) in ber ißrayid nid)t atd attdreid)enb erweidt, Wad im boraitd nid)t immer fo teid)t erfannt werben fattit, fid) bann bod), mit ©rfahrungen Bereichert unb für bad ürddidfe SInit nicht Weniger tüchtig gewor* ben, bem geifttid)en SBerufe juwenben faun. $. SReb. *) ®iefe ©ifferenj fd)eiut und auf .einer grage 31t Beruhen, über Welche bie Steten noch nicht gefd)toffen finb. ®aß bie ctaffifd)e Sßfntotogie feit g. 2 t. SBotf 3U einer bed Kantend würbigen 2Btffenfd)aft 00m 2ttterthum geworben ift, muß anerfannt werben; aber ob nicht mancher junge ^Philologe auf ber Uniberfität, eben Weit er purus putus philologus ift, fid) 51t wenig mit ben ©egenftänben feines Jünftigen ©bmnafiattehramtd, 311 benen nidjt allein bie ctaffifdje ißhüotogie gehört, 31t audfchtießtich mit ber (sit venia verbo!) afabemifdjen iphüotogie Befchäftigt? ob nicht mancher ©bntnafiattehrer in ^Jolge beffen fdjwerer 3ur ftaren ©rfenntnid beffen gelangt, Welcher Stufgabe bie Staffifer int ©hmnaftum bienftbar finb? ob nicht mancher junächft ÜJtithe hat, bad, Womit er fid) auf ber Uniberfität befdjaftigte, jtt bergeffen, um fid) in bad hüteugu* leben, Wad feine ©chüter bebürfeit? ©iefe unb ähutiihe g l ' a 9 e n mödjten nod; Weiter 31t erwägen fein, ehe man ftd) gegen 9 totl)d 2tnfid;t entfeheibet. ©in Siingting, wetd)er iPhdofobhie unb ®heotogie ftubirt, befd)äftigt fich mit ©egenßänben, bie jnr ©eeleitteitung unb ©eetenftflege ge* hören; ein ©bmnaftaltehrer, welcher biefeit fein Sntereffe ttnb Stachbenfen nicht sugewenbet hat, ift mangelhaft für feilten 53 eruf audgeriiftet; bie SttterthumdWiffenfchaft an ftd; wirb fein Sebürfnid in biefer Stiftung nicht befriebigen, ihn nidjt befähigen ju erziehen unb ersiehenben Unterridht 3U geben. — SÜßotfd Stuftet f. in 2 t. SBotf.... b. Struotbt" S 3 b. I. ©. 97 . ®. 9 teb. 170 ©pntnaftallebrer. ©pmnnftum. fo fdjeiubar getrennten UnterridjtSjm eigen burdj tfjre Vermittelung inerte Ijevgefteüt merben tonnen. $Rur mirb man fid; batet bor bem hoppelten 3lbmege ju Ritten traben, einmal, bie ©ad;e in eine bom miffenfdjaftlidjen ©tubium losgelöste Aufgabe rein praf» tifdjer gertigleit unb Uebung (mie ©iint^er a. a. D. ©. 346 ff. borfdjlägt) berlaufen ju laffen, für§ anbere aber ben Umfang ber Slufgabc über ba§ VRaß au§ 3 ubel)uen, fo baff (Sattmann a. a. D. ©. 167 ff. bgt. ©. 197) principieH berlangt mürbe, baff jeber Selber fämmtlid;e ©djulmiffenfdjaften ftubirt fjabe unb in allen ein ebenfo gleich* müßig bolltommener Se^rer fei, ald bie ©djüler gleichmäßig in allen UnterridjtSjmeigen anSgebilbet fein feilen. V3ie nun einmal bie ©adfen gegenmürtig ftefjen, mirb e§ erfor» berlich fein, baß bem fünftigen ©d;ulmanne in ben Har unb beftimmt bargelegten gor» berungen beö ©chulamts» Spaniens Stufgabe unb 3ml feiner ©tubien unb Hebungen Dorgeftecft merbe, bantit fid; jeber ©tubirenbe, ber ein §erj h erb ft, ®aS clafftfche Sllterthum in ber ©egen» mart. Seipsig 1852. S. Mpnaft, ©ie Vereinigung ber principieUen @egenfä( 3 ein nuferem altclaffifdjen ©d;ulunterrid)t. Staftenburg 1856. ©. ©h a «lbtt, ©ie ©pmnafialpäbagogif im ©runbriffe. Äiel 1858. S. 31. 3. Satt mann, Ueber bie grage ber Soucentration in ben allgemeinen ©(pulen, namentlich im ©hmnafiunt. ©öttingen 1860. Ä. @. fieilanb, ©ie Slufgabe beS ebangelifdjen ©pmnafiumS nach ihren mefentlicpften ©eiten bargeftellt in ©djulreben. VBeimar 1860. Unter ben mit bem Stamen ©pntnafium be 3 eid;neten @d;ulen merben biejenigen Slnftalten begriffen, bereit Slufgabe eS ift, ber Sugenb tmrnehmlid) auf ©runb ber Ve= fd;äftigung mit ber claffifd;en Siteratur ber ©riedjen unb fRönter eine höhere Vilbung 3 U gemährett nnb bie beSpalb oft fdjledjtmeg als gelehrte ©d;uten beseidjnet merben. ©tnnnaftum. 171 Setter in ber streiten jgälfte beg feSSgeljnten 3ahrl;unbertS in ©eutfd;lanb auftaud;enbe Spante i[t l;ter aßmähliS ber bei toeitem übertoiegenbe getoorben. ©ie baneben ^ie unb ba erfd;einenben SRarnen Sijceunt unb ‘’ßäbagogium ^aben, unb Ratten in Ij>i51jerem ©rabe in früherer 3eü f einen mehrfaS mobificirten Siebenbegriff, inbent bie mit bem erften SRarnen begegneten Slnftalten Seils eine gtoifd;en bem ©tymnafium unb ber Uni= Oerfüät gefteflte SRittelftufe, toie in SSafyern, tt;eilS ooßftänbigere jene SRittelftufe mit umfaffenbe ©t;mnafien, tote in 23aben, Seils unooflftänbige ©tymnafien (ohne bie oberfte ©laffe), toie in Sßürttemberg bitbeten; bie ißäbagogien aber tfyeilö ooßftänbige, oft gu= gleid; mit einer ®rgiel;ungSanftaIt oerbunbene @t;mnaften ftnb, toie bie gu £>afle, 3üt= lidjatt, ißutbuS befinbtic^en, Seils Stnftatten, toelSe in auSgebehnterem 9Raße auf bie @t;mnafien borbereiten,. toie in 33aben, unb fomit ettoa ben iß r o g t; m nafi en in ißreußen, beren 91 ante (einer Srfläruttg bebarf, entfpred;en. ©od; finben fid; beibe Slattten auS fonft ßie unb ba mit mand;en SRobificatiouen. ©benfo ift ber ©inn beö in oer= fd;iebenen ©egenben gebrausten ÜRamenS ber tateinifSen ©d;ulen ein oerfd;iebener, inbent mit biefem fRatnen, abgefel;en bon ber lateinifd;eu Ipauptfdjule in (paße, einem ooßftänbigen ©t;mnafium, in £>oflanb Slnftalten begeidjnet toerben, toetd)e ittt atigetneinen unfern ©tjmnafien entfpreSen, in SBürttemberg, Staben unb Satyern bagegen fold;e, bie in mel;r ober toentger auSgebehntem ©inn ber untern Stbtljeilung beSfelben gleid)fteßen. Sn Snglanb eutfpredjen ben ©hmnafien bie public schools unb bie grammar schools. Sn grantreid; ift ber SJattte Lycees bafür üblid;, in Belgien ßeigen biefetben Athenees, toogegen in ftollanb mit biefem (extern fRatnen Uniberfitäten im Heineren SRaßftabe begeid;net toerben. ©en SRittelpunct ber nad;folgenben 23etrad;tung bitben felbftoer- ftänblid; bie @t;mnaften ©eutfd;lanbS. ©ie toirb fid; bei ber unettblid)en güße oon fragen, bie fid; bei berfetben barbieten, überall auf bie aflgemeinften unb toefentlidjften, red;t eigenttid; leitenben fßuncte befd;ränfen, inbent fte in adern einzelnen ihre Srgängung in ben betreffenben Slrtifeln finbet. ©ie ©tjmnafien ©eutfStanbS finb, toie oben in bem Slrtifel @etef)rtenfd;ut= toefen bargelegt ift, feit ettoa 50 Salden in einen 3 u f tailb fcer ©ntloidlung unb ber ÄrifiS eingetreten, ber aufs engfte mit ber aßgemeiuen ©ntloidlung auf ben ©ebieten beg öffentlichen SebenS unb ber 2Biffenfd;aft gufammenhängt. ©S toirb nötl;ig fein guttt genauem Slerftänbnig ber oerfd;iebenen (Erörterungen, mit toeld;en toir und im 9iaS= folgenben gu befd;äftigen haben toerben, uns bie toid;tigften SRomente berfetben gu Oergegcmoärtigen. Sn jenem 3eiiraume laffen fiS gtoei ®pod;en oon ungefähr gleidjer ?änge, aber oon fetjr oerfdjiebenem ©haratter unterfdjeiben. ©ie erfte berfetben, toeld;e fiS ettoa bis in bie üßlitte ber breißiger Saläre erftredt, ift eine3eü ber ml;igeu SR eugeftaltung. SBie auf aßen ©ebieten beg öffentlichen llnterridjtö, geigt fid; aud; in Sejug auf bie ©tymnafien eine große fRegfamfeit oon ©eiten ber fiiegieruttgen. 33or aßen attbern entloidelt fßreußen, burd; unerhörte Uttglüdöfdjläge in feiner innent Äraft getoedt unb geftahlt, eine außerorbentlidje ©h^tigteit, bie inmitten feiner äußern ©rniebrigung be= gönnen, nad; feiner glorreid;en Srhebung mit erhöhtem (Eifer mtb außerorbentlidjem ©rfotge fortgefe( 3 t lottrbe. ©ag gefteigerte ©elbftgefül;l beg Slolfg, bag auf aßen @e= bieten ber äBiffenfSdft ertoadjte rege Seben latn ben ißeftrebungen ber ^Regierung ent’ gegen, ©ie preußifdjen ©hmnafien getoannen baburd) einen außerorbentlid;en 9luf= fdjlouug, thrfRuf oerbreitete fid; loeit, bie (Einrid;tungen berfetben fanbett oietfad;e ‘Slad)-- al;mung unb übten überaß einen bebeutenben Sinfluß auf bie ©efammtenttoidluug biefer älnftalten in ©eutfd;lanb aus. Shre« 2lbfd;luß erhielt biefe (Epodje burd; bie toiStigen ^Reglements über bie Prüfung ber ©anbibaten beg höh ern ©d;utamts oom 20. 9lpril 1831, unb über bie SRaturitätgprüfung Oom 4. Suni 1834. ©er ©harafter ber in biefer gangen @pod;e auf bem begeid;ueten ©ebiete h«t-1d;enben SBeftrebungen befteht barin, baß bei entfd;iebenem fyefthalten ber aßgemeinen Stufgabe ber ©tjumafien uttb ftarfem S3etonen ber claffifSen ©tubien als nothtoenbiger ©runblage berfetben. 172 ©ljntnaftum. audj feen übrigen ©tjmnafialbiSciplinen beftimmtere 3'^Ie geftecft unb ein oiel große» reS ©ewidjt beigelegt tmtrbe, als eS bisljer ber galt gewefen war, fo baß fie jenen meljr coorbinirt als fuborbinirt erfetjeinen. 2Benn liteburd) biefe Slnftalten meljr als früher eine Diidjtung auf ein enctjflofäbifdjeS SBiffen erhielten, fo würbe biefelbe nodj oerftärlt burdj ben ©ang, melden bie allgemeine Sntwidlung beS effentlidjen ?ebenS fowoljl, als and} bie SBiffenfdjaft meljr unb mel^r naljnt. Unter bem ©dju(je eines nadj langen Kämpfen eingetretenen fegenSreidjen griebenS erljob ftd) auf beiben ©ebieten ein ungemein reges Seben, baS fidj auf jenem in einer Bon Sage gu Sage mäd)tiger aitwadjfenben inbuftrieöen S^ätigfeit, auf biefem in ber nadj allen (Seiten Ijht fidj auSbeljnenben unb immer forgfältiger in baS Singeine eingeljenben gorfdjuug geigte. Sie gadjwifffenfdjaften wudjfen immer meljr an 3 a hl unb an SluSbeljnung unb mit iljnett fteigerte fid) ber SßiffenSftoff ins tlnenblidje, gugleidj audj baS ©treben, bemfelben in bem Uuterrid)t ber Sugenb überhaupt, namentlidj aber in ben @t)mnafien, als ben bamalS faft eingig oorljaitbenen Ijßljern UnterridjtSanftalten ©eltung gu oerfdjaffen. Sine früher nidjt gefannte äßidjtigfeit gewannen oorneljm» lidj bie fftaturwiffenfdjaften tljeilS burd) ben außerorbentlidjen Sluffdjwttng, ben bie ifmeu gugewanbten gorfdjungen naljmen, tljeils burd) bie Bon Sage gu Sage wadj= fenbe Seceutung berfelben für baS praltifdje Sebeu. Sie hieraus refultirenben $or= berungen au baS ©tjmnafium waren bereiter Slrt. S5on ber einen ©eite oerlangte man „ben Unterridjt in ben ©tjmnafien meljr nadj ben SBebürfniffen ber nidjt ftubirenben Sugenb einguridjten, unb gu bem Snbe ben Unterridjt in ber UJfatljematil unb in ben fftaturwiffenfdjaften mit gleid)em IBorguge unb gleicher ©rünblidjfcit Wie ben ©pradj» unterridjt gu beljanbelit, unb bie neuern ©fracfjen meljr gu berüdfidjtigen" (£)aupt= puncte eines SlntragS beS fdjlefifdjen IßrooinciallanbtagS im 3aljre 1831; f. Dfönne II, 139.), Bon ber anbern ©eite naljm bie ©efjanblung beS ©tjmnafialunterridjtS unb ber iljm bienenben |)ülfSmittel immer meljr ben Sljarafter beS gadjwiffenfdjaftlidjen an. 3)fan tradjtete bie mannigfaltigen neuen in ben SBiffenfdjaften gewonnenen Dfefultate für bie ©djule gu BerWertljen. SBenn bieS Bon allen SiScipIinen galt, fo trat eS am ftärlften in ben claffifdjen ©tubieu, bie burd; griebr. Slug. SBolf einen mädjtigen SmpulS, aber gugleid) baS ©epräge einer gadjwiffenfdjaft erhalten I)atten, l)erBor: fie naljmen überwiegenb eine fßecififdj pt;ifologtf(f)e, namentlid) grammatifdjdritifdje Färbung an. @o wud)fen, je meljr tüchtige unb eifrige Seljrer an ben ©tjmnafien angefteOt Würben, befto mel)r bie Stufprüc^e, bie fie, eilt jeber in feinem fyadje, an ben Unterrid)t ftcUten: biefer Berlor meljr unb meljr feine innere baS Singeine gufammenljaltenbe Sin» Ijeit. Sie natürlidje ffolge baoon war, baff bie ©efammtrefultate beSfetben ben barauf gewanbten großen unb aller Slnerfennung werden 33emü|iuugen nidjt entfpradjen, ja baß atlmäljlid^ tro(j aller erworbenen Singelfenntniffe eine Slbnaljme beS wiffenfdjaftlidjen 3ntereffeS bei ber 3ugenb fid) bemertlidj machte, hierauf unb auf bie ©rünbe biefer Srfdjeinung mit Sntfdjiebenljcit IjingeWiefen gu Ijaben ift baS bleibenbe USerbienft beS im 3aljre 1836 erfd)ieueuen StuffajjeS oonDr. Sorinfer „gunt ©djujje ber ©efunb» ^eit in ben ©djulen." Sr beginnt bie gWeite Spodje, bie Sfodje ber Prüfung beS 99efteljenben, ber SReformbeftrebungen, ber Dleoifion. Sie baburdj IjerBorgerufene große Bewegung ift nur baburdj gu erllüren, baß er, wenn audj tljeilS übertreibenb, tljeilS in Singelnem irrenb, eine Uebergeugitng auSfpradj, bie in bem allgemeinen 93ewußtfein mit meljr ober weniger S'larljeit Borljanben war. Sr gab ben Slnftoß gu einer großen Slitgaljl Bon ©djriften, in benen eine fjülle oerfdjiebener Slnfidjten gitm SBorfdjein !am. ®on praftifdjer 23ebeutung war inbeffen gunädjft nur bie baburdj Ijerbeigefiiljrte Wefent» lidje görberung beS fdjou früher Ijie unb ba Ijeroorgetretenen 93cftrebenS, jener gor= berung, „ben SBebnrfniffen ber nidjt ftubirenben Sugenb" burdj ©riinbung Bon IjBJjern 33ürgerfdjulen ober Dfealfc^ulen geredjt gu werben. Siefe, in weldjen jene in bem oben angeführten Slntrage beS fc^Ieftfdjen fßrooinciallanbtagS Ijeroorgeljobenen Un= terrtdjtSgegenftänbe, fDlatliematit, 9?aturwiffenfdjaften unb neuere ©pradjen iu ben 93or= 173 tergrunb traten, erwarben fid) eine rafd) an SluSbeljnung gewinnenbe ©unft. 68 ent= fpamt ftd) ein lebhafter SNeinungSfnmf'f über ben SBertl; unb bie (Stellung biefer neuen Inhalten ben ©hmnafien gegenüber, gier biefe felbft hatte jene burd) üorinfer angeregte ©eWegung juuädjft feine wefentlid)e golgen. gür bie preußifhen ©hmnafien »jurbe fie burd) bie SDfinifterialberfügung bont 24. £)ct. 1837 jum Slbidjluß gebradjt, in welcher Diel treffliche SBeifungen enthalten finb, woburd) aber ba 8 in ben befteljenben 6 inrid)= tungen borijanbene Söebenflidje nid)t gehoben inerben tonnte. Slud) beruhigte man fid) babei, baß eben Jene (Sinrichtungen bem „‘jßrincih" beS ©hmnafiumS im wefentlid)en burdfauS enttyrehenb feien. 35ieS gefdjah namentlid) in ®einl)arbtS befanntem SBerfe (f. oben), ioorin freilid), ber bantalS herrfchenben Dichtung entfpredjenb, bei Weitem mehr bie au 8 bem angeblidjen iß rin dp be 8 ©hmnafiumS abgeleiteten gorberungen i't 8 luge gefaßt würben, als ba 8 in bem SBefeit ber Sugenb begrünbete ©ebürfnis, welches bod) ber tebenbige SÖiittelpunct aller biefeS ©ebiet betreffenben gragen ift. Snbeffen fam man auf bem ©ebiete ber claffifdjen ©tubien ooit frühem SDJaßlofigfeiten mehr unb mehr jurüd. ^Dagegen traten bicfelben in ©ejug auf ben beutfc^en llnterridjt unb bie ®efd)id)te in immer fteigenbem ©erljältniS auf: ju weldjeit übertriebenen gorberungen berirren fich nicht bie übrigens biet SrefflidjeS entl)altenbcn ©djriften bon §iede über ben beutfd)en Unterridjt (1842) nnb bon iß et er über ben ®ejd)id)t 8 unterrid)t (1849), bie gteichfam als bie äußerften ©pitsen ber nad) biefen beiben ©eiten gehenben 9iid)= tungen gelten fonnen! ÜDiefe 6 ntWidlung l)ieng auf baS engfte mit bem allmählich immer fräftiger erWad)ten beutfd)» nationalen ©ewußtfein jufantmen. ®iefe 8 führte halb ju SBeiterem. ®ie Slnfidjt, bie Söd)lt; in feiner 1845 erfd)ienenen ©djrift über baS tßrin» ciß beS ®hmnafialunterrid)ts als „unläugbare SST^atfadie" htnfteüte, baß unfer @hm= uafialunterridft mit bem ßeübeWußtfein im SBiberfhrud)e ftel)e, war in ber ®h at e ' ne fehr berbreitete unb führte eine 2 )?enge ber berfc^iebenften 53 orfd^Iäge 51 t Ncfornten h er= bei. ©ie giengen ade barauf hinaus, fenen angeblid)en SBiberfprud) 31 t befeitigen, bor= nehmtid) burd) SluSfößnung beS Realismus, ber mehr unb mehr an ©eltung gewonnen hatte, mit bem Humanismus nnb burd) ftarfe Herborhebung beS Nationalen. 68 tonnte babei natürlich nidtt abgehen ohne bebeutenbe ©efdjräufung ber ciaffifdjen ©tubien, bereu SBcrtl) für bie höhere Sugenbbitbung man inbeffen uteift bereitwillig an= erfannte; man hoffte burd) berbefferte 9Jtett)oben, llmgeftaltung ber bisher befolgten 6 inrid)tung berfelben, gefteigerte geiftige Inregung 3 U erfeßen, WaS ihnen äußerlih ge= nommen Würbe. 68 entftanb bie 3bee beS ©efammtghntnafiumS, bie bei bem im Satjre 1848 aud) auf biefem ©ebiete atigemein herbortretenben ®ränge, baS bermeint» lid) unhaltbare Ute neugugeftalten, eine große 3 a hl Con NeorganifationSßtänen für bie ©hmnafien herborrief. 6 ine l;öd;ft berbienftlidje unb lehrreiche gufammenfted luug berfelben finbet'fid) in SDiü^cllS „ißäbagogifdjen ©fijjen bie Neform ber beuifhen hühevn ©djulen betreffend' (ßeitfdjrift f. b. @. SB. IY. 817). ®iefe, unter eiuanber bielfadj abweidjenbeu, bie bisherige Gsinridjtung ber ©hmnafien aber beüig umftürgen» ben S3orfd)täge, in benen fid) faßt ohne SluSnahme eine auffaüenbe ©erfennung ber Wefentlid)ften ißrincipien ber ißäbagogif offenbarte, giengen bornehmlid) bon Hannober, ©hteSWig»Halftein unb ©ad)fen auS unb fanben bort ga^lreid^e unb Warme ©ertreter. 3u ©reußen gieng man, obwohl aud) bort bie Infidjt, baß „eS in nationaler unb politifdjer Hiafidjt wünfdjenSWertl) fei, baß fortan biejenigen, Weldje eine häh ere Silbung erftreben, ein unb benfelbeit Unterricht erhalten" weit berbreiteten Singang ge= funben hatte (f. ben ©erid)t über bie ©erfammlung ber ©djulmäuner ic. in Halle in ber 3tfd;r. f. ©. SB. II., 821 ff.), bod) niht Weiter als ju bem ©orfdjlage eines ge= mcinfamen Unterbau’S für baS ©hmnafium unb bie Neatfdjule. ®iefer bilbet bie ©runblage beS auf ber 1849 in 33ertin gehaltenen ^anbeSfdjulcouferenj borgelegten unb angenommenen NeorganifatioitShlanS. Snbeffen trat bon aüen jenen S3orfd)Iägen unb Ißlänen, wenn man bon bem burd) Dr. Haufhitb in ^eipjig gegrünbeten „mobernen ©efammtghmnafium", baS feine größere ©ebeutung gewonnen hat, abfießt, nidjtS ins 174 (Sptnnaftum. Beben. ®od) würbe ber ©ebanfe eines gemeinfamen Unterhaus für baS Dber- ©hmnaftunt unb bie 3tealfd)ule bei ber Sfeorganifation biefer Slnftalten in Defterreid) feftgeljalten unb burdjgefütyrt (f. Sntwurf ber Drganifation*ber ©pmnafien unb 9teal= jaulen in Defterreid), SBien 1849, umani= tätsfd)ute." „2Bir lehren Eins,' 1 fagt er, „Sateinifd) unb ©riedjifd)." Er rebet bon einer „principietten 3ted)ttofigleit ber übrigen StiSciplinen bem SSefen beS @t)m» nafiumS gegenüber." greitidj meint erS fdjtießtid) nidjt fo fd)lintm. 3 ut, äd)ft nimmt er bie 3K a 11) e m a t i! atS einen integrirenben Veftanbtt)eil ber cfaffifd)cn ©tubien (©. 76) in Slnfprud) unb rettet fie fo für baS ®t)mnafium, WaS Woht ben meiften feiner Sefer fet)r munberlid) borlommen wirb. 9tber aud) fonft weicht fein Sftormat» ftunbenptan nicht Wefenttid) bon ben in ben meiften 9tnftatten hergebrachten ab. £>iefe testen Vemerlungen führen bon ben gegebenen tjiftorifdjen Stnbeutungen gu allgemeinem ^Betrachtungen. ©ie geigen narnlid) einerfeitS bie große tlnfidjerljeit unb baS Vebenttidje jener tl)eoretifd)en Eonftructionen beS ©pmnafiumS aus feinem Vegriff ober tprincip, bie in neuerer 3dt fo oft in mehr ober Weniger bottfianbiger VSeife ber» fud)t worben ift, unb Worin fogar biete einen bebeutenben ffortfdjritt auf biefem ©ebiete gu fehen glauben. SMefer 2lnfid)t liegt ein böHigeS Vertennen beS SBefenS ber ©djute überhaupt gu ©runbe. S)iefe ift ein tebenbigeS Element beS großen ©efamrnt» Organismus, welchen ein Voll bilbet, unb als foldjes fetbft ein tebenbiger DrganiSmuS, wie ber ©taat, bie Äirdje, bie Familie, aus benen fie t)erborWad)St unb mit benen fie in tebenbigfter SBedjfetwirlung fleht, ©o Wenig fid; biefe in wahrhaft wirlfamer SVeife nach begrifflichen EntWidtungen conftruiren taffen, unb fo nadjtheitig bie SBir» lungen für ihre Eyifteng gewefen finb, wo man eS, Wie eS in neuerer 3dt oft genug 176 ©pmnaftum. gefd)el)en ift, nad) abstracten fßrincipien ?u conftruiren unternommen hat, fo wenig ift bteS bei ben ©d)nlen ber 2 Beg, auf meinem §>eil für biefelben $u erwarten ift. $>iefe werben um fo wirffamer für bie ©efammtentwidlung ber 3 ugenb, je enger fte fid) an= fd)ließen an baS in beut großen ©efammtorganiSmuS, bem fie angeboren, tebenbe 33e= Wußtfein, je niefir fie baoon getragen werben. 2)ieS ift eS borne^mlid), Wad ben eng= lifdjen public Schools, wie ben Württembergifdjen lateinifdjen @d)ulen unb ©eminarien, um einige Veifpiele anäufüfiren, eine fo tüdjtige SBirtfamteit fiebert, unb mit boßent fß'edjte ratfyen bie einfidßigften SDtänner bei aller Slnerfemtmtg mancher ©infeitigfeiten unb SDlängel berfelben bon tief greifenben 3Ienberungen ab. 3Bo aber 9?eugeftaltungen nbtijig geworben finb, ift nidjtS nötiger als ein taltöofleS 2l6wägen ber burd) ben beab= fidjtigten 3^ed bebingten Sßebürfniffe einerfeitS, unb ber fowoljl burd) bie Sftatur ber Sugenb als and) burd) bie in bem gefammten 3 e tl = unb $olfS bewußt fein gebotenen gorberungen. 3 e befonnener biefe brei fRiidfidßen erwogen werben, je botl= ftänbiger fie 31 t ibjrent 9ted)te fomnten, befto fegenSreidjer werben bie getroffenen 6 in= rid)tnugeit fein. SRur ju oft aber ift ihnen in neuerer 3 e *t ltid^t bie gebüljrenbe 3luf= mertfamfeit ju 21;eit geworben; nur 31 t oft finb nadj allgemeinen Theorien Vorfdjläge jur Umgestaltung ber ©d)ulcn überhaupt unb ber ©pmnafien inSbefonbere gemad)t Worben, bie aud) l)ie unb ba, wie uamentlid) in SSapern, ju ben mannigfaltigften unb nad)tl)eiligften Spperimenten geführt, überall aber wefentlid) baju beigetragen haben, eine güße r>erfd)iebeuartiger 2lnfid)ten ju »erbreiten unb baS aßgemeine Vewußtfein über bie auf biefeS ©ebiet bejüglidjen fragen unfid)er 3 U ntadjen. Unb baS ift nidjt 31 t »er= wunbern: benn es ift in berSfiat eine ber fdßoierigften Aufgaben, bie es giebt, bei ber unenbiidjeit ÜÜtannigfaltigleit ber VilbungSelemente unb VilbungSforberungett, Welche fid) in ber neuern 3 e 't cntwidelt ^at, fowie bei ber namentlich in 2 >eutfd)lanb mel)r uttb mel;r gefteigerteu fubjectibiftifd)en Diic^tung unb ber Neigung ifjr nadjjugeben, eine foldje ©inridßung I)injnfteßen, wobitrd) jenen »erfdjiebenen 9iüdfid)ten ©enüge gefdjefien ju fein fdjieite. 233ir werben nnS in ben nad)fo!genben (Erwägungen bemühen, einer jeben berfelben ntoglid)ft geregt ju werben. gragen wir nun juerft nad) ber Aufgabe unb bem 3 tDe ^ ©pmnafinms, fo ift baSfelbe »on ber 3 e *t an, Wo eS 3 U ©tanb unb SBefen gefommen ift, mit ber Uni* »erfität in engfte Sejiefyung gebrad)t worben unb fiat als VorbereitungSanftalt für bie* felbe gegolten. Äurj unb biinbig fteßte Sfroßenborf als 3 ^ feiner ©d)ule auf, „baß bie Änaben gerüftet Werben, barnadj in fofen gacultäten ju ftubiren Theologia, Me- dicina, Philosophia unb Jurisprudentia" (f. Sfaumer I, 217). Unb Wenn ©turnt baSfelbe als sapiens atque eloquens pietas bejeid)net (ebenbaf. 235), ober grande eS „in ber wahren ©ottfeeligfeit, ben nötigen 2Biffenfd)aften, einer gefdjidten Verebfandeit“ finbet (f. 33b. II, Slrt. grande @.433), ober fperber in ber „aßgetneinen menfd)Ud)ett 33ilbung“, in ©egenfah ber Vorbereitung auf einseine ©tänbe, fo finb fie Weit baöon entfernt, jene enge Verbinbung ju IBfen: fie ift il)nen felbftnerftänblid). (Sbenfo liegt biefe Slnfdjauung aßen auf biefe Slnftalten bejügtirfjen ftaatlid)ett Slnorbnungeu unb ©in* rid)tungen 31 t ©runbe; fie briidt fid) in bem ßfamen „©elefrtenfdjulen“ beutlid) aus, ben man benfelben 3 U geben pflegt, unb ben 33enefe (fßäbagog. 2 , 526) mit Unrecht tabelt, „weil nur ein fefr Heiner S^eil ber auf biefen ©d)ulen 3 U bilbenben für bie ©eletjrfamfeit beftimmt fei.“ *) ®iefe 3lnfid)t, baß jene enge Stufung beS ©pmnafiuntS *) $aS SBort „gelehrt" barf in biefer SSerbinbuug nicht in bem ©inne gepreßt Werben, Wie eS neuerbings gefthehen ift, baß ber ©eiehrte bem ©ebilbeten entgegengefebt Würbe; ©etehrfam* feit War für jene 3eit, ba ber Stame gefepaffen würbe, fo jiemlid) ibentif^ mit höherer Vitbnng (man Oergleidhe bas lateinifche doctrina), unb biefe pßegte man eben in ber SBiffenfchaft, b. h< nach bem gewöhnlichen ©ange auf ber Uniberfität gu fuchen. $er Stame „gelehrte Schule" (richtiger als „©elehrtenfchule") ift aber infofern bequem, als er bie emsige gemeinfchaftliche Ve* jeichnung für bie berfd)iebeiten gönnen ift, in welchen biefe Slnftalten ins Heben treten, ©hmnaften, Spceen, lateinifche ©chulen jc. 2). SReb. ©lnnnaftum. 177 3 m- Unioerfität nid)t als fein mefeutlidjer ©haratter feftju^alten, unb ihm oielntehr ein felbftänbigeS 3> e l fteden fei, ift in neuefter £eit mel)rfad) heroorgetreten unb Ijat fo= gar lebhafte SHScuffionen ^erbeigefiilirt. EM^ell (3tfd)r. f- ®- 2Ö- IV, 873) be= geidjnet eS als einen „3rrthum, Wenn man baS ©hntnafium— als ©anjeS betrautet — baburd) djarafterifiren gu tonnen meint, baff man eS nur als allgemeine VorbereitungS* anftalt ju allen wiffenfdjaftlidjen Stubien bejeidjnet. @S fei eben fo ftd)er unb wid)tig, baff baS ©hntnafium ju einer tiefem Auffaffung beS nationalen 8 ebenS in feiner 23e= fonberljeit unb in feinem ßufammenfyange mit ber ©efammtentwicfeluug beS SDtenfdjen* gefd)led)tS oorbilben foE." ©benfo meist Söiefe (@et§er’S )ßrot. SDitSbl. 2, 306) jene Annahme juriid: „baS @t)mnafium tonne ben Anfprud) mit feinen Unterrid)tSmitteln and) eine relatio abgefd)loffene Ijö^ere Vilbung mitgutljeilen nid)t aufgeben." ®iefe= bredjt (3tfd)r. X, 147) fieljt in Jener oon Siubolf o. fftaumer in feiner befannten Ab* Ijanblung über ben beutfdjen Unterridjt (SRaumer, ©efd). b. ipäb. III.) auSgefprodjnen Anfid)t öon ber Veftimmung beS ©hmnafiumS gemiffermafjen einen biefen Anftalten an* getanen Sd)impf, ben er mit fperbigfeit äurücfweiSt. „3)ie @t)mnafien fdtliefien allerbingS" meint er, „bie Söilbung ab, Weldje fie gewähren, nämlid) bie allgemeine, ober wenn man will, enct)flopäbifd)e, nur nidjt wie ber Sob baS animalifdje Seben, fonbern wie ber geierabenb bie 9Jienfd)enarbeit beS SageS. 0b bie Weitere Vilbung ber 3öglinge burd) bie Unioerfität ober burd) eine anbere Anftalt ober wie fonft gefd)el;en foll, barüber haben nur jene felbft unb ihre Angehörigen ju entfd)eiben." Stebjrtlidj Äühnaft a. a. 0. ©S ift in ber 311)at fd)Wer ju begreifen, wie biefer ©egenfafj gegen jene althergebrachte Anficht, namentlich in foldjer Schroffheit fid) entwideln tonnte. 3ft eS benn etwas fo geringes jur Unioerfität b. h- jur felbftänbigen ^Betreibung ber 2Biffenfd)aft oorjubereiten? 0ber fd)ließt biefe Vorbereitung einen relatioen AbfdEufj ber auf bent ©hmnafium ju ge* währenben Vilbung auS? üiegt barin eine Abweifuttg irgenb eines (Elements, baS ättüjseE in feiner gormulirung ber weitern Aufgabe beS ©hmnafiumS ihm juweifen ju rnüßen glaubt? ©ewifj nicht (f. bie Raffung beS ©nbjielS beS ©hmnafialunterridjtS in bem Art. ©oncentration beS UnterridjtS I, S. 855). ®aj 3 man burd) bie ©ntwidelung ber leijten 3 al)rgehnte getrieben würbe eine fotdje genauere fjormulirung ju fud)en, ift be= greiflid), aber eS ift üon ber größten 2Bic^tigfeit, baff baburd) jenes Verhältnis oeS ©hm* nafiumS jnr Unioerfität nid)t alterirt werbe. ®enn hieburd) ift in ber 27) at f e > n ©haftet unb bamit aud) feine 6 inrid)tung im wefentlidjen aud) heule nod) feftgefteUt, wie beibeS gefd)id)tlid) baburd) normirt Worben ift, unb 3E)aulow l)at 9ied)t, Wenn er (@t)mnafial> päbagogit S. 202) eS ein „für baS ©rfaffen beS VegriffS beS ©hmnafiumS unb befoncerS für bie ©arfteBung beS ©hmnafialunterriditS unb ber ©hmnafialbiScipIin unenblid) ein* fluf?reid)eS 9refnltat nennt, baff baS ®t)mnafium nur eine ßlementarfchule ift unb bieS eher mei)r als weniger als bie VolfSfd)ule unb bie gemöl)ntid)e SBürgerfdjule." AuS biefer Auffaffung beS 31elS h a t man Don jeher bie ©egenftänbe unb bie SDtethobe beS ©hmnaf:aluuterrid)tS mit Sicherheit ableiten tonnen, fidjerer als auS ben neueren gor* muiirnngen. ®aß bei weitem nid)t aEe, welche auf ben ©ijmnafien gebitbet werben, jur Unioerfität übergehen (für bie ^reußifdhen ©hmnafien beredjnet Sanbfermann a. a. 0. bie 3<*h l ber le^tern auf ein Viertel jener ©efammtjahl), änbert im ^rirtcifp biefer Anftalten nichts, unb eS ift nicht jujugeben, baß, wie Sanbfermann an ber ge* nannten SteEe auSfpridjt, wenn für ben Seljrplan berfelben biefeS fPrincifj feftgehalten Wirb, bie großeSRehrjahl ber @t)mnaftaften einen jwecfwibrigen VilbungSWeg gehen. SBenigftenS finb biefer Anficht Weber bie Vehörben noch eitt Stoßer 2E)eil beS ^ublicnmS, bie bem @t)mnafialunterrid)t aud) abgefel)en oon etwa fpäter baran ju fd)ließenben Uni= oerfitätsftubien auch heut e uod) einen hoh en Sßertl) beilegen. ®aS 3tid)tige trifft in biefer Vejiehung 3t. o. ütaumer in feiner ©rwiberung auf ©iefebredjtS Anflagen (3tfren 2Bertf) itr ftd; feit)ft hat, unb beSljalb fitdjen oiete Säuglinge tijeitS auf Befehl beS ©taatS, tfeitS auf ben SÜSunfd) ihrer Angehörigen, fid) menigftenS biefe erfte üorbereitenbe fiälfte bet höh ern Bilbung anjueignen. Auf biefe Sünglinge, jumal toenn il)re 3al)l burdj be= fonbere Verhättniffe fetjr anmäd)St, fiat baS ©hmnafium bei feiner Sinridjtung 3 .33. bei ber Vertheilung beS 2eI)rftoffS einige 9?üdfid)t 3 U nehmen, natürlid) mit bem Vorbehalt, baff ber angegebene, unbeftreitbare fpauptjtoerf beS ©t)mnafiumS barunter nid)t mefentlid) leiben biirfe." ÜDiefe Anficf)t ift um fo entfdjiebener feftjufialten, als burdji bie überall ja^Ireid) eingerichteten Sftealfd)ulen mannigfaltige ©elegenfeit gegeben ift, jebmebem 2 öunfd)e auf biefem ©ebiete 3 U genügen. SS fnüpfen fld) nun aber an biefe Beftimmung ber Aufgabe beS ©hmnafiumS, bie einzige, meldje feine ©tellnng im ©efammtorganiSmuS beS öffentlidjen Unterrichts einfad), Mar unb fidjer bejeidjnet, nod) 3 yd ei Fragen, bie eine befonbere Erörterung for= bern, bie erfte, ob baS @t)mnafium allein unb gan 3 allgemein, unb nid)t oieIIeid)t anbere Anftalten ebenfo gut ober gar beffer, menigftenS für gemiffe 3fteige i euer ©tubien biefe Vorbereitung getoäfren; bie jneeite, ob bei foldier Aufgabe ber ©hmnaften bie große SKehqahl ihrer ©djüter, fofern fte fid) ben atabemifchen (Stubien nicht mibmet, nidjt bod) einen smedroibrigen BilbungSmeg gelje. 3BaS bie erfte Frage betrifft, fo t;at &öd)lt) in feiner ©d)rift „Ueber baS fßrincip beS ©tjmnafialnnterrichtS ber ©egenmart" (1845) bie Behauptung anfgefteKt, „baß bie Stealfcfule 3 um felbftänbigen Sr faßen ber 9faturmiffenfcf)aften, 31 t benen aud) bie ÜDtebicin gehöre, baS ©hmnafium aber 3 um felbftänbigen Srfaffen ber I)iftorifd)en 2Biffenfd)aften bie Vorbereitung getoähre." Aelfnlidje Anfid)ten finb and) in anbern ©driften bamaliger 3 e or Veginn i^rer afabemifdjen Studien eintretenbe umfaffenbe Vefdjäftigung mit ben 9?aturWiffen- fdjaften unb manche baburd) gewonnene an ftc^ gewiß fd)äj}hare Kenntniffe ihnen für jene ©tubien gewähren fonnten, oermag jene wefenttid) noißWenbige Vebingung jebe§ wahrhaft wiffenfdjaftbtdjen ©tubiumd in feiner SBeife aufjuwiegen; um fo weniger atd er wenigftend bid ju einem gewiffen ©rabe burd) freie ®I)ätigfeit beS ©djüterd, ohne §ütfe ber ©d)ute gewonnen werben fann. *) ®er ©ebanfe, ber fid) nod) gteicfjfam jur Vermittlung barbieten fönnte, einer fotdjen Vefdjäftigung auf bem ©tjmnafium baburd) 9faum ju fdjaffen, baß man für bie fünftigen ftfiebiciner je. bad ©riedjifdje etwa in ben obern ©taffen faden ließe unb bie baburd) gewonnene 3^it für Sfaturwiffenfdjaften unb neuere ©praßen oerwenbete, würbe junäd)ft ben Inft alten, in welken er jur ludfiitjrung' fäme, I)°orandgefef 3 t, baff biefer 3öeg Wo möglid; ganj, ober bodj Wenigftend einem guten ÜTfyeile nad) uollenbet werben totine. 2 ltterbingd biejenigett, oon benen fid) »oraudfeljett laßt, baß fie über bie erften ©tabien bedfelben nidjt fiinanbtommen tonnen, Werben beffer tfjun, fid) anbern ©djulen als ben ©tjmnafien justtWettben; ebenfo bie= jenigen, bie fid) fdjon frülje einen folgen praftifdjen 33eruf ju ergreifen entfdjloffen haben, in weldjem ntandjerlei realiftifdje Senntniffe non großer äöidjtigleit finb, unb bie nidjt bie ©elegenljeit haben, fid) biefelben, nad)t>em fie bie ©djule cerlaffen, ju erwerben. 23ei allen beiten aber, bei Weldjen foldje Umftänbe nidjt ftattfinbeu, wirb fid), and) wenn fie unmittelbar aud ber ©djule in bad praltifcbe Seben übertreten, bie ©tjmnafialbilbung fo wenig ald jWedwibrig erweifen, baß fie int ©egentljeil Bon ihrem übrigen SBertl) abge= fel;en il;iten ntel)r als irgenb eilte anbere Vilbung bie Seidjtigfeit gewährt, fid) in it>ren befonbern Verttf hinein 31 t finben unb iljn je langer je mehr mit ©elbftänbigfeit unb Siidjtigfcit 31 t befierrfdjen. Sad ift eine Uebeqeugung, weldje ©djreiber biefer 3 eilen Bon nieten ’UNinitern bed ^raftifd)en hebend l)at audfpredjen hären, unb Weld)e bie ©runblage bilbet non un 3 al)ligen, bid in bie neuefte 3eit ald Wotjlt^ätig unb forbcrlidj bewährten Seftimntungen ber ^Regierungen, in benen nor altem auf bie ®t)innafialbilbuiig ein l)ol)er SBertl) gelegt wirb, aud) für Cie oerfd)iebenften SßerufdjWeige bed praftifdjen Sehend. (Somit bleibt ben ©tjmnafien, aud) wenn ald il)re cigentlidje Slufgabe bie 33or= bereitung auf bie afabentifdjen ©tubien aufgeftellt unb feftget)alten wirb, iljräBertl) ald allgemeine Slnftalten für alle, Weldje eine tiefer gelienbe ©ilbung fudjen unb bebiirfen, and) heute mitten unter bent ©efdjrei ber manitigfaltigften, fo oft un= flaren fforberuttgen ber neuern 3 eit unnerfümmert. 2Benn aber weiter gefragt wirb, Worin fette „nötige Vorbereitung 3 nm ©tubium ber SBiffenfdjaftett auf Unioerfitäten" beftelje, fo ift ed nidjt tttöglid) bied in einen fu^en Slndbrud, ber einen an fid) flaren unb erfdjöpfertbett ©inn gäbe, 3 U faffen. Sd meiste inbed Wolfl nidjtd bagegen einsuWeitben fein, wenn wir fie in einer foldjen Steigerung ber geiftigen Sraft in SSiffen, Sonnen unb SBollen finden, bie 3 ugleid) ben Srieb enthalt unb bie ©runblage giebt gttr felbftänbigen ^Betreibung feber eit^elnen 2Biffen= fc^aft. Sad ift fene allgemeine nteiifd)lid)e Vilbung, oon ber Berber ald Aufgabe bed ©bntnafiltntd rebet, jene allgettteitte Vilbung, bie ©. fperntantt in einem Vrief an fjunf* Ijättel, (3t. f. @. 335. X, 275) baljitt beftimmt, „feinen Verftanb geübt, gefräftigt unb 3 ttr Veljanblnng feber ©adje felbftänbig gemadjt 31 t b>aben; mit ©inn für bad 2Baljre, bad ©djöne, bad ©ute erfüllt 3 U fein; im Vewußtfein feiner Sraft ftd) ald einen ßljarafter, ald ein Snbioibttum, unb nur in fo fern ald einen Sljeit eined ©ansen 3 U füljlen, ald biefed @an 3 e eine Nation ift, bie einen Stjarafter l)at nnb burdj biefen »on anbern Nationen fid) unterfdjeibet." ®d leuchtet ein, baß wer eine foldje Vilbung empfangen hat, n id)t allein Oorbereitet ift für bad felbftänbige SSetreibeit ber SBiffen» fd;aften, fonbern and) fid) ben mannigfaltigen Ijöljern Verufen 3 U wibrnen, bereit £ra= ger ben „leitenben ©tanb", um mit ©djleiermadjer 3 U reben, bilben. ®ad aber ift »or allem feft 31 t Ijalteu, baß ed fid) hier um Vilbung b. i. unt Sludgeftaltung bed gansen 2Renfd)en, ber V(bfonlid)feit Ijanbelt; unb ed ift Widjtig baranf tjtnäuroeifen, baß Äenntniffe unb f^ttigfeiten, SfBiffen unb Sonnen, wiewohl bie Vilbung Wefentüd) barauf beruht, feinedwegd biefelbe bereitd audmathen, baß fie biefelbe feinedwegd itothwenbig eqeugen, fa ihrer Sutwicfelung unter Umftänben hen SebenS mannigfaltigen Nitren haben — einen feften, fidjern §alt für bie wirflidje Söfung berfeiben gewähren fie nid)t, bleibenbeit SBertt) für ben, ber fie befifct, bjaben fie nid)t, beibeS fommt nur ber magren 93il= bung ju. ®iefe atfo ju erftreben ift bie Slufgabe wie ber (Srjiefutng überhaupt, fo and) ber Sd)ulen, bie berfeiben bienen, unb namentlich beS ®t)tnnafiumS. 9luS bem ©efagten aber ift Har, baß bie SBurjeln alter 93ilbung in ber Neligion unb ber Nationalität ruhen, baff bie Wahre, tiefe unb energifd)e 23ilbung oor allem oon ber pflege beS religiöfen unb nationalen SebenS unb SßetmrßtfeinS in bcnt ßöglinge abl)ängt. Slber eS ift ein 3rrthitm, wenn man biefe oornel)mlidj burdj Unterrid)t gewähren ju lönnen glaubt, wenn man fie, wie eS oft genug gefdjieljt, oor allem Oon ber ©djule, beren Slufgabe bod) überwiegenb baS Unterridjten ift, erwartet, ©ie tann wahrhaft fräftig unb belebenb nur auSgel)en oon ben lebendigen Organismen, betten ber Sin= jelne angehört, ber Familie, bem Staat, ber Sirdje, unb wirb um fo wirffamer fein, je mehr biefe felbftoom religiöfen unb nationalen Sieben burd)brungcn finb. Unjweifel» haft ljat bie ©djule (alfo aud) baS @t)mnofium), bie ja aud) ein lebentiger DrganiS» muS, ber im innigften fiebenSjufantmenljang mit jenen breien ftel)t, fein foK, bie 2luf= gäbe unb bie fNadjt 31 t jener pflege mitjuwirfen, unb mit boßem Ned)te ift in neue» fter ßeit bringenb unb ernftlid) barauf hingetoiefen, baß fie biefe Aufgabe auf alle SQSeife ju erfüllen trad)ten müße. Stber bieS wirb auf wahrhaft fruchtbare SSeife nur gefdjehen tonnen burd) ben Sinfluß, ben baS bie Sdjule burdjbringeube Seben auf ben Einzelnen auSübt, burdj weldjeS auch erft ber Unterricht wahrhaft befruchtet wirb. 3jt ber auf einer Schule herrfdjenbe ©eift nid)t ein religiös b. i. djriftlid), unb national lebenbiger, fo Wirb ber auf bie Srwedung eines fo!d)en ©inneS in ben Schülern ge» richtete Unterricht ohne Wefentlidje SBirfung fein, ja er tarnt, waS auf bem ©ebiete beS Neligiöfen oft genug gefdjehen ift, baS ©egentljeit oon bem, WaS beabfid)tigt wirb, bewirten. 3ft aber jener Sinn auf einer ©djule Ijerrfdjenb, fo wirb er, wie in ber gabelt oon berfeiben auSgehenben SinWirUtng auf ben ©dtüter, fo namentüd) in altem Unterrid)t ftdj offenbaren. IDarauf tommt eS alfo an, nid)t auf ein überwiegenbeS 23e» tonen ber betreffenben Unterrichtsfächer, NeligionSlehre, Seutfd) unb @efd)id)te, wie eS neuerbiugS mehrfad) gefd)ehen ift. Sehrreith ift hier baS Seifpiel ber englifdjen ©d)ulen, in benett nationaler Sinn mehr als anberWärtS pflege finbet, ohne baß barauf beredj= neter Unterricht heroorträte, unb ber ©djulen ber NeformationS 3 eit, bie, obwohl fie üor allem auf bie Sntwidtung einer lebenbigen d)riftlidjen Srf'enntniS in ben ©dtülern @e= Widjt legten, bem NeligionSuntetrid)t bod) nur einen feljr befd)räntten Naum gewährten. 2Ba8 nun bie UnterridjtSgegenftänbe betrifft, an weldjen ttnb burch wetd)e bie oon bem ©hmnaftnm 3 U gewährenbe SSilbttng gewonnen werben foß, fo finb fie im aßge» meinen burd) bie brei ©egenftänbe aßeS SBiffenS unb barnit aKeS Unterrid)t 8 , ©ott, Nlenfdjheit unb Natur bezeichnet. Seiner tiefer ©egenftänbe barf, wie bei jebettt Un= terrid)te, welker S3ilbuttg, nid)t etwa bloß oereinjelte Senntniffe itn Üluge hat, alfo and) bei bem ©hmnafialunterridtte unberücffidjtigt bleiben. 2lßein bei ber Unenblid)teit beS UnterrichtSftoffS, ber in jener allgemeinen Raffung begriffen ift, bebarf eS einer äluSfon» berung, bei welcher bie Sigentljümlidjfeit fowol)l unb jwar Oor allem ber 3 U Unterrid)tenben, b. i. ber 3ugenb, als and) ber Unterrid)tSgegenftänbe unb enblidj beS fpecießen ßielS teS ©hmnafiumS 3 U berüdfid)tigen ift. Um mit bem erften ißnncte, als bem Wid)tigften 31 t begin» nen, fo Wirb oor allem barauf 3 U fehen fein, baß ber 3 um Unterricht oerwanbte Stoff eine Sin heit habe. ®enn „bie INenfdjenfeele bebarf gan 3 üornehmlih ber Sinljeit ihrer Sefd)äf= tigung. Sie bebarf biefer Sinljeit im reifen SNanneSalter: wie oiel mehr in ber sarten 182 ©ijinnajtum. Sugenb! ftfethigt matt fte aber biefetn ihrem natürlichen Verlangen juwiber jwei ober brei ober mehrfache Befd)äftigungen neheneinanber Oorjune^men, fo haftet feine berfetbeu ganj; unb ber eine ber aufjunehmenben «Stoffe treibt ben anbern ab." ©iefe, einer fdwn int 3al)re 1841 gefdjriebenen Slb^ianbluitg g. L. 9fotl)d (jttr «frage über bie fßrin= cipien, St. ©d)r. 1 , 351) entnommenen 3Borte enthalten eine ja freilid) nicht neue SBa^rbeit — wie bringettb betont fie £f)ierfd) in feinem SBerf über gelehrte ©djulett unb Lorittfer in feiner befannteit Schrift! — aber benitod) toirb fie toie bei bem 3 u= geubunterridjt überhaupt, fo bei ben ©pmnafien indbefottbere, obwohl fte in ben testen 3 al)ren allgemeine Slnerfettnung gefnnben bat nnb ber SRuf nad) ©oncentration recht eigentlid; bie päbagogifdje Lofung bed ©aged getoorben ift, in ber 2ßirftid)feit wegen ber Bielgefdjäftigleit unferer 3eit unb bed baburd) bebingten ©rattged nad) Dielartigem SBiffen bei weitem nodj nicht genug beachtet.*) Uebrigend ift jene geforberte Einheit nicht mit ginerleiheit ju oerwedpfeln; fie geftattet fefw wohl bie Sftannigfattigfeit, aber eine fotd)e, weld)e ben 3weigen bed Baumed oergleid)bar ift, bie and Dem ©tamme emporwad)fen unb barin il;re Bereinigung haben. Slußer biefer fftothwenbigfeit ber (Sinheit liegt in ber 9?atur ber ju itnterrid)tenben 3ugenb nod) bie gweite ebenfo wichtige Sorberung, baß ber iljr gebotene Unterridjteftoff bie oerfd)iebenett Sräfte beS ©eifted in 2lnfprud) nehme unb ©elegenljeit gebe, biefetben burd) bie mannigfattigfte Hebung ju entwidetn unb 31 t ftärfen. ©ad ift gugteid) Der 2Beg, auf Weldjem ein wahrhafted 2ln= eignen bedfelbett, ein red)ted Lernen ftattfinbet. gaffen Wir aber bie Unterridjtdgegenftänbe fetbft nach ihrer ©igenthümliddeit unb babon abhängigen Bebeutung für bie Bilbung ber 3ngenb ind 2luge, fo ift bie teuere bebingt theild bnrch ben 9teid)thum ifjreS innern @et>alte 8 unb ber ihnen banad) inne= Wohnenben Sraft, ben ©intt für bad 2Bal)re, ©d)öne unb ©ttte 3 U förbern, theild oon ber gaßbarfeit berfetben fowot)I in ihren etnjelnen ©h e '^ en f atd auch in ihrem 3ufant= metthange untereinanber, theild entließ öott ber 5Dtögüd)feit biefetben in freier tpanb= habung nnb Beherrfchung 3 U mannigfaltigen Hebungen fetbftänbig ju benupen. Sßerben enbtict? bie Unterrichtdgegenftänbe nach bem 3kb: bed ©hmnafiuntd, atd ber Borbereitungdanftatt 3 nr fetbftänbigen Betreibung ber 925iffcnfcE>aften, erwogen, fo ergiebt ed fid), baß biejenigen ju wählen finb, weldje einerfeitd ihrem Snhatte nad) bor= uehmlid) bie genteinfame ©rttnblage unb Boraudfepung ber berfd)iebenen 2Biffenfcf)aften bitben, unb bedt;alb bid 3 U einer mehr ober weniger DoUfommenen Beherrfd)ung ange= eignet fein tnüßen, um eine erfolgreiche Betreibung ber einen ober anbern uon ihnen ju ermögtid)en; unb Wetd)e jugleid) anbrerfeitd ihrem SBefen nad) am meiften geeignet finb ben wiffenfd)afttidjen @eift ju entwidetn unb ju nähren, beffen 9fatur bvtrin befielt, fid) nid)t bei ber @rfd)einung in ihrer Bereitung ju beruhigen, fonbern nad) ihrem SSSefen, ihrem ©runbe, ihrem 3afamntenhang ju forfdjen. prüfen wir nach biefett brei fftüdfichten bie gattje itnenbtiche güUe oon ©idciplinen, welche in jenen brei allgemein be^eic^neten ©egenftänben, ©ott, fDienfcb ttnb fftatur, befaßt finb, fo wirb leid)t erfannt, baß außer bem Unterridjt, wetdjer bie Grfeuntnid ©otted junt ©egenftanbe hat, nnb barunt ber abfotut ttothwenbige unb für 3 e it unb Swigfeit widjtigfte ift, feiner allen gorberungen, bie oben entwidett Würben, fo fepr in jeber Be 3 iet)ung entfpridjt ald bie ©pradjen unb bie ihnen angehörenben Literaturen, unb 3 War im fpecieHen bie tateinifche unb griedjifdte ©pradje nnb Literatur, ©aber ftnb biefe benn auch, fo lange ©hmttaften beftanben haben, bie Wefentlid)en©räger ber *) „Unfern ©pmnaften fehlt nichts mehr, atd Ginfachheit nnb innere Ginbett. ®8rt man auf bie Ätagen ber ilnioerfitätsleltrer über bie mangelhafte Vorbereitung, mit Welcher bie Sllehr* 3afjl ber ©ptnnafialfchitler jept 31t beit afabentifepen ©tubiett überjttgehen pflegen, fo fann man bas, Wad fte bermiffen, sufamntenfaffenb bejeichnen als „©rünblicpfeit ber Vorfenntniffe unb ibealer, wiffenfchaftlicher ©intt." ©iefer SDtangel ifl aber 31t nicht geringem £b e d e i ne «?'°lge jener Giuheitsloftgfeit." SDieS ifl bas i£h e wa beS oben angeführten StuffapeS bott SBiefe in ben ?Prot. ültonatsblättern. ®. 3 leb. ©tjntnaftum. 183 auf il;nen geloderten Bitbung getoefen unb toerben eS, fo lange bie ©tymnafien baS iljnen geftetfte 3iel erreichen fetten, bleiben muffen. BMr unterlaffen es bieS im einget= nen ju enttoideln, ba eS fiunbertfaltig gefd;el;en unb baS Sßefentlidjfte bereits oben gefagt ift unter bem Slrt. Bilbuttg unb claffifdje ©tubien, unb fpredjen eS nur nod; einmal lurj unb biinbig aus, baß mit ben clafftfdjen ©tubien bie ©tjmnafialbilbung fteljt unb fällt, bamit aber aud; bie Borbereitung jur redjten Betreibung ber 2Biffen= fd^aft, ober, toaS biefer gleich ftet)t, jur ioürbigen Sluffaffung aller berjenigen l;öl;ern SebenSberufe, ju melden jene Bitbung ben 3 u 8 an 8 öffnet; baß baljer alle Berfudje jene ©tubien gurüdjubrängen ober ju fc^loäd>en, toie fie leiber nod; oor furjent fo jalßreidj felbft oon benen gemalt toorben finb, melden iljre pflege anoertrant ift, nid;tS anbereS ■als Singriffe auf bie ©efammtbilbung unfereS BollS finb. — CDiefen ©tubien fteben Jur ©eite bie Befdjäftigung mit ber SDlutterf pradje unb iljrer Literatur, bie ®e= fdjidjte unb eng mit ifyr oerbunben unb jugleid; fie üerhtüpfenb mit ber 9?atur bie ©eograpfyie. ©ne toefentlidje unb toidjtige Srgänjung biefer 35iScipUnen, beren 2J?itteIfmnct bie ©prad;e unb bie burd; fie erfdjloffene geiftige Sföelt ift, bilbet bie 2Jia= tljematif, inbem fie ilirem 3nl;att nad; bie ©runbtage bitbet ber toiffenfd;aft!id;en SrfenntniS ber 9?atur, fo ioeit fie in iljren ©fdjeinungen an 9faum unb 3 e 'l gebunben ift; ifyrem BJefen nad; aber, als SBiffenfdjaft beS abstral;irenben BerftanbeS, burd; ifyre ftrenge ©mfequenj, ben baburd) bebingten ft;ftematifd;en 3ufammenl;ang, enbtief; bie ßoibenj iljrer Dfefultate eine burd; nid;t8 anbereS ju erfe^enbe 3 uc ^?t beS ©eifteS, unb fotool)! fiieburd; als aud; burdj bie mit i£;rem ©tubium oerbmtbene mannigfaltige Hebung freier ßombination eine unfdjäjsbare Borbereitung ber felbftänbigen Betreibung ber BSiffenfdjaft getoafirt. 3n geringem ©rabe bagegen bieten bie 91aturtoiffen= fd;aften, beren SBert^e an fid; felbftoerftänblid; nid;tS baburd; genommen toirb, geeig= neten ©toff für ben 3ugenbunterrid;t. ®ie güße ber in ja^Ilofe ©njelutjeiten auSeüt= anbergeljenben ©fdjeinungett, bie lebenbig ju oerbinbett unb ju bel;errfd;en toeit über bie Kräfte beS jugenblid;en SllterS geljt, ift ju groß, als baß baöon eine mefentlidje görbermtg geiftiger Bilbung für baSfelbe ju erwarten Wäre. tDaju fommt, baß burd; bie oorI;ergenannten für baS ©tjmnafium oor allen anbern mistigen SiScißlinen, trenn in iljnen nur einigermaßen £üd;tigeS geleiftet toerben unb bamit iljr 3®^ an bem ©djüter erfüllt toerben fott, bie Äraft beSfelben ooßftänbig in Slnfprud; genommen toirb unb beSljalb eine eingel;enbere Befestigung mit biefen auSgebefmten ©ebieten unmög= lid; ift. .fpienad; lann ben 9laturtoiffenfd;aften auf bem @i;mnafium nur fo oiel 9iaum angetoiefen toerben, baß ben ©d;ütern einige 91nfd;auung ber i^nen jugänglid;ften gor= men, Srfdjeinungen unb ©efejje gelodert toirb; toaS auf ben unterften ©tufen burd; eine finnige an unmittelbare Betradjtung oon Slaturgegenftänben gefnüpfteBefd;äftigung mit ber Botanif unb 3ooIogie, auf ber oberften burd; eine mit ber 5Dlatl;emattf mcg= lidjft ju oerhtüßfenbe Beljanblung ber toefentlid)ften Amtete ber $l)t;fif erreid;t toerben lann. Stuf BoHftänbigfeit unb ft;ftematifd;en 3ufammenl)ang toirb oon öornfyerein ju oeräid;ten fein unb man toirb jufrieben fein müßen, toenn nad; biefer ©eite I;tn eine ganj allgemeine Slnregung, fo ju fagen ein lebenbiger gingerjeig auf biefeS reiche unb toid;tige ©ebiet ntenfd;lid;er ©fenntnis gegeben toirb. Stamit finb bie ben @t;mnafien allgemein notl;wenbigen llnterridjtSgegenftänbe, abgefefien oon ber elementaren ted;nifd;en gertigleit beS ©djreibenS, bie auf ben untern ©tufen nod; burd; befonbern Unterricht ju üben ift, unb ben Äunftübungen beS ©efangS unb beS 3 e ^? tICI1 ®» bie in elementar rer Sffieife für alle toidjtig, in toeiterer SluSbilbung für bie Begabtem in mannigfaltiger B3eife förbernb, in feiner £>inftd;t l;inbernb finb, erfc^ößft. ®od; tritt ju benfelben als notl;toenbige Srganjung ber Borbereitung auf baS afabemifdje ©tubium für äße, toelcbe ber Geologie fid; ju toibmen gebenfen, bie elementare Bel;anblung beS ipebräifdjen, bie mit- red;tem Srfolg im allgemeinen nur auf bem @t;mnafium möglich ift (ogl. b. SIrt. §ebräifd;e ©ßrad;e). @nblid; fiat bie 2Bid;tigleit, toeldje bie franjöfifdje ©ßradje feit Bubtoig XIV. im aßgemeinen SÜBeltoerle^r unb burd; ntand^erlei eigen= 184 (Sijintiafiunt. tfyümlidje 23erhältttiffe namentlich in ©eutfdjlanb erlangt hat, an bie beutfdjen ©pnuta» ften bie gorberung h«augebrad)t, biefelbe als ein unentbehrliches SD'toment höherer 23il= bung 5 « berüdfid^tigen, unb eS möchte fdjmer fein, biefen UuterridjtSgegenftanb, treidle aintipathieen ober 33ebenlen fid> auch bagegen erheben mögen, ju befeitigen: mobei nidjt unbemerft bleiben mag, baß biefe Slntipathieen oielfaanb= l^abung bedfelben im ©Treiben unb ©pred)en gu bringen, read im ©riedftfcfjen niept gu erreichen ift. Unb bodj ift bieö gerabe für bie Aufgabe bed ©hmnafiumd bon großer SBidjtigfeit. ©etbftberftanblieft aber ift ed, baß beibe alte ©fragen für alte, bie bad ©ftmnafium befudjen, obtigatorifd) fein müßen unb eine ©idpenfation bom ©rieeftifthen nur unter gang befonbern Umftäuben atd fettene Sludnapme gu geftatten ift (f. oben). ®en alten ©pradjen ftefft gur ©eite atd befonberd gu betonenber Sefirgegenftaub bad ®eutfd;e. ®od) ift bad il;m beigutegenbe ©ereicpt nidft foreofft in ber großen bafür 3 « beftimmenben 3 a(ft reödfentlidjer Se^rftunben 3 U fudjen (biefe fönnten immerhin, mit Sud= nähme ber unterften Staffen, burdjreeg auf bie überhaupt 3 ntäßige geringfte 3atft 2 be= fd)räuft fein, reie ed aud) bietfad) ber galt ift); fonbern bielmehr in ber gorberung inten= fioer Slnftrengung bei ben mannigfaltigen münbtidjeu unb fdjriftlidjen Seiftungen, reelepe gur gorberung eined immer bottern ©prad;bereußtfeind unb einer immer fidjerern 23e= herrftftung ber üöiutterfpradje bienen. 2 )iefe befdjranfen ftd> aber feinedreegd auf bie bem beutfdjen Unterricht int befonbern gereibmeten ©tunben, obreotft fte biefür mit ben fteigenben Staffen an SSebeutnng gereimten, fonbern ftüipfen fid) an alte übrigen Unter« ridjtdgegenftänbe, oornelpnlid) an bie ctaffifdjen ©tubien an. ^Dagegen reirb umgefeljrt ber SOtatfiematit eine öertjättuidmaßig größere ©tnnbengalft (bie bietfad) angenommene 3 a tft 4 fd)eint bad richtige SDtaß 3 U treffen) gugutheiten fein, Wenn fte bie SBirtung, bie fte im ©tjmnafiatnnterridft buben fann unb fott, überhaupt erreidjen fett. *) ®enn tfter ift bor allem bie in bem Unterricht fetbft ftattfinbenbe Uebung unb ©djutung bon 2Bicf)tigfeit, reie in feinem Unterricht bie perfönlid)e Sinreirfung unb bad pabagogifefte ©efdftcf beö Sehrerd bon fo großer 23ebeutung ift, atd in biefem. dagegen finb bie an ben hüudlid)en gleiß ber ©djfiter gu ftellenben gorberuugen mögtidftt 3 U befdjranfen, unb man reirb ben gefdftcften Sefyrer borneftmtid) baran erfennen, ob er otme hol) e 3Ut= fprüdje an ben I;äudlid)en gteiß bad ben gorbernngen bed ©ftmnaftumd Sntfpreeftenbe 3 u leiften berrnag ober nidft. ®er Umftanb, baß bie 3 al)l fotdjer Set;rer nid)t gerabe 3 U groß ift (reie fte ja für fein gad) in überftüßiger 3 afft borftanben finb), möchte am meiften bie häufigen unb bielfach ungerechten unb übertriebenen Auflagen, reetdje neuer« tieft gegen biefen Unterridftdgegenftanb erhoben reorben finb, erftären, bereu ebenfo grünblicfte atd rutftge 3“rücfteeifung burdj Sr r er (f. 3eitfd)r. für @. 2Ö. X, 609 ff.) jeher unbefangene S3eurtt;eiter reirb billigen ntüßen (ogt. aud) b. Strt. Sonceutration bed Unterrichts 1 , 857).**) ®er $3orfd)tag fRott)d (St. ©ehr. 2, 174), ber über bie Srfotge *) ®ie franjöflfcfte Sinrieptung (f. 95b. II. @.459 unb 46 t), reonaep in Staffe la, Logique, bon ben $umanißen faß audfcptießlicp StJiatftematif getrieben reirb, borher aber toenig genug, reirb reoftl in Sentfcptanb borerß feine ßtaepapmung finben. $. SReb. **) 3n 33egug auf bie SOfatftematif finb bie ©ptnnaften benn bocft in eigentpümtieper Sage. ®d ift äiemlidft allgemein anerfannt, baß fte einen integvirenben Speit beS Unterrieptd bitben muß, unb ed giebt fogar ©timmen, bie bon jebent gur Uniberfität abgepenben ©dpüler ein getoißed 2 Jtaß bon matpematifd)en Äenntniffen atd unertäßtiepe SBebingung bertangen, bie niept etrea bnrep eine perborragenbe Seißuitg in einem anbern gaep compenfirt reerben bürfe. Sott tpeoretifepem ©tanbpunct aud fönnte man geneigt fein, biefe gorberung Pittig ju finben, fofern ja bie Sitbung eitted äyeco/41 tqt]tos untängbar eine einfeitige unb bad indgentein geßecfte 3 ief in ber Sßtatpe* ntatif nitpt fo ftpreer ju erreichen fei, reenn man auep niept mit £)pm glaubt, ed fei fein ©epüter geißig fo befepränft, baß er niept noep ein tiieptiger ÜJtatpematifer toerben fönnte. Sie Seprer ber SDtatpematif fagett ferner, „bie ®rfapruug tepre genugfam, baß ed mögtiep fei, ein gleichmäßige« gortfepreiten ber ©epüter ( 3 . 33.) in ber ©eometrie in bemfetben ©rabe ju ergieleit, reie in an« bem ©idciplinen" (®rter in bem 9trt. ©eometrie 33b. II. ©. 727), unb bie Seiftungen, reetepe manepe ©pmnaften aufguroeifen paben, geben bed Jftuguid. Stber anbererfeitd ftnb naep bem, read man and öerfepiebenen Sänbern bentfeper 3 >mge bernimmt, bie reirftiepen Seißungen ber Stbitnrienten in feinem gaep fo ungteidnnäßig, bie 3ttenge ber tutgenügenben in feinem fo groß, reie in ber SDtatpematif, reoraud boep reopt —jrecefntäßige Prüfungen boraudgefept— ben ©eptuß ju giepert ertaubt iß, baß bie 3apf btt gezielten Seprer ber SDtatpematif (niept ber gefepieften SlJiatpematifer) ©pmnaßum. 187 biefeS Unterrichts hoch 51 t ungünftig ju benfen fdjeint, ifjn „nur auf fold^e ©djüler ju Pefdjraufen, toelc^e befähigt baju erfctnnt »erben," ift Pebenflid) unb praftifdj faum ausführbar. SS toürbe bieS nidjtS anbereS fein, als ben ©egenftanb auS einem obltgato* rifdjen ju einem facultatioen herabäufepen, mag Diot^ felbft bod) audj nidjt »iU, unb »aS, aPgefepen bon ben einmal oorljanbenen unabweisbaren gorberungen ber 3 e ^t, für unfere juin ^h> an tafiet)oIben unb befultorifdjen Sluffaffen unb Renten nur ju fepr geneigte 3ugenb feljr ju beflagen »äre. Ss bleibt baper nid)tS anbereS übrig, als baß bei bem ^Betreiben biefer ©iSciplin mehr ©ewtdjt gelegt »erbe auf bie innere Spannung ber Uebung, als auf bie äußere SluSbefmung beS ©ebiets, unb baß eS bei bem einjetn, hoch oiel fettner aiS man ju glauben pflegt, h cr bortretenben entfdjiebenen SDiangel an ^Begabung bem Sehrer überlaffen »irb, »aS babei ju thun ift. ©egen biefe UnterridjtSgegenftänbe mäßen alle übrigen in ihren Slnfprüdjen fc»ol)l an bie ihnen ju »ibmenbe »ödjentlidje ©tunbenjapl, als aud) namentlich an bie häuslichen Seiftungen »eit jurücfftehen. ÜDieS leptere ift namenttidj bon großer Sßid^tigteit in 23ejug auf ben für ©eograph» unb ©efdjidjte anjueignenben ©ebächtnisftoff, ber gar ju häufig inS SJtaßlofe gefteigert »irb unb bodh fo »enig fjrudjt bringt, ©elbft baS augenblidlid) oft mit großem 9Iuf»anb bon ßeit unb Äraft errungene SBifjen berrinnt gar ju fdjnetl unb meift um fo fdjneöer, eine je größere 2Jieuge bon Sinjelnpeiten eS 3 U umfaßen bemüht ift. 2Iud) bie Einführung einer auSgebeljnten hiftorifd)en Seetüre, »ie fie ißeter unb nad) ihm anbere, »enn auch in geringem Umfange empfehlen, giebt biefem Unter* ridjte eine ber toahren Slufgabe beS ©hmnafiumS nidjt entfpredjenbe SluSbehnung. Sr ift um fo entfdjtebener auf feine ©renjen jnrücfjutoeifen, als bie Sntmidlung ber heutigen 3eit felbft Sehrer »ie ©djüler bahin brängt, biefelben, nidjt ju ihrem .Speit, ju über* fdjreiten. fpier fönneu bie Mahnungen S. S. 9fott;S ft. öleb. *) VSir lömten es uns nidjt »erfagen, aus beit „päbagogifcpen Semerfnitgen unb Velennt« niffen" SBoberteinS (SRebeit unb Slnffäpe 1843. @. 242) eine ©teile hier beijufiigen, bie Biel beperäigeusmerthes enthält: „Sin »efentlicper Unterfdjieb jtoifepen bem älteren unb bem heutigen ©pmnaßalnnterricpt beßept barin, baß ehemals eigentlich nichts geleprt »urbe, toomit ber ©cpüler niept et»aS maepen tonnte, fo baß alles »ie Vorbereitung unb ©toff ju eigenen iproöuctionen ausfap. ®urcp biefe SluSficpt unb Veftimmung »ltrben bie geißtofeften Vefcpäftigungen 5 . V. baS Vocabelternen, bie ipprafeologie u. a. Bon Born herein geabelt; ber ©cpiiler fap unb fiiplte ba= bei bie nape praltifcpe Vraucpbarteit, nämlicp fiir fein ©cpülerteben, alfo fiir feine SBett. Vergleichen »ir piemit ben geograppifepen nnb piftorifepeu Unterricht, ben bie neuere Väbagogif halb aus realen balD ans ibealett ©rüuben mit Vorliebe forbert; »aS !amt ber ©cpiiler mit ber geiftlofen fßomenclatur bon ©täbten unb epronotogifepen Spatfacpen, »aS faitn er mit ben geiß* Botlßen ©epitberungen beS Däagara ober ber römifepen iRepublif, »aS, frag’ icp, tann er bamit machen? er fatm es nur befipeit, um bei ber Prüfung ju betoeifeu, baß er es ttoep »eiß unb noep befipt, er tann es fiep aufbeben, um einft bie Seitungen ober Vierte ber ©efepüpte unb Votitil Berftepen unb commentiren ju lömten, er faitn es auep nacperjäplen unb fiep int ©preepen üben, aber ju et»as neuem unb eigenem Berarbeiten faitn er eS niept, »ie feine lateiuifcpen Vocabeln unb Vprafen ju tateinifepen Verfen mtb SReben. 9lus biefem ©runbfap er« flärt eS fiep, »arum ©efepiepte unb ©eograppie als UnterricptSä»eig in ben alten SectionSplänen oft gänjlich fehlt. @0 »ar es in ©cpulpforte im »efetttlicpen bis gur Einführung beS preußifepen UntcrricptsfpftemS. 9tls icp int Sapr 1822, alfo na cp biefer SRefornt ober Bielmepr SReoolution, bie mir tpeure Slnßalt »ieber befnepte, rftpmte mir ber eprtoürbige IRector Slgeit, ipr Vorftanb, ber baS Ute gern erhalten hätte, mit palb ironifeper palb farfaßifeper Vegeißerung: ,3a, greunb, 188 ©yntttaftinn. 33ertheitung beS ©tunbenptanS ei^ugehen, ift ^»ier nid)t am Orte, um fo mehr atS barauf nottjWenbig mandje locale 93evf>ältniffe einwirfen mäßen, bor alten anbevn aber bie oorherrfdfenbe burdjfdjnittliche grequenj ber ©taffen, bie 3 . 33. in ben »iirttembergi* fcben ©hmnafien faft überall eine geringe, in ben preußifdien bagegen oftmals eine übermäßige ift. 2ltS allgemeines fßrincip aber »irb feftju^alten fein, baß baS SKinimunt ber einem ©egenftanbe jujittoeifenben ©tunbengaht, fobalb irgenb ein ©rfotg babott er» »artet »irb unb er nid)t 31 t einer bloßen relaxatio animi l;erabfinfen fott, 2 »öcbeuttidje ©tunben betragen muß, unb baß für bie ©rternung beS grattjöfifc^en im allgemeinen (bon et»a befonberS günftigen 33erl;altniffen ift natürlid) al^ufehen) fein irgenb nennend» »ertheS fffefultat ju erwarten ift, »enn ber baju beftimmte Unterricht erft in ber brüten ober gar jweiten ©taffe bon oben, »ie man eS bon bieten ©eiten atS genügenb anfiefyt, angefangen »irb. Oer natnrgefdjidfttic^e Unterridß ift, »ie bereits oben angebeutet »urbe, auf bie beiben unterfteu ©taffen, ber phhfUatifdfe auf bie oberfie ju befdjränfen. OiefeS führt uns bon fetbft jur ffrage ber Organifation, »obei »ir junadjft bemerfen, baß »ir biefen StuSbriid in bem einfachen ©inne ber Sinridjtung beS ©pm» nafiumS nad) feiner ©tieberung in ©taffen unb Orbnungen berfdjiebencr 3trt, unb ber barauf 31 t berttjeitenben UnterridjtSftunben berftefyen, nidjt oon ber ©tettung beSfetben als ©lieb beS ©efammtftaatS unb ben mancherlei fragen, bie fidj bar an fnüpfen, »etdje Ot)auto» in feiner ©pmnafiatpäbagogif unter biefem Spanien Befaßt. Oie barauf be= 3 üglid;en 33etrad)tungen mochten faum irgenb »etdjen praftifdjen SBertl; h a ^ en » unb biefen mäßen »ir hier altein ins Sluge faffeu. Sei ber bebeutenben Aufgabe, »etd)e bie ©hmnafien 3 U tefeu haben, ift eS begreif* lid), baß fie jur ©rreidjttng beSfetben eine beträdjttidje Steife bon Sohren in 2lnfprudj nehmen. Oie bon ben berfdßebenen ©djutgefehgebungen bafür geforberte normale £eit beträgt »enigftenS 8 Satire, »ie in Defterreich unb Sapern, Ijcc£>ftenS 10 Satire »ie in SEBürttemberg, 9 Satire in Preußen unb anbern Säubern. ÜDJit biefer für ben ge» fantmten ©urfuS als normal angenommenen Oauer ftet;en in einer gewiffen SSe 3 iehung bie für ben 33eginn beSfetben, b. i. für bie Aufnahme in bie unterfte ©taffe eines ©pms nafiumS gettenben Seftimmungen. 3n Sßiirttemberg finbet biefetbe bereits in bem 3ahre, in »etdjern baS adße 3ahr jurüefgetegt »irb, ftatt; in Preußen, Oefterreid), S3aben u. f. ». nach boüenbetent neunten, in Supern nad) bottenbetem jehnten 3ahre. Ueber biefen fßunct, fo»ie bie gorberungen an bie geiftige ©nt»idelung ber aufjttneh* menben©d)iiter giebt ber 2trt. älufnahme fo erfd)öpfenbe Oarlegmtgen, baß fidf> faum et»aS »efentticheS möchte ftinjufügen taffen.*) Oer bort auSgefprodjcnen Slnftdjt, baß bie 3eit ber litfnahnte an bie ^nrüdtegung beS neunten SebenSjaljrS 3 n binben fei, baß fie bann aber and) unbebenflid) ftattfinben tönne, ift ge»iß boCtftänbig be^uftim» men. ^ienad) »iirbe bei normalem gortfdjritte ber ©dfüter baS ßiet beS ©hmnafiumS mit bem oottenbeten adftsehnten 3ahre burdffdfnitttid) erreicht Werben. ©S ift felbftoerftänbtid), baß in einem fo langen, bon einer mehr ober Weniger bei uns fieht’S jefet aubers aus als fonfi: fragen ©ie unfere ©ertianer bon oben bis unten, in Welchem 3 al>r Slttila geboren unb geflorben ift, Wie biet üßeiber unb Wie biel ftinber er gehabt hat; was gilts, auch ber unterfte bleibt Shnen bie Stntwort nicht fdjulbig? ©ie fetbft wiffenS nicht unb ich Weiß es auch nicht! — freilich anbereS muß jept ruhen, Was 31 t Shrer Seit gebieß unb galt! 1 " $. SReb. *) ©s fei uns ertaubt, ein einziges Sßort jenes Slrtifels nachträglich ju begrünbeit. ©erfelhe berlangt, @. 312 , bie SJorfenntniffe ber Slufnahme fuchenben ©chüler follen Bffentlich geprüft Werben, ©ie Deffentlichfeit Wirb Wohl bon niemanb anberS benüpt werben, als bon SlngehBri» gen unb bisherigen Sehrern ber ©chüler. giir fotdje aber iß es bon prattifchem SBerth, Wenn fie ©etegenheit haben, fich ju üherjengen, Wie weit ihre StngehBrigen beim ©intritt itt bie neue ©dfute ben üfnforberitngen berfetben entfpred)en ober Wiefern fte benfetben nicht genügen, unb bie ©dfute geigt burd) bie gulaffung ber Oeffentlichleit ihr gutes ©ewiffen unb fchüfct fich and) gegen ben ©au(5tnat twb nod) lange nachher bie häufigen fßebeacte ein wid)tigeg Bilbunggmittel feiner ©d)üler aug. gaß überall pflegt mit biefen Prüfungen eine Bertheilung bon greifen an bie auSgejeidh* netften ©d)üler berbunben 3 U fein, bie, wenn fie in ber redeten SBeife gefdjieljt, ein werthboHeg SDtittel 3 ur gBrberung ber magren 3® e( ß beg ©bmnafiuntg ift. ©enn e 8 ift berfehrt, jene mächtigen §ebel menfd)lid)er £ianblungen, honos et praemium, für bie Grsiehung 31 t berfd)mäl)en: aüerbingg aber bebarf es ber SEBeiSl;eit bei ihrer 21nwen= bung. 2Ille§, Wag auf ben leeren ©d)ein, auf bie Slufftadßung beS Sfyrge^eg babei auggeßt, ift unbebingt berWerflid). 3n biefer Be 3 iet)ung ift ba§ in ^mntreid) bei ben fßreiSbert^eilungen befolgte Verfahren in bieler ^inftdjt bertel)rt unb nad)t^ei(ig. Slud) in ..Gnglanb wirb barin nad) mand)en ©eiten l)in 3 U Weit gegangen, bod) ift bie Sßid)= tigfeit, weld)e man bort allgemein auf bie GrWerbung bon ©d)ülerpreifeu legt (f. SBiefe, a. a. £)., ©. 103, Boigt, 2)?ittl)cilungen, ©. 152. 161), ein feßr fd)ä(}engWerther 21n= trieb 311 angeftrengterer S^ätigfeit für bie 3 ugenb, ber in ©eutfdßanb nur 3 U fefyr ent= befirt unb bon bielen aug übertriebenem 3 bealigmug berfd)mal)t wirb (bgt. b. 2 lrt. ©djulprämien unb oben b. 21 rt. ©roßbritannien). Bon entfdjiebenfter SBidßigteit enblidh für ben gefammten ©ang beg Unterridßg, für bag ganse innere Beben ber ©d)ule unb bie bem Streben ber ©dfüler baburd) ge= gebene Stiftung ift bie 2lbiturienten=ißrüfung. Sine fotcfye mit ben ©Mülern ber ©hmnafien, welche nad) beenbigtent ©hmnaftalcurfug bie atabemifdjen ©tubien 3 u be= ginnen gebauten, an 3 ufteKenbe Prüfung Würbe in beftimmterer gorm in ©eutfd)Ianb guerft in Preußen im 3apre 1788 eingeführt. ©ie bamalg erlaffene Verfügung Würbe bitrd) eine neue bei Weitem ftrengere, alle gorberungen beftimmter formulirenbe im 3al)re 1812 erfefjt, bie im 3al)re 1834 einer Dfebifion unterworfen unb mehrfad) ntobi= ficirt würbe. SDiefer Borgang ißreußeng hat bebeutenben Ginfluß auf einen großen £I)eil ©eutfd)lattbg gehabt, wo ähnliche Ginridjtungen getroffen Würben. ^Dergleichen Prüfungen, Wenn audj in mannigfad) berfd)iebener gorm, finben auch in faft allen übrigen Räubern ftatt. G 8 ift natürlich, baß, ba biefelben einen mehr ober weniger wichtigen Ginfluß auf ben gansen Bebenggang berfenigen haben, bie ftd) benfelben unter= Werfen mäßen, bie bafitr aufgefteüten Beftimmungen ben entfcffeibenbften Ginfluß auf ben ©tubiengang biefer, unb ba fie ben Stern ber ©hmnafien bilben, ber genannten 21nftalten felbft bilben. Gg wirb alfo bag ©ebenen ber ©hmnafien großentheilg babon abhängen, ob biefe 23eftimmungen 3 Wedmäßig finb ober nicht. Gg ift hi« nicht ber Ort, auf bie grage nad) ber 9?otl)Wenbigfeit ober 3?ühlid)teit biefer Prüfungen näher eimugehen. ©od) wirb eine unbefangene Betrachtung ber ©inge, wie fte wirtlich ftnb, un 3 Weifelhaft bie Uebei^eugung gewahren, baß einerfeitg bei ber ©eftaltung, Weld)e bie focialen Berhalittiffe in ben weiften Banbern Guropa’g gewonnen haben, biefe-ißnifung nicht Wirb befeitigt werben tonnen, unb baß anbererfeitg fie wefentlid) ba 3 u bienen fann, bie 3'nede ber ©hmnafien foWoht im allgemeinen atd im ei^elnen 31 t fordern;, benn eg ift bon großer SEßidjtigfeit für biefelben, für Selber unb ©chüler, baß ein. fefteg 3i e lf Wonach 31 t ftreben, hiitgefteüt Werbe, unb eg ift unlättgbar, baß bie Gitr= führung biefer Prüfung wefentlid) beigetragen hat 31 a - fpebung ber ©hmnafien im alU gemeinen (f. bie ©cf)rift bon Äoljlrauf dj: üftuß bie jetzige Unterridjtgorbnung ber ge= lehrten ©d)ulen geänbert unb ntüßen bie SOiaturitätgprüfungen abgefchafft Werben? ^annober 1853. 3tfcbr. f. @. SB. VIII, 264). SBemt fid) nid)td beftoWeniger geWid)= tige ©timnten gegen biefe 2lrt ber Prüfungen erhoben haben ^ulefst namentlich Banb» fermann, 3tfd)r. f. @. SB. IX, 776 unb ©d)mibt ebenba XII, 177), fo finb ihre Singriffe Wefentlid) gegen bie frühere gorm berfelben in fßreußen unb fonft gerichtet, unb eg ift nicht 31 t Iaugnen unb langft allgemein anertannt, baß biefe burih ilß S)rin= gen auf ein enchtlbpäbifdjed SBiffen bielfad) üblen Ginflitß audgefibt hat. Gin großer 196 ©pmnafium. ©heil ber mit fftedß bagegen erhobenen Bebenfen ift bitrcf) neuere Verfügungen, nament« tid) burd) bie unter bem 12. Sanuar 1856 in ißrcußen ergangene befeitigt. 3tber aud; hier, wie fo häufig bei ber Bel;anblung »on fragen ber ©hmnafialpäbagogif, fehlt eS nid)t an Uebertreibungen. ©o geht in ber ©pat bie Vorfteßung bon ber mit ©laufur« arbeiten, Weldje babei geforbert ju werben pflegen, notbmeubig »erbunbenen übermäßigen ülngft ber (Spaminanben weit über bie 2Birtlid)feit ^inau§; unb Wae. bie barauS abge« leiteten alö häufig gefd;ilberten Betrügereien betrifft, fc ftepen wir nicht an, alö ent« fdjiebeue, auf eine lange (Erfahrung gegrünbete Ueberjeugung auSjufpredjen, baß fie, Wo fie »orlommen, wcfentlid) bem Sefyrercoflegium gur Saft faßen. ©entt wo bie Sugenb mit (Srnft bafjin geführt wirb, jeben Betrug als ©ünbe Wiber ben fperrn ju erfennen ober aud) nur als eines SJtenfdjen Oon wahrem (Ehrgefühl unwürbig ju oerad)ten, wo man fie mit ©trenge anhält, ihre Vflidß 3 U tljun unb etwas tüdßigeS ju lernen, wo bie Sefyrer il;re ©djißer nad; ihrer SeiftungSfäfiigfeit wirtlich feunen, wo enblidj joaS ganje ^ßrüfungSgefcbäft mit geWiffenI;after (Sorgfalt gefyanbfyabt Wirb, Wie foß ba nidjt ein Verfug $ur ©äufdptug eine ©eltenheit unb baS ©elingen berfelben faft eine Uit= möglidjfcit fein? Ueberpaupt liegt, felbft bei mangelhafter Qcinridßung ber Prüfung, unenblid; biel au ber Slrt, wie fie ausgeführt wirb, ©ie unterliegt aber gewiß burd)* aus feinem Bebenten, Wenn babei aßeS tumultuarifcpe, bloß auf „ftupibeS" 91ufraffen bon ©ebädßniSwiffen gerid)tete Borbereiten bermiebeu unb bem Urtheil beS ScprercoflegiumS über bie ©efammtleiftungen beS ©d)ülerS neben ber fßrüfung baS gebührenbe ©ewidjt eingeräumt wirb. Seite 2lrt ber Vorbereitung aber wirb gänjlicp befeitigt, wenn, Wie eS in Vreußcn neiterlidj auf banfeuSWerthe Söeife fdjon angebahnt ift, bie Prüfung ganj auf baS Sßefentlidje, nämlich außer bem beutfdjen Stuffa^ (unb etwa einem frangöfifdien (Scriptum) im ©djriftlidfen unb ÜRünblidjen auf bie alten Sprachen unb bie fDfatpe« rnatif bcfdjränft wirb. ©er SBegfaß ber Prüfung in Religion unb @efd;id;te wirb feinen irgenb wefentlidjen D^adjttjeit haben, unb »on einer tumultuarifd;en Vorbereitung auf bie fßrüfung, oon einem baburd) perbeigefüprten ftörenben (Einfluß auf ben ©ang ber ©hmnafialftubien wirb alsbaitn nidß mehr bie Siebe fein f'önnen. 3 u fll e *d? werben bann bie genannten UnterridjtSgegenftänbe noch entfc^iebener als ber SDiittelpunct, als bie eigentlichen ©räger beS @hmnafialunterrid)tS per»ortreten. Sfäljer auf bie (Einridi« tuug biefer Prüfung im einzelnen einjugepen, ift pier nicht ber £>rt. (ES mag genügen, ju bemerfen, baß je Weniger medjanifch babei »erfahren wirb, in befto poperem ®iaße ihr eigeutlid;er 3toecf, bie gewonnene Bübung beS ©cpülerS abfdjließenb ju erfennen imb barjulegen, erreicht werben unb fie auf baS ©efammtleben beS ©hmnafiumS förber« licp einwirfen wirb; baß ferner je einfacher bie ganje (Eiuridjtung berfelben ift, befto fidjerer ausführbar unb befto erfolgreicher fie fein wirb, ©ie barauf bejüglidjen, »on Saubfcrmann, ©djmibt unb anbern gemachten Vorfd)läge finb 31 t fiinftlid), um je aßge= mein ausgeführt werben ju fönnen. (Sine ähnliche Bebeutung wie biefßrüfuugen haben bie 3eugniffe fowoht für bie einjelnen Schüler als für bie gefammte Slnftalt. Snbem barin, fei es in gewißen 3eit= abfepuitten wäprenb beS ©cpuIcurfuS, fei eS am ©djluffe bcSfelben, bie grud;t ber Be= ftrebitngen beS ©cpülerS bargelegt unb fo baS Urtheil feiner Seprer über biefelben in entfchicbener 3«fanunenfaffung fowopl ihm felbft, als audj feinen (Eltern gegenüber auS= gefprodjen wirb, werben fie ein hödjft bebeutenbeS SDfittel, auf feine geiftige unb fitilicpe (EntWidlung einjuwirfen; jugteid) bilbeit fie ein wichtiges Banb jwifdjen ©d;ule unb §auS. ©ie (Einrichtung biefer 3eugniffe ergiebt fiep, wie »erfcpieben fie aud) mobificirt fein mag, »on felbft, unb wir gehen nicht naher barauf ein. ®aS erfte (ErforberniS berfelben, wenn fie ihren 3 tD ed nidjt gänjlid; oerfehlen foßen, ift 333ahrh e it unb ©ereeptigf eit, (Sinfad;peit unb bei aßer ©trenge burchleuchtenbeS 2Bop Iw ollen. 32icptS ift wiberwärtiger als übertriebene SluSbrücfe, mehr nach ber ©eite beS SobeS, als nad; ber ©eite beS ©abelS, unb nichts uerberblicper, als wenn foldje Uebertreibungen geforbert werben, wie eS in Sapern gefdjepen ift (f. fKotp, baS ©hmnafialwefen in ©pimtaßunt. 197 Baßern je., S. 84 ff.). 2>aS heißt nidjtS anberS, als baS ©efüßl für SBaßrßeit ft)fte= matifd) gerftören. 3e weniger med)auifd) bet ber grmittlung beS 3 « geWäßrenben 3eug= ntffeS cerfaßren, je meßr babei bie gange Berfönlicßfeit beS Sd)ülerS ittS Sluge gefaßt wirb, befto fbrberlidjev wirb ißre SBirfung fein; wenig empfehlenswert!) finb batjer jene formen, bie meßr einem (Spempel non guten uttb fdjledjten Runden gleiche«, als einem freien, auf allgemeiner Beobachtung rußenben Urteil. Slud) baS Beftimnten ber 3eugniffe nact) Hummern, WaS auf ben untern (Stufen feijr Wohl angebracht unb niigltd) ift, hat auf ben ehern nidjt weniger Bebenfett, als Schwierigfeit. 2)urd)auS oerWerflid) ift bie Slnwenbung ber Stummem bei ben Sdjlußgettgniffen nadi Slblegmtg ber Slbiturieittenpriifun.g 3e weiter fortgefdjritten, je reicher bie (Sntwicfelung eine« Schülers ift, befto bebenflidjer ift eS, fie auf eine fo ntedjanifdie SBeife 31 t daffificiren. @S ift nid)tS oerfeßrter, als SRcnfdjen, lebenbige SBefen, fo äußerlid) 31 t numeriren unb ihnen gleidjfam ein Bkrthgeidjeit aufgu= briiden. Oagu fotumt, baß bei ber SBiddigfeit, weldje biefe gettgniffe für oiele Ber» hättniffe beS äußern Gebens 3 U haben pflegen, allerlei Uebelftänte fid) an biefe gittridj* tung unoermeiblid) anhängen, wogegen ber felbft zweifelhafte Bortheil, baß manche Schüler fid) babitrd) 3 U einem größeren gleiß anfpornen lafjen, cerfdjwinbet. 9i'tit Stecht ift fie alfo in fßreußen, wo fie früher beftanb, längft abgefdjafft. Bon großer Bebeutuitg bagegen ift bie Slrt unb B3eife, wie bie 3eugniffe ben Sd)iilern eingel)änbigt werben. @S ift wichtig, baß ber SBertß, Wellen baS barin auSgefprodjene Urtl)eil haben fod, aud) einen SluSbrucf empfange burd) bie geierlidjfeit, womit eS gefd)iet)t. 3 e wahrer unb erhebettber biefe ift, befto wirffamer wirb fie für alle fein (ogl. b. 2 lrt. Sdjulseugniffc, (Senfur). ®ie Befpred)ung ber 3 eu 3 n iff e » ttdeße eben fo feßr bie fit fließe als bie intedectuede Gcntmidelung beS SdjiilerS im Singe haben, führt 31 t einer nahem ®r= Wägung berjenigen Berßältniffe beS ©pmnafiumS, burd) welcße oorneßmlid) auf bie erftere eingewirft Wirb. S5enn wenn tu bem bisher S)argelegten cornehmlid) bie itt= teHectuelle Seite betrachtet Würbe unb biefe atlerbingS bie gunadjft ßercortretenbe, als baS eigentlid;e Object beS Unterrid)tS, ift: fo würbe eS bod) ein großer Srrthum fein, wenn fie banttn für bie wichtigere gehalten würbe. «Denn baS bei weitem äßidjtigfte ift hier, Wie bei adern, WaS in ber (Ergießung gefd)iel)t, bie träftige unb gefunte Sutwidelung beS SBidenS, ber fittlidjen Seite beS Sd)ülerS. 2)aS ift ber lebenbige ÜDiittelpunct jener Bilbung, bie im ©ßntnafiutn erftrebt werben foü. «Darauf ift alfo oor allen «Dingen alles, was in bemfelben gefeßießt, 31 t ruhten, baS ift ber legte entfd)eibenbe SDtaßftab, woran fein SBertß 31 t tu effeit ift. Oie SBurgeln aller Wahrhaften, tiefen unb kräftigen Bilbung liegen, wie bereits oben bemerft Würbe, in ber ^Religion unb bem Bewußtfein ber Nationalität. So finb benn bie beiben SBurgeln, auS betten adeS, WaS im ©ßmnafium gefeßießt, ßercorwaeßfen muß, wenn eS fein 3'd erreichen fod, lebenbiger @laube unb lebenbigeS Nationalgefühl, ^Patriotismus. fpter» auS folgt feineSwegS, wie wir oben bereits faßen, baß bantm benjenigett llnterrid)tS= 3 Weigen, bie eine unmittelbare Begießung baju haben, ber «Religion, bem «Deutfdjen unb ber oatertänbifeßen @efd)id)te eine äußerlid) corwiegettbe Steduitg in bem ®t)tnnafium ein 3 uräumen fei. (ES ßanbelt fid) hier btel meßr um Sehen als um Beriten. Slber wohl giebt bie Begießung jener OiScipIitten gutn SRittelpuncte ader Bilbung benfelbett eine gang befonbere Bebeutung, bie aber oielnteßr 31 t fudjen ift in bem intenfioen als bem eptenftoen @ewid)t, baS man ißnen beilegt. Sie in erfter Sinie lege man, weint eS irgenb möglich ift, in bie fpanbe nid)t etwa bloß unterrid)teter, fonbern cor adem felbft üon ißrem Seßrgegenftanbe lebenbig bureßbrungener Beßrer. Slber aud) baS wirb nur geringe grud)t bringen, wenn nicht ber gefammte Organismus ber Scßnle getragen wirb oon biefent ©eifte lebenbigen ©laubenS unb NationalgefiißlS, cor adem beS lebenbigen ©laubenS; benn erft biefer giebt bem Nationalgefüßl bie red)te Äraft unb ben rechten £alt, inbem er eS cerllärt. (ES würbe aber ein grober Srrtßum fein, wenn bieS, wie eS woßl oorfommt, fo cerftanben würbe, baß bei jeber fid) nur immer bar= 198 ©pntnaftum. bietenbeit ©elegenpeit im Unterricht bie retigiöfen SSegie^ungert mit ©etoalt tjer&eige= gegen merben feilten. Dieg mürbe im ©egentpeil bag befte SDiiftel fein, bag religiöfe 23em.it fftfein anftatt eg gu ftärlen, gu geführten. Silber mol;! mirb and; ber Unterricht in ben oerfd)iebenften ©egenftänben bag ©epräge jenes ©eifteS tragen, bag ©epräge ber SäSaprpeit oor allem, ber gangen utib Ootten, lebenbigen Söaprpeit, bie aug bem allein fließt, ber felbft bie SQBat;ii?eit ift, bag ©epräge ber Siebe, bie nid)t bag 3pre fudjt, fonbern fid) am meiften freut, bag ©d)load)e gu ftüpen unb jebem reblidjen Streben entgegenfommt. 23ornepmlid) aber mirb biefer ©eift ftd) bemähren in allem, mag bag ©d)ulleben, alg Sehen einer fittlidjen ©emeinfepaft angeht, morin befonberg bie ergiehenbe SDtacpt beg ©pntnafinmg liegt. Diefe mirb ftd) aber unfräftig bemeifen, ober gar bie ©d)iiler, anftatt fie gu förbern unb in ihrem innerften Seben gu fräftigen, in bie ©efapr fd)Iimmer 23erirrungen bringen, menn jener ©eift beg lebenbigen ©laubeng fehlt. Durcp ihn allein erhalten alle jene Sinricptungen, bie alg felbftoerftänblicpe üleußerungen beg ben ©pmnafien alg offentlidjcn ©d)ulen eigentümlichen Sebeng fich überall, menn aud) mit mannigfaltigen ÜJiobificatiotten, finben, bie ©cpitlfeierlid)leiten oerfd)iebener 2lrt, bie ge= meinfamen 2lnbad)ten, bie (Senfuren, bie ßeugniffe, bag ©epräge, moburd) fte allein in ©tanbe fiub mit ootter Kraft pingumirfen gu bem 3tele, bag biefen 2lnftalten oorgeftedt ift. Denn er treibt baoon aug allen leeren ©d)ein, alle Unmahrl)eit; er ift ber Duett ber ©ered)tigfeit unb ber SBeigpeit. 6r ift enblid) bie eingige mapre ©runblage ber rechten 3ud)t, beren Aufgabe gerabe in ben ©hmnaften eine fo mtenblid) mid)tige unb gugteid) eine fo unenbtid) fdjmierige ift, namentlich in ber heutigen fo fepr gitr 3ud)tlofigleit ge= neigten 3cit: beim er ift felbft ber ©eift ber 3uauptgemid)t übrigeng in biefer 23egiepung fomopl, alg and) in allen anbern, moburd) bag ©ebeipen ber ©pmnafien bebingt ift, rupt auf beit Seprern. Die ©pmnafien, mie alle ©djulen, finb tebenbige Drganigmen, bie Seprer aber bie mefentlicpen Dräger beg in benfelben malteitben Sebeng. 23on ipuen alfo mirb eg öornepmlid) abpängen, melcpe ©eftalt eg annimmt unb meld;e Kraft eg cntmidelt. ®g bebarf nur einer oberfläd)lid)en ®rtoägung ber Aufgabe, melcpe bie ©pmnafien nad) ber intettectuetteu unb flttlicpen ©eite gu erfüllen paben, um inne gu merben, mie utienblid) mid)tig unb gugteid) mie fd)miertg fie ift. ©ott biefelbe erreid)t merben, fo *) lieber biefen unb einige embere bamtt jufamraeitpängenbe tßuncte bgt. aud) ben 2trt. •fttrepe. ©. Heb. ©ljmnaftum. 199 ift nid)t allein bie oben bereits fyereorgefyobene mannigfaltige Begabung für bie befon= bere Slufgabe beS Unterrichts nötb;ig, fonbern außerbeut richtiger Saft in ber 93etmnb= lung ber Sugenb, bolle Eingebung an bie görberung ber ©djüler unb unermüblictje Sbätigfeit, für biefelbe nach allen ©eiten bin ju mirlen, enblidh bie öoUe, felhftöerteug* nenbe unb riidhaltölofe 9fefignation, bie eigne Snbioibualität bem Oanjen unb feinem ©efamnitjtoecfe untcrguovbnen, unb hoch mieberum bie Snergie, in ben baburd) ange= miefenen ©renjeit bie gange Straft ju entfalten.*) 3n ber St)at eine gilHe oerfd)ieben= artiger ©igenfdtaften, beren ^Bereinigung feiten genug angetroffen mirb. Sie midjtigfte ©igenfdjaft aber, ohne melche alle jene ©ahen, felbft toenn fte in hoh em ®rabe oor= hanben mären, nicht genügen mürben, bie Borliegenbe Slufgabe gu erfüllen, ift, mie aus bem oben ©efagten heröorgeht, ber lebenbige ©taube an ©hriftum, „ohne melden," um 91. £>. grande’S Sporte gu gebraudien, „fein Sehrer feinem Slmte nur im geringften ©enüge leiften fann." Samit ftimmt boUig überein baS Sbeal beS 9ehrerS, mie eS Sboma 8 Slrnolb, bem berühmten Sfector oon 9fugbt) oorfdimebte (f. SBiefe Seutfdje Briefe ©. 181 unb b. 2lrt. Slrnolb 33b. I. ©. 260). 2ln bie ©pijje [teilt er bie gor* berung, ber Sehrer müße ein entfd)iebcner ©hrtft fein, nädjft biefem ©runbguge beS ©haralterS forbert er bie ernfte unb eble Haltung, melche ben eigentlidjen ©entleman mad)t: barnad) erft fomrnt bie görberung einer grünblidfen miffenfdjaftlidien S3ilbung, ber ©eleljrf amfeit unb Sehrljaftigfeit, mobei er freilid) meit entfernt ifl, bie h°h e SBich* tigfeit biefer ©igenfdjaften, ohne melche ja niemanb ein Seigrer fein fann, gu oerfennen. 3lber „bas eigentliche ©eheintniS alles lehrend liegt in bem ©harafter" (f- 9?oth Äl. ©d;riften 1, IV.). ©o allein ift eS möglich, baff bie ©hmnafien „Sßerfftätten beS heiligen ©eifteS'' merben, maS ihre hßcljfte Aufgabe ift.**) Sßenn aber barin, baß ein jefirer ein entfdjiebener, ein lebenbiger ©hrift ift r bie fid)erfte ©ernähr liegt, baß er feine 'ißflidjten mit aller Sreue unb Eingebung gu erfüllen trad)ten merbe, fo ift gugleid), menn biefer ©inn bie cingelnen Sliitglieber eines Sehrer* collegiumS erfüllt, barin Die fidjerfte ©ernähr mahrhaft einträdjtigen 3 u T ammen ' rci irfenS gegeben. 2Bie midjtig biefeS ift, bebarf feiner befonbern §eröort)ebung; ebenfomenig, mie fdjmierig eS ift, unb mie feiten eS, baS barf ja nicht oerhehlt merben, gefunben mirb. Senn baff ber äußere griebe nicht geftört merbe, auch e ' n Verhältnis h OT fd? e c meines man als ccHegialifcheS 31 t begegnen pflegt, fo fdjäfgenSmerth biefeS fdion ift, reicht frei* lid) bei meitem nid)t auS. Ser cinjige baiternbe unb unerfchütterlidje ©ntnb lebenbigen ßufanunenmirfenS ift bie ©emeinfchaft im ©lauben.***) SaS ift bie redete ©oncentration *) gür ben ©ijmitaftallebrer barf eine im Obigen mitangebeutete Sigenfchaft noch befonberS herborgehoben merben, bie in folgenben SGBorten SBiefe’S liegt (tßr. IDlott. @. 294): „Seitbem bie Seit ber unbeftrittenen §errfchaft Eines Sprinci^S, bas Eingebung forbert unb ftnbet, unb bei bem burd) ©roßes kleineres übertragen mirb, bahiu iß, iß bamit jugleich eine Duelle ber Straft unb ber Siebe für ben Unterricht faft toerfcpüttet. Segeifterter Drieb 311 ben SUtertljumsmiffenfchaften mirb immer feltener angetroffen, unb nicht biele leben noch fo in bem Sitten, baß fte, maS jebe Snterbretation fotl, ben ©eift beS StutorS, ber in feinem SBerfe berborgen ifl, ju neuerem Seben mieberjuermecfen bermögen. Sin ber Siebe beS Setirers 31 t bem Object ihrer gemeinfamen 33e* fihäftigung entjilnbet ftch aber bie beS Schülers." Itebrigens bermeifen mir in Sejug auf bie an ben Sehrer 51 t flettenben gorberungen auf ben Slrt. Sehrer. ®. SKeb. **) Slrts bem Obigen ergiebt ftch als nothmenbige golgeruitg, baß bie SBirffamfeit eines 3 u b en im Sehramt an einer chrifttichen ©chttle, mie tüchtig unb ehrenmerth er fonft fein mag, bem inner* ften SebenShrincibe biefer miberfbrüft, unb baß bie, benen bie Seitmtg ber 33itbuugSanflalten eines SJolleS obliegt, ftch ber Pflicht nicht entjieben fihtnen, ben chrtfilichcn ©b®rafter berfelbett auch in biefer SSegiehung treu 31 t mähren. ***) „©emeinfchaft bes ©eifteS, baS lößtichfie ©nt einer ©cfule, mie fetten mirb fte, bei ben ehreumerthefien 23eflrebitngen eines jeben für ftch, unter ben Sehrern angetroffen; mie oft hinbert bie ffjröbe beutfche ©ubjectibität unb ein fatßher ^Begriff bon ©etbftänbigfeit beS Gh®rafterS ober auch bon fmoteflantifiher greibeit bie bolle unb ganje Eingebung an baS gemetnfame SBerf, an einmüthige llitterorbnung unter bett höheren 3med bes ©anjen! Die baSfelbe SBerl 200 ©gmnaftunt. ber Sehrfraft, nad) ber man ruft unb bic man Oergebtid) in äußern Sinridjtungen, bett gefammten Sehrercotlegien ju gewäl)renben 9?ed)ten u. bgt. fucl>t (wie Sattmann a. a. SD. @.137 ff.). $»en wefentließenSinftuß barauf fiat fetbftoerftänblid) ber Oirector, ber aud) heute nod), wie feljr fid> aud) gegen frühere ßeiten bie SSer^ältniffe geänbert haben, ber 2lnftalt, bie unter feiner Seitung ftefyt, wefentlid) baS ©epräge giebt. 5n il;m mitten fid), fett er feinem 2lmte genügen, bie Sigenfdjaften beS SeljrerS in gesteigertem tDtaße finben. 3pt er ein entfd)iebener, tebenbiger Sljrift, befifjt er bie ©abe bie ®ei= fter ju unterfdjeiben unb ber Seitung, ofyne weldje atterbingS ein tüchtiger Oirector nid)t bentbar ift, fo wirb eS il;nt gelingen, aud) wiberftrebenbe Stemente ju überwinben. 2)enn eS giebt feine fiegreidjere 2Jtad)t in aEen menfdjtidjen 23ert)ättniffen, atS ben Ieben= bigen ©tauben, ber in ber Siebe tljätig ift. Stuf SinjetneS einjngeljen in biefen 23er= fjättniffen ift fier nid)t ber Ort, aber baS ift ftar, baß ein fotdjer Sinftuß beS OirectorS nur mögtid) ift, wo er einerfeitS äWar auSgeftattet ift mit berjenigen Stuctorität unb ©elbftänbigfeit, Woburd) er jum wirtlichen SDiittel^unct ber Stnftatt wirb, aber anbrer= feitS bem Sefjrercottegiunt niefjt in bureaufratifdjer, med)anifd)er Seife atS Sorgefefster gegenüberftet)t, wie bieS 23ert)ättniS in graitfreid) unb Belgien überwiegenb geftattet ift. Oer ÜDirector muß baS §aupt eines tebenbigen DrganiSmuS fein. tDieS füfrt uns auf ben testen fßunct unferer S3etrad)tung, bie äußere ©tet= tung ber Sehrer. ©otten fie fid) mit greubigfeit ifrem widrigen unb fdjwierigext 33e= rufe hingeben, fo ift ja freilich bie gorberung tief in ber menfdjtidjenStatur begrünbet, baß it)n nid)t äußere Sorgen brüefen. SS ift nid)t notl) barauf htnjuweifen, wie oiel in biefer 23ejiet)ung in ®eutf. SHeb. ©ijmttaftum. ©ijmnaftimt, fern SScrhältnid jum ©Ijriftcntljunt ic. 201 ift, felbft Wenn fie miigltd) wäre, üor «ßem in ®eutfd)lanb, nid)t rätl)lid) fein. 9?ameutlid) feit ben festen Safirjeituten, wo bie entgegengefe( 3 teften fOteinungen unb 9tid)tungen and) auf bem ©ebiete ber ©dfute fic^ gettenb ju madjen trad)ten, ift eine fefte obere Leitung bringenbed 33ebiirfnid. Slber fie geht nach bent aßgemeinen Eharafter ber 33erwaltung aud) in benjenigen Säubern Seutfdjlanbd, in Weidjeu fie mit ooßer Einfidjt unb größtem SEBotßwoßen geübt wirb, (oon grantreid), Belgien unb 9fußlanb nicht ju reben, Wo Eentraßfation unb med)anifd)ed Sßefett axtd^ auf biefent ©ebiete ntel)r ober Weniger herrfdjenb ift) immer nod) 3 U weit unb wirft baburd) beengenb. 2 )enn „bie ©d)ulen woßen Einrid)tungen ifyrer ©adjen nad) bem localen, befonbern, felbft foerfönIid)en 23e» bürfnid, alfo SDtannigfaltigteit, 33erfd>tebenl)eit, bie ißerwattung wiß ®leid)förmigfeit; jene Woßen für ihre Seljrfräfte ©elbftänbigfeit, biefe Unterorbnung; jene Woßen eine gewiße 23egeifterung unb Slufopferungdfäl)igteit bei ben Setjrern finben, biefe erwartet beibed eben* faßS, aber aud) badjenige SSerjidjten auf eigne Einfid)t unb Uebeqeugung, Weldjed mit ber SSegeifterung unb 2lufopferungdfäl)igteit unberträgtid) ift" (fßott), Äl. ©djriften 2 , 166). Dfine 3 weifel muß, wie fftotl) eben bafelbft audfprid)t, bie Oberleitung ber ©hmnafien, bie 3Bal;rung ber ißrincifien unb bie Eontrole ber Seiftungen, bie 33eftintmung ber 3iel= puncte berfelben boßftänbig in ber £)anb ber 9Jegiernng bleiben; ed mögen aud) bie Sel)retnrid)tungen, Wie fie ben -ßrincipien im aßgemeinen entfpredjenb erfd)einen, anfge= fteßt, aber babei ben Seljrercoflegien bie gfreiljeit gewährt Werben, nad) ihrer Snbioibua* lität unb ben iljiten 31 t ©ebote fieljettben “Kitteln biefetben im einseinen 31 t geftalten. Dt)ne 3weifel würben aldbann mandje S3erfd)iebent)eiten in ben 9tid)tungen unb 93eftre* bungen ber ©hmnafien fid) entwideln, aber eben barin aud) ein inbiöibueßered unb träftigered Seben, weld)ed ber ifjnen auüertrauten 3ugenb nur förberlid) fein würbe. Ed ift aßerbingd nid)t 3 U oerfennen, baß foldjer freiem ©eftaltung ber 53erl)ältniffe ber @t)m= nafien, Wie WünfdjendWerfl) fie and) ift, mandje Sebenten entgegenftet) en, bie nid)t bloß in ber aße ©ebiete bed öffenttidjen Sehend fo allmächtig bel)errfd)enben23ureautratie il)ren©runb haben, fonbern aud), unb nicht sum geringften SOl^eite, in bem übermäßigen 3 nbioibua= lidmud, ber in bie iBeljanblung ber SBiffenfdjaften unb bamit aud) in ben @t)mnafiat= lel)rerftanb eingebrungen ift, inbeffen wirb bie bal)er 31 t befürd)tenbe ©efahr überall ba gering fein, Wo bie rechten Känner an ber ©pi(}e ber Sehrercoüegien fteljen. S)afür wirb alfo oor aßem 3 U forgen fein. SDad finb bie Wefentlichen Sebingungen, oon benen bad ©ebeitjen bed ©hmnafiumd abhängt. 9?id)t unwid)tig finb aßerbingd außerbem gar raandjerlei äußerlid)e 33erl)ält= niffe, wie bie Sage bed ©ebäubed, bie 3toecfmäßigfeit feiner Einrichtung ober gar bie ©d)ön= heit bedfelben; ber mehr ober weniger große ÜSorrath oon Unterridjtduiittetn ber üer= fd)iebenften Slrt u. a. m. ÜDad aßed lann unzweifelhaft, Wenn ed oorjugdweife günftig geftaltet ift, auf bie Erreid;ung bed biefen Slnftatten oorliegenben 3'ueded fehr förberlid) wirten, unb ed wäre wünfd)endwertl), baß oon aßen ©hmnafien in biefer 33 e 3 iel)ung gefagt werben tönnte, wad oon ben englifdjen gilt (f. SBiefe beutfdje ^Briefe ©. 14); inbeffen finb biefe 33erl)ättniffe, faßd fie nur bem SSebürfnid entfpredjenb finb unb nid)t hinbernb wirten, nid)t oon Wefentlid) entfdjeibenbem Einfluß. ifranter. ©hmwafiltut, fein Verhältnis sunt Ehriftenthum, 3 ur Nationalität, 3 um p r at tif cf) en Seben. Unfere ©hmnafien finb aud ben 2)om= unb Älofterfd)uIen bed Kittelalterd entftanben, welche bie jyortpflausung bed anb genommen. Stber aud) barnatS erfolgte bie ©rünbung oon ©Ernten auS 33oIImad)t ber ffiirdje, ©eifttidje maren bie Sekret, bie ©dritter ftanben im 3)ienfte ber Äird^e, bie über Sefyrer unb ©djiiter bie Sluffid)t führte. 35ie ©prad)e ber Äirdje mar auch bie ©prad)e ber ©dptle, an ber Vulgata, bem ©tauben unb bem SBaterunfer bitbete unb erjog man bie Änaben. 2Bie barnatS bie ftird)e nod; altem öffent* ticken Seben ben ©tempet gab, fo mar audj ltnterridjt unb Erhebung baS ganje ©littet* alter b'nburd) burd; bie fiirdje gebunben. Stber je mefyr fid) bie Äirdje in i>ierard)ie oeräußertidjte unb bem Eoangetium entfrembete, befto mehr oertor fie auch baS ma^re 3iet ber (Srgie^ung aus bem Stuge. 35a gefdjab eS, baß bie äBieberbetebung ber ctaf* ftfd)en ©tubien, fo mie bie SBiebergeburt be» eoangetifdjen ©rincips in ber Defor* matiou eine Erneuerung nidjt nur ber Äirdje, fonbern audj ber ©d)ute fierbeifüfirte. 3)urd; S33ieberaufnal;me beS ©riedjifdjen unb tpebräifdjen, fo mie burdj eine mit neuem Eifer unb in ermeitertem Umfange getriebene Erttärung ber alten Etaffiter mürbe ber ©rttnb ju unferen gegenmärtigen geteerten ©djnten gelegt. 2 Bie üon Slnfang an bie clafftfdjen ©tubien, bie bei ben 3 tatienern, ba fie in ihnen mehr einen freien ©djmucf ebter ©eiftegbitbung fanben, 51 tt Entfrembung bom Eoangetium geführt fjattert, in 35eutfdjlanb burdj ifyre erften Äorppbäen Dubotpb Slgricola, EraSmuS Oon Dott erb am unb bor alten Deudjtin, benSBater ber beutfdjen ®elel;rfamteit, auf baS Ebangelium bejogen uub für Erneuerung beS geiftigeu unb fittlidjen Sehend mirffam gemadjt mürben, fo tjatte aud) bie Deformation ber ©djute $u ihrem testen 3 bJede bie Ermattung beS EüangetiumS, beffen Kenntnis man mieber aus bem ©tubium ber Urfdjrift fdjopfte unb für beffen SSert^eibigung man bie 33erebtf amfeit an ben Sitten bitbete. 35a8 Siebt ber alten ©praßen fotlte in bie liefen beS götttidjen SiöorteS leuchten unb bie ©bmnafien, infofern fte Schöpfungen ber Deformation finb, fotXten seminaria ecclesiae et reipublicae christianae fein, berufen bie 35iener ber Äirdje unb bie gübrer beS djrifttidjen SBotfeS ju bitben. 3ene 3Sermabnung8fd)rift SutberS an bie DatbSberrn aKer ©täbte 35eutfdjtanb8, baß fie djrifttidje ©dbuten aufridjten unb erbatten foEten, mürbe ber große ©tiftungSbrief ber gelehrten ©djulen. „3)ie bornebmfte Section ift bie heilige ©djrift, aber bie ©djeibe, barin bied SReffer beS ©eifteS ftedet, ber ©d;rein, barin man bie§ Äteinob trägt, baS ©efäß, barin man biefen ©raut faffet, ftnb bie ©pradten, bie allein redjt tebren, auch mettlidj Degiment mopl ju führen. 35arum fo lieb uns baS Eoangetium ift, fo hart taff et und an ben ©prad)en bitten." ®a 8 ift ber erfte SectionSplan ber proteftantifdjen ©djule, gegrünbet auf bem Sunbe ber ©pradjen unb beS EoangetiumS unb getragen oon beut ©elfte ber 3ud)t, ber bie Sugenb auferjogen miffen rnoEte in ber SSermabnung jurn §errn. 3n ber Sbat eine große Einfachheit unb nod) großartigere Einheit, eine SSerbinbung ber SBiffenfdjaft unb beS Sehend, mie fie bie 53itbungSgefdpd)te ber Dation nid)t junt jmeitenmate gefeben bat. ®a mar fein feinbtidjer Eonftict jmifdjen SÜBiffenfd^aft unb Ebriftentbum; $beo= togie, iPbitofopbie unb ^ß^trologie maren eins, bie ißäbagogif mar ein ©tüd ber £beo= togie, bie Sbeotogen, bie bie Sel)rerfteEen an ben ©d)uten befteibeten, maren fmmaniften unb umgefebrt bie §iumaniften 35b eo I°3 en - fitten Äirdten* unb ©d)utorbnungen legen 3^ugniS ab oon bem ernften unb boeb mitben ebangetifdjen ©eifte, ber baS ©diut= leben buribmebte. SIEeS maS in ber ©djute gefepab, gieng oon ber Ätrdje aus, biente ber Sfirdfe unb führte jur $ird)e gurütf. ©0 mie Deucbtin befannte, baß aEe feine pbitotogifd^en Slrbeiten junt SSerftanbniffe ber SBibel bienen foEten, fo oertangte SDe= landjtbon, baß aEe 35iSciptinen fo ju lehren feien, baß fie ju Dub unb 3i«be ber ffirdje gebeiben. 3n biefem ©inne arbeiteten jene Dormatfd)utmänner, Valentin Siro^enborf in ©otbberg, SDidiaet Deanber in Stfetb, bie beibe ju SRetambtbonS güßeit gefeffen hotten, SobanneS ©türm in ©traßburg. SDie Detigion mar ihnen ber ©runb unb bie Seuibte aEeS SfBiffenS. 3tuS ber gurd)t ©ctteS als bem Stnfange aEer SBeiSbeit mar ihre ©dptlgefe^gebung abgeleitet, bie ohne aEen frbmmetnben ©cbein Oon bem ©eifte einer ed)ten unb mabrbaft gefunben g^ßromigfeit burdjmebt mar. ®»;tnnaftum, fein SSerlwttniS junt Gfmifrnttjum tc. 203 3uerft mirb bon Srobenborf geforbert, baff bie Sdjüter fromm feien; bie .fpaupt« ftüde ber djriftUc^en Se^re foüten fie genau imu I;aben; früh unb abenbSr oor unb nad; Sfifdje, beim ^Beginne unb am Sdjluffe ber Schüfe beten; beS (Sonntags, 9Jiitt= tr>ocf)S nnb freitags ben ©otteSbienft befudjen, fleißig mitfingen, auf bie iprebigt ^örcn, fte ju fperjen nehmen unb and; auffdjreiben; öfter jnr 33eid>te unb 511 m heiligen Stbenb= mahl gelten; ihren ©tauben in ben ^rüdjten beSfelben erfennen taffen, in gleiß, @e= borfant, SDtäfjigfeit, Seufd;beit; ben Setjrern geborgen unb ihnen bie fdjutbige (Sbre er« toeifen; nidft fd;mören, fluten, taftern, nidftS fd)anbbareS ftd) 31 t Sdfulben tomnten taffen u. f. m. 2Bir mögen lernen, pflegte er ju fagen, 51 t bem 3 We &» baf; mir baS 2Bort ©otteS lernen, unb ein jeber an feinem ^tafse in ber Sirdje, im Staate, in ber Sd;ute, im §aufe bie Sßerbreitung beS (SbangeliumS förbere. 3)ie (Srflärung ber )]3eri= bogen gieng bem fonntägtidjen ©otteSbienfte oorauS unb burd)teud)tete baS Schütteten ber ganzen 2Bod)e. SDJatt fyatte nic^t metfr als 2 möd)enttieibentbum ©efa^r für ben d)rifttid)en ©tauben, fo baß man eine 3 eit lang auf ben ©ebanfen tomnten tonnte, bie Sirdfenfd)riftfteller als (Sorrectib in bie Sdjullectüre aufsunetymen. (SS fehlte nic^t an aScetifdfen Uebungett aller 9lrt, bie Zeitige Sd;rift unb ber SatedjiSmuS mürben in brei Sgradfen be^anbett unb ben Söiorgen« unb Ser$ unb Seben bringeitbe ©rtenntnig ber d)rifttid)en 2Babrl)eit auf bem ©runbe beg SBorteg ©otteg unb im fteten fpinblid; barauf, baß aug ber 3 u= genb ber ©t)nutafien bereinft bie fdnrmenben unb teitenben ©lieber ber 5tird)e unb bie Süljrer beg d)riftlid)en SSoßeg tjerBorge^en foßen. ^Diejenigen, bie pr §ebung beg djriftlidjen ©eifteg ber ®t)mnafien eine Sermetjrung ber 9tetigiongftunben geforbert haben, »erfennen ebenfo bie ftiatur beg jugenblid)en ©eifteg, toie bie SBirfungen biefeg Unter* ridjteg. ©el;r toat)r faßt 5t. Bon 9t au m er (@efd). ber fßäbagogif III. 43): „3nt 3toeifel gebe man lieber p loenig atg p Bieten 9teligiong=Unternd)t." SDem Uebermaße folgt oft Bößige ©teidjgüttigfeit unb Stbftumfjfung gegen bag £>Bd)fte unb £>eitigfte. grömmigfeit in bag $erg p pftanjen oermag fein Unterridjt. ©r fann nur ben ©inn für bie reügibfe Sßafyrfyeit ertoecfen unb ©rfenntnig mittt)eiten, bie im ©tanbe ift, ben ©tauben p beleben. Dtpebieg tnirb jebe 33ermet)ntng ber ©tunben nur p ber 33er* fud)ung führen, aße mögtid)en ©ebiete ber XtjeDtogie in benfetben 31 t umffannen. Slber bie d)rifttid)e ^eitgloatirfieit bleibt aud) im ©tpmafium ber .^aufttefirgegenftanb. 9fur barf ba§ ©Bangetium nidjt Borgetragen ioerben toie eine fte^re, bie fid) nur quantitatio »on ber fßlato’g unb Sicero’g unterfdjeibet, fonbern alg eine Äraft ©otteg, fetig p madjen aße, bie baran glauben. 9?ur too bag gefd)iet)t, tnirb auch bag ganje Sehen tu ber ©djute Born d)rifttid)en ©elfte burchbruttgen fein fbnuen. SBie eg ein testimonium paupertatis ift, trenn man ju @eiftlid)en alg befonbern 9feligiongtel)rern greifen muß, fo tnirb ber fjauptlel)rer ber ©taffe, in ber oberften ©taffe ingbefonbere ber SMrector, in biefem Unterrid)te ben eigentlichen fOfittelpnct finben, Bon bem aug feine bitbenbe unb erptjenbe SJT^ätigteit auf bie Sugenb augftrömt, — tnenn anberg er ber red)te 9Kann ift. Stopfd) oerlangt, baß er atg £et)rer geboren fei unb atg Sljrift ttid)t bloß geboren, fonbern getoorben. S)arunt ein jegti^er friife fid) felbft. ©o fet)r ben @eiftlid)en feine fird)tid)e ©teßnng p befähigen fd)eint, inbem er eine perfontid)e iBerbinbung gtüifdjen Äird)e unb ©dple barfteßt, bie .befonberg in bem ©onprmanben* 206 (Spmnaftunt, fein SBerbdttniS pttt Gtjriftentlmm tc. unterrichte fruchtbar gemadjt werben fann, ebenfo muß bagegen heoborgehoben »erben, baß burch fein SBirfen in giuei »erein§elten ©tunben ber Religionsunterricht unter bie Rebenfädjer gerechnet wirb unb baß er als Seljrer gu Voenig im SDfittclfJuncte ber ©djule unb ber übrigen wiffenfd)afttid)en ®iSciplinen fleht. 35er Religionslehrer muß außer ber £iefe eoangelifdjer SBilbung audj biefeuige SEßeite beS SSIicfeS hüben unb offenbaren tonnen, bie ihn befähigt, alle übrigen UnterridjtSgegenftänbe in bie Sphäre d)riftlidjer ßrtenntniS ^irteinsugieljen unb alle welttidje SBilbung im £id)te beS QtöangeliumS 5 U »erflären. ^)ier gilt eS, bie £eud)te beS göttlichen StBorteS tief hrrteinfcCjeinen ju taffen in alle anbere SBilbung, bamit baS ©pmnafiunt bie lieber,jeugung begrünbe, baß ein Humanismus, unerfüllt oom ©tauben, ettoaS h°h^ eS bleibt. 3)er eigentlidje $Rittel= punct beS ReligionSunterrid)teS aber unb gugleid) „bie fürnehmfte unb gemeinfte £ec= tion," »ie Sutljer fagt, ift bie heilige Schrift. „SJBo bie heilige ©djrift nidjt regieret, ba ratpe id) fürwahr niemanb, baß er fein Kiub hrnthue. 3ch habe große ©orgen, bie hol;en ©d)ulcn finb große tßforten ber fo fie nidjt emfiglich bie heilige ©djrift üben unb treiben ins junge SBolf.“ ®ie untern Slaffen ber ©hntnafien, bie bie ©djüler in ber Regel bis ju ihrer (Sonßrmation behalten, hoben, wie bie SBolfSfdjute, bieSBibet, ben Katechismus unb baS ©efaugbud) als bie große SriaS, burd) bie fie in baS Soan= geliunt unb in bie ©emeinfdjaft ber Kird)e einführen. Slud) in ben oberen (Staffen bleibt bie tiefere Hineinführung in bie heilige ©djrift bie Hauptaufgabe beS RetigionS» untcrridjteS, ber hier bie SrfenntniS ber chrifttid)en Sffialjrheit immer mehr auch burch bas SDenfen ju »ermitteln fud)t, unb burd) bie großen SebeuSbilber ber Beugen ber Kirdje bie ©ütcr fdjüpen unb erhalten lel;rt, für bie baS SBlut ber Riärtprer in ©trömen gefloffen ift unb für bie »iele im heißen Stampfe alles baran gefegt haben, (äs ift in neuerer Beit mit Recht l)eroorgel)oben Worben, baß es bie Slufgabe beS djriftlidjen @pm= nafiumS ift, überall eine lebenbige Sßerbiubung mit ber Kird)e ju nähren unb ju pfle= gen. ®er Unterricht in ber Religion hat bafiir bauptfädjlich unb pnädjft ju forgen. 35aS SBerftänbniS beS Kirchenjahres, bie fortlaufeub unterhaltene SBegieljung ju ben tirdjUd)en jpeften burd) bie SSSahl entfprechenber ©efangbudjSlieber unb bie Srtlärung ber biblifdjen -ßerifopen, fo wie enblid) eine Sßelanntfdjaft mit ben SBefenntniSfdjriften ber Kirdje, inSbefonbere mit ber Confessio Augustana, unb jeitweilige SOlittheilnngen über bie SluSbreitung beS (äöangetiumS burch bie SJtiffion fallen il)m ausfcpließlid) ju. Hier haben bie ©pmnafien oiet oerfäitmteS nad)jul)olen, wenn fie ihrer urfprünglidjen d)riftlid)en SBeftimntung nahe lommen Wollen. 35ie ©hmnafialbitbung führt jur (ärfenntniS ber dtriftlichen Sffiatirheit burd) baS claffifanblungen gehörig 3 U »errid)ten unb nidjtd 3 U »erfäumen, wad jur Verehrung ber ©ötter biente. Oie ©ittlidjfeit ber @ried)en grünbete fid) auf bie ungefdjriebenen ©efetje, bie aud bem Olpmpud ftammen. 3l)ve ©ophrofpne war eine ©efinuung, bei welcher ber üDienfdj itt heiliger ©d)eu oor Ueberfd)reitung ber ©djraufen, bie ben ©terb* lid)en gefegt finb, nach allen ©eiten 9)taß hält. SBeld) ein Sel)rer ber 2ßeidl)eit unb Ougenb ift ferner! 2Rit welchem fittlidjen Srnfte [teilen bie Üragiter bie (Erhabenheit göttlicher ©eredjtigfeit unb bie ©d)ranlen menfdilidjen Sßittend bar! fjronun fein unb heilige ©djeu 31 t Wahren in SBorten unb SBerfett betraditet ©opljotled ald ein @e= fdjenl ber ©ötter, um bad er feinen Shov beten läßt. 3n allen ©djicffalen ber SSölfer ertennen unb »erehrett bie großen £>iftoriter bad ^Balten ber ©ötter. 3hre SPhilofopljen, »oran ©otrated, fud)ten mit inbriinftiger ©eljnfudjt ttad) SSahrljeit unb fanben mehr ober Weniger in ©ottähnlid)teit bad gut menfdjlidjer ©lüdfeligteit. Oer bed <$l>riften= thumd würbige ©ebattle, baß nur bie Ougenb ein @ut, unb nur bad Safter ein Hebel fei, brüdt fid) in allen fji)tlo[DfoI?ifd)en ©djriften bed (Eicero aud. 50ian lefe nur ein* mal bie berühmte (Einleitung bed (Eradmud 31 t ben tudculanifdiett Unterfudjungen, bie aud) gr. 31. 933 0 1 f in feiner 3ludgabe wieberpolt hat. 33on ben Römern nenne id) nur nod) §ora 3 , ber feine 001 t bem ©lauben abgefaHcnen geitgenoffen 3 ur £>erftel(ung ber Stempel ber ©ötter aufrief unb 3 m- fRüdteljr 31 t ben alten guten ©itten ber SBäter er» mahnte, fo wie ben ftrengen ©ittenridjter STacititd, ber ftrafenb auf beit Oag bed @e= richted hinwied. Oer abtrünnige Äaifer S.ulian glaubte fo feljr an einen I;eilfamen Sin* fluß ber (Elaffifer auf bie Klüften, baß er ihnen ©djulen, in beneu bie alten (Elaffifer ertlärt würben, »erbot, um bem (Eljriftentljuine bie SebeudqiteHen geiftiger (Erfrifdjuitg afegufdjneibeit. Oen [Reformatoren ftatib bie etl)ifd)e SBebeutung ber (Elaffifer fo Ijod), baß SOieland)thon (Eicero’d 23ud) »on ben fßflidjten unmittelbar nad) ber heil. Schrift [teilen tonnte. [Rimmernteljr hätte ed in bem pI)ilofopljifdjeu 18. 5al)rl). gefd)ehen föitnen, baß man Slltertljum unb Offenbarung aud unb bie Ungemijfl;eit, in ber bie ©olfdreligion über ©ünbenoergebuitg lieft, fließ fie hinein in gefieintnidboße Söeiljett. ©ofrated mar bid gur Slljnung non ber 9fotl;menbigfeit einer Offenbarung borgebrungen unb fßlato mar übergeugt, baß bie Ougenb unb SBeid^eit, menn fie einmal in ©eftalt erfdjiene, munberbave Siebedregungen meden mürbe, ©eine gange ißliitofcpljie mar auf Teilung ber ©d;äben ber ©eete beredjnet. ©lernend bon Slleyanbria fagt mit fRed;t, baff bie @ried;ett burd; bie ißljilofopljie ebenfo mie bie Hebräer burdj bad @efe§ gu ©l;rifto geführt feien. 3d; fonnte ed liier nur anbeuten, mie auf biefent 2Bege ed in ben obern ßlaffen ber ©tjmnafien mofil gurn ©erftättbnid gebradjt merben fann, mie aud; bad Ijeibnifdje lltertl;uui bagu gebient h<*t, ben 3Beg gu bereiten, „bid bie 3«t erfüßet marb, ba ©ott feinen ©ol;n fanbte." fpunbertfad; mirb fid; gang ungefudjt bie ©elegen^eit bieten, gu geigen, mie bad 31Itertl;um bed fpeiled bebürftig mar unb mie groß bie Unter» fd;iebe gmifd;en gried)ifch=römifd;er unb d;riftlid;er ©5eltanfd;auitng finb. 3mmer mirb ed barauf fyinaudiommen, baff ben Sllten bei aßer Oeifibamonie ber lebenbige unb \)d= lige ©ott uubelannt mar unb baff bie burd; bie ßrlöfung geftiftete eines ©fyri* ftenmenfd;en bod; eine herrlichere ift ald aße Freiheit, ber fid; bad Slltertljum rühmte, „ginbet fid),“ fagt ©afiliud äftagnud gu feinen Süttglingen, „einige ©ermanbtfdjaft gmifdjen beit l;eibnifd;en unb ben d;riftlid;en 2lnfid;ten, fo mirb bie Äettntnid ber elfteren eud; ltüjjlid; fein; mo aber nicht, fo mirb eine ©ergleid;ung ber ©erfd;iebenl;eiten eud; int ©efferen nicht menig befeftigen fönnen.“ ©ott biefent ©a^e audgefienb fml ©. S. Dfotl; (Meine ©dfriften II., ©. 22 ff.) an einleudjtenben ©eifpielett bie natürlichen ©orfteßungeit ber Sllten mit bem ©e^alte ber Offenbarung oerglid;en. ®r fagt mit fßed;t, baff oljne eine foldje SSergleicfjung ber Söertl) ber geoffenbarten Religion in bem Sllter, meld;ed nod; leine ,§ergenderfal;rungen barüber gemacht l;abe, gar nid;t ober nur halb anerlannt merbe. Oie ©orfteßungen ber alten 2Belt non ben mid;tigften Singe» legenheiten bed 3)tenfd;eu lönnett nur bagu bienen, jebern Oenfenben unb aud; fd;ott ber 3ugenb bie 9totl;toenbigfeit ber Offenbarung Har gu madjen unb bie eingetnen geoffen» barten Sel;ren in ein heßered Sid;t gu fteßen. Slld ©eifpiel mahlt er bie Sehre »ott ber ©inheit ©otted unb oou ©otted ®igenfd;aften, ber er bie fittlidjen ©erirrungett bed fpolptheidmud gegenüberfteßt, bie aßmät;lid; aßett mirflid; religiöfen ©ehalt aud ben alten ^Religionen audgetrieben hüben, fo baff nichts mehr übrig blieb ald bie StReinung nott ber blinbett 9Racf;t bed ^ttfaßd. Slld gmeited ©eifpiel bient ihm mad unfere ^Religion über ben 3rced bed 9Renfd;enlebend lehrt unb mad bad Sllterthum, nicht bie fßhtlofopbie, fonbern bad ©oll, baöon urtheilt. Oabei merben bie fragen über bad l;öchfte ©ut, über Unfterblid;feit unb bad SBefen ber Ougenb erörtert, in ber ©hat ©afoitel, in benen an ben SReittungen bed Sllterthumd bad Verlangen ber 2Renfd;ennatur nad; göttlicher Erleuchtung, fomie an ben entfpreebenben Sehren ber Offenbarung bie Erfüllung biefed ©erlangend llar gema= feit in bem toaS man als baS Diente erfannt l;at, bie ipeilighaltung ber El)e — feine virtus im ganzen ift bed) nur ein Vaum, ber auf bem ©oben ber natürlichen Slffecte ftel)t, unb trenn er Sbeale biefer virtus auffud)t, fo finb eS trieb er nur fold)e, bie im Verlangen itad) eigner Erhebung ein bebeutenbeS 9)1 aß Bon Ävaft bargelegt haben. SS giebt gar nichts, tooran man baS innerfte Sßefen ber c^riftlic^en £ugenb burd) Vergleichung fo ganj beutlid) madjen fönnte, toie bie Sugenb ber füllen, toenn man bie fßrincipien beiber aus ber ^eiligen ©djrift einerfeitS unb ben alten Slutoren anbererfeits l)eroorl)ebt. Unb fo iftS mit bem Uebrigen. 2)ie Und)riftlid)feit beS heibnifchen 5ültertI)uraS taugt beffer bajn, bie d)riftlid)e SÜBahrljeit eintemhtenb ju madjen, als bie Vehanblung cf»rift= lid)er Autoren felbft. ®enn es ift ein großer 3rrthum, ju glauben, es toürbe bie djrift= liehe SBahrheit ber Sugenb mehr ju ^erjen gelten, toenn SactantiuS unb EpprianuS ftatt Sicero’S, 3uoencuS ftatt Virgils, SufebiuS ftatt XenopponS unb fperobotS, EhrpfofiomuS ftatt ber alten Dfebner bie bem Sefen gried)ifd)er unb römifdjer ©djriftfteüer getoibmeten ©tunben auSfüHten. 2Ber baS meint, ber fennt bie firdjlidjen ©d)riftfteller felbft nicht, ober Weiß nid)t, in welcher Sßeife ber jugenblidje ©eift angeregt ioerben muß. Sine foldje Umtoanbluug beS ber Sugenb gebotenen ©toffeS toürbe ohne Zweifel biefelbe 2ßir= fung heroorbringen, toeldje burd) bie SrjiehungStoeife man d) er trefflieh gefilmten d)rift= liehen Eltern fd)oit h^Borgebradjt toorben ift, baß bie Ueberfättigung mit religiöfem ©toffe bei ben Sinbern nid)t nur @leid)giiltig!eit, fottbern SßibertoiHen unb SSitterfeit gegen alles SWigiöfe ergeugte." 2Bcnn bie Verfud)e beS 17. 3al)rl)unbertS, an bie ©teile ber alten Staffiter bie Sird)enfd)riftfteller gu feigen, toofür befonberS ber fßpilolog Spriftoph EellariuS thätig toar, nod) in neuerer 3 e it ihre Anhänger gefunben haben (Bgl. S p t p, ßlaffifer unb Vibel 1838), unb inSbefonbere in fjranlretd) in ben lebten Saprjepnten einen heftigen im Sntereffe ber fatholifdjen Strebe geführten ©treit herBorriefen (Bgl. @. SDörgenS, ber heilige VafiliuS unb bie clafftfepen ©tubien. Seipjig 1857. ©. 33 ff.), fo ift bagegen in 3)eutfd)Ianb burd) bie gorfepungen Bon UJägelSbad) unb anbern geiftoerioanbten 9)?ännent immer mehr ber SOfaßftab für bie reihte äBiirbigung beS claffifd)eu SlltertpumS in feinem Verhältnis jum SBangelinnt ge= funben toorben. 9htr hüte man ftd) in ber fßrafis ber ©djule babei Bor allen Ueber= treibungen unb jiefje nieht an ben paaren herbei, toaS fiaß Tein buntleS ©dfidfal bie ©efdficbte ber SSoIfer lenTt, aud) feine abStracte Sorfebung,. fonbern baß bie @efd)id)te eine bon bem lebenbigen ©ott geleitete (Siebung beS 3Jten= [d)engefier gilt als 5D?aßftab baS SBort beS ©amalicl: „3ft ber Datl; ober baS 2Berf aus ben SRenfdjen, fo mirb eS untergeben. 3ft eS aber aus ©ott, fo fiinnet i^r eS nicht bämßfen, auf baß itjr nicht erfunben merbet als bie miber ©ott ftreiten moöen." Sei bem llnterridjte in ber beutfdjen Dational = Siteratur mirb eS in 3 U= funft immer mel;r gefc^e^en müßen, baß er tiefer einfilljrt in bie mittelalterlidjen ©d^äbe unfereS SolfeS, beffen ältefte Sarben fd)on oor taufenb Sabren Don ber §errlid)feit beS SrlöferS fangen. 3)ie $£batfad)e, baß alle unfere Siteratur=®pod)en einen retigiöfen SluSgangSfJunct b a 6 bn, fpridjt beutlid) genug für bie religiöfe 6 igentbümlid)feit unferS SolfeS. llnfer ältefteS ©d)riftbenf'mal ift eine Sibelüberfebung, bie Deimpoefie beginnt mit DttfriebS Sbrift, bie neuere 3^1 mit SittberS Dationalmerf unb an ben Sfbrten beS SliitealterS unferer Literatur ftel;t Klopftod mit feinem großen (EpoS Don ber fünbigen 9Jtenfd)beit (Erlöfung. SutljerS Sibelüberfebung unb baS eoangelifc^e Kird)en= lieb, unfere DolfStbümlicbfte So^fte, meifen unmittelbar auf ben DeligionSunterrid)t juriief. ®aß unfer eDaugelifdjeS Kirdjenlieb roieber lebenbig merbe in unferm Solle, muß eine Hauptaufgabe djriftlidjer (ärsiebung fein. Dädjft ber Sibel ift eS baS feftefteunb innigfte Sanb, baS unfre Soltsbilbung mit ber gelehrten Sitbung nodj 3 ufammen hält. ©pmnaftum, fein SScr^dttniS pm ©bttffentfmm ec. 211 gür bie 93el)anblung ber beutfdjen Literatur ift 33ilmar8 ausgezeichnetes 33ud) bahn= bred)enb geworben. 3Ijw ßerbanfen wir aud) bet ber fdjwierigen grage über baS 33er» hältnis xtnfrer neueren claffifdjen ©lanperiobe pm Kljriftentbum btejenigen Sünljalts» puncte, oon benen aus eine rid)tige Sffiürbigung jener großen ©eifteSheroen miiglid) ift r bie einer Kpod)e angeboren, in ber bie äfttjetifche Sffiiebergeburt beS antifen ©eifteS, bet bem ganjen bamatigen 3uftanbe ber eßangetifdjen ffirdje, bie ©efapr in ftd) trug, eine Humanität außerhalb teS KhriftentljumS p fudjen. .Spier gilt eS, fid) ebenfo ßor 33er= götterung wie cor 33erfej3erung p hüten, ©o grob bie 33erirrung ift, für bie bie 3ugenb ber ©hutnafien teidjt empfänglich ift, bie 2öeltanfd)auung jener ßeit ptn SWaßftabe für bie äBaljrheit beS KoangeliumS p madjen, fo befchränft ift eS, oom ©tanbpuncte eines bogtnatifd)en ÄirdjentlpmS aus über bie herrlidjften @eifte8fd)Bpfun= gen, an benen fid) nod) bie fpateften ©efdjledjter erfreuen unb nähren toerbeit, baS 33erbamntung8urtl)eil gu fprechen. Slber wie in ihren SSorjügen fie unoergänglidj fein Werben, fo Weifen fie and? in ihren -Dlängeln auf eine Krfüdung hiß, bie ber 9?ad)Welt befdjieben fein wirb, fpier hilft für baS SDtaß beS KoangeliumS, bem fid; nidjtS ent= jiehen fann, baS fdjöne SBort 9?eanber8 nad): „3ldeS wa§ in bie fpöhe «nb in bie ©iefe führt, ift bent ffteligiöfen ßerwanbt unb geeignet, baSfelbe lebenbiger l)erßorp= rufen." 3ebe8 aufrichtige unb reine ©treben nad) 2BaI)rl)eit, aud; wenn eS nicht un= mittelbar an bie Dffenbarung hirtanreicht, h fl t feine Stellung innerhalb ber Greife beS Kl)riflenthum8. 3d) unterlaffe eS, weiter auf baS Söfateriale ber einjelnen Unterrid)t8gegenftänbe einp= gehen, ba eS nid)t fdjarf genug h^borgehoben werben fann, baßbiefßerfönlidjfeitbeS Sehr er 8, in Weldjem gad) er aud; unterrichtet, bie Trägerin beS eßangelifcf)en ©eifteS fein muß, ber fein Sßerf lehrenb unb bilbenb an unfrer 3ugenb treiben fod. SJfan legt noch immer p ßiel SÜSertl; auf dltethoben unb £h et >rien beS UnterridjteS unb ber ©rjiehung unb ßergißt babei p leicht, baß baS ©eheintniS alles SSilbenS unb Krjieljeng in ber Sßerfßnlidjfeit unb in bem Kharafter beruht. Unferen ©hmnafien fehlt eS nicht an 2Biffenfd)aft unb ©etehrfamfeit, Wohl aber an ergiehenber Äraft. 3Bir Ipben p lange einem SlbStractum allgemein wiffenfd)aftlid)er SMlbung nad)geftrebt unb mehr bie SSMffenfdjaft als bie Silbung in ben 33orbergrunb geftedt. ©er SÖfittelpunct aller 33ilbung aber muß bie fittlichc ©efimtung fein, bie mehr burd) IBorbilb als burth Sehre„ mehr burd) 2lnfd)auen als bttrd) Semen angeeignet wirb. SDcan hat mit 3fed)t gefagt: „wer lernen wid, muß ©tauben haben.“ Siber ebenfo muß berjenige, ber lehren wiß r fid; fo htrrfteHert, baß man ©lauben p ihm haben fann. SÖJangel an fßietät unb £ud)t, an Shrfurdjt unb ftfefpect ßor ber 2luctorität Bon ©eiten ber ©d)üler ift jnra Slheil burd) bie Seljrer felbft oerfdplbet. ©ie ©thüler foden nid)t bloß oon ihren Sel)revn lernen, fonbern noch mehr burd) biefelben. 93or adern wirb eoangeüfd)e8 @laubenS= unb Siebesleben bie fierjen ber 3ugenb bann etnpfänglid) finbeit, wenn fte bie Sßerfönlidjfeit ihres Sel)rerS unb KrjieherS felber baßon erfüllt fehen. Sffiemt bie Sfxtfgabe einer d)riftlidjen Krgiehung bie ift, aus bem SDfenfcfjen eine neue Kreatur p machen, bann fann nur ber bap berufen fein, ber an fid) felber eine SBiebergeburt erfahren hat. SRoth (SI. ©djriften, I. ©. Y.) fagt: „um anbere p erphen, mäßen Wir uns immerfort erjiehen laffen." 33ergeffen wir es nur nidjt, baß BaS Sel)ramt eben fo wie baS geifllidje 2tmt eine feelforgerifdje ©Ijätigfeit erhcifd)t unb baß feit feU ner Kinfelpng burd) ben SSefehl beS §errn: SBeibe meine Sämmer! bie §irtentreue baS rechte fiennjeid)en djriftlidjer Sel)rer unb 3ugenbbilbner geworben ift, bie ihren Gingang p ben ihnen anßertrauten ©eelen burd) feinen anbern fud)en foden, als burd) ben, ber fid) felbft bie Sllpr genannt hat. ®iefe feelforgerifche Shätigfeit fod befonberS ben Ipauftlehrer ber Klaffe als ben ßäterlid)en Grjiel)er mit feinen 3ögüngen ßerbinben. ©rößere SluSftattung mit äußerer 31uctorität, nad) ber ftch oft fdjwacfje Sehrer fehnen, hilft nichts, wenn bie Sugenb ihrem Grjieher nicht aus adern, WaS er mit ihr ßorI)at, ben 3»ä beS ©eifteS abmerft, ber ba fpridjt: bie Siebe bränget ntid) alfo. ©aS S3ilt> 212 ©hntnaßunt, fein SSerbültniS put Gbtißcntbunt ic. eines folgen SeljrerS unb SrjieherS hat nod) in neuerer ßeit S^ontaS Arnolb, ber berühmte ßlector öon ßiugbt) bargefteHt (ogl. 93b. I. ©. 260 ff.) ©er ©eift ber Äraft unb ber Siebe unb ber 3ud)t galt iljm als baS große SrforberniS eines SehrerS. ©ie 3bee einer ©djule fdjloß für ihn bie einer dpiftlidjen ©dple ein. ©en 93eruf eines SehrerS fe(3te er eben fo wie ben eines Pfarrers in bie ©eelforge. ©ie Knaben fal) er als foldje an, bie p cfpiftlidpn fßlänuern heronWachfen fotlten. ©abet ließ er fid) feinen djriftlidjen ©efidßSßunct Weber burd) bogmatifdje, nod) burd) Urdßidje ®ngber= jigfeit trüben, fonbern ftanb rec^t in bem 93oHen ebangelifdjer Freiheit unb Sraft. ®r »erftanb eS, wie Wenige, burd) ben ©eift beS SliaS auf ben ©eift etpifti corjubereiten unb von ber ©tufe beS ©efejseS bis pr befreienben Siebe hinauf in feiner ißabagogif eine Abbitbung jener Srjiebuug barpftetlen, cie uns alle pm ßfeidje ©otteS gefdjidt macht. ®S ift befannt, baß in englanb ber ^crfönlidp einfluß ber Seigrer auf eija= rafterbilbung burdjweg größer ift als bei uns, Aber bie erjielpng fann bort and; meßr, als bei uns, an bie IpuSlidp ©itte anfnfißfen. lieber baS Familienleben unfrer 3eit unb feinen ttielfad) bemmenbeu einfluß auf eine gebeiijtidje Sugenbbilbung ftnb bie Klagen immer lauter geworben. (93ergl. ©gröber, bie Religion in unferen ©tptnafien unb höheren ©djulen unb baS 3ugenb* unb Familienleben unfrer 3eit. ©öttingen 1856 ©. 41 — 77 ). ©ie ©dple fteht in ber Sftitte pifdjeit ber Familie unb bcnt öffentlidjeu Seben. ©aS Familienleben, fo wie baS ©emeinbeteben in ©taat unb Äirdje finb fo wirffame Factoren, baß nur ourd) ein einträchtiges 3 u fammengel)ett beiber bie Aufgabe ber 3ugenbbilbung gelöst Werben fann. ©a wo bie 3ugenb aus bem elterlidjen £>aufe fromme ©ewölpung mitbringt, Wo bie Sltern baS „bete unb arbeite" in bie £>änbe unb in bie fperjen pflogen unb bie Äirdje ihres 91mteS in ©reue Wartet, ba wirb eS and) möglich fein, nicht bloß ju einem 9S$iffen von ber ÜJeligton, fonbern p einem Seben in berfelben p führen, beffen Früchte man an bem ganjen ©eifte beS Untcrrid)teS unb ber 3uoten, fonbern eine fpauptfeite bed ©ottedbienfted ift bie „oerehrlidje 11 SIrt, bie fidj in einem freiwilligen obferre cottjie^t «nb jeben B^ong audfdjtießt. fpäuSlidje ©itte unb bad Veifpiel ber Server müßen Sunädjft bie 3ugenb jur ffirdje jie^en. 6 d finb abnorme Buftänbe, wenn bie ©djüler bern ©ottedbienfte beijuwoljnen genötigt werben müßen. SKan treibt aldbaitn bie Sugenb in bie ffirdje, Weil bis Sitten Ijineinjugefyen oerfäumen. 2Bo ein foldjer 23er= fall beS firdjlidjen Sehend fldj offenbart, gilt ed mit 33efonnenljeit unb SJiäßigung in ben einseinen fallen ju unterfdjeiben unb mit fäbagogifdjem Safte nidjt bloß bad Slngemeffenfte, fonbern suweiten aud) bad am wenigften SSadjtljeitige su wählen. Daß bad regelmäßige Äirdjengebjen für bie Sugenb fd)on bttrdj bie gute ©emöbuung, bie ed erseugt, oon ©egen fein fann, l;at mancher im fpäteren Seben, Wo aud bem äußeren Dtjun fid) ein innered Vebürfnid entwirtelte, mit Danfbarfeit anerfannt, unb ed giebt meljr als ein 35eifpiel, baß aud) auf biefem ÜBege bie fersen ber Geltern 3 U ben ff in* bern belehrt Worben finb. — Sin einseinen Drten finbet fid) nod) heute eine St)eil* naljme bed ©d;uld)ord an ben liturgifd)en 9?efponforien bed ©ottedbienfted ald @rb= theit aud alter B^t. — Stber oon allen ben Vesieljungen jur ffird)e, bie h' cr tu S3etrad)t fommen, bitbet bie Oon Sehrern unb ©djülern gemeinfant begangene Seicr bed heiligen Slbenbmahled, ald bed l)bd)ften Sülbfleriumd bed d)riftlid;en ©laubend, ben ^öheßunct. fpier fallen fie fid) attsumal Gciner füljlen in CUjrifto unb Oon bemfetben junger unb Dürft getrieben su bem 33rote unb §u ben Duellen bed Sehend. Da steint ed fid) öor allem für ben Vorfteljer ber ©djule, in ftitler 2Beil)eftnube bie fersen ber Sehrenben unb Sernenben borsubereiten für bie ^eilige freier unb an bie lebten unb Ijodjften Biele alles SSilbend unb aüed Sernend su mahnen. Dad SBort heiliger ©d)rift ift ht« bie einjige wirffame £>anbljabe, ber er fid) babei su bebienen hat. (Sine äljn* lidje Vorbereitung burd) bie 9?eIigiondlel)rer gel)e aud) ben hohen firdjlidjen fjeften bor* aud, bamit frühe ®ewi3l)nung bie ©eele in tebenbiger (Erinnerung an bie großen Dfiu= ten ©otted erhalte, bereu SBeWußtfein bem irbifdjen ©inne, bem bad bürgerliche Safjr Wichtiger ift ald bad ffird)enjahr, fo Ieid)t bertoren geht. 3it folchem ©eifte ift bad ©hmitafiunt mit ber ffirdje berbunben, Wenn aud) bad äußere 53anb bei ber Sntmicfelung, bie bie SBiffenfdjaft unb bad Sehen genommen fyat, nothwenbig lodrer geworben ift. 9?od) ift ein Dljeit ber 3tuffid)t über bie ©tjinnafien ber ffird)e geblieben. Sßäljrenb in einseinen Staaten bie ©onfiftorien bie Slngelcgen* heiten ber ©djule leiten, in anbern einseine geiftlid)e SJlitglieber ber ©taatdbel)örben Sur ©djulauffldjt beigegeben finb, ift borjüglid) ber fßeligiondunterridjt unb bad ganse religiofe Vilbungdleben ber ©d)ule unter bie ffirdje geftettt. SBie weit bie Sinwirfung ber ffird)e babei gehen bürfe, ift oft feljr fd)Wer 3 U entfdjeiben. Die B e 't »erträgt feine hterardjifdje Veoormunbung. SBo biefelbe h er »°rtritt, hat bie Sinfe^ung oon (Sphären unb ©djolardjett nur SlrgWohn unb fßiidtrauen erregt. Unsweifelhaft ift, baß bie ffirdje über ben Religionsunterricht bad erfte Sßort mitsureben hat. Die gwrberung bed Re»oIutiondjah»eS, in bem man eine gänslidje Freiheit ber ©djule non ber Religion oerlangte, ift glücfiidjerWeife eine lßh ra f e geblieben. 6 d ift oerfehrt, bie Unabhängigfeit ber ©chule oon ber ffirdje unb ber ffirdje Born ©taate fo audsitlegen, baß ber Reli= giondunterridjt eine audfdjließlidje ©adje ber ffirdje fei, bie für bie ©djule feine anbere 33ebeutung habe, ald baß biefelbe ald Söiffenfdjaftdanftalt eine hiftorifdje ffenntnid oon ber Religion gebe, bie etwa unter ber Rubrif ber gefd)idjtlid)en Sectionen ju begreifen fei. Die hiftorifdje Gsntwidetung, bie wir oon bem Verljältnid bed ©hmnafiumd sum Gdjoiftenthume gegeben haben, weidt mit SJottjtBenbigfeit barauf hiu, wie bie ©djule Weber religiond* nod) confeffiondlod fein fönne, wie bie 3bee ber ©djule bie einer djriftlidjen in fid) fdjließe unb wie aud) bad leiste B^l bed ©hmnafiumd nidjt bloß ein Wiffenfdjaftlidjed fei, fonbern 3 ugleidj eine im ©eifte bed Geoangeliumd an beit fersen ber Sugenb geübte Bucht. 3n Preußen Würbe in einem Srlaffe bed Dberfirdjenrathd Oom 14. SUobbr. 1854 ben @eneral=©uperintenbenten bie Seaufftdjtigung bed ReIigionS= 214 ©tjtnnaftum, fein ©crbättniS junt (Sfjriftentbuttt tc. Unterrichtes an baS fperj gelegt, intern fte an eine ©erorbmtng non 1829 erinnert tourten, nach ter fie „auf tie religiöfe unt ürdjltdje ©enbenj ter gelehrten ©djulen unb t;öl;eren 93iirgerfd;ulen 31t achten haben." „©er @eneral=©uperintenbent ift baSfenige Organ, burch WeldjeS ter 3afammenhang ter Äirdtje ntit bem ^ö^erert Uitterridjtswefen lebenbig »ermittelt Wirb, unb burch Wcld;eS bie tätlichen ißehörben bott bem religiöfe« ©tanbe ber höhnen Unterrid;tS=9lnftalten in Kenntnis erhalten, anbererfeitS tiefe beS ©egenS theill;aftig Werben foüen, welchen bie perfönlidfe ernfte unb liebeboüe ®h e ii n al;me beS erften ©eiftlidjen ber fßrooinj tiefen 9lnftalten in ihren Settern unb ©liebem $u= 3ufül;ren bermag." 3 ltl, ä | hfi wirb ^ bem @eneral=©uperintenbenten jur Pflicht gemalt, burd; ©efud; ber NeligionSftunben, burd; ©inficht beS gefammten SehrpIanS für ben NeligionSunterridjt, ber babei gebraudjten Sehrmittel unb ©d;ulbüd;er, ber etwa bon ben ©d;ülern gehaltenen fpefte, foWie burd; Nücffprad;e mit ien ©irectoren unb NeligionS* lehrern fich Kenntnis ju berfd;affen, ob ber NeligionSunterrid;t „im rechten ©eifte unb nach reiner ebangelifcher Sehre" ertheilt werbe. ©amt foüen fie auch ifw 9lugennterl barauf ridjten, ob bem ganjen Söerl ber ©djule bie religiöfe ©3eit;e nicht fehle, bie ihm bitrd) 9lnfangS= unb ©d;luß=@ebet unb burd; bie religiöfe geier ber widftigften fNotuente beS ©dfullebenS gegeben werben muff, ©ie foüen fid; enblid) in Kenntnis babon er* halten, ob bie cinjelnen Slnftalten burd; georbneten Kird;enbefttd; ber ©chüler unter Sheilnahme ber Sehrer, burd; gemeinfamen ©enuß beS heiligen 9Ibenbmal;leS, burd; be= ftimmte Kird;enftf3e für bie ©d;üler unb burd; !£l;eilnal;me biefer an 9luSfül;ruttg ber Siturgie in einem beftimmten Verhältnis jur Kirdfe fielen, gür aüe biefe 3wede Wirb ein nid;t bloß fsaffioeS ©erhalten, fonbern bie unmittelbare perfönlidje ©inWirlung beS ©eneral=©uperintenbenten burd; eigne fragen, ©Sorte ber ©rmahnung, Selehrung, 9ln= regung an Sehrer unb ©chüler in 9lnfprud; genommen. SBährenb in Norbbeutfdflattb borl;errfd;enb fßhil°l 0 8 en > He bie fphilologte im ©inne g. 91. 2B 01 f s als eine felbftanbige ©Hffenfdjaft ju ihrem ©tubium erwählt l;aben, bie Selfrerfteüen an ben ©hninafien belleiben, ift in ©übbeutfd;lanb bielfach nod; bie alte IprayiS, baß tfieclogifd; gebilbete fßräceptoren, bie bie fßl;ilologie als fpülfSWiffenfdjaft für bie Rheologie unb behufs aügemeiner ©eifteSbilbung auf ©d;uten unb Uniberfitäten mit Siebe gepflegt haben, an höh ern @d;ulen wirfen. Notl; (KI. ©djriften I, 396 ff.) hat fid; entfd;iebeit für baS Sefjtere attSgefprod;en. 3n fßreußen l; a t man in neuerer 3eit ben STbjeDlogen ben 3 u 8 an 8 3 U fcen SehrerjteÜen an ben ©pmnafien erleichtert, ba ber ©Ränget an NetigionStehrern bei ben auSfdftießlid; auf baS 9lltertf)um gerid;teten ©tubien bieler ^Philologen immer größer würbe. @S fjärtgt bie 9lrt ber ©orbitbung für ben Sehrerberuf offenbar immer mit ber jebeSmaligen 9luffaffung jufammen, bie man »01t ber 9lufgabe ber ©ijmnafien hat. ®ie richtige SrlenntniS beS 3i e l e § wirb immer rttdwirlenb fein mäßen auf bie SBege unb Ncittel, burd; bie man ihm juftrebt. §ält man baran feft, baß bie §auptlel;rer ber (Staffen als bie junädjft befteüten bätertichen Setter unb Gsrjieher ber ©chüler auch ben NeligionSunterrid;t ertbjeilen unb baburch in einen SNittelpunct gefteÜt werben, bon bem ihre ersiel;erifd;e S©t;ätigfeit auSgeht, bann Wirb auch e ' n beftimmter ©rab theologifd;er ©orbitbung ihnen nid;t erlaffen werben tonnen. 3)aff aber bie Sehrer aüe nicht bloß bem Namen nad;, and; nid;t bloß burd; ein ©Siffen bon religiöfen ©ingen, fonbern in ©eift unb ©ßabrheit eoangelifdje ßfw'fttn nnb lebenbige ©lieber ber Kirche fein foüen, baS Wirb man forbern mäßen, fo lange feie ©pntnafien d;riftlid;e Sugenbbilbnng unb 3ugenberjiel;ung als il;re Stufgabe erlernten. — ®ie grage nad; bem Verhältnis beS @t;mnafiumS jur Nationalität hat fich befonberS in neuerer 3eü in ben ©orbergrunb gefteüt, feitbem mit bem ©lieber* erWad;en beS beutfd;en Nationalgefühls bie gorberuttg immer lebhafter würbe, baß mtfre ©hntnafien beutfdje ©d;ulen fein foüen, bie $u beutfdjer Vilbung unb beutfcher ©efinnung fül;ren. ©Sie man fid; gegenüber einem abStracten £mntaniSmuS auf bie chriftlid;e ©runblage ber ©hmnafialbilbung wieber mehr befinnt, ebenfo fteüt fich bem ©ßeltbiirger* tt;um, wie eS eine borherrfdfenb cfaffifd;e Vitbung ju begünftigen fd;eint, baS ©erlangen ©ijmnaftutn, fein aSerpältniS jum ©priftentpum «. 215 7 tad) einer Silbuttg auf nationalem ©runbe gegenüber. Unb allerbingS pat bie ©djule junäcpft ju bebenlen, baff ibjre ©djiiler nid)t abStracte SRenfdjen, fonbern eben ©eutfdje mit einem beftimmten 25aterlanbe, einer ausgeprägten 23ellSeigentpümlidjteit itnb einer üott ©ott geleiteten ©efdjidjte finb, auf beren SBorauSfepungen bie unfereS SSoIfeS beruht, in bie unfere 3ugenb pineinmadjfen foU. Unfre Knaben unb Sünglinge foden ju beutfdjen SRännern erjogen merben, bie int SDienfte iprer gürften unb ipreS 33ater= lanbeS mit betn Srbe ber 35ater muttern feilen unb eS mehren an jperrlidjfeit unb Spre. ®iefe bemühte nationale fReaction gegen bie allgemeine £>umanitätSbtlbung tritt ntcpt zufällig in ber Ißäbagogi! auf, fonbern fällt bebcutungSooH mit anberen erfreulichen 3eidjen einer 25erjüngung unfereS nationalen SebettS in Literatur unb Staat jufamnten. SBenn eS eine 3 e 't in ®eutfdjlanb gab, mo man oor panbmerlSmäffiger ^Betreibung ber alten ©pradjen unb oor tpeologifdjen ©treitigfeiten leine 3 e *t fanb, bie ©eifter itnb ^jerjen ber Sugenb auf bie nationalen Ueberlieferungen ju rieten, fo trugen bamalS bie ©djulen allein bie ©djulb nidjt. 9Ran fannte eben bamalS bie beutfdje .fierrlidjfeit nidjt. ®ie gertnanifdje Sorgeit galt als ioilbe ^Barbarei, bie ber Seadjtuitg nicht toerth fchien. ©pater mar eS ber franjofifdje Sinflujf, ber baS IRationalgefüpl unterbriidte unb burd) bie Sittmirlungen fraitgöfifdjer ©pradje unb 23ilbung bie Nation für baS 3od) ber grembperrfdjaft oorbereitete. Srft in ben Saljren beS ®rudeS ftäplte fich bie beutfdje Äraft, fo baff fie fidj anftrengte, eine SBiebergeburt beS beutfdjen SSoltSgeifteS ju Oodsiehen, in beren erften Anfängen mir nod) ftepen. SBurbe aud) junädjft nnfer S5oll oon bem ©djauplape beS öffentlichen SebenS mieber jurüdgebrängt in bie 2Bett ber SSüdjer unb ber ©ebanlen, fo fanb boch ber nationale ©eift aucp auf bem geiftigen gelbe neue tßapnen beS oaterlänbifdjen ©trebenS unb ©djaffenS. 35or allem mar eS baS ©tubiura ber beutfdjen ©efdjtdjte unb unfrer älteren Literatur, baS ben 33tid in bie SSergangenpeit juriidlentte, auf meldje bereits unfere fRomantiter pingemiefen patten, llitfere Sagen unb unfere alten Sieber mürben gefammelt unb burd) bie oertienftlidjen Slrbeiten ber ©ebrüber ©rimm mnrbe eine beutfdje ©pradj= unb Siteraturmiffenfdjaft gegrünbet. Slber bie neuentbedte nationale SBelt lebte in 23üdjern, bie große 2Raffe beS 35otleS gieng jum ®peil gleidjgültig an ben ®eulmalen unferer ©efdjidjte oorüber. 3n ©djule unb tpauS mürben unfere nationalen Ueberlieferungen nidjt fo peilig gepalten unb oermertpet, mie fie eS oerbienen. ®te Unbefanntfdjaft mit ber baterlänbifdjen @e= fdjidjte unb ber ganjen piftorifdjen Sntmidelung unfereS SSotfeS pat fidj in ben lepten Saprjepnten oft fdjmer gerädjt. ÜRodj peute geigt ftdj ein auffallenber ÜRangel an piftorifcpem <2inn unb an 33erftänbniS für eine Slnlnüpfung an bie gegebenen ©runb» lagen unb 33orbebinguitgen. 2öenn aber gerabe in neuefter 3 e >t/ juntal in ben Sapren ber Aufregung, bie gorberung einer nationalen Silbung unb Srgiepung am lauteften erpoben mürbe, fo lag habet otelfadj 25ermeor adern auf bem 33oben beS claffifdien SllterthumS erwadjfen. ©ie beiben großen (BilbungSepodjen beS beutfdjen SßoIleS — baS NeformationSjeitalter unb unfere jüngfte claffifdje Siteraturßeriobe — finb Wefentlidj burd; baS 9llterthum bebingt. SBäbrenb in ber erfteren baS pofitio ®hrift= liebe als germanifcbeS (Element ben §umaniSmuS beS 9lltertI;iumS läuterte unb oerllärte f fonnte eS in ber festeren fogar gefdjet>en, baß ein httubtfadjlidj aus bem ©riedjenthum abgeleitetes §umanitätSftreben baS eigentl)ümlid) Nationale fafi jnrüdbrängte. (ES mar bieS ©treben „ftdj freier jn Nteufdjen auSjubilben" edjt beutfdj. (SS erhellt barauS, baß bie ©egenfäjse, mie man fie gembbnlid) auffteüt, in ©eutfdjlanb nicht fo oorbanben ftnb, fonbern baß bie burd; baS (Ehriftenthum berllärte Humanität ju ben ©runbjügen beS beutfdjen NationaldjaralterS gehört. „©aS Sllterthum WiH unfere Nationalität nicht jerftören. ©er (Bürger jeber Nation foH junädjft ein SNenfdj fein unb fo fdjließt bie Nationalität nicht ben Humanismus auS, fonbern fie fdjließt ihn ein. 3n bem (Sbaralter febeS (BolleS unb jeber Siteratur maltet ein allgemeines (Element, WeldjeS. ber reinen 3bee ber SNenfdjheit juftrebt, unb ein nationales, WeldjeS ben befonberen seitlichen unb- örtlidjen (Berhältniffen entfpridjt, unter Weldjen baS SBlenfdjlidje pr (Erfdjeinung gelommen. 3e fdjärfer bie Nationalität betont ift, befto mehr tritt gewöhnlich jenes Sbeale jurücf^ 33örne fagt einmal: „„Sine ©ebreibart ßon eigentümlichem ©epräge fdjließt bie öoü= lommene ©djönheit auS, mie ein ©eftcfit mit anSgefprodienen 3i*S ert fetten ein fdjöneS unb ein ÜKann non ®b ara fter feiten ein liebensmürbiger ift."" Nun aber fteHte bie Natur in ben ©riedjen jenes merlmürbige Soll auf, in beffen ®b ara fter ftd) baS 9111= gemeine unb baS Sefonbere in reinftem (Ebenmaße burdjbrangen, unb bie ©eutfdjen finb baS jWeite glüdliche ober unglüdlidje SSolf, weldjeS nidjt einer djaralteriftifdjen Nationa» ütät ben ibealen .tpumaniSmuS unterorbnet, fonbern umgelehrt in ber 91ufnahme unb ©urd)bilbung aller 93emeife ibealer Nienfdjlidjleit feinen nationalen 23eruf fieht, Welches mieberum jenes (Ebenmaß jwifdjen bem Rumänen unb bem Nationalen h«jufteHen fucht unb lieber ber tBefonberljeit entfagt, als bie höhnen Nedjte be§ 91ügemeinen »erlügt, ©iefe Nietung loftet Dpfer unb forbert eine ftarle Nefignation, aber juoerläßig foHte fie nach bem SBiHen ber 93orfehung in bem ®h ore ber 93olfer ihre Vertreter finben unb jWar in bem Niittellanbe Suropa’S. 33aggefen fagte batjer: (Britten ßnb (Britten unb ©einen ftnb je( 3 t auch bäntfeh — wo gab’ es SDtenfdhen auf @rben Wohl noch, mären bie ©eutfdjen auch beutfeh? ©hmrtajtum, fein SBctljäWttB jum ©httftentljutn ;c. 217 ©er Humanismus ifi Bei uns nicht wie bei anbern SBBtlern mehr ein IccibenS, fonbent bie ©ubftanz ber Nationalität. (Er gehört 31 t unfern angeftammten (Sigenfdjaften unb bewährt ftc^ atS bie Äraft, in bem pemben ba§ wahre SBefen ju erfaffen, bie ernannten SSorjiige in bie eigenen SBerfe t)ineinjubitben unb felbft bei Nadjfchöpfungen, wenn fie aud) lange nur Nachahmungen bleiben, gütest bem, wag fogar in ber eigenen Heimat nicht jur Neife gelangen fonnte, eine boüenbete ©eftalt ju geben." ©o (EtjolebiuS in bem gebanfenreidjen Schlußwort feiner „©eferrlid)teit beS beutfdjen ÄaiferttjumS, ber Äampf beSfelben mit bem IßapftEjum, bie Deformation, baS Emportommen ^reußenS bis ju ber ferrtid)ften £l)at ber neueren ©efdjidjte, ben beutfdjen fyrei^eitSfriegen, fie mögen ebenfo, wie bie ©djmad) beS auf baS DeformationS]al)rfyunbert folgenben Zeitalters, bie einen burd) iljre £>errlid)teit, bie anbern burd) bie nationale Erniebrigung ju ben .^erjen ber 3ugenb reben. Sor allem fommt eS barauf an, bie Waljrljaft großen Scanner beS SBolfeS, feine tpelben, in ben anfdjattlidjften Silbern oorjufüfren. ®er @efd)id)tSunterrid)t l)at eS überhaupt weniger mit ben Snftitutionen unb SoltSmaffen 31 t tfun, als mit ben einseinen ferborragenben $erfönlid)leiten, in benen ein Soll redjt eigentlid) fein Erbe beflißt unb bie galjnenträger, unter beren Sanner eS fid) immer wieber non neuem fammelt unb eint, Wenn eS ftdj aus gerieben beS ®rudeS 3 U einem neuen geiftigen Sehen ergeben wiU. ®ie neuere Zeit fjat niel 3 U niel abStracteS in ben ©efdjidjtSunterridjt gebrad)t. SJcan ^eft oft nielmefr non bem Segriffe beS Staates unb feiner 3nftitutioncn aus, als non bem concreten Segriffe beS SaterlanbeS. SKan tann einen ©taat mit feiner Serfaffung er» lennen unb begreifen lernen, aber baS §ers ber 3ugenb in Siebe unb Segeifterung 3 U entsünben wirb immer nur baS Saterlanb nermögen. Um baS Saterlanb ^anbelt es ftd) in allen großen $erioben unferer ©efd)idjte, bem Saterlanbe bienten unb opferten ftd) uttfere §elben, mit beren Slut ber Soben getränft ift, in ben unfere 3ugenb hinein» Wadjfen foE. SKiStrauen non oben unb gribolitat non unten im Sunbe hüben sufammen» gewirft, baß bie @efd)id)te ber beutfdjen grei^eitsfriege nidjt immer bie SBitrbigitng in ben ©c^ulen gefunben I)at, bie fie nerbient. Eine ©djttle, bie für bie Zulunft beS SaterlanbeS ergießen WiE, führe I)in 3 U biefen ©eburtsftunben einer neuen Aera beS beutfdjen SotfeS. ®er ©taube unb baS Saterlanb waren bie feiligen Zeidjen, in benen bie Säter in ben Ärieg jogen. Dod) fente finb eS bie non ©ott georbneten Auctoritäten, in bie bie baterlanbifdje 3ugenb fineingebilbet werben foE burd) Erjiefuttg unb Unter» weifung, bie baburd) watjrljaft djriftlicl) unb wahrhaft national finb. „£>iite bid) nun unb bewahre beine ©eele Woljl, baß bu nidjt nergeffcft ber ©efdjidjten, bie beine Augen gefeljen haben unb baß fie nidjt aus beinern fersen lommen aE bein Sebenlang. Unb foEft eS beinen Äinbern unb SinbeStinbern luttb tljun.“ ,,©d)aue — fo fpredje l)ier ber SÖtunb beS SaterS unb beS SeljrerS mit bem Apoftel ^auluS — bie ©üte unb ben Ernft ©otteS: ben Ernft an benen, bie gefaEen finb, bie ©üte aber an bir, fo» ferne bu an ber ©üte bleibeft; fonft wirft bu audj abgetanen werben.“ — Unb Weldje ©toffe patriotifdjer Anregungen bietet nidjt bie ©pecialgefdjidjte ber einseinen Solls» ftämme. ®a l)at Preußen feine befonbern gelben, baS Defterreid) „an Efiren unb an ©iegen reid),“ ©djWabenlanb unb ©adjfenlanb unb bie anbern ©tämme ber btelgeglie» berten unb bodj einen Dation. Dur näljre man mit foldjer @efd)idjte ber ©tämme nic^t ©onbergelüfte, fonbern seige, wie aEe Wetteifern, ein jeher fein Eontingent 3 U fteEen für bie große gemeinfame DuIjmeSljaEe ber beutfe^en @efd)id)te. — £>ier Wirte mit ber ©djttle baS §auS sufamnten. 3)ie 9ßriöatlectüre erweitere ben ÄreiS oaterlänbifdjer Silber unb Anfdjauungen bor aEem burd) gute biograpljifd)e S3erle, bod) bewahre fie bor tenbensiöfen ©Triften ebenfo wie bor ber gladjljeit popularifirter ©efdjidjte. Audj ber Unterricht in ber ©eograpljie wirb, in redjter Sßeife betrieben, ber ©gmttaftum, fern 58crljältnt§ jum (Sljrtffetttimm ic. 223 nationalen 33ilbung gu gute tommen mäßen (ogl. b. 2trt.). er ©d)üler muß ed feinem Selber an» merfen, baß bad Saterland für ihn felbft aud) einen Serth hat, baß er bereit ift, bem» felben leidig ade gu bringen unb baß er in guten unb böjen Sagen fähig ift, bie Sreue, bie er gefd)Woren hat, im Sienfte be§ gürften unb bed Saterlanbed aud) gu bewähren. SDtit einem äßorte, ed ift notfig, baß Seiner unb (Eltern fich feit« ber ©runblagen bewußt finb, auf bie bie nationale 3ßol)lfahrt fich gründet. ®ad SBiffen ber oaterlänbifd)en @efd)id)te unb Siteratur fchafft nod) feine Patrioten unb gute Sürger. ®ie ©d)ule giebt wahrhaft bem Könige, Wad bed Äönigd ift, unb bem Saterlanbe, Wad bad Saterland gu forbern ein Stecht hat, wenn fie gunäd)ft barauf bebad)t ift, burch ade SJtittel bed Unterrid)ted unb ber 3ud)t 111 bie jugeublidjen §ergen ben ©eift bed ©ehorfamd unb ber Drbnung gu fflangen unb bie jungen Staatsbürger frühgeitig an ©efeh unb Stecht gu gewöhnen. „®er 2Beg gur greiheit fährt burd) bad ©efejj. ®ie freien ©taaten bed Slltertljumö hatten bie ftrengfte Sugenbergiehung unb bad ftolge grei» heitdbewußtfein, weld)ed fie fd)on ihren Jünglingen anbilbeten unb Weld)ed fie nährten unb dürften in ihren Stingfd)ulen burd) Uebung in förderlicher Südjtigfeit unb ©ewanbt» heit, war in ihren beften 3 cl ten ungertrennlid) oon ©d)eu oor ben ©öttern unb (EI)r= furd)t oor ber Dbrigfeit. ®er @el)orfam gegen Die ©efetje bed ©taated galt il)nen fo hoch, baß ein Sabel biefer ©efejse in ©egenWart jüngerer Seute nidjt erlaubt War, weil man bie 2Bohlfafjrt ber ©taaten nid)t fowohl in ber Sortrefflid)feit ber ©efeße fud)te, ald in ber fittlidjen ©djeu Oor ihrem ehrwürdigen Urfprunge uno in ihrer gewiffenljaften Sefotgung. Unb bod) würben biefe Säuglinge jene üDtänuer, oon denen jeder einzelne geeignet geachtet wurde, ben ©taat gu regieren unb üor deren gefd)loffenen Steihen bie Raufen ber geinbe wie ©freu oor bem 2Binbe gerftoben. Unb jene freiljeitdftolgen Sürger bed brittifd)en Snfellanbed, gu denen wir bewundernd unb neibood hinüber», fchauen, finb in iljren ©diulen unter bem ©egen bed Sirfenreifed groß geworben unö mand)er große ©taatdmann (Englanbd hat banfbar bie |>anb gefegnet, welche bie 3ud)t» ruthe geführt hat." 2)ad lefcte 3'rt nationaler Silbung unb CSrgietjung fann für bie ©djule nur barin befteljen, ben Stul)m uufred Solfed unb bie Sugenben ber Säter auf bie ©ohne gu bringen ald ein hrtliged (Erbe, bad gu Wahren unb gu mehren fie berufen finb. Slber ade bie nationalen Silbungdftoffe, bie wir benuigen, nennen wie mit einem SDtunbe SQBeidfjeit und grömmigfeit, firaft unb Sreue ald bie Stationattugenben beutfdjen ©tammed. ©d)ulen, bie fpanb anlegen, bagn bie Sugenb gu ergiel)en, bilden wahrhaft national. Slber um bad gu erreichen, finb ber gactoren fo oiele nöti)ig, baß bie ©djule ed mit Stecht gurüdweidt, Wenn man fordert, fie fode adein bafür einftehen. 3e mehr bad 224 ©pmnafium, feilt SScrljättniS juitt (Shriftenttjum ;c. öffentliche Setten iuieber getragen wirb oon nationaler ©efinnung, je niepr naieber im beutfdjen Solfe bie Sitten unb bie SEugenben ber Säter in ben Raufern unb gamitien lebenbig werben — unb baran fehlt, ©ott fei’8 gettagt, noch üiel — befto lauter Wirb eg auch to ber Sdjule wieberftiugen unb bie Schuten werben, wie fie ihre Sinwirfungcn non aujjen empfangen, auch neue Stnregungen nach ouffen mittheilen tönnen. S)ann wirb bie freier baterlänbifcher ßejie in ben Schuten feine bloße 9 febeübung bleiben. ®ie Dctoberfeiter auf unfern Sergen werben Wieber heller aufftammen nnb Seljrcr unb Schüler werben iljrer urfprünglichen Sebeutung fich wieber banfbarer erinnern. Unfere Seibeg= Übungen werben bann feine bloße 3 wang 8 pflidjt für unfere Sugenb fein. Sie wirb bie SEurnplähe lieber auffuchen als bie Suftfäle ber Sitelfeit unb be8 ©enuffeg. Sie werben fcljon alg Knaben lernen Wollen, SdjWeig unb Slnftrengung nidjt 51t fürsten unb werben eine Spre bareinfepen, einen frifdjen, ftarfen unb gewanbten Körper 3U haben. @8 ift befannt, wie Subwig 3 at)n oor alten bag SEurnen in feiner 2 Bid)tig= feit für 9 ?ationaterjiehung auffaßte unb weldje Sebeutung fyidjte biefen Hebungen für eine Nation beilegte, bie ihre Setbftänbigfeit feftftetten unb erhalten Witt. Sotdje £urn= pläpe, belebt burdj bie Klänge oaterlänbifdjer Sieber, würben wahrhaftige Seminaria reipublicae fein — ißflansfdjulen für bie Hoffnung beS SatertanbeS. — 3 )ag Serpältnig beg ©tjmnafiumg jum praftifdjen Seben ift bann am ridjtigften beftimmt, wenn eg in ber Sorbitbuug feiner 3ögftttge berjenigen pofitiben SebenSbeftimmungen, wie fie burd) bie Kirdje unb burch bag Satertanb gegeben finb, 9 ced)iutng trägt. Sin fatfdjer 3 beali 8 mu 8 in SBiffenfdjaft unb Kunft, uufrudjtbare ©eleprfamfeit, Ueberfdjähung ber 2Biffenfre Seftimmung, für bag Seben oorjubilben, nidjt immer gewahrt. Stber in ber Siegel unb befonberg in unferer 3 e *t h a t man no( h 9 an 3 etwaö anbereg unter einer Sitbung für bag Seben, wie man fie oon bem ©pmnafium forbert, oerftanben. 35 a 8 alte ®ictum: „non scholae, sed yitae discendum est“ würbe befonberg burdj bie teuerer in ber ipäbagogif betont, bie ju Anfänge beg 17 . 3 ohrh«nbertg ber alten Sdjitlmethobe ben Krieg erflärten, unb fniipft ftd; junädjft an bie Hainen tftatidj unb Someniug. Seitbem bag daffifdje Sitterthum nidjt mepr alg bag alleinige Sliittel galt, 31t höpecer Sitbung 3U gelangen unb alg foldjeg Selbft3Wed 3U fein, fieng mau an unter SSert'ürjung beb antifen Stementeg ben Kreig ber Silbunggmittet burdj ülufneljmen moberner 35 igciplinen, bie bem Seben unmittelbar bienen feilten, ju erweitern. 3 ngbe= fonbere erljob man auf Koften beg Sateinifdjen bie ÜÖlutterfpradje, aujjerbent bie foge= nannten 9 featien unb richtete fein Slugenmerf auf bie Seibegübungen. Sfouffeau unb ißeftalosji forberten fpäter gerabeju, eg müjfe oor allem gelehrt Werben, Wag bie nädjfte ©egenwart, bag tägliche Seben biete unb forbere. Schon 3U Anfänge beg 18 . Sahrhunbertg entftanben befonbere 9 iealfdjulen, bie matljematifdje, medjanifdje unb öfonomifdje Silbunggmittel oorjiiglid) in Stnwenbung brachten. 35 ie Serfudje, bie humaniftifdjenJStubien mit ben 9 fealftubien 3U oereinigen, jeigten fich erfolglos. S)er ©runbfafj, baff man für bag Seben lernen müjje, Würbe oon einseinen big sur Saricatur auggebilbet, inbem man oergaß, bag bie Sdjute WopI bem Seben oorarbeiteu fotle, aber nidjt leljren, wag nur bag Seben lepre. ®te baburd) hci^orgerufene SeWegung in ber Ißäbagogif reidit big in bie neuefte 3 ut unb erwartet noch immer ihren öoHen Slbfchluß* ©gmnaftum, fein Verhältnis jurn ©briftentbum ic. 225 ©eitbem burd; bie bemunbernSmerthen gfortfcßritte in ben Naturmiffenfd;aften bie inbu» ftrieöen Veftrebungen einen ungeahnten 2luffd;mung genommen haben, hat baS Verlangen nad; einer Vorbereitung für berartige Sntereffen im Vunbe mit bem Nufe nach beutfdj= nationaler SluSbilbung eine oöllige ©djeibung ber beiben VilbungSmege l;eroorgerufen. Die ©hmnafien finb nicht ohne ©djulb an Vefchleunigung biefeS SßroceffeS. SPbif°i 0 9*fdj c SWifrologie, bie jum Dfmü an bie ©teile beS claffifdjen fpumaniSmuS getreten mar, fotoie ©eringfcßähung ber nationalen VilbungSmittel, inSbefonbere ber beutfdjen Literatur unb ber @efd;id;te, hatten ben ©hmnafien manche ©unft entzogen, ©elingt eS bem ©hm» nafium, fid;, mie mir bei 33efpred;ung feines VerljältniffeS 511 m Ehriftentl;ume nnb jur Nationalität angebeutet haben, innerlich ju regeneriren, bann mirb eS mit Erfolg alle gorbentngen nad; Veränberung ober Vermehrung feiner VilbungSmittel abmeifen fönnen. DaS ©hmnafinm fragt bei ber SluSmahl feiner VilbungSftoffe nid)t nad; bem un= mittelbaren Nitren für baS bürgerlidje Sieben, fonbern lebiglid) nach ih ver Säßigfeit unb 33raud;barfeit für SluSbilbung beS ©eifteS unb beS EßarafterS. SBenn eS ben ©prudj: „non scholae, sed yitae disoendum est“ gerabeju umfeßrt, glaubt eS baburd; am beften für baS Sieben oorjubilben. Die grage, ob baS, maS man in ber ©cßule lerne, aud; unmittelbar im Sieben gebraud;t merbe, barf bon bem Sierneitben gar nid)t erhoben merben. NidjtS fdjabet, bafür fpredjen alte Erfahrungen, einer tüchtigen SluSbilbung mehr als bie banaufifdje Nüdfid;t auf bie unmittelbare Nühlidjfeit. Diejenigen ©d;üler, bie fd)oit früh eine fefte Veftimmung jrt einem bürgerlid;en Verufe haben, in golge beren fie bie ©djule früher oerlaffen, finb in ber Siegel bie unnü^eften unb trägften. 2)er ©cßüler barf unferer SJceinung nach nidits anbereS miffen, als baß er für bie ©djule ' . lernt. Slber bei ber praftifd;en Natur beS Knaben ift alles, maS er lernt, fo ju lehren, baß er eS in ber ©d;ule brauchen fann. Daß bas jugleid; für baS Sieben braudjbar fei, ift ©ad;e unb ©orge beS SiehrerS. Ohnehin fann in ben aHerfeltenften gäüen ber fünftige Veruf beS Änaben fo früh beftimmt merben, baß feine Viltung nur biefen engen 3ufd)nitt befommen tonnte. Ueberßaupt aber hanbelt eS fid; barum, bem ©treben beS jugenblid;en ©eifteS nad; bem Sbealen befonbere Nechnung ju tragen. Vis jejst haben bie höheren ©chulen ihren Nußm barein gefegt, baS jugenblidje tperj mit Sbealen ju erfüllen, bie fie aus allen ©ebieten ber 2Biffenfd;aft unb beS SiebenS ihm entgegen» führen, ben fthmärmerifdjen 3 ug einer begeifterten Eingebung ju nähren unb bie 3ugenb fo lange als möglich frei ju erhalten oon ben Dämonen ber ©elbftfudjt unb ber materiellen Nühlidjfeit. Daburch erregen fie in ihren 3 öglingen eine bcgeifterte Ver» tiefung in bie äöiffenfchaft, bie nicht nad) ©eminn bon ©elb unb @ut fragt, baburch erjiehen fie biefelbe ju einer felbft Opfer nid;t fcheuenben Eingabe an bie Sntereffen beS VaterlanbeS, baburd; geben fte ihnen einen behütenben ©d;u( 3 geift gegen ben ©d;muh beS Siebend, baburd; rüften fie felbft biejenigen, bie früher in baS bürgerltd;e Sieben ein» treten, mit jenem ibealen ©inne aus, ber il;nen bon ihrem Verufe eine höhere Sluffaffung als bie beS bloßen VrotermerbeS giebt. 3e mehr tn bem SNittelftanbe beS beutfd;en VürgerthumS firüd)Wort. Siur was nad) fftaum unb 3 e >t entfernt ift, ift im Stanbe, uns ein ©efammtbilb gu gewähren unb ftatt ber @ingetl)eiten, bie in ber 9?äl)e oft unfern 531id oerwirren unb am UnWiat eS nid)t eine praftifdje Sebeutung, einen 93lid gu tljun in bie ©taatSmeiSljeit jener fjerrlidjen 53BIfer unb ftdj gu ermärmen an iljrer patriotifdjen Jugenb? Unb meldje Seljrmeifterin für baS Sehen ift bie ©efdjidjte, bie baS frifdje Sehen felbft ift, bie bor 53ergBtterung aEer SEjebrieit unb ©tjfteme fdjüjst unb Mäßigung im Urteilen unb §anbeln leljrt! Unb mie reidje fyrüc^te für baS Sehen madjfen nidjt im befenbern auf ben 93lättern ltnferer oaterlan= bifdjen ©efdjidjte! ®ie (Einführung in unfere Eiationalliteratur mit allen ifjren ©djä^en beS beutfdjen ©eifteS unb beutfdjen ©emütfjeS, mie mirb fie immer meljr frudjtbringenb unb ergiebig für baS praftifdje Sehen fein! Unb ift baS 93udj beS Sehens, bie Ijeilige ©djrift, nidjt audj baS ©runbbudj aEer SSittung unb (Ergieljung ber ©ijmnafien, ber OueE, in bem afle 2Biffenfcbaft miebergeboren merben muß gu ber äBeiSljeit, bie aus ©ott ift? 93Eben mir nidjt für baS Seben, menn mir tiefer einfüljren in baS 93erftänb= ni§ beS göttlichen fpeilSptaneS unb in bie ©efdjidjte ber Äirdje (Sbjriftt? Ipier berühren fidj unmittelbar bie Aufgaben beS UnterridjtS unb ber (Ergieljung, ber mahrbaft djrift= liehen (Ergieljung, bie auf ben ©runblagen ber 9lrbeit unb 2lnftrengung, ber (Entbehrung unb ©elbftbeljerrfdjung, beS ©eljorfamS unb ber ißietät, ber ©otteSfurdjt unb 8rBmmig= feit ben EJJenfdjen gu einer neuen (Ereatur machen foE. EEit fotdjer 3aauS= unb ©c^ulergiebjung, bie tiidjtig machen miE für baS Seben in ©taat unb Äirdje. 9lodj heute fennt baS unS ftanunoermanbte (Eng= lanb, mo bie Sntereffen beS gsrattifdjen Sehens biel mehr noch alä bei «nS Slnfpradj machen fönnten in ber ©djule berücffidjtigt gu merben, feine anbern 3mecfe ber 95ilbung für bie ißrayis als (Energie beS fpanbelnS unb fünftige ©elbftänbigfeit beS (Eingelncn im Seben unb im 93erufe. ®er Sugenb Siebe gur SBahrheit einpflangen, iljren SBiEeit gur (Eharafterfeftigfeit bilben, baS heißt in ber englifdjen ipäbagogif für baS praftifdje Sebeu bilben. ®er proteftantifdje (Eharafter ber ©c^ule forbert mit Dfedjt eine 53Übung für baS Sehen, aber fidjerlicfj nicht für baS Sehen, baS im flüchtigen ülugenblide genoffen mirb unb beffen ©Habe man mirb, menn man ihm bient, fonbern für baS im Sichte beS (EbangeliumS berflärte Sehen, baS fo mie es feinen Urfprung auS ber (Emigfeit hat, auch in bie (Emigfeit münbet. -fjeilanb. 228 £al&tag§fdjuten. ^abfntfjt, f. ©parf amfeit. .§firtc, f. Srgieher. §aU)tag8f(I)nIen finb biejenigen ©diulen, beren unter Sittern Selber ftehenbe Abteilungen Bon einattber gefonbert JU Berfhiebenen ßeiten unterrichtet Werben. ©er Dfante fommt Borjugdweife in Preußen Bor. ©mißt werben biefelben ©dfulen Staffen» fdjulen ober, wie in Württemberg, ©hüten mit Abtheilungdunterrid)t genannt. Äirfh im beutfdjen 33olfdfd)ulred)t unb in Hergang« päbagogifher 9?eaIertc^ftopäbie 2. Aufl. Art. Staffen Segeid>net biefeS ©pftem atd ©hftem ber ©onberdaffen, ohne jebod) biefen Stauten auf Ableitungen, Cie unter Sinem Selfrer fielen, zu befdjränfen. ©te ©rennung ber ©deuten in einzelne fetbftänbige Staffen, bie fid) mit einanber in bie gefammte ©djulgeit ju heilen haben, fleht int engften 3«famment)ang mit ben gortfdjritten, We(d)e bie neuere 3eit iw ©ebiete ber SDtetfiobe gemadit hat, ba, je griinb= lidjer unb methobifdjer ber Unterricht Würbe, befto mehr bad 33ebiirfnid entftanb, auf bie 3 a f»i ber Sinter unb ihre 23erfd)iebenheit nad) gal)igfeit unb Senntuiffen Sfüdftht ZU nehmen, wal)renb man früher, fo lange auf ein georbneted, regelrechte^ 33orwärtd= fdjreiten ber ©efammtheit Weniger Werth gelegt unb bad einjelne Sinb mehr für fid) ind Auge gefaßt würbe, biefe Sttomente weniger in bie SBagfdjale legte. Snbeffen war bie 9füdfid)t auf bie UnterridjtSmethobe nicht bie einzige, bie für bad fjalbtagdfhulfhftent günftig ftimmte, fonbern ed traten ihr nod) mehrere anbere ©riinbe jur ©eite, Bott ©inter unb 3 erre nner an bid auf bie neuefte 3eit, bie Slüdfidjt auf bie erjiehenbe ©fjatigfeit bed Sehrerd, auf bie geiftige unb phbfifhe Statur bed Sinbed, auf bad S3er= hättnid bed §aufed gur ©djule, auf bie öfonomifdien Umftanbe ber Seljrer unb ©emein» ben. 3n biefen ^Beziehungen wirb Bon ben greunben ber ^albtagdfdjuleinridjtung gur SSegrünbung ihres ©a£ed, baß ed jwedmäßiger fei, ben Sintern in getheitten ©dfulen weniger, etwa 3, atd in ungeteilten 5—6 ©tunben Unterricht zu erteilen, 1) Bor etilem behauptet, bei einer größeren 3al)t Bon Sintern, wie fie bie ungetheilten ©deuten in fid) fchließen, namenttid) Bon Sintern Berfd)iebener Alterdftufeu, leibe bie Audbit» bung ber ©d)üler, fowohl in formater atd auch in materialer Beziehung Stoth, benn a) ber Seljrer, ben einjetnen Sintern ferner gerüeft, unb feine Sraft unb ©hätigfeit ZU jerfplittern genötigt, oerutöge fid) nicht nad) ben 33ebürfniffen ber Sinter git rieten unb fie baher Weber zu einem georbneten Stadfbenfen unb zur ©etbftthätigfeit anzuleiten, noch in ben ©efifs ber nötigen pofitioen Senntniffe ju feßen, fo baß ber gortfhritt ein fehr langfamer fei unb bad ©djuljiet nicht erreicht Werbe, währenb er bei einer Heineren 3 a h^ gteid)jeitig ju unterrid)tenben Sinter fid) genauer an bie Snbioibuatitat unb bie Sntwicflungdftufe berfelben anfdjließen unb ben Anforberungen, bie an bie ©djute gemacht werben, leichter genügen fönne; b) bie ©etbftbefchäftigung, Weldfe für diejenige Abtheitnng, bie bei Selber nicht unmittelbar unterrichtet, eintritt, habe nicht nur feinen 2Bertf), fonbern fd)abe oietmehr ben Sintern, infofern fie, ber Aufmerffam* feit bed Sehrerd entzogen, an Untljätigfeit unb ein bumpfed fpinbrüten gewöhnt Werben unb fo il)re geiftigen Äräfte erfdjlaffen. 2) ©iefem ©haben wirb ber moralifdje gur ©eite geftetlt, ber baburch entftehe, baß bie oieIfad) unbeauffid)tigten unb unbefd)äftigten hinter einer ungetheilten ©hule juchtlod Werben unb allerlei übte ©itten annehmen, Währenb bie ©djeibung in Slaffen ben Selber in ben ©tanb fege, ergieljenb auf feine Sinter einjuwirfen unb eine angemeffene ©hutguht ju üben; 3) wirb ed für eine unnatürliche ©teigerung unb gefäl)rlid)e Ueberreigung ber Sinter erftärt, Wenn fie 5—6 (©tunten bed ©agd bie Sdjule befud)en follen; eine bloße S3ewal)ranftalt fei bie ©hule nicht, unb werben bie Sinter ftetd in Athem erhalten unb befdjäftigt, fo fefeabe ed ihrer ©efunbhcit unb bie ©eiftedfräfte befommen burh bie Ueberfpannung leiht eine Ber= ■fmlbtagdfdjulcn. 229 ' lehrte 3Jid)tung. 4) Sin ®efid)tdpunct anberer 2lrt ift ed, wenn gur 23egrünbung ber Eiaffentrennung geltenb gemalt wirb, baß burd) einen 5—6ftünbigen Unterricht bad Äinb ben Slrbeiten, bie ed für bie Sttern gu oerricf)ten fjabe, unb eben bamit ber aHer= nöthigften 33orbereitung auf bad fpatere Sehen gu oiel entzogen unb baß baburd) auf bem Sanbe in ben meiften §ßöen tief unb unöerantwortlid) in bie geheiligten 9?ed)te bed elterlichen £>aufed eingegriffen Werbe. 5) ÜDagu tritt je nach ben localen Verhält* niffen bie 3iüdfid)t auf ben Bfonomifd)en 33ortl)eil ber Seljrer, ber ihnen aud ber 33e= lohnuug erwädjdt, bie fie für ben Unterrid)t mit oermehrter ©tunbengal)! erhalten, ober auf ben finangiellen ©taub einer ©emeinbe, ber ihr bie Slnftellung eined Weiteren Sel)= rerd erfdjwert. ^5ür foldje Slaffenfchulen fpracben fich in früherer 3 e it aud: hinter in feinem ©d)uIoerbefferungdp!an, gunadfft für Sanbfd)ulen in ©ad)fen, Sludg. oon 1823; 3errenner, ©runbfähe ber ©dptlergiehung, ber ©d)ulfunbe unb ber ttnterrid)tdwiffen= fchaft 1827; in neuerer 3 e it ©olfjfdj, Einridjtungd* unb Sehrplan für 35orffd)ulen, 4. Slufl. 1859, ber gwar oorgugdweife einclaffige ©djulen im Sluge hat, aber feinen ©rünben fid) im allgemeinen für bie fpalbtagdfd)ulen audfpridjt, Sifenlohr, über eine 33eränberung bed Drganidmud unfered 33oIfdfd)ulwefend, SSlätter and ©übbeutfd)lanb 1845, 2—3, unb ®utad)ten über bie 3 u f a l?artifel gum württ. Volfdfdjulgefeij 1856, Äirfdj, 33olfdfd)ulred)t 33b. I. §. 46 unb Ipergangd Encpflopabie Slrt. Staffen. 5Diefe Trennung einer ©djule in Staffen fann aber nid)t ald abfolut gwedmäßig ober päbagogifd) notl)Wenbig erfannt Werben, ba, abgefeimt baoon, baß bei gu großer @d)ülergahl nur bie Trennung ber ©d)üter überhaupt, nicht aber bie £h e 'inng unter Sinem Sefirer ald geboten erfcheinen tann, bie gegen bie 33eibehaltung ber ungetheilten «Schule unb für bie Spülung ber ©dptlgeit aufgefteüten ©rünbe fich noch nicht ald unbe= bingt richtig bewährt haben. ®enn Wenn auch ooüfommen gugugeben ift, baß bei einer größeren Slngahl oon ©d)ülern bie SBirlfamfeit bed Sehrerd oielfad) gehemmt unb bie Erreidjung bed ©djulgwedd erfdjWert ift, baß aud) bie UeberWadjung mehrerer 2lötl)ei= lungen ber Schüler eine gang befonbere gürforge bed Seljrerd erforbert, fo fann bod) burd) eine genaue S3eauffid)tigung ber Schüler unb burd) ftrenge Prüfung ber 31udar= bedungen in 33erbinbung mit bem SRonitoreninftitut ben 9?ad)tl)eilen, Weldje bie ©elbft* befd)äftigungen in inteKectueHer unb moratifdjer 33egiel)ung bringen fönnen, einem ftum* men brüten unb einer geifttöbtenben 3erftreutheit, oorgebeugt Werben, wie benn aud) wenn bad divide et impera innerhalb ber ungetheilten ©d)itle in ber red)ten SBeife angewenbet Wirb, bei einiger pabagogifd)er unb bibaftifcfjer ©eWanbtheit bed Sehrerd eine inbiüibueHe Sinwirfung auf bie Schüler feinedwegd abgefcf)nitten ift (f. Slrt. ®op= pelunterridjt). Slnbererfeüd wirb bie ^anbljabung einer ^wertmäßigen 2)idciplin unb bie Srgtehung überhaupt burd) bad 3 u fammenfein mehrerer 3lbtheilungeu nicht fo erfd)Wert, baß ber Selber baburd) gehinbert würbe, bie fittlidie Slufgabe ber ©djule gu löfen unb burd) Energie unb Sntfd)iebenl)eit ben ©eift ber £)rbnung unter feinen ©d)ü= lern gu erhalten. Unb finb nur bie ©d)ulftunben gwedmäßig auf bie Sagedgeiten oer= theilt, finb bie fßenfen in angemeffener 3lbwed)dlung an einanber gereiht unb fehlen bie gur Erholung nötigen fßaufen nicht, fo barf Oon ber ungetheilten Schule Weber für bie geiftige nod) für bie leibliche ©efunbheit bed Äinbed ®efal)r befürd)tet Werben. 333ad ferner bie 33el)auptung betrifft, baß burd) einen 5—6ftünbigen Unterrid)t bad Äinb bem Ipaufe gu lange entgogen Werbe, fo ift bagegen gu bemerfen, baß aud) neben einem längeren Sdjulbefud) ben Süncern genug ©elegenhett gur Vorbereitung auf ihren fpäteren S3eruf unb gur Aneignung ber Äenntniffe unb gertigfeiten, bie bem materiellen Sehen bienen, geboten unb hü^ücbenbe 3^'t gur Jh e ^ I,n h me au ben ©efdfäften bed §aufed gegönnt ift. Uebrigend ift bie ©d)ule gegenüber Oon SinWenbungen, bie oon ©eiten eingelner gamilien erhoben werben mögen, berechtigt, bad Jlinb, bad ihr bie gamilie übergeben hat, fo lange bed Jagd gu befdfäftigen, ald ed ber 3 roec ^ ber ©d)ule erforbert, unb bad materielle 3ntereffe bed elterlichen Ipaufed, bie 3üidfid)t auf ben fpatern S3eruf ber ber länblichen 33eoö(ferung angehörigen Sinber ihrer eigenen 2luf= 230 §al6tagSfdjulcu. gäbe unterguorbnen, ba bie ©d)ule iljr 9fedjt über bie Sugenb nid^t burdj freiwillige Üebertragung oon ©eiten beS Kaufes erhält unb eine bloße ©teHöertreterin ber Familie ift, fonbern il;re SJcadjt oom ©taat unb oon ber Äirdje als ben ber ©enteinbe unb fomit and; ihren einseinen Familien übergeorbneten Organismen su Sel;en trägt, fo fe^r anbererfeitS ein freunblicßeS 3 u f ammenlß i r f en mit bem Haufe im 3ntereffe ber ©djule liegt. Unb wenn enblidj bie burd) ben SlbtheilungSunterridjt ^erbeijufü^renbe 93erbefferung ber öfonomifdjen Sage ber 3?oIfSfd)ullehrer ober bie 9tücffid)t auf bie finan= gietle Sage einer ©emeinbe in bie Söagfdjale gelegt wirb, fo geigt fid) eben barin, baß fel)r häufig in ber 2lbfid)t, eine ber Slrbeit unb ©tellung beS SefyrerS entfprec^enbe Seloljnung gu gewinnen unb bie ©emcinbefaffen gu fdjonen, baS SJJotio gu Errichtung »on |jatbtagS[d)uIen liegt, am beutlidjften ber Eljarafter biefer SInorbnung als einer nur re!atio=notl;Wenbigen. SBenn fo einerfeitS bie ©runbfäfce, auf bie fid) bie §atbtagSfd)uten fräßen, nid)t ©tanb galten, fo fpredjen anbererfeitS aud) pofitioe ©riinbe für bie ungeteilte ©djule. ©ine tangere ©auer ber ©cßulgeit, als fie bie ^albtagSfc^nlen gutaffen, ift nämlid) unumgänglid) bagu nott)Wenbig, baß bie Äinber ber 33olfSfd)uIe, bie bei ber 23erfd)ie- benfyeit ihrer ©oben, ihrer Sernbegierbe unb ißrer fittlicf»en 93efd)affenl;eit and) eine Oerfdnebene 33ef)anblung erforbern, nid)t nur geiftige Anregung, formale 23erftanbe8= bitbung unb burd) einen methobifdjen ©tufengang bie erforberlidjen pofitioen Äenntniffe in ben eingelnen jfmdjeru erlangen, fonbern aucfj ergogen burd) bie ©djule als eine organifirte ®emeinfd)aft für ein georbneteS 3ufammenleben in ber bürgerlichen unb !ird)Iid)en ©emeinbe I)eräugebilbet unb fo für baS finitere Seben mit feinen mannigfal= tigeit 23ert)ältniffen oorbereitet werben. ©ie 3 ß üf bie in ungetl)ei(ten ©d)ulen gewonnen Wirb, ift um fo I)öl)er angufd)lagen, Wenn bei einem concentrirenben unb ftufemnäßigen Unterricht in eingelnen Mähern, S- 23. in ber biblifdjen @efd)id)te, im Sefen, 3fed)nen, ©ingen, in ben Realien »erfdjieoene 2lbtl)eilungen bereinigt unterridjtet werben tonnen, fomit für ben unmittelbaren Unterricht mehr als bie Hälfte ber 3 e 't gewonnen wirb, ob auch biefer gemeinfante Unterrid)t für einen ©h e 'l ber ©d)üter als Otefoetition, für einen anbern als S3orauSnaI)me gilt, ©ie ©elbftbefd)äftignng ber fiinber, bie bei biefer Einrichtung nbtl)ig wirb, barf feineSwegS als ein notl)wenbigeS Uebel angefehen werben, bielmehr ift fie, wenn fie oom Selber gwecfmäßig geleitet, mit bem unmittelbaren Unter= rieht in bie ridjtige 33erbinbung gebracht unb gehörig cou-trolirt wirb, ein widitigeS EDfittel in feiner §ianb, bie ©djüter an felbftänbige S©h)ätigJeit gu gewöhnen unb in denjenigen Mähern gu förbern, bie neben bem unmittelbaren Unterricht Einübung erl>ei= fd)en, wie eine günftige ©elegenheit, bie Snbioibuatitäten gu berücffichtigen. ©ie fann um fo weniger entbehrt Werben, je förberlidjer eine (Einübung unter ben Singen unb mit ber 23eil)ülfe beS Sel)rer8 für eine fefte Eintragung beS ©eiernten ift (f. b. Slrt. Einübung) unb je weniger »on ben 3ögli«gen ber 33olfSfd)ule im allgemeinen unter ben manntgfad) h e wmenben Einwirhtngen beS aUtäglidjen SebenS ein felbftänbigeS 9Jad)ßenlen über ben in ber ©d)ule bel)anbelten ©toff ober aud) nur eine pünctlidje SluSarbeitung ber Hausaufgaben erwartet werben barf. UebrigenS geigt bie Erfahrung, baß bie Sinter felbft bie H ail b gur ©elbftbefd)äftigung bieten unb fid) berfelben freuen, wenn ihr 3ntercffe für ben ©egenftanb rege gemad)t unb il)nen ein beutlid)er ginger= geig fiir ihre probucircnbe 5©^ätigleit gegeben worben ift (egt. Seltner, bie ißäbagegif ber SßoltSfchuIe in SlphoriStnen 1851, Dlro. 59 unb Uebet ben Söertt) ber ©etbftbefd)äf= ligung im ©egenfaß gegen bie HatbtagSfdjulen, „ber ^elferbienft“ im 53ranbenburger ©d)ulblatt 1857, 3anuar unb Februar.) Söirb außer tiefen Sßortheilen für bie intel= lectuede unb moralifd)e SluSbilbung ber ©djüter nod) erwogen, baß, wie eS notorifd) ift, nur eilt förderlich triftiger unb geiftig rüftiger Sehrer 2 ober gar 3 felbftänbige Eiaffen je mit ber eutfpredienben ©tunbengahl gu unterrichten oermag unb baß felbft bei einem folcfjen Setjrer grifdje unb Sebenbigfeit nad)Iaffen, Wenn er mehrere Slbtl)ei= lungen mit einer immerhin bebeutenben ©d)iilergaht unb mit oorherrfd)enb unmittelba= ^atbtagSfdjulcn. 231 rem Unterritt in einer baS Formate üfeerfc^reitenben Anjaljl Don ©tunben ju unter» rieten hat, unb werben aut bie ©rünbe mehr untergeorbneter Art nidjt unberüdfidftigt ^elaffen, bie größere greitbigleit ber fi'inber jum ©tulbefud) bei gleicher UnterrittSgeit, bie bei Weiterer Sntfernung notljwenbig werbenbe Begleitung ber jüngern Stinber burt ältere, ber Bortl)eit, ber barauS entftel)t, baß alte Sutber ju ben angemeffenften DageS» ftunben il;ren Unterricht ermatten, wäljrenb bei ben |i>albtagSftulen im ftrengen ©inn ein £I) e M ber Äinber nur 9?ad)mittagS bie ©djule befudjt, ber ©ewinn, ben bie jiin= geren Äinber aus bem ßufammenleben mit ben älteren jiefyen: fo muß nidit nur gemeinfamer Unterricht mehrerer Abteilungen bei einer relatio fleineren Anja!)! non ©djülern als baS 3wedmäßigere erfannt, fonbern jelbft bann, wenn einem Seigrer mehr» ober oerfdjiebeuartigere ©d)iiler gugetljeilt [inb, als eS bom rein ^äbagogifd^eir ©tanb» punct aus wünfteuSWertl) ift, bie Bereinigung ber Abteilungen ber Sinrittung oon §albtagSfd)ulen oorgejogen werben, jo lange überhaupt ber Selirer nod) im ©tanbe ift, bie il;m anoertrauten ©dritter mit feiner eräiehenben unb unterridjtenben 3TI;ätigteit ju bewältigen. »Dagegen wirb jelbft oon biefer ©eite aus baS jpalbtagSftulfhftem nicht abjolut oerWorjen, unb es ift in ber Dljat eine Bertljeilung ber ©djüler SineS Sehr er 8 in felbftänbige Staffen nid)t ju oermeiben, Wenn 1) bie 3 a hl ber aus 2 ober mehreren Abteilungen beftehenben ©djüler eine fold)e fpölpe erreicht, baß ber Selber bie SRaffe nidjt mehr 51 t überfehen unb bie einzelnen Sinber nitt wehr nach ihrer Snbioibualität unb ihrem BebürfniS ju unterrichten unb ju ergieljen oermag, 2) bie Abtheilungen bei ftarferer Befeijung jo unter fid) oerfd)ieben finb, baß ber Selber nidjt alle gehörig beauffidjtigen ober jWedmäßig bejd)ajtigen, namentlidj bie für ben unmittelbaren Unter» rieht ber einzelnen Abteilungen nötige 3 e it rridjt gewinnen fann. ®iefer 9Zotl)ftanb, baß bie 3 a ht ber ©dfüler baS für einen Seljrer juläßige 2ftaß überfd)reitet, tann ein» treten, wenn wegen SRittellofigleit ber ©emeinbe, Welte bie Soften ju tragen h a t, bie AnfteEung eines weiteren Sel;rerS ober bie Sinrittung eines ©tnllocals auf ©ttoie» rigleiten ftößt, wenn SRangel an Sel;rern h e rrjd)t ober ben bereits angefteEten burt Abtl)eilungSunterrid)t ein öfonomifd)er Bortheil oerfdjafft werben foE. äßann bie ©c^ülerjahl biefe $öl)e erreiche, baß Slaffenunterrid)t nothwenbig wirb, barüber ftnb bie Anfidjten oerftieben. 2>aS richtige SÜZaß wirb eingehalten werben, Wenn bie 3af)t ber ©djiileu, bie ein Seljrer gleid) 3 eitig 3 U unterritten l)at, auf 90 beftimmt unb für eine größere Anjal)! bis ju 120 Abteilung in felbftänbige Slaffen geforbert wirb, fofern nid)t wegen ber Berfd)iebenheit, weld)e hinfittlidj beS Alters unb ber Senntniffe unter ben einjetnen Abteilungen ftattfinbet, fdjon für eine geringere ©d)ülerjahl AbtheilungSunterritt ju oerlaugen ift. ®iefer jWeite gaE tritt ein, wenn bei ungefähr 60 ober mehr ©tülern in ben jpauptfädjern mehr als 3 Abteilungen ju bilben finb, was in ber fftegel in ben ©d)ulen gefd)eljeu muß, weite aEe 7 ober 8 SaljreScIaffen oereinigen, unb leidit geftt en tann, fo oft bie jüngfte 3al)reSclaffe mit mehreren anbern oereinigt ift, weil jene nod) mehr als anbere Abtheilungen baS unmit» tclbare gingreifen beS SehrerS in Anfprut nimmt unb nur in beftränttem SCRaße gur ©elbftbeftäftigung angehalten Werben tann. ©otter felbftänbigen Slaffen foEten in ber Siegel nid)t mehr als 2 gebilbet werben, weit Jonft bie 3 a ^I ^ er ©dmlftunben 3 U fehr oertheilt ober bie Sraft beS Sel)rerS 3 U ftart in Anfprud) genommen würbe. 35ie Unter» ridjtSjeit hat fid) auf 6 , be 3 iel)ungSweife 4 ©tunben täglid) ju erftreden, gine Bereini» gung ber fonft getrennten, aber nad) Senutniffen unb Alter einanber näher ftel)enben Abteilungen in einjelnen fjädfern ober ein 3ufautmenfein mehrerer Abtheilungen, oon benen bie eine unmittelbar unterrid)tet wirb, bie anbere fid) jelbft befd)äftigt, in eingeX= neu ©tunben ift, fofern eS bie Socalität geftattet, nidjt auSgefd)Ioffen, bod) barf biefe Bereinigung nid)t 3 U weit auSgebel)nt werben, wenn nid)t bie gan 3 e ginridjtung oon ^albtagSftulen ifluforifd) werben foE. gine unter benfelben Umftäuben juläßige SRobi» fication biefeS ©pftemS ift es, wenn mehrere Sehrer fit unter eine An 3 al)l Slaffen 232 .galbtagSftuten. •§amann. Reifen, fo baß feber een ihnen außer feiner Klaffe, bte er allein gu unterridjten fiat, nod) mit einem ober mehreren Sefrern gemeinfdjaftlid) eine 2. Klaffe übernimmt. SBenn als meiterer fjati, in metd)em |>albtag8fd)ulen gugelaffen merben fömten, bie Sefdjäfti» gung ber fiinber in gabrifen ober bie Serbinbung einer ArbeitSfdjule mit ber Sern* fdfule begeidfnet wirb, fo ift in biefer Segiefjung große SSorfidjt anjuratfen, ba, menn aut gugegeben merben muß, baß bie Arbeit in ben f^abrifen auf bie inteUectiteHe unb fittli^e Haltung beS SinbeS mofyltfiätig einmirten fann unb baß bie ArbeitSfcbule ihren großen Sßertlj fat, bod) gerabe für bie ftinber, bie in gabrifen ArbeitSüerbienft gu fud)en haben, eine längere ®auer beS ©d)ulbefut8 oon Sebeutung iß, aucff um eingel* ner Äinber mitten nid)t bie 9Jfef»rIjeit oerfürgt merben barf (f. b. Art. gabriffdmlen) unb ba anbererfeitS burd) bie Sfiätigfeit in ber ArbeitSfdjule fein Krfa(3 für baS geboten mirb, toaS bie Sernfdjule leiftet. Sille biefe Kinridßungen erforbern Seljrer, bie ein reiferes IDiaß oon geiftiger SBemegtic^feit unb ©djarfblid befi(sen, trenn nic^t baS Gbenmaß ber ©djulorbnung 9?ott> leiben unb bem Sebrer bie Ueberfidit über bie ein* gelnen 3 We 'S e her Seljrtfyätigfeit oerloren geben fotl, unb liier ift nun aud) bie ©teile, an meldjer ber Sebrplan Oon ©olhfd) feine Sebeutung erhält (f. Slrt. Slementarftule). ©egen bie Klaffenfdjulen unb für Trennung ber Abteilungen bloß in SftotbfäHen fpred)en fid) auS: Kurtman, Sebrb. berUrg. u. beS Unterr. 5. Aufl. ®Iß- HI. in ben §§. oon ber Solf8fd)itIe mit natürlidjen unb mit combinirten Klaffen, ©räfe, ®ie beutfdje SSolfßfdjuIe, Sb. I. §. 101, ßtieefe, KrgiefiungSlebre §. 46, ebenfo gegen ben 9lbtbeilungSunterrid)t im allgemeinen, aber für ben fucceffioen Unterrid)t in ©d)ulen mit Gittern Sebrer: ®engel, Kittl. 3. Auf!. 2. £lß- §■ 71, 79, Salnter, eo. Säbagogif 2. Aufl. ©. 560, 561, ©tirm, 331. auS ©übb. 1848, 1. ©elbft Kifenlobr (f. oben) mirb oornebmlid) burd) einen retatioen ©runb, ben Btonomifdjen Sortl)eil ber Selfrer, für ben Abtl>eilungöuntevricf>t giinftig geftimmt. Unter benfelben @efid)tSfmnct fteHen ibn bie üJJotiüe gu bem oon bem f. miirtt. Kult.*2}tinifterium 3. 9Joübr. 1855 ber Deffentlidßeit übergebenen @efebeS=Gntmurf. Aud) Räuber (Serid)t ber Sirdjen* unb ©djuI=Kommiffion ber mürtt. Äammer ber Abgeorbn.) ift nur in befottbern gälten für AbtbeilungSunterridß. 2BaS bie neueren ©tulorbuungen betrifft, fo ift bie Abteilung in feparirte Klaffen unbebingt öorgefdjrieben in Saben (1834), mo auf eine bäußg beengenbe SBeife bie KIaffeneintl)eitung burd) baS ®efe (3 beftimmt ift (f. b. Art.), im ffgr. ©ad)fen (1835), in ©ad)fen=@otl)a (1835), Aitl)alt=£>effau (1850); geftattet ift bie Trennung teils mehr nur auSnabntSmeife in Notfällen, tl)eitS hänfner, namentlid) aut mit ßfüdfidft auf ben ©ebjalt- ber Sebrer, im ©roßbergogtljum Reffen (1832) bei 60—100 ©d)iilern, in Preußen, ©runbgüge u. f. m. oon 1854, bie fid) gegen bie §a(btagSfd)ule auSfpred)en unb nur auSnabntSmeife in einclaffigen ©djulen bei ntel)r als 80 ©dßilern, übrigens unter befonberen Serl)ältniffen aud) fonft, bie Trennung in 2 Abteilungen gulaffett, in SBürttemberg (1858) in ©djulen, meldje fämmtlidje SabreScurfe umfaffen, bei 60—120, in ©djulen mit mehreren Lehrern bei 90—130 ©d)ülern, in Satjern (f. Art. Sabern), in Sßalbecf (1855) bei 80—120. (Singeine neuere ©efefjgebungen, mie bie oon ©tmar$6urg=©onberSljaufen (1852), Koburg=@otl)a (1858), Dlbenburg (1859) fennen feinen AbtbeilungSunterridß, aud) in granfreid) mirb er nicht gugelaffen (f. b. Art. granfreit). 2Begen ber länblidjen ©efd)äfte finbet gur ©ommerSgeit in oer= fdjiebenen Sänbern AbtbeilungSunterridjt ftatt. ®örtenbat- ^nmaittt, 3. @. Literatur: ®ie fpauptqueCe hüben natiirlid) fpamannS ©triften, I)erauSgegeben ßon gr. 9fotb, 8 Sbe. 1821—43, mogu not ber Srief* med)fel ^.S mit gr. §. Sacobi gehört, in ben SBerfen beS Settern Sb. IV, Abtt). 3. $aS biograpbift e .^aupttuerf, baS gugleid) eine mertbooHe 9fad)lefe gu ben genannten Sammlungen bietet, ift ©ilbemeifter, ^antannS fieben unb ©djriften 3 Sbe. 1857 f.; eS oerfolgt ^.S Sehen unb ©dfriftftetlerei bis in bie geringfügigften Kingeinbeiten, giebt aber über baS Gingreifen £.8 in bie geiftigen Semegitngen feiner 3At bot n *^ immer ben gemiinfd)ten Auffd)luß, ift aud) im allgemeinen ctmaS gu panegt)rift gehalten. •fSantanrt. 233 Unter ben fürjeren 93iograpI)ieen ift feie braudjbarffe ßon ©arßaccdji, biograpl)ifd)e Srinnerungen an 3. ©. §amann, 1855. ®aS in päbagogifdjer 93ejiel)ung 3ntereffan= tefte au$ |>.S Seben unb ©Triften ift jufammengeftetlt in K. Don fftautnerS ©efd). ber ißäbag. II, 300 ff. Unter bem Dielen, WaS fonft über Ipam. gefdjrieben worben ift, ßerbient cor attent S> e g elS Ärittf über §.S ©Triften (in ben 3al)rbiid)ern f. wiffenfd). Kritif 1828, Wieber abgebrndt in 93b. XYII ber SSBerfe) l)erßorgcl)oben ju werben, wenn and; ber religiöfe Kern in S>am. Don Siegel nic^t ganj gerecht gewürbigt worben ift (freilid) immerbin gerechter als Don ©erßinuS, @efd)id)te ber beutfdjen SRationallit. IV, 436 ff.), ©ebr fleißig gearbeitet ift 98 iü). Sftüller, de Hamanni vita et scriptis SSreSl. 1842. ®od) Wirb biefe ©c^rift weit übertroffen burd) bie 9lbbanbiung ßon SB. IDilthep über Sam. in ber beutfd)en geitfdjrift für djriftl. 2Bif= fenfdjaft nnb d)riftl. Sehen 1858 9?r. 40 ff. 9lußerbem Dgl. 33 i Int a r, @efd)id)te ber beutfdjen 9Jat.*Sit. II, 102, ben 9Irt. §amann ßon Sange in £>erjogS tbeolog. 9tealenci)ff., K. gifdjer, @efd)id)te ber neueren )ßb^°f- H, 538 ff. n. f. w. 3oI)ann ©eorg §amann würbe ben 27. Sluguft 1730 ju Königsberg in ißreußen geboren. 3)er 93ater, ein beliebter SBuntarjt, war ein fdjlidjter 2Rann, ber ®cctorS= unb ^ofratbStitet ßerfd)mäl)te, um als „altftäbtifdjer 23aber“ ju leben unb ju fterben, babei ftreng redjtlid) unb billig „ohne 9lnfebnng ber ißerfou, ©eftalt nnb gor nt.“ 3n feinem ,'paufe hercfdjte neben altßäterlic^er prunflofer ©itte ein bürgertid) bel)aglid)e8 SBofdleben (©d)r. VII, 76 f. 163). 93on beiben ©Itern rühmt Sam. (1,153), baß fie geinbe beS älfüßiggangS unb greunbe göttlidjer unb menfd)lid)er Drbnung geWefen feien unb in ber ©rjiebung ihrer Kinber fid) nid)t mit bem bloßen ©djein ihrer ißflid)ten unb bem ©eremonieH begnügt haben. „333ie Diel," fdjreibt er fpäter, nad)bem er ^ofmeifterSerfabrungen gemadjt, „bin id) ber 93orfel)ung fdjulbig, bie meine ©rjie= bung befferen ©Itern anßertraut bat, als bie id) bisbar tennen lernen.“ StlS ein ©rbe biefer ©Itern barf bei Ipam. bie ihm eigene 9lnbänglid)feit an berbe, einfadje §äuSlid)= feit, fein SBiberWiHe gegen allen ©djein unb ißrunf unb nantentlid) jene 9lufrid)tigfeit betradjtet werben, bie in 93ejug auf feine eigene ißerfon wie auf anbere oft nur ju rüdbaltloS fid) äußert. 35ie ©Itern, bie ihre jwei ©ohne, ßon benen 3obann ©eorg ber ältere war, „fdjledjt unb redjt in Kleibung, unb in anbern Stetheiten furj“ h^t“ 1 (I, 154), freuten bod> feinen Slitfwanb für ihre 2luSbilbung. 3m Saufe felbft, baS eine Zuflucht armer ©tubenten war, gab eS ©elegenbeit, in ©pradjen, fOiufif u. f. w. fid) ju üben. SDJit bem eigentlichen Unterridjt, ben ber Junge S- erhielt, war eS freilid) längere ßeit fd)led)t befteüt. ©ein erfter Sel)rer, ein abgefe^ter ©eiftlidjer, fuc^te ihm Satein ohne ©rammatif beijubringen. ®ann würbe er in bie 9Binfelfd)uIe beS ißrorectorS 9föbl Derfe^t, eines SJieifterS „im ©djlenbrian ber ©d^ulfünfte,“ ber fid) fcbmeidjelte, aus S- einen großen Sateiner unb ©riedjen erjogen ju haben; fonnte er bod) „einen 9fömcr ßerbeutfdjen, ol)ne bie ©pradje nod) ben ©inn beS SlutorS ju ßerfteben." „©o Waren/ fdjreibt er I, 156, „meine lateinifdjen unb gried)ifd)en ßufammenfehungen 93ud)bruderarbeit, Xafdjenfpieterfünfie, wo baS @ebäd)tniS fid) felbft überfrißt unb eine Sdjwinbung ber übrigen ©eetenfräfte entftel)t, weit eS an einem gefunben unb gehörigen SialjrungSfloffe fehlt.“ ®aS Uriheil würbe nicht gebilbet; er fanb fid) mit einer Stenge SEBßrter unb ©adjen überfd)iittet, beren 93erftanb, ©ritnb unb gufammenhaug er nid)t fannte, unb fudjte felbft immer mehr ohne 9Sal)l unb Ueberlcgung auf einanber ju fd)ütten; unb „biefe ©eudje hat fid) über alle meine Staublungen auSgebreitet, baß id) mid) enblid) in einem Sabprintl) gefeljen habe, ßon bem id) Weber 2luS- nod) ©ingang nod) ©pur erfennen fonnte“ (I, 157). 3n ber 2I)at ift in $.8 Kopf immer etwas d)aotifd)eS geblieben, fo mächtig ber ©eift war, ber über ber rudis indigestaque moles fd)Webte. Sei bem Dritten Sel)rer, in beffeit Süube S- fant, würbe er, ftatt mit ber lautern Stitd) beS SßangeliumS genährt ju Werben, mit ÜRotijen aus ber ©treittheologie unb Ke( 3 ergefd)id)te ßotlgeftopft, währenb g(eid)jeitig ein Sel)tburfd)e feines SaterS ihn in ben Sann ber geheimen Sugenbfünben h'neinjrg. ©nblid) entfd)loß fich fein 93ater, 234 §ainann. ihn in fete $neiphöfifd)e ©tabtfdjule gu fd)iden, Wo er unter bie Seitung tnadercr Selber fam. H* er erlangte er bie erften Segrtffe bon ^P^ilofo^ie, SJJathematif, bon ©Ideologie unb §ebräifd;em, unb fein ©efjirn würbe fo „gu einer 3ahrmarftSbube bon ganj neuen SEBaaren." Sötit biefem „SBirfeel" begog er int grü^ling 1746, alfo nod) nid)t 16 3al;re alt, bie Uniberfität. Anfangs gunt ©tubimn ber SL^eclogie bestimmt, gieng er halb gur SuriSprubeng über, bod) aud) bieS nur gum ©dritte, benn er hulbigte bor= nehmlich ben fd)önen 3Btffenfd)aften unb jener ©eniefucht, bie eine Srljabcnbeit barin fudjt, „nid)t für Srob gu ftubiren, fonbern nad) Neigung, gum 3 eitbertreib unb aus Siebe gu ben 2 Biffenfd)aften felbft, baff es beffer wäre, ein SEttärtprer, benn ein ©ag= IBlmer unb SDfiethling ber SD?ufen gu fein" (I, 172). ttJad) fünfjährigem Stufent^alt auf ber Uniberfität entfd)lojj er fid), um bie äBelt gu felgen, gugleid) aber einem tief in ihm Wurgelnben päbagogifdjen Triebe folgenb, gunäd)ft fein ©lüd als Hauslehrer gu berfudjen. Sr übernahm 1752 bie nädjfte befte ©teile, bie fid) ihm barbot, bei einer Saronin bon Subberg in Äurlanb, um l)' e O Wie er fdireibt, fid) felbft, feinen Unmün= bigett nnb eine nnfd)lad)tige, grobe unb untoiffenbe äftutter 31 t sieben, ^»iebei gieng er „wie ein mutl)ig ttiojj im fßflug" mit bielern Sifer, reblid)en Abfidjten, aber mit wenig Klugheit unb ju biel ©elbftbertrauen 31 t SBerfe, unb machte fich oujjerbem burie aug biefem STobe, aug biefetn Nichts bag Seben unb SBefen einer höheren Grfentttnig neugefchaffen hei'öorf'eime, fo weit reicht bie fRafe eines ©oppiften nidjt“ (II, 38); unb fo weit reichte and) bie fRafe ber fRecenfenten toeS 23ud)e8 nicht. ÜEBenn felbft fold)en, bie eg günftig aufnahmen (tüie 3Renbelgfopn in ben Siteraturbriefen), trotj bed aug 1 Sor. 8 , 2 f. bargebotenen ©djlüffelg, bad feinere SBerftanbnig fehlte, fo wißerfuhr bagegen in ben Hamburger fRad;rid)ten bem 23ud)e bie Gpre, afg Sluggeburt eine« franfen Sopfeg, ben man in ein©pinn= oberfRafpelhaug fd)affen fottte, gebranbmarft jn toerben. ©am. aber ließ nun rafdj weitere glugfdjriften unb Flugblätter folgen, juerft bie 2BoI = fen (II, 51 ff.) jur ßüdjtignng beg Hamburger fKecenfenten, bann bie Äreujgüge eineg ?ßb)iIoIogen, jwölf ©tiide, oon benen bie Aesthetioa in nuce (II, 256 ff.) für bie Grfenntnid beg ©.fd;en ©tanbpunctg bag loid)tigfte ift, außerbem fn er befonberg folgenbe heroorjuheben finb: Slriftobuli S$erfud) über eine afabemifdje grage, natnltd) bie Slufgabe ber ^Berliner Slfabemie sur l’influence reciproque du lan- gage sur les opinions et des opinions sur le langage (II, 118 ff.); ßermifd)te Stnmerhtngen über bie SBortfügung in ber frangoftfd;en ©prad)e (II, 133 ff.) unb bag Kleeblatt h e lleniftifd;er 93riefe (II, 201 ff.). SBoraitf biefer nterfwürbigeit ©ammlung tieffteg Slbfehen gieng, ^at ©. fpater (II, 495) in ber Ijerr» lidjcn ©teile auggefprocpen: „mag fotten mir ßont @efd)tnacf beg ^3I;iloIcgen fagen? Grftlid) beutet fein SRame einen Siebhaber beg lebenbigen, nad)britdlid)en, 3 weifd)neibigen, burchtringenbeu, marffdjeitenben nnb fritifdjen SD3orteß an, bor bem feine Greatur unfiditßar ift, fonbern alleg liegt bloß unb im Surdifdjnitt oor feinenSlugen; l)iernäd)ft funfeit im -Panier feiner fliegeitben ©ammlung jeneg 3eid)en beg Slergerniffeg unb ber 2h cr h e H, in weldjetn ber fleinfte Äunftrid;ter mit Gonftantin überminbet unb bag Drafel beg ©eridjtd 31:111 ©iege augfü^rf.“ — 3 n bag im engem ©inn päbagogifdje @ebiet gehören aug biefer 3 e 't bie fünf Hirtenbriefe, bag ©d)ufbrama betreffenb 1763 (II, 413), mit einer fd)on 1759 gefchriebenen 3ugobe „ 3 Weener Siebesbriefe an einen Seljrer ber SMtWeidheit, ber eine fßhhfif für Sinber fchreiben moHte" (II, 443). 3 n ben leptern tritt ©am. etmag übermüthig gegen Äant auf; fie finb aber reidj art trefflichen 23emerfitngen über bie an einen SinberfdfriftfteHcr 3 U fteHenben gorterungen. — Siefe ©d)dften, bie oon ben SEBortführern ber Slufflärung öerhBfmt mürben, ermed= ten bei ben tieferen ©eiftent jener 3 sit sin um fo lebenbigereg Sntereffe für ©amann. 33or adern trat ©erber feit 1764 mit ihm in ein innigeg greunbfdjaftgöerhältnig, bag erft burch ben Sob gelöst mürbe; bei feinem anbern hüben bie „©amenförner großer SBahrheiteu" in ©am.g ©d;riften (ogl. ©erber 8 SBerf'e 3 ur fdjönen Sit. I, 125) fo befntd)tenb gemirft. SlHein ber SRagud im SRorben, mie fßräfibent bon SJtofer in Sarmftabt ©am. betitelt bjatte, barbte trop feineg fRufeg. ©atte er fid; früher nid)t „in galten“ legen motten, um einer ÜBebienftung mertp 31 t erfdjeinen, ja ben um feine 3 ufunft beforgten greitnben erflärt, baß feine 93eftimmnng meber 31 t einem ©taatg-, Äauf= noch SBeltmann fei, fo mar bod) 1763 bag Slemtdjen eineg unbefolbeten Gopiften bei bem ©tabtmagiftrat, bann bag eineg Äan 3 liften bei ber &riegg= unb Somänenfatn- mer oon ipm nidjt oerfdjmaht worben. Sange freilich hielt er eg in biefer ©d;reiber= fiettung nid)t aug. ©ierauf betpeiligte er fid) eine 3 eit lang bet ber neu begrünbeten Äöniggberger 3eitung. Gine fReife nad) Seutfcf)lanb, bie er auf SRoferd Slufforberung unternahm, führte 31 t feiner SSerforgung, ebenfo wenig ber barauf folgenbe Slufenthalt in SRitau. Sag 3al;r 1767 brachte ib>m in geige beg Sobeg feineg SSaterd ein fleineg Grbe fannnt ber ipm fortan Söibermärtigfeiten in gütte bereitenben ©orge für ben geiftegfranfen 33ruber, ferner bie ©teile eineg Ueberfejjerd bei ber Slccifebirection, oon ber er erft nad; 3 ehnjäf)rigem ©arren 31 t bem etmag einträgfid)eren unb müiber gefd)äft 8 = ootten Slmte eineg fpacfhofoermalterg oorrüdte. 3 m 3 ah r 1767 fdjeiut er aud) bie •gamanit. 237 berüditigte, liier nidjt weiter ju erörternbe „©eWiffenSelie" mit ber SDtagb feines SJaterS gcfd)loffen ju haben. Unter bem ©rucfe häuslicher ©orgen, bie ungeadjtet feiner ^3ünct= Udjfeit in ©elbangelegenheiten bitrd) ein geWiffeS Ungefdjid im fpauSljalten (ogt. YII, 163) gefteigert würben, fe^te er mit eifernem Steige feine ©tubien fort, ©eine Sefegier blieb unerfättlid) mtb War babei mit eigenthümlid)er SBetjarrlid^leit gepaart; War er bod) berSlnfidjt, baß febeS angefangene 33ud) beenbigt werben müj?e, felbft ein fd)led)te 8 , benn aud) ein foIdjeS enthalte' nod) ©olbfßrner. 3n freien ©tunben liebte er befonberS ben Umgang mit 3üitglingen, auf bereu ®efd)utacf 8 = unb §er$enSbilbung er einjuwirfen unb bereit ©tubien er burd) feinen Natl) 31 t leiten fud)te. ©aneben fanb er nod) $eit über bie oerfdjiebenartigften Materien ju fd)riftftellern unb einen auSgebreiteten 33rief= wed)fel ju führen. — SSow 1771 an beteiligte ftt^ §>amamt namentlich bei ben bama* ligen fBerliaitbluitgen über ben Urfprung ber ©brache. (©ie fyityx gehörigen ©d)riften finben fid) im 4. 23anbe ber ©ammlung). S 8 war ein 3 e itt^ema, ob bie ©prad)e göttlidfen ober ntenfdjlidjen UrfprungS fei; oon ber berliner Slfabemie War ein iffreiS auf bie befte ©d)rift über biefen ©egenftanb gefegt Worben, 3unäd)ft erfd)ien nun eine anonyme ©djrift (non ©iebemann) „Serfud) einer Srflärmtg beö UrfprungS ber ©brache/ Worin baS „^Begleiten be§ ©enfenS mit ©önen" für eine burd) bie Notl) herbeigefül)rte, burd) Seobadjtung ber ©fy'ere unterftüfUe Srfinbung erflärt würbe, ©iefe ©d)rift Würbe oon $atn. tnrj abgefertigt (IV, 3 ff.). Gsrft § erb er 8 befannte Slbhanbluitg gab iE>m 35erantaffung fid) näher auf bie §frage einjutaffen; in ber 33eant= Wortung berfelben tritt er hauptfad)lid) baburd) fperber entgegen, baff er bie Sntftehung ber ©brad)e in letzter 3nftanj aus bem geljeimnijfüotlen Napport ableitete, in ben ber neugefdiaffene SDienfd) ju bem in allen Srfd)einungen ber Natur fid) il)m offenbarenben ©otte gefteüt war. „SllleS, Wa 8 ber DNenfd) am Anfang ^övte, mit Singen fah, befd)aute unb feine fpänbe ßetafteten, war ein lebenbigeS SBort, benn ©ott war ba 8 SBort" IV, 33 (ogl. ©teintljal, ber Urfprung ber ©foradje, 1858, ©. 42—60, wo übrigens fpam.S Slnfidjt nid)t fowoI)l gewürbigt, als herabgewürbigt ift). — 9?ä^er berührt ba 8 ^äcagogifc^e ©ebiet bie neue Slpologie beS 23uIjilofof 3 l)ifch=t^eologtfdie gejüd/igt wirb, unb bieS befonberS iit bem ^weiten ©l) e *t» in betti ber 33ud)ftabe § feine Slpologie gegen bie „flehten ißro= pljeten" felbft führt. Sitte Sortfefsung beS hier gegen bie „Otograpl)ie" (baS ©chreiben nach feer 2lu8fprad)e) unternommenen ©treiteS bilbet, Wa 8 fpant. fpäter gegen Älop= ftocf3 SBerfuch, bie beutfdje Drthograbie ju reformirett, gefchrieben hat, nämlich bie .3 w ei ©d) er fl ein gut neueften beutfdjen Literatur 1780 (VI, 27), Womit matt bie ^Briefe VI, 80, 123, 164 Dergleichen fann. Serner finb als in bie fßäbagogif einfd)la= genb nod; auS bem S3riefwed>fel beS 3. 1783 ju erwähnen bie auf beu Unterricht beS fungen Sinbiter, ben §. in fein £mu3 aufgenomtnen hatte, fid) bejiehenben 33riefe VI, 314, 322, 332, unb bie foftlidjen ^Briefe au feilten ©olnt VI, 335, 362, 51 t benen ©ilbenteifter (II, 441) einen herrlidjen Nachtrag geliefert hat.— 3m 3. 1784 hat -fpam. feine berühmte, gegen fWenbelSfohnS Serufatem gerichtete ©chrift ©'olgatha 238 Hamann. unb ©d)ebtimini (VII, 17) oerfagt. ©ie oernicftenbe Sritif, toeldje ^ier — meift in gornt bcr ißarobie — an ben Bon SD^enbelöfcljn enünicfelten ©äf 3 en beS 2Botffd)en 9Jaturred)tS geübt toirb, giebt $erantaffung ju tieffinnigen Erörterungen über Religion unb Offenbarung, ©efeh unb Eoangeüum, ©tauben unb Sßiffen, Staat unb Sirdje. ©ie fäbagogifd)e 333ei8l)eit, welche äftenbetsfohn in ber angef. ©djrift gelegentlich aud) »erträgt, toirb Bon §am. nid)t berücffidjtigt. Ebenfalls in baS 3.1784 fällt bie 9tbfaf= fung ber übrigens oon §am. fetbft auS SKüctfidjt auf Sant nit^t Beröffenttid)ten 9tbf)anb= lung äKetafritif über ben ißuriSmum ber reinen ißernunft (VII, 1 ff.) über bie befonberS |)eget (SBerfe XVII, 83 ff.) ju oergteid)en ift. — 3n jener 3 e it, ba £>am. feine bebeutcnbften 33üd)er fcfrieb, befanb er ftd) in einer Be^toeiflungSoolIen Sage, ©ein @et)att mar burd) Entstehung bebeutenber 9?ebeneinfünfte Berringert, baS oäterlidje Erbe faft aufgejefyrt, er fetbft franf unb hinfällig. (©. 23rtefm. mit 3acobi ©. 4 ff.) ©ein grßgter Summer aber toar, baß iljm für bie SluSbitbung feiner Bier Sinber bie StRittet festen. ©cd) fottte fein unerfd)üttertid)er iBorfehungSglaube nid)t ju ©djanben merben; bie £ütfe tarn auf eine ganj ungeahnte Steife. Ein meftfä» tifcfer Ebetmann, granj S3ud)t)oth, ein loarmer Verehrer ber §.’fd)en ©Triften, ber burd) Saoater unb ©alberg Sunbe Bon ber Sftot^ beS äftanneS ermatten hatte, über* fanbte ifym ein bebeutenbeS Safital, oon bem für jebeS ber Sinber 1000 Später beftimmt mürben, mit ber eingigen Sebingung, bag fparn. if)n aboftire unb als £auSgenoffen bei fidj aufnehme (VII, 195 f.). ©er letztere ißunct mttrbe batb Bon S3ud)fot§ Ibaljin abgeänbert, bag er §am. gu fict) nad) fünfter eintub. 9?id)t minber lieg bie ffürftin ©attifcin in it)n bringen, it)r baS ©tüd feiner perföntidjen Söelanntfdjaft ju oer* fdjaffen. (23riefm. mit 3ac. ©. 11 ff. ogt. 25 f.). ©er Bon §>am. toieber^olt oer= gebtid) erbetene Urlaub mürbe ifnt enbtid) in ber fränfenbften StBeife burd) ißenfionirung mit ber .jpätfte beS ©efaltS gemährt. 2lm 21. 3uni 1787 trat er bie ffteife nad) bem SBeften an, traf tranf bei 23ud/l;ot (5 ein, Berbrad)te aber bei ifm unb im @attigin’fd)en Sreife, fomie beiSacobi nod) glücflid)e ©age. ©od) toar biefeS Slbenbrott) feines SebenS, ber gehoffte „©abbatl)" nur Bon furser ©auer. Ein heftiger Slnfatt führte am 21. 3uni 1788 in fünfter fein Snbe herbei, oon beffen 97äl)e er feine Sfinung gehabt 3 U haben fdjeint. ©eine tefjte, unoottenbet gebliebene ©d)rift ift ber fliegenbe Srief an 9?ientanb ben Sunbbaren (VII, 71 ff.), fein titerarifdjeS ©eftament, in met= d)cm er bie gan 3 e 3 tb 3 tuecfung feiner 9lutorfd)aft enthüllt: „baS Berfannte Ehriftentljum unb Sutfertfum 3 U erneuern, unb bie bemfetben entgegengefefjten SJiiSBerftänbniffe auS bem Stege 31 t räumen unb bem ©racfen oon Sabel einige Süd)lein Bon IßecH), fyett unb tpaar, unter einanber gefodjt, in ben 3tad)en 3 U merfen." ©en ©rabftein im ©arten ber fürftlidjen ffreitnbin 3 ierte bie paffenbe Bon .'pernfterfuiS angeorbnete 3nfd)rift, 1 Sor. 1, 23. 27. 3m 3. 1851 mürben jp.S Ueberrefte auf ben SDfünfter’fdjen Ueber* mafferfird)l)of oerfe^t unb ihm ein einfaches ©enfmat erridjtet. ©er einige ©ol)n|j.S, Sohann Sttii^aet, geh. ben 27. ©ept. 1769, ber feinen Sater nad) SDiünfter begleitet hatte, mibmete ftd) fpäter bem Sehrfad) unb ftarb als ©irector beS ftäbtifcfen @hmna= fiuntS in SönigSberg am 12. ©ec. 1813. lieber ihn, auf ben manches Bon ben Sigen= thümlid)feiten beS SSaterS übergegangen loar, f. „Steine ©d)ulfd)riften Bon 3oh- 3Uid). §amann, nebft einer ©enffdtrift auf ben ©erftorbenen oon Subtn. 0 . 3 Sac 3 fo" 1814, mo aud) mandje Dlotijen über §am. ben 23ater ftd) finben. ©ie SBebeutung, wetd)e Hamann in ber @efd)id)te ber Eßäbagogif sufommt, liegt nid)t barin, bag er auf baS Er 3 iet)ungS= unb llnterrichtSmefen in irgenb einer S3egie= hung birect einen eingreifenben Einflug auSgeübt hätte. 3n einer berartigen SBirffant= feit fah er überhaupt nid)t bie ihm oon ©ott oertie^ene ©enbung. Er begeichnet feinen Seruf (I, 397) als „Sitie im ©hat ben ©erud) beS ErfenntniffeS auSsubuften." ©eine ©timme ift (II, 100) bie eines ißrebigerS, bem baS publicum eine SBüfte ift, in ber mehr gerben als Süfenfchen mohnen." ©0 mitt er benn toohl gleich jenem ißrebiger in ber SGBiifte „bie ©enne fegen," auch ohne Schonung „heroorragenber SRohnföffe," Jgmntantt. 239 madjt ftd) aber feine SHufion, baß iljm baS Sdjidfal aller -Propheten befdjieben ift. „SRan überwinbet," fc^reibt er II, 114, „leidjt baS hoppelte ^ergeleib, oon feinen 3eitgenoffen rtic^t oerftanben unb bafür gemisljanbett gu »erben, burdj ben ©efdjmacf an ben Kräften einer befferen S?ad)Welt. ©lüdlicf) ift ber Slutor, Welcher fagen barf: wenn id) fdjwadj bin, fo bin idj fiarf, — aber nod) feliger ift ber Sltenfd), beffen 3«l unb Laufbahn fid) in bie SSolfen jener 3eugen oerliert, beren bie 23elt nicht Werth War." Von aller 9?eform^dft ift er bei feinem ftarfen ^robibenjglauben fo fern wie möglich; er weiß, baß ©ott gu allem fid) 3 eit nimmt, aber gewiß fertig wirb, baß alles gu feiner Defonomie gehört. „2Bemt," fcf)reibt er einmal an Sacobi (Vriefw. S. 129), „baS Siinboiel) beifeit auStritt, muß man bann bie VunbeSlabe glcid) für oerloren galten, unb bie $anb wie Ufa barnad) auSftrecfen?" — 23aS man bei f>am. gu folen fat, finb mit Kinetn 23orte fermenta cognitionis. ©amals waren eg, wie ©Btlje über einen oerWanbten ©eift mit Slnfpielung auf^ant. gefagt ^at, „fibhüinifdje Vorahnungen beS ©uten unb SJedjten, baS einft fomtnen feil ober foHte." ®ie neuere VJiffenfdjaft hat manchen ©ebanfen, ber bei §am. aufblilgt, gur Älar^eit gebracht, aber feine SeljerWorte noch lange nidjt erfdjöpft. — ©erkämpf, ben §am. führt, gilt fürs erfte ber naturwibrigen Ueberfeinerung, wie fie an einer alterSfd)Wad;en Kultur gu Ijaf» ten pflegt, ber Heuchelei ber formen, aus benen längft baS Leben gewidjen ift, ber eiteln SMtenfion ber 2Renfdjenfaijung, wohin ihm aud) eine tobte Drtljobopie gehört, fo gewiß er weiß, baß „Sdjmacf unb Äraft beS fteinen lutljer’fdjen ÄatedjigmuS allein bent )ßabft- unb ©ürfenmorb jebeS SleonS gewadjfen ift unb bleiben wirb" (V, 48). S?odj h^ufiijer aber führt er baS ©d^toert gegen baS platte, feid)te 9lufflärid)t, gegen graujofenthum unb Verlinerei, gegen ben philifterljaften Utilitarismus, gegen bie alles Lebenbige fecirenbe VerftanbeSphilofopIjie mit ihrem leeren fdjematifirenben Formalismus. Von biefer „morblügnerifcfjen $hilofopljie" (IY, 45), beren SdjeibeWaffer „alles S)cetaII ber tiefjlnnigfien unb erhebenbften SItaterien unb 23iffenfd)aften, als SCh^oIogie, Volitif, SJtoral, ©ott, (Staat unb ÜKenfdjen finb, weldje nicht gefdjieben werben fönnen," auf= gulöfen fuergen ©otteS entfprungen (VI, 113), gu ber ©otteSWeiSheit, bie in Statur unb ©efdjidjte, in Vernunft unb Sprache gleichmäßig iljre ewigen @eban= fen ausgeprägt h a t. ©ieS ift jenes Bon |jamann öfters (VI, 183, IV, 146, Vriefw. mit 3ac. S. 20) heroorgeljobene )ßrincip ber Koincibeng. Um biefeS baS gange Leben beS UnioerfumS beftimmenben unb burdjbringenben ^ßrincips fid) gu bemächtigen unb ben ©eifteSblicf in ben 3 u f a mmenl)ang ber ©inge gu gewinnen, l) a t man oor allem in bie heilige Schrift fid) gu oertiefen; benn „Statur unb @efd)id)te finb bie gwei großen Kommentar« beS göttlidjen SBortS, unb biefeS hingegen ber eingige Sdjlüffel, uns eine KrfenntniS in beiben gu eröffnen" (1,138). ®aS Vud) ber Statur unb ber ©efdjidjte finb nid)tS als Khiffern, oerborgene 3eic^eit, bie eben ben Sdjlüffet nöthig hüben, ber bie heilige Sdjrift auslegt unb bie 2Ibfid)t ihrer Kingebung ift (I, 148). ©iefer Sdjlüffel ift KhriftuS, „ber große Slrdjiteft unb Kdftein eines StjftemS, baSfpimmel unb Krbe über* leben wirb“ (IV, 19). „Silier pljilofophifdje 23iberfprudj unb baS gange hiftorifdje Stäthfel unferer Kpifteng, bie unbitrd)bringlid)e 9tad)t ihres terminia quo unb termini ad quem finb burd) bie Urtunbe beS gteifdjgeworbenen V3ortS aufgelöst" (IV, 330). KhriftuS als baS Kentrum, in bem aus allen LebenSfreifen bie Stabien gufammenlaufen, ift bemnad) auch baS Kentrum alles fpamann’fdjett ©entenS unb LeljrenS. Kr begehrt feine anbere Legitimation, als bie, baß feine Uebergeugung „auf 23ort unb ©hat eines SItanneS beruht, ber als ein ©ott ber Lebenbigen unb nidjt ber ©obten, als ein 2lrgt ber Sranfen unb Sdjwadjen, nicht ber ©efunben unb Starten, eine allgemeine ©inctur ber Unfterblidjfeit gegen ben Stachel beS ©obeS-h croor 3 e l>rad)t h at f bamitgriebe auf Krben-unb bie Voüenbung beS 2BeltaIIS gnr Khre in ber tpBlje bereitet wer* Ben fönnte" (VII, 117). ©urcf) biefe hier nicht weiter gu erörternbe Stellung gum Khriftenthum als gefdjidjtlidjer ©hatfache, ja aller ©efdjicfite 3iel unb Voüenbung, 240 ^arnann. nnterfdjeibet fiel) ©am. niebt nur con anbern Vertretern jener ©türm» unb ©rangperiobe, fonbern auch bon ber fpäteren bet« ©Ijriftenthum mit Verflüchtigung feine« Ijtftorifdjen ©harafter« bebrohenben Stomantif. Von ben päbagogifdien unb bibaftifdjen 2Infid)ten ©.« möge im befonbern golgenbe« beröorgeboben Werben. (Sr eifert gegen ben ©djlenbrian ber ©djulpebanten, gegen bie mecbanifulgeit, Wo er bei gwei Sefuiten in ©ublin Iporag unb ißirgil obue grammatifd)e Slnalpfe gelefen batte, erregte fein lebhaftes Sntereffe für biefe 2lrt ber ©pradferlernuttg. ©od) patte bieS auf feine 93erufStf>ätigleit feinen Einfluß; er erweiterte nur feine ©pradjfeuntniS burd) S?ectüre unb im münblidjen SBerfepr unb jog »ier 3abre fpäter nad) ^SariS. 2lber ber 23rud) beS griebend oon 2lmienS ntad)te feiner faufmcinnifdien Saufbapn ein Snbe. Er würbe, wie anbere Englctnber, oon 23onaparte als Kriegsgefangener in ßranfreid) gurüdgel)alten, unb fein @efd)äft in -Paris, wie in Hamburg, war ruinirt. 9?adj bem grieben (1814) begab er fid) nad) £>oüanb unb Englanb; aber, opne 3luSfi(^ten für eine neue @efd)äft8tbätigfeit, wanbte er fid) nach üRorbamerifa unb ließ 250 fOieiten weftlid) oon 9?ew=2)orf ein fleineS ©ut anfaufen in ber 2ibfid)t, bafetbft eine )Potafd)en=gabrif angulegen. Er war fd;on nabe am 3*^ aiS ibn ein ©djauber erfaßte bei bem ©ebanfen, in biefer Einöbe ben SBinter gubringen gu fetten: fo febrte er plöblid) (iw Sftoocmber 1815) nad) 9?ew=2)orf gurüd mit bem Entfd^tuß, öorläufig bafetbft ein ©ubfiftengmittel gu fud^en. ©a fiel ibm bie mit b'Slngelp betriebene ©pradferlernung ein, mit ber er aus Siebbaberei ingwifdjen fdjon bei feinen Kinbern unb befreunbeten “perfoiten 33erfud)e angeftetlt butte. Er fegte feine ©ebanfen barüber fd)rifttid) auf, gab baS 9)ianufcript einem ©eiftlidfen in 9iew=9)orf gur ©urd)= fid)t unb erlangte burd) beffen unb anberer Empfehlung fepr halb eine beträdjttid^e 3tngabt nteift erwadffener ©djüler für ben Unterricht in ber frangöfifdjen ©pradje. Er batte oerfprodjen, feine ©d)üter in 15 Sectionen (nicpt ©tunben) fo weit gu bringen, baß fie im ©tanbe waren, baS Eoang. 3ob a nni8 aus bem ßrangBfifdjen ins Ginglifdje gu überfeben, unb erreichte biefeS 3iel bereits nad) ber gebnten Section. Sie glüdlidjen Erfolge im Sefen, ©predten unb ©direiben oerfdiafften ihm immer größeren 3 u (auf, unb bie Angriffe, bie er oon anbern ©eiten erfuhr, butten nur bie Sßirfung, benfetben gu oerftärfen. Er entfagte bem ffabrifptan unb trat in anbern amerifanifd)en §aupt= ftäbten mit bemfetben ©lüde auf, bis er im 3abr 1823 in fein SSatertanb gurüdfebrte unb bie* trop (ober oieüeid)t wegen) feiner marftfd)reierifd)en ©etbftanpreifungen foIdjeS Vertrauen faub, baß er nad) Verlauf oon 18 SJionaten bereits 600 ©dfüler butte, bie er tbeitS felbft, tbeitS burd) ©ebütfen in ber lateinifdjen, gried)ifcben, frangöfifd)en, ita= lienifd)en nnb beutfd)en ©pradje unterrid)tete. 3m 3ubr 1826 würbe ihm auf ©runb eines angeftetlten SBerfudjeS oon einer Stngat)t angefebener unb gebitbeter ÜJiänner baS 3eugniS auSgeftettt, baß bie 8 it)m anoertrauten 12= bis 14jäbrigen Knaben armer Eltern in 6 URonaten oerfdjiebene 9lbfd)nitte beS latein. Eo. Sop. unb ber ©enfwürbig= feiten EäfarS mit großer Seiditigfeit überfegten unb eine auSgegeim erft baS ©anje oor Augen geführt ift? Auch mirb eS feinem fpanbrnerfer einfallen, feinem Sefirtinge tl;eoretifd)e ^Belehrungen über fein ©emerbe 31 t erteilen: er läßt i^n erft jufeben, mie er, ber $Dieifter, eS madjt; bann giebt er itjm baS äöerljeitg in bie £)änbe unb leiert Ipn bamit umgeben, um ed il)nt nad)jutnad)en. Auf fold)ent ©runbe mirb fid) bann, je nad) SebürfniS, aud) eine tfjeoretifdje ErlenntniS erbauen taffen. Atfo erft baS SJtateriat, barauf bie Regeln, gteidjermaßen jur Segriinbung, jur Seftätigung unb jur jpiilfe für ben Vorgerüdteren, mä^renb eine oorjeitig rationalifirenbe Sebanclung baS Seben ber Sprad)e ltnö ^ 2m = tereffe an berfelben jurüdbrängt, inbem fie als fertige unb fidjere Sieget binfteüt, maS bod) burd) einen Anfd)auuttgS= unb Seobad)tungSproceß fid) frud)tbarer im ©eifte felbft entmidelt. ®ie ©rammatif fott (nad) 3iatid}) gelernt merbeu nid)t oor bem Autor, fonbern nad) unb in bem Autor. ®iefe analt)tifd)e ÜDtetbobe beißt nad) ihren oerfdjiebenen Schiebungen unb ©egenfa^en mol)I auch bie entpirifdje, infofern fie ibrent 3 iAe auf bem SSSege ber Erfahrung juftrebt, ober bie praltifdje, infofern baS SBiffen bem Ver= fieben unb können untergeorbnet ift, ober enblid) bie natürtidfe, bei meld)er ^Benennung Oon ber Annahme ausgegangen mirb, baß aud) ber frembfprad)lidje Unterridjt berAna= logie bei Aneignung ber 9Jiutterfprad)e ju folgen oermöge. Allein bei ber ÜDiutterfpradje unb bet bem burd) ben btiuben UfuS erlangten Äöntteit einer fremben Spradje ift bie Auffaffung Cer S p r a d) g e f e § e ein Ergebnis ber unmittelbaren SBirhtng beS Erfennt= niSoermögenS auf bie empfangenen finntidjen Einbrüde, ober eine oergleidjenbe 3ufam= menftetlung ber Einbrüde, meld)e baS @ebäd)tniS auf einmal barbietet. Ein foldjeS SJxefultat mirb ftd) aber immer erft für ben erfteren yall in reiferen 3al)ren unb für ben jtoeiten bei fdjon gebilbeten uno benfenben ©eiftern einfteüen. ®er Sd)ttlunterrid)t fantt hierauf nid)t märten unb mirb baber neben ber Hebung unb ®emöt)nung immer nod) eine tünftlidje Untermeifung aitd) beSmegen eintreten taffen mäßen, meit bie Sd)ule nid)t im Stanbe ift, eine fo auSgejeid)nete unb mannigfaltige Sprad)übung ju geben, tote ber gefeüige Verlebr bem Äinbe in feiner 5D'iutterfprad)e. ®er analptifdjen 9JtetI)obe ftebt gegenüber bie fi)ntbetifd)e ober tbeoretifd)e ober rationale, metdje unter VorauSfebung unb Auffteltung bereits gefunbener aüge= meiner ®efe§e Oon ber Kenntnis beS EinjelmorteS, feiner formen unb ber Regeln für bie 3 u f ammen fügung ber SBörter beginnt unb fo oon ben Sprad)elementen attS oon Stufe ju Stufe jum VerftanbniS unb jur Silbttng eines Spradbganjen oorfd)reitet. 9?un ift freüid) allgemein jugeftanben, baß man eben fo rnenig burd) ®b eo,: t e unb Regeln allein, als burd) bie bloße ißrapiS eine Sprache griinblid) unb aüfeitig erlernen lönne; eS banbeit fid) bemnadj oielmebv barum, auf toeld^e oon beiben £el)rtoeifen baS Ueber= gemid)t falle, ober mit meld)en oon beiben ber Anfang beS Unterrichts gemad)t toerben foHe, ober enblid), ob fid) nid)t jtoifdjen beiben eine fad)gemaße, menn aud) ttad) 3 e * t= perioben ungleid)artig auSfallenbe Vermittlung unb ein @leid)gemid)t b er ftellen laffe. ®ie Sdjttle bat ftd) nun, ihrer übertoiegenb lehrhaften 9?atur entfpredjenb, im aüge= meinen immer mehr, ju 3 e tten bis jur Ausartung in einen üöHig tobten @ebäd)tniS= nted)aniSmnS, auf bie Seite ber Sputbefe gefd)Iagen, inbem fie über ber miffenfd)aftlid)en, oft genug nur fd)ematifd)en, ©eftaltung beS DbfectS baS Sebürfnis beS lernenben Sub- jectS oergaß. ®er Äampf, ber gegen foldje brobeitbe ober aud) fd)ott überbanbnebntenbe Einfeitigteit 6 ereitS feit bem Anfänge beS 17. 3al) r b uni:) ert8 oon mavmen 3ugenbfreun= ben, barunter nid)t toenigen ber rubmmürbigften ®elel)rten (ScioppittS, Saco, ®eScar= §omiIton. 243 teS, ©erh- 33offiuS, Sftaticfj, SlntoS GomeniuS, SJtilton, Sode, Seibnig, GeüariuS, ©eSner,. Grnefti, Gonborcet, ©ibbon, fjacctolatt, SumarfaiS, £>erber, Kant, 31. SEBotf, SDieierotto, S8afefcoro, 9?. SSSeig u. a., bis fyerab auf ^amilton, Sacotot, SDSager unb Sübner), geführt würbe, ift bis jum heutigen Sage unauSgefodtten, nidft allein wegen ber ©djwierigfeit bet Streitfrage an ficfy, fonbern weil neben manchen flößen, bie auf ber einen ober ber anbern ©eite gegeben würben, and) burd; bie SBanbelung ber 3 e itoerI)äItniffe unb bie Umgeftaltung ober SO'fobification ber Sehrmittel immer neue ©rünbe beS Singriffs unb ber Slbwel;r anS Sidjt geförbert Würben. 3nfofern nun Hamilton auf bie 9Jaturgemäßb>eit feiner SDJetfyobe unb beren Sinologie mit ber Grternung ber Sötutterfprache ein befonbereS ©ewidjt legt, tonnte man oer^ mutfien, er werbe — wie bieS feiner 3 e >t ' m Eßhilantljropin mit giemlid? jWeibeutigem Grfolge gefdjalj — ben 3luSgang t>om nuinblidjen ©efpräd) nehmen. Gr l;atte jebod; ridjtig erfannt, baß biefeS ol;ne eine pofitioe Unterlage gar halb in ber Suft fdjwebcit müße; eine foldje Unterlage tonnte er aber faum anberSWo fud;en unb fittbcn, als iw einer beftimmten Seetüre, in weldjer er ben ©djüler »böig einljeitnifdj rnadjte, unb burd; weld)e biefer in ben ©eift foWoI>l als in bie gönn ber fremben ©prad;e einge= führt würbe. ©eine ^auptgrunbfäfce finb nunmehr: bejüglidj be§ ©toffeS, bie ©pradje foll bem ©djüler oon Stnfang an als eine lebenbige, ©ebanten enttjaltenbe borgeführt werben; in Setreff ber gorm ber 9Jiittt)eitung, man foll ben ©djüler bie ©pradjgefefee mogtid)ft felbftänbig erfennen laffen. Sie SDSittel aber, weldje jur Grreidjung biefer 3wed e angewenbet werben, finb folgenbe. Ser Sefyrer Weist nidjt ein fßenfum an, fonbern lehrt; ber ©djüler braudjt fürs erfte nur aufju^ nehmen. Ser ©djüler lernt junädjfl bie ©runbbebeutung ber SBBrter burdj tnünblidje SDSitt^eilnng beS SeljrerS tennen, unb 3 War nidjt ifolirt, fonbern im 3ufammenhange ber D^ebe. 3u biefem Gnbe wirb jebeS einzelne SEBort burd; ein gteidjbebeutenbeS in ber SJlutterfpradje unter genanefter SSadjbilbung feiner g°m überfeijt. 3ebe Sectiow muß boKig »erftanben unb memorirt fein, elje jum golgenben fortgefdjritten wirb. ©o= halb ber ©d)üler conftruiren tann, liest er fo oiel als mogtidj, unb erft, Wenn er ba= burdj eine auSgebeljnte SBörterfenntniS erworben hat, lernt er an bem betannten ©toffe bie Glaffification ber Sßörter, bie Serminologie, bie Regeln ber glepion unb ber ©tyntap tennen. 3 u Uht erft wirb ber Unterricht ftjnthetifdj unb geht äum ©djreiben unb ©predjett über. 3 U größerer Serbeutlidjung Wollen Wir ben ©ang beS Unterrichts noch etwaS- näijer auSfü!jren. ÜDlan raubet bem erften Slnfänger nidjt ju, irgenb etwas felbft ju madjen unb ju finben; er präparirt fidj nidjt, was beim Slnfänger eine fruchtlofe unb jeitraubenbe Strbeit ift, fonbern empfängt alles pofitib als erfte ©runbleguitg. Siefe befteht in S3efanntfchaft mit bem ©pradjftoffe unb in ber Ginübung beSfelben. Gr er= hält einen bloßen (jufammenljängenben) Seyt in bie §anb, unb ber Sehrer giebt ihm babon eine münbliche Ueberfejjmtg, welche, Weit ein freieres Ueberfeijen gar ju leidet Ungenauigteit jur golge hat, SEBort für SBort bem ^Original folgt, nid)ts übergeht unb nichts h'ujufügt, jebeS SBort mit bem gteidjartigen 3SebetIjeiIe unb in feiner ©runobe» beutnng wiebergiebt unb baSfelbe int -RunteruS, GafuS, -DtobuS, SempuS tc. aufs treufte auSbrücft. SieS alles wirb nodj währenb ber Section foWohl im fremben, als im bexrt- fdjen 3biom, in unb außer ber SEBortfotge, abgefragt, fo baß gleich 0on Slnfang Singe unb Dljr jugteidj geübt Werben; babei wirb jebod; bie Ginmifdjung boreiliger 33e= tehrungen über fprachtiche Kategorien unb gleyionSformen forgfältig öermieben, weil bie ©djüler baburdj nur im aKmäljlidjen eigenen ^Beobachten ber Sinologien, worauf e$ währenb biefer Eßeriobe sunädjft abgefeljen ift, geftört werben würben. Siefe nämlidje Ueberfe^ung ift jwifdjenjeilig in einem ^weiten Gpemptar eingebrudt, WetdjeS ber ©chüter ju £aufe Jur ftrengen SEBieberljolung gebraucht, Wobei er wiffen muß, baß ihm bie 3nterlinearoerfion nur jur Kenntnis ber einzelnen SBörter öerhilft, mittels beren er eine nerftänblidje Ueberfe§ung beS ©a^eS felbft gu ootljiehen hat. 9Jlit §ülfe jener 244 ■£>amitton. erftert wirb ber £ept ftreng memorirt unb etngeübt, aud) in ber Scpule fort unb fort recapitulirt unb controtirt, unb immer erft nadj gefieberter Kenntnis weiter gegangen; benn nur burep ftrengeS geftpalten beS Vorangegangenen wirb ein fpäterer rafd;erer gortfepritt ermöglicht, bann aber auch gang fieper erreicht. S)ie Kenntnis ber gram= matifdjen gönnten, ber -parafcigmen unb ft>ntaEtifcf;en Siegeln als fold;er bleibt auSge* fept bis ju bem 3eitpuncte, wo fie fiep auf baS eingeprägte concrete äftaterial ftüpen fann unb an bemfelben in allmählichem Vorfcpreiten naepwetfen ober entwideln läßt, nadtbem bem Scpüler bie meiften ©prad;gefe( 3 e burd; bie täglich erweiterte Seetüre fd;on unbewußt jiemlicb geläufig geworben finb. ÜDiefer ßeitßunct ober ber jweite SurfuS tritt ein nad; Verlauf oon einigen äöoepen ober wenigen SJionaten, wo bann neben ber grammatifdjen Slnalpfe ber borangegangene Stoff im @ebäd;tniS befeftigt unb foWopt in ber Schule als 3 U fpaufe, unb jwar ohne Ueberfe^mtg, immer weiter gelefen, natür» lid) aber nidjt mehr alles memorirt wirb. 35ie Veipütfe beS 35Sörterbud;eS ift nur wenig erforberlicp. Srft mit bem britten SurfuS, nadjbem ein nicht unerpePlidjer fffiör* terfepap, ©eläufigfeit in ben gorrnen unb ein gewißer Saft für bie Sprad;bilbung im ganjen erworben ift, Wirb an bie UePerfepung oerwanbter Säpe unb Stüde auS ber IDtutterfpradje gegangen, am beften junädjft in Siüdübertragung eines befannten, fepon gelefenen (felbftoerftänblicp nid)t beS memorirten) Stoffes, ober inbem baS münblid; UePerfepte 31 t fpaufe fd;riftlicp eingetragen wirb, bon Wo auS bann ber Uebergang 3 U freierer ^Bewegung erfolgt. Soll ettblid; auch ein Sprechen ergielt Werben, fo wirb noch ein bierter SurfuS angefügt, in welchem fidj baSfelbe auf beu borangegangeneu ntünblicpen unb fdmftlicpen UePungen ohne befonbere Spne 3 lü eifel Hegt jebod; biefem Vorwurfe Wenig» *) 355a« baS Sitter ber Sntertinearüberfepungen für ben Unterricht ber Stufänger betrißt, fo ifl BemerfenSWcrtp, baß man fie im Stnfdjtuß an baS fjerfommen in ben §anbfcpriften audj in ben erften (Srjeitgniffen ber Vucpbruderfunft, in ©epriften, bie man bie früpeften Slementarbücper nennen föunte, angewanbt ßnbet. ®in Viicplein bon Sllbus SDtanutiu«, baS mit ber grieep. ©rammatit beS ©onft. Sascaris Venet. 1512 berbitnben ift, entpält bie^eiepen unb 9lamen, fowie bie Slusfpracpe ber grieepifepen SBmpftaben, bie gewöpnlicpen Stbbrebiaturen, bann ba« Vaterunfer, beit englifcpeit ©ruß, ba« apoßotifepe ©pmbolnnt, ben Slnfatig beS @b. Sopannis, bie golbeiten ©prüepe beS ißptpa» goras unb beS ißpofplibeS jro/^a vov&enxov mit tateinifher Snterlinearüberfepung, unb eine äpuliep eingerieptete Stnleitung jum §e6rciifcpen. @0 jiemlicp basfelBe bietet bas ältefte in S)eutfcp s lanb gebrudte ®tementarbücplein, bie anonpme Etauycoyij itgbg zäv ygetfifiuTav 'EXXrjvcov. Ele- mentale introductorium in idioma graecanicum , juerft gebrudt in 6rfurt 1501. ©cpmib. **) Von biefem jeboep niept fowopl für eigentlicpe unb allgemeine ©cpitljmede, als jur Sr* Werbung einer mettnmnnifcpen Vitbung, für Welcpe ein ftreng grammatifcpeS ©prahberßänbnis niept erforbertiep fei. fSantilton. 245 ftenS bis ju einem gewißen ©rabe ein SCRiäoerftänbniS ju ©runbe. 3ene Ueberfejjung madjt ja gar nicht ben Slnfprttd;, ben ©in n beS Stertes unmitteibar in bie SJhitterfpradje ju übertragen, fonbern wiE nur burd) Äennjeid;nung aEer einjeinen 23eftanbtheile bie nötigen ipülfen geben, mittels beren ber ©inn gefunben unb fpradjgemäß auSgebrücft toerben foE, etwa wie ein ©djiiier bei feiner ißräparation fid) erft ber ©eltung jebeS einjeinen SBorteS oerfidcert, beoor er ben ridjtigen ©inn unb 2IuSbrud ju gewinnen fuamiltonianer haben fich oon folcher 23er= fehrtheit glüdtich freigehalten. glicht minberen Slnftoß hat man an bem fpäten 6 intreten beS ©djreibenS genommen. Spamüton ift hierbei, wie fffatid), oon bem ©runbfajje ausgegangen, baß baS ©chreiben. Wie baS ©predjen, eine Äunß fei, Woju unS erft bie äftaterialien unb bie 3lrt ihrer Slnwenbitng gegeben fein müßen, ehe Wir etwas felbftänbigeS ju fdjaffen oermögen; baß eS bie Drbnung ber Etatur umtehren bjeiße, fich früher auSbrüd'en ju woEett, el;e man 6 inbrüde empfangen hat; baß berjenige, welcher fdjreibt, ehe er in ber fremben ©prad)e einigermaßen ljetmifch geworben ift, in golge ber ©ewöhnuug, ftetS oon ber SRutter- fprache ober einer Slnjahl formulirter 9tegelfälje auSjugehen, fdjwerlich jemals im @e= banfengange unb ©efchmade ber fremben ©prache benfen, fdjreiben unb fpredjen lernen Werbe; baß eS beffer fei ben gehlern oorjubeugen als oiele gehler ju corrigiren, unb baß eS minbeftenS ein arger Umweg fei, am ©djleditfdjreiben baS ©utfdjreiben lehren ju woEen. ©iefe ganje 9Iuffaffung aber fteht mit bem bekömmlichen Unterrichts» gange in einem fo grellen 2Biberfprudhe, baß eine SBerftänbigung faurn anberS als auf bem 2Bege ber 6 rfahmng benfbar ift. 20er bie* ein begrünbeteS Urtivit abgeben WiE, Wirb erft mit bem langwierigen ©djreibwefen einmal entfdjieben gebrochen unb eS ge= Wagt haben müßen, ohne ©cfeu oor einem möglidjen SluSfaE ber iftatur ihren Sauf 3 U laffert. 2)ie Ipauptöortheite, bie fid) auS bem oorgefübrten Verfahren bei richtiger 23e= hanblung beSfelben ergeben, finb ol;ne Zweifel eilte 6 rhöhung beS SntereffeS, ber Inregung unb ber ©elbftbefriebigung, ein angemeffener ©tufengang bei ben an bie Scnfthätigfeit a« macfenben Slnfprüchen, unb ^erfteEung eines unmittelbareren SSerhältniffeS beS lernenben ©ubjectS au bem Dbjecte. Stbgefehen oon bem 3nb>aItSintereffe, welkes ein aitfamuten» hängenber ©toff, oon welchem Umfange er immer fei, im Sergleid) mit ben bürftigen 3ufammenfteEungen, weldje in bem geWöhnlid)en 6 lementarunterrichte oorgenomnien Werben fönnen, oon feibft mit fich führt, ift bie rafd;ere ^Durchführung burdj bie 6 le= mente, welche gana befonberS burd) bie SDföglichfeit unb Dföthigung, aEeS 6 rlernte im ©ebädjtniS unb S3eWußtfein au erhalten, heroorgebradß Wirb, für bie 6 rweduug unb ^Bewahrung ber Sernfreubigfeit üon ber größten 2Bid)tigfeit. ®enn wenn fdjon aua u ’ 246 •gmmilton. geben ift, baß einem lernbegierigen Anfänger and; bie geringfügigen Operationen, bie er burd) 3 u f ammcn f te ttung eittgelner SBorter fel6fttl)ätig auSgufüljren berntag, fd)on eine flewiße SSefriebigung gewähren, fo tritt bod) bereits im gweiten unb britten §ialbjaf)re, loo ber ©djüter immer nod) in ben nämlid)en, nur unerhebltd) erweiterten UebungSlreiS gebannt bleibt, namentlich bei ben mittelmäßigen ober trägen Stopfen, ein Ueberbruß nnb eine Unluft ein, bie bem ferneren gortfd)ritte immer neue Spinberniffe bereitet. Spier bagegen »erfdjafft ber bBKige 23efi(3 beS Stoffes aßen eine gleidjxnäßige @enugtl)uung, alle erlennen bereits eine grud)t ipreS gteißeS unb tonnen, ba ihnen nur äugemuthet wirb, ©egebeneS aufjufaffen unb fo oiel fetbft gu finben, als fie nad) ber 2$erfd)ieben= heit ihres Vermögens gu beobad)ten im ©tanbe finb, aud) fäntmtlid) an ber gleirfjartigen Anregung — fei eS aud} nicht mit gleichem Stfolge — fid) betheiligen. @S ift aber biefe Slnregung unb Setheiügung feineSWegS auf eine bloße Uebung beS @ebäd)tniffeS, nnb gwar nad) allen brei ffunctionen beSfelben, befchränlt. ©aS (Sinprägen foWol)l als baS gehalten unb ßrinnern wirb burd) ben innern 3ufammenhang ber ©inge, tut SScrgleid) mit ber Aufnahme einzelner 2Börter, formen unb Regeln, gang wefentlid) erleichtert, 9lun ftel)en aber ©ebädjtitiS unb ©enfen in innigfter ißerbinbung: baS ©ebädjtniS als 33ewa!jrer unb SBieberertoeder ber aufgenommenen 23orfteHungen ift fd)on ber unmittelbare Uebergang in ben ©ebanlen, ber Unterridjt hat eS nur immer mehr guitt ©etilen aufgttfdjließen, unb ba in ber ©pradje ©toff unb fjorm untrennbar ber* bunben finb, fo lattn bie ®enlfäl)igteit nicht beffer als eben am ©toffe, bem concreteren Söeftanbtheile, in S©l;ätigfeit gefegt Werben. Slnerfanntermaßen ridjiet bei Stinbern bie ©ewöhnung mehr attS als baS ©tubiurn. ©d)on bie fortgefepte 2lnfd)auung bon ©prachbilbern befd)äftigt gleid)tnäßig bie fßh al1 lafie unb bett SBerftanb. 3ft bem ©e= bäditniS ein 2Bort, eine 33erbinbung entfallen, fo wirb eS burd) bie 3magination, inbent ber 3 u fummenhang, in Weld)ent eS Oortam, Wieber Bor bie ©eele tritt, attfS neue I)er= borgerufen. 3ngwifd)en behalt baS Subiciuut, baS, gu früh heuauögeforbert, an einem Wedjfelnoen unb uubelaunten ©toffe mühfant, ungefdjidt unb unbefriebigt umhertappt unb in feinem eitlen Sentühen bem @ebäd)tniffe unb ber gertigleit £>htberniffe in ben ÜBeg legt, ßeit, allmäf)tid) gu reifen. £)ier giebt eS leine mehr geitraubenbe als gewinn* bringenbe ißräparation, Cie im ^Durchgänge burd) bertehrteS SerftänbniS in baS richtige einfiihren fod unb entweber gur bequemen ^anbarbeit Wirb, ober bie geifiige ®i)ätig= leit bon born herein gur Saft werben laßt. ®ie burd) unbergeßbare Uebung erworbene 33efanntfd)aft mit ben üluSbriiden unb SluSbrudSweifen wedt ben ©inn für 23eobad)tung; eS werben nicht bie Siegeln burd) fd)Werfättige UeberfepungSberfudte in SlnWenbuttg ge» brad)t, fonbern bie SBorte treten mit ber ißoßgewalt finnlid)er SSergegenWärtigung in uäd)fter 33egiel)ung auf bie ©egenftänbe felbft an baS ©efühl h ernn nnb nötigen eS, itad) unzähligen SBieberholungen eitblich mit beftimntten Seiten unb ©önen bestimmte SSorftefluttgen unb begriffe gu berfttüpfen. 3 uer f t "Urb freilich nur ber Seib unb ©tamm berSBörter aufgefaßt unb feftgehalten; halb jebod) bemächtigt fiep ber innere ©inn and) ber angehängten Umbiegungen, reil)t biefe in bewußtlofer Operation gufammen, unb be= barf bann nur einiger betetirenber ÜBinfe, bamit ber bewitßtlofe Sefip in ein beutlid)eS 33ewußtfein übergehe, ©iefer geiftige SlffimitationSproceß ift ber 3nftinct für 2lna= logie, ber bei ber üölutterfpradje fo ©eWaltigeS Wirft unb bei Der fremben ©prad)e auf bem äBege beS bloßen Unterrichts gwar nie in gleidjent ©rabe erreid)t werben lattn, anbrcrfeitS aber Wal)rlid) nid)t ungeftraft bon unfern ©diulen gänglid) uuberücfftdhtigt uttb uitangebaut gelaffen wirb.*) 3tt biefem Sernftabiunt nun, nadjbem SlnfdjauungS» *) ®aß biefe iitfiinctioe ffirfaffung ber finblidjen Statur gan$ gemäß ift, lehrt eben bie 2fna* logie mit ber 9Jtutterfprad)e. freilich muß bem Stnfänger bafiir ein genitgenber iRaum gelaffeit Werben, Wogegen 93. bei ÜDteierotto unb Sacotot trop ber concreteit Vorlage hoch ber abstra* hitettbe 9?erftanb fo früh unb fo pari in 2litfpruh rem SefanntWerben in ®eutfd)Ianb (im 3. 1827) an mehreren ©teilen warme Slnerfennung unb tebenbige 9tnwenbung gefunben t) at , fo hat fie bieS woht eben fo fet)r ber Unbefriebigtheit mit ben fftefuttaten beS bekömmlichen Unterrid)t8, als ber »ollen Ueberjeugung »on il)ren eigenen Sorjügen ju banfen. 2öenn ferner baS, was bie beutfd)e fßrayiS in biefer SRidjtung gewagt hat, fid) faft gänjtid) auf baS Sanb SBürttemberg befdjranft, fo ift baS fdjwertid) in einem anbern ©runbe 3U fudjen, als baß bafetbft ber Sßertl) einer tüdjtigen ©chutprajiS, bie gerabe barum nie fid) fetbft genügt, wäfjrenb alter SBanbelungen jeitgeiftiger 3tnfid)ten fid) burd) &rabition erhalten unb ftd) nid)t burd) eine »ermeinte 2Biffenfd)afttid)feit h at in ben fpintergrunb brängen taffen. ©otd)e 33erfud)e finb namenttid) gemadjt worben am Stuttgarter @t)mnafium »01t fpölber, in ©bringen bon Ä. 31. ©d)mib, in ©d)orn= borf »on Seont). 3tafei, ber fid) gugleid) burd) SluSarbeitung einer beträd)tlid)en 3tnjaht Set)rbüd)er unb beren Fortführung unb Umarbeitung um bie weitere SSerbreU tung ber ÜOtethobe bemüht hat, am burdjgreifenbften eublid), Wenn auch nidjt ohne ÜDtobifkationen, auf ber fßrioatanftatt 31t ©tetten. Sin alten biefen ©teilen hoben bie 3iefultate befriebigt. *) Slber bie Stnftatt in ©tetten hot, als .burd) bie neuere Drgani= fation ber entjpredjenben SanbeSfdjuten entbehrlich geworben,, bereits »or 8 Satiren fid) fetbft aufgelöst, unb über ben Fortgang ber ©adje an ben »orgenannten fptafjen ift neuerbingS eben fo Wenig als über eine StuSbreitung berfetben in einem Weiteren Greife befannt geworben. **) Bum guten ®h e ü läßt fid) bie ©todung ober Burüdhottung atterbingS aus tl)at= fachlichen 3?erhättniffen erttären. SDie (Erfolge beS beutfdjen ©hmnafialunterridjts finb immer nod) erheblich genug, um einer Sfabicatreform, auf wetdje es ber §amittonianiS= muS boih abgefeljen 3U hoben fd)ien, entfd)iebene Ungunft entgegensuftetten; ja fetbft bie etwaigen äuget beS (Elementarunterrichts taffen fid) in ben obern Ätaffen immer nod) teibtid) genug ergän3en unb übertragen. 9?id)t minber War bie ©leichartigfeit ber Sehrerbilbung, ber ©ewöljnungen unb ber gefehtidjen Stnorbnungen in ben fonft noch fo »erfdjieben geftatteten beutfdjen Säubern nur 3U geeignet, bem frentben Sinbringtinge §inberniffe auf alten ©eiten 3U bereiten. (Enblid) mag aud) bie wegmerfenbe (5ntfd)ie= benheit unb ber tpohn, womit berfetbe »on einigen angefeljenen SBortführern ber alten 2Retl)obe bet)anbett würbe, manchen fonji unbefangenen ©djulmann »on ernfter Prüfung 3urüdgehatten unb 3U ber SDieinung »erteitet hoben, eS honbete fid) um nid)tS anbereS ats eine (Ehartatanerie, bie mit bemfelben SBinbe bahinfat)re, mit wetdjem fie ge= fommen fei. ®ie ©d)Wierigfeiten, bie in ber Neuheit ber ©adje tagen, finb auch gar nid)t ab= 3utaugnen; nur War eS nidjt eben ber 23iHigfeit gemäß, »on einem erften Stntaufe auf ber ©teile eine »ottfommene, unter allen tßerhältniffen anwenbbare 3tuSgeftattung ber= fetben 31t »erlangen, unb eben fo wenig burfte man fich burd) etwaige ungefd)idte 2ln= *) ©0 auch Bei ben in Oueblinburg am FranäBftfdjen angeftetlteu SBerfitcben nad) $fau ©. 96, über beren Sefdjaffenheit jebocb bie nähere Stngabe fehlt. **) Unfere« SBiffens h at man bie ©ad)e in SB. iiBeratt aufgegeben; es ift nicht jebermannS ®ing, mit biefer ÜJZethobe SJtefuttate ju erreichen. St. St. ©dmib. <§amtltou. 249 preifuugeu ober unerfüllbare Scrpeifjungeu beftimmen laffen, über ben ©egenftanb, etwa mit ber fßprafe, eS panbele fiel; babei lebiglid) um eine SDietpobe für commis voyageurs, opne weiteres jur SageSorbnung üPerpgepeu. ®S ift einmal baS ?ooS berer, bte einen glüdlidjen gunb gemalt ju paben glauben, fidj über cie Tragweite ibjrer Sntbedung in 3Hufionen gn ergeben unb halb bte ©djwierigfeiten ber 2luSfüljrung ju gering an= jufdjlagen, halb im Umfange ber SfnWenbung unb ber mutpmafjlidjen fftefuttate über baS Biel ju fließen. SieS alles auf baS richtige 2fta§ jnrücfjufülfren unb rectifici* renb einjutreten, ift eben ©ad)e ber fyorgegeit. ©d)ott äufgerlid) tritt uns ein 2 Biber= fprudj jwifdjeu ip. unb feinen beutfdjeu 9?ad)folgern entgegen, inbem jener eine redjt grofje fünjaljl öon ©Gütern, fcfjou ber Anregung wegen, bem Srfolge erfprteßltd) er* flärt, bie teueren bagegen uid)t über ad)t bis gepn pinauSgepen wollen, ja wopl gar uodj ben 9lnfprud) ergeben, bajj biefe öon möglidjft gleichen Sorlenntniffen unb nidjt äu großer SBerfdjiebenpeit ber Einlagen feien. ®S ift einleuchtend, Weldje Sßaffen pier= mit ben ©egnern in bie |>anb gelegt Werben; bie ©acfje geljt aber ganj natürlich unb et>rlid) ju. §amiltonS ©d)üler, eine auSerlefene ©djaar greiwiUiger, bradjten bem SJteifter nidjt nur baS erwünfdjte SDtaf; Lerneifer entgegen, fonbern überleben ißn audj infolge iprer ©eifteSreife ber fpälfte ber Slrbeit; flehte ©djüler Wollen ot)ne 2lufl)ören angeregt unb in 9ltt)em erhalten fein, unb bie SBerjidjtleiftung auf biejenigen Sßefdjäf= tigungSmittel, burcfj Welche beim gewöpnlid)en Unterricht mittels fdjriftlidjer, l;äuSlid;er Slrbeit bie gortfdjritte tbjeils gefördert, tljeils controlirt Werben follen, wirft alle fHtüpe auf bie perfönlidje fftüftigfeit beS SeprerS in ber ©djullection. Sie fUtetpobe fordert, wenigftenS bei bem unooUfommenen ©tanbe iprer bermaligen SluSbilbung, einen Seprer, ber beS ©toffeS unb ber gönn SJteifter unb in ber SBortbilbung und SegriffSentwide* lung ber ©pradje Wopl bewandert ift, ben ©djüler ftufenmäfjig jur SlbStraction ju leiten oerftept unb in ber Anregung lebendig unb unerntüblidj fid) erweist; wie enblid) ber ©djüler bont 33ud)e unb ©djreibpefte emancipirt fein foH, fo muff eS aud) ber Seprer fein. *) 316er ein feiger Selber leiftet aud) in ber perfömmlidjen SSBeifc 23ebeu= tenbeS; Wer pätte ipm alfo opne UnbiKigfeit jumutpen dürfen, um eines gweifel^aften ©eWimteS willen gleidjfant eine neue £eprjeit an 3 utreten? Unb feiere ßweifei, ja fetbft ©efapren, find allerdings im 3nnern ber ©ad)e felbft begründet. S^ar oor ber 316= irrung in einen &aftner’fd)en SparlataniSmuS ober in eine 33onnenmetpobe mag ber gefaulte unb gebildete Seprer fid) leid)t 3 U wahren wiffen, befto fd)Wieriger aber wirb eS bem ©d)iiler fein, jwifdjen ber gönn und bem materiellen Snpalte gehörig ju unter* fdjeiben, weil er fie immer oerbunben anfd)aut unb beide als eins benl'en lernt; ja eS folgt nur §u Ieid)t eine Unempfäugtidjfeit für ben Sinflufj eines forgfältigen ©pradjauS* brudS felbft auf bie materieüe SrfenntniS, inSbefonbere aber auf bie Sßebeutfamfeit ber untergeordneten unb bodj fo wid)tigen ©prad)elemente, unb bie pebantifdje ©d)eu, baS 2Bort jemals anders als im ©ape auffaffen ju laffen, fiiprt foWopt ©ebädjtniS als SSerftanb in eine Sinfeitigfeit, bie baS gleid) notwendige begreifen unb 2lufnepmen beS SinjelwortS als ©pradjelement unb ©prac^form ganj unnötl)ig erfd)Wert. **) ©0 *) SebenfaKs ift es fo boreilig als ungereift, Wenn D. © d) u 1 5 iit feiner SBrofcfitre „über ben Slementarunterricbt im Sateinifdjen :c. iBertin 1841" bte ^Behauptung auffettt, baß „bie Safel’fcfen Sebrbiicfer beit trägen Seprertt als ein gar bequemes Otupebett erftfienen," ba fiep im ©egeittpeil ber Seprer bon born perein bie SJerfmpung abfepneibet, mittels Sluswenbigternens nnb ©dpreibens ben größeren Kpeil ber Slrbeit auf ben ©epiiter ju legen, unb nur burep bie (Sntbeprlicpfeit japl* unb jielfofer ©orrecturen einen Seitgetoinn maept. **) Heber bie Diotptoenbigfeit, jur einftigen ffirlenntnis abftracterer ©praepgefepe unb jttm SSerßänbniS ppilofoppifeper SarßeHung beit ©cpüler mittels Slusgepens bon ber gorm an fpße* matiftpes unb logifcpeS Senlen gu gewöpnen, bgl. 3apn 9t. Saprbb. f. i)3p. sB. 24, @. 441. SBenn 3apn jeboep ebenbafelbft als Uebelftänbe ber analptiftpeit Sltetpobe perborpebt, baß fie „bas ©ntwicfeln ber einen [Regel ans ber andern" nnb „bas teidpte Ueberbtiden beS geordneten ©anjen" erfd;were, fo liegt boep bie grage gar gu nape, Wo bettn wopl beides pier ©eforberte 250 §amitton. liegt benn bie ©efapr Hape, burd; übergroße Slbfürgung bcS SBege« in übereilte ©elbft« Pefriebigung uttb in eine ©eid;tig!eit ber Slnfcpauung eingufüpren, bie eine einfeitige gertigleit mit einem wirflid;en SfBiffen, 33 er ft et; en unb Rönnen »erwedjfelt. Sntmerpin febod; finb ba« alle« UePelftänbe unb ©efapren, bie, Wenn ftd; ber Seprer itjrer nur beuttid; bewußt ift, feineSweg« al« ber SDtetpobe inpärirettb fcetrad;« tet werben bürfen. 2 öo e« fid; nid)t bloß barum panbelt, möglicpft rafcp ein au«ge= bepnte« ©pradjmaterial 51 t erwerben unb baSfelbe mit etwa« gefcpärftem Dpr unb einigem ©alt praltifd; gu »erwertpen, fonbern um eine grünblid;e Sinfüprung in ba« SBefen ber ©pradjelemente unb um Renntni« nid;t allein ber imcerrücfbaren logifd;en fonbern aud; ber grammatifdien ©efege, ba wirb, fobalb einige ©icperpeit be§ ©prad;« gefüpl« ergielt ift, mit allem (Srnft an bie Slnalpfe gu gepen unb beren 2 öid;tigfeit praftifcp anfd;aulid; 31 t mad;en fein, wäprenb man ©cpritt »or ©djritt in metpobifdj« fpftematifcper 33epanblitng mittels 3tt»üdgepen« auf ben betannten ©toff unb Stnfdjluffe« an ben neu gutretenben bie ©prad;tepre erWad;fen läßt. ©er 3 e ityttttct, in weld;em biefe SBenbitng eintreten fotle, l;ängt lebigtid; non ber Sßeftimmung be« Sieljrer« ab. 6 « Wirb fein aU§« früher fein bürfen, bamit nid;t ber fpauptgtoed be« 33erfal;ren« vereitelt, aud; nid;t alle ©eelenfräfte gugleicp angefpannt unb, Wäprenb mau ein »or« geitige« ©enfen ergwingt, bie ©ebädjtniSfraft gerftört Werbe. (Sben fo Wenig aber barf eine leibige (Sonfequeng gu unnötiger unb gWedwibriger ßögerung beftimmen, um fo Weniger, al« bei ber beträd;tlid;en ©tunbengapl unfrer tateinifd;en ©d;ulen fid; in fepr mäßiger 3eit bte notpwenbige, materielle Unterlage gewinnen läßt, Denn wie gat;I= reid; finb bie 33erpältniffe, Wo fid; in einem tßarabigma ober in einer Ieid;t faßtidjen Siegel, bie fogleid; ebenfall« ein Waprpaft anfd;aulid;e« 33ilb eine« gangen ©prad;tpeit« gewähren, gufammenfaffen läßt, wa« auf empirifcpem 333ege erft burd; eine SDfaffe ein« gelner Seifpiele angeeignet Werben müßte! Sind; wirb man fid; babei be« ©ebanfett« entfcplageit tttüßen, baß ber Rnabe bie Regeln au« feinem ©toffe felbft ab«tral;iren fönne unb foKe. ©a« wirb immer eine geitraubenbe Dual unb fddießlid; eine ®äu= fd;ung bleiben; e« ift genug, wenn ber ©djüter fo siel ©inn für Sinologie gewonnen pat, um bem ffeprer bei Gfntwidelung ber Regeln, bie bod; einmal längft gefunben finb unb nid;t in jebent gatte wieber eingetn auf« neue entbedt gu werben braudjen, auf palbem SBege entgegengufommen. 3 ur eigenen (Sntbeditng richtiger Regeln gel;ört nid^t nur eine Renntni« nod; »iel gal;Ireid;erer ßingelfälle, fonbern audj eine öotlftänbigere Ueberfid;t ber ©prad;erfd;eimtngen unb ein fd;arfer, ppilofoppifcper S3lid, ber ba« 3 U= fällige »om SBefentlicpen gu unterfcpeibeu oerfteb>t. ©er ©d;itter würbe im beften gälte » 01 t unfrer fpntpetifcpen ©ietpobe ttt Sirtlicpleit unb auf ber pier in SBetradpt fommenben ©tufe geleiftet Werbe. $a« Srflere perbeigufitpren bea6fid;tigt unb »erfpricpt bie fogenamtte „genetifcpe SJtetpobe", auf Welche näher eingugepen hier nicpt ber Ort ift. 3tt ber ihr »011 SJiager gegebenen Slitsbepnnng unb 2öeitfcpid;tig!eit läßt fte fiep ficperticp ntd^t palten, eine Soncentration ber ©acpe für ben Wahren ©djulbebarf ift noch ein bibaftifcpe« Problem. 2BaS aber ben Ueberblidl be« ge« orbneten (Sangen anlangt, fo ift ein folcper bod; überhaupt erft in ben reiferen ©djuljaprett bettlbar; bann aber bürfte bafür gerabe ber anfdjaulicpere ®ang unb bte felbfterarbeitete ©rruttgen« fcpaft tm anatptifcpen Verfahren recpt erfprteßücpe Sienfte leifteit. ©anebett unb bem gegenüber möge aber nod; auf eilten artbent Siortpeit be« letztgenannten 33erfapren« aufmertfam gemacht fein. Rann e« geleugnet werben, baß ein ©cpüler, ber gwet Sapre lang tateinifcpen Unterricht genoffen unb ben größten Speit btefer Seit mit parabigmatifcpeu Uebungen ttnb mit ffiypofition ttttb ©ompofition uubebeutenber ©äpe »erbracht pat, nunmepr, wenn er g. 33. an ben (Sorttel perantritt, wieber nocp eine fepr geraume Seit braitcpt, epe er fiep in einer anep nur wenig »er« Widetten, aber »om ©enitt« ber SRutterfpracpe abweiepenben ißertobe gureept finbet, ober felbft nur fiep ber »erfepiebenen 50! öglid;f eiten ber Slufeinattberbegiepung ber Söörter in einem ©aptpeile opne frembe ®ütfe rafd; unb flar bewußt wirb? ©erabe biefe« ©tabiitm Wirb beträd;tltd; »er« Jürgt, Wenn ber @d;üter »ott Anfang an in bie frembe ©praepe mittel« eine« größeren 3 u fant« tttenpange« eingefitprt ift unb jene ©praepgangett, wa« freilich bie §auptfae unb (Srfdjei» nungen ber Vergangenheit. 3n8befonbere wo ein abgtracteS fftegelwefen herrfdjenb ge» Worben unb auf mitberem SBege nicht augjutilgeu ift, ba fann man fdjwerlid) etwas angemeffenereg ttjun, al§ mit feiner eigenen Vergangenheit grünblid) bred)en unb ben fd)ted)tt)in entgegengefepten 2Beg einfd)Iagen. Ser (Erfolg wirb ben (Sntfdjluß fidjer lohnen unb einem fpäteren (Eintenfeu auf einen SRittetWeg el)er förberlich alg l)inbertidj fein. Senn Bon ber Behauptung, baß eg fid) bei ben freilich oft übertriebenen Sd)if= berungen ber alten 9J?etl)obe in Bejug auf abgtracteS Sfegefwefen unb maffenpafte ißa» rabigmen=Sd)reiberei lebigfid) um einen Äatnpf mit einem felbftgefdjaffenen ^Phantom hanbte, wirb fid) niemanb, ber feine ÄenntniS ber beftehenben VrapiS aus fleißigem (Sinbticf in biefe felbft, nicht bloß au8 bem Sßortlaute ber amtlid)en 3uftructionen fd)öpft, täufd)en taffen. (Eg Ijanbelt fid) Bielmehr gerabe um red)t reale 3uftänbe. 9?od) immer finb bie Stetten nidjt feiten, wo man, ben Unterrid)t nid)t einmal mit bem einfadjften Spradpuatertal, mit Vocabeln, fonbern mit ben btoßen formen ber Seclina» tion unb (Eonjugatimt unb bem Borgängigen üluSwenbiglernen ber Siegeln beginnt, weil man barin eine Slugprägung ber 2ßiffenfd)aftlichfeit, einen fpftematifd)en Rortfdjritt, eine (Erfenntnig beg inneren 3ufammenhangeg ber (Erfd)einungen erbtieft, unb wo man, *) Sn ^Betreff einer auf’« (Sittjelne eingebenben Betrachtung ber berfepiebenen Sfflobiftcationen be« analptifcpen Sprachunterricht« bei hamttton, Sacotot, ÜJtager, Blume, SRotfcert, SolomS, eichhoff, Sturm, SÄatidj, Seibenftüder, Spier, SBeiß, SDleierotto u. a. muß id; auf meinen „Borfcplag unb tpian k ." S. 252—328 berweifen. 252 Hamilton. Während matt auf bie ratio pod)t, unbewußt ein mat)rt)aft tobteS ©ebädjtniswiffen er= arbeitet, bem Stüter aber eS überläßt, bie ratio tnneinjubriiigen. ES leuchtet aber ein, baß, trenn jener ront SRaterial ausgehende unb burd; felbftthätige 33eohad)tung ber Analogien gitr ftrengeren Anatpfe überführenbe UnterridjtSgang erft in einer ©pradie betreten tnorben ift, man aud) für bie näcfjfte unb bie toeiter fotgenbe ©pradje eine ©runbtegung getrcnnen t)at, auf ber fid) ein fetbftänbigeS EntbedungSBermögen fdjon mit rief größerer ©idjerßeit bewegt, Weil il)tn babei nicht birg ber an ber erften erworbene ©pradßaft, fonbern biefem wieber baS bereits erlangte S3ewußtfein ron ©prad)gefe( 3 en ju fpütfe fomtnt. *) ©aß an fReatfd)ulen, foWot)! fürs Satein atS für anbere ©pradjen, bie 33ebenfett nod) leidster inS ©ewtcfjt falten, bebarf feiner hefonbe» ren Ausführung. ßtur bie grage möge benen, bie eS angefyt, nodj ans §erg gelegt fein, ob nidjt aßen benjenigen 3nbioibuen — unb baS ift bod) bie große 9Jtehr}atjt — Wetdje ben ©djutcurfuS nidjt Boßftänbig abfotriren, auf jenem 3ßege eine beffere 9Jtit= gäbe fürs Heben unb eine freubigere ftfüderinnerung an ifyre ©djutjeit gewährt werbe, als burd) mehrjährige Einübung grammatifd;er gornten gefd)et)en fann — immer Bor= auSgefefct, baß baS 3tel beS ©djutcurfuS baburd) feinen Abbrud) erteibe. AßerbingS aber wirb int allgemeinen eine 33enittjung ber §.’fd)ett 2Jtetl)obe im ©d)utunterrid)t unb eine Einordnung in benfetbeit, um bie bei unS unleugbar Bort)an= bene Hüde ohne ©efal)r unb ßfadjtljeit auSjufüßen, nid)t ohne rermittelnbe SRobifica» tion, refp. 33erooßftänbiguiig jener SCRethobe fetbft ror ftd) gelten fönnen. ©aß tjwfür ron £>.’S ßtadjfolgern baS AuSreidjenbe gefdjehen fei, wirb fd)Wertid) behauptet werben, unb in fofern dürften einige unmaßgebtidje Andeutungen über bie eingufdjlagenbe 3fid)= tung aud) hier immer nod) am tßta^e fein. 2BaS gunädjft bie ftofflidje Unterlage betrifft, fo find, wie fc^on oben er= wähnt, ron £>.’S SBaljl beS Erang. 3ohamtiS bereits feine beutfdjen fftadjfotger fehr bald jurüdgetreten. 33 tu me 3 . 33., ber feinen tateinifdjen ©ept mit einer jwtfdjen tpamittonS 33ud)ftäblid)feit unb 3acototS greiljeit bie SDJitte hottenden Ueberfejjung rerfieht, hot ben SioiuS (nidjt ohne bebenftidje Umgeftaltung beS ©epteS) 51 t ©runde gelegt, ©ergteidjen umfängliche ©epte find nun ohne 3® e *f e ^ beim 33orwiegcn eines materiellen g^edeS, beim Unterridjt reifer ©djüter unb beim ©etbftunterridjt ganj an= gemeffen, weit eS bann roräugSWeife auf einen rafdjen gortfdjritt anfommt uttb biefer burd) baS 3ntereffe am Snhatt wefentticf) gefördert wirb. Anders bet jungen ©djütern, bie jugteid) fdjon für ein tieferes 33erftänbniS beS Einzelnen wenigftenS rorbereitet werben foßen. ©iefe bürfen um ber 3ufunft wißen nid)t an eine flüchtige 33ehanblung beS ©toffeS gewöhnt werben; erfordert bod) fdjon ihre Ungeübtheit einen tangfameren ©ang. 33ei einem fotdjen aber wirb baS 3nhattS=3utereffe ron fetbft jur Diebenfadje; ja eS fann fogar ftörenb wirfen und Unluft erweden, Wenn ber Änabe burd) baS nur aflmöljtidje 33orfd)reiten fid) in feiner Steigung, bem 3ufamment)ange ber Erjähtung »orjugreifen, gehemmt fieljt, während bod) fein Sntereffe an einem 3nt)alte Bon mäßigem *) 3a, eS würbe für ben gortfdjritt ber Unterricljtsfunft Eeinesweges gletrfpgiiltig fein, Wenn an einer unb ber anbertt ©teile bas Verfahren mit 25orftd;t unb Umftcöt auch über bie Siemen» tarflnfe binauSgeführt würbe, um Erfahrungen gn gewinnen, wie Weit ftd) ohne ©efährbung eines inneren grünblid)en 25erftänbniffeS auf biefem SBege baS materieße SBiffen uttb können ju größerer 23efriebigung beS Schülers erweitern taffe. Aber freilich, ein jeber fo in baS innere 25ilbmtgsleben eingreifenbe 25 erfaß) erforbert, wenn er Erfolg berfpredjen foß, einen gewißen ©pielrattm in ber Seit unb eine greiheit, wie fte bei ber uniformen ©efeplichteit beS beutfcljen Unterrichtswefens nicht mehr gu finden fmb. Aus gurdjt, mitten im gortfchreiten auch einmal einen SRüdfd)ritt gu thun, bleiben wir ftehen, berfaßeu jährlid) mehr bem frangöfifdfen Eentrali* fatiottsprincip unb werben enblid) mit ©d)abeu gewahr Werben, baß bie bornehm angefehenen 3uftänbe in Engtanb unb Aorbanterifa, wo es nod; ©djitlen giebt, bie eine beftimmte Atethobe unb damit als unumgängliche ^Bedingung eine innere Einheit beS Eoßegiums repräfentiren, doch auch ihre Sichtfeite haben. -gwntttton. 253 ja rec^t geringem Umfange eine bette SSefriebigung gefunben Ijaben mürbe. 3)odj — Ijieoon weiter unten! Sludj bie fjamilton’fdje Ueberfefcung ift gang woljt einer erfprießlidjen SDlobi* fication fätjig. Snfofern namlidj alles in ben früheren Sectionen Gelernte im @ebädjt= niS fortgefüljrt wirb, ift nidjt abgufepen, Weöljalb baS in ber nämlidjen Sßortfonn unb in berfelben SBebeutnng Sßieberfcprenbe immer aufs neue unter bem Stepte wteberfjolt werben fott. ®urdj SSefeitigung biefer überflüßigen tßottftanbigfeit mürbe aud) baS oben berührte äftisoerftänbnis gegeben fein, wornadj bie unter ben £ept gefegten §ül= fen als eine mirllidje Ueberfefsung, toaS fie bod) iljrem SBefen nad) nid)t fein follen, erfdjeinen. Sine anbere Streitfrage ift, ob in ber Ueberfefjung baS eingelne 3Bort je= beSmal in feiner ©runbbebeutuug, ober mit ber an ber betreffenben ©teile angemeffenen tBebeutung miebergegeben werben fotte, womit bann bie weitere gufammenljängt, ob ein SBort ftetS auf bie namlidje Sßeife, ober je nad) bem gufammenljange oerfd)ieben gu überfein fei. entfteljt benn fogleid) baS Siebenten, ob unter ber ©runbbebeutung bie etljmotogifdje, ober bie logifdje, ober gar bie Ijiftorifdje gu oerfteljen fei. fp. unb bie meiften Slnpänger beSfelben fpredjen fid) für bie etpmologifdje, als bie retatio guoer» läßigfte unb jprattifc^ erfj>rießlid)fte aus, wogegen wenig einguwenben wäre, Wenn fid) biefelbe überall fieser ermitteln ließe unb üjre Ueberfe^ung in bie Sltutterfpradje, inS= befonbere bei ben GompofitiS unb ißartifeln, nidjt ungäpligemal gur oottfommenen Unoerftänblidjteit führte ober wenigffenS falfdje Slorftettungen erWerfte, bie bann einer fortwaprenben 33ericptigung bebürfen. 3ebenfattS aber werben gwei einanter auSfdjlie= ßenbe gweefe öerfolgt, Wenn man einerfettS behauptet, ben ©dritter oon oorn herein mit ber Sntftepung unb Urbebeutung ber Söörter befannt gu machen, unb bod) eS wieber als einen S3ortf>eiI tjerborljebt, baß ber ©djüter nur im 3 u f ammenl 5 att 3 e ber ^te ridjtige 23ebeutung ber SBörter tennen lerne, Waprenb bem SBorte in ^ßrayi gerabe eine ungehörige beigefdjrieben ift. SS liegt aber in ffolge be§ ßerfdjiebenen SntwidelungS= gangeS ber eingelnen ©pradjen aud) barin ein SBiberfprudj, baß man einerseits begwedt, ben Anfänger Oor atten üDingen in ben pofitioen unb materietten ©pratptnpalt eingu= führen, anbrerfeitS ipn gugteidj fdjon auf Slerpättuiffe pinWeiSt, bie großenteils formaler unb rationaler Statur finb unb oiel erfolgreidjer bei ber Slnalpfe in einem eigenen 3eitabfcpnitt ex professo bebanbelt werben. SOZeiitt man bagegen, baß aud) fd)on in biefer Stidjtung burd) baS bloße Slneinanberpalten beS SepteS unb ber Ueberfefjung ber ©hin für Sinologie eine gefunbe Staprung finbe, fo Bergißt man, baß bamit einer Ueber= fefsung ®inge gugemutpet werben, bie fie itjrer Statur nadj nidjt leiften fann. ?e(}tereS geigt fid) benn audj in ber fpamilton’fdjen Ueberfe( 3 itngSprapiS beutlid) genug. 3ft eS etwa mit etpmologifdjer ©prad)belel)rimg oereinbar, Wenn sxaz6vraQ%os a centurion, ntxQa-xuXcov praying, ds and, Ssiväg dreadfully, gessisse to have performed, interfue= runt ivere present, aderant Wieberum are present, respondens a nswering, en beliold, supervaeuus superfluous, furnier dunghill, apeine scarcely, ne . . . que but, defaut want, sacrifloateurs Dpferpriefter, residence Stufeutpalt, mutual Wedjfelfeitig, although ungead)tet, without opne, überfelgt werben? ©Wer ift auf ber anbern ©eite mit bem angeblichen ftrengen 2lufd)Iuß an bie ©runbbebentung: &qxh r im jeweiligen s Jtieberfdjreiben eine faunt entbehrliche Unterftühuug finbet. 9J?an braudjt eben nicht gur SSermeibuug beg einen EftremS ohne ■fmmtlton. Jganbarbeit. 255 weiteres inS anbere.ju oerfallen. fpternad) bürfte eS namentlich feinem 18ebenten unter» liegen, baß jugleid) mit betn ^Beginn ber graminatifdjett 9lnalt)fe hin unb reieber ^arabig* matifd)e unb anbere ©djreibübungen, aber mit 33orfid)t unb 9iüdfid)t auf 3 e ilfparung, unter engftem Slnfdjluß an ben bereits befannten (Stoff oerbunben toiirben. greilid) fann nunmehr bie grage aufgetoorfen Werben, ob nad) fo erheblicher Um» geftaltung bie 9JietI)obe noch . au f Ben 91 amen einer $amiltonfd)en Slnfprud) $u machen habe. Offenbar aber bleiben and) fo fpamüton’S beibe §auptgrunbfät)e, unmittelbare unb alsbalbige ©inführung beS Sernenben in bie lebenbige ©pradje, *) unb möglichfte ©nttoidelung ber ©pradjgefefje auS einem befannten concreten ©toffe, in ihrer ©eltung, unb §amilton8 energifdjeS, wenn fd)ott nicht irrthumfreieS, Stuftreten gegen verjährte ©ebredjen hat eS recht oerbient, baß feinem 9Inbenten in ber ®efd)ichte ber 35ibaftit eine bauernbe ©teile gefidjert bleibe. Siteratur: Hamilton, Essay on the usual mode of teaching languages. 9?ere=9)orf 1816. 2) eff. History of the Hamiltonian System. 2)cand)e[t. 1829. Sonb. 1831. Sßurm £>amilton unb Sacotot. §amb. 1831. Kröger, Ueber bie neuen SDfe» thoben, frembe ©prad)en ju lehren, in ©chrearj 3)arfteUungen auS bem ©ebiete ber fßäbag. Seipj. 1832 ©. 345—77. ßl). ©djrearj, Kurje Äritif ber fpamitt. @prad)= lehrntethobe. ©tuttg. 1837. »Deff. 9lpologie beS 3lnti=f?amilton. Ulm 1838. »Die tpamiltonifche grage unterfudft öon K. 31. ©dfrnib. Stuttgart 1838. Oafel, §amilton unb feine ©egner. ©tuttg. 1837. 3) eff. »Die ©pradflehrmethoben §am. u. 3ac., in ber beutfd)en 33iertelj;ahrSfd)r. 1838. Ip. 3 ©. 168—206. 3lbgebr. in »DiefterWeg Schein. SSlätt. 33. 18 §.3. 35eff. 3)ie analt)tifd)e ©prad)lehrmetl)obe. ©tuttg. 1845. §am. ©prad)lehrmetl). bargeft. oon ©djaumann in 33rjoSfa'S ßentralbibl. Dct. ©. 1—15. o. 9iaumer ©efd). b. fßäb. III. 1 ©. 77—84. Safel Sehrb. b. griecbifd). (lat., ital., engl.,) ©prad)e nach fparn. ©runbfähen. Ulm 1831. ber fpan. Ulm 1837 3) eff. ©lementarb. ber lat. ©pr. nad) b. analht. 91Retl)obe. 3 9lbtheilungen. Ulm 1840. 35eff. Sinai. Sel)rb. ber franj. (engl.) ©pradje. ©tuttg. 1847. 9Bagner, Sehrbuch b. gried). ©pr. u. b. naturgem. ©runbfäfsen o. Sode, Seibnifc, ©eSner, §erber, fpam. 2 §efte. ©ießett 1834. Sepfer granj. beutfdje ©lementarübungen n. fpam. ©runb» fäften. ©tuttg. 1832. (ÜJJit abgeftuftem Sfeyte unb einer bem ©eniuS ber beutfdjen ©pradje mehr entfpred)enben Ueberf.) gür ben )|3riöatuntertid)t, fo reie für fßrioatan» ftalten unb fold)e 9fealfd)ulen, reeldje nid)t ftreng an gefe^lidje 9formen gebunben finb, ift ju beachten baS „©lementarb. ber engl., franj., ital. u. lat. ©pr. f. 33orbereitungS= fd)ulen. ®armft. 1835," in reeldjem mit einem untergelegten »Deyte aus ©ampe’S 9fobinfon baS ©nglifd)e am nebenftehenben 35eutfd)en, baS granjöf. am ©nglifdjen, unb fofort reieber baS 3tat. am granjöf. unb baS Satein. am Stal, gelernt reirb. 9lud) hier unterfdjeibet fianbarbeit begreift hi« Bie 33efd)äftigungen ber Sugenb, bie mit ber fpanb ju beren Kräftigung unb ©ereanbtheit, reie aud) jur SSoHbriugung ber oerfd)iebenen »Dhätigfeiten im menfd)lid)en Seben oerrid)tet Werben, ©ie ift fo alt, als es ein gamilienleben giebt, in ree(d)em man bie 3ugeub für baS Seben erlieft, unb an beffen Slrheiten, fobalb eS bie jugenblidjen Kräfte geftatten, theilnehmen läßt. 3)er erfte Slnftoß ju einer georbneten fpanbarbeit, bie nid)t mehr bloßes ©piel ift, reirb *) Unter ben anjureenbenben üDtitteln ift namentlich ber hoppelte Steytabbrud reefentlich jum ©einigen ber ©ad)e. ®er ©cl)üler bebarf bie (fogenannte) Snterlinearöerfion (unter ber oben angebeuteten ÜJtobification) jn ber unerläßlihett häuslichen SOSieberholung; in ber Cection ba» gegen muß ihm ber reine £eyt ohne §iilfen genügen. 256 ^anbarBeit. baljer in ber Siegel oont häudlidjen Seien gegeben. Sie ift eine ncefr ober minber ge= jwmtgene, ja fogar organifirte, nid)t feiten aber wirb fie in freier SBeife ergriffen unb fortgefefst. 3e uadj ber 33erfd)iebenl)eit ber ©tänbe unb ihrer 23efcf)äftigung ift bie .fpanbarbeit and) oerfd)ieben. Sine anbere ift fie in ben befifslofen ©cfidjten bed SSotfd, eine anbere in ben befijsenben, wie fie fid) aud) wieber anberd geftaltet in ber ©phäre ber SSoIfdfdjule unb ber IjBfyeren 23HbungdanftaIten. 3nnerl;alb biefer Greife felbft aber ift bie 23efd)äftigung eine jiemlid) gleichartige. 21 ni gleidjförmigften übrigend jeigt fid) bie fianbarbeit ber SJtäbdjen in ben be= fitsenben unb fogenannten gebilbeten ©tänben. SDtan ift fier im allgemeinen beftrebt, bem Stinbe halb jur Stenntnid unb Hebung in ben unerläßlidjften Shätigfeiten einer §audfrau jn oerljelfen. ®ie jarlen Singer fdjon muffen ba bie ©pinbel, bort bie ©trict= nabel ergreifen, benen bann halb aud) bie Stälinabel folgt, unb bie ^anbfyabung ber= felben füllt einen guten ©h c ü ^ er twu ber ©d)ule unb ihren Arbeiten freigelaffenen 3 e ^t aud. ©Hefe Arbeiten finb Don jeher Dolfdthümlidj gewefen in allen cultioirten Sänbern, unb man tonnte fie jumat im beutfdjen tßolfe bei ben SDtäbdjen aller ©tänbe antreffen, mochte man fie unter bem ©trol)bad) bed Sanbmannd, ober im Spaufe bed ftäbtifdjen §anbwerferd, ober in ben gamilieu ber Staufleute unb Seamten ober gar in ben fßa- läften fudjen. 25orI)errfd)enb aber erhielt fid) bad ©pinnen in ben bäuerlichen gamilien, ben©tätten ber ©rjeugung bed fpanfed unb gladjfed, bad ©triden unb 9?äljen bei ben ©tabtern. ®ie neuere 3 e rt, bie ber alten patriardjaüfdjen Slrt ju leben ben Ärieg ange= fünbigt hat, Wirft auf bie ©itte biefer weiblichen Arbeiten feit mehr benn einem halben 3aljrl)unbert jerftörenb ein. ©eitbem bad §anbwerf jur gabrif groß gewad)fen ift, unb ed Slrbeiterctaffen mit beftimniter ,^anbarbeit für gartje gamilien giebt, tann man Diele §audhaltungen finben, in benen bie ©od)ter bie ©pinbel nicht tennt unb häufig auch bie Stabei nidjt 51 t führen Dermag, unb ber 3ug ber 3eit, ber auf ®h e ^ un 8 brr Slrbeit, auf 25ermehruug Don ©pinnfabrifen unb auf ©ebraud) Don 23aumWotle ^intreibt, wirb bie alten ©itten unb 23efd)äftigungen mefr unb mel;r Derbrängen, ©eitbem baju fommt, baff ber Unterfdjieb bed 53 efi( 3 ed unb ber 23itbung weitere 3rrflüftungen im SSoIfdganjen erzeugt, hat man aud) in ben gebilbeten Streifen angefangen, bie ©pinbel auf bie ©eite ju legen, wo uid)t ihrer fid) ju fd)ämen, bie ©tridnabel mit ber ©tiefnabet ja oertau» fdjen, ja aud) bad Stäben auf bejfen nieberen wie höheren ©tufen ganj ju Derlaffen, unb fid) Weit mehr ben Arbeiten bed fßuhed unb ber SDtobe jujuwenben, Wo nid)t ber ernften §anbarbeit fid) ganj ju entfd)lagen, wie bed manche weibliche ©rjiehungdanftalten 3 eug= nid geben. Stur bie unteren unb mittleren ©tänbe halten noch an ben anererbten 23e= fd)äftigungen feft. ©inen äfmlidjen ©ang nehmen bie £>anbarbeiten ber Stnaben, obwohl bie Unter» fd)iebe hier größer finb. 2tudj hier fommt bem natürlichen ©rieb bed Stnaben, etwad ju leiften unb fid) bamit in bie Steihe ber Srmad)fenen ju ftetlen, bie Slrbeit unb bad Sebürfnid bed Spaitfeö anregenb entgegen. 3m £aufe bed Sanbwirtljö regiert er ben §afpel, bad ©efpinnft ber ©cfjweftern aufjuljafpeln unb 3 aJtrne ju wideln; ober er= greift er bie lyt unb bie ©äge, §oIj jn oerarbeiten, ober ben Jammer, ba unb bort etwad jufammenjufügen, ober bie ©abel unb ben $>refd)flegel in ber ©d)eune; im gelbe hanbhabt er bie ©idjel, bie ©enfe, ben Stechen, unb fteöt fiaud= wefen bed ©ewerbdmannd, bed ©djneiberd, ©trieferd unb ©d)ul)mad)erd, bed ©cf)reinerd, ©reherd, ©djlofferd, bed SBudjbinberd, llhrmacherd u. bgl. ©0 Ward Don Sllterd per, baß ed jur ©rabitien bed §aufed gehörte, baß ber ©ol)n in bie gußftapfen bed 23aterd trat, unb fein fpanbWerf ooit @efd)lecht 3 U ©efchlecht fortpflanjte. 3 n ben gamilien lanbwirthfchaftlidjer unb gewerblid)er Slrbeit bleibt aber bem ftinbe immerhin noch mand)e ©tunbe 3eü ja freier, wiKfürlidier S3efd)äftigung. ©ept man einen ©d)ritt weiter unb beachtet bie Streife, aud welchen bie Steal= unb 4>(Utbat6etf. 257 tateinifcfen (Schüler ftammen, fo fhtbet man, baß £jier bie §anbarbeit ber Knaben etwas juriicftritt, wo nid^t am Serfäfwinben tft. Siete werben jwar, wie bie Sotf8fd;üter, jur Slrbeit ber gtamitie ferangejogen, jebodj nid;t in berfetben SluSbefnung, ba bie Schule unb ifre Hausaufgaben riet mefr 3eit in Stnfprud; nehmen, bie meiften aber bleibett ganj ferne baöon, tljeilS Weit baS H au§ feine ©etegenfeü gu angenteffener H^nbarbeit barbietet, wie bei Seamten unb föferen ©ewerbSteuten u. f. w., tfeitS aud) weit man eS für unfcfidtid; fält’, wenn' ber geteerte ©prößting fid> mit ben Gingen beS atttäg* tid;en SebenS abgiebt. 2)ie Knaben aus biefen Häufern fontmen über baS Spiet !aum ^inauS, nerfatten bafer bem SDlüffiggang unb UebungStofigfeit, unb Wenn fie ficf irgenb einer H an barbeit juwenben, fo ift eS meift eine wittfürticfe unb oft genug wecffetnbe. Stritt man unter bie ©djüter ber ^ö^eren Steatanftatten unb @t;mnafien, fo fieft man, baß fier eigentlich non H an barbeit feine Siebe mefr fein fann. Jfre 3eü wirb burd; bie großen Stnforberungen an baS Semen in unb außer ber ©d;ule, unb bie 33er= wenbung be§ Heftes ju Leibesübungen ober ©rfotungen faßt gang auSgefüttt. SSlan benft inSgentein nid;t baran, bie SrfotungSgeit ober fonftige freie ©tunben gu nüfticfer Arbeit anguwenben, ober ift eS ein nerfefrteS Sfrgefiifl, baS banon abfält. Slur StuS* nahmen finb eS, wenn Jünglinge auS biefen Kreifen einer ftarf auSgefpredtenen Sleigung ober ber SBeiSfeit ifrer Srgiefer folgen, unb burcf Arbeit Hanb unb Slug üben, ifren 53tid über unb in bie ÜDinge biefeS Lebens erweitern unb fid; praftifd;e8 @efd;id, baS fo nieten ihrer SltterSgenoffen abgeft, bei 3^iten erwerben. 2118 (Ergebnis biefer Sßarnefmungen ftettt ft er tterfefrt fid; aucf baS in ben übrigen 23otf8cIaffen beftefenbe S3erfättni8 gwifd;en geiftiger unb teibtidter 33efd;äftigung, inbem auf biefen unterften ©tufen bie SIrbeit unb ber 23erbienft berfetben bie Hauptfadfe ift, bie geiftige SluSbitbung aber gur Siebenfache unb gum SSlittet für ben 3raed ber Strbeit gemad;t wirb. 2luf bie ©pife wirb eS in biefer S3egiefung getrieben in Setgien. Hm' ferrfd;t, wie in (Engtanb unb granfreid;, fein ©cfutgwang, obwoft febe ©emeinbe gefallen ift, eine öffentliche ©cfute für bie freiwilligen Sefucfer gu errid;ten. ®iefe ©ommunal* fcfuten werben nid;t einmal non ber Hälfte ber Kinber benüft, am wenigften aber in ben gabrifbegirfen, in wetcfer bie Knaben unter ber 2luffid;t beS SaterS ober eines ÜDleifterS befcfäftigt, bie SSläbcfen gum ©pifenftöppeln u. bgt. oerwenbet Werben, unb gtoar ben ganjen Stag finburd;. Sieben ben öffentlichen ©cfuten giebt eS bafer fefr niete ^3rinatfd;uten, in wetd;en tfeitS beS SlbenbS, tfeitS aud; ben Stag über äwifdfen ben Slrbeitsftunben in Heineren Slbtfeitungen Unterrid;t gegeben wirb, um ber Slrbeit fo wenig atS mögtid; Sfbbrucf ju tfun. ©ie finb non ber tprinatwofftfätigfeit erricftet unb ben 3Släbd;en wirb ber Unterridjt faßt auSfcftießtidf non barmferäigen ©cfweftern ertfeitt; ben SletigionS*Unterricht geben bie ©eifttidjen, in ber Sieget am ©onntage. 3)ie UnterrichtSgeit umfaßt täglid; 1—2 ©tunben unb erftrecft ficf bei bett fähigeren cKinbern oft nidft über 2 Jafre, in benen fte Sefen, ©cfreiben, Slecfnen, unb neben ber cpjcaj). (Snc^flopäbic. III. 17 258 §anboi6ett. ftanbrifd;en bie fransöfifc^e ©pradje lernen. Die übrige Dageggeit, unb nid^t feiten and) ein Dljeil ber 9?adjt, gehört ber Arbeit, (b. ©teinbeid, über belgifdje Snbuftrie). (geregelter ift bie Arbeit in granfreid^ burd) bag Slrbeitergefej}, bag fid) übrigeng nur auf gabrifen mit SJfafdjinen unb ununterbrochenem F e ner unb auf SSerfftätten mit mehr als gwangig Slrbeitern begießt. fpienad) ift nur geftattet, baff Sinber nadj gurttdgelegtem 8. Sebengjaljre in folgen Slrbeitgftatten SSefdjäftigung erhalten unb g»ar bom 8—12. 3af»e taglidj nur 8 ©tnnben, üom 12—16. 3a!jre tagtid) nur 10 ©t. Stadjtarbeit bon 9 Uljr big 5 Ufyr ÜJtorgeng, bie mit anbertbatbfadjem Soljn bejaht »irb, ift Sinbent unter 13 Satiren berboten, unb big gum 16. Satjre nur auf 2 ©tum ben geftattet. 2In ©onm, §aft= unb Feiertagen fott nid)t gearbeitet »erben. Sin fol= d;eg Strbeiterfinb muff big jitm 12. Satire eine öffentliche ©d)ule befudten. — ©o biel hier ber förperlidjen Sntmidlung unb geiftigen 23ilbttng 9iedjnung getragen »erben »iö, fo trifft eg bei ber »eit berbreiteten §totnil»n=3nbuftrte bodj »dIjI nur bie Heinere 3 freitidj burdj bie neuere 33e= fdjranfung ber Slrbeitdgeit bei ben Snbuftrietten feinen Dan! berbient. Sg »irb bringenb geWünfdjt, baß fie »ieber auf bag ©efejs bon 1836 guritdgehe, unb if» gu bebenfen gegeben, baß ein Slrbeiter mit 4—6 Stübern unb einer fleißigen Frau ohne ©djulben faum bttrdjfomme, unb eg außerft fd)»er gu einem Steel erteilt ober fonft einem Sigen= thum bringe, »ag bod) ein beredjtigted Verlangen fei, unb bei ber feigen Slrbeitdiheilung fo leidjt mittetft ber Slrbeit ber Sinber erreicht »erben fönne. Die Sugenbgeit fei ja bor altem gur Sludbitbung unb SSorbereitung für bad.Keben, baher bieSittber mit ihren Slrbeiten nidjt allein ber F am rl»bfaffe bienen, fonbent, inbem fie bott ber leichteren Slrbeit gur fdjtoereren übergehen, bie große Slufgabe ber Slccurateffc löfett lernen. SBemt ein Sittb bon 10—12 Sahren 9 ©tnnben fdjtafe, 5 ©t. ©d)utunterrid)t genieße, 4 ©t. für ©d)utarbeiten, Sffen, ©piel u. f.». frei habe, fo bleiben ihm nod) 6 ©t. ßrü gut* Slrbeit, bag 33efte, »ag eg thttn fönne, um frühzeitig att Fleiß unb regelmäßige S©hßtig= feit, ©efcfjidtidjfeit unb JDrbnung gewöhnt gu »erben, unb einem trofttofen ^Proletariat ju entgehen. SBer »irb bem h»r angebeuteten rtidjt bag SBort reben? Slber »er fieht nid)t audj ein, baß baSfetbe bei ber Dheitnahme erftarfterer Sinber an gewerbg* §ctnbar6eif. 259 mäßiger fpanbarbeit nid)t Weniger, Wo nidjt oiel fixerer erreicht wirb, itnb bieS Weit weniger auf Koften ber geiftigen nnb fittlidjen SBitbungJ 3n ©übbeutfd)lanb Weiß man Don ber Serwenbung ber Kinber in gabrifen erfl feit neuefter 3eit. ©efefse gegen ben SJiidbraud) ber jugenblidjen Kräfte Befielen 5. 93. in Sßürttemberg nod) nidjt. SDtan fammelt aber -Kotigen, um gur 3eit biefer Slrbeit bad i^r gebflljrenbe SKaß gu perfd)affen unb lleberfdjreitungen gu oerfjinbern. 2Bäl)renb in ^Belgien auf 100 ißerfonen, Weld)e in gabrifen arbeiten, 12 Knaben unb 9 SOtäbdjen, gufammen 21 tommen, ift ber 3eit bad 53erl)ältnid in SBürttemberg in bem eoang. Uljeil bed Sanbed ber 2trt, baß Don 100 Sinwolfnern etwa V 000 Äinb unter 14 Sauren gabrif'arbeit betreibt. 3n ber ©djweig tbieitt man mehr ober minber bie beutfdjen ©runbfäise. 3ut Santon Slargau werben Slrbeitdftuben, in welker außer ber gamitie 6 Arbeiter befdjäfiigt finb, ald gabrifen betrachtet. 3n fie bürfen Kinber oor guriidgelegtem 13. Saljre nidjt ein- treten unb bie tägtidje Slrbeitdgeit barf bid gum gurüdgelegteit 16. 3al)re 12 ©tunbett nid)t überfdjreiten. ®ie fftadjtarbeit ift biefem Sllter unterfagt. Sbenfo Werben bie Kinber gegen 2Kidl)cmbtungen öon ©eiten ber Sltern ober fßflegeettern bei häudlidjen gabricationdarbeiten unb wäljrenb ber fKachtgeit in ©d)u§ genommen, (©djweiger* bote. 1860). Sd ift gewiß bem 2)eutfd)en ein befriebigenbed ©efül)l, Wenn er warnimmt, baß bie materiellen Sntereffen bie ungemeffenen Slnfprüdje an bie Sugenb feines SBolfeS nid)t mad)en bürfen, Wie bei anbern Söllern, baß iljre Kräfte, fo wenig fie ber Slrbeit entzogen Werben wollen, gewiffenfyaft gefdjont, ber freien frifd)en Sntwidlung bed Seibed unb be§ ©eifted Ijinreicfjenber ©pielraum gelaffen, unb wie bad com Solle ber geiftigen SKlbung nidjt anöerd gu erwarten ift, ber geiftigen unb religiöfen Srgieljung bad Uebergewid)t er= galten bleibt. 3ft bamit aud) immerhin ein Kampf mit ber Soncurreng ber fliadjbarlänber eröffnet, fo - ift nidjt gu fürchten, baß ber beutfdje Slrbeiter unterliegen Wirb. 3)ie frifd) erhaltene Kraft wiro bie frühe angefprodjene unb halb gefnidte lange überbauern unb meljr ald erfejsen, unb bei tüchtiger geiftiger unb fittlidjer Silbung iutenfioer unb beffer arbeiten. 3)er alte ©inn für einfache SebendWeife, einbeitlidjed gamilienleben unb ©parfamteit, ben fretnbe ©itte wol)l nie gang wirb bertilgen bürfen, tann wohlfeiler arbeiten, unb fid) mit einem befd)eibenen Sludtomnten gufrieben geben. SDad ©cbred= bilb eined rohen, unwiffenben Slrbeiterproletariatd unb Wad baSfelbe im ©efolge hat, Unficherheit bed Sefilged unb ber Slrbeit, SlrbeiterDerfdjWörungen unb ffteDolutionen bürften fidjerer Don ®eutfdjlanbd ©rengen ferne bleiben. Sd wirb fid) aucf) in 3utunft geigen, wer bad befte ©ewiffen hat unb ed am längften ausljält, berjenige, ber Der allem anbern naturgemäß förderliche unb geiftige Sludbilbung Don ber Sugenb forbert unb ihr fiebert, ober berjenige, ber fie nur mit bem Sluge bed Srwerbed betrachtet unb ald ©tüde einer großen 9Kafd)ine be^anbelt. Ueberbliden wir nun bie Kreife, in benen wir und umgefefyen, fo finben wir, baß bie unterfte Soltdclaffe in ©efaljr fteljt, an einem Uebermaß aufgenöthigter einfeitiger |)anbarbcit für ihr leiblidjed unb geiftiged ©ebenen ©c^aben gu nehmen, wäl)reub iit ben mittleren ©tänben bie 3ugenb in fhidlidjem 9Kaße mit mamtigfadjen |janbarbeitett im 3ufammenf)ang mit bem gamilienleben, wenn aud) in meljr freier SBeife, befdjäftigt ift, in ben über bem SSürgerftanb liegenben Kreifen aber bie £>anbarbeit anSBerti) unb Hebung Derliert unb Dielfad) gang aufhört. 2>ie ©adje ber fpanbarbeit hat fianb baS erfte unb wefentlidjftc Organ ber 3lrbeit, unb ftel)t ihre Ofyiitigfeit in enger SSerbinbung mit bem geiftigen Sehen beS SStenfdjen, namentlich ber ©innen» unb 33erftanbeSbilbung, fo ift eS unmöglich, biefe ©eite beS SJtenfdjen olmeSte» gelung unb Seitung fid) felbft ju überlaffen. ®S ift fdjon an fid) nothwenbig, baß bie £>anb, biefer eble, fein geglieberte SUjett beS menfd)lid)en Organismus, burd) Hebung jur SntWidlung ber außerorbentlid)en in fie gefegten Kräfte gelange, baß fie foWoI)t ju jaden unb feinen als and) ju ftarlen unb feften Äraftäußerungen gefcf^icft unb baljer ju ben Derfdjiebenartigften 33errid)tungen befähigt unb gewanbt merbe. Sben fo fe^r aber and), Wenn man baS 33eri)ältniS ber ^ianb einerseits jum menfd)lid)en ©eifte, anbererfeitS jum SJraftifchen Seben in 33e» irad)t jieljt. 323ie baS 3Iuge, baS Ohr unb ber SStunb, fo ift auih bie §anb ein SBerljeug beS menfd)Iid)en ©eifteS, burd) WctdjeS beffen Stßille bottjogen unb bie mannigfaltigften S©hntig= leiten auSgeübt werben. Ohne ihren ®ienft lönnte ber (Seift felbft nicht jur »ollen Gent» faltung feines SßirlenS gelangen. 3a bie fpanb giebt leinen geringen SSeitrag jur Sßirfung unb ©tärlung ber Äräfte unb ©hme beS ©eifteS felbft. Ourd) ihre Slrbeit bilbet fid) baS ©efithl auS bis 51 t einem lwh en ®rabe ber Reinheit, fdjarft fich ber 23Itd bis jur genaueren Sßarnehmung unb Ltnterfdjeibung unb gewinnt felbft baS ©ehör in 93eäug auf 3wn unb 3eitmaß. (SDian benle an fpämmern, ©ägen, ©refdjen, Orontmeln.) ®urd) ^anbljabung ber oerfdjiebenartigen ®inge lernt ber linblidje ©eift allmähtid) aber ficljer bie Statur ber Oinge felbft, ihre ©eftalt, ihre SBirlungen, ihr gegenfeitigeS 33er= haltniS unb baS GcinWirlen beS einen auf ba§ anbere erlennen, unb jWar weit an» fraulicher unb genauer als burd) 33efd)reibungen ober burd) 21nfd)auuug in 33ilbern ober blo§ theoretifches 23etrad)ten ber ©achen. „Sticht bloß SenntniS, fonbern 33eherrfd)ung ber Statur gilt eS," fagt 33aco. ®te £>anbarbeit förbert Wie nidftS anbereS ben praltifdjen IBerftanb. ®S ift fonad) eine gewiffe 3Bed)felwirfung jwifd)en ber fpanb unb bem ©eifte. 333ie ber ©eift burch feine Smpulfe ber fpanb jur gertigleit in ben »erfd)iebenften U nb feiuften Arbeiten bis jur ooHenbeten Äunft oerhilft, fo bient fie hintoieberum bem ©eifte jur ©tärlung unb ©d)ärfung ber ©inne unb beS 33erftanbeS. (33gt. 33eil, bie menfdjlidje fpanb, auS bem Snglifchen öon fpauff 1836.) Stod) wichtiger aber ift bie fpanbarbeit auf bem ©ebiete beS materiellen SebenS, bem feber 2)tenfd) angehört, er mag einen S3eruf haben, welchen er Will, unb auf bem jeber mit freiem 35lid unb einer geWiffen ©elbftänbigleit fich f°ßte bewegen lönnen. 33on ber foerfönlidjen tpülfe, Weld)e bem Heineit Äinbe anfanglid) oon ber SJtutter ge» leiftet wirb, fett fich baS hcranwad)fenbe Äinb fo halb als möglich unb fo weit als möglich emaneihiren, unb WaS es lann, in Sleibung unb Stalfrung mit eigener Ifanb ansführen, fid) felber Waffen, anlleiben, bie zertrennte Stal)t zufammewtähen, ben ab» faüenben Änopf ober bie fpafte Wieber befeftigen; felbft fein gteifd) fdjneiben, fein 23utter= brob ftreichen u. bgl. Sen Landarbeiten unb ^anbgriffen, 3 U weldjen baS h^uölidje, gewerblidje unb Ianbwirthfd)aftlid)e ^ebeit führt, foHte lein ©tanb gan 3 fremb bleiben, auch bie unterften unb oberen nicht; unb ift eS nicht möglid) in allen 3 ® e ig ett biefer Ohätigleiten, fo feilte man boerbe fort in bie grembe, in frembe Umgebung, auf Steifen ju 8 anb unb ju SSSaffer, ju guß unb §u2Bageit: man lebt nicpt immer im grieben, aucp SriegSjeiten treten ein, man mirb felbft ©olbat u. bgl. unb ba entftepen taufenberlei neue Sebiirfniffe; man fann in unjäplige ©efapren unb Un= glüdSfäüe geratpen, berlaffen merben, unb gar anbern ju fpülfe fein mäßen. ®a liegt benn unenblicp biel an einem geübten 23ticf, einer rafcpen £mnofertigfeit, um aUeS red)t anjugreifen unb aus fleinen nnb großen 2 )rangfalen fid) unb anbere ju retten. gär alle biefe fyäöe erreicht man aber nicpt im Slngenblicfe beS SebürfniffeS, fonbern burcp friipe unb fortgefepte Uebung im Steinen unb (Einzelnen bie ermiinfd)te ©emanbtpeit. g. 3. ©üntper (baS ©dfulmefen im proteft. ©taat 1852 ©. 306) benft nod) an meitereS. (Einen 93orfd)lag 3uft. SDiöferS unb ßfdjode’S mieber aufnepmenb miH er, baß bie ©pmnafialfcpüler in freien ©tunben, bie ipnen gemaprt merben fotlen, bollftänbig ein. ^anbmerf ober eine Sunft erlernen füllen, unb finbet barin nidjt nur ein mirffameS SDtittel gegen bie bielen ©tuben», ©tubir* unb ©ip=Sranfpeiten, fonbern bornepmlidj „für bie ^Beamten ben red)ten £>alt iprer ©elbftänbigfeit unb Unabpäugigleit." 3n§ Seben gerufen ift biefer SSorfdjtag, menn aud) nicpt unter ben Scannern ber miffenfdjaft* lidjen Saufbapn, fcodj bon ben MmenfdfuIleprersSBilbungSanftalten in S3euggen unb Siciptenftern, — er bürfte fid) auf alle 33ollSfd)uIteprer erftreifen —, unb bon ben 9Dtif= fioitaren ber SMbergemeinbe. §at aber and) bie förmlidpe (Erlernung eines .fpanbmerfS unter unfern bermaligen Serpältniffen ipre ©cpmierigf'eiten, fo gemäprt bodp, menn fidp bie ©opne ber ©ebilbete« aud) nur um einige gertigfeiten biefer Mt bemüpen, baS ßufammentreffen ber ber* fdjiebenen ©tänbe auf bem gemeinfamen SBoben beS §anbmerfS unb ber Ipanbarbeit ben $ ortpeil, baS bie faftenmäßige ©dpeibttng ber ©tänbe, bie früper fo engperjig fcft* gepalten unb burd) 33etpeiligung ber ©öpne aus ben poperen ©tauben an ber Sanb* mirtpfdjaft unb ben ©emerben, feit bem ein rationellerer ^Betrieb fie gepöben pat, nod; lange nicpt auSgeglidjen ift, aufgepoben unb tiefeiben einanber auf eprlicpent 2Bege näper gebradjt merben. Sein gmeifel, baß baburcp baS 33emußtfein, alle mit einanber bilbett ein SSolfSganjeS nnb eine große ftaatlid)e unb Sircpengemeinfcpaft, nicpt menig gemeeft unb genäprt mirb, baß aber aud) ber (Einjelne, fei er Mjt ober ^Beamter ober @eift= lidjer, ber aus eigener (Erfahrung bie 23efd)äftigung unb guftänbe ber berfd)iebenen ^anbarbeiter fennt, in ben ©tanb gefept mirb, ipr tpeilnepmenber greunb unb ©eratper 311 merben, unb SBertrauen unb (Einfluß bei ipnen ju geminnen. Stod) fei furj berüprt eines, maS fepr nape liegt: baß bitrd) 33efd)äftigung mit Ipanbarbeit baS Sinb am beften bor bem SMffigang, ber aller Safter Anfang ift, be= maprt, baß ipm eine peilfame 2tbmed)Slung gegenüber ber ©djnlarbeit ober fdjmerer §anSarbeit bereitet mirb. gerner baß ber ültann, ber Seprer, ber §auSbater eine er» frifdjenbe (Erpolung bon anftrengenben jutnal getftigen SBerufSgefcpaften unb eine fegenS* reiepe SBemaprung bor ber Unfüte, alle feine freie geit im SBirtpSpauS ober anbern SergnügungSorten äujubringen, finbet, menn er greube baran pat, felbft unb in @e= meinfepaft mit feinen jungen ^auSgenoffen §anbarbeit' ju treiben. gragt man nun fcpließlicp, mie eS anjugreifen fei, um ber fpanbarbeit in ber @r= jiepung ber Sugenb baS ipr gebüprenbe SJecpt ju berfdjaffen, fo föunte man junadjft an bie ©d)ulen benfen, bie niebern unb popern. Mein pat fepon bisper bie ©cpute 262 Hanbarbcit. uad) ihrem GsntwidlungSgange bie Handarbeit atS ein if)r ganj fremdes Element ferne »on fid) gehalten, fo ift nidjt 31t erwarten, baß fxe auf einmal eine Söenbuitg ntadje intb bie pl)fyfifd)e Arbeit in bie 9 Mbe il)rer ißenfen aufnehme. (Es ift bieS, wenn fie ihren S^arafter nid)t »erläugnen will, geradezu unmöglich, beim eS fel)lt il;r jur @in= fiiljuing unb Hebung ber ^anbarbeit an ber Seljrfraft, bent Sehrftoff unb bei - 3 eit, alfo an allem. ®ie Srjie^ung gur Slrbeit fann nie ein integrirenber ©heil ber ©d;ule, fotn bern l)öd)ften8 als eine äußerlidje 3 u S^'e behandelt »erben, toie in ben Snbuftriefdjulen (f. b. Slrt.), weld)e bie ©djitle etma in ihre 3ucf)t, «id)t aber in ifyre unmittelbare Leitung unb unter il;re £ehrtl)ätigfeit [teilen fann. UeberbieS mäßen fid) 3 nbuftriefd)ulen nur auf wenige beftimmte Slrten non ^anbarbeiten befd)ränfen, unb fönuten bem Um= fange, wie er Ijier »orau$gefe(3t ift, in feiner Sßeife genügen. SDicfe Aufgabe muß bem Haufe, bem ja eigentlidj bie gefammte Äinberjudjt augel)ört, itberlaffen bleiben, wie eS fd)en bi8l;er ber gall War, nur bebarf eS ber Slitregung ba3u, baß mehr als biSljer, in allen ©tänben unb uad) allen ©eiten baS 9 ?ötl)ige gefdjefye. ©teid)Wol)l ift bie ©d)ule nidjt ganj frei 3U fpredien, unb eS barf iljr wol)l gum Vemußtfein fommen, baß fie in ber Gh^ießung 3111- Handarbeit WenigftcnS »orberei« tenbe Hülfe leifteit fann unb foH. ©icfe beftel;t im ©djreiben, 3 e iiftorifhe Heber» fid)t. ®ie höhern ©hüten ber in beut StBnigreid)e £>annoöer gegenwärtig oereinigten Sanbe haben ebenfo wie bie in anbern Stjieilm ®eutfhlanbg big in bie neuere 3eit mit ber Stirdje in ber engften Verbinbung geftanben unb finb oon bem Sntwidtungggange berfelben abhängig gewefen. ®ie Dotljwenbigfeit, bem .SfteruS für ben ÜDienft ber ftir-dje bie erforberlihe Vilbung gu geben, hat fie guerft ing SDafein gerufen unb nur in bem SDtaße, alg bie Äirhe ihre Aufgabe erfannte unb il;r nahgufommeit fähig unb willig War, Würbe lange 3 eit bem llnterrid)tgwefen pflege gu ©h ei t- »irb begl;alb bie gegen» Wärtige Ueberfid;t ber hohem ©hüten ber ©efdjidjte ber Äirdje fidf anfhließen müßen. ©ie fdjeibet fid; nah g'oei fihtbar genug in bie Augen faltenben Sßeriobeit, Oon ben elften Anfängen big gur Deformation unb oon ba an big 1830, wo bie gegenwärtige Organi» fation beginnt. Veibe haben wieber ihre befonbern ©tabien, bie fie burdjlaufen unb ein Wedjfelnbeg ©teigen unb ©infen warnehmen taffen. 3 tt ber erften fßeriobe haben wir bie ÜDom» unb Ätofterfhulen uub erft gegen bag Snbe einige ftäbtifdje. Sine eingchenbe SDarftedung ber erften würbe ihren 3ufammen» hang mit ben ad;t 3)iöcefen beg alten ©adjfeng, Dgnabriicf, SDiinben, SDtfinfter, Vaber» born, ^ilbegheim, Verben, Vremen, ©alberftabt, in Vetraht gu giehen haben, Wogu noh SOtaing fommen würbe, unter bem bie füblidjen Et)eile beg gegenwärtigen ÄBnigreidjg ftanben; für unfern 3 wed muß eg genügen im allgemeinen uahguweifen, an weld;cn Drten ©hulen gu fuhen finb unb unter weldjen Verhältniffen fie beftehen. ®ie ältefte ift bie ©omfhule gu Dgnabrüd, nah gewBhnlid)en Annahme gleihgeitig mit bem Vigthume 783 geftiftet, nad)bem Äarl ber ©r. bie ©adjfen unter SBittefinb begwun» gen unb, um fie gum Sh l 'iftenthume gu belehren Vigtfiümer gu grünben befhloffen hatte. S)aß bie ©rünbung ber scholae Graecae et Latinae bafelbft auf biefen Äaifer guriidgeführt wirb, ift befannt genug. SEßenige 3al;re fpäter, 786, erhebt fih bag Vigthmn Verben, gleich barnah, 788, Vremen, mit Weldjem bann fpäter unter Subwig bem Seutfdjen, 842, bag Srgbigthum Hamburg oereinigt würbe. Auh bie ©rünbung beg Vigthuntg §ilbegheim wirb auf farl b. @r. gurüdgeführt; er felbft freili* h atte gum Vifhofgfige augerfel;en unb bafelbft eine Äirdje gebaut; erft fein ©ol)n unb Dah» 264 ■§amto»cr. feiger »erlegte baS ©(Stimm nach £>ilbeSheim. SBährenb biefe innerhalb beS l^ier in ©etradjt fonimenben ©ebieteS liegenben ©istljümer burd) bie mit ihnen oerbunbeneir. Sehranftalten unmittelbar für bie ©ilbung in bemfelben mirtten, tonnte »on ben übrigen nur mittelbar eine Anregung für ihren Sprengel, ber in ben ©rengen beSfelbett tag, auSgehen. 9täd;ft biefen ©isthümern tommen bie Älöfter als Silbungsftätten in ©etradjt- Sie 3nf4 berfetben ift redjt anfehnlid), jeber Sheit Sanbeö £> at beren aufgumeifett. 2Bir begnügen uns, aus ben cerfd^iebenen £anbeSthei!en bie befanntern gu nennen. 3m gürftenthum Süneburg — fo wie in bem gangen Sanbe — ift als bas ättefte unb eins ber berühmteren baS ©tift gu ©arbemitf gu nennen, ©eine ©rünbung ift mit ber »on Serben, mit bem es in ber näctyften ©erbinbung ftanb, gleidjgeitig. Stamelsloh tourbe 845 »on bem »or ben Säuen au§ Hamburg ftietienben Anfdjar als SftiffionSanftalt für bie benadjbarten Sänber gegrünbet. Sa§ bebeutenbe Ätofter ©t. SJiidjaetiS gu Süneburg ift mafyrfdfeinlidf 906—10 geftiftet. SaS im 3. 960 gegrünbete grauenflofter guDIben- ftabt tourbe um 1142 in ein SDtöudjSflofter umgetuaubett unb mit SRöndjen auS Soroet) befejst. Sagu mag aud) ©djarnebed (Siftercienfer) ermähnt merben, geftiftet 1243. 3m gürftenthum ©alenberg tritt baS ©tift ©t. ©onifacit gu Jameln unb baS ©tift St. Cosmae et Damiani gu SBunStorf guerft ^er»or. Sie Sntftetyung beS erftern t»irb, miemoljt ohne ©runb, auf ©onifaciuS .fetbft jurüdgefüljrt, aber geroiß mit 9fed;t in bie 3eit ÄarlS b. @r. »erlegt; baS jtoeite ift »on bem ©ifd)of Sietrid; »on SDtinben um 876 geftiftet. Soccum, Siftercienferftift, oerbanft feine ©rünbung beut ©rafen 2Bul= branb I. »on §aHermunb 1163. Siefe brei Stiftungen, in ber Siöcefe ÜDtinben ge= legen, gehörten immer gu ben namljafteften. 3n ber ©raffdjaft §ot)a finben mir ©iid'en^ atS eine Stiftung Stemberts, beS SieblingSfdjülerS unb ©eljütfen AnfdjarS unb ©d)inna gu Styren ©t. ©ituS für Senebictiner 1148 »on bem eben genannten ©rafen SBulbranb ins Sieben gerufen. — 3m ©remifdjen feigen mir am ©nbe beS geinten 3a^rl;unbertS baS Slofter fparfefelb, uni 1150 baS gu jpeSlingen, fßäter nadj 3eöe» »erlegt, in©tabe 1132 baS Auguftinerflofter; im ©erben’fdjen 1188 baS ©enebictinertlofter gu SD?ad)ten= ftebe. ©e£)r reich mar .ßilbeSfyeint an berartigen ©tiftungen, bie ©tabt mie bie Sibcefe, »on benen unter jenen baS Älofter ©t. SÖtidjaeliS, »on ©ernmarb 1015 geftiftet, ©t. ©obeljarbi, baS ©tift gu ©t. AnbreaS l>er»orgul;eben finb, »on biefen baS gur ©luS unb baS — int ^ergogtlmm ©raunfdjmeig Gelegene — AmelungSbortt, fo mie bie Älöfter gu ©oSlar. 3n ©inbed finben mir nad; 1150 baS ©tift ©t. Aleyanbri unb im 13. 3al;rf>. baS ©oHegiatftift Beatae Yirginis, in Sltortheim im 11. 3af;rlj. baS ©t. ©tafienftift, gu SDtarienftein baS ©enebictinertlofter 1108, gu gcebelSloh baS Auguftiner= flofter 1137, gu Störten fdjon 1055 baS SßeterSftift, gu ©nrSfelbe 1193 bie fo berühmt gemorbene ©enebictinerabtei; in Sßöhlbe baS »on ber frommen SJtatljitbe 950 gu ©hren SohauneS beS SauferS geftiftete ©enebictinertlofter, meldjeS 1131 ben Ißrämonftratenfertt eingeräumt mürbe; in ber ©raffdjaft tpoljcnftein baS im 3aljre 1190 entfte^enbe unb 1223 eingemeit;te Stoßer guSlfelb, baS bie »on Sßöhlbe fommenben Sßrämonftrateufer ein= nannten— baS nodt je(3t als fJJabagogium befteht. Saß eS ber Siöcefe ©Snabriid an ÄIBfiern aller Drben nid)t gefehlt, barf nid;t erft bemerft merben. ©ben fo menig fehlten bie= felben in DftfrieSfanb, t^eilS gur Siöcefe SDtünfter, theilS ©remen geijörenb; bie gu 3fyto, Simmel, Sljebinga ftnb bie befanntern. Sen nid;t geringen 3ut»ad)$ an foldjen ©tif=- tungen feit bem Auftreten ber Sominicaner unb granciScaner ertl ,^ nen ^ir g e= fonberS; beibe Drben finben mir überall unb gmar fo, baß fie in ben ©täbten namentlich audj bttrd) bie Ueberna^me beS UnterridjtS große ©ebeutung geminnen. fragen mir nadj ben grüßten, bie an allen biefen Stätten gemadjfen, fo läßt ftdj allerbingS im allgemeinen nidjtS befonbereS unb eigentümliches herborheben. Sod) barf manfagen, baß bie Anfänge günftig maren. Sie gmedmäßigen unb meifen ©inridjtungen, meld;e Karl b. ©r. gur ©fyriftianifirung beS SanbeS getroffen Ijatte unb meld)e bie nädjften 9?ad)foCger aufredjt erhielten, ermögtid;ten bem ftleruS bie Ausführung feiner Aufgabe, unb bie ©einrid)3 beS Sömen bie SJerhältniffe beS SanbeS in mehr als einer £nnfid)t für höhere Sultur ungiinftig maren. ©elfen mir oon bem ©ange ber äußern 2$erl)ältniffe, burd) melden baS ©teigen unb fallen beS UnterridjtsmefenS bebingt toerben mußte, ab unb faffen bie ßunridftung biefeS lebten ins Singe, fo finbet fid) barin faunt etmaS, maS man nidit and) fonft im SDlittel* alter antrifft. Sie Sfjeilung ber ©djulen in interiores unb exteriores fommt aud) bjien Der; ebenfo bie scholae minores für ben (Elementarunterricht, mie fie nad) StarlS b. @r. SBeftimmung bei jebent flofter für bie nädjfte Umgegeitb ben Äinbern ber freien mie porigen offen fielen foHten. 9Jlan barf offne Siebenten fagen, baß es in öicleit fällen über biefe scholae minores nid)t fyinauSgieng, meil nur eben für biefe Sräfte unb SDiittel auSreidjten. Sie scholae majores, meld)e ben ganzen Umfang ber bamaligen Sßiffen* fdfaften nad) ber Sint^eilung in bie fieben freien Äünfte unb für ben ÄleruS baS ©tubiuni ber heiligen ©djrift unb ber Äirdfenoäter umfaßten, termod)ten nur bie großem unb reidjer botirten ©tifter ju galten. 3n ber SDiefirjal;! ber Slnftalten I)aben mir beS* halb junädfft bie Untermeifung im Sfyriftentfyum, bie SDiittbjeilnng beS ©laubenS, beS SSeTenntniffeÖ, in lateinifdjer ©fu - ad)e uatfirlidj, nid)t 3 U bergeffen bie @efd)id)ten ber ^eiligen, oor allen beS Patrons beö eignen ÄlofterS, Segenben zc., ju fudjen, bann meift baS Trivium: ©rammati! — miefienod) in ben lebten 3 3al;rl;unberten bis in baS 16. hinein betrieben mürbe, lehrt ein 53lid in baS Doctrinale beS Slteyanber —; mit ber* felben mar — menn man fo meit tarn — baS Sefen ber ©djriftfteller fporatiuS, SBirgiliuS, ßicero u. a. oerbunben, baju Slhetorif unb Sialelti!. 33on bem Quadrivium nahm, als bem Sebürfuiffe beS ßborfingeng entgegeniommeub, bie SDiufifa ben erften Ißlah ein; maS man Sljtronomie nannte, befdjränfte fid) in ber Siegel auf bie Kenntnis be§ falenberS — unentbehrlich um ber firdjlidjen fyefte mißen. 2 lritl)metif unb ©eometrie bienten nur bem nädfften SBebürfniffe. ©eit bem 13. 3af)rh. mirb eS immer häufiger, baß bie 2)citglieter beS ÄleruS fid) studiorum causa nad) bem SluSlaitbe menben. Slber fmt mancher and) auf biefem 233ege für fid) etmaS gernennen, fo gab es mieberum biele anbere, bie eben nur bie ÜBanberluft non einem Drte jum anbern trieb. 3 n manchen gälten ift bieö UBanbern ein nngünftigeS 3 e ugniS fit* bie 33ilbung$anftalten in ber Heimat; eben meil fie nidft genügten, fugten manche SBefriebignng im SluSlanbe. Sine 2Birfung ber anbreebenben neuern 3 e it seigt fidf barin, baß in einjelnen ©tabten beS SanbeS ber ©ebanle an bie ©rünbung Don ©d)ulen ermad)t, aber bie ©djmierigfeiten biefeiben inS Sebeu ju führen maren groß. Ser&teruS mar einmal im 23efi(3 beS ganjen UuterridjtSmefenS, f) a tte aitSfd)ließlid) baS Sledjt ©d)itle jn halten unb madfte eiferfüd)tig über bie 2 Bat)rung biefeS Sledjts. 2Benn nun fd)on früher an bemfelben Drte bie ältere Slnftalt baS Sled)t einer fpäter entftehenben in S3ejiehung auf bie 3 abt ber anjunehmenben ©dfuler ju befd)ränfen fud)te, mie unter anbern in IpilbeS* heim ber gaß borfam, mo bem Verlangen beS SomfdfoIafterS, baß ber ©d)olafter ju ©t. SlnbreaS nid)t mel)r atö 40 ©d)üler aufnehmen feilte, ber ißapft ©regor IX. im 3.1228 entgegentreten mußte, fo mürbe ber SEBiberftanb gegen bie Srridjtung oon ©d)uten burd) bie meltlidje Dbrigfeit, bie SHagiftrate ber ©täbte, burd) anbere nahe liegenbe ©riinbe nerftärlt. Saher mar e§ für eine ©tabt, in beren Sllitte fith ©chnleu fd)on befanben, feine leidjte Slufgabe, bie (Erlaubnis jur ©rridjtung einer neuen ju ermirfen; bie 3 unäd)ft betl)eiligten ©djolafter ober in anbern ©täbten bie ©eiftlidjen, meld)e bie ©djule als ihr 33efihtl)um anfahen, gaben l)öd)ftenS fo meit nad), baß ©dfulen jur ©rleruung beS (teutfdjen) SefenS unb ©chreibcnS gegrünbet mürben, mäl)renb bie barüber hmuuSgeheuben Äenntniffe bei ihnen gefud)t merben mußten. SeSl)alb mußte mau in ber Siegel um baS in grage ftehenbe Siecht bei bem S 8 ifd)ofe ober felbft bei bem Zapfte nad)fud)en. Slber aud) auf biefem äßege märe tnandje ©tabt moht fdjon im 13. unb. 14. 3afirl). in ben SBefife einer eigenen Sehranftalt gefontmen, menn nid)t bie Sßirren ber 3eü bie ©ebanfen nach an* bern ©eiten abgelenft hätten. Sh er jebod) gelangte man ba jutn 3' e ^/ Wo ber San* §aitnok)cr. 267 begfyerr baS fftedjt ©djuten gu grüttben öcrleiljen fonnte. ©o ^ieng fcic Sluorbnung einer ijffentlidjen ©djule, bie 33eftaHung beS fftectcrS u. f. tu. iit ber ©tabt ^annoüer Oon ben jpergogen ab; fpergog Otto ber ©eftrenge »erlief baS 9?edjt einen 9tector oorgu» fdjlagen, beffen Seftätigung er fid) oorbeljielt, 1280 oier Eaftellanen beS ©djloffeS Sauen» robe nnb hier 23urgenfe§. ®ie erften oergidjteten barauf 1348 unb fo fam e§ an ben Statt) ber ©tabt mit ber Erweiterung, fo fiele ©d)nlen anlegen 51 t bürfen, als er Wollte. SBäljrenb fo bie erfte — ob bie im 11 . unb 12 . 3al)rl). in Süneburg Bliiljenbe eine ftabtifdje War, ift gweifelljaft — bebeutenbe ftabtifdje ©djule an baS Sidjt tritt, felgen wir in Einbed gegen ein äljnlidjeS Unternehmen fampfen. ©aS ©t. SIleyanbriftift bafelbft erwirbt — oon ben bamalS nodj gemeinfdjaftlidj regierenben ^ergögen Oon ©rubenlja» gen, fpeinridj II., Ernft unb SBifljelnt, ben ©oljnen fpeinrtdjS beS SBunberüdjen, — 1324 ein fßrioilegium, nadj Weldjem feine anbere ©djule bafelbft gehalten werben feilte, als bie baS ©tift unterhielte. Unter fold)en Umftänben, gufammengehalten mit ben unruhigen unb ungünftigen geitoerljältniffen, ift eS erftarlid), baß fid) oor ber Siefortnation ftabtifdje Sdjitlen nur in geringer 2lngaljl nadjweifen taffen, wie gu ©uberftabt 1322, 31 t ©ottin» gen erft 1494. UebrigeuS waren biefe ©djulen wenig oon ben Slofter» unb ©tiftS» fdjulen in ihrer inneren SSerfaffung unterfdjieben; fie ftanben felbftoerftänblidj unter ber Dberauffidjt ber ©eiftlidjen unb and) ber Unterricht würbe oon biefen, oft audj Oon granciScanern unb ©ominicanern, Beforgt. 9fur in ber einen SBegieljung modjten fie baburdj einen 23orgug Ijwben, baß fie in ber iOiitte beS bewegten Seiend eher oon ben fidj geltcnb madjenben Einflüffeu ber 3 e ü berührt würben.' SnbeS theilten fie im ©runbe biefen SSorgug mit ben meiften Sehranftalten beS Ä'leruS, bie fid) in ©tabten befanben. 3m allgemeinen febodi lägt fid) oon ber SBirfung foldjer Etuflüffe nidjts bemcrflidj ntadjen. Eben fo wenig fann man, wenn man oon ber einen unb anbern ißerfßnlidjfeit abfieljt, eine Oon ben nadj unb nadj entfteljenben Unioerfitäteu auSgeljenbe Anregung für bie ©djulen nadjweifen; wie biefelben in ihrer gunftartigen Slbgefdjloffeuljeit mtb fdjolafti» fdjett Sehrweife baftanben, ift bieS erflärlidj genug. 3a es bauerte lange, bis fid) Ijw unb ba eine ©pur oon ber ^Bewegung §eigte, bie burdj bie fog. SBieberljerftetlung ber 2öif= fenfdjaften angeregt War. SBaS man in biefer SBejiehung finbet, wirb fid) auf bie oon ©erljarb be ©rote (Gerhardus Magnus), unb ©h cma $ ^janterfen (Thom. a Kernpis) auSgehenbe SBirtung guriidfüljren laffeit. 2Bie biefe burdj bie ©tiftung ber 23riiber= fdjaft Oon bem gemeinfamen Seben bie Vorläufer ber Sirdjenreformatiou würben, fo führten fie audj ihre ©djüler — Shtbolf Sange, üfuboff Stgricola, Sllepanber £>egiuS, Sub» wig ©ringeuberg u. a. — 31 t beut ©tubium ber ©pradjen unb SBiffenfdjaften in einer neuen unb bis baljin unbefannten SBeife unb gaben bem Unterrichte ber Sugerib eine IjdU fame fltidjtung unb fräftigen Sluffdjwung. ©iefer giebt fid) bann in ber neuen Epodje beS ©djttlwefend funb, bie mit ber Ste» forntation beginnt, ©iefe fanb in ben SBelfifdjen Sanben fehr halb, wenn auch nidjt ohne mehrfad) berfuchten hartnädigeu SBiberftanb, Eingang. 9D?an oerbanfte bieS befouberS bem oon regem unb lebenbigem Eifer für baS lautere Eoangelium getra» genen, treu auSharrenben, umfidjtigen, alle 25erhättniffe fdjarf iuS Sluge faffenben ©tre» beit auSgegeidjneter dürften. Ein foldjer War gunädjft Ernft ber SBefenner, fpergog Oon Süneburg. £>atte er, wie wenige anbere, baS ©lüd in etnpfänglidjer Sugenbgeit am fpofe griebridj beS SBeifen, be§ Sruberd feiner Sötutter SDtargaretlja, gu leben unb Oon ben 3aljren 1512—1518 unter ©patatinS Seitung bie Unioerfität Wittenberg gu befudjen unb baburdj einerfeitS in ben SBiffenfdjaften einen grojgen ©djalj oon Semit» niffen 3 U fatnmeln unb anbererfeitS alle großen Einbrüde Oott SuthcrS fßerfönlidjfeit frifdh aufgunehuten, fo fühlte er fidj aud), wie wenige, in feinem ©ewiffen gebrungett, bem Eoangelium in feinen Sanben eine offene SBaljn gu bereiten, ©^on 1524 War in EeHe eine ©emeinbe, in weldjer er — ber erfte beutfdje gürft näd)ft bem Äurfürften oon ©adjfen, — in SutherS SBeife prebigen ließ, Oon SJtagifter ^teinrid) 58od unb föiartin SDubermar!, beibe aus SBittenberg berufen, unb üöfattljtaS ©inberich aus SSarbewid. 2HS 268 .gmitnoucr. er — nur einen SRonat »or bem tljeuern Sutljer — ftarb, war bad ©Serf ber De^ formatton in feinem ©ebiete im toefenttid>en »oHenbet. ©Säljrenb Sutljer felbft in feinen ©riefen Datf) erteilte unb ben ©Ruth frifdf; unb ftarf erhielt, toar ed SDfagifter Urba= nudDegiud, ber junt @eneraI=Superintenbenten bedSanbed berufen fie durchführen half trof5 bed ©Siberftanbed, weldjer in ben Ktoftern unb Stiftern wie aud} in ben Stabten, namenttid) in Süneburg »on Seiten beö Datljd, fid} bagegen erl}ob. Urbanud 9tegiuS »erfaßte für bad §erjogtl}um eine Kirdiencrbnung unb gründete baburdj eine fefte fird}= lidje Ordnung, weldjer er burd} fein perfönlidjed ©Sirfen Seben einjufiaud^en »erftanb. Seinem entfdjiebenen Stuftreten gegen bie weltlidjen Dätt)e bed §erjogd »erbanfte man ed, baß bie ©üter ber Stiftungen für bie Unterhaltung ber Kird;e unb Schule unange» taftet blieben. Sr toar ed enblidj, ber bie Sdjulen, auf bie fdjon in ber Kirdjenorb= nung Dildfidjt genommen, tljeild felbft neu einrid)tete, toie bad Soljanneum in Süneburg 1532, tljeild fRatt) gab, mie man babei »erfahren, wetdje SRänner man berufen foKte. fperjogd ©rnft ©Sirfen für bie Deformation erftredte fid} auch auf anbere ©ebiete, junädjft auf bie ©raffdjaft fpopa, inbetn er ben ©rafen 3obft nidjt nur burd} fein©eU fpiel anregte in gleidjer ©Seife thätig ju fein, fonbern babei aud} fräftig uuterftiihte. Unb fo ftarl wirfte fein ©influß, baß ber ©raf ffriebrid) »on ©iepljolj tro (3 feiner 2lb= neiguug bem ©inbringen ber ©rebigt bed ©öaugetiuutd nicht wiberftrebte. ©iel langfamer unb unter h^rtern Ääntpfen fanb bie Deformation in ben fpodj^ ftiftern ©reuten unb ©erben ©ingang. ©ied toar nidjt in bem ©Range! an ©tttfofäng- lidjfeit für bad, t»ad batttald bie fperjen bewegte, fonbern in bem ©Siberftanb, in weldjem ©ematt bad offne ©elenntnid ju unterbrüden bemüht war, begrünbet. ©Ijriftoph »on ©raunfdjweig, wetd)er beiben ©idthümern »orftanb, fe^te, nicht freilid) attd befonberer Sorge für bie Kirche, atled baran bie ©räbicanten ättttt Sdjweigen ju bringen unb fparte ju bent $wecfe, luo er tonnte, Weber ffolter nodj ©erbrennett. 3nbed ftatt ber hinge* ridjteten traten neue auf unb fanben in ber Stabt ©reuten einen ftarfen Sdjuh, unter bem fie biefelbe bid 1535 beinahe gauj für bie nette Sehre gewannen, ©on hieraud »erbreitete tiefe fid} weiter in bie Umgegenb, Sehe, ©ebertefa, Stabe, ©upteljube (1542); in ©erben bagegen war nod} fein Daum für fie. ©rft unter ©Ijriftopljd ©ruber unb ÜRachfolger, ©eorg, »on 1558 an, Würbe ber eöangelifdje ©ottedbienft gebulbet unb bie ©inführung ber Kirdjenorbnung ber Stabt ©raunfchweig in ©rettten ttrib ©erben ftiE= fdjweigenb geftattet. Sberharb »on £>oKe, Weldjer ihm 1566 folgte, fd}affte aud} int ®om ju ©erben bie SReffe ab, gab ber eben genannten, früher nur gebulbeten, Kirdjen= orbnttng gefehlidje Kraft unb grünbete 1578 bie gegenwärtige ©omfdjule, ba in Stabe bie UtttWanblung bed Sluguftinerflofterd in eine Sdjttle längft erfolgt unb an anbern Orten bie Deformation aud} in biefer ©ejiehung längft »otljogen war. ©inen äljntidjen ©attg nahm bie Deformation in fpilbedljeim. ®ie ©ürger ber Stabt, in ihrem ©erfehre mit Sraunfdfmeig, wo ber »on ©Sittenberg berufene ©ugen= hagen fd}on 1528 burd) eine Kirdjenorbnung ben ©Sünfdjen ©efriebigung gefdjafft hatte, angeregt, »erlangten laut ©efeitigung bed tobten ©eremonienbienfted unb ©rebigt bed ©oangeliumd, bie 3 al}lreid}en geiftlidjen Korporationen unb ber Datlj ber Stabt wider* ftrebten unb bebrängten bie Sutljerifdjert in aller ©Seife, ©rft 1542 ließ fid} ber Datlj burd} bad ©ringen bed Sdjmalfalbifdjen ©unbed bewegen, ©itgenljagen unb £>einridj ©Sindel aud ©raunfdjweig ald ©räbicanten jujulaffeu. 911d bamit bie Sutt}erifchen Daum gewannen, machte fid} ber Unwille über erbulbete ©ebriidung in bcftagendwerthen güget» loftgfeiten Suft; bie ©ebrüdung traf jefjt bie Katl}olifen. ©ine » 01 t ©ugenhagen unb ©Sindel audgearbeitete, »on ©orwinud mit einer ©orrebe »erfehene, Kirdjenorbnung würbe 1544 »er= Bffeutlidjt unb ein Superintenbent befteüt unb mit ber ©udführung berfelben beauftragt. ©amit war bemt aud} ber ©Seg ju einer Deformation bed Scfjulwefend gewiefen unb namentlid) in bem St. ülnbreadftift »ad nod} beftehenbe Slnbreanum gegründet. 3n ben gürftentl}ümern ©alenberg unb ©öttingen waren anfangd bie ©udfidjten für bie Deformation feine günftige. 3m ©olfe jWar brad} fie fid} »on 1523 an unaufhaltfam ■£>annober. 269 Saljn; bagegen mar ber SanbeStjerr, §ergog Grid) I., ber Kird)e wie bemKaifet treu er* geben unb it)m wieber fdjtoßen fxd^ ber 9Ibet, bie ißatricier in ben Stabten unb bie DapSljerren berfelben eng an. Dod) trat er ber ißrebigt beS GoangeliumS nid)t mit garten ©ewaltmittetn entgegen unb tief? fid) aud) bereit fanben biefelbe gegen eine aus* reicfjenbe Summe ©etbeS gu geftatten, otjne jebod) Sdjuh „faifertidjer SDajeftät gegen* über" gu Bertieigen. So fanben benn bie tßrabkanten in ©Bttingen 1529 unb wenige Satire barauf in fpannooer Dutbung. Die Wirttidje Umgeftattung beS fird)Iid)en SßefenS, tOrbnung unb Giatridjtung beSfelbett, nal)tn Güfabep, Dodjter Bon 3oad)im I. Bon 23ran= beuburg, GridjS gweite ©ematjtin, mit SorWiffen beSfetben unb bann nap bem balb er* folgten Dobe beSfelben ats Sormünberin preS Sot)ne8 Grid) II. in bie §anb unb führte baS 3Berf, baS fie atS bie Stufgabe it>re§ Sehen» betrachtete, äl)ntidj tuie tpergog Grnft in Si'tneburg, mit Dut)m unb Umfidjt gu Gute. 2Bie biefem UrbanuS DegiuS, ftanb pr Slnton GoroinuS gur Seite. 2ttS @enerat*Superintenbent gu -Dtünben 50g er mit treuen ©epitfen burd) baS Saixb, traf überall bie nötigen Ginrkpungen, hielt S3ifitationen unb gab bem gangen Kirchen* unb Sdjultoefen burd) eine Kird)ettorbnung feften ©alt (1542). 3m gürftenpum ©rubentjagen fanb bie Deformation ebenfalls balb Gingang. 3n Ginbed gewannen einige SJtöndje, bie fid) für fie gu Wirten berufen füllten, fdjon 1521 großen ütnljang, aber bie geifttidjen ©enoffenfpaften ber Stabt traten ihnen entgegen. Der SanbeSfürft ißptipp P anfangs unentfdjiebeu, Würbe in crnfter Bewegung unb Prüfung ber Ginbrüde, bie er burp Supers Auftreten in SßotmS erfahren, beftimmt, ben Spmatfalbifpen beigutreten, unb begann im 3ahr 1532 an ber Umgeftattung beS KirpenwefenS in feinem Sanbe ernftlich gu arbeiten. StnbreaS Srinfmann, ein greunb Bon 3ot)ann Spangenberg, unb DifotauS StmSborf, wetdjer fdjon 1528 bie firc^Iidtjext Ginridjtungen in ber Stabt ©oSlar georbnet hatte, Waren nebft anbern niinber hei'Bor* tretenbett Scannern babei thätig unb nollenbeten ba§ Sßerf, an bem fßplippS I. ©ohne unb Dadjfolger in unoerbrüdpiper Dreue fefthietten. 3n DSnabrüd gab fich bie Bon Super ausgegangene Bewegung ber ©emütber fpon 1521 tunb. Der StuguftinermBndj ©erparb ©ecfer, ein Später Bon §egiuS, BormalS SuperS Seper in Grfurt, bem Schüler innig befreunbet unb gugepan, Wagte es ben Kampf gegen bie DtiSbräupe ber Kirpe aufguneljmen unb führte ihn, wiewohl ber Sifdjof Grid) Bon @ru= benbagen, Sruber -Philipps I., nipt günftig geftimmt war, gtüdtid) burd), bou anbern gleipgefinnten unb gteichgebitbeten -Männern, SiboriuS Miffing, ^ßrebiger am Dom unb bem Saceßan ebenbafetbft, 3ol)anneS fßottiuS, greunb beS Goban ©effe u. a. fräftxg unter* ftüp. DaS einmal auSgeftreute Samenforn, baS auf empfängtidjen Soben gefallen, ließ fich nicht niebertreten. GS gebiet) um fo träftiger, ba Grips Dapfotgcr grang, ® va f titm SBatbecf, ber Sad)e gugepan war unb fetbft für bie ©erbeijiehung fähiger unb eifriger ißrebiger Sorge trug. DaS Ginbringcu ber itöiebertäufer Berurfad)te freilief) aud) t)ier manche ©tB* tung, bod) geftattete ber Sifdjof bie Serufung beS Superintenbenten fpermann Sonn aus Sübecf, wetdjer in ber Sd;ule Bon MurmettiuS gebilbet war unb barauf in SBittenberg fich Super angefdjtoffen hatte. Diefer war e§ benn, wetdjer in alten Kirdjen, mit StuS* nähme beS Domes, ben eoangetifdjen ©otteSbienft einführte unb 1543 burd) eine Kirchen* orbnung für bie .ßufunft bie erforberlipen Ginridjtungen traf. 2BaS fo gegrünbet war, Xonnten nadjfotgenbe ungüuftige Serhattniffe eine 3 eit lang ftören, aber nidjt oernichten. SDBaS DftfrieStanb betrifft, fo Würbe ©raf Gbjarb fd)on 1519 burd) baS Sefen Bon Supers Sdjriften günftig für bie Deformation geftimmt unb bie 9DBnd)e, welche im folgen* ben 3at>re in 2turid) — Sruno — unb in Gmben — StportanuS — ihre Stimmen für biefetbe erhoben, fanben in ihm eine Stütze. Unb a(S auf feinen SBunfdj Super ben SRagifter 3ohann Steffens nach ber Stabt Dorben gefanbt hatte, fanb bie Deformation balb im .gangen Sanbe Gingang. Ginige Bffenttidie Disputationen, burd) welche einige 9DBnd)e au§ ©rBningen 1526 berfetben Stitlftanb gebieten gu fönnen meinten, bienten nur bagu fie Weiter auSgubreiten, um fo metjr, ba ein Dominicaner, DefiuS, in Dorben feine 270 •ftamtooer. Siefen für biefelbe im folgenden 3ahre fiegreidj oertljeibtgte. Sbgarbd 97ad)foIger, Snno, geigte fid) bemüht aitf bent betretenen 2Bege fortgugepen, oermodjte aber nid)t eine fefte lirdjlidje Drbnung gu fdtjaffen unb ed Würbe biefelbe nod) lange nadlet oermißt. ®enn bie Srrungen, weld;e bie Sßiebertäufer erregten, waren fobalb nid)t audgugleid)en. (Dagn fam ber 3toiefpalt burd) bad (Einbringen ber OJeformirten unb . ber bann trete Bon ben nieberliinbifd)en -Prooingen and auf bad 8anb geübte (Drud ber benadjbarten fatl)o!ifd)en 9ftad)t. Sßeber bie oott Sutljer approbirte, 1530 gebrudte, Äirdjenorbnttng, nod) bie Bier Saljre fpäter burd) bie Siineburgifdjen, Ben Ipergog Stnft gefanbten Ißrebi* ger, äKartin Dnbermarf unb 50iatt^iad ©inberidj, entworfene Oermodjte fid) überatt Slnerlennung gu oerfdjaffen. (Die ©üter ber Ätöjter unb ©tifter tourben gegen bie an* fangd audgefprodjette 2lbfidjt unb meljr ald billig befonberd Bont ©rafen Snno einge= gogen unb niefjt wie in ben SBelfifdjen Sanben ihrem 3' üet ^ e gemäß uerwanbt. (Die oorfteljenbe Ueberfidjt geigt, baß bie ffteformation, wie fie in ben Ijiefigen, bamatd unter ber Regierung mehrerer dürften ftehenben 8anben, mit Sludnabme ber sedes epi= scopi gu §ilbedljeim unb Ddnabritd unb einiger Älöfter unb ©tifter, burdjgeftiljrt Würbe, Bon bem Dieformator felbft geleitet würbe, tljeitd unmittelbar burd; fftath unb Srmunte* rung, tljeitd burd) bie it)m befreitnbeten, Bon ipm angeregten Scanner, Urbanud (fte= gutd, Soroinud, Slmdborf, ©pangenberg u. a. Sd ift baljer natürlid), baß fie hier beit» felben ©ang nahm, wie unter Sutljerd 2lugen, baß bie Sinridjtungen in Sirdje unb ©djule biefelben waren wie bort, bodj mit ber 23efd)ränfung, baß unter SSeWaprung ber eoangelifdjen fyreitjeit mancherlei Unterfdjiebe nid)t audgefd)loffen Waren. (Die Äirdjenorb» nungen, weld)e fid) entweber auf einen großem Üanbedtljeil ober aud) nur auf eine eingelne ©tabt erftredten, oerbreiteten fid) über bad ©d)ulwefen nod) nidjt Weiter, ald baß eine ©d)ule gur UnterWeifung ber 3ugenb angeorbnet, ein ©djulmeifter beftellt unb iptn ein ober nach Sebilrfnid mehrere „©efelXen" unb ein Santor, ber ein erfahrener Sfluficud fei, beigegeben werben füllte. (Dabei wirb in Segieljung auf bad, Wad gelehrt werben foll, efterd auf Sutljerd ©djrift „an bie (ftathdljerm aller ©täbte (Deutfd)lanbd" unb auf ben fog. „fäd)fifdjett ©djulplan" ober furfädjfifdje ©djulorbnttng Born 3ahr 1528 Berwiefen. (Demnad) fteht feft, baß bie ©djule eine SDod)ter ber &irdje ift unb baß fie btefer gu bienen ljat. (Dad wieber „auf ben ißlan" gebraute Soangelium ift bie beme= genbe SUtadjt ber 3eit, badfelbe allen ©liebem ber Äirdje eingupflattgen unb gefd)idte tßrebiger bedfelben gu ergieljen, bie Aufgabe ber 3^it. ©o hat man benn gunädjft nur lateinifd)e ©djulen im wahren ©inne bed SBorted. 3ebe berfelben hat in ber 9feget bret Stoffen, Raufen, Ipupen, wie Biele meberfäd)fifd^e ftirdjenorbnungen fageit. 3n ber erften, unterften, lehrt matt 8efen, ©dftreiben, SBaterunfer, ©tauben unb ©ebete, ferner giebt man ben (Donat gu lefen, ben Sato gu eyponiren unb aufgufagen, bamit fie einen Raufen lateinifd)e SBorte lernen; bagtt werben fie in ber äftufica, im ©ingen geübt. 3tt ber gweiten beginnt ber Unterricht in ber ©rammatif, gormenleljre, Stt)tnologie, ©tjntap, tßrofobie; baneben tritt ein bie Sypofition ber Fabulae Aesopi, ber Paedolo- gia ilosellani, Colloquia Erasmi, bed (Derentiud, einiger ©tüde Bon ißlautud; (terentiud unb Biele ©entengen finb audwenbig gu lernen. (Die „djriftlidje UnterWeifung" finbet ÜDiittWod) unb ©onnabenb ftatt, bie gel)n ©ebote, ©taube tt. a. werben gelernt, SDtattljäud, aud) wol)l bie Spiftelu S. Pauli ad Tirnoth., bie erfte Spiftel 3ohanttid, ©prüdje ©a= lomonid in ber Yulgata grammatice eyponirt. SDiefe d^riftlic^e UnterWeifung wirb in ber brüten Slajfe fortgefelgt; in ben lateinifdjen Unterricht treten Virgil, Ovid. Metamorpli., Cic. Ofüc. unb Epist. „ad Familiäres,“ bagu SJietrica unb jebe Sßodje „eine ©djrift, Spiftel ober SSerd," barnad) aud) (Diateltif unb fftftertf. 3n ber SDTufica werben biefe beibett Staffen eben fo geübt wie bie erfte. Slußerbem wirb bad lateinifd) ffteben befon* berd eingefd)arft. SBie nun ber Unterrid)t barattf berechnet War frommen ©inn eingu= pflangen, fo Würbe Bor adern Bon ben Seljrera erwartet, baß fie eben barauf burd) Sßort unb (Dt)at unabläßig Ijinwirften. (Dted War im wefentlidjen bie innere Sinridjtung ber ©thuleu, wetdje bie 9fefor= >f3anitoöer. 271 mation in nuferem Sanbe in großer 3 a bl Ijeröorrief. 9Jid)t nur größere ©täbte beeil= ten fid) foldje gu errieten, fonbern aud) Heinere, meiere beut „©djulmeifter" feinen „©efellen 1 ' galten fonnten. Siefe festen beSljalb bie lateinifdje ©djule motjl mit ber beutfdjen Änabeitfdjule in SBerbiubung, fo baß beibe neben anbern Seljrern einen „ftubirten" fRector Ratten, meldjer an mandjen Drten bis auf biefen Sag geblieben ift. Ser ©djulmeifter, 91ector, mürbe oon bem 9fatlje ber ©tabt in ber Siegel auf ßeit, oft nur auf ein 3 aljr, nad) ber Smpfeljlung eines namhaften SOlanneS angenommen unb ifmi überlaffen bie nötigen „(Sefeüen“ (Locati, socii) Ijerangugieljeu. Sie Sluffidjt über bie ©djule, bie 33ifitation, ftanb ben Stabtprebigern ober ©uperintenbenteu ju. Sie Sljeilnafjme an bem ©ebenen einer folgen neuen Slnftalt mar allgemein unb ben examinibus vernalibus et auctumnalibus moljnte „männiglidj“ bei, ber 91atlj ermun= terte ben Steiß burd) praemia. — Sine äljnlidie Sinridjtung naljmen bie reformirten Älofterfdjulert an, mie bei SSarbemid fdjon barauS 3 u entnehmen, baß eS feinen Slector £>enricuS SlotariuS bon SBittenberg berief. Unb mie man in ben ©täbten überall auf bie Sotirung ber ©d)uten aus ben anljeimgefaHenen geiftlidjen ©iitern bebaut mar, fo mürben in ben Älöftern unb ©tiftern für benfelben 3 Wec ^ ^ßräbenben auSgefe^t unb fdjeinen biefelben reicher ausgefallen 3 U fein, als oftmals bie Sefolbung au ben ftäbtifdjen ©d)ulen. 311s ein 3eugni8 für bie ©efinnung unb Slidjtung ber $eit mag nod) bie Stiftung oon ©tipenbien für bie auf Uuioerfitäten ©tubirenben angeführt merben, melier mir aud) in fleineren Drten begegnen, beren lateinifdje ©djule anbern gorbe= rungen Ijat meidjen rnüßen. Sem neuen, and) in ber görberung miffenfdjaftlidjer 33ilbung fid) betljätigenben Seben oermodjte baS Snterim farlS V. feinen ©tittftanb 3 U gebieten, man beachtete eS nidjt ober miberlegte es mit Ijelten ©rünben ber Ijeiligen ©djrift, mie Slnton SoroinuS im Aufträge ber fpergogin (Slifabetl). Srft bann, als iljr ©oljn Srid) II., nadjbem er am tpofe beS ÄaiferS burd) mirffame SRittel für bie fatljolifdje Sirdje gemonuen mar, in feine Sanbe gurücffeljrte, um bem Snterim ©eltung 3 U oerfd)affen, l;atten bie treuen 33efenner beS ©oangeliumS, befonbers bie -ßrebiger unb oor allen SoroinuS oiel 31 t lei= ben. ©teidjmobl gelang eS ben größeren ©täbten, .jpannoüer, fpameln, ©öttingen unb Slorbljeim, alle 33erfud)e, and) fie unter ben SBiHen beS ÄaiferS 3 U beugen, abgumeifen, bis iljnen 1555 ber SlugSburger Steligiondfriece wollig freie S3emegung geftattete, bie fie fid) außerbem nod) burd) 3al)iung einer nidjt unbebeutenben ©ubfibie an ben £anbeS= berrn fidjerten. Sladjbent fo ber ©runb beS neuen ©djulmefenS gelegt mar, tritt bis an baS Snbe beS SaljrljunbertS unb nod) baritber ^inauS . gmeiertei befonbers £>erwor, einmal baS ©efüfjl ober aud) bie SrfenntniS, baß baS, maS man I;abe, nur erft ein 3litfang unb gmar ein mangelhafter Slnfang fei, fobann baS fortmäljrettbe 91ingen unb SIrbeiten bem empfunbenen ÜJiaugel abguljelfen. Sie SDlänget fielen Ieid)t genug inS Singe, fobalb man nur baS 3iel bebadtte, baS man mit ben getroffenen Sinridftungen erreidjen moHte, unb fie traten nod) fdjärfer Ijeroor, menu man ftd) nidjt oerljeljlen fonnte, baß oieHeidjt bie große StMjrgal)! ber Seljrenben iljrer Slufgabe nidjt genügenb gemadjfen mar. SDlan barf fid) begfjalb nidjt munbern, baß bie immer oon neuem Ijeroortretenben SJerfudje — fdjon bie in rafdjer fjolge einanber brängenben, baS ©djulmefen mit umfaffenben &ird)enorbnuugen begeugen biefelben — eine beftefjenbe Slnftalt gu oerbeffern ober eine anbere gu grünben, längere 3«t ben gemünfdjten (Erfolg nidjt Ijatten, oielmeljr muß man bie SlitSbaiter, bie in biefen SJerfndjen nidjt ermübete, bemunbern. Unter fold)en Umftänben tljat nidjtS meljr Slotl) als eine fefte Drbnung unb ge= regelte 33ertjältniffe. Siefe mürben einem großen Sljeite beS SanbeS, Salenberg=@öt= tingen, burd) §ergog SutiuS oon SSraitnfc^meig = S35oIfenbüttel gu Sljeil, als ifjnt nadj ®rid )8 II. Sobe 1584 mit biefen Sanben bie ©orge gufiet, bie in benfelben gerriitteten 3uftänbe nach beftern 33ermögen gu orbnen. SBie er alle 3^eige ber 25ermaltung neu orbnete, fo mar feine ©orge befonbers neben ber Äirdje audj auf baS ljöljere ©d)ul= 272 •gcmnottet. mefen geridftet. ®ie oon (Efiemnig unb ülnbreä entmorfene Äird)enorbnung mürbe auch fiter eingeführt unb bie betritt auS ber mürttembergtfd)en Äirdjenorbnung Oon 1559 aufgenommene ©djulorbnung eben fo oerbinblid) wie für Vraunfdjmeig, mo biefelbe fdjott feit fünfzehn Sauren in VMrl'famleit mar, in bent Sftajfe, baff 1571 nadj beut Vorbilbe beS «Stuttgarter IßäbagogiumS ein foldjeö in ®anber8i)eim eröffnet tourbe, unt ben Uebergang aus ben getoöhnlidjen lateinifdjen ©d)ulen auf bie Unioerfität ju oer= mittefn, meld)e8 bann fünf 3af)rc nadfher mit ber neugegrünbeten Unioerfitat f?elut= ftebt oerfdjntofjen tourbe. ®iefe ©djulorbnung fdfuf juerft georbnete guftänbe, tnbent bab'urd) aße Seliranftalten in ©täbten, gleden uttb filöftern bem (Eonfiftorium ju SBoIfenbüttel unterfteßt mürben unb aufferbem jebe eine befonbere 21ufficht8bel)örbe erlieft, beftefjenb auS bem fßfarrljierrn, Slmtmann unb nodj jmei ober brei gotteSfürdftigen Sftannern, momogtid) folgen, bie ftubirt haben. ®iefe Ratten baritber gu toad)en, baff aßeS, maS fiinfidjtlid; beb Unterrid;tS toie ber ®i8ciftlin genau feflgefefct mar, jur 9lu8= fü^rung gebrad)t mürbe: jebett SDfonat menigftenS fofien fie bie ©d)ule inffneiren; finben fie ÜDiängel, bie fie felbft uid)t abjufteßen oerntögen, fo berieten fie bem ©ufserinten» beuten, metd)er bann bie meitern ©dritte felbft ju tf)un fyat, ober fofern er bieS nicht oermag, an ben ©eneralfuperintenbenten berietet; bon biefent mirb bann, mentt eS nctfiig ift, bie ©adje an ba$ (Eoitfiftorium gebradjt. 2Ba8 bie 2Bal)l unb 2lnfteßung ber Seljrer, iljre Prüfung, iljre Obliegenheiten, ifjre Vefolbung betrifft, fo ift and) bars über Vorforge getroffen, unb eS tourbe, mie beiläufig bemerft toerben mag, ben 9J?agi= ftraten bie mißfürlidje (Sntlaffung ber Seljrer, metd)e früher auf 3eit angenommen mur= ben unb fpater nod) aüjäfirlid) um meitereS Verbleiben in ihrer ©teße nad)fud)en mufften, burd) ein befonbereS ®ecret unterfagt; eS foflte bie Verfügung barüber bem (Sonfiftorium juftefjen. fpinfidjtlid) beS Unterrichts ift ein bebeutenber gortfdjritt fid)t= bar. ift je^t auf fünf (Eiaffen geredjnet, fo jebod), baff ba, mo bie -Hättet fehlen, eine geringere 3 a ht jugelaffeu mirb. ®ie in bem fäd)fifd)en ©djulplane oor= gefdfriebenen Unterrid)i8gegenftanbe finben fid> jmar aud) liier als bie £>aufjtfadje mieber nnb bie lateinifc^e Spraye nimmt bei meitern am meiften 3eü in 9lnfprudj, bod) mirb baS 3H ba§ 3 U erreichen, ficlier geftedt unb ber gortfdjritt, ben baS UnterridjtSmefen 99Wand)tl)on oerbanlte, mirb merlbar. ©eine Sefyrbüdjer merben gebraud)t, bie ffeetüre mirb ttntfaffeuber, bie (Eompofition mannigfaltiger unb fdjmteriger. ®aju fommt in ben beiben oberen (Elaffett bie griediifdje ©pradje, bereu in bem fädjfifdjen ©d)utplane nodj nicht gebadjt mirb unb toeldje Sutljer, um ber ©praßen nicht ju oiele ju gleidjer 3eit 3 U betreiben, ebenfo mie bie Ijebräifc^e, junädjft auSgefdjloffen miffen tooßte. 2lber auch abgefel;en oon bem (Einzelnen, mad)t ber jur ©eltung fomntenbe ©tubtenplan einen meit befriebtgenbern unb oerlieifjenbern (Sinbrud. 3n afmlidjer SBeife gelangten aud) bie übrigen Sanbedtljeile aßmcihlidj ju einer feften Drbnung im Äirb^en» itnb ©c^nlmefen, namentlid) Süneburg. Sßiemo^t ^ier beibeS burd) fperjog (Srnft in einen geregelten ©ang gebraut mar, fanben eb bod) feine ©ö^ne, Dtto, ^einrid) unb 3Bill)elm nötfiig, mie bie fortfdjreitenbe 3 e d «8 forberte, auf bie VerboBfommnung beSfelben Vebad)t ju nelimen. S8 erfolgte bentnad) nadj Dtto’8 ®obe unter ber gemeinfamen Regierung .fpeinridiä unb SBilfielmS 1564 eine neue Äird)en= orbnutig jugteid) bab ©c^ulmefen umfaffenb, unb barauf bie (Errichtung beS (Eonfiftorium§ gu (Eeße als ber leitenben 23el)Brbe. Unb als ^erjog Sßilhelm 1569 bie Regierung aßein übernommen, fuljr er fort im ©inne be§ Vaters für Äird)e unb ©dfule ©orge ju tragen, gleidjfam im SBetteifer mit ^terjog Suliuä. 3n berfelben 9fid)tung maren feine ©Bljne tljätig, juerft (Ernft II., Oon 1592—1611, bann nach beffen ®obe bis 1633 (Eljriftian, meldjer Sodann Slrnbt als ©eneralfuperintenbenten üon (Eisleben nach ® e ^ e berief unb für bie fpebung beS Äird)en= unb ©chutmefenS unermübüd) tlfätig mar, mie baoon au^ bie burd) Slrnbt reoibirte unb oielfad) ergänzte unb ermeiterte Äirdjenorbnung oon 1619 3 eu 3 n ' 8 fließt. ®er ©egen einer folgen Dfegierung erftredte fich auch auf bie 1583 jugefaßene untere ©raffcfjaft feo'cfa unb baS nad) langem Streite mit Vraunfere Setjranftatt bed gürftentbumd. 3n bem ißäbagogium fouimen gleidj nad) feiner Sröffnung neben ber tateinifdfen, gried>ifcf>en (Aristoph. taubes atd Seetüre) unb bebraifdfen ©pradje, neben 9?betorit, Dialeftif unb ntetrifdjer unb ßrofaifdjer ©om= pofition — in tateinifdjer ©ßrad)e — fo »ieiPbbfif, SSorträge über Dt)eotogie unb römi= fdjed 3Jedjt, einige 3^it fogar über SDteoicin Oor. ©d War nicht fetten, baß bie, üoett^e ü)ren ©urfud in ber 2lnftatt abfotnirt bitten, fogteid) ofine eine Uninerfität befud^t gu traben, in bad ißrebigtamt traten. Dted gitt auch non nieteu 3äsiingen bed ißäbago- giumd, wetd)ed in biefer 3^t bad audgegeidjnetfte War, Stfetb, bem ÜWidfaet Dieanber non 1550—1595 Oorftanb. üDiefer audgegeid)nete Stiann übte tbeitd burd) fein 23ei= fpiet, tbeitd burd) feine ©Triften, tbeitd enblid) burd) feine ©d)üter in ben bieftgen Sanben einen außerorbenttidjen ©inftuß aud. Daneben ift an manchen Drten bie 2Bir= fung, bie non 3ot;anned ©turrnd burc^greifenber S^bätigfeit audgieng, nicht gu nertennen. 3n fotdjer Söeife toaren nad) unb nach gal)lreid)e Unterrid)tdanftatten gegrünbet, bie Drbnung für biefetben norgegeic^net, bie SBifitation beftetlt unb in ber Uninerfität fpelmftebt, bie fidj angefebener Sebrer, ©afeüud, SJieibom, ©atiyt u. a. rühmen burfte, auf ber ein frifdjed Seben unb liberaler ©eift berrfdjenb mar, bie 23ebingungen gemon= neu, unter benen ein tüdjtiger Sebrerftanb fidj beranbitben tonnte. Die erfreuliche Snt= midetung aber, weldje guerft unnertennbar ift unb metd)e fid) auch bi e unb ba burd) ©rtoeiterung bed Unterridjtdpland, in ben infolge ber SBirtfamfeit ber Uninerfität 2Kt)= tbotogie, @efd)id)te, bie ©temente ber üftatbematif aufgenommen »erben, offenbart, »urbe nur ju halb burd) ben ©ang ber politifeben ©reigniffe geftört unb gehemmt. Der breißig* jährige Ärieg übte auch in biefer 23egiebung feine gerftorenbe SBirtung auf bad Sanb, mandje ©chuten verfielen, »eil mau ben Sebrern aud; nid)t ben targtid)ften ©otb geben tonnte, anbere frifteten aud biefen unb anbern ©rünben ein fümmertid;ed Dafein, noch anbere, auf Stiftungen berubenbe, »urben infolge bed ßieftitutiondebicted für ben 2lugen= büd »enigftend ben ftatbolifen eingeräumt, gu toetchem 3»edc bieSefuiten ed an ihren guten Dienften nid)t fehlen ließen. Doch bie für bie 2lufrid)tung ber ©djulen erforberlidjen SJtittet »urben in oer= bättnidmäßig furger 3^it »ieber gewonnen unb ber SBobtftanb bed Sanbed bo& ßanb nahm unb bamit eine 93el)örbe ba mar, melche burd) ihr (Eingreifen eine gemäße Uebereinftimmung in ben Unterricf)tS= anftalten herborjurufen oermochte. 3nbeS fo groß fd)eint ber (Einfluß biefer S3el)crbe in ^Beziehung auf bie ©d)ulen nid)t gemefen ju fein, mie man baS nach ben 5BerI)ätt= niffen ber 3efjtzeit ju ermarten geneigt ift. ©ie muffte fid) neben ber Prüfung ber Sehrer auf eine allgemeine Auffidjt, namentlich in ^Beziehung auf bie reine Sehre befd)rän= fen, theilS meil bamalS überall für bie inneren mie äußeren Angelegenheiten jeber ©chute in ber ©tabtgeiftlid)feit ein (Sphorat befteßt mar, theilS auch ben SDagiftraten als ißa* tronen mandjeS überlaffen blieb. ®en erften Anlaß ju einer aße höfmrn ©djulen berührenben SJerorbnung gab bem (Eonfiftorium bie fid) rafd) mehrenbe, meit über baS 53ebürfniS hittauSgel)enbe 3 a hl ber (Eanbibaten ber Rheologie, mährenb in ber erften 3 e annoter, ©öttingen, ©tabe, Dafseburg. ®)ie nid)t „quatificirt'' Sefunbenen foßen „in ber ©tiße" jurüd= gemiefen, bie übrigen, meldje ihre ©tubien in ber ©hule fortfefcen, müßen nad) jurüdgelegtem 18. 3ahre bei jenen (Eommiffarien eine jmeite fßrüfung hefteten. SSon bem AuSfaße berfelben mirb fornol)! bie Unterftü^ung burd) ©tipenbien auf ber llniberfität, als auch bie AuSfid)t auf fünftige Anfteßung abhängig gemad)t. ®aS (Ergebnis ber einen mie ber anbern Prüfung foß in ein 93ud) eingetragen unb barnadj ein Atteft ertljeilt merben mit ben nötigen Semerfungen über „Sehen unb SZÖanbel," bamit bie einen fiel) als zum ©tubiren quatificirt ausmeifen, bie anbern ein ©tipenbium erlangen fönnen. S3eftimmte fjorberungen, benen in biefen Prüfungen genügt merben müßte, merben nicht gefteßt, meil fid) barüber nichts pofitiöes „oorfd)reiben läßt ,' 1 fonbern eS mirb in biefer SBejieljung. aßeS bem gemiffenhaften unb unparteiifdjen Verfahren ber (Eommiffarien anheimgefteßt. AIS (Eommiffarien fönnen „bie rectores ber öffentlichen ©d)ulen bei benen, meld)e nicht in ihrer SiSciplin gemefen, abl)ibiret merben, bei benen aber, meld)e ton ber Dec= §annoöcr. 275 toren Snformation finb, feilen anbere geleibte ©djulleute gum Spaminiren gegegen werben," »nie baS bem Sbict beigegebene ßommißorium oorfd)reibt. SBie weit biefeS Sbict gur SluSfübrang gefommen unb SBirfung gehabt, läßt fidj faum nadjweifen. ©aß biefelbe nicht groß gewefen, barf man aus ben Slnbeutungen ber Snftruction für bie SKaturitätSpriifungen öorn 30. 97oö. 1829 ffließen, baß nämlich bie in jenem Sbict gegebenen 3$orfd)riften unbeachtet geblieben feien. SS ergiebt ßd) bieg and; wohl aus bem, mag man halb barauf notljwenbig fanb. 3Bar bie ®rün= bung ber Uniöerßtät in ©öttingen an fid) fdcon ein Ereignis, beffen Sebeutung für baS höhere (©dmlwefen beS SanbeS nidit tw h at er / toeun er fid) als tüchtig auSgewiefen, bie näd)ße SSnWartfchaft auf SInfteEung an einer Sehr* anßalt, ober bis bahin, baß eine foldje ßinfid)t bie Äenngetdjen il;rer 3eit 5« »erleug* nen. Sltd Hauptaufgabe bed Unterridjtd wirb attd) hier geltend gemalt, bie lernenden „fromm unb gu ihren fünftigeu Verrichtungen gefd;idt gu machen;" jebod; erfdjeint bie fprömmigteit fdjon ald ber SBeg gttr „©lücffeligfeit," Weldjed SEBort in ber „3ud;>t" ben Snbpunct begeid;net, auf ben alte Slrbeit gerietet fein muß, fo wie ed anbrerfeitd ber djrifttidfen Religion gur Smpfehluug bient, baff fie gu ber ©tüdfeligfeit führt, ©amit [teilt im 3 u f am menljctnge, baß in dem ^Religionsunterrichte gWar ber Äatedjidmud ge* hörig in drei wohlgeordneten ©tufen eingeprägt unb gum Verftänbniffe gebrad;t werben fofl, baß gWar überall, auch wo in ben obern Staffen „ein größered 33ud|" empfohlen wirb, „bie ©leidjförmigleit mit beut, Wad in ber Sird;e gefdjiehet" mit Sladjbrucf betont wirb; baß dagegen bei ben erften Slementen nid;t oon dem fdflidßen ©tauben audge* gangen Wirb, fonbent man mit „Veweifen" glaubt beginnen gu mäßen. Hießen über abgefel;en, findet man in ber ©ad;e felbft leine erhebliche Slbbeugung oon dem ©tauben ber frühem 3eit- Slud; bie „Realien" fordern ihr 3Ied)t. Von dem Sfedjnen freilich ift nur in befdfränl'tem Umfange bid gur Siegel ©etri unb gebrodenen 3aI;Ien, bei denen „bie Lateiner" oon dem As ber Stßmer unb beffen Gsintfieituttg informirt werben, bie Siebe; bie ©eometrie ober SJIeßfunft wirb ihrer bildenden Äraft Wegen empfohlen; bagu aber Wirb aud; Srfenntnid der SBerte ber Statur unb Äunft gefordert, ©er Sin* fang Wirb damit gemacht, baß ben Snaben bie Slameit ber Sräuter, Väunte unb @e= wad)fe, ber Vögel unb andrer ©hiere genannt werben, fo wie fie guerft gu ©efidjte fommen. Stuf Spagiergängen, bie gur ^Belehrung ber ©dfüler unternommen werben, faun foldje fienntnid erweitert unb gugleid; ber lateinifdje ©prad;fd;af 3 burd) Slngabe ber lateinifdjen ^Benennung derlei ©iitge oermehrt Werben. Sind; ber orbis pictus bient biefem 3®ede unb giebt ben Änaben gute ©elegenheit, ftch felbft gu befchäftigen. ©er* fetbe lann auch bieSBerf'e berSunft öeranfd)aulid;en; beffer jeboch ift ed, die Sernenben in bie SBertftätten felbft gu führen unb fie feigen gu taffen, Wad unb Wie ed gefertigt Wirb; ben Srwadjfencn fann mit einem Soßegium über bie öornehmften Srfcheinungen ber Ulatur unb Sunft gur Sinfidjt in bied ©ebiet oerholfen werben. Unb damit nichts fehle, ift bie 3ugenb „üon atterhanb bürgerlichen ©adjen, ald Vormunbf haften, Sontracten, Eßroceffen, Oon ÄriegS* unb griebendgefd)äften bei ©elegenheit nad) ihrem Sitter und Vermögen gu beridßen,“ Wogu theild bie Sefung Oon aflerhanb ©ad;en tl;eitd aud) Seitungen ©elegenheit bieten. Sei biefem aflem ift bed Sateind nicht gu üergeffen. — ©o fud;t man ben SJIittelpunct bed Unterrichts, Satein, feftguhalten unb merlt nidft, baß man über dem berechtigten ©treben, ber tobten SBortfrämerei gu entfliehen unb realen Snljalt unb Segriffe gu geben, einem Satitubinaridmud bad SBort redet, welcher ber ©ob afler edjten unb Wahren Silbung Werben muß. S3on der „©eutfdjen“ ©prad;e wirb gwar aud; gehandelt, aber noch in geringem §annobcr. 277 Umfange, lebiglidj in SRütffidjt auf bie fpradjlidje Sarfteßung. (Empfohlen wirb bie 33eadjtung ber Siidjtigfeit im ©djreibett, wie foldje an SRuftern 3 . 33. ber „Seutfdjen ©efeßfdjaft in Seidig" 31 t lernen; gewarnt wirb bor grembWörtern, jebodj audj bor einem eptremen fßurigntug, fo wie bor lateinifdjen Sonftructionen. Slnt augfüljrlidjften ift bie Slnweifung über ben lateinifd^en Unterridjt, fie oer» breitet fic^ über bie Slnfänge beg Sefeng unb ©djreibettg, beg (fiuübeng ber gormen» lehre unb ©tjntay, über bag Siefen ber profaifdjen ©djriftftefler unb bereu Stufenfolge, über fßrofobie, Hefen ber Sidjter, über bie ©djreib» unb ©Freiübungen fo wie 93er» fification mit gleidjer ©orgfatt. ßu ben Hefeübungen wirb Cellarii über memorialis mit ber babei befinblidjen ©rantmatif empfohlen, fo wie and) Hübneri historiae unb eben foldje attg Castellionis 33ibel lateinifdj gemadjt. ©o erlangen bie Kinber einige 93efanntfdjaft mit biefeit SSüdjern unb lernen gttgleidj wäfjrenb beg SefenS einen 33or= rath bon lateinifdjen SBörtern. Sann erft fdjreitet man — ganj wie in ber frühem $eit — 31 t ber (Einübung ber Sedination unb ©onjugaticn — einer jieiulidj weit» läufigen ißrocebur, bereit ^Betrachtung nur baruitt befoitbereg Sntereffe Ijat, weit matt barauö fieljt, Wag ber 3 e if ttotlj tljat. Sie ©predjübungen beginnen früh 0cr ^ ctr ©rantmatif; man fagt ben Knaben furjc ©aije bor, um fie 3 U lernen, „Wie 2ßeibS= perfonen ober aller ©pradjfunft unerfahrene SDlänner Kinber gtanj&fifdj ober Stalienifdj lehren." 33ei ben Seclinationen unb ©onjugationen fefct mau bag fragen nadj SB örtern unb flehten ©ä( 3 en fort, fo baff aßntäljltd) bie gertigfeit im SBiebergeben Heiner Gr= gähluttgen erworben wirb; bann werben biefe ntünblidjen Uebungen audj 311 m ©djrcibctt angeWenbet unb ber ©runb jur GEompofition gelegt. 3n bent cursus leotionum (Phae= drus, Eutrop., Yaler. Maxim., Cornel. Nep., Justin., Caesar, Livius, Cicero Epp. unb Oratt.), in weldjent Sonftruction unb ©rammatif Wotjl beadjtet, audj bie ©adjen, £)ifto= rien unb Slltertfjümer bitnbig erläutert werben milfjen, foßen bie Hernenbett gewöljnt Werben über aßeg beutfdj unb lateiuifd) Utedjenfd^aft 3 U geben. 2ßie bieg, fo berbieitt faft aßeg Uebrige, Wag bott ber Snterpretation ber ©djriftfteßer, fpradjlidjer wie fadj» lieber, fowie ben fd^riftlidjen Uebungen in ^Briefen, Stählungen, Slj r ' cn r ^eben u. a. gefagt wirb, noch immer alle 33eadjtung. SBag bie griedjifdje ©pradje betrifft, fo hat man eg gewiß attg guten ©rüitbett nottjwenbig gefunben im boraug 3 U bemerfen, baff feiner, ber ftubiren wifl, fidj ber (Erlernung biefer ©pradje entgieljeit barf. Sen SInfang foß mau bamit madjen, Wenn bie Knaben bie lateinifdje gormenleljre inneljaben unb etwa Hübneri historiae sacrae berfte^eu. Sie ©rammatif wirb int gansen fo Wie bie lateinifdje beljanbelt unb bei ber Seclination unb Sonjugation auf bie Sleljnlidjfeit beiber ©pradjen hingewiefen unb bag S3efonbere h erDor äeljoBett. Sßgbann fdjreitet ntan 3 ur 9lnaltjfig unb wählt ba 3 u bie erfte (Epift. ©t. Sohannig „wegen ber leidjten SBortfügnng unb ber häufigen SBieberfefjr berfelben SBorte." ©elefen wirb bann weiter bag 9?. S., Gesneri Chresto- mathia Graeea, Xenoplt. Memorab., Homer., Hesiod. Theognis. 3lttdj bie Ijebräifdfje ©pradje wirb in ben öffentlidjen Unterricht gesogen für bie» jenigen wenigfteng, welche ftdj ber „©otteggeialjrtheit" wibmen Woßen, bamit fie einige (Erfenntnig berfelben auf bie Unioerfität bringen. Siejenigen bagegett, weldje an bettt Unterridjte nidjt Sh e ^ nehmen woßen, foßen nadjweifen, baff fte bie auf beufelbett berWanbten ©tunben nü^lidj anWenbett, ober fie foßett in benfelben attwefenb fein unb int jtißen einen Sluffafs ober (Epentpel aug ber SRedjenfunft berfertigen unb fotdjeg aut ©chtujf berfelben borjeigen. Sag über bie 23ehanblung ber ©rammatif unb Slnaltjfig ©efagte befdjränft fidj offenbar auf bag 3lßernothwenbigfte, bagegen wirb erinnert, Wie jttr Sluglegung beg 31. S. bieKenntnig beg (Eljalbäifdjen, ©tjrifdjen unb Slrabifdjett nothwenbig fei. Sie ©teße, an weldjer bie ©eograpfjie unb ©efcfjidjte 3 ur ©pradje fommt — ba Wo eben bon ber 33efjanblung ber Realien in ber (Erflärung ber lateinifdjen ©djrift» fteßer bie 9?ebe ift — weigt fc^on barauf ljtn, fteldje ©teßung biefe Sigcipliucn ein» 278 ■§>uitnober. nehmen foUen. Sied ergiebt fid) nod) beutlidjer taraud, baß Betben nur g»ei ©tunben bie 233ed)e guge»iefen »erben, »eite guerft auf bie ©eographie unb bann auf bie @e= fd)id)te gu oer»enben finb. „Siefe unentbehrliten ©tüde ber ©elehrfamfeit" ^ei^t ed, fönnen unb »erben ihrer 3lnnel)mtid)feit »egen leicht burt ißrioatfleiß ergängt unb auf ber Uniöerfität nad)gel)o!t, bie ©praßen bagegen finb notl)»enbig in ber ©title gu treiben. Sie „allgemeine ©eftaffenljeit bed Erbbobend unb beffen ©erbinbung mit ber-gangen ©Seit nad) ben ©pftemen bed tßtolemäud, ®^o, Eopernicud, bie haupt= fäd)lid)en Einteilungen bed Erbbobend unb ber ©ebraudj ber 2anbfarte, bie £age, ©rengen unb ©röße ber Sänber, Europa unb Seutfd)lanb bilben ben Snfyatt bed Unter* rid)td; für bie ©tubirenben tritt alte ©eographie nad) ilela ober Cellarii geograph. antiqua, ober Koeleri ©eographie hingu. 3n ber @efd)id)te beginnt man bamit, bie Epodjen feftgufteUen, ergabt bie barin oorfommenben ©egebenheiten im 3ufammenhange fitrg unb beutlidj — toobei bad aud bem Sefen bed Justin., Eutrop. u. a. ©efannte in Erinnerung gebraut »irb, prägt bie jfolge ber Regenten unb Regierungen unb bie nornebmften synchronismos bem ©ebäc^tniffe ein, erregt burd) Slemulation benlßrittat* fteiß unb überläßt ed bentfeiben aud ben geeigneten Säbelten unb ©triften, befonberd Ipübnerd unb Eeüariud, bad im Unterricht ©egebene gu ergängen.“ Sie fpijilofopbie »irb nid)t fo fdjledjterbingd nötig gead)tet, ald bie ©pradjen. SBenn bie Sitten fo, »ie üorgefdjrieben, gelefen »erben, fo bebarf man ihrer nitt ed toirb babei größtenteils burd) Uebung gelernt, »ad ein Compendium philosophiae giebt. Söo 3 e *t bagit ba ift, ift ed gut ein Compendium historiae literariae »ie Heumanni conspectus unb Ernesti Initia burd)gugeben. Ettblid) »irb nod) „bie SOJuftf" ald Sh e il bed Unterriditd begeid)net, über bie g»ei ©ingctaffen, ber Slufänger unb ©eübten, über bie Eurrenb* unb Sljorftüler, über bie ©er»altung ber El)or= unb Eurrenbgelber bad Erforberticffe angeorbnet. Sllled, »ad in bem ©er|M)enben aufgegätjlt ift, »irb in ben öffentlichen ©tunben gelehrt; baneben giebt ed aber nod) leetiones privatae unb privatissimae. Sin ben erften feil jeber ©dfüler toenigftend eine ©tunbe täglich 3lf)eil nehmen, um nach bem gemeinfameit Srmeffen ber Sehrer gu ergängen, »ad ber öffentliche Unterricht nid)t aud* führen fann, fei ed in ben ©prad)en, bem £efen ber ©d)riftfteHer, fei ed in ber @eo= graphie, ©euealogie unb ^eralbif, £iterargeftid)te, ißhilofophie ober Raturlef»e. Sie leetiones privatissimae halten bie Seprer, »enn fie begehrt »erben, fei ed, baß ber eine ober anbere ber Serncnben in ben ©rünben ber ©praßen ober im ©treiben fich mehr befeftigen »iH, ober in anbern SSfceilen ber ©elehrfamteit »eiter ßorgufdjreiten [ich gebrungen fühlt, ald bied in ben ©djuten herfömmlid) ift. Siefe ©chutorbnuug ftel)t mit bem seminarium philologicum im engften 3ufammen= hange. Sied Ie( 3 te mar red)t eigentlich gu bem 3» ecfe gegrünbet, Seljrer herangubilben, »eld)e geeignet »ären, biefelbe gur Sludfiihrung gu bringen. Sagu larn ein Sritted, nämlid) bie Slnorbnung eined Snfpectoratd über fämmtlid)e höh ere @t u ^ en in b en großen ©täbten bed Sanbed, beffen Slufgabe ed fein fotlte, bie Sludführuug biefer ©d)ul= orbnung gu über»ad)en. Sie Serorbnung, burd) »eiche biefe ©chulorbnung publicirt »urbe, beftimmt, baß „ber professor eloquentiae gn ©öttingen beftänbiger 3nfpector fein fotte, bem bie Srtdfd)olard)en über ben 3 u ftanb ber ©d)ulen unt> »eldjergeftalt bie ©d)ulorbnung gur Epecutiou gebracht, ^Bericht gn erftatten unb »eitere Anleitung gu erwarten unb gu befolgen haben.“ SBte »id)tig tiefe ©eftimmungen »aren unb »ie geeignet bem ©d)ul»efen bie nötige Einheit unb einen bebeutenben Sluffd)»ung gu geben, barf nid)t erft bemerlt »erben. Um fo mehr ift ed gu bebauern, baß fie fo »enige Sßirfung hatten. Sie großem ©täbte, beren ©djulen man im Stuge hatte — bie Heineren ©tattfdjulen überließ man gang ben ©atronateit unter Dberaufficf)t bed Eonfiftoriumd — beeilten fid) nid)t, bie ©tulorbnung eingufül)ren; ja e-3 hat bidher not feine eingige unter ihnen nad)ge»iefen »erben fönnen, »eldje fie gang gur Sludführung gebracht hätte. Ed ift ohne •§>annoBet. 279 eine wol)l begrünbete 2krmutl)ung, baß bie SNagiftrate nicf)t bloß auS ©leidjgültigfeit gegen bie ©ad)e, fonbern in einem eiferfüd)tigen galten an ihren Stedten unb in bem ©treten, bie ©elbftänbigfeit, bie fie nod) fyatten, gu bewahren, bie 2>erorbnung unbe= adjtet ließen, bem 3nfpectcr Weber 23erid)t erftatteten, nod) Natl) bcn it)m oerlangten, überhaupt fid) um bie Serorbnung nidjt weiter flimmerten, als fie »on ber Regierung ober bem ©onfiftorium gegwurtgen Würben. SerSnfpector mochte ihnen nod) mehr gu= wiber fein als bie ©d)ulorbnung unb niept ifmen allein, fonbern and) ben 2el)rern. ©inige Slnbeutungen in ©eSnerS 2eben geben ber SSermutfjung Naum, baff mancher Bon biefen beforgen mod)te, in feinem ©djlenbrian Bon bem läftigen monitor unb magister geftört gu werben, ©o Biel ftefyt feft, baß @e§ner an feinem Snfpectorat burdjauS feine greube bjatte, weil bie ©djulen feinen ©ebanfen unb SBünfdjen nid)t entfpradjen. 2Bährenb alfo Bon ber ©djulorbnung unb bem Snfpectorat feine erljeblidjen 2Bir= fungen nadjgewiefen werben fönnen, blieb allein ber Sinflujj übrig, ben bie Unioerfität unb inSbefonbere baS pl)ilologifd)e ©eminar burd) bie 23ilbung ber 2eljrer auf bie ©djulen übte; ja es war bieS bie eingige unb nädjfte Quelle, auS weldjer benfelben baS 2eben fam, baS fie überall Ijatten. SieS gilt nid)t allein Bon bem oorigen, fonbern aud) ben erften 30 Saljren gegenwärtigen SahrljunbertS. Seber SRagiftrat Ijiett feine ©d)ule wie er Wollte unb fonnte, baS Snfpectorat Warb nad) ©eSnerS Sobe 1761 auf Slnbringen ber ©täbte aufgehoben; eS übte niemanb eine Dberauffidjt über biefelben, als bie unter bem ©onfiftorium fteljenfcen ftäbtifdjen (ä^tjovert, bie man bod) nid)t immer als ihrer Slufgabe geWadjfen betrad)ten fonnte; ba8 ©onfiftorium unb bie Regierung famen mit ben ©d)ulen nicf)t in Berührung, als etwa burdj Prüfung ber ©anbibaten unb 93eftätigung ber Bon ben Patronen präfentirten 2ehrer. ©8 beruhte bernnad) baS ©ebenen einer 9lnftalt lebiglid) auf ber perfönlidjen 3Tüd)tigfeit ber 2ehrer unb in8be= fonbere beS SftectorS. ©o Weit biefe burd) ©tubium gu erreichen war, würbe fie oor= gugSWeife in bem ©eminar unter ©eSner unb feinen Nachfolgern, gunächft §epne, SRitfdjerlid), 28unberlid), Söelfer, Siffen, D. SRütler gewonnen, freilich Waren bie= jenigen, welche jidj für baS Sehrfach bildeten, Sljeologen, unb hätten aus ihrem SBerufSftubium Anregung unb Sraft für wiffenfcfjaftlidje Shätigfeit fchöpfen fönnen. aittein bagu, fcheint eS, war bieS ©tubium, oon ber Nidjtung, welche baSfelbe Bon ber SRitte be§ 18. Saljrl). überhaupt nahm, abgefehen, auf ber 2anbeSunioerfität nicht angethan. ©inmal wehrte man ftd) bafelbft, wie and) in bem ©onfiftorium, gegen baS ©inbringen beS ^ietiSmuS unb fämpfte anbererfeitS gegen ben auftaud)enben unb immer mehr erftarfenben Nationalismus, an ber fird)lid)enDrthotopie feftljaltenb. ©o el)ren= Werth toiefe, fid) burch nichts beirren laffenbe, Nidjtung war unb fo heilfam fie fid) für bie folgenbe 3cit erwiefen h at , fo geugte fie bod) nicht Bon einer tiefem Srfaffung ber 3eit, nod) oon einer richtigen ©elbfterfenntniS. Dljne gu merfen, baff man baS 2eben unb bie 3 u oerfid)t beS ©laubenS fid) fmbe allmählich burch bie ftiü wirfenben 2Jläd)te ber 3eit entwinben laffen, fämpfte man oft nid)t mehr um ben Äern, fonbern nur um bie ©djale; bie 2trt, wie man baS Sogma behnnbelte unb bie übrigen 3 We '9 e berSBiffen* fdjaft oortrug, oermod)te bie regften unb lebenbigften ©eifter am Wenigften gu befrie= bigen. Sie ©leidjgültigfeit gegen bie Äirdje unb eine Slbnaljme beS theologifchen ©tubiumS folgte rafdj; Wie man 1722 eine ülbmaljnung Bon bemfelben I)ntte ergehen laffen, fo fanb man fid) 1776 genötigt, burch e >n 9luSfd)reiben bagu gu ermuntern. ©S ift beSl)alb begreiflich, baß bie 2ehrer ber höh ent ©djulen baS, wa8 fie Waren, minbeftenS ebenfo fehr ber philofophifdjen gacultät unb bem pljilologifdjen ©eminar, als il)rem theologifchen ©tubium oerbanften. ©old)e 2ehrer nun, bie auf biefem SBege ihre 23übung erlangt hatten, finben fid) feit ber ©rünbung ber Unioerfität gar manche, ©ie finb es benn aud), welche ©eSnerS ©ebanfen unb 2eljrplan inS 2eben gu führen bemüht finb, in bem principlofen §iu= unb ^erreben unb ©treiten, WeldjeS um jene 3cit beginnt unb in bem Stuftreten SafebowS unb feines StnljangS neue Nah= 280 •fpannooet. rung erhält, ein Har crfannteS 3ttf »erfolgen, alle „neuen ffftethoben" fernjjalten unb and) auf bem ©eiriete ber SEEjeoIogte am riiftigften fämpfen. SSor anbern mag nur an 3olj. ®aniel Sdjumann erinnert Werben, Weldjer einer ber erften Sd)üler @eS= nerS mar unb nadibeut er furge 3 e it baS friectorat an ber Sdjnle 31 t granfenfjaufen be= fleibet hatte, bie ®irection ber Stabtfdjule gu Ginbecf unb halb barnad) in ©lauStljal übernahm unb enblidj in berfelben Stellung an bem Spceum in fpannooer oon 1774 bis 1780 wirfte. ileberatl treten in ben oon ihm getroffenen Ginrichtungen ©eSnerS ©ebanfen heroor; er fudjt einem feben ber Sernenben 3 U geben, was ihm nötEjig ift, Äenntniffe nnb fyertigfeiten; er nimmt auf bie Stubirenben unb fftidftftubirenben fftücffidft unb ridftet in ben untern ©taffen, Wo beiße oereinigt finb, ben Unterricht befonberS barnadj ein; ol)ne bie ftiealfenntniffe 31 t oernad)läjfigen I;ätt er bod) bafür, baff bie Uebung in ben Spradjen oorgüglid) geeignet fei ben tßerftanb 3 a weifen unb ©inficht 3 U geben. SBietoohl er SRathematit, Sogif, @efd)id)te unb ©eographie le^rt, unb felbft bem grangöfifd)en, Gnglifd)en unb Stalienifdjen ©ingang geftattet, Witt er bod), wie eS bamatS oielfad) gefd)ah, bie obern ©taffen nidjt in §örfäle ocrWanbelt, fonbern atS UebungSpläfse aitgefefien Wiffen. ®emnad) hört man benn über fein unb anbe= rer äbjntidjer fDfäuner 2Birfen immer nur bittigenbe unb tobenbe Urtheile. §>eroorgel)oben mag nod) toerben, baß biefe ÜBtänner „um bem feparatiftifdten unb fanatifdjen ©eifte" ben ©ingattg 31 t toehren, nidjtS geeigneter achteten, als grünblidjen Unterridjt im ©hrifteuthume, unb beSljalb in ben untern ©taffen befonberS 6 — 8 Stitnben für baS Sefett unb ©rflären ber SBibet nnb beS ÄatedjiSmuS beftimmten nnb attSbrücflid) be= merfen, toie nad) ihrer ©rfahrung bie rechte ©rtenntniS „bie Sd)Wärmerei“ oertreibe. 3tnbrerfeitS trat Sdjumann in bem ÜBerfe „über bie Goibeng ber 23eloeife für bie SBaht'heit ber djriftlidjen Religion" 1777 gegen bie SBoIfenbüitel’fdfen Fragmente auf. — 3nbeS foldje it;r 3>^ mit grünbtidjer Sinfidjt unb regem ©ifer üerfotgenbe SMnner toaren im USergteid) 31 t ber füngaljl ber Sdjulen gu toenige unb too fie ftd) fanben, be= trad)teten fie in ber fftegel baS Sd)ulamt nur als ®urdjgang gu bem -Jkebigtamte, toie benn Sdjumann felbft mit bem ©harafter eines Superintenbenten 1780 gu Striefen an ber 2lHer in baS fßrebigtamt eintrat; benn bieS toar nid)t nur baS mühetofere, fonbern aud) baS einträgtidjere unb geebjrtere. Unb bannt berühren mir biefenige @r= fdjeinung, weldje bem ©ebeiljen beS SdjulwefenS bis in bie neuefte 3ett »nt meiften im Sßege geftanben tjat. ®ie Stellung ber Seprer toar bttrdjauS nid)t ber Slrt, um je= manb reigen 31 t tonnen. Dtamentlidj in ben tteinern Stabten toar biefetbe unter bem ftäbtifdjen -Patronate unb bem ©phorate oon ©eiftlidjen, benen fie toietooht an Srilbung gteid), gleidjfam atS clerus minor gegenüberftanben, bei gang ungenügenber Sfefolbung unb fdjwerer Slrbeit, oft eine redjt gebrüdte. 3lber and) in großem Drten tähmte toeuigftenS bie 9?otl)wenbigfeit, in bem iprioatunterridjt eine £)ülfSquetie für bie Sidjerung einer erträgtidjen Gpiftcng gu fuchen, bie greubigfeit beS SBirfenS. ©S toar beSpalb natürlid), baß rnandje tüchtige Äraft in baS ^Pfarramt gu fommen eilte, beüor fie fid) im ®ienfte ber Sdjnle redjt gu entfalten 3 e it gefunben, ober aud) oor bem ©intreten in benfelben mit einer getoijfen Scheu gurüdtoid). ®ieS lefjte ift bis gu ber neuem Drganifation beS ScpuImefenS feljr fidjtbar unb als fyolge hieoott, baff 9?ichtl)annoüeraner, namentlich Sadjfen unb Sfmringer an ben meiften Sdjulen gefunben tottrben, bie bann freilid) früher oon ba aus ebenfalls in baS fßfarramt gu fommen bemüht toaren. Unter biefen Umftänben burfte |jet)ne (9tadjrid)t Oon ber gegenwärtigen Ginrid)tung beS Äöttigl. fpabagogii gu SIfelb 1780) äußern: „®S giebt toenige groffe Sdjulen, toeldje fotoohl oon ber feit breifjig Sahren oerbefferten Sehanblung unb SrfiärungSart ber alten ©laffifer, als oon ben aufgeflärten ^Begriffen in ber fßäbagogif, bie in unfern 3 eiten um fich greifen, einen merflidjen 33ortIjeil gegogen hätten, ißon ben fogenanm ten lateinifd)en Spulen, Stabtfdjulen unb ©pmnafien toeijf id) toenigftenS unter ber großen fOfenge noch toenige, too eine oerfjältniSmäßige Umfdjmelgung unb 53erbeffernng ber Ginrid)tung beS Unterrichts erfolgt wäre .' 1 ®ie Urfacfjen baüon finbet er einmal in §amtoücr. 281 beit „neuen ipäbagogen" fetfcfl, bie oon iljren ^ßrojccten alles erwarten uttb bie alte SSerfaffung ganj über ben §aufen werfen, ol)ne bag, Wag fie an bie ©teile fepen Wollen, genugfam überlegt gu haben; fobann in „ber jdjäblid>en SDicnge ber lateinifdjen ©dfuten," oljne Ijinreidjenbe ©elbmittel unb Sehkräfte. ®iefe fdjtedjten ©djuten an Drten, wo fte nidjt an ber ©teile finb, oerleiten mandjeit mittelmäßigen Äopf, ber ein nüplidjer JpanbWerter fein Würbe, junt ©tubiren unb fdjaben infofern, alg fie unter einem großen Steile ber fogenannten gebilbcten ©tanbe eine ridjtige SrtenntniS oon wiffenfdjaftlidjer 33ilbung nid)t auftontmen laffen. SefonberS fdjäblid) ift ber 2)tangel einer SSerbinbung beS ©anjen burdj einen allgemeinen ipian unb eine allgemeine IDirection. „DIj ne eine allgemeine Sluffidjt über bag ©djulWefen, oljne ein beftedteg Kollegium, Weldjeg bag ©anje unter ben Slugeu fiat unb bie einjufefcenben ©djulmänner gu prüfen, unb 21n= weifung unb 9?atf) jur ©djuloerwaltung an jebem Drte geben laitn, ift für bie S3er= befferung beS ©djulwefeng überhaupt wenig ju Ijoffen. Slufgetlärte begriffe oom ©djulwefen laffen fidj in einem Sanbe nur Oon feljr Wenigen Scannern erwarten; eg gehören gar üiele ©tubien unb Äenutniffe, bie iüd)t in bem SBege, ben man genteinig= lidj geht, liegen, eine beftiuimte fUidjtitng ber ©eiftegtrafte, lange Slufmerffamteit, 33e= obadjtung unb Srfaljrung baju, audj nur bie SRängel unb ©djwierigteiten, gefdjweige bie SDtittel iljnen abju^elfen, einäufetjen. ©leidjwoljl geljt eg Wie in ber ^trjneifunffc: alle Sßelt curirt." Sille biefe Steuerungen finb jwar allgemein gehalten, bod) treffen fie junädjft bie ©djulanftalten beg SanbeS. 3)ie grüdjte berfelben tjatte §etjne bamalg an ben 3)tit= gtiebern beg pljifologifdjen ©eminarg fd)on gur ©enüge fennen gelernt (feit 1763), um barüber ein ooHgüttigeä Urtljeil faden ju tonnen. Slußerbem aber war i!)m 1770, alg iljm bie Sfteorganifation beg 5(3äbagogiumd ju Slfelb unb bie Snfpection begfelben übertragen Würbe, ©elegejtfjeit geboten bie innere Sinridjtung, bie 23eljanblung ber Untcrrid)tg= gegenftänbe unb ben Gcrfolg im einzelnen genau ju burdjfdjauen. 3nbeg ift eg nidjt allein bieS unoerbädjtige Urteil eineg competenien ÜDJanneg, bag bie mancherlei Sftanget in ben bamaligen 3uftänben p er ©cljuleu aufbedt; bie ftäbtifdjen Patronate, fdjeint eg, tonnten felbft iljre Slugen oor benfelbett nidjt meljr oerfc^Iiefjen. Unb fo trat ber fonberbare gafl ein, baß bie, Weldje bag ©egner übertragene 3nfpectorat nidjt beadjtet Ratten, fidj an feinen Stadjfolger fpetjne um fpülfe unb 9iatlj für iljre ©(pulen ju Wenben geniit^igt fanben. 3 lIer ft ^ am ber 5Diagiftrat oon ©öttingen (1797) in biefe Sage; bag ©utadjten, um weldjeg man fpetjne in SSetreff eineg Seljverg bat, führte ju einer Ijeilfamen Umgeftaltung beS ©tjmnafiumg, über weldjeg £etjne bann bie 3nfpection übernahm. 3)er günftige (Erfolg, ben biefe Dteform (^atte, oeranlaßte audj ben ÜDiagiftrat ber ©tabt fpannoüer 1802 Oon fpetjue eine neue SSerfaffuug für fein Stjceum ju erbit* ten. 2>ie übrigen ©täbte würben wahrfdjeinlidj halb nadjgefolgt fein, wenn nidjt tie halb eintretenbeu ungüuftigen 3 e ü öer hältniffe Baratt geljinbert hätten. 3n Klaugtfjat wenigfteng madjte man nodj 1808 einen S3erfudj, mit £>etjneg §ütfe bag ©hmnafium ju h^beu. Uebrigeng hatte ^epne audj, abgefeljeu üon foldjen Reformen, burdj bie £eranbitbung ber Seprer bebeutenben (Einfluß auf bie ©djulen; oerftärtt würbe berfelbe befonberg baburdj, baß er bem bamatg madjtigen ©treben ber „teuerer", ber b)3h)tlan= tpropen, bie alten ©pradjen unb bie alte Siteratur aug ben ©tjmnafieu gu oerbrängen ober auf bag geringfte SD?aß ju befdjranlen, bei jeher ©elegenheit mit SBort unb ©h a ^ traftig unb erfolgreich entgegentrat. g-erner lag bie Slnftedung unb Seforberuitg ber Seprer gewißermaßen in feiner fpanb. ®a man adtnaljlidj ju ber (Einftdjt gelangt War, baß befoubere SBefäijigung für bag Seljrfadj erforbert werbe, Wanbte man fidj, wenn man eineg Sehrerg beburfte, an iljn alg ben ÜJlann, ber am beften ,ju rathen wiffe. ©eine Kmpfeljlung galt gleidjfam fo oiel alg SBerleipung einer ©teile. ®ieg War audj bei ben nadjfolgenben üDirectoren beg philologifdjeit ©eminarg big ju ber neuern Dr= ganifation beg höhern ©djulwefeng ber ®araug ergab fidj nadj unb nach bie $dge, baß üiele Seljrer in bag Slmt traten ohne eine -Prüfung beftanben ju h^e>6 282 ■ganttooer. fofern fte nur nid)t fpäter in ein ißfarramt übertreten gebauten. Stuf biefe 2 Beife oerlor baS Gonfiftorium, bem bie fßrüfung ber Seigrer juftanb unb oblag, allmählich immer mehr allen gufammenfyang m ;t fc en i^öEjerrt ©dfulen. Senn mäbrenb bie SSer= orbnung über baS tbeologifche (S^orat auf ber SanbeSnnioerfität b. 21. luguft 1800 fiel) ebenfoioobl auf bie bem Sebrfad;e an I;öl)ern ©djulen als auf bie bem ißrebigtamte fic£> mibmentcn ©tubiofen erftredte, trennten ftd) beibe@ebiete immer mehr; eS mürben berer nad) unb nad) mehr, toeld)e burd) fobjilologifc^e, ^itofo^ifdfe unb fyiftorifdje ©tuoien für baS erfte il;re Vorbereitung fugten, entmeber ganj unbelümmert um bie Geologie ober nur baS fJJotfüoenbigfte mitumfaffenb. SBurben fte bann ton ben Sirec* toren beS ^'l;iIoIogifdjen ©eminarS empfohlen, fo erfolgte iljre 31nfteffung unb bie S3e= ftätigung berfetben bon ©eiten ber ^Regierung. 2öie bie Vejiefyungen beö GonfiftoriumS 3 U §annooer ju ben l)öf)ern ©beulen immer mehr gelodert maren, fo foEtte man SlebnlidfeS oon ben ^ßroöingialconftftorien in ©tabe (für Vremett unb Verben), ju Dtternborf (für baS Sanb fabeln), 3 m DSnabrüd (für baS gürftentbum DSnabrüd, bie 9?iebergraffd)aft Singen unb baS fperjogt^um Stremberg* Sfteppen), ju Stund) (für baS gürftentbum DftfrieSlanb) ertoarten. SnbeS blieb liier bie Ginmirfung, too fie einmal gefeßtid) begrünbet unb £|er!ömmlid) mar, ntel)r in firaft. Ser VermaltungSbejirt berfelben mar Biet befdjränlter, bie gelehrten ©djuten fanben fid) jum Stfyeit am ©iß beS GonfiftoriumS ober in ber 9täl)e unb es 0 erblieb bemfelben meiftentbeilS eine unmittelbare Socalinfpection. ©leid)mcl)l mürbe bamit ben näd)ften Vebürfniffen nidjt abgefjolfen, bem SDfanget eines einbeitlidjen fßlaneS unb 3iäe8. SeS* halb fanben ficE> benn aud) bei ben oerfdjiebenen ©d)ulen bie größten Verfcbiebenbeiten. Sie bebenflid)fte mar ol)ne 3 lDe *f e ^ bi e i n ben Seiftungen ber jur Hnioerfität ent* laffenen ©djüler beroortretenbe, bie bei bem gehlen einer ÜlbgangSprüfmtg unb ber 9?or= mirung ber gorbermtgen für baS afabentifcfje ©tnbium nicf)t auSbieiben lonnte. kleinere Slnftalten mit jmei bis brei Seljrern liatten natürlich bei ber 33eurtl;eilung ber Dieife ihrer ©d;üler für miffenftf)aftlid)e ©tubien einen ganj anbern SJlaßftab, als bie boH* ftänbig eingerichteten ©bmnafien. Sie SBarnelimung biefer Verfd)ieben^eit unb ber oft ganj unjulängli^en ©diulbilbung ber ©tubirenben fo mie bie nad) ben greibeitSlriegen non 3abr juSaljr fic^ mebrenbe 3^1 ber ©tubirenben, namentlich ber SSfjeoIogie, ber* anlaßte jitnädift baS Gonfiftorium 31 t fpamtooer — ähnlich mie 1722 — oon bem ©tubiren abjumabnen, mürbe bann aber halb ber StuSgangSpunct für bie gegenmärtige Drganifa* tion beS böbern @^ u in)efenS. II. 3n ber SarfteHung ber allgemeinen ©runbjüge ber ©efefsgebung müßen mir mit bemjenigen beginnen, moburd) ber gegenmartige 3 u f tan ^ »efentlidj begrünbet ift. GS finb bieS brei Verorbnungen, über bie Ginfübrung ber föfaturitätsprüfungen, bie Grrid)tung beS Äöniglidien DberfdutlccIlegiumS unb bie Sin orbnung ber miffenfd)aftlid)en fßrüfung für bie Ganbibaten beS ©d)ulamts, beren 3nl)alt unb SBirfung nebft ben 21b= änberungen, meldfe bie erfte unb britte .erfahren, barjulegen finb. 1 ) Sie Ä. „Verorbnung über bie Veförberung einer möglicbft forgfältigen Vilbung ber ftubirenben Snlänber unb über bie 3 ur Grreidjung biefeS 3toedeS ein 3 ufübrenbeu ü)latitri= tatsprüfungen 0 . 11. ©ept. 1829" unb bie 3 ur SluSfübrung biefer Verorbnung gegebene Snftruction 0 . 30. fftob. 1829 geben bon bemfelben ©ebanlen aus, mie bie oben er= mäbnte b. 25. 9?ob. 1722, baß namlid) bie Vorbilbung ber 31 t ber Hnioerfität Heber* gebenben oielfad) unsulänglicb gefunben unb baß biete fid) ju bem ©tubiren brängen, ohne bie nötbige Vefabigung unb bie erforberlid;en fOfittel ba 3 u 3 U haben. SeSbalb mirb äunädjft mieber eine Vorprüfung 3 ur Grforfdfung ber Vefabigung 3 um ©tubiren einge* führt, ba 3 U eine Gommiffion aus fämmtlidjen orbentlid)en Sebrern jebeS ©bmnafiumS unter Vorfitj eines ©eiftlicben befteHt, eine ft^riftlicfie unb müttblidje Prüfung an* georbnet, bie bei berfelben in bem Urtbeile 3 U beadjtenben ©efidjtspuncte feftgefteHt unb baS einjubaltenbe Verfahren in ber 3urüdmeifung, ober fofern fie fortfabren bie Slnftalt 3 U befucben, in Veobaditung ber unfähig erfdjienenen ©djülev borgefdivieben. §annobcr. 283 ©ie 23eftimmungen über bte SOiaturitätSprüfung gefeit bafin, baß jeber fid> berfelben unter* jiefen muß, welker fid> einem Sßerufe wibmen will, für weldjen ein brei= ober mefr* jähriger afabentifdjer ©urfuS oorgef cf rieben ift. ©in in berfelben erworbenes 3 eu 3 n *^ ber 9?eife ift itnerläßlidie ^Bedingung für bie Slnftellung Bon ©feotogen, Suriften, 9)iebi= cinern, Sefrern an föfern ©deuten, fo wie gur Srlangung ber ©octorwürbe nnb 3 U= laffung gu einem afabemifcfen Seframte. ißrüfungScommiffionen Werben angeorbnet bet ben oollftänbigen ©fmnafien, beftefenb auS ben Sefrern, bie in ben in ber Prüfung üorfommenben ©pradjen nnb Sßiffenfcfaften unterrieften, ferner bent (geiftlicfen) ©pforuS ober fonft geeigneten ©eiftlicfen, einem SDiitgtiebe beS SDtagiftratS nnb bem Äöniglicfen ©omntiffariuS, Welcher ben 93orfif füfrt. 3 U liefen SocalprüfungScommiffionen tommt nod) eine ißrüfungScommiffion auf ber Unioerfität ©öttingen unb eine ©entralprüfungS* commiffton bei bem Sfceum in fpannooer. 93 ebingung für bie 3 ulaffang gur Prüfung ift ber gweijäfrige 23efucf eines Woflgeorbneten ©fmnafiumS; jeber fat bie Prüfung bei bem (inlänbifcfen) ©fmnafium gu beftefen, welcfeS er gulefst befudjt fat; fat er feine SBorbilbung burd) fßrioatunterrieft ober auf einem auswärtigen ©fmnafium erf alten, fo fann er fid) bei bem ifm am nädjften gelegenen ©fmnafium ober bei ber ©ommiffien gu ©öttingen rnetben. ©ie -prüfung ift eine fd;rifttid)e unb münb* lidje, in ben ©pradjen, ber beutfd)en, Iateinifdjen, gried)ifd;en, frangöfifdjen — für bie ©feologen in ber f ebräifdjen, ferner in ber ©efdjidjte, ©eograpfie, -Diatfematit, ißfffif unb' Siteraturgefcficfte. ©ie fdjriftlicfe Prüfung, welcfe baS ©alent ber ©paminanben erforfdjen fott, beginnt fefon mit ber Ülnmelbung; benn baS curricnlum vitae, baS fidj über ben biS= f erigen IBilbungSgang oerbreiten foEE, muß unter Slufficft eines SefrerS angefertigt Werben. ©aSfelbe ift bann nebft ben wieftigften fd)riftlüfen Arbeiten aus bem lebten ©djuljafre im Original mit ben Sorrecturen ber Sefrer ber ©ommiffton corgulegen, bamit biefe öor* läufig ben ©tanbpunct ber fienntniffe unb SBilbung beS ©paminanben gu beurtf eilen @ele= genfeit finbet. 9luf bie ©rtfeilung beS 3 eu 9 n iff eS fnb'en biefe Arbeiten feinen unmittelbaren ©influß. ©ie fcfriftlicfe Prüfung .befteft weiter auS einem beutfdjen unb lateinifcfen Üluffaf, einer Ueberfefung auS einem fefwerern griedf. ober lat. ©cfriftfteüer nebft Snterpretation in lat. ©pradje, ber Ueberfefung eines beutfef en ©tüdeS in baS jyrangöfifcf e unb für ©feologen einer Ueberfefung eines ©tüdeS aus bem ^ebräifdjen nebft Kommentar, ber Söfung oon matfematifdjen unb pfffifalifdjen Aufgaben, ber ^Beantwortung oon fragen auS ber alten unb neuen ©efefiefte, auS ber Literatur ber ©riedien, 9tömer, ©eutfdjen unb grangofen. — ©ie münblidje Prüfung fat ben 3joeerobot, ©fucpbibeS, Xenopfon, ißlutardj, §orag, SSirgil, Sicero, SioiuS, ©acituS. Seber ©paminanb feil eine ©teile aus einem gried)ifcfen unb lateinifcfen ©id)ter unb ißrofaifer überfefen unb erflären. ffiir bie fefweren ©djriftfteller wirb unmittelbar oor cem Slnfang ber Prüfung unter Üluffidjt eine furge IBorbereitung mit bem Sepifon — alle anbern |)ülfSmittel finb auSgefd;lcffen — geftattet. ©in ©feil ber fßriifung in ben alten ©djriftftellern foß benüft werben, um bie fpäfigfeit im Sateinfpredjen 511 erproben, ©cd) wirb gu biefem 3 ® e ^ e noef ein ©ptemporale, baS oor ben Slugen ber ©ommiffion gu fdjreiben ift, gu fpülfe genommen. 3BaS nun biefe Seiftungen in ben beiben alten ©praefen betrifft, fo wirb oerlangt, bafj ber ©paminanb rieftig unb fliefenb überfege, aud) ba wo er anftofe, bie gäfigleit geige, fid) juredjt 5 U finben unb bie erworbenen Äenntniffe ju gebrauefen, baß er ben ©inn beS ©iujetnen unb ben 3 u f a mmenfang ber ©ebanfen furj unb bünbig barlege, baß er mit ber ©praefe unb ber ©rammatif fowie mit ©efcfidjte, ©eograpfie, fOtftfologie, Slltertfümern jtef oertraut geige, baß er mit einiger gertigfeit fief lateinifd; auSgu= brüden wiffe. Slud) für baS grangöfifefe wirb eine Ueberfefung auS einem claf= fifefen ©iefter unb ißrofaiter oerlangt unb geferbert, baß fragen unb Antworten frangöfifdj gegeben werben, um bie ©ewanbtfeit im SluSbrude gu erproben. 3m ©eut= 284 ■ganitobct. fdjen ift bie allgemeine ©pradjlefjre, bie Sehre bom (Stile unb bie ©efdjidjte ber Literatur ©egenftaub ber Prüfung. 3m Ijebräifdjen genügt bie Ueberfe(jung unb Ana= Itjfe eine§ bor längerer $eit gelefenen ©tüdeS. 3 n ber ©efdjidjte, ©eograßljte unb Siteraturgefdjidjte l;at bie Prüfung in bie berfdjiebenen Steile biefev llnterridjtSstreige eimsugeljen unb audj 31 t freien Gcrsäljlungen nterftrürbiger Gegebenheiten 3 U beranlafjcn. ©id)crl)eit in ber Kenntnis ber Gpodjen unb .Jpauptbegebenljeiten, in ber Eingabe ber bauten nnb SaljrSsaljlen, in ber Geurtljeilung ber tjanbelnben ißerfonen, in ber Ge= ftimmung ber fpauptquellen beS einen ober anbern 3 (iteaum§ rft 3 um Gtaßßtabe ber Gettrtljeilung 5 “ nehmen. 3n ber SKathematif trerben aus ber Arithmetif, @eo= metrie, Trigonometrie Aufgaben 311 löfen gegeben, treldje bie fdjriftlidje Prüfung nidjt berührt hat, unb ift barauf 311 fehen, ob bie nötigen Gorf'cnntttiffe in biefen ©ebieten gehörig begrünbet finb unb ob ber ©paminanb fidj mit Klarheit unb Ge= ftimmtheit ber Gegriffe in benfelbcn betregen !autt. 3n ber Ghbf'l 1 unb 9?atitrbe= fdjreibttng trirb bie Kenntnis ber Ijauptgrunbfähe unb Sintheilungen geforbert. (Jnblidj hat fidj bie Prüfung auf bie ©runbleljren ber Sieligiou unb SDtoral fotrie auf bie 9ieli= gionSgefdjidjte 31 t erftreden, lieber biefe nüinblidje ißrüfung trirb ein fehr eingeljenbeS ißro= tofolt geführt. — Gei beut Urteile über ben Srfolg ber ißrüfung unb bie Srtljeilung eine® 3euguiffeS — erfter, Streiter, britter Staffe— tommen brei Gtomente in Getradjt: 1) bie Gefdjaffenljeit ber fd)riftlid)en Arbeiten, 2 ) ber Ausfall ber ntünblidjen Prüfung, 3) ba$ 3 eugniS ber Seljrer über ben gansen triffenfdjaftlidjen ©tanbßunct bes ©eprüften. Tie sientlidj auSfiiljrlidjen Geftimntungen über bie Steffen ber 3eugniffe bürfen fitrj bahin sufammengefaßt trerben: ein 3 eu gni 8 erfter Slaffe fott erhalten, trer außer einem borsüglidjett ©ittenjeugniS, in allen ober ben meiften gädjern baS ißräbicat „borsiiglidj" ober „fehr gut' 1 , in einigen bagegen „redjt gut" erhalten hat, baS ber Streiten berfenige, treldjer bei uutabelhafter Aufführung im Sateinifdjcn unb Teutfcben, unb außerbeiti in strei ©egenftänben ettra im @ried)ifchen unb ber SJcatljeniatif, ober in ber ©efdjidjte unb fransöfifdjen ©prad;e ben Anforderungen ber erften Slaffe ent= fpridjt, alfo minbeftenS „recht gut" in biefen 3'ueigen genannt trerben fand, trährenb er in ben übrigen ben Seiftungen nadj „faßt gut" „giemlid; gut" ober mittelmäßig ift. T>aS 3 clt 9 uiS britter Staffe foCt bettt ertl;eilt trerben, gegen beffen fütlidjeS Gerhalten Strar nidjtS erljebtidjeS 311 erinnern ift, ber aber enttneber nur in einem fpauptfadje borsüglidje, in ben übrigen geringere Seiftungen, ober in allen fpauptfädjern nur mittelmäßige Kenntniffe nnb gertigfeiten nadjgetriefen hat, ber alfo enttreber in einem föadje mit „fehr gut“ „redjt gut“, in ben übrigen mit „siemlidj gut" „mittelmäßig" ober in allen mit „faßt gut" „sientlid; gut" „mittelmäßig“ präbicirt trerben fann. 3 n Sr= trägung, baß bie ©tjmnafien noch nicht überall genügenb organifirt traren, um biefen Anforberungen röllig entfpredjeu 3 U tonnen, finb bann nod) Gtobificationen geftattet, fo baß 3 . G. im ©riedjifd;en, in ber SDIatbematif, in ben Sfatuririffenfdjaften für jebe 3eugniSclaffe ettraS bon ben Slorntalforberungen nadjgelaffen trerben barf. 3ubeS ißt bieS nidjt erljeblidj. Alle h'uter ben genannten fporberungen surüdbleibenben Seißtungcn fdjließen bie Geredjtigung, ein 3 eu gni 8 ber Steife 31 t erteilen, aus. Sftit bem 3 eugniffe britter Slaffe finb bürgerliche SJadjtljeile rerbunbett, fofern baSfelbe feinen Anfprudj giebt auf Srlanguttg bon Geneficien ober bei ben Theologen auf Gefreiung bom Gtilitärbienfte. @8 bebarf nidjt ber ^intreifung barauf, baß bie gorberungen ber Gerorbnung unb 3 uftruction siemlidj Ijodj gefpannt finb, nidjt bloß, trenn man bie 3 «ßtänbe ber ©djulen in bantaliger 3eit inS Auge faßt, fonbern audj an fidj. 3nbe8 liegt bieS nicht fotrohl barin begrünbet, baß in bem einseluen fyadje 3 U biel geforbert trürbe, fonbern treil in alten fjädjern biefeiben gorberungen gefteHt trerben, treldje in ihrem rollen Umfange su erfüllen taum möglich 'ft- ®aS 3 e '3 te Jur ©enüge ber Ausfall ber Gdtfung im erften 3aljre 1830, tro bon 115 Abiturienten 23 ein 3ettgniS erfter, 36 ein foldjeS Streiter, 45 ein gleiches britter Staffe erhielten unb 11 abgetriefen ■§anno»ct. 285 würben. 3nbed fdjon im fotgenben 3a^re ftedte fidj ein günftigered 33er^attniS i;evau§, ja unter 135 ©eprüpften 23 9Jr. I., 72 dir. II., 32 9Jr. III. erhielten unb nur 8 leer audgiengen. Unb fo gieBt ftdb fortfdjreitenb eine Stnnaljerung an bie wirftidjen Bertjöltniffe bed Sehend funb, inbem bie bei weitem größere SKeljrjafyl ber drittel etaffe ein 3 eK 8 n ^ Reiter Stoffe erwirbt, bie Jperöorragenben unb bie unter ber SKittetctaffe ©teljenben in nidjt ganj gleichem Bertjättniffe wof)t nodj nidjt ben fünften Sdjeit ber gefammten ßa^t audmadjeit,' unb jur ^ltrüdweifung fidj in mandjen Satiren gar fein dlntaß finbet. Offenbar fiat mau in biefem 9?efultate einmal bie ben ©inn unb bie 3ntention ber Berorbnung bead)tenbe, nidjt am Budjftaben ftebenbe Bodjietjung ber Prüfung anjuerfennen, bie fidj bewußt bleibt, baß fie ©dwterteiftungen p erforfdjen unb ju Beurtljeüen fat, anbererfeitd aber audj bie feljr erl^eBlid^e 9fütfroirfung ber neuen 3nftitution auf bad Seben unb ©trebcn ber ©djitlen. SBätjrenb atfo bie Einführung ber fßrüfung im gaujett fjeilfam wirtte unb bie Stagen, bie fie in bem fßubticum tjerborrief, einer fdjarfen Sritil: gegenüber nidjt ©taub Ijatten fonnten, hatte man bodj in adjt Sauren Srfatjrungen genug gefammett, um bie „öortäufige" Snftructiou mit Srfotg reüibiren unb »erbeffent ju tonnen. 5Diefe 9fe»ifion natjm bad Dberfdjutcodegium cor unb überfanbte ben fßritfungdcontmiffionen ben 18 Suniud 1838 ben Entwurf ber neuen 9tebaction mit eingeljenben Erläuterungen unb 33egrünbungen ber intenbirten ütnorbnungen jur Begutadjtung. ®ie ©utadjten, welcfje in ben wefenttidjen fßuncten übereinftimmenb audgefatten Waren, batten fo Weit al'd ed bie Sönigtidje Berorbnung öom 11. ©ept. 1829 juließ, in ber neuen Suftruction »om 22. 3Jiai 1839 Berüdfidjtigung gefunben. ©urdj biefetbe würbe juerft bad ©efdjäft ber Prüfung »ereinfadjt unb erleichtert. Ed fiet nämlich aud ber fdjrifttidjen Prüfung Weg: 1) bad eurriculum vitae, beffeit Slbfaffung ben Spaminanben übertaffen würbe; 2) bie Beantwortung ber fragen aud ber ©efdjidjte, ©eograpljie unb Siteraturgefdjidjte; 3) ber Sommentar ju ber Ueberfefjung aud einem griedjifdjeit Etaffiter wirb nicht inetjr geforbert, bagegen bie 2tngabe bed ©inned unb 3 u f a mmenljanged ber »orgetegten ©teile »erlangt, atd Beweid, wie weit biefetbe »erftanbeu. 9?ur etwa ben burcfj if»re Senntnid ber ©pradjen fidj audjeidjnenbcn ©Gütern mag eine weitere Studbetjnung bei biefer Arbeit geftattet fein, wie audj, baß fie eine Ueberfe(3ung aud bem ÜDeutfdjen ind ©riedjifdje anfertigen, wenn fie Caburdj einige dränget in aubern g-ädjern audgteidjen tonnen. 4) Ed foden bie ptjtjfifatifdjen Stufgaben mit ben maitjematifdjett enger »er= einigt werben. 3n ber münbtidjen Prüfung würbe nadjgetaffen, 1) bie franjöfifdje Siteraturgefdjidjte; 2) bie griedjifdje unb römifc^e Literatur tann bei ber Epptication ber ©djriftfteller betjanbett Werben, ttjeitd um bie Scnntniffe ju prüfen, ttjeitd um ©etegen* Ijeit jum Sateinfpredjen ju bieten; 3) bie -Prüfung über bie dfaturgefdjidjte wirb nidjt mehr geforbert; 4) in ber fßhhft! werben nur bie teidjtern Stbfdjnitte berührt, außer wenn etwa ber eine ober anbere Epaminanb bitrdj audgejeidjnete Äenntniffe in ber SDiatljemati! unb fßhhf^ anberweitige fDiänget audgteidjen tarnt; 5) bie fßraparation auf fdjwierigere ©teilen ber griedjifdjen unb tateinifdjen ©djriftfteder fättt atd nidjt förbertidj weg; 6) bad lateinifdje Epteinporale braudjt nidjt metjr »or ber Eommiffion gefdjrieben ju werben, ferner aber würben bie Sortierungen an bie Epaminanben fo geftettt, baß ber Entwidetung ber inbioibueden Einlagen unb Neigungen mögtidjft freier ©pietraum getaffen Würbe. SDa^iit jiett, 1) baß bad 3 eu 3 n i s ber ^weiten Etaffe atd bad etjrenwertlje 3'^ mit gewoljntidjen Anlagen begabten, fleißigen unb treuen ©djüterd Ijingeftettt unb atd Siormatftaubpunct gefegt wirb. Ein burluß ber ßorgelegten ©chularbeiten unb baS KrgebniS ber münblidjen Prüfung. 3u biefer 3nftruction erfolgte unter bem 25. April 1849 ein 9?ad)trag, burdj metchen 1) bie Vorprüfung aufgehoben unb beftimmt mirb, baß ein Schüler, ber fid) gelehrten ©tubien mibmen miH, mit bem 15. Lebensjahre unb nach minbeftenS einjährigem 33e)ud)e einer höfmrn Lehranftalt ßon bem gefammten Lehrercollegium einer gemeinfd)aft= liehen Krmägung unb SBeurtheilung feiner Befähigung jum ©tubiren unterjogen merben foü. 2) Sin bie ©teile beS lateinifchen AuffaheS in ber 2J?aturitätSprüfung foOC eine bie gehörige Sefanntfdjaft beS 'Abiturienten mit ber lateinifchen AuSbrudsmeife befun= benbe Ueberfe(3ung auS bem ®eutfchen in baS Lateinifche treten. 3) ®ie griecfifche ©prad;e feil mieberum für alle Abiturienten einen nothmenbigen ©egenftanb ber SJiatu» ritätSprüfung bilben. (§ieburd) ift jngleid) eine 33emerfung in bem Art. ®ried)ifd)e Sprache ©. 67 berichtigt. ©. Beb.) ®iefe nadjträglichen 33eftimmungen finb bie Krgebniffe ber allgemeinen ©djulconferens, melde im §erbft 1848 in fpannoßer gehalten mürbe. ®ie •§amtobcr. 287 tefete ift eine glüanb ber Setirercotlegien. 3)ie jtoeite 33eftimmung fann nicht als eine SSefferung anerfannt »erben, »te ntan läng ft aus ber fKücfwirfung auf bie ©d;ulen »argenommen. 3 m übrigen Ijat fid; biefe je^t in Kraft fte^enbe Snftructien als 3 »ecfmäfig bewährt; bodj ift bet ber Ausführung in ber Serüdfiditigung ber befonbern unb inbicibueHen S 3 erl)ältniffe, 6 ompenfationen u. a. ,baS rechte SJiajf ju bead;ten unb bie Sntention forgfältig unb geteiffen^aft ins Auge ju faffen, »eil fonft bie ©efahr nahe liegt, bie Anforberungen auf ein ju geringes SD7aß herabgubrüden. 2) ®ie Anorbnung beS Königlichen DberfchulcoHegiumS, beffen $hätigfeit bisher fdjon me^rfad; ermähnt ift, erfolgte burd; föniglidfeS Patent ben 2 . 3uniu8 1830 unb ben 4. 3 uniu 8 trat baSfelbe in SBirffamfeit. 68 beftefjt aus einem ben S3orfifj führen» ben Dberfdjulratl), »eldjer jugleid; ©eneralinfpector fämmttid;er gelehrten ©d;ulen ift, unb ferner au 8 3 »ei ftimmführenben SKitgliebern. ©elbftänbig, allen anbern £aube 8 col= legien coorbinirt, fteht e 8 unmittelbar unter bem SJiinifterium unb hot “He bie Söefugniffe, »eiche ber 3»ed ber obern Leitung aller h°h ern UnterridjtSanftalten beS KönigreidfS in fid; fd;lieft, namentlid; 1 ) bie innern Ingelegenheiten ber ©d;ulen ju orbnen, bie Sehrplane für t>en Unterridjt feftjufteüen unb für bie Ausführung berfelbcn ju forgen, 2) bie äußern, öfonomifd;en Ingelegenheiten ju bearbeiten unb ju orbnen, bei ben töniglidjen Anft alten in ©emeinfehaft mit ben Prooincial» unb Socalbel)örben, bei ben ftäbtifdjen burch 6 ommunication mit ben SDcagiftraten, 3) bie Auffidjt über bie AuS-- führung ber erforberlid; geachteten Sftajjregeln burd) bie ben ©dfulanftalten unmittelbar oorgefegten 23el)örben innerhalb ber ©renjen ber feftgefteüten 6 innahmen= unb AuS» gaben= 6 tatS unb nach Einleitung ber beftelfenben 23er»altungSregeIn; 4) bie SBefefcung ber untern SehrerfteHen bis jur Quarta inclus. bei ben föniglic^ten Anftalten, bie 33 e= ftätigung berfelben bei ben übrigen ©d;uten. gür bie 33efehung ber obern Sehrer» unb ®irector»©teUen hat baSfelbe bei ben töniglichen Anftalten bem SJtinifterium bie geeigneten Perfonen in S3orfd;lag ju bringen, bei ben ftäbtifchen nad; 6 ommunication mit ben -Patronen biefelben jur SBeftätigung ju präfentiren; 5) bie Auffid;t über bie Sehrmethobe unb bas 23enehmen ber Selfrer; 6 ) bie grage über bie ettoaige Urnge» ftaltung einer ©dmle in ein ©hmnafium, proghnutafium, höh ere 33ürgerfdutle ju unter» fud;en unb jur 6 ntfd;eibung an baS SJiinifterium ju bringen; 7) bie Auffidjt über bie Ausführung ber 2Jtaturität8=PrüfungSorbnung. SaS Dberfdjulcollegium bilbet bemnad; ben Sftittelpunct, bie eigentlidje 6 entral= behörbe für baS gefammte l»h ere ©d)ul»efen. ÜDie 6 in»irfung beSfelben auf ben Unterricht fei im golgenben angebeutet. Um bie Ueberjeugung 31 t gewinnen, »ie bie 35orfdjriften für bie Prüfung jur Ausführung fomnten unb um immer mehr eine gleich» artige Ausführung berfelben herbeijuführen, befteht bie gorberung: 1 ) baß bie Acten jeber Prüfung an baS Dberfdjulcollegium eingefanbt »erben feilen, 2) baß berSectionS» plan — halbjährlich ober jäljrlidj — 3 ur ©enehmigung oorgelegt »erbe. jDaju tommt bann »eiter 3) bie 3ufpection ber ©djulen burd; ben ©eneralinfpector fäprlicf), ober alle 3 »et 3ahr. Qaburdj »irb ©elegenheit gegeben, ben QrganiSmuS jeber Anftalt in feiner Sdjätigteit 3 U beobadjten, baS SBirfen unb ©djaffen ber Sefjrenben lennen 3 U lernen, bie grüchte beS Unterrichts unb ber 3 U( *)t mit Augen 3 U fehen. Sie 6 rin= nerungen unb Semerfungen, 3 U »eichen eine folche bie Aufgabe ber Anftalt fdjarf ins Auge faffenbe 3nfpection SSeranlaffung giebt, tonnen nur belebenb unb anregenb »irten, 3 umal ba Anertennung nirgenbS fehlt, »0 irgenb ©runb baju oorljanben ift. Surd) biefen lebenbigen Slerteljr gewinnt bie 33et)örbe bie genanefie Kenntnis öon ber Perfön» lidjteü febeS SeljrerS, burch tiefen ift fie in ben ©taub gefegt 3 U beurteilen, an welcher ©teile er änt meiften 3 U »irten oermag. Unb eben nach biefem ©efidjtspuncte einem 288 Jponnobct. jeben feinen -ßla^ ju geben itnb Sftaunt für fein SBirlen ju fdwffen, barauf ift bad 316= fetten ber Veljörbe gerietet. 3) Ser ©runbgebanle, auf beffen Vermirflidjung baS Dbcrfd)ulcolIegium non 2In= fang an S3ebad?t genommen hat, ber nämlid), einen 8 eljrerftanb ju geminnen, ber ebenfo miffenfdjafttid) tüd)tig mie non ber Vebeutung feiner I;oben Slufgabe lebenbig burd)= brungen märe, mad)t e§ notfjmenbig gleidj l;ier an 3 ufd)ließen, ma 8 nad) biefer ©eite hin gefd)el)en ift. Sie ^pftangfd)ule, au§ ber Sefyrer fjercorge^en tonnten, mar jmar in bem ^£>iIo=f logifdjen ©eminar oorhanben; aber bei ben nidjt ernumternben 9lu8fid)ten, meld)e ba§ ©d)ulmefen bot, fanben fid) Snlänber, mie 3 U ©eönerö nnb §et)ne’ö ßeiten, nodj immer in geringer Stnjal)!, meld)e fid> norjugSmeife ober gar auSfdjließlid) hhilologifdjen ©tubien mibmen mod)ten. @8 tarn alfo baraitf an, ba§ ©eminar feiner Stiftung ge= maß ju gebrauchen unb ben barin ©ebilbeten fidjere 9lu8fid)t auf eine lofmenbe 2 auf= bal;n 31 t eröffnen. 2)ie8 gefd)al) burd) bie ÄBuiglidje Verorbnung nom 22. Slpril 1831 über bie (Einführung ber Prüfung ber ßanbibaten beS t)BI;ern SehrfadjeS unb bie unter bem 17. SJtai 1831 3 ur Ausführung biefer Verorbnung ertafjene Snftruction. ($8 mirb babnrd) eine miffenfdjaftlidje ißrüfungScommiffion in ©öttingen angeorbnet, in meldjer ade f^adjer, in bcnen fid) ber fünftige Lehrer an ^öfiern ©djulanftalten be 8 Äöitigreid )8 prüfen laffen tann, oertreten finb, ißhiiofohhm unb f|3äbagogif, ctaffifdje ^iiologie, beutfdje ©pradje unb Literatur, bie t)iftorifd)en VSiffenfdjaften, bie 3ftatl;e= matif unb bie iftaturmiffenfdjaften, bie fmoteftantifdje Geologie nebft ber Ijebräifdjen ©fmadje, enbüd) bie ueitern ©fmad)en. DIfne auf bie fforberungen biefer Prüfung, für meiere eine reoibirte Snftruction ben 14. gdm- 1853 erlaffen mürbe, Ijier ein 3 ugel)en, bemerfen mir nur, baß jeber, meldjer biefelbe beftanben, Antoartfdjaft auf eine 2 In= fteKung an einer fyöfyern Slnftalt erhielt unb bemnadj burd) biefelbe eine georbnete £auf= bal)n, mie in anbern 3 b>eigen be 8 ©taatSbienfieS eröffnet mürbe. SGBie bamit ber 333 eg in ba 8 Sel)ramt gemiefen mar, fo mar man audj balb barauf bebad)t, bie äftöglidjfeit 3 ur ^raftifdjen 21u§bitbung für baSfelbe 3 U fdjaffen. 3)ie8 gefdjaf) burd) bie ©rünbung be 8 foäbagogifdjen ©eminarS in ©öttingen. ®8 erhielt baburd) ein ©ebante feine Vermirflidjung, ber fdton, mie mir oben bemertt, in bem ©tatut über bie ©riinbung beS f^ilologifdjen ©eminarS auSgefprodjen unb mieberl)clt, nantentlid) in ben fpannoo. gelehrten Anjeigen •— 26 ©t. 1751 — in Anregung ge= gebrad)t mar. 3?ad)bem fd)on feit 1838 einjetne Sanbibaten beS ©d)ulamt 8 unter @e= mäljrung einer Unterftüf 3 ung fid) an bem ©tjmnafium 3 U ©öttingen, unter Auffidjt beS Sirector 8 , in ber Sehrtljätigfeit ju oerfudjen ©elegenljeit gefunben, mürbe 1842 ba 8 ©eminar gegrünbet unb bie prooiforifdjen ©tatuten unter bem 27. gebr. 1846 feftgeftcKt itnb fntblicirt. S 8 jerfätlt baSfelbe in gmei Abteilungen, ®ie erfte liegt innerl)alb ber afabemifdjen ©tubienjeit unb fteljt unter einem orbentlidjen fßrofeffor. Sa biefelbe als eine gortfeßung be 8 f.^itologifd)en ©eminarS 6 etrad)tet mtrb, fo haben 3 unäd)ft foldje Anmartfdjaft auf Aufnahme in biefelbe, meldie bie gefejslidjen 3 mei Saljre SD?ttglieber in jenem gemefen finb unb fid) burd) iljr ©treben in jeber SSejiehvtng empfohlen Ijaben; fobann auch folche Snlänber, meldje menigftenS brei 3aljre lairg auf llnioerfitäten fold)en SBiffenfdjaften mit Srfolg ftdj gemibmet, meldje 3 ur Vorbereitung auf ba 8 höh ere Sehrfad) bienen. Ser Sirigent h^U iljnen in 2 —4 ©tunben mödjent* lid) Vorträge über bie ©efdjidjte be§ ©d)utmefen§ unb ba§ ©ebiet ber ©hmnaftalhäta» gogi! ober läßt eigne Ülbljaublungen fäbagogifchen 3 nf)alt 8 öertl)eibigen, fyrageu aus bemfelbcn ©ebiete beautmorten, Slritifen über bie einfdjlagenbe Literatur geben u. a. Sabei ift bie 2lbfid)t, baß fie fonft ihre 3ei* 5 u r SSeröolIfotttmnung unb ülbrunbung il)rer miffenfdjaftlidjeu Vilbuug nermenben; bie 3“^ ^ er 50filglieber ift auf fed )8 unb bie ber ®auer ber S)iitgliebfd)aft auf ein 3 at)r feftgefteüt; erft am ©djluffe beäfelben ift bie 3 i>Iaffung 3 U ber miffenfdjaftlidien Prüfung geftattet; jebed DJfitglieb erhält jätmlidj ein ©tifjenbiunt non 65 Sl)lr. unb einen greitifch im Vetrage non 50 Sl)^ r - •£>amtober. 289 ©ie gtoeitc Rbtheilung leitet ber ©irector beS ©hmnafiumg. ©ie befteht aug Bier Rlitgliebern, welche in ber SftegeX an ben Hebungen ber erften SIbtheilung ©fyeit ge* nontmen haben; außerbem fotlen fie bie hjiffenfdjaftlidje Prüfung fo beftanben haben, baß fie tn einem ^jauptfadje beg ©hmnafialunterrichtg für alle Klaffen befähigt befunben Worben finb. 2öie bie SRitglieber ber erften älbttjeilung bem Kuratorium präfentirt unb beftättgt werben, fo geht ber borfdjlag für biefe §meite an bag Dberfdjulcollegium, an meldjeg am ©d;luffe febeg ©emefterg über bie Seiftungen ber SRitglieber beriefet ju er* ftatten ift. ©ie Rttfgabe ift hier eine hoppelte, praftifdje Rugbilbung unb theoretifdje SBeiterbilbung. fpür ben erften ßtoed toirb febem Kanbibaten in ben untern unb mitttern Klaffen beg ©pmnaftumg eine ßa^I oon ©tunben, 12 —14 wöchentlich übertoiefen, in benen fie itad) jnoor gegebenen Rnbeutungen über ßiel unb SRetpobe beg Unter* rid)tggmeigg felbftänbig gu unterridjten haben; bem ^Weiten bienen Rbfeanblungen junädjft über bie Bon ifmen beljanbelten ©egenftänbe, fobann weiter über anbere bibattifcfye unb päbagogifdje fragen, Sritilen unb Relationen über ©djulbüdfer unb anbere ©driften, Wetdje bie h opern Sehranft alten in ber einen unb anbern SBeife berühren, ©ie S3er= panblungen hierüber, fotoie aud) über ben Unterridjt ber Kanbibaten — fo weit eg nicht nötfyig mit jebern befonberg barüber ju reben — faden in bie Konferenjen, bie lebiglid) 31 t biefem 3toed mit ben SRitgliebern biefer Rbtpeilung wöd)entlid) gehalten Werben, ©ie ©auer ber ÜDlitgliebfdjaft beträgt in ber Regel gwei 3ahr. ©ad bene* ficium befteht in einem ©tipenbium oon 100 ©tylr. unb einem greitifd) im Söertlje Bon 50 ©^ r - ®* e Kanbibaten, weldje auf biefem SBege fiep praftifd; augsuweifen leine ©elegenfyeit gefunben, haben an einer Rnftalt beg Sanbeg ein ^Probejahr 3 U befte^en. Reben biefen Rnftalten ift bag für benfelben * m Sapr 1850 gegrünbete mathematifr in Sejieljung auf bie $3erhaltniffe ber ©d)ule gegeben »erben, lehntid)e 33efugniffe hat biefe Gommiffion bet einigen ftäotifdjen ©djulen, inbem fie mit bem Dberfdjukodegium 33erhanblung führt, aber in ber einen ober anbern f>infid}t einen befd)ränftern @efcf)äftdfreid hat. ^Dagegen giebt ed in anbern ©täbten folcfje Gommiffionen, bie lebiglicE) bie lufgabe haben, bie öorfomtnenben Ingelegenbeiten ju prüfen, ju begutachten unb baburd) ben 33efd)lüffen ber lßatronatdbel)örbe oorjuarbeiten. günf ©pmnafien unb oier ‘’ßroghmnaften haben biefe Socalfdjul&efjörbe gar nid)t. ®ie unmittelbare Leitung ber Schulen ift ©ad)e ber ®irectoren — an ben @b m= nafien, ber 9iectoren — an ben Ißrogpmnafien. 2öad bie Gompetenj berfelben be= trifft, fo fehlt ed jwar für biefelbe an einer genauen Uutgrenjung burd) eine befcnbere, für alle Inhalten ©eltung habenbe 3nftruction — nur einzelne Seljrercodegien haben eine folc^e —; äunadjft aber bringt ed bad SSefen ber (Stellung toie bad fperfommen mit fid), baß fie bie ganje Inftalt nad) außen gu üertreten unb ben 2$ertel)r mit ben ©Item ber Söfl^nge ju oermitteln haben. ®ie tßerhanblungen unb Gorrefponbenjen, Weldje öon ©eiten ber Inftalt mit ben 33 el) orten ju führen finb, liegen in ihrer §anb. ©obann wirb oon ihnen geforbert, baß fie ftetd bie ganje Inftalt oor lugen haben, fomoht hi n fid)tlich bed llnterrichtd ald ber Grjiehung unb 3ud)t. 3Me Inorbnung unb SJertheilung bed Unterridjtd in bem oon bem Dberfd)ulcodegium ju genehmigenben Sec= tiondplane, fo wie bie ©orge für bie pünctlidje ludführung ber Selfrpenfa, ber 23efudj ber Unterrichtdftunben ber übrigen Lehrer, namentlid) ber Jüngern, (Einführung neuer Seljrer, Ibfaffung ber ßeugniffe u. a., finb in biefer SBejiehung befonberd ju erwähnen, ©efehlid) haben fie nach einem ludfdjreiben bed Dberfdjulcodegiumd oom 14 . 9ioo. 1831, in Welchem bie ©egenftänbe unb bie Storni für bie 23eratl)ungen bed Godegiumd Oorgegeidjnet finb, jeben SRonat bie Sehrer ju einer Gonferenj gu berufen, in wetd;er aUed in 33eratl)ung gejogen wirb, Wad bad 333ol)t ber Inftalt irgenbwie betrifft. ®aß aber bie mandjerlei ©egenftänbe (gleiß unb gortfdjritte ber (Schüler, ihr fittlidjed Verhalten in unb außer ber©djule, erheblid)ere®idciplinarfäde, Genfuren, ®randlocationen,Prüfungen, Sehrcurfe, -üJtethobe bed Unterridjtd, allgemeine päbagogijdje gragen, ber gemeinfame Sefecirtel oon 3eitfdjriften, bie Ingelegenheiten ber 23ibIiotl)ef u. a.), welche eine ge= meinfame Ueberlegung erforbern, bie Sehrer öfter ju Gonferenjen äufammenführen wer= ben, ift natürlich nid)t audgefchloffen , wirb oielmehr üoraudgefefct. ®enn wie auf bad einträdjtige 3ufammen»irten, fo wirb auf bie gemeinfame, auf bad ©ebenen aller map= ren Sntereffen ber Inftalt gerichtete Ueberlegung unb S3erafljung ber imGodegiitm oer= einten Sehrer befonbered @ewid)t gelegt. ®er ®irigent fod bad 2Bol)l ber Inftalt im luge behaltenb in feiner Sphäre ald greunb in mögtiepfter Uebereinftimmung mit feinen Godegen haubein, biefe foden ihm eben fo wohlwottenb unb bereitwillig entgegenfommen. ®ie Genferengbefd)liiffe, wie fie oon ber ÜKajorität gefaßt finb, finb für ade DJtitglieter bed Gotlegiumd binbenb; nur ber ®irector barf bie ludführung beffen, Wad nad) feiner geWiffenhaften Ueberjeugung nachtheilig ift, oerfd)ieben ober, wo ber lugenblicf ju I)an= beln erforbert, nad) eigenem Grmeffen oerfahren unb haben bie Sehrer, biö eine Gnt= fdjeibung bed 0berfd)ulcodegiumd erfolgt, ben gefaßten Inorbnungen golge ju leiftctt.. ®iefelbe ®enbenj, bie lufgabe ber Sel)ranftalt burd) einträdjtiged, foWeit möglich, har= monirenbed 3ufammenwirfen ju förbern, fpric^t fid) in ber unter bem 4 . ®ec. 1833 oon bem Oberfdjulcodegium erlaffenen Snftruction für bie Glaffenorbinarien aud. ®er Glaffen» lehrer ober Drbinariud, ber in feiner Glaffe burd) bie 3ahl unb bad ©ewidjt ber Unter- rid)tdftunben, — wo möglich fod ber Unterricht in ber Religion, im ®eutfd)en, in ber ©efd)id)te unb ber größere ®beil ber lateinifdjen unb griedjifchen ©tnnben in feiner ^annoocr. 291 £>anb bereinigt fein — ben entfcpiebenfien Sinfluß pat, ift als Specialbirector berfelben für bie »ijfenfdjaftlidje unb fittlic^e Haftung ber Sdjüler junadjft oerantmorttidj; an ifyn finb bie Sd)üler, mo fte Dath fucpeu, juerft gemiefeit unb and) außerhalb ber Sdjule feiner 2luffid)t übergeben; er Ijat, fo oft eS nötpig Wirb, mit benfRebenlefyrern unb bem ©irector über SSefonbereS mie 2ldgemeine8, ba 8 bie CElaffe betrifft, Düdfpradje jn nep= men, in Sonferenjen über biefelbe $u referiren unb Anträge ju machen, mit ben Sltern ber Stüter, wenn baju Seraulaffung borliegt, fiep in 8 ^Benehmen ju fepen, bie Sen* furen nadj ben Dfittheilungen ber übrigen Seprer auSjufertigen, in borfomtnenben gäßen r mie bei ber Prüfung ber anfommenben Scpüler, bei Dbfaffung bon geugniffen n. a. ben ®irector ju bertreten. Did)ten mir ben S3lid auf bie gelehrten Sd)ulen felbft, fo finb biefelben tpeilS föniglicpe (10), tpeilS ftäbtifdpe (16), tpeilS fotctje (2), meldje auf fircpticpen Stif= tungen berupenb bi 8 ju einem gemißen ©rabe bifcpöflicpen Patronaten unterftepen. SnbeS bernpen jene mie biefe auf Stiftungen au 8 bem 3 e ' ta ^ et Deformation: bie ©üter ber Rlöfter unb fircptidjeu Stiftungen bilben bie ©runblage ber Dotation bei beiben. Sei jenen finb jene ©üter in ber Siegel mepr mie auSreicpenb; bei ben ftäbiifcpen genügen biefe Stiftungen, menigftenS in iprent gegenmartigen Seftanbe, nicpt immer. ©8 paben beSpalb manche Stabte einen ®peü ber Roften, meldje bie Unter* Haltung beS ©pmnafiumS ober progpmnafiumS berurfadjt, auf bie Stabtcaffe über* nehmen mäßen; ein anberer Speil toirb burdj ben Srtrag be 8 — in ber neuern ßeit erpöpten— ScpttlgelbeS gebed't; enblid) fommen ju biefem adern gufdjüffe — nacp bem £anbe 8 =Serfaffung 8 =@efej 3 — au 8 bem allgemeinen RlofterfonbS, unb ba biefe nod) nid)t «uSreidpen, finb feit 1846 auf Antrag ber Degierung bon ber allgemeinen Stänbeber* fatnmlung für bie Srmeiterung be 8 DealunterricptS, für Serbefferung ber Sefolbungen ber £eprer, für Penfionen, für Surnunterridjt erhebliche Summen bemidigt. Sßäprenb ölfo 10 Slnftalten non bem Staate unterhalten merben — au 8 ben bafür borpanbenen Stiftungen mit fpinjitnapme beS SdjulgelbeS —, finb bie übrigen junadpft auf bie Drittel ber ftäbtifdjen ©emeinben — Stiftungen u. a. gufcpüffe ber Rämmerei mit Inbegriff be 8 S(hulgelbertrage 8 angemiefen; unb nur fofern biefe nicht au 8 reicpen, fommen erft bie $ufd)üffe be 8 Staats, au 8 bem allgemeinen RlofterfonbS unb au 8 ber SanbeSfaffe in grage. ®ie Slnftalten paben in ber Deget itjre befonbere Raffe, in meldje bie für iljre Unterhaltung erforberlidjen Oelber jufammenfließen. ®ie Serloaltung pat hei ben fönig* liehen Slnftalten gemöpntid) ein Denbant neben anbern ©efepaften, in ben Stabten ber Raffenbeamte be 8 DtagiftratS. III. 2) i e £>auptpuncte ber Sdjulftatiftif. 2öie oben bemerft, gab e 8 bis 1830 nur eine 2trt gelehrter Schulen, unter berfd)iebenen Damen, ©pmnafium, £pceum, päbagogiunt, lateinifdje.ScpuIen. ®er Unterfdjieb beftanb in ber größeren ober geringeren $apl ber Seprer unb ber bamit in ber Deget, jebod) nicht immer, jufamtnen* hängenben ©ifferenj ber Stiftungen. Sine peilfame ülenberung mürbe fd)on burd; bie Röniglidje Serorbnung über bie PtaturitätSprüfung üom 11 . Sept. 1829 in 2Iu8fid)t gefteßt, in ber Sßeife, baß bie gelehrten Schulen in jmei Staffen geteilt merben fodteiv fotdje, metche ihre Sd)üler jur Unioerfität »oKftanbig oorbereiteten unb mit einem DiaturitätSäeugniffe entließen, unb foldje, melihe mit ihren DJitteln unb Rräften bieS nid)t ju leiften im Staube mären. Seite mürben ©pmnafien, biefe proghmnafieu ge= nannt. ®iefe Sljeitung mürbe burd; Sefauntmachung be 8 Rönigl. RabinetSminifteriumS »om 8 . S)ecemb. 1829 »oHjogeit. ©anad; fielen in bie erfte Slaffe: 1) bie Ditter= afabemie ju Süneburg, 2) ba 8 pübagogium $u Stfelb (föniglid)), 3) baS Spceurn ju fpannober, 4) baS ©pinnafium ju ©öttingen, 5) ©pmnaf. Inbreanum (lutl;erifpen (fat^oltfd^), graben, SUtünben, Öfterobe, 9?prtljeim ltnb glaudthat blieb ed »eiterer Prüfung unb grmagung Oorbeljalten, ob fie ald^tjmnafien ober atd fßrogtjmnafien angefeljen »erben {ollten. $on biefen »urbe bie ©djute ju Singen (fiiniglidj), SOte^en (fönigticQ) unb glaudtljal nadj j»ei unb bie ju graben (jeljt fonigtidj) nadj fedjd Satiren ju ©tjmnafien erhoben; ed hefteten alfo, ba bie SRitterafabemie in Süneburg 1849 aufgehoben ift, jefet 16 ootlftänbige ©tjmnafien. ®ie brei Inftalten ju SRünben, Northeim unb Dfterobe traten in bie gloeite glaffe. 2 Itd fprogtjmnafien »urben fogleidj bejeidjnet: 1 ) bie lateintfcfie ©djule ju SDuberftabt (fat^o= lifdj), 2) bie gelehrte ©djule ju ginbed, 3) bie lateinifdje ©djule jn ©odtar, 4) bie ©tabtfdjule ju Jameln, 5) bie ©djule ju Marburg, 6 ) bie lateinifdie ©djule ju Seer, 7 ) bie ©tabtfdjule ju Stienburg (je§t töniglidj), 8 ) bie lateinifdje ©djule ju Serben (fonigtidj), 9) bie geteerte ©djute ju Dtternborf, ferner 10) bie tat. ©djule ju 33uyte= hübe, 11) bie ju gfend, 12) bie ju SBittmunb, 13) bie ©tabtfdjule ju Ueljen. ©iefe cier testen ftnb aber batb fetbft aud ber 3 a f>t bst fßroghmuaften ausgefallen unb ge= •»cljnlidje, unter bem gonfiftorie ftetjenbe SBürgerfdjuten ge»orben, »ie anbere, »eiche atd gelehrte ©djuten angefeljen »aren, »ie bie 51 t getterfetb, gtbingerobe, Sttoringen, gtbagfen, )peine, Südjo», 23arbe»id, ÜDannenberg, SBatdrobe, Sßinfen an ber Sulje, üßunftorf, Slttenbrudj. — : gd üerbteiben bedhalb ber höh ern ftäbtifdjen ©d)ulen ober 93rogijmnafien 12. 3)ie fpäter Ijinjugefontmene ju Duacfenbrücf ift »ieber aufgehoben. 9?eben biefen beiben 21 rtcn üon ©djulen miijjen mir h»r fogleidj ber 9?eat= fdjuten gebenten, »eit fie mit benfetben in ber nädjften SBerbinbung flehen, gd finb, um ben oielbeutigen Dlamen näher ju beftimiuen, btejenigen Slnftalten gemeint, »eldje einerfeitd ben 23ebürfniffen berjenigeit, bie eine allgemeine, über bie 23olfd= fdjule h*naudgeheube Sßilbung für bad fpraftifdje Seben fudjett, entgegentommen, unb anbererfeitd, »ie bad ©tjmnafium für bie llniüerfität, fo für eine gndjfdjule — §orft=, 23erg=, Äriegd», §anbeld=, fralijtedjnifche ©djute — bie allgemeine 33orbilbung geben, ©oldje fehlten bid in bie neuefte 3 e >t ganj, fo lebhaft man and) über bie 9(otlj»enbigfeit biefelben 3 U erridjten fdjott in ber jtoeiten §älfte bed hörigen 3 aljr= Ijunbertd gerebet unb gefdjrieben Ijatte; bie Aufgabe berfeiben mufften bie ©tjmnafien mit übernehmen, inbem fie ent»eber bic „9tealiften" an allem Unterridjte ber ©tubirenben tljeilnehmen liefen, ober ihnen and), »enn ed bie Sehkräfte erlaitbten, unter ®idfien= fation Oon bem ©riedjifdjen, befonbern Unterridjt im gngtifdjen, granjöfifdjen, im fRedjnen unb in ber SRatljematif ertheitten. Slber bie längft »argenommene Unjulang= lidjfeit biefed 23ilbuugSganged offenbarte fid) befonberd bei ben ©djülern, »eldje fid) nidjt 3 e ^ nehmen tonnten ober »otlten, einigermaßen 51 t einem Stbfdjlujf in iljrer 23it= tung gu gelangen, ©iefe SSarneljmung führte junäe Unter* rieht ift basu oft nid)t auSreid)enb. ■ßrioatinftitute giebt eS an manchen Drten mit einer nicht geringen 3al)i *wit ©djitlern unb Sel)rern, jebod) läßt fid) nid)tS genaueres barüber angeben. ©iefe 91n= ftalten finb fid) felbft überlaffen, ba eS gefeljlidje Seftimmungeu barüber nicht giebt^ nur baS ©efejj über baS Sollsfdmlwefen »011t 26. SJtai 1845 enthält §. 7 unb 8 foldje für bie ber Sollsfcfjule angehörenben ©egenftänbe. Slußer ben ©hnutafien, Ißroghm* nafien unb ben mit ben erften »erbuttbeuen Sfealclaffcn giebt eS leine Slnftaltcn, bie hier in Setradjt 3U 3iel)en Wären. UcbergangSanftalten jWifd)eu bem @t)muafium nub ber Unioerfität finb überall nicht »orl)anben. ©ie 3 a hl ber Ipauptleljrer an fämmtlid)cn Sehranftalten beträgt gegenwärtig 240, bie ber fpülfslehrer 51; ba»ott fommen auf bie eBangelifdjen ©hmnafieu 144 unb 29, auf bie fatl)olifd)en 31 unb 7, auf bie fßroghmnaftcit 65 unb 15. 9lid)t »erWenbete SeljramtScanbibaten finb fegt außer ben SDtitgliebern beS päbagogifdjeit ©eminarS nur jwei »orhanben. 3m lebten 3al)re finb etwa 12 hingugelommeti. ®ie 3ai)l ber ©d)üler in ©pmnafien unb ^3rogl)ntnafien ift, itt bem Halbjahre »on SDtidjaeliS 1859 bis Dftern 1860, 5546 — bei einer SinWehneqal)! beS SanbeS- »on 1,800,000 — in jenen allein 3677, in biefeit — mit Einfd)luß ber h»h ern 23in= gerfdjule in §anno»er mit 402 ©d)ü[ent unb mit 2luSfd)luß ber »on ©uberftabt, »on weldjcr leine Ingaben »erliegen — 1869. Sie brei latl)oIifd)en @t)mnafien hatten. 3ufammen 485 ©djüler. lieber bie nidjt große 3af)l Ce» reformirteu unb bie nod) ge* ringere ber iSraelitifhen ©d)iller läßt fich nidjtS näheres berid)ten. ©ie obern beiben 294 •öannobcr. ©taffen alter ©pmnaften paben jept 624 ©dfilter. Sn ben mit ben ©pntnafien ber* bunbeneit befonbern 9ieatctaffen ftnb fegt 577 ©cpüter, 95 in ber berSecunda gteic^= ftepenben erften ©taffe. Sie 2)?aturitätSpriifung paben im 3apr 1859 132 Abituriem ten beftanben, 61 aus betit ©tanbe ber ©eteprten unb Beamten, 70 aus bem ber ©nutbbefiper, Bürger, ©etterbetreibenben u. a., 1 auS bem ÜDfilitärftanbe; ber eoange= lifdjen ©cnfeffieu gehörten an 102, bagu tarnen 29 Jlatpolifen, 1 3Sraetit. Siefe33 e beS „9fäprftaubeS" ein. Ser ©efantmtauftoanb für bie ©pntnafien unb ^rogpinnafiett beträgt in runber ©urnrne . . 198,600 Spater, näntlid) 1) aus ber ftgt. Ätofterfaffe . . 22,000 „ 2) aus ber @enerat= unb Ägt. Äaffe 46,900 „ 3) ©cpulgelb. 71,000 „ 4) Socatmittet. 58,700 „ Riebet ift gu bemerfen, bajj baS ißrogpntnafium in Suberftabt »egen feiner befon= bem Berpältniffe unb aud) bie pöpere Bürgerfd;ute nebft ber Boirute beS SpceuntS mit einem ©tat bon cttba 9500 Sptr. uid;t in Betradft gegogen ift, folbie aud) baß tnandje nid)t unerpebtidje fßbften in ber borftepenbett Summe itid;t begriffen ftnb, »eit bet ntandjeit Anftatten allgemeine Ausgaben »ie für Abminiftration, Anfdjaffung bon Uteit= fitien, Bautid)t'eiten, Neigung ber Seprgimmer, ©djutbiener u. a. nid)t in bem ©djutetat aufgefiiprt »erben. Ser Betrag beS ©d;utgetbeS für bie ©ingetnen erreicht burd)fd)nitttid) bie ©umiuc bon 12 4 / 6 Sptr. japrtid). Bei bent ißabagogium in Stfetb finb aus bem ©tiftSbermögen 16 gange unb 8 patbe greiftefiett funbirt; »äprenb bie AuStanber jept japrtid) 250, bie Sntänber 200 Später für Söopnuug, fpeigung, 5DfittagS= unb Abenbtifd; unb grüpftüd fo »ie aud) für Unterricht entrid)ten, pat ber Beneficiat nur einen geringen Beitrag für ben öffent= Iid;eit Unterridft unb baS gnipftiicf gu erlegen, ber fpalbbeneficiat 100 Spater. Aufjer= bem pat bie 9fegicrung für Angehörige ber fßrebing Sünebitrg, »etd)e eine pöpere ©djute biefer fßrooing befitdjett, 12 ©tipenbien bon 68 Spätem japrtid; gu berteipen. Sanebeirpat bie 9titterfd)aft biefer ißrobiitg einen ©tipenbienfonbS bon 100,000 Sptr. für Angehörige biefer 9fitterfd;aft. 3tt Berben giebt eS eine Angapt bon ©tipenbien, »etd;e bon bem SDberfdjutcottegium oertiepen »erben. Bei bem Anbreanum in fpitbeS= peim giebt eS fog. ©urrenbebeneficieit, »etd;e auf Borfd;lag beS SirectorS be»ittigt »erben. 3n 9?orbeit »erben einige ©tipenbien in ber gönn bon ©d;utgclbertaffen eben» falls aufBorfd)Iag beSDJectorS bergeben. Abgefepen bon biefen ©tiftungen giebt eS pie unb ba ttod) mandje Beneficien für bebürftige ©d)üter, bie im allgemeinen gtt er»äp= neu genügen mag. barf benterft »erben, baß ©djutgelbSbefreiungen bei atten Anftatten borfommen. IV. Heber bie innere Drbttung ber © dp u I e ift int borauS gu be= inerten, bag in ber ©eftattuug berfetben bei aller ©inpeit in bem 2Befentlid)en ben ört= lid;en unb befonbern Berpättniffen jeber Anftatt ipre Bcred;tigung gugeftanben »irb. §annooet. 295 ®eStyatb f»errfd)t barin nictyt eine äußere Einheit ober Sinformigfeit, fonbern man trifft nt an d; er t ei 33erfd)iebentyeiten unb StbWeidjungen ber einen Sd)ute Oon ber anbern. 2Bäty= renb 5 . 33. bie ©pnmafien ade ityre 6 Staffen tyaben, madjt tyie unb ba bie grequenj bie Leitung berfetben, ober ber einen unb anbern berfetben, in eine obere unb untere Slbttyeilung nottywenbig, met)r freilich für bie untere unb mittlere Stufe als für bie obere. ®aS fityceunt ju §annooer als reineS ©tymnafium tyat 9 Staffen, febe mit einem einjährigen SurfuS, außer ber 33orfdjule; baS fßäbagogium ju Slfetb tyat 4 Staffen unb nimmt feine Sdjüler erft mit bem 14. Satire auf. Sine Weitere 33erfd)iebentyeit entfielt burd) baS Stufnetymen einer 33orfdritte als eines integrirenben oter WenigftenS engoerbun= betten ®tyeitS beS ©tymnafiumS; ber Umfang berfetben ift ebenfalls ungteid), infofern an manchen Drten eine SSorbereitungSctaffe, an anbern eine jweite unb fetbft eine britte fid) finbet. 3tuf biefe Uuterfd)iebe fei ein für atte mat tyingewiefen, wir fönnen fie bei ber Stbftufung beS Unterrid)tS nid)t weiter berüdfid)tigen, fonbern Werben immer nur baS burd)fd)nitttictye 5DSaß ber 6 Staffen fefttyatten. 2öaS nun juerft baS 3ttter betrifft, in bem bie Sdjüler in bie Setyranftatt eintreten, fo ift baSfelbe oerfdjieben, je nadjbem eine Sßorfcfjule oortyanben ift, unb je nadjbem bte= fetbe aus einer, jwei ober brei Staffen beftetyt, unb beträgt bemnadj im allgemeinen 6 , 7 unb 8 Satyr. ^Dagegen ift baS normale Sitter für bie unterfte Stufe beS @tymna= ftttntS, bie Sexta, oon 9 Satyren angenommen, bie ®auer beS ganjen SurfuS im ®tym= nafium ebenfalls ju 9 Satyren, Oon benen auf bie Staffen Sexta, Quinta unb Quarta je ein, auf Tertia, Secunda, Prima je jwei Satyre falten, fo baff ber Slbgang jur Unioer= fität mit bem oottenbeten 18. SebenSjatyre ftatttyaben fann. ®ieS ift aud) bei benen, wetctye baS ©tymnafium oon Stnfang an in geregelter SBeife befuctyen unb benütsen, ber galt; bei benjenigen jebodj, wetdje auS fßrioatunterridjt in bie mitttern Staffen eintre= ten, jietyt fidt ber Slbgang Wotyt in baS 19. unb 20. Satyr tyinauS, aber nur in außer= orbentlidjen gälten notty Weiter. 33ei ber Stufnatyme in bie Sexta wirb geforbert ger= tigteit im S?efen beutfdjer unb tateiiüfdjer ®rudfdjrift,j einige Uebung ein ®ictat otyne grobe orttyograptyifdje getyter nad) 3 ufdjreiben, gertigteit im 9tedjnen ber oier Specks, 33etanntfd)aft mit ber bibtifctyen @efd)idjte. ®ie SSerfetyung auS einer Staffe finbet bet ber SDtetyrjatyl ber Sdjüler tyatbjätyrtidj ftatt; benn fo wünfctycnSWertty eS fein Würbe, biefetbe nur einmal im Satyr oorjunetymen, fo läßt ftdj bieS bocty nidjt fo, wie bei bem Styceum in fpannober ber galt ift, überall burd)fütyren, ttyeüS wegen ber 33erüdfictytigung forbernben 9teatclaffen, ttyeüS wegen beS — namenttid) in ben mitttern ober obern Staffen — ftarten 3 u ft u ff e 8 oon außen. Um jebodj ben SurfuS beS UnterridjtS, ber in ber 9tegel Dftern jebeS Satyrs beginnt, mögtid)ft wenig ju ftoren, finbet wotyt gient' tid) gteictymäfjig bie SSerfetyung oorjugSweife eben ju biefer 3^it ftatt unb 9Jtid)aeliS nur infofern, als bie in grage tomntenben Sd)üter gereift genug finb, um in ber fot= genben Staffe getyörig fortfd)reiten gu tonnen, wätyrenb Dftern aud) fctywädjern ber Uebertritt geftattet wirb. 2BaS bei ber SSerfetyung grurtbfä^Iidj in 93etrad)t fontmt, ift ein boppelteS, einmal bie geiftige Steife übertyaupt, Wie fie fid) in ben eignen (9te=) iProbuctionen im ®eutfd)en, in bem Stuffaffen beS SntyattS ber atten Sdjriftftetter u. a., fo Wie in ber fitttktyen Gattung tunb giebt, unb fobann bie tenntniffe unb bie gertigteit in ben einzelnen UnterridjtSjWeigen. Unter biefen nimmt bie tateinifdje unb in ben mitttern unb obern Staffen neben ityr bie griectyifdje Spradie fo wie baS 9ted)nen unb bie SOtattyematit bie erfte Stelle ein; wirb in ben genannten 33ejietyungen ben Sln= forberungen genügt, fo ift wenigftenS ein 3« r üdbteiben in ber ©eograptyie, 9Saturge= fd)idjte, ®efd)id)te an unb für fid) tein fpinberniS gegen bie SSerfetyung. ®er fpauptletyrer — Weld)er nur feiten, tyie unb ba oerfudjSweife, feine Sdjüler burcty metyrere Staffen fütyrt — tyat, ba jene oorjugSweife in 33etrad)t tommenben ©egenftänbe gewötyntidj in feiner §anb liegen, befonberS Stnfprud) bei berfetben getyört 3 U werben. SSenben wir unS 31 t ben Unterrid)tSgegenftänben, fo jeigen barin bie ©tymnafien, otyne baß ein 9tormattetyrptan oortyanben ift, äiemtidje Uebereinftünmung, waS, abgefetyen 296 ■§annober. Bon allem anderen, sunädjft feinen ©rund in bent burdj bie 99iaturitätdprüfungdorbnuncj geftedten 31 * wnb in ber 0?eoifion bed Sectiondpland burd) bad Dberfd)utcoHegium feinen ®runb hat. ®er 9ieIigiondunterrid)t fallt sunädjft bem fpauptleprer ber ©laffe gu, banadj, wenn biefer njünfd^enStoerttjefte 2 öeg nidjt gegeben ift, einem anbern orbentlidjen Sef)rer, unb 5 m ar wo möglidj einem fotzen, meiner in ber ©taffe and) mit anderem Unter= rid)te befdfäftigt ift. 2)er feltenere galt ift ber, baß ein ©eiftiidier dafür eintritt. 9Jtart will aud) den Schein oermeiben, als werbe ber Unterrid)t, weil er hergebracht fei unb „mit baju ge= höre," Bon denen, deren SSeruf darauf angemiefen ift, äußerlich Bertreten; er foü oief= mehr bie jeder Sllterdftufe entfpredjenben Äenntniffe gebend unb Grfenntnid gründend neben den übrigen Unterrid)t« 3 Weigen fein oolted 93e ißutfdje, firih unb 33erger ein; biefem Unterrid)te im 3 u f ammen h an g e Ulit bem Ueberfe( 3 en auS bem Seutfd)en in ba§ Sateinifd)e, bem münblid)en unb fd)riftlid)en, toerben 3 — 4 ©tunben getoibmet, in toeldje bann aud) bie Korrectur unb baS 33efpred)eu ber corri= giften Arbeiten fallt, beren toödjentlid) eine ober jioei — nach ben 33üd)ern Don ©üpfle, ©piejf, kühner, ©rotefenb, fortgefeljt oon bem Unterseidjneten, ©ruber, Ipaade, Sronfe, Auguft u. a. — geliefert toerben. Sie übrigen ©tunben, 5 — 7, toerben auf bie Sy» pofition oertoanbt. 3n Quarta bilbet bie ftel)ettbe Seetüre Kornel. RepoS unb baneben ober oielmel)r abtoechfelnb bamit eine bem ©tanbpuncte entfpred)eube Khreftontathie, toie Oon SacobS 33. II. unb III., Sßetlerg Sefebudj auS SiüiuS n. a., fotoie eine poetifdje Kpreftomathie toie bie 33lumenlefe oon 3acobS V. I. unb Ranfe. 3n Tertia toirb aH= gemein Käfar, meift ba§ Bell. Gallic., aber aud) Bell. Ciyile gelefen, feltener 3uftin unb KurtiuS, in einigen Anftalten SioiuS Sef. III. unb leichtere Sieben oon Kicero. 298 ^»annobcr. Daneben tritt Döib. SKetamorpl). in einer öon feem Seljrer getroffenen StuSmaljl. Daä ißenfunt feer obern (Stufe ift fo bemeffen, baß bie ©rammati! unb ©ompofition jufammen in ber Sfeget 3 ©tunben in Stnfprud) nehmen. 3n ber Secunda Voirb ber ©urfuS ber ©pntay öoflenbet, in ber Prima beerben biefenigen ©apitet, Welche befonberS für bie Stnmenbttng ©djmierigteiten bieten, gelegentlich be^anbelt unb baneben barauf hingearbeitet, baß baS, maS bis baljin ttjeilS tljeoretifdj erlernt, ttjeilS prattifd) geübt ift, in feinem innern miffenfdjaftlicheu 3ufammenf)ange erfaßt beerbe. Die ©ompofition fc^Iießt fid) in beiben Staffen an bie 33ü c^er öon 3 um P*( ©ü)efte, ©epffert, gorbiger, Kühner, ©rpfar, 9?ägetSbadj ober bie öon bem 9et)rer felbft für bieUebung ber einen unb anbern ©titgattnng gegebenen SEaterialien. Sieben ben fdjrifttidjcn Stufgaben, beren möd)enttidj eine jur ©orrectur einjugeben ift, finbet man überall baS münblid)e Ueberfe(3en ober nod) mehr bie nad) einem Dictat gefd)riebenen f. g. ©ptemporalien. ©nbtid) fornmen jn biefen Uebungen in ber Prima — nur einige Sinftatten forbern fd)on in ber Secunda menigftenS alte S8ierteljal)r eine fotd)e Strbeit — nod) bie lateinifdjen Stuffähe, motjl überaß jeben SJionat einer, ju toetd)en ber ©toff in bem ©ebiete ber Seetüre ber atten ©djriftfteßer für jebe ©titgattnng, erjäfytenbe Darftettung, ^iftorifchtc Unterfudpmg, 58eurtijeitung, Stbfyanbtung, Sörief, Siebe anSreidjenb gegeben ift. Diefe Uebungen in ber ©ompofition merben, benüjjt, um bie Kenntnis ber ©rammati! ju er= meitern unb ju befeftigen unb fomoht bie 6igcnthümlid)!eit ber ©prad)e im ©ebraucfje ber einjetnen SBorte unb SSebett)eite als auch in bsn ®en!= unb ©ajjformen, ben ^Serio» benbau im attgeiueinen unb in jeber befonbern ©titgattnng für fid) ?ur möglich größten Klarheit $u bringen. tpierauS erhellt, baß ber ©ompofition im ganjen genommen bie erforberlidje 3eit unb Strbeit gemiomet mirb. Dagegen fehlen regelmäßige metrifdje Hebungen mit toenigen StuSnal)men faßt ganj. Da8, maS in biefer 33egiel;ung geteiftet mirb, get)t eben nidjt über baS, maS jur görberung ber Kenntnis ber bei ben Didjtern öortommenben ®ietra nöthig ift, h* nauS - Seetüre ber ©djriftfteßer betrifft, fo öerbteibeu für biefetbe 5—7 ©tunben, öon benen jmei bem Dichter in jeber ©taffe jufaßen, in Secunda befonberS 33irgil, aud) Horat. Carmina lib. I. unb II. unb Derenj, in Prima Horat. Carm. lib. III. unb IV., Sermon, unb Epist., baS eine ober anbere ©tttef öon tptautuS, StuSmaht auS ben ©legüern. 3$on ben f>iftori!ern finbet man in ber jmeiten ©taffe überall SiöiuS uno ©atlnft, nnb baneben ©icero’S Sieben, bie ©djrifteu de senectute unb de amicitia, unb auch e ' ne StuSmaht auS ben ^Briefen, mährenb biefe bei mandjen Stnftattcn in Prima neben ben großem Sieben, ben pl)ilofo= phifd)en unb rl)etorifd)en Schriften, SioiuS unb DacituS getefen merben. UebrigenS fd)eint ber ©runbfajj, bie ©djriftfteßer nicht neben, fonbern nad) einanber ju tefen, fid) jum fieite ber ©ad)e immer mehr Slnertennung ,}u üerfdjaffen. SBenigftenS barf fid) ber §aupttet)rer ber ©taffe, bem bie 2BaI)t in biefer 93egiehung freifteht, nicht bebenten, metchen 2Beg er einfdjtagen miß. Die Seetüre felbft mirb hm unb ba als curforifcfje unb ftatarifdje uuterfdjieten, fo bebenfßd) aud) biefe principieße Unterfcheibung erfc^einen unb gefordert merben muß, baß ber ©dritter auch einen §iftori!er, ber ftd) bod) am erften curforifd) tefen läßt, nid)t lefe, ohne burdj ben 2etjrer eine tiefere ©infidjt öon bemfetben ju geminnen, als fie ctma burd) feine ißräparation unb eine rafche Ueber= fehung gemonnen merben fann. ©onft ift baS Stbfetjen barauf gerid)tet, baß, fomeit eS ohne 33eeinträd)tigung ber ©rünblicfjteit möglich ift, eiet getefen nnb in jebem SSiertet* ober jebem Halbjahre immer ein ganjeS ©djriftmer! — abgefehen öon ben §iftorifern — ju Snbe geführt, ber Snljatt im einzelnen unb ganjen erfaßt merbe unb bie formale ©eite ber Sompofttion jur Sinfd)auung tomrne. Daraus ergiebt fid) fen inS ©eutfdje i»ie umgefeprt überfept loirb. diejenigen, »eldje bem Unterridjte 6 —7 ©tunben »ödjentlid) loibmen, bringen eS in ber ©ecli» nation unb Konjugation 3 U einer befriebigenben gertigfeit unb ©idjerpeit unb fo fonnen fie — pie unb ba ift bieS perfömmlidj — ben KurfuS ber Klaffe bamit fdjließen, baß fie burd; baS Sefen eines SlbfdjnitteS ber Dbpffee and; für bie Seetüre beS ©omer eine, trenn aud) geringe, immerpin nüplidje SSorbereitung fdjaffeit. ©ie Tertia pat bie Slufgabc, bie Kenntnis ber ; gormenlepre 31 t erweitern unb 3 U befe» ftigen, fo toie in bie elementaren ©peile ber ©pntap grünblich einguffipren. ®S ge» fdjiept bieS tpeilS burd) ben grammatifdjen Unterricht, loobei bie eben genannten Sepr» büdjer 31 t ©runbe gelegt »erben, tpeilS burdj baS Ueberfepen auS bem ©eutfdjen inS ©ricdjifdje mit 93euüpung ber SBüdjer »on Küpner, S3(ume, Roft unb SBiiftemann. ©iefeS Ueberfepen loirb- in ber Secunda neben bem Unterricpte in ber ©rammatif, in loelcpem »orgngSloeife bie ©pntap in iprern 3 ufa»menpange jur Sepanblung fonunt, fo loie audj in ber Prima, loieioopl pier in geringerem Umfange unb pauptfadjlicp 3 « Sßefeftigung ber Kenntnis ber ©rammatif, fortgefept. ©liefern ©peile beS UuterridjtS »erben in Tertia 2 — 3, in Secunda 2, in Prima 1 ©tunbe geiuibmet. 2)ie ©djrift» fteller, »eldje gelefen »erben, finb meift, in Tertia: ©omer Dbpffee unb Xenopp. SlnabafiS, audj bie Kpropab., ferner SlrrianS Slnab., ©erobian, SacobS Slementarbnd) II. KurfuS; in Secunda: ©omer 3liaS unb Dbpff., ©erobot, 3£enopp. SlnabafiS, Spro» 300 §annoöcr. päb. unb SDJemorabil., ißlntard), Sofias, ^ßlato (Slpologie unb Rrito), Sacobg SIttifa; in Prima: SLljuctjbibeö, -piutarcf), Semoftpeneg, (Philipp., Olynth., pro coron., in Leptin.) ipiato, (©prnpof. ißrotag., $I)aebo, Slpologie, Ärito,) ©oppofleg, Euripibeg, 2tefc^tjtoS Oßrometpeug), Slriftoppaneg (Shtbeg); bie Stntljolegie ber Sprifer oon ©toll, Jljeotnt. £nnficbtlid) ber Sluggaben biefer ©djriftfteKer gelten biefelben ©runbfähe, weldje bet ben lateinifdjen erwähnt finb. Ebenfo finb bie gorberungen an bie £ernen= ben biefelben unb ift befonberg bag Sltemoriren ^otnerifcEjer Verfe auf ber untern unb mittiern Stufe fyeröorgufyebeu, cljne bagfelbe auf ber obern als beenbet ober in Ve= gief)ung auf anbere 2)id)ter als auggefdjloffen ju bejeidjneit. — Von beut Unterrichte ju bigpenfiren finbet fid) eben teine Veranlaffung. S)ie neben ben ©pmnafien be= ftel;enben Sfealclaffen neunten biejenigen ©d)üler auf, Wetd)e für ihren Veruf beg ©riedpfdjen uid)t bebürfen. 9?ur bag Spceutn tn^annooer ntadjt hierin eine Stngnapme, eg erteilt ben 9?id)tftubirenben, Weldje bagfelbe befugen, üDigpenfation. Siefer gall fommt bei ben übrigen Sinftalten nur feiten oor. ®ag fiebraifcpe wirB oon benen, weld)e fid) ber Xpeologie unb ißfyilolcgie wib= men Wollen, in Secunda angefangen unb in Prima fortgefef3t. Eg werben in ber Siegel oier 3al;r lang 2 ©tunben wöd)entlid) barauf oerWaubt; einige Sinftalten haben bafür nur brei, bag Slnbreanunt in fpilbegpeint bagegen 5 3apre, im erften jebod) 1 ©tunbe wödjentlid). 3nbem man ben Unterricht nad) bem Slementarbud)e oott ©effer, ©efeniug ©rammatif unb Sefebud), beginnt, fudjt man bie Elementar» unb gormenlepre einjuüben — Wobei I)w unb ba SDlehgerg Uebunggbud) SDienfte leiftet — unb beginnt mit ber Eppofition hiftorifurd)fd)nitt oier ©tunben gewibmet unb bieg geitncaß wirb für bie Siealclaffen feftgehalten, wüprenb bagfelbe in ben mittleren Eiaffen beS ©pmnafiuntg Quarta unb Tertia auf brei, in ben beiben obern auf jwei befd)ränft wirb. ®er Sehrmittel fittb fo oiele, baß wir ung begnügen tniißen bie am weiften gebraudjten gu oergeicpnen. gür ben grammatifdjen Unterricht finb oorguggweife gu nennen bie ©rammatif non finebel, ißlöp unb Slpn; bie lebtet« beiben bieten in befonbern Sleutentarbüdjern bie geeignete SInleitung für bie untere ©tufe. 3)ie Eompofitiou fließt fid) auf biefer an ben in biefen Sehrbüdjern entljat» tenen ©toff, fowie an bag Uebunggbud) Bon §ßd)ft, neben welchem aud) in weiterem gortfdjritte bie Slufgaben oon SIhn, bie Stufenleiter Bon granfel, bie SRaterialien oon SKeißner auftreten; in ben obern Eiaffen wirb bie gortfe( 3 ung biefer SDfaterialien, fowie bie Bon Succnap unb Söfeper, bag Uebunggbucp Bon Ißrobft, Bon ©djnabel u. a. ge» §anno»er. 301 braucht. ®en geeigneten Stoff für bie Sppofition Bieten für bie untere Stufe bie fcpon genannten SIementarbüd;er oon ptüp unb Stpn, ®ätemaque, Siuma PompitiuS, baS Sefebud; Oon Sbner, Sübeding, Stottu unb §ianfing, reelle (entere fd;on in bie mitttern Staffen pinfüpren unb ipren ptap neBen CrettiS Spreftoniatpie, SSottaire (Charles XII.), ®efobrp, SBarante u. a. einnepmen. 3n ben oBern Staffen treten neben ben Betannten fpanbbücpern non Sbeter unb Siotte, unb bem Sefebud;e Oon Sübeding ®p. II. fotgenbe Sdjriftfteßer unb ®id;ter auf: ®pierrt; (Gtuillaume le conquerant), ©uijot (Charles I.), ®etaoigne (Louis XL), Sapefigue (Charlemagne), 5Irm. §ugo (Siapotecn), Lamartine (La revolut. Frangaise) Sliignet, SDionteSquieu (Considerations), SMtaire (Henriade), Siacine, Sorneiüe, SRotiere, ScriBe (Le verre d’eau), Seranger. — 3n bem Oorbereitenben unb bent junädjft fotgenben Unterridjte mirb ber Sompofttion mit Ginfdftuß ber ©rammatif mepr ober minbeftenS eben fo riet $eit getoibmet, mie ber Gjpofition; auf ber mitttern Stufe, mie in ben Sieatclaffen pflegt — miemopl gerabe tu biefen auf gertigteit im Sdireiben großer 2Bertp gelegt mirb unb bie fcprifttid;en unb münbtidjen Uebungen, ioetd;e baju füprett, 3 e 't forbern — bie Seetüre bod; mepr Iierborjutreten. 3n ben oBern Staffen beS ©pmnafiumS ift bie 3«t naep Beiben 33e* 3 iepungen jiemtid; gteid; oertpeitt. 23ei ber Seetüre nimmt man, bod) nid;t überatt, ©etegenpeit aud; jum Sprechen a^uteiten, mepr freilid; in ber obern Dfeatctaffe als in Secunda unb Prima; benn pier wirb unb fann Bet ber 93efd;ränftpeit ber Stunben biefer Hebung nic^t riet 3dt getoibmet toerben. S§ ift bieS aud; nid;t burd; bie Stuf* gäbe be§ ganzen Unterrichts geboten, ba ed für bie Stbiturienten genügt, einen teilten fßrofaiter unb ®id;ter geläufig gu iiberfepen unb eine non Serftöjfen gegen betannte Siegeln ber ©rammatif freie Strbeit 31 t liefern. ®ie Seigrer, toelcpe ben Unterridjt er* tpeilen, BjaBen niept alle benfetben SSitbungSgang genommen; mand;e ftnb oon bem ©ebiete ber etaffifepen Philologie in bad Stubium ber frangöfifc&en Sprad)e unb Sitera* tur eingetreten unb finben in biefern Unterrichte enttoeber allein ober bod; tpeitmeife — neben ppitotogifepem, piftorifepem n. a. — ipre SBirffamfeit. Sin manchen Slnftatten ift ber Unterridjt unter bie tpauptleprer fo oertpeitt, baff fie eines gadjteprerS be= bürfen. 3nbeS pat bie Srtoeiterung teS Siealunterrid;tS aud; bie Staffe Oon Sepram peroorgerufen, toelcpe auS ber frangöfifepen unb englifdjen Sprad;e ipr tpauptftubimn mad;en unb infotoeit als gad;teprer auftreten, obgteiep fie baneben in anberen Unter* rid)t§ 3 tbeigen, ©efcpidjte, ©eograppie ober menn fie, tbie fepr oft bergdtl, ®peotogen finb, in Sietigion unb .^ebräifdj perange 3 ogen toerben. Sieben biefen finben mir pie unb ba aud; fotepe Seprer für ben fran 3 Öfifd;en Unterridjt, metepe ipre Söitbung in ben Sentinarien (für bie S3otfSfd;uIe) erpalten paben, in ber Sieget febodp nur in ben untern unb mitttern Staffen, namentlich ber tteinern Slnftatten. 3n bem englifdjen Unterrid;te finben mir im gansen biefetben Seprer mie im franjDfifd;en, b. p. bie eben naep tprern SBitbungSgange claffifictrten. ®ie miffenfd;aft= Hd; gebitbeten fffadjteprer treten in ben obern Staffen gemöpnlid; für beibe Sprad;en ein; mo ein fotd;er nid;t borpanben ift, übernimmt aud; baS Sngtifd;e ein ppitotogifdj gebitbeter fpauptteprer; ben feminarifd; gebitbeten $ad;teprern bleibt ba, mo fie finb, bie untere unb mittlere Stufe beS UnterridjtS in ben Sieatclaffen oorbepalten. SßaS ba§ SlnfangSatter fomie bie Stunbenjapt, bie auf biefe Sprache oermanbt mirb, betrifft, fo ift barin ntepr Uebereinftimmung als im gra^ofifdjen. 3unäd;ft finb et ber Unter* rid;t in ben untern unb mitttern Staffen beS ©pmnafiumS feinen fßtap nid;t, fonbern beginnt erft in Secunda unb mirb burep Prima fortgefüprt unb eS toerben ipm gleidj= mäßig oier 3apre lang 2 Stunben möcpentfid; gemibmet; bagegen nimmt er in ben Sieatclaffen feine Stelle ein unb je nad; ber Organifation unb 3 a ^ berfetben 8 —12 Stunben iuSIufprucp, fo baß bie ©efamnttjapl ber Stunben 3 mifcpen 12 —16 fepmanft. 3n Secunda unb Prima ift baS Stbfepen oor 3 ugSmeife barauf gerichtet in bie Site* ratur ein 3 ufüpren unb tritt beSpatb bie Seetüre gan 3 unb gar in ben ißorbergrunb. ®ie Sompofition pat nur ben 3' ÜC( *f Kenntnis ber ©rammatif unb Sprad;e 3 U 302 ^annoöer. befeftigen, ohne gcrtigteit unb ©etoanbtheit im SluSbrude ju erftreben. SS ^at in biefer Sejiehung baS @nglifd)e ju bem granjöfifchen ein einigermaßen ähnliches SBer= t)ältnis mie baS @ried)ifd)e ju bem £ateinifd)en. 3n ben 3fealciaffen bagegen mirb auf bie Sompofition mehr @emid)t gelegt, meil fie burd) biefe Uebungen nebft benen im granjöfifchen einigermaßen baS erreidfen mäßen, maS baS ©hmnafium burd) bie &om= pcfition im Sateinifdjen ju erreidfen fud)t. DeSmegen tommen bie fd)riftlid)en Uebungen, Syercitien, bie fogenannten Sytemporalien, münblidjeS Ueberfe^en ins Gmglifd)e, 9repe= tition beS ©elefenen in englifdjer ©pradje ju §ülfe, mie im granjöfifdjen. 9llS £el)r= mittel bienen bie 33orfd)ute unb ©rammatif bou gölfing unb Sßahlert, bie Slementar- büdjer I. unb II. Bon Saßin, bie Se^rbüc^er Bon ißlate in 3. 3lbtl)., Bon Sacabanne, 23el)nfd) u. a. Diefe bieten meiftenS aud) für bie untere unb jum Sfyeil für bie mitt= lere (Stufe ber Seetüre fo mie ber Sompofition ihren ©toff: baju tommen für ben erften 3mecf in ben mittlern Slaffen mandjerlei 6l;reftomatfiien, Bon ©d)ü§, Bon ©üpfle, Bon ^iate, Bon ©antter I. unb II. SurfuS, Bon Siegel, Bon £>errig, Bon 3lbn, neben ©cott (Tales of a grandfather, Tales of the Alhambra, Scetchbook) äParrpat, Sooper (Spy) DicfenS (Cricket on the heartb), 2Bafl;ington Srbing (SoIunibuS), toeiter aud; in Secunda unb ber erften fRealclaffe: SJiacaulat) (history of England); in biefer and) ©hctfefpeare (Merchant of Venice). 3i eni (id) aßgemein jebod) ioirb biefer in Prima gelefen, neben StjronS unb ©cottS poetical works, ©l;eriban (the school for scandal). gür bie Sompofition toerben ferner gebraucht bie Inleitung Bon SBapIert, £>errigS Slufgaben, SKeißnerS -Utatcrialien, SaßinS fpülfSbud) jum Ueberfetjen in» Gtng= Iifd)e, bie SOfufterftücSe Bon ©runer u. a. Der Unterricht im Deutfdfen nimmt, menn mir Bon ben SorbereitungSclaffen ab= feigen, in meieren für benfelben in ber Dfegel 6 '©tunben auSgefept finb, in Sexta unb Quinta mie auch in ben SRealclaffen 4, in bem ©hmnafium Bon Quarta bis Prima 3 ©tunben in Slnfprud). DaS nothmenbigfte Srforbernis für benfelben auf ber untern ©tufe ift baS ben nad) aßen ©eiten b* n geeigneten ©toff entpaltenbe Sefebud). Sin foldfeS finbet fid) benn auch überaß, mie ber Stinberfdfah Bon ©djulje unb ©teinmann, baS 33itanno»et. 303 hocf)beutfd)e nadj bem Stementarbudje Bon ©d)äbet unb Stohtraufdj. ®ies mirb in Prima fortgefeljt unb gembtjnlid) Serben Vh- SBadernagetS „Sbetfteine", bie Nibelungen, bie ©ubrun unb bie SluSmat)l ber SJtinnefänger non Volcfntar gelefen; bie Seetüre Bon Dramen oon Seffing (Slatf)an), @ött>e unb ©Ritter med)fett bamit ab. Unb mie in allen Borl)ergel)enben Staffen gelegentüd) einzelnes jur StenntniS ber Literatur gegeben mirb, fo ift man tte meiftenS bemübjt in bie mid)tigften gerieben, fo ttoeit eS bieVer= Ijättniffe geftatten, burd) jufammenfaffenben Vortrag grünblid)er einzuführen, ot)tie baff baju ein befonbereS Sehrbud) I;erbeigejogen mirb. Sin biefe Sectiire fchliefjen fid) meiftenS bie SDedamationSübungen in ben untern unb mitten Staffen, ba8 Vortragen Bon ©ebid)= ten, unb freie SSorträge unb Sieben über fetbftgemät)lte ober gegebene £fyemata in ben obern. Die ©rammatif bitbet, oon ber untern ©tufe abgefeljen, im allgemeinen leinen befonbern Streit beS Unterrichts, mit Studnafyme ber latl)otifd)en Slnftalten, metd;e bie= fetbe bis in Secunda fefthatten unb namentlid) bie ©a^tetjre ausführlich behanbeln. Die foroteftarttifd^en begnügen fid) baS Srforbertid)e theilS bei ber i'ectüre unb ben Sluffa^en ju geben, ttjeilS bei bem SDSittelhod)beutfd)en eine tiefere Sinfidjt Bon bem hiftorifchen ©tanbfmncte aus zu oermitteln. SBaS bie Slnforberungen an bie Sluffä^e betrifft, fo h^i'fd)t barüber mot)t im ganzen ziemliche Uebereinftimmung, baff fie nur Sleprobuctionen fein unb ihre Slufgabe in bem ©ebiete beS Unterrid)tS — in ber Sle= ligion, @efd)id)te, ©eographie, 9laturgefd)id)te unb befonberS in ber ?ectüre ber alten unb beutfdjen Staffiter — finben foUen. 3n biefer Steife, nimmt man an, toerbe eS bem Sernenben niemals an ©toff fehlen, toorauf bodj junädjft atteS antommt, unB fo= bann führe ihn bie Slothmenbigteit, 33efannteS in einer beftimmt begrenzten Slufgabe jufammenjufaffen, unter beftimmte ©efichtspuncte ju orbnen, im einzelnen näher zu Berfotgen unb ju entfalten, unb ju einem ©anjeu ju geftatten, auf bem natürtidjen SBege ju ber rechten Verarbeitung unb Durd)bringung beS mit bem ©ebädjtniffe Sluf= genommenen. 3n ber SluSführung biefeS ©runbfaljeS herrfdjt toohl noch nicht biefetbe Uebereinftimmung mie in ber Slnerfennung feiner Slid)tigfeit unb 3medmäßigfeit. Dt)ne jebod) bie Slbmeidjungen im einzelnen zu berücffidjtigen, bürfen mir eS als felbftoer= ftänbtich annehmen, baff bie eignen fdmiftlidien Slrbeiten, me(d)e unter bem Slarnen „Sluffahe" in ben untern Staffen oorfommen, nur in ber Stad)erzäl)lung beffen, maS in ber ®efd)id)te, in ben SDSittheilungen über berühmte SJtänner oorgetragen ift, beftehen Jönnen. ©elbft bie Quarta gel;t im mefenttidjen nid)t über bie Srzählung h> nau8 f moju ber @efd)idjtSunterridjt unb bie Stectüre fomie auch befonbere, in bieSlugen fattenbe Vorfomutnijje unb Sreigniffe ben ©toff bieten. Die Tertia hat neben ber @r= Zahlung unb SSefdjreibung bie Slufgabe, ben 3nt)att eines ©tüdeS eines getefenen StaffilerS barzufteüen, Ueberfejsungen aus bemfelben zu geben, fich auf ©runb einer befonbern Verantaffung in ber Vriefform zu Berfuchen, ein ©f>rüd)mort, eine ©entenz, bie Borge= tommen, burd) fjiftorifche Veifpiele zu erläutern unb aud) in gorm ^ er ftbhanbtung Urfachen ober SBirfungen einer befannten hiftorifdjen Dl) at f a( h e barzulegen. DieSlbl)anb= lung ift bann befonberS Slufgabe ber obern beiben Staffen unb zmar in ber burd) ben ©tanbpunct einer jeben bebingten ©tufenfotge, ohne jebod) eine auS ben Duetten Zu fd)öf)fenbe tjiftorifche DarfteHung, ben Stadjmeis beS ©ebanfengangeS unb ber ®tiebe= rung einer Siebe, eines lt)rifd)en ©ebicbteS, eines ShorgefangeS u. a. au8zufd)üeßen. Sen ©toff bieten meiftenS moht Saugen nad) ben Urfadjen unb Sßirtüngen Bon Sreig» niffen, mie fie in ber Seetüre ber alten Staffüer unb tut @efd)id)tSunterridjt begegnen, baneben aber auch bie in biefem Streife ftd) huttenben, an einzelne Dt) a tf a( h e u unb SluS= ff)rüd)e fich tnüpfenben VetoeiSführungen unb S3eurtt)eitungen. Slationelte Slufgaben merben meniger bearbeitet. 3 U toünfdjen ift, baß bie Shrie immer mehr in ihre toohl berechtigte ©tellung eintritt. — Sieben ben Sluffäijen finben ftd) in biefen obern Staffen, ben DectamationSübungen in ben Borhergehenben entfpred)enb, Stebeübungen. 3n Secunda beftehen fie in ber Sieget auS Vorträgen hiftorifd)en SnhaltS, über fetbftgemühtte ober gegebene Stomata ausgearbeitet, in Prima mirb bie Siebe geforbert, freitid) nicht 304 ^annouer. überall unb nidtt in gleichem 9Raße. Sei biefen 9lrbeiten trirb aus beut ©ebiete ber fRijetorif überall mehr ober weniger baS bem ©ducter ©ienlidje unb fförberlidje mitge* theilt unb meiftenS bie inventio unb dispositio fleißig an Seifpielen geübt, fo wie bie elocutio bei ber Korrectur ber fdjriftlidjen Seiftungen bie ihr gebüljrenbe Berüdfidjtigung finbet. Slußerbent giebt bie Seetüre ber Sinter Beranlaffung ju metrifd)en Hebungen. 2)er biftorifdje Unterridit fett aHerbingS „für eine überfidjtlidje Kenntnis ber SBelt* gefd)id)te ©orge tragen unb bie ©ebädjtniSübung in bem ffactifdjen befonberS in ben untern unb mittlern Klaffen im Singe bemalten," g!eid)Wol)I ift burd) bie 93 eft unmutig ber Snftruction für bie SRaturitätSprüfung, nad) weld)er bie fßrüfung ber SIbiturienten fid) auf bie römifdje @efd)id)te bis auf SluguftuS, bie griedjifdje Bon 500—323 unb bie beutfdje oen Karl bem ©roßen au befdjränfen, in biefem ©ebiete aber eingeljenbe Kenntnis unb BerftänbniS forbern foH, ber an fid) ungemeffene (Stoff gehörig begrenzt, ©iefe @efid)tspuncte finb bann aud) für ben Unterrid)t in ben Slnftalten maßgebenb; es bleibt Urnen aber überlaffen, wie fie ben jforberungen nadjlommen wollen. Ueber* einftintmung finbet fid^ barin, baß überall brei Kurfe angenommen toerfeen, für bie untern, mittlern unb obern Klaffen, unb in jeber Klaffe 2 , feltener 3 ©tunten für ben Unterricht auSgefetst finb; allein fd)on in ber Sluffaffung unb Seftimmung beS eigentümlichen SBefenS eines jeben geht man aus einanber, bod) Bieüeid)t mehr in bem bauten als in ber ©adje. Kinige toenige Slnftalten nennen biefe Kurfe in I)erlömmlid)er SBeife ben biograpI)ifd)en, ben ett)nograpl)ifd)en unb uniBerfall)iftorifd)en, bie nteiften fueßen auf ber untern ©tufe burd) Krjälilung Bott „@efd)id)ten" ober ber merlwürbigften Begebenheiten in baS ganje ©ebiet einjufii^ren, auf ber mittlern ju= fammenijängenbe Kenntnis ju geben unb bie mistigen cßronologijdjen ©ata einsuprägen, unb auf ber obern enblid) bie bis baljin getoottnenen Kenntniffe intenfio toie eptenfio — namentlich für bie neuere 3 c 't — jn oerBoflftänbigen, burd) fRüdfidjt auf ben ©ang unb fyertfehritt ber Kultur baS ©etail ju beleben unb in Hare faßlidje lieber* fid)t ju bringen, ©ie Bertheilung beS ©toffS muß barum fdjen cerfd)iebenartig aus* faden, toeil je nach bem SRangel ober Borhanbenfein einer Borfdjule ber Unterridjt früher ober fpäter beginnt unb aud) bie Bereinigung ber 9iealclaffen mit benen beS ©hmnafiumS öfters befonbere fRüdfidjten forbert. SBir tonnen beSljalb barüber im all* gemeinen nur fagen, baß ber Borbercitenbe KurfuS, in bie Borclaffen foWie Sexta unb Quinta faHenb, ©agengefdjidjte unb Krjählungen ber merl'mürbigften Begeben* I)eiten aus ber alten griedjifd)en, römifdjen unb beutfdjen @efd)id)te umfaßt, ©odj ift ba, Wo biefer Unterricht burd) minbeftenS jmei Klaffen burdjgeführt ift, bie mehr jufammenl)ängenbe Beljanblung ber erften gerieben ber grieeßifeben unb römifdjen ©efdjicfjte nicht auSgefd)loffen. ©aburdj wirb inbeS nur für ben jtoeiten KurfuS — Quarta unb Tertia — eine ertoeiternbe Borbereitung gefdjafft. 3n biefe beiben, je wie bie ihnen jur ©eite ftehenben fRealclaffen fällt ber jufammenhängenbe Bortrag ber gried)ifden, römifdjen unb beutfeßen ©efdjicßte unb 3 War fo: entweber wirb in Quarta bie alte ©efdjicßte bis auf Sllepanber einerfeitS unb Sluguft anbererfeitS unb bie beutfdje bis jur ^Reformation fortgeführt, WaS freilich nur möglich, Wenn t n Quinta hinlänglich Borgearbeitet ift, unb in Tertia bie beutfdje 3 U Knbe — bis 1815 — gebradjt unb baS ißenfum ber Quarta repetirt; ober eS fommt in Quarta nur bie alte @efd)id)te innerhalb beS bejeidjneten 3eitraumS jur Beßanblung unb bie beutfdje oerbleibt ber Tertia ganj unb 3 War ljie unb ba bis 3 m - ^Reformation, an anbern Orten bis 1648 unb enblid) auch bis 1815. ©ie oberen beiben Klaffen haben t ren befonberen KurfuS, in bem baS nun im allgemeinen betannte ©ebiet im Weiteren Umfange bnrdjmeffen wirb, ©enn bie alte @efd)id)te wirb in Secunda oon neuem begonnen, unb eS finben meift bie orientalifdjen Böller eine größere Serüdfidjtigung, als ihnen früher gelegentlich 6 er ben ißerferfriegen hat 3 U tljeit werben föntten; bie ©riechen unb fRönter lommen als bie Kulturoöller beS Slltertl)umS in ihrer SBlütegeit 3 ur S3etrad)tung, unb baneben baS SRittclalter; Prima bat bann bieSlufgabe, ben BerfaH ber alten ©taaten im 3ufammen* •fjamtotoet. 305 hange gu geigen unb bie neuere @efd)ichte gu Snbe gu führen. Riebet nimmt man auf bie ©djriftftdler, metd)e getafen »erben, tperobot, S?ioiuö, ©afluft in Secunda — JhuchbtbeS, SDemoftheneS, SacituS in Prima — 9rüdfid)t unb gctjt baS in jener Staffe bet)anbelte ^enfum in biefer repetitionsweife »ieber furg bitrd). 3n ber mitttern unb neuern @efd;id)te bitbet baS beutfdje S3olf ftets ben SDiittelpund, bie übrigen »erben ba, »o fie eintreten, je nad) ber S3ebeutung, bie fie haben, mehr ober toentger auSfütir= tid) in Setradjt gegogen unb fo gu fagen in Spcurfen bepanbett. ®ie erfte 9JeaIcIaffe bat infofern einen ßon ber Secunda unterfd)iebenen SurfuS, als bie alten 33clfer gurücf» treten unb baS beutfd)e befonberS .tjerbortritt unb bie neuere ©efdndjte ber übrigen in größerem Umfange gum Sortrage fommt. Ueberatl »ot;t »irb bei biefem Unterrichte ein Sehrbud; gebraudjt, auf ber untern (Stufe ber Seitfaben ßon SJJarfgraff, SBelter, ©tiioe I. SurfuS, Sietfd), bie Tabellen ßon Äoblraufd), ßon ©djufter, auf ber mitttern theitS biefetben ttseitä anbere, bie beutfdje ©efdßdde ßon Koptraufd), ber ©runbriß ßon ■Piih (für mittlere Staffen), ber Seitfabert ßon ©tüße II. SurfuS, bie SBettgefdiidjte ßon S)ittmar, auf ber obern ebenfattS SDittmar, tßiit} ©runbriß (für bie obern Staffen), ©tüße, SurfuS II., S3ecf u. a. SnbeS bienen h»ß biefe 33üd)er im eigentlid)en ©inne nur als Seitfaben, ber 25ortrag, anfnüpfenb an baS, »aS ßorauSgefeigt »erben fann, giebt baS Srforberliche, um gefjtenbeS gu ergangen unb SSerftänbniS gu fd)affen. Sin bie ©dfüter »irb bie gorbentng geftettt, baß fie bem S3ortrage folgen unb fid) ihn burd) eigenes ©tubium im »efenttid^en aneignen. SMefer gorberung fann jeber, »etdjer nur überhaupt Suft unb Siebe gur ©ache hegt, mit nicht gu großer SIrbeit redjt »oht nach» fommen. Die ©eographie h at >h re ©teile in ben untern unb mitttern Staffen, in ben bei» ben obern »irb fie bei ber ©efdjichte berüdfidjtigt, inbem früher ©eternteS in Srinne» rung gebradjt unb baS bem gerabe oorliegenben ©egenftanbe Sntfpredjenbe Itingugefügt »irb. fpiefür ift an manchen Slnftatten neben ben beiben ©tunben für @efd)id)te nod) eine britte auSgefejst. UebrigenS »erben ber ©eographie 2 ©tunben »ochenttich ge» »ibmet et»a mit SluSnaljme ber untern unb ber ftfeatdaffen, »o hie unb ba 3 bis 4 ßorfommen. ®ie üblichen Sefirbüdjer finb: baS ßon ÜDaniet fo»ie ber Seitfaben ßon bemfetben, ferner bie ßon Dppermamt Surf. I. unb II., ßon fpartmann I. unb II. Surf., ßon 33otger I. unb II. Surf., ßon ©tatjlberg, ßon Steurer (in ben tathotifdien Stnftal» ten) and) bie nautifdje ©eographie t»n -Dietger, baS fpanbbudt ßon Dtougemont. 3)agu fommen bie SCttaffe ßon ©tieter, ©pbo», Sidjtenftern, ©djubert, ©tafer unb ßon fftoon, Sange. SBanbfarten unb ©tobuS »erben nirgenbS fehlen, and) ein tEetturium finbet fich nicht fetten. SBaS bie fUiethobe beS Unterrichts betrifft, fo ergiebt fid; fd)on aus ben angeführten Sehrbüchern gum £h e ü toenigftenS, baß fie bie „neuere" ift unb fid) auf bie fßefultate, »eldje bie Umgeftaltung ober ßietmehr ©eftattung ber SBiffenfdjaft ge» brad)t hat, ftüfjt. ©o »irb benn überall bamit ber Stnfang gemacht, baß bie Sernen» ben burch ben ©lobuS unb bie SBanbfarte ßon ber ©eftatt ber Srbe unb ber Sage ber SBetttheite u. f. ». eine Slnfdjauung ge»innen unb gu biefem 3»ed ihre eigene Äarte gebraudjen lernen, S'Jadjbem in ben einfachften unb gröbflen Umriffen ber ©runb gu »eiterem ffortfdjreiten gelegt ift, geht ber Unterricht gu Suropa über, um burd) bie 33e= trachtung ber äußern ©lieber ein SSilb beSfetben einguprägen, burch attmahtid)eS S3or= gehen ßon ben Süften nad) bem ÜBinnentanbe unb baS S3erfolgen ber ©ebirgSgüge unb beS SaufS ber jflüffe baSfetbe er»eiternb. Srft nadjbem bie phhfifdje S3efd)affenheit beS SrbtheitS einigermaßen gur SInfdjauung gebracht ift, »irb gu ber S9etrad)tung ber ein» getneu Sänber in ät)nlid)er SBeife fortgefdjritten. Sinige »enige Stnftatten nehmen ben umgefehrten SBeg unb halten nod) an ber SDfethobe „fpnthetif^er Slufeinanberfolge'’ feft, ßon ber befonbern §eimat gnr ißroßing, gu bem fiönigreid; u. f. ». fortfd)reitenb. ©hne bie S5ertheitung beS ©toffeS unter bie eingetnen ©tufen »eiter ßerfotgen gu fönnen, be= merfen »ir noch, baß abgefehen ßon anbern f^orberungen, baS Äartengeidjnen — h* e unb ba auch nad) Äartennefcen — geübt »irb. Sßäbag. (Entyftop&bte. III. 20 306 >§annobct. ®ie 5faturgefdjid)te bilbet einen UnterridjtSgegenftanb ber untern tmb tljeilWeife aud) ber mittlern «Stufe be8 @t)mnafium8 fo tote für bie Stealclaffen. 3n ber 91nfangs= ctaffe befdjränft ftd) ber Unterridjt in 2 ©tunben in ber Stege! barauf, bitrd) Srgäljtungen unb 93efd)reibungen au8 ber Üt)ier= unb -Pflanzenwelt baS 3ntereffe gu werfen unb an 9tbbilbungen ober wirflidierr Syemptaren bie ^Beobachtung gn erregen unb gu fd)ärfen. 3n ben folgenben Slaffen Quinta unb Quarta (in 2 ©tunben) Wirb abwedjfelnb im ©munter Sotanif, im ©inter ßoologie gelehrt. Tertia fommt meift nur ba gitr !Xl)eilnaI)me an biefem Unterricht, wo fie mit einer Stealclaffe berbunben ift. ®ie Stealctaffen beljanbetn (in 2 ©tunben) biefelben ©egenftänbe augfüftrlic^er unb fügen bann in ber 9?eget auf ber obern ©tufe bie SRineralogie Ijinju. 9118 Sel)rbiid)er finb angumerfen auf ber erften ©tufe ber Seitfaben bon Sueben, oon SDlilter, bon SeuniS, bann bie ©d)ulnaturgefd)id)te unb aud) bie @t)nopfi8 bon biefem unb ba8 Sehrbudj bon preftel. ®er ©ang be8 StedjenunterridjtS in bem @t)mnafium ift berfcfjiebeu, je nad)= bem berfelbe in einer 9?orfchute borbereitet ift ober nidit, fo wie and) nadt ber ISbjeitung unb 9lbftufitng ber Staffen unb ber frühem ober fpätern 9lbfd)eibung ber Stealclaffen ober ber tfyeilweifen Sombination berfelben mit benen ber .fntmaniften. ©etjen wir bon biefen Pefonberljeiten ab unb faffen ba8 im gangen ©emeinfame in8 91uge, fo fällt biefer Unterridjt in bie bret untern Staffen. Sr fdiließt fid) meiften8 ben befannten unb bewährten 9Süd)ern bon Äraitrfe an, — baneben tommen anbere, wie ba8 Siedienbud) bon 93ranb, bon Söbnig, bon glitfenfdjilbt, wenig bor — unb fudjt bie barin uiebergelegte, auf ben ©runbgebanten bon Peftaloggi gurürfgel)enbe SJletljobe in lebenbig anregenber ©eife burdjgufüljren unb gitr ©eläufigteit gu bringen. 9luf Sexta unb Quinta falten in ber Sieget — in je 4 ©tunben' — bie 5 erften 91bfd)nitte; gu ber !8rud)red)nung tommt nod) Wol)I ba8 eine unb anbere au8 9lbfd)nitt 6 unb 8; auf Quarta 9tbfd)nitt 6, 8, 10 unb 11. Slußerbem wirb in ben Stealclaffen in ber bem ©tanbpuncte entfpredjenben ©eife ba8 praftifdje Stedjnen fertgefefct, um in ber ®ecimat= unb S3ud)ftabenred)nung unb ben StedmungSarten be8 gefd)äftlid)en SebenS, 2Jtüng= unb ©edjfelfunbe bolle ©icherheit unb ffertigfeit gu geben. ®er mathematifdje Unterricht beginnt in mandten 9tnftatten fd)on in Quarta neben bem Stedjnen —für beioeS 3—4 ©tunben» gewBl)nlid) mit einem propäbeutifdien Sitrfu8 ber ©eontetrie, Sehrfähe au8 bem@ebiete be8 ®reied8, Parallelogramms unb Äreifeg erörternb unb Uebungen in Söfung bon 91ufgabeit anftetleuD. ®er SurfuS ber folgenben Staffe, Tertia hat—in 3—4 ©tunben —bie9lufgabe, baSpenfum ber Quarta weiter auSguführen unb ftrem ger gu begriinben, in ber Slritlgmetif bie 23ud)ftabenred)nung, eutgegengefefcte ©roßen, Proportionen, ©leidjungen mit einer unb mehreren unbefannten ©roßen, in ber @eo= metrie bie Sehre bon ben ©infetn, Parallellinien, Songrueng ber 3)reierfe, Sonftruction be8 Parallelogramm?, 9lnfang8grünbe bom j$läd)eniul)alt u. f. w. 3n Seeunda wirb beibeS — in 3—4 ©tunben — fortgefetjt, in ber Slrithmetif fommt gu ben @leid)ungen bie Sei)« bon ben Potengen, ©urgeln, qitabratifdje ©teidhungen erften @rabe8, @tei= d)ungen be8 gweiten ©rabeS mit einer unb mehreren unbefannten ©roßen unb aud) wohl Sogarithmen; in ber ©eometrie bie Sehre bon ter 91el)ntid)feit unb bem glädjem inhalt ber Figuren unb bom Greife. 3n Prima Wirb hingugeffigt — in 3—4 ©tunben — bie Eheovie ber Sogarithmen, Progrefftoncn unb finbet eine ©Überholung ber penfa, welche in ben oorhergebenben Slaffen in beiben 3M8ciplinen behanbelt finb, ftatt. ®agu fommt ebene Strigonometrie unb meiftenS aud) ©tereometrie. ®ie Stealclaffen oerwen= ben auf biefen Unterridit inci. beS StedmenS 5—6 ©tunben, müßen bemnad) Weiter gehen, al8 bie ihnen entfpredjenben Slaffen ber ©tubirenben. 3n allen Slaffen wirb bon ben ©d)i'tlern bie Söfung bon 9tufgaben bedangt. 3)a8 3id beS Unterrichts ift in ber 3nftruction für bie PtaturitätSprüfung bal)in beftimmt, baß, abgefehen bon ber gertigfeit im Stedjnen, 33efanntfd)aft mit ben Sehren ber Slrithmetif bis gu ben Sega* rithmen incl. in ihrem 3 u famment)ange, Hebung in SSeljaublung einfacher unb quabra* tifdjer ©(eidjungen, Kenntnis ber Planimetrie unb einige gertigfeit in Sonftructionen <§amtobct. 307 unb enbtidj einige Kenntnis ber ebenen Trigonometrie geforbert wirb. 9Pit gutem ©runbe geht ber Unterricht, wie in aßen anbern gädiern, etwas Weiter, um bieS 3iet befto gewifer gu erreichen. 3BaS bie £>ütfSmittel beS Unterrichts betrifft, fo legen wandte Seljrer fein 33ud) gu ©runbe, fonbern geben in freiem Vertrage baS Srforbertidje unb taffen barnad) bie ©dritter ihre £>efte aitSarbeiten; anbere bjaBen ihr eigenes 8 ehrbu'i)fifalifdjer Separat fteljt überaß 3 U ©ebote. SllS Sehrbücher finb ju nennen baS bon SPüfler, bon Äoppe, bon gif her, bon Trappe unb bie Stufgaben bon gtiebner. Tie philofophifdje ^ßropabeutif finbet in ben- ©pmnafien mit StuSnaljme be§ ju SPeppen, welches 1 ©tunbe bafür oerwenbet, feine ©teße. 9Pan ift gwar jiemtid) barüber einberftanben, baß baS, was man in berfetben anftrebt, feine Vered^tigung hat, glaubt aber nicht gur Srreidjung beSfetben eines befonbern SetwcurfnS gu bebürfen. Stbgefetjen babon, baff ber Unterricht in ben obern Staffen nach gorm wie Snljalt eine fotdje 5ßropabeutif ift, berlegt man bie Dbjecte berfetben in anbere ©tunben. Tie ein» fdjtagenben fßuncte ber Sogif werben in bem beutfdjen Unterrichte, ©efdjichte ber fßhilo» fophie unb Sinführung in baS gange ©ebiet bei ber Seetüre beS fßtato unb Sicero ge» geben, anbere Wefenttic^e ©tiiefe bei ber djriftticben Sehre (Togmatif unb Stf)if) ertebigt. Unterricht im ©efang finbet fidj, ba er öon beut Dberfhukoßegium fräftig geför» bert wirb, mit wenigen SluSnahmeu in aßen Sehranftatteu, wenn aud? nidit überaß in gleichem Umfange. (Einige haben benfetben nur in ben untern Staffen unb öielteid)t nod) in Quarta als Staffennnterrid)t, unb befdjränten fidj in‘etwa 3—4 ©tunben auf bie elementaren Uebungen unb ein» ober f)ßd)ften 8 gweiftimmigen Shoratgefang. 3n ben weiften ber übrigen ift ber Unterricht für aße Staffen obtigatorifd), iubem nur bie» fenigen oon bemfetben bispenfirt werben, wetdje in ber ©timmWanblung begriffen finb ober Wegen ©djwädje ber ©timme ober aus tPücffidjten auf ihre ©efmtbheit nicht theitnehmen fönnen. Tie 3 a ht ber ©tunben ift bei ben Stnftatten öerfdjieben, fd)Wanft jwifchen 4— 8 . Tie ©djfiler Werben in ber 9feget in gWei Stbtheitungen gefonbert, bie erfte, bie gwei ober brei untern Staffen uutfaffeub, ^at bie elementaren Uebungen angufteßen, unb bann Shoräte unb anbere geeignete Sieber einftimmig 31 t fingen. Tie» jenigen, wetd)e hnutänglidj oorbereitet finb, treten in bie obere Stbtheituug über. Tiefe begreift diejenigen, wetdje in bem öierftimmigen Sljorgefange mitwirfen fönucu. 3n biefer finb demnach ©djüter aus aßen Staffen bereinigt. Sinige wenige Stnftatten geben bie Vorbereitung für ben Shorgefang in brei Stbtheitungen, inbem fie bie Vor» Übungen nad) ben untern, mitttern unb obern Staffen in ben öerfdjiebenen ©timmen borauSgehen taffen unb neben bem Sl;orgefange ununterbrochen fortfe^en. Tiefer ift aber baS 3>et, baS ber Unterricht 3 U erreichen ftrebt. Tie nöttjigen Sehrmittel, 9Pufi= tatien unb ein gtüget, ftehen babei gu ©ebote. Tie gemeinfameit fßrobuctionen finb theits in ©d)ulconcerten, theitS bei ©d)utfeiertid)!eiten gu erfehen. Tie 3nftrumentat= mufif wirb bem-eignen Srmeffen ber ©dfüter übertaffen. 308 •§annoüer. Eben fo wie ber ©efang ift bag 3 e 'tf) nen f«ft überaE gu ftttbeit. 3n beit untern wie in ben Stealclaffen ift eg metft obligatorifd), auf ber mittlere unb obere Stufe beg ©pmnafiumg facultatio. ©ie ©tunbengaht fdjtoanft gwifdien 4—10 ©tunben. ©er Unterriebt beginnt mit bem 3 e i^ nen einfacher gerabliniger ©egenftänbe, mit ben Siniem umriffen geometrifd^er Figuren, fdjreitet bann fort gu ben Sinienmnriffen perfpectioifdjer gigttren unb weiter gum 3dd)nen Oon einfachen Körpern ober ©heilen öon Körpern, I)ie unb ba nad) 9lad)bilbungen in Ijolg mit Slnlcitung, wie fie nad) ben Siegeln ber Ißerfpectiöe bargufteEen finb. 3ft auf biefem SBege eine hinlängliche gertigfeit erworben, fo über= lägt man eg ber eigenen Steigung unb SBapt ber tfernenten, an weldjen Dbjecten ber Kunft, 3 U ber it^nen ber 3 u 3 an 9 gebahnt ift, fie fid) Weiter oerfudfen tooEcn. ©ie S3or= tagen, toeldfe febe Slnftalt in augreidjenbem Stage befifct, für bag 3 eid)nen oon Säumen, Slumen, Sanbfdjaften, Köpfen, ©hieren, menfdjlidfen giguren u. f. w., befdjränfen bie 2 BaI)l nid)t. ©er ©d)reibunterrid)t erftreift fid), oon ber Sorfdjule abgefeimt, Wo in jeber Eiaffe 4—6 ©tunben bafür auggefefjt finb, auf bie untern brei Eiaffen, nur pie unb ba nod) aud) auf Tertia, unb bann auf bie beiben untern Stealclaffen, ober Wenigfteng auf bie unterfte. ©ie 3 a ^ ber ©tunben ift in ben Slnftalten fef)r oerfdjieben. SBälfrenb ntandje in Sexta 4, in Quinta 3, unb bann in ben folgenben Eiaffen je 2 ©tunben haben, im gangen alfo 11 — 12 , befcbränlen anbere ben Unterricht auf bie untere brei Eiaffen mit je 2 ©tunben. Uebrigeng finb aEe ©djüler oerpflichtet, an beutfelben tf)eil= junehmen. ©ie SDietpobe beg Unterrid)tg ift im aEgemeinen bie f. g. amerifanifhe in mannigfaltigen Stobificationen, im Anfänge bag ©aftfehreiben in Uebung unb im Weitern fyortfdjritte bie Vorlagen bamit itt Uebereinftimmung. ©ad ©urnen ift je^t überaE eingeführt. 3ebe Stnftalt ift feit 1848 burd) bie Se= wiEigungen aug Sanbedmitteln in ben ©tanb gefegt, einen toopl eingerichteten ©urnplafc gu gewinnen. Slugerbem finb üon ber Stegierung gwei ©urnlehrer angefteEt, toeldje bie Sflid)t h“ben, bie eingelnen SInftalten gu befudjett unb bie Hebungen einguleiten unb im ©ange gu erhalten. Slußerbem ift faft überaE ein ber ©ad;e funbiger Selfrer mit ber be= fonbern Seitung unb 2luffid)t beauftragt, ©ewöhnlid) ift ber gange Eötug in gwei 3Ib= theilungen getheilt, Oon benen gebe wöchentlich gweimal 2—4 ©t. turnt. Sei mandgen Slnftatten haben biefe Uebungen nur im ©ommer ftatt, Weil eg an einem ©urnfaale fehlt, ©ie ©heilnahme wirb ben ©hütern ober ben Eitere berfelben meifteng freige= fteEt; inbeg ftnb nur bie Oon ber 3 a h^ un 3 eineg Seitragg für bie ©urnanftalt — ge= Wohnlich 1 ©hlr. im 3al)re — befreit, beren ©efunbheitSguftanb eine ©heilnahme nicht geftattet. ®ag nadiftehenbe ©djema mag bie Sertheitung beg Unterrid)tgfitoff 6 in bem @pm= nafium unb ben bamit oerbunbenen oollftänbigeu Stealctaffen nad) einem ungefähren ©urd)fd)nitt überfid)tlid) geben. Sei ben Srogpmnafien ift wegen ber großen Serfdgieben* heit bieg niht möglid). Ed folgt bedhalb bag ©tunbenoergeidgnig einer ber ooflftänbigeren 2Inftalten, toeldjeg für bie erfte Eiaffe im aEgemeinen gegeben wirb, ohne bie ©rennung ber „Stealiften" unb „fpumaniften" in mandgen ©tunben gu berüdfid)tigen; auh bie Sorfdjule ift nid)t in Setradit gegogen; ferner ber ©tunbenptan ber höhere Sürger» fhule in ipannooer. §anno»cr. 309 © t u n b e n. ©ijmnafuim. tUuldaflcn. I. II. III. IV. V. VI. I. II. III. Religion . . . 2 2 2 2 3 3 . ... 2 2 2 ®eutfdj . . . . 3 3 3 3 3 4 . ... 4 4 4 ?ateini[dj . . . . 9 9 9 9 9 9 . ... 4 4 4 ©riedjifdj . . . . 6 6 6 6 gran$öfifd>. . . . 2 2 3 2 3 . ... 4 4 4 ßnglifd) . . . . 2 2 . ... 4 4 2 fpebriiifdj, facult. . 2 2 ®efd)idjte . . . . 3 3 3 2 2 . ... 2 2 2 ©eograpljie . . 2 2 2 4 . ... 2 2 2 Stfaturgefdjidjte ywi .... 2 2 2 . ... 2 2 2 ■äDtatfoematif u. die ebnen 3 3 4 4 4 4 . ... 6 6 6 ©djreiben . . . 2 2 4 . 2 3eidjnen, facult. . • (2) (2) (2) (2) 2 2 . ... 2 2 2 32 32 32 32 32 32 32 32 32 ®agu fomntt ©ingen für jeben ®ljeitneljnienben in 2 ©tunben unb ®urncn. ))rogi)rann|iuin. I. II. III. IV. V. Steligion . . . . 2 3 3 4 4 ®eutfcfj . . . . 3 3 4 6 6 ?ateinifdj . . . 8 5 6 6 granjofifd) . . . 4 3 4 ©nglifd) .... 3 3 ©riedjifdj, facult. . 4 ©efdjidjte . . . 2 2 2 ©eograpljie . . ; 2 2 2 2 2 9?aturaefd)ic&te . . 2 2 1 2lnfd)auung§imtemc()t 4 äftatfjemati! u.3Jedjnen 6 6 4 4 5 ©djreiben . . . 2 2 4 5 geidjnen . . . . 2 2 2 1 ©ingen .... 1 2 2 1 Junten, jireintal. 35 35 32 28 26 ©tunbenplan ber IjBfjern 93ürgerfdjule in Ipannoser. Religion Ucalfdjitlc. Dotfdjiilc. i. H. iii. IV. V. VI. VII. YIII. IX. X. ©utn* ma 2 2 2 2 3 3 4 4 3 25 ®eutfdj 4 4 4 4 4 4 6 8 8 10 56 ffranjofifdj 4 4 4 4 4 4 24 Snglif dj 3 3 4 4 1 14 üateinifdj 2 3 4 4 4 5 4 i 26 SJfatljematii 4 4 4 2 14 fftedjnen 2 2 2 2 4 4 6 6 6 4 38 ©efdjidjte 2 2 2 2 2 2 1 1 14 ÖSeograpljie 2 2 2 2 2 2 1 1 1 15 9caturleljre 2 2 4 Chemie u- SUitneralogie 4 2 6 üliaturgefdjidjte 2 2 2 2 ■ 2 2 12 ©djönf djreiben 2 2 3 3 4 6 6 4 30 §anbjeid)nen 2 2 2 2 2 2 12 Öinearjeidjnen (3) (3) ©ingen (1) (1) (1) (1) 2 1 2 5 “ ©umma 33 32 34 32 32 32 28 26 26 20 295 310 >§amtober. 3n bem ©orfteljenben ift ber getjrptan ber ©tjnutafien uttb ber mit benfetben ber* bunbenen 9featclaffen bargeftettt. 3n ©esieljung auf bie fßrogtjmnafien mag eS genügen gu benterfett, baff bei aller unter ihnen fidjtbaren ©erfdjiebentjeit baSjenige ben @egen= ftanb beS Unterrichts hübet, maS in ben untern unb tljeilmeife in ben mittlern (Staffen ber ©t)nmafiett borfommt, mit ber StuSnahnte,' baff baS gateinifdje meift fpäter ange= fangen unb in meniger ©tunben gelehrt mirb unb baS Oriedjifc^e in ber Reget nur pribatim erlernt mirb. Die einzige bottftänbige unb fetbftänbigeReatfdjute tu ber©tabt §annober tjat 6 (Staffen unb eine ©orfdjute bon 4 Staffen. Sine Reifeprüfung ifi für bie Realfdjüter noch nid)t eingefütjrt. Dodj ift borgefdjriebett, baff bie, metdje in gemiffe 3 we iö e beS ©taatSbienfteS eintreten motten, mie baS fßoftfadj unb ©aufadj, bie crfte Staffe einer Reatfdjute jmei 3aljr lang befudjen unb beit befonberS noruiirten Stnforberungen genügen müjjen, um jugetaffen ju merben. DaS ihnen ju er* tljeitenbe geugnis muff auSbrüdtidj auSfpredjett, baff fie jenen Stnforberungen entfpredjen. Unter bemjenigen, maS mir jur ©eantmortung einiger ben Unterricht betreffenben fragen ttodj meiter Ijingugufügert haben, bemerfen mir gunädjft, baff bie SSefdjäftigung bereinigter Slbtheitungen in einer Staffe nur in befdjränftem SJiaffe borfouimt; ntandje Stnftalten, metdje getjrfräfte genug haben, bie Staffen überhaupt ober menigftenS in ben ©egcnftänben, itt beiten eine Ungleichheit ber gementen befonberS ftörenb fein mürbe, in jmei Slbttjeilungen ju trennen, fennett biefetbe gar nidjt. Die übrigen fommen tjaupt* fadjlidj nur baburdj in ben Satt barauf SSebadjt 31 t nehmen, wenn mit ben eben in eine Staffe Singetretenen eine ©pradje, mie bie fraitgöfifdje, griedjifd^e, engtifc^e, 31 t be= ginnen ift, metdje bie alten SRitgtieber berfetben fdjon getrieben haben. 3tt tiefem Satte mirb bie SSefdjäftigung beiter Stbtfjeitungen tabnrdj erteidjtert, baff bie StufaitgSgriinbe ber jüngern als Repetition für bie altere benufct mirb unb jmar fo, baff bie SDJitglieber berfetben jitttt ©ortragen beS gerate behaubeiten fßenfumS angehatteu uttb aujferbent angemiefen merben, bie Slnfättger prioatim ju unterftüfjen. 3ft bieS nidjt mbgtidj, fo hat jebe Slbttjeitung iljr befonbereS fpenfum uttb ber Setjrer nimmt baSfetbe mit jeber fo burdj, baff auf bie eine unb anbere ©Seife bie SDiitgtieber beiber befdjäftigt merben. Ober enbtidj, faitn ber Setjrer in beut mihibtidjen ©ortrage fidj nur an eine mit Ruhen menben, fo mirb bie anbere angemiefen, mäljrenb ber ßeit eine fdjrifttidje Stufgabe an* jufertigeit ober eilt fßenfuitt 3 U memoriren. Stufferbem fommt biefe ©efdjäftiguug jmeier Stbttjeitungen ober Dehnungen im Redjenunterridjte bor; tjmb giebt bann ber Sehrer einer jebett itjre befoubere Stufgabe unb geljt, fobatb bie eine bie itjrige auSgefuljrt Ijat, biefetbe burdj uttb lägt fie, mofertt eS liöttjig, bnrdj bie au ber Dafel beranftaltete 23e= redjnung burdj ben einen unb anbertt ber Sernenben beridjtigen, meihrenb bie gm eite uttb bietfadj audj eine britte Slbttjeitung mit ber Söfuitg bott Stufgaben für fidj befdjäftigt ift. — Der fttcceffibe Unterridjt ferner ift fetjr gemohnlidj. SBie bie lateinifdjen unb griedjifdjen ©djriftfteller fo biel mie ntögtid) ttadj einanber getefen merben, fo mirb bei einigen Stuftatten grunbfähtidj Slrithmeti! uttb ©eometrie nidjt neben einanber gelehrt, fonbern fo, baff eilt ©iertet* ober nodj lieber eitt halbes 3atjr bem einen ©egenftanbe ganj unb ba§ fotgenbe’bem attbern gemibrnet mirb. Sbett fo mirb bietfadj mit ber @e= fdjidjte unb ©eograptjie, ober ber ©eograpljie uttb Raturgefdjidjte berfahren, mo teibeS in ber §attb beSfetben SetjrerS liegt. Die gemütjnlidjen .fpauSaufgaben haben bie münblidjen ober fdjriftlidjen Seiftungeit jum ©egenftanbe. Diefe fittb in ben untern Staffen bie SluSführuug bon Redjenepempeln, Hebungen in ber bcutfcfjen ©rammatif unb Drtljographie, Heine Rad; = Stählungen, Uebuttgen auS ber lateinifdjen Formenlehre; jette beftehen in ber Repetition beS ©enfttmS beS Religionsunterrichts, in bem Serneit bon Sirdjentiebern uttb fonftigen Heinen ©ebidjteu, in ber Repetition beS gefdjidjttidjen, geograptjifdjen unb itaturhiftorifdjen ffJenfumS. Sttte biefe Stufgaben nehmen tagtidj 1—2 ©tunbeu itt Stnfprudj. 3n ben mittlern Staffen merben für bie Sontpofitionen in ben ©pradjen, bie beutfdjen Stuffähe, bie mathetnatifdjen Stnfgaben, bie — nidjt regelmäßig unb forttaufenb angefertigten — Ueherfehungen auS §Qnitoöcr. 311 ben alten ©djriftftellern, für ißräparation unb Slte^etitio« im ©urd)fd)uitt 3 ©tunbett cvforbert; bie beiben obern bebürfen für biefelben Aufgaben unb bie bap fentmenben lateinifdjen Sluffa(3e unb Siebeübungen int elften Safyre eine ©tunbe mefyr. Die fdjriftlidjen Sludarbeitungen, wie fie namhaft gemadit finb, Werben een ben Seljrern corrigirt, mit Sludnaljme etwa ber Ueberfefjungen, Weldje in ben obern Klaffen gewöfynlid) nur borge» tefen unb babei müublid) corrigirt werben. Slbgefefyen bon biefer befd)Wertidien Arbeit fyaben bie Seiner, namentlid) jeber Klaff enlefyrer, bie fkioatftubien ber ©djüler p leiten; bied tlpn fie, iitbem fie tljeüS im allgemeinen Einleitung p benfelbett geben, ttyeild aber aut, Wo ed nötlfg ift, jiribatim bap anweifen, bie 9iefultate fid^ borlegen taffen unb beurteilen. Slufjerbent ift ed ben Seljrern geftattet, ben ©djülern ißrißatunterridit p geben; inbed ift bie Drbnuttg bie, bag bied nur gefdjie^t, wenn bie in einer Klaffe unterridjtenben Seigrer ober ber ©irector finben, bafj berfelbe einem ©djüter in einem g-adje not^weubig ift. ©iefe genieinfante Uebertegung ber Sefyrer ift aud} für bad Sociren — in ben untern unb mitten Klaffen — erforberlid). Denn ftefyt bied aud; bem Klaffen» leerer p, fo I;at er bod) bie Urteile ber übrigen gu berüdfid)tigen, fo wie er beim aut bie eine unb anbere fSrobearbeit befonberd für biefen B 113 ^ fdjreiben lagt. — Kine ESibliott)ef fefilt Wol}l nirgenbd; fie ift tfyeüd eine f. g. Sefebibliottyef, biefenigen beutften Klaffifer, Volfdftriften, wiffenfd}afttid}e SBerfe entfyalteub, Wetd;e ben ©dplerit für il}re Seetüre gegeben Werben; ttjeild bietet fie ben Sefyrern bie nötige Siteratur. Vei man» d)en Slnftalten ift ein, wenn aud} nur Heiner, gonbd für biefelbe borl}anben, Wetter eilte Vermehrung erhält bitrdj bie gemöljiilid) fefyr geringen Sßeiträge, weldje bie ©djüler für biefen B lue ^ neben bent ©djulgelbe bejahten; anbere finb lebiglid) auf biefe Verträge unb @efd)enfe bon ©onnent ber Sinftalt unb aud) WoI}l bon ©djülern angewiefen. 3m ganjen fiat bie Verwaltung, Weld;e bem ©irector unb einem befonberd bamit beauftragten SKitgliece bed SefirercoHegiumd obliegt, tlrfadje mit Unifid)t 31t berfaljren, um bem näd}= ften Vebürfniffe ber Slnftalt p genügen. Slud} für anbere Seljrmittel unb Uteitfilien finb ' gonbd boitanben, wenn aud} bidweilen befträntt genug. ®ie ©tuljudjt, ald eine wefentlid>e Slufgabe ber @i}iitnafien, beruht im aEge» meinen auf bem ©ebanlen, bag ed mit tr am beften befteHt fein werbe, Wenn fie ofme befonbere Veranftaltungen, in bem Seben unb SBirfen ber Slnftalt bon felöft tre Voll» jieljung finbe. ©ad SBort unb SBirfen ber Seljrenben im Unterritte wie im nähern Verlel;r foH bad ben Sernenben Veftimmcnbe fein unb tn unmerflid) unb gleitfam unbewugt in bie S£id)tung bed SBotlend unb ©trebend einfüfiren, bie er bei gereifter Kinfidjt unb Kraft aud eigenem Kntfdjluffe p feinem fpeile berfolgeu p tonnen fit freuen Wirb, ©aranf Weidt bie oben erwähnte 3nftruction ber Klaffen=Drbinarien be= fonberd fyin. ©iefe haben bie Slufgabe, aud} äuget alb ber ©dple berat^enb unb er» pfyenb auf bie SJiitgtieber ihrer Klaffe p Wirten, bor allen auf biefenigen, weldie nid)t im elterlicljen §aufe ober in ber Familie eined Sehrerd leben. Unb um auf Orunb einer genauen Kenntnid aller Vorgänge innertjalb ber ©dple überall jloedbienlid} ein» greifen p fönnen, taffen fie bon bem Primus ber Klaffe ein f. g. Ktaffenbud) füfy» ren, in weldjed eingetragen wirb, wad bie Set;rer tnnfid}tlid} ber Verfäumniffe, bed gleiged, ber Slufmerffamfeit, bed Vertagend ic. p bewerfen Ijaben. ©iefe Vemerfnngen foiumen neben ben Siiigen unb ©trafen, bie fie etwa nad) fid} gejogen, bei ben Socationen unb bei ber Krt^eilung bon Beugniffen in Vetrad)t. — ©ebrudte ©djulgefetje finben fid; jwar in ben weiften Slnftalten, werben ben ©d)ülern aber nur bei Wenigen eingeljänbigt; in ber Siegel werben fie imSlnfange eined £>alb= ober Viertcljal}rd müub« lid) mitgetljeilt unb jWar gewi^ äwedmägig jeber Klaffe befonberd, infofern, bon bem Slllgemeinen unb fit ton felbft Verftefyeuben abgefe^en, anbere Folterungen an ben ber Uniberfität na^e ftefyenben ißrimaner gemad)t Werben mügen, ald an bie Knaben ber untern Klaffen. ®ie ©djulberfäumniffe Werben bon ben Kttern ober ben Vertretern berfelben fdjriftlid) entftulbigt; ^aben fie eine anbere Veranlaffung ald Kranftjeit, fo ift bor^er bie Krlaubniö baju nad}jufud)en. SBo auf biefe Drbnung gehalten wirb, 312 «gmnnoöcr. tritt fetten bie 9Jothwenbigfeit, eine Uebertretung berfelben ju [trafen, ein. Sie fonfi üblichen ©trafen ftnb: SSertoeiö, 9tota im Staffenbud;, Einfperrcn in bem Staffenjimmer mit ber ©erpftid;tung eine Aufgabe auSjufüt;ren fowoljl für ungenügenbe Seiftungen als tabetnSwertt;eS betragen — in ben untern unb mittlern Staffen—; in befonbern gälten fann in ben untern baS ©etragen aud; fürperlid;e 3üd;tigung jur fjotge haben. 3n ben obern Staffen unb jum Speit aud; in Tertia tritt atS ©träfe für Uebertretung ber ©cpulorbnung Sarcer ein; fyie unb ba muff aud; Wopt bem mangetnben gleiße burd; biefetbe ober eine ähnliche Sötaßreget nadjgepolfen Werben, wieWot;t in ber Sieget Erin= nerung unb ßuredjtweifung als genügenb betrachtet werben fann. 3 m ganzen fommen bie Sepranftalten fettener in bie peintidje Sage, fdjarfe ©trafen anWenben ju mäßen, Wenn fte ben SItern in ben t;ntb= ober oierteljührlichen ßenfuren — beibeS ift üblich — über ihre ©ö^ne eine mögtid;ft genaue Kenntnis geben unb, wo eS nötpig wirb, außerbem noch aufftärenbe ©erid;te in wohtwottenber 2Beife äugepen taffen. 2Bo biefer ©djritt, jumat wenn er wieberhott getpan wirb, neben ben unauSgefefcten ©emüpungen ber Seprer nicht bie SBirfung pat, einer bebenftidjen 9rid;tung einen Samm entgegengufe^en ober gu euer* gifd;er 3tt;ätigfeit anjufporneit, ba wirb atS bie traurigfte 9)c aßreg et bie Entfernung, batb jur ©otpwenbigfeit werben, ©effer atS mit ben ©trafen ift eS mit ben Prämien befteHt; fie ftnb bis auf geringe ©puren glficflidjerweife gang befeitigt. — 3n ben untern unb mittlern Staffen werben bie ©d;üter meiftenS „bu" angerebet, in ben obern beiben wie in ber erften Sieatctaffe ,,©ie". Ser äBirtpSpauSbefud; ift aud; ben ättern ©djülern in ber ©tabt unb in ber nahem Umgebung berfelben burdjauS oerboten, eben fo wie baS Sabafraudjen außerhalb beS Kaufes, ©eibe ©erböte paben immer befon= berS jur Uebertretung gereigt unb mand;e Slnftatten paben «och immer ciete 9?otp, bie= felben aufred;t jtt erhalten. SeShatb pat man in neuerer $eit, wo bie ©enußfudjt immer ftärfer heroorgetreten ift, hie unb ba ben ©Gütern ber Prima unb ttjeitweife ber Secunda ben ©efuep eines öffentlidjen ©artenS wäprenb beS ©omrnerS für gewiße gatte, 3 . ©. bei einem Soncerte unb unter beftimmten ©ebingungen unb ©orauSfepungen ge= ftattet unb nid;t eben wargenomtnen, baß biefe Erlaubnis übte golgen nad; fid; gejogen. Sie Erfahrung lehrt, baß bebenftidje ©enußfudjt weniger bei altern ©chütern heroortritt, atS in bem mittlern Sitter, ©inb nun bie ©erpättniffe in ben öerfdjiebenen ©täbten audj oerfchieben, unb hat jebe Stnftatt ihre eigene biSciplinarifdje Stufgabe, fo muß man bod; im aUgemeiuett anerfennen, baß einem in Uebereinftimmung wirfenben unb etwaigen ©er= irrungen im ©eWufgtfeirt feines ©erufS feft unb fidjer entgegentretenben Sehrercotlegium bie ©ewahrung guter 3 u ct)t unb ©itte nidjt eben fdjwer Werben fann. ©on ben Eltern auswärtiger ©djüter wirb oerlangt, baß fie ihre ©ohne in einem |jaufe unterbringen, in welchem über baS päuStüpe Seben berfelben geWadjt unb, fo wie eS„erforbertid; ift, rechtjeitig Slnjeige barüber gemacht ober wahrhafte SluSfunft gegeben werben fann. Sie ©ertreter ber Ettern werben aud; wohl burd; ffteoerS auSbrüdlich oerpftidjtet. Ser ©etrag beS KoftgetbeS ift nad; ben befonbern ©erhättniffen oerfdjieben, beträgt im Surd)fd)nitt Jebod; 150 Sptr. — Sa 8 ©djuljapr beginnt Dftern. Sie gerien betragen im ganjen9—lOSBodjen; bie ©ertheitung berfelben ift nidjt überall gleich; fie faßen Dftern — 14 Sage —, ©fingften, im 9Konat SutiuS 3—4 SBodjen, ©tidjaetis 14 Sage, 2Bei[;nad;ten 14 Sage. Stußerbem giebt eS hie unb ba einige freie 9?ad;mittage — ab= gefehen oon ©tittwod; unb ©onnabenb, wo überall nur ©ormittagS unterrichtet wirb, ©djutfeiertidjfeiten finb jiemtid; regelmäßig Dftern unb ©tidjaetiS bei ber Enttaffung ber Slbiturienten, bei wetdjer bie fReben ber Stbgepenben unb ©robuctionen beS ©ingdjorS ju erwähnen finb. ©rogramme erfdjeinen bei ben meiften ©pmnafeen feit einiger 3 dt regelmäßig unb äWar Dftern. Einige begnügen fid;, wie bie StReEjrgaI;t ber ©rogt;m= nafien mit ber ©eröffentlidjung oon ©d;utnad;rid;ten unb SectionSptan. Ein ©ro= grammentaufdj befteht mit ©reußen (feit 1855 ), mit bem Königreich ©achfen, Kurfürften= thum Reffen, ^erjogthum ©raunfd;weig, Soburg=©otf;a, ©?ecflenburg=©d)merin, ©d;Warj= burg=fftubotftabt, ©Balbecf unb SBürttemberg. ■gmnnooer. 313 Slufjer ber fdjon auSfüfrlid) befprochenen Slbiturientenprüfung fittbcn faft überall Dftern unb I)ie unb ba aud) mobil SDUdjaeliS öffentliche Prüfungen ftatt. Eie Einrichtung berfelben ift je nach ber 2luSbel)nung für jebe Eiaffe oerfd)ieben; bie Slnft alten, »etd)e 3 »eimal prüfen, befdjränfen fid) in ber fßegel auf bie fpälfte ber Klaffen. 3 U biefen fommen nod) bie f. g. Klaffenprüfungen, ju benen baS publicum feinen 3«^^ hat. Sie finb 3 U bent 3^^^ angeorbnet, bamit bie Lehrer einanber in ihrer befonbern 2ftc= thobe näher fennen lernen unb ju einem fruchtbaren 21uStaitfd)e ihrer Slnfidjten unb ®r* fahrungen oeranlafjt »erben. Y. Eie 2?erl)ältniffe ber Sefjver fönnen nad) mehr als einem ©efidjtspuncte oer= fd)ieben genannt »erben. Eer §auptunterfdjieb aber beruht barin, ob biefelben an ber 2 lnftalt angefteüt ober nur mit einigen Unterridjtöftunben beauftragt finb unb fonft eine bie Slnftalt nicht »eiter berührenbe 33eruf8tl)ätigleit haben. EiefeS ift bie Stellung ber Selber für baS 3 c i ( h Ilen » ©ingen unb and) »oljI baS Schreiben. Sßenige SInftalten haben für bie erften beiben UnterridjtSjtueige angefteüte Sehrer ober unter ben angeftetlten folche, »eld)e biefelben oertreten; bagegen toirb ber Sd)reibunterrid)t in ber Siegel oon einem ftänbigen Selber ber untern Klaffen erteilt. Eie angeftetlten Seljrer ftetjen in fofern gleid), als fie als SDiitglieber beS Kollegiums in ben Konferenjen ihr 33otnm haben unb bem Staate gegenüber genüge Rechte toie auf ißenfion u. a. in Slnfpvud) nehmen fönnen. SSerfdjieben ift ihre Stellung je nad) ben Klaffen, in benen fie ihre SSMrffam* feit haben; oerfdjieben aud), je nachbem fie Klaffenlehrer ober gad)teljrer— für ÜJlatlje* matif, Siaturmiffenfdjaften unb neuere Sprachen — finb. S5on ben 240 Ipauptlehrern, »eiche oben ermähnt finb, haben 191 ftubirt, unb j»ar 96 iPh>l°^ D 9' e » §6 Eh c °Iogie, unter biefen 23 Äatljolifen, 23 SDiathematif, 8 Sffathematif unb i|Sh^ 0 ^ 0 öi e ; 9 neuere Spradjen; 49 haben ihre SBitoung in Senünarien ober auf anberent SB ege gewonnen. Eie Eitel, bie ihnen üblidjer Söeife oerliehen »erben, finb an ben ©pmnafien für bie erfte Stelle Eirector, für bie jmeite 91ector, für j»ei bis brei ber folgenben Konrector, bann Subconrector, für bie »eiteren Kollaborator, baju fommt nod) „Oberlehrer", oor» jugSmeife für bie gadjlehrer in ben obern Klaffen. Eie Klementarlehrer ber untern Klaffen haben in ber Siegel feine befonberen Eitel. 2tn ben ißrcghmnafien h e '^ ber erfte Sehrer DJector, bie folgenben Konrector unb Kollaborator, ißrofefforen »urben nur bie orbentlid)en Selber ber frühem Sfitterafabemie in Süneburg genannt. Eie Kanbi= baten beS Sehramts, bie aus ben oerfdjiebenften Stänben heroorgehen — nur ber 2lbel, ber höhere StaatSbienft unb baS SJiilitär fieljt feinen ber Seinigen unter benfelben — haben, um Slnwartfdjaft auf Stnfteüung an einer höhern Seljranftalt ju erhalten, nach ber oben fdjon angeführten Söniglidjen 33erorbnung 00 m 22. Slpril 1831 unb ber 31 t 2IuSfüI)rung biefer SSerorbnung erlaffenen Snftruction oor ber »iffenfdjaftlidjen ißrüfungS» Kommiffion ihre ^Befähigung bar 3 uthun. EaS examen pro facultate docendi beftel)t 1) für bie, »eldje fid) bem eigentlidjen gelehrten Sd)ulfad)e »ibmen »ollen, b. h- bie Stellung beS §>aupt= ober KlaffenlehrerS 3 u erhalten »ünfd)en, 2) für bie, »eiche gad)= lehrer ber SDiathematil unb Üfaturmiffenfcfjaften ober 3) ber neuern Spradjen »erben ober 4) als §itlfSiehrer in ein 3 elnen Rächern in ben untern Klaffen einer hohem Sehranftalt unterrid)ten »ollen. ' Eie Prüfung ift eine fchriftlid)e unb münblid)e. Eie =päbagogifct^e Prüfung ift obligatorifd) für alle. Slufjerbem erftredt fid) bie Prüfung für bie Kanbibaten ber erften Äategorie auf bie beutfdje, lateinifd)e unb gried)ifd)e Spradje, bie l)iftorifchen SBiffenfchaften unb bie Religion, für bie ber brei übrigen auf biejenigen gäcfjer, benen fie ihre Stubien gemibmet haben. 3e nach bem SluSfaU ber fd)riftlid)en Arbeiten — einer philofopt)ifd)=päbagogifd)en, philotogifcljen unb hiftorifdjen, mathematifdjen unb natur= »iffenfchaftlid)en u. f.». — unb bem KrgebniS ber münblidjen Prüfung »irb ein 3eugniS entrceber über bie SBefäljigung für ben Unterricht in allen Klaffen, ober für bie mittlern unb untern ober enbtid) auch nur für bie untern erteilt. Eiejenigen, benen ein 3eugniS 3 »eiter unb britter Klaffe 3 U tljeil geworben ift, müfjen bie Dberleljrerprüfung nachholen, 314 "gicmnoocr. wenn fie in bie obcrn Eiaffen aufrücfen Wollen, eg fei benn, baß fie im£aufe ihrer Slmtg= tljätigfeit and} wiffenfdjaftlid) fo fidjtbar fortgefdjritten fiitb, baß bag £)bcrfd)ulcolIcgium bag Slufrüden and) cl;ne borljergegangene Prüfung geftattet. SBä^renb bie Snftruction bom 17. fDiai 1831 bem Urteile ber fßrüfunggcommiffion überließ, bcn üJlaßftab für bie S3eftimtuung ber geugnigclaffe 31t finben, enthalt bie rebibirte bom 14. gebruar 1853 barüber jiemlidj genaue geftfefcungcn. ©er ©runbgebante, aug Weldjetn biefelben l)er= borgegangen finb, bag @ebiet, in bem fid) bie junge Straft concentriren unb mit befto größerer Energie einarbeiten foü, ju begreifen, berbient an fid) bolle Slnerfennung; aber beunodj ift 3U jtoeifeln, ob jene Slbfidjt auf biefem SBege erreicht wirb, unb barum finb jene geftfe(5ungen bebenllidj. Um eg furj 3U jagen, wäljrenb ber ©tubirenbe früher bag ©ebiet ber 28iffenfd)aft bor Slugen l;atte unb fid) fyeimifd) in il)r 3U machen fud)te, liegt jc(3t bie ©efa^r nabe, baß er bou bornl)erein fid) nad) bem umfiebt, Wag in her fßrüfung berlangt wirb. Unb ba gefd)iel)t eg, wie nun einmal bie üDlenfd)en finb, gar leid)t, wenn nid)t befonbere ^Begabung unb befonberer ©rieb bon foldjem Slbwege 3urüdl)ält, baß bon Slnfang an bie ©tubien nad) ben gorberungen ber Prüfung unb fßrayig jugefdjnitten unb befdjnitten Werben. Eben fo bebentlid) ift eg, baß bie Ean= bibaten nad) ber neuen Snftruction bie gäd)er Wahlen tonnen, in benen fie geprüft ju werben wünfdjen. ©enn wenn gleich bag geugnig ben SBertl) biefer gädjer unb ber üeiftungen in benfelben crteunen läßt, fo ift eg bod) nid)t WoI)Igetl)an, Seute an einer l)öl)eru Seljranftalt aujuftelleu, benen bie ganje wijfenfdjaftlidje Gilbung fehlt, bie nur auf ber Uuiberfität angeeiguet werben lann. Slbgefeljen bon biefer wiffenfd)aftlid)en Prüfung fiat ber Eanbibat bor ben 50Jit= glicbern beg -DberfdjulcoIIegiumg, je nad) ben 33eftimmungen begfelben, in einer fßrobe- lection fein pvaftifdjeg @efd)id ju beweifen. £>ienad) Wirb er, Wenn er eg wfinfdjt, an= gewiefen, an einer Slnftalt fein fßrobejaljr anjutreten ober alg SDlitglieb in bie jmeite 3lbtl)eilung beg päbagogifdjen ©eminarg aufgenommen. £at er fid) in ber einen ober anbern SBeife alg tüdjtig anggewiefcn, fo tritt er in bie Sieilje ber anftettunggfät)igen Eanbibateu ein unb braudjt je(3t nid)t, wie bor etwa 10 Saljren, lange auf eine U)n in Slnfprud) nefmenbe amtliche ©fiätigfett ju Warten. Ein beftimmteg Sitter ift für bie 3ln= ftellung nidjt erforberlid), unb Wäljrenb früher in wandten gälten bag 30. Sebengjaljr Ijeranfam, elje fid) ber gewünfdjte fßlafc finoen Wollte, treten jetjt manche mit bem 23. 3al)re fd)en in bag Slmt. Sßie oben bargetegt, erfolgt bie Slnfteüung bei ben 10 fönig= lidjen Slnftalten burd) bag £)berfd)ulcoöegium, bei ben übrigen burd) S3ereinbarung beg DberfdjulcoIIegiumg mit ben fpatronaten unb ben bifd)öflidjen 33ehörben. ©ie ift im erften Saljre in ber Siegel eine probiforifdje unb Wirb bann, wenn iüd)t befonbere Umftänbe entgegentreten, eine befinitioe. ®ag DberfdjuIccHegium, alg bie allein fadjfunbige 23e= flörbe, hat bie entfdjeibenbe ©timme; bie ftäbtifdjen fßatronate erlernten genügenb, baß eg Wohl gctfan ift, bie bon bemfelben befignirten Eanbibateu ober Sieljrer anjune^men. Slußerbeut aber l)at biefe 23eförbe mit ber Verfügung über bie non ber allgemeinen ©tänbe= berfammlung bewilligten -Kittel aug ber löniglidjen ©eneralfaffe gefe^lidt einen ber= mefirteu Einfluß auf bie Slnfteßung ber Sehrcr erhalten, ©iefer Einfluß befiehl barin, baß einige ©teilen an ftäbtifdjen Slnftalten unter gewißen SDlobalitäten regelmäßig bon betreiben befe(jt werben, ©ie ©irigenten h a f> ett nidjt bag 9ied)t, Einfluß auf bie äBahl ber Sichrer ju üben; ba fie jebod) bie SBebürfnijfe ihrer Slnftalt boHfommen iiber= fehen unb beurtheilen fönnen, fo ift eg natürlich, baß ihre ©orftcllungen unb SBiinfdje S3ead)tung finben. Eine allgemeine ©ienftinftrnction ift, abgefehen bon ber für bie Elaffenorbinaricn, nidjt borl)anben, eben fo Wenig wie eine gejefslidje ÜBeftimmung über bag ÜDiaß ber Unterrichtgftunben, 31t benen bie Seljrer berpflidjtet. Slud) ift biefeg tlpat= jäd)lid) nid)t überall bagfelbe. 3m allgemeinen barf man annehmen, baß bieSeljrer ber borbereitenben Elaffcn wödjentlid) 30—32, bie ber untern 24—27, bie ber mittlern unb ber obern 20—24 ©tunten 3U unterridjten haben; nur bei bem tßäbagogium in Slfelb §onncöcr. 315 ift bie 3afyl erheblich geringer, ©ie ©irectoren an ben ©tpnnafien geben nur in einigen gälten über 12—16 ©tunben hinaus. Sine ülmtsfleibung haben bie Sebrer nid)t. 2öaS bie ©ienfiredjte ber Server betrifft, fo finb fie biefelbeu, toeldje allen übrigen Staats» ober nad) gegenwärtigem Sprachgebrauch ,königlichen ©ieneru" guftel)en. ©ie bariiber geltenben formen Waren neuerbingS in bem „©taatSbienergefefc" o. 8. 9)tai 1852 gufammengefaßt; baSfelbe bat oerfdjicbene Slbänberungeu erfahren uub ift burd) baS ©efeb über bie Serljältniffe ber „Söniglid)en ©iener“ o. 24. SuniuS 1858 eifert worben. Nad) biefem (§. 50) finb benn bie Sebrer and} ben allgemein gültigen, gur 9lufred)terl;altung ber ©ienftorbnung getroffenen 33eftimmungen über ©uSpenfton unb Sntlaffung oorn ©ienfte unterworfen unb bleibt baneben für fie bie SJorfdjrift beS §. 8 ber 33erorbnung über bie Prüfung ber ©djulamtScanbibaten u. f. w. o. 22. Slpril 1831 in Äraft. ©iefe gebt babin, baff „unwürbige ober träge unb unfähige Sebrer, Welche burd) alle SNittel ber Erinnerung unb SSarnuug nicht gnm inuern Srnfte in ber Erfüllung ihrer iJ3flid)t gu bringen finb", gu einer Prüfung pro loco gegogett werben foHen. gäüt ber Erfolg biefer Prüfung nid)t gang ungünftig für ben ©eprüfteit au§, fo foU 1) baS Dberfd)utcollegium bie 33efugni8 haben, «ad) Eomntunication mit bem ißatron ber ©djule, bem Sebrer einen niebrigern, feinen Sräften angemeffenen äBirfungSfreiS au ber ©dptle, an welcher er ftel)t, anguweifen; 2) erfdjeiut biefe Ntaß» rege! uid)t auSreid)enb, fo !ann ein foldjer Sebrer je nad) ben lhuftänben a) anbcrlüSl)e» rigen ober einer anbern 21uftalt auf eine aud) im @el;alte geringere ©teile gefegt ober b) genötl)igt werben, einen SlbfunctuS, weldjer burd) bie 33ebörbeu beftimmt wirb, an» junel)men unb bemfelben einen ©l) e ^ feiner Siufünfte abgugeben, ober enblid) c) oont ©ienfte entfernt werben, wobei eS Oon ben Umftäuben abbängen Wirb, ob ihm eine fßenfiou bewilligt werben fann ober nid)t. Sine Prüfung pro loco fann ein Sebrer baburd) oertneiben, baß er fid) gu einer ber obigen Sleräuberungen, Wie baS Dberfdiut» collegium fie für uott)Weubig i;alt, willig finben läßt. UebrigenS barf bemerft werben, baß bis jef 3 t bieS gange 33erfabren taum uötbig geworben, unb baß feit bem 33efteben beS DberfdptlcoUegiumS ©ieuftentlaffungen nur in oier gäHen oorgefommen fmo. — Sieben Wir nun bie ©ebaltSoerbältniffe in 33etrad)t, fo ift gunäd)ft gu bemerfen, baß eS 33 e= folbungSclaffen uid)t giebt. 9Nan l;at fid) barauf befdjränfen müßen, biefe, früher feines» Wegs günftigen, 35erl)ältniffe ben 33ebürfniffen unb Seiftungen ber Sebrer allmählich ei» nigermaßen entfpredjenb gu geftalten. ©ie ©ebaltSminima, welche bisher in ber Negel 300 betrugen, Werben je^t oft fdjon auf 400 Elf 1 '- erhöbt. 3Bäl)renb 1833 auf ben ftubirten Sebrer int ©urd)fd)nitt nur ein @el)alt oon 575 Elfr. fam, beträgt berfelbe je(3t 731 unb für bie unftubirten etwas über 441 Ebtr., t^ebei freilich bie 3Bol)uung uub ©eputate an Naturalien, bie cS nod) an manchen Drten giebt, eingerechnet finb. fpiegu fommen — aHerbiugS nid)t regelmäßige — EbeurungSgulagen, f cn -'ie unter befon» bem Umftänben, bie eine außerordentliche Unterftü(3ung erforberlid) erfdjeinen laffen, ©ratificatioueu. ©agegetr erfreuen fid) bie Sebrer feiner Smnxunitäten; fie h a ^ en w ‘ e alle Uutertbanen ©taatS» uub ©emeinbelaften gu tragen, b. !)• in jener 33egiel)ung f|3er= fonen» unb SBefoIbungSfteuer, in biefer Sonuuunal» unb l)ie uub ba ülrmenfteuer gu galten, bie erften immer fd)on, bie gweiten in ben meiften ©täbteu erft feit 184S. Sin 33er» gteid) ber ©ebaltSoerbältniffe mit ben 33efo(bungen auberer öffentlichen ©iener ergiebt, baß bie Sebrer trog} ber erl)eblid)eu 33efferung, bie eingetreten, immer nod) geringer be= folbet werben, als jene, Wie bie, Jefet freilid) uid)t mehr gang gutreffenbeu Nad)weifungen in ber 3 e itfd)rift für ©hntuafialwefen oon Niülgel 12. 3al)rgattg gebruar 1858 ftar bartbun. SS mag nur not entfpredjenbe Sepraerfaffung unb jüngere, rafd) fid) meprenbe Seprfräfte unter einpeitlidjer Leitung fepten fie in ben ©tanb, ben 2ln= fprüdjen, bie man in anbern Sanbera, namentlidj in 'tßreußen, längft an bie ©pmna* fien gemadjt patte, halb natpgufommen unb fid) mit biefen auf gleiche ©tufe gu erpeben. 233ie bebeutenb bied (Srgebnid ber neuen Drganifation ift, fanu nur ber ermeffen, welcper nod) einen Slicf in bie früperen 3 u fiänbe getpan unb bie nietfad) fdjwierigen unb un= günftigen Serpältniffe fennt, unter benen badfelbe erreicht ift. Dad nad)fte unb wefent* lidjfte Sßerbienft babei gebüprt ber leitenben Sepörbe, bem Dberfdjulcoßegium. Died wirb man gnnadjft barin gu fucpen paben, baß badfelbe bei ber Dfeubilbung aßed fünftlidje perimentiren unb bie nape liegenbe Serfmpung, nad) einem tpeoretifd) fertigen 2ßlane gu uniformiren, fern piett unb, oielmepr an bad überaß ©egebene anfnüpfenb, einer natür= lidjen unb gefunben Sntwidtung fftaunt fdjaffte. Diefe 2lufgabe war Bon nidjt gewöpn* lidjen ©cpwierigfeiten begleitet. Der Seprplan freilid) unb bie innere Drbnung War bei ben ftd) Bon felbft aufbrängenben SDtobificationen leid)t pergufteßen; aber bad eine wie bad anbere ind Seben gu fiipren, erforberte 21rbeit unb Umfidjt. Dagu mußten untauglid)e 2ßerfönlid)feiten befeitigt, taugliche gewonnen unb babei bad oft eigenfinnige Söiberftreben wiberwißiger, auf ipre pergebradjten 9fed)te eifcrfüdjtiger Patrone mit ©djonung über* Wunben werben. Darum war ed für bad rafdje ©ebeipen bed ©djulwefettd Bon ber größten Sebeutung, baß aße ©djritte ber leitenben Sepörbe Bon einem SBoplwoßen unb einer Humanität begleitet Waren, Woburd) bie ?eprer gewonnen Werben unb fiep aufgemuntert füplen mußten. Dad warme Sntereffe an bem SBerfe ber Sugenbbilbung, bad fid) überaß auöfprad), tpeilte fid) unmerftidj mit ober meprte fid) unb wirfte Boße Eingebung an bie Serufdtpätigfeit. Die freie ^Bewegung, bie jebem, ber etwad gu leiften Bermod)te, in feiner SEßeife geftattet war, fowie ber in aßen Sludfdjreiben unb ÜDfittpei* lungen burd)flingenbe Don, bie 2Iudfd)Iießung aßed fangleimäßigen unb bnreaufratifdjen SSefend, woburd) fiep bie nieberfadjfifdjc SRatur befonberd mtangenepm berüprt füplt, fanb bie banfbarfte Slnerfennung. Die Sefriebigung, weldje bie Seprer unter folcpen Umftänben in iprer SBirffamfeit gu fiuben Berat oepten, pat manepe Wopl berechtigte 2Bünfd)e, welcpe ipnen bie Sefotbungdnerpattniffe nape legten, gurücfgebrängt, um fo mepr, ald jeber bie Uebergeugung pegen burfte, baß bie Borgefepie Sepörbe feinen 223eg unBerfuept laffen würbe, um audj nadj biefer ©eite pin ben Sebürfniffen entgegengu* fomrnen. Diefe Hoffnung pat nidjt getäufept. Denn bie ©umtne, weldje auf bie pöpern Sepranfialten jäprlid) Berwanbt wirb, pat ftd) feit 1830 mepr ald oerboppelt; bantald betrug fie 94,808 Dplr., jept bagegen pat fie fiep auf 198,600 Dplr. erpoben. Diefer 3utoad)d würbe im ©tanbe fein, bie ©epaltdBerpältniffe ber Seprer fepr günftig gu fteßen, £annobet. 317 wenn nietet bie 3 a ^ berfelben fidj feitbem erI>eBlidj gemehrt hätte. 3Bäl)renb aber 1830 an ben ©pmnafien unb ^rogtjmnaften 149 §auptlehrer unb 47 §ülfsleljrer angefteßt waren, giebt eS feist, wie oben bemerfl, im ganjen 240 §auptlel)rer unb 51 ftülfsleljrer. ©roljbem aber ift bie ©erbefferung ber ©etjattSüerl;ältniffe bebeutenb unb eS ift leine unbegriinbete ffiermuthung, baß bie and) barauf geridjtetert Semüljungen Ufr 3wt nod) nid^t gefunben haben. ©ießeidft ift bie 3 e ü nidjt fern, too bem allgemein gehegten nnb gewiß bered>= tigten ©Sunfdfe ber Sehrer nad) ber geftfteßung oon beftimmten, ben Seiftungen toie bem ©ienftalter entfpreebenben VefolbungScIaffen, roie fie für bie meiften im öffentlichen ©ienfte Slngefteßten längft beftelfen, ©efriebigung toerben wirb. ©aniit wäre oiel getlfan, mag je^t nod) mangelt. 3unäd)ft lönnte bann Den Heineren Slnftatten unb namentlich ben $rogt)mnafien Slufljülfe ju tljeiC werben. ©enn biefe für ihre nädffte Umgebung fo widjtigen Slnftatten, ihrem SBefen unb ihrer ©eftimmung nad) fo Wotjl geeignet, in baS ftag= nierenbe Sehen ober in baS materielle Sireiben einer Meinen ©tabt burdj ben Unterricht ber 3ugenb einige ©eWegung ju bringen unb ©ebanfen an l)öt>ere 3ntereffen ju tüecfen, bebürfen bießeidjt nod) in ber SJiehrjaljl einer Vermehrung ber Sehkräfte unb SJiittel, toenn fte ihrer aßerbingd nid)t leid)ten Aufgabe befriebigenb nad)tommen foßen. ferner mürbe ein anberer, bietfadj fid) funb gebenber SBunfdj ber ©erwirflid)ung nahe gebracht toerben fönnen, ber nämlid), baß bie Seiner nach ben fetoeiligen ©ebürfniffen ber 2ln= ftalten oon ber einen an bie anbere beriefst toerben möchten. ©o wünfdjensmertl) eS fein mag, in ein SehrercoBegium, jumal ba, too baSfelbe außerhalb feines eigenen ÄreifeS feine Anregung empfängt unb empfangen fann, too eS bei befd)ränften IpülfSqueßen bon bem ©erfel)re mit ber Siteratur unb ©Mffenfcßaft mehr als gut unb bißig abgefd)toffen ift, bon 3eit ju 3^it neue unb erfrifd)enbe (Elemente ju bringen, fo fdjtoer ift bieS immer nod) unter ben gegenwärtigen ©erl)ältniffen. @S gehört an fold)en Orten be= fonberS große firaft baju, wenn ber Selfrer bei bieler Slrbeit unb geringen -Bütteln auf ein fteteS gortfd)reiten in feinen ©tubien ©ebadjt nehmen fofl. $D?an fann ein ©tiß= ftehen unter foldjen Umftänben berjeiljlich finben, muß aber ben 3füdgang, ber barin gegeben ift, für bie ißerfon, wie für bie Slnftalt bebauern. Unb gerabe jefst muß man auS mel)r als einem ©runbe aßeS tl)un, um and) ber @efaf)t eines nur möglichen ©tißftanbeS uttb 9?ücfgangeS oorjubeugen, WaS freilich bie ©eßörbe nur theilweife fann. SS ift leiber ©l) at f a( h e r baß m ^ en fefcten 1° —12 3nh ren bie Aufgabe beS SehrerS eine fdfwerere geworben, ©ie 3ugenb jeigt jwar, wenn nur baS 3ntereffe gewecftwirb, im gangen guten SBiflen unb gutes Streben; aber eS fdjeint, als wäre bie Äraft fd)Wächer als früher. Offenbar Wirb eS oft aud) bem ©trebenben fd)Werer, ben Un= terridjtSftoff ju burdfbringen, junt Gcigenthum ju machen, eine mit ben ftenntniffen in bem wünfd)enSwertl)en ©erl)ältniffe ftel)enbe ©ilbung ju gewinnen unb ju ber fonft er= reid)ten, für bie afabemifchen ©tubien erforber!id)en, ©elbftänbigfeit beS UrtI)eilS ju gelangen. 3n biefem ©tiide ber ftrebenben Sugenb ju helfest, muß feist eine befonbere Stufgabe ber Sel)rer felbfi fein, eine Stufgabe freilid), ber ftd) nid)t ohne baS raftlofe ffortfdjreiten in ben eigenen ©tubien, ohne bößige ©eberrfdfung jebeS §ad)eS unb ohne gefdjidteS metl)obifd)eS ©erfahren genügen läßt. (Ein anberer fßunct, ber fdjarf ins Sluge ju faffen fein wirb, ift baS Sateinfdfreiben, worin in neuerer 3 eit mehrfad) nid)t bie nöthige gertigfeit erreicht Wirb. (ES würbe barin*immer fdjon etwas gebeffert werben, Wenn ber lateinifcbe Stuffaig für bie SlbgangSprüfung Wieber in feine früheren 9fed)te eingefeht würbe, ©enn ohne grage hat bie ©erbrättgung beSfelben bon biefer ©teße, Wenn er gleich im Unterrid)te beibef)alten wirb, bie üblen folgert, bie man bor Singen fleht, jum theil wenigftenS mit berfd)ulbet. 3m übrigen finb aud) bie gorberungen ber Prüfung fo gehalten, baß fie in biefem ^uncte gefteigert werben bürften, fofern man ©runb hätte, barin eine Steigerung ju fehen. — ©Weniger Ieid)t läßt fidj angeben, wie einem anbern fehr fühlbaren ©ebürfniffe abgeholfen Werben foß, — bem Mangel an tüd)tigen (Eanbibaten beS Sehramts, ©efannt genug ift, baß eS in mandien ©egenben ©eutfd)= lanbS an (Eanbibaten fehr fehlt; in fpannooer ift gerabe nod) fein SJcangel überhaupt, 318 Spannober. aber ber tüchtigen, pßitologifcß gefaulten, wiffenfcßaftlicß burcßgebitbeten finb in ben Ickten Saßren immer Weniger geworben. S)iefe Srfdjeinung -ift eine feßr bebenflidße unb ein Düdfdjritt ber ©ßmnafien wirb bie gotge fein, wenn nidjt bei 3 eiten Sorfeßrungen bagegen gu treffen gelingt. Unter ben ba 3 u bienlicßett SKitteln barf woßl ;uerft eine Steigerung ber Slnforbernngen nnb eine 9tebifion ber 3nftruction*) für bie Sßritfung ber Sanbibaten genannt werben. ®iefe würbe — unb bag ift tein inbioibuelter SBunfd) — woßl baßin gielen mäßen: 1) baß, wie nad) ber Snftruction bom 17. SOiai 1831, ber wiffenfd)aftlid)en Sßrüfunggcommiffion iiberlaffcn würbe, nad) bent 93efunbe ber 95ilbung bie 3 e ugnigclaffe 3 U beftimmen, 2) baß bie 933aßl ber gädjer für bie Prüfung ben Ganbibaten ferner nidjt überlaffen bleibe, — mögen fie immerhin in ißrer. Süielbung angeben, Worauf fie borsuggweife ißre Studien gerichtet —, 3) baß bag 3 eu S n ' s «Kein für bie unteren (Staffen 31 t einer SlnfteHuug nidjt berechtige. ®abei tritt freilich fogleid) bag 33ebenten entgegen, baß, wenn jeßt fd)on Wenige Sitft bejeigen in ein Sdjnlamt eingutreten, bei ber Steigerung ber Slnforberungen bie 3 a ßl berfeiben fid) nod) nteßr berringern wirb. ®ieg Sebenfen liegt naße unb eg tarnt niemand einfallen bagfelbe abjuleugnen. Die 3 ur üdtoetfttng füßrt auf bie leidige ©elbfrage gurücE; man würbe dem beregten Uebelftanbe einigermaßen wenigfteng baburd) begegnen tonnen, baß man für den Staub ber Seßrer äßnlidje 9lugfid)ten eröffnete, wie fie andere SMenftgweige, Weldje geringere Stnfßrüdje an bie wiffenfdjafttidie Sßilbung ißrer Vertreter madjen, längft ßaben. ®enn mag man eg immer bedauern müßen, fo ift bodj nidjt in Slbrebe gu fteOen, baß fid) jefct and) in dem beffern nnb bößer ftrebenben Sßeile ber 3 ugenb Wenige finden, bie lebiglid) bon idealen 3ntereffen Eingenommen in ein Wiffenfd)aftlid)eg Studium eingel;en, wie bieg früher ber galt War. S)ie 3 c ü ßat nun einmal redjnen gelernt ober gelehrt; bie tedjnifdjen unb andere gäcßer beg öffentlichen Dienfteg fordern weniger 3eit unb Sorbercitmtg und ftellen minbefteng für nicht fdjwierigere Seiftungen loßnenbere Slugfidjten bor Singen, alg bag Mehrfach- Stein SBunber, baß fie biefem mandje tüchtige Straft entgiehen. Die Sad)e ift wichtig genug, um aud) in Weitern Streifen alg innerhalb beg DberfdjutcoIIegiumg, dem biefelbe lange fdjon Sorge gemadjt, eine ernfte unb gründliche GrWägung 3 U beranlaffen. Honos alit artes! Die Duellen, aug denen für bag Sorfteßenbe gefd^öpft ift, finb foWcit fie nid)t fdjon genannt finb, junöchft für bag Siftorifdje: Scriptores rerum Brunsuieensium cura G. W. Leibnitii. 3 Dß. — @efd)idjte ber Sande SBraunfdjweig unb Sfitteburg bon Dr. SB. fpabemann, 3 Dß. — Äirdjen» und DeformationSgefdjidjte oon Dorbbeutfdj-- lanb unb ben §annober’fd)en Staaten bon 3oß. Ä. §. Sdjlegel. 3 Dß. — Dgna= brüdifd)e ©efdjidjte uon 3. Sütöfer. 3 Dß. — ©efdjicßte beg S?od)ftiftg Dgnabrüd bon (5. Stübe. — 93efdjreibung unb ©efdjidjte beg ^ochftiftö unb gürftentßumg Dgnabrüd bon 3oI). Gcberß. Stübe. — ©efdjidjte ber Deformation in der Stabt Dgnabrüd bon 93. S. Slbefen. — ©efdjidjte der Diöcefe und Stabt fpilbegßetut bon 3t- Süttßel. 2. £1). — @cfd)id)te unb Sanbegbefdjreibung ber ^ersogtßümer 93remen unb Serben bon iß. bon fiobbe. — Constitutt. Calenberg. & Luneburg. — 93aringg ^Beitrag 3 ur lpatt= nober’fdjen Stirdjen= unb Sdjulßiftorie. — ©efdjidjte beg Sßceuntg ber Stabt fpannober bon 1733—1833 bon @. %. ©rotefenb. — ßät= nnb ©efdjidjtgbefdjreibung ber Stabt ©öttingen 3 Dß. — Constitutio rei scholasticae Ilfendensis auctore Nie. Kriegk. 1716. Sllteg unb DJeueg bon Sdjulfadjen gefammett bon 3. ©. 93ieberntamt 8 Dß. — Programme ber berfdjiebenett Ülnftatten aug älterer urib neuerer 3 e 't- ■— ®a§ ßößere Scßulwefen beg Stönigreicßg £iannobcr feit feiner Drganifation int 3aßre 1830 (f?an= nober 1855 bon dem Dberfdjulratß Äoßlraufiß) — itebft andern fOiittßeilnngen für bag Statiftifcße fo wie marnßen andern ißunct in ber gegenwärtigen Drganifation. *) $iefe iß erfolgt bureß bie „SBefanntmacßung be« St. O5erfcßulcotteginm§, ßetr. ben (Wicß» tigen) §. e ber SBefanntmacßung dom 14. geßr. 1853 über bie Sßriifung ber Ganbtbaten und Seßrer bes ßößern Sdfulfatßg. haunoder b. 6. Stob. 1860." £annoßer. <§amtoöcr, bas SSolfsfdjulwcfen. 319 Sammlung ber Berorbnungen rtnb 2luSfd)reiben 11. a. ßon Spangenberg — Ipan» noßer’fdje ©efehfammlung 1829, 1830 u. f. w. ©efferS. ßufatj berfKebaction. ÜJfad) Weiteren SWittheilungen finb in jpolge bon Be» ratfyitngrn, Welche Wäl)renb beS DrudS ber erften Bogen tiefes SlrtitelS ju fpannoßer mit ben Borftänben ber ©pmnafien gepflogen mürben, einige äftobificationen ber 9Dfa= turitätSprüfungSorbnung 31t erwarten. SnSbefonbere foll ber loteinifcfje 2luffaf3, b. h- eine Irbeit nad) gegebener DiSpofition unb ben barin enthaltenen SBinfen in Bejug auf ben (Stoff, ftatt beS GfrercitiumS wieberhergefteUt, bie Prüfung in @efd)id)te unb ÜRathematif erleichtert, einiges, WaS bisher ju miSßerftänblid)er 2TuSlegung 2lnlaff gab, genauer beftimmt werben. Sin 2lntrag auf 2lbfd)affung ber ganjen Prüfung würbe abgetehnt, weit auf feinem anberen SBege ber 3 toe d: berfeiben in alten Slnftalten gleich» mäffig unb fidler 31t erreidjen wäre. IpamioDcr; ö(t$ 58olf§fcf)UltiJCfctt. I. fpifterifdjeS, Duellen unb Siteratur. 1. SSJie bie BoIfSfd)ule überhaupt erft bitrd) ben ebangelifd)en BroteftantiSmuS ins Men gerufen ift, fo fallt aud) in ben §annoüer’fdjen Sanben ber Slnfaug beS Balls» fdjuIwefenS mit bem Srlaffe ber Äird)cnorbnungen jufammen, weld)e nid)t lange nad) ber ^Reformation ben einzelnen iprobinjen gegeben würben. Denn bie f. g. beutfd)en Sdjreib» unb fRed)enfd)ülen, Weldje borher fchon in manchen Stabten ßorhanben gewefen, IBnnen auf ben ®h rcnltamen e i ner BolfSfdjule feinen Slnfprud) mad)ett; unb Wenn aud) bie Äird)enorbnungen — in bem Sapitel „ßon ben Sd)ulen" — h au htfäd)lid) bon latei= nifd)en (©elehrten» unb fjadf») Sdjulen hanteln, fo treten fie bod) jugleid) mit ber beftimmten gorberung h^bor, baff überall unb namentlid) aud) auf bem platten Sanbc beutfd;e Sdjulen, infenberheit aud) r ,3ungfrauenfot)a unb Dieplplg an £>erjog ^riebrid) ßon Seile fiel), fonnte ber weiteren Sntwidlung berSad)e nur förberlid) fein. 3. Schon im 3- 1650 erfolgte bie ©d)ulorbmtng beS ^erjogS ©eorg BJit» heim ßon SaIenberg = @Bttingen, für ben inneren 2luSbau ber BoIlSfd)ule ßon Wefentlidjer Bebeuhtng, Weil fie ;uerft fefte Beftimmungen über Sd)ulpflid)t, Sommer» fd)ule, Schulgelb, Bifitation, Sd)ul3mht unb Äatedjefe gab. 3ebeS Sinb foH ßom 6. 3al)re an jur Sd)ule gehen, bis baff eS lefen unb SutherS ÄatedjiSmuS mit Berftanb beten fann; eher aber nicht jum Ijetligen 2tbenbmal)le gugelaffen werben. Der Unter» rid)t foü währenb ber Sommerarbeit auf je eine Stunbe am Sonnabenb unb Sonntag befdjränft fein; ber fßfarrer wödjentlid) wenigftenS 2mal bie Schule befudjen :c. (Saft 320 •fmrtitobet, bai SSotBfdjutnicfctt. gletrf>lautertb war bie Verorbnung beS 23ruberS unb 97ad)folger8 ®eorg 2Bitt)elmg, bed § erjogg Gern ft 5luguft — für ßatenberg, ©öttingen unb ©rubenßagen — „wegen ber Äatedngmugleßre" com 9. Dct. 1681.) 4. 3ni 3.1687 erließ berfelbe |i>erjog @eorg SBiltjelnt (welker (£alenberg=©öttingen mit Siineburg, §ot)a unb ©iepfyotj feit 1665 eertaufd)t ßatte) für bie neu überlommene @raffd)aft ®annenberg bie ausführliche, forgfältig gearbeitete 5Dannenberg’fdie ©d)ul= orbnung, worin u. a. bie ffeftfteflung oon ©hulbejirfen unb Srrid)tung bon ©c^ul^äufern anbefoßlen, aud) bie Seigrer berf>flid)tet würben, ben ganzen ©ommer ßinburd), „Wenn aud) nur für bie jüngern Ätnber," ©d)ule ju galten; ©uperintenbenten unb ißfarrer aber feilten barauf feßen, baß tüdjtige ißerfonen gu ©djulmeiftern gewählt würben, Wenn aud) nod) auguafymSWeife ^»anbwerfer als Beßrer jugelaffen werben bürften. ®er SSer= fud), biefe ©hulorbnung aud) in bem gürftentfmme Süneburg jur ©eltung jit bringen, blieb fruchtlos. 5. Vielmehr erfolgte (nad)bem ber ©ol)n beS jurn .Surfiirften erhobenen fperjogS (Srnft Sluguft bon Salenberg, @eorg, Welcher 1714 als @eorg I. ben engtifdjen Äönig8= tljron beftieg, bie fännntlidjen (Srblanbe bereinigt hatte) am 22. SJlärj 1734 baS Edictum ÄöitigS @eorg II. „wegen ber ©d)ulinformation" für Lüneburg unb §ot)a, Worin beftimnit warb, baß bie ftinber auf bem glatten Sanbe regulariter nur 3 Duar= tale, bon SDiidjaeliS bis SoßanniS, bie @djule ju befugen hätten; bon SoßanniS bis SOcidjaeliS aber, im 9?otl)falle felbft nod) über 9Uid)aeli8 l)inauS, nad) juboriger Slngeige bei bem ißfarrer, aus ber ©dfule entbleiben bürften, fo jebod), baß fie bie fcnntägüdje Äated)iSmuSlel)re unb jwei Unterrid)tSftunben in ber SBodfe ju befudjen ßätten. ®eS= gleidjen erließ Äönig @eorg II. am 29. 9?ob. 1734 eine Verorbnung für (Eaten= berg, ©öttingen, ©rnbenßagen unb ®ießßolj, „wegen ber ©hulinformation," Worin befohlen würbe, baß bie hinter bom 6. bis jum boüenbeten 14. Saßre bie ©dfule be= fud)en, unb WenigftenS 6 Monate lang bor ber Sonfirmation bon bem ißfarrer einige male wöchentlich unterrid)tet werben füllten. 6. ®ie SluSfdfreibett beS (im 3. 1643 errichteten, nad) ülufßebung beS GonfiftoriumS ju Gelle 1705 aud) für Lüneburg, fpotya unb ®iepl)oIj juftänbig erf(ärten) GonftftoriumS ju fpannober, Weldje in ben näd)ft folgenben Saßren in großer Slnjaljl ergiengen, foWie bie fonftigen amtlid)en Verfügungen biefer 3«t jeigen, Wie eifrig man barüber aus War, bie Veftimnmngen ber borerwäßnten beiben !. Grlaffe inS wirflidje Seben einjufüßren, um fo ju berfelben ßeit, wo man burd) Grrid)tung ber £anbeSuniberfität ju ©öttingen (1736) für bie ßöfyere 93itbung fo I)od)l)erjig Sorge getragen hatte, aud) bem VoIfSfdjulwefen nah Kräften auf jul) elfen. ®en @d)ul(el)rern wirb barin berboten, bie ©diulfinber ju eigener IpauSarbeit ju gebraudjen, für ben Unterrid)t im ©dtreiben unb Oledjnen eine befonbere ©ebüfyr ju forbern, ben llnterrid)t über bem fpanbwerf ober wegen borfatlenber Söegräbniffe, £>od)jeiten k . ju bernadjläßigen. Gen ©uperintenbenten wirb Befohlen, leinen ©d)ullel)rer hinfort mel)r für fid) allein unb oßne Gonfirmation beS GonfiftoriumS ju befteHen, fonbern bei jebeSmaliger Vacanj jWei tüd)tige ©ubfecte unter ^Beifügung bon ßeugniffen bem Gonfiftorium ju jpräfentiren. ®ie @enerat=- unb @peciat©uperin= tenbenten foHen bie Jlird)en= unb ©djulbifitationen alle 3aßre regelmäßig abßalten; bie ©djulmeifter ju ißrer SBeiterbilbung alle SDlonat bor ißrem ißfarrer erfd)einen, aud) ber fonntäglicben Äated)i8mu8leßre beiwohnen; bie ©tubiofen auf ber Uniberfität unb nad)l)er im fiatedjifiren unb ©d)ulßalten ftd) üben; bie Dbrigleiten auf regelmäßigen ©d)ulbefud) ßalten, unb bamit bie „§>ütefinber" entbeßrlid) werben, für VefteHung bon ©emeinbeßirten ©orge tragen u. f. w. 7. SnbeS mad)te- bie ©ommerfd)itle in ben Süneburg’fd)en unb Ipotja’fdjen ®ör= fern fo biele ©d)Wierigleit, baß am 1. 3ult 1738 eine löniglid)e ©eclaration ber ©d)u!orbnung für Süneburg bom 3. 1734 erfolgte, Woburd) geftattet würbe, baß folcfje (Eltern, we(d)e nah amtlicher SBejeugung ihre Äinber bei ber Arbeit niht entbehren Ibnnten ober bermietßen müßten, biefe ben ganjen ©ommer ßinburd) au§ ber©h«l2 •f?aitnobet, ba§ SSolfsfdjutmefen. 321 bemalten bürften, nur baß bie Sinber möchentlich in 3 ©tunben bie ©chule unb fonn* täglicf) bie Sinberlehre gu befugen Ratten. SSSaS hier ben ärmeren Sinbern geftattet mar, mürbe inbeS miberrcdjtlid; halb meiter auf aKe Sinber auSgebeljnt, fo baß faft überall in biefen ©egettben nur 2mal mödjentlic^ in je 3 ©tunben Unterridjt erteilt, fa ^ie unb ba bie ©d;ute geitmeife ganj eingeftedt morbert ift. ®iefer Unorbnung ift erft gang neuerlich burdj obrigfeitlic^e Verfügung — freilich unter bielent äßiberfprudj ber SBetfieiligten — (linhalt getfyan. 3n ben übrigen tßrobingett bagegen farn ber borfdjrift* mäßige ©d)ulbefud) meb;r unb mehr in feften ©ang. 8. gür bie lüaubfdjulen beS gürftenttjumS Sauenburg, meld;eS im 3. 1705 an gannober gefallen mar, erließ ebenfalls ©ecrg II. im 3. 1757 eine boKftänbige — bie Sauenburg’fdje — ©djulorbnung, beren 3nfyalt im mefentlidjen mit ben früher ge= nannten iibereinftimmt. SaSfelbe gilt bon ber moljlgemeinten 58 rem er ©djulorbnung, meld;e im 3. 1752 für bie £anbfd)uleit in ben feit 1715 guganncber gehörigen gergog* tfjümern SSremen unb Serben erlaffen mar. 3n ber reformirten ©raffdjaft SBentheim, meldje feit 1753 an gannober berpfänbet, 1813 in fceffen befinitiben 93efig gelangt ift, beftanb feit 1708 eine born f. Dberfirdjenrath mit ber (Slaffid (einer Serfanunlung ber $rebiger) entmorfene Sirchenorbnung, monadj bie Sefyrer ben geibelberger Sated)iSmuS gu unterfdjreiben unb — 4 ÜDtonate Serien abgerechnet — baS gange Saljr hinburdj ©dfule gu hatten hatten. 3n bem giirfteuthume DSnabrüd, meldjeS feit 1803 in ben erblidjen Sefih bon gannober gelangte, ift ed niemals gu bem (Maß einer Sirdjen* ober ©djulorbnung gelommen. ^Dagegen hatte baS fjürftenthum DftfrieSlanb, meld;eS im 3. 1815 bon fßreußen an gannober fiel, nid;t bloß feit bem 3.1631 bie ber £üne= burg’fd)en nahe bermanbte (o ftf ri e f i f d; e) Sirchenorbnung (u. a. mit ber Sorfdjrift für bie Setyrer, Sommer unb SBinter ©djule gu halten), fonbern erhielt aud; mit bem (preußifchen) @eneraI = 8anbfchul=Steglement bom 3. 1763 eine boUftänbige, aKe Serhaltniffe forgfältig regulirenbe ©djulorbnung. 3m ffmrfteuthume ^»ilbeSheim, melcheS ebenfalls 1815 an gannober fiel, erließ baS ßonfiftoriunt Aug. Conf., meldjeS feit 1652 beftanb (unb 1818 ebenfalls mit bem (Eenfiftorinut gu gannober bereinigt mürben ift), im 3.1735 bie gilb e8h eint er ©djulorbnung, beren Seftimmungen übrigens, meil gänglidt unlie* achtet geblieben, burdj bie (Eonftftorialberorbnung bom 3. 1769 neu eiitgefdjärft merben mußten, „ßur Meidjterung ber (Eltern" feilte baS fdjutpflidjtige Sllter ftatt bom 6—14. bom 4—11. ober 12. 3aljre bauern, unb bie ©roßen unb Steinen nur je 3 ©tunbett taglidj Unterricht fmbett. ®iefe Steuerung erregte aber einen fo heftigen Unmillen in ben ©emeinbett, baß alsbatb ber frühere 3uftanb mieber hergeftellt mürbe. (Enblidj erfolgte and) im 3- 1736 eine (tatljolifdje) ©djulorbnung beS 23ifdjofS bon gilbeSfjeint, bie, im Saljre 1763 erneuert, als Stegei Ijinftetlte, baß baS gange 3abr hinburdj ©djule gu galten unb nur für bie Sinnen bie ©djulgeit gu bürgen fei. 9. SDeffentlidje SehrerbilbungSanftatten gab eS bis gur SDtitte beS 18. 3al)r= hnnbertS im gaunooer’fdjen nidjt. 3nt 3. 1751 ftiftete ber Saufmann 23öttdjer gu gannober baS erfte ©eminar im Sanbe nebft einer fjreifdjule für arme Sinber, inbem er ein anfeljntidjeS Kapital unb feine brei neuerbauten Käufer bem Sonfiftorium gum ©efdjenl übermieS. (Sergl. ©efdjidjte beS gannober’fdjen ©djnllehrerfeminarS bon ©atfelb 1800; unb bie lOOjaljrige Subetfeier beS ©emittarS gu gannober bon Stob» belett 1851.) Sie 3 a ht ber ©eminariften, meldje 3 3ahre in ber Slnftalt blieben, alles frei hatten unb bie ©djule mit beforgen mußten, marb auf 30 feftgefe(3t. Surdj eitt= ftchtSbolle Leitung gemantt bie Slnftalt halb einen Stamen fetbft über bie ©rengen beS SanbeS hinaus. SStit berfelben mürbe fdjott früh baS f. g. StadibilbungSinftitut ber* bunben für bereits angeftellte, aber mangelhaft borbereitete Sanbfdjulmeifter, gu beren Unterhalte baS „foniglidje ©nabengefdjenf" (f. u.) biente. 3nt 3. i800 fam baS ißrä* paranbeninftitut hingu für foldje junge Seute, bie fid) bemnäd;ft um eine ber gahlreidjett lleinen Sanbfd)ulfteHeit bemerben moßten. 3h r ^ 3 a ht betrug anfangs 16, bann 32, unb tpaoag. giuijttotjäsic. III. 21 322 -fmmtotter, baö SSolfsfchulmefcn. ftieg fpäter big 31 t 56. ©ie blieben */ 4 3atjv, feit 1836 '/ 2 3al;r lang in ber 2Inftalt unb erretten ©peifung gegen geringe Vergütung, 8 ganj umfonft. 3 m ^ilbeS^eim’fdjett bilbete fidj erft um 1800 aug einer fteinen (ßrioatanflalt bag ©eminar 31 t Sllfelb, bag feit 1815 3ufd;üffe aug Sanbegmitteln erhielt rtnb fpäter gan 3 oon ber Regierung übernommen mürbe. 3 n gleid;er SBeife entftanb um biefetbe 3 e ä baS ©eminar 3 n ©tabe, bag im 3 . 1822 nad; bem Sßorbitbe beg £>annoüer’fd;en neu eingeridjtet unb 3 n einer öffentlichen 2lnftalt erhoben nntrbe (ogl. bag Sonfiftorialaug* fchreiben üorn 23. SDfai 1822 mit bem Sinrid;tunggplane); unb ebenfo bag ©eminar 31 t Dfinabrüd, bag 1821 non ber Regierung übernommen mürbe. 3 n ben übrigen -ßro= öinsen üertraten bie f. g. ©d;nlmeifterfd;ulen (Heine ißriüatinftitute), unb in ben 3>iöcefen §ilbegl;eim nnb DSnabrücf bie beiben f. g. S'JormalfdjuIen bie ©teile oon ©cminarien. 9IuS SanbeSmitteln erfolgten für ©entina^mede big 3 um 3. 1834 etma 4080 unb 1200 Stylr.; aug bem allgemeinen Slofterfonbg c. 1500 £l)tr. 10. Sin für bie gefanunte Solfsbilbung folgenreicheg Sreignig umg 3. 1790 mar bie Sefeitigitng ber bisherigen (Hrd;lid;en) Kated;igmen (beg SBalther üorn 3al;re 1653 in Süneburg; beg ©efeniud oon 1635 in ben übrigen 2lltl;annoüer’fd;en 2anbegtl;eilen unb in Dftfrieglanb) unb bie Sinfül;rung eineg neuen £ a n b e g fated;igmug, ber, ein Sftittelbing 3 mifchen Drtljobofie unb ^eteroboyie, in §annoüer auggearbeitet mar unb fucceffiüe oon fämmtlid;en (ßroüinjeit freimütig angenommen mürbe. 9?ur im Sonft= fiorialbegirfe ÖSnabriicf mürbe ber Sutljerifdje Kated;iSmug, unb im Sonfiftorialbejirfe ©tabe ber alte ©ötefleifd; 3 ugleid; beibel;alten. 11 . ®er jämmerliche 3nftanb ber 8 ehrereinnal;men (im Sonfiftorialbe 3 ir(e ^annoüer hatten untg 3 . 1775 über 700 Selber nid;t mel;r alg 30 SEljtr. jäljrlid), unb ein Sd)eil nur 10—20 3lH r ") Semog benfelben Kaufmann SSöttc^er 1769 3 U einem an= fehnlid)en 33ermäd;tnig, oon beffen 3inf en folchen Sanbgemeinben 100 Shlr. jebegmat gefdjenft merben foHten, meldje ihre ©djulftelle um 10 jährftd; oerbeffern mürben. 3m 3 . 1775 fdjenfte and; ©eorg III. 1000 SUjlr. fährlid; 31 t Zulagen für bie am meiften bebürftigen Sanbfd;utlel;rer (bag f. g. föniglid;e ©nabengefdjenf). S)ie Sonfifto» rien fobann ermunterten ©eiftlidje unb ©emeinben, bie Serbefferung ber ©djulfteHen, namentlid; burd; Uebermeifung unb Sultioirung oon £anb, 3 U förbern, fo oiet fie nur fönnten, unb oermidigten ihrerfeitg je nad; Kräften Seiljülfen aug ben 3 U ihrer 93 er= fiigung ftehenben ©tiftunggfonbS, theilg 1 ^ 3 «. ttjeils 3 nr perfönlidjett Unterftüfcung be= fonberg l;art bebrängter Seljrer (oft freilich nur im Setrage üon 3—4 £l;tr.!). Snblid; bemiUigten 31 t gleichem 3»ecfe in ben fahren 1791 big 1803 bie ißrooingiattanbfchaften jährtid;e ©elcbeiträge, unb nach Sefeitigung ber Krieggnotl; bie allgemeinen ©tänbe eine jährlidje ©umrne üon 3470 + 3800 Sljlr. ®aneben erfolgten an Seiljülfen aug ben ©ütern ber aufgehobenen geiftlid;en ©tiftungen unb f (öfter, aug meld;en im 3.1818 ber allgemeine Klofterfonb gebilbet mürbe, circa 18,600 Ith 11 ', jährlich. @leid;mol;l betrug big umg 3 . 1845 bag ®urd;fdjnittgeinfommen einer jeben ©d;ulfteHe nur 102 ©l;Ir., unb üon ben 3426 im Königreich üorl;anbenen ©chulfiellen hatten 851 feine ®ienjt= mohnung, 356 einen 9teihetifdj, 436 unter 26 £l;h'v 735 unter 51 Sl;Ir., 477 unter 75 Ühlr. jahrlid;er Sinnahnte! 12 . 2)aS bebeutunggooHfte Sreignig für bie Sntmicflung beg ^jannoüer’fdjen 33olfS= fchulmefeng ift ber Srlajj beg ©efe^eg üom 26.5D?ai 1845, bag d;riftlid;eSolfg= fd;ulmefen betreffenb, nebft ber unterm 31. 3)ec. beSfelben Saljrg erfolgten 3n» ftruction beg I.Sultugminifteriumg jttr lugfiihrung biefeg ©efe^eg. ®urd; bagfelbe ifi juerft eine für bag ganae Königreich gemeinfame ©runblage beg ©chulmefeng getoonnen. 3)er erfte 3heil beg ©efejseg I;anbelt oon 33eauffid;tignng beg Unterridjtg, Unierrid;tS= gegenftänben, Unterridjtggeit unb ©chulbefud;, ©djulgmang unb ©d;ulpflicf;t, ißrioat» unterrid;t, $atronat= unb 2 Bal;lred)ten, Sel;reranfteHung; ber gmeite üon ©chuloerbänben, beren Regelung unb Obliegenheiten in Segug auf Ootirung unb Serbefferung oon ©chulfteden, auf ©djullocal, ©djulgelb, SReihetifd;, Soncurren 3 = 5 Ka|ftab unb oon Sei» £annober, bag (Solfgfdjulmcfen. 323 hälfen au8 ber Sanbegcaffe. ©leichzeitig nämlich mit bem Erlaffe beS ©efelje! mürbe jix beffen Slugfüfmung bie frühere SDigpofitiongfumnte öon 3800 Sfilr. (unter gort» bauer ber älteren VemiHigung ad circa 3400 5£lfitr.) öon ben aHg. ©tänben (erft auf 14,000, bann) auf 30,000 S^Ir. jäJ)rlid; erhöht, unb eg entfaltete fid^ nun eine Jhätigteit ber Veljörben beS ganzen Sanbeg für bie Verbefferung beg ©djulmefeng nach feiner äußern unb innern ©eite, bie oorljer !aum geahnt mar, unb burd; ben Slnftoß beg 3ahreg 1848 unb bie feitbem erfolgten neuen ©elbbemiHigungen fid) nur nod; ge» fteigert hat. 13. ßunächft mürben burd; bag ganze Sanb fefte ©djulbezirle abgegrenzt, unb bag Eintommen (öon 2004 ©djulftellen) auf bag gefe<3lid;e SRinimum öon 30£^lr. nebft (Reihetifdj ober 80 £l)Ir. jährlich — außer SBoljnung — gebracht, (Dabei mur» ben bie (Reihetifche, mo eg thunlid) mar, befeitigt; fonft aber für ben ganzen SDag öeröoKftänbigt unb mo möglich in ein fefteg toftljaug umgemanbelt. (Reihemohnungen, mo fie nidjt befeitigt merben tonnten, burften öon nun an menigfteng nur noch jährlich mechfeln. SBo befonbere ©riinbe öorlagen, mürbe bag (Dienfteinfommen in Sanb» unb gledenSgemeinben big auf 150, in ©täbten big auf 300 £l;lr. jährlid) erhöht, ©obann mürbe bie innere Einrichtung ber ©djulen einer (Reöifion unterzogen unb über UnterridjtSgeit, llnterridjtggegenftänbe, ©djulbefuch jc. bag für jeben Sejirf Slngemeffene in gefonberten Vefanntmachungen („(Regelung beg’ inneren Volfgfchulmefeng betreffenb") feftgefteHt. §iel)er gehören: bie Vetanntmadjung beg t. Eonfiftoriumg ju ©tabe oom 13. Slpr. 1848 unb bie (Ergänzung berfelben öom 31. 3ul. 1856; bie beg f. Eonfiftoriumg zu Dtternborf öom 4. Slitguft 1847 unb bie Ergänzungen öom 23. 9Rai 1853 unb öom 7. 2Rai 1859; bie beg t. SRinifteriumö ber geiftlidjen unb Unterrichtg'ülngelegenheiten oom 26. Slug. 1852, ben ©djulbefud) im Sanbbrofteibezirte Dönabrüd betreffenb (ögl. bie 23etanntmaannoöer öom 31. SRärz 1857; bie beg f. Eonfiftoriumg zu Sluridj öom 15. Dct. 1857 (ögl. bag Slugfehreiben beffelben öom 20. gebr. 1823, bag (Regu* latio über ©djulgelbgerhebung betr.); bie beg fath. Eonfiftoriumg zu tpilbegheim öom 4. 3uni 1859; bie beg f. Dberlirdfenratljg zu (Rcrbhorn öom 12, Slpr. 1859 (ögl. bie Vetanntmachung ber f. Sanbbroftei zu Dgnabriid, bie Verbefferung beg niebern ©djul* mefeng in ber ©raffdjaft Ventheim betr., öom 27. ©ept. 1824, unb bie fathol. Eie» mentarfdjulen bafelbft betr., öont 11. San. 1830). 14. Slnt 14. Dctbr. 1848 erfdjien bag ©efej} über tird)en= unb ©djulöor» ftänbe (mit ber Slugführunggbetanntmachung beg !. Eult=9Rinifteriumg; ögl. auch bag ßufapgefeh »out 5. (Roö. 1850), melc^eg für jeben ©djulbezirt — Slugnahmen öor» behalten — bie Erridjtung eineg befonberen ©chulüorftanbeg ober bie Ertlärung beg Äirchenöorftartbeg zum ©djitlöorftanb oorfd^rieb. (Die ©djuloorftänbe, beftehenb aug einem ©eiftlichen alg Vorftpenben, bem SDrt§fdjullet>rer unb einigen öon ber ©emeinbe gemählten ©djulöorftehern, ftnb beftimmt zur Vertretung ber ©chulgenteinben unb zur Vermattung beg Vermögeng ber Volfgfdjulen, fomie zur SRitmirfung bei ber bem (Pfarrer obliegenben Sluffidjt über bag ©djulmefen. (Dag @efe(3 ift faft überall zur Slugführung gebracht, nur im Sanbe fabeln, in ber ©raffdjaft Ventheim unb in ber (Diöcefe §i(beg= heim einftmeilen nod; nicht, meil in ben beiben erflen (proöinzen bie beftehenben (pro* öiforencoüegien, beziepunggmeife Ortgconfiftorien (tirdfenräthe) auöreidjen, bei ben Sta» tholifen aber bie ©adje tirdjlidje Vebenfen erregte. 15. 3m 3.1850 bemiHigten bie aHg. ©tänbe auf regierunggfeitigen Slntrag jährlich a. 5000 £hlr- behufg Emeritirung öon ©djutlehrern (feit 1857 ift ber Emeritirungg» fonbg auf 6000 2ddr. erhöht); b. 5000 2^' ^ehuf ber ©djullehrersVJittmen^ taffen; c. 15,000 £hlr. z« erfönlit^en ©ehaltgzulagen für ältere Sehrer; 324 ■fsannober, bas SSoIfsfdjulrcefett. d. 10,000 £(;Ir. behufs Sludbilbung ber Server für ir fyadi. infonberheit jur IBerbefferung, be 3 iel}uitgdmeife Srrid)tung feminarifdjer Slnftalten— in Uebereinftimmung mit ben 33orfd)lägen einer »on ber {. Regierung niebergefe( 3 ten (35ol!dfd}üU) ßommiffion »rnt ©adjoerftänbigen, bereu 35erf;anblungen in fpaitnoöer im ®rud erfdjienen fmb. 3)kfer Sehrerbilbungdfonbd lourbe menige3aljre barauf auf 20,000 £tdr. jährlich erl}öl}t, unb im 3. 1852 gugteid} eine einmalige ©umme »cn 30,360 ©t}Ir. jur erften (Sinridjtuug feminarifd}er Slnftalten bemiüigt. 16. ÜJlit §ülfe biefer ©umme mürbe fofort bie nadjfolgenbe Drganifation bed ©eminarmefeitd im Äiinigreidje audgefüljrt: a. Dad „'ßräparanbeuinftitut 1 ' in .fpannooer ift ju einem felbftänbigen, jur 23il= buug »on Saubfd}itIIel}rerit für ben Sanbbrofteibejirl §anno»er beftimmten (23ejirfS=) ©entinar mit einem einjährigen (ftatt bed bid£)er halbjährigen) Surfud unb 32 3®g= littgen umgeftaltet. SDad §auptfemiuar bilbet in einem breijährigen Eurfud circa 24 3 oglinge »orjugdmeife gu Seljrern für ©tabtfdjulen im Saubbrofteibegkfe fpaitnooer unb Süneburg. daneben ift bad 9iad}bilbungdinftitnt einftmeilen nod) beftehen geblieben, loeldjed im ©ontmer 4 SBodjen lang »on circa 12 Sanbfdjullehrern befugt mirb. b. Sie Slnftalt 3 U Sllfelb ift in ein 3 nternat (in einem neuen ©ebäube utitSanb* haudhalt) mit circa 50 3»glingen unb einem ein* gmei* unb breijährigen ©urfud bejie^ungd» meife für £anb= unb ©tabtfdjnleu bed Sanbbrofteibegirfd ^ilbedl;eim urngemanbelt. c. Sit Süneburg ift ein nened 23egirfdfeminar für bie Sanbfdjulen bed bortigen Sanbbrofteibegirfd gegrünbet ald Snternat, mit 32 3»glingcn unb einjährigem Surfud. d. gür £>|tfriedlanb, mo bidljer nur bie f. g. künftige Sehrerbilbnng in ©d}ut= meifterfd)ulen üblid} mar, ift in Slurid} für bie fpauptfd)ulftellen ber 9 >ro»ing eine neue Slnftalt für 14, je( 3 t 26, 3bglinge gegrünbet, ald (Spternat mit gmeijährigem (Eur= fud unb boppeltem llnterrid}t für bie Sutt}eraner unb 9feformirten. e. 3)ad ©euünargcbäube in ©tabe ift ermeitert, unb neben bem .fpauptin» ftitut für circa 20 3ögltnge mit 3jäl;rigem Gurfud ein Siebenfeminar eingeridjtet für 30, je^t 40 — 50 3ögltnge mit einjährigem (ftatt bed bisher halbjährigen) Gurfud für bie £anbfd}uleit ber iprooing. 9fad) ©tabe fmb aud} bie Slfpiranten bed Sanbed fabeln gemiefen. f. gilt - bie Heine reformirte ©raffdjaft Bentheim ifi eine Seljreröorbilbungdanftalt ald Gptentat in Dfeitenhaud eingeriditet mit 6 — 10 3 Bgliugen unb einjährigem ßurfud für Sanbfdjulen. SSer fid} für ©tabtfdjulftellen audbilben mitt, menbet fid) bem Slu= ridjer ober einem aubent Sanbed=©euünar 31 t. g. ©ad eoangelifdje Seminar gu Dduabrüd ift ebenfalld ermeitert, in einem neu ermorbenen ©ebäube mit »ollftänbigem Sanbhaudhalt. Sd (mt circa 24 3öglinge mit breijährigem Gurfud. h. Sind} bad latl}olifd)e ©eminar 31 t Ddnabrüd ift erweitert, bod} mohneit bie circa 30 3bgtwge — 3 UU 1 ©Ijeil meiblid)en ©cfdjledjtd — außerhalb ber Slnftalt. Ser Gurfud ift 3 meijährig. i. ©tatt ber bisherigen fatI}o£ifd}en 9?orraa£fd}ule in fpilb edt)eim, bie (mie bie 9?ormalfd}itle in Ddnabrüd) nur int ©emmer gearbeitet hatte unb meber eignes Socat nod) eigne Seljrer befaß, ift eine 3nternatdanftalt mit circa 12 3ögltngen unb gmei= jährigem Surfud eingerichtet. 2Jiit 5 ber genannten Slnftalten ift ein ©arten für länblidje Slrbeiten »erbunben, bad Sef}rerperfonal ift erljeblid} »erftärlt, ber Sehrapparat »eroollftänbigt, in ben ©e= miuargebäuben außer für ben ©irector raeift nod} eine (gamiliem) 3Bol}nnng für einen gmeiten, unb eine SBohnung für einen britten unoerheiratheten 8 el)rer eingerichtet. 17. ©obann genehmigten bie altg. ©tänbe, baß bie ältere Sßemilligung »on 3905 ©hh. jährlich ju temporären Unterftühnngen hülfs 6 ebürftiger 8 el}rer »ermanbt merbeit bürfte. ©iefc ©umme mirb in feften 9latcn ben Gonfiftorien jährlich audgegahlt unb »on biefen gugleid) mit il}ren eigenen Unterftühungdmitteln »ertheilt. ©iefe Gon* §ttnno»et, ba$ 33otfSfdju[roefcn. 325 fiftoriaI=5IRitteI finb nicht unbebeutenb: Ipannober Ijat circa 1800 aus bem [Reben= fd^en [fonbS tc. — ©tabe circa 300 Si)tr. auS beit fpauScopuIationSgefbern :c. — Slitrid) circa 1000 SDjlr. bon bem SBeijffdjen Segat :c. — DSnabrüd 31. E. 100, bemnädjft 200 5ti)(r. aus ber ©ülicfffdjen «Stiftung. — OSnabriicf fatf). Sonf. 500Efß r - auS bem Serfettbrücf’fdjett [fonbS ic. $ieju fommen bann noch bie aujferorbentlidjen Unterftüfeungen, weldje auf 31nfud)en in befonberen ®ringli ©ebüljr gewahrt. ®ie per= fönlidje Kenntnisnahme, Weld)e bie ©dntlfunbigen auf il;ren continuirlidjen 3nfpeciionS= reifen oon ben 3ufinnben unb [ßebiirfniffen ber ©d)itlen unb Sehrer an Ort unb ©teße nehmen, famt nid)t anberS als förbernb auf baS ©ebenen beS ©thulWefenS cinwirfen. 3n ihrer -ßerfon ift eine lebenbige 33ermittelung gegeben einerfeitS 3 Wifd)en ber Dber= behötbe unb ben untergebenen Slnjtatten unb -perfonen, anbrerfeitS jwifdjen bem ©emi= nare unb ben ©dmlen ber iProbinj. 3m 3al)re 1854 berief baS f. SuItuSminifterium bie fämmtüd)en ©dfultunbigen ju einer S3eratfmng über innere ©djulfadjen, bcren Ergebnis in einer ®rudfd)rift jufammcngefteßt ift. 19. 3n anberweiter Ausführung beS 33cIfSfdjuIgefeheS finb nad) unb nach biejeni= gen einjelnen — meift ftäbtifdfen 33oItSfd)uIen, beren Seitung ben f. Konfiftorialbehörben 326 •§annoöct, ba§ fBolf&fdjulwefen. rtic^t guftefü, wie in Dfterobe, Sliinben, Rorbljeim, Serben ec., ber Dberauffidjt beS betreffenben SonfiftoriumS unterteilt, inbem bie gegenseitige Sompeteng burd^ befonbere Reglements georbuet ift. — ferner finb bie guftanbigen ©eiftlidjen ermächtigt, $ri= »atfdjulen — gu bereit Gtrrid)tung es t)bl)erer (Erlaubnis regelmäßig nidjt bebarf — bel)ufs wirffanter 2luffid)tführung über biefelben jebergeit lenntniSne'bmenb gu befudjen.— SBeiter finb Seftimmungen erlaffen wegen Serpflidjtuug, SBeeibigung unb ®infüh= rung ber Sol!sfd)ul= unb © eminarleljrer, fowie and) wegen gwedmaßiger Sorbilbitng ber ©d)n11ehrliitge. — (Snblid) ift burd) l. Serorbnung »ora 19. 2)iai 1859 gur Regelung ber SluSitbung beS f. DberauffidjtSrechtS über biefenigeit ©djuleit beS £anbeS, weldje Weber gu ben Solls- nod) ©elehrtenfdjulen gehören —• 2J?ittelfd)uIcn, höhere Siirger= unb $öd)terfd)nlen ic. — beftimmt, baß bie Dberauffidjt über biefe ©djitlen bon bem t. SultuSminifterium unb unter biefem bon ben f. SonftftorialbehBrCeit ausgeiibt werben fotle. 20. Söar fo feit (Erlaß beS SolfSfd)ulgefe(}eS ber innere 9luSbau beS ©djulwefenS in ftetem §ortfd)ritte begriffen gewefen, nnb war aud) gleichzeitig bieleS für bie Ser= befferung ber äußern Serljältniffe ber ©djulen unb Seigrer gefdjeheit, fo hatte bod) ber gu legerem ßwede bewilligte DiSpofitionSfonbS bon 30,000 £fylr. unb baS SolfS= ©djul=@cfe(3 felber nidjt Ijingereidjt, um allen Seljrern gu einer auStömmlid)en Dienft= eiwtafyme gu berhelfen. 9IIS ein feljr erfreutidjeS (Ereignis muß bal)er ber (Erlaß beS neueften ©efe(3eS Dom 2. 9lug. 1856, Serbefferung ber S olfSf djulftellen betreffenb, unb bie gur 2luSfül)ruitg beSfelben bereitwillig bou ben atlg. ©tauben gewährte Sewilligung einer neuen DiSpofitionSfumme »on 20,000 $I)lr. jährlich bezeichnet werben. Die 3luSfül;rung biefeS @efe| 3 eS, Weld;e erWünfdjte Reful= täte liefert (f. u.), ift bereits ziemlich bolieubet. 11m beit ©djulgemeiuben fobann bie Sefd)affuug ber erforberlidjen Sättel gur Weiteren Serbefferung ihrer ©djulftellen gu erleichtern, ift burd) l. Serorbnung bom 25. gebr. 1859 eine (Sinridjtung getroffen, wornadj ber aüg. ÄXofterfonbS gur (Sapital= anfamntlung für (Sirdjem unb) ©djulgwetfe burd) jährliche Singal)Iungen benn^t Werben lann (ogl. bagu bie SluSfüljrungSbetanntmadjung beS f. (EultuSminifteriumS bom 15. 2lug. 1859). (Sublid) ift uod) beS bebeutungSooHen UmftanbeS gu erwähnen, baß itad)bem aöer= l)Bd)ften DrtS im 3- 1856 bie Sefeitigung beS rationalifirenbeu £anbeSfated)iSmuS ge= nehmigt ift, bie (Einführung eines neuen SanbeSlated)iSmuS, (Ce8 bon einer bagu niebergefefeten (Eommiffion umgearbeiteten alten äBalther’fdjen), ber im (Entwürfe bereits borliegt, in naher 3 e ü 3 U hoffen ftel)t. 21. Duellen unb Literatur. Die »orerwäljnten Sird)en= unb ©d)ulorbituugen, @efe( 3 e, Serorbnuitgen unb Selauntmadjungen finbeit fid) größtentl)eilS in ben bortreff» lidjeu ©ammelwerteu bou (Ebl)nrbt: ©efege, Serorbnungen unb StuSfdjreiben in &ird)en= unb ©djulfadjen für ben (Sonfiftorialbegirl fjjannober 2 Sbe. (1569 — 1844), ©efefce ic. für baS Äßnigr. |j. 2. golge, 2. So. unb 4. Sb., 3. 2lbti).; 3. fjolge 1. Sb., 3. Slbth-J ©ammtung ber Serorbnungen für baS ÄBnigr. £>., 2. Sb., 3. Slbtß. — ©onft ift baS Setreffcnbe in bem jebeSntaligen Saljrgange ber © ef efcf ammluit g für baS ftönigr. §., I. unb III. Slbtlj. gu fudjen. — Das auf DftfrieSlanb Següglid)e ift enthalten in: ©efe^e ic. in Stird)ett= unb ©d)ulfad)eit für DftfrieSlanb bon UlridjS (1817 — 1860). hierin finbet fid) aud) baS f. preuß. @eneral=8anbfdjul=Reglement bon 1763 unb bie oftfriefifdje 3nfpectionS=0rbnitng bom 7. 2lpril 1766. — Sgl. ferner: Sammlung ber Serorbnungen ic. für fänimtlidje Ißrooingeu beS fpannober’fdjen Staats bou ©pangenberg, »on 1740— 1811, (Der 4. Sb., 3. 2lbth- enthält bie fpabeln= fdien Serorbnungen hiS 1739); ©antmlüng ber §anno»er’fdjen ?anbeSoerorbnungen tc. »on 1813 —1817 bon fpagemann 12 Sbe.; unb: Ruperti'S Sird)en= unb @d)ttl= gefehgehung ber §ergogtl)ümer Sremen unb Serben 1844. ©obann SaringS Seitrag gur §aunober’fd)en Äird)en= unb ©djutljiftorie 1748; ©chlegelS Äirdjen» unb Refor= •§anttoöer, bo§ Bolföfcbulroefen. 327 tnatiouSgefdjictjte oon 9iorbbeutfd)laub unb ben £annooer’jchen Staaten 1832. 3 Bbe.; Kurhannoßer’fd)eb Kird;enred)t 1806. 5 Bbe., unb „über ©djulhflidjtigfeit unb ©d)ul= jhjang ' 1 1824; ©alfelbb 33eitväge jur Kenntnib beb Kird)en= unb ©dtultoefenb in ben fpanuooer’fdjen Kurlanbett 1800; tpannooer’fdjeb SDtagajin. 3n ben Jahrgängen uon 1769 — 1850 (bie 3a^re 1808—1813 fehlen), Berfaffuttg beb Sattbeb fabeln uon Bedntaitn 1847; jur Sehre »on ben Kird)cn= unb ©djullaften im Königreiche tpamtooer Bon Brüel 1855; <$h ren feudjter: jur ©efdjidjte beb Katedjibmub tc. 1857; ©tatiftifdje Ueberfidjt ber Kintheilung beb Konigr. £>annoßer tc. Bon fRiugflib 1859; fpannooer’fdjer Bolfbfdjulbote Bon ©effer (erfdjeint alle 14 ©age); Vierteljährliche 9tad;rid;ten Bon Kirdjen* unb ©djulfadfen Bon Kam mann, 4 £>efte jährlich, eine fdjon feit Bielen 3ahren Beftel;enbe ßeitfdjrift. II. ©ie allgemeinen ©runbjiige ber ©efejjgebung unb Berioaltung. 1. ©ab fdjulpflid)tige Sitter beginnt mit bem BoKenbeten 6 . Sebenbjahre. ®od) ift bab f. Kultubminifterium befugt (in bringenben gatten), bie fpinaubfetjung beb fdjutyftidjtigen Sllterb ju geftatten. ©ie ßulaffung bou jüngeren Kindern jur ©djule ift — Borbehaltlid) ber 3af)lung beb ©djulgelbeb — geftattct, fotoeit für bie betreffende Drtbfdjule feine Unjuträglidjfeit baraitb erlnädjbt. ©ab fdhuljjflidjtige Sllter enbet mit bemjenigen 3 e 'tl' l,nc te, toeldjer bafür in ben einzelnen Sanbebtheilen unb für bie oer= fdjieberten Konfeffionen Borgefd;ricben ift, b. h- mit beut Dottenbeten 14. 3al;re in Kalenberg, ©öttingen, ©rubenljagen, ©iepholj (f- Berorbnung oom 29.9?oobr. 1734,) Süneburg unb £ot;a (f. Berorbnung Born 2. 9)iärj 1751 unb Konfiftorial=3litbfd;reiben Born 28. 3uli 1752), Sauenbttrg (Sauenburger ©d;ul=£)rbnung Born 3ahre 1757), Bremen unb Serben (Bremer ©djuttDrb. Born 3. 1752) unb in Dftfrieblanb (®. Sanb= ©d)utt9?eglement Born 3. 1763). 3m ©amtcnberg’fdjen h at bab Kind fo lange jur ©djule 31 t gelten, bi® eb Born ©uderintenbenten reif 3 m - Konfirmation befunben ift, (©annettberger ©dtuKDrbnung Born 3. 1687); in tpitbebheim 31. K. bis jimt 14. „ober toenigftenb 13." Sebenbjaljr (§ilbebheinter ©djuKDrb. Born 3- 1735); in §ilbebheim unb Dbnabrücf K. K. bib jur erften h- Kommunion, toeld;e regelmäßig ^tüifdjen bab 13. unb 14. 3al;r fällt; in JDSnabrücf 31. K. bib jum 14. 3ahr unb ber Konfirmation (Befanntmadjung ber $roB.=9legientng Born 3. Slug. 1818); im Sande fabeln bib jur Konfirmation, bie um bab 14. 3al;r ftattfinbet (Konfift.=3luSfdjreiben uom 4. Slug. 1847.) 2 . 3um Befudje einer Bolfbfdjule finb bie Kinder eineb jcben Sanbebeintoohnerb toährenb beb fdjuidflidjtigen Sllterb oerbunben, toenn fie nidjt auf einer höheren Seljr= anftalt ober bitrd) geeigneten fßrioatunterridjt bie erforberlidje llnterloeifung erl;al= ten. (SJiit biefer Borfdjrift beb VoIfS=©d>ul=®efe^eb ift ben bib bal;in maffentoeife Borhanbenen SBiulelfdnilen bie SBurjel abgefdjnitten). ©er fßritiatunterricht befreit nämlich nur bann Bon bem Befttd;e ber Bolfbfd;ule, trenn er bie für bie ledere oor= gefdjriebenen ©egenftänbc umfaßt, unb menn jugleich bie Befähigung beb llntertoeifenben bei bem betreffenden aufjtdjtführeuben ®eiftlid)en, bej.to. ber Borgefe(3ten Behörde fein Bebenfen findet ober crforberIid)enfaffb nadjgetoiefen tBirb. ©ie Slubtuahl oon )}5rioat= lehrern ift ber Sßittfiir jebeb einzelnen überlaffen, fotoeit nidjt bebfattfige gefehlidje Bejdjränfungen beftehen, toie 3 . B. bie Bremer ©djulorbnung Bon 1752 ben KItern eilte Borgängige Slujeige bei bem Prediger 3 ur fßflidjt macht, unb die Befaitntmadjung beb f. Konftftoriumb 3 U Sluridj oom 28. St|n - . 1825 auf ©rund beb @eneral=Sanb= ©d;ul=9leglemeutb oott 1763 oon jedem fpaublehrer fordert, fid; juoor einer Prüfung fcor bem ©uperintenbenten ju unter 3 iehen. Bou ber ©djulgelbbäahlung befreit übrigenb ber Sriratunterridjt nur bann, toenn er oon einem, bie Kinder oott IjödjftenS 2 gautilien unterrichtenden fpaublehrer ertl)eilt toirb. ©ie (Srtheilung eineb g ent einf amen fßrioat* Unterrichts an Kinder oott mehr alb 2 gamiüen in einem ober mehrern ber für bie Bollbfdjule beftimmten ©egeitftänbe fann jebodj, namentlich ^ eintretenbem Bebenfen gegen bie ^perfönlichfeit beb llntertoeifenben ober bei erheblicher Benadjtheilung ber Drtboolfbfdjule, nad) bem Krmeffen ber guftänbigen Behörde Bon beren befonberer 328 faannoocr, bas SSolfsfdjutrocfcn, ©enehmigung abhängig gemadjt unb entweber ganj unterfagt, ober an geeignete Ve- tingungen gefnüpft toevben. 3. ®ie Verpflidjtung jur ©rridjtung unb Unterhaltung ber VollS= fdjulen liegt ben ©djulgenteinben (©djuloerbanbeu) ob, foweit nicht einzelne Verfonen, (Korporationen ober gonbS baju redjtlidj oerbunben unb im ©tanbe finb. $ird;enge= meinben ho&en nicht feiten infofern babei mitjuwirfen, alö tie SehrerfteUen häufig nrxt ffüfter» ober Drganiftenbienften oerbunben finb. Veihülfen auS Staatsmitteln aber folleit jn biefem 3wede nicht anbcrS als, in Srmangtnng anberer geeigneter 3lu8funft, auShülfSweife gewährt werben. Sinett wefentlidjen ®h e *t ^ er Sehrereinnahme bitbet baS © chulgelb, baS (früher fehr gering — etwa 7* 9fthlr. jährlich) neuerlidj oielfadj ge^ fteigert ift, ba bag f. ßultuSminifterium befugt ift, eine Erhöhung beSfelben big auf 1 ®hU- jahrl. für baS Äinb eintretenben gaßS gu oerfiigen. SDodj ift e8 einem jeben ©djuloerbanbe freigeftellt, bie ®ienfteinnahme eineg SchrerS ftatt burdj ©chulgelb auf fonftigem SBege aufjubringen. Von ber ©djulgelbSjahlung au ben Sehrer ihres ©djul= begirlS finb befreit: a. Äinber, weldje eine höhe« offentlidje Sehranftalt befudjen ober burd) einen geeigneten Hauslehrer unterrichtet werben; b. weldje wegen ©ebredjen auf wenigfteng V* 3ai' oom ©c^u£befud)e bigpenfirt finb; c. Wetd)e eine auswärtige ©d)utc befudjen unb äußleid) außerhalb beb ©djulbejirfg untergebrad)t finb; d. für baS 3. unb bie folgenbeu Äinber berfeiben Familie, weld;e gleidjjeitig bie namlidje ©d;ute befudjeu, barf bie §atfte beS ©djulgelbeS gefürjt werben. ®aS ©chulgelb für arme&inber wirb tl^eilS aus bem Äirdjen» ober 2lrmen=9lerar, theitg aug Stiftungen unb für berartige 3 11? ede beftimmten Äaffen entrichtet. ®a8 ©djulgelb mujj in ‘Ajährigen JRaten bejaht werben, wo nidjt fdjon fürjere 3ahlungg= friften herlömtulid; beftehen (wie in Dftfrieglanb j. V. wödjentüdje 3 a i uti g borge* fdjriebeu ift). ®ie früher üblid;e Vergütung für ©djreib* unb 9led;enunterrid;t wirb, feitbem biefe burd; baS VolfSfcfjulgefeh ju allgemeinen UnterridjtSgegenftänben erhoben finb, beut eigentlichen ©djulgelbe ganj ober theilweife hinjugeredjnet. Sieben bcm ©djutgelbe beftehen, namentlich auf bem Sanbe, nod) oerfd;iebene Slaturalieiftungen, wie bie fog. Eßrooeu (SEBurft, Vutter, gier je.), welche wehr ober weniger bie -Matur beS SdjuIgetbeS an fid; tragen. 3m Süneburg’fdjen mirb übrigeng mehrfad; baS ©d;ul= gelb nid;t für jeteS Kinb, fonbern famiiienWeife entrichtet. 4. 2Bo bie ®otiruug, bej.w. SScrbefferung oon ©djutftellen auf anbere SSeife nicht befchafft werben fann, ift baS f^ehlenfce burd; Umlagen auf bie ©emeinbeglieber aufgu= bringen, beren Veträge, in grmanglung gütlicher Vereinbarung, nach bem her!ömmtid/en ober in ber Umgegenb für bergleidjen Saften üblidjen (Soncurrengfujj (fpöfe=, ©runb* fteuer combinirte ©teuerfuß :c.) im Verwaltungswege feftgefteKt Werben. Vei einer 3ni bon wehr als 120 ©djulfinbern laun bie Veiorbnung eines @djut= gehülfen, unb bei einer 3<*hl bon mehr als 200 bie grridjtung einer 2. ©djullehrer= ftetle, ober geeignetenfadS eine ©h e ^ un 3 öeS ©djuloerbanbeS, fowie ber ©djullaften unb beS ©djuloermögenS int Verwaltungswege angeorbnct werben. 5. ®ie üluffidjt über ben Unterridjt in ben Volf8fd)ulen liegt oerfaffungS* ntajjig bem Pfarrer unb ben juftänbigen firdjlidjen VehBrben ob. ®aS bem SanbeS» herrn oorbehaltene Dberauffid;tSred)t wirb oon bem f. SultuSminifterium unb jwar entweber mittelbar bnrd) bie f. höheren Vehörben ober unmittelbar auSgeiibt. ®ie Sluffidjt ber Vfarrer tc. erftredt fid; foWol;l auf ben Unterricht, als aud; auf SlmtSfüh* rung unb SBanbel ber ©chullehrer, ©d)u!biSciplin, ©djttlbefuch unb baS Verhalten ber ©djüler. ®ie ben ©diuloorftänben (f. o.) gefe^lid; gebühreube SJJitwirfuug bei ber Sluffidjt über baS ©d)itlwefen befdjränft fid) (abgefel;en oon beren SThätigfeit bei geft= fteßung ber Unterrichtszeit, Serien je.) auf Slnträge ober Vemerfungen, welche bei bem Vfarrer unb nötigenfalls bei ben oorgefehten Vehörben anjubringen finb. ®abei finb biefelben oerpflichtet, auf geregelten ©d;ulbefud; ber Äinber, auf Drbnung unb gute ■§«mtoöer, ba§ SSolfSfcbutrocfcn. 329 Sitte aud) außerhalb ber Sdjule, auf gutes Sinoernehmen 3 t»ifd)en Selber unb @e= meinte burd) Sorbilo unb djriftlidje Ermahnung tjinjutnirfen. 2Bo Red)te SDvitter auf bie Leitung beS SdjulmefenS nidjt befielen (f. o.), ba ift biefe bon ben !. Sonfiftorien unter geeigneter URittbirfung ber Sporen (Superin» tenbenten) unb bej.tb. ber aus bem SphoruS unb bem meltlid)eu Beamten beftel)enben Äird)encontmiffionen, in S3entl)eim bom f. Dberfirdtenratl) unter SO^itmirfung ber DrtS» Sonfiftorien toarjunehmen. ®ie f. Regierungen concurriren babei ttad) SRaßgabe ber beftefyenben befonberen Seftimmungen. ®eSgleid)en ift bie taubeSfyerrlidje £)berauffid)t über baS Sdfultbefen, fotoohl maS ben Uuterrid)t, als maS bie äußeren Angelegenheiten ber Sdjulen betrifft, regel» mäßig pnadjft non ben f. Gonfiftorialbehörben unter berfaffungSmäßiger SRittoirtung ber f. Regiminalbel)örben marjunehmen. ®aß in ben ebangelifdjen Senfiftorien feit 1851 eine befonbere Abtheilung für SolfSfdjutfadjen befteljt, voeldjer ein Sd)ulf'uubiger als Dberfdjutinfpector angel)ört, ift bereits oben bemerlt. f^ür bie ®iöcefe £>ilbeSl)eim ift in biefer Sejiehung nad)ge= laffen, baß baS !. Sonfiftorium mit bem bifdjöfüdjen ©eneralbicariate fid) borgängig ju benehmen hat in betreff aller allgemeinen Anorbuungen, ber AuSmahl ber Seminar» unb Solf 8 fd)ulleI)rer, ber Sef)rbüd)er, beS SeljrplanS, ber ®i 8 ciplinarfad;en gegen Sel)rer, unb baß namentlid) nur foldje als Religionslehrer angefteHt beerben bürfen, meldjen bie bifd)öflid)e SBehörbe jnr Ausübung beS Sehramts bie firdjlidje SRiffton ertbjeilt hat. 3n ber ®iöcefe DSnabrücf ift bie obere Seititng ber Sd)ttlfad)en jtoifdjen ber bifd)öflidjen unb töniglichen 3SeI)örbe geteilt, fo febod), baß ber iiberloiegenbe Einfluß in ben fpän» ben beS ©eneraloicariatS liegt. — ®ie Seftimmung ber Unterrid)tSgegenftänbe, Schul» bitter, Unterrichtszeit unb ber jur Seförberung eines regelmäßigen Sdjttlbefudfs’ er» forberlidjen 9Raßregeln hat baS f. SnttuSminifterium nad) Anhörung ber be» treffenben geiftlidfen ober fonft juftänbigen 33el)örben 311 treffen. ®a 8 felbe ernennt and) bie Sentinarlehrer. III. ®ie ^pauptpuncte ber Sdjulftatiftif. (®ie nadffolgenben Angaben bejiehen fid) auf ben 3 u ftanb beS 33olfSfd)ultbefenS im 3. 1855. lieber bie biefelben erheblid) mobificirenben SSSirfungen beS noch in ber Ausführung begriffenen ©efe( 3 eS bom 2. Aug. 1856 haben nod) feine ftatiftifdjen Ermittelungen eintreten fönnen.) 1 . Sei einer Einwohnerzahl bon (1,496,443 Sutl)eranern, 94,307 Reformirten unb 216,141 Satholifen) 1,806,891 Seelen befinben fid) im Äönigr. Ipannober 281,348 thriftlid)e Sd)ulfinber. SS foutmt alfo burdjfd)nittlid) auf 6,42 Seelen 1 ©djulfinb. 2. ®ie ©efamnttjahl ber SoIfSfdjuIlehrer ft eilen (bei 3584 Schulen) ftieg in fyolge beS @efe( 5 eS nom 3. 1845 bon 3681 auf 3812. Son biefen begreift ber Eonfiftorialbejirf a. .fpannober 2145 Stellen (Salenberg 373, ©öttingen 207, ©ruben» hagen unb §arj 136, £>ol)a 250, ®iepholj 41, Süueburg 872, |)ilbeSheim 244, pichen» ftein 22). b. Stabe 691 (Sremen 569, Serben 122 ). e. SanbeS fabeln 30. d. Ddna» brüd 131 (DSnabrüd 121, Singen 8 , SReppen 2). e. Aurid) 329. f. Stabt DSnabrüd 15. g. Sejirf beS £)berfird)enratl )8 31 t Rorbljorn 54, jufammen 3395 ebangelifdfe ©d)ulftellen. ®aäu fomnten 417 fatI)oIifd)e SteHeu, nämlid) a. in ber ®iöcefe §i(beSl)eim 131 (§>ilbeSl)eim 81, ©öttingen 5, ©rubenhagen mit Sid)Sfelb 41, Salenberg 2, Süueburg 2). b. in ber ®iöcefe DSnabriid' 286 (DSnabritcf 102, £>opa unb ®iefoh°^ä Steppen 108, Singen 48, 23entl)eim 12, DftfrieSlanb 10.) — Auf 1 Seljrer fomnten burd)fd)nitt= lid) 74 Sd)ulfinber unb 474 SanbeSeintoohner. 3. 1227 Sdjulen haben weniger als 50, 1757 haben 50—120 Sdjüler. 3n ben übrigen finb 120, in 132 fogar 200 fiinber unb bariiber. 4. ®a 8 Äönigreid) hat eine Anjal)! fehr fleiner Sirdjengemeinben; 217 Äirdjfpiele beftehen nur aus 1 , 220 nur aus 2 Drten. ®ie Sd)ulfte£(en finb h^r regelmäßig mit einem Äirdjenamte oerbunbeit. 3n einigen ^robinjen finbet bieS bei ber SRehrjahl 330 ■jäattnobcr, ba§ aSotE^fcfjuIiucfctt. ber ©djulfteflen ftatl; fo 3 . 33. in ^ilbedljeim 31. K. bei 194 unter 244 ©teilen; in ©öttingen bei 160 unter 207 ©teilen; in Dftfriedlanb bei 164 unter 329 ©teilen, 3 n anbern Srobinjett, in beneu aus bielen Orten jufammengefeijte Sird)ff)iele mit einer ©eelenjafyl bon 1000—4000 KinW. überwiegen, ift biefe Sßerbinbung biel feltener; fo finbet fid) biefelbe 3 . 33. in Süneburg nur bei 274 unter 872 ©teilen, in £wt)a= ®iefjfyolj bei 90 unter 291 ©teilen, in 33remen=33erbett bei 128 unter 691 ©teilen, in Ddnabrüd 31. K. bei 54 unter 131 ©teilen, in |jilbedl)eim unb Ddnabrüd; S. K. bei 125 unter 417 ©teilen. 3m ganjen beträgt bie 3 a ^ ber mit einem Sird)en= bienfte berbttnbenen ©djitlfteßen 1519. 5. gabrilfdjulen fomtnen nur gaitj bereinjelt bor; 2lrmen= ober gireifdjulen meift in beit größeren ©täbten; ©ottntagdfd)uleit Wofylnur im 33remeit’fd)ett unb attdi ba nur im ©otnrner bei ben Sanbfdfulen; bie fog. gortbilbungdfdjulen (für confirmirte ©öljne namentlid) bott SanbWirtlfen) ftcfyen mit ber 33oIfdfd)ttIe in feiner organifdjen 3Serbin= bung. Uebrigettd ift ilfre 3al)l (circa 450 mit 6300 ©d)ülern) itid)t im 3unel)nten be= griffen. — ®ie bormatigeu ©arnifonfdfulett finb meift mit ben ©eminarfdjulen ber= fdfmolgen. ®ie fog. SDZittelfdfuIen (gehobene Solfdfdfulen), weldje erft nad) Krlaß beS 33 .=©d).-@efet 5 ed in bielett größeren unb mittleren ©täbten ■— bereu ©efammtjal)! im Söttigreid)e 187 beträgt — fid) gebilbet Ijaben, gehören jtoar meift nod), (tbie aud) bie fog. Siectorfdjulen), bent 33oIIdfd)ulgebiete an; nähern fid) aber bodj, ba fie bielfadj aud) frentbe ©pradjen lehren, entfdfiebeit beut ©ebiete ber @elel)rten= ober gadjfdjule. 3 I;r eigentliches 3 iet ift, für ben £>anbeld= unb l)öl)ern ©ewerbeftanb borjubilben. 6 . 33on ber ©efammtjal)! ber 3812 ©dntlfteßen I;aben 914 ©teilen ein Kinlont* men bon nur 80 ®I)Ir.; 790 bou 80—100 ®t)Ir.; 307 bon 100—120; 427 bon 120—150; 1374 bon 150 ®I)lr. unb barüber. 274 ©teilen Ijaben nod) einen f)teil)e= tifd). — 3)er jäfyrlidje ®urd)fd)uittdbetrag beS Kinfonimend ber einzelnen ©dl)ulftellen beträgt für Serben, ®ie|ß)ol 3 , 33entl)etin, Süneburg, §ot)a 114—130 ®I)Ir.; bie ®iö= cefen Ddnabrüd unb fpilbedlfeim, ©öttingen 136—148 ®l)lr.; Kalenberg, |>ol)nftein, gürftenttjum §ilbedl)etnt, Dftfriedlanb 160—180 ®lilr.; Slited Sattb, ffiirftentljum Ddnabrüd:, ©rubenfjagen unb §arj 196—206 ®I)Ir. — Son ber ©efantmteinnafyme ber ©djulfteflen ad 558,800 ®ljlr. fällt burdjfdjnittlidj auf jebe einzelne ©teile 151 ®I)Ir. 2In 33eil)iilfen aud Sanbedmitteln erhalten 963 ©teilen 22,270 ®f)h\; burdj= fdjuittlid) alfo jebe ©teile 23 ®I)lr. (bergl. ©tänbifdje Ictenftiide 1856, III. ©. 681 f.). 7. ®er ©efammtaufwanb aud Staatsmitteln für bad Solfdfdjulwefen — im @e= genfafj 31 t ben gemeinbefeitigen Seiftungen unb abgefeljett bon ben 3 u fdt)üffen, weldje nad) bent Dbigett aud bem aflg. Slofterfonbd, bem ®omaniunt, fonftigen Waffen, Stiftungen unb fyottbd erfolgen, — beläuft fid) auf circa 116,000 ®ljlr. jäljrlidj. IV. ®ie innere Drbnung ber ©d)ule. 1. ®ie ©d)uleu auf bem Sanbe finb ber 937eI)rja^I nad) einclaffige, in betten bie Shtber beiberlei ©efdjledjtd, in 2 ober 3 Drbnungen abgetljeilt, wäljrenb ber gangen ©d)itlgeit bereinigt finb. 2Bo bie SDZittet ed geftatteu, toerben wenigftend 2 Klaffen, für bie jüngeren unb älteren Sittber, errietet. ®rettuttttg nad) ben ®efd)Ied)tern ift weniger int ©ebraudje unb finbet meift nur in ben (größeren) ©täbten ftatt, wo bie älienge ber Sinber unb bie beliebte 3 ufammeit 3 tel)ung ber ißarodjialfdjuteu itt @efammt= ober Kentralfdjulen bou felber aud) jur Kinrid)tung einer größeren Slnjaljt bon iibereinanberfteljenben Klaffen fttljrt. (3tt ber ©tabt fpattnober jäl)len bie Sttaben* unb SJiäbdjenfdjuIett je 5—9 Sltterdclaffen). — lieber ^albtagd» fd)ttlen ftttb bie SOleinungen geteilt: iit§i[bed^eim hefteten fie bielfad), bod) mel)r nur ald jugelaffette, bej.w. burd) bie Dfotf» gebotene; itt Ddnabrücf begiinftigt, itt Dftfried» lattb Wünfd)t matt il)re Kinrid)tung, namentlid) bei ftarfbefe^ten ©d)ulen. ®a wo Weite ©d)ttlwegc finb, werben fie bon beit ©enteittbett, utn ber Steinen wißen, nidjt gern gef elfen. 2 . 97ot^wenbige llnterridjtdgegeitftänbe finb: Oieligiondunterridjt (Sa* ted)idmttd unb biblifdfe ©efc^idfte, bie erft neuerlid) wieber aßgentein in bie ©d)ule •§atmoöcr, baö 2$olfSfd)Utwcfcn. 331 jurücfgefüfirt ift), Sefen, &opf= unb Safetredpten, ©dfreiben unb fd^riftlid>er ©ebattfett» audbrutf, ©efaug, SBeltfunbe (bie jebod) unter llmftänben erlaffen werben tarnt). Slußer» bettt finb guläßig: Slementargeometrie, ßetdjnen, weiblidje fpanbarbeiten, aud; fpol= länbifd) in 33entl)eim unb Dftfriedlanb. (Sie Siabelarbeiten Werben in Ddnabrüd mit großem 6ifer in circa 100 ©elfdfdjulen betrieben; in anberen ißrobinäen, (©öttingen, 93ent= I;eim, fparj tc.) hefteten befonbere Snbuftriefdjulen, bie »ielfad; aud ben Äirdjenärarett unterftüljt werben, mit ber 33oIfdfd)ule aber teilte engere 33crbinbung l;aben). 3. Sie 3e ipanbfcßrift unb bie gertigfeit, SJiemorirted nieberjufdireiben, attd) einen ©eßeitt, 33rief, Siedlung tc. ■aufjufeßen; ? bie 4 ©foecieS itt ganjen unb gebrodenen ßaßlen; bie gangbarften Sßoräle otjne ipülfe bed Seßrerd. 7. 3tt bettt fog. $Dionatdbud)e ßat ber Beßrer furj anjitnterfen, we!d)ed i)3enfum monatlid) burd)gearbeitet wirb, ©djulprüfungett finben in ©ftfriedlanb fonft nur bei einer Slnjaßl ftäbtifd)er ©d;ulen ftatt. ©d;utgefe^e foittmen nur ßie uttb ba öor. Ser Beßrer ßat forgfältige Slbfeuteuliften ju führen; bei Wieberßolter ©djuloerfäumnid ber Äinber werben bie Sltern ttott bent Pfarrer bei ber Dbrigfeit jur 33eftrafuitg angegeigt. Sie ©c^ulfittber finb gehalten, auc^ bie fontttäglidje Sinberlefyre in ber Äirdje regelmäßig ju befudten. Y. Sie 33erl;ältttiffe ber Sei)rer. 1. 3n mefireren ißrooinjen Reißen bie Se^rer att Äirdjfpieldorten tpauptfd)itllel;rer; in Sörfent unb 23auerfd)aften Sieben» fdjutteßrer (bie feinen Sirdjenbienft befieiben.) 3n Stabe, Slurid), Ddnabrüd uttb SSent» I;eint finb bie Seprer oielfad; oerpflid;tet, bei großer Äinberjalfl einen, aitt^ 2 unb 3 ©efiülfen ju galten; in ben übrigen ‘tßromngen pat man ftatt beffen neue ©dfulfteüett erridjtet ober ©el;ütfdlel;rer angeftellt, bereit Soften oon ber ©emeittbe gu feefdjaffen finb, foWeit bie oor^attbenen ©djulbotationdmittel nießt aitdreid)ett. §ür ©eljülfen ober Slbjuncten, Weld;e bienftuttfäljigen Seftrern beigeorbnet werben, Wirb ber @ef;alt im jebed» maligen gälte feftgeftellt uttb ebenfaßd tX;eilS aud ben SJHtteln ber ©c^ulftede, tfteild 332 §annobcr, bad 33otfdfdjulwefcn. »on ber ©emetnbe befdjafft. Slbjuncten, Weldje oon Patronen erwählt fint, wirb regel» mäßig bie spes succedendi erteilt. 3n Ddnabriicf Wirb niemanb feft angefteHt, ber nidjt eine 3 c ü lang ald ©etjülfe in einer Unterclaffe über bei einem älteren Se!jrer ge= arbeitet hat. 3n 33auer[djaften, weldje non ber ©ejirfdfdjule ju fern abliegen, pflegt für bie Sßintermonate ein feg. SBinterfdjulgehülfe angefteHt ju werben. -ßrooiforifdje SlnfteHung finbet nur audnaljmdweife bei 31 t großer Sugenb ober «njulänglidjer S3il* bung ftatt. 2 . Sin ©djulamtdbewerbern ift — mit Sludnaljme non ©tabe — fein 9 J?anget. ©ie fomtnen meiftend aud ben nnterften ©taxtben, aud Sehrer»," ©auern», ^janbwerfer», Saglöhner», ©ergmannd», xc. gainilien, Wad an fidj fein Uebelftanb ift. Üfieofogifdje Sehrer giebt eg, non ben -Kittel» unb l;öf)eren ©ürger» nnb SBdjterfdjulen abgefeljen, nur an ben fog. Kectorfdjulcn, bie fidj inniefeit mittleren ©täbten unb Rieden and ben alten lateiitifdjen ©djulen umgebilbet, unb oft and) bad Latein, wenigftend als )J$ribat= unterricht, nod) beibeljalten haben. Sie Kectcren treten fpäter ind fßrebigtamt über. 3. Sie ©djulleljrlinge haben für iljre ©orbilbuttg bis gur Slufnaljnte ind ©eminar, bej.w. SInfteflung felber ©orge 31 t tragen. Sie meiften treten (wie ed non oben and) empfohlen ift) xtadj ber Konfirmation bei einem tüchtigen ©djulmeifter „in bie Sehre," ber fie, unter SDtithülfe etwa beS ©eiftlidjen, tljeoretifdj unb praftifdj unter» weist; unb bleiben als ©eljiilfen bei ihm ober einem anbern ©djulmeifter, bis fie (in ©tabe, Dftfriedlanb, ©entljeim, fabeln) einen ©djutbienft erhalten, ober (in ben iibri» gen -ßrobinjen) in bad ©eminar aufgenommen werben. Senn in §annooer nnb £)dna= brüd wirb feiner als Sehrer, in ben übrigen -ßroninjen — mit Sludnaljme »on Dft» friedlanb, Wo bie künftige Sehrerbilbuug nebenher befteht — feiner abS ^auptfdjulleljrer angefteHt, ber nidjt ein ©eminar befudjt hat- Sie 3 a hl fofdjer ©räparanbenleljrer nimmt überall je länger je mehr $u, Wad um fo erfreulicher ift, ald bie Sorbilbung ber Sehrlinge bisher nod; Dielfad) mangelhaft War. Sfjmn (wie audj eingelxren begabten unb babei bürftigen Selsingen), werben bedljalb and) ©eiljülfen and Sanbedmittefn gewährt. 4. 23ei ber feminarifdjen Slufnaljmeprüfung wirb im wefentlidjen nidjt mehr, ald Wad in einer tüdjtigen ©olfdfdjule gelernt wirb, baneben nodj xnufifalifdje ©orbil» bung geforbert. SieSIufnaljme gefdjiefjt Dom 18., bei ben tpauptfeminariften in^anno» oer, Sllfclb, ©tabe Dem 20. Sebendjahre an. Ser Kurfxtd bauert in Ddnabriicf für aHe ßegfinge, in ben übrigen ©eminarien nur für bie fünftigen ©tabtfdjnlleljrer 3, in Sluridj unb gum Sljeil audj in Sllfelb nur 2 3afjre; für aHe übrigen Zöglinge — bis jefct — nur 1 3ahr fang. 5. Seber ber 10 feminarifdjen Slnftalten fteljt ein iljeologifdj gebifbetcr Snfpector nor, ber wenigftend Kinen feminarifdj gebifbeten Sefjver, einen tljeologifdjen Kanbibaten unb einen fog. ©eminarältefteu (ber gttgfeidj bie Defonontica mit beforgt) unter fidj hat. ftür ©ocal» unb Snftrumentalnutfif, ©djreiben, 3 e tdjnen xc. werben ftäbtifdje Sehrer gugegogen, ober amh eigne 9febenleljrer angefteHt. 2J?it jebem ©eminar ift eine lclaffige, mit mehreren außerbem nod) eine mehrefaffige ©djule oerbunben, bie ben ßöglingen jugfeidj ald Uebnngdfdjule bient. Ser llnterridjt für bie fünftigen Sanbfdjulfehrer be= greift außer ben metljobifdjen Hebungen unb Srgelfpiel bie Sefjrgegenftänbe ber ©olfd» fdjule; für fünftige ©tabtfdjuffehrer tritt geidjnen, 9?aturleljre, ©udjftabenredjnung unb ©ibelaudlegung hmj«. ®ad ©eminar Wifi feinen Zöglingen nidjt etwa nur fo Diel, ald fie nachher wiener 31 t lehren haben, aber bodj nur bad geben, Wad fie für ifjren 33eruf in ber ©olfdfdjule unmittelbar bebürfen, unb babei fidj gegenwärtig halten, namentfidj audj rndfidjtlid) ber 3 ut ^f (m ben Snternaten), baß bie ©ottedfurdjt aHer SBeidfjeit Slitfaitg ift. 3n aHcn ©eminaren ftnb Unterricht unb Sehrmittel, meifi audj Slrjt unb Slpotliefe frei; audj werben bie ©etten meiftend bou ber Slnftalt geliefert, gür gyfittagß» unb Slbeitbtifdj wirb bie mäßige ©ergiitung non circa J ,'s Shlr, wödjentlidj eingegahlt (im •öaunoucr, baS SSolfsfdjulrocfen. 333 Ipauptfeminar 311 fpannober fällt aud) biefe weg). Sie 33ebürftigen — etwa 50 — erhalten fyrettifc^e unb an ©elbunterftütsungen circa 1500 3d)lr. jäljrlid). 6 . Sie SlbgangjS prüfung toirb oon einer ßontmiffion abgeljalten, toeldje attS beu ©emiuarteljrern unb beut betr. Dberfdjnlinfpector befiel;!. (3n DSnabrüd unb SteuenljauS ift nod) ein geiftltd/ed SDlitglieb ber Sonfiftorialbeljörbe, in üluridj ber lut£>erifcC;e unb reformirte ®eneral=©uperintenbent 3 ugegen.) SaS ßeugnis begiel;t fid) auf alle feminarifd)ett Seljrgegenftänbe, auf gleiß unb betragen. 3 n illurid) ift bie (2Bal)lfä!)igfeitS=) Prüfung eine hoppelte für f?aupt= unb für Dieb enfd)ulfteden; esijaben fid) baju aud) ade nidjt in bern ©eminar gebilbeten (Eanbibaten gu metben. 3urüdtoeifungen fontmen int ganjen nur feiten oor, ba tljeitS mit großem (Eifer in ben ©emiuarien gearbeitet toirb, tljeils aud) Weniger Südjtige für bie oielen fieinen unb Dürftig botirten ©djulfteden ( 3 . 33. tn ben SDfoorcoIonien) nod) oertoenbbar ftnb, entolicf; aud) eben für folc^e bie DiadjbilbungSinftitute offen flehen. 7. gür bie gortbilbuttg ber angeftettteit Selber bienen tljeils bie freien pä= bagogifdjen Vereine, bie faft überad unter ifynen befielen; tljeils SefegefeUfdjaften unb SiblioUjelen, toie namentiid) in DftfrieSlanb, für toeldje aud) aus öffentlichen SDiitteln Seiljülfen erfolgen; tljeils bie amtlichen (Eonferensett, toeldje bie ©eiftddjen nad) alter (1736), oftmals neu eingefdjärfter 33orfd)rift regelmäßig febett SDionat mit beit Sefyrern ihrer ißarod^e abjuljalten fjaben. $ie nnb ba toerben biefe Eßarodjiatconferensen aud) 3 U SBerbittbungen ber Seljrer unb ©eiftlidjen einer gan 3 en Spfyorie unter Seituitg beS ©uperintenbenten erweitert. Slud) einjeltte Dberfdjitlinfpectoren galten oon 3eit 3 U 3 e li Sonferensen mit ben Seljrern ihrer ißrooin 3 ab. 8 . Sie SlnfteHung ber Seljrer gefdjieljt regelmäßig mit bem 19., be 3 .ro. 20. 2ebenS= fahre an Sanbfdjulett, mit bem 23. an ©tabtfdjulen; bod) fomnten probiforifdje 3ln= ftettmigen (in Dioüjfaden 3 umal) aud) fdjctt früher oor. Sie Slnftedung, be 3 .ro. S3er= fefcung gefd)iet;t auf -ßräfentation beS ßpIjontS burd) bie ®onfiftorialbef)örbe mittelft ber f. g. (EonfirmationSUlrfunbe. 3Bo bie Leitung beS ©djulwefenS berlanbeSljerrlidjen 33el)örbe nidjt jufieljt, ba bebarf jebe SlnfteHuug eines SeljrerS minbeftenS einer oor= gängigen SInjeige bei berfelben. ©ie ift befugt, genügenbe Diadjtoeifung über ©ittlid)= feit uitb öefäijigung beS Stnjuftedenben 3 U erforbern, bebor berfelbe 3 utn Antritte beS SienfteS gugelaffen werben barf. Sie 33eierbmuig eines Slbfuncten sine spe succ., fotoie alle ülnorbnungen wegen proüijortfdjer ober interimiftifdjer 33erfel)ititg eines ©d)ul= bienfteS finb ohne 33efd)ränfuttg ©adje ber GEonfiftorialbeljBrbe. ißatronat» unb SEBal) Ift eilen (alfo nidjt = lanbeSljerrlidje ©teilen) giebt eS 1480 im ?anbe, in DSnabriicf 34, in DftfrieSlaitb 328 (218 lutljerifdje, 110 reformirte), in ©tabe 40—50 Ipaupt-, 500 Diebenfdjulftedett, in 33entl)eim 52, in fabeln 30, in fiattnober 488, in DSnabrfuf Ä. S. 1, in §ilbeSljeim Ä. 6. 8 . 33or ber (Etnfüljrmtg, Welche in 3Ser= binbung mit bem ©otteSbienfte in ber Äirdje gefdjieljt, Ijat ber Seljrer ben §ulbigung 8 = eib absuleiften unb fid) 3 ur Sehre ber Äirdje, toie foldje infcttberijeit im fird)lid)en Sa= tedjismus begeugt ift, 3 U öerpflichten. 9. Sienftenttaffung ober Sienftentfefsung eines i-eljrerS finbet im SBertoaltungS* Wege (nad) ftattgeljabter SiSciplhtarunterfudjung) ftatt. Sie SBelaffuttg eines SljeilS feines @el)altS Ijangt oott beut Srmeffen ber SiSciplinarbe^orbe ab. SaS Serbleiben eines geiftig untauglid) geworbenen SelirerS im 3lmte wirb unter Umftänben ßott bent ©rgebniS einer Prüfung oor ber 23el)örbe abhängig gemalt. 3eber Sefjrer Ijat ein 2 lnred)t auf bie bei ber SlnfteHung iljm überroiefenett ©tedeinfünfte, nur baß er bei et= waiger Slnftedung eines 3 Weiten SeljrerS unter Umftänben baSjenige ©hulgelb auf (Sr= forbertt absutreten hat, toeldjeS er für eine größere £a^t als 120 ©d;ulfinber besiegt. Sür einen burd) fonftige Stnorbnungen Ijerbeigefüfyrten 9luSfad an ber Sienfteinnafime l)at eine Sntf^äbigung beS SefirerS eingittreten, foroeit feine Wohlerworbenen Df echte ober feine fonftigen SJerljältniffe bieS nad) ber gntfc^eibuug ber 33el)örbe erforberlid) ma^en.— Sebem Sefirer ftnb bie für ben Unterricht nötigen Diäume unb Stnrihtungen, audj 334 >§amtoöcr, bas BolfSfdjuttoefen. baS baju erforberlid^c Brennmaterial ohne Anrechnung auf feine ©ienfteinnaijme ju gewähren. — 3ebe ©djulftede fod nad) beut ©efeh bom 3. 1845 einfd)ließlid) beS (äinfomntenS, toeld)eS ber Sefirer bermöge eines fonfiigen ÄirdjenbienfteS ju genießen I>at, ntinbejtenS neben freier 2Bol)nung ober einem Aequiöalent bafiir 30 31)tr. nebft Neif)etifd), bagegett 80 2 d)Ir. ol)ne einen foldjen haben; fann aber nad) bem @efe( 3 e bom 2. 2lttg. 1856, foWeit eS für nötljig unb ausführbar erachtet toirb, bis 31 t 150 3htm unb toegen befonberer Umftänbe in ©täbten unb j$decfen (ftatt früher bis 31 t 300 3^*0 gegenwärtig bis ju 400 £htr., unb itt /Dörfern (ftatt früher bis ju 150 3fü 1 '-) gegen» Wärtig bis ju 250 £htr. jährlich gebradjt toerben. — 10. Berbiente, ntinbeftenS 25 3al)re im /Dienfte befinblid)e unb babei ungeniigenb befolbete Set)rer erhatten, fotoeit ber baju beftimmte jjonbs ad 15,000 Süjlr. jährlich reicht, foerfönlidje ©ehattSjulagcn (auf ®ienftjeit) bis ju bem Betrage bon 50 3hlr. (3m lebten 3ahre erhielten folche 3ulagen 950 £el)rer.) ©eeignetenfadS erhalten oerbiente £el)rer auch als Auszeichnung einen 3itel ober ein föniglidjeS ©Ijren» Seidjett. — Nebenämter bürfett Peprer befleibett, wenn ber Dienft nid)t barunter leibet. ®S gehören bahiu NedjttungSführungen, Äird)fpie(Sfigung eine Nente auS SanbeSmitteln geleiftet toirb, toeld)e V« ber 31 t 3 ahlenben ©runbfteuer gleid)fommt, bie übrigen 3 A aber in einen gonbS fließen, jur Berbeffentng uttgenügenb botirter Steden); fobantt burd) taS @eje (3 bom 5, 3uli 1856, bie §>eran 3 ief)ung ber ©eiftlidjen unb Lehrer 3 U ©taatS» unb ©emeinbelaften betr., woburcfj bie infolge ber Aufhebung ber ©yemtionen 3 U tragenben Saften fautmt ben SBegeoerbanbSlaften, fotoeit foldje auf bem ©runbbefifce ber geiftlid)en ©teden ruhen, biefen toieber abgeitommen finb, unb bie ©eiftlidjen unb Seljrer toie Nidjtangefeffeite bei 3 utragen haben foden, toenu unb infetoeit nad) bem in ber betreffenben ©emeinbe geltenbcn guße Nicf)tangefeffene überhaupt beitragen haben. Anßerbeut ift benfelben geftattet, Naturalbienfte burd) eine ©elbjahlung absutragen. 12 . SBegen ißenfionirung ber Selfrer beftehen gefe(}tid)e Beftimmungen nicht, ©ie erfolgt eintretenben gads auf Anorbnung ber Behörbe, toeldje aud) — nad) Bit» IigteitSriicffid)ten — bie tpöhe beS NuIjegehaltS beftimmt, toenn eine gütliche Bereinba» rung nid)t erreicht toirb. ÜBcttiger als bie Hälfte ber ®ienfteinnal)me pflegt regelmäßig ber Nul)egehalt nid)t auS 3 umad)en; bei höherem /Dienftalter beträgt er ettoa 2 /s ober 8 /«, toobei bem SmerituS attd) bie ®ienftmohnung toohl noch beiaffen toirb. ®ie Smeriti» rungSfoften toerben theilS auS ber /Dotation ber ©tede, theilS oon ber ©djulgemeinbe beftritten. ÜEBo bie ©emeinbe basn nid)t ittt ©tanbe ift ober gefefslid) nicht herangesogen toerben fann, treten bie basn beftimmten SanbeSmittel (ad 6000 2l)U'. jährlich) snr AuSl)ülfe ein. (3nt lebten 3ahre tourben biefelben für 180 Smeritirte bes.to. Abjuncten oertoaitbt.) 3n äl)nlid)er SSeife toerben bie Äofteit für ben Unterhalt eines bem Seljrer temporär (toegen Äranfheit 2 c.) beigeorbneten ©ehiilfen befdjafft. 6 iu folcher erhält bon bem Sehrer ber Negel nach WenigftenS freie ©tation. 13. Deffentlidje ©d)ullel)rer= SBittwen» (bes.to. 2öaifen=) Äaffen beftehen feit neuerer 3eit fürbaS ganje Äönigreid) unb jtoar: 1) bie&affe für bie SDiöccfe tpilbeSheim mit circa 140 ©teden. AntrittSgetb 8 31)lr. 5y*ggr., jährlicher Beitrag 2 3fd r - l'AS9 r ' ißenfion 16 3t)lr. 10 2 /s ggr. 2) bie Äaffe su fpannober für ben Bewirf beS Sonftfto» rintttS 3 U §annooer, beS eoang. SonftftoriumS 3 u DSnabrüd, beS Dberfird)enratl)S sn -gianttobet, baS 3$ol?§fdjulmefen. 335 SRorbhorn unb bie Diöcefe Dgnabrüd mit circa 2550 ©teilen. 3ährlid)er ^Beitrag in ber 1. (Eiaffe (bon ©teüen unter 150 2^Ir.) 272 £ljlr.; in ber 2. (Eiaffe (©teilen bon 150 — 224 JEIjlr.) 3 8 /s S£I)Ir.; in ber 3. (Eiaffe (©teilen non 225 SHjlr. unb barüber) 5 Dhlr.; ißenfion bej.m. 1372, 1972 nnb 2572 £fylr. 3) bie alte taffe jn ©tabe mit 183 ©teilen. Kintrittggelb 10 — 20 J^tr. unb 1 !£f)tr. jährlicher Beitrag; )penfion 9 £I)Ir. 4) bie neue tafje jn ©tabe mit ben übrigen ©taber unb ben ©teilen beg Sanbeg fabeln, 580 ©teilen, jährlicher Beitrag 1 SI)(r.; ißenfion 972 Sljlr. 5) bie oftfriefifc^e taffe mit 330 ©teüen. 3äprlid;er ^Beitrag in ber 1. Klaffe (©teüen bon 150 Dhlr. unb barüber) 4 Süjlr.; in ber 2. -Klaffe (©teüen unter 150 Süjlr.) 1 2Ü)tr. Eßenfion Bej.». 18 unb 8 Sfür. Diefer, gegen bie frühere ßeit immerhin erfreuliche ßuftanb ift erreicht unb mirb je länger je mehr nod) berbeffert merben mit fpülfe eineg ßufdjuffeg bon 5000 Dhlr. jährlich, meldjer im 3. 1849 attg Sanbegmitteln bemiüigt mürbe, um bie finanjieüen ©runblagen ber borljanbenen taffen fidjer ju ftetten, bem SRanget foldjer Slnftalten, mo fie nod) nid)t beftanben, abjupelfen, unb eine bemnädjftige SSereiniguttg berfelben ju einer ober jtbei größeren Slnftalten anjubapnen. Die alte ©taber unb bie £)ftfrie= fifdfe taffe gemähren ben S3etrag einer SBittmenpenfion aud) einer 2Baifen=gawilie bis junt boüenbeten 16., bej.m. 18. 3apre. (§ür einen aügemeiuen SBaifenfonbg wirb fd)on feit längerer 3^ pribatim gefammelt.) UebrigenS erhalten bie Sehrermittmen bom Dobegtage beg SDlanneg an ein @na= benquartal unb je nach ber Dringlidjfeit beg gaüg aud) Seipülfen aug bem aügemeinen tlofterfonbg, Bej.m. aitg Ißrobinäialfonbg. Die ßuflüffe ber Slnftalten beftepen außer ben laufenben ^Beiträgen ber Sntereffenten (jeber neu angefteüte, Bej.w. berfei^te Seprer ift 311m Eintritte berpflidjtet), aug regelmäßigen ßufdfüffen ber I. tlofterlaffe unb gemiffer ^ßrobinjialfonbg, aug 3' n f en älterer Kapitalien unb aug jährlich tbieberfeprenben 93edencoüecten. 3m lebten 3al)re erhielten aug ber fpannober’fdfen taffe 213 SCBittmen an ißenfionen circa 3540 Sljlr.; aug ber neuen ©taber taffe 20 SBittmen 180 £l)lr.; ang ber Dftfriefifdjen taffe 47 SBitimen unb Sßaifen circa 710 D(ü r . (35fll- Denlfdjrift über ©dhullel;rer=335itttx>en= unb 333aifen=taffen im tönigr. |). bom 13. Sftärj 1849 in ©tänb. Slct. ©tüde X, 1, ©. 606 f.; unb 2. Denffdjrift bom 2. 3uni 1853 in ©tänb. Slct. ©tüde XI, 5, ©. 897 f.) 14. Sei) rer innen giebt eg (bon ben 5DlitteI= unb höheren ©dfulen abgefeljen) an ebang. ißolfgfdfulen nid)t; an latholifdjen etma 15. VI. §öljere Slnftalten für SRäbdjen. Die Krrichtung bon „höheren Döchterfchulen" gehört erft ber neueren 3 e *t an. Die meiften berfelben finb ^ribatanftalten, mit einer SSorfteherin an ber ©pijse, tbeld)e in ber Siegel auch ein Ißenfionat hält. ©otoeit eg öffentliche ©dfulen finb, ftepen fie meift unter Seitmtg ber ©tabtbe= hörbe, hoben ein fefteg Seljrerperfonal mit einem birigirenben 3nfpector an ber ©pijse unb finb neuerlich (burdf bie fdjon ermähnte f. SBerorbnung bom 19. 2)lai 1859) ber Dberauffidjt ber I. Konfiftorialbehörben unterfteüt. ©ie umfaffen gemöhulidj eine große Sln^ahl bon Klaffen, erteilen außer ben S3oII»fd)uIfäd)ern Unterricht in @efd)id)te, Ißhhfü, Slaturgefdfidjte (SBotanil jc.), Siteraturgefd)ichte, englifd^er unb franjöfifdjer ©prache (burd) Selber ober Sehverinnen), §anbarbeiten (treujftid), Sßeißnähen, S5$eiß= ftideu jc.) unb 3 e Iü)nen, gegen ein beträchtlich eg ©djulgelb nnb behalten bie ©d)ü= lerinnen junt Dheü Big jum 15., 16. Sebengjahre. Die lathol. Slnftalten biefer Slrt (in §ilbegheim, Duberftabt, Dgnabrüd), merben bon ©d)ulfchmeftern ober Urfuliuerinnen Beforgt unb bielfach auch bon proteftantifdjen IDläb^en befugt. 3Rit ber Slugbilbung bon Seprerinnen befchäftigt fnh ber ©taat nicht. Dod) ift ein Sehrerinnenfeminar mit ber I>öh>ereit Dödfterfdjule in .^annober berbunben. VII. 3lettungg=, Danbftummen=, SlinbemSlnftalten, SBaifenhäuf er jc. 336 •gaititotoct, baS SSotlsfdjulrocfen. (®iefe Slnftalten, fotoeit ed öffentlidje finb, gehören jum Steffort beS f. SJUnifteriumd beS Sintern unb ber SDcebicinal-Slngelegenheiten.) ®ie 331inbenanftalt 31 t £>annober ocrbanft il;r Sntftehen bei- Anregung beS ©eniorS ©Kläger, einer ißribatfamtnlung oon 32,000 , ber 23emiHigung einer jährlichen ffiei^iitfe aus ber f. ©d)atuHfaffe non 500 £f)ir. nnb einer einmaligen 23aufuntnte aus ber Lanbedfaffe non 24,000 £ljlr. ©ie mürbe int 3. 1845 für Knaben nnb SDtäbchen alter ©laubcnSbetenntniffe eröffnet. ®ie i^öglinge, 7—16 Sapre alt, bleiben in ber Slnftalt 4 — 8 Saljre. ®aS 3al;rgctb für Unterricht (namentlid) auch niufifalifdjen nnb gemerblid^en) unb Unterhalt beträgt 140 3thlr. r für bie Sinnen befielen 36 greiftetlen. ©egenmärtig fittb 75 in* unb attSlänbifdje 3 öglinge ba, mät;renb im Äönigreidje allein 120 bitbungSfähige SBIinbe unter 15 3ahren Dorhanben finb (ogt. 23efanntntad)ung beS f. SD?inifteriumS beS Snttent, bie Slinbeuanftalt tc. betreffenb, Dom 24. Slpril 1845, unb bie fernere bont 21. 3uni 1859). ®ie erfte Staub flu mm enanftatt mürbe, ebenfalls auf ©chtägerS Anregung, als ißribatanftalt im 3. 1829 in |jilbe 8 heim erridjtet. ®iefelbe mürbe 1839 ju einem ißenfionat unb einer ©d;u(e ermeitert unb gugteid) 31 t einer öffentlichen Slnftalt erflärt. ©ie umfaßt 100 —120 -Pfleglinge in einem Sllter öon 7 — 15 3ahren in 10 Staffen, mit 9 Lehrern unb 2 Lehrerinnen, unb ift 3 ugteid) jur fperanbilbung Don ®aubftuuimen= tehrern beftimmt. ®cr )ßenfionär jahlt 60 37ljlr. (für Unterricht unb Unterhalt); ber ©djiiler 48, ein 9Mbd)eit nur 44 Stl^ r - jährlich- SS bcftehen 20 greiftelleu fürjßen* fionäre, 80 für ©dpiler (Dgl. !. SSerorbttung Dont 9. 3uli 1839 unb 33etanntmad)ung beS !. SDtinifteriumS beS Snttern, baS SiegulatiD ber k. Slnftalt betreffenb, Dont 19. Slug. 1839, unb bie fernere Dom 12. 3anr. 1856). Sine jmeite ißriDatanftalt befiehl feit 1844 31 t Smben mit etma 25 göglingert in einem SUter Don 7 bis über 20 Sahren. ®iefelbe erhält aud; 3ufd)üffe aus LanbeS* mittetu unb mirb bemnädjft mahrfdjeinlid) ebenfalls 31 t einer öffentlichen Slnftalt erhoben merbett. ®a etma 300 bilbttngSfähige Staubftumme im Stönigreidje oorpanben finb, fo hat man im 3. 1857 sloei neue Slnftalten 3 U SDSnabrücf unb ©tabe errichtet, bie gegen* märtig fdjon je 24 ©d)üler 3 ählen. SSeibe finb tebiglich ©«hüten unb fiepen in organi* fd;er 93erbinbung mit bem ©chullehrerfeminar, beffen 3öglinge bort angelernt, be 3 .m. 3 um llnterridjte ber Staubftummen mit Dermattbt merbeu. (SJgf. t. SJerorbttung Dont 17. 3uni 1857 unb 33elanutmad)ung beS f. SDtinifteriumS beS Snttern, baS Siegulatib ic. ber Slnftalt betreffenb, Dom 22. 3uni ej. a.) ©dntfjmang beftept meber für taubftumme nod; btinbe Äinber, bod) mirb ber (tpeil* meife) 58efud; ber 93otfSfd)ule nad) Spuntidjleit geförbert. Db für S3töbfinnige, bereit es faft eben fo Diele als ®aubftuntme unb SBlinbe im Sönigreidje giebt — Don 1194 finb 201 unter 14 Sahren — eine jßflegeanftalt erridjtet merben foH, mirb gegenmärtig bei ber l. Sfegierttng ermogen. Äinberbemapr* unb $ flegeanftatten, SBarte* ober Rteintinberfcpulen, meldje Dielfad) in ©täbten beftepen, finb tebiglich ©ad)e ber Sßrioatfürforge. ®a 8 felbe gilt Don beit Derfdjiebenen St ettungSanftalten beS Laubes: in Stid'lingen, ©dilaben, Lefuttt, fpilbeSpeint, auf ber §>ünenburg inDSnabrüd, bem LinerpauS 3 U SeKe ic., unb bent für gleiche 3ttmde im 3. 1846 gebilbeten ^} 5 eftaIo 3 jiDerein 3 utpannober; bod) merben benfelbett aus ben für mitbe 3ümde beftimmten SDtitteln ber f. SOJinifterien beS Snnern unb beS SultitS ttad) 371>unlidjfeit S3eihülfen, guitt ®peil laufettbe, berabreidjf. ®ie StettungSpäufer, nad) bent S3orbitbe beS Staupen fpaufed bei Hamburg eingeridjtet, haben SorforationSrcchte nnb merbeu Don einem ^auSDater Dermaltet, ber gugleid) Lehrer ber Äinber ift. ®ad JpauS auf ber fpünenburg (feit 1856) umfaßt etma 30 3oglinge, baS in ©d)Iabett (feit 1851) circa 24; baS LinerpauS (feit 1845) circa 30. ®er Sßeftalo 33 i= oerein bringt bie Sthiber (für 18 ®plr. jährlich) in Familien unter unb ift burcp feine „Sorreffonbenten ' 1 faft über baS gan 3 e Lanb Der 3 meigt. SBer fich für bie Familien* * ^anttoöcr, ba§ SSolfgfdjulrocfen. ■§auSgotte§bicnft. 337 pflege nid)t eignet, mirb in baS jftettungShauS ju Aidlingen gebraut. ®ie Stiftung l)at im erften ®ecennium int fftettungSljaufe 23, in ber „Famitienpflege" 291 ?ßfteg= linge gehabt. ®iefe fegt 3 — 4000 , jenes 1 — 2000 Sfytr. jährlid) um. giir bie SBaifenfinber ift teils burd) bielfadje fßribatftiftungen, mie j. 93. bie für bie Stabt fpannober Beftimmte, reidje Sd)oImin’fcf)e (feit 1799 mit über 108,000 ®t)Ir.) unb bie Striel)l’fdje (feit 1857 mit über 180,000 ®tdr.) u. a., teils bon ber Äirdje, bon Kommunen unb ißrobinciallanbfehaften burd) (Errichtung ja^Ireic^er, sunt Sijeit reidj be= fdjenfter unb auSgebehnter 9öaifenl)äufer liebreich geforgt. 3n §annober mürbe ein foldjeS fdjem im 3. 1643 gegrünbet, in (Sette 1694, in GEittbed 1713, in (SlauSthal 1718 k., in ^ennefenrobe (für Äatholifen) 1836, rno, ebenfb .mie im SBaifenfmufe 3 U £> 8 nabrüd, ber Unterridjt größtenteils bon barmfyeräigen Sdjmeftern beforgt mirb, k. ®ie Regierung unterftügt bie ülnftalten mit (Selb, aud) burd) 93erteihung bon fßribitegien (mie beS ®e= fangbud)=, ÄatedjiSmuS», ÄalenberbrudS.) UebrigenS ift burd) f. Gebiet bom 3-1721 ganj attgemein befohlen, baff unmünbige arme SBaifen aus ber betreffenben 2 lrmenfaffe unb bei beren 3nfufficienj bon ber Sontmune unterhalten merben fotten. ®ie 933aifenl)äufer finb als fo!d)e fd)on früh ttielfad) aufgel)oben unb in 93erfor= gnngSanftalten ber Sinber burd) Sontracte mit ißribatfamilien unter 21uffid)t ber @eift= liehen umgemanbelt morben. Stuf biefe 2Betfe ift 3 . 93. andj baS große, 1738 bon ber Sanbfdjaft bon Salenberg unb ©öttingen gegrünbete 9ßaifenIjauS 3 U SDioringen, metdjeS über 60 Sinber mit 3300 Sljfr- jälmlid) berpflegte, fd)on im 3at)re 1797 nmgeftaltet unb baburdj in ben Stanb gefegt, eine hoppelt fo große öra ^Pfleglingen 3 U ber* forgen als 3 Ubor. 21. spaDft, Dberftubienratl). ^anfeftäbte.*) fumfJtlatafog, f. Sd)ülerber 3 eid)niffe. §aitf)tleljrer, f. Lehrer. % |)fntlJtfd)ltlc, f. Sanbfd)ute. §nitf)ü)Ctf£hnng f f. 93erfegung. §Mt§, Verhältnis 3 mifd)en £>attS unb Sd)ule, f. Sdjule, 93er = hältnis 3 mifchen |jauS unb Schule. f>au§anöadft, f. fpanSgotteSbienft. §ait§aufgahen, f. Aufgaben. §fllt§gutte§bicnff r moberner §au 8 anbad)t, fonft nach feinem mefenttid)en 93e= ftanbtljeile ttttorgem unb 9lbenbfegen genannt, ift bie 93ereinigung ber ©enoffen einer Familie 3 um gemeinfd)aftiiaudgenoffen unb mof)l and) ben 9tad)barn, miefie burd) bad heilige Ilbcubmaht geftiftet mnrbe, befdjränft fid) nidit mehr bloß auf ben beftimmten Sag ber jäl)rlid)en geier, fonbern fie mieberholt fid) in unbefd)ränfter Sludbehnung ju einer menigftend möd)entlid)en, menn nicht täglichen geier. (Slpoftelgefd). 2, 46. 20, 7. 10, 24 ff. 16, 13 ff. 20, 20. mörtlid) bon £aud 31t fpaud.) ®a3U fam bie erhabene Slnfdjauung oou ®h e » Äinbfdjaft u. bgl., fo baß bie l)üudüd)e ©emeinfdjaft einer gläubigen ganülie ald ein eigentlicher ©piegel emiger ®inge erfd)ien unb bemgeinäß aud) behanbelt 3U merben ben Slnfpruch h atte - 3Bar mit biefen ütnfdiauungen bed 9teuen Seftamentd bie 3bee bed £aud= gottedbienfted unoerfennbar gefegt, fo trat bie ©acße felbft hoch in ber fird)lid)en (Sutmidlung gar nicht ald ein ©egenftanb bed bemußten Sßund unb bed miffen» fchaftlicßen SSerftänbniffed Ijetmor. ®ad Sehen ber ffirdje manbte ftd) halb mit aßen Äräften ber Sluöbifbung umfaffenber ©runbgebanfen für Umgeftaltnng bed öffentlichen Sehend 3U unb überließ bad §audmefcn, fomeit ed nid)t unmittelbar mit ber &irdje 3ufamnientraf, fid) felbft. ®ie Äirchengefchidjte ift auf biefem gelbe nodj oöllig un= angebaut unb bie Siteratur barüber fo gut mie nicht Oorhanben. *) ®a bad aögemcine *) (Sine biflorifcb’flattftifdje Unterfmbimg biefed ©egenßanbed mitteiß «Sammlung ber jer* ßventen Stnbeutnngen, bie in ben Äirdjenöätern, tn ©efcpitbtg» unb SReifemerten u. bgl. fuh ßnben mögen, mürbe eine Süde ber päbagog. SGBiffenfcbaft ansfütten. HauSgotteSbienft. 339 fßrieftertlntm hinter bem befonbern fo früh jurücftrat, fo befd)ränfte ficö feie SJ^ätigfeit ber Äirdje, wie eS fdjeint, barauf, ben I)äuSlid)eu ©otteSbienft nid)t jurn Dad)tl)eil be« Bffentlidjen ficf) entwidetn ju laffeit uub $u beftimmen, Wer in feinem Haufe einen Slltar fabelt, einen HauSfapIan galten, wie weit bie „devotio domestica“ überhaupt gelten, in Welkem galt ein @eiftlid)er jugejogen werben bürfe (im lefjterngatl devotio domestica qualifieata). Stnbererfeitö War bie 3bee ber &ird)engliebfd)aft and) bei bem ?aien fo fe^r baS, was fein ganseS geiftlid)eS Sieben beftimmte, baß bie 3bee ber häitSlidjen ©emeinfdfaft als eines wefentlid)en SBeftanbtheilS »trat firdflidfen Seben gar nidjt jur 2luSbilbung fam. ©aper giet)t ber ^anSgctteSbienft bie älufmerffamfeit öorjugSWeife als ein fperb fe( 3 erifdjer SlbWeid)itngen non ber fatl)o(ifd)en ftirdje auf fid) ober wirb ijernorragenben fßerfonen bie Sinridjtung beSfelben als ein 33orred)t bewilligt, uub ift in biefem gaH nur eine Uebertragung ber firdjlidfen gormen auf ein einzelnes lpauS. Ueberpaitpt gel)t auS gefd)id)tlid)en Wie ftatiftifd)en ®aten unjWeife(l)aft ferner, baß ber HauSgotteSbienft, wie er non uns oerftanben wirb, foWot)I unter bem einmaligen atS bem feigen SSrael, unb fowoljt in ber gried)ifdjen als ber römifd)en Äirdje nid)t nie! niepr ift als ein 2tntjängfet beS öffentlichen ©otteSbienfteS, an ben fid) ber ©inseine mit feinem Sebiirfniffe gemeittfamer Srbauung faft auSfd)(ieß!id) geWiefen fie()t. 3)ie eigentliche Stätte feiner ©ntwidlung finbet er erft in ber Deformation. ©s ift baS djarafteriftifdfe SDerfntal biefer fird)lid)en ©podje, baß fie baS 3nbinibnum non ber fd)ted)tl)inigen Unterorbnung unter baS ©anje frei ntadjen unb il)ttt feine eigentl)ümlidje ©ntwidtung unbefd)abet feiner ßugel)Brig!eit 31 tm größeren @an 3 en geWäfirteiften will. SDiefer ©runbfap trifft nid)t bloß baS S3ert)ältni8 ber ©injelperfou 3 ur ftird)e über» paupt, fonbern aud) baS ber einseinen ©emeinbe unb bes fDtittelgliebeS jwifdjen beiben, nämtid) ber einseinen gamitie. ®aper ber Dad)brud, mit Welchem bie Deformation für ben fpaugftanb (status oeeonomicus) als einen ber 3 Ipauptftänbe in ber Äirdje neben bem status politicus unb status ecclesiasticus (Dbrigfeit unb geifttid)eS 9lmt) eintritt, unb ber ©ifer, mit welchem nun an bie pflege aud) beS fpauSgotteSbienfteS Hanb angelegt wirb. SBem ftel)en hier nicht bie SSermädftniffe nor §tugen, welche Sutper, 9}leland)thon unb anbere Deformatoren in 2Bbrt unb 33orbilb ber eoangelifcpen Sirdje bjinterlaffen haben? Sinb bod) SutperS Äirdjenlieber juerft in feinem Haufe gefungen Werben, unb feine fpauSpoftitle ift nod) bis auf biefen Sag ein gefegneteS Slnbenlen an feinen häuSlid)en ©otteSbienft. ©ieicpWohl ift aud) baS 3 eit alt er ber Deformation nod) nicht bie 3^'t ber fpauSgotteSbienfte im feigen Sinne beS SBortS gewefen. Sie eoang. tutherifdje Sirdie beS 16. unb 17. SaprpunbertS trägt in S3e= lenntnis unb Seben nod) fo fehr ben objedioen Sparafter unb bewegt fid) in ben Stüden, Weldje bie Sehre nidjt unmittelbar berühren, nod) fo fehr in ben Shtfdjauungen unb @ewol)nt)eiten beS bisherigen ÄirdjenlebenS, baß aud) je£t nod) baS tägliche &ird)en= gebet ben üJiittelpund beS häuSlid)en SebenS bilbet unb Slutper baS ©ebet in ber Äirche immer bem päuSlidjen öopsog. *) SSon einem regelmäßigen ©ebete unb Sibellefen, 3 U bem morgens unb abenbS ber §auSöater mit ber Hausmutter, ben S inb er n unb ®ienft= boten fid) oerfammelt hätte, erzählen bie 23erid)te aus bem Sehen ber großen Deforma* toren, fo oiel unS befannt, nid)tS. Sie Slnweifung in SutperS lleinem ÄatecpiSmuS, „wie ein fpauSoater feinem ©efmbe ben ©tauben aufs einfältigfte foE fürhalten," Weist nicht genau auf biefe Spur, fonbern fanit auf mehr sufäEige lufpradjen, auf Unter» rebungen über bie gehörte ißrebigt u. bgl. gehen, fötit DielandjthonS Äinbern betete ber HauSoogt Äod) unb las ihnen auch aus ber SSibel öor, währenb ber SSater ftch biefer Aufgabe wohl auch mehr in jwangtofer, zufälliger SQBeife untersog. ©rft bie= *) SWeuver, Sutp. beben, ©re8b. 1843, in. @. 207. Sud) ©uftaö Äöntg pat für feine Petannten trefflichen Silber aus SutperS Seben (Heine SluSgaPe mit £ejt toon ©eljer bei 3tub. Seßer 1857) für biefen ©peil bes päuslidpen SebenS, wie es fdjeitit, feinen genügenben Slupalt gefunben. 340 §au§gotte§bicnft. jenige $eriobc, meld;e iiBev^aupt bem fubjectioen ©lemente ber ^Reformation jum Ourd;brud;e geholfen hat, bie 3 eit beginnenben fßietiSmu«, ift als ber eigentliche SlnfangSpunct beS fpauSgotteSbienftS im neueren ©inn $u betrauten. Son ©pener an tritt baß fpauS ber Stirdfe jur ©eite mit bem 2lnfprud;e, bie fubjectioe SBa^r^eit unb Sebenbigfeit beS ©hriftentljumS, meldje bem fird;tid;en ©efammtleben als foldfem fehle unb in ber fie and) nicht in entfpred;enber SBeife gefudjt merben tonne, burcfj ben engeren Slnfdjtuß an Heinere Streife herjufteflen. Oie (pauSgemeinbe, fei fie nun eine natürliche ober burd) freimütigen ülnfdßuß gebitbete, tritt als ecclesiola in ecelesia auf unb ber Sirdje gegenüber, ©benbamit geminnt and) ber SpauSgotteSbienft ber gamitie im natürlichen ©inn eine anbere ©tettung. ©r miß nid;t mehr bloße gortfefcung ber tird;lid;en ©rbauung int^aufe, fonbern felbftänbige unb eigentümliche, geiftlidje 8 ebenS= äußerung beS fpaufeS als eines befonberen Organs im 9teid;e ©otteS fein. OaS ift ber neuere 93egriff beS §au$gotteSbienfteS auf etoangetifdjem Soben. ©S ift ein fpred;eubeS 3 ddjeu üon ber 2 Ißgemeinl;eit biefer Sluffaffung, baß and; bie entfdjieben lutherifdje fRidjtung bem „freien" ©ebete bei bem |)auSgotteSbienfte baS 2Bort rebet unb eine für je 2litSlegung ber ©djrift für unentbehrlid; holt.*) ©8 geht barauS h cr = »or, baß man nidjt fomohl bie tirdjlidje 3bee beS geiftlidjen Opfers, ber Anbetung ©otteS, als oielmel;r bie ber ©rbauung im neueren proteftantifdjen ©inne babei ju ©ruube legte. Oemnad; beftimmt ftd> ber ^auSgotteSbienft im feigen ©inn beS StßortS als biejeuige fjorm ber gemeinfamen ©rbauung, bei meld;er bie einzelne Familie als ein felbftdnbigeS Organ beS fReidjeS ©otteS im Unterfdjieb non ber Äird;e unb im lebenbigen ©egenfafi 31 t berfeiben Ijcvöortritt. Oarnit haben mir fomohl baS 9?ed;t unb bie Wahrheit, als auch bie Sinfeitigfeit bejeidjnet, meldje ber feigen Sluffaffung unfreS ©egenftanbeS eigen ift ober nahe liegt. äBefeutlid; ift bem §.©. nad; bem ©efagten, baß baS fpauS als ©anjeS nad; feinem natiirlid;en geiftlidien Organismus babei fid) barfteße. Oer 95ater ift baS Jpaupt ber |>auSgemeinfd;aft mie im „Steidj" fo im „Opfer." Oie ßRutter ift bie natürlidje ©teßoertreterin; Sinber unb Oienftboten hüben bie ©emeinbe. Se^tere namentlid; tonnen als mefentlidje ©lieber beS^aufeS bei bem §auSgotteSbienfte burdjauS nidjt fehlen unb ftnb ganj auf bemfetben guße mie bie übrigen ©lieber beS Kaufes ju behäufeln. Oie 2Irt aber, in meid?er bie geiftlidje ©emeinfdjaft beS (pattfeS bargefteßt unb gepflegt mirb, fann eine fehr mannigfaltige fein. 2 lußer ihrer aßgemeinften §orm, bem -Dtorgen* unb 2lbenbgebete, baS burd; ben natürlichen ©ang beS Gebens fepon als ben £>auptbeftanbtt;eü beS ^auSgotteSbienfteS fid; ju erfennen giebt, ift eS baS Oifdjgebet, baS ©ebet bei ber 2lbenbglode(Oiirfenglode), mie fie an oielen Orten üblid; ift, meiter baS £>erfagen beS 5tated;iSmuS, enblid; bie fonntäg* lid;e gemeinfame Sefung einer -ßrebigt ober bie 23efpred;ung ber fird;lid;en 5f3rebigt, ober ber gemeinfame ©efang bon ©horälen unb anbern geiftlid;en Siebern fomohl ber einfad;eren bolfSmäßigen, als ber funftooßen 2lrt, ettbticB als ©rgänjung beS 2ln= tl;eilS an bem gemeinfamen ©ebete — baS ©ebet ber SJiutter mit ben unmünbigeren Äinbern beim ©djlafengeljen u. 9lel;nlidjc8.— maS hieh er geoed;net merben muß. ©S finb mit anbern SEBortcn, mie in ber Stird;e, tl;eil3 ®efammt=, tl;ei(S ©injelbarfteßungen beS ©otteSbienfteS. Oenn junt eigentlichen boßftänbigen £>auSgotteSbienft mirb erfordert: 1) baS ©ebet, 2) bie Sorlefung beS UBorteS, 3) ber ©efang. 3n biefergorm liegt jmar nicht feine SebenSbebingung, aber feine Soßenbung innerhalb ber djriftlidj häuslichen ©itte. Oenn mie bie Sßflidjt, fo ift aud; baS SebiirfniS beS OanfeS für bie täglich erneuerten üßohltbaten unb ber Sitte um bie görberung beS natürlid;en unb geiftlidjen SebenS eine gemeinfame. §ür mand;e ©lieber beS §aufeS ift ber £>auSgotteS= *) ©• bie 64 ©äpe jur ^auSanbacht int »olfsbl. f. ©tabt u. 2anb 1860, 9h\ 4 ff. unb äuglei^: ttapff, bie innere SBüffion in ber gantilie mit Bef. SBej. auf ben hauSgotteSbienfl ?c. ©tnttg. 1850 (Bei ber ©öang. @ef.). .gauSgottcSbienft. 341 bienft bie einzige ©elegenheit, einen regelmäßigen fRuhepunct für feie ©ageSarbeit int ©ebet unb Sefen beS göttlichen HBorteS jn finben unb eS ift baher inSbefonbere and) eine rechte ©djriftlenntniS unter bem djrifttidjen SSoife nur unter ciefer SSebingung mögtid). ©er ©efang aber ^at erfahrungsgemäß eine fo eigen jenbe Sßirfnng, baß ohne ihn bie geiftlidje ©emeinfdjaft bod) immer etroaS ungenü* genbeS behält. 2Bie aber in feinen Mitteln, fo muß and) in 2lnfel)ung ber tl)eilnel)men= ben ißerfonen bie Freiheit beS fpaufeS gegenüber oon ber Kirdje gemährt merben, fo lange bort nidjt entroeber offenbare Srrttjümer gefät unb ju fittlid)en SBerirrungen angeleitet ober bie 33efugniS ju §anblnngen, toeldfe mie bie ©acramentSfeier ihrer ftJatur nad) bie lird)lid)e ©emeinfd)aft als foldje oorauSfepen, in älnfprud) genommen unb bamit bie tl)atfäd)lid)e SoSreißung beS §aufeS oon ber Kirche begonnen mirb, in metdjem galle bie l)äu3lid)e ©emeinfdjaft fid) itjre greitjeit auf einem anbern ©ebiete atS bem !ird)Iid)en ju fudjen h a *. 9?äd)ft bem hüuSüdjen 3)iorgcn= unb SlbenbgotteSbicnfte ift baS ©ifdjgebet als bie midjtigfte 2lrt beS IpauSgotteSbienfteS 51 t betradjten, beffen9ioth= menbigleit in bem gemeinfanten SBebürfniffe einer oon ©ott gefegneten leiblid)en 9?ab s rung unb beS ©anfeS für biefelbe begrünbet ift. ©iefeS unmittelbar febent lebenbig oon ©ott angeregten ©emiffen ftd) anfbrangenbe SebürfuiS unb ber äußerüdje §alt, melden baS häuSlidje ©ebet hier an ber täglichen gemeinfanien 2Jtaf)lzeit finbet, hat bem©ifdj s gebet auch eine kel auSgebreitetere ©eltung erhalten, als fie bem SDtorgeu* uub3lbenb= fegen zu ©h c ü ra i r t>. ©erüDlangel biefer 2 lnbad)t l'ann baher um fo mehr als ein offen* barer ßerfall beS ©otteSlebenS bezeichnet merben, mähreub anbrerfeitS baS lebettbigere Shriftenthum hier mießer in ber Entfaltung reid)erer gcrmen, in 28ed)felgebetcn ber Kinber, in ©ifdjgefängen, in SSorlefung oon SBibelabfdjnitten ober feuftigen erbaulidjen ©tüd'en, fdjon in älterer geit ( 5 . 33. in benKlöftern, bann in beit ErzieljungSanftalten ber älteren eöangetifdjen Ktrdje tc.) fid> audgefprod)en hat. 33etreffenb baS Verfahren, meldjeS bei bem häuslichen ©otteSbienfte einjufialten ift, fo hat fid), mie oben bemerlt, bieSfteiuung ncuerbingS oielfadje ©eltung ermorben, baß baS freie ©ebet im ©rnnbe allein ber 3bee genüge. DJtan geht Ijiekei ßon ber tBorauSfefsung auS, baß aud) baS ©injelgebet im Kämmerlein feinem SBefcn nad) ein freies fei. Slber biefe 93orauSfe(}nng ftüfst fid) nur auf bie jefjige ©enlmeife in foldjen ©ebieten beS geiftlidjen SebenS. ES ift befannt, baß £utl)er fid) in feinen ©ebeten meiftentl)eils an baS Sprechen ber fßfalnten unb beS ©ater unferS hielt, w toeldje er bann nur feine befonberen ©ebetSgebaulen eingufled)text pflegte unb aud) bie freien ©ebete ber älteren ©otteSmänner maren h^nfig nid)tS anbereS, als eine oon ihnen felbft aufgefefste fefte ©ebetSform. fÖian ift alfo in ber Kird)e nid)t immer ber ÜDteinung gemefen, baß baS febeSmal frei herüorgebradjte ©ebet bie unbebingt ooHfommene ®ebet 8 = form fei. ES fd)eint unS aber biefe Meinung and) an fid) nid)t begrünbet genug, ©ebete, bie an fid) baS 3eugniS einer ntöglid)ft größten inneren unb äußeren 33oll= Jommenheit haben, müßen ihren UBeril) für alle 3eiteu unb Umftänbe behalten, ©ie finb eben ihrer h°h eri Dbjectioität megen geeignet, ber SluSbrud oieler fubjectioer @e= betSgebanlen gu fein. Oben an fteht in biefer §infid)t, mie fid) oon felbft üerftel)t, baS ißaterunfer uno bie fßfalnien. ülber and) bie ©ebete ber erlcud)teten SDlänner auS allen ßeiten per Kirdje haben eben bieS oorauS oor bem jebeSntaligen freien ©ebete, baß fie zum SluSbrnd ber ©ebetSgebanten aller fpauSgenoffen ftd) el)er eignen, als bie hoch mitunter feljr fubjectio gefärbten unb nicht minber oft febjr einförmigen ®ebetS= äußerungen beS einzelnen .fjauSoaterS. SBir fönnen baher ben ©ebraitd) oorjüglid)er ©ebetbücper nicf)t als baS ©eringere, fonbern müßen il)n als etmaS entfdjiebeu merttj* ootleS itnb unter Umftänben als baS 23effere be$eid)nen. ©ie rid)tige SHethobe fd)eint unS eben nur in ber rid)tigen Serbinßuug beiber SBeifen, fei eS burd) SBedjfel ober mie immer, jn liegen. SBir mürben baher nod) einen ©djritt meiter gehen unb einen fo regelmäßig mieberfel)renben ©ebraud) berfelben Oorjüglichen ©ebete em= pfehlen, burd) meldjen bie einzelnen ©lieber beS IpaufeS erft in bie ©iefen ber ipnen 342 .ffauögotteöbicnft. ■jäatteorbttung. bargebotenen ©ebetSgebanfen ftd; einXebett unb mit beni öauSoater an bettfelben beten lernen. Sin äßntidjeS 3Serfab>ren mödjte ficf; bei bem ©efang em^fel;len. Sad ftropßenweife XBorfagen ber Sieber giebt ©etegenßeit, eine 9JXenge Don Siebern gemeinfam gu fingen unb augenblidtid;en ^Bewegungen einen 9Iu8brud gu oerfdjaffen. 9tber abgefcßen Don bem poetifd; unb nntfifalifdj oft unerträglidjen ßerreißett ber ©efangeStßeite, ift es aucß mit bem Uebelftanbc Derbnnben, baß namentlid; bie jüngeren ©lieber beä fpaufed ben ©enuß be§ geifilidjen ©efangeS, ber ißnen nur burd; 93efannte§ unb ©eläufigeS red;t eröffnet »irb, 31 t einem großen Steile entbehren müßen. 2 Bir tönnen baßer nitßt urnßin, aud; ßier bem Objectioen unb ©teßenben fein 9?ed;t gu forbern. — Sie XBerfünbigung beS SBorteS burcß 3$ortefen aus ber ©d;rift toirb nacß ber 9feiße ber 93üd;er, unter angemeffenem 2Bed;feX gwifdjen 9IXtem unb Steuern Seftament ober nad; fßftematifcßer 9Iu8»aßt, {ebenfalls mit 93erüau?orbnung muß ftd; j. 33. bielfad; nad; ber ©djutorbnung ridjten.) 9?ä£;er Betrachtet umfaßt biefelbe ade?, loa? ba? getneinfante Sieben bergainilie berührt, aber eben barurn aud; biele?, toa? jtoar ba? einjetne gamitiengtieb für feine Werfen adeln angel;t, toa? aber, fobalb e? nid;t am redeten Drt unb jur red;ten 3 e ü gefd;ieljt, fd;on ftörenb in ba? ©ange eingreift. §au?orbnung muß e? fein, baß ju beftimmter ©tunbe anfgeftanben unb ju Sette gegangen toirb; e? muß bie 3^t für bie gemeinfanten 3J?al;ljeiten unb @rfrifd;ungen beftimmt fein; ebenfo eine 3 e ^/ 1,50 aut § ber meiftbefd;äftigte äftann fid; oon adern Io?madjt, um fid) ber gamilie ju toibmen, fid; Oon ben Kinbent erjäl;Iett ober oorjeigett ju laffett, toa? fie gelernt ober ju lernen f;aben, mit itjnen ju arbeiten, jtt muficiren u. f. f. Sei adent ©emeinfamen, tote außer bem bereit? genanuten tn?befonbere bei ber fyamilienaitbadjt, barf feine? festen, feine? ju fpät fomtnen; beim grüt;ftiicf, beim ßffen I;aben ade oodftättbig angefleioet ju er= fdjeinen; feine? barf ioäl;renb be? Sffen? oom Sifdje toegfaufen; über bie beftimmte 3eit barf ttiemattb außer bem §aufe bleiben; toann e? gefd;loffett toirb, toiffen ade. £>au3orbnttng ift e?, baß bie Kinber jur feftgefefjten 3eit ib>re ©d;ttlaufgaben au?arbeiten, aber and), baß il;tten tägtid; eine getotße 3eü frei gegeben toirb. £>au?orbnung ift e?, baß jebe? feinen eigenen Sßlalj bei 2iifd;e, feinen Drt jur Süufbetoaljruttg oon Kleibern, Süd;ertt, ©pieljeug tt. f. to. I;at, unb baß e?, toa? iljm gehört, nidjt irgenbtoo liegen laßt, ftatt c? aufjuräumeit; ebenfo, baß in größeren gamiliett getoiße gunctionen — j. S. ber Sienft in Küdje unb Keder — unter ben Södjtern regelmäßig toed;feln. 2Bo ©onntag? toegen De? §au?tüefen? nidjt bie ganje gamilie jur Kirdje geben fann, be= ftimrnt bie tpau?orbnung, in loeldjer golge bie Kitiber, bie Sienftboten int Sefud; ber oerfdjiebenen @otte?bienfte abjutoedjfeltt haben. Stuf Uebertretung ber £>au?orbnung fönnen ganj toobl fpeciede ©trafen, eine 3lrt (Sonoentionalftrafen, gefeilt toerben, bie bann in oieleit gäden nicht ben ©fiarafter oäterlid;er 3dd)tigung, fonbern ben eine? Diotabene l;aben, bal;er fogar unter Uuiftänben fd)erjl;after 31rt fein fönnen; bie gurebt, au?gelad;t ju toerben, toirft in foldjent gade ganj erioünfd;t. Sine £>au?orb= nung ift aber nur möglid;, toenn Sater unb SÖhttter genug Drbnung?finit fabelt, um nidjt fetbft enttoeber au? Sequemlid;feit biefelbe ju übertreten, ober and; fie in be?= ßotifdjer SBeife an ifire SBidfür ju binben. 333er j. S. forbert, baß grau, Kinber unb ©efinbe beim Sdtorgengebet regelmäßig oerfammett fein foden, ber barf nic^t au? feinem ©tubirjimmer beute um 7, morgen um 8, ein anberntal unt 9 Ufr int gamitienjimmer erfdfeinen, toie e? il;m genehm ift, fonft ift er felber^ber ©törer ber £mu3orbnung; int .fDaitfe ift attd; nod; attbere? ju tt)un, loa? ebenfad? feine 3^ b at - ^iitr toenn er ficb felbft aud; bem ©efe^e fügt, flößt er ben redeten Diefpect oor einer objectioen Drb= nung ben ©einigen ein unb legt baburd; ben ©rnnb junt äd;ten Sürgerfinn, überhaupt jur ädjten, freien ©elbftuutertoerfung unter eine fötiere, gemeinfame luctorität. 3Q3ir leugnen nidjt, baß in biefen Singen möglicf;ertoeife oom §an?oater pebantifdt oer= 344 gauSorbnung. ■fäauSoatcr. fahren unb audj bei beit triftigften ©rünben jebe SluSnahme oerweigert werben fann; baS ift ein gebier, benn ber SKenfd) ift nidjt um ber fpauSorbnung willen ba, fonbern bie HauSorbnung um beS ÜJiettfdjen willen; bie Drbnung toirb bann ben Untergebenen oerljaßt uub über bent Saftigen einer folgen Hanbljabung berfelben wirb ber ©egen nidjt mehr beamtet. Iber bei foldjer Steigung beS ÜKamteS ju ftarrer, riidfidjtötofer ©efehlidjfeit wirb eS ©adje ber §rau fein, ihm üernünftigere ©efidjtSpuncte nalje ju bringen; bie grauen ftnb ben SluSnahmen niemals abljolb, ba fie überbauet für rein officieüeS Vorgehen, fürs Sgnoriren alles ißerfönlidjen mtb 3"fätligen nid|t organifirt finb. ®od) bürfte ber gehler ju ftrenger ©efe^tid^feit ber feltenere fein unb fid; immer nur beim 3wfammenfein einer gewißen religiöfen 2leußerlid)feit unb ©tarrljeit mit einiger Vefdjränftheit beS VerftanbeS oorfinben. Dalmer. §nn^Datcr in DtettungSanftalten. ®a oont tauben §auS unb ben nad) feinem SÜiufter eingeridjteten Slnftalten in einem befonbern SIrtifel bie Diebe fein wirb, fo wer» ben hier nur bie übrigen DiettungSanftalten berüdfidjtigt. 2BaS bem §auSoater in einer gemöhnlidjen Haushaltung obliegt, baS ift mit DJfobificationen, bie in ber Diatur einer Slnftalt liegen, and; Dbliegenljeit beS §auSoatcrS ber DfettungSanftalt. Sr ift biefenige Ißerfon, metdjer bie unmittelbare Seitung unb güfjrung ber Slnftalt anoertraut ift; ihm liegt bie ©orge für ©Reifung, Vefleibung unb Verpflegung ber ßoglinge ob, er leitet ben fpauSgotteSbienft, beforgt unter ÜJiitWirfnng beS ifym untergebenen ißerfonatS, baS er ju beauffidjtigen ^>at, bie Srjieijung ber 3öglinge; Wacht über bie IpauSorbnuttg unb meist allen ihre ©efdjäfte an; er l;at barüber ju Wachen, baff ©ebäube unb @erä% fcfjaften aller Strt im ©tanb erhalten loerben, ©djeuite unb ©taH, ©arten, gelbgiiter unb fpanbwerfSftätten fielen unter feiner Sluffidjt unb Verantwortlidjfeit, er l;at bie Sinfäufe für baS HauSwefen ju beforgen, bem Saffier ju beftimmten 3eiten Dfecpnung über feine Ausgaben uub bie bei itjm eingegangenen SiebeSgabeit abjulegen u. f. w. 3 U biefen allgemeinen HauSüaterpflidjten fommt aber in ber Dfegel auch nod; baS Unter= ridjtSgefdfaft; er hat ben StnftaltSjöglingen, wenn fie nidjt etwa bie DrtSfdjuIe befugen, roaS feiten ber galt ift, Unterridjt in ben geloöljnlidjen Slementarfädjern ber VolfSfdjule ju erteilen, weswegen er auS ber 3 a W ber non ber Dberfdjulbeljörbe geprüften Sehrer gewählt toerben muß. ©eine grau fteljt ihm als SluftaltShauSmutter jur ©eite unb bat als fotdjc im wefentlidjen bie namlidjen gunctionen, wie bie Hausmutter in ge= möbnlidien gantilien, fie hat gemeinfdjaftlid) mit bem fpauSbater für Srljaltung ber Drbnung unb für bie Srjiebung berÄinber ju forgen, bie Süd;e ju beaufftdjtigen, über ben geregelten Stöedjfel ber SBäfdje unb Sleiber, fo wie über bie Dfeinlidjfett berÄinber jn wadjen, fie oerwaltet bie ©peifeoorrathe, fo wie bie Slfaterialien ju ben Arbeiten unb ber Äleibung ber Äinber; ibr ift bie ©orge für Verpflegung erfranfter Äinber aj= Oertraut u. f. w. 3n Slnftalten, beren Äinberjabl nodj gering ift, giebt fie ben DJfäbdjen audj Unterricht im ©triefen, SRätjen, ©pinnen, Vügeln, gliden u. bergt. 3b 1 ' ift baS nötljige Weibliche ®ienftperfonal (SluffeEjerinxten, üDtagbe) beigegeben unb untergeorbnet, wie bem fpausoater baS männlidje (Sluffeljer, ffnedjte). 3I;re Berufung uub SlnfteHung erbalten beibe HauSeltern oon einem baS ©aitje ber Slnftalt (eitenben fJJrioatoerein, weldjer bie ©tatuten entwirft, baS ®tenftperfonal anftellt unb entläßt, über bie 21uf= nabme ber Äinber, über ©rnnbftocfSerwerbungen unb Veräußerungen, bauliche Sinridj» tungen unb alle widrigere Slngetegenljeiten entfdjeibet, unb eines feiner SDiitglieber, ge= Wöbnlidj ben Vorfiber, WaS meiftenS ber DrtSgeiftlidje ift, mit ber ©berauffidjt unb Seitung beS ©anjen beauftragt. ®iefem als Snfpector ift alfo ber fpauSoater unter= georbnet, an feine Sßeifungen unb Dfathfchläge hat er fidj in Slbfidjt auf HauSorbnung, ©djulplan, Srjiehung, Unterricht unb Defonomie ju halten, ihm feine SBünfctje nnD Slntrüge mitjutheilen unb bei befonberen Vorfommniffen Slnjeige ju madjen. 3BaS bie ©djule betrifft, fo fteljt er wie feber anbere VolfSfdjullehrer unter ber Slufficht ber DrtS», VejirfS« unb SanbeSfchulbehörbe. Vei ter SBaljl beS HauSoaterS muß mit großer Umfidjt unb ©orgfalt oerfahren ■fjaudbater. 345 werben; benn bie ber Jnbioibuen, in weiten fid> bie 3U biefemSImt erforderlichen Sigenfcpaften bereinigen, ift nic^t eben groß. 25 or aßem muß er bie $ur erfotgreidien güt)rung bed ©djutamtd nötigen ©aben, f enntniffe unb gertigteiten befreit, ed ift fcgar wegen ber bieten bernad)täßigten, geiftig ftumpfen unb unbegabten ©ubjecte, bie in einer ßlettungdanftatt wot;l ga^lreidjer fid) gufammenfinben, atd in einer gewöhntidjen ©d)ule, wünfdjendwertl), baß er mit metjr als gewötmtidjem Sel)rgefd)ict begabt fei. (Sr muß ferner mit ber gur 23 erWattung unb Leitung einer audgebetynteren fDaitd = , gelb = unb ©taßotonomie erforderten Sinficf)t unb (Erfahrung auögerüftet, überhaupt ein SDtann bon praftifd)em ©efdjid fein; namentlid) muß itjm ein befonbered SDfaß bon geiftiger Stgßität unb 33 efonnent)eit, Drbnungdfinn unb ^ 3 üncttid;!eit, Ueberfid)td = unb Sintt)ei= lungdgabe, natürlicher Sluctorität unb Slngiepungdtraft, turg ber aßem jener ©aben, wetd)e jur 3iegierungdfät)igfeit gehören, gur ©eite fteljen, um ein aud fo bieten heterogenen 23 eftanbtl)eiten gufammenfejjted ©emeinWefen bon jüngeren unb älteren ^erfonen fo gu beljerrfchen im ©tanbe 3U fein, baß aße 3uget)örigen fid) wot)l füllen tonnen. ®a ed überbied unntüglid) ift, it)n, fowot)l Wad bie Sinnahmen atd wad bie Sludgaben betrifft, genau gu controtiren, inbem ein Speit ber ber SInftalt äuftießenben Siebedgaben bon ben äßopttpätern an. ihn übergeben Wirb, anbererfeitd nidjt für aße bie bieten in ttei= neren ©ummen beftehenbeu £)audhattungdaudgaben 9 ied)nungdbetege gefordert werben tonnen, fo muß er ein SKann bon erprobter Diedjtfdjaffenl>eit unb Uneigennüpig= feit fein. ®er wid)tigfte Speit ber gu biefem Stint erforbertidjen Sigenfd;aften ift aber in feinem Stmtdtitet „tpaudoater" angebeutet. Sr ift Srgieper unb gwar Srgieper eined fo£d;en fpaufed, er pat Saterfteße 311 bertreten unb gwar bei foldjen hindern. Sie ©d)Wierigteiten feiner ©teflung liegen nidjt bloß in bem llmftanbe, baß biefe Sinder nid)t feine eigenen, natiirlid)en Binder finb, unb er nid>t ihr eigener, natürlicher 33 ater iß, nicht bloß in ber bie Sinbergapt in einer fonftigen ga= mitie Weit fibertreffenben SD? affe bon gögtingen, für bie er nad) aßen bem Srgiepuugd* gefdjaft inhärirenben ©eiten gu forgen pat, fonbern auch unb pauptfadjtid) in ber leibtidjen, geiftigen unb ftttlicpen 33 efd)affcnpeit berfetben. Slße ben (Sr^ieher conftituU renben Sigenfdjaften (f. ben SIrt. Srgieper) finb pier in gefteigertem ©rab gu fordern. 9 ?eid)t beim SSater im geWöpntid)en ©inn ber natürlidje Srgiepungdtatt, wie ©ott ihn mit der ©abe S 3 ater werben 31t tonnen jedem mitgiebt, unb wie er burd) Sebend= erfahrung unb cfjriftlit^e ©efinnung in ihm audgebitbet Wirb, hin, um bie eigenen Kinder gWed'mäßig 3U erziehen, beim Stnftaltdpaudoater muß nid)t nur ein SD?aß biefed Saftd oorpanben fein, fonbern berfetbe muß aud; an ber tpanb ber tßrapid burd) ßte= ftepion unb ©tubium fid) 3111- Srgiepungdweidpeit und jur Sr3iel)ungdfunft fortgebilbet haben. Jenem giebt bad, Wad er bem finde fepon oon Statur unb abgefehen bon aßen Seiftungen ift, in ben Singen bed Kinbed ßieept unb Sluctorität gur Srgiepung, unb Wie taug patt biefe Sluctorität oft bor, aud) Wenn ber 23 ater bont Sapitat berfetben lebt, ftatt ed 31t dermehren; biefer muß bei der fehlenden Staturbafid tftedß unb Slucto= rität erft burd) ein fittlid)ed ©ein unb burd) Seiftungen fid) erwerben, wel)e, wenn er bad Setriebdcapitat bei bem finb auf fpeimgaptung erft borgen muß. Sbenfo ift bie Siebe, bad gegenfeitige ©idjaneinanberhingeben, biefe ©rnnbbebingung jeder gegeit= feitigen geiftigen SinWirtung, bei ber gamitienergiepung a priori gegeben; ber Slnftaltd* ersieper muß aud) in biefer 33 ejiepung, wad fouft 2Bert unb ©abe ber Statur ift, burd) fitttidje SInftrengung unb Seiftung erft erwerben. Und wie fchwierig ift ed gerade bei biefen Kindern, ipre Siebe und Siebe 3U ihnen 3U gewinnen! StBie fdjwierig, bad fepeue finftere SBefen, bad oft bon ben SItern fetbft ipiten eingepftangte SOtidtrauen, Womit fie bem Slnftaltdpaudoater entgegenfommen, 3U überwinden; wie fdjwierig, fie badon gu übergeugen, baß der, ber ihnen fo ntandje ungewohnte f5rei£jeitdfc£>ranfe giept unb fo bieted gufügt, wad fie atd Unannehmtid)feit empfinden, fie wahrhaft liebe, während bei ihren SItern, an bereit Siebe fie nidjt gweifetn tonnen, bad aßed nicht fo war; wie fdjwierig, find er, an denen fo diel unliebendwürbiged täglid) 31t fepen unb 31t tragen ift, 346 Jgwudoatcr. ^cfiröifdjc ©yradje- unb trt benen bad Sbeal, bad .freilid; aud; nod; in iljnen liegt, fo gar oerfdjüttet unb oer= borgen ift, gu lieben, wie fdjwierig OellenbS für einen, ber nid)t gebcrner 93ater ift unb ber fornit, »eil burd) 9?aturliebc nidjt' geblenbet, bie Untugenben oiel beffer fielet. 93er= IjättniSmäfjig leidjt wäre bie Stufgabe, fid; beibeS, Sluctorität unb Siebe gu erwerben, wenn cd fid; bloß nut 6 rgiel;ung eined eingelnen ober einiger Weniger Äinber biefer Slrt Ijaubelte, »o beftänbiger inbioibueOer Umgang bed ©rgieljetd mit ben ßögtingen möglich ift; um oieled erfdjwert wirb fie aber burd; bie 9)taffe oon Äinbern, weldje 9iettuugd* anftalten in fid; oereinigen. 3Bie fd;wer ift e§ ba, jebem einjelnen bad 311 »erben, »ad bagu gehört, nm oon ifjm ald 93ater geel;rt unb geliebt 31 t »erben. 68 ift nidjt abgu= feljen, »ie biefe Stufgabe anberd ald oon einer djriftlid; burdjgebübeten SJ5erfön= licfjfeit gelöst »erben f'ann. ®er fpaudoater einer 9eettungdanftalt muß bie brei d;rift= licken ©arbinaltugenben, ©laube, Siebe, Hoffnung in f»ol;ent 9)laß befijjen: ©laube — nidjt bloß an bie 93?enfd;l;eit im 9)?enfd;en, fonbern au ©ott in ber 93?enfd;I;eit, an ben lebeitbig iit il;r gegenwärtigen ©tjriftud nnb feine aEmädjtige ©nabe; benu barauf allein beruht ber ©laube an bie 931 öglidjfeit ber Rettung, of;ne ben er ja feine 9lr* beit ald eine berlorne @ift;ß^udarbeit anfetjen müßte, unb ber freubige 9)?utlj 3 ur Slrbeit; Siebe — nidjt bloß um bed an ben Äinbern fidjtbaren ©uten, ober aud; um bed unter bem @d;utt ber Untugenben oerborgenen 3 beald willen, fonbern Siebe 3 U 6 l;riftud unb um feinetwiHcn 31 t ben Äinbern; benn fte allein giebt il;nt bieÄraft, un= oerbroffen an ber 93 er wir flidjitng il;rer Rettung 3 U arbeiten, fid; felbft 31 UU £>pfet 3 U bringen, unb alle 93Jittel unb 9ßege bagu an 3 u»enbeit, ol;ne fid; ermübeit nnb er= bitteru 31 t laffen; Hoffnung, Welche nidjt oersagt unb ermattet, aud; wenn bei aller 2Jlül;e unb Strbeit feine gntdjt fic^ feljen läßt ober Ijoffitungdoolle 93litten »ieber abfaUen, oielmeljr iljren ©efidjtdfreid über bie 6 rbenjeit Ijinaud in bie 6 »igfeit Ijinein erweitert. 3n ber 9fegel wirb bad Slnftaltdiiaudwefen oon ben ^audettern auf 9fed;uung ber Slnftalt gefiiljrt; fie erhalten nidjt etwa ein beftimmted Äoftgelb für jebed Äinb, fonbern bie Stnftaltstaffe mad;t itjnen 93orfd)üjfe, mit »eldjeit fie bie Slnftaltdbebürfniffe 31 t be= ftreiten, unb über beren 93er»enbung fie 9iedjnung abjulegen Ijaben. ®ed»egen fönnen fie aud; für fid^ unb il;re ffamilieit feine befonbere Äüdje führen, fonbern l;aben freie Äoft oon ber Slnftalt, » 03 U nod; freie äBofmung, 9ßäfd;e, § 013 , Sid;t, Äleiber* unb ©d;ul;reparaturen (wenn bad ©djneiber» unb <5d;ul;mad;erf;anbwerf im .jpaitd getrieben wirb) für fid; unb iljre Äinber, aud; woljl freie ärgtlidje 93eljanbtung fommt. Slußer= bem befteljt iljre 93elol;nung in einer ©elbbefolbung, geWöljnlid; oon 200 bid 250 fl., Wobei 31 t bemerfen ift, baß biefe 93elol;nung für beibe fpaudettern beredetet ift, ba ja aud; bie fpaudmutter für bie Slnftalt arbeiten muß. 3n 9Bürttemberg f»at bie Siegierung ben SJettungdanftalten Ijödjft banfendwertlje 93erüdfid;tiguugen angebeiljcit laffen, woburd; iljnen bie©ewinnung tüdjtiger fpaudoäter unb Seljrcr fef;r erleidjtert wirb. ®urd; bad @efe (3 üom 6 . unb bie 93erfiigung 00 m 7 . 3uli 1842 ftnb näuilidj bie bßenfiondredjte ber 93oltSfd;ullef;rer aud; auf bie Seljrer an Diettungdanftalten audgebeljnt Worben, ©benfo feilen nad; bem ©efe (5 00 m 22 . 9Jiai 1843 bie uad; gefejdidjer Prüfung fällig erfunbenen unb mit ©eiteljmigung ber Dber= fdjulbebörbe bei ben ©djulanftalten für oerwa^rlodte, taubftumme, blinbe ober fd;wadj= finnige Äinber angefteHten Unterleder unb ©djulgeljülfen, Wenn biefe Slnftalten ben 93orfd;riften bed Slrt. 25 bed 93oIfdfd;ulgefe(3ed oon 1836 entfpredjen, oon ber 9D f iilitär= bienftleiftung im actioen ^eer, Wenn bad Sood gur ©inreiijung fte trifft, entbunben unb in iljrer SXlteröclaffe guriicfgeftellt werben. Slnßerbem ift ed biSfjer ^raj-id ber Dber= fdjutbeljörbe gewefen, ben $audoätern bei iljrer 9öieoerauftellung an öffentlichen ©djulen bie im ®ienft ber 9lettnngdanftalten 3 ugebrad;ten 3 al;re anguredjnen. S. SJölter. §eböomarill3, f. Alumnate, ©. 76. .'pcbräifcßc ©fjrflcfjc. Um bie 93ebeutung bed Ije&t'äifdjen ©pradjunterridjtd unb ebenbantit feine S3ered;tignug in ber ©pljäre bed ©tjmnafiumd ütd Sicht gu •§c6rätfd)c ©pradje. 347 ftefleit, erfdjeint ed angemeffen, einen gefdjid)tlid)en Ueberbtid boraudsufdiiden, and Bern bie ©runblage, auf ber biefer Unterricht ooit Slnfang an geruht, unb bad Sntereffe, bad fid) an beufelben gefnüpft hat, fid) erfennen {affen. Der terminus a quo fann hiebei nicht gmeifet'haft fein. Denn bie Äenntnid bed Spebräifdjen ald uncrläfdidfe 23 oraudfe( 3 itng für bie SCudlegung ber ^eiligen ©dmft geforbevt unb bal;er ben Unterricht in biefer ©pradie ald wefentlidjen 33eftanbtl)eil ber 23orbilbung für bad tljeclogifdje ©tubium in bie ©djule eingefü^rt ju haben, ift lebiglid) ein 2 Ber! bed ^roteftautid= mud. Die fatI;oIifdhe Stirdje bed SRittelatterd hat biefent gad) felbft auf ben Unioerfi= taten feine genügenbe pflege 31 t berfdjaffen oermod)t, wenn gleid) ber Dominicaner Rapinunbud ba fpennaforti auf bem Sonoent ju Dolebo 1259 feinem Drben bie 23efd)äftigung mit jübifd)er unb raaurifd)er ©elehrfamfeit geboten, fobanit fßapft &le= mend Y. auf bem ßoncU 31 t 23ienne 1311 angeorbnet Ijatte, baj? auf jeber Unioerfität fedjd bßrofefforen für d)albäifd)e, Ijebräifche unb arabifdhe ©pradje angefteHt werben joden. @rft im 15. 3ahrl)unbert erwad)te auf bem 23obeu ber d)riftlid)en Stirdje ein Ieb= hafterer (Sifer für bie Srlernung bed fpebräifdfen, wie beim befonberd einige jener SUfänner, bie man atd bie Vorläufer ber Reformation 3 U be 3 eidjnen pflegt, ein 3ol)anned 233effei, ipicud oon SRiranboIa, Rubolf Slgricola in biefer 23c3iel)uug anregeub wirften, unb namentlid) bie Dübinger Unioerfität fdjon in ihrer früheften ßeit ein ©ifj hebraifdjeit ©prad)ftubiumd gewefen ift. (S3gl. über ben {enteren fßunct ©d)iturrer, Diadjric^ten oon ben ehemaligen Sehrern ber Ijelwäifdjen Literatur in Tübingen. 1792, ©. 2 ff.) Daß bie Reformatoren für bie Srlernung biefer ©pradfe, bereu iSwxrig nod) 2lgricola für fivarriQloig nalloXq yifiovaa erffärt hatte, erträgtidje ©ülfdmittel oorfanbeit, baff ihnen Quälereien erfpart waren, Wie fie nod) Sonrab ißellicanud ald Slutobibalt hatte burdpuadfen mitten (©d)nurrer ©. 4), oerbautte man öorsugdmeife Reud)lin. §atte aud) fdjon ber eben genannte fßellicanud 1503 ben erften 23erfud) einer he® bräifdhen ©rammatit (de modo legendi et intelligendi hebraea) h^audgegeben, fo fommt bod) biefed SSüdhtein faum in 23etrad)t neben Reudjlind auf Daoib Stirn dji’d 9JHd)lol gebauten rudimenta hebraiea 1506. ähtf Reudjlin folgte aldbalb 3. ©ellariud mit feinem Isagogicon in hebraeas litteras, befonberd aber ber Sfftinger 23efd)enftein, ber ald „Staiferlicf)er 2)iajeftät gefreieter hebraifdjer 3 un 3 en w e ift er " auf ben beutfdjen £od)fdjuIen umher 3 og, unb 3 um frommen ber lernbegierigen 3ugenb feine hebraicae grammatices institutiones ( 3 uerft 1518 mit 90tetand)tl)ond (Empfehlung erfdjienen), fammt anbern §ülfdbüd)ern tjevaudgab. Sltd Reud)lin feine rudimenta, bie er ald monu- mentum aere perennius betrad)tete, ooüenbet hatte, fdjrieb er an Slmorbad): „foU ich leben, fo muß bie hebräifdje ©prad) h e >-'füv mit ©otted Sipülf! ©terb ich bann, fo han ich bod) einen Slnfang gemadjt, ber nit leidjflid) wirb 3 ergon/ Unb baff er nid)t 3 er» gieng, trog ißfefferlornd unb ber Sölner Dominicaner, unb troh bed 233iberwillend, ben elegante fpuntaniften, wie ipolitianitd, gegen bie sibilos ac stridores ber barbarU fdjeu, überbied mit ber Dunfelljeit ägpptifd)er £>ieroglt)pl)it belafteten ©pradjc an ben Dag legten (ogl. hinüber 9R e l a n d) t h 0 n, de studio linguae ebraeae, im Corpus Reform, ed. Bretscbneider XI. 867 ff.), bafür forgte bie Reformation, beren ©d)rift= princip bad ©tubinm ber heil, ©djrift in ben @runbfprad)en in unmittelbarer ßoitfe= qiteu 3 forberte. Darum galt 2utl)erd 233ort:*) „fo lieb und bad ßoangelium ift, fo hart lagt und über ben ©pradjen halten," namentlid) aud) bem §ebräifd;en. Denn „Weit ed nu ben Sljriften gebührt, bie heilige ©djrift 3 U üben, ald iljr eigen einiged Such, unb ein ©ünb unb ©djanbe ift, nod) unfered ©otted ©prad) unb 2 Bort nicht fennen: fo iftd itod) oielmehr ©ünbe unb ©diaben, bag wir nicht ©pradfen lernen, *) 3u ber ©djrift boit 1524 „au bie SHatbsbevren aller ©täbte beutfcbe« Sanbed, baß fie cbrifiticbe ©cbutcn aufrichten unb halten foBfett," in ber Srlanger Studgabe ber beutfCbeit SBerfe Sutbers 53b. XXII. @. 182. — Sind) bie folgenben Gitate ftnb nacb ber Grlanger Sludgabe gegeben. 348 ^eBtciifdjc ©pracpc. fonberttdf? fo und ipt ©ott barbeut unb gibt Seute unb Südjer unb allerlei, trag baju bienet unb und gleid)fattt baju reijet, unb fein Sud) gern wollt offen paben" (a. a. Ö. ©. 186). ÜUteint bod) Sutper in ber beutfd)en füfeffe (Sb. XXII. ©. 229), Wennd ntöglid) wäre, fo foHte man um ber Sugeitb willen einen ©ountag um ben anbern nicpt b(o§ beutfd) unb lateinifd), fonbern aud) gried)ifd) unb pebräifcp SJteffe galten, fingen unb lefen. ®ad §ebräifd)e teuren unb lernen ift il)iit (enarr. in Ps. 45, opp. lat. ed. Erl. XVIII. 132) felbft ein ©tüebräifd)e erft auf ber Uniöerfität ober bereits in ben oorbereitenben Slnftalten ju betreiben fei, fo fd)eint ber 1518 oon 9DMand)tpon oerfagte, oon Sutper reoibirte Unterricht ber Sifitatoren an bie fßfarrperren fid) beftimmt gegen bad letztere ju entfcpeiben. (Sd peifft pier (Sutperd b. SB. XXIII. 65): „bie ©cpulnteifter füllen gleiß anfepren, baff fie bie Kinber allein lateinifd) lepren, nid)t beutfd) ober gried)ifd) ober pebräifd), wie etlid)e bidper getpan, bie armen Kinber mit fold)er -Otannigfaltigfeit befdjweren, bie nid)t allein unfrudjtbar, fonbern aud) fd)äblid) ift. ÜDfan fiept aud), baß fold)e ©dfulmeifter nid)t ber Kinber 9tup bebenfen, fonbern umb ipred fEupnted willen fo oiel ©prad)en fürnepmen.“ *) Sod) pat man fid) piebei ju erinnern, baff bie Slbgrenjung bed Unioerfitätdunterrid)tS nad) unten tamald iiber= paupt eilte flieffenbe War, baff einerfeitd, ba bie Uniöerfität oon mandjen fepr friipjeitig bejogen würbe, ©d)ttlfäd)er in ben afabetnifdjen Unterricpt gezogen Waren, anbrerfeitd man bie geleprten ©cpulen, bie in größeren ©täbten angelegt würben, gern auf ben afabentifcpen guff einrid)tete, in Weldjem galle bie Stufnapitie bed §ebräifd)en unter bie Unterridjtdfädjer fid) üon felbft oerftanb. (S. bie Stotijen über bie oon 9Mand)= tpon unb Sugenpagett begrünbeten ©d)ttlen in Dfürnberg, SMplpaufen, Hamburg u. f.w. bei 9htpf opf, ©efcpidjte bed ©d)ul= unb (SräiepungdWefend in ®eutfd)lanb, I. 331). 3n ben in ben älteften eoaitgelifd)en Kirdjenorbnungen entpaltenen ©cpulorbnungen wirb bad £>ebräifd)e in berüfegel auf gleiche Stnic mit bem ©riecpifdjen geftellt. ©o beftimmt bie Hamburger üou 1529, baß man im 5. loco neben ben rudimenta graecarum litterarum aud) „pebräifdje Sud)ftabeit fennen lepre" (Sormbaum, eüang. ©d)ulorb= nungen I. 20; ganj fo aud) in ber ©d)ledwigpotfteiu’fd)en ©djulorbnung, Sorm= bäum I. 42); im lectorio geftattet fie Unterrid)t im @ried)ifd)eit unb pebräifdjen, „faüd fid) 3upörer finben, bod) fo, baff burd) foldje freiwillige Sectiones bie oerorbneten Sectiones nid)t oerpinbert werben" (©. 25). ®ie Srattnfd)weig’fdje ©dmtorbnung oon 1543 oerfügt für bie quinta classis: „man mag etlidjen Knaben, bie baju gefcpidt Werben, aud) WopI rudimenta litterarum graecarum unb hebraicarum Oorlegen' 1 (a. a. *) (Sin Seifpiel, wie bamals bad pebräifdje in Änabeitfdjulen getrieben würbe, giebtißfaff, Serfucp einer ©efdjidjte bed geleprten UnterridjtdWefend in SBürttemberg in älteren 3 £ it en - 1842 . ©. 15 . >£>cbräifdje ©pradje. 349 £). ©. 46). ®ie SK e df t crtö u rg’fcfje mad)t bie Sinrid)tung einer 5. ©dpt Ictaffe, in ber and) bie (ätemente beS .jpebräifdjen 51 t treiben wären, abhängig oon bem „nad) @etegen= Ijeit jebed Drtd" bttrd) bie 23ifitatored ju erteilenden 33efd;cib. ®ie ©otoberger ©djutorbnung (a. a. £). ©. 53 ff.) fyat ben t;ebräifd)en Unterricht nidjt; bod) fott SErojsenborf mit feinen ©djülern bad alte Seftament im ©runbtepte gelefen ^aben (f. 0 . Siaumer, ©efcf). ber ißäbag. 2. Stuft. II. 219). ÜDadfetbe gefdjat) natürlich auf ber oon 3ot). ©turnt organifirten Straßburger Slfabemie (Raumer ©.258), wogegen im eigentlidjen ©hmnafiunt ber t)ebr. Unterricht nodt nid)t begonnen würbe, (©turnt fdjreibt: linguae hebraicae institutionem in curiis consulto non proposuimus, quia multum iUum profecisse arbitror, qui ante sextum dechnum aetatis annum facul- tatem duarum linguarum mediocrem assecutus est; a. a. D. ©. 267.) 3n ber 233ürttembergifd)en Kirdjenorbnung oon 1559 ift für bie ©deuten ber Unterricht int |>ebräifd)en nod) nid)t angeorbnet. © 0 cf) fagt fd)on bie oon 58 r e n 3 oerfajjte Älofter= orbnung Oon 1556 (bei©attler, @efd)id)te bed §er$ogthumd IV., 86 ff.): „fo aud) bie ißräceptoren in ber t)ebräifd)en und gried)ifd)en ©prad)e bericht, fo fott ber praeceptor theologiae bie elementa hebraicae linguae uttb ber praeceptor bonarum artium bie elementa linguae graecae, jegtidjer in ber SüBodje ein bid jweimat für bie Section Dialectices erküren.“ ®ie genauere 23efd)äftigung mit bem £)ebräifdten gehörte erft ju ben bem sweijährigen fßorbereitnngdcurd bed theotogifchen ©tiftd itt Tübingen juge» wiefenen ©tubien (f. bie Drbnung ber magistrandorum in §irjetd ©ammtung ber wiirttemb. ©efejse für bie SRittek nnb gad)fd)uten ©. 98). ®ie turfächfifdje Kircf)enorbnung oon 1580 Oerorbnet hebraifdjett Unterrid)t itt tertia (ber oberften ©taffe) ber gürftcitfhulen für Knaben, „fo befonberd fich jutn ißrebigtamt ju begeben gebaut“ (33 or mb au nt ©. 237). 33ott bem im fßeformationdjeitatter angefachten ©pradjeifer ift auch die rBmifthe Äirdie nid)t ganj unberührt geblieben; bie SIrbeiten ihres bebeutenbften he^t'^ifthert ©pradjgekhrten in jener $eit, bed ©anted ißagnini, namentlid) bie Oon ihm gelieferten lateinifhen Ueberfejsungen attteftamenttidjer 93 iiebräifd)en fmtbige SJlänner finben, bei S3ettarmin (de verbo Dei II. 10) atd Slrgmnent für bie Stothwenbigfeit einer firchtid) autorifirten SSibctüberfefenng bienen. Snbeffen fonnten bie römifdjen SEheologcn nicht umhin, ben SSort^eil, Weiher ben ißroteftanten aud ihrer Kenntnid ber bibtifdjen @runbfprad)en erWud)d, anjuerfennen. ®ie Kejser, flagte man, führen gegen bad fßapftthum mit §ülfe ber ©ramtnatif Krieg; man ntüjje ihnen biefe ©tubien entziehen. 33or attem waren ed bie 3efuiten, bie, wie fie überhaupt barauf audgiengen, ben fßrotejlantidmud mit feinen eigenen SKaffen ju befämpfen, fo and; bem ©tubium ber hebräifdjen ©pradje befonbere Slufmerffamfeit juwanbten. (33gt. hierüber bie intereffanten Sfotijen in bem Antibarbarus biblicus bed ©iptinud Slm ama 1656 ©. 123 f.). ®er berühmte Sefuit Seit arm in, ber in jüngeren 3al)ren £et)rer bed §ebräifd)en in Söwen war, l;at fogar in feinen guerft 1578 erfdjienenen, nad)her wieber= hott aufgelegten institutiones linguae hebraicae et exercitatio grammatica ein braudp bared ?ehrbud) mit oereinfadper SRett)ode geliefert, bad and) auf proteftantifcber ©eite Slnerfennung fanb. 3n ber 1588 entworfenen, 1599 pnblicirten ratio atque institutio studiorum Wirb bad .^ebräifdje audbrüdtid) unter bie studia superiora ber 3 efuiten anfgenommen, wobei-bie ?etjrer angewiefen Werben, gleiß anjuwenben, baß bie gremb» heit unb Slaulpgfeit, weldje biefe ©pradje für einige habe, gemildert werbe. Statürlidj 350 •£>e6raifdjc ©pradjc. tüirb ihnen jugleid) etnge[d)ärft, ftetS tote Vulgata 31t öertreten. 3)a§ fpauptintereffe aber, bag bie Sefuiten bei biefert ©tubien leitete, war, bie proteftantifcße £ehre bon ber ;)3crfpicuität ber t;ei(. ©d)rift 31t entfraften. SD aS Vollenbetfte itt biefer £>infidjt hat mo!)l ber Sefuit ©orbon §untlep geleiftet, bent eg nad) ber leicfitfeiligen, freilid) fd)on öon ßfabbinen gehanbfjabten Spanier, in ber er bie t>ernteintlid)e Vielbeutigfeit fyebräifdjer SBörter, SBortfornten unb ©ahfiigungen augbeutete, nid)t falber derben fonnte, na^u= meifen, baj3 3. 58. bei ben erften Sßorten ber ©eneßg neben bem firdhlid) autorifirten ©inn: „intSlnfang fdptf ©ott fpitnmel unb ,(ärbe" nod) ad)t anbere (Srflärungen gram= matifd) unb lepifatifd) fid) red)tfertigen laßen.*) (©. hierüber gratt 3, tract. theol. de interpret. s. scr., nach ber 3lu8g. bon 1708, ©. 35 ff. unb ©laß philologia sacra ed. 1743, ©. 267 ff.) SDer gtudj ber Unfreiheit, mit bem bag jefuitifche Unterridßgmefen behaftet ift, geigt ftd) red)t an biefem gleiß, mit bem tag fpe= bräifd)e getrieben mirb, um bag 31. SD. möglidßt unoerftänblid) erfd)einen gu laßen. Sßenbett mir itttg 3U ber proteftantifdjen Stirdje gurücf, fo begegnet ttng hier im 17. 3ahrhunbert bie außaüenbe ßrfd)einung, baß bag ©tubium beg £>ebräifd)ett fcine8= meg8 bie SDheilnahme unb Sßßege fintet, bie man nad) bem Vorgang beg ßieformationg* jahrhunbertö ermarten foHte. 3n thesi fte!;t alterbingS feft, baß bie (Erlernung beg £)ebräifdjen ein mcfentlidjeg ©tiid ber ngoncadtia theologiae studio praemittenda iß (f. 3oI). © erI)arb 8 treffliche methodus studii theologici ps. II sect. 1); in ber tßrapig aber oßenbart fid) ein auffattenbeg Grfatten beg (Siferg für berartige ©tubien. SOtan mirb geneigt fein, bie tpauptfdjulb hiebon ber ba8 ©djriftftubium äurüdbrängenben Iu= therifdjen orthobopen ©djolaftif beigumeffen; baß aber bie barnafe perrfdjenbe Vel)anb= lung biefeg Unterrid)tgfad)g nid)t geringere ©cfptlb trug, merbenmir fpäterfehen. Uebri= genS ftanb e8 in bem reformirten tpoHanb eine 3 e *tlang nicht beßer; ba8 geigt bie Supplex paraenesis de excitandis ss. linguarum studiis, meld)e ©iptinug 3tmama, 5ßrofeßor beg ^ebräifdjen in granecfer, int 3. 1624 an bie ©pnoben, Vifd)Bfe unb ©uperintenbenten ber proteftantifcßen Äirdjen richtete. (6r hat fie fpäter feinem Anti- barbarus biblicus ©. 121 ß. einoerleibt.) SEBir erfahren au8 berfetben, baß e8 gmar 5Drioialfd)ulen gebe, in benen ein ©rttnb in ber h e tmätfd)en ©prad)e gelegt merbe „magno ecclesiae et juventutis bono“, ja eg mirb ©. 124 — freitid) mit einem utinam! auf bem ßtanbe — eine intereffante Steußerung beg fatpoIifd)en SJSrofeßorg SDeffet mitgetheilt, ber feine ©taubenggenoffen ermahnt, ben Äehern itadjgueifern, bie fdjon pueros rudimentarios mit ®ried)ifchem unb tpebräifdjem quälen, unb feinen ohne Äenntnig biefer ©prad)en gu ben hüh eren ©tubien gulaffen. 3lber, ftagt 3lmama, in ber SDhat bringen manche gar feine h e &i'äifd)e ©pradjfenntnig auf bie Unioerßtät unb fd)ämen fid) bann, ad elementa iUa alphabetica descendere. 3lmama ift übrigeng fo billig, baß er ßd) fogar mit einer grnei» big breimonatlidjen ^Betreibung be8 ^jebraifcben in ben nteberen ©d)ulen äufrieben geben miß. ©eine noch jejjt lefengmerthe Sßaränefig, bie befonberg auch burd) ©omarug unterftüjst mürbe, trug algbalb bie grucßt, baß meh= rere Sßrooincialfhnoben in ben 3af)ren 1625—27 gemeffene Verfügungen in Vegug auf bie oon ben ßanbibaten ber SDheoIogie gu forbernbe hdraifd)e ©prad)fenntnig ergehen ließen. SBag für treßtidje hebräifd)e tßh^°I D g ett Imßanb in ben folgenben SDecennien ßeroorgebracht hat, ift befannt. — 3n SDeutfdjlanb ftanb bie ©ad)e nod) längere 3 e ^ nid)t fo günftig trofc beg ßiferg, mit meldjent bte berühmteften SJSäbagogen beg 17.3aljr= hunbertg, ßfatid), §eloich unb (Someniug ßd) attd) bie Verbeßerung beg hebrät» fdjen ©prad)unterrid)tg hatten angelegen fein laßen. SDa8 geigen bie Älagett, bie *) Sfiämlidh: 1 ) in principio orearunt Dii; 2) in principio crearunt angeli; 3) in prin- eipio crearunt magnates; 4) in principio succidit vel destruxit Deus; 5) propter primitias i. e. pingues fructus elegit Dens coelum etterram; 6) in principio divinabat Deus de coelo et terra; 7) in principio renovavit Deus etc.; 8) in principio creatus est Deus ex bis coelis etc. «gcbtöifdje Sprache. 351 fortwäljrenb, am ftärtftcn in ber 3eit ber pietiftifdjen «Streitigfeiten, fid; bernehmen laffen, unb jwar auf orthoboyer ©eite nidjt weniger als auf ber entgegengefe(3ten. ©o rügt Stbratjam Kalo» im 33orWort ber biblia illustrata nad)brüdlid), etiamnunc in- veniri inter ipsos evangclioos, qui non. adeo requirant notitiam linguae liebraeae ad sacram tbeologiam, unb ber leigte 33orlämpfer ber tutherifdjen Drthoboyie, Valentin !B öftrer tjat in feinen „Seufjern über baS berfäumte Studium biblicum cxegctioum" (Unfdjutbige 9?ad;rid;ten 3at>rg. 1702 ©. 216) namentlich aud; ben 9Jiangel an grünb» lid;er Erlernung ber bibtifdjen ©runbfpradjen ju befeufgen, Wobei er fel;r ridjtig bemertt: „Weil biete Exegetae fonbertid; mit bem fpebräifdien nid)t red;t forttommen tonnen, fitdjen fie anbere ©rünbe." 33efonberS aber würben bon ©eiten ber pietiftifdjen 3Tl;eo= logen biefe Uebetftänbe ans Sicht gejogen. Sährlid;, ftagt Slug. §erm. jyrande (me- thodus studii theol. 1723 ©. 25 f.) tommen biete bon ben ©dptlen auf bie ltnioer* fitäten, bie nidjt einmal fyebräifd) tefen tonnen, bann aber fid; fd)ämen, Elementarfdjüter ju werben. 9htr bei ben atterWenigften finbe fid> ber auSbauernbe f^Ieiß, um ben SJtangel ber ©pradjtenntniffe auf ber Itniberfität jit ergänjen; aber aud; fotdje, bie jiemlid)e Kenntniffe ju befi^en meinen, feien bon bem grünbtidjen SBiffett, baS mau ihrem Sitter junutttjen biirfte, Weit entfernt. Sä ift betannt, mit Wetd;ent Eifer ber ißietiSmuS auf Hebung biefer Sdängel hingearbeitet hat- 333ie biete tüdjtige Sefyrcr beS ^ebräifdjen mögen auSbem 1702 bon grande in ©emeinfchaft mitülnton unb33reit= Ijaupt geftifteten collegium orientale theologicum, ju bem immer 12 ©tubirenbe ge= hörten, herborgegangen fein! ®aß in ben grande’fdjen ©djittanftatten bem fpebräifdjen eine bebeutenbe ©tetlung eingeräumt würbe, bebarf taum bemertt ju werben. (33gt. bie 9totijen in grandenS Stiftungen hemuSg. üon ©djutje, Knapp unb Ütiemeper 1792, 33b. I. 415 ff. unb bei ütaumer, ©efd). b.-ßäbag. II. 151 f.; SBeitereS wirb über grande fpäter mitgetheitt werben.) Sßenn feit bem hörigen 3al;rhunbert ber Unterridjt im fpebräifd;en auf ben*i>eutfd;enebangelifälfte beS hörigen SahrhunbertS baS 33eftreben, ben ©runb jur Erternung beS £>ebräifebräifd)en ernftlid; angehatten Werben foden. 9?och bie @hmnafiat= Snftruction bom 16. 3an. 1816 geht mit biefem gad; bis auf STertia jurüd, räumt ihm 352 ^cbräifdje ©pradjc. ober in jeber feer brei obern Klaffen mtr 2 „aufferorbentlidje“ ©tunben ein; erft bie Verfügung bont 6 . «September 1823 befdiränft eS auf bie jtuei oberften Klaffen. (©. bie betr. fftotigen in bev berliner 3 e üfd;rift für baS ©hutnafialmefen 1848 <3. 687 f. 695.) ®ie meitefte Ausbeutung hat baS £>ebräifd;e längere 3 e ü in ben tuür11 ein= bergifdjen Sehranftalten behauptet, inbem eS bjier bis gum 3. 1842 nidjt bloß 3 U beit gädjern ber niebern Älofterfdiulen ttnb ber ihnen entfpred;enben Dberghmnafialdaffen gehörte, fonbern felbft in ben niebern lateinifdjen ©djulen in bebeutenber Ausbeutung uitb gmar bis 1830 bont 11 . 3 afyre an mit ben gttr Geologie beftinimten ©djttlent getrieben mürbe. 2Bie meit bie testete ißrayiS gnrüdgeht, habe id) nidjt genau ermitteln tonnen. ®ie Verordnung megen beS lateinifdjen ©djulmefenS im ^ergogtfyum SSßürttent* berg bott 1793 fejff biefeibe bereits borattS; fie ermahnt gmar in §.37 (§>irgel S.285), baS ^ebraifdje nidjt ju früh angufangen, nicht 31 t biel unb nidjt 3 um Dtadffheil beS Sateinifd;eit 31 t teuren, fd;reibt aber bod; bereits für baS britte ober » 01 t ba an erfte Sanbeyamcn, atfo für 11 — 12jährige tnaben ben Anfang im Sefen beS £>ebräifd)ett bor. ®ie Vorfdjrift für bie niebern ©eminarien oon 1807 i r 5 e I ©. 344) fe|$t, inbem fie bereits für bie 2 erften 3afyre bie Seetüre beS ‘’ßentateudjS, ber ißfalinen unb ber ifkoberbien anorbnet, bei ben in bie ©eminarien eintretenben ©Gütern borattS, baff fie bie Ktemente ber ©pradje abfotoirt haben. Knblid) beftimmt nod; bie iftormal* berorbnung für baS ©tnttgartcr ©tjntnafium bon 1818 bem ffebräifdjeit Unterridff in jeber ber 3 toei obern Ktaffen beS mittleren ©tjuinafiuntS (alfo für Änaben botn 12. —14. Sa^re) mödjentlich 4 ©tunben (§irgel ©. 452). Krft bon 1830 an tritt mehr unb mehr eine Vefd)rätttung beS gadjeS ein (f. bie betr. Verordnungen bon 1830 unb 34 bei §irgel ©. 609 unb 636), bis enblidj bie Verordnung bom 29. April 1841 (a. a. D. ©. 760) „in Vetradffung, baff bie UnterridjtSfädjer in ben lateinifdjen ©dju* len, namenttid) and) ^itt unb mieber burd; bie (Einführung ber frangöfffdjen ©pradje, fid) bermefirt haben, baff ferner größere gortfdjrüte in ber Iatei= nifd;en unb griedfffdjen ©pradje bis 3 um 14. Satire münfdjeitSmerth find“, ben hebräifchen Unterricht in ben niebereit Sehranftalten auf baS Sefenleffren rebucirte, unb daher aud) bie Prüfung in biefer ©pradje beim Sanbeyanten aufhob. ®aS gunädjft „auf eine ißrobe“ Angeorbnete ift geblieben unb gmar fo, baff halb boHenbS aud; baS ^ebräifdffefenlernen in ben lateinifdjen ©d;ulen megfiel. Sn ben niebern ©eminarien unb ben Dberghmnafialdaffen ift übrigens biefem fyac^e noch immer eine gröffere ©tun* benjaljl, als aubermärtS gemöhnlid) ift, 3 ugemiefen, ttämlid) in ben erfteren 3—4, in ben legieren 3 ©tunben mödjentlid). — ViS 3 ur oöüigen Verbannung beS £)ebräifd;en aus bem ©hmnafittnt ift eS fdjtoerlich irgenbmo in bem eoangelifdjen SDeutfdjlanb ge* tommen; an Anregungen baju hat eS aber nicht gefehlt unb 3 mar hat biefen eben bie preuffifd;e $D?inifteriatoerfügung bom 24. Dct. 1837, meldje baS §ebraifdje auS ber 3ahl ber aufferorbenttidjen b. £)• außer ber regelmäßigen ©djuljeit 3 U gebenben Sectio* nen unter bie regelmäßigen aufnahm, in anberer Söesiehung ftarfen Vorfd)ub geleiftet. Snbem ttämlid} Iff^ baS fpebräifdie bon denjenigen Sehrgegenftänben beS ©hmnafiuntS, meldje geeignet finb, „gu einem grünblidjen unb gebeihlidjen ©tubium ber äBiffenfdjaften bie erforderliche nidjt bloS formelle, fonbern aud) materielle Vorbereitung unb Vefälji* gung gu geben“, auSbritdlid; unterfdiieben unb als ein fyad) begeichnet mürbe, baS als Vorbereitung gu einem fpecieüen jyacultätSftubium bem Qwtä beS ©hntnafiuntS fremb fei, fo mar hiemit bie grage nahe genug gelegt, ob nidjt bem augcnfdieinlidi mit einigem SBiberftreben gebulbeten Fremdling lieber gerabegu bie ®l)üre gemiefen merben folle. Kine nuSführlidjere Verhanblung hierüber entfpann fid) in ben 33. 1848 u. 49 in ber Vertiner 3 e >tfdirift f. b. ©hmnafiatmefen, gunächft h ertJ orgerufen burch einen Auffah Don fjunf'hänel (1848, ©.18 ff.), ber eben bon jenem fogenanntenreinen ©hmnafial* pritteip auS, baS bie Vorbereitung auf ein fpecicHeS gacultütSftubium verbiete, ben I;ebräifd)en ©pradjuuterridjt bon ben ©hmuafien berbannt miffen mitl, in bie er boch nur getontmen fei, meil bie ©d)itle berÄird;e ober aud; ber©h e °togie biente, unb meil §c6räifdje ©ptadje. 353 Pag ©djulwefen grogentljeilg in ben $änben theologifdjer 93el;örben tag unb bie ©hmnafiallehrer lange 3^*t 2^)eotogen waren. Unter ben fecffg Ubhanblungen, welche folgten, trat nur bie oon SDterlefer (1848, ©. 725 ff.) auf gunfljänelg ©eite, bie Unfidjt begfelben aud) mit öfonomifdjen ©rünben unterftüfjenb, inbent eg unoer» antwortlid; fei, baff um ber toenigen bag £)ebräifd;e ternenben ©djüler willen fo oiel 3eit unb ©elb aufgewenbet werbe. dagegen erflärte fid; in ben übrigen Ubl;anb(ungen eine SCngatjI namhafter ißäbagogen fiir bie ^Beibehaltung beg §ebräifcf;en. Unter ge» bül;renber Söeriicfftt^tignng biefer (Erörterungen, fo toie mit Unfd;ließung an bie im SiSljmgen gegebene gefd;id)ttidje (Darlegung möge nun über bie Sebeutung unb 23ered;= tigung beS bjebräifc^en ©praeologen= gefdjledjte erfchweren, eben bamit ber eoangelifcfjen $ird;e bie 28 affe abftumpfen, mit ber fie allein ben eoangelifdjer 2Bal;rI)eit unb ©eiftegbilbung feinbtichen 9Jiäd;ten wirf» fam entgegengutreten im ©tanbe ift. Dod; Ijanbelt eg fich bei ber öorliegenben grage gar nidjt blog um bie Sewaljrung beg alten, übrigeng gang unb gar nicht nur oermöge hiftorifchen 9fed;tgtitelg unantaftbaren 3nfammenl;angg ber gelehrten ©djulen mit ber Äirdje. (Eg genügt, einfad; bie grage gu fteßen: hat bag ©hmnafium bie Serpflidjtung, bie ©djüler mit ber formellen unb materiellen Uugbilbung augguftatten, bie gu einet fruchtbaren ^Betreibung ber gacultätgftubien ber fpodjfdjule erforberlid) ift? 2Birb biefe grage bejaht — unb fie muß bejaht werben, fo lange ber organifcfje 3ufammenhang gwifdjen bem ©hmnafium unb ber Unioerfität anerfannt wirb, — fo tann bie Ser» pflidjtung beg proteftantifdjen ©hntnafiumg, bei ben gur SSTheolcgte beftimmten ©chülern einen fichern ©runb im £ebräifd;en gu legen, unmöglid; abgeläugnet werben. (Sgl. ©auppe in ber SBerl. 3eitfdjr. II. 3aljrg. ©. 361). Die theologifdje gacultät nimmt in biefer £>infid;t feine befonbere ifkärogatioe für fid; in Unfprud;; benn auch in Se» gug auf anbere gacultätgfädjer wirb fid) ber ©hmnafialunterridjt feinegwegg gang in» bifferent oerljalten fönnen, üielmeljr mit 9fudfid;t auf ben tünftigen Seruf bei ben einen ©chülern auf biefeS, bei ben aitbern auf jeneg ©tjmnafialfad; ein befonbereS @e= wicht gu legen haben. Die oon gunfhänel unb anbern gegellte gorberung, bag bie Unioerfität ben (Elementarunterricht im fpebräifdjen übernehmen feile, ift gang un= gulägig. Sine Ungereimtheit ift eg, fich hi e fö r auf bag Seifpiel beg ©griffen unb Urabifdjen gu berufen; benn bie Senntnig biefer ©pradjen ift gwar bem Dh e °i°S ett , Wie bie beg ©angfrit bem $hii°i°8 e n, f e h r nüjjtid;, Sang unb gar aber nidjt normen» big. Sor allem würbe bie begeidjnete gorberung fchon an ben äugern Unioerfitätg» oerljältniffen fdjeitern. Dem theologifdjen Drienniitm müßte nämlich wieber eine längere minbefteng gweijährige Sorbereitungggeit oorangefdjidt werben, eine (Einrichtung, an bereit Vergeltung aug befannten ©rünben nicht gu benten ift. Uber felbft bann wäre ber grfolg bei ber SDiehrgahl ber £h e °I D 9i e ©tnbirenben gewtg fein anberer, alg ber fd;on oon Umama unb graitde gefd>ilberte, bag fid; nämtid; gar Wenig bereitwillig» feit gu jener Unftrengung be-3 @ebäd;tniffeg finben würbe, bie aud; bei ber rationeHften 33el;anblung beg h^bräifcben ©prad;unterrid;tg bem Begrling nicht erfpart werben tann, Weil eine fid;ere Äenntnig ber grammatifchen gormen ohne fie überhaupt nicht gu er» CVSäOag. Snc^tlotuitic. JII. 23 354 •gjebrcnfdje ©pradje. langen ift. (Vgl. 33 a um lein a. a. D. ©. 731). 3n Verücffidjtigung ber mangels haften ©pradjfenntnid ber 3uprer würben bann bie tfjeologifdjen Setter nod; meljr, als bie§ fc^on je(3t an mannen Drten ber gafl ift, fid; genötigt feljen, bie eyegetifdjen Vorlefungen mit bem orbinärften grammatifdjen Vaflaft gu befdjtoeren, unb bod; aud; fo bem epegetifdjeu ©tubium bad folibe Qiunbament, bad ein tüchtiger hebräifdjer ©pradj= unterricht auf bem ©tjmnafium legt, nidjt gu erfe^en im ©tanbe fein. — SBir haben im Vidljerigen nur bie fpecififdje Vorbereitung für bad ©tubium ber Rheologie ind 2luge gefaßt; aber ift benn wirflid; ber Veitrag, melden ber Unterricht im ^jebräifdjen aud; für bie aßgemeine Vilbungdgwecfe beö ©^mnctfmmS liefert, fo gering angufdjlagen? SBenn fürs erfte trog ber weitoerbreiteten, b'efonberd burd; ©djleiermadjer genährten 2lntipatl;ie gegen bad 2llte ©eftameut entfc^ieben behauptet werben muß, baß bie Äenntnid altteftamentlidjer Offenbarung ein toefentlid)ed ©tücf djriftlidjer Grfenntnid bilbet, unb wenn weiter feftfteljt, baß ohne Verftänbnid bed ©runbtepted ein tiefered (Einbringen in bad 2llte ©eftament faurn möglid; ift, fo ließe fid; fdjon aud biefem ©runbe ber SInfidjt, bie bad ^jebräifd^e aud bem ©hmnafium oößig oerbannt wiffen wiß, in ber ©hat mit meljrfyug unb9ied;t bad fdjon Don ©ipt. 2lmama (©. 134) audgefprodjene ©efiberium entgegenfteßen, ed möge oielmehr gu einem für aße obligatorifchen gad; erflärt werben. (Vgl. bie Venterfungen oon Vfegger, Verl. 3eitfd)v. II. 3aljrg. ©. 892 ff.). Unb Wenn aud; bad Uebertriebene biefer gorberuug fid; freilich 3 ur ©enüge aud anbern Stücffidjten ergiebt, fo barf bod; nod; immer gefragt werben, ob ed nicht an= gemeffen wäre, foldjen ©d;ülern, bie Suft gur (Erlernung bed fpebräifdjen §eigen, auch Wenn fie nicht gur ©Ijeologie öeftimmt finb, bie ©heßnaljme an biefem Unterridjt gu ge= ftatten, begieljungdweife gu erleid;tern. 9Q3ie wohl ftänbe ed g. V. mand;em £>iftorifer an, wenn er £>ebräifd; gelernt hätte, um fid; ein felbftänbigered Verftänbnid bed 21. 0. gu ermöglichen, ftatt fid; nun an abgeleitete ©arfteßungen gefangen gu geben. 2Bie Oieled !ann ber 3urift aud bem 21. ©. lernen! (Vgl. hierüber „Giniged über bie 2ln= wenbung ber heiß ©djrift auf bie 9?ed;td= unb ©taatdoerwaltung" in ber ©djrift eined praftifd;en 3uriften „©öttlidjed 3fed;t unb menfdjlidje ©a^ung" Vafel 1839. ©. 135 ff.). Unb Weldjer ©ewinn würbe anbrerfeitd ben altteftamentlid;en ©iöciplüjen erWad;fen, Wenn 3uriften, bie §erg unb Verftänbnid für biblifdje ©inge haben, fid; ber Unter- fucpung altteftamentlidjer 3fed;tdorbnungen guwenben würben; in weldjer Vegieljuttg bad treffliche ©djriftdjen bed ißrof. für. ©djnell „bad ifraelitifdje SRedjt in feinen ©runb- gügen bargefteflt" Vafel 1853 ald Veleg angeführt Werben barf. ©od; Wir fehen üon foldjen SRüdfidjten ab, fteßen bagegen um fo entfdjiebener bie gorbenutg, baß bie Gr= lernung bed ^ebräifdjen in ber Siegel benjenigen ©hmnafialfdjülern angefonnen Werbe, Welche fid; bem pljilologifdjen Sehrfach wibmen rnoüen, wie bied g. V. in Vaben unb Preußen angeorbnet ift. ©ad praftifdje SDfoment, bad gur Vegriinbung biefer gorberung geltenb gemadjt werben fann, baß nämlid; ber Seljrer ber claffifdjen Literatur, ber meiftend ber £>auptleljrer feiner (Eiaffe ift, in ber SRegel befähigt fein foßte, auch bad fßeligiondfad; gu übernehmen, ift hier nicht Weiter gu erörtern. SBohl aber ift auf bie Vebeutung binguweifen, weldje bad ©tubium ber heöräifdjen ©pradje für bie aßge- meine pljilologifdje Vilbung hat, ein ^unct, ber bei ben Verhanblungen in ber Verliner 3eitfd;rift befonberd oon Vä um lein (II. 3ahrg. ©. 732 ff.) unb ÜRüljlberg (III. 3ahrg. ©. 668 f.) heroorgehoben worben ift. SBenn im aflgemeinen bad Vergleichen immer ba am leljrreidjften ift, wo an ben oerglidienen ©egenftänben beibed, 2lehnlid)= feit unb Gontraft, in befonberd djarafteriftifdjcn (Svfdjeinungeu hevoortritt, fo fann einem tieferen Ginbringen in ben Drganidmud ber claffifdjcn ©pradjen faum etwad förberlidjer fein, ald bad oergleidjenbe ©tubium ber hebräifdjen ©prad;e, ber und am nädjften ge- rücften Sfepväfentantin bed mit bem faphetifdjen ©pracbftanun nroerwaubteu unb bod; in ber früljften Veriobe ber 9Renfd;engefd;id)te gu eigentbümlidjev (Sntwicfliiug gebiehe- nen ©emitidmud, beffen Drganidmud, wie SB. o. fpumbolbt (über bie Verfdiieben- heit bed menfdjlidjen ©prachbaud 1836, ©. 308) mit «Recht fagt, an ©trenge ber Gon- §ebraifdje ©pradjc. 355 fequeng, funftö oller (5infad)heit unb ftnnreidjer Slnpaffung beS £auteS an ben ©ebanfen nicht nur feinem anbern ©prad)ftamm nad)ftel)t, fonbern biefleid)t hierin affe übertrifft. Daß oodenbg bon einem grünblidjeren SSerftänbniS ber allgemeinen ©rammatif ohne Kenntnis menigfteng einer ber femitifdjen ©pradjen gar feine Siebe fein fönne, bebarf faum befonberg bemerft gu merben. SS ift nid)t gu ftarf, mag Dr. Böttd)er (Slrd)ib f. Sp^ilot. u. ^abag. XV, 1. ©. 53) gefagt pat: „bie claffifdjen fßpilologen, bie fid) nie im ©emitifdjen umgefepen haben, bleiben, fefbft unfern großen Hermann nid)t augge» nommen, für manche allgemeine ©pradjanalogie, manche tiefere ©pradjerfenntnis lebenS» lang bünb, oft läd)erlid) einfeitig befdjränft." — Snbeffen panbeit eg fid) bei ber Ber» Jnüpfung beg pebräifd)en ©pracpftubiumg mit ben claffifcpen ©tubien auch nod) um einen Ijöl^eren @efid)tgpunct afg ben ber Srfenntnig äußerer ©prad)formen unb gram» matifd)er ©efepe. DaS §ebräifd;e ift eine ©pradje ber Dffenbarunggurtunbe. B3ie nun oermöge ber mefentlicpen (Einheit, in meid)er ber ©pradjgeift mit bern BoliSgeifte ftef)t, in ben cfaffifd)en ©pradjen eben bie ^ßrincifnen ausgeprägt finb, meldje bie geiftige ®igentpümlid)feit beg fpeflenen» unb SiömertpumS augmad)en, fo pat ber ©eift ber Dffenbarung *fid) in ber Bibelfpradje eine entfpred)enbe Berleiblidjung gegeben. 2ßie mir baffer borgugStoeife burd) bag SJiebiunt ber claffifcpen ©pradjen in ben äfnfdfauungen unb 3'been beg claffifdjen Slltertpumg peimifd) merben, fo erfcpließt uns ber biblifdje ©prad)fd)lüffel ben 3 lt 3 au 9 3 U ber Begriffgmelt ber götttidfen fpeilgöfonomie, meghaib bag afte Sföort „grammaticus fit theologus“ eine biel meiter greifenbe Bebeutung Ijat, afg mandje meinen. (Eben Darum aber liefert bag pebräifcpe ©pradjftubium, menn eg nid)t bloß an ber 2leußerlid)leit haftet, fonbern bem begrifflichen ©ehatte ber ©pracpe nadjgept unb hiebei auf bie Slugprägung analoger Begriffe in ben claffifc^en ©praßen bergleicpenbe 9^ücffid)t nimmt, eine bebeutenben Beitrag gur Sofung jener Aufgabe, beren bie d)rifttid)e ©elehrtenfthufe fid) nidjt gu entfcplagen bermag, ber Slufgabe, ein ridjtigeg Berftänbnig beg Berpältniffeg, in meldjem bie biblifdfe Dffenbarung unb bag clajfifdje Slltertpum gu einanber fielen, gu bermittetn. Dreffenbe Bemerfungeit, mefd)e §ur Srläute» rung beg ©efagtenbienen fönnen, finben ftd) in bem ©cf)rift<^en bon@erl). b. 3egfcp= miij „^ßrofangräcitöt unb biblifdjer ©pracpgeift" 1859. SJian bergfeidje befonberg, mag bort ©. 13 ff. über ben ©egenfap beg fmHettifdfen fßrincipg „ber Bienfd) ift bag SJiaß alter Dinge" unb ber biblifdjen Unterfteffung aller Begriffe unter bag SDiaß ber §eiligfeit ©otteg, eineg ©ebanfeng, ber „ben biblifcpen BegriffgaugbrudE bom erften Bucpftaben ber ©enefig big gum festen ber Slpofalppfe meiht", mag über bag Berpält* nig beg pebräifdjen tPHp unb feiner Uebertragung burcp gu ben SluSbrüden T ayios, asfivös, o'aiog unb Icqos gefagt mirb. @g thut noth, über folcpe Dinge nad)= gubenfen, menn mau barüber ein Urtpeil geminnen mifX, mag eg mit ber neuerbingg feif gebotenen SBeigpeit bon ber Siothmenbigfcit ber Umfepung beg ©emitifd^eit ing Sappetifcpe auf fid) pat. Durch bag Bisherige glauben mir bie grage, ob bem Ipebräifdjen £>eimatred)t in ber ©elehrtenfthufe guguerfennen fei, gur ©enüge beleuchtet gu paben. ® en Slnfecp» tungen, meld)e bagfelbe erlitten J>at, ift mobl nirgenbg praftifd^e golge gegeben morben. Die preußifdje Sanbegfcpulconfereng, meldje im Smüpling 1849 gu Berlin tagte, pat jmar mit 16 ©timmen gegen 15 bie (Entfernung beS pebräifdjen aus ben Sehrgegen» ßänben beS Dbergt)mnaßumS beantragt, bann aber mit 28 ©timmen eingeräumt, baß, mag aud) bie minifterielle Borlage für tünftige Dpeologen unb fßh*t c l c 9 en fcftgefcfet hatte, in D?ebenftunben barin Unterricht ertheilt merbe. 3lud) an anbern Drten, mo an biefem Unterrid)tgfad) gerüttelt morben mar, ift eg bei ber beftehenben Drbnung cje= blieben, mornad) bagfelbe ben gmei obern ©hmnaftalclaffen gugemiefen ift, alfo in ber Siegel oier Sapre h'nburd) betrieben mirb. Die Sortierung, pen hebraifd)en Unterricht mieber meiter rüdmärtg auSgubehnen, ift, fo oiel mir befannt ift, nirgenbg geftellt mor= ben. ©ie märe auch unangemeffen; nicht, als ob biefer Unterricht an unb für ftch für 356 ■ficBrätfdjc ©ptadje. Änaben nicht paßte, benn im ©egenttjeit mad)t ber ganje ©fiarafter ber Spraye fie bem jüngeren Sitter befottberd jugäitgtid) unb fie mürbe bal;er — mie mir meine mürt= tembergifdjen Sltterdgenoffen bejeugen toerbett — in ben lateinifdjen ©(buten nteift mit Suft unb ©ifer betrieben; locht aber mürbe unter ben gegenmärtigeit Skrhältniffen bie Slufnahnte eines neuen ©pradifadjd in bie mittleren Staffen ju einer nid)t ju red)tferti= genben Ueberbürbung führen. ®d ift freitid) gn bettagen, baß bei aller $üd)tigfeit beS in ben obern Opmnafiatctaffen unb ben niebern theotogifdjen ©entinarien erteilten Unterrid)td jene unjerftörtidje ©idjerfieit unb f5 e ftts?eit in ben ©tementen bed §ebräi* fdjett, mie fie früher in ben mürttcmbergifdjeit Slnftatten ertoorben mürbe, iejjt eine große Seltenheit gemorben ift; merben bod) bei ben theotogifdjen Prüfungen in biefem ©tücf äumeilcn ©rfatirungen gemadjt, über toeldje bie attmürttembergifdjen SJfagifter fid) entfett haben mürben. Stuf ber anbern ©eite ift aber jujugeben, baß bie frühere unoert)ä(tniömäßige Studbefmung bed Ijebräifdjen Unterridjtd in ben mürttembergifdjen ©djuteit bod) aud) nicht 31 t entfpredjenben ©rgebitiffen geführt t)at. SJtandje jener ©d)üter, bie im 14. 3at)re überrafdjenbe Senntniffe im tpebräifd)en jeigten (ogt. bad oon iDXejger in ber 33ert. 3ritfd)r. II. Safyrg. @. 885 ÜÜtitgetheitte), haben in ben Ätofterfdjuten nid)t mehr oiet neued l^injugeternt; auf ber llniöerfität üotlenbö mürben griinbtid)ere ©tubien bed fpebräifdjen unb bed Sitten Seftatnentd nur nod) Oon menigeu getrieben, mätjrenb bie uieiften gefättigt auf ihrem ©d)utfade audruljten. ®d ift batjer nicht ju üertounbent, baß Sßiirttemberg, fo verbreitet eine fotibe fyebräifdje ©prad)* tenntnid unter @eifttid)en unb Setjrern gemefen ift, bod) an beit gortfdjritten ber fyebräi* fd)ett nnb ber attteftamenttid)en SBiffenfdjaft ftdj üerhättnidmäßig menig betbjeitigt fiat. — ®aä 3 i e t/ bad bem t;ebräifd)en Unterricht auf ben ©pmnafien ju ftedten ift, fann jebeufattd in einem vierjährigen ©urfud motjt erreicht merben. ®er ©bmnafiatunterridjt fott ben ©d)üter fo meit förbern, baß er auf ber Unißerfitat nid)t bloß ben atttefta- menttidjen 33orIefungen ot;ne ©djmierigfeit gu folgen oerntag, fonbern aud) fetbft mit iBenütjuitg ber gemöhntidjen epegetifd)en fpütfdmittet prioatim bad Sitte Jeftament ju ftubiren im ©taube ift. £>ieju mirb erforbert tenntnid ber ©rammatif, unb jmar nid)t bloß, toorauf manche 2 el)rer faft audfdjtießtid) lodfteuern, Äenntnid ber Sormentehre, fonbern aud) 93ertrautt)eit mit ben Dfegetn ber ©abfügung; ferner fotl ber ©d)üler in bem 2 öortfd)a( 5 e ber ©pradje fomeit bemaitbert fein, baß er teid)tere ©teilen bed Sl. £. geläufig ju überfejsen, in fd>mierigeren Slbfdjnitteu aber fid) menigftend $u orientiren Oermag. $ot)er möge man bie Slufgabe nicht ftetten. ©d märe eine fd)öne ©adje, menn, mie tDlejger geforbert tjat, bie ©d)üter and) im ^ebräifdjen auf bie ©tufe ge* bradjt merben tonnten, metdje mit ihrer Äenntnid ber ctaffifdjen ©praßen auf gteidjer £>BI)e ftänbe. Siefpotje ber festeren ift freitid) eine fefir relative; im allgemeinen aber tjaben bie Uniberfitätdtetjrer ber gegenmärtigeit ßeit genügenben @runb, auch mit be= jd)eibencren Seiftungen ber ihnen jugeführten Süngtinge fid) jitfriebert gu geben. — 3 U bem oben begeidhneteit 3^ nun fann mau in vier 3af)ren bei einer geringeren 3atd oon ©d)ütern im 9?otI)fatt gelangen, and) menn nur 3 toei mödfentlid)e Seljrftunben aud= gefegt fiitb, falls bem Unterrid)t ein tüchtiger ißrioatfleiß oon ©eiten ber ©chüter ju £>iitfe tonimt. 3m atlgemeineit aber märe bie ©inräumung menigftend breier möd)ent= Iid)et\ ©tuubeit, mie fie in SBürttemberg ftattfinbet, bringenb $u mitnfehen, namenttid) für bad erfte 3aijv, baittit bie ©d)üter bie erften ©djmierigteiten ber ©prad)e fd)netter iiberminben tonnten, ©djott ©efeniud hat (tm Slormort jnr 3. Stuft, feiner ©djut- grantmatif) bie tärgtidje 3unteffnng ber 3 e tt für ben hebräifdjen Unterricht ernfttid) ge= rügt, meit hi^ei fein fdjnetted ^ortfdjreiten, metched botfd)r. II. 3ahrg. ©. 638) fefir richtig bemerft, bad fchtagenbfte Strgument gegen bie ©egner tiefed Unterrichtdgegenftanbed abgeben. — äöad fonft nod) über bie äußere ®inrid)tung bed h e ^räifd)en Unterrichts gu fagen märe, wirb paffenber bei ber ©rörterung ber ittlethobe bedfetben jur ©prad)e fommen. >£>e 6 täifdjc (Spraye. 357 Set bem, WaS im 33iSt>eiigen über bie 93eredjtigung mib SluSbehnung beS ^ebr. Unterrichts ausgeführt Worben ift, haben wir junädjft nur bie proteftantifdjen Seljr= anftalten ün9luge gehabt. 3n bem romifd)=fatholifd)en Unterridjtswefen lägt fid), wie aus bent früher 93emerften erhellt, für biefeS Sehrfad) nidjt baS gleiche Sntereffe nnb barum auch nid)t bie gleiche pflege erwarten. ®odj ift ber wiffenfd)aftlid)e 9ßett= eifer, ber in ber römifdjen Stircpe überall, wo fie mit proteftantifdjer Sßiffenfdjaft fich ju meffen hat, fid) ju regen pflegt, and) bem Xjebräifdjen ©tubium ju gute gefommen. 91uf ben beutfchen fatl)otifd)en ©pmnafien außerhalb DefterreidjS ift baS £>ebräifd)e »er= muthlich überall obligates Sehrfad) für bie ber £h eo ^°lU e bestimmten ©djüter, 5 . 93. in fßreufjen in benfelben Klaffen nnb mit berfelben ©tunbenjaljl wie in ben eoange!i= fchen ©hmnafien; ebenfo in Sßürttemberg, bod) fo, bajj ln er > n 93ejng auf bie bem Sache gewibmete ©tunbenjaljl bie fatl)oIifd)en 91nftalten ben eoangelifdjen nach' fteijen. ShtberS »erhalt eS fid) mit ber ©adje in Defterreid). ®er X;ebräifdje Unter= rieht ift bort, Wie ber griedjifd)e, bem fat!joIifd)en ÄleruS oon jeher anftöfjig geWefen, Weil er angeblich baS ©tubium beS SateinS gefäX)rben foH. 97ad) einer S'fotij in ber lehrreidjen @d£)vift „bie ©hmnafien DefterreidjS unb bie Sefuiten" 1859. ©. 12. hat im 3al)r 1790 ber 93ifd)of oon Sing »orgefdjlagen, bajf man baS ©tubium beS @ried)i= fchen unb tpebräifdjen nur in ben geiftlidjett ©eminarien unb ba nur „oon ben beffern Stopfen etrnan ^wei ®rittel" betreiben laffe, unb auch biefe feien fo abgutljeilen, „baff bie eine Hälfte baS §>ebräifd)e, bie anbere baS ©riedjifdje erlernte, unb nur wenige ber oorjüglichften Stopfe ju beiben ©praßen angehalten würben." ®ajj berartige 2Infid>ten noch fid) geltenb machen, geigt bie am 13. ülpril 1858 erfdjienene SJerorbnung beS Kult= minifterS, burch Welche ber Unterricht in ben tl)eologifd)en SBiffenfdjaften nad) ben 93e* ftimmungen beS KoncorbatS geregelt wirb (9lUg. 3 e 'tung 1858. 97r. 106). hiernach foü jwar an ben tX>eo!ogifd>en Sehranftalten bie hebräifdje ©prad)e gelehrt werben, bem 93ifd)of aber frei fteljen, bie ßöglinge oon ber Krlernung berfelben, infoweit eS ihm jmecfmäjjig fcheint, gu ciSpenftren. 93on bem Sehrplan ber ©pmnafien ift baS £>e= bräifdje auSgefd)loffen. Snbem wir unS nun ju ber fOtetpobe beS Xjebräifdjen ©praeBräifd)en. (©. baS Nähere bei ©uhtauer, SungiuS unb fein geitalter @. 24. ff. 30). 9Bie 9totidjS fD?etl)obe auf bag fpebräifdfe angemenbet mürbe, läßt fid) aus bem erraten, mag o. 3i a u m er (II. 19 ff.) über fein Verfahren beim lateinifdien Unterridjt mitgetheilt hat. 21ud) §el»id; geht beim <3fn*ad^unterrxc^t Oon ber SERnttcrfpradje aus („omniaprimum in lingua vemacula, post in linguis aliis“ lautet eine feiner bibaftifc^en Xhefen.) Tod) ift eg nid)t eigentlid) eine ©rammatif ber beutfdjen ©pradje, bie er an bie ©pijse fteüt, fonbern eine „allgemeine ©pracbfunft, metd^e Dasjenige, fo aßen ©prad)en gemein ift", in fid) begreift unb bie mit beutfdjen 9?amen bejeidjneten grammatifd)en Äatego= rieen, bie nun gleidjmäßig auf bie ©rammatif anberer ©pradjen übergetragen merben („termini grammaticales sint iidem in quibusvis linguis“ lautet eine anbere feiner Slhcfcn). ©eine „hebräifdje ©pradjfunfi beutfd) befdtrieben" (enthalten in ben nach feinem Stöbe bon feiner Sßittme 1619 h era uSgegcbenen libri didaotici) ift bie erfte beutfd) gefd;riebene h e 6räifdie ©rammatif. TaS 23ud) ift höd)ft merlmürbig burd) feine Terminologie; j. 93. ber status absolutus heißt ber 931oßftanb, „menn ein fßennmort for fid) fteht, baß ftd^S ju feinem anbern lenft", Der status constructus ber 23efi(5= ftanb, „menn ein 9?ennmort baS anbere ju fid) $eud)t unb lenft", bie ©uffiye heißen 9?a d)g el) eft ete u. f. m. Sine grünblidjer cingehenbe ©pradjoergleichung barf man übrigens in biefen ^e!oid)’fd)en Sehrbüchern nid)t fndjen. Tie bon §elt>id) felbft 1608 herauggegebene hebraeae linguae compendiosa institutio jeidjnet fid) burd) 95ünbigfeit unb Sflarheit aug. — Stmag jünger als §elbid) ift 9Bill)elm ©chicfarb in Tübingen. Sr erflärt anSbrücflid), fein 3fatid)ianer fein jn motten, hoch betrautet er möglid)fte Erleichterung beg ©pradjunterridjtg ebenfalls alg feine Hauptaufgabe. 933ar Helbich berhöl)nt morben, meil „er habe motten einen Trichter machen, moburcf) er ber Sugenb bie Äunfi in ben Äopf habe fdjütten motten, eben mie man ben SBein in in bag gaß fdjütte" (©uljrauer ©.227), fo berfaßtenun ©djidarb mirflid) „einen Ijebräifdjen Trüchter, bie ©pradje Ieid)t einjugießen, fo flar unb einfältig, baß eg auch ein Änab fann faffen," — ein 93üd)lein, bag mieberholt neu aufgelegt mürbe. ©d)idarb mar befanntlich jugleid) SKathemaiifer unb Sttiechanifer; an bie lefctere Sigenfdjaft mirb man burd) feine jrnei Hauptfdjriften über hebräifdje ©rammatif erinnert, nämlich 1) bag juerft 1622 erfc^ienene, bann aber über breißigmal neu aufgelegte horologium hebraeum sive Consilium, quomodo sancta lingua spatio XXIV horarum ab aliquot eollegis sufflcienter apprchendi queat, mit bem SOJotto: experire non rede; 2) bie juerft 1621 herauggegebene rota bebraea pro facilitate conjugandi pridem inventa, sculpta et explicata, mit einer ffupfertafel, an ber äiemlid) medjanifd) bie Seränberungen ber Verbalformen oeranfdjanlidjt merben. Tie Xlnterrichtgmeife ©djidarb’S, bie er felbft in ber an fedjS ©d)üler gerichteten 93orrebe non 1622 auSeinanbergefeht hat, ift fo origi* nett unb brottig, baß bie betreffenbe ©teile unten mitgetheilt ju merben oerbient.*) ©ie *) „XXIV horas ita bipertiar, ut dnodecim prioribus artis praecepta, posterioribus nsum addiscatis. Quod priores attinet, ne multitndine obruamini, distribuam labores inter vos, ut quod per se exiguum est, multo minus fiat dividendo; vestrum sex sunt, singulis binae cedunt horulae, quibus singulas assignabo materias. Primus mihi Nomen erit; alter Verbum; tertio Anomala tribuam; quarto Affixa; quintum Vocales manent, sextum Accentus. Cum quolibet seorsim tractabo, quod suum est, quasi is mihi unus adesset, caeteris interim mutis assidentibus et Pythagoreo more tantum auseultantibus. Sic onus in tot humeros inultiplicatum levius gestabitur, cum quilibet sextam tantum partem ferat: perinde ut olim ponderosissimum arietem bellicum bajulabant multi ad laterales uncos alligati, ut, quam singuli nequirent, portam effringerent universi. Poste- .gcBrdifdjc ©pradjc. 361 wttrbe fofort auf anbent Uniberfttaten nadjgealjmt. 6r erjäßlt, es t;a6e iljm jentanb int ©dterje gefagt, wenn es fo fortgeße, werbe man halb feine ßeBraifdjen ißrofefforen meßr Branden, meint aber, bie Sfrbeit fange jefit erft redjt an. „Nam hactenus in gram- maticis minutiis consenuimus annosi AlphaBetarii, posthac ad res ipsas, gratia quarum verba inventa sunt, ascendemus.“ SBenn Bei ©djitfarb bem Sntereffe ber ©efdjwinbigfeit ba8 ber ©riinblicßfeit geopfert wirb, fo tritt bagegen Bei ben 33uptor= fen, ben größten jpebraiften beS 17. SaßrßunbertS, baS festere meßr in ben 33orber= grnnb. ®ie bon ißnen geforberte SBeßanblung beS ßeBräifdjett ©pracßunterricßtS ift auSeinanbergefefit in einer ber 33aSler SluSgabe beS Mercurius quadrilinguis *) Bon 1637 angeßängten, bann Wieber in Vossii et aliorum dissertationes de studiis bene instituendis 1658 @. 512 ff. aBgebrucften diatriba de compendiosa et facili linguam hebraeam et chaldaeam eondiscendi ratione. (35iefe SlBßanblnng, bie jum 33eften gehört, Wad über bie SDlet^obe beS ßebräifcßen UnterriißtS gefcßrieBen worben ift, Wirb bort bem Safpar ©cioppiuS bon ißabua, bem §erau8geBer beS Mercurius Beigelegt; fie ift aber bon 3oß. 35uptorf bem ©oßne als Slnßang gur ©rammatif feine» 93aterS berfaßt.) digentljiimlid; finb ber SSupterf’fdjen SRetßobe bie pebräifden ©tiliiBun» gen, bie aber nidjt etwa Bloß jnr Sinübung ber ©rammatif bienen, fottbern mit folgen borgenommen Werben feilen, bie fid) fdjon in baS Sllte üeftament ßineinge* lefen paBen, ttnb baßer ben ©djluß beS ßeBräifdjen (SurfuS bilben. Setter ©efidttspunct namlid), unter ben man Befanntlid) (bgl. b. fftaumer ©efcß. ber ißäbag. III, 66 f.) in älterer 3«t ben Unterridjt in ben claffifcßen ©praßen ju ftetten pflegte — baß ber ©cßiiler biefe ©pracßen recßt reben unb fdfjreifeen lernen foHe — würbe and) auf baS f?e6räifd)e üBergetragen. §atte bod; fd)on $elbid) eS barauf angelegt, baß feine ©tu» benten ßeBräifd) unb dja-lbäifdj bifputiren mußten (f. ©ußrauer ©. 43). SBenn nun 3oß. 33uptorf ber SBater in feinem Spodje madjenben, alle Big baßin erfdjienenett ©rammatifen Weit iiberragenben thesaurus grammaticus linguae sanctae hebraeae 1609 bie ^Definition an bie ©pijie fteHt, bie ßebraifdje ©rammatif fei ars bene loquendi hebraeis hebraice, fo War bieS ni(ßt eine bloß ättßerlidje jRacßaßmung ber gangbaren ^Definition lateinifc^er unb griecßifdjer ©rammatif. 33ielmeßr ift es ißm boller graft, baß baS fpeBrätfcße als lingua Dei, lingua angelorum, lingua prophe- tarum bon gßriften aud) foHe gefprodjen werben, baß fie ©ott in feiner ©pracße fotlen loßen**), mit bent ifraelitifdjen 33olfe in feiner Sprache foKen berfeßren föntten. ©old;en vioribus XII totidem selectos textus biblicos resolvemus. Ego praelegam, vos respon- debitis. Si quis dualis vel pluralis oocurret, te Nomen appellabo! Si quod praeteritum futurnmve, te Verbum! si quae punctorum mutatio, tu Vocalis rationem reddes etc. — Sic in memoria vestra vivam habeo Grammatieam: et ut Ethici suam felicitatem bonum- que virum non in uno quaerunt individuo, sed in multis, ita ego Ebraei hominis ideam contemplabor in yobis universis. Dum autem singuli suum depositum reddunt, eandem- que rem toties in medium conferunt, assuescent et caeteri ac vel nescientes, perque lusum quasi memoriae mandabunt. — Proderit etiam posterioribus horis vices permutare, ut qui hodie Nominis partes sustinuerit, cras Verbi personam induat, et sic omnes suc- cessive in omnibus exerceantur, Haud dissimili ratione lexicon quoque inter vos dis- tribuam, uni radices ab Alef, Beth, Gimel, alteri a Daletb, He, Vav etc. inchoatas as- signabo, ut significata vocum non e scripto dictionario cum aliqua temporis jactura in- quirere opus sit, sed e vivo penu vestro confestim citraque molestiam depromere sciatis“ etc. *) ©iefer Mercurius War ein in jener Seit bielgebraudjtes ©djutBud;; ev enthält 12 den» turien bon ©entenjen in lateiuifcßer, beutfdjer, griet^ifd^er unb BeBräifd)er ©pracße, tßeilweife feßr tribialen, Begießungsweife aBfitrben, ja gemeinen 3nßalts, ber ben gangen leyifatifdjen 33or» ratß ber Betreffenben ©praßen mögttdjß bottflänbig borfiißren fottte. **) ©er bon Sntßer ansgefprocßeneit Stnficßt, baß bas §e6rätfcßlernen eine SIrt bon @otteS* bienfl fei, Begegnet mau and) nod) in jener 3 e 't- 3J7it biefer Slnfdjaming Bieng es jufammen, baß man in mancßen Slnftalten ben ßeBräifcßen Unterricßt boräugsweife auf ben ©onnaBenb, als bie Ttagaexivy beS ©onntags berlegte. 362 ■£>cl>t«tf4)e ©pradjc. Beeden nun füllten and) bie fyebrctifdjen ©titübungen bienen, beiten in ber oben er= wähnten Slbljanbluug (©. 560) bie Slufgabe geftedt wirb, einen Stil 3 U bilben, qui quam proxime ad puritatem linguae primaevae accedit, We 8 l)alb für bie doctissimi in stylo biefenigeu erffärt loerben, qui ad imitationein locutionum sacrarum sermo= nem suum formant, atque adeo locutiones ejusmodi artificiose ad suum propositum et res familiäres applicare norunt. 35a nun Bitytorf als bie paffenbften SEfiemen fiir fotdje ©titübungen Briefe betraditete, fo oerfaßte er 3 U biefem Bel)itf feine institm tio epistolaris hebraica 1610,*) ein nterfwürbigeS Bud), benn bie als SJiufter mitge= teilten hebräifdjen Briefe finb großenteils dento’S auS ©teilen beS 21. S£eft., in benen e§ fid) Ijödfft Wttnberlid) auSnimmt, loie fyreunbfd)aft 8 oerftd)erungen, ßrfunbigungen nad) bem Befittben beS anbern, Befd)Werben u. bergt, in ©ebetSWorte ber ißfalmen, Gypoftulationen beS 23. fpiob n. f. lo. gefieibet loerben. 2)?it betn SCRofaifftil fübifdjer 35id;ter Ratten biefe ©tiide feine Bergleid)ung auS; el;er erinnern fie an jenes fateinifdje SompofitionSoerfahren, baS lebiglidj in ber Häufung ciceronifd)er bptjraferr feine ©tärle fudjte, Wobei nur ber Unterfdjieb ftattfinbet, baff Buytorf fein 23ebenfen trägt, bie am gcftrcbte puritas linguae primaevae burd) eingemengte 27abbini8men 31 t öerunftalten, oon benen aud) jener beim Slementarunterridjt als Sefebud) oerloenbete Mercurius Wim= melt. 2Bie mangelhaft ferner bamalS nod) (fo breit ftd) in Buptorf’S thesaurus bie ©Ipttaye au§bel)nt) bie Ijebräifdje ©afsfügung beobad)tet War, ift ebenfalls auS ben Buptorf’fdten ©tilproben 31 t erfefien. GcS gilt bieS übrigens aud) nod) begiehiungSWeife Oon ber 3 uerft 1623 erfd)ienenen philologia sacra beS ©al. ©laffittS, obwol)l biefeS 2 Berf mit 9ied)t als ©rttnb legenb für bie Bearbeitung ber ©hntape betrachtet wirb. 2Sar bod) bamalS burd) bie @eheimniffe ber hebräifdjeit 2lccentuation unb weiter burd) bie Grgrünbung ber ©efefje ber Sautlefyre ber fforfdjungStrieb 3 ttr ©enüge in Slttfprud) genommen. 5Da8 fftefultat ber festeren Uitterfudjungen War baSoon 2llting (fundamenta punctationis linguae sanctae 1654, 6 . SXufl. 1701) begrünbete, Oon 35 a 113 (guerft im nucifrangibulum 1686, bann in bem ausführlicheren litterator ebraeo-chaldaeus 1696) Weiter auSgebilbete 2)7orenfhftem. ©0 geringfd)ä§ig biefeS mit beWunbernSWerthem ©dtarffinn burdtgefül)rte ©t)ftetn fpäter eine ßcittcmg beurtl)eilt Worben ift, fo muff bod) aiterfannt werben, baß eS troff ber 9Jli8griffe, bie eS burd) fein ©teheitbleiben bei ber quantitatioen Sluffaffung ber ©ilbe begangen l)at, unb troff ber Sünfteleien, bie ihm bei 35 0113 **) anhaften, Oon bem fßrincip be§ @leid)gewid)t 8 ber ©ilbett auS ba§ SBefett ber utaforethifchen fßuuctation unb baS ©efeff beS Bocat= wed)fetS richtiger begriffen h«t, als oiele ber fpäteren ©rammatifer. (23gl. ^iitpfelb im §erme 8 , Bb. 31. ©. 54). £>at bod) bie griinblidjere unb burd)ficf)tigere Behanbtung, Weld)e biefer ©egenftanb wiebev in ncitefter ßeit gefunben l)at, int Wefentlidjett Wteber an 2llting angelnüpft. — Bei ber intponirenben ©trenge ber Gionfequens, Womit ®anj fein ißrincip burd) bie gatt 3 e fformenlehre burdjführte, ift eS nicht 3 U oertounbern, baß fein ©t)ftem faft in adelt ©djulen 35eutfdj(aitbS fid) einbürgerte unb biefe fperr» fdjaft bis in baS 18. 3al)rhunbert behauptete. 2Iucf) mit ber 2B 0 1 f’fdjen 3)etnonftra= tionStnethobe, bie fid) befattntlid) in ade ffädjer beS SEBiffenS einbrängte, oerfud)te man eS 31 t contbiniren; fo namentlich ™ getoißer ©tellWage, ber „eigentlich ein ißl)'* 0 ' fopl) war, fid) aber aud) mit bent £tebräifd)en abgab", nad) beffen ©ruttbfäffen bann Äod) eine „gan 3 philofophifd) gefd)riebene" h c ^ r äifd)e ©rammatif I) e t' a u 8 gab. (©. £>e(3el, @efd)id)te ber l)ebr. ©pradje ©. 276 unb 297 f.) 3)ie ttädifte SBirfttng beS 35 an 3 iattiStnu 8 aber war bie, baß man beim I)ebr. Unterricht an ©ubtiiitäten ber 2aut= *) 2Iud) Sltting hat feiner hebräifdjen ©rammatif jimachft jur Hebung int Sefen unpunctir» ter SEeyte, batttt aber and; at§ ajtitfier für ähnliche Berfucpe Briefe angehängt, bie er an einen Sttbett, um ihn für ba« Shriftentbutn 31 t gewinnen, gefährteben hatte. **) ältting geht ganj richtig Oon ber Slttttahme 3 Weter tempora ats be§ StormatmaßeS (ber integra mora) ber Silbe aus; 35ans bagegen giebt aud) bem anlauteitben ober ben 3 Wei am lautenbett ©citfonantett eine mora, unb begrünbet fo baS systema trium morarum. <§e6räifdje ©pradje. 363 unb älccentfehre, an siertidjem ©ilben* meffen unb 3“^ eu bie tefte Kraft beS ©djülerS erfdjopfte. 3 U bem enblofen Slttalpfiren ber grammatifdjen gönnen fam ein nidjt minber ermübenbeS, nur nod) unfruchtbareres Slnalpfiren ber Sfßortftänune hitßu, für baS befonberS ßafpar 9teumann unb Salentin ?ofd)er baS Staterial lieferten, fDianner, benen jwar auf biefeut ©ebiete nid)t alles Serbienft abgefprodjen werben barf, fofern fie namentlid) IjinficCjtlid) ber 3 u rüdfüt)rung ber Serbalftämme auf einfilbige ■ffiurjeln Nichtiges gefeiten tjaben, bie aber in ihren Serfudjen, bie ©runbbebeutung ber SBurjetn auS ber imtern Sebeutung ber fie bilbeuben Sudjftaben ju beftimmen, ju ^öd)ft wunberlidjen Sinfaüen fidj berirrten, in benen £>efjel (@. 275) abermals einen „pbjilofop^ifd^ert fftocf' 1 fietjt, ben fie bem ^ebräifdfen angejogen haben.*) 2BaS man bamalS ju einem grünbtidjen hebr. Unterridjte redjnetc, faitn man aitS einer in* tereffanten ©djrift beS ©übinger SfepetentenfeniorS 5D?agifter Sieg er litt (hexas orien- talium collegiorum 1729) erfehen. Sr entwirft hier als crfte gorm ber mit ben ©tiftSjöglingen borjunehmenben @prad)übitngen eine hypotyposis collegii hebraico- chaldaici, analytico-accentuatorio-synthetico-syntactici. 2ln bie grammatifdje 2lna* lt)fe, bie nad) ©djidarb, mit Srgänjungen ans Suptorf, SföaStnutl), ©ans, llting u. a. borgenommen werben feile, habe ftdj angufdjliefjen bie StuflBfung unb 3erglieberung ber Sßörter mittelft einer etymologica anatomia u. f. W. ©abei muß er freiiid) belennen, baff ben jungen Leuten biefe Uebungen Wie Sßefpen unb £>orniffen juWiber feien; aber, meint er, eine fdjäblidje ißeft wäre eS, burd) ben Ueberbrufj ber ©djüter fid) bon bem fonigtidjen ißfabe ablenlen ju taffen, woben bloß bie golge fein Würbe, baff biefelben, el;e fie uodj fefte Seine haben, fdjort als SJtänner einherfdjreiten ober gar einen 3faruSflug wagen Wollen. — SBeniger würben bie Ijebraifdjen ©tubieit in ©eutfdjlanb bon bem heftigen ©treite berührt, ber in §>oIIanb gegen ©uffet unb feine ©d)u!e bon Sllbert ©djulteuS geführt würbe, ©er erftere wollte bie Sergtei* djung ber ©ialet'te unb ber Serfionen, fo wie bie rabbinifdje Slnctorität möglidjft be= feitigt wiffen; fei bod) baS ipebräifdje als ©pradje ber Offenbarung eine ©onne, bie feines anbern SidjteS bebürfe; bie Sebeutung eines jeben Ijebräifdjcn SßorteS fei barnm 3 unad)ft burd) forgfältige Sergleidjung aller ©teilen beS alten ©eftamentS, in benen es borfomme, ju ergrünben. Sei aller Sinfeitigfeit, mit Welcher ©uffet biefeS ißrincip berfolgte, ift bod; baS S3erf, baS er als grud)t 40jäf)rigeu fyleigeS beröffentlic^te (bie commentarii linguae hebraeae 1702, Wieberholt 1743 bnrd) ßlobiuS herausgegeben), nod; je£t in mandjen Slrtifeln fel)r lehrreich unb oerbient baljer boHfommen bie Serüdfidjti* gung, bie man ihm neueftenS wieber jujuwenben angefangen l;at. © d) u 11 e n S bagegen, ber ©uffet unb feine ©d)üler als 3erftBrer beS Ijebräifdjen ©pradjftubiumS betrachtete unb fie bal;er mit einer ©d)Iagfertigfeit, ©d)ärfe unb jugleid) mit einer güHe bon ©elet)r= famfeit, wie fie faum je in einer literarifdjen geljbe aufgehoten Worben finb, uner* müblid) befampfte **), ftellte nidjt minber einfeitig baS ißrincip ber ©ialeftoergleidjung an bie ©pifje, unter entfcfjiebener Seborjugung beS 2Irabifd)en, als ber ber lingua pri- maeva nädjft berWanbteu ©pradje, neben beren 9?eid)tl)um baS §ebräifd)e arm unb uncultioirt erfdjeine. 3hnt gebührt baS Serbienft, bie h armoniftifc£)e Seljaublung ber femitifdjen ©pradjen, bie Wäftrenb beS 17. 3at)rhunbertS auf aufferlidje Dtebenein* anberftellun'g in ©rammatif unb Sepicon fid) befchränft hatte» 3 U einer auf wirflidje ßrtlarnng ber ©pradjerfdjeinungen anSgehenben Sergleidjung fortgebilbet ju haben; für bie et^mologifd^e Unterfudjung hat er trog feiner jahtreidjen geswungenen §t)po= tljefen bie Sahn gebrochen, Wogegen fein grammatifdjeS §auptwer! (bie institutiones *) ®a« §auptwer! für baS fogenannte systema hieroglypliieum bon Steumann ift bie clavis domus Heber 1712—15. (S5gt. auih feine ©orrefponbenj mit 3. 31. Senget, in bem Sriefwecbfet beS tepteren herausg. b. Sur! 1836. @. 49 ff.) — Sofdjer Behanbett biefen ®e* genflanb in feinem Befannten SBerle de causis linguae hebraeae ©. 257 ff. **) gehören hierher bie origines hebraeae, juerfi 1723 erfdüenen, bann bie vetus et regia via liebraizandi 1738 unb attbere @treitfef 5 e I (©. 321) meint. 2>od) fyat bie nadjtjer ju erwäljnenbe ^aKe’fcpe ©djule Oon ©djultenS ju lernen gewußt, unb fpäter gelangte baS üon it)m aufgefteüte ißrincip ju mächtigem Kinfluß. ®I)e Wir aber hierauf eingepen, ift juüor bie fßeaction inS 2luge ju faffen, Welche im bibabtifcCjen unb bejieljungSroeife jugteid) tl)eologifd)en Sntereffe gegen ben ^errfdjenben ißebantiSmuS beS I;ebräifd;en ©pradjunterridjtS fid) erhob. ©ie fnüpft fid) hauptfädjlid) an baS £jalte’fd)e SBaifenljauS, unb jWar War eS 2t. £>. grande fetbft, ber in feiner manuductio ad lectionem scripturae sacrae (ed. III. 1709) ©. 37—72 bie üJtetljobe beS ^ebräifdjen UnterridjtS ausführlich erörterte. ®aS 2Bid)= tigfte baoon mitjutljeilen, bürfte pier um fo mehr am ißta^e fein, als barauS erfeßen werben fann, wie grande feine bibaftifdjen ©runbfä^e (wetdje in bem il)n betreffenben 2lrtifet Sb. II. ©. 434 bargefteHt Worben finb) im Sefonbern angewenbet hat. 2Sor altem empfiehlt er, ben tjebräifdjeu Unterricht nidjt mit bem gried)ifd)en ju oerbinben, oielmeljr jebem bon beiben getrennt bei fürjerer £>auer eine größere ©tunbenjaljl ju wibmen; bodj fönne es, ba bas Äuabenalter ben Stöedjfel liebe, juweiten jwedntäßig fein, ben Unterrid)t beiber ©praßen fo ju oerfnüpfen, baß bie ©tunben beS SormittagS ber fdfwierigeren, bie beS 9?adjmittagS ber teidjteren gewibmet werben. SJterfwürbig ift, baß grande neben bem gewöhnlichen Verfahren, wetdjeS ben Unterridjt im Sateinifdjen unb @ried)ifd)en bem im £)ebräifdjen üorangeljen läßt, nidjt bloß bie ®rternung beS .fpebraifdjen bor bem Oriecbjifd^en, fonbern fetbft ben Seljrgang, ber baS fpebräifdje an bie ©pi(5e ftettt unb bie beiben anbern ©praßen folgen läßt, für juläßig erfiärt („qui ordo ut rationibus non caret, ita nec successu destitutns fuit“). 2BaS nun bie Seljanblung beS §ebraifdjen fetbft betrifft, fo war für ipn bie Krfatjrung, Welche er an fid; fetbft gemacht hatte, entfdjeibenb. ®r hatte als 19jäljriger Süngting troj wieber= holten ©tubiuuiS ber ©d)icfarb’fd)en ©rammatif nod) feine merftidjen giortfdjritte ge= madjt; baher reiste er ju bem berühmten Ijebräifdjen ©pradjgeteljrten ®fra Kbjarbi in Hamburg; biefer rieth ihm, bie hier erften Kapitel ber ©enefis mit£>ülfe einer Ueber« feßuitg fo lange burdjjuarbeiten, bis ihm fein SBort mehr barin fehle, ohne fid) übri= genS um bie ©rammatif ättgftlicf) ju befümmern. 9?adjbem er biefen Statt), ber ihm anfangs jwedtoS fd)ien, treutid) befolgt hatte, würbe er burd) Sbjarbi mit ber Ser= fid)erung überrafdjt, baß er nun ben britten (?) ©t)eii ber hebraifdjen SB Örter inne habe, waS ihm SDtuth gab, in Sefotgung beS weiteren SiatljeS Kbjarbi’S (lege biblia, relege biblia, repete biblia!) bie Ijebräifdje Sibet Wieberhott burdjjulefen unb baratt erft ein eingehenbereS ©prad)ftubium ju fnüpfen. (©. ©uerife, ®enffd)rift auf 2t. §. fprande ©. 23). £»emad) empfiehlt brande fotgenben Sehrgang. ®S werbe begonnen mit wiebert)otter Seetüre ber oier erften Kapitel ber ©enefis unter Seniifsung eines 2lb= bruds, bem eine mögtid)ft treue lateinifcje Serfion beigegeben ift; biefe Seetüre ift fo lange fortjufe^en, bis ber ©cfjüler ohne fpütfe ber Serjton ben hebräifchen £ept ju überfe^en oermag; hiebei ift nur baS 2liternöthigfte aus ber ©rammatif mitjutheiten, fo caß ber ©d)üler ißräßye unb ©uffipe oon ben ©tammen ju trennen unb bie 23ebeu= tung ber teueren anjngeben im ©tanbe ift, aud) bie einfachen ißarabigmen fennt. 3m Saufe einer Sßodfe fei biefeS 3iel ju erreidjen. 9?un fott^ohne 23erjug jur Sefung ber ganzen hebraifdjen Sibet übergegangen Werben; biefe ift curforifd) einjuridjten, mit .fjülfe einer genauen Ueberfefcung wie ber beS SremeltiuS; Unterbredjungen finb mögtidjft ju oermeiben; bie Sebeutung ber SBörter ift am Stanbe ober über bemStepte fo lange beijufdjreiben, bis fie im ©ebädjtniffe haften, namenttid) feilen bie oorfom= menben ©tämme befonberS aufgejeidjnet nnb gelernt werben. SJtit bem Sepicon unb ber ©rammatif fott ber ©djüter fetbft nod) nidjt ju oiet fid) einlaffen; bagegen fott er, f>c6räi|djc ©gradjc. 365 wägrenb bte Seetüre ber gebräifegen S 8 i 6 el fortgetjt, in ber einen unb ber anbern 2Bod;e in bie grammatifdjen Siegeln genauer eingefügrt werben. Sad Sitte Seftament ift nad; ber Drbnung feiner 93üd;er ju tefen, nur mit ber Sludnagnte, baß man bie Egronit fo= gteid) auf bie 33üd;er ber Äönige folgen läßt unb baß bei ber erften Surdjtefung bie djatbäifdjen SIbfdjnitte Wegfallen. Sie Seetüre fetbft foll nidjt bloß in ben Sectionen, fonbern and} griüatim ftattfinben unb jwar fo, baß bie ißrioatteetüre mit ben erfteren in SBerbinbung gefegt unb com Segrer erleidjtert wirb; empfohlen wirb, baß fieg ju biefer ißrioatlectüre 2 —3 greunbe oereiirigen. Stuf biefe SBeife fei eg einigen gelungen, binnen breier SDtonate bie ganje gebräifdje 93ibet jit abfolbiren. Stad; Sßerfiuß einiger 3eit ift jur jweiten Sefung beS Uten Seftamentd 31 t fd;reiten, unb nun beginnt bie genauere Erörterung ber gebräifdjen ©gradjeigentgümlicgfeiten (bad scrutinium idiotismi) auf ©eiten be§ ©djüterd ber ©ebraud; eines gebräifd;en fpanbwörterbudjd. gür jene wirb gerätsen, einen SIbfcgnitt bed Sitten Seftamentd ju ©runbe ju legen unb an biefem etwa im Sauf etned SJtonatd bie ©gracgregeln ju bemonftriren. grande bemerft gieju: haeo methodus id praeterea habet commodi (quia sic non in universa biblia diffun- dimur, sed paucis rem includimus paginis), quod deinceps ad manus semper sit exemplum parallelum in illa, quam tractavimus, pericopa, si aliud alio in textu occurrat exemplum. Sed; tonnen aud; bie Regeln Cer Steige nad; bureggeuommen unb jebc burd; ein gaar Seifgiete erläutert werben. Siefe §rande’fd;e SJtetgobe Ijat igre $augtftär!e barin, baß fie bie Äraft bed ©d;üterd eine 3eittang auf Einem gadje concentrirt. Saburd; gat fie bebeutenbe Erfolge erhielt; beun ed ftnb tüdjtige, griinb= lidje ^ebraiften aud ber §atte’fdjen ©d;ute geröorgegangen. Ser treffiicgfte unter ignen ift Egriftian 33enebict 9)tid;aelid, beffen auf bie gebräifdje ©gradjfunbe fxdg be= jiegenbe Slbganbtungen ben oben gefdjilberten Einfeitigfeiten unb Sßerirrungen ber gebräi= fegen Ißgitologie gegenüber ficg burd; ein befonnened, maßooUed Urtgeit unb einen Steicgtgum feiner SBeobadjtungen audjeiegnen. Stud; ber betannte Sejitogragg 3og. ©i= monid War ein §atte’fd;er 3b3t* n 3- ©eit brande laffen fieg bie 23eftrebungen, ben gebräifegen Unterridjt ju oereinfaegen, burd; bad ganje 18. Sagrgunbert gerab cerfolgen. 3 uer ft ift bie fogenannte garabig* matifd;e SDtetgobe 3 U erwägnen, wetdje ber fpetmftäbter Sgeologe Hermann t> 0 n berfparbt, in jüngeren Sagren ein Qfreunb unb ©enoffe grancfe’d, bon bem er freitid; fgäter weit abgieng, auf bie 23agn bradjte. tßon bem ©efidjtdguncte aud, baß bie grammatifd;en ©tubien nur SJtittel, nid;t 3 toe d fein bürfett (per gram- maticas eundum, nec in illis manendum; — non grammaticae discimus, non scholae, sed usui, sed vitae), glaubte er bad granunatifdje Segrbud; mit Sludnagtne einer turjen, freiiid; fegr ungenügenben Erörterung ber Sauttegre *) auf iparabigmentabelten rebuciren ju bürfen. Stuf bie Stnfdjauung biefer Säbelten gäbe ber ©d;üter immer wieber ju= rüdjugegen; fgeciette Stegein feien überftüßig, ja nad;tgeiiig, jumat ba jeber nid;t ganj urtgeitdtofe ©igiiter fie aud ben allgemeinen Sautgefegen teiegt 31 t abdtragiren im ©taube fei. SSon ber £>arbt redjtfertigt feine SJtetgobe sugteid; burd; bad ©tatut ber £>etm= ftäbter Unioerfität, bad bem fßrofeffor ber gebräifdjett ©gradje einfegärft, ben ©tubiren= ben bie yurdjt cor ber oermeinttidjen ©egwierigteit biefer ©grad;e 3 U benegmen unb ignen oielmegr bei jeber ©etegengeit einsugrägen, baß bie gebräifdje ©rammatif bie leiegtefte unb einfadjfte fei. — Sie con ber §arbt’f(gen ©runbfäge weiter 3 U cerfolgen unb bie Jperrfdjaft bed Sansianidmud, bamit aber aud; bie ©trenge bed grammatifdjen llnterridjtd 3 U bredjen, war ber 3 Weiten §älfte bed 18. Sagrgunbertd corbegalten. 3ft *) ©ad ^augtfautgefeg ift igm ba« be« gortriiden« be« Sou« auf bie (egte @i(6e, ba« er au« bem gigigen ©emgerament ber Orientalen erhärt. €5. feine brevia atque solida bebraicae linguae fundamenta (juerft 1707, tr. feegdter 2tuf(age bureg Stnt. 3u(. Con ber .fjarbt 1739 gerau«gegeben) @. 39. — 3n bemfetben Süiglein ©. G6 ff. unb 109 ff. giebt er eine au«fiigr(i^e ©artegung feiner ÜJietgobe. 366 <§c6rätfdje ©ptadje. bie ©rammatif bloß SDiittel, fo genügt eS oottftönbig baS ® a jj ber ©praae 1 iS. ©ein Singreifen in bie Sntwidlung ber twöräifdjen ©pracfjftubien fann am beften aus bem Sudje „Veurtljeilung ber Ptittel, weldje man anwenbet, bie auSgeftorbene hebraifdje Sprache zu öerftehen" 1757 erfannt werben. 2BaS bie wiffenfdjaftlidje Dichtung biefeS PtanneS überhaupt charafterifirt, eine burch umfaffenbe ©elehrfamfeit unterftü( 3 te 9?ei= gung jur SluSbeljnung beS SßiffenS in bie Vreite neben grünbticher © auf ©djultenS’ ©eite, inbem er ebenfalls bie ©ialeftoergleidjung als bie reid)fte Quelle ber edjten Ijebräifdjen Philologie bezeichnet unb nur mehr baS ©tjrifdje als baS Slrabifdje in ben Vorbergrunb ftettt; aber oon ©djultenS’ fritifdjer ©djärfe ift bei ihm wenig ju üerfpüren. ©eine Slnfidjten über ben hebräifdjen ©pradjunterridjt finb im wefentlidjen folgenbe. Vor allem tabelt er, baß man baS fpebräifdje oor bem ©tjrifdjen unb Slrabifdjen lerne; man fottte oielmehr unb jWar fchon auf ben ©djulen mit ben legieren ©pradjen beginnen*) unb bann erft ju ben „Keinen Ueberbteibfeln" beS fpebraifdjen fortfdjreiten, für welches baS le( 3 te Vierteljahr oor bem Slbgang auf bie Unioerfität auSreidjen würbe (©. 358). ®em ftehe freilich entgegen, baß Wenige ©chulmänner etwas oon ben anbern orientali= *) Sfienfo foxberte ^5ejet, ©efcfiicbte ber bebräifcben ©pracbe 1776. 330 ff., baß man, ba bie fprißbe ©rammatif bie Oerworvene hebräifche berichtige, guevfl ©prifcp lerne. <£ebrdifdje ©pradje. 367 fd)en ©praßen berfteljen, Wad ihnen nid)t übel ju nehmen fei, ba bergeit nod) unent= behrlidjere ©ad;en uitb felbft bad Satein auf ben ©d)uten fremb geworben feien. „®d ift aber bod) uid)t verboten, unerhörte 2Bitnfd)e ju tljun, unb ihre 33e!anntmad)ung tann ju etwad bienen." 33id auf weitered, fo lange ed eben babei bleibt, baß man mit bem £>ebräifdjen ben Slnfang macht, giebt nun 2Jiid)aelid (©. 359 ff.) eine 9ieibe bon bibaltifcljen 9?at^fd)lägett, bic fid) im allgemeinen auf bad ißrincip ber @efd)Winbig= {eit gurüdführen laffen: „balbiged gefd)Winbed Sefen ber 33ibel," „je eljer je lieber33e= treibung einer ber übrigen morgenlänbifcfyen ©praßen," „nidjld ungereimtered, ald gu Anfang ein böttiged fialbed 3al)r ber ^ebraifd)en ©rammati! ju wibmen;" bielmehr, wenn bad Sefen gelehrt ift, bie ©tunben ju feilen, in ben einen ißarabigmen ju treiben, in ben anbern ein leidjted biblifcf)ed 33ud) ju eppliciren, aber „fo gefd)Winb ju gehen ald möglich." Saß bie Ijebräifdje ©rammati! non SDädjaelid (jvoeite Auflage 1768) Wenigftend in Darlegung bed empirifdjen ©pradjbeftanbd immerhin grünblidjer »erfährt, ald man nad) obigen Steuerungen bermutl)en fönnte, barf uid)t unbemerft bleiben; aber wol)t wid)tiger ift bie SBenbung, welche jejjt bie hebrätfdje Philologie nimmt, baß näm= lid) bie hebraifdje ©rammati! burd) bie grammatica philosophica ober universalis be= grünbet werben foH. Siefe philofopl)ifd)e Sprachlehre hat freilid) Weber mit ©peculation, nod) mit tiefer geljenber ©pradjanalpfe etwad ju fdjaffen; fie ift lebiglid) ein fßrobuct ber plattoerftänbigen 9!eflepioudphitofophie jener geit, ein würbiged ©eitenftiid bed tfyeologifdjen rationalismus vulgaris. 2lber je anfprud)dbotler fie bon je(3t an anftritt, um fo mefir ift ed ber SMlje Wertl), fie in einem ihrer fpauptbertreter !ennen ju lernen. SKi^aelid hat fic^ über biefert ißunct in bem Anhang $u feiner ©rammati! ©. 22 ff. ausführlich audgefprodjen. Sie Regeln einer ©rammati!, lehrt er hier, haben, fo lange fie nur burd) Stempel erwiefen werben, nid)t ben Ijödjften ©rab ber ©ewißheit, fonbern nur eine größere ober geringere fßrobabilität. Sie lateinifdje ©rammati! lehrt j. 33., apud regiere ben ülccufatio; aber Wer hat alle lateinifd)eit ©djriftfteHer burdjgetefen, hat gejault, Wie oft apud bortommt, unb hiebei bemerft, baß ed nie einen anbern ®a= fud regiert! Sarum bebarf ed gur Gsrlangung einer boHen ©ewißheit in grammatifdjen Singen nod) eined anbern SüBeged, nämlich ber Stufjeigung einer faßlidjen Urfad)e, Warum biejenigen, weldje eine gewiße ©pradje gerebet, biefe unb {eine anbere 33erän= berung in ihr borgenommen haben. 3lld Probe giebt nun Plichaelid bie phitofophifdje Pegrünbung bed ©a^ed: „Beth unb Pe werben leidet mit einanber berwedjfelt." ©ie lautet mitSBeglaffung ber überflüßigenPorbemerlnngen fo: „9Bad botüommen gleid) ift, !ann mit einanber berwed)fett werben; barum werben and) jWei einanber giemlid; gleidje ©d)äHe, bie ber 3ludfpred)enbe für botüommen gleidh hält, bon it)m mit einanber ber= Wedjfelt. Atqui Beth ift bem Pe in bielen ©tüden gleich; biefe beiben Pudjftaben entftehen, wenn id) bie Sippen gufammenbrüde unb aldbann bie im Ptunbe gefammelte Suft burd; bie Sippen auf einmal fyeraudbredjen taffe. Ergo werben Beth unb Pe leidet mit einanber berWechfelt." — ®d muß freilid) anertannt werben, baß nidjt aUed, wad feit Plidiaelid in ben hebräifdjen ©rammatifen unter ber girma ber ©prad)pl)i(ofopl)ie auftritt, bon biefem Äaliber ift. Sie Äant'fdje Philofophie äußerte ihren Sinflnß auch auf biefem ©ebiete, unb namentlich finb bie „philofophifdjen ©inleitungen", weld)e Pater in feiner hebräifdjen ©prad)Ieljre (1797) jebem Slbfdjnitte boranfchidt, nidit gang ohne SSerbienft. Saran aber fehlt biel, baß biefelben in organifdjen gufammenhang mit ben hebräifd)en ©prachregeln gefegt, baß burd) fte wirflid) bie ©prad)erfd)einungen erltärt Würben, ©ie finb, wie gw ^aafe in SSegug auf bie ähnlidjen Sludeinanberfehungen in ffteifigd 33orlefungen über lateinifche ©prad)Wiffenfchaftbemerlt hat, „gewißermaßen nur ein ooraufgeftellted ©^auftüd, bad weiterhin ohne allen erljeblidjen Sinfluß bleibt," Wobei ed benn ganj natürüih ift, baß überall Klagen über bie Un^ulänglid^teit bed£>e= bräifcben jum 3lndbrud ber boraudgefd)idten Äategorieen unb über bie SBielbeutigteit ber hebräifchen ©prad)formen wieberlehren. Sie @eringfd)ähung, mit ber man bon ber bermeintlid)en pl)Uofophif(hen £>Bhe h^ab bie jübifche Uebertieferung behanbelte, führte 368 -gebröifcbe ©pradje. freilich 3 U einer bebeutenben Bereinfadjung bed SDtateriald, befottberd in ber Sauttebre; aber ed mar bied bod) tttebr nur eine äußerliche Berfü^ung bedfetben, bie ofyne Sinfic^t in ben tieferen ©rttnb ber älteren gramntatifdjen ©afmngeu oorgenontmen mürbe, ©arunt fonnten fo munbertidje Sinfatte auftaudjen, mie ber oon SS ater (in ber attgef. ©ramm. ©. 26 unt> im t)ebräifd;en Sefebud), jmeite Auflage 1809), baß ber Sefeunter» rieht anfangs bie „unnötigen" Sefejeid)en ©dj’ma, SDtetfyeg, ©agefdj bet ©eite taffen unb einen bloß aud Gonfonanten unb Bocatpuncten beftebenben ©ept 31 t ©runbe legen fotte, bamit ber ©d;üter jette Beiden widjt für etmad hatte, rnooon bad SBefen ber 2 tudfprad;e ober ber Formation ab^änge, fonbern eben für 3 e 'd) en > bie bafein ober fehlen, fo ober anberd fein fönnen. — gtagt man enbtidj, metebe jyrudjt biefe räfon= ttirenbe Stiftung ber hebräifcheit ^Shitotogie getragen t>at, fo ift motjt einäuräunten, baß mancher, ben ber ©an^ianidmud oietteid;t für immer Born ©tubium ber bebräi» fdjen ©pradje abgefd;redt fyaben mürbe, burd; bie leidjtoerftänblic^e, überficfytlidje Be» baublnng berfetben itt ben Setjrbüefyern Bon 3. ©. SDtidjaelid, §ejet, Bater n. a. Sitft unb Siebe nicht nur jur Grlernung bed §ebraifc^en, fonbern aud; ber an» bent feutitifdjen Sprachen gemann; fd;eint bod) bad ©tubium ber letzteren barnatd ntel;r atd jefct oerbreitet gemefen ju fein. 2 fud; ntüjjen ed bie ©djiiler batb ju einer gemiffen ©elaufigfeit im §ebräifd;en gebracht haben, mie ed benn bei ©djulfeierlid;» feiten oorfatn, bajj bie ©d;üter mit fjebräifd)en unb d;atbäifd;en Sieben auftraten (ogi. 3 . B. bie 9?otij bei 33ierorbt a. a. D. ©. 212 ). ©afj aber jener ganjen 9fid;titng bie Ijebräifdje “ißhitotogte irgenb eine bebeutenbere, über einzelne gute Dbferoationett I;ittaudgel;enbe fjörberung Berbanfe, mirb man nicht fagen fönnen. SBie naebttjeitig Bottenbd jenes angebtid; im Sntereffe bed altteftamenttid;en ©tubiuutd geübte gefdjminbe Stbtfiun ber ©rammatif auf bie Gpegefe eingemirft hat, meiß jeber, ber bie oberftäd;» liehen epegetifdjen Arbeiten jener ©djute fennt unb fte mit ben älteren Gommentareu oerglidjen l;at. (3. ®. SDEidjaetiS hat ftd; jmar oiet mit ben Sfeaüeit ber Bibel, aber befto meuiger mit ihren Sfeatitäten 31 t fchaffeit gemadjt.) ®tüoftid;ermeife fonnte fid; ba unb bort eine grünbtidjere Betreibung bed §ebräifd;en an ©epröberd institutio- nes ad fundamenta linguae hebraeae (juerft 1766 erfdjienen, fpäter mieberbott nadjge» brueft) anfnüpfen. ©iefed 33uch ift bie befte bebräifd;e ©djutgrammatif, bie im oorigen 3 aljrl;unbert erfdjienen ift. 2 tud ber ©d;ute oon ©(pultend fyeroorgegangen unb ju= nadjft an beffen größered grammatifdjed BJerf ftd; anfdjliefjenb hielt fid; ©djröber boch Bon manchen Ginfeitigf eiten jener ©chute frei, unb befoitbereS Berbienpt ermarb er fiel; unt bie Bearbeitung ber ©tjntape, bie in ber ©d;ultend’fd;en ©rammatif ganj fehlte. Sieben ©grober bürfen aud; ©torrd observationes ad analogiam et syntaxin he- braicam pertinentes immerbin infofern mit Gl;ren genannt merben, ald biefelben bie gorberung einer geiftigen ®urd)bringung bed ©prad;materiatd jum Bemugtfein ju bringen mobl geeignet marett, fo ocrfeblt hier aud; ein reidjed SJiafj oon ©djarffinn Bermenbet erfd;eint, mie beim 3 . B. ber SJtidbraud;, bie ©prad;erfd;einungen burch bie giguren ber fOtetonpniie, bed ißleouadmud, ber Gtlipfe u. f. m. 3 U erflären, faft ind SBunberbare gebt. ©ie neue Slera ber bebräifdjen i)3btt c t 0 3i e wirb anerfanntermafjen burdj SB. ©e= fenittd eröffnet, ©er oben gefd)itberten räfonnirenben Siiditung trat er — mad ^>u) 3 = felb (§ermed, Bb. XXXI. ©. 1 f.) mit Stedjt ald fein ^auptoerbienft beroorgebeben bat — babnrd; entgegen, bajj er bie oöHtger Unfidjerbeit anbeimgefaUene gorfd;ung auf ben SBcg ber ©rabition surüefmied nnb fo bie ©rammatif mieber auf gefieberten btftorifdjen ©runb fteflte. ©aneben aber bemühte er fid; and; ber ©iafeftOergfeidjung ihre ange» meffeite Sfttmenbuitg 3 U fiebern, mie benn bie Slttfeitigfeit unb bad gbenmag in ber Be= niibung alter Srfenntnidquetlen für ©efeniud ebarafteriftifd; ift. Unb mentt man ibn gegenmärtig ßmatb gegenüber atd einfeitigen Smfnrifer 3 U betrachten bfksi» fo ift 3 U bemerfen, ba^ er (ogt. namentlich bie Borrebe 3 U feinem Sebrgebaube ber bebr. ©pracbe) menigfteud bie Aufgabe ber rationalen ßrflärnng ber ©pradjerfdjeinungett mobt erfannt •§e&rätf$e @ptadje. 369 hat. 3n ber Söfung biefer 2lufgabe ift er fretUc^ ftarf gurücfgeblieben. SBähvenb bie Klarheit fetneS SöticfeS ebenfo in ber Vefeitigung öieler unnatürlicher ^jppothefen tote in ber Slnorbnung unb ©eftaltung beS fpvadjlidjen DJiaterialS ftd; !unb giebt, toar bei ihm ber Sinn für bie organifcfie @efe( 5 mäßigfeit ber ©pradje nicht in gleicher VSeife ent= toirfelt. ©arum bietet feine ©rammatif mehr eine burd;fidjtige 3 u i am mcnfteßung als eine wirtliche ©lieberung beS Stoffes; bnrum bleibt er, auch 050 el ' auf Segrünbung unb rationelle Srflarung ber fpradßidjen Srfd;einungen eingugefien oerfid)ert, meiftenS an ber Dberflädfe hängen, fo baff in SBab)rbjeit nirfjtS erflärt toirb. (9)1 an oergleiche, um nur ein Veifpiel angufül;ren, bie in ©efeniuS’ Sefjrgebäube gegebene (Erörterung ber he**- Tempora mit betft, Wa 8 ans biefem S?el;rftücf je^t in ber Ijefer. ©rammatif getoorben ift). ©er Stulpn, in ber Dichtung, in welcher ©efeniuS nicht genügt, bie Sahn gebroden gu haben, unb fo „ber Sfeubegrünber einer äBiffenfdjoft ber ljebr. ©prache" getoorben gu fein, gebührt unbebingt 610 alb. ©aß, Weit bie ©prad;e ein DrganiSmuS ift, il;re geraten nicht oon außen h^r bem ©toffe aufgebrüdt worben finb, fonbern oon innen ^eraud oermöge beS ihr inmofjmenben VilbungStriebS fidj ergeugt haben, baß barutn äße ©prad;erfd;einungen burd) 3urürfgehen auf bie S 8 itbungS= unb GsntwicflungS* gefe^e ertlärt werben miißen, baß ntrgenbS in ber ©pradje etwas als außerhalb ber §errfd;aft beS ®efe§e 8 ftehenb, nirgenbS etwas rein gufäfiigeS ober nur aggregatmäßtg hingugefommeueS anerlamtt werben barf, tiefe Sluffaffnng ift eö, Weld)e 6 walb burch fcaä gange ©ebiet ber febr. ©rammatil mit bt§ je( 3 t unübertroffener SaTiefe unb ßenfequeng burdjgeführt hat.*) 91id)t Wirb hier ein oorher fertiges Schema oon Äategorieen auf bie ©prache übergetragen; oielntehr auf bem SBege forgfältiger Slnaltjfe bringt ßwatb in bie SBerfftätte beS fd^affenben unb webenben ©prachgeifteS, um oon hier aus unter Serüdfidjtigung aßer beftitnmenb einwirfenbett 9J2omente baS 2Bad;Sthum unb bie Gcnt= faltung ber ©prad;e mit fdjarf beobachtenbem Vlide gu oerfolgen. Unb biefe Vertiefung in ben SebenSgrunb ber ©prache, biefe 3 uoücfführung ber fc^einbar bisparateften @r= fdjeinungen auf baS in ihnen waltenbe ©efefj h“t ber 9?atur ber ©acbe nad; wefentlidf gur Vereinfachung ber hebr. ©rammati! beigetragen. SBenn wir in ben üerftoffenen Sahrhunberten faft immer gwei entgegengefefste DJidftungen ber hebr. ©prad;wiffenfd)aft beobachten föunen, beren eine im Sntereffe ber ©rünblidcfeit mit einer SIngahl trabitio= neßer ©a^ungen ober erfomtener Siegeln, begiefiungSweife baneben noch mit einer SOiaffe oon ©ingelfäöen, bie feiner Siegel fid) beugen woßen, fid> belaftet, währettb bie anbere in ihrem Vereinfaeife ber hebr. ©pradßunbe boit auberu, namentlich Oon föupfefb, ge= nauer uuterfucht unb richtiger beftimmt Worben ftnb, foff bamit natürlich nicht geleugnet werben. ‘Pabaj. III. 24 370 ■fccbrätfdjc ®pradje. fonberer Set)r= unb fpittfäbüdjer, tocldje ben ©ebraud) bev ©toatb’fdjeu ©rammatif für bie ©d)ute ntögltd) madjen foßen, inbern fie biefetbe poputarifiren. SBentt ©legger an bern ©effer’= fcfjen (Slementarbud) (2te Stuft. 1854) gefabelt tjat, baß eS fid) an bie ©teile ber ©rammatif fefce, fo gilt bod) in ber ©hat aud) oon feinem eigenen UebungSbudje (1856), baß eS ein gutes ©tiid ©rammatif in fid> aufgenommen tjat; nid)t minber fiat ©d)toarg fid) Oerantaßt gefefjen, feinem auf bie Stoatb’fdje ©rammatif gebauten Sefebud) (1847) einen giemlid) umfangreidien grammatifd)en Stußang beijugeben. ®ie fd)toerfäflige fforrn ber @toatb’fd)en ©rammatif — bie feineStoegS notßtoenbige golge ber ©iefe ift, fo toenig als Unftarßeit ber Stnorbnung SBirfung ber organifd)en ©iieberung — fiat oßne 3'oeifet bagu beigetragen, ber ©efeniuS’fcßen ©rammatif (1854 in 17. Stuft. erfd;ienen) bie £>errfd)aft in mancfien Seßranftatten bis auf bie nenefte 3eit gu fid)ern, jumat ba fie burd) 91 obiger feit ber 14. Stuftage toefenttid) berichtigt unb bereichert toerben ift; »enn aud) biefer treffliche Drientatift, ba er an bie urfprünglicße Stutage beS SudjeS gebunben toar, nicht alte ©länget beS SudjS (unter benen bie fehlerhafte Slntage ber ©ßntape obenanfteht) gu befeitigen oermod)te. Unter ben übrigen neueren ßebräifdjen Sprachlehren, bie mir befannt getoorben finb, gtaube id) oorgugSweife bie oon (Sb. ßtägetsbad) (1856) unb bie oon fpeinr. ©ßierfd) (1858 in 2. umgearbeiteter Stuft, erfchienen) empfehlen gu müßen. ©ie erftere teilt bie „SBiffenfcßafttidjfeit ber Gttoatb’fdjen ©rammatif mit ber praftifdjen gornt ber ©efenins’fchen bereinigen," teaS ihr im allgemeinen nicht übet gelungen ift; gugteieß ift baS Sud) fo ooßftänbig, baß es auch nod) für ben afabemifdjen Unterricht auSreid)en fann, nämlich bei fotd)en, bie fid) nicht tiefer in baS het>väifd)e ©prad)ftubium eintaffen teotten. ©ie ©rammatif öon ©ßierfdj ift in bünbiger unb präcifer Raffung ber Regeln, in ©urdjfldjtigfeit ber Snttoicftung, fo teie in lehrreicher Serglcidjung beS tateinifeßen unb gried)ifchen ©prad)gebrauch8 teot)t unübertroffen; auch Oou benülabbinen hat berSerfaffer manches ßerübergenomnten, teaS beteahrt gu teerben oerbient. ©er Seifaß auf bem ©itet „für Stnfanger" barfbei ber in ber gteeiten Stuftage oortiegenben ooltftänbigeren StuSarbeitung beS SudjS in teeiter StuSbehnung genommen teerben. gür bie «Stufe beS ©pmnafiumS toirb baS Sud) in feiner feigen ©eftalt in ber Sieget ausreichen. ®a aber bie meiften auf ber Unioerfität nicht mehr gum ©tubium einer anbern ©rammatif gu gelangen pflegen, fo teäre bem Sud), teenn eS teieber eine neue Stuftage erlebt, eine nod) teeiter geßenbe, aud) baS afabemifdje Sebürfnis berücffidjtigenbe Seröoßftänbigung gu wünfehen. ©d)on ©iytinuS Stmanta räth mit 9led)t: qui linguam hebraeam compendio yult addis- cere, assuescat uni Grammaticae eique methodicae et plenae. ©er ©tufe, auf toeld)er gegenteärtig bie hebräifd)e ©prad)teiffenfd)aft fich befinbet, hat nun aud) bie ©letßobe beS ßebr. Unterrichts gu entfpredjen. SBettn überhaupt lein Sehrfad) als btoßeS ©littet für einen außer it)m tiegenben 3ioecf behanbelt teerben foH, fo ift eS aud) gang nngntäßig, in ber ©ianier eines 3. ®. ©iichaetis unb anberer ben ßebr. ©prad)unterrid)t als bloßes ©littet gum ©tubium beS Sttten ®e= ftamentS mögtid)ft gefdnoinb abguthun, gang abgefel)en baüon, baß, teie bereits angebeutet teorben ift, bie Ungrünblidjfeit in ber ©pracßfenntniS eine entfprechenbe Ungrünbtid)feit in ber Seßanbtung beS Sttten ©eftamentS unausbleiblich nach ß für fßtyitol mtb 5ßäbag. XV, 1. ©. 55 ff.) gefdjefyen ift. 2Birb bod) bad Unterrid)td= »erfahren im einzelnen burd) 3^ unb Sefd)affent)eit ber ©dpter unb anbrc Serl)ält= niffe mannigfad) mobificirt, mogu ncd) fomrnt, baß für ben £et)rer felbft ein gemißer 2Bed)fet bcr Set)anblung Iet)rreid) unb erfrifdjenb fein fann. Ed mirb »ietmet)r genügen, bie allgemeineren maßgebenben @efid)tdpuncte fycrnorgufyeben, inbem mir guerft bie grammatifalifdfe ©eite beS Unterrid)td, fobann bie pflege ber teptfalifdjen Äenntnid ber ©pradje ind 2luge faffen, morauf brütend nod) einige bie Sel)anblung ber Seetüre unb ber Sompofition betreffenbe Semerfungen folgen mögen. 3n bem grammatifatifd;en Unterrid)t mirb ein doppelter Eurfud gu unter= fdfeiben fein. SDererfte, ber Etementarcurfud, fptfid), bamit ein rafcfjered gortfdjreiten mögtid) ift, auf bad 2Sefentticf)fte p befcfpänfen, aber fo, baff bie ©rtmbregeln ber ©pradje mit aller ©djärfe behandelt unb eingeprägt merben. 3)ie Erörterung ber £aut= gefefje fann fogteid) mit ben erften S?efe= nnb ©dpeibübungen in paffende Sßerbinbung gebradjt merben, pntal menn man fid) ben unnötigen Untmeg erfpart, bad Sefen unb ©djreiben guerft an SBörterbergeidpiffen etnguüben. SIngemeffener ift ed näntlid), nad)= bem Sudiftaben, Socatpuncte unb Sefejetdjen gegeigt finb, unoergüglid) p ben tßarabigmen überguget)en; (cgi. mad über ben Sortt)eit biefed ©erfahrend in ber früher angeführten 2lbf)anbtung »on Suptorf ©. 521 bemerft mirb). ®ann »erbinbet ftd) g. S. bie Darlegung ber Eigenfd)aften ber ©utturaten mit bem ©urdjgefyen ber ©utturatoerben u. f. m. 3n Setreff ber Ißarabigmen mirb befannttid) barüber gestritten, ob (fo g. S. ©efeniud in ber Sorrebe gur brüten Stuft, feiner ©ramm.) mit bem Eßerfonatpronomen, »eil biefed ber Serbatflepion gu ©runbe liegt, begonnen, bann bad Serbum behandelt unb erft gulefjt gum Dtomen übergegangen merben fette, ober ob (mie g. S. Söttdjer a. a. £>. ©. 60 f. »erlangt) nad) Slnatogie bed gried)ifd)en unb lateinifd)en Unterrid)td bie gange üftominalflepion bem tßronomen unb Serbum »oraudgufd)iden fei. fpür bad lefctere mad)t Söttd)er geltenb, baß bei biefem Sehrgang leid)ter progrefftöe Uebungd= fäfce aufgutreiben feien, baß bie ißerfonalftepion bed Serbumd unb bie @enud= unb 9tumerud= formen bed fßronomend olpe »orauderftärte Stominalflepion gar nid)t »erftänbtidj feien, mie fic aud) fpradjgefd)icf)tlidj ba»on abhangen, enbtid) baß überhaupt bie leichtere unb einfachere DJominalfteyion beffer auf bie Serbalflepion »orbereite, ald umgefefyrt. Sen biefen 2lr= gumenten märe febenfattd bad gmeite mefentlid) gu mobificiren. 3 u P8 e ^ e u aber ift, baß man bem ©djüter, um ihm Uebungdfäfse »ortegeu gu fönnen, geitig einiges über bie $lural= unb ©enudbitbung bed dornend mirb fagen müßen. dagegen hätten mirftarfe Sebenfen gegen ben »on Söttdjer »orgegeichneten Eßlan, mornad) guerft in 15 ©titnben (ber 18. — 32. bed erften Eurfud) bie tJiominatftepion nad) ihrem gangen Umfang tractirt, bann in ber 33. — 44. ©tunbe bad Pronomen abgehanbett mürbe, fo baß man enbtid) in ber 45. Section an ber glepion bed ftarfen Serbumd antangt. 3)er gmecf= mäßigfte ©ang fcf)eint und ber g. 23. »on Sttiegger in feinem Uebungdbudje eingefdßla= gene gu fein, mornad) an bie 23etjanblung bed Serbumd ftarfen ©tanuud gunäd)ft bie bed fftomend ftarfen ©tantmd fid) anfdjtießt it. f. m. ©o mirb ed möglid), ber Sel)anc= tung ber fftominalftepion auch bad SEBefenttic^e über bie Sitbung ber fftominatflämme »orangufd)icfen, mefdjer lelgtereu Sel)re, menn nid)t bad Serbum fdjon befjanbelt ift, bie gehörige ©runbtage fehtt. ®a eine nähere ^Darlegung ber Sel)anblung ber tßarabigmen nothmenbig gu grammatifdjen Erörterungen führen mürbe, meld)e nicht biefed Drted finb fo möge nur nod) auf gmei ißuncte h* n S eti> ^ e T etl Serben. 9Jtit ber Ertäuterung ber 23erbaIfIepion ift fogteid) auch eine präcife ®artegung ber 23ebeutung ber Serbalformeit gu »erbinben. Sfamenttid) »erfchaffe man bem ©djüler eine ftare @inftd)t in bie bem hebraifchen Serbum eigenthümtid^e 23erfnüpfung ber Semporat= unb SWobatbegiehung, eine Eigenthümtichfeit, beren 23erftänbnid aud) für bie ©pradjoergleichung fel;r inßruc= ti» ift (»gt. Säumtein in ber 3eüfdjr- f. bad ©hmn.mefen, II. 3ahrg. ©. 734 unb bedfetben Unterfudjungen über bie griedjifdjen Modi 1846 ©, 19 ff. unb 35 ff.). Söiit 372 §e6re ©ptadie. 9fed)t bemerft 23ö 11 d) er (©. 63), eg fomrne oiel barauf an, bie tintige ©runblage ber £empugtl)eorie gleidj oorn herein ju befeftigen unb bie 3urüdfül)rung beg hebräifd)en perfect« unb 3mperfectg auf ben Unterfdjieb Oon Vergangenheit unb tjufunft fern ju halten. £>ängt bod) Oon ber richtigen Gtinfidß in biefen Punct, bie erft oon ber neueren hebr. Philologie gewonnen worben ift, aud) bag Verftänbnig beg wieber bem §ebräifd)en ganj eigcntljümtidjeu Yay consecutivum unb weiter bag Verftänbnig ber l)e& l 'äifd)en ©afsfügung ab. — SDJinber widjtig, aber bod) nicht fo gleidjgültig, wie mand)e meinen, ift ein jweiter Punct, baß man närnlid) nod) immer bie Verba in regelmäßige unb unregelmäßige claffificirt, unb ju ben le^tern bie gutturalen, bie Iffimüirungg» unb Verbcpplungg», enblid) bie fogenannten quiegcirenben Verba rechnet. Iber Wem, fragt 33öttd)er (©. 54 f.) mit 3fed)t, faßt eg bcnn ein, im ©riecfoifdien bie Verba pura, contracta, liquida unregelmäßig ju nennen? Unb weldfe Sonfequenj ift eg, ba= gegen bie entfprechenben Nomina gutturalia, contracta u. f. W. alg regelmäßige ju bel)anbeln? ©old)e irrtümliche Sejeidjnungen finb trofc ber beigefügten Verwahrungen ganj geeignet, bem ©d)üler ben redeten ©efidjtgpunct ju oerrüden. — ßßenn bie Pa» rabigmen gehörig abfoloirt finb, fo faun bie (Einführung in ben übrigen Snfjalt ber ©rauimatif aßmählidj iw 3ufammenhang mit ber Gyfoofttion unb Sompofition erfolgen, dagegen foßte man barauf Vebadß nehmeh, ben hebräifd)en @t)mnafialunterrid)t mit einem jweiten jufammenhängenben, bag higher SDiitgetheilte tl;eiig gufammenfaffenben, theilg ergänjenben grammatifdjen Surfug abjufdßießen. 3n biefem wäre nicht nur bag ganje grammatifdje ©pftern nad) feinem innern 3ufammenl)ang überfid)tlid) oorgufül)ren, fonbern ber ©djüler tonnte nun auch mit ei^elnen ©h e *i en her Ifebräifdjen ©pradj» wiffenfdjaft, oon benen er big baljin mehr nur gelegentliche Stetigen erholten hatte, näher betanut gentad)t werben. £>iel)er ift aud) foldjeg ju rechnen, Wag 23ö11er (©. 57) gewiß minber paffeitb fdpon bem erften Surfug juweigt, wie bag Ißgemeinere über bie hebräifdje ©pradje unb Literatur, bie nähere (Erörterung beg hebräifdjen 11» phuöetg unb feineg Verßältniffeg juin lateinifdjen unb griedjifc^en u. f. w. Vornehmlich ift hier nun ber £)rt ju einer eingehenberen ©pradjoergleidjung, bie oiel lehrreicher fein Wirb, alg jene Ibgtractionen, bie man öfters unter ber Firma ber aßgemeinen ©raut» matif äufammeugefaßt hat- (Dringenb ift ein fhftematifdjeg 3)urd)gel)en ber ©pntape ju empfehlen (ogt. Vöttd;cr ©. 66). ©o fern bag fpebräifdje oon bem f)teid)thunt ber lateinifdjen unb griedjifdjen ©pntape ift, fo ift eg bod) eine fdjäblidje (Einbilbitng, alg fei mit bem (Eiutrid)tern per Formenlehre bie ßauptfadje gefd)ei)en. 233eldje Verftöße in ber CEpegefe hat nidjt bie Untenntnig ber hebräifdjen ©agfügung oerfdjulbet! 2)em grammatifalifdjen Unterricht h a t bie (Einführung beg ©diitlerg in bag lepi» falifd)e ©ebiet ber ©prad)e jur ©eite ju gehen. SBenig förberlich für biefen 3roed ift bag beliebte 9Jfemoriren Oon Vocabelfammlungen, bie nteifteng entweber nad) gar feinem Ißrincip ober nur nad) äußerlid) ftofflicher Drbnung jufammengefteßt finb, wobei eg fid) leicht trifft, baß man ben ©d)üler SBörter augwenbig lernen läßt, bie ihm fpäter bei ber Seetüre beg Ilten Seftamentg feiten ober gar nicht oorfotnmen werben. Schon Fr an de hat in Vejug auf foldje 9)?emorirübungen bemerft: vocabula sola nemo facile sine summo taedio debitoque fructu addiscet; wenigfteng gilt bieg Oon bem oorgerüdteren llter, in bem bag |jebräifd)e gelernt wirb. (Die lepifalifdje Äenntnig ber ©prad;e hat fid) oielmel)r oorjuggweife an bie Seetüre ju fnüpfen unb im 3ufammenhang mit biefer immer mehr ju oertiefen unb ju erweitern. Für’g erfte möge man barauf fehert, baß ber ©dfüler bie in ber Seetüre oorgefommenen Vocabeln fid) fo einpräge, baß ipm ber 3ufammenhang, in welchem fie ipm oorgefommen finb, fo oiel möglich gegenwärtig bleibe, jumal wenn eine ©teße für bie Vebeutung eineg VJorteg befonberg inftructio iß. 3 U biefem S3el)uf gewöhne fid) ber ©d)üler, bei ber Vorbereitung nicht tote nämlichen 303 Örter immer wieber medjanifd) im Sepifon nad) 3 ufd)lagen unb bag oiel» Ieid)t fd)on lOmal aufgefdjriebene 2Bort jum 11. mal ju notiren; fonbern fo oft ipm »>orfd)Webt, baß ein lugbrud ipm f^on früher oorgefommen ift, fudje er ihn in ber ■£>ebräifdje ©praipe. 373 früheren ©teile wieber auf unb fepe ju, inteiemeit bie bcrt gelernte 93ebeutung begfelben auf bie öorliegenbe ©teile pafft. 9?ocf> widptiger aber ift jweiteng, baß ter ©cpiiter bie Wörter in iprem eipmologifcpen 3ufamntenpang erlenne, unb fo atlmäplicp bie Kenntnis aller bebeutenberen Wortfamilien erlange. Daß bemjenigen, ber 3 — 4 3apre |jebräifcp gelernt pat, alle in läufigerem ©ebraucp ftepenben ©tämrne mit ipren widjtigften De» riöaten geläufig feien, ift feine ju pod) gefpannte gorberung. Wenn ipr feiten genügt wirb, fo tragt baju gewiß nid)t wenig ber Umftanb bei, baß in ben ,'panben ber ©djüler jept meiftenS Sepifa fid) befinben, Weltpe nidft nacp bem etpmologifcpen fßrincip, fonbem rein alppabetifd) georbnet finb. Diefe fünorbnung fod „ber praftifd>en 93raud)barfeit" bienen, beförbert aber nur bie trage 93equemlid)feit. Sg pilft nid)t öiel, wenn ben De» riöaten ber ©tamm in klammern beigefept, bei ben ©tammen felbft aber anpanggweife bie Deriöata angegeben tnerben; bag wirb oon ben ©cpülern leidjt überfepen. Wenn fie aber bei jebem Deriöatum genötpigt finb, fiep auf ben ©tamm ju befinnen, unter bem fie eg p fudjen paben, wenn ipnen bag s Jfacpfd)Iagen jebeö Wortg immer töieber bie Slnfdpamtng ber ganzen Wortfamilie öorfftprt, erwerben fie affmäplid; ein grünb» lidjereg unb jufammenpängenbereg lepifalifdpeg Wiffen, fo baß bie anfängliche SJtiipe fid) reicplitp belopnt. Sg ift begpalb ju bebauern, baß neben ben öerbienftlidpen lepi» falifdjen Arbeiten, Welcpe bie neuefte 3 e ft gebracht pat, bag in feiner 2lrt treffliepe Wi= ner’fcpe lexicon manuale hebr. et chald. ordine etymologico descriptum (1828) noep feine neue ^Bearbeitung gefunben pat. lieber bie 93epanblung ber ©ad)e möge nod) töeiter golgenbeg bemerft tnerben. Sftatürlid) ift bafür ©orge ju tragen, baß fid) ber ©ipüter üor allem bie 93erbalftäntme mit iprer ©runbbebeutung unb ben barauS abgc= leiteten ufueöen £>auptbebeutungen forgfältig einprägt, ©tpon 3op. ©erparb (meth. stud. theol. ed. 1654 ©. 53) rätp jur Slnlegung eineg alppabetifd) georbneten SSerjeitp» niffeg oder 93er6alftämme mit Beifügung ber £>auptbebeutungen; biefeg 93er$eid)nig, bag nur tuenige 93lätter füllen tnerbe, foHe non bem ©d)üler täglidp burdjgemuftert werben. Dagegen pat ©. ©tier (im pebr. SSocabuIarium 1857) bie ©tämrne nad) grammati» feper Drbnung öerjeiepnet. Sin berartigeg claffificirteg SSerjeicpnig ber im Unternept erläuterten 93erbalffämme möge fiep ber ©dpüler felbft anlegen, unb in biefeS aUmapIicp alle ipm oorfommenben Deriöate eintragen, bie lepteren wieber in grammatifeper £)rb= nung, nämlicp mit Unterfcpeibung ber 93ilbunggformen (einfache formen, 93erbopplungg= formen, gönnen mit äußerer unb pier wieber tpeilg afformatioer, tpeilg praformatiöer93er= meprung). fög bebarf feiner fepr auggebepnten Seetüre, um bie SJleprjapl ber pebräifcpcn ©tämrne unb iprer gamilien fennen ju lernen. Slud) auf bie grage naep bem fperöor» gang ber Driliteralftämme aug ben einfilbigen Wurzeln barf, fo Weit eg opne gewagte £>ppotpefen gefdjepen fann, Wopl eingegangen Werben. Sfiogen bie ©pradpforfdjer noep immer ftreiten über bie ißrincipien, Weldje bei biefem ©pradfproceß gewaltet paben (SRe= buplication, ülnbilbung öon ißartifeln üorn unb pinten, Spentpefe, Depnmtg unb 33er= partung ber Saute u. f. w.) *), jjebenfatfg laßt fid) boep bei einer niept unbeträd)tlid)en ßapl öon ©tämmen bie Wuräelöerwanbtfd)aft mit genügenber ©ieperpeit beftimmen. 3ufammenfteHungen, Wie j. 93. Renan (histoire generale et Systeme compare des langues semitiques, part. I. ed. II. ©. 94) eine gegeben pat, finb in meprfadjer 93e= jiepung auep für ben ©dpüler leprreicp. Dagegen ift auf bie etpmologifdje SSergleidpung ber inbogerntanifdpen ©praepett nur mit großer 93orficpt einjugepen, ba pier in ber Dpat noep niept öiete gefiiperte Srgebniffe öorliegen. Dem Seprer beg §ebraifcpen feilten aKerbingg bie in biefer 9?idjtung angefteUten Unterfmpnngen (über bie man fiep au§ Delipfd)’ Jesurun 1838 unb Renan a. a. £>. ©. 434 ff. orientiren fann), nidft fremb bleiben; amp Wenn er nur ben ©ewinn baöoit pätte, baß er nidpt, burd) äußer» Iid)e Sautäpnlicpfeit öerleitet, feinen ©d)ülern Wortöergleicpungen jum beften giebt, bie *) Sag SRüptige bürfte fein, baß biefe ifirincipien alte Wirffam gewefen finb; ögl. ©tein» tpat in ber Beitfdprift ber beutfepen morgent. OefcHfipaft 93b. XI. 3. @. 407. 374 <§c5räifd)c ©pradje. »on ber comparatioen ©prachfcrfdjung längft gerietet finb. *) äBidjtiger aber ift e$, bie @ntwicf(uug ber uerfdjiebetien 23ebeutungcn ber fyebr. SBortftamme felbft genau ju »erfolgen, ba I)ier fid) bie intereffanteften 23Iide in bie SBerfftätte beS fiebräifd;en = geifteS erfdjliejjen. Sieben ben neueren SepiciS, unter benen übrigens öefonberS baS gürft’fdje mit augemeffeuer fritif ju henüfcen ift, bietet aud) ber alte ® uff et in biefer Diidjtuug nod) ntandfeS fcraudj&are; aufjerbent finb als |>ülf 8 mittel nodj SietridjS 9lb= hanblungen über femitifdje SBortforfdjung 1844, unb unter ben neueren Kommentaren namentlid) ber eine 9ieil;e feiner lepilalifdjer SBemerfungen entljaltenbe ißfalmencommen* tar nen .jpupfclb gu empfehlen. — (Sublid) neunte man bei ber Seetüre aud) auf bie ©hnonpmil gebüljrenbe Sfiildfidjt. 2)aS §auptgebiet ber l;ebr. ©hnoupmif ift natttrlidj baSjenige, auf Weldjent biefe Sprache als Sprache ber Dffcnharung ben grüßten 9feid)= ttium entfaltet, ber ©d)a (5 ber SlttSbriide, in benen ba§ Sllte SEeftament feine religiöfen unb etf)ifd)en begriffe ausgeprägt l>at. SS lohnt fid), biefeni Üteidjthum nadjjugefien, bie mannigfaltigen Siüaitcen eines SßegriffS in feinen »erfd)iebenen S3ejeid)nungen 31 t »erfolgen, unb jugleid;, worauf fd)on früher Ijingetoiefen worben ift, bie entfpredjenben ffiejeidjnungen in ben claffifcfyen ©praßen gu »ergleidfen. 35iefeS tbjeologifdje Element im Ijebr. ©prad)unterrid)t, baS bei bem ©datier ben ®runb baju legen möge, baff er bereinft als ©fyeologe es mit ber SSeftimmuug biblifdjer begriffe ernft nehme, ift mehr wertl), als wenn man ben ©djüler fd)ou 3 U »iel »on Unterfudjungen ber hofieren ® r ttil nafdien läfjt. Sind; bem ^Bisherigen ift nun über bte Sehanblitng ber hefcräifdjen Seetüre nur itcd) weniges 3 U bemerfen. 3 m 'ft fragt ftd), tmb inwieweit ber (Sypofition ein Sefelutd) 31 t ©runbe 31 t legen fei unb auf weither ©tufe bie he&räifdje SSibet einsutreten habe. SBahrenb bie einen ein hekräifdjeS Sefehud) für ganj enthefirlid) galten ober bod) ben ©ebraud) beSfelben auf eine möglidfft furje 3 eit befd^ränfen Wollen, meinen anbere bie Kppofition wenigftenS wahreub beS erften 3ahrS an ein Sefehud) binben 3 U mäßen; ja eS giebt Sefebüdjer, bie auf einen jweijährigen, bejiebjuugSWeife auf ben galten @t)mnafialcurfu 8 beredinet finb. $ie elftere biefer Slnfidfiten hat befonberS 33ol)nenberger in bem 23Iaitbeurer ©emiitarprogramnt »on 1853 ©. 5 unb 10 f. »erfodften. ®ie Siebenten, Weldje §opf (über ben Unterridjt in ber l)ebr. ©pradje, in ber Srlanger 3 e ttfdir. f- f5roteft. u. Sirdje 1849 ©. 91)**) gegen bie fBenüjjung ber hebr. 23ibel für ben StnfaugSunterridjt geltenb madjt, namlidj baS ©törenbe ber Slccente unb bie Unmöglidjleit ftrengen gortfdjrittS »om Seiditeren 3 um ©djwereren, hält 83oljnen= berger nidit für fo bebeutenb, baß fie fid) nid)t »on einem erfahrenen Seiner befeitigen liefen. Unb in ber ©h at h at er ntd>t übel gezeigt, wie an ber fpanb größerer biblifdjer Sefeftiide — unter benen er einige leidjtere )]3fatmen ( 1 . 146 ■—150) an bie ©piße fteKt unb bann erft luftorifdfe Slbfchnitte folgen laßt — ber gait 3 e grammatifdje SurfuS augemeffen abfol»irt werben fönne. ®aß in ben gelefenen ©tüden nid)t fogleid) alles erllärt werben fann, fd)abet, wie er mit Sfedjt bemerft, gar nichts. ^Dagegen gereid)t *) ißergeidnüffe, Wie 3 . 33. $ütede in feiner hebr. ©ramm. 1822 S. 15 — 19 eines ge* geben hat, finb faft gatt 3 unbrauchbar unb erheben fid) nicht über bas, was ber atte Schidarb de liarmonia originum abgehanbett hat- — Snfoweit man auf foldje SBergteichungeu ftd) ein* tagt, ift Wolf 31 t unterfd)eibeu gwifchett bem, Was in ben fenütifdjen unb japbetifeben Sprachen aus bem gemeittfamen SBurgetfdiap ftd; erjeugt hat, unb bem, was burd) fpatere Snttehnung » 01 t einer Sprache in bte attbere gelommen ift. Sefanittlicb ftitbet ftch in ber uad;homcrifc 6 en ©racität eilte beträ^tliche 3abt femitifd;er SBJörter, Wie äpya/JcoV, ßäaavog (» 01 t bem 33a* fattlanbe JvC'lD), xaSos, fivä, mehrere Stanten » 01 t Sbelfteinen, SRattd)Werf, ©ewiirjen u. f. w. *r *r fttusbrüde, bie ohne 3'»eifet ittfofge beS -gaubelsoertehrs mit ben ißhöniciern fich bei ben ©riechen eingebürgert haben. Stuf Serartiges ift um fo mehr anfmerffam 31 t machen, je intereffantere golgeruttgeu fiefi baratt fnüpfett. 93gt. hierüber Dtfrieb Sbtiitler in ben ©Bttiuger gel. Sing. 1839 S. 929 ff. **) Sgt. auch 23ubbeberg itt bem ifSrogr. beS ©tmin. 31 t (äffen 1850 S. 4 f. <£>cbrmfdje ©pradjc. 375 «S bem Anfänger gur Ermunterung, wenn er halb etwas gufammcnhängcnbeS ju lefett unb gu öerfteljen befommt; unb jebenfatlS oerbient bas neu Sotjnenberger oorgegeicf)nete Verfahren entfd)ieben beu SSorgug Oor ber Quälerei, Welche bem Schüler angetl)an wirb, wenn er 3 . S. in bem äftaurer’fdfen praftifdjen EurfuS (beffen SBorgüge int übrigen nid)t angefodjten werben foHen) fid) 87 ©eiten fang burd) lauter abgeriffene Ijebräifdje ©äfse burd)guarbeiten hat. 3Ingemeffener ift eS, baS bie grammatifdjen Regeln ©d)ritt für ©d)ritt mit entfpredjenben 33eifpielen begleitenbe Verfahren ber Eompofüion gugu= weifen. Stuf ber anbern ©eite barf aber bod) gefragt werben, ob bie Erleid)terung, Wetd)e bem 3 lttfänger ein unaccentuirter ®ept gewährt, fo gar gering angufd)lagen ift, ja ob nid)t fd)on bie 9füdfid)t auf bie ©d)onung ber Slugett, bie beim Sefen beS £)ebraifd)en ohnehin ftar! in Stnfprud) genommen Werben, oon ber alSbalbigett Senüfsung ber fyebr. S3ibel gurüdl)alten foÜte. ®od) Würbe biefer 9(üdfid)t burd) ben anfänglichen ©ebraud) einer wenige ©eiten füKenben ©ammlung non Sefeftitden 3 ur ©enüge S)fed)nung getra= gen; langer aber als ein ©emefter ober J)öebraifd)en beb 91. X. tjanbeln; barum ift bie 2ßal)l jebeb ßom= ponirftoffb oerfel)It, für Weldfen bie angenteffene ^ebräifdje Sinfieibung bem «Sprachgebiet beb 91. X. auf natürtidje SBeife nicht ju entnehmen ift. ®ie Sirtuofität jeneb württera= bergifd)en ißrätaten, ber mit feinen 9ilumnen auf ©pajiergängen 3düra3 §art ’M inb f?ebräifd)e überfefcte, oerbient feine Siadjafimung. SDtit feinem ©imt für bab in biefem ©tüde ju walfrenbe £>ecorunt ^at Srüdner (§>ülfbbud) jur metfjob. (Einübung ber fjebr. ©ramm., 9Sorr. YI.) bemerft, baff bie SBiirbe ber altteftamentlidfen gönn nur an einem biblifd)en ©ebanfen ihren abäquaten 3nl)alt habe. (Die 9fufgaben werben barum anfangb am ßaffenbften aub ben altteftamentlidfen 9lpofrbßl) en unb bem Steuen £efta= ment gewählt; aud) bie fpätere jiibifdje Literatur fann einiges bieten. (Dann aber ift ju 9lufgaben fortjufdfreiten, beren 3nl)alt jwar ber Sibel oerwanbt ift, bereuUebertra= gung aber in f>ebraifd)en ©afsbau unb altteftamentlidje (Diction nidjt meßr fo einfad) ooßjogen werben fanit. (Der firdjlidfe Sieberfd)a(5, 9Iuguftinub, Sutl)er, unter ben Steueren befonberb Berber, Sfücfert, 3- gr. oou SJtetjer u. a. bieten tyieju ßaffenbeb SDtaterial in fyüCfe. (Der ©ebraud) eineb beutfd)=l)dräifd)en Söörterbudjeb ift ben ©d)ü= lern abjuratfjen, ba berfelbe leidjt ju ben unpaffenbften Uebertraguugen oerleitet; für ©titcfc retigiöfen unb etf)ifd)en 3nl)altb werben bie beutfdfen ober Iateinifd)en Indices unferer l)ebraifd)en §anbwörterbüd)er ootlftänbig aubrcidjen. Stod) mehr aber ift barauf ju fefyen, baß ber ©djüler fo oiel ntögfid) im 91. X. felbft, tf)eitb in ben bon ihm be= reitb gefefenen ©tüden, tljeilb in anbern ©teßen, beren 93erftänbnib iljm jugemutf)et Werben barf, fid) Statljb erhole. ®b fönnen, Wie bieb befonberb oon SJtejger gefd)ef)en ift, bie ju oergfeid)enben ©teßen gerabeju aßegirt werben; für fähigere ©d)üler, für welche bab feibftänbige 9luffudjen inftructioer ©teßen einen befonbent Sfeij ^at, genügen leitenbe Sßinfe. ßum ©chtuffe nod) ein 2Bort über bie Sel)rer beb £>ebräifd)en. (Daß biefeb Un= terrichtSfach nur foldjen SDtännern anoertraut werben fofle, bie eb wirfiid) ju beljerrfd)en im ©tanbe finb, foßte alb felbftoerftänblid) nicht erft l)erüorgel)oben werben ntüßen. Seiber aber I)at bie ©eringfdjahung, unter ber biefeb Sehrfach l)äufig I)at leiben rnüßen, fid) aud) barin geäußert, baß man babfetbe an mattdjen Drten Seuten übertrug, beren ©brad)fenntniffe faunt über bie 9fnfangbgrünbe fiinaubgiengen, unb baß felbft bie ißrü= fungborbnungen für ben Sefyrer im wefentlidjen feine fjöfyere Dualification alb für ben 9lbiturienten in 9fnfßrud) nehmen ju bürfen meinten. 3- 93. bab preußifdje Stegtement für bie Prüfung ber (Sanbibatert beb l)öderen Sefjramtb oon 1831 forbert in §. 21 oon benfenigen, weld)e im |)ebräifd)en Unterricht geben woßen, wenigftenb (!) ric^tigeb Sefen, ©idjerheit in ber gormenlefyre unb geftigfeit im 9lnalt)firen foWo^I einjelner go^wen alb ganjer ©äfse, ferner baß fie bie l)ifbrifd)en (Schriften beb 91. X. unb bie 93falmen mit einer gewißeu Seic^tigfeit ju überfein unb ju erflären, aud) ben l)ebräifd)en Sejl mit ber gried)ifd)en unb lateinifd)en ft'ird)enüberfe§ung gehörig ju oergteidfen im ©taube feien. (Unter bie festere gorbernng laffeit fid) fe1)r fd)Wierige fritifdje unb eyegetifdje Probleme fubfumiren; fo aber, wie fie oljne gemeint War, ift fie jiemlid) nid)tb= fagenb.) 3n 9ößürttemberg ift oor einigen 3af)ren in einem übrigens nicht jur 9lub= füljrung gefommenen Sntwurf ju einer neuen ißrüfungborbnung ber S3erfudj gemalt Worben, bie fyorberungen im ^ebraifdjen fogar noch Leiter fwraßjubrüden. SSSie ftünt= 378 <§tc6tätfdjc @ptadje. §ecfcr. herhaft aber bei- Unterricht im fpebräifdjen augfaßen muß, wenn her Seiner feI6ft nicfjt mehr oerftel;t, atS bie ©djüter lernen foßen, wetd)e Stößen er in biefem gaß Begabteren 3öglingen gegenüber geben wirb, ift einleud)tenb. ©elbft ber Unterrid)t in ben Sle-- menten wirb ©id)ert)eit unb Älar^eit nur gewinnen, Wenn ber Seigrer eine tiefer getjenbe SrfenntniS ber @hrad)e I?at; wie aber »oflenbS ohne eine foldje unb o^ne ein grünb= lidjereS ©tubium beS Sitten ©eftamentS ein Set)rer im ©tanbe fein foßte, »ier Jal)re I;inburd) einen fruchtbaren Unterricht im f?ebräifd)en gu ertheiten, ift nicht gu begreifen. 2)lan »erlange bat;er »oit ben Sanbibaten, welche bie Öualification für biefeS UnterridjtS= fad) nad)fud;en, uidjt bloß ÄenntniS eingetner formen unb Siegeln, fonbern auch Sin= fif (a. a. £). ©. 83) mitSledjt gettenb macht, nicht minber 3 U wünfchen, baß ber Sel)rer beS fpebräifdjen aud) ber ctaffifdjen ©prachen fo weit mädttig fei, um bei ber comfaratiben Sehanblung ber ©fsradje mit felbftänbigent Ur= theit »erfahren 51t fönneit. Oehler. tpctfct, Johann Julius. Literatur: St)r. fpennitfe, bie SBerbienfte beS erftett ©tifterd ber Sleatfd)ule um bie Jugenb, 1768. fpederS Sl)rengebäd)tniS, 1769. 9lec= carb, bie 93erbienfte fpecferg, 1786. StnbreaS Jac. fpederS Bürger Stbriß ber ©efdjidjte ber fönigl. Slealfdjule üt ben erften 50 Jahren nad) ihrer Stiftung, 1797. k. ». Slanmer, ©efdj. ber tßäbagogif, ©1). H- Srieb. Slante, J. Jut. fpeder, ber ©riinber ber lönigt. Slealfd)itle, 1847. Jot). fpeinr. ©djutg, ©efdjidjte ber fönigl. Sleal= unb Slifa= bethfdjule, 1857. jgf. Slanfe, Ueberblid über bie @efd)id)te ber Slealfd)ule, 1861. J. J. tpeder war am 2. Sloüember 1707 gu SBerben an ber Sluln in ber @raf= fdjaft SJlarf geboren, wo fein tßater tpeinr. 33ernt). tpecfer Slector unb ©tabtfecretar War. ©ie erften »iergehn Jahre feines Sehend bradjte er im oätertid)en £)aufe gu, be= fudjte bann baS ©hmnafium in Sffen, beffen Slector Joh- £>einr. 3°l'f >h n f e h r Iwö gewarnt, unb begog Dftern 1726 bie Unioerfität £>aße, Wo er fDlidjaeliS, S3reithaupt, 23ater, Samf'e unb Slambad) hörte unb bei Slug, tperm. fyrand'e’S te^ter Siebe an bie ©tubirenben gugegen war, weld)e »orgüglid; ben günbenben ©tral;l in bie ©eete beS jungen SDlanneS warf. ©penerS Stnregungen Waren bamats ins Sebeit eittgebrnngen; nadj ihnen war fd)on fpecferS erfte Srgiehung geleitet Worben; aße Setter ber §od)fd;ute wirftcu einmttthig in bcmfelben ©eifte: fo gewann er eine theotogifd)e unb päbagogifdje SBitbung, wetd;e bößig havwonifd) unb auf ein Har »orgegeidjneteS 3iel mit 33eftimmt= heit hingerichtet War. 2Bie auf ber ©djute, ftrebte er je(5t auf ber Unioerfität aud) nach realem Söiffen unb hörte mebicinifdjc unb naturwiffenfrte Sfateinifd^ unb ©riedjifdp, rontifdje Slltertpiimer, (ßäfar, Suftin, SSirgil, ©ebeg, Spiftet, Spiutard), gacciolati, Paulinus a S. Josepho), fpebräifcp, Seutfd) (®efdp. ber ©pradpe unb SBilbung gur föerebtfamfeit), Steligioit, @efd;id)te, Slritpuietif, 23otanif, Slnatomie, Sßppfiologie, ©pentie unb Matena rnedica, unb weil ber fo weit gepenbe reale Unterridjt nod) neu war, gab er 1732 Lineamenta Anatomiae, 1733 ©inleitung in bie 93otanif, unb 1734 eine 23etradptung beg menfdjlicpen Äörperg itacp ber Slnatotnie nnb Sßppftologie peraug. SDtitten in biefer Spätigfeit, bereit finanjietler Ertrag ber Stnftalt felbft ju gute fara, burdibrang er fidj ganj mit graitcfe’g 3been unb befdjloß, iprer SBerWirllidjuitg fein Sieben ju wibmen. Srre td) nid)t, fo pat nie= ittanb in jenen Sagen gelebt, ber fo entfdpeben wie jpecfer alg ber wapre Sräger ber innerften Senbenjen fjrancfe’ö für Äirdje unb ©djitle betradjtet werben fann. gür feine geiftige ©ntwicfelung unterftüpte ipn bie greunbfdjaft ber Sßrofefforen ber Uniöer» fität, Wie fpoffmanng, ber Sollegen, wie Äitapp, SJotferobt, ©ruiter, 3atti, unb eine Steife nad) fpotlanb unb burdj einen Speit beit Seutfdjlanb. Sind) War er Stugenjeuge ber Arbeiten Spriftopp ©entlerg für jwedntäßigen Unterricht fünftiger §anbWerfer, unb beg erfolglofen Serfndjg begfel6ett, eine Steatfcpule ju grünben. 2Bir benterfen, wie ipn ©otteg Fügungen feinem fünftigen S3erufe aümäptidi jufüprten. Sen Uebergang ju bemfelben bilbete feine ÜlnfieHung alg Seprer, Sßrebiger unb ©djutinfpector an bent S97ilitär=335aifenpaufe ju Sßotgbam, 1735—39, Wo er halb in unmittelbare 33erüprung mit bent Äönigl. fpofe fam. griebrid) ÜBilpelm I. ließ fiep bon ipm ein Herbarium famnteln unb ipn an bent Unterridjte für bie Springen Speit nepnten. ®ie Solge bauen War bie Berufung alg erfter lutperifdjer ißrebiger an bie Sreifal= tigfeitgfirdje ju SSerlin, rneldje §ederg weitereg Sagewerf beftintmte. Sie ntfinblidje 3n= ftruction beS ÄönigS nad) ber Sßrobeprebigt: „Stun, Sr fall bei ber neuerbaitteu Srei= fattigfeitsfirdje in SBerlitt fßrebiger fein; er muß aber Wie er peute getpan, beit Leuten aug ber griebridjgftabt ben fperrn Sefitnt prebigen unb fidj ber 3ttgenb red)t annepmen; benn baran ift bag SDleifte gelegen," traf pier auf jene Uebereinftimmung ber ©eftnnung, Weldje bie einzige 33ürgfdjaft für bie red)te Slttgfüprung eineg gegebenen SBefcplS ift. ©erabe biefeg SBirfunggfreifeg beburfte eg für fpeder, um alle feine Sträfte auf feinen großen Sebengjwed ju concentriren. fjaft 30 3apre pat er ipnt angepört unb fidj in biefer 3^1 um Me ©emeinbe ber Sreifaltigfeitgfirdje, bag gefammte Unterridjtgwefen SBerliitg unb bag beg preußifdjen ©taateg bleibenbe SSerbienfte erworben, ©eine S|3re= bigt, Statedjifation uttb ©eelforge waren auggejeidjnet unb trugen burdpaug ben Sparal= ter, ben ©pener burd) Sepre unb Sßorbilb in bie bantalige Stirdje gelegt patte. ®ag SBopl ber Stritten lag ipm außerorbentlidj am fperjen; mit beut leiblidjen SBebürfniS ber= felben utiunterbrodjen befdjäftigt, forgte er jugteidj für bag geiftige giortfdpreiten auf bag befte unb wenbete alle feine ©ebanfen ber ©djute ju, alg ber wapren Duelle beg £>cilg für biefelben. Senn an bie fegertöreidpe SBirffamleit ber ©djule glaubte §eder; mit jweifettofer Ueberjenguitg pielt er baran feft, baß man allein auf fie geftüpt int ©taube fein Werbe, bie djriftlidje 3bee bom Sieben ju berwirflidjen, bie leiblichen unb geiftigeu 33e= bürfttiffe aller SJienfdjett ju befriebigen unb ©taat unb Äirdje neuer SSIiite rafd) entge= genjufüprett. Sttrdj foldpe Scanner napm bie lutperifdje Sirdpe bautalg in Seutfdjlanb einen neuen Süuffdjwuitg unb bradjte eg ju ganj außerorbentlidjen Slefultateit. Slnt 2. ©eptember 1739 Würbe Reifer in fein neueg Slmt eingefiiprt. 3Bo bigper fo gut Wie nieptS für ben Solfgunterricpt gefepepen War, War Reifer geswungen, mit möglid)fter Sile ben bringenbften llebelftänben abjupelfen. ©r feplug baju ben einzig rid)tigen Söeg ein, inbem er ju gleidper 3 eit bie unentbeprlidpen äußeren SDlittel ju ge= Winnen unb innere ©inridptungen ju treffen bemüpt war, beren Sorjüge allen eiitleucp= ten unb in ipnen bie ©ewißpeit ju pelfen erweden fonnteit. Sie erften ©elbbehräge fpenbete er aug ber Sirdie unb fo gering fte waren, mad)ten fie eg boep mögtid;, baß 380 •gtecfcr. hintereinanber fec^ö üierclaffige ©dfulen, an bereu ©pi^e wadere, jutn X^eil neu ge* wählte Seiner ftanben, in Derfdjiebenen ©tragen Don ihm bem publicum bargeboten mürben unb fd>on über ben bisherigen ÄreiS Don Sehrgegenftänben unb über bie angeführten SD'Jetfjoben beS Unterrichts h* 1 ,au 8 3i en 9 en - SDeffentlidje Setanntmadjungen unb Prüfungen maren beftimmt, baS Sntereffe alter für ben neuen Anfang rege gu machen. Um aber fcfjnelX weiter gu lottimen, ridjtete er eine ©djullotterie ein, unb lieg bagu SutherS SBißel, SlrnbtS Wahres Ghriftenthmn unb ißarabieSgärtlein unb SutherS fl. (Schriften mit SRambadjS Sorreben bruden. ©ofort gewann er baburdj 1744 ein Kapital Don 4000 Sh a ^ rn unb burd; ben weiteren Verlauf ber 33iid;er eine bauernbe Einnahme. Da würben bie Lehrer beffer befotbet, bie greifdjüler Dertneljrt, ein befon* berer Snfpector angefteüt, bie UnterrichtSgweige erweitert unb ber Serfuch gemacht, bunt; einen IpauSfauf für alte fiinftige Einrid)tungen einen SJfittelpunct gu gewinnen. 3Il§ enblidj nach Derfdjiebenen Serfudjen am 29. SÜiärg 1747 baS ©djulhattS beS bisherigen griebrichSftäbtifdjen ©hmttafiitmS für 1200 2h(r. erworben würbe, hederS, welche ber Durd;führung ber 3bee ber Dfealjdjule geweiht waren. 3118 ein ridjtiger ©ebanfe für jene 3 e it War fie fd)ott an= erfannt: nur blieb nadjguweifen, baß ihm praltifd) beigitfommen fei. 2 )tit feinen aKge= meinen ©runbfähen für bie ©djule fanb fpeder fein 3ettalter Dorbereitet: man müge nur baS Seben, wie es ift, gunt SluSgangSpuncte nehmen unb bet ber 33ilbung ber 3u* genb ben geraben unb einfachen Sßeg guttt 3wle einfehtagen, jeben Umfd;weif unb jebe unpraftifd)e 3iid)tung auSfdjließen; nid;t burch Regeln, fonbern burd; Stnfdjauung müge man unterrichten; bie blaffe, unfrud;tbare, betn finblichen ©eifte frembe S©h eor ie miige ber lebenbigen Einübung Weichen; an bie ©teile beffen, was nur baS @ebäd)tniS in 3litfpruaßefd;en Stiftungen mit glättgenbent Seifpiel Dorangegattgen unb ©eittlerS Serfudje in nod; auSgebehnterem Um= fange ttadjgefolgl, §eder aber übertraf beibe burdj bie DJcittel, bie er baftir Derwenbete, unb burch bie Erweiterung beS -]3(aneS, ben er babei oerfolgte. 3n bem SOfobettenfaat ber 3tealfd)ute gu Serlin feilte nid;t nur baS gefammte £eben mit allen feinen Sefd)äf= tigungen alltttählid; h el ‘Dortreten, um ben eiugelnen ©d;ülern je nach 'h rsm eigenften SebiirfniS Dorgeführt gu Werben, fonbern aud; für Religion, ©efchidjte, ©eegraphWf alle Sehrgweige, bie bisherigen wie bie nett eingeführten, 3 . 33. £>eralbif, §pbraulif, §ccfe t. 381 dlumiSmatif, Sommercie, burd) anfdjaulidje, [initiiere ©arftedung geformt fein. ©egen* wart unb Vergangenheit feilten fleh unmittelbar neben einanber finbett. £ier finben ftdj neben Linealen, dleißfd)ieiten, aden Wirten con ßitfefar Sleßftäben, SJfeßfetten, fftrolabiett, ade möglichen dRafdjinen, ©ebäube, ©djiffe, pflüge, SJlühlen, ©äulen, geftungen, ba$u oodftänbig affortirte SaufmannSläbett, Sammlungen ju ©arftedung Per Seberbereitung, beS ©eibenbaueS, ber Sinnen* unb SBodearbeit, enblidj unter un* jähdgem anberem ein ftattlidjer römifdier ©riumphjug non ungeheurer ©imenfton; gjfofis ©tiftsljütte, bie ©tabt Serufalem, bie ©iinbflut, SunpanS dleife eines Shriften nad) ber Swigfeit Waren in dluSfidjt genommen. 3In Silbern erfdjienen burd) £)ähnS ^Bemühungen nach einanber: Vorftedung beS branbenburgifdjen Kaufes im Supferftid), Vorftedung ader römifchen Äaifer, biblifdje $ortraitS unb 9llterthümer, Sartenfamm* lungen unb Sehnliches. Sin botanifdjer ©arten unb eine SJlaulbeerpflanjung führten in baS Seben ber dlatur felbft ein. ©iefe oielfachen Silber nnb üDlobede repräfentiren bie realen Elemente ber neuge* grünbeten ©djule junächft bibaftifdj. Sou bem Sehrplan ift nidjtS auSgefdjloffen, was Snbnftrie unb ©eWerbe umfaffen, WaS baS Bürgerlidje Seben förbert, was bem 9Jfenfd)nen, ©ingen fam hier ein eigentlicher mufdalifdjer Sehrgang, ©laSfdjleifen, ©redjfeln, Rappen, Sacfiren unb anbereS hinju. ©a war eS möglich, fd er adeS gu lernen, Was man wünfehte; für gute Selber War in aden gäd;ern geforgt, bieSuSwahl ben Sltern unb ©djülern felbft überlaffen, baS herrfchenbe gadjfhftem verhütete bie dlothwenbigfeit, irgenb etwas ohne eigene dleigung ju betreiben. 93lan erhob fidj jur 3bee einer ltnioerfalfdiute, eines „ipanbodjeum,“ wie ein Programm fidj auSbrücft, einer Uuiberfität für dlichtftubirenbe. dliemanb wirb fpeder auf biefem 2Bege nachgehen woden; er unternahm mitfuhnem ÜJlnthe ein Üliefenwerf; wäre eS bis in unfer Saljrhunbert fortgefefet Worben unb ben gortfdjritten beSfelben gefolgt, weldje Soften wären ber dlealfdptle erwadjfen unb wo fäitbe fid; ein ©laSpalaft, ade biefe ©chä^e aufjunehmen ? unb hätten ade ©djulen biefe SuSftattung erhalten foden, wie biel bon ben ©taatSeinnahmen hätte bieS erfor* bert? ®ie dleupeit ber ©ad)e bradjte §ecfer eine große Slugaht an ©efdjenfen oon aden ©eiten, fonft wäre auch er bamit gefd)eitert. 3lber jene Sfobede repräfeutiren gugleid) baS methobifd)e Serbienft §ederS unb bamit bie erfreulidjfte ©eite feiner großartigen ©Ijätigfeit. ©tubirenbe wibmen ihrer dluSbilbuug mit 3led)t einen großen ©heil ber Sugenbjeit bis jum männlichen Sllter; bie 9?id)tftubirenben mäßen früh ä u ^ rer Lebensaufgabe geführt Werben, um noch * n jugenblidjen Sahren bie unentbehrlidjen Sorftufen ber gewählten gäd/er in ber ißrapiS ju burchlaufen. §et ber ©djttle abjufiirjen. IDlobelle unb Slnfctyauung erfd)ienen als ipauptfadje; toie fte aber angewenbet toerben füllten, bieS toar gu ermitteln unb bar= jufteKen. Sarin beftanb ein §auptttyeil ber Lebensarbeit §eder8, jeben LlnterrictytSge= genftanb gwar ben allgemeinen ißrincipien gemäß, aber bocty otyne Sinfeitigteit nadj bem in itynt felbft rutyenben ©efetye oon innen tyerauS gu entioicfeln. Sagu beburfte es ber gabelt (Energie beS 2BiHen8, weldje bie Eingabe an eine gute ©adje unb baS 33eWußt= fein, baß er bannt ©ott unb bem SSatertanbe biene, in fjecfer tyeroorrief, bod; nidjt itt itynt allein, fonbern aucty in feinen Dlitarbeitern unb ©ebjülfen. 68 geugt für fein oolleS SJerftänbniS ber UnterridjtSfrage, baß fpeder fdjon 1748 alfo nur ein Satyr nadj ©rünbung ber fUealfdjttle, bie SSilbung oon Letyrern in8 Singe faßte unb für fie ein ©eminar eröffnete unb fpäter (1766) aud) bie LlottyWenbigfeit eines „Mademoisellen-Seminars“ erfannte. 2ßo er Sedjnifer itt ber ©tabt Oorfanb, gog er fie al8 Letyrer in bie ©djule; junge ftrebfame Leute fdjidte er au8, bamit fie fidty bie nöttyige ©adjfenntniS unb Slnfdjauttng erwerben mödjten. ©o warb 1750 für 33ergwerlSlunbe Sprengel in ben fparg gefdjidt, unb 1751 ein gweiter Letyrer mit bemfelben Sluftrag auSgcfenbet. Slber bie (Sinfiityrung in bie befte päbagogifdje SJlettyobe mußte in einer befonbern Slnftalt geleiftet Werben. Safür fanb fpeder in bem ange= gebenen Satyre einen auSgegeictyneten SHitarbeiter an Soty. griebr. §ätyn, bem S3erfaffer Heiner ©djriften für (Eltern unb ffiinber, 1747, ber 1753 and; bie ©teile eines SnfpectorS ertyielt (ogi. b. 2Irt. Selbiger ©.345). Sis gtttnSatyre 1759 Warbiefer bie ©eete ber Slnftalt, gteictyfam Stuge, Dtyr unb ÜHJunb beS SirectorS. ©eine ©djulfctyriften 1753—59, eine 3ettfd)rift, (Agenda scholastica 1751), feine mettyobifdjen SBerfe unb Letyrbüdjer Waren finanziell unb in 33egietyung auf ben Unterridjt oon ber työdjpten SIBictytigfeit. fpätyit gieng gang auf fpecfers Sbeen ein, unb erfanb gur SJerWirflidjung berfelben bie fogenannte Literalmettyobe, für Welctye er alle Letyrgegenftänbe in tabeüarifclje fgorm bradjte: er gab in tabellarifdjer fgorm bie ©lattbenSletyre ber Styriften, 1754, tycrauS, unb in bemfelben Satyre bie ©eometrie unb Latein. ©tyntapiS, bann 1755 eine Tabelle, Worauf bie allgemeine fpiftorie aller fKeidje unb Staaten in Slften, Slfrifa unb (Europa oon (Srfdjaffung ber SB eit bis auf Styrifti ©eburt oorgefteCCt waren. Sief ent merfwürbigen ÜDlanne folgte Sotyattn Stuguft (Etyriftopty oon (Einem, 1759—68, arbeitete mit nid)t minberer Sreue bis gu jpederS LebenSenbe, ftetlte baS gange ©djulftyftem unter bem Sitel „©lüdfelige ©ctyulen" in metyreren ©djulfdjriften auSeinanber unb förberte bie Slbfidjten be§ SirectorS auf jebe SBeife unb burdj weiteres gmdabbeiten auf bem ©ebiete ber Sibalti! unb 2Jiettyobif. |>ierbitrdj foHte bie Unioerfalfdjule aud) gu einer Uiormalfdjule Werben. SWmätylidj entpfieng jeber UnterridjtSgegenftanb fein ©efeg unb feine Siegel. 3 uer ft warb ber (£(e= mentarunterridjt — ©predjen, Lefen, ©djreiben, fUebtynen — bearbeitet. SBir erfenncn, waS man Wollte auS ber „Äurgen Slnleitung" baS Lefen otyne 23ud)ftabirett gu erlernen, 1757, aus bem berlinifctyen 2l23ß>, 23ud)ft.= unb Letyrbüdjlein, 1757, bem gWeitenStyeit beSfelben, ber bie ÄaHigraptyie, Orttyograptyie, (Epiftolograptyie unb bie Sftedjenfunft ent= tyält, unb bem britten Styeile, Weldjer für bie beiben erften Sttyeile bie Letyrart barfteüt. Sann folgten bie übrigen Letyrgegenftänbe, ©practyen unb SBiffenfdjaften; für alle würben Letyrbüdjer gefttyrieben unb neue SJcettyoben gefudjt. Ser Uitterfdjieb beS UnterridjtS ber Knaben unb ÜDiäbcfjen Warb ebenfalls in bie 93etractytung gegogen. Ser Uebergang Oom Leisten gum ©ctyweren, bie Llottywenbigleit beutlictyer Slnfctyauungen unb ^Begriffe, bie Sortierung ber UrttyeilSfraft, bie möglidjfte (Erleidjterung beS UnterridjtS, bie |>anbtya= bung unb SDlöglidjfeit einer feften SiSciplin, bie gleichmäßige unb gleidjgeitige 23efd)äf= tigung aller ©djüter, ttttb bie Senutyung ber oorgügtictyeren unb ftrebfameren für bie fdjwädjern unb naityläßigern würbe als |>auptgefictytspunct allgemeiner Slrt mit ©idjer= tyeit feftgetyalten. Sine foldje S33irffamfeit blieb bod) nidit ohne ©egner; ber mid;tigfte Simonrf mar ber beS SigennufjeS. Sljarafteriftifd) ift bie 2irt, wie §. tljn felbft gurüdmieS, im 3. 1750. „3uleht muß id) nod) offenhergig angeigen, baß, ob eS mir gtoar gleid) Diel gilt, ob man mid) lobet ober fd)ilt, rühmet ober tabelt, bennod) biejenige 2lrt Seute mir unerträglid) oortommen, meld)e in bem ©ebanfen [teilen, als trenn nad) ihrem Stempel feine 9Dfenfd)en oorljanben, bie oijne eigenes Sntereffe gum gemeinen Seften beS menfd)iidjen ©efcfjleditS cooperiren toürben. ©old)en gebe ^ierburd} bie ftdiere 9tad)richt, baß bemjenigen, ber audj nur mit einer halben 333al>rfd)einlid)feit barthun iann, baß feit ben gehn Salden meines [jierfeinS oon ber Sinrid)tung, Sfuffid^t unb Oirection ber ©chulauftalt fdjon ein ißaar <2d|ut;e profitirt habe, pro praemio et labore oom ipaupt bi§ gu guß neu fleiben taffen moHe." 9?ad) [einem Oobe haben bie 9redjnungen ber gefammten ©d)ulüermaltung [eine ltneigennü^igfeit nub Opferfrenbigfeit in ein glängenbeS ?id)t gefegt. Sr hat in ben Safyren oon 1748—68 42,976 SEljlr. für bie Slnftaiten gefd)en!t erstatten, aber feine einzige 3ahreSred)nung ohne (Deficit gefdjloffen; man berechnete baS Vermögen ber Mftatten auf 58,643 £tfh\ 9 i)3f., bie ©dptlben aber auf 9848 21) lt. 1 ©gr. 2 fßf. Sr fagt in einem Sriefe [einer testen 3al)re: „Settein für bie 9ieatfer an." Sener (Erfolg ift in ber 21)at feiner 2lnftrenguug, nicht feinen Sitten um Unterftü( 3 ung gu oerbanfen. gremtbe unb ©iinner [anb [jeder in hohem 2)7 aß e; griebrid) II. [tanb an ihrer ©pif 3 e unb gab ihm 1762 ben Auftrag, barnit baS hier ©eleiftete bem gangen ©taate gu gute iäme, ein £anb=©d)ulen4)feglement gu entwerfen. ®aS Original finbet fid> oon [jederS [janb gefdprieben in bem hefigen 2lrd)ib; ber Sntmurf ift als organifd)eS ©ange ber oberften SanbeSbeiiörbe gur Segutad)tung oorgeiegt unb nur mit unmefent» lid|en Semerinngen oon ben Süitgliebern berfeiben begleitet toorben; alles ift aus feinem ©etjie unb ben (Erfahrungen heröorgegangert, meld)e fid) bereits in ber 9feal[d)ule be= mährt hatten, Sigentlid) auSgefül)rt morben ift eS nidit, eben meil [jeder, maS er felbft mit feiner Äraftanftrengung geleiftet hatte, auf anbere übertrug, bie fd)mäd)er maren unb unter nod) fchmierigern Serhältniffen arbeiteten. Sntereffant ift eS oorgüglid), gu beobadjten, mie anbere feinem Seifpiele folgten unb ähnlidje Mftatten unter bemfeiben 9?amen gu grünben fnchten. [jeder erlebte 1756 bie Sntftel)ung einer 9tea(fd)ule in Sßittenberg burd) ben fuvfürftlid)gäc£)fi[d)en Sicepräfi* benten Saron oon [johenthal, 1759 gu ©targarb burch ben ÄriegSrati) SBangerom gu ©tettin unb ben 2lrd)ibiaconuS Rieder, 1763 gu 3Mid)au burch ©teinbart, eine oierte gu SreSlau burch ben üDiinifter oon ©djlabernborf unb Dberconfiftorialrath [jermeS, eine fünfte enbüd) in (Erlangen burch [jofratl) ©roß unb fßrof. [jarieß. Me aber ohne MSnahrae finb früher ober fpäter mieber eingegangen unb geben ben SemeiS, mit mel= djen ©d)mierigfeitcn bie Sntftehung foldjer Snftitute gu fämpfen hat. (Dagegen marb baS Oon Ipeder felbft gegrünbete £anbfd)u(lel)mjemmar fd)on im 3al)r 1753 gu einem tönigl. Snflitute erhoben unb hat fpater feine eigene felbftänbige (Entmidlung gehabt. 9tid)t minber intereffant ift ber Uebergang ber in ber Serliner Diealfdjule eingeführten Un* terrichtSmethobe in bie !atholifd)en ©d)ulen ©dflefienS unb Oefterreid)S, meldje Ä. Sorntann im ©d)ulblatte für bie ißrooing Sranbenburg 1859 unb aus bemfeiben burd) befonbere Mbriide unter bem 2itel „bie Serliner fKealfdpile unb bie fatl)olifd)en ©djulen ©d)le= fienS unb Oefterreid)S" am 12. EDtärg, bem ©eburtStage 21. [j. grande’S OereffentUd)t hat. §eder mar and) außer ber fftealfdfule bis in feine lebten SebenSfahre auf bemfeiben ©ebiete üoHanf befdjäftigt. Sine feiner bebentenbften 2I)aten ift bie 2öieberf)erftellung beS SJaifenhaufeS gu granlfurt an ber Ober, meld)e er mit 2BeiSl)eit unb ©ebulb gu allgemeiner Sefriebigung Oodgog. Sr ftarb am 29. 3uni 1768. 3d) fdjließe biefe Srgählung, inbem id) bie 3nfd)rift, bie er im 3al|r 1749 auf bie üon ihm gegrünbete ©d)ule fe^en ließ: Scholae Trinitatis aedes in dei honorem 384 £ecfer. •§eget. regis gaudiam civium salutem juyentutis institutioni dicatae, unb bie Serfe mitttjeite, weldfe 1758 unter §etfer§ ^ortrait fefsen Heß: „3n ©otte« Äraft, ©atana« SBerl ju jerftiJren, ®agegen beS §eilanbe$ Dleid; ju öermebreit, 3n SBorten unb Serien erbaulich ju fein, 3m Seten unb Sachen, im ©tauben unb Sieben, 3m hoffen unb ®utben fid; männlich ju üben, ®ienftfertig, befdjäftigt mit ©rofj nnb mit filein, 3n NiJthen fiilt, ftanbtjaft, ftets ©ott jit üertrauen, fjiir allerlei ©tänbe ^pflanggävtert ju bauen, Um Server in fiirchen unb ©dritten ju jie^n: ©etbft §anb an ben Sau bes Oteic^ä ©ottes ju tegen, ®ie ©djafe ju treiben, bie Sommer ju ^jftegen, Sar §ecfer« Suitfd;, ®rieb, Snft, Serl, Arbeit, Semühn." ©ein bleibenbeS ©enfrnal ift bie löniglidfe Nealfcffute, in weiter fein Anbenfen nidft l)od; genug geehrt werben fann. ®urd) ein ©efdjenf ber Familie b. NJauberobe befifst feit 1847 baS ©irectorathauS, weldfeS er 1763 erbaute, fein Delbilb; im ©aal beS öriebrid)=2BilhelmS=@bmnafiumS Ijat ber Slinifter bon Sabenberg 1850 feine Süfte neben ber bon ©fnöele auffteUen taffen, ©ein flareß Singe, fein ernfteS, IväftigeS Antli(}, feine männliche Haltung machen benfelben mc^ltbuenben Gcinbrud, wie fein ganzes Seben. Sr nimmt in ber ©efchidjte ber Ißäbagogil unb ber beutfdfen ©d;ule für immer eine fefyr bebentenbe ©teile ein. Sftanfe. &cgel, ©eorg Sßilhetm griebridj, geb. ben 27. Auguft 1770 ju ©tuttgart, befud)te brnt 7. 3al)re ab baS bortige ©hmnafium, auf weldjem er fdjon früh fid) neben ben ©d)nlarbeiten einem ^iemtidf auSgebeljnten 5)3rioatftubium juwanbte; felbjt fjf)ito= fobftifdje Sffierle bon Sode, Hunte, Äant 30 g er in ben ÄreiS feiner pndlidjen Ar= beiten. 3m Saljr 1788 trat er in baS theologifche ©tift auf ber Uniberfität Tübingen ein, Wo er befonberS Sorlefungen über bie alten Slaffifer, über ®l;eologie, iß^ilofof)l)ie (haüptfädjlid) bei f51 a 11, einem ©egner ÄantS), Anatomie unb felbft Sotanit Störte. 3m ©tift Wohnte ^pegel einige 3nt mit ©djetling jufammen; als Sljeolog prebigte er mehrmals, aber ohne erheblidjen Srfolg. ®ie franjöfifdje Neoolutiou machte auf ihn einen nad;haltigen Gcinbrud, weldjer [ich ungead)tet feines fpätern politifdjen Sonferba» tiSrnuS burd; fein ganjeS Sehen erhielt. 1790 würbe H- Ntagifter, 1793 Sanbibat beS SrebigtamtS, bie folgenben brei 3ahre brachte er als Hauslehrer in ber ©djweij §u, Wo ihn befonberS theologifdje unb gelegentlidj and) politifdfe ©tnbien befdjaftigten. Son 1797—1800 war er Hauslehrer in granffurt a. 9N.; bort erfolgte bie erfte unb wefent* lidje AuSbilbung feines fpeculatiben ©hftemeS, fo baß er fldi jefet für baS Sehramt ber ißhilofophie heftimmte unb $u biefem Seljuf 1801 an ber Uniberfität 31 t 3ena lwbilt= tirte, Wo er neben ©dfeUing theilS p^itofop^ifc^e Sortefungen hnuptfächlid; fhftemati= fdjer Art hielt, theilS fdfriftfteüerifch bie Sntwidetung ber neueren förberte (üDifferenj beS gid)tifd;en unb ©d)eUing’fd)en ©hftemeS 1801; fritifdjeS 3ournal ber 5ßhitofbhhie 1802—3). ®urd; ben ptreußxfd)=franjöfifd>en Ärieg bertrieben gieng er, nad)= bem er eben feine ißbänomenologie beS ©eifteS boHenbet, 1807 als 3 e itungSrebacteur nach Samberg, bon wo er im folgenben Satjre auf Niethammers Setrieb als Nector beS neuorganifirten AegibiengpinnafiumS nad; Nürnberg berufen Würbe. 3n biefem Amte, 3 U welchem 1813 bie ©teile eines ©djulraths bei bem bortigen ©tabtcommiffariat !am, war er bis 1816 tljätig; abgefehen bon feinem atntlidjen Seruf, welchem er mit großer ©ewiffenhaftigfeit unb Umfidjt oblag, botl 3 og er in biefer 3^it beit 2lbfd;tuß feines ©hftemS, Weld;eS er feinem ^auptt^eile nad; in ber bon 1812—1816 erfdfienenen SBiffenfdfaft ber Sogif (3 Sanbe) nieberlegte. 3m 3at;r 1816 Würbe H- ^ßiofeffor ber ^ߣ>ilofofo^ie nad; H^^elberg berufen; nad) 3 Wei]ährigem bortigem Aufenthalt, inner= halb beffen er feine Snchllopabie ber ißh^bfbßh’ e h erau§ 9 a ^ ä’ ett 9 er ' n gleicher Sigenfchaft §egct. _385 ttadj ©erlitt, wo er ttjeilS fdjrtftftetferif(9tedjtdpljilofopljie 1820; erneuerte Sludgaben t>er EncpflopaPte; ©uffäjse in ben Saljrbb. filr Wtffenfdjaftlidje Äritil), tljeild burdj feine galjlreidj befudjtcn ©orlefungeu, ttjeilS anberweitig (1820—22 S'iitgtieb ber Wtffen= fdjaftlid^en ©rüfungdcommiffioit; 1823 ©eridjt an bad ©ttnifterium über ben Unterricht in ber 1ßI;iIefop^ie auf ©ßmnafien) eine IjBdjft bebeutenbe unb wettgreifenbe ©Sirlfamleit audiibte. 2>ie hierin liegenbe ©efrtebigung fowie bad ©efüljl, baß er in einem großen unb forgfam »ermatteten Staate eine einflußreiche Stellung einnafjnt, mag bagu beige= tragen Ijabett, iljtt mit ben bamatigen ßnflättben meljr gu »erföljnen, ald fid) ttadj feinen früheren politifdjeit ©nfidjten »ermutljen ließ; widjttger ift jebocfj in biefem ©eguge, baß fein ganged Spftem, obfdjon ed im ©egettfa^e gu Sdfeüing bie Ijiftorifdje unb etljtfdj= politifdje ©etradjtung in ihren ©eretdj geg, fidj mefentlidj barauf richtete, bie Ergebntffe bed bisherigelt geiftigen ffortfdjrittd begrifflich aufgufaffen unb in ihrer Entmidlung gu rechtfertigen, ober mit auberen ©Sorten, baß bad lefste ßwl unb ber ©efanuutdjar alter feiner ©Ijtlofopljte ein tbeoretifdjer unb metapljtjfifcfjer war, bem bad ©raltifdje unb DJeale nur gttr ©rünbmtg unb gur notljmenbtgen ©oraudfefsung biente. ftarb am 14. Sfto= oetnber 1831 an ber Eljolera. Diofenlrang, fpegeld Sieben 1844; Äapp, §egel aK ©pnmafialbirector 1835; SljauloW, §egeld ©itfidjten über Ergtefjung unb Unterridjt, 3 ©änbe, 1853—54; §atjm, .fpegel unb feine3ett, 1857, befonberd S.274'—291. — ©ei fpegeld audgebreitetem ©Siffen unb praltifdjer Erfahrung im Sdjultoefett läßt fidj »oit oorne Ijeretu anneljmen, baß feine ©Serie etnfidjtdbolle ©emertungen über ©äba= gogif enthalten; biefelben finben fid; tfjetld in feilten ©tjmnaftalreben (im gangen fedjd) tljeild in bent »orcrwaljnten ©eridjt über ben pljilofopljifdjen Unterridjt auf ©ijmnafien, tljeild in ben ©nmerlungen gur Encpllopabie niebergelegt, unb geugeit überall »on einer bitrcfj unmittelbare 2lnfdjauung gellärten Einfidjt, weldje unter ßurücfweifitng »orüber= geljenber unb bilettantifdjer ©teinungen bie altüberlieferten unb bewährten ©runbfäfje ber Ergießung aufrecht erhält. §ießer gehört guitädjft feine ©egriffdbeftimmung ber ffSabagogil („bie ©abagogil ift bie Äunft ben ©tenfdjen fütlidj gu madjen" ©Serie VII, 212), feine ©emerlungen über bad ©erßältnid ber händlichen Ergießung, meldje er im ©egenfaj? gu gidjte mit 3fedjt für feßr widjtig unb gur ErWedung ber ©ietät unb Siiebe für uitumgänglid) hielt, gttr Sdjule, über bie Selbftänbigleit bed Sefjrerd gegen unbegrünbete ©nforberuttgen ber Eltern (in ber fedjdten ©tjmnafialrebe), über bie 9fotljwenbigfeit ber lirdjlicßen Ergie» ljung (StljaittoW I. S. 47), über bie Einheit bed menfdjlidjen ©eifted (in ber britten Diebe), über ©ewoljnljeit, 3 u öht unb Strafen, über bie Schwierigleit, bad ©ebädjtnid begrifflidj gu beftimmen, gelegentlidj obfdjon fparlidj audj über bie ©nfdjamtng unb bgl. Slld erfahrener Sdjulntann Ijebt er wiederholt unb mit Dfacßbrud bie ©Sidjtigleit ber claffifdjen Stubien ljer»or, *)'wobei er ben Unterridjt in ber )|3ljilofopIjie ald moljltl)ä= *) Sir geben als ßlrobe unb Einlabung gtt Weiterem ©tubium noch ein paar ©teilen au« einer feiner ©tjmnaftalreben (SS. XVI. 135 ff.): Sie SBodenbung unb herrltdjleit ber clafftfcpen SHeifterwerle muß ba« geiftige ©ab, bie profane Saufe fein, welche ber ©eele ben erften unb mtöerlierbaren Sott unb Sinctur für ©eßhmac! unb SBiffenfcDaft gebe, unb gu biefer Einweihung iß nicht eine allgemeine, äußere Selanutfdjaft mit ben Sitten binreicpenb, fonbern wir müßen und ihnen in ffioft unb ©Bohnung geben, um ihre Suft, ihre SSorftetlungen, felbft, wenn man Will, iljre Srrthümer unb ©orurtheite eiugufaugen unb in biefer Seit eittheimifcb gu Werben, ber fdjönßen, bie gewefett ift. — Ser ©toff, an bem ftd) ber ©erßanb unb ba« ©ermügett ber ©eele überhaupt entwidelt unb iibt, muß gugleidj eine ©ahruttg fein. 9tid)t jener fogenanute niißltdje Stoß, jene fmntidje iDtateriatur, wie fte unmittelbar itt bie ©orßellung«weife be« ÄinbeS fällt, nur ber geiftige Snpalt, welcher Serth unb Sntereffe in unb für ßch fetbß hat, ftärlt bie ©eele unb berfcßafft biefen unabhängigen halt, biefe fubftantietle Smterlichleit, Weldhe bie üDtutter »on gaffung, »on ©efottnenheit, »on Oegenwart unb Sachen be« Oeiße« iß; er ergeugt bie an ihm großgegogene ©eele gu einem Äertt »on fetbßänbigem Serthe, »on abfolutem 3wede, ber erß bie SSranchbarteit gu adern audmacht, unb ben e« wichtig iß in aden ©tänben gu pßangen. — Sen tpänas. (Sncottooäbic. III. 25 386 tiged ©egenmittel gegen bie bloße 2BortphiioIogie anfal); feine SenntniS ber SOfat^e» mati! befähigte ipit, mäprenb feines üfectoratd oertretungdmeife and) in biefer SSMffen« fdjaft ju unterrid)ten. 2ßenn er in Uebereinftimmung mit bem ©attge feine« ©ßftemeS ber 9J?etI)obe eine pope 33ebeutung aucp im Unterricht beimißt (ogl. bie fed)Ste 3febe), fo uerfennt er hoch bie 23ered)tigi»ig ber füepverinbioibualitcit niept. ®ie« bemeiSt in ber erften ©pntnafialrebe bsr fcpone Stuhfprud): „®iefe Ueberliefernng (nämltcp fc^on »orpanbenen S3ilbungöfc^a^e§) muß einerfeits mit treuer Bemühung gefdjefjen, aber ju« gleich tnirb ber S3udfftabe erft burep ben eigenen ©inn unb ®eift be§ Seprer« redjt frucptbringenb. — $>iefe inmopnenbe ©eele be8 £eprer« ift es, ma« bie 2Birffam!eit feines Unterridjt« auSmadjt." 2fucp einjetne ^raftifc^e SSemerfungen jeugen Oon feiner ®infid)t, fo in ber erften 9febe über bie SBicptigfeit beS fJ3ri»atfIeißeS, ja eben bafelbft mit einer für bie bamaligen SSerljältniffe getoifj feltenen IBorurtpeilSlofigfeit über bie geiftige SSilbungSfraft müitärifcper Uebungen, meldje burep einen Srlajj ber bapri* ebelßett ßtapr ttngsßoff mm unb in ber ebelften gornt, bie golbenen ülepfel in fitbernen ©egalen, enthaften bie SBerfe ber eilten, unb unoergteießbar mehr als jebe aitbent SBerte irgettb einer 3eit nnb Station. — Stefer SReicßtßitm aber ift an bie Sprache gebmtben, unb nur burep unb in biefer erreichen mir ipn in feiner ganjen ©igentpümlicpEeit. Sen Snpalt geben uns ettoa Heber« fepungett, aber niept bie gorm, bie ätperifepe Seele besfelben. Sie gleichen ben nachgemachten Stofen, bie an ©eßalt, garbe, etvoa aucp äBoptgerucp, ben natürlichen äpnlicp fein fünnen; aber bie Sieblicßteit, 3 artpeit unb SBeicppeit bes Sehen« erreichen fie nicht.... Sie Sprache ifi ba« mufifalifepe ©ternent, bas ©lement ber Snnigteit, bas in ber Ueberfepmtg oerfeptoinbet, ber feine Suft, burep ben bie Spmpathie ber Seele fiep 31t genießen giebt, aber opne ben ein SSSert ber Sitten nur fcpmecft tote Plpeintoein, ber oerbuftet ift. Seit bem meepanifepen SJfomente ber Sprach« erfernnng Oerbinbet fiep fogteiep bas grammatifepe Stubium, beffenSBertp itiipt poep genug angefcplagen merben fattn, benn es maept ben Slnfang ber logifepen SStlbung aus. Sie ©ram« mati! pat bie fiategorien, bie eigentpümlicpen ffirseugniffe unb Seßimmuitgeit bes SerftanbeS ju iprem 3 npalte; in ipr fängt alfo ber Serßanb fefbft an, gelernt 31t toerben. Stefe geiftigften SBefenpeiten, mit benen fie uns guerft befannt maept, ftnb ettoa« pücpft faßlicpeS für bie Sugenb, unb toopf niepts ©eifiigeS faßlicher, als fte; benn bie noep niept umfaffenbe Äraft biefes SllterS Oermag bas Steicpe in feiner SDtannigfaftigEeit niept aufsunepmen; jene Stbstractionen aber ftnb bas gans ©infaepe. Sie finb gfeiepfam bie einseinen Sucpftaben, unb jtoar bie SSocale bes ©ei« fügen, mit benen toir anfattgen, um es buepftabiren unb bann tefen 3U lernen. — Stfsbann trägt bie ©rammatif fie attep auf eine biefem Sitter angemeffene Strt oor, ittbem fie biefelben burep äußerliche §ülfsmer!male, toelcpe bie Spracpe meift felbft entpält, unterfepeiben teprt; um ettoa« beffer, als jebermann rotp unb blau unterfepeiben fann, opne bie Sefiiütionen biefer garben naep ber neiotonifepen §ppotpefe ober einer fonftigen Speorie angeben 3U fönnen, reiept jene ÄenntniS üorerfl pin, unb e« iß pücpft toieptig, auf biefe Uitterfcpiebe aufmerffam gemacht toorben 31t fein. Senn toenn bie Serftanbesbeftimmungen, toeil toir Oerftänbige SBefen ftnb, itt uns finb, unb toir biefelben unmittelbar oerfiepen: fo beftept bie erfte Silbung barin, fie 31t paben, b. p. fie jttm ©egenflanbe beS SemußtfeinS gemacht 3U paben, unb fie burep ÜDIerlmale unterfepeiben 311 fünnen. — Snbem toir burep bie grammatifepe Serminologie uns in Stbstractionen betoegen lernen unb bieS Stubium als bie elenteutarifcpe fßpilofoppie ansufepen iß, fo toirb es toefentfiep niept bloß als ßliittel, fonbern als 3mecf, fotoopl bei bem lateinifcpen als bei bem beutfehen SpracPunterricpt betrachtet. Ser allgemeine oberßäeplicpe Ceicptftnn, beit 311 oertreiben ber ganje ©rnß unb bie ©etoalt ber ©rfcpütterungeit, bie toir erlebt ( 1809 ), erforbertiep mar, patte, mie im übrigen, fo betanntlicp auep pier bas Serpältnis bon SJiittef unb .gmeef öerfeprt unb bas materielle SBiffen einer Spracpe püper, als ipre oerftänbige Seite geachtet. — Sa8 grammatifepe ©rternen einer alten Spracpe pat sugfeiep ben Sortpeit, anpaftenbe unb uttausgefepte Sernunfttpätigfeit fein 31t miißen; inbem pier niept, mie bei ber ßfhttterfpraepe, bie unreßectirte ©etoopnpeit bie richtige SÜSortfiigung perbeifüprt, fonbern es notpmenbig iß, ben burep ben Serftanb beßimmten SBertp ber SRebetpeile Oor Slugen 3U nepmen unb bie SRegef 3U iprer Serbinbmtg 3U §ülfe 3U rufen. Somit aber ßnbet ein beßättbiges Subfutniren bes 33 efonberen unter bas Slßgemeine unb Sefott« bernng bes SIHgemeinen Statt, als morin ja bie gorm ber 35 ernunfttpätigiert beßept. SaS ßrenge grammatifepe Stubium ergiebt ftep alfo als eine« ber altgemeinßen unb ebelften Sil» bungsmittel. 3). Sieb. ■f 387 fpen Regierung Dom 3al)r 1810 für bie ertoadjfenen ©püler angeorbnet waren. Allein ungead)tet biefer bttrd) öieffadje ©teilen befunbeten päbagogifdjen Ginfid)t, ungead)tet §eget felbft eine ©taatSpäbagogit 51t fdjreiben beabfid)tigte ©tofentrang ©. 254) unb nngeadttet beS StferS, mit welpem er wiebertjolt unb unter forgfältiger Benutzung feiner fdmlmännifdfen (Erfahrung feine fpefte für ben Unterridjt in ^ilofofpie unb Religion umar= beitete, ift er bod) bou einer felbftänbigen Bearbeitung ber ißäbagogif ober aud) nur non einer befonberen Berüdftdpigmtg berfetben innerhalb beS ©pftcmS ferne geblieben. 3)er ©runb peruon biirfte wefentlip in ber gangen 9fid)tung feines ©pftentS gu fttpett fein, nap welpem er unter 3urüdfteHung tei . na türltd>en 3nbinibualität unb Berfd)iebenl)eit ber SDtenfpen baS UBirtlipe unb SBafyre nur in ben allgemeinen ©efelgen unb gornten beS ©eifteS erblitfen tonnte; gu benen fid> beSbalb jebermann unter Aitfgebung feiner Befonberl)eit l;inangnbüben habe. Aud) bei gipte finbet fid? bie gorberung, baß alle Srgiehung beS Singeinen fid) nap bem ©emeingtneefe gu ripten habe, aufs ftrengfte ausgeprägt, fo baß beibe lßl;iIofopl)en glcid) Platon unb AriftoteleS Wohl an eine ©taatSpäbagogit benten tonnten; allein wäljrenb gipte hierbei cott bem Singelmiüen auSgieng nnb biefen gwar gu regeln unb gu üerfittlidjen, aber in feiner fetbftänbigen Äraft gn erhalten unb gu praftifd)en 3toecfen gu bilben ftrebte, unb Wäprenb eben ber= felbe feine Srgiehung bod) hauptfäplip auf bem Beben einer beftimmten BoltStf)üm- lipleit, alfo aud) einer natürlipen ©runblage thätig bad)te, fo galt eS bei fpegel für bie Wefentlidffte Aufgabe ber Srgiehung, ben SRenfdjen feiner natürlidjen Beftimmpeit gu entfleiben, pn mittelfi ©elforfamS unb Unterorbnung unter bie allgemeine ©ittlip^ teit gu bilben ober, wie er felbft fagt, „an ber Bruft ber allgemeinen ©ittlipteit gu tränten" (2B. 2B. I. 399) unb fomit bou bem Beben ber pefigen 2Birtlid)feit in ben Aeper ber 3bee emporgtpeben. ©iefer ©runbfah, baß bie Srgiehung ben 9D?enfd>en »on feiner gufäHigen ÜRatürlipfeit, bou bem ©tanbe ber Htolfeit, Ungered)tigfeit unb ©ünbpaftigteit gu erlöfen unb burd) SrtenntniS unb 3ud)t gum Smpfangett beS allgemeinen ©eifteS gu befähigen unb gu führen habe, teprt bei .f). mieberpott in mannigfadjen Ausführungen wieber. ©0 in ber britten ©pmnafialrebe: „®ie8 ift ber ^auptjwed ber Srgiehung, baß biefe eigenen fiinfälle, ©ebanten unb IKefteyionen, Welpe bie Sugenb ^aben unb- mapen fann, unb bie Art, wie fie folpe aus fid) haben tann, auSgereutet werbe; wie ber UBille, fo muß aup ber ©ebante beim ©ehorfam anfangen .' 1 Unb- in ben Anmertungen gur Sncptlopäbie (2BB5. VII. B. ©. 82.): „SJtan barf bie Si- genpümlipteit beS SDtenfpen nipt gu l)op anfd)lagen. Bielmehr muß man für ein leeres, inS blaue gelfenbeS ©erebe bie Behauptung ertlären, baff ber Hehrer ftp forg- fältig nad) ber Snbibibualität feiner ©d)üter gu ripteu, biefelben gu ftubiren unb auS= gubilben Ijabe. ©agu hat er S ar leine 3 e it. ®ie Sigenpürnlipfeit ber Kinber wirb' im Greife ber gamilie gebulbet, aber mit ber ©pule beginnt ein Heben nad) allgemeiner Drbnung, uap einer allen gemeinfamen 07egel; ba muß ber ©eift gum Ablegen feiner Abfonberliditeiten, gum SBiffen unb SBotlen beS Allgemeinen, gur Aufnahme ber öor= hanbenen allgemeinen Bilbung gebrapt Werben. ©ieS llmgeftalten ber ©eele — nur bieS heißt Srgiehung." ©0 oerfteht ftp benn, baß, wieberunt im @egenfa(3 gegen gipte, gegen beffen Bertrauen auf bie Sugenb gur 3eit ber natertänbifpen Kämpfe £egel ftp gelegentlip fepr abfd)ä£ig auSfprid)t, ber ©ehorfam als ber Anfang ber B?eiS= heit begeipnet wirb, weshalb bem Knaben ein £>anbeln nap eigenem Belieben nipt gn gejtatten fei. BMe wahr tnbeS bieS alles fei, eS ift bop nur bie eine ©eite berBSaljr^ heit, ©ewiß ift eS ber 3rced ber Srgiehung, ben natürlipeu SRenfpen gur Ueberein* ftimmung mit bem aKgenieinen ©ittengefeh umgubitben unb pn in ber 3beenwelt als bem aügenteinen BilbungSfpape peintifp gu mapen; allein eS ift nipt minber nop= Wenbig, baß ptu hierbei feine geiftige Sigenpürnlipteit unb felbftänbige Kraft erhalten bleibe, Weil er fonft gu einem frifpen unb gunerfiptlipen §anbeln nipt befähigt fein würbe unb weil aup in bem 9fetp beS ©eifteS bie lebenbige SRannigfaltigteit ber Singelnen ihre oolle Bereptigung hat. 25a8 ©ubfect foH nipt in ber Dbjectioität aufgehen uitb 388 §C0Cl. §egiud. feine befonbere garbe vertieren, fonbern burd; unb an bem Object fott ed fein eigenfted SÜBefen bitben unb fräftigen; bie Kr^ietjungdfunft wirb inbed tperju nur bann »ertjetfen, wenn fie ben fubjecti&en SSebingungen ber (Srjietyung, ber 33efonberl)eit ber einjetnen ©eiftedfräfte, üjrem nottjWenbigen 3Ser^ättni8 31 t einanber unb itjrer Hebung burd) ein= anber eine größere Stieitnatime 3 UWenbet, atd bied bei fiegel gefd;el)en ift. ©djtaber. §egi«3, 21 teyanber ((Quellen: Hamelmann opera genealog. histor. Lemgov. 1711, @.324 ff.; SDMnerd, Sebendbefdjreibungen berühmter Scanner, SSb. 2, @.364ff.; ©efd;id)te bed SBieberaufblüt^enS wiffenfdjafttidjer 33itbung in üDeutfdjlanb ben Krfiarb, Sb. 1, @. 416; 9faumer, ©efd). b. tßabagogif, i, 88; and) |>agen, S)entfd;lanbd literar. u. retig. Serl;. im 9?ef 0 rmationöjeitatter, 1, @. 135). fpegiud Wirb unter ben audgeseidjneten beutfdjen ©djutmännern unb §umaniften aud ber 2ten tpätfte bed 15. 3al;rl;unbertä> welche aud ben Srubertjaufern ber fpieronp» mianer peroorgiengen, genannt atd ©dfüler beS Thomas a Kempis in 3n>oHe,*) neben Sofyann Seffel (geb. 1420), tftubotf Sange (geb. 1439), ©raf 9)7orij3 bon ©piegetberg, fßnbolf Slgricola (geb. 1443, bgl. b. 21rt.), Subwig Slriugenberg (geb. 1450), unb anbent, unb atd Seljrer bed Slefiberiud Sradmud (f. b. 2lrt.), Weldjer nad; feinen eige* tten Eingaben in feiner ©etbftbiograppie bon feinem 9ten big 13ten Satyr (1476—1480) in ber ©djute 3 U Siebenter, beren Dfector .fpegiud War, unterrichtet unb erlogen Würbe. 2ln mehreren (Steden feiner ©djriften fpenbet Kradmud biefem feinem Setyrer ein aud= ge 3 eidjueteg Sob unb meint, „tDtomud fetbft tyatte biedeidit nur bad eine an itym tabeln tonnen, baff er ben fJhttynt metyr atd billig bernadjtäjjigte unb fid; wenig um bie Sftadj= wett betümmerte.* Ültepanber .ßegiud fiat feinen tarnen „fpegiud" Wie Styomad a Kempis, Subwig Slringenberg it. a. bon feinem ©eburtdort fieed: dt SBeftfaten. S)ie Eingaben über bie 3eit feiner ©ebnrt bewegen fid) gwifdjen 1420 u. 1443. S)ie erftere 3. ©. 89.) „(Den ©riedjen ^aben Wir atteS 31 t banfen.“ ©onft finben wir unter feinen ©djriften neben einigen ffjeologifdjen Arbeiten I)auptfäd)= lid) fotd)e oerjeid^net, bie fid) auf ©egenftänbe beS Unterrichts, Sßhhfib, SLoral, ®ram= matif, S^hetorif, Äritif, ober auf biejenige ©eite ber Ißfptofoplpe bejieljen, nad) weldjer fie bie Ipabagogil nal)e berührt. Hieber geboren einige pft)d)oIogifd)e Dbemen, fo ksqI '’pvzys, de sensibus, zceqI tsx vi 1s äzexvias- SSriefe, Welche fid) unter feinen äßerfen finben, unter weldjen namenttid) einer an 9?ubotf SIgricoIa unb 3obantt äßeffel, beban= bebt (pabagogifdje unb Mtifdje ©egenftänbe. Slud) Hbmnen, Stegien, carmina gravia et elegantia finb in bem obengenannten Ditel feine gefammetten SBerfe genannt. UebrigenS tritt feine fdjriftfteKerifdje Dbätigfeit gegenüber oon feiner Stßirffanifeit als ©d)ulmann bebeutenb in ben Htonp'tmb. ^»egiitS oerfamntelte in Deoenter einen auSerlefenen ÄreiS oon ©djütern um fid), unter weldjen Wir außer ben fd;on genannten SraSntuS unb 3obann äfturmeliuS nodj erwähnen: Hermann oon beut 23ufd), Sobann GafarittS auS 3ütid), einen ber älteften H erau Sgeber oon ißliniuS Laturgefd)id)te, Gon= rab ©ocIeniuS, iprofeffor in Söwen, Selber Oon 3obf?eimntfiim. Functus Alexander tumulo jacet Hegius isto, Tu cavo ne plantis laesa sit umbra tuis. Hoe duce Westpbalos intravit Graeeia muros, Et Monastriacas Pegasus anxit aquas. .pcimfltfiiut. Sie päbagogifdje 23ebeutung ber Heimat mib beS fpeimatfinng fdjließt ftd) angenfdjeinlid) naße an baS in bem Slrtifel gamilie, gamilienfinn bereits (Erörterte. Sie bort gegebene Siteratur auS ber @tl)if im allgemeinen wirb bafyer and) ßier aujufüfiren fein; für bie befonberen Sejiefmngen aber fönnen Wol)t außer 9tiel)lS bebeutungSöoüen 93üd)ern aud) bie itt ber gncpflopäbie oft citirten Briefe oon SBiefe genannt werben; ja felbft an bie patfyotogifdje unb pft)d)iatrifdje Literatur über baS Ipeimwel), oon 31 nbreffe, $angerl, (Saft ein au wirb erinnert werben bürfen. Sie fpeintat ift bie Umgebung, in weldjer ber Sftenfd) ins £eben tritt unb ßeran» WädjSt; in il)r füßlt er fic^ jit fiaufe. 2Bie ber 23oben für ben 33aum, ber grüßte tragen foK, fo ift fie bie 23afiS für baS fittlidfe Seben beS SDienfdfen. Snfofern ift bie Heimat im befonbern Sinne junädjft baS fpauS, unb mit biefem unb in bemfelben aUerbingS bann bie gamilie. Slber aud) ba, wo eine gamilie in ber eigentlichen 23e= beutung beS SEßortS nidjt beftetjt, fann ein fpeimatfinn für ein fpaitS fid) entwideln, felbft in ber SnftitutSerjie^ung, ja in ber pljalanftereartigen Staferne Wirb eS nod) mögtid) fein. Unb über baS §ait8 l)inauSgreifenb heftet fid) an baS Sorf ober an bie Stabt, an bie fßrooinj, an baS Sanb, in Welchem man geboren ift, ber ©inn für bie Heimat, unb wirb gum Oefüfjl für ein 33aterlaub. Sin fid) ift fomit ber £)eimatfinn etwas gegebenes, Wie bie £>eimat felbft. Sie Jocialpolitifdje Sebeutung, unb bemgemäß and) bie päbagogifcbe StufgaBe ber S3ead)tung unb pflege beS $eimatfinneS liegen ebenfalls auf ber fpanb. SRan ift fid) in ber neuern Seit beffen meijr bewußt geworben, weil in ber Sfyat oon mehreren ©eiten ©efafyr oorfjanben War feiner oerluftig gu Werben. Unfere fogenannten uned)ten ©tänbe, ber Wanbernbe 33eamtenftanb gum 33eifpiel, bie auS einem Sanbe in baS anbere gielfenben HnioerfitätSprofefforen Ooran, finb nteiftenS burd) bie Umftänbe fo geftellt, baß iljre Äinber leine fo Wirflidje unb fefte §eimat mel)r l)aben, Wie ein 33auern= ober 23ürgerS= finb, ober aud) ein SlbelStinb, baS im oäterlidjen fpaufe, an bem £>rt, Wo baS @efd)ted)t gelebt I)at, ergogen wirb. SaS 33aterl)auS als foldfeS, mit feinen oon ben frühen Sagen cer Äinbijeit unferm ©ebädftniS feft eingeprägten 2Binfetd)en unb ©pielpläßen, mit ber peitern fpauSflur unb bem fpof, unb mit ben ftiHen, etwas unl)eimlid)en Sadj= boten, Wo ein 3fefibuum eines §auSgeifte8 umgel)t, — baS §auS ber 33äter ift bie 33afiS eines red)ten IpeimatftnneS. 3ene gewaltige Sftadjt, Weldie bie l)eimifd)e SEßopnung auf ben ©eift unb baS ©emütf) beS SinbeS übt, toäljrenb eS fid) frei unb leid)t in berfelben bewegt, ift im wefeutlid)en gang baSfelbe, WaS uns fpäter einen beftimmten SI)ätigfeitS= freis wertl) mad)t unb liebgewinueit läßt, in weldjem wir ßeünifd) unb, wie man mit 9fed)t fagt, gu fpaitfe werben: bie ©efüfyle ber gelingenben Spätigfeit tyaben fid) eng mit bem ©egenftanbe oerflod)ten unb werben an if)m frolj; jebe ©eite, oon Weld)er wir ipn anfefien, ift mit unS felbft in eine 93egiel)ung getreten, jebe Gtingelnljeit läßt unS fühlen, baß wir beS ©angen mädjtig finb, unb ad unfer Sl)un unb gül)len oerläuft fieser unb mit 23el)agen in ber eingetebten 33al)n. ©old) ein 33aterl)auS aber fiubet fid) in Seutfdjlanb feiten mel)r red)t in ©täbten, wo bie Sauweife ber franjöfifdjen ober anglo=amerifanifd)en SJfietfafernen anfgefommen ift. 3n tiefen mobernen Sßoßnungen ift für Äinber gar fein Serritorium mefyr: fein geräumiger S3orplaf3, auf weld)ent man bie ©rübdfen in ben rotten gließen unb bie SBege alle fennt, in benen bie SKarmel am liebften laufen; feine Sßanb für benSlnWurf mit bem 33aH, fein fpof gum (Spielen, mit einem fröfjlidj fprubelnben 33runnen, unb mit ber gangen -ßoefie ber Äinberpfyantafie, bie fid) an baS lebenbige äßaffer fnüpft. •gminatftnn. 391 SBeldjed ©innen medt bie ©teile, mo ber flare Abfluß, ber ein föftlidjed fleined Ü8ädj= lein gebilbet l;at, an bem man Seid;e bauen tonnte, geheimnidoott in bie Gerbe fid) »er= jenft! Sa ift ein Sinnen beö fttaturlebend, mie ed mitten im Seben unb Treiben ber 5Dienfd;en maltet unb ihnen bient: unb gugleid; ein (Sutteben in bie Statur bed §aufed unb ber Ipeimat, ja in ihre @efd;id;te, mad einen vortrefflichen 93oben legt für ben jpateren Unterricht aud ben S3üd;ent! Sßer 2lef)nlid;e8 nie gehabt h«t, toeiß ed nicht gu fcha^en ! (Sin altes fpauS mit einem l>iftorifdjen 3«9 unb Suft h at aud; als ©djulljauS einen befonbern 9teig unb SBerff;: Älofterfd;uIen unb ähnliche Oebäube finb mahre 23urgen für ben fpeimatfinn ber ©dfüler. 2Bo jebed ßimmer fein eigeneg ®efid;t hat, ba hat eine Promotion in eine hvh ere Klaffe nod; eine anbere 23ebeutung al8 mo eineg augfieht mie bad anbere, mit einer Sturner begegnet, meld;e nod; bagu häufig gemed)= feit mirb, furg mo alles falt, uniform, unb meift aud; übelried)enb ift mie in einem mobernen gabrifgebäube. §eut gu tage giebt ed freilid; eine große SJtenge Seute, bie nid;t miffen, in meinem fpaitfe fie fleine Sinber maren; and) fpäter medjfelten fie bie fpeimat eben aud) öfters, bie Siebe gu ihr marb etmaS mehr ober mentger gerftreuted, feinen feften fpalt in ber Sorftettnng, mau möchte fagen in ber eingeborenen 3bee mehr finbenbed, am (Snbe mirflid; abdtracted. Sad hat feine folgen, ©o mandjer 33ater= lanbdtragöbe hat in ber Sl;at nie ein SSaterhaud geliebt! Stomantifd^e Stagen motten mir inbeffen hier nid)t anftimmen: fie helfe« nichts, unb finb am (Snbe bod; aud; nur einfeitig. Senn in ber S©hat, fo mertl;»ott ein foldjed gut altbürgerliches ober länblidjed fpaud, für ftinber immer ein ©d;loß, aud; fein mag, fo ift ed bod; felbftoerftänblid; nid)t ber 33au Don ©tein unb tpolj allein, an melchem ber §eimatfinn im Äinbe-ertoacht unb moburd) bie Heimat ihm tfjeuer mirb. 2lud; foldje fiinber, meldje mit ihren Gütern öfters andgegogen finb aud einer SStietmohnung in bie anbere, ja aud einem Sßofmort in ben anbern, fennen ben Ipeimatfinn unb fühlen feinen 3«g- Senn über bad Stachfte hinaus mirb bie fpeimat bem @emütl;e namentlich auch theuer burd; bie (Sinbrüde aud meiterem @efid;tdfreife: „aud meiner ©egenb" mie man fagt, aud ber SBoIfdmeife unb ©itte unb ©brache, meld;e bie fiinber aud bem SBerfelfr mit anbern Sinbern unb mit ermad;fenen (Singebornen fid; aneignen, unb gtoar mit einer gang unmittelbaren unb nai»en ÜSottfommenheit, oft mit überrafdjenber 2$irtuofität. 9)tan erfennt biefed |jer»ormad;fen aud ber fpeimat ja namentlid; aud; baran, baß fie felbft gegen bie Sntention ber (Sltern, oft mit befonberer S5orliebe bie (Eigenheiten ber fProoinj annehmen, in meld;er fie ihre Sugenb »erleben: furg, baß fie fid; recht eigent* lid; ald Äinber bed Sanbed fühlen-, ©idjerlid; ift biefe S©f)atfad;e ein bebeutfamed 3tto= ment für bie (Srflärung gefchic^ttxdjer (Srfd;einungen; baß g. ffi. aud ben grauten Kh'Iob= migd grangofen, aud SJormannen Staliener, (Snglänber, fa Sfuffen gemorben finb. Sie erfte ©eneration ber Sludgetnanberten mirb aber »ietteid;t barttm oft eine fo Ijeillofe, meil bie (Sltern bie neue Heimat »erad;ten ober »ermiinfd;en, meil fie »iel »ernüffen »on ber alten, meldfje bie jungen nie gefeljen haben. Sa fommt ber fpeimatfinn in Kottifion mit bem gamtlienfinn; unb bad erzeugt fd;ted;te ©emüthdguftänbe. @ang in gleicher SHrt ift bie fittlid;e ©d;led;tigfeit ber SJtulatten ol;ne 3meifel barin mit begrünbet, baß ber halbblütige ©prößling ben meißen SBater beneibet ober haßt, unb bie fdjtoarge SKutter »erad;tet. (Sr hat feinen 33cben in ber 3 D « e / ’« ber er erzeugt ift. Kd iß mohl Pflicht l;i er barauf aufmerffant gu machen, baß bie fßäbagogen fich ba unb bort am £>eimatfinn gu »erfünbigen fc^einen, menn fie in befter 3lbfid;t pro»in= giette 33efonbert)eiten gu unterbrüden unternehmen. Söenn ed babei »ottenbd »orfommt, baß fie nur eine anbere ebenfalls hro»ingieß gefärbte SJtanier an bie ©teile ber »er= folgten unb »erhöhnten einbienen motten, fo ift bad fid;erlidj meber im Sntereffe ber 23ilbung nod; ber (Srgiehung. Slud; hi er gilt ed, baß summa reyerentia puero debe- tur: man muß gart unb behutfam »erfahren, unb nicht roh aitdreißen motten, mad bie, melche ihm bie Siebften unb §öd;ften finb, bie ©einen, gepflangt haben unb felbft ebenfo halten. ®emiß mirb fo mand;mal ber Seim ftitter unb jäher Dpfofition auch gegen 392 •geimatfinn. bad Sßeffere tief eingefenft in bie ganje Stimmung bcö 23 etreffenben: fo tief, baß er fie aud) fpäter faum mehr audrotten faun. 3n ber ©djule forgeu aud) otjnebied ge» möfyniid) bie 9 J£itfc^üIer bafür, baß «derlei abgefdjtiffen mirb, mad in bie neue Umgebung nid)t paßt. Diefe Sugenb ift ohne Sarmfyerjigfeit. “Papoleon 23 onaparte’d erfte £eit in ber SJfititärfdjule ju SBrienne, too ber neunjährige Sorfe mit feinem frembartU gen 3biom non ben anbern genedt unb gequält marb unb fdjeu mie ein eingefangener SPauboogel fid) in einer (Sde biielt, giebt eine gute SÜuftratiou bajn. (Sr getoann einen Selber lierglid) lieb, ber fid> feiner annafym, unb lernte burd) ifyn in furjer 3 e ü bad redjte granjöfifcb. 9 ?odj auf ©and fpelena bat er fidj lebhaft baran erinnert. — SBenn ein Äinbergemütfy auf fclcpe SBcife in fyerjlofe frembe Umgebungen fomrnt, in meldjer ed burd) §ärte unb fpoljn ber SBerjmeiflung nabe gebraut mirb, !ann fogar eine frant» hafte ©eljnfndjt nad) ber Heimat, ein |jeimmeb entfielen, in toeldjem ed auch förperlid) baljin fdjmadjtet. (Sd fiub gälte befamtt, in metdjen fid) biefed ©ebnen ju jener melan- cholia nostalgioa Steigerte, in ber ein fdjleidjenbed gieber ben Äranfen bem ©rabe 3m führt, menn er nidjt eine Heimat gemimten fann. Sllterbingd mirb, mie ade pfljdjifdjett Ärantbeiten im finblid>en Sitter feiten finb, fo and) biefe gerat bed Drfibfinnd nur aud» nabmdhteife tüirflid) audgebilbet oorfommen. 3n geringerem ©rabe aber bat fie fdjon oft ju £ianblungen ber ißeigmeiflung geführt, bereu Urfprünge erft bie neuere Beit bead)tet bat. Slld gan3 oerfebrt ift ferner oon unferem ©efidjtdpunde aud bad moberne (Sptrern 3U be3eid)nen, nad) meldjem bie ©dtule bad fpaud abforbiren unb überflüßig madjen miß. Dad felbftänbige ©djultoefen ber neuen ßeit ift überhaupt erft redjt aufgefom» men mit ber Sfeformation unb ber mobernen ©ouoeränität ber dürften, mit ber ©taatd» ibee bed fed^ebnten Sabrbunbertd. ©erabe mie aber biefe fid) nod) nidjt frei gemad)t batte oon ben 3feminidcen3eit bed Sfflittetatterd, fo gieng audj ber patriard)alifd)e ©eift bedfeiben nod) burd) bie neuen ©djuten. Der ©djulmeifter banbbabte üäterlidje Sludorität unb £iaudorbnung. Die ©d)ulbüd)er toaren .fpaudbüdjer unb blieben ed lange; fie tour» ben immer toieber abgebrmft, nid)t in „neuer gän3lid) umgearbeiteter" 21 uflage. 3 ft bod) in alten proteftautifdjen ©djulorbnungen audbrüdlid) gejagt, baß „grammatica Phi- lippi für alle ßeiten" foüe ©d)ulgrammatil bleiben. „SBiffet ihr nicht, fagt 9 fiel)l oon beit fpaudbüdjern, baß auf foldjett ererbten, oon Äinbedbeineit an gefannten SSüdjern ein gans anberer ©egen ruht, ald auf getauften? 3ene lebt man burd), biefe liedt man. (Darum ntar aud) ein eigener bulbreidjer ßattber in ber alten SBeife, toie bie Sebrbiidjer bon ©efd)Ied)t 3U ©efdjledjt fid) forterbten unb brambbar blieben, müljrenb ber grelle Snbioibualidmud ber mobernen Seljrermelt fid) and) barin geigt, baß jeber ©djulmeifter mit einem eigenen Sebrbudj epperimentiren lann." 3n ber alten SBeife fonnte ed aber nun natürlich nicht immer fortgeben, ©erabe toie nämtid) fernerhin bie politifd)e (Sntmidelung nid)t ftel)en blieb bei ber SBliite ber neuen gürftengeloalten, fon= bern aHmäbüd) neue ©ebaufen über bie 9 ?ed)tdorbnung bed ©taatd in bie öffentlidje ÜPeinung übergiengen, fo gieng ed aud) mit ber ©djule. (Sd toarb mit bem ©tauben an bie patriardjalifdje Sludorität gugleidj aud) ber ©iaube an bie Sludorität bed |jaud= oaterd angegriffen, unb fomit bie bed ©djulmeifterd, ber toie mir faben eine Slrt oon tpaudeater unb |)audl)err gemefen mar. Da begrünbete SSafebom, felbft bem elter» lid)en §>aufe entlaufen, toeil er bie ßud)t feined Saterd, eines barbarifd)en fßerüden» mad)erd, nicht ertragen fonnte, ben burd) Sode unb fftouffeau oorbereiteten fßbtlantbro* pidmud, melier §anb in fpanb gebt mit bem SBeltbürgertbum, be3iebungdtoeife ber §eimatloßgfeit. Sind) in bett ©ebieten bed Sßiffettd mar übrigend ber bßropbet bed ©bftemd nirgenb red)t 3U §aufe. Diefe moberne ($r§ieb)ung trieb sunäcbft nun nid)t bloß ben ©eift ber l;aufed 3U fe(3en. hierin arbeiteten biefe Sebrer, ohne ed ju miffen, bem bureau» fratifdjen ©taat üortrefflid) in bie §änbe, meldjer ebenfalls aßed eigent^ümlic^e fociale •fmmatftnn. §elfcrfhftcm. 393 geben Berneinte unb baljer ben Sieg ber reinen ©d)utergiehuug nad) Sräften förberte. gd war eine 3 e it/ 1150 bem Ipaufe bie 33ered)tigung eined felbftänbigen fittlidjeu Sreifed int öffentlid)en Seben gar nid)t nte^r guerlannt werben Wollte; ber ed)t germanifd)e ©a§ „my house is my castle“ galt ohnehin Bor bem Ißoligeiftaat nid)td. Sie 3 uc ht s unb SDZeifterlofigfeit aber jened ©efdjledjtd, Weldjed Seutfdjlanbd tieffte ©rnicbrigung in ber napoleonifd)en 3^it erlebt unb gunt Sfyeil mitoerfdjulbet I>at, l)ieng nid)t Wenig mit biefen 3uft“nben gufammen. Sie Seute, Weldje ba obenauflamen, finb foldce, Die ein £>aud madjen wollen, aber fein £au 8 l)aben: gerabe wie in fold)er 3 e >t^änber auf ber Sarte gemadjt würben, aber Jein Saterlanb. ©elbftfiidjtige, genuß= unb l;errfd)= füdjtige Serftanbedmenfdjen, 9D f Jinifter= unb St^rannenfnebbte, mit lauter ißh ra f en ßom öffentlichen 2Bot)l erfüllt, Waren in Stenge Ijerangebilbet Worben, oljne allen l;iftorifd)en ©inn, ohne ißietät; and; ber fpeimatfinn war faft gang überwunbeu, bei oielen @ebil= beten wenigftend. SBieberunt finb wir l;ier auf bie Slufgabe Iji'igefüljrt, com £>cimatfinn and bie Siebe gum Saterlanbe 51 t pflegen unb ju näbren: aber bie Saterlantdliebe h fl t einen eigenen Slrtilel, unb wir Ijaben hier nur barauf hingutneifen. Unbeftreitbar nätitlid) murgelt aller ed)te *|3atrtotidmud in unfernt §eimatfinn, aber er fällt nidjt mit ibm gufammen: beuit ber letztere getjört ber ©pl)äre bed ®efül)Id= unb @emiitt)dtebcnd an, unb »erhält fid) gur Saterianbdliebe Wie bie Stnlage unb ber ©rieb gur bewußten ©nt= Widelmtg unb gu ber Erfüllung einer etfyifdjen Aufgabe. 9tun aber ift biefe fidjerlid) nit^t ein Sodmopolitidntud abdtracter 2lrt, eine allgemeine SBeftöerbrübcrung, fonberu jene Siebe gur tpeimat, Wie Dbpffeud fie hegte, ber Bieter Sänber ©täbte unb SDlenfd;ett ge= fel)en unb freunblid) unb gewaubt mit ihnen oerlehrt, aber ftetd ficf> nad) §aufe unb nad) bem ÜSeibe gefeint I)at. ©onberbar, ed will faft fdjeinen ald hätten bie in bie= fern Sunct bid^er nid)t fonberlid) gut erlogenen Seutfdjen mehr tpeimatfiun, ald wahren Satriotidmud. 3nt Studlaube fd)Wärmen Wir alle für bie Slnllänge and ber £>eimat, eine SÖtetobie rührt und bid 3 U ©h r ^nen, eine ©peife non einer Sanbdmännin nad) l)eimi= fdjer 31rt bereitet erfüllt bad $erg mit feurigen ©efühten. Slber Weld)ed Soll ift wie= herum fo bereit, fogar Bor gremben,auf bad eigene Saterlanb 31 t fd)mät)cn? Sein befdjränlter ©d)itlbube geringer Iperlunft Wirb fo arg unb regelmäßig heruntergemadjt, ald bie beutfdje Station itt ihren oergangenen unb gegenwärtigen 3uftäitben, infonberljeit häufig Bon ben Werren Sehrern berfelbeu. Sad ift eine täglidie Erfahrung. 2Birb ed halb beffer werben? ©eWiß lann and) bie ©d)ule, lönnen bie Sehrer in biefer 93e§iel)«ng, fo gut wie fie mandjed oerfehrt anfangen lönnen, aud) Biel helfen; fie wollen ed auch- SBie aber 31 t helfen, bad 31 t erörtern ift ©ad)e bed Slrtileld, weldjen eine berufenere geber über bie Saterlanbdliebe fd)reiben wirb. 3öir fagen hier nur nod) Eined; wie ber ©d)luß in ber Wandtafel lautet: ©in feber lern fein Section, fo Wirb ed wol)I im Waufe ftol)n; — fo muß aud) in bem großen, weiten, alten Ipaufe, in bem wir Seutfd;e unfere SBohnungen haben, Bor allem ein feber feine tßflidjt thun. Dr. SSecfcitnteher. Weiterleit, f. grohfinn. Welfcrfhftcnt. hierunter begreifen wir bie planmäßige SBenüfcung ber ©djiiler 3 U görberung ber ©d)ul 3 Wede unb gur llnterftühung bed Sehrerd in feinem Sel)r= unb 6 r= 3 iehungdgefd)äfte in unb außer ber ©d)ule, alfo bie Drganifation eined §elferbienfted ber ©chüler in ben oerfdjiebenen 3 toe i 3 en ^ C1; ©d)ultl)ätigleit. 2)er ©ebanle, fid) ber ©diüler ald @el)ülfen gu bebienen, ift alt, unb War Wohl guerft burdj bie lltoth heeoorgerufen, entfpridjt aber fo fehr bem gangen Sßefen ber ©d)itte, baß er aud) mit bem Serfcf)tninben ber 9?etl) feine Bolle 33ered)tigung bel)ält. Sie ©d)nle ift eine orgattifd)e Slnftalt. ©ie h^t e ' lien gemcinfameu 3 1BCC ^' fcer ohne Seeinträdjtigung bed befonberen 3 11 Je( f e ä ber ©lieber (benn biefer lann unb barf bem erfteren nid)t Wiberftreiten, bitbet Bielmel;r einen integrirenben ©h e '^ bedfelben) bur^ bie gemeinfante j©^ätigfeit ber ©lieber unter ber Seitung bed Sel;rerd erreicht 394 -§elferfyftcm. »erben fett. Sitte SEIjütigleit ber ©lieber (©filier) l;at alfo sugleid) bie Statur einer 2Kitf;ülfe für bie ©djuljmede. Snfofern fönnte man bie gange ©c^ule ein §elferft)ftetn nennen. 3eber arbeitet für fid) ltnb feine 3mede unb bod) feiner für fid) unb feine 3 »ede allein. 3 nbem er für ficf> tljätig ift, trägt er gugleid) gur Srreid)ung bed ge= nteinfamen 3 wct *eS bei. Slußer biefer gleidjfam unmittfürlidjen fpülfe fann man fid) aber aud) bie Stufgabe ftetten, bie S^ätigfeit eingelner ©d)üler nocf) über bad, »ad jeber gunäd)ft für fid) felbft 31t tl)un hat, in ben SDienjt bed ©angen 3m ftetten, um bergörberung bed gemeinfamen 3 »etfed —■ in 33 erbinbung mit ben 3 »eülfe fann orbentlid)er unb außerorbentlidjer SBeife ftattfinben. Srftered ift ber gatt, menn einem geförberten unb oerläßlichen ©d)üler eine Slrt geiftigen fßfleg* amted über einen fd)mäd)eren SOlitfdjüler übertragen mirb, oermöge beffen er bie fßflidjt übernimmt, nad) Slnleitung bed Sehrerd ben l)äudlid)en gleiß bed jüngeren unb fd)mäd)eren 31t übermachen, ihn an bad Sludarbeiten feiner Slufgabe 3U erinnern, mit ihm biefelbe oorher burd)3itgel)en, ihm einige Slnleitung 31t geben, grüljered mit ihm 31t mieberfiolen. Sd leudjtet ein, baß bied nur in folchen gälten audführbar ift, mo biefe ©d)üler entmeber 33 rüber ftnb, ober bod) ohnehin täglid) gufammenfommen, in Sinem ipaufe mohnen, alfo oor3ugdmeife in Sehranftatten mit Sonoicten, unb baß ed überhaupt in biefer Sind* behnuitg nur feiten unb mit 33 orfid)t gefchehen barf. häufiger unb unbeDenflidjer an= menbbar ift bie außerorbentlid)e fBenütgung bed ©djülerhelferbienfted in ber ©d)ule. §ctfetfojfrm. 395 SOteljrere Sdjmächere gufammen fönnen halb in biefent halb in jenem ißenfum, »o fie lang= famer ooranfdjreiten, unter Dberauffidjt beS Set?rerd Bon einem ftärteren Sdjüter überhört ober geübt »erben, ffiarunt foltte ber Sdjiiter, ber einen Sefeabfdmitt guerft fertig lefen fann, nidjt bie fdjtuädjften benfeiben Stbfdjnitt lefen taffen, ober eine ÜJtemorirauf» gäbe ^erfagen taffen, Stedjenaufgaben mit ihnen »überholen u. bgt.? Stur bat ber Seljrcr bei alte bau ben oben oorangeftettteu ©runofah, »onad) jebe fotdje $ülfe nur bann guläßig ift, »enn fie ben fpetfern felbft oon Stufen fein tann, nicht aud ben 2tu= gen gu taffen. 3nbeffcn finb ed nidjt allein bie fd>tuäd>eren unter ben Sd)iitern, bie eine ütn»en= bung bed fpelferbienfted »üitfd)end»ertt) madjen, fonbent aud) bie ftärteren, benn »ad bei jenen bie fperabtaffung bed ftärteren äJtitfdjüterd gur dnf^ornung beiträgt, bad ttjut bei biefen ber gegenfeitige Sßetteifer. 2öirb hierunter ber (Eifer, mit ben anberen gtei= djen Schritt gu bitten, gegen ben ÜDtitternenben nid)t gurücfgubteiben oerftanben, fo ift nid)t nur nic^td bebenflid?ed babei, fonbern ed ift oietmebr ein unentbehrlicher |jebet für bie Sdjute, ber itjr einen fpauptoorgug bor bent Singetunterrid)te fidjert. Stn bem 93oran= fhreiten bed SDittfdjülerd fott jeber fein eigened S3or= ober Sfitcffcbreiten erfennen unb feine Äraftanftrengung beurtheiten. >$u beni ®nbe tonnen bie Sd)üler beauftragt »er= ben, b» unb ba ihre Arbeiten in ber Sdjute gegenfeitig gu corrigiren (mittetd Unter* ftreid)en ber fehler) unb gu cenfiren, bamit jeber fetbft lehre unb öom Stadjbar belehrt »erbe. Die einfadjfte 9lrt »echfetfeitigen Unterrid)td. Sliid) Korrecturen eined fD?it= fdjülerd mad?en bid»eiten einen tieferen (Einbruch atd bie bed Sehrerd. Diefe Slrt Oon Sdjüterhiitfe fott jebodj bem Seigrer feine Krteidjterung gewähren. Denn fetbftöerftänb= lieh muß er bie oon beit Sdjütern burdjgefeljene frernbe ütrbeit nicht minber forgfättig felbft burd)fehen, um fid) üon ber Stidjtigfeit unb SSoHftänbigfeit ber Korrectur gu über* geugen, ober er muß bie Oon bem Korrector bemerften geljler münbtid) angeben taffen unb gum Stoffe gemeiufamer ^Belehrung madjen. Dagegen bient ed gteidjermaßen gur (Erleichterung bed Sehrerd »ie gur Sidjerung bed Unterrid)tdg»eded, »enn ber Sehrer in gälten, »o er üiet an ber Dafet Oorgufd)reiben, oorgttred)nen ober üorgugeigen hat, fotgtid; am beftänbigen Smaugebetjatten ber gangen Staffe gehinbert ift, eingetne Schüler aufftetlt, »etdje bie Stnlje unb Slufmerffamfett ber anberen gu übermalen haben, »ad fie unbefdjabet, ja gum ißortheit ihrer eigenen Slufmerffamfeit t^un fönnen. Dodj greift biefer SDtenft fdjon in bie fotgenben Strten ein. Die Sdjutergiehung macht ben £>etferbienft ebenfattd gutäßig unb »ünfdiend* »erth. Senn fie erforbert nicht nur eine ftete fpecietle Ueber»ad)ung ber Schüler, bie bem Selber einer größeren Klaffe in oieten gälten unmögtid) fein bürfte, fonbern ed oerhätt fid) mit ihr aud), »ie mit bem Unterrichte, baß mandjed h»i'hergehörige oon einem ‘SDtitfdjüter leichter gcfc^ietjt unb lieber angenommen »irb. Die Sd)ulergiehung begioedt nicht nur im allgemeinen bie SBerljütung fehlerhafter Stiftungen unb Steuße* rungen bed finbüdjen SBitlend unb bie Krloedung unb (Erhaltung eined aufrid)tigen, frommen Sinned unb Der greube am @uten, fonbern im befonbern bie ®e»öl)nung an gef eilige Dugeuben, »ie 35erträgliffeit, Dienftf ertigfeit, ©etjorfam, Unterorbnung unter bad ®efe£, unb an ein anftänbiged, gefitteted betragen gegen jeberntann. Sdjon bie (Erwägung, baß für atted biejed bad SBeifpiet bad ^außtergiehungdmittet ift, muß bie 2Bit felbft getfjait »erben tonne, burd) audgetoäl)lte ©djüler (23camte) gefdjel)e. 3 lt fcem ®nbc t^eilt er fämmtlidje ©Ritter nad) ibjrer fittlidjen 2 $erfd)ieben= heit in brei Klaffen, ‘'•Pfleger, SUittelclaffe unb Pfleglinge. ®ie g»ei erften Klaffen »äl)len and ber 3^1)1 ber ‘Pfleger bie ©djulbeamten (Dberanffeper unb Unterauffeper, leitete fr 3 e hner" genannt). ®iefe Beamten nennalten iljr 2 lmt einen SUonat lang, haben eine fdjriftlid)e Suftruction unb »erben täglich nor bem ©d)luffe ber Sßadjmittagdunterridjtd» ftunben in ©egenwart ber übrigen ©d)iiler über il;re Semertungen, bie fie fidj auf ihre «Schiefertafeln notirt haben, non bem Seljrer abgehört. ®ad Krgebnid »irb in ein SJiegifter eingetragen. 3ft ein SBergeljen abguritgen, fo »irb in ber 2 Bodjenfeier aud 3ögiingen ber Pflegerclaffe ein ©djnlgeridjt gebildet, »eld)ed burd) fdjriftlid)e unb ntitublid)e 2 lbftimtnung über „fdjulbig" ober „nid)tfd)ulbig ;l gu entfd)eibeu t)at. — ®iefe Kiuriditungcn, (fo leicht fie ftd) in abstracto red)tfertigen laffen), biirfteu bod) in ihrer 2 lu 8 fül)rung ntandje 23ebenfen erregen. 3 ft bad Vergehen, »ie ed in ben meiften gal= len fein mag, tlar unb unläugbar, fo bebarf ed biefed Äinberfd)»urgerid)ted nid)t, um ben ©d)itlbigen unb bie gange Klaffe 001 t ber ©eredjtigfeit ber ©träfe 51 t überjengen. 3ft aber ber galt g»eifell)aft, fo ift aud) ber 2ludfaH ted 333al)rfbrud)ed non gweifel» haftem 2 öertl)e. Sebenfaüd »äre ein foldjed ©d)ul= ober ©ittengerid)t in bie gefdjlof* fenen Grgiel)ungd = namentlid) üfettungdanftalten (ngl. bad 9taul)e fpaud) gu nermeifen. — 3ur Hebung in ber brüberlidjen Siebe burd) freiwillige ®ienftleiftungen »irb non 3eKer ben Pfleglingen, »eiche ber Seitung bebürfen, je ein Pfleger, ben ber Pflegling felbft aud ber 3«pl freiwillig fid) bagu erbietenter ©lieber ber Pflegerclaffe gu wählen pat, gugetpeilt, Welcher, nachbem ftd) Pfleger unb Pflegling bie jpanb darauf gegeben haben, baß ber eine ein treuer, »ad)faiuer, frcunblidjcr Pfleger, ber anbere ein gehör» fauter Pflegling fein »olle, nad) ben 23eftimmnngen einer im Sel)rgimuier aufgelegten pflegamtdanweifung fo lange für feinen Pflegling gu forgen hat, bid biefer »enigftend oier SBodjengeugnijfe (b. h- 3 eu 3 Niffe für bie Kltern, baß er fid) in ber 2 ßod)e tabelfrei gehalten habe) in ununterbrochener fjolge erworben hat.*) 9?id)t Weniger, ald bie ©d)itlgud)t, ift ed bie ©djnlorbnuug, bie eine Piithülfe ber ©d)üler für ben Sehrer »ie für bie ©d)ulg»etfe felbft »iinfd)end»ertl) maiht. 2luch in biefer |jinfid)t läßt fid) alfo ein .fjelferbienft organifiren. *) Obige Slorfdjläge Bellers übertragen nad) meiner SHeimtitg an Unmiinbige dedjte unb Pflidjten, bereu ftch bie SJtiinbigen, bie Sehrer ititb ©rjieber nicht entäußern dürfen. (Sin an* bered ift es, bas Priiteib ber briiberlid)en Siebe itt ber ©tfmlgemeinfdjaft gu pflegen, »eiche ohne befonberc Seflattung unb Sontrole aus perfönlidjem Stieb unb nach freier SSahl ben SBrnber hütet, ©djmib. §elfetfoftcm. 4?er6art. 397 3>tr ©djttlorfcnung gehört bie Drbnung in ber 3t it uttb int Socal. (SldeS ju rechter 3eit unb am regten Drt!) 68 berftetjt fid), baß alle ©d)üler ju beibem mit» ttirfen mäßen, beim fte fallen alle baratt ge»öbnt »erben, unb nur »enn jeber feines DrtS Drbnung enthält, fann bie Drbnung im ganjen eingel)a(ten »erben. Durd) bie aufgeftedten Reifer fod feinem bie ©arge für bie Drbnung feiner ©adfen erfpart ober abgenommen »erben. 68 giebt aber aud) @efd)äfte bon allgemeiner SSatur, bie jur Drbnung erforberlidj finb, bie bott einjetuen jum Seften be 8 ©anjen berrid)tet »erben müßen, näntlid) in Hinfidjt auf bie 3eit ba 8 Sauten jur ©d)ule, ba 8 3 u f an tmeit= rufen ber SluSgetretenen, ba 8 Singeben ber ©tunbe (»o e 8 nötl)ig ift) u. a. ferner ift »ieber eine Ueber»ad)ung be 8 einjelnen in beffen orbnungSmäßigem SSer^alten, im richtigen Äommett unb ©eben, Sfmn unb Saffen nott)»enbig. 3n |)infid)t auf ben Drt, ba 8 §erbeifdjaffen unb 3wid)ten ber jurn gemeinfanten ©ebrattdje beftimmten @erätl)fd)aften unb Sebrmittel unb Slufraumen berfelben nad) gemaltem ©ebraudje, ba 8 6 infamtneln ber Hefte unb auSgetfyeiiten S3üd)er, ba 8 Slufroden ber Sanbfarten, ba 8 Deffneit unb ©dfließeu ber Seljrjimmer u. bgl. Die S3eauffid)tigung be 8 einzelnen fann fid) namentiid) and; auf bie 9?einlid)feit in fileibung, @efid)t unb fpanben, 33ü= djern, heften erftreden. Daß fid) ju biefem adern bie ©djüler felbft nidjt nur eignen, fonbern bem Selber tt>eil»eife unb geit»eife ttnentbebrlid) fein fönnen, bebarf feines 23etoeife8. Slber aud) ben ©d)ülern ift e 8 eine nüfjlidje Uebttng unb ©e»Bl>nung an Drbnung in Shtsfiifyrung ber Sßefe^Ie, an 21 ufmerffamfeit, )ßünctlid)feit unb fßflidjt» treue. Daher muß aud) biefer Dienft unter ben ©d)ülern möglid)ft »ed)feln. 3a, ein »erftänbiger Sefjrer »irb b' e unb ba gerabe biejenigen ©djitler ju DrbnunqSgcbülfen »üblen, bie eine Neigung ju Unorbnung ober @leid)gültigfeit gegen äußere Drbnung 3 eigen, »eil ba 8 biedeidjt ba 8 ^»edmäßigfte ©littet fein mag, fte auf ihre eigene ddän» gel aufmerffatn 3 U ntad)en, il)nen Drbnung jum 33ebürfttiS unb jur @e»o^nßeit ju madjen. Slud) ^iebei aber ift nic^t aud bem Sluge jn laffett, baß ade 8 bon ben ©eßülfen in feftbeftimmter, jebe Saune, SBidfilr, fßarteilidjfeit möglid^ft au 8 fd)üeßenber f^orm unb nad) borgefdjriebener, ber ganzen 6 laffe befannter Snftruction gefdjetje. SSon ber ©d)ule muß jeber ©d)ein ber fßarteilidjfeit bon ©eiten be 8 SebrerS ferne gebalten, unb ade gel)aßige Singeberei unmöglich gemad)t »erben. ©. 51. Stiecfe. Hcrlwrt, 3ob. griebr. (geb. am 4. ÜDlai 1776 ju Dlbenburg, einziger ©obn be 8 fürftlid)en ÄanjleiratbS H-, beffen S3ater fid) al 8 9fector be 8 ©bmnafiumS große SSerbienfte er»orben butte*), — ein fdjarffinniger Denfer bon unermübetem gorfdjuitgSgeifte unb großer @e»iffenbaftigfeit, ©djöpfer eines eigentbümlidjen unb burcbgebilbeten ©t)ftem 8 ber iPbitofort' e < tnenbete auch auf bie »iffenfd)aftlid)e SluSbilbung ber fßäbagogif bom etbifcb fjraftifd)cn @efidl)tSf>uncte au 6 eine febr lebhafte, nid)t bloß getegentlidfe ober nur burcb bie Sonfequenj beS ©bftemS betborgerufene Slufmerffamfeit unb einen fel)r ernften unb auSbatternben gleiß. 3 a »ir »erben faum 3 U »eit geben, »enn »ir annebmen, baß ibtn bie fßäbagogif ber StuSgangSpunct unb Hauptantrieb »ar für benjenigen Dbeil feiner pbilofopbtfdjen Seiftungen, ber feinen dfamen am meiften erhöbet b<*t, für feine fßft)d)ologie. SöenigftenS b a ben »ir bafür fein eignes attSbrüdlidjeS 3 c ugni 8 .**) — *) ®iefer SR amt, 3ob. Sttiicbael £., »ar „untoerfennbar eine bebeutenber, getflbotter ?ßäba» goge bon pbdofopbtfcber SRidbtung. ®as be»eifet eine lange ’Jteibe böcbß anjte^enber ©ptnnafial* Programme bon djin, bie in Dlbenburg nodj borbanben finb." SB» berbanfett biefe Stotij, fo »ie auch bie bon uns beuüpten StuSjüge aus bem Äircbenbmbe ber ©iite beS Herrn ©eminar* birector SBillid) in Dlbenburg. **) ©. Herbarts fämmti. SBerfe berauSgeg. b. Hartenßeht Sb. XI., ©. 380 f. in ben ,,Se» tnerlnngen" über einen päbag. Stuffap bom 3. 1814: „3cb für mein ®betl berbart unb feiner fpöbagogif I)ier eine eingehenbere 23efpred)ung 31 t Wibmen. ®er junge §erbart würbe üon feinen Sltern mit großer ©orgfalt exogen, Wobei fid; Siebe unb ©trenge auf eine gliidiidje SBeife oerbunben ju fyaben fd;eint. Ser.jar» teiung blieb fern; ber ftnabe „mußte ftd; luftig fleiben, l;art fdjlafen, zeitig aufftefyen." ®ie SOiutter herbartg ift bag mufifalifche befonberg 31 t nennen. Sr erlernte alg Änabe gleichseitig mehrere 3n= ftrumente unb würbe in einem öffentlichen Soncerte bewunbert auch componirte er fepon ßjfpcpotogie berrübrt, unb baß Wir erfi biefe Sßiffenfcpaft haben, ja jubor noch bag SBlenbwerf, bag peutjutage ipfpepotogie heißt, fortfepaffen müßen, ehe Wir nur bon einer einjigen Seprftunbe mit einiger ©ieperheit beflimmen fönnen, wag barin recht gemacht, Wag berfehtt fei." *) 2>er erwaepfene ©opn ftanb benn auih auf ber ©eite ber SJtutter, alg eg fpäter ju 3er» Würfniffeit jwifepen ben Eltern tarn, bie jur Trennung ber Epe führten. ©. Scrbeng ißrogr. b. 9tienburg 18ßO. **) ©. bie SJorrebe jur 2. Stuft. bon £erbartg Sehrbuch 3 ur Einleitung in bie tppitofoppte ©. IX. §ter preifet §. fiep gtücfticp, baß er alg Äitabe burep tßribatunterrüpt (in ben oben erwähnten SRetigiongfiunben), fobann auf bem ©pmnafium in ber ißhttofophie unterwiefen worben fei, unb betlagt bie in neuern Seiten eingetretene „tBernacptäßigung etneg friihjeitigen philofopht* ftpen Unterrichtg." 3Jlan bergt, audp feine ©eprift: lieber ben Unterricht in ber 33hitof°hhie auf Opmnafien. Sin föerrn SRegierungg» unb ©cpulrath Gtemeng in ©umbinnen 1821. — §.’g Urtpeit in biefer noch jept unentfepiebenen päbag. Sontroberfe muß gewiß ju einer nm fo forg» faltigem ©rwägung ber ©a^e aufforbern. 3nbeffen fragt fitp, ob er niept auep pier, wie in feinen Erwartungen bon bem 8jäprigen jfnaben mepr burdp bie an fiep fetbft gemachten fpecietten Erfahrungen, alg burep umfaffenbe ^Beobachtungen unb eine unbefangene Slnfcpauung ntenfcplicper Entwidlunggftufen fup habe beftimmeu taffen. §crbart. 399 in frühen 3apren fleine ©ingftüde. ÜDie Hebung ber SDJufil pat ipn burd; fein ganges Seben begleitet. — 3m 3apre 1794 begann ^perbart feine acabemifcpen ©tubien gu 3ena, als eben gid;te bafelbft fein Sepramt antrat. ®er (Seift beS SRanneS riß aucp ipn pin unb er mürbe für einige 3eit fein Slnpänger, entmidelte jebod> halb, in ftarfem ©egenfaig gu gierte, bie Sinfänge einer eignen ÜDentart. ©d;on im 3apre 1797 finben mir ipn fobann als £)auSleprer in Sern, in ber Familie beS (perrn oon ©tei= ger; unb biefer fein erftcr päbagogifcper SlßirhmgSlreiS, ben er mit ber ipm eignen Snergie unb Sefonnenpeit anSgufüüen ftrebte, barf jngleic^ als bie JSeimftätte unb SSSiege feiner päbagogifcpen SBiffenfdjaft angefepen merben. ®ie fd)riftlid;en Serid;te, melcpe er ben 3 e ^ 3 U 3 e ü ^ em 33ater feiner beiben 3ögHnge über ben (Sang unb Srfolg feiner Semüpungen, fcmie gelegentlid) aucp über feine SrgiepungSgrunbfäige abftattetc (abgebrudt in ben fämmtl. SB. Sb. XI. unb auSgugSmeife in ^artenfteinS Siograppie §erbartS), geugen nid;t allein üon großer ©emiffenpaftigfeit unb ©orgfalt, fomie oon bern ernften ©treben, fidi> tpeoretifd; über bie Äunft ber Srgiepung 3?ed>enfdjaft gu ge= ben, fonbern laffen aucp fcpon mehrere ber t unb baß ißeftaloggi ipm außer ber gemßpnlidjen 3^>t eine UnterricptSftunbe mibmet; ob ein näherer Umgang, ein längerbauernbeS 9RittpeilungS= oerpältniS barauS peroorgegangen fei, finben mir nirgenbS angebeutet. SS fragt fidj nun, miefern biefe. Selanntfdfaft auf fperbartS päbagogifd;eS ©treben unb 2)enfmeife oon Sinftuß gemefen fei. fgürS erfte, angunepmen, baß ^erbartS päbagogifdjeS gor= fd;en erft burd; ißeftaloggi angeregt unb entgünbet morben, fcpeint bei genauerer Setrad;= tung ber Umftänbe nid;t mopt mßglicp. IßefMoggi gieng im Iperbft 1798 nach ©tang, baS bie grangofen im September beSfelben 3apreS oerbrannt patten; er blieb pier ein palbeS 3apr, begann alfo nicpt Bor bem Sapre 1799 feinen Unterricht in ber SolfS= fd;ule gu Surgborf. 9?un finben mir aber fcpon in ben altern Sericpten fperbartS an ben |>errn o. ©teiger aus ben 3apren 1797 unb 98 bie beftimmtefte Stnbeutung einer merbenben £peorie, ja eines anSgebilbeten ©tubienpIaneS, nicpt bloß nacp ben Umftänben, fonbern auf ©runb allgemeiner Sinficpten aufgeftettt unb auSgufüpren oerfudjt; mir fin= ben eigentpümlid;e 3^ge feiner fpätern ißäbagogit fcpon felgt auSgefprocpen, mie inSbe= fonbere bie fgorberung beS gried;ifcpen UnterricptS, namentlicp ber Sefung Römers, in früper Sugenb oor bem Seginn beS lateinifcpen. fragen mir aber, ob ißeftatoggi’S @e= banienlreis unb Seifpiel nid;t bennobp auf bie (Seftaltuug unb SluSbilbung ber £>erbart= fcpen Speorie oon irgenb mefentlidfem Sinfluß gemefen fei, fo pßren mir am beften gunäcpft §erbart felbft, loie er menige 3apre fpäter in einem mit großer Älarpeit unb SBärme gefcpriebenen Sluffape oom 3apr 1802 über bie bamaiS fo eben erfdfienene ©cprift Ißeftaloggi’S: „SBie ©ertrub ipre Äinber leprte" oon -Peftaloggi’S SJirien rebet (©iimmtt. SB. Sb. XI). Sr äußert fiep pier mit Sinerlennung über if3eftaloggi, namentlicp über beffen SlementarunterridjtSmetpobe, unb fiept in ber Sepanblung ber belannten brei UnterricptSobfecte, ber gorm, ber 3npl unb beS SBorteS, baS bringenbfte UnterricptSbebürfniS ber niebern SoßScIaffe, fomeit bieS ©aepe ber ©d;ule fei, befriebigt, fomopl in Segug auf bie geiftige Silbung überpaupt, mie auep pinficptücp ber oorbe= reitenben Serufsbübung; er erfennt inSbefonbere in ber Sultur ber ans Sluge fid; an= fd;ließenben 3infd;auung unb in ber baburep gegebenen fRidptung auf baS Dbfectioe eine mefentiiepe görberung beS fittlicpen ©eifteS; felbft jene ^Jeftaloggi’fcpe Sepanblung ber SBörter, mie biefelben als unbebingt felbftrebenber SluSbrud ber Segriffe opne Sr= iäuterung unb Seranfcpaulidfung beS SnpalteS bem ©ebäcptniS eingeprägt mürben, fudjt 400 §er6art. er 31t redjtfertigen, intern er nuf bie Srgättjuttg beS Gebens, 31t toeffett aufmerffamerer Betrachtung bie gelernten SBorter ber ©eele Berbereituug unb 3Zei3 barböten, htnWeiSt. (Er forbert biefen (Elementarunterricht als ©runblage für alle, Will aber für biefcnigen, toeldje einer höfjeni Bilbung jngefübjrt werben founten, eine wefentlidje (Ergä^ung burdj eine „äftljetifdje ÜDarfteKuug ber SBelt" (f. unten) folgen laffen. (Ebenfalls günftig ur= tljeilt ^erbart 3toei Saljre fpäter in einem 31t Bremen gehaltenen Bortrage: über ben ©tantymnct ber Beurteilung ber lßeftaIo33i’fdjen UnterridjtSniethobe (fänuntl. SB. Bb. XI unb Heinere ©triften Bb. I). 2 )aS SBefen unb ber Bor3ug ber $eftalo33i’fdjeu Unter= ridjtgmetljobe, fagt er, liege Ij'e* nidjt in ben bisher oon ^eftalosji bargebotenen £eljr= mitteln unb Serngebieten, fonbern barin, „baff fie füljner unb eifriger als febe frühere SDZetljobe bie Ißftidjt ergriff, ben ©eift beS föinbeS 31t bauen, eine Bestimmte unb tjell= angefdjaute (Erfahrung baritt 3U conftruiren, nidjt 3U thnn, als hätte ber Änabe fdjoit eine (Erfahrung, fonbern 3U forgen, baff er eine befomme." (Sr urt^eilt fo, nadjbcnt ereilte jDarftellung feiner eigenen Slnfidjt Oon ben BorfteHintgen, als ben (Elementen beS ©eifteSlebenS, in loeldjett nidjt nur baS SBiffen, fonbern aud) baS Söoüen liege, 001t bem tDZedjaniSmuS berfelbcit unb oon bern SDZangel aller urfhriingltdjen Slnlage in ber ©eele oorangefdjitft hat; unb ans biefer Slnfidjt conftrnirt er bann eben bie 9 Zotljwenbig= feit ber ^|3eftaIo3ji'fc^en älietljobe loenigftenS für bie erften ©djnljaljre; beim für bie fpätere ßeit, in wcldjer fdjon auf ©runb ber gegebenen (Erfahrung eine innere ©elb= ftaubigfeit ftdj feftgefteUt habe, forbert er „bie unterhaltenbe SOZetljobe Bafebows." Blau wirb auS biefen SDZittheilungen erfenneu, baß £>erbart 3loar beit fdjWeiserifdjen '^abagogen bewuuberte, febodj oon Slnfang an feljr felbftänbig ihm gegenüberftanb unb 31t feiner 3 eit fein Slnljänger ober ©diüler genannt Werben fonnte. (Er faßt erftenS oon ‘■flefta* lo3ji’S SrjiehungSmethobe nur baSjenige, WaS feiner eignen überwiegenben Sfidjtung entfprad), bie objectioe ©eite, ben Unterricht, inS Singe, unb fdjeint baS aubere, bie (Einwirfung auf baS ©emütl; in fittlidjer unb religlöfer 9 ?idjtung burdj bie SDiadjt beS ßerfonlidjen (SinfluffeS, beS liebreidjen £>anbelnS unb ber auS bem §er3en qitellenben Shbe, wobnrch Ißefta^i feine 3 bee ber (ElementarbilbungSmethobe fo bebeutenb unb wirffaut ergän3te, bamals gar nidjt beadjtet 3U haben. (Er blidt ferner bei feiner Sln= erfennung ber ißefta^ji’fdjen UnterridjtSmetljobe gleidj anfangs über bie ©rensen ber- felben hinaus, betradjtet fie als ein ei^elneS ÜÜZoment unb benft baranf, fie 31t ergänjen. Unb eitblidj ba wo er beiftimmt, thut er eS auS ©riinten, bie ihm eigen finb, auf ©ntnb einer fdj0 1 0gifd>en Slnfidjt, welche burdjauS nidjt biejenige )ßeftalo33i’S war. — Sludj barauS, baß £>erbart in feiner erften bebeutenberen ©djrift qoäbagogifdjen SnljaltS eine oon tpeftalo33i geftellte Slufgabe 3U löfen beftrebt ift*), bitrfen wir feineSwegS auf ein tiefer begrünbeteS (SinoerftanbniS ober auf baS BerljältniS eines ©djüterS fdjließen. 3 )ie Höfling War bttrdjauS nidjt im ©inne lßeftalo33i’S. Slber ein großes unb begeifterteS, au Sitten unb ©ebanfen reidjeS ©treben, wie baS $eftalo33i’S, übt freilidj einen fo mädjtigen (Einfluß auf bie ©emütljer aus, unb bietet außerbem oon fo nieten ©eiten SlnfnühfungSfmncte bar, baß wir uns uic^t wunbern müßen, wenn bie entgegengefehteften 9 iidjtungen, wie gidjte’S unb |ierbartS, fi. im 3 aljr 1798 einen feljr oortfjeit^aften, burdj feinen Bater oermittelten Borfdjlag, „eine Ijocljgeftellte tperfon auf einer längeren 9 Zeife 31t begleiten," in einem Brief an ben Bater, ber oon 3arter Ißietät, aber and; Oon großer fittlidjer Befonnem Ijeit, ©elbfterfenntniS unb Sharafterfeftigfeit jeugt (f. SörbenS a. a. £).), abgetehnt hatte, 0erließ er bie ©djweis im 3 . 1800 unb bradjte 3unädjft einige 3 ahre in Bremen 3U. *) „Beßatojäi’S 3bee eine« StB© ber Stnfdiauung unterfuebt unb wiffenfcbaftttd) ausgefiibrt" bon §erbart 1802 ; mit wenig beraubertem SEitet unb bernteljrt burdj bie Slbbanbluitg „über bie äftbcttfdje ®arfteünng ber SGSett" im 3 abr 1804 neu herausgegeßen. — *Peflaloäjt'8 eigne« ber Stnfdjauuug ober StnfdjauungSberhcittniffe ber äJtafjberhättniffe" erfdjien im 3 aBr 1803 . §crbart. 401 $ud) l)ier finben wir ihn, neben eifrigen ©tubiett, jjäbagogifd) befdiaftigt; er bereitete einen jungen SDiann für bie Uuioerfität nor unb ^telt pabagogifdje Verträge für grauen. 3 m 3 . 1802 eröffuete er feine afabemifdje SÖirtfamteit in ©öttingen als fßrinatbocent unb mürbe Wenige Satire nad)l)er außerorbenttidjer fßrofeffor. 3 U ben SBiffenfdjaften, über wetd;e er laS, gehörte gleich anfangs and) bie f}3cibagogif unb fd)on unter feinen S)iS= fmtatiouSttiefen finben mir päbagogifcf)e Sähe. 3m 3. 1809 folgte er einem 9iufe nad) Königsberg atS orbenttidjer ißrofeffor für epbjitofofaljie unb ipäbagogif. 2Bäl)renb biefeS KönigSberger ÜlufentfiattS, ber bis juin 3. 1833 fortbauerte, erreidjte er ben ^otjepunct feiner miffenfd)aftlid)en St)ätigfeit unb feines afabemifdien GinftuffeS. fallen feine bebeutenbften fdjriftfteUerifdjen Seiftungen int -gelbe ber fßäbagogif tljeiiS fd)on in bie frühere ©öttinger Beit, theitS in bie fßäteren 3at)re — fo baß gefagt Werben tann, er habe in biefent ©ebiet feines SßirtenS, baS feinem fperjen am nad)fteit tag, feine Sauf» bat;n atS ©d)riftftetter begonnen unb befd)toffen —; bod) War audi in pätagogijdjer 33 e 3 iel)ung feine SBirtfamteit in Königsberg fel;r bebentenb, ba er tfieilS über bie ©tjecrie gat;lreicfj befud)te fBojlefungen titelt, tfjeiiS aud) bttrd) ©rünbuug unb Leitung eines fiübagogifdien Seminars unb einer bannt ocrbunbeitcn SDlnfteranftalt für Unterricht nnb (Srjietjung feine 3been prattifd) ju bewähren unb geltenb §u ntadjen ftrebte. S)aS3. 1833 führte it)u wieber nad) ©üttingen an ©djutje’S Stelle; unb and) Ijier War fein Ginftuß auf bie 3ugenb, wenn aud) weniger weitgreifenb atS in SontgSberg, bod) immerhin ein bebentenber. Sein 3tnbenteu fte^t in ipannooer’fdfen Sanbett nod) je^t bei nieten ©ebitbeten in Ghren; feine Stentweife ftingt nod) t)ie unb ba an ober wirb fetbft mit Gntfd)iebent)eit oertreten, unb namentlich jät^t ber twh ere Setjrerftanb eine 2lngal)t ad)tungSWerther, junt Sheit auSgejeidjneter 9Ritgtieber, wetd)e it;re f>cibagogi)d)e böitbitng auf §erbart gurüdführen. Gr ftarb nott nieten lebhaft betrauert 31 t ©öttingen am 14. üluguft 1841.*) Sßenor wir nun bie Starfteüung non £>erbartS (ärgiehungSt'Ejeorie beginnen, nernott= ftanbigen wir nod) bie Stufjähtung feiner päbagogifd)en Schriften. ©d)ott im 3ahre 1806 erfd)ien baS ipauptmert: Mgemeine -ßübagogif auS bem B^ed berGtgiehung ab= geleitet. 9tad)ft biefent atu wid)tigften ift fein te^teS ficibagogifdieS 2ßert: Umriß päba= gogifd)er SJortefungen. GS erfdjien jiterft im 3. 1835, fobattn in jWeiter fet;r nerftärtter SiuSgabe, atS ein fetbftänbigeS SBerf, baS bie 93etanntfd)aft mit ber „SUIgemeinen fßäba» gogit" nicht mehr oorauSfetjt, int 3- 1841. 2lußerbent hat fperbart in einer 9teit)e non Sdjrifteu meift Heineren Umfanges, non betten Wir einige fchon angeführt, ttjeilS eintei= tenbe 33etrad)tungen gegeben, tt)eilS befonbere fragen ber ißäbagogit abgel)anbett. §3on liefen Sd)riften haben Wir nod) ju nennen: 9iebe bei Gröffnung ber ißortefuugen über ^äbagogif 1803; ißäbagogifdjeS ©utadjten über Sdjutdaffen unb beren UmWanbtung nad) beit 3been beS fperrn DtegierungSrath ©raff, auf beffen öffentliches Verlangen be= fannt gemad)t, 1818. Ueber baS SBerhättniS beS SbealiSntuS jur fßäbagogif, 1821; 33riefe über bie ütnwenbiutg ber ipfhdjotogie auf bie iPabagogt!, unnottenbet geblieben unb unbefaititten 3at)reS, bod) jebenfaltS auS ber 3eit feines fpäteren 3UterS; 9?eun Jurge Stuffähe pabagogifdjen 3ni)attS auS fefir nerfd)iebenen 3at)ren non 1804 bis 1821; enbtid): StphonSnten jur fßäbagogit, eine reid)l)attige Sammlung non Grfat)= rungen unb 23etrad)tuugeu, wo mandje ffrage einget)enber, baju mit mehr fn - attifd)er SBärtne abgehanbett wirb atS in ben ft)ftematifd)cn £außtfd)riften. Seine ber pabago» gifdjett Schriften fperbartS fdjeiut unS ohne SBertf) unb Sebeutung; alte finb lehrreich, anregenb, ©ebanten wedenb unb lohnen baS Stubium. Stoch hängen fperbartS päba= gogifdje ©ebanten mit feiner gefammten hhi fc f 0 ^ i 1 d )en 3lnfid)t jitfammett. äRan wirb *) Untre §au)3tquelte über §erbart« SebeuSnmjtänbe ftnb bie ausführlichem btograbbifdien SOtittheitungeu, welche §artenftein in ber SSorrebe ju feiner Ausgabe ber Heitlern hbifofobbifeben Schriften §erbart« gegeben fiat. “tiäSCIä. gnctjflot'ütHc. III. 26 402 •jäctbatt. fie baljer nid;t leidjt öoflfommeu Berftel;en ol;ne grünblid;ere Kenntnis feines ©pftemS, unb nur »er biefeni beiftimmt, tuirb im ©taube fein, fie gänjlid;, in ber näutlidjen Segrenjung unb 93erf'nüpfung, wie ber 93erfaffer fie gießt, fid; anjueignen. ®arum ift einerfeitS ein ernftlid;eS ©tubium, artbcrerfeitS eine forgfältige fßrüfung unertäjflid;. 933er aber mit ber SDBittigteit in frembe ©ebanfen fid> gu vertiefen unb bie 933al;rl;eit, »o unb in wetd;er gorm fie erfdjeint, angunel;men, ©elbftänbigfeit beS eigenen ®enfenS unb ©rfaI;renS, bagu eine getoiffe 93orfid;t in ber 9Iufnal;me frember ©ebanfen Berbinbet, ein fotd;er wirb §erbart8 päbagogifd;e ©Triften mit bem entfd)iebenften fRujsen tefen. 3n ber SBerirfjterftattung über IperbartS 93äbagogit werben mir nun guerft feine allgemeine 9lnfid;t Bon ber ©rgiehungSfunft beutlid; gu mad;en fudjen; hierauf wirb bie 33etrad;tuug über bie 9totl;wenbigfeit ber ©rgieljung unb biejenige über bie 9Jiöglid;fcit bcrfelben folgen; fobann werben mir non .fperbartS teleoIogtfd;em ißrincip, feiner 2luf= fteflung beS 3 raec ^ e8 ber ©rgieljung Raubein; enblid) werben mir feine ©Ifeorie ber fßrapiS felbft, bie eigentlid;e Kunfttl;eorie, bie Kräfte unb SDUitel, bie fDietljobe unb 2e= benSfortuen, burd; weld;e unb in melden nad; fperbart bie 6rgiel;ung auSgefül;rt wirb, in ben .fkuptpuncten unb eigentümlichen 3ü3 en furg bargufteflen fud;en. 3n biefeit SRubrifen Werben mir and; ©etegeuheit genug finben, bie allgemeineren Wiffenfd;aftlid;en ©runblagen, auf Weld;e fperbart feine ®rgiehungStl;eorie erbaut f)at, fenntlid) gu mad;en unb fomeit eS für bie 93eurtl;eilung biefer (enteren nötl;ig fdjeinen wirb, Bon unferem ©tanbpuncte aus gu prüfen. I. Um fperbartS päbagogifd;e 9lnfid;t im gangen Borläufig gu djara!teri= firen, wirb eö unS geftattet fein, bie 93ergleid;ung mit irgenb einer anbern Kunft gur §ülfe gu nehmen, beren fRatur, ba fie mehr nad; aujfen liegt, Ieid;ter gu erfaffen unb Weniger beftritten ift, als biejenige ber ©rgiehungSfunft. fperbart felbft f)at biefen 93Beg nicht oerfd;mäl;t.*) 9?un bieten fid; oor allem gmei Kunftgebiete bar, in welchen eine Analogie mit ber Kunft ber ©rgiehung gefunben werben fann, auf ber einen ©eite bie bilbenben fünfte ber fßlaftif unb 9lrd;iteftur, auf ber anbern bie ©ärtnerei unb bie fßflaw gencultur überhaupt. ©S leudjtet aber fogleid; ein, baff biefe beiben ©tjmbole, wie fie wefenttid; Berfdjiebener fftatur finb, eingeln angewenbet, auf wefentlid; Berfd;iebene 9lnfd;auitngen Bon ber menfd;(id;en ©eele unb fomit and; ber ©rgiehungSfunft ^inweifen. Sßer ben ©rgief;er mit einem ©ärtner oergleid;t, fe(st in ber Seele beS 3ögßngg eine urfpriinglid;e SEeubeng unb Slnlage ooranS, gleidjfam einen Keim beftimmt gearteten SebeuS, beffen pflege bann bie Aufgabe ber päbagogifd;en Kunft ift. Slber eben biefe SBorauSfehung wirb Bon jenem anbern beftritten Werben, meld;er bie ©rgiehung nad; ber 9lel;nlid;feit einer bilbenben Kunft betrachtet. 6r wirb ber 9lnfid;t fein, baß bie £ebenStf;ätigfeit ber ©eele il;re ©lementarfräfte unb bie 2lnbal;nung itjrer 9?id)tung o^ne föiitmirfung eines urfpriingtid; entfpred;enben Snnern afleitt burd; duffere ©inflüffe empfange, unb baff erft in gweiter Sinie Bon biefen ©inWirfungen aus eiuSnnereS unb ein in bemfelben liegenber StuSgangSpunct weiterer ©ntwicflung entftehe. Ipiernad; muff bann bie oerhältniSmäffige ©d;ä(3uug ber oerfdjiebenen ©rgiehungSmittet, bie 9Inwenbung berfelben, bie gange 2lrt ben 3^9^ n 3 3 U Be^cmbdit anberS als im erften gmße fid; 8 e= ftalten, am oerfd;iebenften gwar in 23egug auf bie frühem SebenSjaljre, fo jebod;, baff burd; bie gange ©rgiehunggperiobe eine etwas abmeid;enbe gärbung fid; hinburd;giel;en wirb. — 9lnf biefer ©eite fteht entfd;ieben fperbart. 3n ber menfcfjlichen ©eele liegt, nad; feiner 9lnfid;t, feineStoegS „wie in ber fßflange unb aßen thierifdjen Körpern eine fefte Anlage." 9?ur feinem Körper nach ift ih m ber SßJenfd; „ein ®ing, baS feine tünf= tige ©eftalt Wie im Keime mit auf bie 933elt bringt." ®er menfd;liche ©eift erfd;eint ihm gleichfam als eine 2JJnfd;ine, bie gang unb gar aitS 93orfteßungen erbaut ift. 2Dienf<^lidf;e Kraft arbeite blojf baS aus, waS fie empfangen; barum fomme es fo feljr *) 3n ber ©cßrift: lieber ben ©tanbpunct ber Seurtbeitung ber Ißeftatojji’fcben Uutenicbt«» metßobe, fännntl. SB. Sb. XI. Herbart. 403 barauf an, »ad mau ifyr gebe. Grieben fei bafjer red;t eigentlich ein ©eben unb Gnt= jieljen, feined»egd eine btoße luffidjt unb EBartung, »ie unfre ©ärtnerei. „Der Eftenfd;, ber, »ie man »iE, 311m »Eben Diniere ober jur perfonificirten Vernunft »erben faitu, ber mtauftjörlidj geformt »irb non ben Urnftänbeti, biefer bebarf ber Sunft, »etd;e ihn erbaue, ihn conftruire, bamit er bie redete gorm befomme.'’ Snbeffen oenoirft bod; Herbart bei biefem »efentUd; ard;iteftonifd;en Gbarafter feiner Gr3iebungdanfid;t bad ©teidjnid gärtnerifdjer S 5 ebanbtuug nidjt burdjaud; er räumt it;m S 3 ebeutung ein für beit »eitern Sßertauf ber (Srjie^ung, nad)bem ber Infang gentad;t unb nun fcfyon »irffame ©runbtagen oort;anben feien. Der EJfenfd; fte^e bann in bem ßuftanbe halber Efilbitng unb nod; halb offner SBilbfamfeit offenbar ber ^flanje fdjon näher; in ben fdjon gegebnen ©runbtagen Hege nun et»ad oor, bad fid; »eiter ent»ideln »erbe, »enn man ed nidjt tjinbre, bad auf beftimmte EBeife aEem Efeubinjutommenben l^elfe ober »iberftrebe, unb nadj bent mngefetut bad Eteubinsufommenbe fid; ridjten müße. (©. bie angeführte ©djrift.)— Der ftarfe ©egenfafc ift ed, ber und l;' er an eine bebeutenbe päbagogifcbe Grfdjeinung ber @egen»art, an bie Oon fyr. grübet audgegangcne (Srjiebung8»eife erinnert. Denn »ie bei ,'perbart bad ardjitettonifdje fßrincip I; eri 1$0 f° toie* 3 *“ ber gröbet’fdjen ©d;ute, »enn »ir und nidjt täufdjeit, bad entgegengefejste, burd; bad Symbol ber ©artenfunft angebeutete febr entfd)ieben oertreten. EJtag ber ludbrucf „Sinbergarteu" atd ^Benennung eined Grsiebungdfreifed für bie finblidje Itterdftufe immerbin 3unäd;ft oon bem ©arten bergenommen fein, in toetd;em man bie Steinen oereinigt, fo barf er bod; ge»iß aud; atd eine treffenbe SEeseidjnung für bie bort berrfd;enbe ©efammtanfdjauung ber babei feft, baß bie SDc'öglidjfeit otmad aufguneljmen unb fidj lebendig angueignen für bie ©eeie nidjt üorljanben fein toürbe, ofjne eine im 3nnern gegrünbete (£mpfängUd?Eeit, meldje auf einer urfprünglidj gegebenen pofitiben ©runblage ruljen muff, unb bafj bie bloße Unbeftimmtljeit ald foldje feinedmegd fdjon Seftimmbarfeit ift. SDiefer nnfrer Setradjtungdmeife mirb nun freilidj feines ber obigen ©leidjniffe bem SBefen ber (Ergiehung gang entfpredjeub erfdjeinen. ©enn einerfeitd ift bie (Ergießung ja nidjt toie bie ©artenfunft ein Serljältnid gmifdjen fpecififd; üerfdjiebenen SBefen, bielnteljr gmifdjen foldjen, beren nalje Sermanbtfdjaft unb mefentlidje Sbentität eine Uebertragung unb SJUttifeüung bed innern Sehend unb feiner Ärüfte ntöglidj madjt; anbrerfeitd tonnen mir fie and; nidjt für SSearbeitung eines ©toffed galten, ber für bad, mad er merben ober barfteßen foß, gleidjgülttg mare, mie bied in ben biibenben fünften ber fyaß ift. ©oßten mir felbft ein ©leidjnid fudjen, fo mürbe fidj nnfrer Slnfdjauung, unb, mie mir glauben, ber ©adje fein anbered fo entfpredjenb anfdjtiefjen, ald jenes öon ber Sßereblung eined jungen ©tautmed burcfj (Einimpfung eined eblen 9?eifed. ©iefed 9teid bedeutet bad (Eultitrleben, metdjed gunäd)ft im (Ergteljer lebendig unb mirffam, den ßögling mit fidj gur ©emeinfamteit bed Sehend berfnüpft, bafj fein ©eift gleidjfam in badfelbe Ijineinmadjfe, um eind gu merben mit einem ©afein, bad niemals aud iljm felbft fyerborgegangen fein mürbe; aber mie nidjt mit jeder Saumart ber Sßilbling gepfropft merben !ann, fonbern eine nähere Sermanbt» fdjaft erfordert mirb, fo mürbe auch bie (Ergiehung oljne jene aße ßßenfdjen oerfnüpfenbe geiftige Sßermanbtfdjaft, ferner ohne bie entgegenfommenbe befonbere Slffimilation bed (Ergieherd, meldjer fi(h herabtajjt, um befto ficherer emporguheben, unausführbar fein. II. SJotljmcnbigfeit unb SKöglidjfeit ber (Ergiehuitg. — 1) ©ie Sfotljmenbigfeit einer äufern (Einmirfung auf den unermadjfenen SJienfdjen, damit er mie leiblich fo aud; geiftig ertoadjfe, ift, nadj fperbart, felbftberftänblidj in ber fdjon angegebenen pftjdjo- logifdjen Soraudfejsung unmittelbar begründet. Snbeffen findet fperbart bie (Ergiehung ald foldje baburdj nodj nidjt ijinveicfjenb motioirt. ©enn, mie er mit 3?edjt I;er*»orl;e&t, fdjon bie SJatur unb bad Sehen ohne aße (Ergiehung bieten und Sorftefluugeu bar unb helfen bie ©fjätigfeit uitfrer ©eele bilden; unb märe ed nidjt bie Ungemijjljeit, ber man nidjt Di'aurn geben dürfe, fo foßte man, meint er, lieber an gar feine abfidjtlidje 33il= bung junger Seute teufen; denn oft ergielje ber Bufaß biel b eff er, ald bie größte ©org= falt ber (Eltern unb Seljrer. ©er (Srgieljung gebe alfo bie Buberläfjigfeit ihres ifßaned iljren SBertlj; immer müfje fie ihren (Erfolg mo nicht mit ©emijjljeit, bodj mit h 0 h er SBahrfdjeinlidjfeit borfjerfeljen; gebe fie fidj oljneSJoth bloßen SO?ögIidj¥citen preid, fo höre fie auf (Srgieljung gu fein (an fprn. b. ©teiger), ©iefeit bon feiner STEieorie gu läugnenben, aud bem (Srnfte ber praftifdjen Siidjtitng felbft ergeugten ©ebanfeit finden mir, nur etmaS anberd unb gmar nodj ernfter fdjattirt, in ber (Einleitung gur SIßgem. ipäbagogif mieber (fämmtl. SB. X. ©. 6 unb 7). §ier mirb nidjt nur auf bad Unfidjere unb ^Ilanlofe jener gufäfligen (Sinmirfungen, fonbern audj bei berSJtadjt gefeßfdjaftlidj fiyiv« ter fftidjtungen auf bie hierin liegende pofitibe ©efaljr Ijingemiefen, meldjer gegenüber eine meife unb planooße (Ergieljung ben B'bSimS mitten in bem SBeltleben unb unter bem (Einfluffe beSfelben, bem iljn ganglidj gu entgieljen meber möglidj nodj räthlidj fei, burdj Selebung geiftiger 3ntereffen »or bem Untergange gu bemaljren unb gu einer in= «erlich freien ©teßung gu erheben fudjen mii^e. — ßßögen nun immerhin andere, gu meldjen audj mir gehören, in ben gufaßigen (Sinflüffcn bed Sehend entfdjiebner ald §er= fcart audj ben leifen ©djritt protjibentießer SDiitmirfung erfennen ober ooraudfehen; im gangen mirb baburd) jene ernfte Slnftdjt bon ber Unentbehrlichfeit einer plantmßen (Ergiehung gemijj nidjt in jyrage gefteßt. (Eingig dürfte bad Sertrauen auf eine h^h ere §ülfe bei bem Srgieher, ber feinen B^fing audj in fürbittenber Siebe trägt, jene etmad §cr6art. 405 peinliche Slengftticpfeit in ber iBeredjnung ber ©rjie^ungSentflüffe in etwad mitbern, Wobon bei ber Stegirung ber urfprünglid) inwopnenben Slntagen unb bei ber geringem SSeadj» fung bed ißrobibentietten im ßufattigen bie fperbart’fdje ipabagogif einen Slnftug nidjt ■njotjl bermeiben fcnnte. 2) ®ie grage nad) ber SJtögticpf eit ber Srziepung faffen mir pier nid)t in beni ©iwte, wie £)erbart in ber ©d)rift über bie bunfie ©eite ber ißdbagogif biefen ludbrucf gebraust, Wo er fagt: ®aß aber bie üttBglidjfeit ber @rziepung fottte tpeore» tijcp eingefepen »erben fönnen, unb j»ar nidjt bloß fünftig, fcnbern fcpon jept, bied ift freilirf> ein unnwglidjer ©ebanfe für ben, weldjer bie Aufgabe einer matpematifdjen fßfpdjologie nod) größtentpeitd unaufgetodt bor fid) liegen fiept (1812 ); benn pier ift bie Sttogtidjfeit eines bottenbeten Srfotgd gemeint, infofern berfelbe bon unfrer ©rtenntuid ber richtigen SDietpobe unb beren pfpdjotogifdjen ©runbtage mitabpängt. Sie grage, wie mir fie gegenwärtig aufwerfen, bejiept fid) auf bie allgemeinen 33oraudfepungen über bie Statur ber SJtenfdjeu unb ipreS wedjfelfeitigen 33erpä£tuiffed, and weldjen bie Ueberzeugung bon ber 2RögIid)feit ber Gcrziepung überpaupt peroorgepen fann, and) für ben galt, baß wir bie SJtittet noep ni(pt gefunben ober bie Strafte nod) niept gewonnen patten, burd) weiepe ipre SBerWirflitpung juftanbe fommt. Sd berftept fid) aber, baß wir biefen ©egenftanb nur foWeit in 23etrad)tuug jieperr, atd £>erbart feibft ipn berüprt pat. ®r tput ed mepr negatib atd pefitio, mepr potemifd) atd tpetifd). Sie-Sttögtid)» feit ber Sr^iepung im allgemeinen berupt in bem ^Begriffe ber Silbfamfcit, met» eper ipm ein Üebergepen bon ber ltnbeftimmtpeit jur geftigfeit anzeigt (f. Umriß pabag. Sßorlef. Sinteitung). 2ßie nun aber biefer liebergang beim Saling eben burd) bie er» jiepenbe SinWirfung rnögtid) fei, bariiber finben Wir bei ipm uidjtd pofitioed, fcnbern nur bie SSetantpfung folcper Stnfkpten, Wet(pe nad) feiner Sluffaffung bie ©eelc fepon atd ein int boraud 23eftimmted, atfo niept mepr SBeftimmbared boraudfepen. Spiernad) miißen Wir urtpeiten, baß §erbart bie üBeftinunbarfeit ober SBitbfamfeit ber ©eete ein» fad) in iprer urfprüngtiipen ltnbeftimmtpeit finbet. Unb fragen Wir, Wie ed ju erftaren, baß bod) bie SSefiimmbarfeit ber ©eete erfaprungdmäßig feinedwegd unbegrenzt, fcnbern pier fo bort anberd nad) 9iid)tung unb SJtaß im boraud beftimmt erfdjeint, fo weifet er und tpeilS auf badjenige pin, Wad, epe bie Gsrziepung eingreift, Statur unb Seben burd) ipre Sinftüffe fd)on beftimmt paben, tpeitd auf bie Snbibibuatität. Unter biefer aber berftept er niept eine im Snnern ber ©eete gegriinbete eigcntpümlicpe, in Sraft, Steigung unb,©treben bon bornpereiit fid) funbgebenbe Stidptung, fcnbern bie SSerfdjiebenpeit ber „Sinförperung,* bermöge wetd)er „bad geiftige SBefen fotdje unb anbre ©cpwierigfeiten unb ipnen gegenüber ?eid)tigfeiten in feinen gunctionen antreffe'* (fäinmttt SB. 23. X. ©. 37, Slttgem. $abag.); fo baß ipm Snbibibuatität tpeitd ein pribatioer, tpeitd ein negatiber SBegriff ift (atd SJerpinberung unb atd bloße Sticptberpinberung).— Sen e Slnfidjten aber, wetdie bon fperbart atd ber urfpvüngtidpen ltnbeftimmtpeit unb Seftimmbar» teit ber ©eete wiberfpredjenb befäutpft werben, finb ber gatatidmud unb bie Sepre bon ber trandeenbentaten greipeit. Sen erfteren bürfen wir pier unbeadjtet taffen, in ^Betreff ber letztem jetod) finb einige SBemerfungen unertaßtid). §erbart ift namtidj überzeugt, baß biefe Sepre alle ßrjiepung aufpebe unb baß ipre Vertreter, bor atten fant fetbft, nur burd) Snconfequenj an bie Sttöglidjteit berfetben glauben fonnten; er fept fie in ^Betreff iprer Soufequenzen für bie jeittidje SntWidetung atter tpanbtungen unb ©efinnungen bem gatatidmud böttig gteid) unb befämpft fie bei bieten Slntäffen, bid» Weiten mit einer ©ereijtpeit, bie nüt ber fonft fo preidWürbigen Dbjectibität unb Stupe feiner Stiebe ungünftig contraftirt; eine fßolemif, bie burd) feine ganje fd)riftftetterifd)e £auf= bapn bon ben Spefen feiner Soctorpromotion (1802) bid ju ben ^Briefen an ©riepen» tert jitr Sepre bon ber greipeit bed SBittend unb bid jur zweiten Studgabe bed Umriffed päbag. SSortefungeu (1841) fid) piuburcpjiept. @d tann nid)t unfre 2tbfid)t fein, an biefer Streitfrage iprer ganzen Sebeutung nad), im Sntereffe ppitofoppifd)er Srfenntnid überpaupt pier und zu betpeitigen; nur jene befonbre grage bürfen wir nid)t unerörtert 406 ■§erbart. laffen, ob »irflid) bie 3lnnal)me tranScenbentaler greiheit, »ie Iperbart beljau^tet, bie SD'iöglidjfeit ber Gcrjiehung aufhebe. SEßeitn »ir nad) geltenbem ©pradjgebraudje unter bemSTraitScenbentalen baSjenige ©ein ju berftehett Ijaben, »eldjeS als bie höhere ißotenj über bem empirifd) S^atfäc^Iidjen »öltet uub ben Slnfprud) inad)t, baSfelbe nad) 3nl)alt unb gerat ju beftimmen, fo liegt ber ^Behauptung tranScenbentaler greiheit be® SBißenS bie SorauSfefcung jum ©runbe, baß ber äöiße als freier »efentlid) ibentifd) fei mit ber traft foIdjeS hohem ©eins unb eben baburd) loSgefprodjen Den ber fperrfdjaft be§ realen (beffer: realiftifdjen) ßaufaliteyuS, »ie berfelbe in ber 23eobad)tung berSJatur unS entgegenjutreten fdieint. ®iefe höhere 9)?ad)t aber ift bie 3 bee, »orunter »ir uid)t ben ©ebanfen als bloß ibeette ©Siegelung ber ®inge, mag biefe nun finnlid) ober abStract fein, fonbern bie 2BaI)rl)eit felbft öerftehen in ber Snergie il)re8 ibeaten ©eins, »ie biefelbe tfyeils in ber I)öd)ften gorm beS ©ebantenS unb im ©iauben, b. i. in ber unmittelbar lebenbigen Ueberjeuguug, tl;eilS im Söoflen, baS bem ©Iauben junäd)ft öerteanbt ift, enblid) im @efül)I, baS als Siebe fid) öoßenbet unb als folcfe an bem greif) eitSleben fee® ©iaubenS unb beS HBoEenS tl;eilnimmt, bei unS 93ienfd;en, bie toir aus ihr geraffen unb auf fie angelegt fiitb, eine Heimat anfpridjt. tpiebei »irb nun freilid) nod) nidjt für alle gölte ober für jebe ßntwicfeluugSftufe beS geiftigen SebenS öeranSgefefst, baß bie eine unb l;öd)fte SBafyrfyeit, b. i. bie 3Bal)rl)eit ©otteS als foldje erlannt, geglaubt unb jur traft beS SBoßenS ge»orben fein mäße; fonbern eS ift tranSceubentalegreifet beS SBißenS fd)on ba anjuerfennen, »o nur eine 3bee als fo!d)c, fei fie aud) fürs erfte befd)ränlt unb ifolirt erfaßt, ja fei eS aud) §unäd)ft bie 3d)ibee, biefe ©runblage unfrei - formalen greil)cit, mit ihrem Slnfprud) inbioibueßer ©elbftänbigleit unb SebenSfüße unb bet ftetS broljenbcn ©efahr beS GgoiSmuS — cie traft beS SBißenS auSmadjt, »iemoljl bie greil;eit in ihrer öofltotnmeuen, hödjften unb oöflig ungetrübten ®rfd)einung nur burd) bie eine unb höd)fte 2öa^rl)eit, »enn fie in uns lebt, unb burd) bie Unter* orbnung jeber befonbern 2Bal)rl)eit unter fie gegeben fein !ann. — ®iefer 33egriff ber tranScenbentalen greiheit, b. i. ber innern greiheit beS SfBißenS felbft — beim fie faun nad) biefer Slufidjt ber ©ad)e leine aubere als eine tranScenbentate fein, unb ber 2tuS= brud „tranScenbentate greiheit' 1 ift plconafiifd) — fmbet ftd) nun in unferer beutfdjen Sbealphilofophie öon tant an mit großer Sebhaftigfeit unb Snergie öon oornljerein erfaßt unb »irb eben öon benjenigen ®enfern, »eld)e £>erbart fort»äl)renb beftreiten ju müßen glaubt, immerhin nod) ungeniigenb, bod) mit »ad)fenber tlarl)eit, erörtert, greifeit ift nad) taut baS Sermogen einen ßuftanb abfotut anjufangen. gid)te ertlärt bieS für eine öortrefflidje 9?amenerflärung, »obei eS jebod) erft barauf anfomme ju geigen, »ie benn ein ßnftanb fd)Ied)tl)hi angefangen »erben fünne. 3nbeS muß juge= ftauben »erben, baß and) bei tant biefeS »i e nicht ganj unerlanut geblieben ift. ©d)on itjni ift bie greiljeit, »enn fd)oit fie bem natürlichen SaufalnepuS entt)oben ift, teineSmegS, »ie fperbart ju glauben fcfjeint, motiüloS, mithin uitbered)enbar unb unbe* ftimmbar. iDfögen »ir taut immerhin nod) fdjtoanfen feljen jmifdien ber Sinnahme, baß bie greil)eit SorauSfehung fei für bie SBirffamleit beS geiftigen ^rincipS in unfern <5ntfd)liiffen, unb jener aitbern, baß baS geiftige fßrincip, bie 3bee, als ©runbmotio bie greiheit conftituire — ein ©d)»anfen, baS fid) erflärt aus feiner abstraften Unterfdjei» buitg ber negatioen uub pofitioen greiheit (trit. b. praft. Vernunft Sefjrf. IV), öon »eld)cn bod) bie erfte nur golge ber jmeiten fein lann —; fo ift bod) fdjoit feine Stuf» fteßung einer pofitioeu greiheit überhaupt neben ber negatioen, unb fobann bie Slrt, »ie er über biefelbe fid) äußert, Ijinretd^enb, um jene ÜDleinung ju »iberlegen. ®enn in ber Sinleitung ber tritif ber UrtheilSfraft fprid)t er öon greiheitSbegriffen, bie er ben Dfaturbegriffen entgegenfefst uub unter benen er ganj beutlid) fold)e ^Begriffe öer= fteht, »eld)e bem SBilten als Sdlotioe bienen tonnen unb baS ißraftifdje im etpifchen ©inne beS IffiorteS bilbeit. ®er greil)eitSbegriff, jagt er, enthalte ben ©runb 3U aßen finnlid)=unbebingten praftifdjen Sorfchriften a priori, er beruhe auf ber ©efehgebitng ber Siernunft. Unb eS bebarf für ben, ber feine Sffiorte unbefangen im 3ufammen= •§cr 6 art. 407 tjange liegt, famu ber Erinnerung, baß greüjcitsbegriff t)ter nidjt etwa ber 33egriff ber greiljeit, fonbertt ber bie greiljeit ergeugenbe SBegriff ift. 2Bie wenig aber Äant unter trangcenbentaier fyreit^eit eine greiljeit »erftanb, bie feine ÜDfotioe Ijabe itnb in jebent Sinne bem caufalen 3ufammenl;ange enthoben fei, geljt aufs fdjlagenbfte aug feiner fDJetljobenleljre ber praftifdjen Vernunft ferner, wo er eine SUfetljobe ber fittliajen Sr* jieljttng tiorfdjlägt, Weldje mit tperbartS äftljetifdjer Sarfteüung ber 333ett nalje genug ocrwanbt ift (wooon unten tneljr). — DJodj beftimmter alg Äant fpridjt gierte fidj über bie ÜBeftimmbarfeit beg freien 333iüenS burdj äftotioe aitg. Ser fdjledjtljin ange* fangene 3 u ftanb, fagt er, werbe nidjt fdjledjtljin an uidjtS angefniipft, nur nidjt an ein anbereg Sein, fonbern an ein Senlen, weldjeS l;ier nidjt bloß bag 3 ll f e ^ ett f> a & e f fonbern felbft abfclut reelle Äraft beg ^Begriffes werbe (Stjft. ber Sittenleljre, §. 2 ); wobei er aunimmt, baß bag ülngefdjaute mit bem litfdjauenben Sin Sßefen, Sine traft unb Subftang fei, ein Sa(j, ber feine .£>ärte itnb llnoerftänblidjfeit oerliert, wenn wir bebenfeit, baß bag innere 3a ober -Mein, WeldjeS wir bei fid) entfdieitenber lleberjeugung öon ung aug bem ©ebanfen beifügen, im ©runbe bodj, wenigfteng im normalen galle, Bon ber SBaljrljeit Ijerftammt, mit weldjer Wir in geiftige Sinljcit beg Seing treten unb aug ber Wir bie traft unfereS ©emütljeg gieren. — Sind) Sdjelliitg (in ber 9lbljanblung über Die ntenfdjlidje greiljeit) teljrt feine greiljeit oljne fDiotiB. Er crflärt eine foldje 2 Infidjt gerabeju für abfurb; eine foldje greiljeit, fagt er, würbe nur cin33orredjt fein gan^ unoernünftig ju Ijanbeln, eine gänjlidje 3ufäHigfeit ber eingelnen ^anblungen Würbe bamit eingefüljrt. 3ufaö «ber fei ttnmöglidj, unb wenn greiljeit nidjt anDerg jn retten fei, fo fei fie überhaupt nidjt 31 t retten. Siner foldjen 9luffaf= fitng würbe ber SeterminiSmuS, ber fie mit fftedjt befämpfe, bei weitem Borjttjieljen fein, wenn eg nidjt eine Ijöljere mit ber greiljeit einige DfotljWenbtgfeit gäbe, bie gleidj* Weit entfernt Born 3 u f a ^ 'we som ai > 8 bem SBefen beg ©aitbelnben felbft guelle. So Weit folgen wir Sdjetling nnbebeuflidj. 933enn er fobann auf bie inteUigible SBelt beg 9)fenfdjen fommt unb fie befdjreibt alg eine foldje, bie außer allem Saufal* jufantmcnljange wie außer unb über aller 3 e it liege, allem anbent, bag in bem ÜDJen* fdjen liege ober Werbe, nidjt foWoljl ber 3 e 't alg bem ^Begriffe nadj alg unbebingte greiljeit Borangelje, unb immer fdjoit gan 3 ooüenbet bafeiu müße, bamit bie einjelne |>anblung ober Seftimmung in iljr möglidj fei, fo würben Wir audj bjier nodj beiftim- men, Wofern bie inteUigible 333eit an fidj, bie göttlidje Sßaljrljcit alg foldje gemeint wäre, au 8 weldjer unb ju Weldjer allerbingg ber Sftenfdj gefdjaffen ift, weldje er aber als einjelne fßerfon nur in bem 33erljältniS fein nennen fann, um in greiljeit aus iljr ju leben, als er baju nadj göttlidjer 9?orm fidj entwicfelt Ijat. 3lber SdjeÜing fdjeint Ijier bodj offenbar ba§ Sein ber gottlidjen Sßeftimmung (destinatio) beg fOfenfdjen unb uufre Anlage mit unferer Sßirflidjfeit oljne weiteres gleidj ju fe(jen. SBoüettbS mäßen wir ltnfere 33eiftimmuug Berfagen, Wenn er bann Ijinjufiigt, baß baS 333efen beg ’Dienfdjen Wcfentlidj feine eigne Xljat fei unb biefe eigne Sljat als ein Ur= unb ©runbwotten er= Hart, bag fidj felbft ju etwas madje. Senn in biefen 933orten liegt bie angebeutete 33erntifdjuug jweier SafeinSarten gang Har, bie Sntwidelung beS inneru fDJenfdjen Wirb Ijier überflogen unb eg muß wenigfteng fdjeinen, baß SdjeÜing ben ÜRenfdjen ju feinem eignen Sdjopfer madje. Siefer Srrweg, ber übrigens aus ber tranScenbentalen 2Belt= anfidjt gar nidjt mit fftotljWenbigfeit folgt, nimmt nun freilidj ber Srjieljung, wenn er fie nidjt gänjlidj auftjebt, ben widjtigften unb fdjwierigften Sljeil iljrer 333ir!famfeit; er befdjränlt fie auf bie Leitung, bie ber Unerfaljrne bebarf, auf rein objectice 93eleljrung über bie Umftünbe, unter weldjen ju leben ift, unb über bie Sftittel, biefelben ju @un= ften beS geiftigeit ißrincipg unb feiner 3'°ed:e 5 U be^errfdjeit; wä^renb bodj t>or aüent ©eift unb ^erj felbft auf ©runb ber gegebenen 9tnlage ju bitben ift, bamit ber Seim Ijö^ern geiftigen SebenS ju perfönlidjer SBirflidjleit unb Äraft mit ipülfe ber Srgie^ung Ijeranreife. Siefeg §öljere liegt im 3ögli> 1 3 “l 8 Einlage unb lebenbigeS göttlidjeS SdjopferWort. iRidjt nur fein Körperbau , ber auf geiftige 3 We ^ e Ijinweifet, fonbertt 408 £erbart. aud) bie erfte gciftige Sntwidelung felfcft, cor adern jene bewunberungSWürbige ©enialität im fftecipiren unb ftteprobuciren bei - SD'futterfjaracfje 3 U einer $dtr wo menfdjlidjer llnter= rid)t nodj faft null ift, beweifet c 8 flar. Slber es fehlt oiel, baß baS Snbiöibuum biefer böb evn geiftigen Sraft fdjon mädjtig wäre unb fie fein eigen nennen biirfte. 3 a felbft nadjbem baS 3djbetoußtfein ermaßt ift, nermag eS feineSWegS bie gmlle beS innertt geiftigen hebend in biefeS formale fßrincip inbißibuetler ©elbftänbigfeit aufjuneljmeit unb fid) 3 u bemfelben in baS normale Verhältnis lebenbiger fparmonie 31 t feljen, Wetdjer • fßroceß fidj oie(mel;r burd) bie ganje 3 e 't ber e^ieljungSbebürftigeu Lebensalter l)in= burd) 3 iel)t, ja bei fo oielen niemals and) nur im ißrincip oollenbet mirb, beS Sefonbern 3 U gefdjWeigett, looritt mannigfache Sncongruensen jVoifdje« bem 3 dj unb feiner einigen Veftimmung wof)l feinem erfpart finb. 2)ieS ift eS, toad ©dietling überfal;; unb beS= luegen meil er baS, loaS bem Snbioibuum als beffett freier Vefifj erft werben muß, f^on als ßoKenbet gegeben aitfal), fonnte er nid)t 31 t beut Vegriff ber Slnlage gefangen, ein Mangel, loorin er fid) nun mit .fjerbart begegnete, ber freilid) Den einer gans ait= bereit ©eite t>er baju laut. Sei ©djelling mußte baburdj nidit allein bie üDiöglidjfeit, fonbern and) bie 9?otI)Wenbigfeit ber Srsie^ung, loenigftenS bem wid)tigften £l;eil nad), Wegfällen; bei fperbart 3 War uid)t bie 9?otl)ioenbigfeit, weldje ihm, bei feiner Läugtutng beS Urfprünglidjen im ©eifte, oielmehr um fo fdjwerer ins ©eWidit fiel, Wohl aber bie 9Jiöglid)feit, ba bei biefer Läugnung alle Slnfnüpfung für bie Sr 3 iel)ung loegfäKt, fo baß wir fragen bürften, Warum nad) iljm nid)t aitd) in bem £l)iere burdj (Erziehung ein geiftigeS Leben conftruirt Werben fönne, eine grage, bie er nur burdj bie |Mnmei= fung auf bie Strt ber „Gtinförperuttg“ beS £l)iered beantworten fonnte. SS ift fier nid)t ber £>rt, bie Speorie ber päbagogifd)en Lebensalter unb ihrer Sr 3 iel;ungSfäl;igfett auS 3 ufüf)reit. 9?ur wenige Vetnerfungen über 9?cthwenbigfeit unb 9Jlöglid)feit ber @r= jieljitng öon unferm ©tanbpuncte aus mögen l;ier 3 ur Stbweljr ber fperbartifdjen Singriffe nodj geftattet fein. — 9tad) bem Srwadjen ber formalen 3 d)ibee (bereit ©intritt felbft ein urfprünglicfjeS, fd)öpferifd)eS SSerben, unb feineSwegS SBirfung ber @r 3 ieljung ober überhaupt äußerer SinWirfung ift, obwohl er burdj GtrsiefjungSfeljler berfrüljt, anbrer» feitS burd) 9J?angeI gefeflfdjaftlidjer Slnregung berfpätet werben fann) fepen wir bie Äinber nad; ber Srfaljrung beS SrbenlebenS gewöfmlidj eine 3 e ülnng an geiftigem 33e= witßtfein unb Sntereffe ärmer Werben, als ob baS Lidjt beS ©elbftbeWußtfeinS fie blen= bete für baS böferartige, aber gewißermaßen entferntere Lid)t ber SBaprljeit an fid). Unb boefj ift biefe nad; bem ewigen ©ebanfen ©otteS unb nad; ber Slnlage ter 2)tenfd)= peit beftimmt, cintrctenb in ben fpor^ont beS fetbftbewußten Lebens, ben 2Saf)ii beS ifolirten unb felbftgenügfamen 3d) 31 t itberwinben unb bie auf il;re wapren ©renjen als ber wefentlidien jform beS perfönlidjeu IDafeinS jurüdgefüprfe 3djitee mit ihrer reinen Äraft in ©ebanfen unb ©efitpl, in ©lauben unb SBoKen ju erfüllen. 3 w il’^) en biefen beiben Runden menfd;Iid)er LebenSentWidelung, bem .3d)beWitßtfein unb bem ©otteSbewußtfein, bem 3d;glauben unb ber Sdjliebe einerfeits, bem ©otteSglauben unb ber ©otteSliebe anbrerfeitS, liegt nun red)t eigetitlid) bie Siebung. 3BaS fie oorber 311 tbjun bat, ift Sewabrung unb Vorbereitung, waS fie nadjber giebt, ift 9latb, ©tär» fung, Seiftanb, bie cigentlid; bilbenbe 6 r 3 iebung liegt bajwifdicu. ®iefe aber ift not'b» wenbig, Weil ber gewöbnlidje 2)fenfd;, in ber formalen greibeit beS 3d;IebenS, als wäre bie bfSerfort fdioit in fid; fertig, nad) außen gewenbet, bie wefentlid;e SBabrljeit, auS weld;er unb 3 U welker er erfdjaffen ift, nidjt el;er in ihrer DoHeit Äraft unb ©eltuug in fid) erfahren fann, als bis fie ßon außen her als ÜDfadit unb ©efeg, als Äraft unb Leben auf bem ©ebiete feines freibewußten Lebens, in ber Drbnung ber geitieinfanten 2Birftid)feit, in bem Vorbilbe ber SrWadjfenen, in ber ©efdjidjte ber SJfenfcbb^t unt5 il)rcr Sultur ihm entgegentritt, burd; it;re Sbentität mit ber il)in felbft 3 um ©runbe liegenben meitfd)Iid)en Slnlage unb inneren jyorberung fein ©elbftbeWußtfein aümäl)li(b »ertieft unb oeretelt, unb fo Oie ©eburt beS freien ©laubenS unb ber freien Liebe ber göttlid)en Slöabjr^eit in ihm 3 eitiget. ©ie ift aber möglid), biefe pofitiö eingreifenbe, §erbatt. 409 @eifi unb fperg fetlbenbe (Erziehung, »er allem burd) jene Anlage, menn mir biefelbe Bott i^rer fofitiben ©eite Betrauten. ®urcfj fic mirb baS attmäl)lid)e VerftänbniS unb bie Aufnahme ber (Sultur »ermittelt, bie auf beit 3°9^ n 3 übergeben fett; ^Belehrung unb Unterridjt ift ohne fte nid)t bentbar. ©ie Begrünbet ferner jenen fd)on bie ftinbljeit BeleBenbeit ®rieb ju ettoaS ttJieljrerem unb Roherem, melcfjer, nod) bunfet unb unfidjer in feinem 3ml», nidjt nur Seitung unb fpitlfe nött)ig madjt, fonbern ifm aud) entgegen^ femmt. §ierju fommt nun, baß ber 3»gling, je jünger er ift, um fo meniger baS einige ©ein ber SBaljrheit als foldjeS non bem jeitlidjen ®afein mit SUarljeit 51 t unter* fdjeiben »ermag unb, ba er mit feiner Stufmerffamteit, mie oben gegeigt itmrbe, einfeitig auf bie äußere Sßirflidjfeit gerichtet ift, in biefer nun baS Sd)te unb Vottfontmene, mojit er ben bunfeln ®rieb I;at, fwtjt unb »orauSfefjt, an fie als fein natürliches unb recf)t= mäßiges ©anjeS, in bem Greife, ber il;n unmittelbar Berührt, fid) unterorbnenb an* fließt, in ihr baS 3' e l feines ©trebenS unb ben ©egenftanb feiner 9?ad)al)mung finbet. SBir toiffen, baß 511 biefen Sftotiöen im Snnern beS 3»gttngS »efeutlidje Vebingungen Bon ©eiten beS SrjietjerS erforbert merben, baß namentlid) mit ber aufnefymenbeit Siebe fid) Sraft, Sntfdjiebenheit, ©id)erljeit »erfnüffen muß, ba nur ba§, toaS energifd) auf* tritt, Bon ber Sugenb als adjtungSmertl) unb bereditigt anertannt wirb, t»ie benn felbft baS innerlid) UntBat)re unb Vermerflidje, trenn e§ nur in ber Botten ßrfdjeinung fräftiger 2Birflid)!eit auftritt, Bei ihr ben ©ieg baßon tragen faun. 9Iber nehmen mir bie 33e= bingungen bou ©eiten beS SrjieljerS atS gegeben an, fo liegt in jenen Söfotioen bie SBegriinbung ber Sluctorität unb be§ Vertrauens, in meid)en mir bie nädjfteu fub= jectiBen ©runbbebingungen atter Srjieljung erBIiden. III. ®ie grage nad) bem 3 tü ette ber ©rgieljung führt uns auf bie fraftifdje Ißhilofofh» fperbartS. (Stttgem. ^raftifdfje ■pi)iIofopt)ie »on 3. gr. Iperbart. ©ottingen 1808. 3 n biefer merben fünf 3 been gelehrt: bie innere greiljeit, bie SJoUfommenljeit, baS 233o()tmotten, baS 9?ed)t, bie Vittigfeit, unter meld)eit bie 31 terftgenannte infofent eine beöorjugte • Stellung einnimmt, als fie in ihrer Vermirflidiung bie anbent fub* jectio umfaßt unb bie ferfönlidje gorm barftettt, in meld)er biefetben als Xitgenbeit mirflidj merben. ©ie ift in biefent ©inne gleid)fam bie 3 bee ber 3 been unb in ihrer 2 Birflid)feit bie ©ugenb ber ©ugenben, fie ift bie ©ittlidjeit felbft. Slitf fie bejieft fid) nun bie (Srjiefitng, in iljr ift nad) fperbart ber gange 3med berfelben aus* gefprodjen: „®ugenb ift ber ttJatne für baS ©aitje beS häfcagogifdhert 3 lce ü e§ - ©» ift bie in einer fßerfon gur beharrlichen 2 Birflid)feit gebiehene 3 bee ber innern grei* heit." (Umriß fäbag. Vorlef. §. 8 . Steftljet. ®arft. b. SBelt, Anfang.) — 2Bie faßt nun fperbart ben SBegriff ber innern greiljeit? unb guerfi: meid) eine Vebeutuug fonnen überhäuft bei iljm Sbeen bei feiner folemifd)en ©tettung 3 U ber tranScen* bentalen SBeltanfidjt hatten? ®S muß einleuchten, baß feine 3beenfel)»e Bielmeljr einen fft)d)ologifd)en unb fubjectieen, als einen trar.Scenbentalen unb objectieen Sl)n= ralter haben mirb. Unb fo finb es benn nad) ü)m nid)t bie 3been, meld;e baS fitt* liehe Urtheil beftimmen, fonbern »ielmeljr umgefet)rt, bie Sbeen merben burd) baS fitt* liehe Urteil erzeugt. ®iefeS Urtheil mirb ein äfthetifcfeS genannt, meil eS, mie bie Urtheile über ©d)i5nl)eit, »ou meldjen eS jebod) burd) feinen 3nl)alt mefentlid) abmeiefje, jebeS beftinuute ®h un ^Sotten ol)ne Vermittlung »on Gegriffen, bloß auf bie »ottentete Vcrftettung h' n ent»eher gut h £ iü e »ber »ermerfe; me3l)alb eS aud) @e= fdjmadSurtheit genannt mirb. 2luS biefent Urtheil nun unb feinen fpauftarten entfprin* gen nadj ^jerbart bie Sbeen, ofne 3 toe ’f e ^ burd) SlbStraction, als 9Ittgemeinbilber beS fittlicf)en SebenS. §erbart nennt fie „mittenloS", mie bie Urtheile felbft, »on melden fie ftammen, momit er ein ®offelteS fagt, einmal baß fie unabhängig finb »on bem ÜBitten beS ©ubjectS, jmeitenS, baß fie auch felüft feinen höl)ern äßitten inöolöiren; »eShalb ihnen ber ©harafter »on Smferatioen abgefprcchen unb biefer ffiant’fdie 3luS= bruef nur für ben -gatt auf fie angemenbet mirb, baß fie im mirflicfjen Seben gur ®el= tung burch SBotten unb ®l) un gefontmen finb. Unb barin nun, baß ber ttBitte mit 410 •fierbart. bem äftßetifdjen Urteil unb ben (Srgeugniffeu beSfelben, bcn Sbeen einig geworben ift, befteßt eben nad) fperbart bie innere greißeit ober ©itttid)feit, voeldje nnn wieber, wo fie wirflid) geworben ift ober in ber ißoefie ©eftatt gewonnen ßat, ber ©egenftano eines beifälligen äftßetifd)en 13rtb>eiIS wirb nnb ißre eigene 3 bee in ber ©cele erzeugt, hierbei ift aber, nnt £>erbartS ©inn oöllig gu oerfteßen, noeß feine Slitffaffung beS 3S5itIenS 31 t beadjten. 2Bie er ben Sbeen als fold)en nidjtS miüenßafteS, feinen impera» tioen ©ßaralter nnb feine ÜDladjt beilegt, fo faßt er anbererfeitS ben SEßiKen bitrcßauS realiftifd) oßne alles ibeale (Element. ®erfelbe ift ißm eine gur ©ßat ßinbrängenbe Straft, Wie ©rieb nnb S3egierbe, nnb and) ebenfo bunfel Wie biefe, b. ß. an fit^ oßne perfönlid)eS ©elbftbewußtfein; er gehört il)m 31 t ber objectioen ©eite beS ©celenlebenS, wäßreitb ©elbftbewußtfein, äftßetifdjcS Urtßeil nnb 3been auf ber fubjectiöen ©eite lie= gen; unb inbem berfDfenfd) fid) feiner felbft bewußt wirb, fo wirb er fid) nad) fperbart eben and) feines äöoHenS als einer objectioen ©ßatfadje bewußt, fpierauS barf jebocß uidjt gefolgert Werben, baß baS SBoHen nad) £>erbart ol)ne SSorfteHungen fei, in weld)en ja nadj il)iu bie Slementarfräfte alles ©eelenlebenS befteßen; eS ift oielmel)r mit ißnen Wefentlid) baSfelbe, bie SorfteHung in ißrer üollen SluSbilbnng unb Straft ift SBiUe. Slber and) fie gehört eben Wie ber SBille 311 ber objectioen ©eite ber ©eele unb ift mit ©elbftbewußtfein, Urteil unb Sbeen bitrdjauS nid)t uotßWeubig oerfnfipft. Sßir wollen biefe innerlidje Dbjectioität ber 23orfteKungen unb if)rer Straft überhaupt nid)t be= ftreiten; man würbe in Sißiberfprud) mit aller (Srfaßrung treten, Wenn man geiftige Sebenbigfeit im llubewußtfein, b. i. im guftanbe feS mangelnben ©elbftbeWußtfeinS, läugnen Wollte. Sind) itnS'ift biefe festere eine wichtige ©ßatfad)e; nur ilbergertgen Wir uns nid)t, baß £>erbartifd)e „SSorftcHungen," Weld)e Gcrgebniffe ber finnlicßcn Srfaßrung unb aller ibeenfräftigen SBaßrßeit entblößt finb, fotd)eS innere Seben conftituiren fönnen. Db ferner jene 3 unäd)ft unbewußte unb, wir bürfeit bod) Wot)l ßinjufügen unwiKfür» lid)e ©riebfraft ber SBorfteHungen jum ©ßuu 2BiHe genannt werben bürfc, fdjeint freilid) nur eine grage beS ©pradjgebraudfS 3 U fein; inbeffen ift fie aud) als fo!d)e für bie S3erftänbigung unb für bie uuoerwirrte Raffung ber SSegriffe uid)t gleidjgültig. äßir itufrerfeitS finb überzeugt, baß nad) ber fprad)tid)cn geftfefjuug unb SSegrenjung 2BiHe erft mit bern ©elbftbewußtfein beginnt unb bie gewöhnliche Itebertragung biefeS 2BortS auf bie ©enbengeu unb 2lctiouen ber ©ßiere unb felbft ber ^Pftangen fdjeiut fid) unS babitrdi 31 t erflären, baß bie ©pradje eben oom Sltenfdjen unb in ber 2 lnfdiauung menfdjtidjer guftänbe gebilbet, alles anbre nad) ber Slnalogie beS SDlenfdjen furgweg 3 U bctradjten unb 31 t begeichne« pflegt. ©0 ift beim unS ber Sßitte, fobatb er eintritt, Wefentlid) unb urfprünglicf) eine freibewußte, gitnädjft auf bie 3d)ibee fid) griinbenbe fubjectioe ©ßätigfeit. 3)ie realiftifcße Slnficßt beS SöoKenS geigt fid) bei Iperbart nun aud) bei ber Gtrflärung ber befonbern 3)fomente. Ilm bie Sonftang beS SßotlenS gu erflären, würben wir an bie umfaffenbe §errfd)aft eines ßwedeS im SSeWitßtfein ober and) einer formalen 3bee, unb wäre eS aud) nur wie bei bem Sigenfiunigeu bie abS= tract gefaßte 3d)ibee, erinnern; £>crbart bagegen rebet üon einem ©ebäd)tuiS beS 2BilleuS, WeldjeS ihm parallel unb analog ift bern gcWößulid) fogenannten ©ebäcßtniS unb gnr Si-gängung beSfelbeit bient, Wonad) mit bem Seßarren ber 23orfteHuugen in unS, mit ihrer rafdjen unb lebenbigen Söiebererinncrung aud) ihre begeßrenbe unb Wollenbe Straft in unS beharret unb bei bem SBiebereintreten ber nämlid)en Umftänbe fid) mit ben näntlidjeit Sßirfungen in uns erneuert. fpiefmit oerbinbet fid) biejenige Gigenfdjaft beS SBitteuS, weldje §erbart bie DJlotioität beSfelben genannt ßat. (SS ift bantit nid)t gemeint, baß ber 2BiHe überßaupt 23eWeggriiube, b. i. ©ebanfen, in Uebergeugung unb ©lauben angeeignet, eiforbere — biefe 2lnfid)t würbe nidjt realiftifcß fein — fonbern nur biefeS, baß wir infofern wir Wollenb finb, bie in ben SBorftettungen felbft gegrünbete gäßigfeit ßabeit, unter oeräuberten Untftänben aud) auberS 31 t Wollen. — 20Jan lönnte nad) bem 33iSßerigeu meinen, baß £>erbart 001 t einem SBoHen naeß ©runbfä^cn nidjt reben fönne, WenigftenS nid)t in S3egug auf ben SSSiffen als foldjen ■fierßart. 411 »er beffeu Unterwerfung unter bie 3beeit. SieS würbe irrig fein. 9Iud) beit begriff beS ©rutibfaheS tjat fperbart realiftifdf) aufjufaffen gewußt, nur mit ^Beifügung beS erften StementS ber fubjectioen ©eite, näntlid) beS ©elbftbeWußtfeinS. 3n ber SDtannfg* fattigfeit beS ©eWoEten namtid), fagt er, behaupte einiges einen 33orjug ber anbereiu, eS werbe feftcr unb ftärter geWoEt. Siefe SQSa^l entfdjeibe fid) ba, Wo ©ebädjtniS beS SBiEenS fei, Den felbft, baS ©ewidit ber 3Bünfd)e werbe btefelben „unWiEtürlid) 1 ' ein= anber unterorbnen. Sr nennt biefe 3ßal)t eine ttrfprünglidje, b. i. eine fotdje, bie „epne alle tljeoretifdje Ueberlegung" juftanbe tonnue. 3ene „tperborraguitgen beS Dbjectiüen 1 ' ergeben fid) aber ju ©runbfäfcen, fobatb bie ©etbfterfaffung hingutomme. — 3n tiefen SRomenten ift nun aud) ber SSegriff beS SljarafterS gegeben, fo weit berfelbe 31 t ber objectioen ©eite gehört. Sr wirb als bie 3lrt ber Sntfdjloffenljeit ertlärt, als bie eigeiitl)ümlid)e burd) bie 3nbioibuaIitat gegebne Sonftruction ber Neigungen nad) quan= titatioem 33erl)ältniS berfetben. Ser fubjectioe Speil beS SljarafterS ift bann ber @ee fdjtnad, Weid) er über jenen objectiuen bie Scnfitr ju üben ljat. — 9tod) ift an$ufül?ren, wie fperbart ben SBillen Don SBunfd) unb 33 eg Serbe unterfdjeibet. SaS djaraf= teriftifdje SRerfmat bcSfetben ift iljm bie unmittelbare SSejiefjung auf baS ißraftifdje, „ber SOJuttj ber ©^at"; unb Wenn nun fyier wieberum nod) eutfdjiebner als bei Sßitnfd) unb 33egierbe ber ©ebanfe einer ibeenfräftigen, Wenn and) immerhin nod) nidjt flar bewußten ©runblage fid) aufbrängeit Witt, fo bleibt fperbart bod) aud) l)ier teilt reali= ftifd)en ©tanbpuncte treu; er Dermeibet bie 3bee im Dbjectioen unb fud)t in ber Spat felbft, weldje bod) bie golge ift, gugteid) bie tlrfad)e jener foraftifdjen Sntfd)iebenl)eit, inbem er Don ber befannten Erfahrung, baß ber SDhitlj burd) bie gelungne SEIjat ge= l)obeit wirb, fid) ju ber 33eljauptung führen laßt, taß „ber 233iEe aus ber SSegierbe burd) bie Sh at erzeugt" Werbe. (Stffgent. Sßäbagog. Sud) III. ffafj. i. [©ämmtL SB. X. 128.]) fügt er tjinju, „baß ber größere S^eit ber 2l)ätigteit beS gebilbeten SD'Jenfdjen bloß innerltd) Dorgel)e, unb baß eS meift innere Erfahrungen feien, weldje Don unferm können uns belehren." Sittein burd) biefe Srflärung fdjeint unS ber ©aj 5 nid)t feWoljl gemilbert, als Dielmeljr aufgehoben ju werben, ba nur bie Wirflidje St)at, nicht ein bloß phantafirter Srfolg ben SDiuttj für einen fiinftigen ä^itlidjen galt erhöhen tarnt, (©äntmtl. 933. 93. X. ©. 128. fälligem, ißäbagogit.]) SieS ift ber SSitte, Wie £>erbart U)n faßt. Sr foE nun, Wie er ift, ohne ibeale Slnlage unb ohne ein innerlich unb urfprünglid) begrünbeteS gegenfeitigeS Sntgegenfom» men mit ben 3 been in eine lebenbige SBerfuüpfung gebradjt werben, fo baß er fid) gänzlich unb unbebingt burd) baS äftljetifdje Urtljeil beftimmen laffe. Siefe „golg s f am feit“ iljm abjugewinnen ift bie Aufgabe ber Sigieljuitg. 2Bie fte biefetbe löfe, ift bie grage ber SBtetljobe. 33eoor wir in biefe eintreten, haben wir nod) 51 t prüfen, ob §erbart mit feiner Slufftettung beS SrgieljungSjWecteS alles, WaS Don ber Srjtcljuug geforbert werben barf, boflftänbig nnb in naturgemäßem 93erljältniffe mufaffeit tonnte, ©ein eignes llrtl)eit über bie SD'iöglidjfeit, mithin über bie 9tid)tigfeit feines teleologifdjen iprincipS Ijat gefdjwanft. 9fad)bem er in feiner Slbljanbluiig über bie äftljetijdje Sar= ftettung ber SBelt otjue SBebenten bie ©ittlidjfeit für ben einen unb ganjen ber Srjieljung erflart hat, fdjeint er in feiner ÜtEgcm. Spabagogif baDon juriicEtreten ju Wollen. Sie fittlidje Sräieljttng, fagt er, fege freilid) bie übrigen £l)eile ber 93ilbung als 93ebingmig DoranS unb ftelje alfo mit ben übrigen SrjiehungSforgen in einem noth= Wentigen Weit umhergreifenbeit gufantmenhauge. fg nne j ene Slbhanblutig felbft geigen, wie biefer 3 ufammenl)ang hoch nid)t genau aEe SEhetle ber Sräiehung in bem SRaße treffe, baß wir biefe £t) e 't e nur fafent fie in biefetn 3 afantmenhange fteheu, jn pflegen Urfadje hätten. Seitmad) fei biejenige 33etrad)tungSart, weldje baS ©ittlidie alt bie ©pitje ftette, aEerbingS bie §auptanfid)t ber Srjiehung, aber nidjt bie einzige unb umfaffetibe. ^ienüt giebt er bie Sinljeit auf unb ftatnirt neben bem ^auptjwecfe eine Stlehrpeit dou SräiehungSjwecfen. Senn ba menfdjlicheS ©treben Dielfad) fei, fo tönne aus ber 9?atur ber ©adje fid) unmöglich Sinljeit beS 3toedeS ergeben. Unb wir türfen 412 §cr6art. jagen, baß toiefe (Entfdjeibung infofern bem ©elfte feines ©enfenS unb gorfdjenS gemäß War, atS er überall baS SSeftreben geigt, mit einer getoißen ©djeu bor ber umfaffenben (Singeit, »eldje freilieg, »o fie miSberftanben »irb, leidrt gur ©leidjntacgerci fügrt, baS Mannigfaltige als foldjeS mit feinen ©egenfägen unb Sigentgümlidjfeiten in ben Sßor* bergrunb ber ißetracgtung gu fteHen. Snbeffen fudjt §>erbart bod) aud) in ber Sltlgem. ißäbagegif baS Mannigfaltige in ben Sieden ber Srgiegung unter menigen formalen .fmuptbegriffen gufammengufaffen unb tgeilt fie giernacg ein in baS ©ebiet ber notg= toenbigen nnb in baS ber bloß möglichen 3b3ecEe. Gerftere finb il;m bie ßmede ber ©ittlidjfeit, legiere biefenigen, »eldje burd> bie SSJiHfür nidjt beS Knaben ncdj beS SrgiegerS, fonbern beS fünftigen ManneS geforbert »erben, bereu Srreidjung mithin burd) bie Grgiegnng borbereitet unb meglid) gemadjt, für »eldje bie „innere Seidjtigfeit" im borauS bereitet »erben müße. SBobei igm nid)t eine ge»iße Slngagl eingelner 3»ede, »eldje »ir überall nidjt borgerwiffen fönnten, fonbern „bie Slctibitöt beS geran»ad)fen= ben Menfdjen überhaupt, baS Quantum feiner innern unmittelbaren 93elebung unb fRegfamfeit' 1 borfd)»ebt. GcS ift igm giebei nid)t um 33ielgefcgäftigteit gu tgun, benn bie Sfertljcilung ber Slrbeit unb bie 23efd)ränfung ber attSfiigrenben ©gat erlennt er boUftänbig an — fonbern um eine biclfadje geiftige Smgfänglidjfeit: „Sille miißen Hiebgaber für aüeS, jeber muß 33irtitofe in Gsitiem gadje fein. 11 ©ieS ift IperbartS gleid)fd)»ebenbe SSielfeitigleit beS Sntereffe, ein SSegriff, mit »eldjem er aud) ben ©inn beS gemögnlidjen SluSbrudS garmonifcge Slusbilbung aller Äräfte erreidjt gu gaben glaubt, »aS jebod) »enigftenS in 33egug auf ben ©inn biefeS SluSbrudS bei ißeftaloggi »erueint »erben muß, ber babei an bie gleidjnräßige 2luSbil= bung ber brei pft)d)ifd)en ©runbfuuctionen, ber 3nteüigeng, beS ©efüglS unb beS tgat= Iräftigen ©Bittens gebadet gat. — Iperbart gielt bie fo eben bargeftetlte ©ßaltung beS (5rgiegung8g»edeS nidjt feft, fonbern feierte in feiner legten päbagogifdjen jpaußtfdjrift, bem Umriffe gübag. 93orlefuugen, gu ber guerft non igm ergriffenen Sinljeit beSfelben gurüd. S3ielfeitig!eit beS Sntereffe bleibt igm aud) gier Slufgabe ber Srgiegung, aber unter- georbnet bem 3^ede ber fittlicgen 33ilbung. ®ie ik'üdfidjt auf eine fünftige nicgt borget gu beftimmenbe 23erufStgätigfeit fällt nun »eg; ftatt beffen »irb baS Sntereffe für bie ©inge, unb g»ar baS unmittelbare, im ©egenfage git ben bloß egoiftifdjen, als @runb= läge unb notg»enbige ©tufe für baS fittlidje Heben anerfannt unb in biefem ©inne als 3ielgunct ber Srgiegung geforbert. 3' üav fd bie ©ielfeitigfeit aud) beS unmittelbaren 3n= tereffe nod) lange nidjt ©ugenb; bod; forme um fo weniger au ©ugenb gebadjt »erben, je geringer bie urfßrünglidje geiftige ©gätigfeit fei. Sin ©tumßffinniger fonne nidjt tugenb= gaft fein; man müße bie Äößfe »eden. ©o tritt bie geiftige Silbung g»ar einerfeitS in reinerem ©Bertge gerbor, inbem fie bon ben fRüdfidjteu auf äußere HebenSg»ede uu= abgängig erflärt »irb, anbrerfeitS aber aud; eingefdjränfter, inbem nun aud) jener ©e= banfe einer allgemeinen unb gleid)mäßigeu Smgfänglidjfeit guriidtritt; unb eS ift in biefer §infid)t nicgt ogne 23ebeutung, baß baS ifSräbicat gleidjfdjmebenb -für bie SSielfeitigfeit beS 3utereffe in bem Umriß päbag. Sforl. nidjt megr borfommt. SBir gaben nun biejenigen ©ebiete ber Srgieljung näger ins Singe gu faffen, »eldje nad) geroognlidjer Slnfidjt ber fittlidjen 33ilbung mit eigentgümüdjem unb unmittelbarem SBertge gcgeniiberftegen, unb uns gu fragen, in »eldjer ©kgrengung unb ©eftalt fie im ©tjfteme jperbartS Ißlag finben. Sßir bürfen als foldje©ebiete begeidjnett, bie »iffen= fdjaftlidje, bie religiSfe unb bie äftgetifdje 33ilbitng (im gembgntidjeu ©inne beS SBorteS). 1) ©ie »iffenfdjaftlidje SSilbuitg, oft genug bor allen anbern SrgiegungS» g»eden begünftigt unb einfeitig erftrebt, gat bennod) gu jeber 3 e it igre Slnfedjtuugen gegabt. 3ebeS Itebermaß in biefer fRidjtung, jebe bom bellen Heben fidj entfrembenbe pflege beS SßiffenS ruft bie concrete 9?atur beS Menfcgen gegen fidj auf. ©o fegen »ir ben SlbStractionen baS ©efiigt mit feinen äftgetifegen unb religiöfeu Sfebiirfniffen, bem Uebermutg ber 33e»eife unb bem Sleinmutg beS ©legticiSmuS baS 93ertrauen beS ■jpcrßart. 413 ^iftorifd^en ©laubend, ben anmaßlidjeit Sttudfprücfjen ber ^eorie bie Äunft mit ihrer unmittelbaren ißrobuction, ben 3 bealen bad Rühlid)feitdprincip mit feinen Realitäten, enblid) ber müßigen 33efd)auung bie älctioität ber fittlid) praftifdjen Ridjtung ftclj ent* gegenfteHen, fämmtlidj beftrebt, bie miffenfdjaftlidje Ridjtung entmeber ju befdjränfeu ober jur Wienerin beS concreten Sehend 51 t mad)en. Unb fie alle haben Red)t, fomeit bie SBiffenfdjaft im Unred)t ift. ©ie fott fid) befdjränfert unb jene SDtädjte neben fid) anerlennen, fie foll audj bem Sehen bienen. Slber fie fann bieS in naturgemäßer unb mahrhaft frudjtbarer Süßeife nur bann, menn ber enfcf> einen ©elbftjmecf in ber Sr* fenntnid ber 2 Bal)rl)eit erfennenb ihr ganj unb bon äußern Rüdfid)teit unbeirrt fid) Ijingiebt, ober, fafld er oon einem jener 3 mede, um ‘ 3ur ^? SBiffenfdjaft ju bienen, ben Sludgang nahm, bied im botlen Sehen bed gorfd)end unb ®enfeud bergißt. Sr barf bied aud), pfpdjologifd) unb fitttic^ betrachtet; bie Srfenntnid ber 2Bal)rl)eit, je tiefer unb flarer fie ift, befto fidjerer bemährt fie fiel) iljm ald einen fiir fid) felbft mertl)= Bollen 3med, ald einen Si^eil bed menfdjlidjen ©eind unb Sehend, ber ebeitfo mie jene anbern Steile ben fD'tenfdjen felbft, bie Sßerfon oerücttfomumet unb berebelt. 3)enn fie ift nidit eine SRaffe bereiujelter Slenntniffe, aud) nid)t bloß eine SBerfettung abdtracter ^Begriffe, fonbern fie bringt burd) bie Sbeen ein in bad Sehen unb ben ©eift ber ®inge unb Berfniipft bad eigene ©elbft mit il)m. Unb biefe SBerfniipfung ift nid)t ein bloßed Slufbetoaljren mie mittelft bed @ eb äd)tniff ed, fie ift bielmefyr bon ihrer mefentlid)ften ©eite in ber Ueberjeugung gegeben, ober, barnit mir bie lebenbigere unb unmittel* barere Sejeid)nung mäl)len, in bem ©tauben, toenn biefed 2 Bort jugteid) im itmfaf* fenbften unb im tiefften ©inne berftanben mirb, ald ber Sludbrntf für bad innere 3a, meldjed lbir jebem Srfannten, nacf)bem ed mirflidj in ber .traft feines SBefend und offenbar gemorben, eben aud biefer traft ber Sßaljrfyeit l)eraud, bie nun aud) bie unfrige gemorben ift, jitrufen. SDiefe SBebeutung ber intettectueHen 93ilbung, fo ibeaüfdj fie erfd)eiiten mag, menn mir fie mit fo mandjen Srfd)einungen bed gemöl)nlid)en Sehend in Srjiehung unb ©tu* bien bergleid)en, ift bod) bei ber allgemeinen SBirfitng, bie fie aljnungdmeife in ben ®e= müthern audübt unb ber man nur burdj eine pofitiu audgebitbete entgegenfte^enbe jtl)eorie fidj entstehen fann, unfered Sradjtend ber ©runb, aud meldjem bie päbagogifd)e SSBelt niemald aufl)ören mirb, bon ber ©eiftedbilbung, ald einem an fid) merttjbotleu, nid)t bloß bienenben £l)eile ber Srjieljung ju reben. fperbartd Seljre erfennt biefe ©elbftän* bigfeit nic^t an. Sinerfeitd ftanb bie entfd)ieben praftifdje Senbenj bed fRanned, bie an fid) fo achtbar ift, entgegen, unb menn er felbft, mie mir feljen, bie große Arbeit feiner gfi)d)oIogifd)eu gorfdjungen um ber fßäbagogit mitlen übernahm, fo bürfeu mir und nicht munbent, baß ber gefammte Unterricht, ben er mit fo großer ©orgfalt bear* beitet hat, nur ald SJiittel für bie fittlid)e Sultur bienen füllte. §lnbrerfeitd ließ feine feljr befd)ränfenbe 3lufid)t bon ber SJiöglichfeit äßahrheit ju erfennen, il)n tl)eoretifd) ^u feiner anbern ald einer bloß relatiüen ©d)ä( 3 ung ber intelXectuellen SSilbung fommen, medhalb aud) behauptet merben barf, baß in ber Sonfequeng feiner Sehre eine eigentlid) miffenferbart bie religiöse Silbung mit feinem -ßrincip, wie orbnet er fie im Spfteme bem 3 w ede ber Sittlidjfeit unter? ®er ^Beantwortung biefer grage müßcn mir menige SBorte über feine 33egriffSbeftintmung ber Religion ooranfd)iden. ®ie ^Religion ift il;m fein ©heil ber praftifdjen iPhilofophie; fie hat ih rcu £)rt in ber SluSbilbung ber 53orfteIlitngeu unb beS Sntereffe, biefeS letztere oon ber Seite ber „Styeitnaljme" betrachtet, „meldje fich in anberer Empfinbung oerfe^t." fpier entfielt fie als ißrobuct eines gemütlichen, theilS moralifchen, tfjeilS eubämoniftifchen 23ebürf= niffeS (Sämmtl. 2Ö. X. S. 56 unb 57 [3UIg. ^3äbag.]), infofern bie ®l)eilnal)me für baS Sd)icffal ber SOfeitfdjen, ber Singeinen rcie ber ©efenfdjaft, für unfer eignes wie für baS Sdjidfat ber anbern uns mit 23eforgniS erfüllt unb ben ©tauben an ein un= enblidjeS, bie Snblidjfeit ftü^enbeS fßrincip unS nal;e legt. ®ie Srgiehung hat bie 2luf= gäbe, auf biefent ©rnnbe bie Sbee oon ©ott gu ergeugen unb gu bitben. 3ßenn hiermit baS SSBefen ber Religion gang oorgugSmeife in bem SJertrauen gefunben mirb, momit mir uns auf ©ott oerlaffeit, in welchem mir baS „geiftige SluSruhen", mogu „alle ber ^Religion bebürfen“, gelangen, fo mirb bod) anbererfeitS auch bie praftifdje 23ebeutung ber ^Religion neben biefer gemütlichen nid)t gang überfehen. B^ar führt bei ben 93effern, nad) £>erbart, nur bann bie Religion faft eingtg baS Steuer beS SebenS, menn fte im ©enfen minber geübt find; bod) merben, nad) il;m, auch bie ©ebilbeten ihre ©emütl)S= bemegitngen nicht nur ber ©iSciplin beS praftifdjen (äfthetifdjen) fonbern auch berjenigen beS theoretifchen (momit nach bem gufantmenhang bie religiöfe Slnfidjt ber Realität ge= meint ift) untermerfen (Sämmtt. 2B. X. S. 110 [Mg. fßab.]). Slud) erflärt er für nöthig, baß bie eigentlich moralifdje 23ilbung mit ber religiöfen üerbunben mcrbe, um bie Sinbil= bung, als märe eimaS geleiftet morben, gu bemüthigen, obmoht anbrerfeits auch mieber bie religiöfe SSilbung ber moralifdjen bebürfe gur 3lbmel)r ber fonft nahe liegenbeit Sd)cin= heiligfeit (Umriß päb. IBorlef. §.19.). -Rod) bürfen mir nicht nnermühnt laffen, baß §erbart in feiner leigten Sdjrift ben ©beologen überläßt, „baS Sitnere beS fReligionSunterridjteS' 1 gu beftimmeu, unb oon Seiten ber ißbitofophie begeugt, „baß fein SSMffen im Stanbe fei, bie 3uoerfid)t beS religiöfen ©lanbenS gu überflügeln.“ —■ SRadjbem mir l)iemit ben Segriff ber ^Religion unb ihre ^Bedeutung nach fperbart h'oreidjenb bargelegt gu haben glauben, beantmortet fid) nun and) unfre formelle grage, ob bie Einheit beS teleo* logifdjen IßrincipS, mie §erbart biefetbe in ber fittlid)en ^Bildung findet, aud) bie fReli* gion inooloire, leicht, nnb gmar oerneinenb. ©enti, mollen mir aud) geltend machen, baß nach biefer Sehre bie flttlid)e ©ilbung gu ihrer tßoüenbung ber ^Religion bedarf unb infomeit, als biefeS ber galt ift, als ^Bedingung jenem Ißrindp untergeordnet merben fönnte, fo ift bod) gerabe jene andere Seite beS religiöfen SebenS, welche oon ber IßrayiS und ihrem Streben abgemanbt bie innere fRufie beS ©emütheS begründet, fo oorgugS» >§cdmtt. 415 toeife Bon $erbart Ijeiworgeljoben, unb fo eutfdjieben als einer ber ^ielpunete ber Sr* gieljung I;ingefteUt Werben, baß ed, and) in feinem ©intt, uitmögtidj ift, bie religiofe Srgieljung im gangen nur ald ein fjjülfdmoment für bie fittlidje Srgieljung aitfgufaffen. 3) Sbenfo wenig fügt fidj bie äftljetifdje Bildung (int gewüljntidjen ©inne bed 2ßorted), bie Bildung für ©djönljeit unb ftunft unter bad aufgeftetlte Brincip. §erbart hat fie in feiner SlUgem. (ßäbagogil Bett ©eiten ber Unterridjtdmetljobe eingehend be* Ijanbelt, nadjbem er unter ben ©(affen bed Sntereffe aud) bad äftljetifdje ald ein Sntereffe ber Srfenntnid aufgefüljrt. Sbenfo wirb ed in bem Umriß pädag. Borl. neben beut reli* giofen genannt mit bem Bewerten, baß beibe nid)t fowofjl in einem fortfdjreitenben Senfen ald oielmeljr in einer ruhenden Sontemplation ber Singe unb ber ©djidfale ihren Urfprung (jaben. 3Iber eine nähere Begründung ber 2lufnaljme bed Sleftljetifdjen in ben Bilbitugdfreid finben wir nirgenbd. Ben ber Bennanbtfdjaft bed ©djßnen mit bem @uten ober non ber 21eljnlidjfeit bed äftljetifdjeu Urtljeild unb ©efdjmadd im ge* wöljnlidjen ©inne mit bem fittlidjäftljetifdjen ift gu biefetn ßWecfe nidjt bie Siebe. Sie Sntereffen aber fteljen nadj fperbart nur infofern mit ber fittlidjen Bildung in Berbiu* bung, ald fie bem Begeljren unb SBoKen Straft, ffüde unb bei ber Harmonie, bie unter ihnen befteljeu muß, äBoljlorbnung unb fDiajj geben, hiermit aber berühren wir eine Bott ben fünf 3been §erbartd, bie ber Bollfommenljeit, burd) beren Srflärung er bad Berbienft l;at, einen im gewöhnlichen Seben meift in unbeftimmter BJeife gebraudjten SBegriff näher begrengt gu I;aben. Sr beftimmt fie uätnlidj burd) bie Momente ber ©tärte, ber innern fOlannigfaltigfeit unb ber Söoljlorbnung, in we(d)er (extern er na* mentlid) ced ‘JJJeufdjen geiftige ©efuubljeit begründet finbet. Siefe 3bee ift nun aller* bingd eine bloß formelle; infofern fie aber in ber Siatitr bed SRenfdjen unb bei bem Singeinen in beffen befouberer Ortung nnb Befähigung eine beftimmte materiale ©rund* läge erhalt, wäre fie nidjt ungeeignet, tljeild einen nntfaffenben Stammen für bie gefamnt* ten 3'elpwncte ber Srgieljung gu bilden, tljeitd indbefoubere gur Begründung ber äftlje* tifdjen (Bildung gu bienen, da iljre BerWanbtfdjaft mit ber 3bee ber ©djönljeit nidjt gu oertennen ift. Sludj laßt fic^ fauitt überfein, baß fie .fjerbarten oorfdjwebte bei feiner gorberung bed Bielfeitigen 3ntereffe unb baß fie ber Sinfeitigfeit feined (ßrincipd gleidj* fam ergättgenb gur ©eite fteljt. 2Benn ed aber fdjeineu möchte, baß fie fogar in bem Ißrincip felbft mitgegeben fei, infofern bie innere yraljdt fubjectiB ade 3been ald bad (Boden berfelben mitnmfaffe, fo ift bied bodj eben nur ©djein. Senn biefe ffrei* Ijeit, b. i. bie ©ittlidjfeit, ift nur ber SBide in feiner idealen Sfidjtung nnb Sntfdjloffen* heit, feinedwegd gugteidj bad objectio ooltenbete Rändeln nadj ben 3been; unb obgleidj ein SRenfdj nidjt fittlidj genannt werben darf, Wenn er bad ©djöne, bad er ald foldjed erlennt, nidjt achtet, ed träge oernadjläßigt ober mutljwillig Bericht, fo dürften wir bodj denjenigen nidjt für unfittlidj erflären, weldjer aud OJiangel an Sultur in biefer fpinfidjt bed ridjtigen Urtljeild in ©adjen ber ©djönljeit unb Äunft entbehrte, ©o geigt fidj aud) Ijier bad tljeoretifd) Ungenügende bed ©ittlidjleitdprincipd. IV. 2Bir wenden und gu ber Srgieljuug in iljrer Indfiiljrnng. Sie gefammte päbagogifdje (ßrajid Bodgieljt fidj nadj ^erbart in drei |)auptfnnctionen: (Regierung, Unterridjt und 3udjt, weldje aud bem ©efidjtdpnncte ber fucceffioen Slnwenbnng in biefer (Reihenfolge Bon iljm abgeljanbelt Werben. Und mag geftattet fein, bad begriff* lidj SRäljere gufammenrütfenb, (Regierung unb 3 uc fyt/ deren ©djeibung wir oljnebied gu prüfen baben, mit einander gu behandeln, bie Sehre Born Unterridjt aber, ald ben eigent* Hdjen Äern ber .fjerbart’fdjen Srgieljung Borangehen gu laffen. 1) Sad Sigentljümlidje bed fperbart’fdjen Unterridjted läßt ftdj furg durch ben Bon ihm felbft gebraudjten Sludbrud: ergieljenber Unterridjt begeidjnen, woburdj an* gebeutet werben fott, baß bad 3wl bed Unterridjtd nidjt aüein ober Borgugdweife in bem SBiffen, audj nidjt in bem Srwerb eined äußerlidj tedjnifihen Äönnend befteljen, fonbern baß burd) iljn unmittelbar bie 33erBotltommnnng bed ©ubjectd, bie eigentlidje Srgieljung ihrem widjtigften Xijeile, iljrer Wefentlidjeu Begründung nadj erreidjt werben foH. Släher 416 •fpcrbart. beftimmt ift il;m ber Unterrid;t planmäßige Grjeugmtg unb Gultur ber 93ovftet= lungeit ald ber Glemente bed Seelenlebens bid gut Errettung beS bielfeitigen Sntereffe, woraus beim unmittelbar bie gäljigteit unb 93ercitfd>aft jum SZBoüen, anbererfeitS aber ber ©efcpmad ober bad fittlid; = äftl;etifd;e Urtl;eü Verborgenen fotl. 3Vm ift atfo bad Sntereffe fiir benUnterridjtdgegenftanb nidjt etwa nur eine wefeitt» Iid;e tpütfe fiir bad @ebeil;en bed UnterridjtS, fonbern red;t eigentlid; bad 3^1 unb ber nädjfte 3 lDe( ^ beSfelben. — 2Bir finb weit entfernt, btefeS 3iel bed Unterrichts ju bertoerfeu ober fiir unerreichbar ju halten. SDic Grfafwung let;rt, baß ber Unterricht, wofern er aud lebenSbotlem Snnern ertl;eilt toirb unb wirttid; in bie GrtenntniS ber 2Bal;rljett einführt, and) bie fubjectibe Seite beS 3ügli«äS ertoeden unb beleben fann; unb wer mod;te läugnen, baß er aud) biefed foü? Gbenfo muß anertannt werben, baß tiefe Sluffaffung feines 3> e l eS 3 ur Skrbolltommnung unb Belebung bed UnterridjtS felbft nicht Wenig beitragen iann uud wirtlich beigetragen hat. 9iur fragt eS fidj, Wie £>erbart aus feiner Sifjeorie ber SJorfteKungeu ein fold;ed Grgebnid erflärext will. ©er ©afs, baß bie ©eele il;r gefanuuteS Sehen, nicht bloß ihr objectibed 2lnfd;auttngdleben and ©orftellungen conftruire, fdjeint unhaltbar, ja mtberftänblid;, fo lange wir mit £>erbart unter Sßor= fteltuugen nur bad Grgebnid ber finnlidjen Grfal;rung oerfteI;en. 2tnberS würbe ed fein, wenn wir ftatt Sorftellnngen bie 933ahrheit festen mit ihrem nicht bloß fimtlidjen, fonbern auch überfiuntid)cn unb ibealen ©ein, mit ihrer nicht bloß empirifd;en, fonbern bor allem mit ihrer ltrfprünglid; fd;Bpferifd;en Duelle in und; in ihr würben Wir bie principietle Straft ber Steen hüben, aud Weld;en unb für weld;e atterbingS ber menferbart bem Unterricht bie Aufgabe jutheilen tann, einen fReid;tl;um bon ©erlangen, bon gleid;fam wartenber ©egierbe unb ntöglid;em ©Jollen in ber ©eele ju erzeugen, unb für bie ißrayid bed Sehend in ©ereitfdiaft ju fteHen. ©ad Sntereffe, jener 3wlpunct bed Unterrichts, hübet babei bie Uebergangdftufe, gleidjfam bie ©d;welle jwifdjen ber reinen Dbjectibität bed ©orfteltend unb ber bom ©ubject audgel;enben prattifdjen ^Rid;tung, ed fteht „in ber SRitte jwifdjett bem bloßen 3 U= fd;aueu unb bem 3 u 8 rc ifen." GS ift mit bem 23egel;ren, bem ©Jollen unb bem @e= fd;utaddurtheil gemeiufd;aftlid; ber ®leid;güttigteit entgegengefefct, unterfdjeibet fleh a ^ er bott jenen breieu baburd;, „baß eS nidjt über feinen ©egenftanb bidp.onirt, fonbern an ihm hängt." „©Jir finb jwar innerlich <*ctib, iubem wir und intereffiren, aber §erbart. 417 äußerlich fo lange müßig, big bag Sntereffe in Segierbe ober 2Bißen übergebt. 1 ' ®ie befoubern Momente beS Sntereffe finb nad) ©erbart 2lufmerffamfeit unb SrWar» tung. ®er Srwartung folgt bag gorbern, womit eben bie SSegierbe eintritt, enb= lidj bag Raubein, weites teuere fid> jebodj alg 2 $erfud)en audj unmittelbar an ba« SrWarteu aitfdjließen famt. — Sg oerfteljt fid), baß biefe SDlomente einjig burdj bie Sorfteßungen unb beren ÜJlaffen iljre Srflärung fiitben feilen, bloß bie „Saufalität" ber 23orfteßungen ift eg, bie bieg alleg in nng. bewirft, een Sbeen ift babei nod) gar nicpt bie Siebe. ®ie 23orfteßung mit biefen iljren 2 Birfungen geigt fidj nun aber in jwei Sieben, in Srlenntnig unb Sljeilnaljme. S)ort, in ber Sfeilje ber Srfenntni« geigen fidj bie Sntereffen beg SDiannigfaltigen (bag empirifdje Sntereffe), beg ©efefsmäßigen (bag fpeculatioe) unb bag ber aftljetifd) en 33erb)ältniffe (ber ©efdjmad); pier bie Sntereffen an ber SHenf djl) eit al« foldjer (am einzelnen fDienfdjen), an ber @efell = fdjaft, eitbüd) am 23erl)ältnig beiber 511 m fyodjften SBefen (Sfeligton). Srinnern Wir und l)ier an bag, Wag ©erbart bie obfectiöe unb. bie fubjectioe ©eite beg (Seelenlebens nennt, unb bejiepen wir auf biefen Unterfdjieb ben begriff beg Sntereffe, fo Ijaben wir freilidj fd)oit oben gefeiten, baß bagfelbe jur objectiöen ©eite gerechnet wirb; benn felbft 33egel)ren unb 2Boßen, beren ©runblage eg ift, finb nod) objectiö. Unflar jebod) wirb ung ©erbart« Meinung, wenn wir jene grage ingbefon= bere auf bag äftljetifdje Sntereffe unb ben ©efdjmad; anwenben unb nad) betn 33erl)ält= nig biefeS lejjtern jn ben 33orfteßungen überhaupt fragen. ©erbart rebet in ber Ülßgem. ^ßäbagogif (©ämmtt. 33. X. ©. 56) bei ber Srflärung btefeg Sntereffe ganj im aflge= meinen oon bem 3Befen beg ©ejdjmadg, fo baß Wir audj ben fittlidjen ®efd)mad einredjnen mitßen: 9Jid)t einen ©egenfajs, fagt er, aber einen 3 u f a § S ur älnfdjau* ung gebe ber ©efdjmad. ©ein Urtljeil folge aßentfyalben, leife ober laut, nad; febem öoflenbeten 23orfteßen, wenn bagfelbe rtidjt fogleidj im 3BedjfeI oerfdjwinbe. S« liege nidjt im bloßen SBarnefnnen. SBeifaCt, fDltgfaßen, bieg fei ein 2 lu«fprud) über, nidjt ein 33erfinfen in ben ©egenftanb, bag Sntereffe fyäitge am Silbe, au ben 33erl)ältniffen, nid)t an ber Sftenge ber SDiaffe. ©ier ift jener Seifaß offenbar mit bem äftljetifdjen Sntereffe ibentifd) genommen unb bantit in ben Sereid) nnb in bie 2Birfung«fpl)äre ber 33erfteßung gejogen, wenn fcfjon oon ber SBarneljmung ober 2lnfd)auung alg foldjer unterfdjieben. SDiefe« ftimmt nun aßerbingg mit bem ©erbart’fdjen ©runbgebanfen, baß bag gefammte ©eelenleben fid) ang Sorfteßuitgen erbaue, ooßfommen überein, aber fei= negmegg mit ber fonft Ijeröorgeljobenen ©ubjectiöität beg äftljetifdjen Urtljetlg unb ber Sbeen unb bem ©egenfafce beiber ju bem 33ißen, ber erft burdj golgfamfeit mit jenen jur (Einheit fommt. Seite« fdjeint bie Sonfequenj, biefeS eine unbermeiblidje 3lb= Weidjung. 3Bare bie ©runbanfidjt and) Ijier burdjgefüljrt worben, fo würbe batnit bag gange ©ebiet ber ©ittlidjleit mit in bie realiftifd)=medjanifdje Saufalität ber 33orfteßungen Ijereinge^ogen worben fein. 2 ludj bie Slnlnüpfung beg ©ittlidjen jpecieß an bie 3nter= effen ber Sßjeilnaljme, bie ©erbart in feiner ülbljaublung über bie äftljetifdje ÜDarftel* lung ber SBelt gewählt Ijatte, Würbe in ben fpatern ©djriften aufgegeben. Sg modjte iljn bie unwifllürlidje Slnerfennung geleitet fabelt, baß in bem ©efüljl ber Sfyeilnaljme fdjon eine SDladjt beg ©ittlidjen, wenn audj unbewußt, fidj funbgebe, Woran« eben bag fitt= lid)4ft^etifdje Urteil bann {entfpringe. 2>odj bie genauere lugbilbung feiner 35orftel= Innggleljre in iljrer ganjen realiftifdjen ©djrcfflieit mußte biefe Sluffaffung jurfictWeifen unb jenen ©naligmug ^erbeifüljren. ©efir bemerfengwertb aber ift, baß ©erbart burdj feine nähere Sesieljung ber £t)eilnaf)me mit bem fittlidjen Urtljeit, fo lange er fie feftljielt, audj jur Inna^me einer nätiern Sejiel)ung biefe« ledern mit ber Sreügion ge= füfirt Würbe, wa« fidj au« feiner Slnfidjt oomUrfprung ber Sieligion Ijinreidjenb erffärt. 23ir geben nun feine ©auptgebanfen über bie S^eugung be« fittli^en Urtfjeil« unb über beßen Serfnüpfung mit bem 23ißen unb ber £I;at nad) jener altern ©d?rift, “Pätaa- (SntijnDtJjiic. III- 27 418 £er6att. Weldje eiugef;enter als jete ber anbent biefen ©egenftanb bcljanbett: SBährenb ber lln= terridjt auf ber einen ©eite burd) bie GcrfeuntniS 53egierbe mit SBißen Bereichert nnb belebt,*) fo ftrebt er anbrerfeitS, intern er bieffteihe ber f£l;eilnahme.bearbeitet, 31 t feinem anbern 3tele empor, gur Silbung beS @efd)inatfeS. 2)iefe§ gefdjiekt burd) Srgeugung einer Bollenbeten, b. i. bis 311111 Sntereffe burdjgebilbeten ißorfteßung einer 2ebenSge= ftaltung, weld)e bie äftketifd)en S3erl)ältniffe beS menfd)lid)en SBoßenS (bie fittlidjen 3been) fei eS unmittelbar, fei eS burd) ben ©ontraft, wieberfpiegelt. hierbei barf nid)t bie gegenwärtige SBelt gum SluSgaugSpuncte gewählt loerbeit; bie ©pl;äre ter ©rWadjfeiten ift bei cnltioirten ÜUenfcpen 31 t h 0( h unb 31 t fe^r burd) 35erl;ältniffe beftimmt, bie man ben fleinen Änaben nidjt begreiflid) ntadjeit wifl, loenn man and) fötinte. SS ift baher mit clafftfdjen fDarfteßungen eines ibealifdjen ÄnabenalterS 31 t beginnen, bie man in ben §>omer’fd)en @ebid;tett, nameittlid) in ber Dbpffee finbet. hierauf nun grünbet Iperbart bie gorberung, baß ber ©prad)imterrid)t nid)t mit bem Sateinifdjert, fontern mit bem @ried)ifd)en anfangen unb fobalb wie möglid) 3110 Sefung ber Dtpffee oor= rücfcn foß, unb 3 loar, nad)bem ber Änabe nur eben ber bebürfniSBoßett Äin0l)eit ent= Wadjfen fei, jebenfaflS Bor gitrii cf gelegtem geinten 2ebenSjal)re. **) Ipieran foßen fid) bann bem Wad)fenben Sitter gemäß bie Weitern fyiftorifdjen unb literarifd)en ©tubien in 5Ber= binbitng mit moralifd)en unb ffteligionSBorträgeit anfdjtießeu. ®ie ^Religion, wie fd)on ange= beutet, tritt I)ter gewichtiger unb in wefentlidjerer SSegiekung gur ©itttidjfeit auf, als in ben fpdtern tpauptfdjriften; i^re untrennbare SSerfnüpfung mit berfelben wirb in ber Slnerlenttung ©otteS als „beS reellen ©eutrnntS aller praltif dje'n Steen" be= ftimmt genug angebeutet, unb „bie freier beS ©laitbenS, worin Wir wie in bem eignen ©elbft ruken", erinnert unS in biefer SSerbinbung an ben f^rieben, ben baS <£I>riften= tkum tel)rt unb uerfünbigt. Slud) wirb baS 3tel ber Religion hier auSbritdlid) als ber „köd)fte fefte fßunct“ begeidjnet, gu weld)em jene beiben f)feil;en ber SBilbung, ©rfenntniS unb fEheilnakme htnftreben. Religion wirb pier alfo, wenn nicht ibentifd), bod) congruent mit bem haften 3^ e( ^ ber Srgiekung, ber ©ittlidjfeit, erfldrt, was, Wie Wir oben ge= geigt, in ben päbagogifd)en ,£)aitptfd)riften f'eineSwegS ber f^aß ift. Um fo mehr mujj eS in 25erwunberung fe( 3 en, baß §erbart, wo er feine 3bee einer äfthetifdjen ®arftel= Ittng ber SBelt entwicfelt (fowie überhaupt in feinen (Schriften) nirgents auf bie 3Se= nujntng ber biblifd)en tpiftoriett kinweifet, ba er bod) aud) in biefen 3 üge „eines ibealen ÄnabenalterS ber 2ftenfd)heit," in religiofer Sfegiekung, oiel ibealifd)er Bon biefer ©eite, als in ber gried)ifd)en SBelt, hätte erlernten tonnen. SJterfwürbig ift eS, baß er ftatt teffen bie Dbpffee, nid)t nur für bie eigeutlid) ethifd)e, fonbern auch für bie religiöfe 33ilbung empfiehlt, greilid) nickt hauptfäd)lid) in unmittelbarer unb pofitioer *) „SBer oiel ertennt unb bentt, ber »erlangt toiel, unb Weffen BorfMungeit Wohl affociirt ftnb, bem affociirt fid) and) baS Verlangen." **) ®tffeit loirrbe für btefeit ©ebattfeu gewonnen. 3 u feiner „SInteituug für ffivgieljer, bie Obpffee mit Äitabeit jitlefcn," fdjrieb §erbart eine SSorrebe (1809), weldfe ipartenftein im 11 . Banbe ber fänunttid)en SBerfe initgetkeilt I;at. — 3n unfern Sagen (1857) hat SB. SBiebafd; einen beutfeken ,,£>auS» unb ©cku(»§omer" in ber metrifdjen Ueberfekung beS altern SBiebafd; heraus» gegeben, um mit Befeitiguitg beS in ber Urfprad;e (iegenbeu Biuberniffes ben ©ebanfen §er* barts in weiteren Äreifeit ausführbar 511 mad;en. 3 u biefem Buche fd;ricb gr. Äolßraufd;, ber »erbienftBotte Borfteher beS hohem ©chntwefens im ÄBnigreidj £unno»er, ein Bormort, beffeu Slufana hier nicht ohne Sutcreffe gelefeit werben Wirb: „Its »or faft 50 Sahreit in ber päbagogtfd;eit ©efeßfehaft bei bem ißrofeffor iperbart in ©öttingen bie grage wegen eines burd; bie Slnfckautidjfeit ber Ouetten belebten hiftorifdhen Unterricht« »erljanbelt würbe, fchlitg ich als SluSgangSpunct bie großartige ©chilberuttg beS 'ßatriarchenlebeuS im erften 'Buche SDtofiS, als bet eiitfadjficn Darfiettung beS bürgerlid;en ©emeiitwefens in ber ©eftalt ber ganülie, Bor; ber ©e» baute fanb Stnertenuung unb würbe bie SSerantaffitng 51 t meiner Bearbeitung ber biblifd;en ®e» f^idhten. ®er Berftorbene ®iffen tnüpfte baran bie Slnfdhaitung beS Beroen« unb einfaihfien ÄBiügthumS, welche bie ^omer’fchen ©efänge barbieten, unb Sfjierfd; enblid; bie iiaiBeu @chil=* bernngen ^erobots aus bem ältefien BBtterlebcn, nachbem ftch fd;on ©taaten gebilbet hatten." •§crbart. 419 SBeife*) feilen tie Sfinber itjre Religion burd) ben ferner Weiterbilben ober befeftigen, fonbern oiclmefjr burd) bie SBirtung bed Sontrafted, Wobei ßoraudgefelst wirb, baß „bad |jßd)ftc fdjon unter ben früljefteti ©ebanfen, an weldjen bie ißerfenlidifeit bed wer* benben üftenfdjen Ijangt, (burd) bie erfte fjäudlidje (Si^ieljung) fid) feinen ißla (5 befeftigt ljabe." S)enn eben Weil bad .fjödjfte, fdjon friß) jum 23eWußtfein ge'brad)t, nun'ferner nidjt meljr erb)öl>et Werben fenne, fo fei ©efaljr, „man Werbe ed bei fortbauernbent ijpinljeften bed ©etfted auf ben einen, fo einfachen ißunct, nur öerunftalten, man Werbe ed jum ©emeinen, ja juin langweiligen Ijerafcjieften." Sieber feilte man bie 3bee weniger Wad) erhalten, meint er, um fie 31 t ber geit itnoerborben rerjufinben, ba ber ■Otenfdj jur (paltnng in ben ©türmen bed Sehend iljrer bebiirfe. Slber ed gebe ein SDiittel, „fie tangfam 311 ernähren, ju uerftärfen, audäitbilben unb it;r eine linaufljörlidj fteigenbe Verehrung ju fid)ern, nämtid) bied, fie fortbauernb burd) @egenfa (3 (uümlidj burd) ben ©egenfajj bed l)omer’fd)en ftßjteidmud) 31 t beftimmen; unb biefed fDlittel mi'tße bemjenigett, ber jene 3bee tl)ecretifd) fenne, jugteid) ald bad einzige gelten.“ §erbart I)at gewiß 91edjt, Wenn er bou Diel abdtractem 9fäfonncnteut in ©adjeu ber 9feligieu bei Stinbern bad ©egentljeit ßon retigiofer ^Belebung befürchtet; aud) fönnen wir jugeben, baß in fel)r ernften nnb tiefer belebten ©emittfyern bad ©Ijriftlirfje burd) ben Sontraft bed ^eibnifd^en belebt unb oerftärft werben mag. ®odj wirb bie grofje ■Dtefjrljeit unferer ©d)üler foId)e Vergleidjungen unb fSefleyieneti, 3 umal anbere @e* fid)tdpuucte beim Sefen bed §omer bie üfufmerffamfeit überWiegenb in 2lnffmtdj nehmen, nur fel)r flüdjtig atifteflen. Vor aflem aber l)at ^erbart überfehen, baß bie (Religion in il)rer gefd)id)tlid)en Söirflidjfeit, wie fie in ben großen Sijaten ©otted unb feiner ©efaubten, im Sljnn unb Seiben ber frommen, in Vefenntnid unb ©ebet, in Sieb unb ©fratd) bargelebt, bewährt unb audgeffn-od)eit ift, cor aßem in ben biblifdjeu ©djriften, fobann aud) in ber religiöfen ®efd)idjte unb Siteratur ber fpätern 3 e ß £n eine ©eftalt gewonnen l)at, bie bei aßer ®infad)I)eit bed ©runbgebanfend reid) unb lebenbig genug ift, um bei Werfer SSenugung ofyue aße ©efaljr bed Ueberbruffed einen waljrljaft pofi* tioen ©toff bed religiöfen Unterridjtd barbieten ju fönnen. 2Bir feljreit ju bem^aupt* gange ber Vetradjtung 3 urüd, unb erinnern rtnd, baß fperbartd äftl;etifdje $>arfteßunj ber Vielt fürd erfte nicfjtd anbered ift, ald eine SDtetljobe für bie Vilbutig bed fittlidjen Urff)eild. Ülber t>or aßem fragt ed fid) nun: SBie fommt bie©ittlid)feit felbft juftanbe? SBie wirb ed erreid)t, baß jenes eine giel bed Unterridjtd, bie erwedte Vegierbe unb ber aBiße, mit bem anbern, beut fittlidjen „©efdjmad“, ju @inem ©efammtrefultat, beut ßiele aßer Srjietjung, ficf) berfnüpfe? Ober: wie entftefyt jene jjolgfamfeit, bie ber an fid) ibeenlofe 2 Biße bem an fid) ntadjtlofen „©efdjmade" ju beweifen fjat? Sied ift bie Sapitalfrage bed ganjen ©tjftemd. ©ie gehört jur Seßre 00 m tlnterridjt; benn obfdjon nidjt oljne 33eif)ülfe ber „ßudß“, bod) wefentlid) auf ©runb bed Unterridjtd in beffen beiben .fiauftjielen wirb fie burd) einen pftjdjofogifdjen Vorgang erlebigt. 3 U= oörberft jene „äftljetifdje “Rotljwenbigfeit", oennöge weldjer wir nidjt umljiu fönnen, aud) unfer eigened üBoßen nad) ben fittüd)en ■ßrinctpieu 31 t beurteilen, giebt freifid) für fidj aßein nod) nidjt bie Antwort auf jene gwnge; benn aud) in feiner 3lnwenbung auf und felbft ift itadj .jperbart biefed Urteil wißeulod unb nod) oljne bie Dtatur eined Srnpc* ratiöd. 9lber in ber Sinljeit ber fßerfon, weldje wiß unb weldje urteilt, ift bie Vermittlung gegeben, baß beibe 3 U einer Sebendeinljeit fid) oerfnüpfen, baß bad Urtljeii 31 t einem Sniperatio, ber SZÖiße 3 U einem geljordjenben wirb; bie pftjdjologifdje Sfotfiwenbigfeit, mit fid) felber 3 U ^armoniren, treibt bei gehöriger Sludbilbung bed fitt= lidjen Urtfjeild, wel^ed nun ald ©ewiffen einen ®rud audübt, ben SößUnß/ feinen *) $odj braute er aucf) biefe ©eite in Stnfdjlag, wie und fdjeiut, mit minbeftend eben fo gutem ©runbe, wie bie negatibe. @. fämmtl. 2ö. XI. 8. 280 (im ißäbagogifdjen ©utadjten über ©ibutclaffen): „Snbltib jeigt fie (bie Dbtjffee) ben 2Renfemutlj.'' 420 <§evöatt. SSMQeit mit bem (Sittlichen in Uebereinftimtnung jufepen; bentt „er müßte fidj felbft fdjntähen, me tut er nidjt folgt e." *) Unb bie „ 3 udjt" unterftüpt biefen Gorgang, ■inbem fie einerfeitö ben fdjon rootjtgejogenen Äinbern „eine fyreitjeit gegeben unb erloor» ben hat, jebeS Verlangen für ben Slugenbtid otjne große SJtüfje anjuljalten," unb anbe= rerfeitd, „mo fich richtige Ltebertegung ergebt, bicfe in fpanblung fejjt," rooburdj „bie Gernunft erfährt, toad fie oermag, unb SÖtuth faßt gu regieren." ®d ift nidjt opne Sntereffe, biefe Setjre fjjerbartd mit jener fetjr nalje oertoanbten päbagogifdjen Sbee Stantd 51t bergleidjen, bie er in feiner •Utetbobentehre ber reinen pra!= üfdjen Gernunft (f. ben 2. Streit oon Stantd Äritif ber praftifdjen Vernunft) ent» micfelt Ijat. ftant mitl bad fitttidje Urtpeit bitben, ben Geifall, ben mir bem rein Outen Jollen, unb bie Gertoerfung feines ©egentljettd ftärfeu unb fidjern burdj Ge» fd)Sftigung mit Gegebenheiten, gefdjidjttidjen Situationen unb Sntfdjtießungen, roetdje unter bem fittlidjen ©efidjtdpuncte andgeroäljtt finb unb bargeftettt merben; er glaubt, baß bie an fotdje Gorftetlungen fierbart mit! unb glaubt, nur baß er mehr auf bie ©efamrntmirtung eined 3ufammenhängenben ©attjen nnb auf bett füllen Sinbrud bed geiftig Sntuirten, Äant bagegen mehr auf bie einjetnen fyätte unb bcren begrifflidj bemußte Äritif geredjnet gu h“keit fdjcint. — Stber, mie fperbart, fo geht audj Äant in feiner ©rmartung noch meiter; er hofft» baß biefe Kultur ber fittlidjen Geurtheilung 3ur SJedjtfdjaffentjeit im iünftigen Sebendroanbel eine gute ©runbtage audntadjen merbe. ®enn nidjt genug, baß ber Gleufdj badjenige liebge» mimte, mad ihn ben ermeiternben ©ebrattdj feiner Krlenntnidfräfte empfinben taffe, ber Seljrting merbe auch in ber SBarnehmuttg eined reinen G 3 illettd mit Sludfdjluß alter eubämoniftifdjen Qriebfebern einer höh ertt Sfeitjeit fidj bemußt, ber innern greiljeit, moburdj mir unabhängig merben tonnen bon Steigungen unb ©tüddumftanben unb nun finbe bad ©ebot ber fßftidjt burdj ben pofitiben SBerttj, ben und bie Gefolguitg bed» fetben empfinben taffe, teidjteren Ktngang burdj bie Sichtung für und fetbft int Gemußt» fein nuferer gratet* SDenn ber Gtenfdj fdjeue nidjtd fo fehr, atd fidj in ber innern Setbftpriifung in feinen eigenen Stugen gertngfd)äj3ig unb bermerfticfj ju finben. Kd leuchtet ein, baß bied nur mit anbern Sßorten bad nämtidje SJiotib ift, bad mir bei §erbart gefunben, menn er fagt, baß ber SJtenfdj ja fidj fetber fdjmähen müßte, menn er nidjt folgte. So fcljen mir biefe SJtänner, betten mir eine ernfte fitttidje fftidjtung uttb bie innige Erfahrung etned reinen Sßittend geroiß gutrauen bürfen, hoch ttjeoretifdj bei einer einfeitig fubjectioen Gegrünbung ber prattifdjen Sitttidjfeit antaugen; ein Stanbpunct, ber immerhin ein Kntroidfungdmomcut in bent SBerben unferd fittlidjen Sehend begeidjnen ntag, aber bodj bie botte GSatjrheit bed fttttidjen Gerljättniffed ttnb bie reine Quelle bed fittlidjen SBottend feinedroegd audfpridjt. Kd bleibt ihm ein Dteft bon eubämoniftifdjer Gefangenheit unb innerer Unfreiheit, ber nur bann berfdjroinbet, menn bie einige göttliche SBatjrljeit felbft mit ihrer ibeahreaten Sftadjt gemäß ber ur= fprüttglichen Germaubtfdjaft unferd Sintern mit ihr unfre gefammte Seele, Urtljeit fomoht toie SBitten unb ©efüljt, itn ©tauben uttb in ber Siebe ergriffen unb erfüllt, umgeftattet unb neu gefdjaffen hat, mobei bie Krgieljung fammt bem Unterricht ein immerhin roidj» *) @0 in ber äftbetifdj. ®arft. b. SBett: ©ämmtl. SB. SEp. XI. ©. 225. Sn ber Stffgent. !ßabag. ©ämmtt. SB. 2p. X. ©. 121 heißt es: „®er Kparafter, ber ftcp ber erften Kenfur nicht fügte, tonnte mopt baburdj eine jroeite ßenfur auf fiep labett. ®er SDtislaut itt biefer Senfur tönnte mopt enblicp bent SKenfcpen nicht mepr bepagen, unb fo mlicpte bietteiept gutept ber ®nt* fcplttß perborgepett, jenen Stnfprücpen ats Gefepten gu geporepen." hctbart. 421 iigeS unb unentbehrliches, bod) feineStoegS allein gum 3 We( f h'KW’ci) 211 ^ §ülfSgefd)äft beforgt. 3n Betreff ber SOI a t e r i e beS Unterrichts nad) Iperbart haken mir gu bem fd)on ©efagten nod) einiges h'ns u gufügen. ©ie ift burdj bie beiben £)auptgielpuncte beS Un= terridhtS, näljer fobann burd) jene Dafel ber fpauptintereffen (empirifdjeS, fpeculatioeS, äfthetifdjeS, perfönlid)=menfdjlid)eS, gefellfdjaftlidjeS, religiöfeS Sntereffe) beftimmt, unb man mirb of)ne ©chmierigfeit erfennen, toie burd) biefelben fämmtlid)e gäd)er be§ auf ©djulen gewöhnlichen UnterridjtS motioirt merben; mit Ausnahme beS bloß Diihlidjen, meldjeS bann, infoioeit eS ber Srgieljung feiber bient, mie Sefen unb ©d)reiben fid) leidjt an» fchließt, fotoeit eS aber auf außen liegenbe namentlich auf biejenigen beS fünf* tigen SBerufeS fid) bezieht, bon ber Srgiefjung unb bem eigentlich päbagogifdjeu linier» rid)t auSgefdjloffen bleibt. fperbartS UnterridjtSleljre bat, mit biefer einzigen Befdjrän* fung, in materialer §infidjt ben ©h a »after beS Uniberfaleit, unb er fonnte nidjt beiftimmen, mo immer ein fpauptgebiet, eine fpauptüorfteHuugSmaffe, auS bem Unterridjt auSgefchtoffen merben feilte. 3n bem ©treit ber fpumaniften unb Dealiften fonnte er bafjer nid)t Partei ergreifen. ©inerfeitS mar il)m baS UtilitätSprincip beS altern DealiSntuS gang fremb unb »ermerflidj, unb er menbete fich bagegen mit entfd)iebener Borliebe ber Sbealität beS fpumaniSmuS 311 mit befonberer ©unft für baS ®ried)tfd)e. 2luf ber anbent ©eite glaubte er bod) 5Dfatl)ematif unb Daturmiffenfd)aft in umfaffenber Sßeife, unb jmar beibe auch in Berfnüpfung, fo baß 2 J£atl)ematif auf 5ßhhfif angemenbct merben feilte, für feinen ergieljenben Unterricht gang allgemein forbern gu maßen uub fonnte baljer mit ber übermiegenb philologifdjen Didjtung beS Unterrichts auf unfern huma» niftifdjen Inftalten, fofern fie für alle gelten foHte, in päbagogifcfjer fpinfidjt nidjt ein» er» ftanben fein. 3n BilbungSanftalten mie ©djulpforta fah unb achtete er nur gadjfdutlen unb ©ouferöatorien biefer befonbern ©tubien, mit bem 2 Bunfd)e, baß baneben ähulid)e ©onferöatorien für fKattjematif unb Daturmiffenfdjaften befteljen möchten (©. Borrebe 3 U DiffenS Anleitung 2 c.). Da er jebocf) mol)l einfah, baß baS Sieben mit feinen »er» fdjiebenen 3^ed'en, gäljigfeitett unb Neigungen bei einem Dtmto uuferer 3ugenb eine umfaffenbere unb tiefer eingeljenbe Bearbeitung ber pl)ilotogifd)en ©tubien fomoljl ge» ftatte, mie nötlng ntadje, bei anbern bagegen eine übermiegenb naturmiffenfd)aftlid)e unb matljematifdje Bilbung »erlange, mit 3nritdjfeIIung ber antifen ©tubien, fo mar bie Slrt, mie fpäter bie beiben Dichtungen fid) »erftänbigten unb gu gegenfeitiger 2 lnerfen= nung famen, feinem ©inne gemäß: bort Uebermiegen beS ibealen unb äftljetifchcn ®Ie= mentS in einem grünblichen ©tubium ber 2llten, bod) ohne unbebingten 2IuSfd)Iuß ber mobernen unb realiftifd)en ©lemente, namentlid) mit ©infd)luß ber SDfatljematif unb SßhhfW; h' er Borljerrfdjen ber Dealfiubien, jebod) mit pflege beS 3bealen, an ber fpanb moberner, befonberS »aterlänbifd)er ©prad)e unb Siteratur; mobei er jeboch bebauerte, baß auf ben Bürgerfdjulen megen ber gu nah beoorftehenben Berufsübung ben meiter» ftrebenben ÄBpfen bie ^ülfSmittel einer mannigfaltigen geiftigen Dljätigfeit nicht »oU= ftänbig fönnten bargeboten merben. (©. Umriß päbag. Borlef. §. 83 ff.) fragen mir, mie fich fperbartS Unterrid)tSlehre gu ber 3bee einer formalen Bil» bung »erhalte, fo haben mir »or adern ben ©inn biefeS üluSbrucfS näher 31 t beftimmen. Saßt man bie SRaterte beS Unterrid)tS rein im objectiöen ©inne, ftrebt man bemgemäß biefen ©toff nur als fold)en bem 3»gdng gu eigen 3 U machen, fo mürbe bieS ein ma» terialeS Ißrincip fein, bem Iperbart nicht beiftimmen fonnte; benn ihm bient aller Unter» rieht 3 ur Bilbung beS ©ubjectS. Die Didjtung feines UnterridjtS ift in biefem ©inne eine formale; er mill bie ©eele beS ÄinbeS formen. 2lber freilich lag eS in ber ein» feitigen 3^ecfbeftimmung feiner fßäbagogif, baß jene fcd)S §auptintereffen, bie an fich eine 3 ureid)enbe ©ritnblage für einen mahrhaft formalen Unterridjt mären, nidjt mof)l »otlftänbig unb gleidjmäßig 3 U üjrem Ded)t fommen fonnien. 2lHeS eilt bei ihm jum leisten 3 ® ec h 3 ur praftifdjen Äraft unb 31 cm fittlichen ©h ara ft ei '/ ult b bie ©ultur ber Sntereffen, »orsugSmeife bod) als SDittel angefel)en, muß leiben unter bem Drude ihrer 422 §etOart. Eielatioität. ©o fdbön er rebet über ba« otium, baß ber ©djule eignet (©ärnrntl. SB. X. G. 109 ff. [Stflgemein. ißäbag.]), fc war bod) fein ©t)ftem unb feine perfottlidje Sfidjtung bentfelbett nidjt giinftig; eS würbe bei il)tu ju fefyr überwogen burd) ben Srnft beß Beben«, ben er ju nmnittetbar ben 33eftrebungen ber ©d)ule einmifctjt. Sine üotI= citbete Burd)bilbung in Gsrtenntniffen unb fjertigfeiten, infoweit fie nid)t unmittelbar biefen Srnft ju forbertt fdjienett, tonnte iljn päbagogifdj nidjt erwärmen. 3n S3ejug auf EJaturWiffenfdjaft unb SJiatljematil fdjeiitt fein eigene« auSgejeidjneteß Talent unb bie barau« erwad)fene S3or(iebe 9?adjtl)eil »ereiltet ju haben; aber in bem bhilologtfdjen Unter» rid)t, weldjer in ber oott iljm geleiteten Seljranftalt gegeben würbe, ift eine hmreidjenbe 33eriidfid)tigung ber grammatifdjen, rhetorifdjeit unb äftljetifdjen ©eite unb ber gertigteit im fdjriftlidjen ©ebraud) ber alten ©pradjen »ermißt worben (©iel)e unten ©. 439 bie 9?ote). SBir l;abeu inbeS I;iemit bie S3ebeutung be« Slußbrud'S formale S3ilbung nod) nidjt erfdjßpft. Sin anberer ©ebraud) beßfelbett öerntifdjt fid^ leidjt mit bem Jtorijitt bejeid^neten unb trug ohne ßwcifel in biefer S3ertnifd)ung baju bei, bie eben angebeutete ©eite ber pljilologifdjen ©tubien in beut .fjerbart’fdjen Unterridjt etwa« juritd'treten 311 laffen. SBenn man ber Uebet^eugung ift, baß feber Unterridjt, fofern er gut gegeben unb gut aufgenommen wirb, oerntöge ber in allem ©toff unb in aller xntellectueKcu Slrbeit »orljanbenen gleichartigen Slemente, bie gäljigfeit 31 t erfennen unb gu lernen überhaupt erflöge, fo wirb mau fid) au« biefem ©runbe aud) um fo leidjter mit folgen gädjent auSföhtten, bie unmittelbar burd) ihren Snfyalt für baß SBefentlidte be« innern ober äußern Beben« weniger S3ebeutung 31 : l;aben fdjehien. £>erbart t)at fid) 3 War gegen formale 33ilbung in biefem ©inne nufere« SBtffen« nirgenb« fo außbrüd* Itdt erflart, wie eS neuerbtngS in feiner ©djule gefdjeljen ift, aber gewiß tonnte er fie uad) ber 6 onfequen 3 feiner pftjdjologifdjen unb erlenntnißdheoretifdjen ©runbanfidjt nic^t für ein woI)Ibegrüubete« 3*4 be« ©trebenS tjalten. »SBir biirfen biefe äßittljeilungen über baß Snljaltlidje beß Unterrichts nad) fperbart nidjt fdjließen, oljne einer feiner intereffanteften unb eigenthünilidjften Slrbeiten etwa« eingeljenber gebaut 3 U Ijabcn, bie wir in ben biogra^ifd&eit S^otijeu tui '3 erwähnten, feiner StuSfiiljrung ber bon fßejtaIo 33 i aufgeftetlten 3bee eine« 2133S ber Slnfdjaitung. 39?att barf in biefer ©djrift nidjt eine Einleitung 3 um elementarifdjen SlnfdjauitngSuuter» ridit im umfaffenben ©inne beS SBort«, eben fo Wenig eine pfhdjolegifdje ©runblegung beßfetben erwarten. SBie ijJeftalossi, als er feine metljobifcfjen 93üdjtein ausarbeitete, Slnfdjauung nur auf ba« Sluge unb auf bie räumliche §orm be 3 og, obgleid) er urfprüng* lieb iljren S3egriff Weiter unb tiefer erfaßt 31 t l)abeu fdjeint, fo gel;t aud) fjerbart »on jener eittgefdjränftcrn Raffung aus unb fein 2193S ift burd)au« matljematifdj gehalten. Ber .fpauptjWecf beßfelbett ift, burd) 33ilbung be« SlugenmaßeS ben ßägling 3 U einer genauen unb fiebern Stuffaffung unb Eineignung ber räumtidjen SBelt in 9latur unb Äunft 3 U befähigen. Slußerbem foü eS eine S5orfd)ute für baS wiffenfd)aftlid)e ©tubium ber 2Ra* tl)ematif fein nnb Ijwi' 3 « würbe e§ burd) feine geitetifdje 9Jfeti)obe, burd) bie ©idjerljeit, mit weld)er eß auf bem SBege ber ®elbfttl)ätigfeit ßou ber Slnfdjauung 311 ^Begriffen fül)rt, fel)r geeignet fein, Wofern eß nidjt bloß bei befonberer S3egabung beß 3öS^ n 3 S f foubern allgemein in bem Sllter ausführbar wäre, für welches eS beftimmt ift. fperbart fteltt in biefer ©d)rift einen matl)ematifd)en ©tubiettplau auf. 9?adj biefem foBf im ad)teit, neunten unb geinten BebenSjaljre baS 3193® ber SInfdiauung betrieben werben, in jebcut 3al)re ein SSierteljaljr laug, mit ,ciner täglichen Befjrftunbe unb einigen Hebung«* ftuuten. 9fad) einer ißaufe foll bann im jtuBIften 3al)re bie wiffenfchafttidie SCUathe* matit beginnen unb in biefem, fowie ben beiben folgenben Sauren ßon jebent ein^ialb» fahr ber 9lritl)mctif, ©eometrie, Trigonometrie unb ber nieberen Sllgebra gewibmet Werben. Snblid) bie brei lebten ©d)uljal)re, ba« 18., 19., 20. SebenSjahr ftnb, eben* fall« in jebent ein halbe« 3 aljr, tägtidj eine ©tunbe für baß ©tubium ber t)öl)eren 31nalt)ftß beftimmt. SBäre nun mit bent 9193® ber SInfdiauung nur ba« gemeint, wa§ man unter bem ??anten ber geometrifdjen ^ortttenleljre 3 U geben pflegt, fo wäre an ■£>ct6atf. 423 feiner äudfül)rbarfeit in jenem jarten Sitter nidit ju jtoetfeln. Snbeffen nimmt cd nadj ben einfadjften geometrifdjen ltnb combinatorifdjen änfdjauungeit unb Borübungen halb bie Slidjtung auf eine trigonometrifdje Betrachtung ber Sreiede, meiste nidjt etwa nur nadj ihren fpauptarten augefdjaut, nadjgebitbet unb begrifflid) aufgefafjt, fonbern bor allem nadj ber gegeufeitigen Slbhängigfeit ber SSBinfel unb ©eiten unb iljreu baburdj gegebenen mannigfaltigen ©eftalten, menigftend in einer jiemlidjen Stnjat;t fogenannter 9 )lufterbreiede mit Slnmenbung bon Sangenten unb ©ecanteu berjeicfjnet, gemeffen unb beredjnet merben. Sied afled mirb jmar, mit üludnaljme einiger genauem Beftimmun» gen, bie non ber äöiffenfdjaft ald Slefuttate entlehnt merben, auf änfdiauutig unb 3n= buctiou gegrönbet unb mir tonnen ber Marljeit unb ©id)erl;eit, momit bied gefdjieljt, unfre Sluertennung nid)t berfageu; allein bad Ergebnis felbft, bie Beftimmung einer großen 3lnjatyt bon Sreiecfen burd) 3at)te«, ift burdjaud abdtracter Statur. Slod) mödjte ed geben, meint biefe aufd)auIid)=inbuctioe Ableitung ber 3 nhlenberljältniffe unb bie ba= burd) gemonnene Ueberjeugung bed gefefcmäßigen 3nfie bann natürtid) gauj geläufig fein mäßen, bie ©eftalt im ©anjen unb il;re ©licberung auf» jufaffen unb feenhaften. Ed ift ja ridjtig, baß bei jeber Stnfdjauung bon Slaumgebilben eine Slrt bon SDfeffung unb Bergleidjung ber äBinfel unb ©eiten unb eine Berüdfidjti» gung ihrer medjfelfeitigen Slbljängigfeit unbemußt unb unmißfiirlid) ftd) in und botljiefyt, unb £>erbartd Strbeit tann ald ein Berfud) angefeheit merben, biefen Borgang aufju» bedett unb in ein felbftbemußted SDleffen unb Sledjuen umgumanbeln. Iber mag bied feinen miffenfdjaftlidjen äBertlj haben, ßier tonunt ed auf ben praftifd)en an, unb biefer barf bejmeifelt merben. 3 uei ‘f t ift bie Slßgemeinheit ber äuSführbarteft nicht otjne Be» beuten. §erbart fdjreibt bem älter bid 31 t jeljn Saljren eine äbdtractiondfäljigfeit ju, bie ed in ber Siegel nidit l;at. Berftanb tonunt nid)t bor 3obren. Siefer ©ab, fo tririal er ift, fo ift er bodj nicht minber mal;r; er beutet auf ein ®efe (5 in ber f^olge ber geiftigen Sntmidlung, bad burd) bie Erhebung nid)t alterirt merben tann. Ser Uebergang bon bem Sehen ber inbibibueüen Stnfdiauung ju ber felbftbemußten Erfaf» fung, geftfteßung unb Benutzung bon SlbStractionen ift, itnfered Eradjtend, nidit ein gleidjfam ftießenber, ber feinen pft)d)ologifd)en llnterfd)ieb ter Erfenntnidart in= boloirte. Slud) mirb bie ©djmierigteit biefed llebergangd oft nod) im elften ober jmölf» ten 3al)re burd) bie Erfahrung bed Sehrend, indbefonbere in ber -Dlatbematif, f)i n= reid)enb beftatigt. Slun giebt ed, uad) ber Berfdjiebenheit ber Begabung, aßerbingd Ätnber, bie febr friil) Heine BerftanbSutenfdjen füib, benen bafür eine gemiße llnbefan» genl)eit unb güße bed änfdjauungdlebend unb ber ^pb an tafie, bie Ißoefie ber Äinbbeit, früher als anbern fid) audgelebt hot, bie bafür auch {pater ben ©d)mung bed Sbeenlebend meniger mäd)tig in fid) erfahren; ed fdjeint fogar, baß gauje SSölfer fid) ben anbern burd) ein früheres Eintreten unb bleibenbed Borherrfdjen bed Berftanbedlebend unter» fdjeiben. 3n Seutfdjlanb ift bied jebod) ald Siegel fidjer nid)t ber gaß, unb mir jmei» fein nid)t, baß £>erbartd ä 93 S ber änfdjauung hi« niemals aßgemein ausführbar fein merbe. 355ir mürben bal)er jene trigonometrifdjen Slnfdjauungen unb ihre abdtracten Ergebniffe erft fpäter als Einleitung fpecieß für baS trigonometrifdje ©tubium in 9ln= menbung bringen. SBie aber ^erhärt aud) fonft mehr ald er fid) felber bemußt fein mod)te, in feinen Behauptungen bon feiner eigenen Snbibibualität unb feinen perfönlidjen Sehend» erfahrungen geleitet mürbe, fo fdieint ihm bad aud) hier begegnet 3 U fein. — Unfer 424 -fgerbatt. jtoeiteg ©ebenfen begiefjt ficlj auf ben praftifdjen |>auptgWeerbart gumal auf bem pjtjdjologifdjen ©ebiete, foweit nicht ßorgefaßte ®lj ecr * e ih n befängt, Sfteifter ift. 3lber fclbft bad ©tjftent war hier theilweid förbernb, wenigftend bei bem erften ©itncte, über ben wir 51 t berichten haben, ber Sehre ßon ber 2 lufmerffamfeit. ®emt ba biefe unmittelbar mit bem 3ntereffe gufammenfjängt, welches nadj fperbart nicht eine bloße ©ebingung bed Unter» richte, fonbern eigentlich bad 3 id bedfelben ift, fo haben wir cd gewiß gum ®h e ü biefer 2 lnfid)t gu oerbaufeu, baß biefer widrige ©egenftaub eingeheuber unb fruchtbarer ald jematd ßor ihm bchanbelt worben ift. .f)erbart nnterjdjeibet guerft gwifdjen wi llf iirlidj er unb unwillfürlidj er 2 luf= merlfamfeit. ®ie erftere, Ijsroorgerufen burdj bie Kraft bed SßitlenS, nämlidj eiued anbern ald bed in ben ©orfteüungcu felbft liegenben ©egeljntngd» unb SBillendtriebed, burch irgenb einen ferner liegenben 3 'oed ober burch bie in 3 U( bi unb Regierung wir» lenbe SBillcnöfraft bed Sehrerd, wobei bie ©orfteHungen ald „geljobne", nidjt ald „freifteigenbe" erfdjeinen, wirb mit Stecht für bie ©ileuug niedriger angefdjlagen, unb ßorgugdmeife auf fie gu regnen erflärt .jperbart für einen großen aber gewöhn» lidjen gehler; beim gar leidjt fomme ed babei nur gu einem mittelbaren 3 ntereffe, ftatt bed gu erftrebenben unmittelbaren, unb Cer Sgoidmud mifdjc fid> ein. ®ennodj aber fei auch bie miüfiirlidje Slufmerffamfeit nidjt gang gu entbehren, gumat ca wo ©elbft» beljerrfdjung erforberlidj fei, wie namentlidj beim ©eobadjten unb beim SludWenbig» lernen, gür biefed lejjtere Werben bei biefer ©elegenljeit praftifdje Statljfdjläge gegeben. GeS bürfe in ber Siegel nidjt ben ülnfang ntadjen, guoor fei Klarheit bed (Singelnen unb 3lffociation bedfelben gu erftreben, burdj ©predjen bariiber unb ©ejdjäftigung bamit mäße eine ©eläüfigfeit ber ©orfteüungen erreicht werben; ferner fei nidjtd gu übereilen, anfangs langfatn gu geljen, gumaf wo eine ungünftige Drganifation ©djwierigfeiten be» reite; eine lörpcrlidje SJtitbetljätigung, lauted ©predjen, felbft im ®fwr, ©djreiben, 3oifter 2 Bid)tigfeit ift, fdjließt fid) bad Weue an fdjon Vorßanbened an, wirb burd) badfelbe oerftänblid) unb intereffant. 3 eher Unterrid)t in SEBorten nimmt bie Slpperception in Slnfprud), benn „bie Verkeilungen gu ben SEBorten, worauf ber ©iun ber Siebe beruht, müßen aud bem Snnern bed ^wrenben fontmen." ©er Unterricht baut fort auf ben ©runblagen ber Erfahrung unb bed Umgänge«, welche er 3U ergangen hat; ebenfo ber fpatere auf bem, Wad ber frühere gegeben. Geben biefed, baß bad fd)on Vefeffene erweitert, oerftärft, georbnet werben foH, regt bad -Werfen unb bad (Erwarten an. 3 ft jened nidft ftarf unb lebenbig genug mehr gegenwärtig, fo fommt ed barauf an, ed 31t reprobuctren, ben 3 ögling in ben ©ebanfenfreid 3U oerfe^en, in weldfem gearbeitet Werben fod. 3 ft bied gefdjehen unb bad appercipirenbe SWerfen im ©ange, fo ift ein ftetiger unb ber jebed= maligen (Erwartung entfpredjenber ©ang nötlfig, „bie Söfungen müßen ben Aufgaben fidjtbar entfpredjen, aHed muß in einanber greifen." Ungeitige fßaufen unb fremb= artige (Eininifd)itngen finb gu oermeiben, bad wad im ©djatten bleiben feilte, barf nid)t ind ?id)t gcfteHt werben, benn ed würbe nur ftören; indbefonbere barf bie ©pradfe nid)t auf Soften ber ©adfe h^oorgehoben werben, Wad 3. 18 . burd) 31t oft wieberljolte SEBorte, burd) angemül)nte Webendarten, burd) ungeitig angebradjten rl)etorifd)en ©dfmud gefd)el)eu würbe. ®ied finb bie £>auptgebanfen £>erbartd über bie Stufmerffamfeit. SBenbcn wir und nun gu ber ©h&tigfeit bed ©eifted in (Erfaffuug ber Verkettungen felbft unb ihrer ÜWannigfaltigfeit, fo begegnen wir ben Gegriffen ber Vertiefung unb ber Vefinnung unb ber Wothwenbigfeit eined SEBed)feld biefer beiben gfunctionen, woraus ihm oier ©tufen bed Unterridjtd h erl -' cl 'S e ^ en - Sene ^Begriffe finb in ber 9 lHg. fßäbagogif, bie ©tufen unb ihre 2 el)rWeifen in bem „Umriß" eingehenber behanbelt. Vertiefung ift bie |)in= gebung an einen beftimmten ©egeuftanb im VorfteUen, bie eigne ©orgfalt, weld)e man gerabe für ipn uermenbet, um ihn richtig unb gang gu faffen, um fid) hiaeinguoerfehen. 3 lber, fügt er l)i n 3 u » nicht eine Vertiefung nur wirb bem VerfteHenben gugemutljet; er foH oielfeitig fein unb hat fid) gu hüten, baß er nicht burd) eine habituelle ©tim= mung jeben anbern (Einbrud fid) oerfälfdje; er fotl jebed mit reinlicher £>anb faffen, fid) jebem gang geben; „bad ©emüth fott nad) oielen ©eiten hin beutlidj audeinanbertreten." Slber bei fortgefefster Vertiefung, fährt er fort, würbe bie ißerfönlidkeit, Weld)e auf ber (Einheit bed VeWußtfeind beruht, nicht beftchen, wenn nicht bie Sammlung ober 426 ■gcrBart. SBefinnuttg htnjuträte uub bie mannigfaltigen SBertiefungeit gufamuteitfaßte. ©iefe« ift ntiigtid), fcferit in ihnen nidjt« miberfpredjenbe« liegt. 2 öo aber innerer SBiberfprudj bie (Einigung pinbert, ba ift ber fDtenfd) entmeber gerftreut, ober er ift in 3weifel unb unmöglichen 2Bünfd>cit befangen. ©a nun biefc beiben 3uftäitbe, Vertiefung itnb Ve= fimutng fid) einanber auöfdjließen, fo mäßen fie medjfelttb in eiitauber übergehen. — VBctttt mir hier burdi eine fritifdje Vemerfung unterbrechen bürfen, fo fdjeint ttn« ber begriff ber Vertiefung feljr richtig aufgefaßt, bcrjenige ber Veftnnung bagegen etwa« fdjmanfenbe« gtt h afcen unb mit bent feftftehenben ©ebraudje beS SBorte« nid)t rein übereinguftimmen. 2BaS mir innere Sammlung nennen, befielt nidjt in einer 3ufantmen= faffung Oon VorfteKungen gang im allgemeinen, fonbern barin, baß mir fie gteidjfam unt beit SJiittelpitnct itnfer« Selbftbewußtfeiit« famnteln, un« iljrer als unfer« (Eigen« thumS ober auch als unferer 3 u ftänbe bemußt merben. Unb biefelbe Vebeittung, nur nod) beftimmter ausgeprägt, hat ba« SBort Vefiuiutng. (EinerfeitS fdjeint nun auch ^erbart bie« 31 t meinen, inbent er bie -ßerfönlidjfeit fid) bttrd) Vefinnuug retten läßt. 2lHein er forbert anbrerfeit« Oon ber Sammlung ober Veftttnung eine objectioe Ver« fnitpfung unb Harmonie ber VorfteHungen, unb fiel)t e« fo an, al« ob bie Unmöglich« feit fold)er miberfprud)«lofen Verfnüpfung gugteid) bie Vefinnung unmöglich mache; benn er feist berfelbett nid)t nur bie 3 etffreuung, fonbern aud) jenen 3 uftanb be« 3 ®eifetn« entgegen; meldje« le(stere unhaltbar ift, ba man feine« 3 meifel« unb inneren 2 öiber= fprud)«, ol)ne im Stanbe gu fein ihn fogleid) 31 t heben, in öötliger Vefonuenljeit fid) bemußt fein unb fid) befinnen fann, wie man ba« SBiberftreitenbe oereinige. — ©iefe Unf(arl)eit in bent einen ber ©runbbegriffe überträgt fid) ttutt auch auf bie be« griff(id)e Veftintntttng ber oier UnterridjtSftufen unb Sehrweifen. 6 « finb bie Stufen ber ÄIarl)eit, ber 3Iffociation, De« Spftent« unb ber fDtetljobe. Unter ,,Älar= heit" oerftel)t fjevbart bie Gcrfaffung be« eiu 3 elnen ©egenftanbe« al« foldjett. ©iefe Stufe mirb mit fRedjt ber Vertiefung gugetoiefett. 3ljre Unterrichtsmeife befteht im ein« fachett ©arbieten unb Empfangen, wobei, nach ^eftaloggi ’8 (ElementarleljrWeife Vorfprechen unb 9?ad)fpred)en, le( 3 tere« auch im ©hör, ftattfinben fann. „ 2 fffociation" befteht in bettt gortfdjritt 001 t einer Vertiefung 3 ur anbern, int ©egenfals 3 U ber f ,rul)enben" Vertiefung ber erften Stufe, fie erfd)eiitt al« eine Verfnüpfung, bie Purd) bie ißljantafie beftünmt wirb, meldje „jebe SDlifdjuttg foftet uub nicht« al« ba« ©efdjntadlofe oerfdjmäht." SJiaitgelljaft ift bie 9lfjociation, mettn entmeber „in bem (Erlernten nidjt Äraft genug mar, tttn gttr ißljautafie oorgubringen" ober „ba« Semen gar ben Umlauf ber täglidjen fPhnntafien hemmte." 911« Sehrweife für biefe Stufe mirb ba« ©efprädj begeidjnet, mobttrd) ber Seljrling ©elegenljeit befontme, bie gufäHige Verbittbitng ber ©ebanfen gunt ©Ijetl fo, mie e« if)iu gerabe am leidjteften unb bequemften fade, gu oerfudjen, gu Per« anbern, gu oeröielfaltigen, unb nad) feiner 9Irt fid) ba« ©eiernte angueignett; mobei fich §erbart ber Vafebom’fdjen Unterl)altttng 8 metl)obe gu erinnern fdjeint. SBir hätten geglaubt, baß itt biefer Stufe, mo tß^antaffe unb @efd)itiacf prüfenb bie VorfteKungen oerfttüpfen foUett, mithin bie ^ßerfon al« foldje urt^eilt uub entfdjeibet, ein 2 )toment ber Söefinitung oielmehr al« ber Vertiefung oerliege. — ©ie britte Stufe ift bie be« Sp ft ent«, in welchem jebe« (Etngeltte al« ©lieb be« Verhaltniffe« an feinem redjten £>rt gefeljeu mirb. ®a« Spftetn gehört nad) §erbart ber Veftnnung an unb gmar ber „rul)enben"; e« ift „bie reidje Drbitung einer reichen Vefinnitng." SBefentlidje Ve= bingttng ift Klarheit be« (Eingeltten. ®ie Sehrweife biefer Stufe ift ber jufammen« l)ättgeitbe Vortrag. — Slttdj hi er fann gegmeifelt merben, ob ber ©runbbegriff ridjtig angegeben morben, ob mirflicf) tie fpfteniatifdje 2 luffaffung aHein ober aud) nur öor« gttgSWeife Sadje ber Vefinnuttg fei. ©ieVertiefung fann auf ber erften unb gweiten Stufe unntöglid) fdjon ooKenbet fein; benn erft ittVerbinbttng mit bent ©angett erfdjeint ba« (Sittgelne itt feinem ooKen Sidjte, mtb bie Vei'hältniffe finb ja meber etwa« oon außen bloß htngufontntenbe«, ba« mit bem SBefen ber Sadje nidjt gitfammenljienge, ttod) fönnett fie in ber eereinjelten ülnfdjattung fdjott fo ooKftänbig mitbegrünbet fein, §erBart. 427 baß mau fid) bet SluffteHung ober Vuffaffung beS ©hftentg nur auf fie 51 t befinnen notftig Ijätte. — ©ie oierte ©tufe eitbltd) ift bie ber äftetbobe. |jerbart oerfteßt unter berfelbeit bie fachgemäße unb Weljtgeorbnete ©elbfttl)ätigfeit beg ©djiilerS in Hi5= futtg üon Aufgaben unb eigner gorfdjung unter ber Leitung unb beut Veiftanbe beg ?el)rer§; womit aucß bie Ijier erforberlidje Seljrmeife fd)on begeidjnet ift: Aufgaben, beren Vorbereitung, felbftäubige Arbeiten beS ©djüterg, Verbefferung oon ©eiten beg Heßrerg. 3n biefer ©tufe fiebjt fperbart bie fortfdjreitenbe Vefinnitng; Wogegen wir nidjt« eiujuweitben hätten, wenn nur bie Vertiefung nid)t gänjtidj aitggefdjloffett würbe. Ueberßaupt will eg uns fd)cinen, baß ber ©egenfafe Oon Vertiefung unb Vefinnung, mag man ihn nun mehr üon ber objectiben ©eite alg Slnfdjamuig beS (Siitgelnen unb Verfniipfung be§ Sötanuigfaltigen, ober lieber oon ber fubjcctioen alg receptioe Eingebung unb üer» arbeitenbe ©elbfttßätigleit oerftehen, tiid)t fo Weit augehtanber gehalten werben biirfe, wie §erbart eg thut, wenn man unbefangen VSirllidjl'eit unb fßraptg im 9luge behalten will. 9fid)t ttitpaffeiib begeict^net fperbart jene beiben Elemente als ein Sin» unb 2lug= athmeu ber ©eele. VSir glauben, baß biefer boppelte Slt^entgug unb fein3Bed)fel itid)t erft in ber ©ucceffion jener ©tufen, fonbern fdjon innerhalb jeber eingelneu ©tufe, mit Ueberwiegen l)iet‘ beg einen, bort beS anbern Elements, feine ©eltung habe. DJur in jener erften Srfaffung beb Sittjelnen, in ber ©tufe oer „Klarheit" lounte man bloße Vertiefung finben, wenn nid)t oorgngiehen wäre, fie oon oornherein mit ber gweiten, ber Vffociation, gufammengitnehmen, wetdje für fid) allein als eine bloß fubjectioe £()ätigfeit nur einen untergeorbnetcn VSertl) für ben Unterricht hat unb oon Weldjer jene im natürlichen Verlauf beS VorfteUenS fowie in einer gefunben fßrajiS nie lange getrennt fein fann. ©er fo üereinfadjte ©djematigmug würbe bann leiditer feine nahe» liegenbe Vegießung gu ben brei wefentlidien ©tufen unfcrg geiftigen Hebeng, ber 2ln= fdtauitng, bent Vegriffe unb ber 3bee erfennen laffen, infofern unmittelbare Srfaffung beg Einzelnen unb Slffociation begfelbeit nur in Vejug auf Slitfdjatutngen ©eltung haben fann, ba§ ©hftematifdje als foldjeg in ber Einteilung ttnb ©uborbination ber ©iitge nad) ihrem begrifflidjen ßufantmeithange befteht, bie felbftthätige methobifdje gorfdjung aber 001 t 3been auggeßt unb nur in ihrer Straft gebeten fann; eine Vuffaffung, bie freilidj üon .fperbartS ©inne ftd) wef entließ entfernen Würbe. Älarer als bie ©tufen be§ Unterrichts h at §erbart ben ©ang begfelben abge» hanbelt. Sr hält fid) hier au ben anerlannten Unterfdjieb beg 2lnalßtifd)en unb beS ©t)nthetifd)en, unb inbent er biejenige ©bntßefe, „welche bie Srfahrung nad)al)iut" unb in weldjer „ber Hehrer felbft unmittelbar bie ßufammeufteltung beffen beftimmt, Wag gelehrt wirb", oon berjenigen unterfdjeibet, in weither ,,abfid)tlid) ein ©anjeS au 8 guoor einzeln oorgelegten Veftanbtheilen jufammengefeßt wirb", fo entftehen ihm brei £>auptunterrid)tSgänge: ber bloß barftellenbe, ber analßtifche unb ber eigentlid) ft)uthetifd)e. ■—VSir würben ju weitläufig Werben, wenn wir wiebergeben wollten, wie fperbart bie Vitwenbung beS analßtifdjen unb beg fhiitßetifdjeii ©angeg auf feine fünf fpauptintereffen unb fpauptgebiete beg Unterrid)tS burdjfüßrt (in b. 9lHg. Väbagogif), unb befdjränfen vtng üon ben allgemeinen Momenten biejeiligen heroorjuljebeit, Weldje ung entweber djarafteriftifd; ober an fid) befonberS widjtig fdjeinen. 3m barftellenben Unter» rid)t ift bag ©efeß: „fo 51 t beschreiben, baß ber gögling 5 U feßen glaube." ©er freie Vortrag wirlt mehr alg Vorlefen ober Hefen taffen; bod) fei er fidjcr unb Wohl worbe» reitet. Sr muß anfnüpfen an bag, wag Erfahrung unb Umgang bent finbe fdjon an Srlenntuig unb ©l)eilnal)nte gegeben haben; bag 9teue fei äb)ttXi(h bent fd)on Vorl)anbnen. ©päter wirb man fid) üon bem unmittelbaren ©eftdjtSfretfe beg ÄinbeS ntel)r entfernen müßeit; bie ©arftellung wirb baburdj an §etligfeit unb SinbringlidjMt oerliercn, ba» gegen an ÜDfitteln gewinnen. — ©er aualßtifdje ©ang läßt Veftanbtheile, foWie SJferfntale unterfdjeiben, er führt aud) jitr VbStractionunb bietet ©toff für ©peculation unb @efd)inad, für jene, intern er bemerfen läßt, Wag nicht getrennt Werben laitn, für biefe, wag nid)t getrennt werben feil. Sr befdjränft fitifdje Unterridjt für bag frülje Änabenatter (im wefentlidjen ibentifdj, fügen wir bei, mit bern, wag man Idente Slnfdjauunggunterridjt ju nennen pflegt; benn biefer beginnt nur mit bem bloßen 3 e '9 en Sarbieten unb wirb bann analtjtifdj). Db auf ©djulen befonbere ©tunben für biefen Unterricht ju beftimmen, bezweifelt fer= hart, für ben Ijäuglidjen Unterridjt empfiehlt er eg. ©päter tetjrt ber analtjtifdje Unter» ridjt wieber als Repetition beg SSorgetragnen unb alg Sorrectur ber fdjriftlidjen Slrbeiten. SBieberljoIen barf nidjt mit Spaminiren oerwedjfelt werben (eine feljr richtige S3e= merhtng). ©eljr lefeugwertlj ift, wag (im „Umriß" §§. 118—122) über SSMeberljolung auSgefü^rt wirb, ebenfo bie bann folgettbe (Erörterung über Sluffäfje unb bereu Sorrectur. Ridjt ju fritlj feilen biefe Arbeiten geforbert werben, in feljr jungen Saljren entweber gar feine oberfcbjr furze; bieg fei beffer, alg adzuleidjte ju geben ober oiel Unterftü( 3 ung babei ju gewähren; man Wolle ja ben ©djüler oeranlaffen, baß er oerfudje, wag er otjne ben Seljrer oertubge; brei 3 e ^ en eigner Slrbeit feien beffer alg brei ©eiten nadj Sorfdjrift. 2öotjl aber fofle man bem ©djüler, befonberg im 3ünglinggalter, burdj ©efprädj jur Sntwidlung feiner ©ebanfen helfen, ©elbftgewäljlte ©Ijemata borzuziehen. Sie Sorrcctur betreffe befonberg bie gorm; feine eigne SReinuitg biirfe man nidjt in bie Sluffä(3e ber ©d)iiler hineincorrigiren. — gür ben fpnthetifdjen Unterricht forbert ferbart bie 2öaljl oon ©egenftänben, weldje ein bauernbeg unb üon felbft weit umljer fidj oerjweigenbeg Sntereffe gewähren fönnen. 2So ber gaben ber Sefdjäftigung halb abreiße, ba fei zweifelhaft, ob irgenb eine SBirfnug erfolge, oollenbg ob ein bauernber Sinbrucf jurüdbleiben werbe, fpierljer gehört, baß er ein entfdjiebener ©egiter oon Shreftomatfjien War. — Sei ber Slugführung biefeg Unterridjtg gelte nun jWar, baß bag Seichtere bem ©djwerern, ingbefonbere baß bag Srleidjternbe bemjenigen, wag nidjt otjne Sorfenntniffe mit ©idjerfjeit gefaßt werben fömte, üorangelje. Sod) fei I;ter nidjt pebantifdj zu oerfaljren; bie äitßerfte ißünctlidjfeit Werbe bag Sittereffe oerfdjeudjcn. Sie Sngenb flettere unb fpringe gern, fie folge nicht leidjt bem gang ebnen ipfabe. Sodj fürchte fie fidj im ©unfein; baljer ntüße ber ©egenftanb in einer foldjeu Slug» breitung oor Singen liegen, baß beim gortfdjrciten audj bag Sßeiterfommen, bie Sin» näljerung an entfernte ißuncte maljrzuneljmen fei. SBidjtiger fei eg, für bebingenbe gertigfeiten alg für SSorfenntniffe z u forgen. •— Sa einer jeben ©tnfe, bie ber Unter» ridjt erreidjt, eine gewiße gäljigfeit jum appercipirenben SDlerfen entfpredje, fo fei biefe bei ber Ergänzung ceg fdjon Sorljanbnen wohl Z lt benufcen. hierbei fei Sinfdjaltung unb gortfehung ju unterfdjciöen; jene, auf beiben ©eiten fidj an befannte ißuncte an» lehnenb, gelinge leidjter alg biefe, am fdjwierigften unb nnfidjern Srfolgeg fei bag gortfefjen foldjer Sehren, bereu SorfteHung erft burdj müljfameg (Erinnern gehoben werben miiße. Sei Realien unb in ber SRatljematif fei wegen ber leidjtern Slnfnüpf» ung an ben Gsrfaljrunggfreig auf fteigenbe SorfteHungen ju redjnen; ebenfo gefdjeljen bie gortfdjritte in ber SRutterfpradje burdj Slpperception, aber für bie fremeen ©pradjen fei Slpperception unb Sinfdjaltung erft möglidj, Wenn fdjon einige Äenntnig berfelben erlangt fei, unb man fönne nidjt fobalb auf freifteigenbe SorfteHungen rechnen. Sieg fei ber ©runb, Wegljalb bie Serfitdje, alte ©pradjen oljne ©rammatif ex usu zu lernen, feljlfdjlagen mußten, unb aug bem gleidjen ©runbe fei auf biefem Uuterridjtggebiete ein curferifdjeg Sefen gleich uufangg im ailgemeineu oerwerflidj; bodj fönne eg gelingen, ■£crlmtt. 429 tuo ein leBtjafteö Sntereffe für ben Snljalt oorljanben fei. 2 Benn in biefer |)infid)t bad SSud^ fetjr forgfältig gemäht itnb bern 3nljalte nadj erftärt Worben, fo eile ber ©ebanfe beb Sefenben oermöge ber Slpperception burd) fteigenbe VorfteUungen ben ©Sorten oor= aud, unb wad nidjt erraten war, werbe eingefdjaltet. ©ad ©rammatifdje bürfe babei nidjt hinbern; eb fei tfyeilb ooranjufdjiden, tl)eild beim £efen 31 t ergäben, tl)eitd bei paffenben fttuhepuncten einsufdjalten unb mehr unb mehr einsuüben. 9Jod) mäßen Wir einige gorberungen |jerbartd, ben £el)rplan betreffenb, Ijeroor» beben. — ©er Unterridjt foH nur foBietßdt einneljmen, alb mit ber Vebingung beftel>en laitn, baß ber Sugeitb il)re natürlidje SDJunterfeit erhalten bleibe. 9Jid)t nur für bie ©efunbljeit fei bieb nötbig, fonbern aud) für bie (Erhaltung ber 2lufgelegtl)eit ju unwitlfürlidjer Slufmerffamfeit, ba bie witlfürlidje, burd) ©idciplin 3 U erreidjenbe, für ben Unterridjt nid)t genüge. ©al)er angemeffne Slfuhepuncte gwifd>en ben ©tuitben, eine mäßige 3 al)l berfelben unb äffaß in Ijäudlidjen Slufgaben. 5D?it 9ied)t wirb bewerbt, baß anftreugenbe gt)mnaftifdje Hebungen feine X;inreidjenbe (Erholung gewähren. — ferner Witt fperbart, baß ber Unterricht concentrirt Werbe. S3loß jwei wöcßentlidje ©tunben einem ©egenftanbe wibmen, erflärt er für eine alte eingewurselte Verfeljrtheit, bei ber fein 3 u f ammen '-) mi 3 bed Vorfragd geheilten fönne. 3eber ©egenftanb folt nad) ihm mit tägüdjen Unterridjtdftunben in einer fürjern ©efammtjeit Boüenbet Werben (oergf. oben ©. 422). 2ßab bie fefbftgeWäl^Iten ‘ißrioatbefdjäftigungen ber ©d)üler betrifft, fo giebt^erbart ju, baß fie fet)r rtüfjtid) fein fönnen; bod) finbet er ed bebenfüd), baritber 23erid)t in ber ©djule 3 U forbern. „SDiittetmäßige Äöpfe folfen nidjt aud Gtljrgeij uad)= abmen, Wad ihnen nidjtpaßt, unb bad Vieltefen foft nicht bem@efübl unb bem®enfen (Eintrag thun." „®en wefentlidjen 3ufamntenhang ber ©tubien muß ber Sehrplatt in ftd) faffen, ohne fid) auf Sftebenlectüre 3 U ftü^en." SÜSir fdjließen Ijtemit ben 23erid)t über £>erbartd Unterrid)tdlel)re unb wenben und ju feinen Gegriffen ber fftegterung unb ber 3 u d)t, berjenigen beiben fyunctionen, in weldje ihm bad, Wad man ald (Erjiehung im engeren ©inne bed SBorted beut Un= terrid)te entgcgen 3 ufebeu pflegt, Bon Born herein jerfäUt. 3hw f efb ft jebodj gehört bie „Regierung" unmittelbar gar nidjt jur (E^ieljung, fie ift nur, in einem ©beite ihrer SBirffamfeit, eine Bon ben Vebingungen berfelben, unb, wenn ed möglich Ware in ber 2ludfüijrung beibe ganj Bon einanber 3 U fonbern, fie in oerfdjiebene £>änbe 3 U legen, fo Würbe bie fßäbagogif Bott ihr fdjweigen fönnen. Slber §erbart erfennt bie Unmöglich» feit foldjer ©onberung; benn eine Stegierung, bie fid) ©ettüge leiftett wolle, ohne 3 U erjiehen, erbrüde bad ©etnüth, unb eine ©rgiettung, bie fid) um bie Unorbnungen ber Äinber nid)t befümmerte, Würbe bie Sittber felbft nid)t fennen. (Ed fönne überbied nicht eine Seljrftunbe gehalten werben, in welcher man ben 3 ü 0 el ber Regierung mit fefter Wiewohl leidjter £anb 3 U haften fid) überheben bürfte. 9)tan fieht, wad fperbart unter 3tegieruug Berftel)t. (Ed ift bie fpanbfjabung ber äußern Drbnuttg, Wie biefelbe nöthig ift theild 3 unt ©elingen ber (Erziehung, tbjeils sur ©idjentng bed Sinbed in mancherlei ©efaljren, theild jutn ©d)u(j ber ©efeüfdjaft unb ihrer (Einrichtungen Bor Verlegungen Bon ©eiten bed finblidjen Ungeftümd. ©liefen Ungeftüm foU bie Regierung unter» Werfen unb „Unterwerfung gefd)ie!)t burd) ©ewalt." — SBad ift nun 3 u t uadj §erbart? ©ie ift nidjtd anbered, ald bie (Erjiehung felbft, infoferne fie unmittelbar auf bad ©emüth wirft, ©ie unterfdjeibet fidj burd) biefen 3ttg Bon bem Unterricht, ber bie obfeftiBe 3Jtad)t ber VorfteHungen ald ein ©ritted swifdjen 3ögüng unb (Sr^ieher eintreten läßt, unb nähert fid) burd) ihn ber Regierung. 3fber währenb tiefe ben 2Bil= len nur biegt, fo will fie ihn bilben, hierin bem Unterrichte BerWanbt unb uerbiinbet, mit weldjent fie bad ©anje ber ($r§iehung audmad)t. *) 3 h>ne SDiittel hat fie 3 War 3 um *) Saß §erbart aus biefem ©aujen ben Shell burd) einen befottberen Dlameit heroorhob unb baju bad altpäbagogifcfje, urfprüuglich ganj ebte SBort Sucht wählte, ift anerfeitneudWerth unb würbe ein Vebiirfnid befriebigen, Wenn jit hoffen wäre, baß bie SJereinfeitigung uitb Snt* 430 ■^erliart. £l;eü mit bei' Regierung gemein; aber fie mentet fie in anbrer 2Beife an. 2Bie in ber üttgent. ipabagogit, aus ber mir fo eben berietet, äußert fid; §erbart aud) in bem Umriß pübag. Vorlefungcn, ganj in gleidjent ©inne über Diegientng unb Budjt. 23 efottberö mirb fyier ned; l;erüorgehohen, bajj ber 3tDcd ber Regierung in ber ©egenmart liege, mäh= renb bie 3 ud;t fcie fünftigen ßrroadjfeneu im üuge i;abe. GcS fommt il;m alfo bei ber 9 ie= giernng auf bie momentane, bloß factifd)e Drbnung an, auf bie Xfyat als foldje, ab= gefeljen oon ber ©inneSmeife, auS meld;er fie ^eroorge^en mag. 3 )ie red;te ©efinnung füll aber erft bitrd) 3ud;t unb llnterridjt erjeitgt merben. ®ie oerliegettben 'litgabcn reid;en l)tn, um einer Prüfung ber fraglichen Unter- fd;eibung oon fRegierung unb 3 uc ht 3itr Unterlage 31t bienen. SEßaS nod; über bie SDiittel ber Regierung jur nähern Sejeidjnung tiefes 23 egriffeS 31t fagen uötl;ig ij!, merben mir fogleid; einfledjten. @S ift nid;t 31t begmeifeln, baß Sinter mie @rmad;jene geleitet unb beftimmt merben fönneu burd; SDiittel, mc(d;e auf il;re Srjiefyung nid;t be= rechnet finb unb nid;t 3ur görberung berfelben bienen, ©innlid;e unb egoiftifdje 3ln= triebe finb mäd;tig genug, um bie hinter oon bem einen meg, ju bem anbern hinju» loden, unb menn man baburd) aud; feine Äraft für bie Brunft gemänne, fo merben bod; biefe SDiittel ihres augenblidlid;en B^ecfeS nidft öerfe^ten, fo lange bie hinter öon Sffatur finnlid; unb egoiftifd; finb. 2 Bäre nun biefeS aCteS nur inbifferent für bie Bwede ber Erziehung, mürben biefe burd; ünmenbung fold;er SDiittel smar nid;t ge= förbert, aber aud; nid;t gesintert ober vereitelt, fo märe nichts bagegen ein3umenben. SDian I;ätte eine fid;er mirfenbe SDietl;obe, bie @emütl;er unb 2 Bitten 31t lenfen, @efal;r abjumenben, bie gefettfd;aftlid;e Diul;e 31t fidjern unb ber Sr3ief)ung felbft Voten unb 2 Beg 31t bereiten, über jene SSoranSfetjung muff geläugnet merben. Äeine Siumirfung auf bie ©emiither, am menigften bie, meld;e ben SEBiHen beftimmt, fann gleichgültig fein für bie Gtqiehung. 3 ebe ftraft mirb burd; Uebung oerftärft, jebeS Sßrincip geminntan Buoerfidjt unb SBirffamfcit, menn eS gelten unb rnirfen barf. S 35 ie fotlte ber @goiS= muS, menn mir auf ihn bauen unb ihn benutzen, nicht fid; oerftärfen unb oerl;ärteu? SBie füllte nid;t ®rol;ung unb üuffidjt mit ihrer 5«rd;t, ©träfe mit ihrem ©d;mer3, menn ^ier nid;tS meiter als eine rein f?erfön£id;e id;= tigung, Sroljung unb üuffidit auSfdjließen? ffeineSmegS; aber mir motten fie oielmehr tn ber (Srjiehung als außer berfelben haben; mir glauben, nur baburd; merben biefe SDiittel anmenbbar, unfd;äblid; unb mohlthätig, baß ein fittlid;eS Verhältnis uid;t bloß Oom Geriefter 3um Böflling, fonbern aud; umgefel;rt 00m Bügling 311m ©rgieher beftebjt unb baß fie mit fteter 33 eriidfid;tigung auch biefer ©eite angemenbet merben. D?id;t als menn mir baS fittlid;e Sehen beS BbglingS als üottenbet ober burd;auS gefidjert oorauSfeßten, bieS märe Sßiberfprud;; aber mir nel;meu an, baß in feiner ©eele eine üljnung unb ein ©efübjl mirffarn fei oon einem über Sßittfitr unb ©innlid;feit erhabenen ©efe^e unb oon einer 23 ered;tigung berer, meld;e turch beffen Äraft SBittfür unb ©inn= lid;feit übermunben haben, baSfelbc ben ©d;mad;en unb Verfehrten gegenüber 3U Oer= artmtg, bie biefeS SBort bitrd; ben neuern ©prachgebrautf; erfahren, riidgangig merben fönne.— SBaih, ber in feiner 2111g. fJSäbagogif bie beiben begriffe, meldje §erbart burd; bie StnSbrnde Bucht unb SRegierung bezeichnet, ganj in gleichem ©inne faßt unb unterfdjeibet, Behätt jtoar auch bie beiben Wanten bei, glaubt fie aber umtaufdjen 311 miißcu. 6r tarnt ftd), ioaS baS SBort Bucht betrifft, auf ben neuern ©prad;gebrauerbart auf ben älteren bernfen. $a6 SBort Regierung möchte fiir teineu ber beiben begriffe recht paffen, ba es überhaupt nur Sentung bebcutet, mobei ber Sprachgebrauch fotoohl bas BiU mie bie fDiittel ganz unbeftimmt gelaffen hat. 3 nbeffen ift ber ©treit um bie Sftamen um fo mehr oon uuteigeorbneter SBebeutung, als bie Raffung unb Unterfcheibung ber ^Begriffe felbfi bem Bmeifel unterliegt unb feinesmegs einoer» jianbeu ift. Außerhalb ber §erbart’fnlfe in ber Siotl) entfd)ulbigt werben, bärfen aber gewiß nid)t bie 9?orm eines ftetigen unb grunbfählidjen SSerfaljrenS bilben. 3ft aber baS SrjiehungSoerljältniS innerlid) angef'niipft, fc gehören fie pr Srjieljung, mag man iljren ©ebraud) Regierung ober 3 >td)t nennen, unb mögen fie bienen follen pr §eroorrufmtg, 33erl)ütung, 93erid)tigung eines einjelnen SHjunS ober p einer bauernben äßirfung auf ©efüljl unb SBillenSridjtung. Slber läugnet benn §erbart ein fittüdjeS ißerhältniS beS 3ögtingS in fid) unb p bem ßrjieher? 9?ein, aber er feljt eS nidjt öorattS, and) im Keime nidjt, fonbern will eS gauj unb gar erft burd) ©rjieljung begriiuben, unb eben bieS ift ed, Wo'mtrd) unS feine ©onberung oon 9tegierung unb Srjieljung erf'lärlid) wirb. 2 Bie er überhaupt feine urfßrüngtidje Slnlage, fein 3bealeS in urffwüttglidjer Sßirffamfeit anerfennt, fo fennt er and; bie fittlidje Slnlage nidjt. 3m frühen Knabenalter fiel)t er nidjtS als jenen blinben Ungeftftm, ben er burd) bie ^Regierung unterwerfen will; ja er fielet in ifym nidjt einmal „einen edjten SBiÜen, ber fid) p eutfdjließen fäljig wäre," ba bod) ein fold)er un= Oerfennbar fogleid) mit bem ©elbftbewitßtfein, wenn aud) in ber lleßerlegung nod) fd)Wadj unb ungeorbnet, unb in feinen objectioen 3®lm fd)Wanfenb unb unfid)er, bod) in feinem $rincip, ber natürlichen ©elbfttjeit feljr entfd)ieben l)eroortritt unb fid) geltenb uiad)t. 3 ft nun fein SBille ba, fo ift and) feiner p cerberben; ift fein ©efüljl unb feine Innung beS ©ittlid)en üorljanben, fo fann aud) auf biefe nid)tS gegriiubet Werben, unb nid)tS ift wiflfommener unb erlaubter, als bie Iperbart’fdje 9iegierung. 3ft aber jener SBille ba mit feiner nahen ©efaljr felbftfücfjtiger lleberlegung, ift anbrerfeitS bie fittlidje Slnlage oorauSpfejjen, fo fällt aud) ber SSegriff einer erjieljungSlofen Regierung als eine unpraftifdje unb gefäl)rlid)e SlbStraction h'^weg, unb eS wirb flar, baß nidjt „9fe= gierung", fonbern fofort Srjicl)ung fid) beS KinbeS p bennidjtigen habe. Slber eS wirb fdjeinen, baß wir IperbartS ÜJleinung p fdjroff aufgefaßt haben, jftebet er nid)t auch oon Sluctorität unb Siebe, nidjt erft bei ber 3«d)t, fonbern auch fdjon ^ei ber Regierung? Unb forbert er nicht, baß Regierung burd) 3«erbart faßt Weber Sluctorität nod) Siebe in biefer SBeife, unb fönnte eS aud) nicht. SRati lefe bie ©teile aus ber allgemeinen fßäbagogif im sehnten 93anbe ber fämmtl. SBerfe ©. 24.*) £>ier wirb Sluctorität ganj unb gar auf über* *) „©er Sluctorität beugt fid» ber ©eijl; fte hemmt feine eigentümliche ‘Bewegung, unb fo fann fte trefftid) bienen, einen werbenben SBillen, ber berfeljrt fein Würbe, 31 t erflicfeu. ©ie iji am nnentbehrlidjften bet ben tebenbigften 9?atitren; benn biefe oerfudjett bas ©chlechte mit bem ©Uten; unb fte beifolgen baS ©ute, wenn ße ftch im ©djledjten nidjt berlieren. — Slber erWor» 432 §er6art. miegenbe Äraft, auf geiftige Ueberlegenheit gegrürttoet, unb bie «Strafe mit berfelben in unmittelbarfte SSerfcinbung gebraut. (Ed ift tl)eild bie (Erfahrung ber Uebermad)t unb bad @efül)l ifir nid)t miberfteljen ju lönnen gemeint, tt^eitS jener buntle, für ben 2tugen= blid mädjtige, gleid)fam betaubenbe (Einbrud ihrer (Srfdjeiuung, beit man mit bem Sföorte Smponiren ju begeid)neit pflegt. 23eibe üDiontente fommen t»or, fie machen oft ben Ülnfaitg bed iunern fßroceffed, in meldjem fid) bie Suctorität entmidelt unb feftftellt, fie mögen bei fdjmädjeren ©emilthern bem SBerhaltnid leid)t aud) fpäter nod) eine Färbung geben; aber bad eigentliche SBefen ber 9luctorität machen fte nid)t aud, unb ißre ebenfo burchgreifenbe, toie moljtthötige, unmittelbar entmilbernbe unb gemüfljbilbenbe 2)tadjt tönneu fie natilrlid) nidjt begrünben. — 9lucf> $crbartd Sluffaffung ber Siebe hat einen realiftifdjen (Eljarafter. Sie beruht nad) ihm „auf bem (Siuflange ber (Empfinbungen unb auf @emöl)nung." ®aru:n, bemerft er, fei ed fo fd)loer fiir einen jyremben P e gn erloerben. ®iefed föune gefd)el)en, inbcm man entmeber in bie (Empfinbungen ber Äinber ciugel;e unb fid) benfelbeit anfdjließe, ober felbft auf gerade SBeife ber 5Diitem= pfinbung bed 3ögltngd e rreid)bar teerte, mad fd)mieriger, aber mirffamer fei. Slber Wenn bie Siebe bod) »or allem tiefes i|t, baß mir eine anbere fßerfon ald foldje, nacf)bem mir fie im ©lauben erfaßt unb bejaht, nun and) im @efül)l bejahen, unmittelbar unb um ihrer felbft mitten,-mie mir und felbft bejahen, baß mir fie, mie man fd)ön fagt, ind £>erg fd)ließeu, inbem mir entmeber beffen, mad fie ift unb hat, in hergtidjer 3ufrieben= heit und freuen, ober mad ihr mangelt, mad fie fein unb haben fönnte unb fottte, ihr jujumenben h^Hdf münfdjen unb tradjten, fo beruht fie nidjt auf bem bloßen (Einflange ber (Empfinbungen, nod) meniger natiirlid) auf @emöl)nung. Sie mirft bielmehr il)rer= feitd gur Sludgleidjuttg ber (Entpfinbungdmeife, unb ed pflegt ihr gu gelingen, mo fie gegenseitig ift; bod) fann fie and) ben SDtangel bed (Sinflanged fdjnterjlid) empfinben unb läßt bod) Don ber Sreite nid)t, mooon mandje (Eltern ein 33eifpiel geben, ^erbart ertlärt ed für eine midjtige Srucßt ber Siebe für bie eigentlid)e (Erjiehung, baß fie bem Zögling bie @eiftedrid)tung bed (Erjieherd mittheile. 9lber ber (Eiitflang ber (Empfin= bmtgen, biejenige llebereinftimmung, baß bem einen unb bem anbern badfelbe Suft unb Unluft ermedt, fie fejjt, fofern fie burd)greifenb ift unb ben gangen 23ereicf) unfered Seelenlebend umfaßt, bie (Einheit ber @eiftednd)tung fd)on boraud; benn Suft unb Unluft, fomeit, fie geiftiger 9?atur unb Urfprungd finb, hängen oon unfern Urteilen, Sd)ö(3ungen, SBeftrebungen ab. 9tun gieht ed aUerbingd ein (Siebtet bed 9?atürlid)en in und, mo bed SDtenfdjen (Empfinbuug unmittelbar gar nid)t abhängt boit feinem Urteil, unb nad) unferer autl)ropologifd)en DJatur ift aud) l)mr eine Söurgel unferer Siebe. 2Bir motten biefe Seite nid)t oerloerfen; baß aud) fie in ihren ©rengen gelte, gehört gur ffütte, Äraft unb ©efunbljeit unfered gefammten SBefenS; auch hat fie ihr ©ebiet, mo fie borI)errfd)en barf, ein größered im Seben bed SBeibed atd bed SJJanned. 9fur allein hen'fdjen, bad ©eiftige audfd)ließen barf fie nid)t. ®ie Siebe biefer Seite, mofent fie nid)t eine oberflächliche ©efattendliebe bleibt, ift jener 3auber, mie er 95er= liebte bel)errfd)t, fd)ön unb frud)tbringenb iu ber Unmittfürlidjfeit feined ftarfen ®efülj= ben mirb bie Huctorität nur buvd) Ueberlegenljeit bed ©eifies; ititb biefe läßt fidj befattntlicl) nicht auf ®orfd)riften rebucireit; fte muß für ftdj, ebne alle SRiicfftdjt auf (Ergießung baftebn. (Ein confequeittes unb meitgreifenbes §anbelu muß offenbar boit «Statten geben, auf eigenem, gerabem SBege, ad)tfam auf bie Umftäitbe, unbeüimmert um bie @unft ober Ungunft eine« fdjmädjent Sillens. Smitt ber unoorftdjtige Änabe aus Oiobeit tn bie gegogenen .Streife, fo muß er filbleit, rnad er toerberbeu flhtitte; tarne i()m ber SDtutbmille oerberbeit gu motten, fo muß bie Slbficßt, fofern fte Sfbat mürbe ober merben tonnte, retcßlicb beflraft, aber bie Seacßtung bed böfen SÜSiffend, fammt ber öeleibiguttg, bie bann liegt, oerfd)tttäbt merben.-6rmorbene Slnctorität gn gebramfiett erforbert SRüdftcbteit jenfeitd ber SRegierung, auf bie eigentliche Srgiebung; beim fo gar itichtd auch bie ©eiftedbitbung unmittelbar burch bad pafftoe Sefotgen ber Stuctorität gewinnt, fo michtig ift bie baßer rübreube Utugrengung ober ffirmeiterung bed ©ebantentreifed, in meldjem ber 3ögling fuß fpäterßtn freier urnherbemegt uttb fetbftänbig attbaut." jpcrBart. 433 leg, wofern er mit ber ©eite beg geiftigfreien SebenS fidj befreunbet unb baburdj gu üollfommener Siebe fid) ergebt; gefaprlid) aber unb bebenflid) in feiner biinben $D?ad)t. Siefe 2lrt ber Siebe ift eg, bie fperbarten ücrfdjwebt. SBirlaugnen nid)t, baff fie aud) in bent 23erpältniffe gtoifcpen 33gjli«g unb ©rjie^er oorfomme unb Wirte, unb ftintmen üjm oetlfommen bei, wenn er im 33ewußtfein iprer biinben unb gefaprlidjen @ewatt biejenigen Srgieper mit fcparfem Sabel belegt, „bie fid) i^rer gu ben felbftgefäKigen groben oon ©eWalt über bie Äinber fo gern unb fo üerberblid) bebienen." 2Bir mödjten aber nidjt allein twr folgern SRiSbraud), fonbern felbft oor einem SBerben um folc^e Siebe unb Oor einer abfid)tlichen ä3enuf$ung berfelben Warnen, ©ie ift an fidj, aud) ab= gefepen üon allem 9Rigbraucp fcpon atg eine 2Irt leibenfd)aftUd)en ßuftanbeg bebenflid), unb eg fann bezweifelt werben, ob fie bem JtinbeSalter überhaupt wopltpuenb, ange* uieffen unb natürlid) fei. 3ft bod) felbft bie Siebe ber Äinber gu ipren Slteru üiel füpler unb nie fo leibenfdjaftlid) al8 bie ber Sltern, bie oftmals gunt fRadjtpeil ber Sr= giepung nur allgufepr im Slaturgauber befangen finb. 233ir gWeifeln übrigens nidjt, baß bie Siebe ber Ä'inber bie Regierung erleichtere, mag fie nun wirflid) ber befdjriebene ftarfe 3lffect ober aud) nur ein bloßeS ©cfallen fein, fie Werben baburdj jebenfaßg ge= neigter werben, mit bem Srgieper gu gepen unb ipm gu gehorchen, ©ie werben aud), geben wir gu, baburdj geneigt werben, ipn gum SRufter gu nehmen unb in feine @ei= fteSridjtung, fo weit fie biefelbe erfaffen tonnen, eiugugepen. Sod) ift bieS nod) feine SRittpeitung berfelben. Siefe wirb, unfercS SradjtenS, nod) wirffamer »ermittelt burdj Sluctorität (freilich nicht in ber befdjränfenben Üluffaffung fperbartS), als burd) Siebe; fie oerWirflid)t fid) aber wenigfteug bei felbftänbigen ©eiftern gewiß nicht ohne eine ur= fprüngltdj oerwanbte Slnlage. — Sodj tommen Wir auf unfre grage gurüd. SRanwirb erfannt haben, baß fperbart, inbern er bie Siebe als eine traft ber (Regierung peröor» hebt, baburd) Weber feiner Srflärung biefer gunction untreu wirb, noch nufere 9£uffaf= fung feiner Sehre wiberlegt. Senn Sluctorität foWohl wie Siebe faßt er auSfdjließfidj oon ber realiftifdjen ©eite als 3uftanbe ober Spätigfeiten, bie eine unmittelbare 23egiepung gu bem fittlid)en Seben gar nicht haben. S8 bleibt ltuS noch übrig, oon bem 3»eeroorrufung, fonbern *) üDteprere fepr entfdjiebeue 2teufjermtgen föerbarts in biefent ©imte ftitben (ich in ber 2Ulg. ^äbagogit, fämmtt. SBerfe 25. X ©. 130, 131, 136 unb anberswo. SpaCag. (Eutyftopabie. III. 28 •§erfiatt. 434 feljr mefentlidj aud) in Der 3urüdl)altung bcrfelbcn fceftefjt (Sämmtl. SB. 93. X. S. 136 [Idg. ißäbag.]). 3 »ei Inerfemttniffe festen iljm: einmal, baß ber SKenfdj im Spiel mellen unb fyanbeln lernt nnb baburd) fid) für ben Srnft oorbereitet, gmeitenS, baß baS ©eljordjen, baS fpanbeln nadi luctorität ein fittlid;e§ Sdjun ift, baS ben SBiden nnb ben S^arafter gu bilben oermag. Sr ferberte »on ber 24) at, meldje ben SBiden erzeugen biirfe, gmei üKerfmale, bie fid) bei ber 3ugenb, oodenbS in ber Äinbfyeit, feiten Bereinigt finben, erftenS, baß fie einen 3» £ d h a ke Don reeller 93ebcutung, einen ernften 3med im ftrengen Sinne beS SBortS, gmeitenS, baß fie auS bent eigenften 93egeljren heroorgelje. fyür baS Spiel, in meldjem bie SBidfür beS Snabcn unter freier 93efotgung eines ©efegeS fid; betätigt unb bittet, hatte er and) in feiner eigenen Sinbljeit menig Sinn; fein SBunber, baß er eS and) fpäter in ber päbagogifdjen SßrapiS nidjt 3 U fdjä| 3 en mußte; auf tyer anbern Seite I;at er Sluctorität nnb ©eljorfam, mie mir oben geigten, in ihrer tiefem 93ebeutung nid)t erfannt. dr bef'lagt eS, baß mtfre SebenSmeife üor Dem ©intritt beS ÜRanneSalterS fo meitig Inlaß gu einer reellen unb gugleich felbftgemäljlten, auS eigner SScgeljruug ergriffenen 23efd)äftigung biete, unb rätl), ba baS öffentliche Sehen uns hier ol)ne fpülfe laffe, baß jeber ^auSoatcr in feinem Greife ©elegenljeiten auffudje, bie Äinber bei ImuSlidjen lugelegenljeiten gu beteiligen unb gu befdjäftigen (Sämmtl. 9B. 93. X. S. 135). 9Bie menig l)ierbei in fel)r oielen l)än§lid)en Greifen Ijerausfommen merbe, leuchtet ein. SBar unb blieb fomit für fperbart ber Llnterrid)t bie mid)tigftc Straft für bie pflege beS dljarafterS unb ber Sittlichkeit, fo mußte tiefem nun oor adern aud) bie 3 »ut eS nid)t etma baburd), baß fie auf äußere Drbnung l)ält unb momentane Stb» rungen guriidbrängt ober »erljütet, benn baS ift bie Sadje ber Regierung, fentern il)re Sorge ift, in bem Sd)iiler bie richtige bem Unterricht förberlidje Stirn» muitg gu begriinben unb habituell gu machen. Sie ftrebt baf)in, Daß bie gange SebenSart frei fei Don ftörenben dinflüffen, baß uid)tS für Den Iitgenblid übermiegenb intcreffirenbeS baS ©emiitl) erfülle. Sie fud)t baS tiefe ©efüljl, mie feljr bem Selfrcr an ber feinften lufmerffamfeit gelegen fei, fo einguprägen, baß ber Stnabe eS fid) nid)t mehr oergeilfe, anberS als Dodtg gefammelt gum Unterrichte gu erfdjeinen; fie forgt, baß immer biefelbe 33iegfamfeit, SBidigfeit unb Offenheit Bleibe ober neu gefdjaffen merbe; nnb menn ber 3 B 3 (ilt 3 f(h ort f° »eit gefommen ift, baß er felbftthätig feinen red)ten SBeg »erfolgt, fo forgt fie il)m für bie ermünfdite Oiulje, bamit ber innere SDicnfd) halb ins Steine fotume (Sämmtl. SB. 93b. X. S. 154 [910g. ißabag.]). — 3n ihrer unmittelbaren dinmirfung auf ben SBiden burd) baS SShuti hat bie 3udjt gum eigentlichen 3ielp>uncte bie geftigfeit beS ©harafterS. 3ubrm fie bie Sorge für bie Sfidjtigfeit beSfelbeu bem Unterricht überlaßt, mid fie feinen reeden 93eftanb fomol)l in adgemein formeder mie in fittlidjer 93egiel)ung fidjerfteden. Sie Momente ihres 9BirfenS fint folgeube: a) 3m allgemeinen, fie befchränft unb ermuntert baS fpanbeln nach eigenem Sinn. SnDcm fie eS befd)rän!t, begegnet fie ber naheoermanbteit Regierung, »on meMjer f?er= Bart hier ausbrildüd) »orauSfefct, baß fd)oit fie „adern Unfug fteuere, meid)er nädjft feinen unmittelbaren äußern gotgen auch in baS ©emiitl) beS f-naben felbft grobe 3üge »on Unrechtlichfeit u. bgl. bringen fonnte." dS ift bie§ eine abgetrungene bidige In» erfennuug ber päbagogifdjen 33ebeutnng biefer gunction, meldje in ber Sf) a t, bei einer fo miebtigen ihr unabftreitbareu Seiftung, nur mit ber päbagogifdjen 9 lbfüf)tlid)feit mieber befleibet meroen barf — bie oljnebicS, bei iljrer ißerfonalunion mit ber 3»djt, ihr gar nidjt feljlen fann —, um unentftedt burch .fjerbart’fdje IbStraction auS ber 93erban» nung in ihre heimatlichen dljren »ieber eingutreten. Sodj guriid gur 3 ud)t. ®iefe befdjränft baS §anbetn burd) Ibfdjn eiben ber@elegenl)eit, bnrdj ablenfeitbe 93efd)äfttguug, enbtich burd) Strafe; biefeS teuere febodj nur ba, mo noch nidjt in ber Apanblnng beS SinbeS fid) eutfd)iebenc 9feigung unb Ueberleguug geigt, mo Diel» meljr „eine eingelne neue Biegung gum erften ober gmeiten male unüberlegt als tfeljler Ijccmorbridjt, ber, ungcfdjredt, |idj mieberljoten unb ins ©emütl) einen falfdjen Herfmrt. 435 ßug eingraben mürbe." Sie ermuntert ed, mofern „ber üorfyunDene ©ebuufenfrcid fdjott eine ridjtige Sharafterbeftinimuug fjeffen £ä§tinbem fie (Gelegenheit unb 2tuf= forberung 5 U einer ernften Si;atigteit giebt, „bamit fid) ber IDlenfd) bald fipire." hierbei mirb fie Ueberreijitng ber äußern Ülfätigfeit »ernteiben, bamit nid)t bie geiftige flfefpi» ration, jener Sßedjfel bon Vertiefung unb Vefinnung, baburd) geftort merbe. b) 3n befonberer Vejiehttng auf bad, mag ^»erbart bie objectine ©eite bed Sharaftcrd nennt: fie mirft haltend unt> beftimmenb. Sliit bem erfteren biefer SDiomente ift bie rid)tige ÜDlitmirfung ber 3 l «ht juin @ebad)tnid bed SBiUend gemeint, ©ie gefd)iel)t baburd), baß ber (ärgie^er bem Bögling gegenüber fidj felber ftetd mit rußiger unb fefter ©icßcrfieit, beit jedesmaligen Umftänben unb Ißerfonen gemäß benimmt, nie beit ©Icidjittutl) uerliert, einem feben rein „bie ©timmung jurüdgiebt, bie er erregt hat," befonberd mo biele finb, „nie bie berfd)iebciten Sone ber ^Begegnung »ermedjfelt unb burd) einander berfälfd)t.“ ©o merben feine Slnoertrauten nie an ißm irre merben unb - nie bie Hoffnung anfgebett, ed ißiit redjt ju machen. ©ein ©leidniiutb aber mirb fid) ihnen unoermerft mittheilen. 35ie Staturanlage beS Sr$iet)erd unb feine Uebnttg im Umgänge mit 9J?enfd)en fommt l;ier befonberd in Slufdjlag. — 3)er ©rgie^ev mirft aber and) beftiiumenD ein, bamit fid) bie SSaßl entfd)eibe. ÜDajn ift befonberd ein bemegiicfjed ©eutütl) unb ein Ieid)teS Singehen in bie Vemegttngen ber fugend» liehen ©eele nötl)ig. 9?od) mehr bie Soncentratiou feines ©eifted, meldje für bad Srjiehen fo gemonnett fein muß, baß er felbft großenteils burd) beit Bügling beftimnit, ihn burd) eine natürliche OÜtcfmirfung mieber beftintme, mobei er nid)t gu früh fdjarf berichtigen darf. Sr muß ferner bie natürlich beftintmenbeit ©efühle eindringlich genug um ben Knaben hänfen, ihn mit beit folgen jeder ,'pattblungd» unb ©innedmeife um» ringen; er muß ben mähren SBerth ber Singe früh empfinden laffen. tpier finb nun bie eigentlidjen Srjiehungdftrafeu angumenben, bie fid) »oit den f)f egieruugdftrafen dadurch unterfdj eiben, baß fie nid)t mie biefe „an eilt 2)iaß der Vergeltung gebunden finb, fonberit fo abgeuteffen merben ntüßen, baß fie immer noch ald gut gemeinte 2 ßar= nung erfdjeinen unb nicht bauernden äBibermiHen gegen ben Srjieljer erregen"; fie ber= meiden fo »iel mie ntöglid) bad ißofitibe unb SBiCffürlidje unb galten fid), mo fie filmten, att bie natürlichen folgen tnenfd)lid)er Handlungen. Sa$u foutmen ^Belohnungen, nach eben tiefen ©runbfäfcen angeorbnet. c) 3n befonberer Vejieljung auf bie „fubjectibe“* ©eite bed Sl)arafterd ift bie 3uerborraguug gebe. ®ied lönne gefd)el)en burd) Suft unb Unluft, burd) tranfl)eit, burd) ein reigbared ®empera= ment, burd; ^arte Begegnung, ijäitfige Rederei, SBernadßäßigung ber Sorgfalt, bie ben SBebürfniffen bed tinbed gebül)rt, burd; aKeS, mad Sitelfeit unb Sigenliebe nal)rt, unb bedmcgen fei bem tinbe eine Umgebung nötljig, beren ©timme, gleidjfant eine öffent= Iid;e Meinung, bie Senfur feineg ®h miS richtig bernehmen taffe, oljne fie burd; fränlenbe 3ufä(3e toibrig gu tnadjen. genier miiße in biefer Sf$eriobe bag 3 a rtgefüb>I beS ÄinbeS burd; Sntfernung atlcS beffen, mag bie tPh anta f ie an bad moralifd) ©äßlidje gemöl)nen fßnnte« gefdjont mtb begünftigt merben. Siber biefe 33orfid)t mürbe bei gunehmeuben 3al;ren unb mad)fcnbcr fittlidjer traft gu einem gelßer merben; benn SBergärtelung fei aud) in fittlidjer fpinfidß bag fd)led)tefte SUiittel, ben 9ftenfd)en gegen bie @d)äblid)= feiten beS tlitna’d fidjer gu fteüen, unb bie fittlidje Sßarrne entfiele großentl)eild aug ber innern Arbeit unb Aufregung, in metd)e aßmäfjlid) bie fd;on borl)anbene traft burd) bie ©tadjeln beg äußern ©d)led)ten gefegt merbe. 9iur einem nadjläßigen Srgieljer begegne eg, baß fein tnabe alleg, mag er fiel)t, alg SBeiffnet aufneljme unb nadjahme. Slber freiiid) fei hierbei eine beträd)tlid)e ©tärfe fd)on gegrünbcter Hficralität boraudgefe(5t, mie ttjeilS ber Ltnterrid)t burd) Slugbilbung beg ©ebanlenlreifed, Hjeild bie 3ud)t burd) Slnmenbung aller ihrer träfte fie ergeugt l) a ^ en müße. — (Ergangen mir bei biefem Slnlaß, um bie Stjarafteriftif ber 3 U( i)t bamit abgufd)ließen, mag mir bon btefen träften in ber bigherigen 9Jtittl)ei(ung nod) nid)t herborgeljoben h a ^ en - ®ie beften nnb mir!» famften berfelben liegen nidjt in jenen Stfaßregeln, meldje fte mit ber Regierung gemein hat, nid)t in Slnmenbung bon SBefeljt, ®rol)ung, Stufficht, ©träfe, miemohl fie auch biefe, ihrem .gnmtfb ungefaßt, nid)t entbehren tann, fonbern fie ift bor allem eine fte= tige ^Begegnung, mit ber ftiUen unb aHmäljlidjen SBirtung beg boHen sperfönlidjen ©eing im fortgefe^ten Umgänge, hiermit aber oerbinbet fid) eine ihr eigentümliche, ber Regierung nicht gemeinfame Maßregel gum Singreifen im geeigneten gaH unb alg ©ritublage für ihre meitere eingreifenbe Söirffamfeit. ®ieg ift ber SB eifall, ben fie fpentet, mo fie etmag beifaUsmürbigeg finbet, unb fie fudjt bedmegen nach fart. 437 abgeneigt. Sie große 9Jfenge unb itnBermeiblidje 33erfd)iebenl;eit bcr in einer Glaffe oereinigten 3ögltnge fdieint il;m unoereinbar mit ber nötigen ©orge für ben Ginjehten; unter foldjen llmftänben fönne feie Grjiefyung ifyren S3eruf, eine Sßoljltljäterin ber Gin= geinen ju fein, nit erfüllen. Sie ©djulen finb ifym bafyer „SJJotfifmlfen", bie man eben nidjt entbehren fönne, weil eS fo oiele 3^Sltnge unb fo wenige Grjieljer gebe. Sie Grjiefyung mitße, fo fordert fein 3beal, in fieinern gewählten Greifen oolljegen werben. erbart biefer Ginridjtung redjt günftig; f)ier fei, fo urtljeilt er, bie eigentlidje ©djule beS GrjieljerS. Sodj wünfdjt er nidjt ben ipauSlefjrern iljre golbeue ßcit jitrüd, wenigstens nidjt auf Äofteu ber ©djulen. Gr erfannte woljl, baß in biefem SerljältniS ber Grjieljer in uteljr als einer fpinfidjt ju wenig felbftäubig fei, als baß eS anders als oorübergeljenb unb wcdjfelnb fein fönnte; ju gefdjweigen, baß es ber 9iatur ber ©adje nadj niemals ju allgemeiner Hinwendung fomnteu fann. ©o wendeten fidj benn feine ©ebanfen jurütf ju bem ©egenfa^e Bon ipauS unb ©djule, als den beiten partiellen ju gegenfeitiger Grganjung beftimmten GrjieljungSfreifen, unb er bemiiljt fid> ein engeres 33anb jwifdjeu i£>tten jit ftiften. SiefeS 23anb fotl ber Grjieljer feiu, ein Kann, ber BorjugSweife tiefen Dfarnen Berbient, ein praftifdj unb tljeoretifdj burdjge» bilbeter fßäbagog, ber SSertrauen unb 3tnfeb>eu genießt wie bei ber ©djule fo bei einer Slnjatjl Bon Familien, denen er als Reifer unb 23eratljer feine Sienfte widmet. Siefer Wirb nidjt in allem felbft bie Ämter unterridjten, er wirb ©efprädjSftuuben galten unb bie fdjriftlidjen Hebungen leiten, baS HBiffenfdjaftlidje aber meift ben öffentlidjen ©djuleit überlaffen, indem er nur beftimmt, wetdje ©djulftttnben feine Hinoertranten ju befudjen Ijaben. Sie ©djule üjrerfeitS wirb darauf Berjid)ten, an einen ftrettgjufauunentjängenben SeljrcurS jeden ©djüler 31 t binden, eine Kaßreget, bie, Wie ,jperbart meint, mtr beS= Wegen bis je( 5 t nötljig fei, weit eS an jenen Grjieljern feljle, unb Weil bie itnoorberei» teten unb unauSgewäljlten ©ubjecte, wetdje bie ©djule aufueljnten mäße, nur unter biefer Sebingitng einigermaßen gleidjförntig fortfdjreiten fönnten. 2Bie Biel beffer werbe bann jebeS ©tubiuut auf ber ©djule geljen, Wenn erft bie ©djüler Bon ben „Grjieljern" anSge= fudjt, Borbereitet, unterftiijst Würben. ■—■ Sie ©tedung biefer Grjtet;er in ben Familien unb ©emeinben befdjreibt |jerbart als ätjnlidj derjenigen ber ^auSarjte; Wie biefe baS Seiblidje, fo würben fie baS ©eiftige in 33ejug auf bie fiinber mit Slnfelju ordnen unb leiten, £)infidjttidj iljrer öfonomifdjen unb bürgerlidjen S3erl)ältuiffe follen fie ber @e= meinte nal;er als bem ©taate angeboren. — Söir niödjten biefe päbagogifd;e fßliantafie §erbartS nid)t in allen Stjeilen oertreten. SaS S3et^ältniS beS „Gr.jiel^erS" jur ©dßtle inSbefonbere unterliegt geregtem Sebenfen. Siefe ftrebt felber bie Grjieljitng ber 3u= genb planmäßig an; alfo fann fie nid)t in fo unmittelbarer 2 Beife oou außen l)er in il;r SÜScrf eingreifen taffen, fo gern fie and) fpecieße SSeleljrung über ibjve 3öglinge an= nimmt unb felbft guten fftatl; nid;t jurücfweiSt. 3 lt e m cr bloßen ©elegcnfieit, bieS ober jenes nad) ^Belieben ju erlernen, wirb fie fid; nic^t l;erabfe^en laffen. 2lud) ift fie nid)t fo unfähig wie §erbart meint, für bie Sebürfniffe ber Ginjelnen 31 t forgen unb felbft ju ben Familien in ein unmittelbares bie Grjiefyung förderndes SSerfyältniS, We» nigftenS fo weit eS ben Itnterridjt angelt, 311 treten. Sagegen ift die andere ©eite beS 438 ■gerbart. ^erbart’fdjen OebanfenS oollfoutmen richtig. Ss ift ein wefentlicpcS SBebiirfniS, baß eS päbagogifd)e Vertrauensmänner für bie Familien gebe unb baß eine jebe ju Statt) irab fpülfe fic^ an einen foldjen anfd)tieße. ®ie ©d)Wierigfeiten, weldje bei allen Vortpeilen, bie baS elterlidje VerpättniS gewährt, einer guten gamilienerjiepung entge= genftepen, tt^eitS pofitioe, tpeilS negatioe, finb ju groß unb 51 t fepr in ber 9?atur ber Verpältniffe gegrünbet, als baß fie in ben ineiften gälten burcp bie Kraft unb jyäpigfeit ber ffatnilien felbft, ot)ne päbagogifcpen SSeiftanb oon außen überwunben werben tonnten. Sreilid) läßt fid) pier am atterwenigften burd) unmittelbare SKacptbeftimmung ober bloße 3tmtSauctorität etwas tpuu, eS ift eben ©ad)e beS Vertrauens unb beS wahren 2tn= fepnS. Snbeffen fe^tt bem, WaS wir forbern, aud) im gegenwärtigen Seben feineSWegS gang bie Realität. ®ie ©eelforge mandjeS Waefern ©eiftlidjeu fließt wot>I aud) biefe päbagogifcpe ^ütfleißtung mit ein; an einigen Drten gewinnen Wopl ©djulinfpectoren unb ©djulöorftänbe eine folcpe SB irffamfeit, unb ift eS fo feiten, baß einjelne Seprer in fpamilien, benen fie nät)er fielen, oermöge iprer päbagogifcpen Vilbung unb ipreS inneru VerufS mitergiepeube Statl;geber unb Reifer finb? 31 nt meiften aber fdjeint biefeS Ver* IjättniS in unfern (ErgiepungSoereinen für oerWaprloSte Kinber burdjgebilbet gu fein, wo bie fßflegeeltern folcper Kinber oon Sftitgltebern beS Vereins Statt? unb fpülfe, Veleprung unb 3 ufprud) empfangen. SBir fteepten l?ier eine furge Stact?rid?t über bie @efd)id)te beS im 3apre 1810 gu Königsberg geftifteten päbagogifd)en ©eminarS ein, weil bie eben mitgett)eilten @e= banfen §erbartS fid; in berfetben wiberfpiegetn. 9?ad) bem (Entwürfe, ben fperbart in jenem 3apre bem (Epef ber ©ectiou für ben öffenttidjen Unterridjt im SDiinifteriuiu beS Snitern, SBilpelm 0 . fpunibotbt, oorlegte, follte eine beträd)tlid)e Slngapl fepon gebib beter Srgieper befdjäftigt fein mit ber güprung oon Knaben unb Silnglingen eerfc^ie= bener 33efrift gebunben fein. gu feinen fßflidjten gehörte eS, jät>rlid> in einer Slbpanblung einen ©peil ber ©peerie nad) feinen Srfaprungen auf gupellen. — ®S fdjeint inbeffen nicpt, baß jener päuSlidje (ErgiepungSfreiS, wie er bem ©eminar gu ©runbe liegen füllte, jemals im ©inite beS (Entwurfs eröffnet worben fei. fftaepbem baS fDJinifterium unter Oewäprung unbebingter VoHmad)t für fperbart 200 ©paler gur 3lnfteHung eines SrgieperS bewilligt patte, finben wir, nad) guoerläßigen unb größten^ tpeilS urfunblidjen 9?ad)rid)ten *), baß ftatt eines „GcrgieperS" oier ©tubenten ben 3tuf= trag übernapmen, eine Heine Slngapl oon Kinbern, jeber oier ©tunben wBdjentlicp, unter ^ferbartS 3tuffid)t gu unterriepten. ©0 gewann bie Slnftalt fürs erfte ben Sparafter einer bloßen ©dpule, unb würbe als foldje halb nad)per auf fperbarts ÜBunfd) omn ©taate burd) Stnftettuug jwei fefter Seprer, reidjere ®otation für unterridjtenbe ©tu= beuten fowie burd) Veipütfe gur §erftetlung beS ffocalS fefter begrünbet unb 5 U einem ■ßäbagogium, baS ben mittleren ©pmnafiaklaffen entfpred)eu feilte, erweitert. ®ie3npl ber ©cpüler follte äWanjig nid)t iiberfteigen, bannt nicpt ber Seprer bei einer großem 3 apl Routine an ftatt ber Srfaprung gewinne; bod) pat fie factifdp fid) nie pöper als auf breijepn belaufen. Sine fefte (Slieberung gewann baS fßäbagogium niemals, ba eS ua^ feiner inneru Sinritptung altgufepr Oon ben päufig Wecpfetnben ßöglingen abpieng *) SfiStr oerbanteit fie ber ©üte be§ §errn plrooinciatfiputratp Dr. ©epraber in Königsberg. ■Stuf eben biefen Dtacpricpten bentpt auep, Was wir oben (©. 422) über bie Seiftungen beS f?er» bart’fdpeit ißäbagogiums im p pitotogif epen llnterridpte fagten. ■fterhart. 439 xinb ber Unterridjt fetbft burdj bie geriettreifen bev an bentfelben befdjäftigten ©tubenten metfad)en Stbänberungeit untermorfeit mar. — SDett 9)fanget bev Anlage füllte §er= hart fetbft uub münfdjte beSmegett eilte fefte Shtridjtung Don wer Staffen. ®a inbeS ber Unterridjt in ber 2lnftalt fidj non beitjenigen in bett öffenttidjen ®t)mtiafieit wie ftfealfdjitten auffattenb uitterfdjieb, and) fperbart fetbft «oiebertjolt attSf^rad), baff er bnrdt baS öorbitb feines SnftitutS uub burd) bie barin nnteriniefeiten Seljrer beit öffentiidien Unterridjt mnjugeftatten beabftdjtige, fo fontite baS -ßabagogium in feiner Sfoliruttg nur fo lange SBeftanb Begatten, als baS Vertrauen 31 t bentfelben bnrd) ben ©irecter aufredit ermatten mürbe, ttnb nutzte mit beffen 2lbgattg non Königsberg nott)luenbig erlöfdjett. 35er ©ang beS Unterrichts tnirb nad) einem 23ertdjt nont Satjre 1823 gefd)iibert; mir geben itfit unter beut f£eyt. *) Den ntat^ematifdjeit Unterridjt gab tperbart juitt großen S^eite fetbft, ttnb tmar mit ungembt)nlid)etn Srfotge. 3nt Uebrigeit begnügte er fidj mit ge= legenttidjcn SBinfen an bie ©eminarifteit, mit betten er attßerbeut in ber 9feget mödjent* liebe Sonfercttjen abt)iett. — DaS 3' e * beS UuterriditS im ffMbagogium feilte int ganjen tooljl bie Steife für eine ©l)mitafialfoninta fein, in 3 tnei gälten mürbe and) bie Steife für bie Uninerfttät erreicht. 3nbeS fetbft 31 t betn erfteren biefer 3'bte getaugte nur bie Sftinberjaljt ber 3ngtinge, tljeilS lnobt weil fie non ben Stteru 3 U früh ber Slnftalt entnommen murbett, jebod) attd) beStjalb, meit ber UnterridjtSgaitg fidj ber SDte= tl)obe beS öffentlichen Unterrichts 3 U menig attfdjloß mtb bie ©djüter bei rafdjer ger= beruttg in matteren gädjent bod) nameuttid) in ber ©rautmatif uttb im fdjrifttidjeit @e= brattd) ber alten ©pradjen nidjt mit ber erforberlidjen fyeftigfeit unb gertigfeit öerfatj. ©rofjbem mürben int Sinjelfatte fogar ertjebtidje, ja auffatteitbe Srgebniffe erreicht, mte attö bett 23erid)tett fad)tunbiger ißeurtbetler beroorgeljt; ob aber bie fo erreidjte SMtbung audi feft mtb bleibettb gemefett fei, barüber geben bie Urtt)eite fetbft berer, bie in bem Snftitute befdiäftigt maren, auSeinanber. ©emeit uttfere KöttigSberger Duette. — Un= terbeffen hatte bie Stnftatt and) jene anbere ©eite päbagogifdjer SBirffamleit, metebe ttr= fpriingtidj in ihrem ©ebanfen tag, bie 93erbittbuttg mit betn gamilieitteben, miemobt in anberer Söeife, als ber erfte Sntmurf es mottte, gemonnen. 35aS ^auStebrernerbattniS im gemöt)ntid)en ©ittn tonnte bei ihrer Srmeitermtg unb fdjutmäjjigen Sntmidtung ntd)t *) „SDiit beit 8 — 10jährigen würbe ber gried;ifd)e Unterricht burd) baS auf einauberfolgeube lleberfetjeu ber Dbtyffee, beS tperobot mtb fobann be 8 Senofib 0 « begottneit; berSehrer unter« mies fetbft anfänglitf; bie ©djüler itt ber SJorbereitung, liberfe^te bann mit ihnen unb ließ erft allmählich bie ©temente ber ©rammatif aus ben ©djriftfteffern entnehmen. ®eut -Üenohhou folgte ber tateiitifcbe Unterricht mit Sürgils St eit ei S, auf welche nur furje Seit bitrch ffiutrof) Oorbe» reitet toar. Daran reiften fich Ijiftorifche Verträge aus ber alten ©efdjidjte nach bem 9Rtt» jier irgeub eines atten ©djriftftetterS (fMftoriferS, 3 . ’-ö. SiöiitS), besgteichen ebne uub fbfä» rifche StufdjauuugSithnitgen, ju bereu Seitung übrigens ber Seljrer mit ber Trigonometrie betannt fein muffte (bgt. oben @.422 über bas ISS ber ülnfdjauung); jurücfgebliebene itnaben fottten burch anat^tifd^e ©effträcije über betannte ©egenfiänbe getoedt merbett. hierauf folgte bie lateinifdje ©tjntay, gemöhnlid) im 13. 3ahre, fobatb bie Zöglinge ben Säfar mit Seid)» tigteit iiberfe^ten, unb jroar mürbe bie ©tjntay in */„ bis 3 / 4 Sahren genau uub mit Seienden auSmenbig gelernt, battebeu aber feine Syercitien gefdjriebeit, meil berSehrltitg gar nidjt in bie Sage tommen biirfe, fdjledjt uub fehlerhaft 31 t fdjreiben. SQielmeljr traten fotche ©djreihübun« gen, ju beiten ber ©chiiler auch burch baS Srlernen ganjer Saftetet aus Sicero unb Säfar Oor« bereitet mürbe, erft nach Seenbigung ber ©fntay ein, sugleich mit ibttett contfjaratibe ©hntay ber griechifd)eit mtb lateinifchen ©firad;e. ©obann mürbe Konters 3tiaS iiberfeht unb hierauf ber ©chiiler 31 t Platon respubl. unb Cic. offic. Lib. I. übergeleitet, um ifm sugleid) ein ©hfimt ber äitoi-al 3 U bieten. Ser nt a t h e 11 t a t i f im 3 aljre 1811 mit einer Sngtcinberin öerljeiratljet Ijatte, italjut bie 3ögünge in fein fpaud auf (©ielje $ arten ft ein in feiner biograßljifdjcn SSorrebe 3 U feiner Ausgabe tmn fperbartd fieinern fdjitof. ©djriften. ©. LXXIII.). Heber biefe f)äudlidj = j;äbagogifdje ®ljätigfeit Iperbartd unb iljr ©ebenen festen und alle »eiteren •ftadjridjteu. 2Bad bad 93e.rljültnid oon ©taat unb Äirdje gu bem S^ieljuitgdmefen betrifft, fo gehört .jperbart S u benjenigen, »eldje für bad le^terc eine möglidjft große Unabljan- gigteit unb ©elbftänbigteit in Inff'rudj nehmen; oljne baß er jebodj unfered SBiffend biefen ©ebanfen anberd ald oon ber negatiben ©eite bavgeftedt unb begrünbet Ijcitte. 33on bem ©taate fitrdjtete er eine ben befonbern 23ebürfniffen 3 u»iberlaufenbe Sentra= lifatiou unb ein Singreifen and ber gerne oljne SBerücffidjtigung ber Snbioibualitäten, ferner eine Senufjuug ber päbagcgifdjen Äräfte einfeitig für 23erufdbi(bung unb 9tii(}= lidjfeitäprinrip. 35ie( lieber febeint er ber ©emeinbe, ald einem unmittelbaren herein 001 t gamilien, bie ©orge für iljr S^ieljungdmefen anöertrauen 31 t »öden. Db^erbart aber einer felbftäubigcu Drganifation bed gefantmten Gcqicljungdmefend eined Üanbed, nur unter bem ©djttge unb ber allgemeinen fttedjtdauffidjt bed ©taated, mie eine fotdje in ber ©egenloart bie unb ba augeftrebt toirb, bad SBort reben mürbe, ift fdjmer 3 U cntfdjeiben. ©emiß nidjt, »eitn ein fcldjed fidj felbft regierenbed ©djitlmefeit üom ©anjeu aud bem 23efonbern beengenbe Dformen geben, allgemeine ©djulptäne unb ®idcif)Iinar= orbuitngcn aufftetten unb einfübjren »odte. fperbart mürbe jebenfadd bie nmgtidjfte ©elbftänbigfeit bed befonbern @r 3 icljungdfreifed unb bad gerncbleiben eined 5Dtaj;oritätd= befyotidinud in ©adjeit ber praftifc^cir fßäbagogit gur 33ebiugung feiner 3«fttnmumg madjen. 3n S 3 e 3 itg auf bie Sirene mid $erbart für bad Si^ieljungdmefen („bie ©djule"*) meber Seljerrfdjung itod> fperrfdjaft, molji aber ein f reuubfdjafttidjed 33erljältnid unb bie äkmaljrtntg berfeitigeu ©efinuitng, „momit beibc einanber feit langer 3 e >t 3 U umfaffen gemoljnt fiitb." ®ad 23ebürfnid bed ©laubend, „bie emige ©runblage ber Äirdje/ fagt er, fei fo adgemein, baß meber bie ©djule nodj ber ©taat fidj bemfeiben entgieljen tonnte, meitu ed itjiteu audj einmal einfiele, einen 33erfudj ber 2lvt 31 t madjen. 21 ber nidjt eine tjicrardjifdj gebietenbe Äirdje fefjt er hierbei oorattd, fonbent biejenige, metdje mcljl ermogen Ijabe, baß ber ©laube feiner fHatur nadj etmad fdjmebenbed fei, meld)ed mit taufenbfadjen SBerfdjiebentjeiten ber ©emütljdtage in beftünbiger SJedjfelmir» !ung fidj beßnbe, unb baß baljer oiel ©bielraum gelaffenmerben miiße, bantit nic^t ein uitfrcimidiged äitßerlidjed Setenntnid bie ©tede bed ©laubend cinneljme; menn fdjott ed gemiß moljltljätig fei, ad 3 u heftige ©djmantungen bed ©laubend 31 t öerljüten. ©ode biefed freunbfdjafttidje Sertjattnid ungeftört befteljen, fo biirfe feirt ©Ijeil bem anbern burdj 3 lt t ,r iuglidjfeit liiftig faden. ®ie ©djitle bürfe nidjt öermifcig fidj anmaßen, ben ©tauben, ber lange ßorljanben fei, ßon neuem Ijerß erbring eit 31 t modeu. ütber audj bie Äirdje möge fidj Ijüteu, baß fie nidjt fidj cinmifdje in bie 35erfjaubluugen ber ©djule unb bie Ärcife serriitte, bie fie nidjt ge 3 eidjnet tjabe; benn fie bebiirfe maudjed ftiden ®ien)ted, beit nur bie ©djule iljr leiften tonne. @. SDtotter. gerbet, 3oljaitn ©ottfrieb, mürbe ben 25. Stuguft 1744 31 t •Dboljrungen im Äönigreidje Preußen geboren, ©ein 23ater mar fDtäbdjenleljrer unb Kantor, bie ÜKutter bie Smdjter eined fpuf = unb ÜÖaffenfdjmiebed. 23eibe Sltern lebten in befdjränften bürgerlidjen tßerljaltniffen, maren aber fiedjgeadjtet megen iljred gleißed, i^rcr Drbuungd= *) 3n ber ©djrift, au« mefeber mir hier beridjten: „lieber ba« SSerljältni« ber ©i^ute 511m Seben" (oümnttl. SB. 33b. XI.) ifl atterbing« junäcbfi nicht bom örsiebung«» unb ©dfulmefen im gemöbulidjen nttb engem Sinn bie Hebe; unter ©dntle iß bort gans allgemein ber burdj SBiffenfdjaft, Seljre unb Serncit fidj betljätigenbe, erneuernbe, meitergeßaltenbe ißroceß ber SBitbung einer Station gemeint. 2lber ohne 3meifel mollte fjerbart biefe« allgemein SSebaußtcte auf ba« SSerhaltni« jener befonbern iMlbungsfreife mitbejiefjen. ©erber. 441 liebe unb il?rer grömmigfeit. 3n biefem ©inne erlogen ftc if)reKinber. Sen ftrengett Srnft beS SaterS milberte bie ©anftmuth ber fühttter, bie ©erber, fo lange er lebte, «sie eine ©eilige Bereite. Ser in gleiß »ottbrad)te Sag mürbe jeben Slbenb mit @e= fang eines geiftlidjen Siebes gefdjloffen. Son baljer fd)rieb fid) bie Verliebe ©erberS für anfere alten Shoräle, bie er in fpäteren Sauren 3 a feiner anb anberer Gtrbauung am Klaoiere fang. StrnutS maljreS ßljriftentbnm befanb fidj in ber ©auSbibliothef nnb auf einem Slatte beSfelben mären bie tarnen unb ©eburtStage ber Kinber 00 m Sater mit einem ©egenSmitnfd)e eingefd)rieben. Sen erften Unterridjt erhielt ber Knabe bei bem fftector ber ©tabtfdjule, ©rimm, einem »erbienten ©Entmanne, ber mit einer ftren» gen 5Dtetl)obe, bie er befonberS in grünblid)er Erlernung grammatifdjer Regeln bemätirte, eine ernfte 3 u 4)t »erbaub. Obgleich ©. ßpäter oft bie pebatttifdje Sebrmetl)obe tniSbil» ligte, fo erfannte er eS bod) freubig an, baß er bem eifrigen unb geftrengen Spanne ben erften ©ritnb 31 t feinen Kenntniffen »erbanfte. ©. seigte balo eine unerfatflidje Sernbegier unb fuc^te fid) auf alle SBeife gute Südjer 3 U »erfdjaffeu. ©ein ©oetifdjer ©inn marb friil) an ben alten Slaffifern, an ber Sibet nnb ben alten geiftlidjen Siebern getoedt. Sie großen ©ebanlen ber ©riedjen unb Sfömer begeifterten ifm unb ent 3 ün= beten ilm frül) 3 ur Ruhmbegier, il;nen nad) 3 uftreben nnb 2lel)nIid)eS für feine 3 e 't 3« leiften. Sen elften ReligionSunterridjt erhielt er öon bem trefflidjeit ißreciger 2Bitla= ntooiuS, mit bem bie Gütern innig befreunbet toaren. 2ln beffen ©teile fam 1760 Srefdjo als SiafoituS nad; $Dtot)rungen. Serfelbe nal)ut ©erber als gamulttS in fein ©auS unb gemährte ibnt für bie niebrigen Sienfte, bie er ihm leiften mußte, Obbad) unb ©djlafftatte. Siel fyiifyer aber fd)lug ©. ben ©ebraud) feiner Sibliotl)ef an, bie er in jebern freien Slugenblide, oft in ben ©tunben ber Rad)t, mit Kifer benutze. Sei ber Slrmut ber Sltern fudjte Srefd)o ben lernbegierigen Knaben »om ©tubium a&gitbringeit unb für ein ©anbtoer! 3 U beftimmen, obgleich ifnt bie itngemöl)nlid)e Gntmicfelung unb @eifteS= reife nid)t »erborgen geblieben mar. 2luS bem qualoollen Srude, bei bem ber junge ©erber immer fdjüdjterner unb blöber gemorben mar, mürbe er aber burd) einen rttffU fd)en RegimentSdjirurguS erlöst, ber fid) »on feiner Silbung angejogen füfjlte unb iljn mit nad) Königsberg nahm 3 um ©tubium ber (5b>irurgie. SiefeS ©tubium mußte ©. inbeS halb aufgeben, ba er bei ber erften ©ection inDfynmadjt fiel. Son eblen greint» ben unterftü( 3 t manbte er fid^ nunmehr bem feiner Neigung entfpred)enbeu ©tubium ber Sl;eologie unb fßf)iloiofol;te, ber @efd)id)te unb ben ©fragen 31 t. Kant unb ©a= mann imponirten ifm »or allen. 3n ber Speologie tjatte er einen güljrer an SU lientpal, ber ein Sertfjeibiger ber Offenbarung mar. 3m 3afyr 1763 mürbe ©. bereits als Selber am griebridjScolIegium 3 U Königsberg angeftellt. ©ein Hnterrid)t, ben er in beit obern Klaffen erteilte, mar anregenb unb feurig, aud) geigte er fid) ftreng unb gemiffeitl)aft in Krfüllung aller Sel)rerpflid)ten. ,,3d) »erbaute, fdjreibt er über jene 3eit, bem eigenen Sociren bie Sntmidelung mand)er 3been in ihrer flaren Seftimmtfieit; mer fid; biefe in irgenb einer ©ad)e ermerben miH, ber bocire fte." S'foc^ fpäter münfd)te er nur einige Sabre auf einer Uniüerfttät lehren 3 U tonnen, um feine 3been loS 3 U merben. 3m 3af)re 1764 tarn er als Kollaborator an bie Somfdjule in Riga. Sind) bort- mar, mie einer feiner 3»glinge urtpeilt, feine Sehnnetl)obe fo »ortrefflid), fein Um» gang mit ben ©djülern fo human, baß fte feiner Section mit größerer Suft beimopnten, als ber, bie »on ü)m gegeben marb. Ser 2lufentl)att in ber alten ©anfeftabt entmidelte in ihm 3been »on bürgerlicher greif)eit unb bürgerlichem 2Sol)l. Salb aber mürben feinem meitftrebenben ©eifte bie Serhältniffe 3 U eng. Sa 3 U fam eine SDiiSftinunung in golge ber ©treitigteiten, in bie er burd) ©erauSgabe ber Fragmente §ttr beutfd)en Site= ratur unb bie fritifdjen SBalbcr gerätsen mar. 3nt ÜRai 1769 forberte er feine ®nt= laffung, um eine Reife in baS äluSlanb 31 t unternehmen, ©ein 3med; babei ^ar, b ' e beften Gi^iehungSanftalten unb gelehrten Snftitute in granfreid), Gmglanb, ©ollanb unb Seutfdilanb fennen gu lernen unb mo möglich auch Stalien 3 U fehen. Sei feiner Rücf= lehr nacl) 9tiga mollte er eine große liolänbifdje Rationalfcfjule erridjten. 2 Bir fennen 442 •Berber. in feinen ©runbgügen bieS „3beal einer ©cpute." 23itbung fürs Sieben fdfwebte ipnt fcpon bamalS als lepteS 3'^ ticr - 3n brei (Staffen feilten eitel Realien gelehrt werben; in ber erftcn 5Raturwiffenfd;aft, in ber ^weiten ©efd;icpte unb ©eograppie, in ber britten bie Slbstraction, worin er beutfdje S|3oefie unb ©pradpe, @efd)id;te ber SMigion, Sßf)i(o= foppie, SJtorat, Sßolitif, Geologie unb Sncptlopnbie jufantmenfaßte. 3n ben ©prnd;= claffen begann bie beutfd;e ©pradje, itjr folgte bie franjöfifdfje. 3 ule§t feilten erft Sateiuifd), ©riedjifd; unb fpebräifdp fidj auf fließen. 2ltS er 31 t reiferer Sinfidpt getommen War, fiat er eS nid;t bereut, baff bieS 3beal nie »erWirttidft Würbe, ©ein erfteS S?eife= giel War $ariS, Wo er bie 23etanntfd;aft ber peroorragenbften Scanner macfite. 3nbeS fd;oit im Sfooember erhielt er bert ben Antrag, ben bringen ben §oIftein = £)Ibenburg auf Steifen 311 begleiten. ®aper teprte er über £)oUanb und; ®eutfdfilanb gurücf, mad)te in Hamburg 23etauntfd;aft mitSeffing, 93obe, SieimaruS unb @öje unb fd;Ioß befonberS mit SlaubiuS, beffen ©eift unb fperjeitSeinfalt ifin anjog, eertraute greunbfdfiaft. SBon ba begab fidj .f>. an ben fpof 31 t Sittin unb trat nacfi furgent Slufentpatte im ©emnter 1770 bie Steife mit bem Sßrinjen nad; granfreid; an. Unterwegs in ®urmftabt lernte er feine ©attin Sardine gladfSlanb leimen, in ©traßburg fanb er ©etfie unb 3ung ©tilling. fpter nafim er bereits feinen Slbfdiieb bem bringen, ba er fiep entftploffen fiatte, einen Stuf als ^ofprebiger beS ©rafen ben 33iideburg angunepmen. 3m SDtai 1771 trat er bie ©teile an, mit ber jugteid; baS ©djulepporat berbunben war. ®a eS an SDtittctn fehlte, tonnte er bem bortigen ©djulWefen, inSbefonbere bem ©fimnafium nid;t fe, wie er wünfelfte, Reifen. 3m 3apr 1776 Würbe tperber nad; SBeintar berufen als Dberpofprebiger, @ene= rglfuperintenbent, Dberpfarrer an ber ©tabttird;e unb SbporuS ber ©cfiulen. 3n biefer einflußreichen ©teHung wfrfte er mit bem größten ©egen bis 31 t feinem aut 18. ®ecbr. 1803 erfolgten ®obe, nadjbent er 1786 3 um 33ice=fßrafibenten, 1801 3 um Wirtlichen fßrä= ftbenten beS Dber=SonfiftoriumS ernannt Worben War. fpier fanb er ein reicpeS gelb, um feine bielfeitigen Srfaprungeu, bie er fid) im ©ebiete ber fßabagogif gefammelt patte, ben nieberen unb ben poperen ©dfttlen 31 t gute fomtnen 31 t taffen. Sr forgte halb für Srricfititng eines ©dmlleprerfeminarS 311 V beffern SluSbilbung ber £eprer, bie man bis bapin auS beut ©tanbe ber ©olbateit, 93ebienteit unb perunter gefomntener ^antwerfer genommen patte. ®abei »erfolgte er ben ©ebanfen, baß bie ©dfiulmeifter nidjt bloß für baS inteKectuelle, fenbern auefi für baS praftifdfe Sebett Seprer ber ©e* meinten fein feilten, inSbefonbere burd) SSerbreituug befferer Senntniffe in ber Sand wirtpfdfiaft. ®ie ©cfiullefirerbefdbungen würben erpöpt unb ber Unterricht überall 3 Wecfmiißiger eingerichtet, inbem man bas S3efte unb Slnnepmbarfte auS ber ^eftalogji* fdfien SJtetpobe aufttapm. 3 n ben Sanbfdfiuten würbe überall neben bem llnterridft in ber Sfeligioit and) ein 3 Wecfmüßiger Unterricht im Siedfnen angeorbuet, fowie Tabellen über ben gleiß unb bie ©itten ber ©d;ultinber. Sr felbft fdjrieb für bie nieberen ©djuten ein 2l33S=33ucp unb einen ÄatedfiiSmuS. 2lud; patte er bie Slbfidjt, für biefe nieberen ©djulen jweefmäßige Sefebitdier al^ufaffcn. ®a 8 eine berfelben foHte 23eifpiele gur Siadjnpmung, jur Ißereblung beS SergenS, ©(pärfung beS SßerftanbeS unb Ur= tpeilS entpalten. Sr Wollte auS ber SDtenge »on Sefebücpern bie fßerten perauSfudfen, neue pingufitgett unb biefelbeit in einer einfachen ©pradfe unb ®arfteHung ber gaffungd* traft berÄinber nape bringen. Sin ^weites natitrpiftorifcficS Sefebucp foHte ben Äinbern richtigere ^Begriffe »on ben ipiten gunädjft liegenben Singen, »on nitplidien unb fd;ad lid;en Spieren unb ißflangen, »ont 9)?eitfd;en, »on ben 9?aturerfd;einungen unb etwas allgemein uerftäublidfeS »on ber Staturlepre beibriugen. — gür ben Äird)en= unb ©d)ul* gebraudi gab er ein neues ©efangbud) perauS, in baS er im SInfdiluß an bie beften älteren Äirtpentieber aud) eine SluSwapt neuerer Sieber aufnapm. 3n einer SBorrebe fl'ridft er ft dp nid>t nur über bie rechte SBiirbigung beiber Slrteit »on Siebern auS, fon= beim ertpeilte aud) ben Seprern Slnweifitng für bie 33enu($ung beS ©efangbudjeS. „S3on 3ugenb auf müßen bie Sinber, fo wie bie alten, fo aud; auS biefen pinjugetommenen <£>crfcer. 443 ©efäugett trefftidje Verfe auSWenbig lernen; fie gewinnen baburdj einen ©djaj} au?el;re ltnB UnterWeifitng für if)r ganjed Seben. §at man fie inne, fo lernt man bie ißrebigt unD and) bie 23ibel mehr berftet;en. 3)a8 SSort @otte§ fommt gleidjfant naher ju unS." 2lud; bei Verbefferung ber Sitnrgie nnb Äirdjenmufif hielt er bie alte gerat fo nie! als ntöglid; feft. 2lm erfolgreichen jeigte ftdf) bie Sinwirluug beS SptwruS auf baS bortige ®t;m= nafium, baS er auS tiefem Verfalle ertjob. Sr forgte nid;t nur für bie Verbefferung ber £el;rerbefolbungen unb Hebung beS 2tnfel;en8 ber Seljrer, fonbern fud^te aud) burd; jeitgentäße Umgeftaltnng beS SefyrptaneS unB mehr nod; burd; perfönlidjen Sinftuß einen neuen ©eift unb frifd;eS Seben in bie SEIjätigfeit ber ©d;ule 51 t bringen unb über SRittet unb 3^ e I e ber 33ilbung unb $ud;t Hare unb würbige VorfteEungen 51 t erwecten. SS ift befannt, baß barnalS in ben ©t;mnafieu an bie ©teile ber heiligen ©djrift baS compendium theologicum. getreten war unb baß man mit ber Religion ein totteS unb med;auifd;eS ©ebädjtniSWefen trieb. 3)ie frifd;e unb freie Seetüre ber Sllten war auf jebe fßeife eingeengt, bie jugenblid;en ©eelen würben Wahrhaft auSgebörrt burefj ben ©d;emati 8 muS ber Sogil unb 9il;etorif. ©efd;id)te unb @eograj't;ie fo wie bie üftutterfpradje waren allgemein öernadjläßigt. Sie Sinfidjt in biefe SDiäugel ber ^)öt?ern ©djulen hatte längft eine lebhafte ^Bewegung ber ®eiftcr l;eroorgerufen, bie im ganjen oorigen 3at;r= Rimbert ju erlernten War. Sie ©d;riften Dtouffeau’S wirlten aud; in Seutfd;IanB gewaltig. VefottberS aber bereiteten bie Veftrebungeu Vafebow’S mit ihren praftifd;en Verfud;en eine Vernichtung ber bisherigen “DJtethobe »or. ßu ©runbe lag alten biefen Veftrebungen bie Dßpofition gegen bie einfeitige lateinifd;e VilDuitg. 3n biefen Äarnpf trat aud; Herber ein unb fej 3 te feine Aufgabe in Bie möglidfte Verföljnung beS humanifti= fdjen unb realifüfchen ißrincipeS. 3m ©tjmnafium ju SBeimar war man auS ber Siufeitigleit ber lateinifd;en ©d;ut= bilbung in golge einer neuen ©djulorbmtng öon 1733 in ben entgegengefefcten Srrthum oerfaHen. Slnftatt fid) ber humanen VilbungSmittel ju bemächtigen, wegen Welcher allein auch bie realen Sßiffenfdjaften getrieben werben foHett, ließ man fid; verleiten fd;on unmittel* bar für baS praftifd;e Beben öorjubereiten. 3)iilitärifd;e unb öfonomi|d;e SiSciplinen, Syercitien im gedjteu, Seiten unb Sanjett, Sftedjanif, ilitär = unb Sioilbautunft, alle Slrten ben 3nftrumentalmufif fanben Aufnahme in ben Sehrßlan. Sine Sinleitung in baS ölonomifd;e, ißolijei* unb Santeralwefen gehörte $u ben eingefül;rten Sehrbüd;ern. Sei biefen Verirrungen hätte baS ©tjmnafium immer mehr an wiffenfd;aftlid;em ©eift eingebüßt. Sa berlangte im 3at;r 1783 ber Herjog Äarl Stuguft ben Berber einen ißlan für bie fReorganifation beS @t;mnafiumS, unb bei bem unbebingteit Vertrauen, Welches Herber genoß, würben bie ben ihm gemad;ten Vorfd;läge in il;rent ganjen Um= fange jur 2luSfitl;rung gebracht. H- gierig babei ben bem ©ebanfen auS, baß eS 2luf= gäbe ber ©chule fei, allgemeine 3Reufd;enbilbung ju geben. SBotle man auf baS fehen, WaS feber eittjelne Säugling braud;e, fo müße man ftatt einer fieben ©d;ulen hüben. 3ft baS SDleffer einmal gewebt, fo lann man allerlei bamit fd;neiben, unb uid;t jebe Haushaltung hält fid; ein anber ©ebeef, baS 23rob, ein anbereS, baS glcifd; auSein= anber jn legen. Ser Süngling lernt nie ju biel, aber alles, WaS er lernt, foE er, ob= gleid; er nicht bei jebem eiitjelnen ©egenftanB bie grage nad; bem befonbern IRufsen erheben foE, fürs Beben lernen. UeberaE war eS, Wie Wir nod; weiter fehen werben, bei Herber ber große ©efidjtSßunct, bie fd;ulmaßigen ©tubien ju einer 2Bif= fenfehaft beS Bebend ju erheben, freilid; in anberem ©inne, als eS bie weiften ißabagogen feines 3ahrl;unbert3 berftanben. H er ber tmtrbe babei bott ber Sin|id;t unb VSiBfahrigteit beS trefftid;en fRectorS Heinje unterftüljt, bem 1790 S. 21. Vöttiger folgte. Unter bem fRectorate biefeS SRanneS gelangte bie ©djule befonBerS bur^ ben perfönlichen Sinfluß il;reS Sph oru§ 3 U außerorbentlicber Vlüte. 3n ber anjieljenbften 2Beife h a t ®ott^ilf Heinrid; ©djubert, ber batnalS ißrimaner beS ©pntnafütmS in SBeimar war, in bem elften Vanbe feiner ©elbftbiograph'e uns ein Vitb jener Sßoche 444 •§erber. entworfen. Sr geidjnet nnS babei gugleid) bie ^erfönlicbteit £erber8 in feinem SBefen als Spl)oru8. 3IIS foldjer wohnte öfter« ben Skl)rftunbeu bei, übermalte ben fyleijj ber ©tipcnbiaten, leitete ba§ Syamen unb begann unb fdjtofj baSfelbe nie otjne eine längere 2lnfprad)C belel)tenber ttnb ermahnenber 2Irt. Sie bei biefem Slitlaf; gehaltenen nnb im „©opl)ron" gefammelten Sieben Berbers finb eine Wahre Funbftätte päbagogifdjer 2Bei8l)eit. 2luS benfelben lägt fid) bie gange Ülnfdjauung beS SDfanneS in SSegug auf Unterricht unb 3u• bereits in ben Fragmenten, fo wie in ben fritifdjeu Sßälbern, bie er als angehenber 3toangiger fd)rieb, bargelegt. Die ^Barbarei ber batnaligen Sehanblung beS clafftfdjen 2Htertf)umS nahm ben ibealeit SOJaun luftig gegen bie hergebrachte ©dfulbilbnng ein. ©ein Kampf war gegen bie |>crrfd)aft geridjtet, bie bie Iateinifd>e ©pradje nnb Siteratur admäl)lid) über unfere gange Silbung erlangt hatte. Sr wünfdjte Biel lieber, wir wären ©claoen beS gried>i= fdjen SonftautiuopelS geworben, als beS lateinifdjen 9fom8; eS würbe uns beffer in Sfeligion, SBiffenfdjaft unb ©pradje ergangen fein. Darum wies er Bon ben 9fömern weg auf bie heÖenifdjen edjteu SJiufter, oor allen auf feinen Siebling Sponter, für beffen 23er= ftänbniS er houptfädjlidj in ben fritifdjen Ußälbern gewirft unb ben er als bie lanterfte Duelle ber @efd)inad8bilbung Bon neuem erfdjloffen hat. SBon früher Sugenb an Bon ben 3beeu ber Sllten begeiftert, hatte e* 5 um 2lltertl)ume nid)t, wie Seffiug, baS 3Ser= hältniS eines ©eiehrten, fonbern lebte gang in ben 3'been beS 2lttertl)umS unb wollte ben etl)ifd)en ©el)alt ber Slaffifer, in benen er bie Fülle ber Humanität unb Förberung ber haften 3wede beS SQtenfchenlebenS fanb, für unfere Literatur unb unfer Sieben fruchtbar machen. Unter ben SRöutern war eS Borgüglid) §orag, ber it)m am mei= ften griedjifdje SBiirbe mtb 2Ittmutl) 3« bewahren fdjien. 3n feinen Briefen über baS Siefen beS §orag lehrte er aud) bei biefem Dichter befonberS bie etl)ifd)e ©eite h^'bor unb berief fid) babei auf Sßetrarca, ber befannte, bnrd) feinen lateinifdjen Did)ter fo beffer geworben gu fein, wie burd) jporag. ©old)e mit Segeifterung nnb Äennerfdjaft in baS beutfd)e Solf hi”eingerufenett ©ebanfen wirften, ba fp. jugleid) burd) bie funft= BoHftett Ueberfefjungen unb 9?acfjbilbungen feine ©eifteSberwanbtfdjaft mit bem ?lttertl)um uitwiberleglid) barthat, mädjtig ein auf bie SBiebergeburt ber claffifdjen ©prachftubien in ben höheren ©d)ulen. Sor allem gebührt ihm baS Serbienft, bie gried)ifd)e S!i= teratur Bon neuem eingeführt uns il)r für ed)te fpumanitätSbilbung eine nid)t mel)r gu beftreitenbe ©teile in ben ©d)ulen errungen gu haben.*) DaS Slateinifdfe fd)ä^te er als formales SitbungSmittel aujjcrorbentlidj h oc h- Darum aber feilte eS nid)t gelehrt Werben, um lateinifd) fd)reiben als 3wecf 3 U lernen, fonbern um baran gu lernen, wie man nad) ben SDfufteru ber Sllten überhaupt benfen unb fdjrcibeit folle. Die Ueberfegsung in biefe ©prad)e empfahl er als ißrobirftein, um baS falfdje ©olb unbeftimmter ©ebanfen, auSfdjWeifenber Silber, ungefügter -ßerioben, leerer 2Bieberl)oIungcn, wie eS in ben ©djriften ber teueren 31t Dage tritt, in feinem gangen Setrnge gu geigen. Son biefem ©ejidjtspuncte aus galt ihm Cie lateinifdie S?ec= tion als bie oornel)m[te unb gleidjfam als ftel)enbe Arbeit, bie bem ©d)iiler oorgüglid) feinen SRang giebt, „beim ein ©t)mnafium ift eine lateinifdje ©d)u(e unb bie lateinifdje ©prache ift baS SBerfgcitg ber SBiffenfdjaften unb Muffe." Den SBertl) ber ©rarns matif fonute nieniaub l)öljer anfdjlagen als er: Sine ©rammatif muß ber SOlenfd) lernen, benn ©rammatif ift Sf5I)itofop)t;te ber ©prad)e unb bie ©pradje ift ber Umfang aller menfd)lid)en Segriffe; an fe einer BoKfouunneren, auSgebilbetcren ©prache man alfo ©rammatif b. i. eine Slogif unb S]3h’f 0 f D f4)ie ber menfchlid)en SBernunft lernt, befto beffer lernt man fie unb behält an it)r ein SÖloBett für Drbnung, ©enauigfeit unb *) Ueber frühere 3Serbtettfie in biefer fftiebtung ogl. b. Slrt. ©eSner ©. 854 unb ©efchichte be« gelehrten ©djulmefens ©. 671 ; ftebe ferner b. Strt. ©. ©ermann. ©. Dieb. gerbet. 445 Slarljeit ber begriffe im Sopfe für alle anbern 2Biffenfd)aften, ©praßen unb Sünfte. ©in SJtenfdj, ber in feinem Beben feine ©ranunatit gelernt ljat, lernt fein Beben burd) nid)t genau, menigftend nid)t fidjer fpredjen unb fdjreiben, er irrt in Ungewißheit uml)er unb bat fein ficitfeil im großen Babprintl) ber ©pradjen unb SBorte. Srufiud, ber große 'tßt)itolog, nannte bie Sbeologie felbft eine grammatioam diyinam unb ©edner menbet auf fie an, mad Butljer oon ber S^eologie fagte: fie räd)t ftd) au iljren 93eräd)tern. — ©tjtnnafium ift il;m Drt unb Slnftalt ber Uebung: in adern, mag gut ift, 2Biffenfd)aft unb (Sitten folfen feine Beinlinge nid)t unterridjtet, fonbern geübt merben. ©d)ule ift, mo mir eine SBiffenfdjaft ober eine (Sprache, Sunft ober ein ©efebäft, grünblid) unb nad) Regeln lernen, mo mir und nad) tiefen Siegeln üben, fie und jur ©emohnhett mad)en. Stur mad mir üben, miffen mir; mir fonuen nurfo oiel, als mir geübt haben: bied gilt in ©pradjen, Süßiffeufdjaften, ©itten unb fdjönen Sünfteu. — ©d)öne 2Biffen= fdjaften maren ihm nid)t, mie ed feinen 3 e itg cno ff en erfdjien, leidjte uitb galante, fon= bern nur diejenigen, meld)e fdjmer finb unb gleiß erforbern unb eine ben 9)tenfd)eu bil= benbe Sraft haben, bie Humaniora ber älten b. i. ©pradjen nad; ©djreibart unb Vertrag, ®efd)id)te, , tßf)ilofDfoI;ie, SJtatljemati!. äudj SMdjter unb Siebner merben uidjt ohne gleiß unb SJtiihe groß. 2)abei erinnerte er an bie Xl;ätigfeit unb ©elehrfamleit ber SJtäuner, bie jenen meift audfdjließlid) fogenannten fdjönen SÜBiffenfdjaften ihren Stuljm oerbanlten, an £)pi(j, ipader, ©djlegel, Bejfing, SJtilton, ©rotiud, Sradmud. SDarum eiferte er oor adern gegen bie ©eminnfudjt feiner 3 e ü und gegen die fdjönen ©eifter, bie mie eine ©aat bunter SStoljnblumen auffproßen, aud) mo fie nidjt fodten, bie fo lange fie blühen, bem äuge einen luftigen änblicf gemäßen, nad)ljer menn ber fahle ÜDiohufopf bafteht, flappert inmenbig etmad unb fein 3nljatt gemährt anberen einen fanften ©d)laf; gegen bie fogenannten guten Söpfe, bie fid) ber ©d)ul= unb ^audjudjt entziehen, unb feiner 3eit aded aud fid> felbft lernen merben, bie Siomane lefen unb jephprleidtte lieber, um halb felbft bergleitheu }U fdjreiben. SJtit Srnft ruft er bagegen feine ©djüler auf ben rauhen unb müljeooden iPfab arbeitfamen Bernend mit ben 3Bor= ten: gehet ein burd) bie enge Pforte! bie Pforte ift eng, ber 2ßeg ift fdjmal unb mentge ftttb, bie ihn finben. ®ie jäljrlidj auffdjmedenbett 25er§eid>niffe ber SSteßbüdjer, in met= djen größtenteils eine junge feberlofe 33rut fid) ju ben Süßolfen unb jur ©onne fdjmingt, bie abfd)eulidje Beere unb SBermirrung, bie in ben meiften Sßüdjern nad) bem ueueften ©efd)made hettfdjt, fammt hunbert fd)äblid)en golgen find t m beutlidje 3eugen ber 3errüttung, bie bad ©eniemefen auf Soften ber Sßiffenfdjaft unb Erfahrung, bie foge= nannte Statur auf Soften einer regelmäßigen ftrengen unb bebäd)tigen Sunft, unb bie gerühmte ©elbftbilbung unb ©elhfterfd)affung auf Soften eiited fieberen unb nühlidjen Unterrid)ted, ben mir bem gleiße erfahrener Beider oerbanfen müßten, Ijeroorgebrad)t hat unb mahrfd)eintid) nod) lange Ijeröorbringen mirb. 9ltd bie erfte unb nothmenbigfte „Hebung", burd) meldje bie ©d)ule mirfe, oerlangte er äufmerffamfeit auf ben Unterridjt bed Behrerd. SSom Behrer forberte er einen muntern Sßortrag, eine ©egenmart feines ©eifted gleidjfant in ber SJtitte feiner Eiaffe auf ade unb über ade, bie ihn hören. Sr erinnerte babei an bad ©leid)nid bed Sßlato, baß fid) ©eelen einander anfeuern, jieljen unb Begeiftern, mie ber SDtagnet bad Sifen an fid) jieht. ©inen befonbern Süßerth legte er babei auf bad Stad)fd)reiben ber ©djüler. 9Jtan lerne babei, mad man ft^reiben unb nicht fdjreiben dürfe, lerne einen fließenden Vertrag auf feine £>auptftü(je jurüdführeit unb in bie fürjefte 93enter= fung bringen. Ueberf efcungdübungen, menn fie roirflid) mit ben ©djriftftedern in ber Urfpradje metteifern, hielt er fehr tm^h- ^ ur f o£[te ba8 ® e f te feetroidig ge= fdjeljen. SDie ©d)üter fodten fid) burd) bie fdjönen ©ebanfen einlaben laffen, nicht blöd äufgegebened jn überfein, fonbern im ftiden Sßrioatfleiße burd) freimidige 3mita= tionen unb Stadjbitbungen auch poetifcher 9lrt unter einander ju metteifern. „SDi^ter er= jeugen SDichter.“ ®abei mied er auf ©d)!egel hin» der fc^on in Sßforte feine Sphigenie überfe^t habe unb auf Slopftod. 3m Spanten fodten Sßroben oder bieferärt oorgelegt 446 S5crbcr. merben, inSbefottbere and) freimiüige beutfdie Slrbeiten, auS benen man bie gortfdjritte im ©elbftbcnfen unb in ber ©efdjmacfgbilbung beurteilen tonnte. (Sine , l paupttl)atig= feit beg ißrioatftubiumg follte fid) in (Sollectaneen offenbaren, mie er fie felbft fein gangeg Seben lang hielt. (Sr empfahl babei eben fo BoHftäitbige SluSgiige auS 9?ixd>evn, mie 2lu8mal)l unb Sammlung eingelner ©ebanfen unb fdjßner ©teilen. SDiau lerne burd) ben SluSgug ein gutes S3udj Biel mef)r fenneu unb Bermanbte c8 in SDfarf unb ©aft. „(Sine ©djule guter 3lrt ift eine ©efeüfdjaft ©jenen, bie auSfliegen unb §onig fammeln." (Sr erinnerte an fßlutard) unb (SraSmug, bereit ©triften man bie (Soltec= taneen mol)l anmerfe. Slnbrerfeitg feien fßtutardjg moralifd)e ©triften nidjtg als Dtyemate, bie not jefct * n beit Stufen gebvaudjt merben fönnen gu eigener (Slaboration. Sind) bem früher oft übertriebenen Digputiren moÜte er einen f)3(a(3 unter beit ©tulübungen eingeräumt miffen. Die ©d)üler follten prinatim menigfteng, ftatt jum Äartenfpicl unb Dabafraudjen, jum Sefen unb Digputiren gufammenfommen, unb einen eblen SBetteifer geigen, in ©djnelligfeit ber ©ebanfen unb beg lateinifteu SlugbrudS einanber gu übertreffen. Dabei mieS er fortmäljrenb auf bie großen ©orbtlber ber Sitten f)in, als ber eigentlidjen Slltßäter menfd)lid)er ©eiftegbilbung, bie iljre ©pradje unb ib)re ©ebanfen burd) bie oielfeitigfte Hebung 001t Sitgenb an fo auSgebilbet Ratten, baß fie e8 gu jener gertigfeit bradjten, bie mir bemitnbern. JitSbefonbere l)ob" er bie gntdjt= barfeit unb ©d)iteHigfeit tfyrer fßrobuction fyerBor an ben ©eifpielen beS (Xicero, ©opfyofleS, ©lutard), ©oltjbiug u. a. (Sr fal) in ben eilten bie SJorbilber eines gereinigten @efd)mad'e§ unb ebler ®e= finitungeu. „@o mie ber Äilnftler, menn er fid) gteid) ben Slpollo unb Slntinoug, bie Död)ter ber Sfiobe unb ben Saofooit fd)mer(it gu erreidjen getraut, bennod) mit unoer* riid'tem gleiß biefe SDMftermerfe ber alten Äunft nadjgcidjnet, nad)formt unb ftubirt, meil er an il)ucn bie l;öd)ften Siegeln ber Äunjt marnimmt; fo feilen aud) mir bie 5Dfitfter ber alten Denfart unb an i£)iien iljre ©infalt unb SBürbe, iljre beftimmte @enauig= feit unb 2BaI)rf)eit, ifyrcn 33ol)lflang, tre fd)öne Siihtbe unb fparmeuie, tre Äürge mit if)rem Sieidjtlfmn gunt ©orbilb unferer ©ebanfenmeife unb unfereS ©ortragg, infonber* heit in frühen Jafyren, unabläßig ftubiren." 2Bir lefen bie Sllten, fagte er einmal, bamit il)re h p h e (Sinfalt, ifire grünblidje SBürbe, iljr gefegter ©ang, il)r ruhiger, meifer, tiefer ©efdjmad fomoljl im Semen, als im §anbetn unb Seben ltnfer ©orbilb merbe. „©ie lehrten, baß man meitig unb nur baS 33efte, aber gut lefe; baß man int Seben nalov xüya&ov, ba§ itng Slnftänbige, (Sbelfte unb ©efte aufs befte treiben unb bagu unermüb» lid)en gleiß anmenben folte." „©ie ermeden unb bilben ben ©inn ber -Dfenfd)f)eit Bon Bielen ©eiten, fie lefjrett bag honestum unb decens in öffentlichen unb ©rioatgefdjaften feinten, unb pflaitgeit bie Siebe 51t bemfelbcii in bag (perg bed aufnterffamen SeferS, fie untermeifen in ber ©l)ilofopf)ie beg SebenS auf eine flare, angenehme Sßetfe unb ent= galten alfo mirflid) Humaniora b. i. Äenntniffe unb Hebungen gur SluSbilbung beg ebelften Dtyeileg ber SJienfdifjeit, be» ©erftanbed, beg @efd)inadg, beg ©ertragg unb fittlidien Sebeitg." üliit ©egeifterung rief er übcr(porag auS: „Sluf jebent©latte beiner unfterblidjen ©erntonen unb ©riefe mieberholft bit, ebler Siotner: Quid verum atque decens, curo et rogo et omnis in hoc sum. Sluf jebem ©latte: mag man treibt, bag treibe man recht! (Sbter Slönter, merbe ein fpanbbud) ber Jünglinge! ©prid) freitublid) gu ifmett in beitien ©ermonen, fdjreibe beine ©riefe in i^r P u 3 e beine Dbeit in ifjre ©eele." 3lud) oon ©eiten ber @efd)td)te müße ba8 Sefen ber Sitten erfprießlidj gemad)t merben. ©Ute unb böfe Diäten fpredjen in ifynen, falft^e ©runbfä^e unb gerechte, häßliche Saroen unb @efid)ter. Unfere 3 e 't rit f e fm ' n neuern ©eifpielett auf, fteHe fdjvedenbe unb tröftüche Slel)nlic^feiten auf. Die ©runbfctfje ber SSöIferregiernngen, ber Sieligion, 35Biffenfd)aften, ^anblunggmeifen, fünfte foKett git unferm ©eift unb bergen fpredjen unb unfern SSerftanb fd)ärfeit. Slber fo tjod) §erber bie ©tubieit beö claffifd)en Slltert^umg in unfern ©pntnafien fchäfete unb fo eitergifd) er gegen bie ©ieltljuerei unb Sleugier auftrat, unter melier £etbcr. 447 er bie oon bem 3 e **8 c *fte gcförberte 2$ielmifferei oerftanb, bie ifjre ^Befriedigung in bem Jrötelfram neumobifdjer ^Bildung fudjte, ebenfomenig oerfannte er, baß bie ©egcnmart and) Forderungen [teilte, bie über bie Kenntnis beS clafjifdjen SllterthumS hinauSgiengen. ®aS fdjreibenbe unb rebenbe Jahrhundert oerlange, baß voir unfere 3)1 utterfprad) e oernünftig reben nnb fdjreiben lernen, ©efd)id)te unb ©eograpljie b>ätte eine neue erweiterte ^Bedeutung getoonnen, ©eometrie unb Siaturlehrc biirfe auf feinem SectionSplane fehlen. Sr bad)te babei nid)t bloß an bie, bie fid) einft bem Studium ber SBiffenfdjaften auf llnioerfitäten mibmen tooHten, fonberu ^auptfäc^Lid) and) an bie= jenigen, bie bereinft ju praftifdjen 33erufSarten übergehend unmittelbar oen ber ©d)ule inS Heben eintreten looüten. Silier ßiel [ei, fid> ju tüdjtigen SJlenfdjen fürs He= ben auSjubilten, bie man braunen fönne, in toeldjer£l;ätigfeit eS and) immer fei. 3n einer befonbern Siece fprad) er über baS alte ®ictmn: Non scholae, sed vitae dis- cendum. Sr toar ein foldjer ÜDlann beS Hebens unb ber fprapiS, baß er mel)r als einmal geradezu üom ©tubiren abmal)nte. „ 3 u oiele wollen ftubiren, 51 t oiele 33ud)= ftabenmänner merben. 0 merbet @efd)äftSmänner, liebe Jünglinge, SDiänner in vielerlei @efd)ä[ten! ®ie 23ud)ftabenmäuner finb bie unglüdlid)ften oon allen, il)re Achtung nimmt ab, bie ber anbern ju. Jene toerben halb oerljungern mäßen. DJefymet ben 9Jieß= fatalog. Sie SJJlehrgahl ber 33üd)er I;at ber junger bictirt, Räubereien, ©treitfdjriften, SleoolutionSfdjriften lehrte ber junger bellen. SBecfet anbere ©aben, werbet gute 2Berf= leute, fpanbelSleute, Äünftler!" bß ^ 1 1 i p ß SB a cf er naget l)at in einer mit 9ted>t [epr anerfannten Schrift über ben Unterridjt in ber ÜDlutterfpradje (4. 33anb be§ beutfdjeu HefebitdjeS. 1842.) bargetljan, baß babei bie grammatifdje SD^et'ftobe nid)t angebrad)t [ei, mie bei einer freim ben ©pradje, fonberu baß bie EDlutterfpradje burd) tljre frifdje Unmittelbarfeit wirfen [olle, baß daher baS Sefen claffifdjer fDlufterftiicfe ben eigentlichen 9Jiittelpunct alles Unterridjtd bilben mäße. 31m Sdjluffe lägt SBadernagel IperberS Siebe „Oon ber Ausbildung ber Siebe itnb©prad)e infiinbern unb Jünglingen" ab= bruden, weil barin bereits bie mefentlidjften ©runbgebanfen einer gmedmäßigen 93ie= t^obe enthalten feien. Unb in ber Sh 11 ! enthält biefe Siebe nod) heute unfdjähbare ©ebanfen über ben Unterricht in ber 93lutterfprad)e unb bie Sinführung in unfere Literatur. „Sin Hefen mit S3erftanb unb §erj, fagt [perber, ein Hefen im Vertrage jeher 31rt unb neben ihm eigene Sompofitiou unb ein lauter lebendiger SSortrag berfelbcn, bieS ift bie ©djule, in meldjer bie Siebe ber SDlenfd)en gebildet itnb geübt miro; ihrer hüben fid) in ©riecfjenlanb unb Siom bie größeren, bie gefdjäftrcid)ften unb wic^tigfteu fDcäuner hod) hinauf bis in ihr Sllter nid)t gefc^ämt. ©ie haben fie angepriefen, biefe ©djule ntenfd)lid)er ©pradje unb Siebeübung, Slmoeifungen unb Siegeln in ihr gegeben, fie haben fid) wetteifernd um bie Sferootlfommnung ber ©gradje, ber Stimme, ber Siebe befleißigt. Stuf biefe SBeife tourben fie cultioirte Slationeit unb fdjrieben ihre Sultur ber Ausbildung ber ©pradje unb Siebe 511 .“ Berber wollte, baß baS S3efte, maS mir in unferer Literatur haben, in jeber moht eingerid)teten ©d)ule laut gelefen und gelehrt mürbe. Äein claf|ifdjer ®id)ter unb fßrofaijt foUte fein, an beffen beften ©teilen fid) nidit baS 0l)r, fc > e 3 un S e , ba S @ebäd)tniS, bie SinbilbungSfraft unb ber SSerftanb lehrbegieriger ©djüler gebildet hätte. Sr erinnerte fleißig daran, mie anbere gebildete -Kationen ihre beften ©djriftfteUer lefen unb gum großen ®h e ^ e nuSmenbig miffen. ®arum foUte fein ebteS S3ilb, feine große ®e= finnung, Aufmunterung unb Tarnung, menu eS mufterljaft gebadjt unb gefagt ift, bloß in unfern beutfdjen SSüdjern ftehen ober maculaturmeife in unfern 23ud)taben liegen, fonberu in ben ©dntlen foüte mie auf ber Senne baS fforn oon der Spreu gefidjtet, jedes ebetfte unb befte laut gelefen, auSmenbig gelernt, oon Jünglingen fid) gur Siegel gemacht unb in §er,g unb ©eele befeftigt merben. „®ieS laute Sefen, bieS auSmenbige SSortragen bildet nidjt nur bie ©djreibart, fonberu cS prägt formen ber ©ebanfen ein und toed't eigene ©ebanfen; eS giebt bem @emütl)e fyreube, ber fßhantafie Siahrung, bem bergen einen SSorgefdjmacf großer @efül)le unb ermeeft, wenn bieS bei uns möglich 448 •§crber. ift, einen DJationalc^avaftev." ä)tan fietjt, tt)ie audj fRub. b. SRaumer in feiner be= fannten 9lbl)anblung über ben beutfd)en Unterrid)t mit bem ©runbgebanfen (perberS mefentlid) jufammentrifft. SRädjft bem ?efen empfahl Berber angetegentlid) bie eigene 6ompofition, {(eine Sluffage bon allerlei 3lrt, SluSjüge aus 93üd)ern, t^eitS ftedenmeife, theitS nad) bem ganjen 5)3lane beS 93ud)e8. Kein ©ag fodte borübergehen, mo nicht ein 3üngüng für fid) felbft etmaS fdjreibt; er hole nur nadj, maS er bergcffen möchte, ober fe(3e fid) feine 3'oeifel auf ober berichtige biefelben, ober epcerpire ober componire, in meldjer Hebung eS and) fei. ©abei modte£. mitfRecf)t and) ber Kadigrapljie bie größte Slufmerffamfeit gemibtnet miffen. 68 ift befannt, mie in ber anfprud)8(ofen fRebe „bon ber 2lnnel>mlid)feit, 9Jü^lid)= feit unb 9iotl)menbigfeit ber @cograpl;ie" bereits bie ©runbjüge Der Sluffaffung ent» halten finb, burd) meldie Karl Witter ber neue ©djöpfer biefer 2Biffenfd)aft gemorbeu ift (ogl. b. Slrt. @eograpl)ie ©. 704.). gär £>erDer mar bie ©eographie fein btofeS trocfeneS SRamenSberjeidjniS oon £änbern, glüffen, ©renjen unb ©täbten. ©ie formen uttb93ilbungen ber 6rDe fodten in ihrer caufalen Sßejiefmng ju ber93ilbung unb ©efütung ber 93ölfer erfannt merben. 9lud) bie ©eographie fodte ben sensum humanitatis fd)ärfen burd) tieferes 93erftänbni8 beS üfpcftelmorteS: in 3l)iu leben, meben unb finb mir. @ott pat gemadtt, baff bon einem 931ut ader SRenfdien @efd)led)t auf bem ganjen 6rbboben mol)nen, unb I;at 3iel gefegt unb juoor berfehen, mie lang unb mie meit fie mo^nen fodeu. ©ie ade finb Kinber feines ©efdjledjtS. ©aber bad)te fp. fid) bie ©eographie nur in 93erbinbung mit 9Jaturgefd)id)te unb ber ^nftorie ber SSöffer. ©er Anfang fodte mit ber 9iaturgefd)idjte gemad)t merben, als ber nü|licfjften unb angenefimften Äinbergeograpfjie. „©er 6(epf;ant unb ©iger, baS Krofobil unb ber Söatfifd) interef» firen einen Knaben meit mehr, als bie Kurfürften beS heiligen röntifdjen fReidjS in ihren (permelinmänteln unb ^eljen; bie großen fRebolutioneu ber 6rbc unb beS ÜDieereS, bie 3$nlfane, bie 6bbe unb gtut, finb feinen 3aljren unb Kräften meit mehr angemeffen, als bie ißebanterie $u fRegettSburg." ©eographie ift 93afiS ber ©efd)id)te unb @efd)id)te nid)t8 als eine in 93emegung gefegte ©eographie ber 3eiten unb Golfer. 9Ber fie ber» achtet, fodte mie ber SRaulmurf nid)t über, fonbern unter Der 6rbe meinen. ®ie @e= fd)id)te ift baS 93ucfj ber fpauSlfaltung ©otteS, bie ©eographie ber ©djaupla£. ©ie ©efd)id)te unb il;re 23ebeutung für bie Sugenbilbung ju mürbigen mar bamalS niemanb befähigter als Sperber, ber burd) feine 3been jur iph^af 0 ^^ ber @efd)id)te ber 93 e= gritnber ber neuen culturl)iftorifd)en äBeltgefcf)id)te gemorben ift. ©ie 9Iritl)metif fodte burd) biel 9fed)nen, bie ©eometrie burd) biel 3eid)uen fruchtbar unb lebenbig gemadjt merben. ©ie le^tere fodte nid)t baS ©ebäd)tniS in Sinfprud) nehmen, fonbern bie 93emei8fraft, inbem bie ©d)üler geübt mürben, bie 93emetfe felbft ju erfinben. 2ln ade oberen 6laffen tnüße bie 3nfc()rift gefegt merDen: fRiemanb gehe ohne ©eometrie heraus. 2öie Berber bie alten ©pfteme ber Sljeologie befämpfte, fo trat er auch als die* formator beS ^Religionsunterrichts in ben ©pmnaften auf. 6r hielt ebenfomenig bon jener 6ompenbienbogmatif, mie bon bem trodenen äRoralifireit. ©ie ^Religion fodte im früheften Unterrid)te burdj Seifpiele flar gemad)t unb unterftü(3t merben. 3üng= linge fodten nid)t in bie tl)eologifd)e Kritif eingeführt merben, fonbern bon ben ©lau= benSmahrheiten beS 6hriftenthum8 ben 6inbrucf pofttiber ©emijfheit empfangen, bie auf bie heilige ©d)rift ju grünben fei. 3Bie eS hierbei fein ©treben mar, bem bogmatifd)en gortnaliSmuS neues Seben eiujuhaudjen, fo fämpfte er anbrerfeitS gegen bie neue 93e= geifterung für ben heibnifd)en Humanismus, bei ber man baS 6uangelium gering fd)äfjte. 953erfftätten beS heiligen ©eifteS fodten bie ©chulen fein, nicht ©empet beS 2lpodo, ber SRufen unb ber ©rajien. 6r hatte ein Semujjtfein babon, ba§ er auf einen fßoften geftedt mar, mo es galt, ber hereinbred)enben 93ermeltlichung beS .^eiligen entgegen ju mirfen. 93efonber8 am §erjen lag ihm baher baS ©tubiunt ber ©heologie, burd; bie Söriefe, bie er über baSfelbe herauSgab, modte er ben Sünglingen ein gül)rer fein. 6in SieblingS« £etber. 449 plan war e« ipnt, eine Sinridjtung am ©pmnafium gu treffen, burdj Welche bie £peo= logen ein 3apr tanger gurüdgepalten würben unb burdj Sorbitbung in ben aUge= meinen SBiffenfdjaften eine größere Steife für bie Unioerfität erlangten. 3n«befonbere wollte er fie baburdj fdjü^en »or ben ©efapren ber barbarifcpen Iritifdjen $pilofoppie, wie er fidj auSbrüdte, mit ihrem witben ©ewirr ber 3dj« + $Ridjt=3dj — idj 4 - mit 3dj, bie bie Stetigion a priori conftruiren wotte unb fo gur ©ecte füpre. Sei foffner Srfenntni« öon ben Mitteln unb Sieten böserer Silbung fiettte Berber nidjt geringe Slnforberungen an bie 8 e p r e r. (Sr beftagte e« tief, baff ba« 3tn= jepen be« Seprerftanbe« gum ©peil burdj eigene ©djulb gefunfen fei unb bemühte fidj baäfetbe in feber SSeife gu lieben. S« fdjmergte ipn, baff e« ben ©täbten an bern regten 3ntereffe für bie pflege i^ö^erer Silcungganftalten feple, ba ber Sürger= unb @emein= geift abpanben getommen fei unb bie Süter ber Stabt eS fiep nicpt mepr wie epebern pr (Stjre unb gum <5totg anredjneten, aüdj Säter ber ©djule gu fein. Son ben 8ep= rem »erlangte er, baff fie bie ©adje, bie fie teuren foEten, audj wirflidj gang wüßten; »or aEem aber foEten fidj aüe burdj ba« ©efüpl be« ©emeingeifte« »erbunben wiffen, bei bem ein feber mit Eingebung bem gemeinen Seften biene nnb jeber für fein ©peil für bie gutegama be« ©angeit forge. Seprer unb Spüler tragen für bie 3ntegrität be8 ©angen fotibarifdje Serantwortlicpfeit. ®en Spülern rief er gu: 2Bie ber ©olbat bie gapne feine« Regiment« t>oc^£)ält, fo feber ben guten -Kamen feiner Stoffe. ®ie Seffern müßen bie Dberpanb paben. — StuSgepenb öon bem SOSorte Suöenal« Maxima debetur puero reverentia fpradj. er einmal in ernfter Stete »on ber ©djeu unb 3ldp= tung, bie Seprer ipren ©djütern unb Sltern ipren tinbern fdjulbig finb. Seber Sr= gteper ntüße bei feinen Solingen ein lebhafte« ©efüpl »orauSfegeit »on bem, Wa8 »or ober mit ipnen gefdjiept. ©er Seprer tjiite fic^, ba« Sprgefüpl burdj ©djettworte abgu= ftumpfen unb gu beleibigen, er püte fidj irgenb einem Unredjt gu tpun burd) Sigenftnn, mürrifdje Saune ober »orfdjiteEen ©tauben an eine ipm gugelommene böfe Stac^rebe; ooraEemaberoergeffeernie, baß tnaben unb 3üitglinge bie Sitten, Dfeben unb ©eberben, bie fie täglidj »or fid; fepen, unausbleiblich annepmen, gumal Wenn biefetben fid^ burdj ba8 Stnfepen eines Sater« ober Seprer« empfehlen, ©o fepr Berber aEer weiten ©djtaff= beit unb weifen ©elinbigfeit feinb war, fo feft war er bodj auch übergeugt, baß ba« fperg berSugenb eingig baburd) gewonnen unb geteuft werbe, Wenn man if)r ein »äter= liebe«, freunbfdjaftlicpe«, woblnteinenbe«, unoerbreffen reblicbe« fperg geige. 3lm meiften fühlte er fid; »on ben ©runbfapen angegogen, bie ©eßner in feiner 3fagoge in bem Irtifel de educatione entwidelt. Sei feiner gangen fittüdjen 9fati.tr erfaßte Berber aEe Aufgabe ber 3 ud>t unb Srgiepung mit heiligem fittlidjem Srnft. Sr »eraeptete eine wiffenfepafttidje Silbung, burd; weldje Die ©efinnung nidjt »erebelt werbe, al« tobten ®ebädjtni«fram. Sin guter topf bei fdjledjtem fpergen war ihm wie ein ©empel bei einer SSKcrbergrube, S33iffen= fdjaft ohne Srgiehung wie eine $erle im totp. Sben fo ftrafenb unb mapnenb, wie bittenb unb befdjwörenb rief er ben ©djütern ba« SSort be8 heiligen ©änger« gu: „Sie SÖSeiSpeit fomrnt nid)t in eine boSpaftige ©eete unb wopnet nidjt in einem Seibe ber ©ünbe unterworfen." Snbrünftig betete er: „ffepre ©eift ©otteS gurücf, ©eift ber alten unb älteften Seiten, at« bie Sßeisp.eit nocp Uebung, ba8 Sernen nodj SÜSeiSpeit War." ©ie fittlidjen ©djäcen feine« Seitatter« giengen ipm tief gu bergen, ©einem geit= unb weltfunbigen Süde fonnte e« niept »erborgen bleiben, wie bie Sprbarfeit guter unb ftrenger ©itten immer mepr abnapm, wie bie Srgiepung in ben Käufern »onSapr gu 3apr reidjer unb üppiger würbe, wie fidp aEe« unter ben äußern ©lang ber 9trtig= feit, §öftiade, gehörte einer au§ granfreid) eingetoanberten gamilie an. ®en erften Unterricht erhielt er oon Dritter, einem gefd;eiben, aber tounberlidjen Kanne, ber tS nid)t oerftanb, ihn ju bänbigen unb bie Suft gum Semen in ihm gu »eden. ©tatt fidj mit ben Vüdjern ahgugehen, tummelte er ftd) lieber in »ilben Änabenfpielen h«um nnb »ar feft entfd)Ioffen, fidj bem Kilitärbienfte gu »ibmen. @o »ar er g»olf Saljre alt geworben, als er bem Seljrer anoertraut »urbe, bem eS gelang, ihn gu gügeln unb auf bie rechte Sahn gu leiten. @S »ar bieS Äarl ©aoib 3Igen,**) ein Kann, ber burch feine grünbliche, auSgebreitete ©elehrfamfeit, feine hohe ©eftalt, feine bebeutenben ©efidjtSgüge unb fein ernfteS, beftimmteS VSefett fid) überall ©eltung unb Slnfehen oer= fdjaffte. Ger forberte bon bem Änaben unbebingten ©ehorfant unb angeftrengte Slrheit unb brachte eS auch burd) fein fefteS, confequenteS Auftreten halb baljin, baß berfelbe ftd) bon bem bisherigen ©piele ab unb bem Sernett gmoanbte. ***) Vieles trieben fie nicht mit einanber; im @ried)ifd)en lafen fte in g»ei 3al)ren g»ei Kapitel aus 3tenopIjonS Kemorabiliett unb hier Vüdjer ber 3lia8; bagegen »urbe bie SBißhegierbe beS Knaben auf jebe Söeife gereigt: er mußte felbft fud)en unb finben, fid) bon adern Diedjenfdjaft geben unb bie ©rünbe für unb »iber forgfältig erwägen. Unb ba 3lgen bie greube bemerfte, bie fein ©d)üler an ber griedjifdjen Siteratur hatte, fo fcf)enfte er ihm ÄöljlerS Ausgabe beS tphntnuS auf Slpodo, mit ber ülufforberuitg, bie Unridjtigfeiten, bie fich barin fänben, gu oerbeffern. Id mihi, heißt eS bor ben Act. soc. gr., primum artis eritieae rudimentum fuit, puerile sane et levissimum, sed tarnen a quo proficiscerer ad meliora et graviora. Ham ab illo hymno ad reliquos hymnos progrediebar, et *) Senüpt »urbeu befonberS: @. ©ermann. Sine ©ebädhtniSrebe bon Otto Sahn. @e= halten am 28. Januar 1849 in ber afabemifchen Slttla gu Seipgtg. — ©. Hermann« päbagogifcher Stnfluß. Sin Beitrag gttr (iharafterifti! beS altctaffifeßen ©umomften, bon Dr. SC. gr. Slmei®, 1850. — 3nr Srinnerung an <3. ©ermann bon S. ißlatner, Beitßhrift für bie SSUtertljumSWif* fenfcfjaft, 1849. **) deber SIgen (ge6. b. 26. gebt. 1 763, gefl. b. 17. ©ept. 1834) f. ffraftfl Vita Ilgenii unb ba® tödliche Vüd)lein: Slgeniana. Srinnernngett an D. &. ©, Stgen, SRector ber ©djule gu Pforte, insbefottbere an beffett 'Heben in Srbolungäftunben. Sitte Heine Stnetbo teuf amt» luttg bon 255. 97. ***) Aetatis anno duodecimo traditus sum disciplinae C. D. Ilgenii, viri docti, ingeniosi, strenui, severi, atque adeo interdum asperi, sed plane ad formandos adolescentes nati, quod idem ingenuns, jnstus, aequus, et proficientem ex animo atnans erat . . , Is igitur, quum me puerum magna voce graviter increparet, brevi tempore ex ignavissimo fecit diligentissimum. Act. soc. gr. 1, p. 6. Hermann, (S. 451 quamvis rudis illa et plena inscitiae opera esset, tarnen, quum idemtidem illuc rediissem saepiusque retraotassem istas adnotationes, dignas eas habuit Ilgenius, quum ipse hymnos Homericos edebat, quas sibi commodari vellet, meminique fuisse, ubi aliquid ex iis adsciseerct. 9?ctd) gvoei Sauren tyatte §. fold)e gortfdjritte gemadtt, baß er, auSgerüftet mit foliten Äenntniffcn in ben alten ©praßen nnb geioBfynt, fdtjarf ju benteit nnb nor feiner ©djtoicrigfeit äurütfjufdireden, bic Unioerfität bejiefyen fonnte (1786). ©eine Gütern tottnfdjten, bajj er SuriSprubenj ftubire; er fyürte aud) bie bafyin einfdjlagenben Goflegien, allein feine Steigung gog ii)n 3 U ber SnterttyumStoiffenfdjaft, nnb cnblid) erhielt er, wenn gteid; nicht oljne große 9Jiül)e, non feinem SBater bie ®r= laubntS, ganj ber -Philologie 31 t leben. SSon nun an loar eS grtebrid) SSBoIfgang 9t ei 3 , ber auf .jp. in tniffenfdjaftlidjer unb fittlidjer ^infidjt ben entfd)iebenften Einfluß aus» übte.*) Sludge 3 cid;net bnrdj ein reines, lauteres, frommes ©emütp, fotoie burcf) ein genaues, pracifeS, ftetS auf gemiffenl)after fßrüfung berupenbeS SSMffen, mürbe er beS reid)begabten jungen ÜJianncS Seljrer unb uid)t nur in feinen burd) ben Karen SSortrag unb bie ganse ÜDfetljebe mufter^aftenSSorlefungen, fonbern and) im oertrauten pänSlidjen Serfepr mar er ooqugSmeife geeignet, baS in il;m auSsubitben, maS unter aitbern Um» ftänben oieüeidjt meniger entmiefett morben märe, ©emt fortmaljrenb pielt er ben raft» loS SSormartSftrebenben an, nad; ben ©rünben jeber Erfdjeinung 3 U fragen unb aud} bem Eit^elnen unb ©eringen bie aufmerffamfte ©orgfalt 3 U 3 umenben: ein SBemüpen, baS um fo meniger oergeblid) fein fonnte, als er, felbft p^ilofop^ifd) griinblid) gebilbet, baS 93ebürfni8 feines ©djülerS nad) rationaler (Ert'enntniS trefflid) 3 U befriebigen mußte. Stehen 9 tet 3 , bei bem er Sorlefungen über ©rammatif, SDtetril, 91efd)pIuS, SlriftopfyaueS, IriftoteleS, bie 23ufolifer unb ißlautuS, alfo über biefelben ©iSciplinen unb ©djriftfteHer horte, bie fpaterpin jum größten Ereile ben SDtittelpanct feiner ©tubien bilbeten, patte $. nod) 3 U Servern in ber ^ßfjilologic bie beiben Sruefti nnb Sfyr. ©an. 23etf, bie ihn aber nicfjt tocfentlidj förberten. Sbenfc menig genügten ihm bie pfülofoppift^en SSorträge SafarS unb ißlatnerS. Sei bem legieren feßrieb er 3 mar eifrig, aber nur, um 3 U mi= berlegen, maS eben borgetragen mürbe, ©urdj einen 3 u f fl ö Kimen ilpn bie ©djriften beS ÄönigSberger ißljilofopljen in bie Ipänbe. Yalde alienus eram, fagt er in ben Act. soc. gr., a philosophia, quamvis adirem scholas philosophorum, quum forte in mentem venit dissertationem scribere de sublimitate, quam ad disceptandum proponerem iu eoetu juveuum, qui disputaudo exercebamur praeside Chr. D. Beckio. Dum cogito quid esset sublime, tangit animum memoria Longini, cujus librum tarnen non legeram, et ne possidebam quidem. Statim emo. Ubi aperio, vidco Longinum quid sit sublime ut ab Caecilio satis explieatum praeterire. Indignor: lego tarnen librum, sed nihilo magis quod quaerebam invenio. Conquiro alios auctores, quos de sublimi scripsisse audio: lego hos quoque: nullus satisfacit. Tum forte dieit mihi amicus quidam, exposuisse de illa re etiam J. Kantium in eo libro, quem fecerit de facultate judicandi aesthetica, sed eum intelligi non posse nisi perlecto illo, qui sit de ratione practica, hunc autem rursum non, nisi probe *) Ex Ilgenii disciplina admissus sum ad Fv. V. Keizium, virum ut probitate, ita doctrina ingenioque incomparabilem, quo quod praeceptore uti mihi contigit, in summa, felicitate deputo. Is quantus vir fuerit, illi modo sciunt, qui eo usi sunt familiarius. Nam saepenumero fama matrem habet vanitatem, virtutem novercam. Iucredibilis in ec viro doctrina erat atque eruditio, sed latebat, quia omnia accuratissime eoque etiam diutissime tantoque diutius pervestigabat, quanto natura alienior a celeritate erat .... Quum esset judicio acutissimo, animo autem ab omni prava cupiditate libero, tantus apud eum honos erat veritatis tantaque sanctitas, ut non putem veri incorruptiorem aut investigatorem aut arbitrum posse inveniri . . . Erat autem modestissimus atque a glo- riae et admirationis affectatione plane vaeuus, ut non minus properaret confiteri si er- rasset, quam gauderet probare quod alios et vel discipulos suos recte atque rectius quam sese perspexisse intelligeret. Act. soc. gr. 1, p. 7 sqq. 452 .§enttarnt, ©. cognito illo, in quo sit de pura ratione explicatum. Longum iter esse videbam, sed nihil deterritus continuo emo librum illum, qui est de ratione pura. Quem simulatque domum e libraria apportavi, legere coepi avidissime. Ubi perlegeram quae de spatio ac tempore scripta sunt, videbantur illa esse falsissima, conseripsi- que statim quibus ea refutarem. Quum pergerem in legendo, vidi redeundum mihi esse ad ea, quae jam legeram. Eelegi igitur, et delevi partem refutationis meae: relegi iterum iterumque et delevi aliam atque aliam partem: intra paucos dies tota deleta erat refutatio. Tum vero sensi qualis quantusque ille vir esset, legique ethuno librum et caeteros studiosissime. 53o(I Segter, bie Sel)re fceg großen gftarineS genauer fennen 3 U lernen, gieng er nun nad) 3ena 3 U 9teinf)olb, nad)bent er am 17. Dct. 1793 über feine ülbhanblung de fundamento juris puniendi (Opuscc. 1 ) öffentlid) biSputirt hatte. (Sin halbes 3al)r lang fcefdjäftigte er fid) bort augfdjließlid5 mit betn ©tubium ber Stantifd^en (Philofophie, ol)ne inbeS bie Srmartitng, bie er oen 9 ieinl)olb gehegt, erfüllt 3 U feigen. 9fad) £eipjig jurüdgefehrt, l^abilitirte er firf» am 18. Dct. 1794 burd) bie Sertfyeibignng feiner Sbfianblung de poeseos generibus (Opuscc. 1), unb im folgenben 3al)re eröffnete er feine Sorlefungen über fantS Äritil unb beS ©opI)olleS Sintigone. Der 33eifatl, ben er fid) ertoarb, mar ein fo allgemeiner, baff ihm fd)on 1797 eine außerorbeutlidje ißrofeffur übertragen mürbe, meld)e er am 28. 9 Mrj 1798 •— fein 93ater mar furg 3 uüor geftorben — mit einer lateinifdjen 9iebe auf 9leij antrat. S3ier 3al)re nad)I)er marb iljm baS 9iectorat in ©djulpforte angebo= ten; er mar aber überzeugt, baff er Ifieju gang unb gar nidjt tauge, unb empfahl als ben regten SJiann feinen ehemaligen 2et)rer 31gen. Sbenfo lehnte er einen 9(uf nad) Äiel ab, morauf er (1803) orbentlic^er (ßrofeffor ber 33erebfamfeit, feit 1809 and) ber ißoefie mürbe. Später fdjlng er nod) einen 9fuf an bie eben gegrünbete Unioerfität 33erliit aus. Sr hatte an ^ipjig, 1130 er geboren unb erjogett morben mar, eine folche Slnhanglidjfeit, baß er fid; nidjt entfdjließen fonnte, eS jn 0 erlaffen. ©elbft größere 9ieifen unternahm er nur feiten, jmei inbie©d)meij 1815 unb 25, mo er oor= nehmlid) in 3üt'ibörer gegeben hatten, banfte er in einem lateinifch gefchriebeneu Slnfdjlage, „quod vocem dolor esset praepediturus. 1 * **) @. 91eue Sahrbüiher für IfJhtlologie unb ißäbagogif, 1840, SB. 30, 4. $eft, mo ba« geft ausführlich befthrtebett ifi. §etmamt, ©. 453 95erfd)iebeuheiten ber Beit« 1 , bcr S3ölfer, ber ©tilgattungen, ber Snbioibualität ber ©d)riftfteller bebingt werben, tjatte matt burdjaud feine flaren Bestellungen; SKipfe, fßteonadmud, SnaÜage fpielten eine große fllolle; bie fo wichtigen -ßartifeln*) mürben als res expletivae et otiosae faum bead)tet. [p. [teilte guerft für bie ©rammati! bie beftimmte gorberung einer felbftänbigen, in fid) Icgifdj georbneten 9Biffenfdjaft, oerlangte nid)t bloße Slnfammlung üon £l)atfad)en, fonbern richtige ^Deutung nnb Srflärung berfelben, oernidjtete burd) eine fe^arfe Äritif hergebrachte, tief eingewurgelte Srrtl) inner, unb fiyirte burd) bie [orgfältigftc, feinfte Beobachtung bed einzelnen neue Regeln nnb ©efe^e. SDie ©djrift, in ber er fein fßrincip guevft unb am mciften barlegte, führt ben Jitel: De emendanda ratione graecae grammaticae pars prima (1801) unb ift nicht ooüenbet, oieüeidjt infolge ber an il)n ergangenen Slufforberung, bad 93ud) bed Biger de praeeipuis graecae dictionis idiotismis git bearbeiten (1802.) SDtag bem fein Wie ihm mit!, fo oiel ift gewiß, baß [permann gleid) burd) biefe beiten SBertc, namentlich bitrd) bad letztere, einen gewaltigen Sinfluß audgeübt hat, unb gwar nidjt bloß auf bie •ßrofauphilologie, fonbern, Wie bied g. 93. 9Biner in feiner ©rammatif bed neutefta» mentlidjen ©pradjibiontd anerfennt, aud) auf bie biblifdje (Syegefe, wenn gleid) manche Theologen oon ben gegebenen ülufftärungen lange B elt feine SlJotij nahmen, fontern fortwährenb eine ©rflärungdweife befolgten, öon ber ed im Biger p. 786 cd. 4 heißt: meminerint tirones, illam interpretandi rationem, qua nonnulli tlieologorum utun- tur , nihil esse nisi blasphemiam. ®urd) bie eifrige Befd)aftiguug mit ber ©pradje unb burd) bie Sßürbigung bed Sünftlerifdfen in berfelben mußte §. notl)Wenbig auf bie SJfetrif geführt werten, unt aud) hier hat er mit genialer Äül)nl)eit Bahn-gebrodjen. S)enn feitbem Benttet), „ber ben flihpthmud her Sitten fo gut oerftanb wie ihre Sprache, aber wie ein ®id)ter nur fagte, Wad er fühlte,“**) in feinem axsSiaa/ia de metris Terentianis einige fßuncte ber SOcetrif überhaupt unb ber teren^ifdpeit -ßrofobie unb ÜDletrif indbefonbere bargelegt hatte, war man nid)t nur nid)t weiter gelommen, fonbern ed Waren fogar in mandjer [pin» fid)t fffüdfdjritte gethan worben, ©elbft 9feig, ber feine große Bereitung Sentlep’d auf feinen ©dptler übertrug unb il)n gu ntctrifdjen ©tubien anregte, War, ba er bie Berfe mehr mit ben Ringern abgäl)lte, ald nach hem @el)ör beitrtheilte, metri studio- sior quam peritior. ***) [p. führte aud, Wad Beutlet) anbern gu entwideln überlaffen hatte. Begabt mit einem feinen ntufifalifdjen ©eher, burd)forfd)te er bad gange ©ebiet ber alten fPoefie, beftimmte, ohne fid) um bie £l) eor i e her alteu ©rammatifer gu fümmern, bad Boefen bed 3ft)thmud, erflärte bie einzelnen SDiaße, ihren ©ebraud), ihre ©ruppirung gu ©trophen, bie üfefponßon ber ©trophen, unb geigte auf eine überrafd)enbe BBeife, wie in ber metrifd)en Sunft ber ©riedjen nnb 9iömer überall neben ber größten Freiheit bie größte ©efehmäßigfeit I)errfd)e.f) ©d)on in ber ©d)rift de metris poetarum graec. et rom. lib. 8 (1796) [teilte er fein ©ebäube mit fidjerer [panb fertig hin, unb fort unb fort feilte er an biefer Aufgabe feines Sehend. 1799 ließ er bad £>anbbud) ber fOtetrif er» fdjeineu, 1816 bie elementa doctrinae metricae, 1818 bie epitome doctr. metr., ber *) Tempora verborum, modi, formae gentium vel aevorum vel scribendi generum di- versitate diseretae, particulae, quarum vis explicatu difficillima est, sed maximum ad justam interpretationem momentum habet, baec omnia spissis tenebris involuta mirisque perturbata erroribns inveniebam. Act. soc. gr. 1, p. 12. Sgl. außerbem de emend. rat. p. 122 sqq. unb in ütumpel« ©afitdlebre ben 9Ibfdf;uitt über bie bifiorifcf;e®ntmicf(ung ber ©rammatif. **) §anbbnd) ber SJtetrif p. 5. Sgl. auch: De R. Bentlejo ejusque editione Terentii, Opuscc. 2. ***) Praefat. ad Plauti Trin. p. 8. f) ißorfon, ber berühmte englifcpe Äritifer, fang feiner Beit im Mus. Crit. Cantabr. Nrjtäsg ^ozs fMtzgcov, m Tevzovss' ov% 6 fiiv, og S’ov' Ildvzss, TtXijv "Egfiuvvog. 454 •Hermann, ©. Stfenge einzelner metrifdjer Beobachtungen gar nicht ju gebenfcn, tote in fernen 2lugga-- 6en unb Slbhanblungen jerftrent fiub. Bon bem Ipanbbud; oerbient überbieg noch her« »orgehoben ju Werben, baß eg ben metrifdjeu ©tubien and) in Weitern Streifen Bend)« tung oerfdjafft l;at, wie benn ©Btlje, bamalg mit ber 2Id)illeig unb ber fpelena befdjäf« tigt, bei einem Befuge im 3at)re 1800 £. fogar aufforberte, eine beutfd;e SJtetrit ju fd^reiben. 3hre praftifdfe Bewährung fanben bic fpradflidjen unb uietrifdjen ©tubien §.’g an ber Behanblnng ber alten ©dp'iftfteUev, nantenttid; ber Sichter; benn biefen galt, wenn man Oon ber ‘’JSoetif beg 3lriftoteleg (1'802), bem Seyifon beg Beding (1808) unb bem Sracott de metris poeticis (1812) abfieht, faft burdjaug feine literarifche Shätig« feit. Balb nad; ber ©djrift de metris führte er feine 2litfid)ten praftifd) an ißinbar buvd) (1789), ba §et)ne, mit grammatifdjer unb metrifd)er Sritif eben nid)t oertraut, ihn erfud)t hatte, biefelbe ju üben. 9fmt traten bie früher oöllig nnmetrifch abgetheil« ten Berfe beg großen Stp'iferg jum erftentnal in ihrer §errlid)feit l;eroor, unb burch bie Ülbhanblung über ben Sialeft beg Sid)terg unb bie beigefügten, an geiftooUen @meu= bationen reichen, flöten war and; ber Seytegfritif ein ganj neuer B3eg Oorgejeidfnet. *) s 4ußcr bem Bi^bar oerbauten bie greunbe beg SJIterthumg bem gleiße unb ©dfarffiitne §.g nodj folgenbe Bearbeitungen antiter SidjterWerfc: beg 2lriftohh«neg Boolfen (1799, ed. sec. 1830), bie Orphica (1805), bie homerifdien Ruinen (1806), ben ©ophofleg (1817 ff.), 13 ©tiide beg ©itrifoibeg (1800 ff.), ben Biou unb Btofdjug (feine te( 3 te Arbeit), unb beg Btautug**) Sriuummug (1800) unb Bacd;ibeg (1845). Sie £>eraug= gäbe beg bereitg 1799 burdt bie (Sumeuiben augefilnbigteu Slefchhlug, feineg Bieblingg, jit bem er immer wieber jurüdfebrte, in bem er fidj nie ©eniige thuu tonnte, legte er wenige Sage oor feinem Sobe in bie |)aub feiueg ©d)ülerg unb Sod)termauneg fpaußt, ber ihn 1852 ber Deffenttidffeit übergab. 3u alteu biefen SBerten, bie reich finb an ben fd)ä(}barfteu Bewertungen unb j. Sh- mit bödjft lefengwerthen Borreben augge= ftattet, bominirt bag trüifche Btoment. 9ticht atg ob bp. geglaubt hätte, mit ber Äritif fei aHeg abgethan; im ©egeutlfeil, er hat eg mehr alg einmal auggeffsrod^eu, baß nur Stritit unb Gcyegefe jufammen ein redfteg Berftänbnig einer alten ©ihrift geben. '***) 2tber Wag ißn oorjüglid) iutereffirte, war bod; bie fpradjlidje ©eite, Waren ingbefonbere foldje Bartien ber Stntoreu, bie aug irgenb einem ©ruitbe ber Teilung bebnrften; unb hier t)at er aud) in fehr oielen gällen feinen Slolerblid auf bag glänjenbfte bewährt. Uebri= geng War feine Äritif eine wefentlidj bioinatorifdje. §atte er fid; einmal in einen ©dfrift« *) Ser bvitte Banb beg §ehuefd)en Binbar enthält Oon Hermann: Diss. 1 de metris Pin- dari. Diss. 2 de mensura rliytlnnica. Diss. 3 de dialecto Pindari. Diss. i Notae ad Piiidarum. **) ältit Blaittug batte ihn bereitg Dt’eij Oertobt. „Sllg er einmal ein Buch fud)te, Wobei ich ihm leuchtete, Waren wir an ein Bücherbrett gefommen, bag biele Üluggaben beg B'lautug enthielt. Sa blieb er ftel;en unb ffn-ad): bag fotl 3t;re Braut [ein, mit ber oertobe id) @ie hiermit förmlich unb ber fotlen Sie treu bleiben." @. Serhanblungen ber fiebettten Berfammtung beutfdjer Bhi* lologen unb Schulmänner in Sregben, 1845.. ***) @. Opuscc. 6., p. 12. „Sie archäologifdfe ©dfute fucht bag Berftehen ber ©chrift* fteller faft allein in ber ©rörterung ber gefchichtlichen, antiguarifcbeu, mbthotogifcheu unb arti* ftifchcn Bejahungen; bag aber, worin hoch gewiß jeber Unbefangene juerft biefeg Berjlehen fehen wirb, bag Berftänbnig ber SBorte, beg ©imteg beg 3 u famme n hcmgg ber ©ebanfen, ftettt fee nach- Sag ift bemt aber augenfcheintid) eine nicht geringere ©iufeitigfeit, atg bie ber bloßen ©pracbgelebrten, Welche alle«, außer Wag jur ©pradje gehört, unberüdftchtigt taffen. 9iur beibeg jufantmen, mit gleicher ©rünbtichfeit unb Borfid;t bebanbelt, unb frei gehalten oon Beimifchuug grunbtofer §bpothe[en unb nicht jur ©ache gehöriger Singe, fann eine wirtlich richtige ffirtlärung unb Wahreg Berftänbnig einer alten Schrift geben." ©g war atfo Wenigßeng nicht im ©inne beg lüteifierg, wenn etwa einzelne feiner Siinger in ben ©pntnafien über ber grammatif ift bie Art unb VSeife, Wie er fid) an ber §omerfrage betheiligte. Sie hiftorifd)en tluterfudjungen, bie iu SBolfS Ißrolegomena ben größten 9taum ein» nehmen, ließ er faßt gang bei ©eite. ^Dagegen madjte er auf bie Verfdjiebenheit in ber UDiction unb ben 9fht)thmen, auf bie SBiberfprüdje, bie Diadjahtnungen unb weiteren Ausführungen aufmerlfam unb fud)te oon biefem f)3uncte aus, wie fpater Siadjmann, baS Urfpriinglidje aufjufittben.t) Vier etwa baran jweifeln möchte, baß audjaufbem *) Praefat. ad Plaut. Baccli. p. 6. **) @. bie Vorrebe ju: lieber .£>errn Prof. VBcfh’8 Vehanblung ber griecbifchen Snfcöriften oon ©. Hermann, 1826. — 3afm a. a. £>. ©. 15: ®aß auch attbere ©eiten beS AlterthumS ber gorfchung wiirbig feien, läugnete er nicht, aber theils fab er hier nur bie SRefultate ber fprach* liehen gorfchung, tbeils WoHte er ben Unterfchieb jwifchen Vhil°l°9i e un b ®efe feiner ©d)riften mir and} immer in bie fanb nehmen mögen, nirgenbS finben mir eine bif= fufe ©etehrfamfeit, ein bloßeg Quinten mit ©taten, ein rage§ f in« unb ferreben. ,,SSieI= meßr üben alle baburd) einen eigentümlichen 9feig aus, baß er mit genialer Seidjtig« feit ben ©toff beherrfdjt, baß er überall auf eigenen gitßen fteht, baß man in bem ganzen ©ebanfengaitge ben felbftänbigeit ©)eitfer gemährt. @§ ift nidjt bloß bie 39e= ftimmtheit, Slarheit unb ©onfequeng ber begriffe, bag feine £>h r für bie @igenl;eiten ber ©pradje unb ihre Unterfdjiebe, eg ift bie originelle 23chanblunggart ber SBiffenfdjaft, metdje berfelben einen neuen Sluffdpoung gegeben unb ein frifdjeg fieben in ihr er« medt hot.“ *) 233er f. nur auS feinen ©diriften lennt, befi^t gmar im gangen fein unridj« tigeö 33ilb Don ihm, aber ben Dollen ©nbrud gab bod; erft feine -Perfönlichleit. **) ®ag äeidjnete eben f. aug, baß er eine bebeutenbe iperfönlid)leit — baß er ebenfo fehl" ber große föienfd) alg ber große ©eiehrte mar. 5) ah er mar fein (Einfluß alg Selfter fo bebeutenb, feine Sinmirfung auf feine ©dfüler fo begeifternb. 223ag er Dor allem. Don bem Seljrer »erlangte, baß er ben 2ßeg nttb bie fOfethobe bitrdi Sehre unb 23ei= fpiet geige unb feinen ©djülern Siebe gur SBiffeitfdjaft einflöße, biefe beiben fforbe« rnngen erfüllte er felbft auf bag gtängenbfte. (Sr tag in beutfdjer ©pradje über ^ßoetif, Äritif unb fermencutif, ®ncp!topäbie ber ^ß^itolcgie, fcenifdje SHtertßümer, Sftetrif, gried)ifd)e ©pntap, griedpfdje Siteraturgefd)id)te, IDipthologie; in lateinifdjer überfeiner, bie ©ragifer, 2lriftophaneg, fßinbar, bie 23ufoli!cr, fßtautug, feiten über fßrofaifer, im 233interfemefter 18 33 / 3 4 3 . 23. über ©hucpbibeg. 2ßenn ber Heine, magere ffftann mit bem rafdjen ©ange, ben blifcenben 21 ugen, ben ©tiefein unb ©poren — benn bie trug er feit feinen ©tubentenjal)ren ben gangen ©ag über — bie 23egrüßung ber 3uhörer freunblid) ermibertib, bag Äatheber beftiegen unb mit ber Slnrebe: commilitones huma- nissimi***) begonnen! hatte, ba gab eg gar mandjeg gn bemunbern: fein auggegeidjneteS ©ebädjtnig, bie Sebenbigleit unb fprifdje feines 23ortragg,f) bie ÜDieifterfdjaft, montit er bie lateinifdjc ©pra^e hanbhabte nnb auch ntoberne Segriffe in ein antifeg ©emanb Homeri, Opusoc. 5. lieber fefiob, über ben fermamt ähnliche Unterfuchuttgeit anftellte, »gl. amh noä) bie Sftecenfton ber ©Bttlingifcpen 21u8gabe, Opuscc. 6. *) Sorte Ißlatncr« a. a. SD. **) ®. Sapn ©. 23 ff. ***) einmal falle’fcbe ©tubenten, bie Sftiipen auf bem Äopfe, fein Äatpeber umflanbeit, begann er: Commilitones pileati et non pileati, rügte bie Unart in träftigem Satein unb fd;loß mit ben SBortcn: Sed a barbaris redeamus ad Graecos. f) Sobed in ber SSorrebe gum 2lja8: Libere profitebor quod sentio: inter eos, qui me adolescente claruerunt, philologos baud paucos esse, quos mihi anteponam, sed eorum nullum Hermanni in arte critica perfeetionem, in grammaticarum rerum quaestionibus subtilitatem, in dicendo vigorem claroremque mihi adaequare videri. •jiermamt, ©. 457 flcibete,*) feie tiefe (ämpfinbung für baS ©d)Bne in ben fß^t^nten, bie er beim Sefeit einer Dbe fßinbarS ober eines tragifd)en (5I;oreS beurtunbete, bie claffifdje Urbanität, mit ber er polemifirte. **) ®a 8 fpauptgemidjt legte er auf bie 33efyanblung ber ©d)rift= fieder. 2 Bie er im einjelnen »erfuhr, fdnlbert 3 al;n trefflid) unb ber SÜSa^r^eit gemäß affo: „®a 8 med)anifd)e VerftänbitiS fejäte er »erauS, ober beutete eS in fcfymierigen gäden fitrj ari, hielt aber öor adern barauf, baß man ftets ftrenge bem Oebanfengang beS ©d)riftfteder 8 folge unb ben eigentf)ümtid)en SluSbrud beSfetben Har erlernte, maS, alpte baß er »iel SBorte barüber madite, mie unoernterft aus ber ganjen SefianblungS= art tjeroorgieng. ©o fdjritt bie Gtrflärung in einem bluffe fort, nur ba, mo eS nottyig mar, Ipelt er au, um auSflifyrlidje (Erläuterung ober Verheffermtg einer fdjmierigett ©tede ju geben, unb lehrte fo burd) bie S©bjat, ftets nur auf bie ©adje 31 t fefjen unb baS 33eimerl nid)t jur |jaubtfad)e ju madjen. SBenn er bann eine fdjmierige ©tede auSfüljrlid) be^anbette, mar eS ein maljrer @enuß 31 t fe^en, mit metdjer SUarljeit unb ©djärfe er ben gfeljler auf= bedte, nadjmieS, ma§ bem ßufammen^ange gemäß gejagt fein müße, unb bann toie im $Ii( 3 e baS jftidjtige ober jebenfadS baS @d)öne unb ipaffenbe fanb; baS adeS mit einer ?ebfyaf= tigfeit, traft unb Gtlegang beS Vortrags, baß baS ,3Bort beS alten 3)id)ter8 and) «ott ihm gilt: Sie rafdje ißeitho thronte auf ben Sippen ihm, ja, er bejaitberte ben §Brer unb allein ließ er ben ©tacf)el in ber ©eele ihm jurftcf." SBodte fetnanb 3 U fp. in ein näheres Verhältnis treten, als bicS burd; ben 33efud) ber (Sodegien möglich toar, 1° War d?™ ^iegit burd) bie ©ljei(uat)me an einer ber ®e= fcdfd)aften, benen er oorftanb, ©elegenheit gegeben. ©leid) beim SSeginn feiner afabe= mifd)en Sijätigfeit Imtte er Hebungen fotooljl im ?ateinifd) ©djreiben unb QbiSputiren (1795), als in ber 33ehanbluug ber alten ©d)riftfteder (1796) angefünbigt. ©eljr halb crmud )8 hieraus eine ©efedfdjaft, metd)e fid) anfangs bie pI)iIologifd)e (1801), fpäter bie griedjifdte nannte (1805), als meld)e fie eine über ®eutfd)Ianb IpttauSgehente 23e= rüfimtheit erlangt hat. ®ie 6 inrid)tung biefer Slnftalt bcfdjreibt er fclbft in ben Act. soc. gr. 1, p. 18 sqq.: Semel unaquaque septimana hora post meridiem sexta***) conveniunt socii, quo tempore non aliae in academia lectiones liabentur, quibus in unius horae terminos sermones nostri coarctentur, omittendique sint disputa- tione non ad finem perdueta. Mihi aliquot diebus ante affertur libellus ab uno sociorum conscriptus, postquam eum libellum alius, qui ejus censuram suscepit, legit ac pertractavit. Tum ego, positis aliis omnibus negotiis, ad illud me scriptum confero, quod quo vel paginarum numero majus vel materiae copia uberius vel rerum ditFicultate implicatius est, eo plus me et temporis et operae ei tribuere oportet, ut de singulis certum et rectum conflciam judicium. Quid quis autem scribere velit, unicuique liberum reliqui, non solum ut cognoscorem quo quisque potissimum inclinaret, sed etiam quod rectius aguntur quae quis sponte et suapte quadam propensione, quam quae jüssus et fortasse invitus agit. Praeterea non omnes ad eadem aut aeque praeparati aut exercitati, aut quibus opus est libris, instructi sunt. Itaque dum quisque sibi eligit illud in quo se aliquid praestitu- rum putat idque tractat studiose, sive id, ut plerumque, scriptor aliquis, sive res aliqua est, quae perpendendis scriptorum testimoniis exploretur, simul, quod ei *) 3n meinem ®rabe er auch ber griecbifchen ©brache mädjtig mar, lehren bie foftlichen Ueber[e(3uugen aus ©djillerS Sßattenftein, Opuscc. 5. **) @. bei Strneis ben Tlnhaug: einige päbagogifche Vemertungen über ißolemit ber ißln* lologen mit fpectetter Sesiehung auf ®. Hermann. ***) greitags. Sie ÜJtitglieber beS ©eminarS berfammelten ftch am ÜJtittmocb unb ©amftag. lieber bie Slufnahtne in bie soc. gr. entfdjieb eine lateinifdj abgefaßte älrbeit, bie man etnjttreU ie Slutoren mürben hier borgefdjrieben, im ©riedjifdfeit 3 . S. Suripibed, im Sateinifdjen SSirgil, unb mährenb bed ganjen ©emefterß beibel;alten. 3 e eined ber älfitglieber •— ed fottten, mie in ber soc. gr., nie über jmölf fein —, an bem gerabe bie fUeil;e mar, Ijatte ju interpretiren, fo lange, bid ber 2 ?orfi( 3 enbe (Hermann tljat bied gemölfulid) mit ben Hßortcn: si tibi placet, hie subsistamus) aufguh'bren befahl, morauf bie Uebrigen, gunädfft ber ©enior, ihre abmeidjenben IDteinungen äußerten. Sine brittc ©efellfd)aft, über bie man ©enaitered bei “ärneid ©. 19. ff. nad)lefen !ann, befdfäftigte fid) namentlich mit phiIofopl;ifd)en ©egenftänben. Ueber ein ©Ijema eigener 2 Bat)l marb ein 9 luffaf 5 gefertigt; bann mürbe ein fftefponbent gemälzt; gmei anbere übernahmen bie Dppofition. 2 )ie ©idputation erfolgte an einem ber beiben Spätnachmittage, bie bagu beftimmt maren. 3lm ©dfluffe berfelben gab bem 25er= faffer bed Sluffa^ed ein auf ben behanbelten ©toff begiigtiched ©hema, vorüber er gleich bad nadjfte mal frei ohne fdpriftlidje Unterlage fpred;en feilte. 93ei biefem SSortrage *) Act. soc. gr. 1, p. 19: Sunt qui putent vertendo in sermonem patriuni optime cognosci utrum quid ’intellectum sit an nou. Et sane hoc verum est, tentabatque mul- tis abhinc annis etiam in soc. gr. A. Seidlerus, qui Soplioclea nonnulla iisdem metris in nostram linguam transferebat elegantissime. Sed avocavi eum ego ab isto studio, quia, quum ea res difficillima sit et plurimam operam ac limam requirat, non est ad eam otium ei qui se philologum praestare constituit .... Sed hoc genus interpretandi quum removerein ab soc. gr., tarnen saepe suasi et hortatus sum, si quis in locum difficiliorem incidisset, eum ut vel in latinam vel in patriam linguam converteret, quo magis~quae in Graeeis obscura, inconcinna, perversa, vitiosa essent elucesceret facilius- que deprehenderetur. ®gt. auch Opuscc. 6, p. 15: SKit SKecht meint fpcrr 2Jtüt(er, baß eine Ueberfepung notbmenbig ftpon felBfl Snterpretation fei, uub baher eingetne Slnmcvfungen meift überftüßig mache. **) Slucb Äöcht? h«t in einem äüridjer bectiondfatatog eine Sidputation in ber soc. gr. fehr tebenbig unb intereffant befdjrieben. §etntann, ©. 459 mertten bie einzelnen ©peilneljmer beS Vereins fidj biefen ober jenen Sßegviff, btefe ober jene ©dilußfolge an, um bann mit bern fRebtter barüber biSputiren 511 fönnen. 3)en 9Infang beS £)ppoitirenS luadjte in ber Siegel, teer oermöge feines Patents baS ©anje augenblicflid) ju überfein unb ju beurtljeilen im ©taube toar. 33ei allen biefen Hebungen tourbe lateinifdj gefprodjen *) ltnb nid)t feiten feljr leb* tjaft geftritten. §. l;ielt als fßrafeS bie 3ügel feft in ben .fpünben, ließ unnötige Hb» fd)toeifttngen nid)t aitffonimen, unb fuljr attd) noobjt einmal, loeitn fid) bie 2)iSpittirenben uidjt Har toaren, mit ber fyrage bajtoifd)ett: De qua re est sermo inter vos? Hm @nbe fällte er fein Urtljeil, toobei er $ur ©pradje braute, toaS oon anbern nicf)t berührt »orbett toar, unb, toenn eS fid^ um eine fd)riftlid)e Hrbeit Ijanbelte, and) bie ®arftellung tritifirte. Hn tooljItooOeiiber Hnerfenttung, toie an fdjarfem SCabel fehlte eS nad) Um» ftanben nicfjt. fflüdjtigfcit, Uitadftfantfeit, oollenbS 2)ünfel unb Hitmaßlidjfeit tourben in madigem fiatein ttnitad)fid)tlid) gerügt. ®a er aber nidjt bloß tabette, fonbern bttrd) ein grünblicpeS Singeijeit in bie ©adje betn Sinjeltten junt 33etottßtfein feiner geiler unb ©d)toäd;en oerljalf, fo Ijat er tool)l nidjt leidjt jentanben erbittert; im ©egentfieü, »er eine ftreuge Seufur erfahren Ijatte, beffett 33eftreben toar einzig unb allein barauf gerietet, burd) eine befriebigettöere Seiftititg baS ©efdjeljette itt 33ergeffenljeit 31 t bringen. Huf bibaftifdje SSorlefuitgen, toie fie 3 . 33. ffr. Hug. 3Bolf Ijielt,**) l)at ftd) §. nie eiitgclaffctt; ebenfo oerbannte er aus bem pl)iloIogifd)ett ©emittar praltifdje Uebungen, oen bem ©runbfaf; geleitet, baß, toer ettoaS ridjtig gelernt Ijabe ttttb orbentlid) oerftelje, eS and) Oortragen unb teuren föiine. 0btoof)l er fid; aber jitnädfft nur bie toiffeufdjaft» lidje STudjtigfeit feiner ja&Ireidjen ©d)üler jum 3^ fefjte, fiat er gleid)tool)l and) auf bie pabagogifd)e 33itbung berfelben unb bamit auf baS gelehrte ©djultoefen überhaupt einen ftödjft bebeutenben Sinfluß auSgeübt. 3 ut) örberft getoöfitte er fie, Har unb fdjarf 51 t beulen, oon allem fid; bie genaueste fftedjenfdjaft 31 t geben, nie fid) mit ber bloßen Srfdfeinttng ju begnügen, fonbern ftetS nacfj bem ©runbe berfelben 31 t forfdjen. ÜDann erteilte er il)nen — ber 33erfaffer benü(3t liier, toaS er in ben 33orlefungen über Snct)= llopäbie ber fßljilologie unb über firitit unb .ficrmenentil nad)fd)rieb — mandje audj für ben liinftigen ©djulma.itn toidjtige Seljren, toie folgenbe: SS ift burdjauS notljtoenbig, fid) einen ©tjeil ber HltertljumStoiffenfdjaft auSjutoälilen nnb ftd) mit bemfelben fo ju be» fdjäftigen, baß man ganj in iljm 3 U fpattfe ift. ***) Sine grünblidje ÄemttniS ber ©pradje ift bie 33ebingung ber Kenntnis beS HltertljumS. ©eljr oiel lontmt auf eine ridjtige Sectiire an. SJfefyrere ©d)riftfteller 31 t gleidjer 3 eit 3 U lefen, taugt nichts; man muß immer nur Sinen lefen, f) erft cttrforifdi, toenn aitd) utandieS buitlel bleibt, bann öfter. ®en fpomer muß man 31 terft oorneljmen, barnad) bie übrigen Spifer, fobann bie y ritcr, bie 33ramatifer, überhaupt immer eine ©attung 001 t ©djriftfteHern in djrottolo» gifdjer golge. 93lit ben Htten felbft ntnß man meljr oerleljrett, als mit ben Sontmen» taren, obtooljl biefe nidjt ocrad)tet toerbett bürfett: eS lontmt nur barauf an, baß man fiftorifd) toiffe, toer ber befte ift. SBidjtigeS, feiten Srfd)einenbeS muß man epeerpiren; *) ®aß j?. and) für lateiuifdße unb griedjifdje SSerSiibmtgeit mar, nur ntdjt itt ®tdjtmtgs* arten unb ®ialefteit, für bie es feilte tBorbitber gtebt, meist Hmeis ttadj ©. 2G ff. **) @. baS eben erfdjienette Söerf: gr. Hug. Sßotf in feinem SSerbättniffe 3 um ©dfulmefen unb jttr 3iäbagogtf bargefteltt bon SJJrof. Dr. 3. ffr. Hrnotbt. ***) 3it ber Oratio post obitum Beckii, Opuscc. 5 , fagt er: In tarn immensa rerum discendarum yarietate tamque inexliausta materia non alia patet via, qua quis ipse ali- quid conferre ad communem. utilitatem possit, quam ut uno aliquo in genere unaque in re studia sua coarctet, viresque intendat animi, ut cognita ejus rei natura altius at- que altius in eam penetret. f) Act. soc. gr. 1, p. 9. Praeter multa praeclara quae a Reizio didiei, haec ei po- tissimum debeo, primum ut non multos siinul scriptores, sed unurn quoque tempore so- lum legerem, deinde ut non credere temere, sed cogitare adsuescerem et in causas cu- jusque rei iuquirere. 460 •germnitn, rI;eit, *) ein über» jeugungStreuer 2lnf)äuger ftrenger 3ud;t unb ©itte,**) ooH Sefdfeibenbeit unb Iner* fenmtng fremben Serbienfted, oolt Pietät gegen feine Sebrer,***) namentlich gegen Steij, ein mariner greunb feiner ©d;üter, für bie er tl;at, mag er tonnte: fo mar im Sehen ^ermann. Unb rcie hätte ein foldjer ©tann bie §erjen ber Sugenb nid)t mädjtig ergret* fen, nid)t etettrifd; auf fie einmirfen fotlen! ©elbft oon ber hofften Sßegeiflerung für feinen SSeruf erfüllt, baS claffifche SUterthiim in ber ©egentoart, ©. 119 ff.) aus feiner Seit itnb Umgebung erftären. ®. Kleb. **) .©tan lefe bie herrliche Oratio in tertiis sacris secularibus receptae a civibus Lipsien- sibus reformatae per Jlartinum Lutherum religionis. A. 1839. Opuscc. 7. ***) ©ie tpietät mar ihm nicht, mie I;eutjutage manchen Seuten, ein iibermunbeiieS Vor* lirtheit, fottbern ein gravissimum et sanctissimum nomen (Cic. ad fam. 1, 9). äBetclj ein fcboucS ©entntal feiner Siebe ttttb ©antbarteit t;at er 3tgen gefept üt ben hcmerifiheu fppmnen, Uteij in ben Aet, soc. gr. unb in ber Oor ben tphitologen in ©resbett gehaltenen Diebe! Hermann oon bem Söufdje. 461 ©title feine 23i6liotfyef it;m ©elegenljeit bot, Sfaffifer unb ÄirdCjenöäter raftloS ju lefen, mit ber gangen alten Literatur in großartigem Ueberblide fid) befannt gu madjen. Dann warf er fid) wieber in bie 2Belt. Sr reiste nad; graufreich, wo er mit 9BiI^. 23ubauS unb 3af. oow Staples befannt würbe; bann erfdjien er wieber in Sötn, wo ber ©raf oon Stuenar, ein §>auptbefdjüt 3 er beS Humanismus in Deutfdjlanb, bie Dunfel= manner oon ben 8 ei)rftül)ten gu oerbrängen fudjte. Sr war jefst nod; ein fel;r guter Äatljoüf, wie er bemt bamatS ben friiber IjerauSgegebenen 33üd;ern feiner Spigramme, bie er nod; oermebrte, ein größeres ©ebidjt gu Sljren ber 1;. Jungfrau, baS Triplex Heca- tostichon, I;at folgen laßen; aber bie ©djolaftifer griff er rüdfidjtSloS an, unb eS fdjeint, als ob er gunädjft aud) mannigfadje Unterftü( 3 ung gefnnben unb namentlich an ben Sebrern beS Soßegium Saurentianum eifrige 93unbeSgenoffen gehabt l;abe. Unb bod; mußte er üor ber gefdjloffeneu 9Dtad;t ber DrbenSteute abermals auS Söln weichen. Um fo entfdjiebener wirfte er je(3t nad; anoern ©eiten. Sr 30 g bon Söln über Ipamm, Sßtünfter, DSnabrücf, Bremen, Hamburg, Sübed, 2öiSmar nad; 9toftocf, überaß nur furge 3 e it oerWeitenb, überall aber in ben ©d;uten ober fonft in öffentlidjen @ebäu= ben claffifd;e ©djriften Oorlefenb unb erftärenb, wobei bie 9feul;eit ber ©ad;e, bie f|5er= fönlid;feit beS SßtanneS, ben man red;t wobl einen fabrenben 'Sitter beS IpumauiSmuS nennen tonnte, 9JJenfd;en aus aßen ©tänben in großer 2 lngat;l um ibn oerfammelte. (SS ift merfwürbig, wie er babei oerfubr. 3n §amm bel;anbelte er einige ^Briefe beS £orag, in SDtünfter einige ©ebidjte ÜSirgitS, in DSnabrüd eine ©atire beS fßerfiuS, biefe unb eine 9tebe aus ?ioiuS in Hamburg unb Srernen, in Sübed einen ippmnuS beS (ßrubentiuS, in SöiSmar eine Sfloge 55irgßS. 3n 9toftocf, Wo er längere 3 e *t oerWeilte, erftärte er Sicero, 23irgil nnb Doib, unb bei ben SSorlefungen über Suoenal entgücfte er bie ©tubirenben fo, baß bie 93änfe oor beui Äatljeber beS bßrof. §eoer!ing, ber ebenfaßS über Juoenal laS, fid; teerten. Snbtid; führte nun §eberling ^erntannS 23er= treibung herbei, worauf biefer einen wahren SJJücfenfdfwarm oon Spigrammen (in f. Oestrum) bem ©egner an ben Stopf warf; aber ber Wanberluftige §umanift ging nnoer= gagt nad; ©reifSWalb, Wo er über tßriScian, ffucan unb Säfar laS unb unter feinen 3uhörern ben fpäter fo berül;mten 33ugenl;agen h a tte. Dann taud;t er plölgtid; in granffurt a./D. auf, um über SlaubianS ©ebidjt 00 m Dfaube ber Ißroferpina gu lefen unb bie erften IBiicfjer DuiutilianS gu erflären; halb erfd;eint er in Srfurt, um baS Snbe ber ©tubiengeit SfutljerS, erflärt unter großem 3ubrange S3irgil, Sucan unb ©tatiuS unb fud;t an bie ©teße ber alten ©djulbüdjer neue unb beffere gu bringen, längere 3eit (1504—10) behauptet er fid; in Seipgig, liest über bie oerfchiebenften ©djriften ber Stilen, giebt neue Spigramnte, ein Sobgebidjt auf bie ©tabt Seipgig, einen Commen- tarius in artem Donati de octo partibus orationis u. a. IjerauS, bei fteigenbem 9tul;me über gahtreidje Angriffe ftd; binWegfetgenb. 211S er aber 1510 nad; SBittcnberg gegangen, fann er fid; nicht behaupten; nach ?eipgig gurüdgefeljrt, trifft er gleidjfaßS auf 2Biber= facher, bie feine 93erweifung burd;fe(jen. Da eilt er weiter, hält 23orlefungen in^pilbeS- heim unb SOtinben, rafft bann bie Sinfünfte feiner oötertid;en ©ütcr gufammen unb geht in bie ßiieberlanbe, Wo er ütmfterbam, 2tlfmaar, Utrecht, Söwen befudjt, um hinauf nad; Sngtanb hinüber gu fdjiffen, wo er bie bebeutenbften Setjrer beS @ried)ifd)en unb ^>ebräifd;en hörte unb oor ihnen unb ihren 3 ul;örern wieber fid; hören ließ. Slber nid;t lange nachher ift er wieber auf beutfdjem SBoben, er wagt fid;, wieber im SinoerftänbniS mit bem Domprobft oon 9tuenar, gum brittenmale nad; Sötn, erneuert ben Äampf mit ben bortigen Duntelmannern unb muß (1516) gum brittenmale weidjen. Sr h a ß e freißd; auch bie geinbe 9teuchlin8 mit rüdfidjtSlofer ©trenge angegriffen — in feiner neuen Ausgabe beS DonatuS, in ber Ausgabe beS ©rammatilerS DiomebeS, in feinen Pemptades Decimationum Plantinarum, in feinem Sommentar gu SlaubianS ©ebidjt de raptu Proserpinae, — unb babei befonberS bieS heröorgehoben, baß bie ©egner auf unüerantwortlidje Sffieife bie 3ugenb 00 m Srlernen ber alten. ©prad;e unb Dem Sefen claffifdjer 9luctoren fern halten unb burcf; ih r D albernen £ehrbüd;er ben Änaben fchon 462 ^»ermann öon feem S3ufdje. ben ©efdjmad öerbürben. 2 )ie füljnfte fperaudforberung aber Ijatte er gewagt, als er in großer SSerfainnifung and) öon ©eiftlidjeu feine gewaltige ©et>e de studio et lectione saerarum litterarum deque avaritia omni ope ecclesiasticis fugienda gehalten. SBieber heimatlos geworben, fanb er boc^ aldbalb ein neues Slftjl in SBefel, befjen ©atlj iljm bie Leitung ber ©tabtfdjule übertrug. 48 3aßre alt fdjien er bed ruljelofen SBanberlebend enblidj milbe ju fein. Sr oottenbete Iper bie Umarbeitung feiner berüljm* ten ©dju^fdjrift für bie £)umanitatdftubien, bed Valium humanitatis, weld)e burdj ecle ©fäßigung fid) empfahl unb eine foldje güHe fdjlagenber Sttjatfadjen jufammenfaßte, baß niemanb fo leid)t bie unmittelbar aud ber ©adje abjuleitenben ©erneife oermiffen tonnte. 3 n ber ganjeit geräufdjöolten ©eudjliniftenfeljbe war feine ©djrift erfdjiencn, bie in gleidj würbiger 33Beifc unb mit fo burdjgreifenber SBirfung bie ©adje beS jpitma= nidmud oertreten patte. SBätjrenb er aber eine foldje wiffenfdjaftlidje Spat öoßbraepte, öerfdjmäpte er ed itidjt, für ben nädjften Sreid anfprudjdlofe ©djulbüdjer abjufaffen: Dictata quaedam utilissima ex Proverbiis sacris unb Sclectiores epistolae Ciceronis; er fdjien bie Ueberäeugung gewonnen 31 t paben, baß eine engbegrenjte SBirffamfeit, inbem fie ber fdjimmernben Srfolge entbehrt, ber nadjpaltigen um fo fixerer ift ®a riß ipn bie ^Bewegung ber Deformation Wieber auf aubere SBapnen. Sr legte fein Sind in bem ftißen SBefel 1518 nieber; wopin er juuädjft fid; wanbte, ift ungewiß, bitter 1520 treffen Wir ipn in S0£ain§; an §uttend lebten Särapfen naprn er leibenfdjaft* lidj tbeil; 1521 War er in SBormd unb fap öielleidjt ben großen Sluguftiner bor Saifer unb 9teid) im SDienfte ber SBaprpeit jeugen, bie ipnt felbft im ©tubium ber p. ©djrift immer peßer entgegengetreten war; an fputteu erließ er öon SBorrnd and eine peftige Slufforberung 3 U rafdjem Sodfdjlagen. 35ann 30 g ed ipn (1522) nad; SBittenberg, Wo er bad ©tubium ber ©djrift fortfepte unb über claffifdjc Slutoren lad. ©enauered über feine Sdjiitigleit in ben nädjften 3apren wiffen wir nidjt. Slber 1527 rief ipn ber Sanbgraf -)3pi(ipp öon Reffen an bie neugegriinbete Uniöerfität ©farburg unb übertrug iljm bie fßrofeffur ber ©efdjicpte, fßoefie unb ©erebfantfeit. Sr lad 3 unäcpft über Siöiud, Säfar unb anbere fjjiftorifcr; aber and) romifdje SDicpter erflärte er, bid Sobanud |jeffud itadj ©farburg tarn. S^eidjuettb ift aud) für feine religiöfe SntWicflung, baß er 3 ulept befonberd mit Sluguftinud fid) befdjäftigte. ®ie Weiter gepenbe firdjlidje ^Bewegung, bei weldjer and) bie ©egenfäpe immer heftiger auf einanber trafen, mußte ipn opnepiit mepr unb mepr in tpeologifdje ©tubien ^ineingiel;en, aud benen 1529 and) bie ©djrift peröorgieng de singulari auctoritate veteris et novi instramenti sacrorum ecclesia- sticorumque testimoniorum libri. 5Da fdjien er nun ber redjte ©fann 3 U fein, ben Ungeftüm ber Slnabaptiften in ©fünfter 31 t befdjwidjtigen, unb fo erhielt er 1533 öon ben S3epBrben ber unrupöoflen ©tabt bie Sinlabung 3 U einem Deligiondgefprädje mit bem leibenfdjaftlidjen ©rebiger Dotpmann. Sd war eine tragifdje gügnng. ©irgenbd int nörblidjen IDeutfdjlanb patte ber .fjumanidmud fo froljlid) fid) entwidelt, fo üorbilblidj gewirtt, ald eben in ©fünfter, unb IpermannS öäterlicper ©Bnner Dubolpp öon Sange patte nodj eine bewunberudwürbige SBlüte feiner lieben ÜBomfdjule erlebt. Slber biefer §umanidmnd Ijatte fid; bodj unfähig erWicfen, bem geiftigen Beben in ©fünfter eine fe= ftere Didjtung an 3 UWeifen, unb ald ber gematiömud per 2Biebertäufer bafelbft 3 um IDurdjbrudj !ant, waren bie feinen Sateiner auf bem 'Dondjofe oljnmädjtig unb rat^lod. 3e(jt foßte §ermann öon beut Sufdje Ijelfen; aber in feinen Serßanblungen mit 9fot^= mann bratß feine Sraft pIB^lidj 3 ufammen. ®er erfdjütterte @reid blieb franf in üDülmen bei ©fünfter, im §aufe eines 93erwanbten surüd; fein einziger ©oljn aud ber erft in ©farburg gefdjloßenen Sße, nodj ein Snabe, fanl baljin; über ©fünfter 3 ogen ftdj unljeilfdjwangere SBolfen 3 ufatnmen; ba war iljm ber 2fob, ber fdjon im nädjften Sa^re 1534 iljn erreichte, ein wiülommener SrlBfer. Siteratur: Hamelmann Xarratio de vitaH. Buschii in f. Opp. geneal. bist. (Lemgov. 1711) p. 300 sqq. ©ad) iljm Burckhard Vita Buschii üor ber Sludgabe bed Valium Humanitatis (Frft. ad M. 1719). ©JeinerS Sebendbefdjreibungen be= ^ermann bon bem 33ufdje. ■fäcrrnbutifcfieS ©rgiefiungewefen. 463 rüljmter Pfänner aug ber 3e*t ber SBieberljerfteHung bei- SBiffenfcbaften II. 370 ff. 6rl)arb ©efd). beg SBieberaufblübenS luiffenfdjaftlic£>er SBitbung III. 61 ff. 33efonberg aud) ©outeliuS bie SDEiinfterfdjen £>umaniften unb iljr SSerljältntS gur ^Reformation. 9JI. 1841. lieber ©ingelneg Strauß Ulrid) oon §utten, § eibemann Vorarbeiten gu einer ©efd). beg fyöljern ©d)utmefeng inSßefel I. 13 ff. II. 16. u. a. ©ie ©d)riften ^ermann« felbft finb giemlid) feiten gemorben; bie Vaulinifdje 33ibliotI)el in SRünfter gäl)lt fie gu it)ren tnertijBoUften (Raritäten. dämmet. §CtntIjuttftfjeS (SrjtcIjltllpttiefCH. ©ie ©rgiefyungStljätigleit ber Vrübergemeine ift fo alt als biefe felbft, ja in gemißer £)infid)t nod) früheren Urfprungg. ©enn menn bie entfdjeibenbe innere ©rünbung ber S3rübergemeine nid)t fomol)! in bem beginnenben Slnbau §errnl)utg Safir 1722 liegt, als nielmel)r in bem geiftigen 3ufammenfd)luß Per bort gufammengelommenen ©rmccften im 3al)r 1727 (am 13. üluguft), fo Ijatte ba= gegen eine fyerrnfyutifdje SrgiefyungStljätigfeit bereits Born 3al)r 1724 ifyren Anfang ge= nommen. 3tngenborf grnubete im 33unbe mit feinem Sreunb SBattemiße unb gmei gleid)gefinnten ißrebigcrn ’lnftalten nad) IjaHifdjem Vorbilb, ein 30'cäbdjenftift auf feinem @ute VertfyelSborf (1725) unb eine Sanbfdjule für junge Ibelige in fperrnl)Ut, für meldje ben 12. SRai 1724 ber ©runbftein gu bem „großen fpaufe" gelegt Wum, mel= djeS nad)t)er auf lange 3^t l)in tljeilS ber Ijerrnfyutifdjen ©emcine gur ©tätte iljrer gotteSbienftlicfyen Verfammlungen biente, anberntfyeilg aber aud) Bon oerfdjiebenen 6r= gieljunggauftalten, fpäter befonberg für ÜJiäbdjen, betnoljnt mürbe. 3ene erfte 21bel8= fdjule mar Bon nur frühem Vefte^en unb murce 1727 burd) ein SBaifenbaud erfe(3t. 2)abei mar für biefe Berfd)iebenen päbagogifdjen Verfudje ba§ fyaHifdje Vorbilb nicf)t nur in äußerer (Begießung- maßgebenb, foitbern ed f>errfd;te bort aud) innerlid) mehr ober meniger ber ©eift beS (ßietiSinnS, eine Strenge, ja unter itmftänben §ärte ber Srgießung, mie fie aHerbingS in jener 3 e ^ meßr ober Weniger allgemeine ©itte mar, aber eigentl)iimlid) gefärbt burd) baS gleid^geitige ernfte (ßeftreben, alles in Scben unb unb £eßre bem @efe(5 beg ©eifteg unb beg SBorteg ©otted, mie man bieg bamalg in ben unter ßallifdjem Gsinfluß fteßenben Greifen auffaßte, coitforut gu madjen. 3m fot= genbeu Saßrgeßenb entfernte fid) bie 33rübergemeine in iljrer iunerfteu cßriftlidjen 33e= ftimmtßeit nun immer meßr Bon biefer pietiftifd)en 0rid)tung unB trat in ißrem gangen SBirfungglreig berfetben oielmel)r gicmlid) beftimmt entgegen. 9lber gerabe auf päbago» gifcßem ©ebiet fcfjeint, WoI)t nid)t oßne entfdjeibenben Sinftuß jener allgemeinen QeiU fitte in biefer fpinfid)t, nod) langeßin nteßr als in irgenb einer anbern (Begießung bie ^a£lifd)e, gefe( 5 lid)=ftrenge SRetßobe bie ßerrfdjenbe geblieben gu fein. Siädjft bem inner= ließ unläugbar baßin treibenben fDtoiin beg eigentlid) brüberifdjen, eBaugelifd)-pofitinen ©eifteg ift eg bod) erft ber Gsinfluß Beränberter päbagogifdjer Slnfdjauungen, mie er in ben fiebgiger unb ai^tgiger Saljren burd) ben Vl)ilantI)ropigmug aud) auf biefe Greife aug= geübt mürbe, meldjer ber l)errnl)utifd)en Srgieljunggt^ätigteit gu freierer unb l)armonifd)erer ©ntfaltung nerl)olfen I)at. SSSäljrenb ber erften 50 3at)re berfelben l)errfd)t ber l)al= lifd)e St)pug Bor. ®em äußeren Umfang nad) ifl ber Söirfunggtreig in biefer 3 e it ä' Dar M°f ern audgebe^nter, als bie erfte ©tiftung in ber Dber = £aufi(3 tßeilg mäl)renb ber Biergiger Safire Bon einer gmeiten in ber SDetterau faft in ben ^intergrunb gebrängt mürbe, tljeilg aud) an Berfd)iebenen anbern Orten ©eutfdjlanbS fierrn^utifdje ©emeinen ent= ftanben. Iber bennod) mar in jener Veriobe bie ßäbagogifd)e SÜBirffamleit eine be= grengtere atg fpäter, meit man leine eigentlidjen fßenjionSinftitnte fiatte (3ingenborf will nid)t Biel baBon miffen, f. 9?at. 9fefl. Beilage, ©. 48. 54), fonbern, menn Äinber audmärtiger befreunbeter Sltern in bie Snftitute ber ©enteine aufgenommen mürben, bamit meljr ober meniger ein, menigfteng Borläufiger ^Beitritt gur Vrücergemeine oer= bunben mar. ©agegen marcn bie Äinber ber ©emeiue felbft in jener 3«ü frütjeften Sllter an faft alle in 3nftituten Bereinigt, ©ie gamilienergiel)ung marb burd) biefe Slrt Bon bffentlidjer 3ugencbilbung nur gu fel;r Berbrängt unb in iljrem 3ied)te gelränlt. 464 cfjertnhutifdjed ©rjielwngdwefen. SSoit ber einen ©eite war biefer 3 u f tan b toirflidf? neranlaßt burd) ben audgeprägten fpilger» unb ©treiterd)arafter, weldjen faft bie ganje ©enteilte in fyolge ber beftänbigen SNifftoiten unter fpeibett unb Sfyrifteit anttaljnt, unb int 23lid barauf fatttt ©djrau» teubad) (Der ©raf oottäinjenborf unb bie 33rübergemeine feiner3eit, bargefteüt burd) 2 . S. oott ©djrautenbad), ©ttabau, 1851, ©. 187) biefe, ohnehin ftrenge, SBollde^ie* hung mit ber fpartanifdjen oergleid)en. Slber anbererfeitd überfdjritt man aud) willlür» lid) bad burd; biefe Uutftänbe gebotene 9)taß, infolge Bon 3 i u 3 etiborfd bantaligen Sieblingdibeen geuoffenfdiaftlidjen Sehend unb corporatiuer 33ilbungett überhaupt. (Sr glaubte WoIjl nur auf biefeut 2Bege in ben aud fo Berfdjiebetten äußeren unb inneren Sehend» gebieten jufammengebradjten ©eitteinen einen ein^eitlidjett, wirflid) bad Sehen befyerrfd)en= ben ©emeingeift grünbett 3 U fonnen. Died ift Ujitt audj gelungen, aber mehr burd) jene orbenartigen Slnftalten für (Srwad)fene, bie ®l)orl)äufer, ald burd) biefe Sinberinftitute. (Sr luar fid) aud) felbft beffett flar bewußt, baß biefe au fid) etWad ungel)öriged Waren, uitb Weber bleiben tonnten ttod) foHten, loie er in ben Naturellen Neflepiotten (1747) bejeugt. *) Der (Srfolg fd)eittt bied nur 3 U feljr geredjtfertigt ju fjaben, inbent ein 9Jienfd)eualter fpäter oiel Älage erhoben tmtrbe über gahlreidje uubraud)bare ©ubfecte unter ber jüngeren ©eueration, unb inandje unter ben erfteit Scannern fogar ben ©d)nterj über ungeratene ©ohne entpfinbeit mußten. Snbed lag bie ©djulb ofme ßweifet aud) baratt, baß ed tljeild au ben geeigneten Sräften für ($rjiel;uug unb Unterrid)t bielfad) fehlte, ober bod) bei beut im allgemeinen jiemlid) 3 al)lreid)en Slufftdjtdperfonaf aud) Biele Untauglid)e mitgebraud)t lourbett, uttb anberntl)eild att bem SNattgel red)ten Gsrnfted unb rechter lebendooller 2)tetl)obe im Unterricht. Sitter ber einfidjtduollften SDtitarbeiter an bettt 2Berf urtl)eilte wenigftend Bon ben in ben oierjiger 3al)ren in ber SEBetterau, 3 U ÜDtarieitborn unb fperrnhaag blühenben 2 litftalten, „baß ttidjtd Nedjted gelernt werbe, fei ein .fpauptmangel berfelben." Der Ijauptfadjlidjfte Seiter biefer 3nftitute, 23ifd)of fßolpfarp Niüller (geb. 1685, f 1747), war 3 War ein ausgezeichneter, erfahrener unb griittblid)er ©djulmatnt bon altem ©d)rot unb torn, früher Nector bed ®t)nttta= fiumd 31 t 3 iüau, Hub aitbere tüchtige SRcutuer aud ber 3 enenfer ©d)ule, ©pgngeuberg obenan, wirften mit il)m, aber tl)eild war bie allgemeine ©eiftedridjtung in biefen 3 al)ren, ber fogenannten ©id)tuugd 3 eit, einer grünblichen Sugenbbilbung nicht günftig, nnb bann war ber 2öed)fel unter ben tl)ätigen ißerfoiten, über Weld)en fßolt)larp mehr» fad) (lagt, 31 t häufig, 3 umal bei einem fo audgebehnten unb oieltl)eitigen Slnftaltdwefen. SSKan hatte bantald in SDiarienborn unb §errithaag eine Äleintinberanftalt, je ein 3n= ftitut für bie hei'«nwad)fettbett äJiäbdjen unb Knaben, fowie 3 U weiterer gwrberuttg mancher unter ben leiteten ein -)3äbagogium, beibe le^tere in ißerbinbung mit bem Saubibateitfeminar (35gl. bad tl)eologifd)e ©entinarium ber SBrixberunität tt. f. w., ©uabau 1854, ©. 2 ff.), in weld)ent jüngere uttb ältere üfftanner für ben fird)lid)en Dienft in ben ©euteinen unb auf SDiiffionen fid) audbilbeteit; außerbent in ©d)lefien ein 3 Weited fßäbagogiuttt ( 3 U llrfdjfau bei ©logau) u. a. 11 t. Sine nähere ©djilberung bed inneren 3uftanbed biefer Slnftalten ift aud SKangel att Quellen wol)l nidjt möglich- @ie erreichten ihr (Snbe mit ber Sluflöfung ber @e= meine in f?errnl)aag (1750), unb waren 3utu Dl) e 'l fc^on Borher nach ber £)ber=£auft(} übergefiebelt. §ier würbe für bie uädjfte 3eit ^ennerdborf bei §errnl)ut ber §auptfij 5 ber 3ln)talten, wo bad eheittald öon 3enjenboifS ©roßmutter bewohnte ©chloß uttb bad bon ihr geftiftete 3EßaifenI)aud Naunt genug bot für Änabenanftalt unb fßäbagogium, *) tßgt. 9t. SRefl. ^Beilage 54 . 3«r Äinbererjiehung finb nicht ehett fo(d)e Stnftalteu n'öthig, Wie bie unfern, Welche nicht« als Ißrophetenfchulen fein fottten, für bie hefottbereit Sngettia audgeWählter unb audgejeichiteter SBerfjeuge. 3it unfern Oemeiuorteu muß e« noch bahin tom» mett, baß jebe bürgerlichen (Eltern ihre Äinber felbft ergtehen, wie ed anbere Ghriflenmenfchen auch madhett. Unfere Slnflalten für bie ©emeintinber en gbneral ftnb ftiUfchWeigenbe Selenntniffe unferer Unbotlfonuuenheit in bem SEheit. -gcrrnbuttfdjcS ©rjiehuugSwefen. 465 tt>äf>renb bie SöMbdjenanftalt in ^errnljut eine Stätte fanb, unb baS Seminar in neuer befferer ©eftaft gu SBarbt) mieberaufbtühte (f. ©efd). b. Sem., b. 1754 an, — <3. 11 2 C.) SßaS ©ottfrieb Siemens, ber grünblic()e ©heolog aus 23ubbeuS Sdjute, Remter unb greunb beS firdjlidjcn 3IItertI)umS, für bieS Snftitut mar, baS marb in §ennerSborf, befonberS für baS ^3äbagogium, ißaulSugen Sepi-ifs (geb. 1707, f 1788), ber fromme unb geübte Sugenbergie^er unb Schulmann, meilanb Rector gu 9ieuftabt an ber Slifd), unb fcpon bamalS ein bieljähriger gmeunb ber 33rübergemeine, fpäter im loetterauifdjen 91nftaltenmefen mittXjätig unb nun ber eigentliche ipatriard) beS Srjiet)ungg= wertes ber 93rübergemeine. Sr mar einer jener alten frommen Lateiner, orbnungSlie= bcnb, leutfelig, oerftänbig unb feft, unb tjat befonberS um baS '’ßäbagogium ber 93rü= bergemeine bie größten SScrbienfte (25gt. ©efdiidjte beS ißäbagogiumS ber eoangelifdjen S3rüber=llnität, 9?iStp unb ©nabau, 1858, S. 3). @S tarn nun mehr Drbnung unb @rünbtid)feit in ben Unterricht. 9Bie man bie fpergen ber tinber in (Shrifto 51 t ergießen jttdße, baöon tonnen 3ingenborfS „Sinberreben" au§ biefen 3al)ren einen 23emeiS geben. Sie merben auf ebangelifdje SBeife in ben tinblidjen ©lauben an ihren tpeilanb eingefüt)rt unb nicht mehr burd) ben eytraoaganten ©on beS borigen Sahnet) nbS bermirrt, aber theilS muthet man ber 3ugenb in S3egief)ung auf inneres SrfahrungSleben moht nort 8 fd)ulen für finaben unb Stäbchen gefonbert, unter unmittelbarer 91uffid)t unb Seitung beS $re= bigerS; hie unb ba, gur Unterftüjjung ber Oettern, als ©ageSfdjulen, b. !;• f°< baß bie Sinber ben gangen ©ag über unter 9luffid)t ber Sehrer bleiben unb nur StbenbS gu ben Sltern gurütf'fet)ren. ©ie Snftitute mürben infolge baoon felbftänbiger unb cou= centrirter, 3 ut ^ebung ber IjnnSlidjcn Srgiehung in ihrem gangen Umfang fd)rieb Setjrih ein fleineS trefflidjeS 2Bert (23etradßungen über eine berftänbige unb dfrifttidje Srgiepung ber Äinber. Sßarbp 1776), metdjeS bie Sntmidelung beS SebenS bon ber 3 eugung an bis gum 21 . Sahre in einfacher, aber ■ prattifdjer unb lebenbtger SBeife umfaßt, unb mirfltdj eine „berftänbige, d)riftlid)e Qcrgiehung" gum fteten 2 lugen= mert hat. Später fd)rieb Spangenberg in feiner tinblidjen SBeife einen tlcineu ©ractat: „StmaS bon ber pflege beS SeibeS, für Äinber," unb hielt feine lf 9tebeu an bieftinber," toeldje bie 3ingenborf’fdjen an Ginfalt, Saibetät unb ädjter, gefunber SUnblidjfeit unenb= lieh übertreffenb, für alle 3 eit ein Stufter in biefer Segietjung bleiben, .fpier geigt fich, mie in ber ©hat baS innerfte SBefen beS ebangelifdh = pofitiben 23rübergeifteS gu einer burchgreifenben DJeform ber Sugenbergieljung trieö, unb einen felbftänbigen 21 nfa (3 bagu nahm, ehe nod) frembe Sinflüffe es näher berührten. Saibe ^erglidjteit ber 3teligio= fttät, unb berftänbige Sinfalt im Sölicf auf baS Seben djaratterifiren biefe Diidjtung, bie, fo bieleS ihrer Sufaltung batnalS auch nod) fehlte, bodj eben barum fo fortfd;rittS= fähig ifi, meil ße im ©Uttelpunct alles 2 e 6 en 8 murjetnb unb ni^t burd) eitle ©heorien fich ben Sölid berbauenb, bielmehr 3 U jebem für midjtig ertannten ißunct ben 2 Beg offen h“t. 21 uf biefent ©runbe tonnte fi^ benn am gehörigen 0 rt aud) eine reidjere miffen- fchaftlidje unb claffifche tßilbung anbauen. ©ieS gef^ah, mährenb baS Seminarium gu töarbp mit 9ied)t aus einer 9 lrt bon umfaffenber „Itabemie", burd) Sefchräntung auf ben theologifdjen StubienfreiS, ju bem gemacht mürbe, maS eS aEein fein tonnte epaoag. ffinc^Mopätie. III. 30 466 •fjmnfjuttfcfjeg ©tjic^ungSiucfcn. unb fotlte, (1771) um biefelbe 3 £ ü aTO f]3äbagegiitm, meldpeS feit 1760 ju Utigftp bei Oorlig feinen ©ijj befomnten tjatte unb fpäter mit einem Snftitut für jüngere Knaben bon 8—14 Sauren, einer „Knabcuanftalt", berbunben morben mar. ©iefer Drt tritt bon nun an an bie ©teile bon fpennergborf; bocfj bertaufdpten bag fßabagogiunt unb ©eminarium bon 1789—1808 ilpren fßlajs, fo baff jenes nadp Sarbtp, biefeS nadp Sfigftp fam, bis im letztgenannten 3alpr beibe Snftitute für eine 3 £ itl«ro3 in Stidtlp bereinigt mürben. 35er Iperborragenbe SRann am fßäbagegium ift in biefer Bi§ über bag Snbe beb Salprlpunbertg IpinauS, Setprifceng ©dpmiegerfolpn unb ehemaliger SDiitarbeiter in fjennergborf, Slpriftian Sheobcr 3embf(geb. 1728, f 1806), — bgl. @efdp. beg fpSbagogiumS u. f. m., ©.8 — mie jener ein ©dpulitiann unb greunb ber Sugenb, bon auSgegeidpiteteu Sigenfdjaften, ernft aber gugleidp Ipeiter, boit finblidper 3Migiofitat unb ntämtlidper 35^atfrifdje. Sr mar Ipaitptfädplid) Lateiner, gab aber audp eine „Sylloge graeca“ aug ^rofaifern unb ©idptern h^raug, unb berfdpaffte überhaupt einem gruub» lidjeren unb begeisterten ©tubium ber Uten Sütgang in bag Snftitut. 2lber audp SDta= tlpematif unb fftaturgefdpidpte mürben mit Sifer getrieben, ©eine ©dpüler maren Sllbertini, ©dpleiermadper (1783—85.) — bgl. ©dplcierntadperg Sriefmedpfel, ©.185—, fpäter fyrieS (Sgl. @efdp. beS fßäbagogiumS ©. 28 ff.). Sin ebleg 3 e ugniS giebt bem Snftitut unb feinem gülprer ein Srief beg ©dpmeben b. Srinfmaitit (bom 3ahr 1803. Sgl. @efdp. beg fßäbagogiuntg ©. 32 ff.), fdpmebifdjetn ©efanbten in Serlin, morin berfelbe fagt, mie er bei feinem Austritt aug bem fpäbagogiunt lebhaft begeiftert für bag 35effauer fPhil 011 ' tlpropin, halb genug ernannt habe, „baß man bort nidpt allein nidptg ©rünblidpeg lernte, fonbern, mag gehnmal fdplimmer ift, nidpt einmal bie minbefte gälpigteit erlangte, fidp fünftig felbft meiter gu helfen. 3n unferem fßäbagogium hingegen mar eg beinahe unmöglidp, audp felbft bei mittelmäßigen 2Iitlagen, nidpt eine SJtenge bon nüjjüdpen Kenntniffen 31t ermerben, unb borgiiglidp, morauf idp nodp einen biel größeren SBertlp lege, mit gleiß, Drbnung unb Slnftrenguug arbeiten 31t lernen." ©iefe Sarbtp’fdpe fßeriobe beg IfJäbagogtumg mar infonberheit eine Slütegeit beg» felben, mo eg, mie ein ©dpüler beg 3nftitutg aug jener ßeit, 3ohanneg fßlitt, in feinen „©enfmürbigfeiten" aug ber Srübergefdpidpte fagt, alg „ein Ipeitereg, aber geregelteg ©tubienftofter in ber freunblidpeit ©artenumgebung unfern ber SIbe, alg eine «Stätte ernften fittlidpen ©oneg, regen ©dpul = unb fßribatfleißeg unter hodpgefdpähten fklprern bielen feiner 3 öglm 8 e gu einem geitlebeng unoergeffenen Sugenbparabieg mürbe.“ 2 Benn man fdpon Ipter babei immer meniger gegen bie freieren S^ielpungdibeen fidp abfdploß, mie fie bon ©effau aug geprebigt mürben, unb namentlidp auf terperlidpe Semegung melpr 9iüd'fidpt nalpm alg früher, fo mar bieg nodp mehr ber galt tu einem anberen 3 n= ftitut, metdpeg feit 1784 bem Sarbtp’fdpen gur ©eite ftanb, bem fßabagogium für aug= märtige -penfiouarg gu Ulptpft in ber Saufifc, mo befonberg 9tenatuS grüauf, ein SDtann bon überaus Xpeiterer 9?aibetät, jugenbtidper Segeifterung unb Icutfetigfter 3ugent= liebe, bieten 3ögKugen in bantbarem 2tnbenten geblieben ift. Sin fleineg 2Berf bon feiner §anb aug fpäteren 3ahren, — , r @ebaitfen eineg alten Srgielperg" — giebt in fdplidpter gönn eine fDJenge päbagogifdper Srfalpmnggblicfe unb fenngeidpnet beit ©eift feiner SBirffamfeit, meldpe bon ittandpen Sigentlpümlidpfeiten unb gelplern beg bamafigen philanthropiftifdpen SilbungSibealS nidpt frei, gugleidp, namentlid) für bie Srgiehung im engeren ©inue, beffen befte ©eiten in einer molpltlptmuben Serflärung burdp innigeg unb gefunbeg Sebeit iit Slprifto barfteltt. 9J?it biefeut f]3enfiongpäbagogium für augmärtige 3 bglinge mar audp infofern eine neue Sahn betreten morben, alg bon nun an burdp älpnlidpe Snftitute für Knaben unb SRäbdpen in berfdpiebeiten Srübergemeinen bie Sugielpunggtlpätigfeit ber Sritber einen immer meiter über ilpren Kreis IpiimuSgreifenben Sinfluß betaut, ©ag berartige 3 nftitut 51 t 9?eitmieb, gegrünbet tm 3ahr 1756 (bgl. bie fputtbertjälprige Subclfeier ber fßenfioitg* Knabenanftalt ber Srübergemeine 31 t ftteumieb, 1856. ©elbftberlag beg Snftitut«.) mar nur ein bereinjclter Sorlättfer in biefer fftidjtung gemefeu. -getntljuttfdjcs ©rjieljungswcfen. 467 333äljrenb bie genannten tjö^eren UnitätS=3nftitute in ber fotgenben Plütezeit beS : ^Nationalismus nnb außerdjriftlidjen Humanismus burd) bie ßtnflüffe biefer 3eitrid)= tung mannigfach geftört nnb am redjten ©ebenen auf ihrem ©runbe geljinbert Würben,, namentlich baS Seminar hoch nic^t genugfame theologifdje Äräfte befaß, um hier mit Sicherheit unb Krfolg einen felbfiänbigen 2freg zu gehen, wirlte gerabe bieS Ueberl>anb= nehmen beS Unglaubens in ber ebangelifdjen Kirche für jene PenfionSinftitute überaus günftig, inbeut oiele Gcltern, bie etwas PeffercS für i£;re Äinber wünfdjten, aud) wenn fie nicht gerabe in engerer Perbinbung mit ber Prübergemeine ftanben, beren ®rjiel)ungS= inftitute auffudjten. Unb wie früher ber fiebenjälirige Ärieg siel bazu beigetragen hatte, §errnl>ut mit feinen religiöfen unb focialen Sinridjtungen burd) ganz ©eutfdjlanb, unter Proteftanten unb Äatfyolifen, befannter unb geachtet ju machen, fo wirlte auch bie UriegSjeit am Anfang beS neunzehnten SahrljunbertS für bie ©rjiehungSanftalten in ähnlidjer SPeife. ©ieS gefc^at) um fo mehr, ba fid) in benfelben bei Sehrern unb Schülern ein reger, beutfdjer Patriotismus zeigte. 3 P 9 bod) aus einem berfelben im 3aljr 1813 faft bie gange erfte Klaffe mit bem feierlichen ©egen beS 3nfpectorS unter bie ©dhaaren ber freiwilligen. 9lud) bie auf bie freiljettstriege folgenbe Periobe bes wie= bererwadjenben ©laubenSlebcnS fonnte biefe Stellung ber 33rüberinftitute nur förbern, ba baS, was man bamals fudjte, §erjenSdhriftenthum ohne confeffioned firdjtidje Sdjran= len, hier in einer zumal für bie Sugenb geeigneten, einfad) linblidjen ©eftalt gefunben Würbe, für bie SBr üb erinftitute felbffc aber erWud)S au§ biefer regeren Perül)rung mit weiteren SebenSfreifen ber große Portheil, baff man feinen ©efidjtSlreiS, namentlich in bibaftifdjer Hinfid)t, WaS Stoff unb 9Jtetl)obe betrifft, erweiterte, aud) in Pezug auf Äunftübung unb Pflege ber lörperlid)en SluSbtlbung ficf) eine höhere nnb freiere 3luf= gäbe fteden lernte unb fo in einen aKfeitigen SPetteifer trat mit ben befonberS burdj bie peftalozzifdje Anregung allenthalben fid) hebenben anberweitigen Schulen unb 3n= ftituten, öffentlichen unb pribaten. SBie man fid) nid)t gefchämt ^atte, im einzelnen bon ® eff au z« lernen, fo jefet eben fo wenig bon Sfferten. So finb befonberS feit bem Slnfang beS gegenwärtigen SahrljunbertS, namentlich feit ben SlriegSjahren, biefe PenfionSanftalten in einer frifdjen Söeife aufgeblüht. ©IjeilS entftanb an ein unb bem= felben Drt ein 3nftitut für Änaben unb Ptäbdjen, meift unter gleicher 3nfpection, theils in berfd)iebenen ©emeinen baS eine ober baS anbere, einige Wenige würben auch außer* halb ber Prübergemein=Drte auf bem Sanbe ober in Stabten gegrünbet, wie bieS bet jenem Uhhfter unb beut Parbp’fdjen päbagogium früher ber fall War. Kinige haben fortwährenb beftanben unb beftefjen noch in SSIüte, wie bie ftnabeninftitute zu -JieuWieb, 9liSlt), ^öntgSfelb in Paben, itnb bie 9D7äbd)eninftitute z u 9NeuWieb, Piontmirail, @na= benfrei, ©nabenberg, ©nabau, anbere haben fühlbare, äußere unb innere SPedjfel burd)= gemacht, ober finb aufgehoben worben, wie bie 3nftitute zu ©nabenfelb, Weil örtliche ober' perfönlid)e Urfadjen U)r Peftehen untergruben.- GsS ift faft leine ber 16 Prüberge= meinen beS europäifd)ett feftlanbeS, welche nicht ein fotdjeS Snftitut entweber gehabt hat ober noch hat- Sbenfo finb einige in Snglanb unb ÜJlorbamerifa bon langem Peftehen unb gutem 8?uf. 92ad) bem Spnob alb erlaß bon 1857 finb gegenwärtig in ©eutfdjlanb unb ben 9?ad)barlänbern in 12 &naben= unb 18 5Dläbd)eninftituten 500 Änaben unb 700 SRäbdjen in Pflege ber Prüber, mit 90 Lehrern unb 130 Seherinnen, in Kngtanb in 5 tnaben= unb 9 Pläbdjeninftituten zufammen etwa 350 Böglinge, unter 22 Sebrern unb 31 Sehrerinnen, wozu in folge ber bortigen Perhältniffe nod) circa 800 £ageS= fdjüler unb 2700 SonntagSfdjüler lommen, in 97orbamerifa werben in 3 SKäbdjen* unb 1 tnabeninftitut 600 Söglinge mit 90 Sehrern unb Seherinnen gezählt. ®a8 Ptäb= cheninftitut zu Salem in Dtorbcarolina hat allein 230 Söglinge mit 25 Seherinnen. ©agegen finb bie DrtSfd)ulen ber einzelnen ©emeinen, nadj Perl)ältniS ber gerin» gen Kinwohnerzaht biefer Drte, überall fe^r Hein; befto zahlreicher aber wieberum bie in ben lebten 3ahrzef)nben fehr angewachfenen unb forgfältig gepflegten Schulen auf ben Plifftonen ber Prüber, unter wetdjen auch einige — je eine für eine größere ÜÄif« 468 ^errnbutifdjeS ©tgiebungSwefen. fionSprobing — ü 6 er baS Stioeau ber gewöhnlichen Slementarfdfule fid) ergeben unb gur |>eranbilbung oon Schullehrern unb SDtifjtonSgebülfen auS beit Singebornen bienen. ®iefe Spulen auf beit 3Kifjtoneu liegen inbcS ^ier außer unfernt ©eficbtSfreiS, unb ebenfo bie auf gang anberen nationalen ©runblagen gebauten 23rüberpenftonen itt Sngtanb unb Slmerifa. Snblidj b a 6 en für toeitere Greife ebenfalls fein fo großes Sntereffe bie beiben höheren Unität8=3nftitute, ba§ ißäbagogiutn, nunmehr 50 3al;re 51 t Stisfp in ber Dberlaitfib beftebenb, unb baS t^eologifc^e (unb pabagogifclfe) Seminar, feit 1818 gu ©nabenfelb in Oberfdflefien. £ uma ^ knS Icfetere ift in feiner SBeftitttniung gang auf ben SreiS ber Öritbergemeinen befdiranft unb nimmt batjer feinen auswärtigen Stu= birenben auf, fo baß b' er bie Semerfung genügt, wie innerhalb eines OrienninmS Oon circa 20 Stubirenbeit unter Leitung oon 3 ober 4 Sefyrern eitt gebrängter, aber baS 2Befentlid)e umfaffenber, tfieofogifdjer SurfnS abfoioirt wirb, mit Ginfdjluß ber für ben fünftigen 33eruf biefer jungen Seute erforderlichen päbagogifdjen unb bibaftifd)en 23orbil= bung. Oie äußere ©eftalt beS Snftituts ift bie eines GoneictS, ähnlich betn Oiibinger Stift, bod) freier, ber tljeelogifdje Stanbpunct ber ber 23ntbergemeine auf äingenborfifch“ fpangenbergifdjem ©ruitbe, unb foinit beitt ber pofitio biblifdjeit „neueren gläubigen Sbeologie" am meiften oerwaubt, ittt Sinn beS tebenbigen unb fortfdjreitenben GonfenfuS ber beiben eoangelifdjett Sebrtropen, mit Oorwiegenb lutberifdjer 23eftimmtfyeit. OaS Stöbere über bieS Snftitut f. in ber oben citirten gur Srinnerung an bie 3ubelfeier beS bunbertjährigen SBeftetjenS beSfelben eeröffentlid)ten Schrift: OaS tbeologifdje Semi» narittm ber ebangelifdieit 23rüberunität tt. f. w. 1854. ©nabatt bei fp. 2. SNeng. Sbenfo giebt in betreff beS anberen Snftituts, beS ißäbagogiumS, nähere SluSfunft bie 1859 erfd)ienene, bereits mehrfach citirte Schrift: ©efd)ierrnl)ut übertragen (feit ber Spnobe een 1818). OaSfelbe entfdjeibet über ©rüntung neuer Snftitute, Erweiterung ober ütufbebung beftebenber, befef 3 t die Stellen ber 3nfpectorcn nnb Oberlehrer, ftebt mit ben erfteren in fortmabrenber Gorrefpon» beug, unb empfängt eon ihnen regelmäßige Sted)nung 8 ablegung. 3ludj finben eon ßeit gu 3 e ^ '-ßifitationen burd) lOiitglieber beS GrgiebungSbepartementS ftatt. 3n öfonomiftber §)inficbt ftebt jebeS Snftitut gnnädäft felbftänbig ba, aber bie woblh a= •£>erttil>utift§e§ ©r 5 tcljungs)ucfcn. 469 benberen finb gehalten, jäbrlidje Beiträge gum gemeinen Beften ou bie Dberbebörbe ju geben. ®ie ©ebalte ber Snfpectoren, Sebrer unb Seherinnen finb im allgemeinen gleich unb nur auf ba§ BebürfniS beregnet. (Ebenfo, mit nur einjeinen 91uSnabmen, bie ißenfionen für bie 3öglinge, toeldfe nok geringer fein mürben, menn nicb>t baS ©runbprincip ber brüberifdjen (Srgiebung eine oerbältniSmäßig große Slngah Oon 9ln= geftetlten erforberte. 6 « ift bieS, ohne baß, mie feit SßeftaXogsi mehfak ber galt ifi, gerabe ber Sftame „gamilie" regelmäßig gebraust mürbe, boc^ eben baSjenige einer kriftlidjen g am ilien = Siebung. ®ie Seitung jebeS SnftitutS ^>at ein „Snfpector," meinem nur in größeren ein „§>au§oater'‘ jur ©eite fleh, ber bann bie öfenomifdfe Bermattung unter Dberauffidjt beS erfteren fü^rt. (Ein 9Jiitinfpector ober „Pfleger" (©eelforger) ift bagegen an einigen 3nftituten beS 3nfpector§ uädjfter ©ebülfe bei ber inneren Seitung, ebenfo in ÜJiäbc^eninfiituten eine ®irectrice ober erfte Seherin, eine Stellung, in meldjer audj ältere, oermittoete grauen öfters baS nädjfte ^auSmütterlid^e 3 lmt berfeljeu. ®ie Seher empfangen iljre Borbilbung tt^eitS in bem ißäbagogium unb ©eminarium ber Brüberunitat, keilS merben audj -Jfiditmitglieber ber Brübergetneine aud befreunbeten Greifen angefteHt, (Eanbibaten ber ©h°I° 9 >e über auf ©kullebrer= feminarien gebilbete junge Scanner. 5lußerbem finb aber aud) nok Unterleher ober Sluffeljer angefteHt, Weldje meift auS ben Brüberbäufern ber ©emeinen in biefen ®ienft übergeben unb l;ier für ben SÖtiffionSberuf, befonberS für bie Seitung ber 2KiffionS= fkulen praftifd) auSgebilbet merben. 3n ben SDläbkcninftituten unterrichten außer bem Snfpector unb einzelnen oerbeiratbeten Sehern nur Sebrerinnen, für beren SluSbitbung aber bie Brübergetneine tein eigenes ©eminar ^at, unb bie baber entmeber in ben Slnftalten felbft jugejogen unb burdt -ßrioatunterrikt meiter geförbert merben, ober oon auSmärtS b^r gefudjt merben ntüßen. ®ie ßöglinge finb in ©efeHfdjaften oon 10—15 eingekeilt, meiere jufainmen mobnen, mäl;renb gu ben SKahjeiten unb jur Dtaktruh, meift auch jur SUJorgenanbakt, baS ganje 3nftitut jufamnten fomntt. 3ebe ©efeHfkaft ift einem Dber= unb einem Untererer jur befonberen Sluffidjt übergeben, melke fidj je nach Befähigung unb Be= bürfniS in Srjiebung unb Unterrid)t keilen. ®em legieren finb burdjfdjnittlik 6 —7 ©tunben täglich gemibmet, ben Borbereitungen unb Repetitionen 3—4, ben ÜJfabljeiten unb ber (Erholung, jum ®beit trm möglid) im freien 5— 6 , bem ©d)laf 8 —9. ®aS £urnen ift in ben ftnabeninftituten je( 3 t allgemein Sebrgegenftanb, mo eS fein fann auch baS ©djmimmen; in bieten finben aud) regelmäßige militärifdje (Eyercitien ftatt, jebok in einer ben finblidjen grobfinn nid)t beengenben Söeife. häufige freie ©piete unb ©pajiergänge, in ben Serien aud) größere gußreifen, merben mit Borliebe gemacht, erftere auch oon ben HKäbdjen. ®er Umgangston gmifchen Sehern unb 3bglingen ift ein »ormaltenb freunblicher, oertrauenSooHer. ®ie nötigen ©trafen finb möglic^ft ein= fad), nur in feltenen gäben lörperlid). Semebr her ber (Ergieber mit ber Sugenb lebt, unb, felbft meift noch jung, fie oerfteh, befto meniger bebarf eS im allgemeinen einer barten 3ud)t. 2BaS ©aur (©runbjiige ber SrjiebungSlehe ©. 37) mit 8 ?ed)t münfd)t, finbet fich her oft recht lebenbig oermirfiieht: „eine ©d)ule, in meld)er, unter ber oberen Seitung eines älteren SftanneS, jüngere ‘äftänner bem ©rgie^ungSgefdjäft ihre Äraft mibmen" — „baS fd)öneBilb einer gamilie, in meld)er ber Borfteber als ber Bater erfcheint, bie jüngeren Seher als bie älteren @efd)mifter ber 3bgltnge." 9lHerbingS ift hier öfters ein 31 t jugenblidjeS üllter eintretenber Seher, fomie ein nodj jeljt mitunter 3 U häufiger SBed)fel berfelben ein fpinberniS für bie rechte (ErfabrungSreife ber (Ergieber. 3nbeS bat tbeitS ber Snfpector um fo mehr beftintmenben (Einfluß, keilS fommt bie gleiche Borbilbung ber meiften Sebrer in biefen 3nftituten felbft unb bconak int ißäba= gogium unb ©eminarium ber Brüberunität 3 U §iilfe, unb am tiefften mirtfatn ift enb= lieh Woh ber ben Sin 3 elnen mie baS @an 3 e tragenbe ©efammtgeift ber Brübergemeine, melket ben Srgieber nikt fomoh auf inbioibuelle Sinfäüe unb (Syperimente anmeist, fonbern kn oon born he'rein auf ben freien, aber feften ©runb langerprobter (Erfahrung 470 «gcrritßutifdjcd ©tflcßungdwcfcn. unb enger ©enieinfdjaft bed ©laubend unb Sehend, ®ettfeud unb Raubein« [teilt. Sd ift ßier oßne SZatnen uitb gönn eine foldje Sorporation für Ergießung unb Unterricht, uadj 9lrt ber 23rüber bed gemeinfamen Sehend, üorßanben, wie Dr. SBiefe*) fie für tu eitere Greife wünfcßt. ©erfelbe ßebtfeßr waßr ferner, wie biefer tiefe unb breite ©runb djrift* lidjen ©etneinlebend in gamilie unb Äirdje für biefe Snftitute ber fBrübergenteine oon fo großer 33ebeutung unb burdjgreifenbem ©egen ift. §ier wurgelt namentlich bie ©eele ißrer, wie aller waßren 3ugenbbi(bung, bie djrifttidj = eoangelifdje Ergießung, unb fann fidj fo immer meßr gu bem geftalten, wad fie fein foH: eine 3udjt ber Siebe gnr Siebe unb ber SBaßrßeit gur SBaßrßeit, nadj fßalmerd fd)önem Sludbrud. Sin großer ©egen biefed SSerljältniffeS iß ber, baß ed infolge babon toeniger ber audbrüeflidjen Betonung bed djriftlidjen tarnend unb ber ängftlidjeit Slurdjfeßung befonberer äRaßregeln bebarf, wobnrdj fo leidjt bie (Einfalt unb ffreiEjeit geftört toirb, oßne weldje bad jugenblidje Sehen nidjt geheißen fann. ®afür wirfen auf ben Singeinen um fo fräftiger unb oft iiberrafdjenb bie gaßlrcidjen untnerflidjen Sinfliiffe bed öffentlichen ©ottedbienfted ber ©enteilte, an bem bie ßijglinge tßeilneßnten, ber einfachen furgen täglichen §audan= badjten, ber freien inbioibitellen ©eelenpflege, bed einfältigen unb fittblidjen ©eifted ber brüberifdjen Dfcligiofität, enblidj bed füllen, georbneten Sehend ber fleinen ©enteilten, weldjed bie meiften biefer 3nftitute umgibt. Dßne oerfdjloffene SEßüren unb ftreng poli« geilidje 2luffidjt, wie bied in größeren ©täbten für ein Woßfgeorbneted Snftitut immer tneßr ober weniger notßwenbig ift, fann bie Sugenb in biefer nertjältnidmäßig länblidjen 3urücfgegogenßeit ficfj frei unb frößlidj bewegen. ®ie fteinere 3aßl mad)t eine georb» nete Sluffidjt babei um fo leidjter unb erlaubt jene fpecielle unb lebeubige Serttcffidj» tigung ber Subioibualitäten, über bereu äftangel, aud) in 9)oerbon, fliamfauer in ber bortrefflidjen „fturgen ©figje" feines päbagogifdjen Sehend flagt (©. 26). ®abei wirft ber fortwäßrenbe Umgang ber 3t'glmge mit bem Ergießer in Slrbeit unb ©piel, burd) bad unmittelbare 33eifpiel unb bad freie SBort in ftiHer, aber erfolgreicher SBeife, oßne baß bodj, wie fltamfauer ebenfaKd rügt, ber Seßrcr babureß übermäßig angefpannt unb fo ermattet würbe, weil ed ßier in ber Sieget an £mlfdfraften nidjt feßlt. Sbenfo ift bie tägliche, freie Sebendgenteinfcßaft ber 3®glinge untereinanber, gumal biefe nadj §llter unb gäßigfeiten in oerßaltnidmäßig fleine ©efeUfdjaften giemlid) genau oertßeilt finb, ein fräftiged S5ilbungdniittel, weldjed um fo Woßltßuenber wirfen fann, weil ed an ber notßwenbigen äBiebergurüd'fiißrung bed finblidjen ©eniütßd in ben Sebendgrnnb ber gamilie, ber elterlichen unb gefdjwifterlidjen Siebe, nidjt feßlt. Sin= ober gweimat im 3aßr ift burd), übrigend oerßältnidntäßig furge, Werten bagu bie ©etegenßeit gegeben, unb baburdj wirb audj bem Seben im Snftitut immer anfd neue wieber ein ©egeud= element bed gamilienwefend unb bed gfamilientoned jugefüßrt. ®urdj bad 3ufammcnwirfen aller biefer llmftänbe fann biefe Ergießung einen @e= fammtton edjt djriftlidjcn, innigen mtb bodj freien, ernften unb bodj ungefünftelten @e-- meinfdjaftdlebend befommen, wie bie Sugenb, gttntal unfere beutfdje, beffen gu ißrer gefunben Sntwicfelitng bebarf, unb weldjer baßer aHerbingd in ben Snftituten, wo ber oaierlänbifdje ©tjpud am reinften ausgeprägt ift, audj am lebenbigften fidj fittbet. 2ßo bie 3öglittge meift Sludlänber, befonberd Snglänber, finb, maeßt fidj fofort ein nteßr gefeßtidjed Slemeut notßwenbig, aber badfelbe fann erfaßrungdgemaß, wenn ed nur rießtig erfaßt wirb, gleidjwotjl in ben ©runbiott bed oben gefdjilberten ©eified redjt wirffam aufgenommen werben. Sie ©efdjidjte unb Srfaßrung ßat aber audj bad ungweibeutig in biefen Greifen geleßrt, wie alle jene angeführten äußeren Sßortljeile bed Srgießungdftjftentd unwirffam Werben, wenn bie ©eele bedfetben, ber lebenbige, d)riftlidj= eoangelifeße ©eift unter ben gußrem ber Sugenb, entweidjt ober franft. SDied ift bie *) ©gl. beutfeße Seitfcßrift für ißrijHüße aBiffenfdjaft unb cßrißticßeä Seben, 1851: lieber bie Stiftung netter djriftttcßer ©tjmnafieu, S. 146 fl., ein wertßl'oller Stuffap, auf welchen Wir im folgenden uodj mehrfach ßinjttwcifen ©clcgenßeit haben werben. >§errnl)utifdjc§ Grjtcfmitggiuefeit. 471 Urfadje beS periobifdjen ober gütlichen 23erfaHS mandjeS oon biefen 23rüberinftituten getoorben, auf toelcße bann Stagen über Unorbnung unb 3*»tefpalt, ^Disharmonie nad) allen ©eiten, toie 9tamfauer fie in Sejug auf baS peftalo^ifdje Snftitut unb um beS gleidjen SDtangetS mitten führt, ebenfalls itjre üoUe Slntoenbung fanben. Unb baS am meiften bann, wenn ju biefern negatioen nod) ein pofitioer Slbtoeg !am, toie bort baS Sagen nad) 9htt)m unb (Einfluß, fo I;ier mitunter ein pecuniäreS Sntereffe, beffen oerberblidje SBirf'ung auf alte fotdje ißnoatinftitute 9taumer*) in feiner, übrigens bod) ju ungünftigen, S3eurtl)eitnug berfelben mit ©runbe ^eroor^ebt. ßmnat in biefern eng oerbunbenen, tird)tid) unb fociat feftbafirten, päbagogifdjen SfebenSfreiS, too eS fid) nie um eigenttid) perfonlidje unb materiette Sntereffen I;anbetn fann, oietmetjr ber gefdjid)tlid)e unb be= fenntuiSmäßige beS ganjeu SBerfS in atteu feinen Steigen ein fo ganj anberer, geiftiger unb geiftlid)er ift, toar jebeS toetttid) eigenfüdjtige Treiben ber 3lrt eben fo grunbloS als oerberbtid). (Es ift and) immer nur 2(uSnatjme geblieben, unb im aCCge= meinen ift oielmefyr in ben testen Sahrjehnben ein träftiger ^jaud) neuen unb gefunben SebenS aus bem innerften ^erjen beS SBerfeS in beffen einzelne Steile gebrungen. Durd) ©otteS ©nabe I)at fid) baSfelbe, oermittelft einer burd)greifenben (Ertoecfung an bem t)auptfäd)lid)cn §erb biefer ganjen 3ugenbbilbungStl)ätigfeit, im ißäbagogium ju 9tiSh), (1841) aus feinem eigenen, göttlidjen unb gefdjid)tlid)en ©runbprincip heraus erneuert unb ju oerjüngter tßliite erhoben. Unter bem (Sinftitfj biefeS ©eifteS tjat es fid^ aufs neue (an mehreren fßuncten) tebenbig ertoiefen, toie baS brüberifd^e (EräiehungS= toerf feine Slbftammung oon bem tjattifdjen jtoar nid)t oertäugnen !ann unb teilt, tooljl aber beffen Slbirrungen in freubloS peinliche ©efejjtidjf eit oermeibet, unb ftatt beffen eine 9fid)tung auf einfältig finblidje unb regfam öerftänbige, djriftlidje 3ugenbbilbung oerfolgt, in welchem eS an bem großen ißäcagogen ber alten SBrfiberfirdje, (EouteniuS, ein fieüeS SJorbitb hat. ©dffoarj (®efd). b. (Erjiehung, 1. 3tuft. II., 427) £)at nid)t ganj Un= red)t, toenn er jtoei 9fid)tungen ber Sr 3 iet)ung 8 tt)ätigfeit, bie eine oon außen nad) innen, bie anbere oon innen nad) außen geljenb, unterfdjeibet, unb burd) bie ganje @efd)id)te beibe oerfotgenb, in bie gtoeite Sategorie, toie überhaupt bie ed)te, djriftlid) eoangelifdje, fo infonberljeit bie brüberifdje (ErjiebungSibee ft eilt. 3n biefern ©inne oergteidjt er, (a. a. D. I., ©. 222 ) bie Slnftalten ber Srübergemeine mit ben ptjtfyagoreifdjen SSer= einen, unter bem @efid)tSpunct jener tiefen, inneren Harmonie eines Ijeitig georbneten, „nutfifalifd) bitbenben" gamiliengeijteS, toeld)er baS ©anje auf fanfte, aber ftarfe SBeife burdjbringenb trägt unb leitet. SebenfallS ift bamit baS 3beat richtig bejeidjuet, welchem bie (Erziehung ber SBrübergetneine traft it)rer attereigenften, inneren 33eftimmt= heit unermübet nad).jutrad)ten berufen ift. Die (Erreidjung biefeS ift @abe ber ©nabe ©otteS. §ierin, toie in ber gaigen bisherigen ©djitberung, liegt flar auS= gefprodjen, baß bie ©tärte biefeS ©t)ftem 8 ber Sugenbbitbung in ber (Erziehung haitptjädjlid) liegt, unb bieS beftätigt and) bie (Erfahrung oieter in ben oerfdjiebenften SebenSfreifen, toeld)e in jenen Inftalten toirtfame (Einbrücfe empfangen haben, bie fie jeittebenS begleiten. Dtamentticf} toirb ber ©egen berfelben für baS toeiblid)e @efd)Ied)t unb bie oerborgene SBirffamfeit feines mütterlichen SBalteuS im §aufe unb in ber gatnilie nid)t gering angefd)tagen toerben bürfen. 33on einem finblid) eoangelifdjen ©eift burd)= brungene bentfd)e @emiitl)Sinnigfeit ift fffer ber Dräger oft fd)toer oerfolgbarer, aber toeitl)inreid)enber ©egenStoirtungen, auch in ©ebieten, toeld)e fonft mit ber Srübergemeine unb ihrem SBirfen in gar feiner Serbinbung fielen. SBenn gleid)tooI)l bie 3at)t biefer Snftitute unb ihrer 3ö8^ n 8 e oergteidjungStoeife immer nur eine befdjränfte genannt toerben fann, fo hat bieS oerfd)iebene Urfachen. *) Oefdj. ber IßabagogiE, Shell 3, Slbtf). 1. n ber gegenwärtigen Beit aud) wol)l bie confeffionefle unb !po^fird)lii^e ©eifteSftrömung mitunter fonft djriftlidj ge= finnte filtern abbalten, iljre Äinber bjie^er 51 t geben, wo fie bafür aßerbingS feine 9Jal) = rang finbeit. finblid) finb aud) bie Äoften für bie Unterhaltung eines B^glingS bei aßer fiinfadjljeit beS SebenS in biefen 3nftituten bod) con ber Slrt, baß oiele filtern anbere 23ilbungSWege oorjieljen müßen. fiS finb im aßgenteinen mehr bie höheren ©djidjten ber ©efeßfdjaft, theils ber 9lbel, theilS unb h«txpatfäc^Xid) ber wohlljabenbe Sürgerftanb, bie faufmännifd)eu unb ÜSeanttenfreife, aus benen bie 33 rüberanftalten fid) refrutiren. Stber abgefel)en oon bem aßen biirfte oießeidjt bie llrfad)e beS oerl)ättmS= mäßig befdjränften Sefud)S berfelbcit nidjt am wenigften in bem oerbreiteten llrtheil ju fud)en fein, baß fie jWar, Wie gefagt, für bie firjieljung, Junta! in ben jüngeren SebenSftabien, ©anfenSwertljeS leiften, bagegen in SBejieljung auf ben Unterricht 3 « Wenig. 5Üfan lerne in iljnen nicht genug, (Eben bieS warb fdjon oor mehr als hun» bert fahren, wie wir hörten, oott tüchtigen SDfämtern in ber ©adje felbft beflogt. B'nar hat fid) nun hierin unlaugbar oiel im Saufe ber Beit geänbert unb gebeffert, unb Dr. SBiefe giebt (a. a. £).) ben 33rüberanftalten baS BeugniS, baß fie im wefentlidjen ihre Bßglinge eben fo Weit brädjten als anbere ©djulen; aber gleichwohl ift nid)t ju oer» fennen, baß gerabe ber Unterridjt im aßgemeinen nid)t bie fteirfe ©eite berfelben ift. fiS liegt bieS nidjt nur an einer gewißen Abneigung beS herrnhutifchen ©eifteS überhaupt gegen auSgebilbete, ftreng fhftematifd)e SQBiffcnfdjaft unb ftraffe, theoretifd) burdjgebilbcte 3Kethobe — obwohl bieS nid)t ju überfehen ift —, fonbern oielfad) aud) an ben $er= höltniffen unb ber in mancher SSejieljung immerhin unooßfomntenen SluSrüftung biefeS ganjen firjieljungSwefenS. ©ie Seljrer finb leidet ju jung, bod) mehr theologifd) als pabagogifd) oorgebilbet, wie bieS im franefifdjen Snftitut and) ber §aß war, babei ju häufigem ©teßungSwedjfel unterworfen, unb junt größten ©heil nicht für baS ganje Seben auf ben päbagogifdjen SBeruf angewiefeit. (Er giebt für bie meiften nur baS praparaterifd)e ©djulmeifter=3ahrgehnb ab, bnreh welches Sutljer ben red)ten Pfarrer ju biefem feinem fird)lichen Slmt tüchtig gemad)t wiffen woflte. Siodj größer finb bie SDfängel, wie fchon angebeutet, auf weiblicher ©eite, wo eS an ber gehörigen SSorbcreitung ben Sehrerinnen oft nur ju fef)r fehlt, ©ie fyolge baoon ift, baß namentlich mand)e 9 Jiäbd)eninftitute ber S3rüber, periobifd) wenigftenS, an einer wirfüdj großen llnorbnung unb Jjpaltlofig» feit in bibaftifcher £>infidjt gelitten haben. Unb in minberem ©rabe ift 9leIjnlid)eS auch oon ntandjen Änabeninftituten oon Beit ju Beit mit ©runbe beflagt worben. Slm wenig- ften fann man unter biefen Umftänben ben Srüberinftituten nadjrüljnien, baß fie burd) felbftänbige Seiftungen unb fdjriftfteßerifdje Arbeiten baS bibaftifdje ©ebiet bereichert hätten, ©iitb einjelne firjeugniffe biefeS KreifeS ihrer Beit 51 t 2lnerfennung unb @e= braud) auf anberen ©djulen gefommen, wie ©etbli( 3 enS Sehrbud) ber ©eographie, bie Ärümmer’fdjen ÜBanbfarten u. bgl., fo fann bieS im aßgemeinen bod) nidjt in Setradjt fornmen. ®aS Stnfeljen eines gewißen antobibaftifd)en 3biotiSmuS bleibt biefen Slnftalten leid)t im llrtheil beS ÜJianneS Oom fyad) fowol)I, als fold)er filtern, weldje, wie bie SOfehrjaljl pflegt, mit bem 2luge beS SBelt» unb BeitgeifteS mehr auf baS üleußere feljen als auf baS Snnere. ©iefer betrad)tet bagegen I)at bie @ad)e aßerbingS and) eine anbere ©eite, wonach ftd) baS llrtheil einigermaßen mobificiren fann unb wirb. ©0 ift ja, was bie man» gelnbe fdjrififteßerifche ißrobuctioität betrifft, in unferer Beit baS firfahrungSjeugniS •fferrnljutifdieS ©tgicbungsroefen. 473 laut genug ßorhanben, baß auf biefem S33ege BerhättniSmäßcg immer nur in geringem gftaße wahre 3pülfe geft^afft wirb. 3m ©egentheil, wie mandjer Srgieher Bergeubet feine Sraft in eitler unb überflüßiger ©chriftfielterei! ferner werben ja feit jtüangig 3at;ren bie (stimmen immer lauter unb gahlreider, welche auf Vereinfachung beS Un= terrid)tSftoffS bringen unb gegen ben ©öjsenbienft mit ber 2Jtet£)obe, gegen ben einfei= tigen SnteüectualiSmuS überhaupt, 3 eu g n ' § geben, Bon welchem bie gange moberne 3u= genbbitbung be^errfd^t merbe. 2Iber ber gehler ift t>iel älter, faft fo alt als bie eban* gelifd)e Shrdje. ÜDian benfe an ben Rector ©türm Bon ©traßburg unb fein VilbungS» jiel. Sumal in Slnfelrnng ber 9Jtäbd)enbilbung fann wohl nid)t geläugnet werben, baß bie gangbaren Slnforberungen an biefelbe, wonad) ein'oft nur gu oberfIäd>tict)eS Viel= wiffen unb SWeSfönnen ergielt Werben foH, oielmehr eine grünblid)e Verbilbmtg nad) fidj giehen mäßen. SDtan fann nidjt iuafjrer unb fräftiger bafür geugen, als bieS in jßaumerS Ißäbagogif (III., 2, ©. 164 ff. 234) gefdjeljen ift. 3a man fagt nicht gu oiel, wenn man behauptet, baff überhaupt $D?äbd)eninftitute an unb für fidj etwas un= gehöriges unb nur ein notl)WenbigeS Hebel feien, oeranlaßt allein burdj tiefe, reli= giöS=ftttlid)e unb fociale ©tcrungen im öffentlichen unb häuSlidjen Jeben. Unb barnit ift benn gegeben, baß, fo gewiß Drbnung unb @rünblid)feit in bem 33Benigen, 9IuSge= wählten, WaS ein foIdjeS Snftitut feinen Zöglingen mit wahrer, mütterlid)cr 2BeiSl)eit unb £reue bargubieten hat, h err f^ en muß, bßerrnhutifd)cS Csrjicljungerocfcn. ^aben eine mehr realiftifdje garbung, unb tiefe 9tid)tung l;at itt neuerer 3^t aud) in mehreren beutfdjen Snftituten 5 ugenommeu, je nad) 33etürfniS ber ßogünge. *) Eine Gtigentl)ümlid)leit bed Unterridjtdfhftemd in faft alten ift, baß, nad) bem Vorgang ber frandifd)en Snftitute, bie einzelnen 3ögtinge nidjt in alten ©egenftänben berfelben Eiaffe, fonbern je nad) ißren fyortfdC^ritten in ben einzelnen fyädfern einer fyötyeren ober nieberen angeboren. Ebenfo finbet nur audnahntdioeife bad Element bed gad)lehrertl)umd ftatt, nirgettbd ift ed ooUftänbig burdjgebilbet. SBeibeS ift für bie innige 93erbinbitng bed ltnterrid)td mit ber Ersiehung, loie fie liier fßrincib ift, roefenttid) unb mid)tig, aber ju» gleid) bad erfte für bie fpeciettere 23erüdfid)tigung ber §ä()igfetten unb 93ebürfniffe ber einjetnen Sdjiiler, bad jtoeite für bie Sebenbigfeit unb SlUfeitigleit bed Unterridftdlebend überhaupt bon 23ebeutung, unb fo bielfad) and) ber©d)ule atd foldjer forberlid). golge baoott ift, baß gerabe aud) ©d)toäd)ere ober fBernad)Iaßigte in tiefen 3nftituten leicfjter ald anbermärtd geförbert unb gehoben loerben, öberljau^t tooI)t eine gleidjntäßigere ®urd)fdmittdbitbung in ben oerfeßiebenen gadiern erreid)t tnirb unb ber Einzelne aud ber inbibibualifirenben Sehtmeife, fomie aud ber 33eauffidjttgung unb Unterftüfjung and) bed Slrbeitend außer ben ©d)ulftunben, leidster bie fyä^ißfeit ind Seben mitl)iuüberninunt, fid) fclbft fortgubitben unb, too ed fein muß, auf mannigfaltige unb neue Dbjecte ber Slrbeit einjugeßen. (Dagegen bürften ßeroorragenbe ©roßen in irgenb einem be= fonberen tbiffenfd)aftlid)en ffad), ober in bcni ßößercn tniffenfd)aftlid)en ©ebiet überhaupt, im ganzen nur feiten aud biefen ©d)uleit ßeroorgeßen, jumat ba in benfelben aud bem ©enie ald foldjem biel meuiger ald fonft oft gentad)t, ber audgejeidßteten inteltectuetten Äraft ald fo!d)er lein SBeißraud) geftreut toirb. ©o finb nad) altem SDiängel unb SSorjüge ber 93riiberinftitute feßr naße mit einanber oerbunben unb beibe untrennbar gegeben mit ber fd)arf audgeprägten Eigentßümlidjfeit bed ©eifted unb güttlid) gefd)id)tlid)en 33erufed ber 93rübergemeine überhäuft inmitten ber eoaugelifdjen Äird)e. SDiefelbe ftel)t nad) ber päbagogifdjen ©eite hin atd ein cßrifl» Iid)er Drben für 3ttgenbbilbung ba, äl;ntid) ißren ißortäufern, ben 93rüberu bed gemein» famen Sehend, mit einem cd)t djriftlid) eoangelifdjen, nid)t jübifd) nomiftifeßen, nod) aud) etßnifirenb meltlidjen 33itbungdibeal, bereit, bon ißrem fidjeren, centralen ©tant» puncte aud in bie ntannigfadien Aufgaben ber Sugenbbilbung nad) ©eiffc unb Seib ein» gugeßen, aber oorjugdtoeife auf bie tperjend» unb ©emütßdbilbung, fomie auf tiid)tige Sludrüftung für ein praftifd) wirlfamed Seben geriditet, ooll 21d)tung unb Siebe für Nationalität unb 3nbioibualität, aber toeber oon ber 23efonberßeit Eined päbagogifdjen gitßrerd, nod) oon ber ©d)ranfe eined SBolfdtßumed abhängig, fonbern allenthalben be= ftrebt, bad ßod)fte unb allgemeine SöittnngSjiel ber ed)ten Humanität in Eßrifto im 2Iuge ju bemalten, bitrd) innige perfönlid)e §inmcifung jebed einjelnen ju Eßrifto ald *) Stm entfd)iebenßen ißrogpmuaßum iß bas Snabeninßitut 31 t fUigfp, mit circa 90 Güglingen unb 15 Sel)rern unb fjiltfglebrern; Satein, fjraträöfifdh, ©eutfd), 3 eid)neu g Elaffen; öletigion, Oe» fd)ichte, ©cogva^hie, SRed)nen 5; Sötathematif 3; Dlaturgefd)id)te 2 11 . f. io. Slefmtid) bad Snftitut 31 t ©ttabeitberg bei Sßitnjtau, mit 40 gbgtmgen unb 3 Elaffen unb 1 ©electa, toetebe ungefähr ber Untertertia auf ben brenßifd;en @t)mnafien eutfnricf)t. ®agegen finb mehr realifttfd)en 3 U ‘ fchnitt« bie Sttftitute 31 t SJteutoieb (90 3öglmge, meiß öngtänber, 14 big 15 Sehrer; graigbßßb, Sentfch, Oteügion, ©eograßhie, ©efihidhte, 9tecf)nen 6 ©baffen; Schreiben, Seithneu, iBtathematil 4; Satein 3; Eitglißb, Dfaturgefchid)te 2 ; Ehemie, bßhyftf 1 ), 3 U EberSborf bei Sobenftein (40 SBgtinge, Sngtänber mtb fran 3 ößfd)e Sehniger, 4 E(affen in Stechuen unb Sltathematif, iPhhfd unb Eßemie; 3 tu Schreiben, @efc(;ichte, ©eograßhie, Dlaturgefchichte, ^ranjöfifcf;, Dteligion; Sateiu nur für eilten Sheit ber Sögtinge), 3 U Sanfamte (50 3'dgtingc, beutfehe Sdhtoeiser, 4—5 ©tafieu in benfelben ©egenßänben), 31 t Eßrißtangfelb (30 3'oglinge, ©änen, Stortoeger, Schmeben, G Elaffen für beutfehe Sprache, fouß nteiß 3), 31 t 3eßß bei Utrecht (25 3bgtiuge, §ottänber mtb Gnglänber, 4 Elaffen), 311 ÄBniggfetb in SSabeit (50 3hgliitge, franjöftfc^e Schmeger unb Sa» benfer, 3—5 Elaffen), enblicb bag Snßitut für bie iKiffiouarünber in JUeimSBelfe bei Saufsen (mit 50 3ögltngeit, nnb 3—5 Elaffen für ©eutfeb unb Englißb, Sd;reiben unb htedjneu, @e» feßi^te unb ©eograf'bie, Sßeligion; Satcin 3 Elaffen), §crrnl)utifdje§ Grjicljurtgsrocfcn. §cjfcn, dtutljcffcn. 475 gottmenfd;Iid;er Perfon unb burd; Dormirung alles einäelnen in ©djule unb Seben nad; (Jljrifto al8 gottmenfd;Iid;em Princip. 2Benn baS ©ebiet, in weitem bie 23rüberanftalten biefem il;rem ,ßiel nad;j,agen, BorjugSWeife baS ber früheren Sugenb, baS jwifdjen bem eigenttid;en Slementarunterridjt unb bem Ijotjeren wiffenfd;aftlid;en Uegenbe ©tabium ift, fo ift eben bafür ib>r SI;ari8ma auSreidjenb unb geeignet, unb fie haben neben beu übrigen prioaten unb öffentlichen Snftitnten il;re berechtigte unb gefegnete Stellung. £. iptitt. §crridjfltcljt, f. Verträglidjleit. f>CtJ, f. ©emittb- fieffcit. Äurfjeffen. Sine gebrängte ©arftellung beS !nrl;effifd;en ©d;ulwefen8, wie eS augenblidtid; ift, ju geben, wirb Baburd; fd;mierig, baß non bem bagu noth= wenbigen SRateriat au8 ber neueren 3eit nur weniges gebrudt borliegt. SS mußte bat;er baS Singelne tuül;fam gufammengetragen werben, um ein möglichft ber 2Bal;rl;eit getreues 23ilb ju gewinnen. ©emtod; wagt ber Verfaffer biefeS SlrtifelS nicht, überall unb namentlich, wo eS ftatiftifd;e 33erl;ältniffe betrifft, für bie ©enauigfeit feiner 3tn= gaben einguftel;en. Sin allgemeines ©djulgefeij, weld;eS baS gefammte ober aud; nur baS Voffsfchulmefen orbnete, giebt eS nicht, ©ie nach 1831 wieberl;o!t gemad;ten 33er= fueppe, ®ef naep ber ©ienftjeit unb Sefolbung rieptet, unb beren pöcpfter ©ap 3 /* beS bejogenen ©epalteS beträgt. Gbenfo paben bie 2Bittwen berartiger Seprer gleid) benen anberer ©taatSbiener außer irrem Slntljeil au« ber btxrdj bie <£in= lagen ber Sntereffenten gebilbeten ©taatswittwenanftalt Slnfßrucp auf I / Q beS ©e^alteS als -ßenfion auS ber ©taatSfaffe, weldte beiben Sinnarmen aud) nodj ben SBaifen, nadj bem Xobe ber SBittWe, bis 3 um juriidgelegten 21. SebenSjapre unter gewißen Se= fdjräntungen gefiebert finb. — Sei ben Seltern ber Solfsftpule aber lommt es barauf an, ob fie bur

. II. ©. 39. X. Sieb.). 3 U benterfen ift noep, baß bie Glaffen burdjtoeg Oon oben nadj unten gejäplt toerben, fo baß überall bie I. Gl. bie oberfte ift. SBenn eS nun auep pier fo wenig, wie in anbern Sänbern, an maneperlei SBünfdjen für bie ©d)ul=Ginricptung unb* SerWaltung, SepvOerfaffttng k. feplt; wenn Seprer* unb ©djulleben fiep anberwärtS in mandjer Se 3 iepung freier nnb felbftänbiger bewegen, unb ber ©tpule nnb ipren 3ntereffen lebpaftere SlufmerFfamfeit unb größere Slcptung suge* §c|Tctt, Kur helfen. 477 taentet mirb, fo barf man bad bodj mit oolter Ueberjeuguttg auöfpred)eu, baff im ganjen bie ©d)ut= unb SeprerBerhättniffe irt Kurpeffen bereit anberer Sänber titelt nad)ftepen, manchen fogar Boraud finb, mad mir mefenttid) ber £üd)tigfeit ber Setter fetbft Ber= tanfeit, bie in ber fittticpen Kraft bed ganjen 93otfed murjett. I. 2$oll§fdjuIeit, 1. im allgemeinen. 2Bar bie äöottdfdjute, peruorgegangen aud bem 33ebürfniffe bed tpfarramted unb ber cpri ft lidfen ©emeinbe, urfprüngtid) ein rein tird)lid)ed Snftitut, bad tBotfdfcputamt ein ganj firdjlicfyed unb gemijfermaffen ein Stcccfforium bed tpfarramted, aud) bie Stbminiftration ber ©d)ute ganj Bon ber Kircfje abhängig, fo pat fiep im Saufe ber geil biefer firdjlidie Sparafter Bielfad) Bermifd)t, fo baff eigentlich nur nod) ftiefte baoon Borpanben finb, unb in Bieten mefenttidjen 33e= jiepungen mirb heute bie ©dfule nid)t atd tirdjtupe, foubern atd mettlicpe, ftaattidfe Stnftatt gelten. Sind biefem SBiberftreite finb Biete Srfcpeinungen ju erftären. Snbeffen auch h^'te noch finb bie SSotfdfdjuten mefenttid) Sonfeffiondfcputett, mobei aber ein Unterfd)ieb jmifchen Bern tutperifdjen unb reformirten 33etenntniffe nid)t gemacht mirb. Sefteht febod) fiir bie tOiitgtieber ber aubern dfriftlidjen ßonfeffion fomie für Dtffibenteu unb Sdraeliteu feine befonbere ©dmle, fo muffen aud) fie ihre Kinber jene befud)en taffen. ®iefe finb bann nur orn ber ©heilnapme an bem 9fetigiondunterrid)te, toeteper überhaupt nur Bon ben Seprern, nicht Bon ben ©eifttidfen, benen nur ber Kated)iunenen- unterricht jufältt, erteilt mirb, audgefchtoffen, unb muff für benfetben Bon ben (Eltern anbermeitig geforgt merben. Snmiefern aber auf bie Singehörigen anberer (Sonfeffioneu im übrigen Unterrichte (beutfdfer ©prad)e, ©efdjidjte, ©efang) fomie im gefammten ©chutteben (©ebet, ©chulfeften) 9füdfid)t ju nehmen fei, barüber ift nichts feftgefteltt, unb ed bteibt ben Seprern übertaffen, mie fie ben anbent 33eteuntniffen nach fd)onenber Sitligfeit geredjt merben motten. ®ad Regiment ber 33otfdfd)u(e ift mefenttid) mettlich, infofern ed ganj in ben |janben ber 33ermattungdbepörben ruht, unb trägt nur in fotgenbeit ©tücfen fird)(idjen Sparatter: 1) finb in ber lieget ©eifttiche bie ©chutinfpectoren, Dberfcpulinfpectoren unb 3fegierungd=@d)utreferenten, ftet)en aber atd fotche unter ber betreffenben metttidjen Sepörbe; 2) bie fird)tid)e Sepörbe^ pat ein SDUtauffid)tdred)t über ben 9ieligiondunter= rieht, mirft febod) nicht birect auf ©dfute unb Seprer ein, foubern burd) bie betreffenbe ©djulbepörbe; 3) ein großer Speit ber SSoUdfcpulteprer (jumat auf bem Sanbe unb in ben fleineren ©täbten) ftel)t jugleid) im Dienfte ber Kirche unb jieht baraud einen be= beutenben Speit bed Gcinfontmend, bad benn aud) atd tircplidie ißfrünbe betrachtet mirb; 4) bie Stellung ber 33olfdfd)ulteprer grünbet fid) in Bieter £)infid)t auf bad Kmpenredjt. 2>aper fönneit fie gleich ben tßfarrern bei eingetreteuer Sienftunfäpigfeit nicht penfionirt merben, foubern hüben einen ©et)ülfen anjitnehmen, ju beffen Unterhaltung junäd)ft ber betreffenbe Seprer fetbft beijutrageit pat, unb menn beffen Sinfommen nicht audreidft, bie Drtdgemeinbe angegangen mirb, menn aber biefe nicht perangejogen merben tanu, ber ©taat aud ber Sanbfdjulfaffe gufdfüffe gemat)rt. SBill febod) bie ©emeinbe bie tPenfion jal)Ien, fo !ann jmar ipenfionirung eintreten, aber rechttich bebarf ed baju ber (Einmittigung bed Sehrerd. Sind) bebürfen bie 23ottdfd)utleprer gleich ben -Pfarrern feined ßonfenfed ber Regierung ju iprer SJerpeiratpung. 5) ©d)utbienft fott ben (Eanbibaten bed tpfarramtd bei ihrer SBeförberung ju einem fotdjen angerccpnet, unb fie bafür ge= biihrenb berüdfid)tigt merben. Iftod) entfepiebener atd in ben eoangetifdfen Sanbedtheiteu tritt bad tirchtiche (Element bei ben tatpolifdjen ©-' e tf)tWeifungen ertheiten, felbftänbig eingreifen, bemerfte VtiSftänbe abftellen ober burd; Veridjt an bie Regierung unb Hftittheilung an ben Sanb» rath auf beren AbfteHung hintoirfett; furg feine SO^ätigteit hat einen giemlid) weiten ©pielraum, unb er fann fid) leidjt gunt ©dfwerpunct für baS ©djulWefen feines Ve= girfS madjeit. Oaß er gugleid) ?ocalfd)ulinfpector fei, fucht man gu eermeiben. ©eine VMrffauifeit wirb febod) wie bie beS £anbratf)S burd) bie Verfd)iebenl)eit ber ©dtuleer» hältniffe in ©tabt unb Saub, fowie ben Unterfdjieb gwifd)en größeren unb Heineren ©täbten oielfad) mobificirt. Oie ©teilen ber Oberfdjulinfpectoren, beren jebent ein beftimmter ©dfulbegirf gugemiefett ift, bejfen Veauffidftigung il)m obliegt, unb für ben er baS nädffte Organ ber Regierung bilbet, infofern bie ©adje nid)t baS £anbratl)8ctmt unb in ben ©täbten ben ©dfuleorftanb angeht, finb unbefolbete UtebenfteHen, weld)e gewöhnlid) bem Vtetropolitan ber Klaffe (bem Vorftanbe ber ©eiftlidjen eines Heineren firdflidfen VegirfS, eines OedjanatS) ober einem anberen geeigneten ©eifilid^en übertragen werben, Stur für bie VolfSfd)ulen ber Ütefibeng Staffel ift bie ©teile beS Oberfdjul» infpectord ein felbftänbigeS Amt, welches gegenwärtig oon einem 9tid)tgeiftlid)eu befleibet Wirb, ©ie fönnen gWar jebergeit oon bem 3 u ft an be ber ©djulen ihres VegirfS perfönlid) Kenntnis nehmen, ftnb aber eerpflidjtet, jebe berfetben fährlid) einmal in ©egenwart beS SanbratI)S unb SocalfdfulinfpectörS grüttblid) gu eifitiren unb gu prüfen, wofür fie Oagegelbcr unb Steifefoften erhalten. 9?ad) jeber Vifitatiou, für wetdje wefentlid) baS» felbe gilt, was bei Vabett Vb. I. ©. 395 bariiber bemerft ift, wirb ein umfaffenber Reffen, ifuttjcffcit. 479 5ßerid)t nad) öorgefdjriebenen Formularen an tie Regierung erftattet. 9tud) feie ©d)itl= amtScanbibaten, für wetd)e im 3atir 1859 eine betontere Drbnung erlaffen würbe (f. Süben, ißäbagog. 3al)rcSberid)t. 1861. ©. 668), finb ifyrer 3Iuffid)t unterworfen, foffiie ifmen aud) bie Oberleitung ber ©djutteljrerconferenjen, Wo fotdje befielen, juftefyt. 2) ®ie jweite, bejieljungSmeife britte 3nftanj bilbet bie iprobinciät* Regierung, bei metdjer gegenwärtig bie ©teile beS ©djutreferenten, ber aber tebiglid) Referent ift unb {einerlei fetbftänbige ©inwirfung auf bas ©djutwefen tjat, ein Nebenamt ift, baS je(3t überall in ben .fpänben oon ©eifttidjen rut)t. ®ie ©djulfadjen werben oon ber Regie» rung nid)t cotlegiatifd) betyanbett, fonbert ©ntfdjeibung unb SBefdjtujj faßt ber ©ireotor, aud) Wot)t gegen bie Slnfidft beS Referenten. Für baS VotfSfdjutwefen im engeren ©inne ift bie ;ßroü.=Regierung in beit uteiften Slngetegenljeiten bie t)Bd)fie unb le^te Vetjorbe. ©ie ernennt, entläßt (f. o.), ßenfionirt unb fubftituirt alte Seigrer, wetdje nidjt lanbeäljerrlidj ju bejteUen finb, beftimmt über Zulagen tc. unb trifft bie attgemei= nen organifatorifcfyen Veftimntungen. Rur in Fäden ber Vefdjwerbe ober wo eS fid) um 9Raßnal)men für bie ©cfjuloerfyättniffe beS ganjen 8anbeS fyanbett, tritt baS 5Rini= fterium beS Smtern, beffeit Referent für Kultus = unb ©cfyutfadjen jebod) in ber Reget weber ein ©eifttidjer nod) ©djutmann, fonbern ein biojfer VerwattungSbeamter ift, aud) für bie VolfSfdjuten im engeren ©inne als l)Bd)fte SBetjorbe ein, fofern nid)t bie ©ad)e ber IanbeSt)evrtid)en ©enefymigung unterliegt. Fnr bie Realfd)uten aber unb bie gehobenen eintjeittid) organifirten größeren ftäbtifdjen ©djuten bilbet an fid) bie teilte Snftanj baS {Rinifterium beS 3nnern, WetdjeS tljeitS burd) allgemeine Verfügungen, tfyeitS burd) einzelne ©ntfdjeibungen wirffam eingreift. Rimmt man nun nod) bie inbirecte ©inwirfung ber ©emeinbebet)Brben unb ber ©eifttidjen als fotd)er, fo tann man gerate nidjt besauften, bag eS ber ©d)ute an Ve= einflufjung fel)te. ®al)er rüljrt bie Stage über Vielheit ber ©djulbetjörben, 3erffJtitte= rnng beS ©djutregimentd unb Vietfdjreiberei, worunter bie innere ©ntwicfelung ber ©efjute um fo meljr leiben müßte, atS' nur an ben wenigften ©teilen, nnb aud) ba nur gufättig SRänner ßont Fad) an ber Leitung ber ©djute beseitigt finb, wenn nidjt ber iPftidjteifer ber Seljrer ntandjen ©d)abeit abwenbete. ©afj aber auf bem ©ebiete ber VotfSfdjute meljr gefdjefyeu tonne, läugnet fein Sinfid)tiger. ©er Dberfdjutratt), Wetdjer im 3. 1805 erridjtet warb, gieitg 1822 wieber ein, unb feit ber 3«t fiat Snrljeffen feine tedjnifdje DberbetjBrbe für baS ©djutwefen, wie fold)e bod) für baS Sirdjett», SRebicinal =, Vauwefen ic. beftefjen. ©eun bie V5irf= famfeit einer im 3. 1848 erridjteten Dber=©d)utcommiffion bauerte nur furje 3eit. ©ie ©djutßftidjtigfeit ift burd) Verorbnungen oon 1803 unb 1818 geregelt nnb bauert oom jurüdgetegten 6. ükbeuSjaljre (Slufnatjme in bie ©djute ju Dftern ober Rtidjaetis, in ftäbtifd)en ©d)uten aud) wot)t nur ju Dftern) bis jur Konfirmation, für wetdje baS jurücfgelegte 14. SebenSjafjr als Reget gitt, baS aud) bei ben Satljotifcn unb 3Sraetiten terminus ad quem ift. ©er Seljrer I)at über beit regelmäßigen ©d)ut= befud) ju wadjen, bie Ütbfentenlifte forgfättig ju führen, giebt bie ©traffättigen an ben Snfßicienten (monattid) ober alte 14 ©age) ab, Wetdjer bann weiter bamit berfäl)rt, inbent er oerwarnt ober bie Strafbaren au ben DrtSborftaub atS Bffenttidjen ätnfläger abgiebt, ber bann bie 8ifte mit bem ©trafantrage bem ©eridjte iibergiebt. ©iefeS er= fenut gegen ben Vater :c. auf ©träfe oon 1—15 ©gr. für febett oerfäumten ©d)ut= tag ober auf entfpredjenbe ©efängnisftrafe im F n d c ber 3üf)tu i1 3 8im fät)i3f e >t > bie eiu= gejuben ©trafgetber aber werben jum Veften ber ©d)ute für Defirmittet ober ©d;reib= materialien unb Vüd)ev für arme Sinber oerwanbt. Vom Vefitd) ber VolfSfd)ute befreit au^er forpertidjen ©ebredjeit nur ber Vefud) einer anbern offeuttidjen ober einer conccffionirten )ßrit>atfd)ule. Vei bloßem ipriBat= ober I)äuStid)en Unterridjte I)at bie ©d)utbel)Brbe (etwa burd) anjuftetteube Prüfungen) barüber 3U wad)en, baff bie betreffenben Sinber geniigenb unterridjtet werben. Riit gewißen localen ?tuSnat)men mu§ jebeS fd)utßfüd)tige Siitb, beffen ©djutbefud) nadjge« 480 •Reffen, jfMrJjeffctt. Wiefen Werben muß, baS ortsübliche ©djulgelb in feiner ©emeinbe bejahen- 3ebod) werben biefe 23eftimmungen über ben ©djulbefud) unb baS ©d)ulgelb nid)t überall mit gleicher Sonfequenj auSgeführt. 3n Äaffet jaulen bie Äinber ©djulgelb nur an bie Schule, welche fte wirtlich befuchen, gleid)»iel ob öffentliche ober pribate, unb finbet fein fogen. ©djutgelbjWang ftatt. 2 . ®ie eigentliche 33 olfsf djule. 9iad) ber neueften 33olf8jähIuttg hat Sur= heffen in feinen 4 ißrobtnjen Diieberheffen mit ©djaumburg, Dberl)effen, jfulba mit ©djmalfatben, unb §anau 601,607 eöangetifche, 106,955 fatljolifdje, 18,164 iSraelitifd)e, alfo überhaupt 726,726 6 inWol)ner. ©d)nleit beftanben a) in Sanbgemeiuben 899 ebam gelifdje mit 987 Sehrern, 117 fatl)olifd)e mit 130 Lehrern, 61 iSraeliJifcfje mit 49 Lehrern, b) in ©tabten 111 ebang. ©chulen mit 384 Sehrern, 27 tathol. mit 62 Sehrern, 37 iSrael. mit 37 Sehrern. 3n Sanb» unb ©tabtfcf)ulen (mit 2lu8nal)me ber ©hmnafieit unb ber ißribatfd)ulen) waren 105,512 ebangel., 17,376 tätigt, unb gegen 3230 iSraelit. Äinber fd)ulpflichtigen 3llterS, alfo burd)fd)nittlid) nad) ben berfdjiebenen ißrobinjen nal;e an 18°/°- ®iefe ©d)uten bertheilen fich unter 60 Dberfd)ulinfpectionS= bejirfe bon fehr berfdjiebcnem Umfange. 9fiid'fid)tlid) beS ©d)ulgelbe§ finbet fepr große 33erfd)iebenl)eit ftatt. 3n manchen urfprünglid) tirdjlich botirten Sanbfd)ulen, in anbe» reit, Wo bie ©emeinben fo woljlhabenb finb, baß alle 33ebiirfniffe ber ©djule aus ber ©enteinbefaffe heftritteu werben, wirb gar fein ©chutgelb gejohlt, in anbern wedjfett eS bon 10, 12, 15 ©gr. bis 1 jährlich, währenb in ben ©tabten je nad) ber 2lrt ber ©djuten ebenfalls fehr berfdjiebene ©djulgelbfäfce gelten. 3nt allgemeinett Wirb fidj baS eingehenbe ©djulgelb auf 60,000 ®t)h'- jährlich beranfdjlageit laffeit. ®er Srtrag auS betn mit ©d)ulftellen berbitnbenen Äirdjenbienft in ©tabt unb Sanb (981 ©teilen) Warb im 3. 1846 auf 28,669 ®l^ r - 3 ©gr. berechnet. ®ie ©taatSfaffe trug nad) bem 33oranfd)Iage für bie le( 5 te ffinanjperiobe jährlid) bei: 72,000 Sljfr- S u ben 3Sefotbungen ber bei ben nieberen 33olt8fd)ulen (einfdjließlidj ber 9fealfd)ulen) angeftett= ten Lehrer, 14,330 SUljür. 31 t ben Sanbfdjulfaffen (f. u.) unb 4000 ®l)lr. als Unter» ftü(sung 31 t folchen ©d)u(t)auSbauten, weldje ben politifd^en ©emeinben obliegen, wäf)= rettb bie nid)t unbeträd)tlid)en Ausgaben für ©d)uthau 8 bauten, bei welchen ber ©taat bie 33aupflid)t h^t, unter ben Äoften beS ©taatSbauWefenS »errechnet werben. S5er= gleichen wir biefe ©nennten unter 33erücffid)tigung beS territorial» unb (äinwoljnerber» hältniffeS mit bem Slufwanb anberer Staaten für baS 33olf8fdjulWefen, fo ift anjuer» fennen, baß Äurljeffen eine ber erften ©teilen einnimmt. ©0 führt 3 . 33. ber preußifd)e ©taatSljauShaltSetat für 1860 nur 227,689 £f)£r. für Slementarfdjuten unb 35,000 ti)^ jur Unterftü^ung ber ©lementarlehrer auf. 33gt. © t i e h t Sentralblatt 1860, ©. 392.394. 2 Ba 8 ©emeinben, ©tiftungen, Patrone u. f. w. besteuern, ift nicht ermittelt. Ueber» haupt muß hier bon einer genauen 33ered)ttung abgefehen werben, ba eine ftatiftifdje (Sommiffioit erft feit einigen 3al)ren thätig ift, unb bie auf bem f3ribatwege gemad)ten ®r= mittelungen nidjt juberläßig genug erfdjeiitert. — Sehrerinnen werben überhaupt, abge» fepen bon ben tathol. ftäbtifdjen ©chulen 3 U gulba, bei ben öffenttidjen ©chulen nid)t beftellt, unb eS giebt foldje nur, außer au Ißribatmäbdjenfdjulen in einjelnen ©tabten, in ftäbtifdjen 93Jäbchenfd)ulen für ben Unterridjt in weibtidjen Jpanbarbeiteit, welcher in ben Sanbfdjulen in ben bei weitem meiften Drten gang WegfäKt. 2BaS für ein 9fefuttat bie 3$olfsfdjulbilbung habe, läßt fid) einigermaßen nur auS bem 33olfSleben erfennen; benn beröffentltd)t wirb barüber nichts. 3ebenfaßS ift bie 3nf)t ber GrWadjfenen, Weldje nidjt lefen ober fdjreiben fönnten, in Sturljeffett überall eine fehr geringe, unb fontmen foldje bei ber SluSljebung junt SJiititär gar nid)t mehr bor. 2Bie bie innere SDrbnung ber turl)effifd)en 33olfSfd)ute fid) gefdjidjtlidj entwicfelt habe, babon fantt l)wr unter 33erweifung auf baS 0 . a. 33ucfj bon tpeppe abgefepen Werben. 3£aS bie gegenwärtigen SSerhältniffe betrifft, fo giebt eS feinen für alle ißro» öingett gültigen allgemeinen DrganifationS» unb Sehrplan, noch allgemeine 33or» fdjriften über (Jlaffeneintljeilung, ‘Kapimum ber Äinberjaht in ben einjelnen ©chulclaffen, •§cfTcn, ÄurfjefTett. 481 SRapimum ber ©tunbengaljt für Server unb ©djullinber, SiSciplin u. f. w. IBieleS ba= oon wirb burdj bie localen 33erljältniffe, SBebürfniffe unb SRittel, fowie burdj ben ßlja» rafter ber ©djule (ob Sanb» ober ©tabtfdjule, unb biefe wieber enüoeber gehobene ober niebere) bebingt. 3m ganzen gilt als SDlapimum ber ©tuubenjaljl für ben Seljrer 26 bis 32 wödjentlidj. Sas SDtapimum ber ©djilterjaljl Wedjfelt feljr; eS giebt nodj ein» claffige ©djulen oon 140, ja 150 unb 160 ©d)ütern. Siefer Mangel an allgemein gültigen Regelungen ift woljI am meiften baburdj bebingt, baff eS (f. o.) an einer ober» ften ©djulbeljörbe feljlt, weldje jeberjeit bie SBebürfniffe ber ©djule flar erlännte unb barnadj bie nötigen Slnorbnungen träfe, ©o wie bie ißerljältniffe fiitb, liegt baS @e= fdjid ber ©deuten in ben Rauben ber ißrooincialregierungen, beren Referenten für ©djul» fadjen aber, toie oben bemerlt, nidjt ©djulmänner ju fein braunen. Sie einzelnen Re» gierungen fabelt benn and) im 3. 1853 Drbnungen für bie SolfSfdjulen ber betreffen» ben -ßroüingen erlaffen, Weldje fidj über Sinridjtung ber ©d)ule unb beS UnterridftS oerbreiten unb Sienftamoeifuugen für bie Seljrer, Socal» unb Dberfdjulinfpectoren geben, unb auf benen nun augenblidlidj toenigftenS baS niebere 23oll6fdjulWefen beruht, benn auf bie ftäbtifdjen ©djulen mßdjten biefe ©djulorbnungen enüoeber gar nidjt ober hödj» ftenS, fofern eS 2lrmenfdjulen finb, antoenbbar fein. 3n ben ©täbten Ijat leidjt jebe ©djule üjren befonbern DrganifationS» unb Seljrplan, beffen (Genehmigung halb oon ber betreffenben Regierung, halb oon beut DrtSfdjuloorftanb unb bern Dberfdjulinfpec» tor abhangt. Sa aber oon jenen ©djulorbnungen nur bie für bie fprooinjen Rieber» tjeffen unb Dberljeffen congruent finb, bie für bie fßroöinj Hanau oon jener fehr we= fentlidj, unb jtoar oortheitljaft abtoeicht, audj bie für bie i|5roüinj gutba nicht ibentifdj ift, unb überbieS in biefer bie ©djulorbnung oon 1781 in allen redjttidjen 23erljältniffen bis Ij^ute gefefjlidje SBebeutitng £jat, fo toirb baburdj eine allgemeine SarfteHung ber inneren Drganifation ber lurljeffifdjen ©chulen fehr erfdjwert. ®S toirb beShalb hier bie ©djulorbnung für bie ißroüinjeu Rieber» unb Dberljeffen 3 U ©runbe gelegt, toeldjer bie ber fßroüinj gulba in ber gangen Sluffaffung fehr ähnlich ift. Hiernach befteljt bie Hauptaufgabe ber SBoUSfdjule barin, bie ihr übergebenen Sinber burdj Sehre unb 3 u ^t in bie burch bie heilige Saufe begrün» bete ©emeinfdjaft mit bem lebenbigen unb gegenwärtigen ©rlöfer 3efuS SljriftuS oölliger einjufüljren unb barin jn erhalten. 9llS notlj* toenbig 10 erb eit baljer biejenigett UnterridjtSgegenftänbe begeidjnet, ohne welche jenes 3iel nidjt erreicht werben fann, als nur nü^lidj foldje, Weldje gunäcfjft jwar anberen SebenSjweden bienen, offne jebodj bie Srreidjung beS HauptgWedS 3 U Ijinbern; als fdjäb» lidj aber foldje, bei benen lejstereS ber gaU ift. 3I1S nothwenbige Sehrgegenftänbe werben bann bejeidjnet 1 ) baS Sefen, als beffen 3W feftgeftettt wirb, bajj bie Äinber bie bibltfdjen ©efdjidjten, ben ÄatedjiSmuS, bie ©efangbudjSlieber unb überhaupt jeben Slbfdjnitt ber ©djrift laut, ridjtig, fertig unb wortoerftäublidj lefen fonntn. „Ser ®e= braudj eines fogen. ÄinberfreunbeS fällt, ba nadj ber gib'el nur jene Sehrmittel gebraucht Werben, hiermit in ber Regel als unnötljig oon felbft aus“ (bie gfulbaer Drbnung will neben SSibel :c. nur foldje Sefebüdjer gebraucht (ja^n, bie 3 ngletdj Seljrbüdjer finb; bie Hanauer Drbnung nimmt einen höh e «tt ©tanbpunct ein unb bewegt fidj freier, tnbern fie mit üluSfdjliefjung ber eigentlichen grammatifdjen Seljanblung einen tüchtigen ©pracfjunterridjt moglidj madjt); 2 ) bie biblifdjc ©efchidjte, oor beren blofj me» djanifcher unb utemorialer (Einübung gewarnt wirb; 3) SatedjiSmuS; 4) @e» fang, biefer als WefentlidjeS SRittel ber gemeinfdjaftlichen Stnbacfjt unb beS öffentlichen ©otteSbienfteS, baljer, mit SluSnaljme oießeidjt einiger 25olfSlieber, nur (Sfjoralgefang. 3« ben nur nühlicfjen UnterridjtSgegenftänben werben geredjnet: baS ©djönfdjrei» ^en, ber fchriftlidje ©ebanlenauSbrud, baS Redjnen unb Wo locale SSerljättniffe eS erfor» bern ober wo ber Seljrer ber ©adje in djriftlichem ©eifte befonberS mächtig ift unb eine Seeinträdjtigung ber übrigen UnterridjtSgegenftänbe nicht 31 t beforgen fteljt, audj bie cpäOaQ. öntgtlopübic. in. 31 482 Reffen, Jtudjeffcn. 3apl ober (äigenthümlidjfeit ber Sinber fein .§inbernis abgiebt — Srbbefdjreibung mit befonberer Seriiefftcbtigung beS SaterlanbeS, etwa abwedjfelnb mit 9laturgefd)id)te unb mit SDarfteUung ber «oidjtigften ©hatfad)en auS $ird)en=, SDUffionS» unb Ißrofangefdjichte. ftiefür finb bann natürlid; bie 3 iele nid^t hod) geftedt. Seftimmte SDietl^oben finb nidjt öorgefdjrieben. Sin ©tunbenplan für eine einclaffige and 3 S'Cbtfjeilimgen befteljenbe ©d)ule, in weldjer aber Änaben unb SDiäbd)en in jeber 2lbtl)eilung befonbere ©ijje an- jutoeifen finb, wirb in folgenbem ©djema gegeben: S 1 11 n it c n p l a tt. lüormiltniie: Siorfjmittanä: 3Öod)cntflgc. 1. ©tunte. 2. ©tunte. 3. ©tunte. 1. '©tunte. 2. ©tunte. Sltontag unb EonnerStag. ®ebet, 1 SJerS ©efang, I. u.II. Seien unb bibt. ©efcb. mit SSibetfunbe. III. Sefeu. ÄatedjismuS, Sieber. ©efang. fRedjnen (Sonnergtag Schreiben) cb. gemeimnlplicbe ®egeitflänbe. ©ienstag unb greitag. Stßie SJiontag. 23Sie SJtontag. 2B.ie iDtontag. Rechnen. Schreiben. SKittwod) unb ©onnabenb. S38ie SDlontag. SEBte SJiontag. ®e(ang. ©er bem ©ebiete ber Religion entnommene ©toff wiegt alfo, ba and) baS Sefen fid) nur in bemfelben bewegt, übermäßig »or, wie and) barauS fjer»orgel>t, baß, wo Ijerfömmlid) im ©ommer eine geringere Stnja^I bon UntcrriditSftnnben erteilt Wirb, biefebann nidjt unter 18 finfen, bon biefen aber SaufSefen (bibt. ©efcb., Sibet u. f. W.), 3 auf ÄatedjiSmuS, 3 auf @efang, auf Schreiben unb fftecpnen aber nur je 2 »erWanbt Werben, unb bie gemeinnii^lidjen ©egenftänbe, wenn fie fonft berüdfidjtigt Werben, ganj auSfallen follen. Sßie oiel fid) aber bei 2 ©tauben wöchentlichen UnterridjtS in einer boHen eindaffigen ©djule erreichen laffe, weiß jeber ©djulmann. ©od) ba bie ganje Äritif biefed ©djuIplanS fid) jebem Äenner bon felbfi ergiebt, fo faun Ijier bon einer foldjen Umgang genommen werben. 33on ben in iljm 3 U Sage tretenben (Sinfeitigf eiten hält fid) bie ©d)ülorbnung ber Ißrobing £>anau fdjon baburd) fern, baß fie bon oorn herein bie Aufgabe ber 93olfSfd)ule anberS faßt — §. 1 „bie Solfsfdjulett, als ®r= jiehung§= unb UnterridjtSanftalten für bie Sugenb, höben eine hoppelte ©eite; fie finb eben fo feljr grunblegenbe S3orbereitungSanftalten für baS firdjlidje, wie für baS bür= gerlidje 8 eben (welches lautere in ben übrigen eigentlid) gar nicht als berechtigt ancr- fannt wirb). Sine einljeitlidje nach beiben ©eiten als gefunb unb lebenSfräftig fid) bewäljrenbe ÜSolfSbilbung ift iljre Stufgabe," — unb ben Unterfdjieb jWifdjen notI)Wen= bigen unb nur nfifclicfjen UnterrichtSgegenftänben gar nidjt aufnimmt. Sbenfo ift, waS biefe ©djutorbnung über baS 33ibellefen, ben ©efang, ben Unterricht in ber ©pradje unb ber 3Beltfun.be fagt, ber Slnerfennung Werth, famt wenigstens auf biefer ©runb= läge eine tüchtige SSolfSfdjute fich entwicfetn, gumal ba fie bie nöthige Freiheit gewährt. Slud) ber oorgelegtc s JJormalftnnbenplan hat eine anfprechenbere Raffung. ©liidlidjerweife höben jene ©djulorbnmtgen bie ftäbtifdjcn ©d^ulen 001 t born ljer= ein giemlidj außer ad)t gelaffen, unb ba für biefe fein 9?ortnallehrplan epiftirt, fo war wenigfteitS biefen bie SJlögtidjfeit gegeben, fich freier 31 t bewegen. ©al)er fommt eS bentt aber and), baß hier bie 3iele je nad) bem Umfange ber ©d)ulen unb ben beein= fluffenben ißerfönlidjfeiten Weit auSeittanber gehen. Sei ber Unmöglidjfeit, biefeS in Wenigen Bügen barjuftellen, fei hier nur bemerft, baß man in ben ftäbtifdjen ©ch"ten ■§ offen, Äurficffen. 483 ben gorberungen ber 3«t, ohne Stufgeben einer pofüioen ©runblage, geredjt ju »er* ben fudjt unb manche berartigen ©djulen ge»iß ben beften in ©eutfcfjlanb gleich ftetjen. 3)a »erben ©efdjidjte nnb ©eografh», 9}Jat^ematifunb9?aturtunbe,3ei^nen gebüh* renb berücffichtigt unb manche Seljrptäne finb mit großer (Sorgfalt auSgearbeitet. 3)a8 Turnen ift, fo »eit eS bie Solf8fd)ule angetjt, bis jeljt nur an einzelnen ©djulen in ben größten Stabten betrieben »erben, bat aber in ben testen Sauren einen lebhafteren 2luffch»ung genommen unb regere Theilnahme gefunben; in Äaffel unb fpanau befielen auch fßrioatturnanftalten für SDTäbd^en, »eldje fleißig benufjt »erben. Seiber ift nur baS Turnen »ieber aus ben ©eminarien oerbannt, unb bod) »äre es ba gerabe fo feljr nötbig. ©djitlbiarien oon ©eiten ber Sehver, ©d;ulprotofoHe oon ©eiten ber Snfpicienten mäßen überall geführt »erben. Sei ben Sanöfdjuten gilt g»ar bie Sifitation burerfommen beftimmten 3 £ it 3 2Bo*ietung gegen KItern unb Seljrer, gegen toeltlidje unb fird)lid)e Qbrig* feiten, inSbefonbere gegen bie ißerfon beS SanbeSherru erfüllen foHen. 2118 baS »id)= tigfte SJfittel h»*ä u foHen fie ftetS ihren perfönlidjen Sinfluß auf baS ©emüth ber fiinber burd) 293 ort unb Söanbel anfehen. 3n ben Sailen aber, »o bie 2ln»enbung förperlidjer 3üd;tigung geboten erfcheint, haben fie aller Seibenfd)aftlid)feit fid; ju ent* halten unb bie 3üd)tigung in einer foldjen ÜBeife auSjufühten, baß baburd) bem 3wec£ ber Strafe fein 2lbbrudj gefdjieht. „2luS biefem ©runbe finb alle ber ©efunbljeit nach* theiligen ober baS ®h r g e fühl oerlefsenben ©trafarten, namentlidj baS Schlagen an ben Soff, ba§ gludfen unb Schmähen, ber ©ebraud) ehrenrühriger 233orte, »eld;e fidj auf bie KItern ober Ser»anbten ober auf unoerfcfjulbete üble Serljältniffe ober natürliche ©ebrechen ber .Sinber bejiehen, gän$liefenttidjen auf bie 3unftorbnung öont 5. SDtärj 1816, beftet;en (33 im gangen Sanbe) faft in aßen ©täbteu unb einigen gtecfen unb haben ben 3 to ecf, jungen Seuteu, bie fid) einem £aubwerfe wibmett, ttjeitS 9Jad)£)ü(fe unb ©efeftigung in ben gewöhnlichen ©djntfenntniffen gu gewähren, theils biejeutgen Äenntnijfe unb fertig» feiten beigubringeit, bie fie gunt oerftanbigen ©etriebe ihred ©efdjaftS gefdiidt madjeu. 3n ben größeren ©täbten gerfaßeit fte in gwei Slbtbeitungen, bie eine für bie Sehrtinge ber ©ait=, bie anbere für bie ber übrigen §anbwerfe. 3n feiner fo'lt ber Unterricht über 4—-6 ©tunben wöd)entlidj auSgebehnt Werben, öon Denen in jener 2 auf ben ©onntag faßen biirfen. 3n ber 1. (ber aßgemeinen) Stbtheilung foß ©djreiben, ÜJed>= nen, beutfdje ©prad;e, ©eographte, 9?aturfunbe unb ©eometrie mit 9Jücffid)t auf baS befonbere ©ebürfntS ber ^anbwerfer, auch baS Söefentlidjfte aus ber ©icitetif oorgetrageu Werben; bie 2. Slbtheitung (für ©auhanbwerfer) foß ©eometrie, ßeichnen, ©erfertigeu t>on pfiffen, SDfobeßireit unb anbere bem ©auhanbwerfer nüfstidje praftifd;e Äenntniffe lehren. Sahrlid) finbet eine öffentliche Prüfung ftatt. ffiir bie giinftigen fpanbwerfe ift ber Sefitd) obtigatorifd), unb bie Sßfeifter, bereu Sehrtinge ben Unterricht «erfäumeu, werben bafür mit ©elb beftraft. Sind) nutfj jährlich burd; eine SSefdjeinigung ber betr. Sehrer ber 93efud) ber ^aitbWerfSfchute nadjgeWiefen werben. '^Diejenigen Sehrtinge je» bod), Wetdje ftd) fd;ou hinreidjenbe Äenntniffe erworben haben, fönnen oon bem ©efudj ber 1. Slbttjeilung befreit werben. ®ie Sehrerfteßen an ben £>anbwerfSfchuten fiub Ufebenfteßen, bie tljeite oon Sehrern anberer ©djuten, theits (namentlich in ber 2. Stbtlj.) Bon anbern tedmifd) gebitbeten SDtannern, befonberS oom ©aufaib, oerfetien werben. 3ur ©eftreitung ber Soften biefer Slnftatten finb beftimmt: 1) ein öon bem Sehrting gu teiftenber ©eitrag bei feinem Sinfd;reiben nnb SoSfprechen, 2) ein Slntheil oon bem ©ewinn oom ©erfauf ber Sehn = unb tDteifterbriefe unb ber äBanberbüdjer, 3) eilt geringes fml&iährlidjes ©djulgetb, baS jebod) häufig wegen Sürftigfeit ertaffen Wirb, 4) ©trafgetber wegen Uebertretung ber ßunftorbnung, 5) 3' n f en öou etwaigen Sapitatien, 6) ein ©eitrag aus ber ©taatSfaffe, welcher nenerbingS gu 2000 ©haler feftgefefct ift. 3ur ©erwaltung biefer ©etber beftehen eine aßgemeine Danbwerfsfdjulfaffe tn Raffet nnb befonbere taffen an ben Drten, Wo eine.f?anbwerfsfd)ute ift. 3ebe §anbWerf8fdjute hat it;r Sorftetjeramt, Welches gewöhnlich aus einem ©er» WattungSbeamten (bem Sanbrattje), bem ©ürgermeifter, einem ©eifttichen, bemSanbbau» meifter unb einigen tüd)tigen fpanbwerfömeiftern befiehl. £5berbet)örbe ift bie betreffende ©rooinciatregierung. ®aS ©orfteheranit gu Staffel ift aber gugteid) ©erwaltungSbehorbe für bie aßgemeine §anbwerfsfd)ulfaffe unb technifche ©ehörbe in §anbwerfsfd)utfad;eu für aße gaße, in wetdjen baS SDlinifterium beS 3nnent ober eine ©roüincialregieritng eine ©egutadjtung oertangen, unb ftet;t infofern unter bem ÜDtinifterium beS Snnern ats ber hödjften ©ehörbe aud) für biefe Slnftalten. $ie üDtitglieber ber ©orfteherämter, mit UluSnahme beS gu Staffel, beffen SOtitglieber burdj tanbeSbjerrtiche Sntfd)tießung ernannt Werben, unb bie Set;rer ber ^anbwerfsfdjulen werben oon ben betreffenben ißrooincial» regierungen ernannt. — 25iefe £anbWerfSfd)uten haben gewiß einen fehr guten 3 lBe ^ unb üerbienen eifrige görberung. 2lud) pflegt Die gweite ober tedjniid/e Slbttjeitung, wo eine fold>e befleiß, oon ben Sehrtingen mit Sifer betrugt gu werben, ba bereu jaraftifetjer ÜJutgen für baS fpanbwerf oor Singen liegt. 2önS aber bie erfte Slbtheilung betrifft, fo hat fie au ber ©leichgültigfeit, ja bem Söiberwißeit Bieter üDWfter, bie ungern ihre Sehr» tinge ntiffen, an ber förderlichen Slbfpanuung unb Srmiibung biefer unb an ihrer gu ungleichen tßerföntidjteit unb ©orbitbung fd;wer gu befiegenbe §inberniffe. 25er Srfolg ift baher im gangen gering, befonberS wenn bie Slbtljeilungen gu galßreid) befudjt finb unb fidö nicht auf treife Oon 10—20 Sehrlingen befdjränfen. SS Wirb hier fehr oiet auf beit Set;rer antommen, um bie Sugenb fogar troh ber Sßteifter gu gewinnen; aber «8 ift nicht gu oerfennen, baß noch anbere Stemente mitwirfeit müßeit, unb eine 9iefornt erfcheint briitgenb nothwenbig. ©5aS nun bie Selprer ber ©otfsfdjute betrifft, fo finb ats eigenthümtid) gu benterfen •§effcn, Äutl;rffen. 485 bie au§ älterer 3 e 't hcrrüljreuben SJectorfteßen in manchen Heineren ©täbten itnb einigen Saubgemeinben. ©ie finb bie Ueberbleibfel früherer latemifdjer ©d)ulen, unb eine Sei= tung ber ©djule tommt einem folgen 0iector n ! ^t gu. Sr fyat bie erfte Slaffe unb erteilt aud) BorbereitungSunterridjt für ein ©ijntnafium, bieS jebod) meift pribatint unb gegen befonbereS Honorar, ©enjöfjntid; ift er aber aud) berpfliditet, bem Pfarrer einige Sluäptfe gu leiften, meS^alb faft nur Sanbibaten beS ißrebigtamteS eine foldie ©teile erhalten, gu melier fie itjre Befähigung burdj eine befonbere Prüfung (ba§ Rector» eyamen) nad)Weifeu müßeit, bie fid) über Religion, alte ©pradjen unb Realien erftredt unb oor einer befonberen, hauptfädjlidj auS @t)mnafiallehrern gufammengefefcten fiorn» miffion abgelegt wirb. SDiefe 9iectoren ^aben eine afabemifdje Bilbung, Wa§ fonft nur oon ben Borftänben ber bebeutenberen ©d)ulen in größeren ©täbten unb mandjen 3ieal= leerem gefagt Werben fattn. ®ie SDiaffe ber Seljrer ber BolfSfdjule, bei Weldjen ein Unterfdjieb gwtfdjen ftänbigen unb unftänbigen u. bgl. nicht ftattfinbet, unb bie fid; nur infofern unterfdjeiben, ob fie wirflidj angefteßt finb ober als Beauftragte ober ©eljülfen im üSorbereitungSbiertfte ftel;en, ift feminariftifdj gebilbet; eS fehlt jefst burdjauS nicht an Sanbibaten beS Sehramteg, um afle ©teflen genügenb beferen 51t fötinen. ®er größeren ßafyl nad) gehen biefe aus bem ©taube ber Selber felbft fyerbor, iubem bie ©öfnie t>on Seljrern fid) meift aud) wieber bem Sehrfache, wibmen; eine Heinere 3afß tommt aus bem Bürger» unb Bauernftanbe. ®aß eS nidjt an Sanbibaten fehlt, berbanten wir t^eitS bem Uniftanbe, baß baS inbuftrieße unb commercieße Sehen in fturheffen im aßgemeinen nod) nidjt eine foldje Bebeutung £>at, baß aße ftrebfameren Söffe auS ben nieberen Greifen ber ©efeßfdjaft ftd) am liebften jenem guwenben möchten, tljeilS ber anerfennen§wcrtl)en jyürforge ber ©taatSregierung, bie Befolbungen ber Seijrer gur red)ten 3«t gu berbeffern, Woburd) gerabe bie ©öfyne non Seljrern am meiften bermodjt werben, wieber bie Saufbaljn beö BaterS einjufd^tagen, tljeilg bem geniigfanten, feften ©inne be§ BoIfeS, unb ber 5ßd)= tung, bereu ftd) ber gute Beßrer unter feinen Mitbürgern erfreut, fowie enblid) bem, gang abgefeljett bon ben ©tipenbieu, fo geringen Betrage ber für Unterhaltung unb WuSbilbung ber ©eminariften bon ben filtern aufjuWenbenben Soften. fig giebt 3 ©eminarien, gWei ebangelifdje, nämlid) in fpomberg für bie ißrobinj 9tieberl)effen nebft ©djaumburg unb bie benachbarten Sreife ber -ßrobing fjulba unb ©berfyeffen, in ©djlüdjtern für bie fßrobinj fpanau unb bie biefer benachbarten Sreife bon Dberljeffen unb gulba, unb ein EatbjolifdjeS in gulba gur SluSbilbung ber fatf)o= lifdjen @d)ulanit8canbibaten im gangen Surftaate. ®ie innere Drganifation biefer ©emi= narien, bie rein ©taatSanftalten finb, weldje auS ber Mitte ber 30ger Saläre b. 3al)r= Ijuubertg herrührt, wo aud) bie älteren ©eminarien gu Staffel unb Marburg (»gl. §eppe) aufgelöst unb nad) fpomberg unb ©djlüdjtern berlegt würben, ift wefenttid) biefelbe. 3Ijre Borbilbung erhalten bie ©eminariften meifteng in Braparanbenfdjulen, weldje hie unb ba bon Sehrern gehalten werben, bie bon ber Regierung für befonberS geeignet er= Hart Worben finb unb bie ©enehmtgung bagu erhalten l)äben. ®ie Slfpiranten foßen neben genauer SenntniS bon BittljerS fleinem Sate^iSmuS unb einer Slngahl ebang. Äernlieber bie wichtigeren Sehren beS fihriftenthumS fdjrift» gemäß unb nad) bem Belenntniffe ber Sirdje fo flar erfaßt unb nad) ihrer biblifchen Begrünbung fo fidjer erfannt haöen, baß fie im ©taube finb, fid) barüber fdjriftlidj unb münblid) rid)tig unb berftänblid) auägufpred)en, aud) Wohl beWanbert fein in ber biblifd)en @efdjid)te alten unb neuen ®eftamenteS, in ber ©eograpljw SenntniS bon fiurheffen, ®eutfd)lanb unb fiuropa gewonnen h^^ n wit ben widjtigeren fireig» niffen ber baterlänbifd)en unb ben h^Obrragenben ber aßgemeinen ®efd)id)te belannt fein. 3m Sfedjnen foßen fie fidjer fein in ben 4 @runbred)nung§arten mit gangen unb gebrochenen, benannten unb unbenannten 3 Q ^ en unt) Berfahren gehörig entwideln fönnen. ©ie foßen fidler, lautreiit, geläufig unb mit richtiger Betonung lefen tonnen, mit ben widjtigeren Regeln ber Sprachlehre befannt unb im ©tanbe fein, eine etwas 486 ■Reffen, ÄurhctTen. au 8 fül)rlid)ere Sefd)reibung öerftänblidj, ol)ne gröbere SSerftöge gegen bieEledjt» fdjreibung unb mit beutlicfjer §anbf(^nft ju geben. Elußerbem füllen fie im (gefang, (Slaüier=, SSiotin = unb Drgelfpiel toie in ber (Elementar = EJlufiflehre bie nötigen Sor» ftubien gemad/t unb einige gertigfeit erlangt tjaben. Stuf biefer (grunblage beruht ber breijäl)rige ©eminarcurfuS, in toeldjem bie 3ög= linge in ben oerfd)iebenen 3®eigen ber EMigionSleljre, beS beutfcf)en ©prad)unterridjtS, in (geographie unb @efd)id)te, Slrithmetif unb (geometrie, Efaturfunbe, (Erziel)ungg= Xebjre unb ©djulfunbe, @d)reiben, 3eid)nen, fDfufif ((gefang, (Elaüier», 9Siolin=, Drget= f^iel unb Harmonielehre) toeiter unterridjtet unb geforbert toerben, §ugXei(^ aber aud) Einleitung jum Uuterridjten erhalten follen, unb fid) praftifd) im ©djulhalten üben müßen, theilS mit einzelnen ©d)ülern, theilS mit gangen (Eiaffen, immer unter Leitung unb Sluffid)t beS ©irectorS ober beS einen ober anbern ©eminarlehrerS, toeSljalb ju jebem ©eminar mehrere ©d)ulen beS DrtS unb ber Efadjbarfdjaft als fog. ©eminar» fdjulen in befonberer Segieliung ftehen. ®ie Sehrziele finb im gangen btefelben toie in ben preußifdjen ©eminarien, bereu innerer (Einridjtung überhaupt bie ber turljeffifdjen fehr äl)nlid) ift. EJad) abfoloirtem ©eminarcurfuS fiubet bie Slbiturientenprüfung ftatt, toeldjer ftd) aud) biejenigen unterziehen müßen, toeldje enttoeber in feinem ober in einem auswärtigen ©eminar. ihre Sorbilbung erhalten lml>en (toaS aber feiten üorfommt), nnb bie oon bem ©irector unb ben orb. ©eminarlehrern, ber Eiegel nad) in Seifein eines ©epu» tirten ber Efegierung, Oorgenommen toirb. ®ie fo (geprüften unb Seftanbenen toerben bann gunädjft enttoeber mit einem offentlidjen ©djulbienffe beauftragt ober olt toerben. Jeber (geprüfte erhalt ein allgemein gehaltenes SefäpigungS» unb ©ittenjeugniS zu eigenen H“«ben, eingehettbere 3 eit S n tff e über Sefäpigung, gleiß unb Setragen toerben 5 ugXeid) ber Eie» gierung eingereid)t. ®ie 3 ahl ber eigentlichen ©eminargoglinge beträgt zu Hon^erg unb @d)lüd)tern fe 60 (unb barüber), IÜ 03 U bann immer noch einige außerhalb beS ©eminarS tool)nenbe fog. H°fpitanten fomrnen; in gulba ift bie 3 a hf au f 24 feftgefegt. ®a bie oon ben ©emiuariften zu gal)lenben Äoftgelber (für ioeldfe fie Unterrid)t, EBopnung nebft H e ’ 3 Zung unb Sicht, Äoft, pflege u. f. m. erhalten) gering finb, nämlich in Homberg unb ©d)lücf)tern nur 25, in gulba 24 ©plr. jjähdid) betragen, auch anbertoärtSher nur unbebeutenbe Seiträge ber ©eminarfaffe z«fließen, überbieS an jeber Elnftalt nid)t bloß eine Einzahl greiftellen (10) befteht, fonbern aud) einige ©tipenbiaten außerbem Unter» ftiigung erhalten, fo hat ber ©taat nad) bem (Etat Der legten ginangperiobe jährlich 18,820 ©plr. 3 ur Unterhaltung biefer Slnftalten beizutragen, ©agegen muß fid) jeber ©eminarift bei feiner Slufnapme oerpflidjten, fich bemnädjft zunt ©ienfte in ben einpei» mifd)en Solfsfcpulen Oertoenben zu laffen, anbernfaflS aber eine angemeffene (Entfd)äbi» guugSfumnte an ben ©taat zu zah^ en - ©obalb er aber bem ©taate ztoei Jahre gebient hat, fo erlifdjt ber oon ©eiten beS ©taatS an ihn z u erhebenbe Efed)tSanfprud). UebrigenS pat jebeS ©eminar feinen eigenen (Etat, unb bie Sehrer eines jeben einzelnen Reffen, Äutljcfictt. 487 rangiren unter ftcf), nidjt als ®efantmtl)eit; aud) finb bereu ©eljalte fcl;r oerfd)ieben unb fönnten »enigftenS in §omberg unb bftbaumgud)t gegeben »irb; im gangen aber ift (außer ber ißrooing Ipanau, »o bie Seljrer in fjolge ber gu ©d)lüd)tern erhaltenen Slnregung ficE) feljr für ben Dbftbau intereffiren) ber ©inn bafür »ie für ©eibenbau unb 23ienengud)t, »eld)e fid) mit bem Söerufe beS SeljrerS fo gut oertragen unb »orauS berfelbe nicfjt nur felbft einen großen @e»inn mit leichter äJtühe gieren, fonbern aucfj ben 2BoI)Iftanb ber ©emeinben »efentUdj förbern tann, unter ben furpeffifdjeu Sehrern mit geringen SluSnaljmen erft imßntftehen, ba bisher bagu oon oben her »enig ermuntert »arb. 2IuS biefen ©eminarien nun gehen alle Scljrer für bie eigeuttidjen 93oltSfd)uIen fotoo^l auf bem Sanbe als in ben ©täbten heroer. £>b Seljrer befonberS für größere (gehobene) ©tabtfd)itlen geeignet feien, muß fid) aus itjrer ©ienftfüljrung unb bem an ben ©ag gelegten ©treben nad) gortbilbung ergeben; für bie ©d)ulen SaffelS gilt nur ber ©runbfafs, baß bie 33e»erber minbeftenS bie SRote „gut" in il)rem $rüfungSgeug= niffe haben müßen. gür bie Silbuug ber iSraelitifd)en Seljrer beftel)t feit 1824 ein ©eminar in Äaffel. ©aSfelbe »arb g»ar burd) bie ©taatSregierung, »eld)e aud) bie ißrüfungScommiffion ernennt, bie Selber anfteUt u. f. »., ins Seben gerufen; unterhalten aber »irb biefeS ©eminar, obgleid) bie iSrael. Seprer für baS gange Sanb barauS heroorgeljeu, nur auS ber iSrael. ißroo.=Saffe, bem iSrael. Ißroü.=©chulfonb8 oon Sfieber^effen, ber iSraeliti= fdjen ©emeinbetaffe gu Äaffel unb ^Beiträgen ber bafetbft beftehenben ©efeüfdjaft ber Humanität. Sind) bie Soften ber iSrael. ©djuleit Ija&en lebiglid) bie iSrael. ©emeinben gu tragen; ber ©taat trägt nidjtS bagu bei, ba biefeiben als reine ßonfeffionalfdjuten gelten, obgleid) fie ebenfo »ie bie djriftlidjen 35olfSfd)ulen oon ben Dberfdjulinfpectoren infpicirt unb il)re Sehrer rürffidjtlid) ber fonftigen SlmtS= unb ©iSciplinaroerljältniffe ben d)riftlid)en SSolfSfchuIlelirern gleid)gehalten »erben. ®8 läuft nur eine bie confef= fioneHeit ©iSciplinen betreffenbe befonbere 3nfpection ber ißrooincialrabbinen neben l)er; außertem übt ber f?aitbrabbine gu Saffet eine SIrt Dberinfpection, unb g»ar nid)t bloß in confeffieneder ^infic^t, über alle iSraelitifdjen Schulen beS gangen SanbeS. 3eneS 488 ■Seifen, AurfjcfTett. ©eminar jä^It 12—16 3ö<5liKge, weldje in Konntet leben, ift nad) bem SJfufter ber djrifttidjen «Seminare eingerichtet unb hot nur baS £>ebräifdje unb ben iSraetitifdjen Kuttu§ als befonbere UnterridjSfädjer, wogegen bie SJtufif juriidtritt. ©er Kifer ber SSraetiten für i^r ©djulwefett ift feljt anäuerfennett. ©en jungen ⪙rern wirb bie gortbilbung in ihrem ©erufe jur befenberen ^ßflid^t gemacht. ©efonbere Sluftalten ju beut 3 nwde beftehen jebod) factifd) nid)t; ber eigne SBide unb Kifer, ber Umgang mit ben älteren unb erfahrenen SlmtSgenoffen, bie ©hrit nähme an ben ü 6 eraK beftehenben, wenn aud) öerfdjiebett eingeridjteten Konferenjett, mit welchen Sefeöereine nerbttnben finb, unb ber SButtfdj, fid) ju beffer befolbeteit ©teilen 3 u befähigen, müßen am meifien Wirten. ©el;r öiel tonnen bie Socal= uttb Dberfdjud infpectorett gerabe hierin thun, wenn ihnen überhaupt bie ©djule aut ^erjen liegt, Wenn fie foWol)l bie nöthige allgemeine als inSbefonbere fdjutmännifdje ©ilbmtg befifjen, fo baff fie ben Sehrcrn mit 9tatl) unb ©h a * an §ottb gehen tonnen, unb ihr 33er= trauen genießen. 9tegelmaßige Stufgaben unb Arbeiten 31 t ben Konferenjen, wie in SBürttemberg, finben nid)t ftatt, eben fo wenig wie ©efbrbermtgSprüfttngen. ©och ift rühmenb anjuerfettnen, baß unter ben Seljrern, fetbft aud) ohne biefe ^tmeigungen öon oben, an betten es freitid) infofertt nicht gang fehlt, als ihnen nad) einem guten SluS= fall ber ©ifitationen ^Belobungen gu theil Werben — bie @elbbetoI)itungen werben nad) eingetretener ©eränberung ber ©ebaltsoertiältniffe allmähtid) immer mehr Wegfaden — ein reger SBetteifer, große ©ewiffenljaftigteit unb ©ienfttreue twrrfd)t, unb bie lieber* Seugung beS ©erid)terftatterS ift, baß turljeffen e§ gerabe biefett ©ugenben feines Seljrer* ftanbeS, bettt nod) nidjt aufgejehrten Krbe aus früherer 3«t, oerbanft, baß fein ge* fammteS ©d)ulwefen neben ben beften anberer beutfdjen ©taaten fleht, wenn auch b ' e o. a. ©d)itlorbnttngen öon 1853, wie fid) bei genauerer ©etradjtung leicht ergiebt, mit SluSnat)me etwa ber fpanauer, wenig geeignet finb, baSfelbe in feinen hödjften 3ntereffen 31 t förbern, fo baß wir hier bewährt finbett, wie öiel weniger eS auf bie SDtaßregeln als auf bie 50Jettfd)en attfomme. ©ie Stnftedung ber 2el)rer erfolgt bei gutem 3eugniffe uttb in regelmäßigem ©er* laufe gewöhnlid) gegen baS 24. SebenSjatw, ol;ne baß jebod) eine ©eftimmung über ein baju nothwenbigeS Sitter gegeben wäre, burdj bie fßroöincialregierung. Kinen mit beut ©djulamte öerbunbenen Äirc^enbienft überträgt bie tird)lidje ©eporbe, bie jebod) ben öon ber Weltlichen ©et)örbe beabfid)tigten Kannibalen nur unt f'anonifdjer §inberniffe willen jurüdweifen fann. SBaS ben Sehrern als „Sirdjenbienern" 31 t tljun obliegt, ift bis in bie fleinften ^ßuncte burd) befonbere Konfiftorialoerfügungen öorgefcbrieben, f. Sieber* mann ©djulnadjridjten 1860. ©. 211 ff. ©gl. aud) Süben ißäbagog. 3aljreSberid)t. 1861. ©. 670. ©ei fatholifd)en Sel)rern l)ot um beS 9teligionSunterrid)tS willen baS bifd)öftidje ©omcapitel 31 t jpulba feine ©eneljmigung 3110 Slnftedung 3 U geben, ja infofertt fie Äirchenbiener finb, werben fie öon biefem unmittelbar angeftedt unb als 9teligionSlet)rer unb Äird)enbiener öon biefer geifttid)en ©eljßrbe and) unmittelbar üerpflidjtet. 9tur wenige ©emeinben Ijabext 3Bal)lredjte; nod) fettener ift baS ißatronatredjt einseiner ißer* fonen, unb bann immer nur ba, Wo es fid) sugteid) auf Pfarreien erftredt. 3u bem, WaS oben öon ben ©ienftredjten ber Lehrer überhaupt gefagt würbe, ift hier nod) golgenbeS Ijinsusufügen. ©ie ©efolbung ber ©oltsfdjudehrer (Weld)e, wie jeber ©taatSbiener, dfebenämter nur mit ©enehtnigung ihrer öorgefejsten ©el)ßrbe an* nehmen bürfen) int engften ©inne ift swar nad) Oertlidjleit ber ©tede feljr öerfdtieben. ©od) ift ein ©tinimunr öon 100 ©td r - feftgefe^t, weldjeS, feit 1860, nad) fünfjähriger ©ienftseit auf 150 fteigt, jebod) ohne 9tüdfid)t barauf, ob ein (oft recht befdjmer* lieber) Äirdjenbienft mit ber ©d)ttlftede öerbunben ift ober nid)t. 3n Staffel ift ber aus ber ©djuttaffe ohne 3wfd)uß beß ©taatS 3 U saptenbe 2Rini= malgehalt auf 250 ©I)Ir. feftgefefjt, währeub als ddaptmalfajs Wol)l 400 ©Ijlr. '»irb gelten fßnnen; bod) fteht l)ier eine Krhöl)ung in SluSfidjt. ©abei werben ÜBoljnung, ©runbftüde, Staturalien nnb nidjt fipirte Kinlihtfte meift fel)r mäßig berechnet. Staun Reffen, .fiutlj offen. 489 eine ©emeinbe jur Seifiuug beg SJtinimalbetrageg, in meld)em bag Sdjulgelb enthalten ift, niefjt herangesogen »erben, fo gewährt ber (Staat ben nötigen 3ufch u B> ioeSfyalb Bereite in bent SanbtaggaBfdjiebe non 1833 eine Bebeittenbe Summe $ur SBerBefferung berjenigen ©eljatte miirbigerißolfgfdjullehrer, meldje 100 SSIjlv. nidjt erreid)ten, gefeblid) feftgefteKt mürbe. 33etrad)ten mir nun nodj bie einseinen Streite, aug metdjen bie 35e= folbung ju Befteljen pflegt. 1) ©emöl)nlid) ift mit ber Sdjülftelle eine Baare fefte Ein® nähme nerBunben, bie je nad) bem llrfprunge ber Sdjule unb nad) anberen 9Serl>ätt= niffen aug ber ©emeinbefaffe, bem Äird)enfaften, nom Staate ober utilben Stiftungen gejalitt mirb. Etmag Beftimmteg lägt fid; barüBer nid)t angeBen, benn genaue ftatifti® fdje Madjmeife finb barüBer tl)eilg nidjt torljanben, tljeild mürben aud) fold)e tjier ju meit führen. 2) Sine ©ienftmoljnung ift faft mit allen SeljrerfteHen auf bem Sanbe, mit fefyr Dielen non älterem Urfpnutg in ben Heineren Stabten nerBunben. Siefe üBol)nungen finb, ba in neuerer 3eü fel)r niel für ben 33au neuer, für bie 2tu§Beffe» rung alter Sd)ulljäufer gefd)ieljt, ber Staat aud) für biefen 3med Bebeutenbe Unter® ftübungen gemäfirt (f. o.), meift gefunber, Bequemer unb mol)nlid)er gemorben, als fie fonft maren. ©iefelben merben Bei Sanbfd)uIfteHen meift ju 6 £l)Ir. jäl)rlid) Bered)net. DNeift ift mit biefen Stellen aucfj etmaS Slcfer® unb ©artenlanb nerBunben unb norge= fdjrieBen, biefelBen tljunlid)ft burd) foldjeS aufsuBeffern. Mamentlidj foll Bei jeber 5Bertl)eilung non ©enteinbelanb unter bie @emeinbeangel)Brigen jebe Sd)uIfteHe, menn fie aud) an fid) uid)t Berechtigt ift, einen ooHen Slntljeil erhalten. 3) Sag Scfulgelb, mo überhaupt foldjeg gegaljtt mirb (f. o.), einfd)Iießlid) beg £mlsgelbeg, meldjeg an bie Stelle beg früher non jebem Sdjul® finbe $ur f? e ’ 3 un 3 beg Sdjuljimmerg ju liefernben £mljeg getreten ift, mirb uid)t non bem Seljrer erhoben, fonbern fliegt unmittelbar in bie ©emeinbefaffe, mo eg nerredjnet mirb, unb biefe hat °h ne Mücffidjt auf bie etmaigen Mücfftänbe ben noHen SSetrag in oiertel® jährigen Maten an ben Sel)rer auggugahlen, moBei bag Sd)ulgelb für unnermögenbe Äinber ang ber ©emeinbefaffe Beftritten mirb. Sg giebt auch ©emeinben, mo ber Selber ftatt beg Sdntlgelbeg ein= für allemal (freilid) auch moI)l einmal ju niebrig) feftgefe^teg Slnerfum aug ber ©emeinbefaffe erhält. Slnbermärtg, uamenttid) in ben größeren Stäbten, Beftel)t bie gan$e SBefolbung in einer feften ©elbfumme, meldje ber Selber in monatlid)en Maten aug ber Sdjulfaffe alg einem £heil ber ©emeinbefaffe Be® jieht. 3n jene fliegt bann nid)t Blog bag Sd)ulgclb, fonbern alleg, mag ©emeinbe unb Staat jur Sdjule Beitragen, ober mag ihr aug anbern SinnahmequeHen gu gute fommt. Slug biefer ober ber ©emeinbefaffe miigen aud) bie Sehrmittel angefdjafft merben. 4) Seber Selber Besieht menigfteug 1 Älafter S3rennljols aug bem Staatgforfte; gemöl;nlid) aBer geirrt eine größere Quantität fpolg (aug ber ©erneinbemalbung) getr Eompeteng. ®cit oielen Stellen finb aud) Siufünfte an anbern Naturalien nerBunben, meldje alg Mealgiften auf ben Raufern laften, aug ©etreibe, 33roten, Siern u. f. m. Be® fteljen unb, meil auf bent SdjulnerBanbe Beruhenb, mtaBlöglid) finb. Ser Seljrer erhebt biefelBen jebodj nicht felBft, fonbern fie miigen ihm non ben Pflichtigen in feine 2BoIj= nung geliefert merben. SBenfo hat er gemöl)nlid) theit an ben ©emeinbe® unb tpute® regten (SBeiberecfjten); jebod) Befteht hierüber feine allgemeine gefefclidje Seftimmung. — 3u ben ©emeinbelaften aber hat ber Selber nidjt Beigutragen unb an ben Staat nur bie Slaffenfteuer gu sat)len. Snblich haben mir noch su ermähnen 5) bie Sanbjdjulfaffe, eine fdjon feit bem Slnfange beg nor. 3ahrl)unbcrtg Beftehenbe Sinrid)tung gur 93er= Befferung beg Sinfommeng ber Seljrer. SiefelBe hat, namentlich burd) bie neränberten Staatgnerhältniffe, big jur neuefteu 3^t nerfd)iebeue SBanblungen erfahren, bod) ift fie mit ihren Einnahmequellen fidjer botirt unb, mo fie burd) SlBlöfungen u. f. m. 93er= lüfte erlitt, burd) S3aufd)fummen eutfd)äbigt morben; bie Sinnahmen, meldje nad) bem lebten Etat 17,449 Sljfr- Betragen, haben fid) fehr oermehrt, unb jährlich merben ihr unmittelbar aug ber Staatgfaffe beträd)tlidje 3ufdjüffe gemährt, nad) bem lebten ginansetat 14,330 £l)aler. Siefe Beiträge mie alle Seiftungen ber Staatgfaffe $u ben 33elfgfd)ulen gel)en unmittelbar burd) bie Meutereien, inbent jebe proo.«Negierung einen beftimmten Erebit l)at 490 •Reffen, jlurljeffcn. unb feI6ftänbtg auf biefen anweidt. £>ieraud werben nun bie 3ufd)üffe gur Unterhaltung ber £et)rergehülfeu, ju fßenfionen, 9femunerationen, Unterftüfjungen, namentlid) bei „Er= Iittenl)eiten" beftritten, ber Ueberfdjuß aber wirb je(5t, neben ben befonberen gu biefem 3wecfe gemadjteit Sewißigungett aud ber ©taatdtaffe, gur Erhöhung ber ©ehalte auf 150 2d;lr. oerwanbt. ®aß bie bisher üblidjen, aud biefer Äaffe gejagten Belohnungen, bei benen bad nteifte ocit bem Urtl;eil ber SocaI= unb Dberfdjulinfpectoren abl)ieng unb abhängt, bie fd)Werüd) überall benfelben SRaßftab anlegen, aßmählid) in SBegfaß tommen, bagegeu ein erhöhtes fiyed Einfonunen eintritt, wirb oon ben Sel)rern als eine große 2BoI)ltl)at erfannt unb gewiß bildet der hierauf begügltd)e SRinifterialbefchluß oom 6. Dct. 1860 eine ©runblage, auf Welcher fid) bie ©ad)e leidjt gum Beften ber £ef)rer weiter entwicfeln fann. 3Bad für bad Bolldfdjulwefen befonberd oermißt wirb, ift ein ©djulgefeh, aud beffen ütRanget oerfd)iebene Uebelftänbe heroorgehen. Saburdj allein fönnte aud) bad ©djwanfen in ber Stellung unb bem Berl)ältniffe ber ©djule gur ©emeinbe, Äirc^e beg.Weife gu ben ©eiftlidjen, unb bem ©taat befeitigt werben. Ebenfo wünfdjendwerth ift eine griinblidje 9teoifion ber o. a. ©cljulorbuungen oon 1853, ba burd) biefe eine gefitube Bildung bed Bolted nur gehindert wirb. ®enn inbern fie alle untirdjüdjen 9lid)tungen and ber BoIfSfd)uIe oerbanneu wolleu, finb fie meiftend in bad Eytrem oer= fallen, allen anberen Unterricht außer bem auf bie c^riftlie^e ^Religion begiiglidjen mit ©leidjgültigfeit, ja ©eringfdjötgnng gu betradßen. Unter Benennung ber gangen Ent-- widelung ber beutfdjen Botfdfdjule unb in ber Slbfidjt, ©djaben für bie tird)lid)e @lau= bendreinheit abguweuben, ftreidjt man, felbft mit sRidjtadjiung beffen, wad ber eigne Äatedjidmud lehrt, Statur unb @efd)idjte aud ben Bilbungdftoffen für bie Sugenb unb bad Bolf, unb Wirb, inbem man nur ^Religion unb immer wieber 9teligion ald aßge= meine Slufgabe bed Unterrichts ber Boltdfdjule auertennt unb atd etwad burd) ben Un= terridjt beigubringenbed hinfteflt, überbied aUed oom religiöfen (orthodoxen) ©efid)td|)uncte aud bel;aubelt rniffen will, xridjtd weniger ald Siebe gur 9ieligion unb ein träftiged reli= giöd=fittlid;ed Bolfdleben, fonbern oielntehr Ueberfättigung unb eine Dpfiofition bewirten, Weldje, wenn fie einmal gur ®h a ^ trnrb, fid) guerft gegen bie Urheber jener einfeitigen 9?td)tung wenden wirb, wie häufige Erfahrung fdton hinreidjenb beweist. 2)aß mit foldjer Einfeitigteit, bie um eines tl)eologifd)en ©hftemd wißen mit Religion unb Sirdje ein oerberblid;ed Sfuel treibt, ber freien 9fegung menfdjlidjer Ärafte gum Beften bed Baterlanbed unb bed 9Jeid)ed ©otted in Ehrifto Sefu ©djranleit angelegt werben, Weld;e früher ober fpäter bie 9fatur gewaltfam burd)brid)t, liegt auf ber fpanb. SDaher ift auch bie otetfad) audgefgwodjcne Dppofition gegen jene Schulordnungen gerade oon feiten religiös und lird)lid) gefinnter SRänner gu elitären. Sllfo eine SReoifton berfeß ben unb £)erfteflung einer allgemeinen ©djutorbnung für bad gange Sand, weld)e dem Bilbungdtriebe bed Bolted, ben Sntereffen ber Äirdje unb bed ©taated ©enüge thut ift bringend gu wünfdjen. ©ewünfdjt Wirb aud;, baß bie Sirdje nicht audfd)ließlid) Einfluß auf bie innere Drganifation der Boltdfdjule übe, wie cd jefst faft ber gafl ift, unb baß ben ©eiftlidjen, weldje oermöge ihrer ©teßung gewiß bie gur unmittelbaren 3nf|>ection ber Sanbfdjulen geeignetften -perfonen find, wenigftend aufgegeben werbe, fidj aud) bie bagu nötige Befähigung gu oerfdjaffen, ba bei ber heutigen ©teßung unb Slufgabe ber ©d)ule bie 2ß) e °l D 3* e und Bildung gum fßfarranite au fid) nid)t aud) bie gur Seitung unb Beauffichtigung einer ©d)ule nötl)ige Befähigung giebt. 3» lüiiufdjen aber ift aud), baß in bem Bolle felbft ein regerer ©inn für bad ©djutwefen erwache, Woran ed oielfad) nod) fehlt. ®aß bie Behörden, namentlid) bie @eiftlid)en, unb bie Sehrer felbft fel)r oiel hiergu beitragen tonnten, ift lein 3rceifel. gür bie ©täbte läßt fid) oon bem im ©taube ber ©emerbtreibenben neuerdings fid) geigenden größeren Bil= buugdtriebe ein lebhafterer gortfdjritt erwarten; bei bem SanbOolfe aber regt fid) wenig ber Slrt, h aK l J tfäd j )tid) wohl, Weil ben ©emeiuben jede fOlitwirtung bei ber ©d)uloer= waltung oerfagt ift, inbem Sanbrath und fßfarrer aßein ben ©djuloorftanb bilden. §ier Reffen, .fturfjcjfen. 491 müßte haußtfädjlid) burd) eine anbere Drganifation, fotoie ton ben Schulen felbft aud, Wad freilich bie ©djulorbnungen fet>r erfchweren, non ben £anbrätl)en unb Ianbwirtl)= fdjaftlidjen Vereinen gewirft werben. 3n ben größeren ©täbten ßat ja bad ©djulwefen in neuerer Beit einen lebhafteren Sluffdnoung genommen unb namentlid) fiaffel, too auch jebe ftäbtifdje ©djule il)re eigne ©d)ülerbibliotl)ef h at , bufür fein Opfer gefdjeut. 3m allgemeinen aber läßt fid) nidjt fagen, baß bte ©djulen in ben lebten 10 Salden bebeu= tenb fortgefd)ritten feien, fonbern ift oielmehr bie burd) ben jeßigeu 2lrd)iorath 33cgt (1823—1832 ©irector bed ©entinard ju fiaffel, bann bid 1848 3fegierungdfd)ulrath bafelbft) angebahnte Sutwidelung öielfad) unterbrodjen worben. 2Bad bie literarifc^e ©Ijätigfeit ber üehrer betrifft, fo ift biefe an allen ©chulen uubebeutenb, wornad) jebod) ber wiffenfcf)aftlid)e ©inn unb bie Silbung berfelben nicht beurtheilt toerben barf. ©al)er fommt ed aber, baß meiftend audwärtd entftanbene Südjer in ben furl)effifd)en ©djulen gebraudjt loerben; in ber Solfdfdjule finben toir bie biblifd^en @efd)idjten oon fßreuß, B a h n » bie Safeler u. f. w., bie Sefebüdjer, too attberdfoldje außer Sibet unO biblifdje ©efdjidjte gebraud)t loerben, Oon Sertljelt u. f. lo. (Sebendbilber), bad oon Stünfterberg audgegaitgene, bad ©üterdloljer, in ©tabtfdmlen bad bon SBacfernagel, oon Süben unb 9?ade u. f. lo. ipäbagogifdje Beitfdjriften finb ju üerfdjiebenen Beiten erfdjienen, loaren aber alle nidjt oon langer ©auer. ®ie ältefte möchte loohl fein bed um bad Solfdfdjulwefett feljr oerbienten fßrof. Dr. fDfünfdier ÜDfagajin für bad Äird)en= unb ©djulwefen. SDfarburg 1803. ©ann: Renner, SBo= djenblatt für bad furljeff. Solfdfdjulwefen 1835. Sang, furßeff. ©djulblätter 1845 bid 1848. Oräfe unb Siemen, päbagogifd)e Bettung- Seipjig. ©eubner 1845—1847. Äurljeffifdjeö Solfdfdjulblatt, Ijeraudgegeben Oom leitettben Sentralaudfd)itß ber Smdfdjulftjnoben 1849—1850. ©eit 1857 wirb biefe ©eite literarifcher ©Ijätigfeit nur oertreten burd) Siebermann, ©djülnadjridjten für Äurljeffen, ein befd)eibened Statt, bad fd)on burcfj feinen geringen fßreid (10 ©gr. fährt.) genötigt ift, ftd) enge ©renjen $u je^en. ©odj vermittelt ed bie äußere Serbintung ber SoIfdfd)ullel)rer im ganjen Sanbe, weldje in il)ren Sefejirfeln jioar loenige, aber bte beften audtoärtigen beutfdjen päbagogifdjen Beitfdjriften halten. ©ad höhere ©djulloefen l) a t gur f e * n £)r= gan ber SIrt, bod) finben loir oerfdjiebette Seljrer ald SJitarbeiter an auswärtigen päba= gogifdjen Beitfdjriften thätig. 3. ®ie Siealfchule muß fid) hiev anfdjließen, ba fie in Kurheffcn in bie Äate» gorie ber Solfdfdjulen gefelgt ift. Sin Söfinifterialbefdjluß Oom 15. Olt. 1858 erflärt audbrüdtid), baß bie 3tealfdjulen feine birecten ©taatdanftalten, fonbern örtliche 3lnftal= ten eingeltter ©täbte feien, „©iefer Sharafter — h^&t e§ —< Heidjer natnentlid) barin heroortritt, baß fie überall ben betr. örtlichen ©djuloorftänben untergeorbnet finb, unb baß ihre Unterhaltung gunädjft ben betr. ©tabtfaffen obliegt, wirb baburdj aud) feines* Wegd oerwifdjt, baß ber ©taat einen Bufdjuß ju ben einzelnen flfealfchuten leiftet uub ber Sanbedljerr biefe Seljrer befteUt; bettn beibed tritt aud) bei oielen attbern unjweifel* Ijaft örtlichen ©cfjulftellen ein. ©edhalb finb aud) bie fftealleljrer nidjt ald birecte ©taatdbiener gu betrachten unb bad ©taatdbienftgefefc fittbet Ijinfichtltd) ipenfionirung unb Slnfprttd) auf äBittweugeljalt auf bie 9iealteljrer ■ feine ülnwenbung/ Sebod) ift burch biefelbe Serfüguttg nad) lanbedherrlicher Sntfdjließung beftimmt worben: 1) „baß, faHd bie bem bieuftunfäljigen Sieatteljrer nad) 3lbjug bed ©alariuntd feined ©eljülfen oerbleibenbe 3aljredquote nach ben für bie Seredjnung ber fßenfionen ber ©taatdbiener geltenben ^formen (f. o.) unoerhältnidmäßig gering audfalle, bte Stealfdjulfaffe einen entfpredjenben Seitrag jur ©alarirung bed ©eljülfen ju leiften ljube, unb baß 2) ben SBittwen ber orbentlidjeu 9feallehrer, gleich »ie ben SBittWen ber Rectoren bie ben ißrebigerwittwen äufommenbe i)3enfion ebenfowol)! aud ber ©taatdfaffc eutridjtet werbe." 33erfcf)iebene Serfud)e, eine Slenberung ber Aufgabe Wie ber Stellung ber 9fealfd)ulen im gefammten ©djulorganidmud ju bewirfett, finb bid jefet oljne Srfolg geloefen. ®ie gegenwärtigen f)fealfd)ulen in Surljeffen finb nach unb nach feit bem Snbe 492 Reffen, -ffurheffen. ber 30er 3al;re biefeS 3ahrhunbertS aus localen 33ebürfniffen entftanben. Sin aHge= meiner, nur etwa burdj befonbere Drtdverhättniffe gu mobificirenber DrganifationSf'lan liegt ihnen nicht gu ©rnnbe, unb wenn man auch barüber einig fein möchte, baß fte für bie polieren bürgerlidjen ©ewerbe, ben .fpanbeldftanb, einige meljr tedjnifc^e Steige beS ©taatSbienfted, fowie gum Sintritt in bie höhere ©ewerbefdjule gu ftaffel bie atlge» meine SBorbilbung geben füllen, fo ift man bod) barüber, welcher Art benn nun biefe fein müße,im ©djwanlen unb Unllaren. ®al)cr weid)en fie nad) ben befonbereit DrtS= verhältniffen unb nad) ben verfd)iebenen gur 3^ ber Srridjtung ober Umbiibitng ob= ■ waltenbeu Auffaffungen in Sebjrpban, Sel;rjiel, Klaffengaljl, SBefclbungen ber Se^rer feljr wefentlid) von einanber ab, unb ba ihnen feine fefte leitenbe 3bee ju ©runbe gelegt ift, fo finb fie bon Anfang an bielen ©d)Wantungen unb 23eränberungen unterworfen gewefen. Ant burdjgreifenbften war bie unter bem SDUnifterium §affen|)flug (1850) an= geftrebte 9ieorganifatiou. 2)Jan gab bem SDJaterialiSmuS ber 3«t unb bem 33orurttieil gegen baS SBebiirfniS unb bie 9fät^Iid)feit einer tjöbjeren allgemeinen bürgerlichen 93il= bung, Welche manchem als bem ©taate gefäfjrlicfj erfdjeint, nad) unb wollte aus ben 9fealfd)ulen eine Art nieberer ©ewerbfdjulew (gewerblicher ffachfdjuten) machen, bie ben uieberen conftructioneHen ©h e ’l ber ^anbwerfe gang ober gum ©h e M übernehmen unb für bie, weldje fid) bem Äaufmanndftanbe wibmen wollten, bie neueren ©fragen in gebiegencr SBeife treiben müßten, ©o verkümmerte man namentlich bie beiben größten 9iealfd)ulen, gu Äaffel unb §anau, inbetn man ihnen bie oberfte Klaffe nahm, bann bie beiben nadjftfolgenben Klaffen in je 2 Ableitungen, eine faufmannifdje unb eine tedjnifd)e, trennte, eingelue Unterrichtsfächer, Wie @efd)id)te, 9?aturbefdjreibung, auf ein üDiinintum rebucirte, baS 3 e 'ü;ncn bagegen unverhältnismäßig betonte. Aber felbft eine geringere ©d;ülergab)I in ber I. Klaffe ober vermeintliches SBebiirfniS fonnte eine foldie äftaßregel fdjwerlich redjtfertigen, ba bie ©chulen audj ber 3ufunft Vorarbeiten, in bemSJolfe felbft ben ©rang nach Ijö^ercr 33tlbntng beförbern unb bie Sinficht von bem 93ilbungSbebiirfniffe ber 3ugenb nad} bem fjortfdjritte ber 3^it erweitern unb verftärfen feilen. ©er Srfolg hat benn and) beWiefen, baß jene Sinridjtung giemlid) unhaltbar ift. ÜJon fehr großem Sinfluffe auf bie bisherige SntWicfelung ber Sfealfchulen in Sur= heffen ift baS gewefen, baß felbft bie größeren ©täbte beS SanbeS, mit Ausnahme von Äaffel mit feinen 37,000 Kinwohnern, verhältnismäßig gu gering bevölfert finb, um größere, votlffänbig organifirte Anftalten ber Art erhalten gu fönnen, unb baß faft in allen biefen ©täbten vom ©taate unterhaltene ©ßmnafien befleißen, welche bem SBebürf» niffe höherer 23ilbung vollftänbig ©enüge thun; 3Jealfd)itlen mit preußifdjem 3“f»ie Bei allen anderen. ®ie ©taatSbeiträge ju feen Stealfdjulett überhaupt finb $u jäljrtidj 7800 2^Ir. öeranfdjtagt. ©aS ©djulgelb ift feljr üerfdjieben. 3n Staffel bewegt eS fidj in ber ©cata öon 10—18 S^Ir. jäljrlid), in fpanatt uon 16—32 fl. in Sfdjwege beträgt eS burdj alle Staffen 14 2f)Ir. ©ie Stabt Staffel jaulte ttadj ihrem testen Stat im 3. 1861 2335 2l)Ir. für iljre Dtealfdjule, Weldje auS ber Staats» {affe 1950 ©fitr. bejieljt, während il)r ©djulgelb auf 5410 ©I)Ir. öeranfdjlagt War. Geben fo ungleich fiub bic 23efolbungen ber £et)rer, bie in aßen anderen ^Beziehungen, außer ijinfidjtlich ber SBittwen (f. o.), beit SBollSfdjttllehrern gleid) gehalten werben uub bie Weber freie 255ofjnuitgen, nodj Smmunitäten, nodj EtterSjulagen (©benrungSsuIagen im 3. 1846 ) genießen unb eine ©teße in ber 9tangorbnung gar nidjt haben. 3n Staffel beftetjen beftimmte ©eljaltSclaffen unb finb bie ©eljalte fo jiemlidj denen ber ©tjmnafiallehrer, weldje aber als jit niebrig bcgeidjnet werben, gteidj, indem fie bei 7 orb. äteatleljrern (einfdjließlidj beS Rectors) dou 500—1000 ©Ijtr. fteigen, während bie feminariftifdj gebßbeten Slementarleljrer denen an ben übrigen ftäbtifdjen (33olfS=) ©djuten gleid) gehalten find. 2letjntid) (bod) etwas geringer) finb bie ©eljalte in fpattau. Sin anderen 9tealfd)ulen geljt ber ©eljalt für bie orb. Stealleljrer bis ju 300 ©tjlr Ijerab. 2BaS bie übrigen äußeren 25erljättniffe betrifft, fo gilt für fie baS über bie 23otfSfdjulett überhaupt fflemertte. Sigentljümlidj ift nur in Staffel, baß bafelbft ber SteligionSunterridjt nidjt nur ber Statljolifen fonbern audj berSSraeliten burdj eigens befolbete Seljrer ertljeilt wirb. ®a für genaue ftatiftifdje Angaben non aßen Enftalten bie nötigen ©runblagen fehlen, indem nur bie 9iealfdjule ju Staffel regelmäßig jäfyrltd) ein Programm auSgiebt, fo muß oon bereu ©arfteßung int einzelnen Ijier abgefeljett Werben. ®S fei ^ier nur bemerft, baß bie Stealfdjulen ju Staffel, §anau, SfdjWege unb gulba fidj nad) ben aß* gemeinen 23eöblterungSöerI)ältniffen einer bedeutenden grequenj erfreuen; bie übrigen finb, fo Weit ermittelt Werben tonnte, jurüdgegangen unb friften jum ©fieil faunt iljre Syifteng, WaS eben fo feljr in iljrer ©rganifation wie in äußern Umftänben feinen ©runb haben mag. gitr baS ßtealleljratnt, beffen Sanbibaten nidjt oorgugSweife aus beftimmten ©tan* ben Ijeröorgeljeit, wirb wenigftenS einjähriges atabemifdjeS ©tnbium oerlangt; bod) wirb biefe gorberung häufig erlaffen und namentlich tiidjtigeu SBolfSfdjulIehrern bie 3«= Iaffung gur 9tealleljrerprüfung audj oljne UniöerfitätSftubten geftattet. gür biefe Prüfung befteljt eine befonbere ©otnmiffion, und beftimmt ber Kandidat jelbfi bie gädjer (minbeftenS 2 fpauptfädjer unb 2 Nebenfächer; je nad) ber ütidjtung ber neueren ©pradjen, ober SDiathematil unb 92aturfunbe nebft ©efdjidjte unb ©eogra* pljie, in weldjett er geprüft fein miß. 255er bie tljeolog. gacultätS* ober bie ttjeoretifdje Prüfung für baS ©hmitafiaüeljramt beftanben hat, darf Weniger gädjer neunten, unb Wer baS 9tectorepamen (f. o.) beftanben Ijat, braudjt fidj jener gar nicht gu unterziehen; eS findet nur eine Neallehrer=2(3riifung ftatt. Euch ein Probejahr ift nicht eingefüljrt, doch treten bie Kandidaten nach beftanbener Prüfung woljt als Sßraltifanteit auf eine 3eit lang an einer ©djule ein. UebrigenS überwiegt bodj unter ben angefteßten 2elj= rem bie 3 a hl der afabemifdj gebildeten bie der feminariftifdj gebildeten, weldje fidj durch Ißriöatftubien junt Dteaßeljramt auSgebilbet hüben, ©a alle biefe Enftalten jitn* geren UrfprungS finb, fo ift nodj ein gewißer Ueberflitß an Kandidaten. Stealfdjulen befteljett in Staffel, .jpaitau, ÜDtarburg, gulba, Kfdjwege unb ©djmal* falben, Welche beiden letzteren mit ißrogtjmnafien oerbunben finb. Eußerbem befteljen bei beut ©tjmnafium in 9iintelu jwei beit Staffen IV. unb III. paraßele Neatclaffen unb giebt eS nodj in einigen ©täbten eine eiujelne 9tealclaffe int Enfdjluffe an eine Diectorfdjule. Äeine berfelben erreicht baS 3'E ier preußifdjen uttb ähnlicher Stealfdju» len, da fie mit dem Sitter öou 14 Sahrett, feiten etwas darüber, abfdjließett. Ent roß* ftünbigften find bie in Staffel unb Spattau, weldje attdj ihre eignen Slementarclaffen I;a= ben, atfo wenigftenS eine in fidj abgefdjloffene, öon unten bis oben äufantmenljängenbe ^Bildung geben. ®ie ältefte öon biefen ift die in £>anau. ©djon baS ©eneralcurato* rium beS ©roßherjogthumS granlfurt öerfügte am 18 . Sanuar 1813 bie Umwandlung 494 •Reffen, .fturfjeffcn. bed bortigen lutfyerifdjen ©pmnafiutnd, meldjed neben einem reformirten beftanb, in eine „93ürger= nnb ffteatfdjute" unb beftimmte über bie Sinrid)tung berfetben: ,,©ie feil tfyunlidjft beit hoppelten 3med einer 8 d?t = nnb Srgiefyungdanftatt erfüllen. Singer bem Unterrid)t, ber im Sefen, (Schreiben, Steinen, in beutfcf>er unb franjBfifdjer ©pradjleljre, bem mitnblicfyen nnb fd)riftlid)en ©ebrandje ber 5ÖJutter= unb ber franjofifcf^en ©pradje, in ber bcutfdjen unb franjöfifd^en Literatur, in gemeinnüf 3 lid)en, geograpl)., piftor., ppp* fifalifdjen unb anttjropologifdjen Kenntniffen erteilt mirb, füllen bie jugenbtidjen ©ei= fteSfräfte 31 t einer gefeijmaßigen Sntmicfetung gebracht, ftttlidje unb retigiöfe ©efinnun» gen angebilbet, unb ber 3 ögting 3 U einer bernünftigen jjuifirung bed hebend angeleitet merben." ®ie 9tnftatt fotlte 4 Staffen mit menigftend 2 jäljrigen Surfen tjaben, bon benen bie I. als „befonbere ftieatclaffe für biejenigen Änaben" begeidjnet mürbe, „metdje fidj 3 U einem Ijöbjeren ©efdjäft bed bürgertidjen Sehend, bem £>anbet, bem ^abriimefen u. f. m. bitben motten." ßur Untergattung füllten bie Sinfiinfte bed aufgetödten ©t)nr= nafiumd unb bad ©djutgetb bienen, bad nod) gefytenbe aber aud bem ®epartementd= ©djulfonbd bemittigt merben. ®ie am 1. gebruar 1813 eröffnete 9lnftatt fanb bann 3 mar aud) unter ber mieberpergeftettten furtjeffifdjen Regierung Unterftü^ung unb tpftege, erfüllte aber bemtod) iljren 3wed nid)t, unb ifyre Seiftungen im allgemeinen fd)einen mehrere ÜDecennien tjinburdj aridst über bie einer gemöljnlidjen 93ürgerfd)ute I)inaudge!ommen ju fein (bgt. gttebner, 3 al)redberid)t über bie 9teatfd)üle 31 t |janau. 1854). Srft 1833 beginnt eine burdjgreifenbe ffteform bed fpanauer ©djutmefend, unb 1839 tarn enbtid) eine griinblidje ftfeorganifation ber SRealfdjuIe 3 ur 9ludfiif)rnng. ®ar= nad) glieberte fid) bie ©d)ute in gmei Slbttfeilungen, eine untere aud 7 Staffen (mieber jerfatlenb in bie Stementarftufe oon 4 Staffen für Knaben bom 6 .— 10 . Sebendjapre unb bie 3 mittleren Staffen, metd)e bie Bürgerliche 93itbung 3 U einem gemißen 9lbfd)tuffe bringen unb gugleid) auf ben eigentüd)en fftealunterridjt oorbereiten füllten) unb bie eigenttidje ftfeatfdjute mit 3 Staffen, meldje mit bem bollenbeten 16. Sebendjaljre ab= fdjtoßen. ®nrd) 3 medmaßige Sinridjtung, grünblich audgearbeiteten Seprptan, gute Sei= tung u. f. m. tarn bie ütnftatt in 33tüte, unb 1847 jaulte fie 390 ©djüter. 33eränbe= rangen im Seprerperfonale aber nnb politifdie tßarteiungen, metdje bie Sinridjtung einer fßribatrealfdjule 31 a jjjotge Ratten, führten eine große 93erminberung ber ©d^ülerja^t, atfo and) bed ©d)ulgetbd herbei, unb biefer Umftanb beförberte eine anbere Drganifa* timt, bie im 3. 1851 audgefüljrt marb, moburd) bie Staffenjapl unb bad Sebjrjiet be= fdjranft mürbe, unb momit gugleid) bie Sntfernung mehrerer Sefjrer oerbunben mar. Dbgteid) aber bie concurrirenbe )prioatfd)ute 1851 aufgeljoben mürbe, fo Ijat bod) bie öffentlidje fftealfdjute bid fyeute bie ehemalige grequeng nod) nidyt mieber erlangt. ®ie Srridjtung ber jetzigen fReatfdmle 31 t Äaffel, bor meldjer bafetbft bereitd eine Heinere, nie reibt lebendfräftig gemorbeite Slnftatt ber Strt beftanben hatte, erfolgte nadj mehrjährigen eingetjenben Srmägungen unb SSerbanbtungen jmifdjen @taatd= unb ftäb= tifdjen 93el)örben, unb erft nad) ©djtießung eined Sßertraged 3 toifd)en beiben, burd) met= d)en bie ftabtifd)e ©etebrtenfdjnte, Lyceum Fridericianum, an ben ©taat übergieng unb atd ©pmnafium reorganifirt mürbe, and) bie fRedjte ber ©tabt an ben ftiftungd* mäßigen ©d^ulfonbd, auf tßräfentation bon Setirerftetten an ber 9?eat= unb einer 3 U er= riditenben SFfäbd^enfdjute u. f. m. feftgefteHt mürben, in bem 3. 1843. Unb babon batirt fajl eine neue 2lera in ber Sntmidelung bed Äaffeter ©djutmefend, meinem nur nod) eine öffenttidje höhere üDiabdjenfdjule fehlt, um alten 93itbungdbebürfniffen ber 33e= bötferung gerecht 31 t merben. ®ie ftieatfcbule marb am 1. 9M 1843 mit 495 ©djü* lern in 9 ©tufendaffen (unb 1 tparattetctaffe) eröffnet, fogleid) mit einer Sibtiotljel naturl;iftor. unb ptjtyfifat. ©ammtungen u. f. m. audgeftattet. 9lnfängtid) etmad tt)eore= tifd) conftruirt, fanb fie bod) immer metjr ben red)ten ©ritnb, unb ba man fid) bor ben stippen bed SRateriatidntud unb einfeitiger formaler Sitbung gütete, audj bie an ber jungen Slnftalt SBirfenben bbn bem lebljafteften ©treben befeelt maren, fie mögtic^ft 3 U Ijeben unb ber boCtßänbigen Söfung ihrer Slufgabe entgegengufüfiren, entmidette fie ftd) Reffen, ÄudjefTen. 495 glüdlid) unb ermarb ßdj Vertrauen im publicum. ®a bie Unterridßdgegenftänbe, »eldje fämmtlid) obligatorifd) ftnb, fdjon gahlreid) genug maren, für biejenigett, meldje Senntnid bed Sateinifdjen für nothmenbig gu ihrer 23ilbung gelten, bad ©tyninaßunt fid) barbot, aud) auf ben ©taatdbienft feine ßfüdfidß genommen gu merben bvaud)te, fo mürbe bad Satein öon ben Itnterridjtdfädjern audgefdßoffen, in melden bie 3> e ^ e öer= hältnidmäßig f)od) gefteGt maren. 2Bie ed fant, baß bie Safyre 1848 ff. in bem inneren 9fufbau biefer ©djule eine große Störung bemirften, gehört looljl nid)t hierher. Sie golge baomt aber mar, baß nad) bem Sfbgange bed erften ßfectord unb mährettb eiited Snterimißicumd eine ßfeorganifation ber 3fealfd)ufe, gttgleid) mit ber ber 33ürgerfd)ulen, betoirft mürbe, meiner bie oben bemerften Senbengett gu ©runbe lagen. 0b fie fyin= fidjtlid) ber ©efammtaufgabe ber ©djitle, bed Seljrpland, ber 23efd)ränfung ber 3 a ^ ber Slaffen unb ber Sehrfräfte u. f. m. fo, mie fie audgefitfyrt marb, notl;menbig unb gmccf= mäßig gemefen fei, bariiber giengen bantald unb gelten nod) heute bie Urteile giemlid) »eit audeinanber. hoffentlich öeröffentlidß fdjon halb ein gang in ber ©ad)e ftef;enber ©djulmann etmad über bie ©efdßdjte unb Einrichtung ber furljeff. ßfealfdjitlen iiber= haupt, unb fotl alfo auf biefe fünftige ©djrift einßmeilen öermiefen merben. Ed fei ^ier nur nod) öon ben Unterridjtdgegenftänben bie ßfebe, meldje in allen Dxealfdjitlen gelehrt »erben, fammt ben 3ielen, toeldje man gu erreichen fudß; ed mirb babei bie Äaffeler ßfealfdjule gu ©runbe gelegt, meldjer bie hanauer, gum Sheil and) bie gtt Efdjmege unb gulba (bei öiel geringerer SS « :cT •*S 3 >-> fo £ iS 1 o 1 « ^ •— ! ic. § I 3 -H o e ® © 1 6 ! l 5 O eu © 03 n 5 «• 3 6 ■ 5 '5« 1 s - •3 1 s 'e I 5 iS) | cq c 03 SS ü> c 3 W i. ii. 3 3 4 4-1-2 8 2 — 2 + 2 1 ( + 2+3) 2 + 4 1 1 — 2+4 2 2 3 6 — 2 2 2 4 4 — — — 4 2 2 in. 4 4 6 — — 2 — 4 4 — — 2 4 2 2 IV. V. 4 G 8 — — 2 — 4 — — — 2 2 2 2 4 G 8 — — 2 — 4 — - — 2 — 2 — VI. 4 9 — — — 0 — 4 — — — 2 — 2 — VII. VIII. 4 9 — — — — — 4 — — — 2 — 2 — 4 10 ©dirl'. — — — — — 4 — — — — — 2 Ed iß hierbei gu bemerfen, baß bie I. El. in 2 Slbtheilungen, eine tedjnifdje (für fünftige SSauhanbmerfer) unb eine faufmännifdje gerfäßt; auf festere fallen 2 ©t. grangöf., bad Englifdje, faufmannifdje Slritljmetif unb faufm. Sluffäjse; auf jene ©tereometrie, Sülgebra, befonbere Steile ber ißhhfif (uebß Shemie) unb techn. 3eid)nen; bie anberen ^ädjer unb ©tunben ßnb gemeinfdiafttid). Siefe ©onberung iß übrigend nicht in alle ßfealfdjulen eingebrungen, bie überhaupt im eingelnen mandjed Slbmeidjenbe haben. 3n 23egug auf ben ©ang bed Untcrridjtd genüge bie 2lngabe beffen, mad in El. I. in einem ber lebten ©djuljjatjre behanbelt morben iß, moraud fid) gugleid) bie 3iele, voefdje cr= reidß merben, ergeben: in ber 9Jeligiondlel)re djriftl. ©laubendlehre, ©efd). bed 21. unb 2?. S3unbed, Erlernen unb 2Bieberl)oIeit öon früher gelernten Sircfjenliebcrn, S55ie= berholung bed Statedßdmud; Sefen unb Erflären öon neuteftamentl. ©djriften; beutfdje ©pradje: ©dßßerd Seß, Sungfrait öon Drleand, SJfaria ©tuart, SBaßenßein, Sente= triud, ®efd)idße bed 30jährigen Ärieged mürben gelefen; babei Sehre oom Srama, 496 Reffen, ÄitrljcfTeit. Sharafteriftif bcr in ben getefeuen ©tüden oorfommenben brarnat. ißerfoueu (münbt. u. fc^riftL), Wöd). 2 Stuffäjje über phtyftfatifdje fernen; franjöf. ©pradje: Sefebud) Den Sübecfing 0 . 2tbfl). YI. an, Thiers Bonaparte en Egypte et en Syrie, Scribe Bertrand et Eaton, Eaeine Phbdre; SBieberholung ber ©ramntatif, fdjriftt. Hebungen; engtifdje ©pradje: ©ramntatif nad) 3i mniermann » Seetüre in bent engl. Sefebitdje oon Sübecfing unb ber engl. ?iteraturgefdjidjte oon ßimmermann; fd)riftlid)e Arbeiten; ©efchidjte: mittlere unb neuere allgemeine @efchid)te; ©eometrie: a) ebene ©eont. mit Slufgaben nad) 2Bödel, b) Stereometrie, ebene unb fphär. Trigonometrie; Stritt metf;it: a) bürgert. 3trit^m.: einfadje unb jufaiumengefefcte fßroportionSredjnung, Stettenfa(5, 3' n§= / 5DJünj=, 9?abat=, ©efeltfdjaftS», 9JtifdjungSredjnung, b) faufmänn. Stritljm.: bie Logarithmen unb ihre Stmoenbnng, 3 e itrenten, IpülfStafetn für 3infeSjinfeu unb 3titrenten, Söaaren» unb 3öed)fetred)nung, ©taatSpafnere; c) Sllgebra: ©leidjungen bcS 1. u. 2. ©rabeS mit einer unb mehreren Unbefannten; ‘potenten, SBurjetn, Loga» ritfinten, fßrogreffiouen, Äettenbrüdje; SombiuationSlehre, biuomifdjer Letjrfah; 58ud)= tjattuug, einfache; laufmann. Arbeiten: ©djeine, Triefe, Scutocorrenten, gac» turen; SRatnrWiffenfdjaft: tßhhf'f (bjw. ber medjanifdje Ttjeit ber pjtjf. unb anor» ganifdjen Stjemie); 3^djnen: Hebungen ber Umriffe unb beS ©djattirenS nad) Tortagen; Lidjt» unb ©djattente^re, Hebungen im ©djattiren mit Tufdje unb SlnWenbung auf -fSrc» jectionen; ©ingen: ein» unb metjrftimmige Hebungen, Sinübung hon Stjorat» unb giguralgefängen, Ttjeorie beS ©ejangeS (»gl. -Programm ber Äaffeler ^ieatfdjute 1859). 2BaS anbere Ijier einfdjtagenbe Tertjältniffe, ©aitg unb SOtettjobe beS Unterrid)tS, Staffen» unb gadjteljrerfhftem, ©djüterbibtiotpefen, Location, ©djutgudjt unb ©djutfeier» lidjfeiten, Prüfungen, mit üluSnahme ber Ibiturientenprüfung (f. o.), ©tunbenjaljt ber Lehrer unb ©djüter, Serien u. f. w. betrifft, fo finben begreiftidjerweife, fo jebod), baß faft jjebe einjetne ©deute iljre Sigenthümlidjfeiten Ijat, oiet metjr Sinologien mit ben ©tjmnafieu, als ben Tolfsfdjuten ftatt, jwifdjen melden SInftalten bie Sfeatfdjuten leiber Ijin unb Ijerfdjmanfeu. SS ift batjer fetjr git wünfdjen, baß ipre Tertjättniffe unb ihre ©tettung im gefammten ©djutorganiSmuS einmal georbnet toerben unb man ihnen eine ©runbtage gebe, auf Wetdjer fie fic^ frei 31t höheren 3telen entwiefetn tönuen, woju inbeffen oerfdjiebene gfactoren mitwirfeu miißen. Srfafjrungen genug finb gewonnen, fo baff man über Slufgabe unb 3*et nidjt mehr im 3 tt>e if e t fein fann, toenn man nur t^eits bie Wirflidjen Tertiältniffe oorurttjeilSfrei beurteilt, ttjeitS fidj oor Sinridjtungen tjütet, Weldje nidjt im TolfSteben unb in beffen 33ilbungSbebürfniffe Witrjetn. 4. 2IitS bemfetben ©runbe, wie bie Sieatfdjule, muß bie Ijöljere SEabdjenfdjute, toeil jur TolJSfdjute gehörig, fjier aufgeführt toerben. Heber biefe aber fann fidj ber tßeridjterftatter fitrj faffen, ba nur eine einjige fot^e in gang Äurtjeffeu befteljt, näntlid; in §anau. Tiefe Würbe als ftäbtifdje ©rfjule in berülrt gegrünbet, baff bie ©tabtfaffe bie Sinnatjme unb SluSgabe übernahm. 3n Sejie^uug auf bie Leitung unb bie 3ln= ftettung ber Petjrer trat fie jur ©taatsbefjörbe in baSfelbe 35erbjättniS wie bie übrigen öffentlichen ©chuten, unb fauben beStjatb ^wifdjen DJegierung unb ftäbt. 33et)örben feine befonberen 33ereinbaritngeu ftatt. ©ie Würbe als allgemeine SMbdjenfdjute (mit ©d;ut= gelß, im ©egenfatj ju ber bereits beftetjenben Stfäbchenfreifdjute) mit 4 Staffen am 19. SJoobr. 1840 eröffnet, mußte aber fdjon im fotgenben Satire auf 6 Staffen er» Weitert werben. Ta aber ber 3ubrang fortbauerte unb üDiabdjen oon ben oerfchiebenften TitbitngSbebürfniffen fid) jur Stufnahme metbeten, fo .fdjieb fidj bie Slnftatt 1842 in 2 ganj oon einanber getrennte ©djuten: bie S5iirgermäbdjenfd)ute unb bie höh ere föuibdjenfdjute (bie ttjöridjte SSe^eidjnung „Tödjterfdjute", auf meldje rnandje fo großes ©ewidjt legen, tjat man gtücflidjerweife oermieben). Se^tere warb mit 8 Staffen oon je einjährigem SurfuS eingerichtet, äät)tte 297 ©djiiterinnen unb hatte einen glüdtidjen Fortgang. TaS 3atjr 1850 bewirfte aber aud) in biefer §anauer ©djute einen 9fiid= gang; bie 3«h^ ©djüterinnen fanf auf 183 unb bamit bie 3^ht ber Staffen auf 6, ift auch jef$t nur Wenig über 200 geftiegen. Tie ©d)ute hat ihren ©peciatinfhector, Reffen, Kutbeffen. 497 tuetd^er ben Xitel Dberleljrer füfjrt unb erhält fid) jum größten Xljeil burdj Daß ©d)ul= gelb, we!d)eS in Kt. VI. 12—15, V. 18, IV. unb III. 22, II. unb I. 24 ©ulben beträgt, gür bie S5evt)ältniffe ber 9el;rer, bie ©diu(aufftd)t u. f. w. gilt alles baS, WaS fiinfiHtlid) ber ä3oltSfd)ulleljrer überhaupt bemertt worben ift Ks wirb übrigens ein jäfyrüdjeS Programm ausgegeben, unb ift namentlid) auf bas ton 1859 (9Jtittt;eilung über tplan, Setyrgang, innere unb äußere Sinridjtung ber Ijöljeren 2Jläbd)enfd)ule ju £anau t>on bent Dberlefyrer Dr. ©enfyarb) ju oerweifen, ^iernadj ift bie ©Hule für SWäbc^en aus ben Iptyeren unb mittleren ©tänben beftimmt unb fül;rt fie oorn 33e= ginn ber ©Hulpflidjtigteit bis jur Konfirmation, bie fernere wiffenfdjafttidje äluSbilbmtg nad) jener ber lßriüattl;ätigleit überlaffenb. US Aufgabe wirb bejeidjnet, auf ber ®runb= läge einer ebangelifd;=d)riftlidjen Krjieljung unb ber Kntwid'elnng unb Kräftigung ber geiftlidjen unb fütlidien älntagen eine tüchtige allfeitige 33ilbung iljrer ©Hüterinnen ju erzielen unb biefelöen gugteid) jur Erlernung berjenigen Kcnntniffe unb gertigfeiten anjuleiten, weldje bem weiblidjen ©efc^tedjte in bem tyäuSliHen unb gefeüigen £eben wie jum Dlujsen, fo jur gierbe gereiHen. SDabei gelten als leitenbe ©runbfäfce: 1) bie religiöS=fittlid)e 33ilbuug unb Kutwidelung ift bie SBurjel unb Krone ber Krjieljung unb beS Unterrid^tS; 2) Srjiefmng unb llnterrid)t finb untrennbar, jene barf bei biefem nie auS bem ätuge gefegt Werben, fo baß ber Unterridjt ftetS erjieljenb cinwirle; 3) bie ($r= giebjuitg ber 9Mbdjen ift junäHft auf bie äluSbilbung beS ^perjenS unb ©emütfyS ge= ridjtet unb finbet unter forgfamer Sßerüdfidjtigung ber pflege unb Kntwicfetung ber übrigen geiftigen älnlagen unb Kräfte eben barin wieber ifjrcn ßielbunct; 4) ber Unter* ridjt für baS weiblidje ©efdjlecfjt begwedt nidjt einfeitigeS äöiffen, fonberu baS Können unb Xfiun. — ®ie älnftalt gerfällt in 2 fpauptabtfyeitungen, bie untere (elementare) mit 2 Klaffen, VI. jweijätyrig, V. einjährig, unb eine obere mit 4 Klaffen, IV. unb III einjährig, II. jweijäljrig, I. wieber einjährig; bort IjerrfHt baS Klaffen*, fyier baS gaH= fbftem nor. 2US UnterriHtSfäHer finb aufgenommen: Religion, beutfHe unb fra^öß. ©brache, @efd)idjte, Krblunbe, Dtaturfunbe, ©efaitg, 9ied|nen, ©Treiben, geiHnen unb Weibltd)e £>anbarbeiten, unb finb rie 3i £ l e f° gef e t?ß baß °^ lte Ueberfpannung ber jugenblidjen Kräfte ber Unterridjt, wenn er in gehöriger SBeife erteilt wirb, eine grünblidje unb I;armonifHe äluSbilbung aller älnlagen unb gäfyigfeiten bewirten muß unb einen @runb legt, auf welkem foltere weiblidje 23ilbung, bie mit bem 14. SebenSjafyre nodj niHt abge* fdjloffen ift, erreidjt werben tann. Söei bem Kifer, weiden man in §>anau für baS Xurnen beweist, ift eS ju oerWunbern, baß man biefeS nidjt in jener ©Hule eingefüfyrt fiat. ®er allgemeine 2ef)rjjlan ift folgenber: Ktafie Wctigion iDeutfrfje ©praciic ffranjöf. « arbeiten I. 2 4 8 • 2 i i 3 2 2 7 II. 2 4 8 2 2 i i 3 2 2 7 III. 2 4 8 2 2 i 2 3 2 1 7 IV. ' 3 5 8 2 2 i 1 3 2 — 7 y. 3 6 6 — 2 Heimat« funbe — 1 4 3 — 7 VI. 3 8 2 — 2 Slnfdjau* ungäunt. i 1 3 — — 7 tpäiag. encijHopüile. HL .32 498 Reffen, .ffurbeffett. SDad außer .fjanau fonjt in Surbeffen als fyöfyerc Dläbdjenfdjule findet, gehört lebiglid) unter bie ^3riöatfd)uleu. ©elbft Saffel entbehrt immer itod) einer öffentlid^en höheren SfJfäbd^enidjule, obgleid) bad 33ebürfnid einer fcfdjen bei einem gablreidjen Woljl= habenden 33ürgerftanbe unb ber Di enge ber Oberen SBeamten fdjon längft fid) gegeigt bat unb anerfannt worben ift, aud) bie Unterhaltung berfelben faum mit Soften für bie ©emeinbe oerbunben fein biirfte, mie bie begehenden oerfdjiebenen ^)3riöatfd^uten beWeifen. Daß biefe ißrioatmäbdjenfdjulen, weldie auf ben Sbarafter höherer ©djulen Slnfprud) mad)en unb bemfelben guweilen woljl entfpredjen, gumeilen aber ibn nur infofern an fid) tragen, ald fie bie eine ober anbere neuere ©pradje in ben Sreid bed Unterridjtd aufgenommen haben unb ^B^ercS ©djulgelb forbern, in febr oerfdjiebener 2 Beife eilige* richtet finb, je nach ber ©djülergabl halb mehr, halb weniger Klaffen jäbten u. f. w., ift teiefjt 31 t begreifen. 3 m allgemeinen aber giebt ed üet'bältnidmäßig wenige fßrioatfdjulen, ba mau überall ben oerfdjiebenen 33ilbungdbct)ürfniffen burd) Bffenttid)e Slnftalten möglid)ft abguljelfen bemüht ift (Saffel g. 33. gäljlte öor 20 Saljren noch 39 Ißrioatfdjulen, fegt nur noch 11 ). ©aß man auf biefem Söege fortfd)reiten möge, bann man im 3ntereffe ber 3ugenb* bilbung nur Wiinfdjen. Dfaßgebenb für bad ißrioatfdjulWefen ift bie 33erorbnung »ein 15. üffoobm 1827, Wonad) fämmtlidje ißrioatfdjulen, fomie bie Ergiefjungd* unb ißen* fiondanftaltcn unter ber üluffidjt ber öffentlichen ©djulbeljörben fteben. ©ie Erlaubnis, eine ißrioatfdmle gu errichten ober barin Unterrid)t gu ertbeifen, fofern ficf) berfelbe nid)t bloß auf Landarbeiten unb gertigfeiten erjtredt, Wirb oon ber ißrobincialregierung er* tbeilt, nad)bem bie 33etreffenben il)re 33efäbigung in einer fßrüfung bargelegt haben, ©iefe Prüfung gefc£)iebt ljinfid)tlid) bed für ben gelehrten ©taub oorbereitenben Unter* rid)td burd) bie ißrüfungdbeputation für ^Bewerber um fltectorftellen, für Lehrer im gewöljnlidjen 33olfdfdjuIunten:id)t bitrd) bie ©eminar=5ßrüfungScommifftcn, für Lehrerinnen burdj ben Dberfdjulinfpector bed S3egirfd unter fpinjitgiebung eined ober mehrerer be* Wahrter öffentlidjer Lehrer. Lehrerinnen müßen fid) jedenfalls in 9Migiondlebre unb Ergiebungdfunbe prüfen laffen, anbere gädjer föitnen fie fid) frei wählen; bie Sin* forberungen an biefe finb nicht ljoer SDtemorirftoff ift mäßig, jebodj mäßen bie @t)mnafiaften aud) mäl)renb bed Sonfirmanbenunterrid)t8 an bent 9tefiqiondunterid)te ber ©d)ute iheilnehnten; lirdflidje Äatedjifationen aber befteljen iiber= haupt nid)t in ben ©täbten. ®er ©d)utgottedbienft befdjränft fid) auf eine Slnbad)t (§ora) am Snbe ber ffiocbe; bod) wirb ber Unterrid)t täglich in jebcr Stoffe mit®ebet begonnen, mobei bie eigenthümlidje Sinridftung befielt, baß bie nid)t fird)Iidj gemeinten Schrer nur bad „llnfer Skter" beten bürfen. Stn einigen ©hmnafien finbet aud) jährlich eine gemeinfante Stjeitnafime non Sehrern unb ©duitern am Ijeit. Slbenbtnaljle ftatt; bod; ift ber Sirdjenbefud) ber ©d)üler überhaupt nid)t geregelt; nur in SDSarburg nnb Futba mäßen bie Setjrer abtoed)fetnb ©onntagd in bie Sird)e, unb in f^utba fyaben bie fat^otifdjen ©Ritter and) ibjren eignen ©ottedbienft. 2Bad bie übrigen Unterrid)tdfäd)er betrifft, fo gliebern fid) biefetben fotgenbermaßen: Sateinifdj: YI., regelmäßige, Y., unregelmäßige Formenlehre, IV., ©eröoflftan= bigung ber Formenlehre, syntaxis congruentiae, synt. nominis, III. 9tepetition, synt. temporum et modorum, einjetne ft)ntaft. ©igenthümtid)feiten, oratio obliqua, II. 9t e= Petition, SBortftedung, ißeriobenbau, I. partientoeife2öieber^otung, SRetrit. Seetüre: YI. unb V. ©pieß llebungdbudj; IV. Cornel. Nep-; III. Cäsar de bell, gall.; de bell, eiv., Ovid. Metamorph. (mit Studmal)!); II. Livius, Cicero (leichte 9teben) Virgil. Aen.; I. Livius, Sallust., Cicero (9teben unb rt)etor. ©Triften), Horat., Plaut., Terent., Tacitus. SSocabeln merben gelernt nad) SBonnetl ober Dftermann; befonbere @rammatif= ftunben, in ©ebraud) fjauptfädjticO bie ©rammattlen bon ©iberti, ©d^rtl^, 3umpt, SDteiring, 33erger; Syercitien (möd). 1) nad) ©pieß, ©epffert, ©itpfle, fpottenrott. Son III. an merben in ber 9teget fomol)t im Sateinifdjen mie im ©ried^ifdyeir ein 3)idjter unb ein ißrofailer, alfo 4 oerfdjiebene Slutoren ju gleicher 3 e it gelefett; am übtidjften finb bie Seubner’fdjen Studgaben. 3n I, merben freie tateinifdje Sluffä^e gemadjt, auch ©pred)übungen gehalten. ©ad 3ml ift georbnete unb jufammenhangenbe Äenntnid aller mistigeren Srfdjeinungen auf betn grammatifd)en ©ebiete, außerbem grünblid)ed unb einbrtngenbed SSerftänbniS ber betreffenben Slutoren nad) Snljatt unb Form, @e= manbtheit im Iateinifd)en SlnSbrnd; lateinifd)e SSerfe merben nid)t gemad)t. @ried)ifd): IY. Formentehre, III. Srgänjung ber Formenlehre, II. ©pntay, I. Srgänjung ber ©pntay, lyauptfäd^IiA nad) S3uttmannd ©rammatit (Surtiud, ftüljner, SSerger); in IV. llebnn'gdbnd) »on ©pieß, ober 3afobd, ©djmibt unb SBenfd), in III. Xenopli. Anab., Lucian., Hom. Od.; in II. Herod., Plut., Xenopli. Memor., Hom. Od.; in I. Plut., Plat., Demosth., Thucyd., Soph., Eurip., Hom. II.; in III. big I. möd). 1 Syerc., meift nad) Franfe; 3> e l Koie beim Satein. ^ebräifd) in I. befd)ränft fid) auf Sinübung ber Formenlehre. 502 §cfien, Äurlicffc«. grangöfifd>: III. gormenlehre, II. Spntay, I. gelitten unb Srgänsung, Seetüre: in III. Itebungdbücher, Voltaire, Charles XII., in II. Shreftomatl;ien, 3. 58. oon Sollmann, gränfei, in I. claffifd;e Slutoren; alle 14 Sage ein Syercitium, franjöf. Spredjübungen, aber Wie ber ganje Unterricht, ber überall oon orb. @t;mnafiailehretn erteilt Wirb, ofjne bebeutenbed Dkfultat. Seutfdj: VI—IV. Sefen, Srflaren unb 9tecitiren beutfe^er Sefeftücfe, ©rammati» fctjeS gelegentlich ber S?ectüre, Sefebüdjer hon SBacfernagel ober ©ad;; leidere aud; nod; in III.; III. unb II. Sefen nnb Srflaren oon SDtufterftüden, 'Einleitung 3itm ®ecla= miren in II. hnuptfadjlid; nad) SBadernageld Sludmat)!, in I. 3th et| mf unb ©oetif, beutfd;e ©rammatif mit 9tüdfid;t auf bie gefd;id;ttid;e Sntmicfelung, öerbunben mit ber Srflarung altbeutfdjcr Sefeftücfe; Seetüre Bon Sd;iliet, Oöthe, Seffing; beutfdje Iuf= fä(je in fortfdjreitenben Uebungen: Srjaljlungen, ©efd;reibungeit, ©d;ilberungen, 9tebeit, Sibhanblungen, Uebcrfegungen aud fremben Sprachen. @efd;id;te: V. u. IV. biograpl;. Sorftufe, III. alte ©efd;., II. ©fittelalter unb neuere 3 e ü (f>id 1700), 1. gortfetjung unb SBieberholung beS grüheren, befonberd ber @efd;id;te bed Slltertlmmd. — 5Der Sehrplan oariirt bei ben oerfd;iebeneit Slnftalten Bielfad;. — Sl;ronologifd;e ®ata finb oorgefd;rieben; in ©ebraud; bie Sel;rbüd;er 001t ©iifc unb SDietfd). ©eographie: VI. fpeitnatdfuube Y. ©orbegriffe, ®eutfdjlanb. IV. Suropa, III. Slfien, Slfrifa, Slnterifa unb Sluftralien, mathemat. ©eogr., II. polit. ©eogr. ©erüoK» ftänbignng ber mathemat. ©eogr. SDer Sehrplau bariirt an ben oerfdjiebenen Slnftalten, in DJtarburg 3. ©. nad; beut Sfterprogramm 1861: VI. Ueberfid;t oon Sluftralien unb Slnterifa, SIfrifa, Slfien unb Suropa, V. Slnfangdgrünbe ber mathem. ©eogr., Umriffe oon Sluftralien, Slmerifa, Slfrifa uub Slfien nebft Ueberfidjt über bie Staaten, IV. Sin» fangdgrünbe ber matl;em. ©eogr., Umriffe unb ©obengeprage oon Suropa, beffen Staaten überfidftlid;, III. ©obengeprage öon Suropa, ©ebirge, glüffe nebft Ueberfidjt über bie europ. Staaten, II. Stljnogr. unb Statiftif oon Suropa. — Äartcnjeidjnen; Serbin» bung mit ber ®efd;id)te, namentlich bei ber alten ©eographie. Sie für ©eographie unb Staturfunbe angefepten Stunbeu Werben häufig fo oerwanbt, baff in bem einen ©iertel» ober §albjal;r in fämmtlid;en Stunben nur ©eogr., in bem anbern nur Statur» funbe gelehrt Wirb, ebenfo wie 3lritl;metif u. ©eometrie meift fucceffioe behanbelt werben. —■ tpanbatlad unb SBanbfarten (o. SpboW); oerfdjiebene ber neueren Sel;rbüd;er. 9?aturgefd)id;te: VI. ©efd;reibuug einseiner ©flanjen, Sln e,:e uub iDfineralien, V. Sinne’fdjed Spftcrn, ©efd;reibung bed menfd;lidjen Äürperd, einzelner Tl;' ere uub ©tineralien. IV. Sinue’fd;ed Spftern, ©flanjenbeftimmung nad; Suoier, 235irbeltf>iere, III. Spftem oon Sinne unb Suffieu, Wirbellofe Tbiere, SDtineralogie, Sehre ooui menfd;t. Äürper. II. ©hbfwi°8i e ^ er ©fknje, ©ergleicpung ber ©Sirbel» unb wirbellofen Tl;i eve / Sehre 00m menfdjl. ÄBrper. — Ter Sehrplan üariirt. Sel;rbud; oon Seunid. ^51; h fif nur in I. Sel;re Oom Sd;aH, Sid;t, ©Bärme, SOtagnetidmud, Sleftricität, ben aKgem. Sigenfd;aften ber Äörper, 9Jted;anif (nad; Äoppe). 9tecpnen: VI. bie 4 @ntnbred;uungen mit uubenannten unb einfach ben. 3af)len, folution unb fftebuction, 9ted;nen mit ungl, ben. 3 a fd e u, V. ©rud;red;nung; IV. Regula de tri, SDtuItiplicationd» unb ©ioifiondmethobe, ©ertheilungd», @efeK|d;aftd=, 3indred;» nung, Sehrbücher oon gölfing, ©ied, Sd;ellen. ÜDtatl;ematif: IV. ©eometr. ©orbegriffe, III. Sepre oon ben Treiecfen uub ^Parallelogrammen, oom Äreife, Sonftructiondaufgaben; Sntmicfelung bed ©egriffd ber 3 progreffioen unb ber 4 regreffioen 3ahlenoerbinbungen; algebraijcpe ©efepe, s Jlutt unb negatioe 3 a fd c n, ^Proportionen; II. ©roportiondlepre, 2lehnlid;feit ber giguren, Äreid» meffung — atgebraifd;e @efe(3e (gortfe^ung), ©leid;uitgen bed 1. unb 2. ©rabed, Ouabrat» u. Äubifwurjel; I. ©eometr. Aufgaben, Trigonometrie, Stereometrie, Sogarith= men, ®teid;ungen, biopl;ant. @teid;ungen, iprogreffiond» unb Sombinationdtehre. — @8 fott ©erftanbnid ber mathemat. 3Bal;rheiten unb gertigfeit in beren Slnwenbung ergielt -fieffcn, ÄurljcfTcn. 503 »eiben; ouf beit unteren ©tufen mehr ber fijntljetifdje, auf ben oberen mehr ber analst, ©ang, non III. an mit »iffenfdjaftlidjer Segrünbung ber matljemat. ©äfge. Sieben fcen alten ©f'radjen toirb bie £t;ätigteit ber ©djüler am meiften burd; biefeS Leljrfad; in SInfprucf) genommen. LeJjrbiidjer oon Speis, Stunge, Söödel, Stagel. ©efang ift nur in beu unteren Klaffen (Sljoralgefang unb einftintmige SolfSüeber) obligatorifd;; in ben oberen (mehrstimmiger Stjorgefang, SJiotetten, fßfalmen, Sljoräle i u oierftimmigem ©afse, alles für gemifd)ten Sljor) facultatio. SS fomrnt hierbei alles auf bie S3erföitlidjfeit beS LeIjrerS an; bei einem geeigneten Lehrer getoinnen bie ©djüler greube am ©efange, benüfsen bie ©elegenljeit unb leiften bann auch SüdjtigeS, toie man leid)t bei öffentlichen ©djulfeierlidjfeiten, als bem ©eburtstag beS LanbeSljerru, ber Sntlaffung ber Abiturienten u. brgl. erfennen fann. 3 e i d; n e n ift oon IV. an facultatio, loirb bann aud; in ben oberen (Haffen nur Wenig betrieben unb befteljt meift nur im Sopiren oon Vorlagen. 3n §anau foH tarin burd; Anregung ber bortigen Sltabemie am meiften geleiftet »erben. ©d;önfd; reiben loirb bis gur IV. fortgefe(jt, tljeilS nad; ber älteren, tljeilS nad; ber ©aftfdjreibmetljobe. 3m gangen fiub gute §>anbfd;riften feiten. ©aS ©Urnen ift fegt burd; alle Klaffen obligatorifd; unb loirb, 100 eine ©urn= l;alle ift, g. 33. in Staffel, aud; im SBinter betrieben, gunteift nach ber fDtetljobe oon ©(lieg. ©ie getoohulidjeit IjäuSlidjen Aufgaben beftel;en in ioöd;entlid;en Sgercitien im ©ried;., Latein, unb grangöfifdjen, in beutfdjen 9luffäf3en (in VI. u. V. je alle 8 Sage, in IV. alle 14 ©age, in III. je 2 in 5 SBodjen, in II. alle 3, in I. alle 4 SBodjen einer) unb in aritljmet. unb mathemat. Arbeiten neben ben nötigen fßräjiara= tionen, Diepetitioneu, SStemorirÜbungen unb Ueberfe^uugen. ©urdjfdjnittlidj fotlen bafür täglid; l 1 / 2 ©tunben in Slnfprud; genommen »erben, in Sßahrljeit aber haben bie ©d;üler oon III. an »oljl 4, ja 5 unb mel;r ©tunben täglid; barauf gu oer»enben, »aS fdjon bei ber SDienge ber Lehrfächer, bereit jebeS oon bem betrv Lehrer nur gu leicht als fpaujitfadje betrachtet mtb oft in einem burd; bie Aufgabe ber ©djule nidjt geredjtfertigten Umfange bel;anbelt »irb, fo »ie ben baburd; bebingteit Arbeiten nid;t ju öer»unoern ift, obgleid; aud; nod; anbere Umftänbe babei mitmirfen mögen. Heber eine Seftimmung beS SJiinifteriumS in biefer Söegietjung f. u. 33egreiflidjer»eife bleibt ba für bie ^priöattb;ätigfeit ber ©djüler, »eld;e gerabe auf ber oberen ©tufe fo »id;tig »äre, nid;t oiet 3eit übrig. Snbeffen fehlt eS ben Lehrern eben fo »enig an Arbeit, ba jeber burdjfdjnittlidj loödjentlidj 3 Arbeiten gu corrigiren hat, unb bebenft man, »eldje 3eit er auf Ißräparationen unb ©tubien gu oer»enben hat, fo muff man ge= ftehen, baff feine 3 e ü öoKftänbig in Anfprudj genommen ift. ©enuod; fönnen mandje Lel;rer fid; nicht gang bem fßrioatunterridjt entgiel;en, »eld;er ihnen geftattet ift, an ©djüler il;rer Anftalt jeboch nur mit befonberer ©enehntigung beS SJtinifteriumS beS Smtertt. SnbeS ift baS ttad; ben Drten fehr oerfd^icbene Honorar meift gering (in Staffel 4, hödjftenS 6 ©Ijlr. für 16 ©tunben). Sine Leitung ber fßrioattljätigteit ber ©djüler, »eiche anguregen ter Unterricht ©elegeuljeit genug barbietet, finbet aujfer biefem oon ©eiten ber ©djule nidjt ftatt, unb bie Ißrioatlectüre »irb nur infofern be= auffidjtigt, als bagu meift bie ©djülerbibliothel benutzt »irb. 3ebeS ©hntnafium l;at eine foldje, bie auS bem allgemeinen ©djulfonbS erhalten unb Oon einem ber Lehrer üertoaltet »irb; gitmeift befteljt fie aus unterhaltenbett 33üd;ern. 3lud; für Lehrmittel, bie 93ibIiotfjef, Apparate ec., »ofür jebeS @l;mnaftum feine beftimmten gonbS l; at , unb »eldje burd; ©efdjenle oon auStretenben ©djülern unb anberen fähvlid; oermehrt »erben, »irb auSreidjettb geforgt. ©ie SSerfefsung ber ©djüler in ^iö^ere Slaffen (©ranSlocation), »eldje am ©djluffe beS ©djuIjahreS oor Dftern, »o aud; auf allen ©tjmn. ‘Programme ausgegeben »erben, unb nur auSitahmS»eife auch 5 U ‘jDtidjaeliS ftattfinbet, foteie bie Seftimmung ber Ab= theitung unb bie Drbnung ber piälge in oer Klaffe (Sollocation) erfolgt burd; 33e[djlujf 504 ■Reffen, Äutfjetfcn. ber Sebrerconferens auf ©runb ber ©enfurtabeflen. gür bie Soflocation finb Seiftun» gen, Steig unb Setragen, für bie ©ranStocation in ber Reget nur bie Seiftungen, bei au8nabm8»eifer Scrfejsung audj Steiß unb latent maßgebend 3 lDe *f e tt° s >ff bie Set= fejsung bei ben tßräbicaten, „fet;r gut, gut, im ganjen gut", „mittelmäßig" Ijat 3»ar nodj pefitioe ©ettung, giebt aber nur bebingte SerfefsungSreife; bei geringeren ißräbi» caten fann feine 2$erfe|ung ftattfinben. Serüdfidjtigt »erben babei alle gädjer, mit Ausnahme ber gertigfeiten; bodj buben ©ried^ifdj, Sateinifd), ®eutfdj, SRatfiematif unb bei II. u. I. @efd)id)te einen größeren ©influß, atS bie anberen. SBeitere fpecieße Se= ftimmungen regeln biefe ganje SEIjätißfeit. 3 n neuerer 3 dt »irb in Äaffel teödjenttid) nach tateinifdjen in ber ©d)ute angefertigten Spercitien pro loco, jebodj nur für bie tateinifdjen ©tunben tocirt, fonft für aße ©tunben nur öiertetjät)rlid). »Die ©d)ut3ucf)t erftredt fid) über baS ganje Serfiatten ber ©djüter fo»of)I in als außer ber ©djute. 2 BaS fie in ber einen unb anberen Sesielptug 31t tfjun unb gu. taffen haben, ift i(;nen in gebrucften ©djutgefeben gefagt, Weld)e ßon 3dt 3 U 3 c ü reöibirt »erben. ©8 fpridjt fid) feine rigoröfe ©trenge bariit au8, fo baß ein §auptbe»eggrunb, biefetben 51t übertreten, »egfäßt unb mit benfetben bie 3udjt fid) leicht bunb^aben läßt. Süngere ©d)üter bürfen nur in ^Begleitung oon ©ttern :c. ©afUjäufer, getfen» feßer jc. befudjen; bie Ißrimaner aber bürfen im ©otnnter aud) ot)ne foldtje ^Begleitung beftimmte öffenttid)e SergniigungSorte, beren aße ©bmnafiatftäbte binreidjenb barbieten, unter ber Sebingung befud)en, baß fie oon biefer ©rlaubnis in mäßiger unb anftänbi» ger Söeife ©ebraud) madjen. ©rinfgetage it. bergt, freilich, fo wie Serbinbungen finb mit Red)t unterfagt, ba8 ©abafraudjeit jebod) nur auf ben ©traßen ber ©tabt unb beren nädjfter Umgebung verboten; gedjtübungen unb ianjoergnügungen mit ©enebuii» gung be8 ®irectorS geftattet. 23 i 8 II. »erben bie ©djüter mit „®u", in n. u. I. mit „©ie" angerebet. ®aß jur Aufred)tf)attung ber 3 «d)t büufige unb gefteigerte ©trafen notb»enbig feien, baßoit oertautet nidjtS. ®iefe fteigern fid) oon ber ßuredjüoeifung im ©tißen bis jur AuS»eifung. Sejjtere unb ßarcerftrafe fann nur bie ©onferenj, ein» facben Arreft bis ju 3 ©tunben jeber Set)rer üerfügen, 31t größeren Arreftftrafen bebarf e8 ber ©enebntigung be8 ®irector8. ®er ümftanb, baß je »eiter nach oben um fo mehr bie ©trafen fid) minbern, ift ein günftigeS 3eid)eit für ben biSciptinaren 3«ftanb. ®ie Sorgänge beS ©ageS Werben in ben Staffenbüdjern niebergetegt, »etdje bie ißenfa ber ein3etnen ©tunben, tobenbe ober tabetnbe Semerfitngen, Abfenten je. enthalten. Sejjtere mäßen ihre SerfäitmniS, »enn fte bitrd) Äranfbeit oerantaßt war, burd) Atteft ber Angehörigen entfd)utbigen; »irb fie burd) anbere ©rünbe bebingt, fo muß oort)er ©rtaubnis (für einen ©ag bei bem DrbinariuS, für längere 3 dt bei bem ©Ürector) eingebott »erben, tßrämien, öffentliche Selobungen u. bgt. »erben nidjt erteilt. Rur baS Äaffeter ©pmnafium b n t bie fog. Sxichterfche ©enfmiinje, geftiftet 3um Anbenfen an einen früheren Rector be8 Lyceum Fridericianum, »etdje an tüchtige Abiturienten gegeben »irb. (f. Äaff. tprogr. o. 1848 ). Scfonbere Seftimmungen über Unterbringung auS»ärtiger ©d)üter giebt e8 nidjt »eiter, als baß bie SÜSabt ber SSobnung oorber bem DrbinariuS mitgutbeiten ift. ®a8 Äoftgetb oariirt febr, je nadjbem e8 fid) nur um bie äußeren Sebürfniffe ober aud) um pflege unb ©rgiebung bnnbett, ift aud) in ben fteineren ©täbten geringer als in £>anau ober Äaffet. Regelmäßige Prüfungen finben jährlich ftatt, eine öffenttid)e am ©(bluffe be8 SurfuS oor Dftern, eine tßrioatprüfung am ©djtuffe beS ©ommerfemefterS, 3U »etdjen beiben ©erminen aud) burtb aße ©taffen 3eugniffe ertbeitt »erben, neben »etdjen ©emeftrat» geugniffen in ben unteren Staffen, in VI. it. Y. 4 mal, in IV. 2 mal im Saufe beS ©emefters ein 3 eu S'dS gegeben »irb. ®ie Abfotoirung beS ganjen ©hmnafiatcurfus, begiehung8»eife gut beftanbene Abiturientenprüfung gewährt feine anberen Red)te, als baS auf einjährigen ÜRilitärbienft ftatt beS fonft oorgefdjriebenen breijäbrigeit in ber Actioe, unb ben Uebergang 31t ben gacultätsftubien unb bitbet infofern bie ©runbtage Reffen, 4?utl;cffcn. 505 filr bie fünftige £aufbaljn im ©taatßbienfte. 3 U biefer Slbiturientenßriifnng «erben nur Primaner in ber lebten tpälfte beß 4. ©entejferß jugefaffen; gewöhnlich wirb fie auf bem @t;mnafium, «etd;eß fie jule^t unb j«ar 1 3ai)r lang befugten, beftauben. ®ie= felbe ift tl;eilß fdjriftlid;, ttjeitS münbtid;; für jene Wirb einbeutfdjer unb ein lateinifdjer Sluffafe, eine Ueberfe^ung in baß ©riecC^ifdje unb eine matl;emat. Arbeit (3 Aufgaben auß bem ©ebiete ber ©eometrie unb 2lritl;metif) geforbert; biefe erftredt fidj auf Ia= teinifdje, griedjifdje unb beutfdje Sprache, Piathematif unb @efd;id;te. 2ßaß jur Steife gehört, fo wie ber Piaßftab für bie Prüfung ergiebt fidj anß bem oben angegebenen Umfang beß Unterridjtß ber I. (5t. ®ie Priifungßnoten, weldje oon bem gefammten £ef)rercottegium feftgeftettt «erben, finb: „feljr gut, gut, giemlidj gut, befähigt". Erft in neuerer 3 e 't wirb in ben Programmen angegeben, «ie oiete je bie eine ober anbere Pole ermatten haben; am meiften fommt bie Siote: „gut" oor. gerien finb juDflern unb Piid;aeliß 14, Pfingften 5, 2Beihnad;teu 10—12 Stage, unb öom 1. SPontage im 3uli an 3 2ßod;en ©omnterferien. 2Baß eublid; bie Perljältniffe ber Sehrer anlangt, fo haben toir neben ben ®irec= toren, weldje jugleid; erfte Seljrer finb, orbentlidje fpaupttetirer unb ^jiilfßlehrer, weldje letzteren aber Jenen mit Slußnaljme beß Sfedjtß, bie ©tjmnafiatredjnung einfehen ju bürfen, üoHftänbig gleid; flehen. ®ie nicht afabemifd; gebilbeten Lehrer für (Schreiben, 3dd;nen u. f. «. Reißen „außerorbentlidje". Sfeidjen bie angefteUten orb. unb ^iitfßtehrer, bie feineß«egß boräugßWeife auß beftimmten ©tänben herüorgeljen, nid)t auß, fo «erben (Sanbibaten beß ©hmnafiattehramteß gegen Vergütung beauftragt, «eldje atßbann bie ©teile öon orb. Sehrern betteiben, aber nod; feine Stnftettnng haben. Pefonbere ®itel «erben nid;t ertheitt (f. o.); ber ®octortitel barf nur geführt «erben, «enn er inPiar= bürg er«orben ober bod; anerfannt «orben ift. Eß führen ihn bie meiften ber afabemifd; gebilbeten Seljrer, «oju alte orb. unb £)ülfßlef;rer gehören. 3m Satire 1852 «urben Peftimmungen erlaffen, nach «eichen bie Sttieologen foWoht häaaftc^tltd) ber Sorberungen in ber theoret. unb praft. Prüfung atß bei ber SInfteHung befonberß berücffidjtigt «erben füllten, um ben ©tjmnafien ben Eljarafter djriftlidj=tird)lid>er Pilbungßanftalten befto fidjerer ju Wahren; bod; hat man neuerbingß jene rnieber befeitigt. Stugenbtidlid; ift Ptangel an Seljrern, «enigftenß an Philologen, ba in neuefter 3»t ötele jüngere Kräfte an anß«ärtige ©djulen, namentlid; nad; Preußen, berufen «urben. ®ie 3 a hl fammt= lieber Seljrer an ben furheff. ©hmnafien beträgt 48 orb. fpaußtleljrer (eiitfdjließlid; ber 6 ®irectoren) unb 10 (augenbtidtich 8) fpütfßtehrer, baju beauftragte Seljrer je nad; Pe= bürfniß, nnb bie je«eitigen Praftifanten b. h- biejenigen (Sanbibaten, «etd;e nad; gurixef* gelegten Uuioerfitätßftubien unb beftanbener theoret. Prüfung ihr Probejahr beftehen. Se(3tereß ift nm fo wichtiger, unb bie ®irectoren haben fid; mit um fo größerer ©org= fatt ber Praftifanten anjunehmen, atß fid; in Sttarburg fein ßäbagogifdjeß, fonbern nur ein +>häIolDgxfd;e§ ©eminarium befinbet. 3n biefem aber «irb auf ben fünftigen 2et;r= beruf feine Siüdfidjt genommen, fonbern eß werben Stutoren getefen unb interpretirt unb Stbljanblungen h(;^°^ D 3- = h'^ Dr - Snljaltß eingeliefert unb befhrodjen, für «etd;e, infofern fie geniigenb befunben «erben, ein Peneficium öon je 10 ®h^ r - 3 e 3 a hft «irb. ®ie theoret. Prüfung, «eld;e ber (Sanbibat oor einer befonberen (Sommiffion ju SKarburg ju beftehen hat, foU je nad; ber hhiM c 9 ifdj s hifitorifd)en ober matt;ematifd;=^hhfifatifd;en Dichtung hin eine wiffenfdjaftlidje Pilbung für ben Eintritt in baß Sehramt feftftetten. ®ie 2Bat;t ber gadjer (2 tpaupt= nnb 1 Siebenfad)) bleibt bem Syaminanben übertaffen unb «irb oon einem Siebenfache abgefehen, «enn jene Philologie unb StRatfiematif finb, unb baß SJiaturitätßjeugniß in alten übrigen Sädjern gute Äennütiffe bezeugt. ®ie fjraftifdje Prüfung, «eiche außer ben oom Eyaminanben $u «ählenben Sädjern bie Pä= bagogif forbert, fid; «efentlid; auf bie metl;obifd;e Pehanblitng jener in ber ©d;ule be= Sieht, baher aud; Probelectionen gehalten «erben, erfolgt alßbalb nad; Slbtauf beß Probe= jahreß, unb «erben baju 3 ®irectoren befteöt, «eiche fie auf Slnmelbung regelmäßig alle 2 3af)re an einem ber 6 ©tjmnafien bornehmen. ®iefe Eommiffion ber ®irectoren 506 Reffen, ÄurljeiTctt. („Dberfdjutcommiffiou für ©hmuafialangelegenheiten") fiat gugteid) feie allgemeinen 2In» getegentjeiten ber @t)mnafieu gu beraten itnb bem fDfinifterium barüber gu berieten, bitbet atfo gemißermaßen einen ted)nifd;en Seirath beS ÜDfinifteriumS in ©hnmafiatfadjen. ©ie ßeugniffe merben nad) ben ©hmnafiatetaffen auSgefteltt, für metdje fid) ber @e= prüfte gu eignen fdjeint, loobei auffäHigertneife bie unterften Staffen atS biejenigen, für metdje bie geringfte ^Befähigung nötl)ig fei, angefehen merben. ©aß ein Sanbibat gäng» tid) burd)fiete, fommt fetten »er, ba ber betreffenbe ©irector and) feinen S3erid)t eingu» liefern hat, unb biefer {ebenfalls ben Sanbibaten bei gängtidjer ltnfäl)igfeit fd/cn normet entfernen mürbe, ftfeifeunterftü^ungen für Sanbibaten fonunen gumeiten Der, bis jefst aber nur für Selfrer ber neueren ©pradjen. ©ie Slnftettung erfolgt burctjfdjnittlicf) erft mit bem 30. SebenSjatire, ba bie 3eit ber ^Beauftragung megen ber gu geringen 3at)t ber im Stat botirten ©teilen immer gar gu tauge bauert, ©ie gefd)iel)t burd) ein lanbeSperrtidjeS ftfefeript auf Sorfdjlag beS UJiinifteriumS, unb bie ©irectoren haben menig Sinftuß auf bie 2öal)t ihrer Sefyrer. ©ie ©ienftanmeifuug biefer hat nidjtS eigentt)ümlid)eS. ©aS fDJapimum ihrer Unter» rid)tS[tunben beträgt 22 möd)entlid), für ben ©irector meniger. ©ie @eI)attSoerI)ätt= itiffe finb feineSmegS befonberS günftig; benn eS traben non 10tpütfstefyrern 5 a300©filr., 5 a 400 ©fytr.; non 42 orb. Sehern 12 ä, 500©t)tr., 10 a 600 ©für., 10 a700©^tr., 10 a 800 ©t|Ir.; non 6 ©ircctoren neben freier 2Bot;nung 2 ä 800 ©£)Ir., 2 a 1000 ©t)tr., 2 a 1200 ©tjlr. 2ltterS= unb ©IjeurungSgutagen fommen nicht nor, 9?ebenbegüge eben fo menig, aud) feine Smmunitäten. SS ift fein 3^eifet, baß bie @t>mnafiallel;ren an unb für fid) mie im Sertjältniffe gu anberen ©taatscienern non entfpredjenber Sit» bungSftufe gu gering befotbet finb, meShalb man fid) einerfeits nidjt muubern barf, baß bie jüngeren Selber bereitmittig auSmärtS SlnfteUungen annefimen, anberfeitS aber bie ©üd)tigfeit nnb aufopfernbe ißftidjttreue ber angeftettten Seprer um fo met;r anerfen» neu muß. Stuö ber norftefienben gebrängten ©arftetfung gel)t mof)l pinreidjenb tjernor, baff baS für» f)effifd)e ©hmnafiatmefeu, beffen gegenmärtige ©rganifation auS bem 3. 183.3 batirt, bie größte 2lel)ntid)feit mit ben in Dforbbeutfdjtanb überhaupt, namenttidj aber in Preußen gelten» ben Sinrtdjtungen fiat unb beren Sorgüge unb fUtänget tpeilt. Sefannt ift ber ©treit, metdier burd) bie im 3- 1857 erfd)ieuene ©djrift non Dr. £j. 2B. 3. ©fiierfd) (3u= rüdfü^rung beS @t)mnafialunterrid)ts gur Sinfad)I)eit, eine Sfnfgabe ber ©egenmart. fDtarbnrg. Stmert.) begonnen mürbe. SS mar bariu ben ©pmnafien im mefenttidjen < norgemorfen baS 3«biet ber Seprfädjer in {folge ber bem ftfeatiSmuS gemachten 3 U 8 C= ftänbniffe, baS baburd) bebiitgte 3nniet ber häuStidjeu Arbeiten unb bie mit ber gangen Sinrid)tung gufammenf)ängenbe ©tubienmeife, moruad) gmar fetjr nie! gearbeitet merben tnüße, aber nidjt bloß bie Suff am ©tubiren geminbert, fonbern audj ein größerer Srfotg für bie gebiegene I)umaniftifd)e Sitbnng feitenS biefer neueren ©pmnafien im ©egenfape gn ben einfadjer eingerid)teten älteren fepr in {frage geftettt merbe. Site» rarifd) trat piegegen mit £>eftigfeit auf Dr. D. Sit mar (©hmnafiattetirer gu §anau, t 1860), für ©pierfd) fämpften Dr. ©üdjier (©hmnafiattefirer gufpauau) unb tßrof. SBaih gu ÜDtarburg, (Serf. ber attgemeiuen fßäbagogif), itnc naerSfelb fittb ein= gegangen, unb ihre (Einfünfte entloeber mit benett ber größeren oerfdjmolsen, ober »erben bie SBaifen als (Eytentsöglinge oerforgt. 3ebe biefer Stnftalten hat ilpre befonbere unb eigentümliche ©efd)id)te unb 33erfaffung, itnb liegen aus älterer 3 c 't saplreidje Jahresberichte über bie meiften berfelben Oor. (Einiges, »aS sur ©efd)id)te ber 2Baifen= haufer in Saffel unb SDtarburg gehört, giebt |>eppe a. a. D. I. ©. 314—319. SluS neuefter 3^it aber liegen foldje nicht oor, uno biefer 33eri botirte, unb ein reformirteS, errietet 1738. SetstereS Warb namentlich burdj eine Stiftung beS ©teuerratheS <5amp 1759 reid^Iict> bebadjt. ©eit bemSaljr 1825 aber finb beibe Slnftalten bereinigt, unb ihre feljr bebeutenben Sinfünfte berfdjmolgen. 3n neuerer 3eit h&t fid) hier bie ißrapis gebübet, baß mehr fittlid) berwahrloSte als elterntofe Kinber aufgenom» nten werben, ba für bie Unterhaltung ber festeren im allgemeinen ©emeinbe, Kird)e unb ©taat gefefslid) verpflichtet finb, für biefe atfo an fid) ber SRothftanb, wie man fagt, feiten fo bringenb fei, als bei jenen. 2Ran h<ä gwar einmal ben ©ebanten ge= habt, bie Detonomie gang aufgugeben unb bie Kinber lebiglich außer bem fpaufe erziehen gu laffeit, inbeffen gieng man wieder bauen ab, unb je(jt wirb ftreng an ber Srgiehung in ber Slnftalt felbft feftgehalten, fo baß nur foldje Kinber, Welche wegen ihrer fittlidjen 35erWat)rIofung ber gangen ©emeinfdjaft gefährlich werben tonnten, auf Koften ber Sin» ftalt in eigentliche SRettung$häufer abgegeben werben. ÜDiefelbe gäl)It burd)fd)nittlidj 70 Kinber, unb gwar im gangen mehr Knaben als 3Räbd)en, aus bem gangen SBereidje ber ißrobing ipanau. ©ie hot ein eigenes SSorfteheramt unter Dberauffidjt ber ^Regierung, unb 2 Sel)rer nebft 2 Sehrerinnen. Slud) mit biefem SBaifenhaufe ift eine mit befon= beren ifkibilegien auSgeftattete ©rudern unb 33u nämlidj JU 50—60 Dljh'- beredjnet, unb »er= ben bie 3öglinge, welche in einjelne ^amiltengr-ufapen abgeneigt finb, bis nach ber Gon» firmation in ber 2 lnftalt bebalten unb bann je nadj ihren gäljigfeiten für ihre »eitere 3 ufunft »erforgt. Das britte »ftettungSljauS ift baS 31 » fpof 9? a i tb bei ©d)lüd)tern, 1853 anfäng» lief) ju Glm in Heineren» Umfange, jiterft mit 15 ßöglingen, eröffnet, 1854 nad) 91aitf) »erlegt. Sind) biefe ülnftalt hat iljr eigenes §au 8 mit ©d)ule, ihre Ginfünfte beruhen außer ben 3infen »on größeren unb Heineren ©d)enfungen (barunter 10,000 ©ulbcn »on ber grau ©räfin ©ofe), auf jäljrlidjen Beiträgen unb Liebesgaben. Die 2lnftalt ift fel;r einfad), aber jioedmäßig eingerid)tet, entbehrt freilich ber Gorf'orationSredjte unb bamit mancher GinnahmequeKe, »»eld)e ber 21nftalt ju 3?eng8fjaufen 3 U ©ebote ftebt, »irft aber in ©egen unb genießt »iel ©ertrauen. 1856 gä^Ite -fie bereits 37 3öglinge, (25 Änaben unb 12 99iäbd)en), barunter 14 gegen Äoftgelb (10 Dblr. jährlidj bei 3n= länbent), 23 unentgeltlid). Die ©er»altnng ruht in ben Ipänben eine« engeren unb eine« »eiteren 2 ln 8 fd)uffeS. — 21 tle biefe 21 nftalten geben »on 3 e»t 3 »» 3 e '* Sertdjte aus. Giner Daubftummenanftalt »arb bereits oben bei ben» ©eminarium in .£»»= berg gebad)t. Diefelbe trat im Sltai 1838 mit 9 3öglingen ' n8 Seben, inbem ber ©taat einen jäl)rlidjen 3»f^ u 6 »on 1500 Dblrn. übernahm. Die Leitung beS 3nfti= tutS »arb bem Director beS ©eminarS übertragen. Die »ermögenSlofen 3®glingc »erben in ber 21nftalt ganq foftenfrei unterhalten. Die 3 a bl berfelben »arb allmäh» lieh auf 26 erhöbt, »oniit auch bie 3ufd)üffe auS ber ©taatSfaffe auf 2800 Dbaler fliegen. GS finb 3 »ei ?et)rer baran beftetlt, beren jeber bei freier 2Boh»tung 500 DI)Ir. ©ebaft be 3 iel;t. Daneben beforgt eine Lehrerin ben Unterricht in »eiblidjen |janb= arbeiten, baS SluSbeffern ber ÄleibungSftiide ber »eiblidjen 3bglinge unb »irft bei bereu Pflege mit. GS ift bereits Ginleitung 3 ur Gr»eiterung ber 2lnftalt getroffen, fo jebod), baß baS bisherige Snternat allmählich in Gyternat »ermanbelt »erben foH, » 0 = bnrdj man hofft, ol;ne erhöhten ftoftenaufmanb bie 2lugbilbung fämmtlidjer bilbungS» fähigen taubftummen fiinber beS fiurftaateS 3 U ermöglichen. Gine ©linbenanftalt befielt bis je( 3 t nicht. Dagegen ift im 3 al;r 1858 burch ein ©ermädjtniS ber öertoitt»eten grau Oberft Seilermann im ©etrage »on 20,000 Dblrn. bie Sdtöglibbfeit gegeben, blöbfinnige Sinber in geeigneter ©Seife 31 t »erfftegen; eine Slnftalt für biefen 3 me( l tft bereits in’S Seben getreten. Sleinlinberfdjulen ober oielmebr ©e»abranftalten befteben nur in ben größten ©täbten ÄurbeffenS; bie erfte in Saffel, »0 je( 5 t brei ftnb, feit 1837 unb ebenfalls burd) ben 0 . g. ©rmenberein begrünbet. GS ift inbeffen nidjtS befonbereS über biefe 21 nftalten, »eiche burd) ftetjenbe ©eiträge unb ©efdjenle erhalten »erben, 3 U bemerfen, ba fie mit ben anber»ärtS beftebenben in unb Ginrichtung gans »er»anbt finb. 3n ermähnen möchte nur fein, baß gröbelS Sbeen nirgenbS in benfelben Gingang ge» funben haben. Gben fo beftel)en in ben größten ©täbten befonbere SinberI)ofpitäler, »eiche ebenfalls haubtfädjlid) burd) ntilbe ©eiträge unb Unterftiijjungen auS ben @e» meinbefaffen unterhalten »erben. Ueberhaußt 3 eigt fleh in allen ©eftrebungen 3 um ©eften ber armen Sinber ein reger ©Jetteifer unb freubige ©ereitmiHigfeit 3 U ^ elfen; bie ö ff ent» liehe ©itbung ber Sinber ber ©rmen, »el(he freilitf^ oft genug h»r t»ie überall ftd) felbft am meiften bem »iberfehen, »aS 3 U ihrem »ahren ©Johle bient, »irb nirgenbS gegen bieberSinber ber ©Joljlhabenben h'ntangefefct. 3n Saffel 3 . ©. beftehen bei einer >§cffcn, Kurbeffcn. ■§cfTen=Darmftabt. 511 99eoötferung Bon 37,000 Seelen 9 9lrmenfd)ulen mit 26 ©taffen unb 1700 Kinbern, »eldje nidjt nur freien Unterricht genießen, fonbern gum »eit größten Steile auch 93 ü auf bie Slnfangdgrünbe ber Religion unb bad Sefen erftreden fottte. 3 eben 93'corgen »urbe mit bem Singen Bon ißfalmen unb ber Sefung eined ©apiteld aud ber Sibel begonnen. (Dliditer, 6 o. K.orbitungen beg 16. 3ahrh- S. 68 f.). Sanbgraf ©eorg I. ftiftete Bon 1576—96 breijehn neue Sanbfdjuten unb ließ in ben Stabtfchuten 31 t Darmftabt bie Kinber armer ©ttern unentgeltlidj unterrichten, fpeifen unb tteiben (kommet, heff. ©efdj. VI, 97). 1634 publicirte ©eorg II. bie „Drbnung Bon fleißiger Uebung Katedjidmi." 9Jadj berfelben feilten alte Knaben unb SJJäbdjen reidjer unb armer Seute in bie Sdjule gehen, gum »enigften, bid fie fdjreiben unb tefen tonnten, eg fei benn, baß einer fidj einen „privatum praeceptorem“ hielte. Diefer fottte ein 3 e ugnid feiner 9ted)tgläubig= feit unb jpäljigteit haben. gür arme Seute fottte bad Sehrgelb, et»a ein Kopfftücf für jeben Schüler, burd) bie ©ottedtaften ober bie SSeifteuer begüterter ©inloohner entrichtet »erben (§eff. Kirdjenorbnuug 1724 S. 535 ff.) Slortrefflidje 93eftimmungen enthielt bie Scfjulorbnung Bon 1733 00 m Sanbgrafen ©rnft Sub»ig namenttidj über ben 9ieti= giondunterridjt, bie 93ermeibung unnöthiger Serien (an ffaftnadjt, Kirdj»eihen, »egen Seichen unb fpodjgeiten), bie Sc^nljeit (täglich 3 St. 93orm. unb 3 St. üftadjm.), bie 3urüdhaltung ber Kinber, »eiche gu lange bie Sdjute Berfäumt haben, Bon ber ©on= ßrmatiou. Dodj fdjeinen biefe ftrengen 33eftimmungen nicht in Botte Studführung ge= tommen, fonbern im gangen bie in ber ülgenbe Bon 1724 publicirte Sdjulorbnung in ©eltung geblieben gu fein (ngl. gu biefeut ißuncte »ie überhaupt gur ©rgängung fpeppe ©efdj. bed 33oItdf• begiehen. Darmft. 1833. Schumann, Sammt. ber bad Kirdjen=- unb Sdjulmefen betreffenben lanbedherrlidjeit unb bifdjöflichen 93erorbnungen unb ©rlaffe, SJlaing 1840. Deffelben 93erf. Dad ©bict Born 3.1832 unb bie barauf fotgenben 3nftruc= tionen für bad 93oltdfchul»efen. Darmft. 1841. ©ang befonberd: Ueberfidjt bed ge= 512 <£>effcn = Sarmftabt. fammten Unterricptgwefeng im ©rojfp. §. amtlicp bargeftetlt mtb perauggegeben oon Dr. Stube. ©iejfen 1839. fp. ©criba, Sllppab. Ütepert. über ben Snpatt ber bag Äirdfem unb ©cpulwefcn betreffenben ©efepe. Sarmft. 1842. Sgl. nod) fy e v t f di, |>eff. Äirdjenredjt, griebberg 1853, unb Äöpler, |janbbucp ber fircplicpen ©efepgebmtg beg ©roffp. Sarmft. 1847 , 48. SBeitere 2lnbeutungen finbet man aud) in Äüd)ler, lieber bie 3feorganifation beg ©djulwefeng u. f. w. ©roffgerau 1856. II. Sie angemeineu ©runbjüge ber ©efepgebitng unb SerWaltung. Sie Äinber finb mit oolleubetem 6. 3apre fcpulpflidjtig, meifteng febod) werben 31t ißfingften alle Äinber, weldje big gum lebten Sejember bag 6. 3apr erreidjen, aufge= nornmeu. 2lug triftigen ©rünben faun ber ©cpuloorftanb nod) ein 3apr bigpenfiren. Sei langer batternben .fpinberniffen pat bie Sejirlgfcpulcommiffion 31t entfdieiben. 9Kit ber (Konfirmation pört bie ©d)ulpflid)tigfeit auf. Siefe erfolgt im 14. 3apre, alfo nad) 8jäprigem ©djutbefud). Siingere Äinber erhalten nur feiten in pöd)ft bringenben gciUen oont Dberconfiftorium bie (Krlaubnig jur (Konfirmation. (Kitter befonberen Sig= penfatiou burdj bie Dberfd)uIbepBrbe bebarf eg in biefettt gälte nidjt. Sagegen lamt aud) bie Sejirfgfdjulcommiffiou in gätlen ber Sotp einige 3eit bom ©d)ulbefud)e bigpem firett. Ser Seprer giebt für 1—2 Sage (Krlaubnig, für mehrere 3Bod;en ber ©einljeffett finbet fid) ein befonberer Äir^en= ■unb ©d)utbaufonbS, gebildet bon bent 10. ©fwü beS SrtöfeS für feit 1813 berfaufte ©enieinbegiiter. 33on 1820—36 betrugen bie Seiftungen beSfelbett 306,126 ft. 3tt ben nteiften ©emeinben wirb ©d)ul= unb §otggelt> bejatjtt. ®ie (Sinnahme wirb burdj ben ©emeütberechner beforgt. gür arme Äinber muß bie ©emeinbefaffe eintreteu, wenn feine anberen gonbS bagu borhanben finb. ®ie 33eträge Weddeln in ®örfern gwifd;en 1 unb 2 ft., in ben ©täbten belaufen fie fid) Wohl auf 4 ft. ®odf fet)tt eS nid)t an ©emeinben, Wo gar fein ©djutgelb, au^er etwa ein freimütiges üfteufahrSgefchenf gegeben wirb. ®ie früher in ben nteiften größeren ©täbten beftanbenen befonberen Slrmenfthuten finb größtenteils aufgehoben. SBenn in einer ©emeinbe 36 Äinber borl;anben finb, fo bedangt baS Seiet bie Srridjtung einer befonberen ©tute, bei 100 gWei ober bie Hnftettung eines felbftäitbigen @et)ülfen, bei 250 Äinbern 3 ©deuten u. f. io. 23egirfSfd)uten finb feine borhanben. ftfur werben in bieten Sanbftäbtdjen burdj bie betreffenben ©ßadaffen unb @enteinbe= beitrage ©dfuten für 33auhattbmeder unterhalten. 3n Dberheffen unb ©tarfenburg finb faft nur (SonfeffionS=, bagegen in bieten ©emeinben SfheinheffenS feit 1821 Gommunal= ©dßtten. 3n neuerer £eit finb Wieber ntandje ber lebten in confeffionette berwanbelt worben. 3 a hl ber ebang. ©djulen 1230, ber fatt). 433, ber Gommunatfd)uten 67. ©inb bei Kommun alf deuten mehrere Setjrer angeftetlt, fo müßen bie betreffenben Konfeffionen in redjtem tBerhättniffe berüdfxd^tigt Werben. SCRennoniten, SBiebertäufer, fowie aut 3uben ftnb berßflid)tet, il;re Äinber in bie 5$olfSfd)uIe gu fdjid'en, natürlid) nidjt in ben ffteligionSunterrid)t. Grridjten fie befonbere ©deuten, fo muß baS ©djutebict gur @runb= tage bienen. ®er Setter wirb bon ber ©taatSregierung ernannt unb barf bei ben 3uben nidjt gugteid) ©täd^ter fein. ®ie nad)fte tocate Sluffidjt ift ber DrtSftutborftanb, Wetter aus bent ©eifttidjen, bent 23ürgermeifter unb in ber Steget attS gmei unftänbigen StJitgtiebern befteht. £ef}= tere Werben auf 6 Saljre nad) bem SBorfdjtag fceS Pfarrers unb SürgernteifterS bon ber 33egidSfd;mIcontiniffion ernannt. 23et Gommunatftuten wedffett ber 23orfi(3 jmifdjen ben ©eifttichen ber betreffenben Gonfeffionen, welche aud; in ben unftänbigen SRitgtiebern vertreten fein müßen. 3n 2BormS unb Dffenbad) ftehen befonbere Rectoren an ber ©hte ber ©tabtfdjuten, in griebberg unb 23enShetm fteht ben ©eminarbirectoren ein freitiefj nidjt genau geregelter Ginftujf auf bie 33otfSfdjuIen biefer ©täbte gu. ®er DrtSfdjitlborftanb I;at baS © d) u Ibermögen gu berwatten, bie ©trafgetber fürSSerfäum» uiffe angufehen unb gu berWenben, bie jährlidjen ©djulprüfungett gu halten tt. f. w.; er fann bem Set;rer einen achttägigen, ben Äinbern einen mehrwödjenttidjcit Urlaub er= teilen. ®ie Stuffipt über fämmttid)e öffentlidje uttb pribate Gtementarftuten eines ÄreifeS führt bie 33egirfS=©d)itIcoinutiffion. ®iefetbe wirb gebitbet aus betn erfteu S3er= wattungSbeamten (freiSrath) als SBorftenbem unb gmei ©eifttidgen als orbenttiten SDtitgliebern. ?e( 3 tere gehören berfd)iebenen Gonfeffionen an, Wenn fotdje int Greife borhanben finb, unb werben bont SRinifterium auf bie ®auer bon 5 Satiren ernannt. ®ie 33egirfSftitlcommiffion hat bie ©dutlen alte gwei 3ahre gu bifitiren, hierbei fönnen ober fotten aud} anbere Sehrer bes ÄreifeS gugegogen Werben, ©egen DrtSfd/Utborftänbe fann fte 5 ft., unb gegen Sehrer 20 fl. ®iScißtinarftrafe bedangen. ®ie obere SanbeS= behörbe für bie 33olfS= unb Siealfdtulen bilbete feit 1832 ber Dber=©d)utratf), 1849 Würbe biefer mit ber 33et)örbe für baS höh ere UnterridjtSWefen, bem Dberftubienrathe, berbunben unb Dberftubienbirectton genannt. ®iefe fann gegen ungehorfame unb fahrläfjtge Sehrer eine ®iSciptinarftrafe bon 30 ft. unb gWeimonattid)e ©uSpenfion bon ®ienft unb ©ehalt berfügen ober auf beren Gntlaffung antragen, ©ie ernennt bie ©dßübicarien, aber nur mit GdaubniS beS Tt inifteriittttS, wenn baS S3icariat länger als ein 3ahr bauern fott. ©ie fott alle ©djulen beS SanbeS burdt ihre SDiitgtieber tpaCag. ffinc^ttopätiie. III. 33 514 Reffen=t£>armftabt. Wäbrenb eines 3eitraum8 Ccm fed)§ Sauren üifitiren taffen. Sehern fann fte einen- Urlaub üon 2 SJionaten bewilligen. ©aS SKinifterium ernennt bie Selber, beftätigt bie präfentirten unb cerbängt härtere ©trafen, namentlich ©ienftentlaffung, fowie bie Srridjtung neuer ©djulen, bie Sinfübrung ober 2BieberaufI)ebung con Sommunal» fdiulen feiner ©enebmigung bebürfen. SSifdjof unb Sonfiftorium b^en in ©d)utange= legenbeiten feine entfdjetbenbe ©timme. GcS ift auSbrüdlid) cerorbnet, baß bie ©d;ul= oorftänbe unb fomit aud) bie ©eiftlidjen als beren corf.^enbe SDcitglieber in ©cbulfadjen ben fird)lid)en SSel)örben nidjt unterworfen finb. 97ur barauf ift bisher gefeben Werben,, baß wo möglich ein SDtitglieb be8 DberccnfiftoriumS unb ein fatl)olifdjer @eifttid)er SRitgtieber ber £)berfd)ulbebörbe waren, ©er 8ieligionSunterrid)t bagegen ift ber SJiit«- auffidjt beö SSifdjofS unb be§ SonfiftoriumS unterworfen, namentlid) b a ^en biefetben wegen Sinfübrung con Äated)iSmen unb fonftigen retigiöfen Se^rbüc^ern bag 5RBtt)ige gu bcftimnten. III. tpauptpuncte ber ©cbulftatiftif. 3m ©ri). $. finben fid) bei einer SBecölferung con 852,000 ®. 150,568 ©dfullinber, alfo 17,5 ißrocent in 1756 ©djulen certbeilt, fo baß auf eine ©djule 85,7 ©djiiler lommen. ®ie 3^ ber fd)ulbftid)tigen- Äinber ift con ber ber fd)ulbefud)enben faunt üerfd)ieben, inbem allentbalben barauf gefeben wirb, baß fein bilbung8fäl)igeg bem Unterridjt auf bie ©auer entgogen Wirb- ®ie 3abl ber ©djulbegirle beträgt Wie bie ber greife 26. gier bie ©olbatenfinber in ©armftabt beftebt eine unter bem SriegSminifterium ftebenbe ©arnifonSfdjule mit 4 Sebrern. gür S3erbefferung ber ©cf>ulen ift wäbrenb ber lebten 25 3abre faunt in einem anbern ©taate fo ciel gefd)eben als im ©rb- Reffen. 3118 baS ©djulebict 1832 erfd)ien, waren nodj ciele Sßinterfdjulen corbanben, befonberS im OcenWatb. ©ie fteinen @e= meinben bingten auf 6—7 SRonate einen ©djulcanbibaten ober ißräfaranben, ber mei= ftcnS ben Sßaubettifd) b a tte unb foum ÄnedjtSlobn begog; and) fonft fanbett fid) noch Sebrer, weld)e ein ^aitbwerf betrieben unb nebenbei bie fiinber unterridjteten; manche 33efolbung betrug faunt 60—80 fl. 3m 3. 1803 butte V® ber Sebrer über 100 fl., Vs jwifdjen 50 unb 100, V 3 unter 50 fl. begogen. ©ie ©tänbe bewilligten nun 9587 fl. 3U bem 3wede, baß alle Set)rergebalte auf baS ÜDiinimum üon 155 fl. ge=- Bradjt würben. 1839 [teilten fid) bie SBefoIbungScerljältniffe fclgenbermaßen becnuS: 225 ©teilen mit 155 fl. 121 ©teilen mit 350 — 400 fl. 224 ff ff 155 — 200 fl. 124 ff ff 400 — 500 ft. 261 ff ff 200 — 250 fr. 45 ff ff 500 — 600 ft. 191 ff ff 250 — 300 fl. 36 ff ff 600 — 800 fl. 155 ff ff 300 — 350 fl. ©abei War bie SBobnttttg mit 20 ft. ceranfd)(agt unb bei ben ©teilen mit 155 fl. nur mit 10 ft. ©ie ^eigungSfoften Würben mit 30—40 fl. ober mit einem entfßred)en- ben ^olgquantum cergütet, gort unb fort waren [Regierung unb ©tänbe barauf be* bad)t, bie Sage ber Sebrer gtt einer erträglichen gu machen. @8 würben 1843 unb öfters con ben ©tänben Intrage geftellt, auf welche bie [Regierung aus 9Rangel an fDcitteln nid)t etttgefsen fonnte, namentlid) als 1849 Aufhebung alles ©djulgetbeS, ©laf= fification ber Sebrer mit Sefolbungen üon 350—800 ft. beantragt würbe; ber ©ebalt fämmttidjer Sebrer betrug 474,675 fl., wogtt ber ©taat 21,463 fl. lieferte. ©8 ftellte fid) baS SerbältuiS ber SBefolbuugen alfo heraus: 401 ©teilen unter 200 fl. 300 „ mit 200 — 250 fl. 237 „ „ 250 — 300 fl. 217 „ „ 300 — 350 fl. 184 ©teilen mit 400 — 450 fl. 76 „ „ 450 — 500 fl. 136 „ über 500 fl. Reffen = Sarmftabt. 515 Sie Sefotbung ber Sefyrer als Sirdjenbiener belief ftdj auf 50,456 fl. Ser burd)* fd)uittlid)e ©ebatt betrug 303 ft. ’/s batte mehr als 400, nabeju bie £ätfte mehr atä 300 uub 3 /' 4 mehr atS 200. Stuf bem üanbtage 1852 fanben loieber »ueittäufige Serbanbtungen ftatt, um ben SRinimatgebatt auf 225 ober 300 ft. ju erbtöfien. Sie 2. Äammer »Dar roenigftenS für bie erfte gorberung, bie erfte roiberfpradj. Sagegen nahm bie »Regierung eine Seroifliguitg an, um Derbiente Se^rcr, loetdje feine 300 ft. SSefotbxuig bitten, je nad) ben Umftänben ju unterftüfeen. SS finb nun im ©taatS= bubget für SSotföfdjnten aufgenommen 44,463 ft., tueldje atfo Dcrtbeitt finb: für Ober» beffen ©ebatte unb 3 u tagen 9226 fl., beSgt. für ©tarfenburg 6994 fl., für 9lt)einf)effen 5243 ft.; 311 »ßenfionen für bie bret »ßrobinjen 7000 ft.; jur SSerbefferung ber 2cl)rer= gebaite unter 300 ft. überhaupt 16,000 ft. tpierju fornrnt nod) bie ©uboention ber @d)uttebrerroitt»oenfaffe mit 12,000 ft. (nad) einer Dtotig ber großb* £)berftubienratI)S= birection 16,782 ft.) unb bie Serroenbung für bie beiben ©emiuarien mit 12,185 ft. 3m attgemeinen barf man fagen, baß unter benen, bie feit 1832 fdjutpftidjtig gc= toefen finb, nur äußerft roenige, bei roetdjen bäuStidje Serfuufent)eit ober eigene Unfähig 11 feit baS §inberniS »rar, nidjt tefen unb fdjreiben fönnen. IV. 3nnere Drbnung ber ©c£)ule. »Bo nur eine ©djute öorbauben ift, ba toirb bie Stementarclaffe (bis gum 8 —9. 3abr) meiftenS in 2 ©tunben beS SageS befonberS unterridjtet. 33ei 2 ©dritten Trennung nad) llter unb gäbigfeit; nur auS= nabmSweife nad) bem ®efd)ted)t. Sei 3 ©d)itten, eine obere Snabeu= unb ÜRäbd)en= unb eine gemifdjte Stementarctaffe, aud) rocht 3 Staffen nad) bem Elfter u. f. ro. Ser Sieget nad) fetten nid)t mehr als 3 2lbtl)eitungen nach Sttter unb gäbigfeiten oorfontmen. Sei mehr atS 60 Äinbern fott eine paffenbe Staffenabtbeitung ftattfinben, ohne baß ein getrennter Unterrid)t Dorgefdjrieben roäre. 3 U ^ en unbebingt notb»Denbigen £ebrgegen= ftanben gehören SxetigionStebre mit Sinfd)luß ber bibt. unb 9fet.=@efd)., Sefen, ©d)rei= ben, »Redjnen, beutfdje ©prad)e unb ©efang; 311 ben bebingt notb»oenbigen SBettfunbe unb gormentebre. StroaS roeiter im |»intergrunbe ftebt ber Unterridjt im 3eid)nen unb in ber Sanbroirtbfd)aftStebre. 3eber Sebrer ift berpftidjtet, 26 roBdjcnttidje Sebrftunben ju bitten, jebod) nid)t über 6 ©tunben ben Sag, meiftenS fommen in ber 30 roöd)enttid)e 2et)rftunben heraus. Som 15. 2Rai bis 1 . ÜRooember ift in Sörfern unb in Stdcrbau treibenben Sanbftabtd)en £»atb= ober ©ommerfd)ute mit taglid) 3—4 Sebrftuuben. Ser »RetigionSunterridjt ift burd) berfd)iebene Srtaffe für bie £>auptfad)e in ber SotfSfdjute erftärt roorben. Seber Sebrer fott benfetben im ©eifte feiner Sonfeffion er= tbeilen; beSroegen fetten aud) in Sommunalfdjulen bie Äinber in ber »Religion nur bon einem £et)rer ihres SefenntniffeS ober bon bem ©eiftlidjen unterridjtet toerben. 3 eber ©eifttid)e fott bie ©d)ute feines »Bol)nortS roödjentlid) 2mal unb roenigftenS eine ber gitiatfdjuten befudjen unb in ber »Religion uuterrid)ten. »Bo er nidjt felbft tt)ätig fein fann, l)at er ben Sebrer 31 t übertoadjen, ben SRemorirftoff ju beftimmen. SicfeS bejiebt fid) auf ben älteren bab. $ atedjiSmuS, beffen 3lnt»uorten unb ©prüd)e nur mit 9luSroal)l gelernt »Derben foEen.*) 3n tutberifdjen ©emeinben foE ber tutt). ft. Äated)iSmuS gang memorirt roerben. Sine beftimmte Stnjabt Sfird)entieber ift nur für bie »ßraparanben bei ber Aufnahme inS ©eminar Dorgefdjrieben. @S foE in ber ganzen »Bibel, nicht bloß im 9?. S. getefen »Derben. Sie Sfinber foEen ben ©otteSbienft befudjen, bod) ift nidjt genau beftimmt, »Die roeit ber Sebrer mit aflenfaEfigen 3 rüan 3 ^ ma f 3 r egetn geben barf. gür Die bibt. ®efd)id)te finb meiftenS bie Sebrbüdjer Don »Raufdjenbufd) (bie fog. ©djroetmer |jiftorien) Don ©d)ufned)t, ©cbmib, mitunter aud) bie Don 3'*t)n,**) tpebel u. a. m. int ©ebraud); in fatl). ©djuten bie Don ©d)ufter in greiburg. Sin Cefebud) ift nid)t aflgemein eingefübrt; eS giebt © (buten, roetdje inber£)bcr= *) »ReucrbhtgS ift bevfetbe Befeitigt roorben. **) ©eit furjem ftnb bie Don 3ab« allgemein für bie eDaugcltfcben ©cbnlen Befohlen. 516 §effcn=®artnftabt. claffe gar leineS haben. 21m meiften werben gefunben: Satertanb bon Eurtman; Sefebud) in SebenSbilbern non einem herein ^effift^er Seigrer, Sefeftütfc bon gifdjer, (Seigrer in Sßeinl)eim), SBagnerS §anbbudj, ©cblej ©enffreunb, neuerbingS ber Sater= lanbSfrennb non gölfing. 3n tat6- ©dfuleu: baS non fpepp, unb in ben mittleren Eiaffen non Äiefer. Slttjäljrlid) jwifdjen Dftern unb ißfingften fott eine öffentliche Prüfung gehalten toerben. giertet ^at ber Server einen 9ted)enfd)aftSbericf)t über baS berftoffene ©d)uljal)r borjulegen. ®ie Seftimnmng ber Serien fott nad) localen Sebürfniffen gefd)el)en; bod) fotten biefelben im ganjen Saljr bie ©auer non 8 SBodjen nid)t überfd)reiten unb nie mefyr als 4 SBod)en auf einmal. ©todfdßäge finb erlaubt, tnenn anbere ©trafmittel nichts frud)ten; bod) foHen fie mit Eingabe beS ©runbeS in ein Sud) eingetragen toerben. ©inb härtere Sättigungen nütlfig, fo fotten biefe nad) Senad)rid)tigung ber Eltern in ©egenwart non einem föiitgliebe beS ©d)uInorftanbeS non bem SDrtSbiener bottjogen toerben. SBerben bie ©d)üicr nont @erid)te beftraft, fo fetten fie Heinere fyreifyeitSftrafen (unter 12 ©tunben) im ©djuliocale erftel;en, größere in einer fd)ulfreien 3 e tt, abge= fonbert non anberen ©träftingen, im SejirlSgefängniffe. Stinber unter 12 Sauren fotten felbft bei größeren Vergebungen nur ©d)ulftrafen erhalten. 3« Wie toeit ber Seprer Ver= gei)ungen außerhalb ber ©djttle beftrafen barf unb fott, barüb er ift nid)ts näheres beftimmt. ttiur barattf hat er ju feljen, baß bie Äinber toenigftenS nicht ohne Segleitung ber Eltern öffentliche ©anjbeluftigungen befudjen, feine fd)lecf)ten Sucher lefen, fid) ber Sljierqualerei enthalten, bie ©ingnöget fd)onen u. f. to. Sind) fott er bem Sranntmeingenuß entgegen^ toirfen, tooju Süd)er toie: SöttdjerS fpauSfreuj, ©trad beS SolfeS Slot!) unb 3tet* tung, empfohlen toerben. ©onntagS= unb gortbilbungSfdjuIcn fonnten tro§ toieberholter Empfehlung nur burd) befonbere fßerfönlidjteiten ein ephemeres Seben gewinnen; and bie Unterftiihung bttrd) bie betreffenben ©parfaffen blieb ohne erhebiid)en Erfolg. ©aS= felbe gilt üon ben 3nbitftriefd)ufen für 20fabd)en. Y. Serhältniffe ber Sehrer. SJian unterfdjeibet nur jwifdjen befinitio ange= (teilten Sehrern unb Sicarieu, nicht jtoifdjen §aupt= unb tttebenlehrern. 2lud) bie Vi= caricn berwalten nteiftenS ipr SImt felbftänbig. 9tur in befonberen fjättett werben Sepr= gepülfen beigegeben. ®ie Silbung ber Sehrer gefd)ief)t auf ben beiben ©eminarien ju griebberg (eö.) unb ju SenSheim, (tat!).) (Sgl. bie SilbungSanftalten ber ©djullehrer im @rh. § eff eu, gefdjilbert Oon Dr. ©djauraann. Slttg. ©djulj. 1840. 9tr. 156. ©ie ©d)ullel)rerbilbungSanftalt $u f^riebberg 0 . SB. §effe. ©armft. 1824.)*) ©ie Stfpiranten fomtnen meiftenS auS bem Säuern* unb Seprerftanb. ©ie 3 a hl ber © e) ui 5 nariften in f^r. ift 100, in S. 30—40. 3n gr. außer bem ©irector 3 orbentl. Seprer unb 2 fpülfSL, in S. 2 orbentl. 1—2 §ülfs£. Slußerbem unterweifen bie ©ircctoren ber betreffenben ©aubftummenanftalten bie ©entinariften in ber Sepanblung ber ®aub= ftuntmen unb in gr. unterrichtet ein ißrofeffor beS ißrebigerfeminarS in ber flfeligion. ©taatSbeitrag: griebb. 7500 fl.; SenSf). 4500 fl. ®aS gefehlte Silter für bie Stuf* nähme ift baS jurücfgelegte 16. 3ahr. ©eforbert werben bie Äenntniffe, welche in einer gehobenen SoifSfdfule erworben werben fönnen, außerbem einige fjertigfeit im Slaoier* fpielen. Dpue ©eminarbefud) bereiten fid) faunt 4°/o ber Selber oor. ©er Aufenthalt in ben ©eminarien bauert 2 3ahre. 3)?it beiben ftehen 2)?ufterfd)ulen in Serbinbung. ©ie 3cölinge Wohnen in einem tpaufe unter 3Iuffid)t oon Sehrern; gemeinfd)aftlid)eS Effen in gr. itt einem ißribatl)aufe in ber tttäpe, in SenSh- in ber Slnftalt felbft. SogiS, §olj, Sid)t u. bgt fine frei. Slrme ©entinariften erhalten eine Unterftüfcung oon 20—30 ft., woju 800 fl. oermittigt finb. Sei ber Entlaffung finbet eine öffent* *) $ie Errichtung eines ©eminarS touvbe fdon 1784, Befonbers bitrcf ßonftftorialrat!) SBend jur ©pracfe gebraut, es fehlte aber an ©etb jur Slusfübntng. 1804 würbe baS tatp. Seminar ju Senspeint eröffnet, WetcpeS mit bem ©pmnaßum in einiger Serbinbung flanb, 1808 bas ju griebberg. Reffen »©arinftabt. 517 lidje Prüfung, fpäter nod) ein Syamen oor ber jDberfdjuIbehörbe ftatt. hierbei foßen bie Sanbibaten 1) ben 3nhalt ber biblifd>en ©efdjidjte unb SfeligionSteljre genau fennen unb fällig fein, burd) Sntwidelung unb ©arfteßung berfelben ben reli» giöfen Sinn ber 3ugenb 31 t Weden. 2) ®eutfd)e ©p rache. SetonteS unb richtiges Sefen, fehlerfreier 3luffa(j über einen ©egenftaub, toeld^er ben fonftigen Kenntniffen entfpridjt, ffäljigfeit bie £>auf)tgrunbfä( 3 e ber ©ajjbilbung unb Sfed)tfdjreibung 3 U erör» tern. 3) @ef(hielte. Slßg. Kenntnis ber Sölfer, Welche in ber Sibel erwähnt werben; oaterlänbifdje @efdud)te in $auf>tumriffen; Sntftehuug ber neueren Staaten. 4) Srb» befdjreibung. ©eftalt unb Sau ber Srbe im aflgemeinen, Sigenfdjaften berfelben als planet, Kenntnis ber widrigen SDieere, ©ebirge, Sauber; genauere Kenntnis oon ©eutfd)lanb unb Reffen. 5) Slaturgefchidyte unc Sftaturlehre. ®ie einfad)ften ©runblehren. 6 ) @rö jjenlehre. Regula be ©ri, Kettenregel, ©cfeßfchaftSredjnung, leichte ©leidiungen. 7) fformenlehre. ©runblehren berfelben, Sntftehuug ber üßinfel unb ßiguren, SluSmeffung berf. 8 ) SDtufif. Sntftejjung, 3 u fammenfehung ber Slccorbe, Sau ber Orgel, Shoral üom Statte fingen unb fpielen u. f. w. Sernadj» längen namentlich jüngere Selber ihre ffortbilbung, fo fonnen fie 31 t nodjntaliger iprü» fung befdjieben Werben. ®ie beftehenben Sefecirfel unb Sonferei^en ftehen unter ber Seitung ber Se 3 irfSfd)ulcommiffionen, 3 U erfteren gaben ober geben mand)e ©emeinbeu Heine Seiträge. ®ie 3Infteßung gefd)ieljt burd) baS SUinifterium beS 3nnern in ber Siegel jwifeben bem 24. unb 30. SebenSjahr. ®ie ©emeinbeu bürfen nid)t einmal um eine be* ftimmte ißerfon petitioniren. 3 n einigen !ath- ©emeinbeu hat ber Pfarrer in Serbinbung mit bem SerwaltungSbeamten baS )ßräfentationSred)t; außerbeni bie ©tanbeSljerren unb öiele abelige Patrone, ©ie firdjlidjen Seljörben haben felbft, wenn SSieffnerbienfte u. bgl. mit bem Schulamte oerbunben finb, feine Sered)tigung, bei ber Slnfteflung mit» 3 uwirfen. 9iur wenn ber Sefjrer 3 ugleid; regelmäßige geiftlidje ffunctionen hat, ernennt baS Dberconf. bie Sicare unb oermittelt bie befinitiöe SInfteßung (11 ©teßen). ®ie fonft noch mit ©Ideologen 5 U befejjenben ©djulfteßen — in ben meiften Sanbftäbten 1—2, in ©armftabt 8 , in ©ießen 4 (jefct aße „ättitprebiger" genannt) — werben auf Sorfcfjlag ber Dberftubienbirection, weld)e fid) in biefern $aß mit bem Oberconfiftorium 3 U benehmen hat, burd) ben ©roffhersog befejst. Sntlaffen Werben bie Seljrer burd) baS Sßiinifterium, wenn äöarnungen unb gelinbere ©trafen oergeblich gewefen ftnb; bod) fann aud) ein größeres Vergehen ohne weiteres bie Sntlaffung nad) fid) 3 iehen. Sine ©iScif 3 linarunterfnd)ung wirb oorauSgefejjt; bo befonberS in unb bei 3JJaing oerwenbet. ©afelbft finbet fid; auch c ' n Snftitut ber englifd;en ©tiftSfräulein, ebenfo ein Knabeninftitut ber ©djulbrüber (außer graujöfifd) unb ßei^uen 518 Reffen = ©armftabt. nur ©egenftänbe einer gehobenen 23oltdfdjule). 2luch ftnb 5 ©tiftdfräulein an beit ©tabtfdjuten in 9©aittg angeftetlt. VI. Sritif. SSietc gute @efe( 3 e unb 2tnorbnungen, aber lange nicht alle befolgt: tnandje fönnen gar ntd)t befolgt toerben, 3 . 23. baff alle 6 3al;re bie ©diulen bon ber Dberfcfynibcltörbe bifitirt toerben fotten. ©er Referent für bad ebangeüfche 23olfdfchut= toefen müßte mehr ald 200 ©djuten jährlich bifitiren; bagu ift berfetbe ttod) 0 bercon= fiftorialratt) unb fjofprebiger. Unb bod; toäre ber lebenbige 23erfetyr eined fotzen ©tanned mit ben Seljrent unb bett 23egirfdbifttatoren fetjr jn toünfd)en, bamit mehr Seben ertoedt toürbe unb mehr Stillzeit in bad ©d;uttoefen fäitie. 2tud ©langet bc= ftimmter ©egutatibe toerben bie Sefirer unb beren Seiftuugen nad) ben berfdjiebenften ©ornten beurtbeitt. @8 ift fd)on borgef'ommen, baß ber eine ©ifitator in berfetben ©djute für überfliißig erftärte, toad ein attberer oertangt hatte, 3 . 23. ben grammatifa* Itfdjen Unterricht itt ber beittfd)en ©prad)e. ©er Unterricht in ben ©eminarien ift in neuerer 3 eit unftreitig foraftifd>er getoorben, er foüte ed aber in mandjer ^Begleitung noch mehr toerben. gür 23erbefferttng ber 23efotbungen tonnte' bielteidjt noch mancher ft. getonnten toerben, loenn bie 23icarien allenthalben einen fiyen ©ehatt betauten unb bie baburch erhielten Srfparniffe für gering befolbete Süehrer bertoenbet toürben. 23efonberd 3 t: toünfd;en toäre eine fefte ©orm für ©enfionirung ber Set)rer, bamit nid;t 2 Bittfür ober ©iitleiben entfdjeiben tonne. Sind; fottte bie 23egahtung bed ©uhegehalted burch bie ©taatdfaffe, toenigftend bem größeren ©h e ^ e nach gefdjehen. ©ie ©taatdregierung ernennt bie Selfrer; ed tonnte gefdjehen, baß fie einer ©emeinbe mehrere alte ober träutlid)e hinter einanber fegte unb fo berfetben ttnerfchioingüche Soften berurfachte. ©d)on bor ber frattj. ©ebotution bon 1848 fprachett bie Seifrer in einer befonberen „©enffdjrift" ©armft. 1848 it;re 2Bünfd;e and, 3 . 23. 23ereinigung ber beiben ©emi= nare, 23orbcreitung auf einer ©ealfdjule, ©rennnng ber ©djule bon ber Sirche, 2tuf= nähme in ben ©djulborftanb, sBefegung ber 23egirtdfihntcommiffiottett mit Sehrern, 2tud= fdjließung ber ©heotogen boit allen ©djulftelten, 23efolbungen bon 350—800 ft. aud* fdjtießtidj ber 2©ohnung u. f. io. ©gt. bie Sßünfdje bed h e ff- Sehrerftanbed, bon S. ©tracf. 2Ittg. ©djutg. 1848. ©ro. 43. ®ie ©ealtfirung foldjer 2©ünfche möchte locht nod; in toeiter gerne liegen. B. ©ad gelehrte ©d) nt toefen. I. f?ifl orifdjed. Duellen unb 2ite= ratnr. ©ad ©rl). befigt 6 ©hmnaften. 1) 3 U ©armftabt, geftiftet 1629, 7 Staffen, eigened 23ermögen 14,360 ft.; 2) gu ©ießen, geftiftet 1605, bad frühere Sapitatoermögen bon 3512 ft. tourbe 1836 bem Unib.=gonbd übertaffen, 6 Staffen; 3) 31 t 2Bormd, aud bem ehemaligen ebang. ©hmnafium unb tath. ©eminar gebitbet, etloa 50,000 ft. Sapitat, 105 ©Jörgen ©üter, mit einer ©ealfd)ute bereinigt; 4) 31 t ©Jaittg, 8 Staffen, bon bem ehemal. Uuib.=gonbd unterhalten; 5) gu 23 en dt) eint, 4 Staffen, 130,000 ft. 23ermögen, toegett bedfelben Unterhanbtungen mit bem ©ifdjof; 6 ) gu 23iibingen 1601 geftiftet gur fperanbilbuttg tüchtiger ©farr* unb ©chutbiener, 1822 3 unt Sanbedghmnafium erhoben, ©iefe ©htnnafieu toaren bid 1824 berfchiebenert 23ehörbett untertoorfeit; bad gu ©armftabt, Tübingen, 23ettdheim geifttichen Sonfiftorien, bad gu 2Bormd unb ©Jaing ber ©roo.=©egierung, bad 3 U ©ießen ber Uniberfitätdbehörbe. 1824 tourben 3 ©roo.=©äbagog. Sommiffioneu gegrünbet; biefe tourben 1832 in bem Dberftubienratt; bereinigt. ©gl. ©itthehr ©efdj. bed ©pnut. gu ©armft. Programm, ©eift, 23eiträge gur ©efdj. bed afab. ©abag. gu ©ießen, ©rogr. 1845; ®h u ' 5 ^ um > ©efd). bed ©hmn. gu23übingen, ©rogr. 1832. Singetne 2trtifet über bad gelehrte ©d;ut= toefen in tpeffen in ©eebobe’d trit. 23ib(. 1830 ©. 316. 2tttg. ©d)ufg. II. 1830 ©ro. 95. ©hierfd;, über ben gegentoartigen 3 u f tan ^ öff. Uuterridjtdioefend tc. 1838. ©. 322—361. ©agegeu 3enaer Sit. 3eitung. 1838. ©ro. 126—28. ©rgodta, Sentratbibt. 1838. 3uti. @. 71—79. ©ibadfatia 1838 ©r. 109—111. ©ef. bie unter A angeführte @d;rift bon Sittbe. II. Stttgemeine ©runbfähe ber ©enoaltung. ©er ©taat h at Srunb* •§cffcit=©armftabt. 519 ■fäfclid) feie geteerten ©djulen ju unterhalten; bod; betrugt er bie borhanbenen gonbS. ©ie ©pntnafien gu ©armftabt, ©iejfen unb Tübingen gelten als ebangelifd), bie ju SDcainj itnb SBenSheim als fatty., baS ju SöormS als paritättfdf. Sille [teilen unmlttel» bar unter ber ©berftubienbirectiom. ©ie ©irectoren Ijaben fid) in widitigen gälten mit ber Setirerconferenj ju befpred)en; bodj fcnnen fie aud) unter Umftänben gegen ben 5 D?aioritätSbefd}lug auf eigene S5eranttt)ortüd)feit berfügen; jedenfalls ftel>t ihnen ein fufpenfibeS 33eto 31 t, bis l;öfyere Kntfd)eibuug erfolgt, Konfiftorien unb Sifdjöfe haben nur ben 9?eligionSunterrid;t ju iiberwadjen unb barauf ju fel;en, baß fidj lein irretigiiifer ©eift einbrängt. III. ^>aufJtpuncte ber ©djulfiatiftif. KS lommt auf 142,000 Kinw. ein Opmnafiutn, ober, Wenn man bie IjBljere ©emerbft^ule gu ©armftabt in ü;rer Kigen» fd;aft als fftealgpmnafiutn mitgählt, auf 122,000. ©ie 3U;t ber ©d)üter beträgt 936, bie 3at;t ber ©olfSfc^üler 150,568. KS lommt alfo auf 160 S3ollSfd)üler ein ©t)m= nafiaft. ©er 3 ubrang gum ©tubiren ift fic^ im gangen gleich geblieben, bodf fdjeint er neuerbingS ein wenig im Slbneljmen gu fein. KS lommt ein ©tubirenber auf 2409 Kinw. Slud) nad) Krrid;tung ber fftealfdjttlen gelten befonberS auS SJtaing unb ©armftabt nod) tnandje ©pmnafiaften ins ©efdjäftSlebeu ober in baS SQJilitär über. ®ie 3al;t ber jährlichen Slbiturtenten beträgt etwa 110 . Sitte ©tjutnafien fonnen bie ©c£)üler im 10. Sahre aufnehmen unb bis gur Unioerfität borbereiten, ©ie innere Kinrid;tung berfelben ift berfd;ieben. ©ie bellen 8 (Eiaffen hat nur baS 51 t SDtaing. 3n ©armftabt fehlt bie 8 . (Eiaffe, weil bie bortigen fßribatborbereitungSanftalten bie= felbe erfegen. 3n ©iegett fmb bie beiben oberen (Eiaffen auS 1 unb 2, 3 unb 4 combinirt. 33ei ben anbern ©pmnafien finb immer 2 SaljreSclaffen mit einanber ber» einigt; in SBorrnS finb neben ben ©tymnaftal* aud) Dfealclaffen, bod) Ijaben beibe nur Wenige ©tunben gemeinfdjaftlidf. fßribatinftitute, Weldje bie ©^mnafien erfegen feilen, giebt eS nid;t, bagegen foldje, Welche auf biefelben borbereiten, ©ie 3^ ber orbent= lidfen Selber beträgt in ©armftabt 10, in fDtaing 13, in ©iejfen 8 , SBormS 9, 23enS= heim 4, 33übingen 4, gufammen 48, bagu 30 bis 36 außerordentliche unb ^ülfSle^rer. SehramtScanbibaten finb 33 borljanben, barunter 21 eoangelifdje, 12 latl;olifdje, 23 ip^ilologen, 9 ÜRatljematiler unb 1 für neuere ©pradjeit geprüft. ©er ©efammtauftoanb ber ©pmnafien beträgt in ©armftabt 20,444 ft., in ©iejjen 13,313 fl., in Tübingen 7010 fl., in SßorntS 12,082 fl., gufammen 52,849 ft. ©agu giebt ber ©taat 28,040 fl. ©aS Sehrgelb beträgt 12,560 fl. 3 um 20?ainger ©pmnafium trägt ber ©taat md;tS bei, gum 33enS^eimer 2000 fl. ©aS ©djutgelb für ben Kingeinen beträgt 12 bis 25 fl., meift bie letztgenannte ©umtne. grüner waren bie Sefyrerföfme bon Kntrid|tung beSfelben befreit, in Utaing unb SBormS Wirb eS ben ärmeren ©djülern tljeilweife ober gang erlaffen, feiten ober nie in anbern ©pmnafien. ©rogentfyeilS wählen bie ©pmnafiaften felbft diejenigen auS, wetdje Ißrämien belommen fotlen. KS find einige Stiftungen 31 t biefem 3 1Dec ^ e bor^anben; fonft werben bie fßrämien aitS ber ©djullaffe bejaht, ©ie 3' n f cn guljr’fdjen Legats bon 1000 ft. in ©armftabt werben gu fßreiSaufgabett für ißrimaner unb ©ecunbaner berwenbet. IV. ©ie innere Drbnung ber ©djule. Slufnafjme nad) boHenbetem 10. Sahre. ©abei Wirb baSfelbe bedangt wie in S 8 aben (I. ©. 403). 3nt Sateinifchen Wirb nod) S9elanntfdjaft mit ben regelmäßigen ©eclinationen unb Sonjugationen, fowie einige Uebung im Ueberfe^en leidjter ©ä(}e gewünfe^t. 3n ben boßftänbig eingerichteten ©pmnaften bleiben Bie ©cfyüler ein 3a^r in jeber Klaffe, in combinirten Klaffen (f. 0 .) 2 Saljre. ©ie 53erfe£ung wirb regelmäßig einmal im 3al)re borgenommen. 9?ad| bem gegebenen DSormalle^rpIan ift bie burd)fd)nittlid)e UnterrichtSjeit eines ©djiilerS auf 30 ©tunben in ber 2 Bod)e unb etwa 6 für ben ®ag beftimmt. 5 n SJfainj führen bie Seljrer i^re ©d)üler bur^ mehrere Klaffen; bod; ift biefe Kinridftung nicht confeguent burd)gefül)rt. Sflui) bem ?e^rplan bert^eilt fidf ber Unterricht folgenbermaßen: 520 Reffen»®armftabt. vm. vn. VI. V. IV. III. II- I. Seutfdj 4 4 4 3 3 3 2 2 Sateintfdj 10 8 8 8 8 8 7 7 ©rietfjifdh 2 4 4 5 6 6 ©ebraifch 2 2 granjofifch 3 3 3 2 2 2 2 2 äJtatljcmatif 2 2 3 3 4 4 4 4 5?atur!unbe 1 1 1 1 1 1 1 1*) ®eogr«j)bie 2 2 2 2 2 2 @efchid;te 2 2 2 2 2 2 2 2 Äattigrajibie 2 1 i 1 Saunen 2 2 2 2 2 2 2 2 Statienifd; unb Suglifdj in je 2 Slbtbeilungen mit 2 ©tunben. 3)er SlfeligionSunterricht wirb »on theologifd) gebildeten Sehrern ober »on ©eifi= liehen erteilt. Seigeres gefd)ieht namenttid) ba, wo in EonfeffionSghmnafien für die SDiinorität befonberS geforgt Werben muff, gür bie ebangelifdjen 9ieUet)rer ift lürjtich eine befonbere 3nftrudion gegeben Worben. hiernach jerfädt ber 9JeligionSunterrid)t auf ©tjmnafien in 2 fpauplftufen, in eine nie'bere bi« jum 15. 3al)re unb eine höhere, wo bie wiffenfdjaftlidje gornt mehr ^erbortritt. 3n Y1II. unb VII. hübet bie biblifdje ©efdjichte ben fpauf5t=Unterrid)tSgegenftanb; babei werben fernljafte ©prüdje, geeignete Kirchenlieber, bie 10 ©ebote, baS apoftotifdje ©laubenSbefettntniS, baS ©ebet besseren mit ben in bem eingeführten KatedjiSnmS enthaltenen Erflärungen memorirt. 3n VI., V. unb IV. ausführlicher SSortrag ber djriftlid)en ©laubenS» unb ©ittenlehre, nach bem eingeführten Sehrbud). Slujjerbem fergfättige 33efd)äftigung mit ber heil- ©djrift. gort= mührenb Kernfprüche unb Sieber memorirt. ©ebrängte Sarftedung ber djrijtlidjen jKeligionSgefdfidjte unb ber UnterfcheibungSlehren ber öerfdjiebenen Eonfefftonen ohne geljäffige fpolemif. ®er höhere SurfuS beginnt in III. Einleitung in bie ®^rift ohne gelehrte unb Iritifdje Unterfudjungen, ausführlicher SSortrag ber c^riftlic^en 3MigionS= unb Kirdjengefdjidjte, weldjer neben ber geftftettung ber widjtigften $hotfadjen unb ber nöthigen Einfidjt in bie Entwicfelung ber ÜDogmen bie SDarfteflung beS 2Bach§thnmS beS Reiches ©otteS jur Aufgabe h»t. ®en ©d)lufj bitbet ber 33ortrag ber chrifttichen ©laubenS» unb ©ittenlehre, loobei auf bie Sleujjerungen beS Unglaubens in ber ©e» genwart geeignete fftüdfid)t genommen werben fotl. @ebraud)t »erben bie biblifdje ©cfd)id)te oon Kurfj, ©djufned^t, SI>udidjum, Heiner lutfjerifcher unb badifcher Äate* djiSmuS, jßalmerS Shriftlidjer ©taube unb Seben, unb beffen Sehrbudj ber Religion unb ber ©efdjidjte ber djriftlidjen Kirdje. 3eben Sdtorgen toirb ber Unterricht mit ©ebet begonnen unb wenigftenS am Enbe ber Sodje mit folcfjem gcfd^Ioffen. 3n ®armftabt ade 14 Sage gemeinfdjaftlidjer ©otteSbienft in einem ©aale beS ©hmnaftumS. 2lnber= toärtS wirb wenigftenS barauf gefeiten, baß bie ©djüler bie Kirche befud^en, wobei alter» nirenb ein Selber die Sluffidjt führt. 3n einigen ©tjmnafien gemeinfchaftliche St) e ^ na h me mit ben Seljrern am hl- Slbenbmaljl, namentlid) in 2)armftabt, wo bie ©hmnafiaften befonberS confirmirt werben. 2Bo latl>. fMigionSunterricht ertheilt wirb, beftimmt ber SBifdjof einen ©eiftlidjen, Weldjer bie fpeciede 2luffidjt über benfetben ju führen h at - *) 3n ber SffiirHidjfeit meift 2 ©tunben. Reffen = ©armftabt. 521 ®er SDiainjer Siocefanfatedjidmud liegt bemfetben 3 U ©runbe unb wirb memorirt, bann £eppe’d feifei. ©efd)., ©djarpffd fpanbbud) ber djriftl. Sieligion. Lateinifd). VIII. unb VII. 8 —10 ©t. Siegetmäßige unb unregelmäßige Son= jug. Lepre non ber SBortbitbung. Sinfadje Stegein ber ©pntay. ©eiftd fl. ©djulgr. Stlenbtd lat. Sefebucp. ©iberti’d ©r. ©d)önbornd Leprb. Slume’d Stementarb. Ue= bungdbud) b. ©pieß. VI. unb V. 8 ©t. Syntaxis convenientiae et casuum unb Srftärung ber am päufigften borfommenben ©prad)formeit, wie aec. cum inf., ablat. absol. u. f. m. Sutrop, Sornel, 9lur. ©ictor, ißpäbrud, Suftin, Sacobd lat. Lefebucp, ©ebife’d Spreftom., ©tume’d Slementarb., ©djulj @r. IV. unb III. 8 ©t. Lepre b. b. oratio obliqua, ©articipialconftruction, Dbibd ©rift. unb ÜDietamorpp., Säfar, ©liniud ©riefe, Surtiud, leidste Sieben bon Sic. wie in Catilinam, pro Murena u. f. w<, aud) wopl Ieid)te ©tücfe aud § ora 5 öben, ©irgil, ßuntptd @r., 2 )ronfe’d Uebungdb., 9Jiab= bigd ©pnt., Ueberfepitng aud ©üpfle, ©eift u. f. m. II. unb I. 7 ©t. Syntaxis or- nata unb ©pnonpnüf, freie Sludarbeitungen, Sibiud, Sic. rpet. ©Serfe, ©irgild 9leneid unb ©eorgica, fporag Dben, 33riefe unb ©atiren, ©er^ud, 3ubenal, ©lautud, 3 um pi 8 @r., ©ebife’d Ciceronis Hist. phil. antiq., ©etjffertS Palaestra Cic., SRabüig Poet. lat. oarmina selecta. ©on ben beftimmten Leprfi. finb meift 2—3 für bad Somponircn unb Sinilbung ber ©ramm, beftimmt. Sille 8—14 Sage ein exercitium dornest, unb 1 pro loco. Lateinifcpe Sluffäpe in ben oberen Staffen. Sie ©d)üler feilen fid) grammat. rieptig unb opne grobe ©erftöße gegen ben ©eift ber ©pradje audbrüden lernen. La* teinifdje ©erfe werben nidjt regelmäßig gemadjt, bod) jutoeilen. ©riedjifd) bon VI. an, alfo etwa bom 12 3apr. VI. unb V. 2—4 ©t. gor* menlepre bid inclus. unregelmäßige Sonjugation, einfadje Siegeln ber ©pntap, Äapferd Leprb., Sacobd Slementarbud). ©pieß, Ärügerd, ipinjgerd ®r. IV. unb III. gort* feijung ber ©pntap unb weitere Sinübung ber unregelmäßigen formen, 3-enoppond Slnabafid, Spropäbie, ©iemorabilien, leidjte ©tücfe aud Router, §erobot, 3acobd Stttifa, ©eiftd Spreftom., Ärügerd ©r. II. unb I. 6 . ©pntay beenbigt, SRetrif, Seno= ppond Hellenica, Lucian, ©lutard), ©puepbibed, SDemoftpened, ©lato, Slriftoppaned, ©oppofled, 9lefd)plud, aud) Wotjl ©inbar unb ©peofrit, tpeilweife Ueberfepungen ind Lateinifdje, ©uttmannd @r.; auf bie ©ramm., berbunbeit mit Spercitien, 2 —3 ©t. ber* wenbet. Dbligatorifd) für ©peotogen, Suriften, SJiebijiuer. 3 eber anbere fann auf ©er* langen ber Sltern bidpenfirt Werben; in SJiainj etwa V 8 —V 2 ber ©d)üler, in ben mei* ften anberen ©pumafien nur V 8 — V 10 , in ben unteren Staffen wopl etwad utepr. tpebräifcp wirb in 2 ©ectionen gelehrt bon II. an, bod) föinten aud) wopl jüngere ©d)üler baran tpeilnepmen; jebe ©ect. 2 ©t. 3n II. gertigfeit im Sefen, regelmäßige SBoriformen, einfache ©äpe aud einer Sprefiomatpie. 3tt I. unregelmäßige ÜBortformen, bad 2 lltgemeinfte aud ber ©putap, paffenbe ©tücfe aud ber ©enefid, 3ofua, ©falnten, ©efeniud @r. unb Lefebudj. Ser Unterricht wirb meift bon orbent* lid)en Lehrern ertljeilt. granjöfifch VIII. unb VII. 3 ©t. Lefen, gormentepre, SRemoriren bon SBörtern unb greifen, Lefebud) bon ©eauclair, 911bred)t, §aad. VI. unb V. 3 ©t. gortfepung bed grantm. Unterrichts, unregelmäßige gormen, ©preepübungen, aüg. Siegeln ber ©pntap, ©riefe unb @efd)äftdauffüpe ind granj. überfeijt. Sparted XII. b. ©ottaire, Selemaque, ©uiHaume SeH b. glorian, 9t(6red)td Seprbud), ©enberd Sefebrnp, ^ölberd, Sübedingd Uebungdbud), ^(irjeld Sefebudj unb @r. IV. unb III. ©ajjl. fpftematifd) entwicfelt, befonberd ber Unterfd)ieb ber fran^öfifcljen ©praepe unb ber beutfdjen in fpnt. unb topifd)er ©esiepung erflärt, freie Sompofitionen aud ber ©ppäre bed @efd)äftdftitd, Unterpaltung in franjöfifdjer ©prad)e, leichtere poet. SBerfe, wie bie tpenriabe, ©tücfe b. ©cribe, fpaad fieqond, ©iemoriren bon ©ebidjten, 3 . ©. Safontaine’d gabeln, ©enberd Seprbud), Jpirgel. II. unb I. ©pnonpmif, ©erdlepre, freie Sompofitionen Sioel unb ?aplace, Siacine, -ßaul unb ©irginie, Spateaubrianb, Genie du Christianisme, £>aad Sableau, gabeln bon Lafontaine, Lutrin bon ©oileau, 522 Reffen ■ ©annftabt. ©ypofttion unb Sompofttion gepen mit einanber, biStoeilen exercitia pro loco. ©ie ©d)iiler foEfen befähigt merben, bie gebiegenften franj. ©laffifer für fiep $u lefen unb fiep fcpriftlidj, fotoie miinblid) angemeffen auSgubriiden. Orbentlidje Seprer ertpeilen ben Unterrid)t. Snglifcp unb 3talienifcp tnirb pribatim geleprt in je 2 fttbtpeilungen ju 2 ©t. ©iefer Unterridjt ift facultatib. §aad ©ramm.; ©tüde aitS ©pafefpeare unb SSafpington 3rbing; @r. boit 33a8lerbiße. 3talienifcp. JfjaaS ©ramm.; ©affod befreites 3erufalem; ©tablerS ?epr= unb UebungSbud). ©eutfd) VIII. unb VII. Hebung im ridßigen unb auSbrudSboflen 8efen, 2Bieber= ergäpten beS ©elefeuen, ©rftärung paffeuber Sefeftüde, ©iniibung ber FlQ'tonSformen, ÜBortarten it. f. affg. ©apl., Sefebud) in SebenSbilbern, $ep[e3 ©r., 3intmermann8 Sefebutp. VI. unb V. 4 ©t. ©ie pöpere ©tpmotogie, namenttiep bie ?epre bon ben SBurjeln unb ftarfen SJerPiS, 'ißeriobenbau, Snterpunctiondlepre, Heine Sluffäpe toie DrtS* unb SebenSbefcpreibungen, Uebertragung poet. ©tiiefe in ^refa, ©ramm, naep ©liicffelig unb fjepfe, 3riftlid;ett 33ortragg. Qm bie in lateinifeber, frangöfifdjer unb beutfd^er ©pradje gu Iiefernben 9tuffäjje fotl ber ©toff auS bem ©efidjtdfreig ber ©djüler genommen toerben, baff eine ©ebanlenmittbeilung über biefelben ohne befonbere SSorbereitung unb £jülfB» mittel gefdjeben fann. SS toirb babei bedangt eine für ben toiffenfd)aftIid)en unb prat» tifdjeit ©ebraud) genügenbe ©etoanbtbeit im STuöbrud ohne auffallende 23erftBße gegen 3?id)= tigfeit unb Stngemeffenbeit. 3n ber ©eograpljm toirb eine allgemeine Kenntnis ber Srbober* flädje, ihrer mathentatifd)en, phhftfdjen un b poXitifdjert (äintljeitung öoraudgefebt. 3n ber ©efdjicfjte ift eine fidjere unb feft eingeprägte Kenntnis ber ^tauptpertoben, Sreigniffe, Diamen unb 3abre8jabten gang nnerläjflid); babei toirb auch ertoartet, baff ber Syaminanb im ©taube ift, ben gufammenbang ber loidjtigften 33egebenl)eiten nad) ihren Urfadfen unb S°t9 cn unb bie b ert> orfted^enben Sbaraftergüge ganger f)3erioben unb berühmter SMnner nu'inb= lid; unb fdjriftlicb baoguftetlen. ©ie Seiftungen in ber ÜDiatbematil foHen fid) nad) ben in ber oberften ßlaffe gehaltenen 35orträgen richten unb ftdj big gu ben fßrogreffionen unb Sogarithtnen, ben ©leithungen 2. unb 3. ©rabeg, ber ebenen unb fphärifdjen ©ri* gonometrie unb ber Sehre oon ben ffegelfdjnitten erftreden. 3n ber 9iaturgefd)id)te toirb ÄenntniS ber allgemeinen Sintheilung ber 9?aturprobucte unb ber unterfefeibenben SDierlmale oerlangt, fotoie bie ©runblehren ber fßhhftf/ fotoeit eine Kenntnis berfelben gur Sdlarung ber toid)tigften Sfaturbhätiomene erforberlid) ift. 9?ad) bem fRefultat ber fßrüfung toerben 4 9?umern ertl)eilt. I. 91tlgemeineS Sob, auSgegeid)ttet. II. SDlebr Sob als ©abel. SSeibe getoährett unbebingte ßuläßigleit gunt UnioerfitätSbefud). III. Sob unb ©abel im @leid)getoid)t. Sßebingte äuläjfigfeit. IY. 2M)r ©abel als Sob, Ungu= läßigleit. 911Ie bont ©taate augge()enbett ©tipenbien, greitifdje u. f. to. lönnen nur bei ßrlangung ber gtoei erften Siumern erlangt toerben. ®ie 9Ibfoloirung beS @t)in= •Reffen=Sarmftabt. 525 naftalcurfuS ßetuät>rt feine beförderen Steckte, boc^ fönnen nur ©djüter ber erflen Slaffe jur Prüfung jugelaffen Serben. Y. SSerpältuiffe ber £ elf rer. Sin ben@pmnafien find ordentliche, außerorbent* lidje unb fpülfSleprer angeftettt; die lepteren ^afcen nur in einjelnen ©egenftänben, wekpe ald Slebenfädjer betrachtet toerben unb woju eine befonbere tedjnifdje gertigfeit erforderlich ift, ju unterridjten, j. 33. im ©djreibett, geicpnen, ©ingen. Sergleidjen Seprer find anderweitig an ber 33oltSfd)uIe, fRealfcpule u. f. w. nod; befdjäftigt. ©ine fonftige Unterfdjeibung in Dber= unb Unterleiber findet nid)t ftatt. Sleltere unb oerbiente Seprer erhalten Wohl den Xitel „£>ofratp" ober „ißrofeffor"; die andern haben feinen beförderen SlmtStitet; die SepramtScanbibaten paben afabeniifdje Silbung. Speologen find nur wenige; bocp wirb darauf gefehen, baß an jedem ©pmnafinm wenigftenS ein Speolog als orbent= lieber Sel)rer angeftetlt ift. ©in folcper pat alsdann, wenn er feine Sehrtüchtigfeit anber= weitig bewiefen pat, fein Weitered ©yarnen ju beftehen ober WenigftenS ein gelinderes. 3n ©ießen beftept ein ppilol. ©etninar, weldjeS aber mehr Weitere SluSbübung in ber ■Philologie als Bildung oon ©pmnafiatleprern bejwedt. Sen ordentlichen SDlitgtiebern, deren 3apl auf 8 feftgefept ift, find Stipendien in SluSficpt gefteUt. Slußerbem erhalten die 3 tüdjtigften ^Prämien, beftepenb in goldenen unb filbernen SRebaiUen. 3 ur fung ber @hntnafial*S?ehramtScanbibaten befielet eine befonbere ©ommiffion in ©ießett, biefelbe ift jufamtnengefeijt auS dem orbentl. fßrof. ber fßpilofoppie im engeren Sinne, dem ißrof. ber altclaff. ©pradjen, dem fßrof. ber ©efd)., dem fßrof. ber orient. Sprachen, dem ipäbagogarcpen in ©ießen. 33ertangt wirb gründliche Kenntnis ber gried). unb röm. Spraye unb Siteratur, Slltertpümer, SKetrif, SJtptpologie u. f. w., mit einem SBorte ber claffifdjen SlltertpumSlunbe in iprem ganäen Umfang, ferner einige 33ertraut* peit mit ber pebr. Spraye ober bent ©auSfrit, Kenntnis ber alten und neuen ©efdjicpte, ber reinen SRatpemati! u. f. W. Slußerbem giebt eS nod) ein befonbereS Spanten für foldje, bie fid) in einem beftimmten gad)e j. 33. ber SDlatpematif, den ÜRaturwiffenfdjaften, neueren Spradjen Wollen prüfen laffen. hierbei wirb in den genannten Rächern ein fpecieEeS ©yamen gemacht, während in ber ÄenntniS ber alten Spradjen nur mäßige gorberungen gefteUt Werben. Um den SJtanget eines eigentliche« päd. ©eminarS einigermaßen ju erfepen, miißen bie Sanbibaten ein ißrobejapr beftehen. ßuerfl feilen fie dem Unterricht einjelner Seprer beiwopnen, bann unter ber ©ontrole eines SeprerS ober beS SirectorS felbft unterrid)ten, Wobei fie burd; fRatp, ©rmunterung unb fRfige auf den redjten 3Beg gelenft werben fotlen. Sie Stnftedung ber Seprer erfolgt auf 33or= fdjlag burd) bie Dberftubienbirection Oom ©reßpergeg felbft. 3n Tübingen pat ber gürft baS fßräfentationSredjt ju 3 SeprerfteUen. ©in SDfapimum ber Seprftunben ift nicht gefeplid; beftimmt, bod; find 20—26 in ber 3Bocpe daß gewöpnlidie SJtaß. Sie Seprer paben biefelbe SlmtSfleibung wie alle unter dem SDSinifterium beS 3nnern ftepenbe 33eamten (ogl. b. 2lrt. SlmtSfleibung). Sen orbiuirten Speotogen ift eS oerftattet ben fcpWarjen SlmtSrocf der fßfarrer jtt tragen. 3n SSejiepung auf ©ntlaffung unb ipenfio= nirung find bie ©pmnafialleprer ben übrigen ©taatSbienern gleid? geftellt. gür 3Ser= befferung ber ©epalte ift Wäprenb ber letzten 3apre SlnertennungSWertpeS gefdjepen. ©ine gleichmäßige Drbnung ttnb ©laffificirung findet niept ftatt. 3n Sarmftabt unb ÜRainj find bie 33efotbungen am beften. Sie Sirectoren befommen pier 20—2400 fl. unb freie SBopnung, bie älteren Seprer 14—1600 fl. SBefotbung, bie jüngeren 8—1000 fl. 3n Sftainj außerdem meift freie SBopnung. Sin ben andern ©pmnafien ift ber ©epalt geringer. 3n Tübingen pat ber Sirector 1500 fl., bie Seprer jwifdjen 7 u. 1200 fl. Sabei genießen bie Seprer ben 33ortpeil ber anderen ©taatSbicner, baß fie 1 ,k iprer 33e= folbung in Naturalien bejiepen fotlen unb baß ipnen biefe, jedoch mit einiger 23efdjrän= tung, naep bent laufenden greife oergütet Werben. 23iSWeilen belommen fie aud) 9temu= nerationen. YI. Äriti!. 3m allgemeinen ftept baS ©pmnaftalfcpulwefen im ©roßp. Reffen pinter dem in andern Sündern gewiß niept jurücf, wie fdton ber Umftanb beweist, baß 526 Reffen = ©armftabt. über 70 3“ö^ n Q e ^e^ftfc^cr Schulen in ben oerfd;iebenften Sänbern Gtnropa’S als ^3vo= fefforen, Sel;rer u. f. w. Aufteilung gefunben ^aben (ogl. $rogr. beS ©tjutnafiumS ju=- ©arnift. 1855, ©. 13). SRamentlid; ift feit 25 Sauren außerorbentlid) Diel gur 33er= befferung gefdjehen. ®od; ift aud; hierbei nid;t gu oerfennen, baß bie Betreffenbeit 93er= orbnnngen oft mel;r auf bem Rapier als in ber 2 BirfIid;feit ooßgogen fine. ©er oben mitgettjeilte ?et)rplan forbert ungweifelhaft mehr als bie ©pmnafieu gu leiften oermögen; namentlid; gilt biefeS üou ber 91iatl;ematif. SBirb aber eine foldje Storni in einem ißuncte mangelhaft gehalten, fo oerliert fie and) in anbern ihre normirenbe Äraft. ®s möchte barum eine SReoifion bcSfelbcn gu wünfcben fein. Seffer feine ©efege als fo!d;e, bie uid;t ftrenge beobachtet Werben. SBeiter fotlre baS ©arm ft. @t;muafium nid;t allgu fehr oor ben aitbern begünftigt »erben, ©ine ©laffificirung ber üel;rer ohne 3?üdfid)t anf bie oerfdfiebenen ©l;mnafien nad) bem ©ienftalter Wäre gewiß eine SDcaßreget ber ©eredftigfeit nnb Silligfeit. ©aß oielfach ein frifd;eö, wiffenfdjaftlidjeS Seben nnb Streben unter ben @l;mnafiaften oermißt toirb, mag im ©eifte ber 3^it, beren GI;aratter in Dieter Segiel;ung <ärfd;laffung ift, feinen ©runb haben. ©iefe toirb burd) allgu große ®infd;ränfung nicht befeitigt; barum bleibe eine allgu fehr befd;räntenbe 3 ud)t ferne; bod) feilten fich bie ©hmnafien mehr, als eS gefd;iel;t, als (SrgiehungSanftalten erfennen unb beloeifett. (93gl. über Sd;ulergiel;ung 2111g. Sd;utg. 1856. 21pril.) C. ®aS 9ieatfdjulwefen. ®ie 3ieatfd;ulcn in £>effen=®armftabt fiub ein -Pro» buct ber tetjten 3al;rgel;nbe. grül;er befud;ten bie Etinber, weldje ohne ftubiren gu wollen nad; einer h^h ereu Silbung ftrebten, als fog. beutfd;e Sdjüler bie ©pmnafien, toaren aber oent Sefud) ber lat. nnb gried;. Stunben biSpenfirt. 3n ÜJiaing nnb ©armftabt entftanben oor ettoa 30 3al)ren bie erften 9fealfd;ulen in fpeffen. Sßeibe toaren ärmlich eingeridjtet, mit anfangs 2, bann 3 (klaffen. SDiit ber gu ©armftabt ftanb feit 1822 eine Sd)ule für Saul;anbwerfer in Serbinbung, toe!d;e einen jäl;rlid)en 3 u f^> u 6 öcn 500 fl. aus Staatsmitteln erhielt. 1834 badjte man baran, in ben 3 ißrooincialhaupt» ftäbten beffer funbirte unb organifirte 9iealfd;ulen gu grünben. Sie Stänbe bewilligten für febe jährlid; 3000 fl. unter ber Seringnng, baß fid; and; bie Stabte gu einem glei= d;en Settrag oerftänben. ®aS gefdjah. Außerbem übernahmen biefe nod; bie Stellung beS üocalS, beffen §eignng unb bie tperbeifd;affung beS Sehrgeräthö. ©ie Sinrid;tung gefdjah in ©armftabt unb äRaing 1834 unb 1835 unb in ©ießen 1837. 2ftit ben erfparten 18,000 fl. tourben bie 2 lpparate angefdjafft. 3 n ©armftabt grünbete man alSbalb noch eine höh ere ©etoerbefdjule gur höhnen inbuftriellen Sitbung unb gurSor» bereitung für alle auf naturtoiffenfd;aft!id;e nnb matl;cmatifd;e Äenntniffe unb gra» pl;ifd;e gertigteiten geftüfcte SerufSarten unb Stubien. gaft gu gleid;er 3 e 't tcurbe aud; baS ehemal. ißregt;innafium gu Offenbad), toeld;eS oou 80 Sd;ülern faum 6 auf bie ®t;mnafien fd;icfte, mit (Einwilligung beS StanbeSherrn, beS gürften oon 2)fenburg» Sirftein, in eine 3icalfd;ule ocrtoanbelt. ©erfclbe behielt fid; baS ißräfentationSredjt ber Sehrer oor unb fteUte bie »eitere Sebiugung, baß benen, bie es »ünfd;tett, @ele= genl;eit Sateiuifd; gu lernen gegeben »ürbe. Aehnüd; 3 U 2Rid)elftabt in ber @raffd;aft Qtrbadj. AIS bie Sanbftänbe 600 fl. 3ulage bewilligten, offerirte bie Stabt Singen 2000 fl. nebft Socal unb Steigung, Algei nnb Siebenfopf folgten; alle erhielten eine gleid;e Unterftüfcung, ncuerbingS auch 2llSfelb. 3n griebberg beftanb fd;on feit ber Deformation bie 2luguftinerfd;ule als eine 2lrt ©tjmnafium, 1838 Würbe baSfelbe in eine fogen. Stuft erfdjule oerwanbeit nnb als fold;e mit bem Sd;ullel;rerfeminar in Serbinbung gebradjt. Später entftanb eine 3?ea(fd;ule barauS. Sei ben 3 tßrooincialrealfd;ulen wirb ber Staat in elfter 3?eil)e als gur (Erhaltung oerpflid;tet augefet;en, bie Stäbte Werben gur Unterftiihung beigejogen, bei ben übrigen ift baS SerhältniS umgefel;rt. ©aS Sd;nlgetb beträgt meiftenS 12—24 fl. 3n Offen» bad; begabt ber gweite Sruter nur 16, ber britte nur 12 fl, 30 armen Sürgerföl;nen wirf baS Sdjulgelb gang erlaffeu. 3n iöc'idjelftaot begahlen bie Sinl;eimifd;en 12, bie Auswärtigen 18 fl. ©ießen, ©armftabt, griebberg, Siebentopf unb 9 Jiid;sf[tabt gelten -§cjTcit=®atm(lobt. 527 alg eßangetifdj, äliaing unb Sßingen als fatljolifdj, SBormS (f. ©t)mn.) unb Sltgei atS getuifdjt. ©od) tuirb bie confefftcnelle ©onberung weniger ftreng als bei ben ©t)m= naften beobad)tet. 3n Dffenbad) befugen niete 3ubcn bie ©djute. 3 U ^ em unter ® merften muß nod) fyingugefügt Werben, baß für bie Heineren 9icalfd)ulen befcnbere Gemmiffionen, Wetdje au8 bem 93erWaltung6beamten, bem SBürgermeifter, bem ©irector unb Ijier unb ba einer anberen'ißerfönlidßeit gufammengefetjt finb, beftetjen. ©ie fotten ben 9?ector in feinem etwa« befd)ränfteren SBivfen unterftü^en unb controtiren, nament= tidj baS 3ntereffe ber ©tabt warnefymen. ©er SSefudj ber 3?ealfd)uten nimmt immer gu unb gWar and alten ©tänben, befon= berß bem §anbet§= unb ©ewerbeftanb. ©ie nieiften ©d)üter gelten halb nad) ber Gon= firmation in bie Setjre über, ßiete and) auf bie ©ewerbefdjute, um fid) für 2)iatl;ematif, gorftwiffenfdjaft u. f. w. ßorgubereiten, bie 3 ißroüinciatfdiulen finb oellftänbig organifirt, wäfyrenb bie anbern nur 3 Staffen mit Weniger Sefyvfräften tjaben. 3u Dffenbad) ift eine SBorbereitungdanftatt mit ber 9featfdjute ßerbnnben, bie größeren Slnftalten tjaben meift außer bem ©irector 7—8 Sefyrer, bie Heineren 2—3, unb einige tpülfbletjrer nad) 33ebürfni8. 3m gangen 54 Server, ©ie ßatji ber nod) nid)t ßerwenbeten Ganbibaten beträgt 15, nämtid) 11 ebangetifdje unb 4 fattjetifdje. Stuf 77,455 Ginw. fommt eine Sfeatfdjule. ©er Äoftenaufwaub für atle beträgt etwa 55,000 ft., wogu ber ©taat 23,500 ft. beiträgt, Stiftungen etwa 3000 ft. Sitte gujamtnen werben öon etwa? über 1300 ©djütern befudjt, ©armftabt unb SJiaittg tjaben beren 300 unb barüber, Dffen» badj über 200, ©ießen, §riebberg, 95tngen circa 100 u. f. w. Slufnatjme nad) ooHenbetem 10. Saljre bei genügenber -fjertigfeit im Sefen, ©d)ön= unb 9iid)tigfdjreiben, in ber 3?ed)nung ber 4 ©pecieS mit gleich unb ungteid^= benannten 3^I)tcn. tßerfefsung alle 3aljre. 9?adj bem SJormaUe^rpIan beträgt bie wö= djenttidje Unterrid)tSgeit 30—33 ©tunben, bie tägliche 5—6. ©er Unterridjt fott alfo »erteilt fein: IV. III. II. i. Religion 4 — 3 — 2 — 2 ©eutfd) 4 — 4 — 3 — 2 grangöfifd) 5 — 4 — 4 — 4 Sftatljematif 6 — 6 — 6 — 6 --- 3 9?aturgefd)id)te unb Gfyentie 2 — 3 — 3 — 4 ©eograptpie 4 — 3 — 2 — — @cfd)id)te — — — — 4 — 3 3eid)nen 2 — 3 — 4 — 4 ©djretben 3 — 2 — 2 — — ©efang 2 — 2 — 1 — 1 Gngtifd) — — — — 3 — 3 35offiren — — — — — — 3 ©iefer urfprüngtidje Setjrptan ift in ber 2ßirflid)fcit baburd) mobificirt, baß ©arm= ftabt unb üDiaing 6 Staffen, Dffenbad) mit ber 33orbereitunggfd)u(e 7 erhalten l)at, wäfyrenb ftd) bie Heineren ©d;ulen mit 3 begnügen müßen. Siir ben 9Mgiongunterrid)t auf ben 9iealfd)uten ift wie für ben auf ben @t)m= naften fürgtidj eine neue Snftruction gegeben Worben. 3n ben Stnftalten, wetd)e bie ©d)üler mit ber Sonfirmation entlaßen, fetten bie beiben unteren Staffen 3, bie oberen 2 wöd)enttid)e 9f eligiongftitnben t)aben; in jenen fdßießt ßdj ber Unterridtt oergugömeife an bie bibtifdje ®efdjidite an, in biefett ift er met)r ftyftematifd). 3n IY. I)iftorifd)e SSiict)er beS Sitten ©eftamentg, Goang. SEtiattt)., in III. Soang. Sotjanni», SIpofteIgefd)id)te, bag 23Jefeuttid)e aus ber Sirdjengefd)., tOiemoriren fernfiafter S3ibelfprüd;e, Sieber, ber 3 528 Reffen = ©armftobt. erfteit fpauptft. bed lutperifcben Statecpidmud. 3n II. unb I. ooUftanbiger Vortrag ber cpriftlidjen @laubend= unb ©ittenlepre nad) bem eingefiiprten Seprbud), babei in II. aud= gewählte Vfalmen, bie »idjtigften Sludfprücpe ber Vroppeten; in I. bad SBefentlidjfte aud ben Küang., ber Slpoftelgefcpicpte unb ben apoft. Briefen erllart. 2öo Klaffen für confirmirte ©djüler oorpanben finb, tann ber $ortrag ber SReligiondgefdjidjte in ber 3. Klaffe türger fein, and) erfahrt bie Seetüre ber 9J. S. Vriefe eine ©efdjränfung. 3n ben Klaffen für confirmirte ©cpüler folgt eine Kinl. in bie p. ©eprift unb in ettoad audfüprlidjerer Sarftellung bie 3!eligioud = unb Slirdjen=®efd)icpte, fotoie eine tieferge= penbe @laubend= unb ©ittenlepre. SHufferbem foH befonberd ber (Einfluß bed cpriftlidjen ©laubend auf bad Seben gegeigt »erben. 3n ber pöperen ©etoerbefdjule foll in II. bad Seben Kprifti mit forgfältiger Veadjtung ber propp. SBeiffagungen unb mit angemeffener Krtoäp= nung unb SBiberleguug ber oerbreiteten gtoeifel bepanbelt »erben. 3n I. Silber aud ber 9iel. unb St. ©efcpidjte, fortbauernbe Seetüre ber p. ©djrift. lieber Stirdjenbefudj u. f. to. gilt im allgemeinen bad bei ben ©pmnafien ©efagte. 3n SBormd unb 9Raing toirb befonberer fReligiondunterridjt für Sdraeliten ertpeilt unb gtoar burd) bie betreffend ben Rabbiner. Sabei toirb gebraucht: Kapnd Seprbud), 3draeld ©efdjicpte üon fpedjt, biblifdje ©efcpidjte üon glepinger, SBorte bed Vunbed oon ©epitp u. f. to. Sateinifcp. ©acultatio in 2—3 Abteilungen mit 3—4©tunben bis gum lieber* fepen oon Käfar unb leidjteren ©lüden oon Kicero, SBagnerd Flores et Fructus, ©ei= benftiiderd Sefebudj, ©pieß Uebungdbucp, Kllenbt, ©rammati! Oon ©epffert, ©iberti. grangöfif dj. 3nt allgemeinen bie ©tufen toie bei ben ©pmnafien. 3n ben unteren Klaffen 2—3, in ben oberen 4—8 ©tunben. Staufmännifcpe Korrefponbeng toirb be= fonberd berücEfidjtigt. SllbrecfjtS Klementarbud;, ©rammatif unb Sefebudj, ©eperlend Klementarbudj, Sübedingd Sefebudj, Sßilbermutpd Kpreftomatpie, SBecferd Legons frangaises, Slpnd Seprbud) unb fpanbbud) ber llmgangdfpradje, (pirgeld ©rammati!, Charles XII. Knglifd), facultatio 2—4, Oom 12. 3apre an ©rammati!, VadferüiUe, fRobertfond Seprbud), Sopbd englifdje ©rammati!, fpeeferd Klementarbudj, Spiltebranbd Seitfaben, ©djriften Oon SBafpington 3roing, toie the life of Columbus, ©palefpeared 3uliud Käfar, SBalter ©cottd Tales u. f. to., ©predjübungen. ©riedjifd), facultatio an einigen fRealfdjuten, toeldie gugteidj ald Vorbereitung für ©pmnafien bienen müßen, toie fyriebberg, Singen; toödjentlidj 2 ©tunben. Seutfdj, in ben unteren Klaffen 4 bis 5 ©tunben, in ben oberen 3, apnlid) toie bei ben ©pmnafien, bod) mit forgfältigerer Verüdfidjtigung ber ©efdjäftdauffape. ©ebraudjt außer ben früper genannten: ©djau= mannd Anleitung gu Vriefen unb ©efdjäfidauffäpen. Sie © efdjicpte foll erft beginnen, toenn einige geograppifdje Stenntnid oorpanben ift, in ber II. ober I. Klaffe, ©ie gept oon ben altern Söllern aud unb ift anfangd biograppifd), bis fie fiep fpäter rnepr gu etpnograppifdjer unb pragm. Sarftellung erpebt. Völterd unb Sittmard Seprbud), fotoie eigene Sictate; djronolog. SabeKen toerben oerfertigt unb memorirt, fotoie eingelne V ar ' tieen gn Sluffapen benüpt. Sie ©eograppie foll möglidjft in Verbinbung mit @e= fdji^te bepanbelt toerben; babei toirb audbrüdlid) oor Stleinig!eitd!rämerei in £)rtd= namen unb ftatiftifdjen SRotigen getoarnt, bagegen bie Veadjtung ber inbuftriellen unb commergieHcn Kigentpiimlicp!eiten empfoplen, Starten gegeidjnet, geograppifdje Sabellen ge= maipt, ©djadjtd ©eograppie. 9?aturgefd)id)te in ben unteren Klaffen, bei botanifepen Gpcurfionen betpeiligen fid; aud) bie oberen. 3n ©ie^en toirb ber botanifdje ©arten ber Uniberfität benupt, in Sarmftabt bie bort beftepenben perrfd)aftlid;en ©arten. Sur» meifterd 9Jaturgefd;id)te, ©cpöblerd Sud; ber 91atur. 3nt 9ted;nen füllen bie ©tpüler gefiiprt toerben bid gu ben ißotengen, bann ©(eidjungen erften unb gtoeiten ©rabed, aritpm. unb geometr. Üteipen, Sogaritpmen unb beren ülntoenbung auf gnifeögind unb 9fentenred;nung. Singer früper genannten Vüdjern: ©räfe’d ^anbbud) bed taufmanni= fepen fRedjnend. 3n Klaffe I. toerben auep toopl 2 ©tunben auf Vudjfüprung oertoenbet nad) ©djiebe’d § ari ^t , u^. 3n ber ©eometrie toirb Oon ber giormenlepre unb 33or= ■§cffctt = Oarmitabt. 529 Übungen für geometrifdjc Gonftructionen ausgegangen unb bis gut (Stereometrie unb Origo» uotnetiie üorangefd)ritten; 3ddjnen oon Figuren, SluSfdjneiben geometrifdjer Äörper aus Pappe. gifdjerS unb GämmererS Lehrbuch ber ©eometrie, Glementargeometrie oon gran» coeur. giir SBeranfdjaulidjung ber p^tjfxfalifc^en unb djemifchen ©efefse burdj 3Ser= fudj toirb (Sorge getragen, bie betreffenben Apparate finb bei ben größeren Slnftalten ben 33ebiirfniffen üeHfommen genügenb, fotoie bie Laboratorien tljeilweife oorjüglidj ge* nannt werben bürfen. ©choblerS 93ud) ber Statur, grefeitiuS, Lehrbud) ber Shemie für gorftieute, Gameraliften unb Lanbroirtfye, Phpfif oon Srettner unb Äunjef, TpidS ipülfSbuch für ben Unterricht in ber Staturlehre. SJtobetliren in ©iejjen unb Sttaing 3 ©tunben, fowofyt um gute Äijpfe für bie ptaftit ju Weden, als aud) in tBejiefiung auf mehrere ©etoerbe, benett ©efdjmad im Drnamentiren notb tbnt. 3n Oannftabt tonnen bie Stealfdjüler ben SJtobeHirunterridjt an ber höh eren ©ewerbefdjute benutzen. Heber baS 3 e ^chuen, ©direiben, Turnen fotoie ben ©efang oerroeifen wir auf bie ©pmnafien, Wobei fidf Oon felbft oerfteljt, baff beim 3dd)nen auf Ornamente unb ar^itettonifdje ©egenftänbe, fotoie auf baS 3 e '^ nen nach ber Statur ober SJtobeüen, ©ppSabbrüden u. f. w. befonbere Siüdjtdjt genommen wirb. Oie fpanbfyabung ber OiSciplin wirb baburd) erfdjwert, bafs bie ©djüler aus oerfdjiebenen unb audj meljr uugebilbeten ©tänben fommen. Sine befonbere Ginrichtung hat bie höhere ©ewerbe» fdjule ju ©armftabt. 23gl. ©d)a nid)t bie redjte SBeife ge= funben l;at für bie Vilouug ber 9ieallel;rer. SOfag aud) gerabe bei biefett, »o tedjnifdje gertigfeiten ein fpaupterforberniS ftnb, bie Prüfung in befonberen UnterridjtSgegenftanben nid)t »erJDorfen »erben tonnen, fo muß bod; burd) baS auf foldje Söeife altjufehr ausgeprägte unb auf bie ©pi(}e getriebene gadjlehrerfhftent baS erjiebjlidje SRoment leiben; Srjie= l;ung aber »are gerabe bei ben 9{ealfd;ülern in Verücffid;tigung il;reS früheren unb fpateren SebenS befonberS noth»enbig. ®ie Heineren 9Jealfd)uIeit haben fidj toeuiger be= »ahrt unb eS teure für biefeS unb jenes ©täbtdjen Bortheilhafter, »enn baS auf foldje oerteenbete ©elb jur Verbefferung ber VolfSfd)ulen gebraust »ürbe. Von ©eiten ber 0iegierung unb ©tänbe ift man and) in neuerer $eit weniger geneigt, als früher, bie ©rünbung neuer ju begünftigeu. D. höhere Sin ft alten für 2Räbd;en. ®ie erftc Ijb^ere ®öd)terfd)ule im. ©roßherjogthum Reffen mürbe 1829 ju ®armftabt erridjtet. ®iefelbe beftel;t auS 3 Klaffen, mit 5 Sebrern; aitßerbem unterrichtet nod) ein befonberer 3 e inlid)e Sinrid;tung beftef>t ju ©ießen unb Dffenbad). Sille biefe Slnftalten finb ftäbtifd). Sbenfo finb mit ben Srealfdjulen ju 3Rid;elftabt unb Viebenfopf Ijöpere 2Töd;ter= fdjulen oerbunben. Slußerbent befteljen Biele ißriBatinftitute, in ®armftabt 3 mit burd» fd;nittlid; 90—95 ©d)ülerinnen, in SRainj 10 mit 20—130 Schülerinnen, eins bauon ift ein ißenfionat, eins baoon gehört ben englifdjen gräulein mit 80 Schülerinnen, Bon benen »enige ben I)öl;er gebilbeten ©tänben angeboren. Sin feljr blül;enbeS 3n= ftitnt fanb fid; früher in SEBormS, anbere finb ju 0?öbelheim bei grauffnrt, ju griebberg, 2 ju ©ießen. ®aS Sehrgelb fteigt Bon 30 fl. auf 50 unb mehr. Vielfach »erben bie SRäbcfjen nad; ber Konfirmation in Eßenfumate ober in Familien größerer ©täbte ge= than. 3n ®armftabt befteßen befonbere Slnftalten für bie SBeiterbilbung ber coufir- mirten SRäbdjen. 3n benfelben »irb in ber @efd)id)te, Siteraturgefd}id)te, Sluffahen,. Dieligiott, 3feärte beS £el)rmeifter8 eine fiete Qttai. Sennod) arbeitete ftd) §., ber anfangs aud), meii er bie nötl)igen Büdfer fid) nid)t taufen tonnte, baS gu ben eingeinen Sectionen Srforber» lid)e fid) abfctjreibeit mußte, mit (Energie oormärtS, unb mie bürftig immer ber Unter= rid)t, feibft beS Rectors, mar, fo gelangte er bod) im @ried)ifd)en mie im 2ateinifd)en gu nid)t geringer gertigteit, aifo baß er feibft bie -Jkebigten in gried)ifd)en unb Iatei= nifd)en Berfen nad)gnfd)reiben ßermod)te. 2tber oon ber antiten Siteratnr (ernte er nur menigeS tennen; erft im Ickten Sdjutjaljre, aiS ein Sd)ü(er Srnefii’8, SrebS, an bie Sd)ute tarn, gemann er einen Sinbiid in ben iljm bisher oerfdjioffenen 9teid)tl)um. 3ngmifd)en l)atte fid) bod) aud) feine äußere Sage baburd) etmaS gebeffert, baß er 3n= formator in einer begüterten fjamilie gemorbett mar, beren (Einfluß aud) feine äußerliche Unbet)üifiid)teit aEmähiich befeitigte. 3tber er ^atte nur gloei ©uiben in ber ®afd)e, aiS er gu Dftern 1748 bie ttnieer» ^cpne. 533 fität Seipgig 6egog. ©)er geiftlidje -ßathe, ber ihm Unterflühung berfprodjen hatte, lieg il)n in peinlid)fter Verlegenheit; an bem Stothmenbigften SDtaugel leibenb lonnte er an georbnete ©tubien nidjt benlen. Gr hörte GinjelneS bei Grnefti, beffen ©rünblidjfeit unb Klarheit il)n ansog; bann tarn er in Verbinbung mit Gljrift, ber ih m äufammentjaugenbe Seetüre ber Sllten nad) ber geitfolge empfahl unb mit fperobot anjufangen riett), aber nicht berljüten lonnte, bag ber leibenfc^aftlief^e 3üngling burd) bie angeftrengteften Sir» beiten bis jmn ©obe fid) erfdjöpfte; enblid) genöthigt, für ein Vrobftubium fiiftoriferS Stitter, ber bor 3ahren auch ben grogeit Sluljnlen mit Gifer gehört hatte, benufjte. Slber ber firiegSlärm ftörte itjn auch X)ier; als er nad) ©reSbeit jurüdgelehrt mar, erlebte er (18. 3uli 1760) baS furdjtbare Vombarbement ber ©tabt unb berlor mit ben übrigen ^jabfeligfeiten aud) feine toiffenfdjaftlidjen ©ammlungen unb Vorarbeiten. Hßenn er nun bod) gerabe jept ein ef)elid)eS VünbniS fchlog, fo brängte ihn baju tiefeS Pflicht» gefühl gegen bie ©eliebte, bie mit Slufopferung ipn in ben fcfjmerften ©agen unter» ftüljt unb bie treuefte Slnhanglidjfeit ihm bemiefen hatte; baS gemeinfam getragene Seib mürbe beiben leidjter. Slber auS ben miffenfdjaftlidjen ©tubien fd)ien er mehr unb mehr herauSjnlemmen; heftige glugfdjriften gegen Ißreugen unb anbere SSebenarbeiten förberten iljn in ber ermäljlten 91id)tung nidjt; als er ben lateinifdjen ©ept jum britten ©aufenb ber Vipperffd^en ©attpliothel übernommen hatte, fühlte er, bag er felbft im Satein jurüdgelommen fei. Slber baS mecbfelnbe Seben hatte ihn anbereS gelehrt, mag ifynt batb gu ftatten fontmen feilte, unb befonberd fein latent für gefdjäftdmännifdje 21 )ätigfeit entwidelt, bie il)n fpäter fo außjeidjnete. 3u feiner eigenen Ueberrafdjung erhielt er 1763 auf SKuhntenS Empfehlung unb burd) Ernefti’d Bermittetung einen 3tuf nad) ©öttingen, um ©ednerd 9?ad)folger 51 t Werben.*) Batb ^tte er ftd) bad Bertrauen bed SOtinifterd bon 9Pünd)haufen gefidjert, ber ihm über bie erften ©djwierigfeitcn Ijinweghotf unb Ujn rafd) gu einer fepr etnflitfjreie^eit ©tel= luitg erhob, Wad fp. wieber burih eifrige Spötigteit int Berufe unb, lodenben Berftt« d)ttngeit gegenüber, — er fottte 1770 nach betu 2Bttnfd)e griebrid)d II. bie Leitung ber SInftalt in Älofter Bergen übernehmen, — burd) opferwillige Sreue bergatt. ©eine SBirtfamteit mar eine fepr audgebepnte unb ntattnigfadje; er toar afabeittifdjer Seprer unb gttgleid) Seiter bed phitotogifdjen ©etnittard, ©ecretär ber @efeUfd)aft ber SQSiffen- fdjafteit unb tftebacteur ber ©eiehrten Singeigen, erfter Bibliotljetar, Snfpector beS Sßä= bagogittmd in 3 tfetb, mehr unb mel;r ber einftußreichfte Slatpgeber in alten Slngetegen« heiten ber Uniöerfität bei enger Befrettnbung mit ben beiben Branbed, wetdje nach $D7ünd)haufend «Tobe nad) einanber bie Dberleitung ber Uniöerfität in ben |>änben hatten. ®agtt tarnen feine umfaffenben fdjriftftellerifdjen Arbeiten, feine audgebreitete Eorrefponbeng, biele rein äußerlidje ©efdjäfte, bie Bemühungen für bad ©eiehrten« fdjulmefett bed Sanbed. 9?ur bei ber ftrengften Sebendorbnung unb ber genaueren 3 eit= benu&ung bermodjte er fo bietfeitigen Slnforberungen gu genügen. B3ir berfudjen, ihn nad) ben fpauptridjtungen feiner Shätigfcit noch etwas genauer gu dharalterifiren. 3118 afabentifdjcr Seprer fidjerte er halb ftd) Einfluß, obgteid) feine ißerfBntid)fett nidjtd 3mponirenbed, fein äußerer Bortrag nidjtd Btenbenbed ober ffeffelnbed hotte; aber bie giiHe feiner ©ete^rfamfeit, fein Harer Berftanb, feine gang and ber Sache tommenbc Sebenbigfeit gewannen it)m bod) aufmertfante unb bantbare 3uI)orer. Sr lad über tritif unb SÜRpthotogie, über gricd)ifd)e unb römifd)e Siteratur, über griedjifdje unb rümifdje 3lltertl)ümer, über bie Oben unb Sermonen bed §orag, in Privatissimis aud) über fpomer unb Ißinbor, fo^ie über 2 lrd)äoIogie, bie er guerfl in beit Äreid bed afabemifd)en Unterrid)td gog, täglid) 2—3 ©tunben. 2)ent regelmäßig aud neun 2)iit« gliebent bcfteheitben go^tlologtfdjen ©etninar tuibmete er eine gang befottbere ©orgfatt; er war ftreng in biefeitt engfteu Streife unb pflegte unter Umftänben junge ÜKäitner bon ber afabemifthen Saufbahn eher gurüdguhalten (bgt. 3acobd tßerfonalien ©. 28); aber er munterte aud) wieber fräftig auf unb hotte bie greube, eine Beenge tüchtiger Biättncr (im gangen über 300) aud biefer ©dtule heroorgehen unb Weit umher Sinftuß gewinnen gu fepen. 3oht'-' c ' ( h Waren bie Programme, bie er ald afabemifdjer Seprer gu fdjreiben, gaplreid) bie Sieben, bie er gu hotten hotte. Bei bem ftetd wad)fenbett 9teid)= thum feined SBiffend warf er fie alle rafd) auf bad ißapier, in leichtem ttnb gefälligem Satein; aber fie waren bod) alle mit Umftdjt gewählt (oft mit Segttgnahme auf bie 3 eitberhättniffe) unb forgfättig borbereitet. 3ltd ©ecretär unb Blitgtieb ber ©ocietät ber BMffenfdjaftett h>to!t er jährlich feine Borlefuttg, unb er pflegte babei ©egenftänbe gu behanbeln, weüpe eine befonbere 3lud« führttng berbienten, anberwärtd aber nid)t Wohl audgefüljrt Werben tonnten. 2lußerbem fielen it)tn bie SInreben ber ©ocietät bei ihrer jäprlidjen ©tiftungdfeier unb ©ebäcpt« nidreben auf berftorbene Biitgtieber gu. ©epr biete Äraft unb Umfidit erforberte ba« neben bie SRebaction ber ©eiehrten 9lngeigen, bie er 1770 übernahm unb fortwäprenb mit fRecenfionen feiner §attb audftattete; ebenfo hotte er (feit 1771) bie 3lbhattblungen ber ©ocietät heraudgugeben. Sine Blenge äußerlidjer ©efcpäfte nahmen ü)n atd ©e= cretär fort ttnb fort in Slnfprttd). ©roße Berbienfte erwarb er ftd) um bie Bibtiotl)et ber Uniberfität. Sr hotte bie £)berauffid)t über biefetbe noch 1763 burd) Btünd)paufend Bertrauen erhalten unb fo= *) DiuBnfen Batte gefc&rieBen: Tanta in hoc viro ingenii et doctrinae ubertas est, ut brevi omnis cultior Europa ejus laudes celebratura sit (Ruhnkenii Opuscula II, 749). §ei)nc. 535 Ajleid> eine burdjgreifenbe Steöijion »orgeitommen. Seilt SBeftrebeu giettg fcarauf, eine Siidjerfammlung beräufteden, bie allen Sägern ber SGSiffettfdjaften, ben Literaturen aller gebiibeten SSölfer in möglichft gleidfer SBeife gered>t »erbe, unb bei ben reidjen ©rfalj* rungeit, bie er fdjott in ®redben gemad)t batte, bei ber ©nergie unb Umfid)t, bie ibnt eigen waren, bei ber Liberalität, mit Weldjer bie SBehörben bie erforbcrlid)en SUtittel gewährten, gelang ed ihm, bie 23ibliotl)et im Laufe eined halbe» 3af)rhunbertd 31 t einer ber reid)l)attigften unb boüftänbigften ©uropa’d ju madjen. Sie jäljlte bei feinem Habe minbeftend 250,000 SBänbe unb War burd) bie »erftänbigften ©inridjtungen jugleicb eine ber nii(}lid)ften geworben. ®ad bösere ©d)ulwefett bed Lanbed forberte er natürlich 51 t aflermeijt burd) bie Leiter, Weldje and feinem Unterrichte Ijeroorgiengen (ogl. b. 3lrt. tpannooer). ®ann aber war fein SSerbienft aud) bie 9?eugeftaltung bed ißäbagogiumd in Slfelb, ber ©d)it= len in ©öttingen nnb §>anno»er. ®ie bamaid gänglid) »erfaßene Sluftalt in Stfelb, ber felbft 3. äftattl). ©ebner nidft batte aufljelfen fbnnen, würbe 1770 burd) 9)cünanbauSgabe in 2 33änben 1804), bod; ntel;r 33iHig!eit hätte walten füllen. (Sgl. über bie äftitwirfung ton gr. SacobS beffen ißerfcnalien S. 34 unb 305 f.) lieber feine fritifd;en unb hermeneuti|d;en @runbfä(je hat er in ben Sor= reben 31 t feinen SluSgaben auf febr beletjrenbe SBeife fief; auSgefprodjen. — Ungemein tiel terbanlt il;m bie 2Ut;tl;ologie (ogl. K. 0. SÜSütlerS ifSrolegomena ©. 317 ff. unb Greu 3 erS llrtl;eil in ßeitgenoffen 9?eue 9?eil;e VII. ©. 39); in baS SerftanbniS ber ÜJlt;tb en bat er 3 uerft wahrhaft eingefül;rt unb feine SluSgabe beS Slpottobor (1782, eine 3 Weite 1803) ift bafür ebenfalls l;äd;ft Wirffant geWefen. gür bie ber 9)lt;tl;ologic fo nabe ftebenbe Kunftgefd;idjte, beren ©tubium il;m burd; SoincfetmannS großartige Sei» ftungen empfohlen war, l;nt er tbeilS als atabemifd;er Sel;rer, tbeilS bureb eine 9feif)e wertbtoller 3lbl;anblungen, namentlid; über bie @efd;id;te ber alten Äunftwerle unb ber Kunft fclbft in Konftantinopel fid; t^ätig erwiefen. ©eine allgemeinereu hiftorifdjen ©tubien, bie wäbrenb ber erften 3al;re feines ©öttinger SebenS in ben Slrbeiten für bie Ueberfebung ber 2öeltgefd;id;te ton @utl;rie unb ©rat; aufgegangen Waren, hielten ftd; natiirlid; torgitgSWeife im Greife ber alten ©efd;id;te unb befd;äftigten fid) l;i £r wieber befonberS mit betu inneren Seben ber ©taaten. ©ine 9ieihe ton Stbl;anblungen, namentlid) bie über bie Serfaffungen unb ©efebgebungen ber 9Sepublifen ©roßgriedjen* lanbS beweifen, mit welchem freien 33lide er bie Singe anfah, unb mand;e in ben 3ah= ren ber fran 3 öftfd;en 9ietolution entftanbeuen SarfteHungen, ebenfo ber 23riefwed;fel mit feinem ©d;miegerfol;ne gorfter in berfelbcn geit, laffen erlennen, Weld;e 9teife unb Klarheit politifd;er Slnfd;auungen er gerabe burd; baS ©tubium beS SllterthumS ge= Wonnen hatte. llebert;aupt enthalten feine Heine ©chriften in ben Commentationes ber ©ocietät ber 23Siffenfd;aften unb in ben Opusculis academicis (6 93be. 1785—1812) einen außerorbentlidjen ©d;ab ton l;iftorifd;en gorfcbungen, bie fel;r tiel ba 3 U beige= tragen haben, biefen ©tubien überhaupt neuen Sluffd;wttng 3 U geben. (SS ift begreiflid;, baß £>. 3 U bem auSgebreitetften 9ful;me im 3n= unb SluSlanbe gelangte, SJfitglieb tieler gelehrten ©efeHfdjaften Würbe, 93eweifc ber Slnerlennung ton ben terfd;iebenfteu ©eiten erhielt, ©ein Saterlanb ©adjfen fud;te il;n für bie furfürft= Iid;e SibIiotl;ef, Sänemar! für bie Uniterfität Kopenhagen unb bie 9 feorganifation feiner ©elehrtenfdjulen 31 t gewinnen; er fdjwantte namentlich ' n bem leideren gatte, lehnte aber bod; ab, aud; barutn, weit er fürchtete, baß nad; feinem Söeggange alles 3 Ufammenftür 3 en würbe. Sgl. gorfterS 33riefwed;fel Sh- 2 ©. 811 f., 814 f., 821 f. Slber neben 3 al;lreid;en Serel;rern fehlten 3Biberfad;er nicht (3acobS termifdite ©d;riftcn St;. 6 ©. 583 ff.), unb aud; feine einflußreiche ©teffung an ber Itnioerfdät erweefte il;m manchen ftitten geinb. Ser 3 uweilen laut geworbene SorWurf ber£errfd;= fud;t unb 3ntrigue barf als ein unterbienter begeid^net Werben. •§et)nc. ■§teroM)mmncr. 537 ^Diejenigen, bie ihn näher fannten, liebten in ihm einen 2J?ann, ber mit großer, in einzelnen galten jur fpeftigteit fid) fteigernben Sebßaftigteit eine Wahre @ntmiitt)ig= feit Berhanb unb nicht minber burd) llneigennühigfeit unb 3BoI)Ithätig!eit SIdjtung Ber= biente. 2lm gliidüd)ften fiiljtte er fid) im Greife feiner gamüie (er toar jweimat Ber= heiratfjet unb ^atte and beiben Si)en Äinber) unb würbe für herbe Sßertufle and) wieber burd) reidje greuben entfd)äbigt. 316er aud) an ben ©djönheiten ber 9?atur erquidte er f,ch gerne, unb fo t;atte ü)m eine Steife in bie ©tßweij, bie er 1788 unternahm, be= fonberS großen ®cnuß gewährt, ©eine religibfen lleberäeugungen gewannen in fpäterer ßeit burd) bie Äantifche P)itofopl)ie fo Wenig <$ntfd)iebent>eit at8 Borger burd) bie SBolffifdje (ogf. einen merfwürbigen 33rief in gorfterS 33riefwed)fel £!)• 2 ©. 101 ff.); aber er War bod) ein tiefreligiöfer SJfann, nnb neben feinem 33ette tag aHejeit 93ibet unb ©efangbud), wie er beim aud) mand)e Sieber in baS Sateuüfdje überfe(3t ßat. ®ie großen (>o(itifd)en Umwätjungen feit 1789 erfüllten if)n mit fteigenber Unruhe; aber er fudjte bod) feit 1802 mit bem gefürchteten granfreid) in wiffenfd)aftlid)e 33er= binbung ju treten unb fat) fid) felbft oorn Sfationalinftitute unter bie auswärtigen 9Jüt= glieber aufgenommen. 3Ü8 £>aunooer Bon ben granjofen befefjt Würbe, fonnte er ber bebrof)ten Unioerfität um fo wirffameren ©d)uh bieten. 3Die fperiobe beS weftfälifdjen Äonigreid)8 brad)te il)m geringeres Seib, als er beforgt hatte; ilir Snbe erlebte er nidjt: ein fdjnterjlofer Dob nahm it)n am 14. 3uni 1812 hinweg. — Sine trefflid)e 33iogra* q>hie haben wir Bon feeren, ber fein ©d)Wiegerfof)n War, in ben biograph'ßhcn unb literarifihen 5Denffd)riften, ©Bttingen 1823. IDarauS ein 5. Dl)- wörtlidjer SluSjug Bon 311b erti in beffen biograßh'fdjer Ouartalfcf>rift I. 2 (Spgg. 1845). 33ead)ten8werth jur Sharafteriftif ^chne’S finb aud) bie SluSjüge aus feinen Briefen an ben S3iblietl)e= far Sänger in SSolfenbüttel, weldjc SbertS Ueberlieferungen 33b. 1 enthalten.*) $cinridj jfämmct. §icrom)Htiaitcr (33rüber Born gemeinfamen Seben.) — Siteratur. Jac. Revii Daventriae illustratae s. historiae urbis Daventr. 11. VI. (Lgd. Bat. 1651.4) p. 28 ff. Lindenborn, hist, episcopatus Daventer. Col. 1670. 8. Hamelmann, Opera genealogico-hist. de Westphalia et Saxonia inf. in unum vol. congesta a 'Wasser- bach. Lemg. 1711. 4. Delprat, Verhandeling over de Broederschap van G. Groote, Utrecht 1830, IDeutfd) unter bem Ditel: ®ie 33rüberfd)aft beS gemeinfamen SebenS. Sin 33eitrag jur @efd)id)te ber Äirdfe, Siteratur unb ißäbagogif beS 14., 15. unb 16. SahrhunbertS, Bon ©elprat. ®eutfd) mit 3 u f“h en unb e ' ncm Anhänge bou SDtohnife. Shjg. 1840. gr. 8. Ulhnann, Sleformatoren Bor ber Steformation, 33b. 2 ©. 62 ff. unb beffen 33orrebe jur 21uSgabe Bon Bier ©d)riften 3ofj- SfutySbroefS. §annober 1848. 9?ad) ®elßrat unb UHntann ff. non Siaumer, Dl)* 1 unb Sr am er, ©efd). ber Sr= jiehung unb beS Unterrid)tS in ben SJieberlanben Wäl)renb beS SKittelalterS. ©tralfunb 1843. ©an^ nad) Sramer ff. ©djntibt, ©efd). ber fßäbagogif, 33b. 2 ©. 290 ff. *) 2Bir fügen bte furje Gh«raftcrißif §.'8 ben £>. Sab« (Sie ©cbeutuitg unb Stellung ber StlterthumSflubien in ©eutfdlanb. ©erltn 1859) hier bei: £>. befaß jrnar leine geniale ©ro* buctionslraft, allein in hohem @rabe bie gähigteit, bon ben berfdiebenften ©eiten her ftd) an« regen ju laffen unb bie niannigfaltigflen (Sinbriide fnuhtbar 31t berarbeiten .... 3n ber ei= gentlithen bhdologtfden ®ed;nit unfießer, Wenbete er in einem wohl berftanbenen ©ebitrfnis ber fachlichen unb äflhetifdßen Grlläruitg befonbere ©orgfalt 31t unb hob in ber Srfaffung beS 2Uter* thum8 mit ridtigem ©lid namentlid) ba8 culturhiftorifde SDloment herbor; bie 2Jti)thoIogie, Weide er aus einem lodern Aggregat bon gabeteien 31: einer ©efdidte ber tjhitofophif'h'reli» giBfen ©orffethmgen, Wenn and) nod in ungenügenber SBeife, auSjubilben bemüht War, führte er, wie bie ©efdidte unb Srllärung ber alten Äunfl, in benÄretS ber bhüologifden ©isciplinen ein. ©ein ©erbieitfi befdränfte fid aber nidt barauf, benfelben äußerltd 3« erweitern, er fudte mit bewußtem ©treben bas SUterthum als ein lebenbigeS ®anse auf3ufaffen unb 31t berßehen. ®. Sieb. 538 §icrontjintanet. Sgl. enblicp Ärauter, ®ie Söriiber ooin gemeiufamen Sieben. 33er(in 1856. 25 ©. 8 . ©peciellered ermäpnett »Dir an ben geeignete« ©teilen. 2 )ie lebten Saprpunberte bed SDJittelalterd gewinnen eine ungemöpnticpe 23ebeutung baburcp, baß bad 23ürgertpum «seit untrer in beutfdjen Sanben 3 « ooHer Sntmidlung fommt unb mie ed in äußerer Spätigfeit frifcp unb ntutpig nad) allen ©eiten audgreift, fo für bie lebenbiger gemorbetten 23ebürfniffe bed ©eifted unb Ipergeud auf neuen 53ap= nen unb unter neuen güprern 23efriebigmtg fudjt. 3e mettiger nun bie ftirtpe bei bev peillofett ßerrüttuug iprer beften Drbnuugeu unb Snftitute foldjen 33ebürfniffen ent= gegeufatu, befto mädjtiger regte fid> unb befto mirffamer mürbe bei - £rieb, in freieren ©eftaltuugen, wenn aucp nod) immer im 3 ufaiuinenpange mit ber Jlirdje, 33ilbung ju fdtjaffeit. 3)a gemimten bie löemüpungen ber ©täbte, neben ben meift »erfomntenen fird)lid)eit Sepranftaften, ben ©tiftd= urb $lofterfd)uIen, eigene ©deuten (©tabtfd)ulen), einjuriditen, eine itodj nie eingepenber gefd)ilberte 33ebeutung; befonbere 2Bid)tigleit aber pat für audgebeputere Äreife bad, mad in ben ju podjfter Sölüte gelangten 9Jieberlan= ben bie trüber oont gemeiufamen Ceben unternommen. 2 Bir oerfud)en jept, juerft bie (Sntftepung unb Sntmicflung biefer ©emeinfdfaft in aller Äürje ju jeidjnen, um bann eingepenber ipr llnterridjtdmefen ju befdjreiben unb 3 ulept ipren (Sinflttß auf löilbung unb Sebeit ber in ber fie blühten, mie bed nadjfolgenbett ©efd)led)td, ju beftimtnen. ®ie 33rtiber ootn gemeiufamen Seben patten ipren ©tifter in ©erwarb ©roote, ber, 1340 31 t Seoenter geboren, pier aucp feine erfte 23übung empfangen, bann in ‘ißarid unb Säht oornepntlid) ppilofoppifdjen unb tpeologifcpen ©tubien obgelegen unb ju ein= träglidjeu Ißfrünben in lltredjt unb 2 lacpen 3 ll 9 an 8 gefunben, hierauf aber im $art= Käufer fflofter SDJonifpufen bei Slrnpeim brei 3apre laug unter ftrenger Sldfefe ber Sr= forfdjung ber biblifdfen ÜBaprpeit fid) pingegeben Ijatte. (Sr mar fpäter in Utredpt ald SBotfdprebigcr aufgetreten, unb ba er jum Solle in ber ©prad)e bedfelben (belgico ser- mone) mit bem Geifer unb ber Äraft bed ©ciuferd rebete, maren halb bie Kirdfen, in benen er prebigte, ju eng gemorten, bie ©cpaaren ber 3 *ipörer 31 t faffen, unb er patte unter freiem §intmet oor Jaufenbeit gerebet. Slld nun bie (Siferfudjt ber Settelmöncpe ipm ©d)mierigfeitcn bereitete, 30 g er fiep auf engere Greife jurüd unb begann, angeregt burd; bad, mad er im Älofter ©rüntpal bei SBrüffel bei bem tieffutuigeu Ülipftiler 3 op. SRupdbroect unb beffen ©euoffenfdjaft gefepen patte, in feiner Saterftabt ©d>üler ber bortigett Sepranftalt bei fttp ju berfammeln, um mit ipnen gute 23üd)er 31 t lefen unb fie 31 t lopnenbem 2 lbfcpreiben 001 t Söücpern anguleiten. 2 Ud ber trefflüpe glorett = tiud ^abemind (geb. 1350 in Seerbam) fid) ipm angefdploffen patte, gemann bie Serbinbung 3 umacpd unb 2 ludbepnung: bad erfte graterpaud entftanb. 21 ld in biefen gufunftreidfen Anfängen ©erparb 1384 üon einer ©eudfe meggerafft morben, übernapnt ed glorentiud, bie ©ad)e meiter 31 t füprett, unb ed gelang feiner tiebendmiirbigen $er= fönlidjfeit, feinem felbjllofen (Sifer, feinem Haren Serftanbe unb praltifdjerr ©ittne, in menigen Sapren ber neuen ©enoffenfdjaft bie erfreulid)fte (Sntmidelung im Smtern mie ttaep außen gu fidjern. (Sr inacpte bad oon ipm 1386 geftiftete Ätofter regulirter Äano= nifer in üBinbedpeim bei 3 U einem ÜDiittelpuncte ber immer fräftiger gebeipenbett ©enoffenfdjaft, bie nun nad) ber einen ©eite pin in gefd)loffenen (flßfterlicpen) 3?ereini= gungen, nad) ber anbern in freieren Srüberfdjaften fid) barfteHte, aüejeit aber lebenbige 2 Bed)felmirfung 3 mifipen beiben ©eiten erpielt. 3 pm jur ©eite ftanb ©erparb 3 er= bolt, geb. 1367 in 3ütppen, ber befonberd and) für bie Slttmenbung ber S3ibel in ber £attbedfprad)e unb fürSeuttpung biefer bei aller pflege bed religiöfen hebend mit großer 6 ntfd)iebenpeit tpätig mar. (3lud feiner ©eprift delibris teutonioalibus finb oonfKeoiud ©. 41 ff. jmei pötpft mieptige 2Ibfd)«itte mitgetpeilt morben, bie ©dföpff in feiner Aurora T. V. [Dresd. 1859] 3 ugängticper getnaept pat.) S3eibe greunbe ftarben rafcp pinter einanber, ©erparb 3- 1398, glorentiud 1400, in bemfelbbn 3apre, melcped ipren unb bed ©tifterd Siograppen, ben oiel gefeierten £pomad oott Äempen in bad -fUeronpmiancr. 539 für bte ©ruberfd)aft fo tüidjtig getoorbene Älofter auf bem ©t. Annenberg bei 3®°^ (montagnetonum) eintreten faf>, itnt ^ier ein bem £töd)ften in S)emutb unb 3 nnigteit hingegebetteS Seben 31 t füljren. ®ie ©rüber öotn gemeinfanten Sieben, auch ©rüber ootn guten SBiflen (meit fte nicht fotoo!)! burd) ntönd)ifd)e ©elübbe, als burd) freien äßißett jufainmengehatteu rour» ben unb in foldjen mirtten), ober Eoßatienbriiber (oott ihren religibfen ©erfanttnlungen, Soßatien), oft and) £>ieront)mianer (nad) bem gelehrten &ird)enoater ,ßieront)ittuS), fei» tener ©regorianer (nach ©regor b. @r., ber im SDtittelalter als @d)utpatron ber ©d)u= len »ereljrt lourbe*), moßten in aller Einfalt eine nad) bem ©orbilbe ber apoftolifd)en 3eit lebenbe ©enoffcnfdfaft barftetlen, beren ©lieber junädjft in Sntfagung unb Anbad)t, in Uebung ber ©armherjigfeit unb fleißiger £>anbärbeit ihre ©efriebiguttg fänben, bann aber nad) außen für baS ©olf unb beffen Sugettb eine mobltt)ätige SEBirlfamfeit erttfal= teten. ©er 3bee unb Aufgabe fetter ©rübergemeiitfcbaft fc^ieit es nun burdjauS 3 U entfpredfen, baß ©eft£, 2 ßol)nttng, Srbauung unb ®I)ätigfeit genieinfam mären, in aßen äußern ©ingen, mie in ben Angelegenheiten beS ^erjettS, alles burd) fefte Drbnungen, bod) ol;ne ntönd)ifd)en B^auS» beftimmt mürbe. 2BaS bie nad) forgfältiger ©riifung Aufgenommenen in freier Siebe 3 um @eitteinbefif$e gaben ober biefem burd) ©efcbente unb ©ermäd)tniffe jufloß, baS mürbe für Schaltung unb görberung beS @an 3 eit oer» menbet. 3 n jebem ©ruber» ober graterhaufe mohnten feiten mehr als 20 ©rüber jufammen, fpriefter, Älerifer, Saien unb fitoüijen, aßen Oorgefetjt ein Rector (©rior, ©räpofituS), neben il;m mohl auch ein ©icerector, unter ihm ber ©rocurator für ben £auShatt, ber ©criptnrariuS für bie Seitung beS AbfchreibenS guter ©iicher, ber Sibra» rinS für Aufbemahrung uvtb ©arreidjung ber §anbfd)riften, ber Magister novitiorum für ©eaufftd)tigung ber Afpiranten in unb außer bem fpaufe, ber 3nfirmariuS, ber $ofpitiariuS ic. ©adj ben AnbadjtS* unb SrbauuitgSftunben befd)äftigten ftd) bie ©rii= ber mit §>anbarbeit med)anifd)er ober fünftlerifdjer Art, am I;äufigften mit bem Ab» fdjreiben ber hl- ©djrift ober fonft nü^lid)er ©üd)er, mobei mau unftreitig bie gerabe fo am fid)erften 31 t förbernte reiigiöfe ©olfSbilbuug im Auge hatte. SBir finten baher aud), baß fpäter, als bie ©ud)bructerfnnft erfunben mar, bie £)ierent)miancr mit gan 3 befonberem Sifer ©ud)brudereien unterhielten, (©ehr belehrenbe ©fittheilungen in biefer ©ejiehung giebt Sifd) in ben 3ahrbüd)ern beS ©ereinS für medlenburg. @efd)ichte unb AltertbumStunbe 1839 ©. 1—62.) Unter einanber ftrebten bie ©rüber burch gegen» feitige ßrtnahnung unb offenes ©etenntniS ber ©iinben fid) ju beffern unb bem ©or= bilbe ber £eiligfeit näher 311 bringen. — ®ie ÜJectoren ber fänitiitlicben graterljäufer tarnen aßjährlid) 31 t ©erathung unb Srlebigung ber gemeinfanten Angelegenheiten jufammen; fonft aber fcilbete ber fRector beS ©tammhaufeS in ©eoenter, üorjugsmeife „©ater" genannt, ben perfönlidfen ©tittelpunct für bie ©rüber, nub mohl nid)t bloß in ben ©ieberlanben. AIS im norbmeftlidten ©eutfdjlanb bie 3al)t ber graterlfäufer größer gemorben mar, fanben für biefe befonbere ßfectorenberfammlungen ftatt, anfangs in Sßiiinfter, fpäter in Sintuerid). — Sieben ben ©ruberhäufern entftanben übrigens früh» jeitig aud) grauenoereine mit oermanbten Beeden unb Sinrichtungen. Sebent foldjett ©ereine ftanb neben einem Oiector eine ©cartha ober Mater reetrix oor, ber ©enteilt» fcfjaft aßer eine Dbermartha, bie in Utrecht ihren ©ife h at te. — 3n bentlöftern regu» lirter Äanonifer, bie nad) glorentiuS rafd) junahmen unb meld)e baS folgenbe Beitalter fort unb fort ftd) mehren fah, mären bie Sbeen, meld)e bie ganje ©enteinfchaft beherrfd)» ten, nur itt nod) ftrengeren geritten burd)geführt. ©3ie SbleS fner gebeten tonnte, jeigt ®h Dm a 8 OonÄempen, neben bem bann nod? ©erlad) ©eterfen genannt rnerben barf, meldfer, 1375 in ©eoenter geboren, fc^on 1411 im Älofter 3Binbe$heim ftarb unb beffen Ignitum cum Deo Soliloquium eine neue Ausgabe, mie fie 1849 ©trange gegeben *) 3 tt Seutfdßanb hießen fte hie unb ba nad) ihrer Äopfbebeduttg ©ogel» ober Äugetherren (cucullati); in SCrter hatte fte bas ©otf bie gotbenen ©rieftet genannt. 540 •gjieronpmiancr. £jat, attecbirtgS berbiente. (Ucber S^omaS bon Kempen bgl. Väpring, ®h- b. Ä., nad) feinem äußern unb innern Heben bargefteHt. Vertin 1849. üKooren, fftadjrichten über ®h- bon ÄempiS, nebft einem Anhänge bon meiftenS nod) ungebrucften Urfunben. Grefelb 1855.) ®ie S^ätigteit bcr §ieront)mianer für VoIfSbilbung ift als eine mahrl)aft fegenS= reidje 31 t bejeictynen. AIS fßrebiger unb ©eelforger, als Verbreiter ber ©djrift in ber Hanbe 8 fprad)e, als Vertreter einer praltifdjen Slfpftif in aScetifdjen ©djriften haben fte in weite Greife frifdjeS Heben, ®roft unb Grlfebung gebrad)t. Aber Don ganj befonberer Vebeutuitg ift ihr VMrfen für bie Sugenbbilbung geworben, unb je ober eS bamals in ben firdßidjen ©d)ulen auSfal), befto banfbarer nahm man auf, maß bie .fjieronpmianer bradjten. 2 £ir toerben nun auf biefe ©eite il;rer Spätigfeit genauer einjugehen haben; bod) muß gubor gegeigt merben, meld)e Ausbreitung biefe Vrüberfdfaft geloann unb ibo fie mit befoitbcrem (Erfolge ©djulen unterhielten. 3 n ben nörblid)en IJJieberlanbcn blieb ®ebenter, too mehrere graterl)äufer entftanben mären, fortmährenb Ipauptfip ber Vrüber unb bie berühmtefte ^Pflegeftätte eblerer ©dmlbitbmtg (bgl. ben Art. £>egiu 8 ). Aber aud) 3mod, AmerSfoort, £joorn, ®elft, pattem, ®oeSburg, Utrecht, 9It)mmegen, ©ouba, ©rüningen, fparbermp! erhielten burd) bie §ieront)mianer trefflid^e Hehranftalten. Ve= fdjränlter mar ihr (Sinfluß in ben fiiblidjett (belgifc^en) fßrobinjen, mo ein anbereS VoIfß= tl)um 31 t geminnen mar unb mol)! aud) ber StleruS fdjroffer entgegentrat. ®ennod) entftan= ben graterhäufer in ^tersogenbufd), @ent, ©eraartßbergen, Vrüffel, Antmerpen, Hörnen, Hiittid), 5D?ed)eln, unb nod) am AuSgange beS SDIittelalterS mar in biefen ©egenben unb bis nach granfreid) hinein 3oI)anneS ©tanbond aus 9JIed)eIn ein eifrigergörberer ber eblen ©adje (f 1504 in fpariS). 3m ttörblidfen ®eutfd)Ianb finben mir £>ieroni)= mianer in Gmmerid), SDtiinfter, Dßnabrüd, Grfurt, fÖierfeburg, iDiagbeburg, fperfcrb, Äaffel, SRarburg, <£nlbe 8 l)eim, SZBefel, Göht, ®rier, aber aud) in fftoßocf unb Kulm. *) ®aS füblid)e ®eutfd)Ianb pat ih rcn Ginfluß nur burd) bie SBirffamleit einseiner bebeu* tenber SRänner, bie bon ihnen ausgegangen (mie Agricola, ®ringcnberg, GraSmuS), erfahren; aber für ben großen ©traßbitrger ©d)ttlmann Sopann ©turnt ifl bie ©c^ule ber fpieronpniianer 31 t Hüttid) anregenbeS Vorbilb gemorben (Ch. Schmidt La vie et les travaux de Jean Sturm p. 2 —5. 36). Vei foldjer Ausbreitung nnb SBirtfamfeit mag ben.fßcwnhmianern öfter97eib unb Unoerftanb entgegengetreten fein; inbeS finben mir bafiir nid)t gerabe auffällige Velege, unb im allgemeinen ift ansunehmen, baß aud) bie ihnen abgeneigten Vertreter beS Alten Veftrebungcn gelten ließen, meldjen fte nid)tS beffereS entgegenjufepen patten. 2BaS ber ber ®ontinifaner in ©röningen, 2J?attl)äuS ©rabom am Anfänge beS 15. 3ahrhunbertS in einer ausführlichen ©d)rift gegen ße borbrad)te, baS traf aKein bie Verjidjtleiftung auf eigenen Vefip, meld)er bon ben in ein graterhauS Gintretenben menigftenS ermartet mürbe unb nach ©rabom nur bei ben approbirten Drben guläßig fein follte. ®er ©egenftanb marb gulcfjt freilich an ben ^ßopft unb an baS Gondt in Gonftanj gebrad)t, pier aber 1418 burd) ein bit= IigeS ©ntaepten beS ^fangterS ©erfon 3 U ©unften ber ^ieronhmianer erlebigt. (97adj ®elprat and) ©d)mab, SopanneS ©erfon ©. 763 ff.; baS ©utadjten in ber Aurora bon ©cpöpff a. a. SD.) ®arauf haben bie Sßäpfte mieberI)oIt ihnen ßd) günftig ermiefen: Gugen IV, fßiuS II, ©iytuS IV. Unb mir ßnben aud) fonß, baß bie Äirdje ber ®e= *) Vgl. ßir (ämmertep Sillenburger, ©efep. beS ©prnn. 51 t Gmm. I. ©. 33 ff.; für üJiünfier Strabbe, ©efcpicptlicpe Aacpridjten über bie pöpern Sepranflalten in Atünfter @. 68 f.; für Aterfeburg granftabt bie ©nfiiptung ber Deformation im f?od)ftifte Aierfebttrg @. 27; für Atagbeburg SBiggert; lieber SutperS ©cpiilerteben in Atagbeburg ©.7 ff.; für fjerforb Stnefct, ©efep. beS griebricps*©t)mnaffums in ■©erforb ©. 7 ff.; für Staffel SBeber, ©efep. ber fiäbt. ©eteprtenfd)nte in Staffel ©. 7 ff.; für Stier, Veitrag jur Stemttnifj ber ©iputen im epemal. Sturf. Stier ©. 10 ff.; für Doftod Sifcp a. a. £>., für ©ulm §trfcp, ©efep. beS atab. ©pmn. itt Sanjig ©. 2. ■fjieroiujmianer. 541 noffenfdjaft fid) ^ülfreic^ geigte. SBir »erben bal)in aud) gu redjnen ^aben, baß 1527 in Utrecht ein 2l6Iaß oon 40 Sagen allen benjenigen bemidigt mürbe, metdje ben Srübern Südjer gum Schreiben, gum Sinben unb Sergieren anoertrauen, mie allen benen, metdje iljre ©djule fleißig befugen, ben Seljrern ©eljerfam bemeifen unb aus Siebe gur 2Bal)r= heit unb Sugenb bie Sergehungen ber ©dritter bem Siector angeigen mürben. Sei Setrad)tung beS Unterrid)tSmefenS ber ^ieroupmianer fommt gunädjft baS Ser= hältniS ihrer Seljranftatten gu ben Älofterfdjulen in grage. SSeibe haben mit einanber gemein baS §eroor^eben ber religiöfen Silbung neben ber miffenfdjaftlidjen, bei biefer mieberum bie Seoorgugung ber Iateinifd)en ©pradje oor ber 3)lutterfprad)e, meld)e bie £ieront)mianer fonft »ol)l gu el)ren mußten, *) bei Setreibung beS Sateinifd)en mieber bie Seoorgugung ber Serfification. Aud) in ben äußern Drbnungen geigt fid) mannig= fad)e Uebereinftimmung, »ie benn felbft barin etmaS HöfterlidjeS gu ertennen ift, baß bie ©djüler ber Srüber baS §auptl)aar auf bem ©djeitel abfd)oren. Aber eS lomme'n aud) bebeutfame Unter] djiebe in Setradjt. Sei Cen §ieront)mianern mar Seljre unb Seben bcd) oon einem freieren @eifte beherrfd)t; ber marme Ipaudj ber Siebe mirfte erquidenb unb ftärlenb burd) bie tttäume ihrer ©djulen l)inburd); man oereinfadjte bie 5Dtetl)oben unb oerbefferte bieSehrbüdjer; mau fudjte in ben (Elaffitern »ahrljafte 9Zal)rung unb in einer reineren Satinität ein mirlfameS SJlittel für ben praltifdjen ©ebraudj; man hielt fid) in engerem Serielle mit ber SCBelt; man nahm fiel) aud) ber ärmern Sugenb, ber Sftäbdjen mie ber Änaben, hergtW) au unfe 9 a & f° i»tcbcr Anregungen gu Segrünbuitg eines SolfSfdjuImefenS. ES ift int übrigen freilidj nidjtS meniger als leid)t, oon bem Unterrid)tsmefen ber £ieront)iuianer fich ein tlareS Silb gu madjen. Dffenbar ift baSfelbe iu feinen 3®ed:en unb Einridjtungen burdj mannigfadje SBaubelungen h'nburchgegangen. Aud) tonnten ©erharb ©rocte unb glorentiuS DrabeminS nic^t gleich am Anfänge ihrer SI)ätigfeit öermuthen, baß ihnen fo lebhafte Anerlennung gu theil »erben, fo nad)haltige Unter= ftüigung entgegenlommen mürbe, ©ie begannen mit bem 9Jäd)ften unb 91oth»enbigften; bie Germeiterung beS SBirlungStreifeS unb bie h*%« Raffung ber Aufgaben mar bod) eben oielfadj burd) bie Serl)ältniffe bebingt, unb bie §ieront)mianer haben fich aüegeit mit Umficht an baS ©egebene angefd)Ioffen. Ser ©tifter felbft begann bamit, baß er arme ©d)üler um fid) fammelte unb fte in ben ©tanb felgte, burd) Abfdjreiben guter Süd)er für ihre leibliche unb geiftige 9JaI)ruug gu forgen; baneben leitete er mand)e 3^gUnge gu höherer SBiffenfdjaft an unb in bie Sal)n ber gelehrten ©tubien hinein- Elementare Silbung unb miffenfchaftlidjer Unterridjt traten übrigens für ihn »oI)l nod) nid)t be= ftimmter auSeinanber. Aber »eil eben tief gefühlte Sebilrfniffe ihm entgegentamen, gebiet) baS in Semutlj Angefangene rafd) gu einem großen SBcrte, unb bei foldjem gortgange mürbe man fid) immer tlarer and) über baS im eingetnen gu Erftrebenbe. Unb fo entmicfelte ftd) allmählich ein UnterridjtSmefen, baS längere 3eit burd) ben ©eift, ber eS beherrschte, unb burd) bie Erfolge, bie eS fich 3 U fiierent)mianer felbftänbige ©d)ulen ein; in mand)en ©täbten Inüpften fie ihre SShätigfeit an bie fd)on beftel)enben Set)ranftalten unb unterrid)teten in benfelben ober unterftüfcten ©djüler aud) nur äußerlid); außerbem mögen iu fold)en graterl)äufern, bie leine eigentlidfeu ©d)ulen hatten, neben benen, meld)e als Novitii bie entfpredjenbe Sorbilbung erhielten, auch anbere Änaben ober 3'ünglinge, bie it)nen gugefül;rt mürben, bie nöthige Untermeifung empfangen haben. gür arme ©d)üler mürbe aud) in äußern Singen treulich geforgt; mol)thabenbere hatten gum Sl)eil für fich forgen, and) ein gemißeS ©d)ulgelb gu begabten. glorentiuS mar unermüblich in ber *) 3m graterbaufe ju ©etoenter »ar, mie einft in St. ©alten, jeher Schüler firaffäHig, ber ein nieberbeutfcheS ASort ftch entfdjtüpfen ließ. 542 .§ictoni)miancr. gürforge für arme gelinge: er brad)te fie nad) Umftänben bei wol)lgefinnten Bürgern unter, befdjenfte fie mit ©djreibmaterialien unb tßüdjeru, bewirtete am Sage beS fyeil. ©regoriuS jebeSmal 12 arme ©djüler, Weil biefer bßapft aud) immer 12 Sinne um ftd> gehabt haben fofl. Slitf bie ärmere weiblidje 3ugeub richtete fdjon ©roote fein Sluge: er eröffnete armen Sungfrauen imfpaufe feines SkterS ein Slfpl, wo fie gemeinfd)afttich burd) weiblid)e Arbeiten ihren Unterhalt cerbienen unb bem Unterridjt ber iceiblid)en 3ugenb einen Sl)eil i£>rer ftraft unb 3 e erjenS unb SebenS, jnnädjft unb jumeift burd) baS 2Bert ©otteS; bamit leitete fid) ber rechte d)riftlid)e 33olfSunterrid)t ein, ben bie 3feformation jur fraftigften (Sntwicfelung ge= bracht hat. Ü)?an fann aber bod) jwei ©tufen im Unterrichte ber £>ieront)mianer unterfdjeiben. 3uerft nämlich ertl)eilten fie 61ementarunterrid)t — im Sefen, ©d)reiben unb 3fed)nen — allen, bie ju ihnen fid) wanbten, Wobei bann natürlid) aud) bie Glemente ber djrift* lid)en 33ilbung benSernenben nahe gebrad)t würben; bann führten fie in baS ©tubimu ber ßlaffifer ein, unterfd)ieben fich inbeS baburd) con ben eigentlichen fpumaniften, baß fie aud) auf biefer ©tufe immer wieber auf bie biblifdje 2Bahrl)eit h'wteiteten. hierbei nun lägt fich if> re Shätigfeit wieber nadj jwei -fkrioben betrauten. 3n ber erfteren ift baS religiös=praftifdje 3ntereffe burd)au8 corwaltenb, unb bie Sheiltialjme für bie <5laf= fifer beftimmt fid) faft auSfdjließtidj nach bem 2Bertl)e, ben fie für fittlidje Silbung haben fonnten; in ber folgenben 3eit aber, als con 3talien auS ber §umaniSmuS immer mächtiger ju wirten begann, richtete fid) bie Sl)ätigfeit entfdjiebener aud) auf 9?ad)bilbung claffifd)er gönnen, Woran ©erljarb ©roote nod) gar nid)t gebacht hatte. SBir wiffen ja auch, baff biejenigen, weld)e juerft in ben 9iieberlanben unb im eigentlichen Seutfdjlanb ben IpumaniSmuS fräftiger certraten, entweber auS ben ©d)ulen ber fpieront)mianer hercorgegangen waren ober bod) mit ihnen in SSerbinbung ftanben.*) 2Bie bie £)ieronb= mianer fpäter über claffifdje Seetüre bauten, biirfte fid) am heften auS bemjjenigen erfennen laffen, waS SßeffetS gamuluS SoSquin (©oSwiu) gefdjrieben hat. „Sen Scib unb äl)nlid)e ©diriftftetler mag mau einmal lefen, mit größerem gleiße aber fd)on ben Slirgil, fporaj unb Seren), wenn man überhaupt ein befonbcreS ©tubiuni auf bie Sinter cerwenbeit will. 3$or allem ift bie 33ibel häufig ju lefen, unb außer 3ofepI)uS unb ben *) Sie öfter mieberljotte Stahriht freilich, baß SbomaS Con JTempett in 3n>oK ber Seörer Con SÄubolpb con Sange, SDtorifc Con ©piegelberg, Diitbolpb ätgricola, Stleyanber beging, Sub* wig ©ringenberg unb Slntoniiie Siber gemeint unb fie aufgeforbert in Stalien an ber OueUe ?u fhöpfett, bat ftarfe tPebcnfen gegen fid). ©. Silleitburger a. a. £>. ©. 4 ff. *£>icrom;miancr. 543 ©djriftftettcrn ber Äircpengefdjicpte (er benft an GufebiuS, ©ofrateS, ©ojomenug) finb Bon ^5rcfangefd)id;tf(breifcern bcfenberS niiglidj: ißlutard), ©alluft, SLfiuctjtibeS, £>erobot itnb 3 uftin. Sind; bie ©Triften beS ?lriftotele 8 unb $tato rcirb man nidjt opne Uhtgen burcpgepen; bet Gicero aber muß man etmaS langer oermeilen, bamit ber SluSbrucf römifd) merbe. ÜRäcpft ber Sibel aber ift ein befonberS ernfteS ©tnbinm auf Slugufttn ju Bermenben, an melden man £>ieronpmu 8 , 2tmbrofiu8, GprgfoftomuS, ©regoriuS, SBernljarb unb Ipugo non ©t. Sictor anfdjließe." (UlIm ann II. 391 f.). @8 ift Har, baß hiermit nicht eben nur berÄreiS ber ©tpullectiire bejeid;net ift. ©aß ba 8 ©tubium be 8 ©riedjifdjen bie 8 feit 8 ber 9llpen nirgenbS früher al 8 bet ben tpieronp* ntianern eingepenbe pflege gefunben pat, ift eine ©patfadje, für meldje autp Bon anbern ©eiten per Selege ftd) beibringen ließen. ©ie an 8 ipren ©djulen peroorgegangenen fKeftauratoreu ber claffifdjen ©titbien toaren auf griedjifcfje ©pradje unb Literatur $uerft bodp and) bei ipnen aufmerffam getnorben. Ueber ipre SJfetpobe läßt fiep nicptS BoUftänbigeS geben. Gin £)auptBerbienft er= marben fie fid) in biefer 33e§iel;itng burdj Sereinfacpung beS Unterrid)t 8 im $?ateinifd>en, toobei e 8 nidjt opne feineren tampf abgieng, ba bie Vertreter be 8 Sitten ba 8 lange 3e't mit Vorliebe gebraudjte Doctrinale- be 8 Alexander de Villa Dei mit aller tpartnäcfigfeit oertpeibigten. 2 Ba 8 in ©euenter SopanneS ©intiu 8 nur fdjüdjtern begonnen patte, ba 8 fegte ber füpnere § ermann non beut Suf^e (f. b. Slrt.) mit Gutfcpiebenpeit fort,' unb Gpriftian SDtaffanS, Seprer am graterpaufe in ©ent bi 8 1509, ©erparb GannpfiuS, ber um biefelbe 3 e *t in ^erjogenbufep leprte, 3op. ©cSpauteriuS, fein ©djüler unb Dlatpfolgcr, beffen ©rammatif auf einer ©pnobe 31 t Sfteepeln aucp ürdjlicpe Slnerlennung fanb, £>erntann ©orrentimtS, ber unter ben Srübern in ©röningen tpätig mar (f 1520), palfen beut Seffern ju allgemeinerer ©eltung. ©iefe Reformen mirtten übrigens meit über ben Ärei 8 ber ©djule pinattS; fie erfepütterten ganj im allgemeinen ba 8 Slnfepen ber mittelatterlidjen Sßiffenfdjaft, bie in fo barbarifdjen g crmen eiupergegangen tnar, unb bereiteten fo in bem gefammten geiftigen £eben ber 3eit große Umgeftaltungen Bor. — ©er Unterridjt in ben Realien erpielt ein braucpbareS gunbament in be 8 ©orrentinuS Elucidarius carminum et historiarum, bem erften SBerfe, „meldjeS bie SUtaffe be 8 SBiffenS für bie ftubirenbe Sugen'o iiberfidjtlicp äufammenftellte.". ©ie Diaturlepre für ©cpuljinecfe biirfte juerft ber auSgejeidjnete Dtector GorneliuS SateriuS in Utredjt (f 1569) bearbeitet pabett. — 2Bie genau unb Berftätibig bie Jpieronpmiatter ben Unterridjt ab= ftuften, tnerben mir unten fepen. ©ie 3 u d)t ber ^üerenpmianer trug einen ernftett, aScetifdjen Gparalter. Iber e 8 lanten in ipren ©cpulen bod) aud) grobe Ungebiiprniffe oor. SBir erfapren 3 . 23., baß um 1450 31 t 3 rc °H bie Sefeple ber Seprer Berfpottet, fie felbft betrogen unb beteiligt mürben, mäprenb bie Siirger burdt rnutpmiHige ©treidje ber ©datier 31 t leiben patten, fo baß enblid) ber 23ifdjof Bon Utredjt mit aller ©treuge einfdjrciteu mußte. 2Iuf ber entgegengefegten ©eite, in Gulm, mürben bie tpieronpmianer, als fie (feit 1478) ipre ©djule rajep 3 U fdjönfter S3lüte gebradjt patten, beep halb befcpulbigt, baß ipre ©djitler fiep auf verbotene fünfte legten, mit ber SEBiinftpelrutpe unb bem 3 au berfpiegel oer= grabene ©djäge 31 t finben fudjten, babei päufig ©djulben matpten 2 c. fyreilidj ftrömten audj 31 t ntandjen ©cpulen ber ^ieronpmianer ganse ©djaaren perbei. ©ie 1425 gegrüubete ©djule 31 t ^>er 3 ogenbitfcp folt 3 itmcilen an 1200 ©djüler gepabt paben, bie nadj bent ©tanbe iprer Äenutniffe in 7 (Staffen, natp ipren Ser= mögenSBerpältniffen in reidje, moplpabenbe unb arme eingetpeilt maren. ©ie ©djute in ©röningen lam 31 t befonberer Slüte unter bem 9?ector bßrabiniuS (f 1559) itnb erpielt ©djüter au 8 Dft= unb SBeftfrieSlanb, attS Srabant unb glanbern, aus ©eutfep* lanb, graufreiep, 3talien, ©panien, S 0 ^ n - 3 n f a P ber 9fcctor 3opaune8 (Sele (1417), ein greunb be 8 ©tifterS, oft 800—1000 3bglinge itnt fidt, Bon benen atleseit 70—80 unter feiner befonbcrit güp run 3 ftemben. Gr unterridjtete bereits attd) int ©riedjifdjett unb begrünbete in ber bortigen SiidjaelSlirdje eine ©djülerbibliotpel. ©ein 544 ■§tctctn;miaitcr. SSad^fotger ®ietrid) bau .Sperren Wußte biefe SBIüte ju erhalten, unb bie 3^t ber ©d;üter wuchs fo fet;r, baß fie berfdfiebene fpäufer bewohnen mußten. 3 U genauerer 23eauffid)tigung Waren auS Säten unb Älertfern Unterleljrer (Submonitores) bcftcttt, benen bann nod; bie tüchtigeren ©djiiter ber beiben obern Staffen jur SluShütfe betge= geben Würben, befonberS wohl, um baS in ben Sdjrftunben 33e^anbe(te genauer einjm üben. 2Bie oratorifd;e Uebertreibung ttingt eS, wenn bon SlmerSfoort erjätilt wirb, eS fei um 1550 bie ÄenntniS ber alten ©fradjeu bon ber bortigen §ieronhmianer=©chute auS, bie aud; burd; greife SBetteifer jn erregen fudjte, fo allgemein geWefen, baß jeber Seamte tateinifch gefprocEjen, alle Äauftente gried;ifdj berftanben, felbft bie S3ürgerStödjter unb SDienftmäbd;en tatcinifd)e Sieber gefnngen :c. — 3n ben Slnfängen ber 3feformationg= jeit war bie ©c^ute ber S3rüber ju Süttid; bielleicbt bie blütyenbfte Suropa’S. ®er Unterricht, natürlich borWaltenb tateinifcher Unterricht, War hier burdjauS einheitlich ge= crbnet unb ftrebte einem Har gebadjten 3iete ju. 3n 8 Staffen gieng berfetbe alfo bor= wärtS. ®ie erfte (unterfte) Slaffe lernte tefen unb fchreiben, bectiniren unb conjugiren, in ben brei fotgenben übte man bie berfdjiebenen ®t; e ^ e ber Iatcinifd;en ©rammatif ein, erttärte in angenteffener fyolge bie lateinifcfjen Sinteren unb bilbete ben lateinifchen ©til; in ber bierten Staffe traten bie Stemente beS ©riedjifdjen tjinju; in ber fünften, wo mau bie griedjifdje ©rammatif ju Snbe brad;te, begann SDialeftif unb 3iI;etorit, bie man in ber feisten fortfe^te unb burch SDSittheitung ber Eatio imitandi, b. h- ber Siegeln für Sfadjbilbung ctaffifdjer Slutoren, beroottftanbigte; in bet ftebenten Slaffe I;atte bie SluSlegung beS Striftotetifdjen Drganon unb einiger platonifdjen ®ialoge ihre ©teile, auch farnen hier bie Stemente ber 9)fathematif nach Suftib unb bie ©runbtehren ber 9fed;tgwiffenfd;aft hinju; bie adjte Staffe enbüd; führte jur SChcobogie hinüber, iibte aber aud), wie fd;on bie fiebente, im ©tit, im SJortrag, im ©iSfutiren mannig= fad;. 3n ben beiben oberften Staffen batte jebeS §ad; feinen befonbern Sel;rer; bon ben fcd;S übrigen hatte jebe nur Sinen Sehrer. ®er Siector, mit ber Ueberwad;ung beS ©aitjen unb ber 33ewat;rung ber Sinheit unb be§ 3ufammenl;angS im Unterrid;t§gange betraut, ftanb unter bem ^PräpofituS beS graterljaufeS in Siittid;. ®amatS hatte jebe Staffe an 200 ©djüter, bie Wieber in ©ruppen ju jeljn getheitt waren; jeber fotzen ®ecurie war ein 3ägüng borgefeht, ber baS Verhalten ber anbern ju überwachen hatte unb für it;re SJerfäumniffe berantWorttid) war. SMjahrtid; fanb eine feierliche tBerfejntng ftatt, Wobei bie 9Sid;tberfetJten berechtigt Waren, an bie $erfe( 3 ten öffentlich fragen ju rid;ten, unb nur wenn biefe fidj babei bewahrt hatten, burften fie in bie höhere Staffe eintreteu. ®ie beiben erften ©d;üter jeber Slaffe erhielten bei biefer @e= Iegent;eit 58üd;erprämien; aber auch im ©ange beS ©djutjatwS würben bon 3eit ju 3 e 't ben heften ©d;ütern 23üd;er gefdjenft, beren Stnfauf auS Beiträgen atler beftritten warb. 3uwei(en würben aud; fcenifdje ©arfteltungen berfudjt, wobei tl;eilg ©tüde beS Serenj, theitS befonbere ©chutbramen aufgeführt Würben. — SS unterliegt gar feinem 3^1^ baß wir in biefer Süttidper ©djute baS Sorbitb für ©turmS Sinrid;tungen bor uns haben. ®amit ift bereits ein fehr Weit reidjenber Sinftuß bejeid;net. Stber Wir hätten je(3t, um ben bon ben fpierout;mianern auSgegangenen ©egen boüftänbig ju überfehen, in ber 3eit wieber jnrücfjugehn nnb bie berbieuftbotlen SDfänner ju fd;itbern, bie bon ihnen ausgegangen fmb, wenn biefen nicht befonbere ©arftettungen beftimtnt wären. 2Bie biet ber große SJicolauS bon Sufa ihnen berbanft habe, ber als tieffinniger ißh^ 0 1 0 h^ wie alSgürft berÄirdje gleich bebeutenb war, läßt fid; mehr bermuthen als beftimmen.*) SttS bie Sfeformation faut, fal;en fid; bie ipieronhmianer freitid; fehr halb überflügelt burd; bag Stufgebot größerer Kräfte nnb bie Surd;fiihrung umfaffenberer SDfaßregetn *) ©• neben ben 93iograbhien bon ©harbff unb ©iij bie Stbbaiiblung bon Stöbert 3imm ermann: ®er ©arbinat Sticotaus Sufanub als Sortäufer SecbnihenS, in ben ©ihungg* berichten ber bbitoi- hiß- Staffe ber faifert. Slfabentie ber 2Biffenfd;. VIII. ©. 306 ff. •Hieronymiancr. •Hintergehung. 545 für Solls* unb Sugenbbilbung; aber bod; feilte fid) in manchen ©täbten in 3)eutfchlanb tnie in ben 9?ieberlanben iljre SSirffamteit nodj längere 3 e it fett. *) Sutl)er fetbft hatte, nad) bem, was er bei ben „ s Jtulbrübern" in SWagbeburg gefeljen, mit 2lnertennung non ihnen gefprodjen, unb aud) anbere mußten redjt wollt bie Snftitutioneu ber Stüber bon bem wiiften Sßefen ber Älofterleute gu unterfdjeiben. ©o lieg man in fKoftod, als unter ben erften SeWegungen beS 3teformirenS ba8 wirtlich 5D?orfd>e gufammengebrodjen war, bie Stüber ruhig in ihrem anfehnlichen Sefifi, unb berpfltdjtete fte nur — was gang in ihrem ©inne war — gur ferneren Haltung ihrer beutfd)en ©d)ule; ja ber SUagiftrat übergab ihnen 1534 gewißermaßen bie Shtrid)tung ber neuen ©deuten ber ©tabt. Slber freilich übergeugten fid? aud) hier bie Srüber felbft allmählich, baß eS in einer fo gang umgewanbelten 3 e it mit bem ffraterljaufe ein Snbe nehmen müße, unb fo über* gaben bie lebten 1559 ihre fämmtlidjen Sefifsungen bem SDtagiftrat gum gemeinen Seften ber ©tabt, ittbem fie fich nur baS 9?othwenbige für ben ffteft beS hebend borbehielten. ®er lejjte Rector ÜlrfeniuS lebte bis 1575, „in bieler Segiehung ein auSgegeidjneter ÜDtanu, auSbauernb nnb eifrig, frieblid) unb würbig, rein im SEßanbel unb feft im ©lauben, bis gunt Snbe beS SebenS boH S?tebe gu cen Sßiffenfdjaften, wie gut 9latur; unb felbft als er in ber eifrig fjroteftantifdjen ©tabt noch lange als bie leigte üiuine eines alten großen SaueS baftanb, wagte niemanb ben würbigen SOlann mit ber tiefen, füllen Trauer angutaften unb gu Berieten." (Sifdj a. a. £). ©. 23 f. 28 f.) 3n benjenigeit Sänbern, Wo bie 3efuiten gut ^»errfdjaft gelangten, brängten fie fidj rafch in bie SüBirffamfeit unb bie Segnungen ber ipieronhmianer ein, g. S. in SErier; über Smmerich cgi. ©itlenburger I. ©. 38. §. Ämnntcl. V§itttergchlt«0 ift ein betn natürlid)en SDlenfdjen gang nal;e liegenbeS SluStunftS* mittel, um im Serfel)r mit anbern, namentlich mit Sorgefe^ten, Sortheile gu erreidjen ober Uebelu gu entgehen, bie fich au f beut 3Bege ber2Bahrl)eit nidjt erteilen ober cer= meiben laffen. SS giebt Wenig üDtittet, weld)e fo beutlidj erfennen laffen, wie cerlehrt bie Sehauptung ift, baß alle Unarten unb Softer bem 9)?enfd;en nur anergogen würben, als wenn man in concreteit fallen bie erfte Sntwidlung beS Ranges gur Hintergehung ins Sluge faßt. SS ift nidjtS gewöl)nlid)er, als baß Jtinber, bie nodj nicht fpredjen fönnen, ein ihnen bereits gu (Gebote ftehenbeS 3«ä)sn, etwa bie Slnbeutung eines SebürfniffeS, hemmen, um fid) nur aus einer ihnen läftigen Sage gu befreien unb eine gerftreuenbe 9lbwed)Slung gu haben. Sötan tonnte in biefen nnb äljnlidjen fallen gunädjft an eine, hfhdjotogifd) aKerbingS Wohl begrünbete, bloße SeraHgemeinerung ber SegriffSfphäre beS angeWanbten SKittelS unb feiner folgen beuten, an eine 2lrt Con Syberiment, ob baS erlernte SKittel aud) für ben neuen £wed auS.reicf)e, allein man wirb leid)t bewerten, baß gwifdjett ben relatic unfd)utbigften Serfudjen ber Slrt unb auSgebilbeter Hinter* gehung gang unnterflidj fortfd^reitenfce Uebergänge beftehen. UebrigenS cerweifen wir hinfid)tlidj beS SöefenS unb ber päbagogifdjen Sehanblung ber Hintergehung, als eines SitbungSfehlerS im allgemeinen, auf ben Slrtitet SBaljchaftigteit unb Wenben uns hier berjenigen 2lrt con Hintergehung gu, Weldje fid; birect ben SrgiehungSgweden, na* mentlid) in ©djulen, entgegenfe^t. Singeine 3®eige berfelben finb bereits unter 9lb* fdjreiben, Somplottiren, Sinflüftern gur ©ßradje getommen; allein baS @e* biet ift ein fo Weites unb widjtigeS, baß eS nothwenbig aud) einer allgemeinen Srörterung bebarf, bie fich tljetlS gu jenen ©ebieten ergängenb cerhält, theilS ihr Slugenmerf ben ©runbfähen gnwenbet, weld)e ben Srgieljer im allgemeinen biefer 2lrt ber Hintergehung gegenüber leiten müßen. 3unäd)ft cerbient baS fel)r cerbreitete ©trebeu ber ©djüter SrWähnung, ihre ©tet* lung in ber ©d)ule, ihre Seiftitngen, ben ®rab ber 3nfriebent)eit beS Servers, ben **) ®a§ gjraterhau« in ffimmericb erhielt fleh Bis 1811, wo eS freilich nur noch gwei ®rüber gählte. Sßabaß. (SncuflopaMc. III 35 546 Hintergehung. Sltern unb anbern HauSgenoffen gegenüber iit ein möglidtß günftigeS Sicht ju fteßen; ein ©treben, baS mtr 5 U oft in bemußte Säufdutug auSartet. 3 njar vidjtct pd) biefe Hintergehung nid)t birect gegen bie GErgiehungSgioede; allein fie muß bod) nothmenbig, trenn fie » 01 t einigermaßen bauernbem (Erfolg begleitet ift, and) auf bie fftefultate beS ©d)ultebenS gerftöreub einmirlen. Ser ©d)üler, t»eld)er nad) einem einbringenben 33er»- tueife fid) bemüht, 31 t Haufe hoppelt fetter gu erfd)einen, toirb batb auch beit 33ertoeiS felbft nicht mehr achten. Sie (Eltern haben natürlidj gunädjft bie Aufgabe, biefe 3lrt ber Hintergehung gu »erl)iiten unb, too fie »orgelotumen ift, gu ftrafen. fßerfönlicher SSerfehr mit ben Sel;rern unb nad)haltigeS, nid)t bloß gelegentlidjeS 3ntereffe fiir bie ©d)ule unb il)r SBert an ben ffinbern finb bie fid)erfteu SRittel, Säitfdjungen ber 3 lrt gättglid) 31 t »erhüten. Sem Selber ift in ber ßfeget nid)t gugumutl)eu, gu fotdjem 33er» fehr ben SInfang 31 t machen, bagegen roirb baS Mittel ber amtlichen S3enad)rid)tigung öon allen crl)eblid)en 33orfomntniffen mol)t Weit mehr in 3Int»enbnng gebradjt merben bürfen, als auf ben nteifien ©djulen bereits gefdjiel)t. Sftantentlid) ift and) 3 U bebenfen, baß bei ben regelmäßigen Kenfitren, bie bei einigermaßen beträdßlidjer (Sdjütergaljl im» mer mehr ober meniger fdjematifdj ausfaßen merben, bie (Ettern nur 3 U häufig auf bie Snterpretationen ber Äinber angemiefen ftnb, ein Umftanb, ber biefen eine Heine 33er» brehung, felbft in gätien, too fie nicht gerabe fd)lcd)t beftauben haben, äußerft nahe legt. Senn ber ©dßtiffel 31 t jeher ©djulcenfur liegt im ©runbe nur in ihrer 33erglei= djung mit aßen anbern gleichseitig für biefelbe Klaffe auSgefteßten, Daher baS einjige SJiittel, fid) gegen 2JtiSöerftänbniffe ftdjer 3 U fteßen, in ber 33eifügung einer 9?ang= nummer unter Eingabe ber ©dnilergahl beftänbe. SaS relatibe ßeugniS ift in mandjer 33 e 3 iehung »on geringerem SBerth als baS abfolute; in biefer einen ift eS unerfefgßd). Slußer biefer Slrt ber Hintergehung finb afle übrigen, meldje Iper gur Sprache fornmen, fo!d)e, treidle fid) birect gegen £el)rer unb (Ergieher ridjten, baher bie grage gefteßt merben muß, toie fid) biefer überhaupt unb grunbfählid) ber Hintergehung gegen» über 31 t »erhalten habe. Unb hier breljt fid) für bie fßrapiS afieS um ben einen SBi» berftreit gtoifd^en ben Sluforberungen ber 33orfid)t nnb benen beS 33ertrauenS. Sa tritt. Denn gunädjft bie gorberung ber 33orfid)t nnb ©emiffenhaftigleit für ben Seiner her»or, toenn er bebenlt, toie sahireiche Slrten »on Hintergehung, öon ber plumpften bis gur raffinirteften, an ©djulen üblid) finb ober toenigftenS iiblid) get»efen finb unb eS bei geringer 3ßad)famleit toieber tüerben lönnen. 33eint 31uffagen öon ©ebädjtniSpenfen ift eS gar nid)tS ungemöl)nlid)eS, baß ©d)üler ihre S3üd)er rul)ig offen »or pd) liegen laffen unb mit unbefan» gener Sreiftigleit baS gange ißeufitm ablefen. (ES ift natürlich, baß bieS befonberS bei £el)rern gefdjehen mirb, bie, burd) 3llter unb ©emohuheit au baS Slatheber gefeffelt, »ießeidjt außerbem noch an &urgfid)tigfeit leiben; aßein moralifdje ©d)t»ädje, bie nicht fetjen miß, mo fie fehen foßte, bringt gar oft bie nämliche SBirlung her»or. Dtt tjiegu benufst Worben fein; ber Lehrer bebenfe baher, baß feine eignen Sugenberinnerungen nicht auS= reichen; benn bie ©dfüler fd^reiten am fd;nettften mit ihrem 3eitalter fort. ©aß ein 2Ritfd)üter fid) währenb ber ©tunbe als ©ouffieur hinter einem großen Kachelofen aufhielt, fid) in einen ©djranf einfdjließen ließ ober gar hinter ber in eine ©de ge= fteüten äöanbtafel niebergetauert blieb, habe id) als ©djüler felbft erlebt; bod) Wirb bergleichen freilich feiten oorlommen. — Sin anberer 3weig häufiger Hintergehung ift ber ber 23efd)äftigung rnit frembartigen ©ingen bei anfdwinenber 3Iitfmerffamfeit. Um fid) bie 2RBgtid)feit berfelben gu erklären, muß man beadjten, baß überhaupt bis gegen ein gereiftereS 3llter hin unbebingte Slufmerffamleit währenb einer ootien Sehrftunbe laum erhielt werben lann. SSon einer größeren ©djiiterjahl wirb and) bei anre= genben unb ftrengen Sd)rern meift nur ein gewißer ©h e H lebhaft mitarbeiten; ein an= berer, größerer »erhält fid; treu recipirenb, ein britter I;ort mit halbem Dpe, ein Heiner fReft oieHeid)t augenblidlid) gar nid)t. ©ie unter „Slufmerffamfeit" angegebenen 2RerImate ber 3erftreutl)eit reidjen für höhere ©dfulen infofern nicht auS, als hier fef)r gewöhnlich jerftreute ©d)üler in Haltung beS Körpers, beS KopfeS, im 23lid, fogar in ben SRienen eine Slufmertfamleit gu heud)eln wiffen, bei ber baS ©tottern unb ©toden, Wenn fte gefragt werben, Ieid)t als bloße Unbeholfenheit beS 3IuSbrudS erfdjeint. ©o Wirb benn and) j. 33. ein ©djüler, ber währenb einer ©tunbe lateinifdjer £cctiire feine mathematifdjen Aufgaben Oom 9?ad)bar abfd)reibt, nur feiten unb bei fetjr arglofen Sehrern in einem 3 u ge baran fortarbeiten. @r wirb oielmehr in ber Haltung oöHiger lufmerffamfeit bie ©elegenheit erfpähen, uubemerft auf baS abjufdjreibenbe H e fi nie* berjuf dreien; währenb bann feine 9Ritfd)üIer eine ben Slutor erläuternbe SSemerfung nieberfdjreiben, Wirb er mit ©ifer fein eigenes 2Ber! fortfefjen, um eS im ridjtigen 3lu= genbtid alSbalb wieber einjufteüen. — Sßieber anbere Slrten Oon Hintergehung betreffen bie häuSlidjen Arbeiten. 9?eben bem bloßen 2lbfd)reiben oon Arbeiten (ogl. b. 9Irt.), baS um fo weniger oorlommen I'ann, fe höh« bie Sehrftufe ift, fommt hier namentlid) bie Semtfsung frember Arbeiten in freierer 2Beife Oor. ©in ©d)üler madjt auS brei SIrbeiten eine oierte, ftreut oieHeid)t gar abfid)tlid) einen originellen gehler ein, unb, Wenn er ©alent hat, wie gautenjer oft, fo oerbeffert er auch Wohl gelegentlich einen gehler feiner Duellen. SllSbann ift ber Sßetrug bei ber ©urd)fid)t faft gar nicht mehr ju entbeden. 33elanntlid) ift ferner baS gelb oerbotener 9?ad)hülfe unb oerbotener HülfSmittel an ©ptnnafien ein außerorbentlich reidjeS. 2tuSgaben mit erleid)ternben SInmerlungen, Ueberfefjungen, gebrudte fßräparationen circuliren an mandjen Unftatten beftänbig unter einem großen ©heile ber ©d^üler unb ber ÜBudjhanbel erweist jtd) ge= 548 Hintergehung. fdjäftig, folbher Hintergehung Vorfd;ub gu leiften. 2Benn ntan bie an Drt unb (Stelle befinblid;en Höhlungen übermad;t, maS bod; immer nur an flehten SDrten möglich 'ft, fo merben fold;e üßtittel oft Oon anbern ©täbten begogen ober burd; auSmärtige ©djüler eingefd;leppt. (Sine oerbreitete ©etöotjn^eit oberer ©hmnafialclaffen ift aud; bie, baß üor ber ©tunbe baS gange fßenfum oon einem gefdjicften ©djüler Oorüberfefjt Wirb. Um oon fefteneren unb gang oereingelten Vorfomntniffen gn fcßmeigen, moflen mir fdjließlidj noch bie @rl;eud;elung oon UnmoI;lfein ermahnen. 2luf biefem gelbe mirb oießeidjt häufiger als fonft ungerechtfertigterSSerbad^t entfteben; aflein nod; htiwfiö 617 Werben foldhe gäße fein, bei benen ber ©d;üler mit feinen $opffd;mergen u. bgt. gang ruhig bleiben mürbe, memt er fid; für bie folgenben Sehrftunben gut oorbereitet müßte, mührenb ihm biefelbeu ©d;mergen unerträglidj erfcfteinen, menn bie3 nid)t ber gaß ift. Sei förmlidj erl;eud;elten ßranfheiten mirb bie Verufung beS SlrgteS nur feiten guut giele führen. (Sine fidjere ®iagnofe ift in manchen gäßen gar nidjt gu geben unb bie meiften 3Iergte merbett, mie fte eS aud; im Verfel;r mit bem 9tid;ter thun, fidh fo lange meigern, einen ber Simulation Verbad;tigen für gefunb gu erflären, als irgenb eine 2J?ögtid;feit be§ ©egentheilS Oorliegt. SBirffamer ift meift bie fofortige ©orge für .Ctranfenbiät. US ift genug, um gu geigen, baß ber Lehrer, menn er mit bloßer Verficht unb unabläßiger Verfolgung ber eingelnen Uebelthäter gu SGSerfe gehen moßte, bie (Talente eines IßoligeifpiouS unb Unterfudjung8rid;terS in l;oh em ®rabe in fid; oereinigen müßte, unb es giebt ungmeifethaft Seljrer, bie X;ierin VebeutenbeS leiften. @S fcb>abet oießeidjt feinem, menn er, beoor er gur SrfenntniS höherer @runbfä(}e gefommen ift, biefe ©tufe einmal burd;gemad;t hat; aßein es ift bod; gar gu offenbar, baß biefeS ©treten ben eigentlichen Voben aßer maleren (Srgiehung, baS Vertrauen, untergräbt. Seiber ift eS eine golge beS gegenmärtigen ©tabiitmS in ber ßentralifation unfereS SrgiehungS= mefenS, baß eine erfolgreiche ©fmtigfeit in biefer £>infid;t, meil fie fid; außerlid; nadj= meifen läßt unb oft jahrelangem Unfug anfdjeinenb ein Gmbe mad;t, oon ben Vehörben überfd;ä(3t merben muß, mährenb bie ftißen, aber mtenblid; mid;tigeren SBirfungen ber Grtöbtung fittlidjer Vegiel;ungen gmifeßen Sehrern unb ©djiilern, ber Vflungung oon raffiuirter Sift unb VoSheit an ber ©teße ftißer, adßitngSüoßer $uneigung itttb ißietät gang unbead;tet bleiben unb, fo lange bie HuußttT;ätigfeit ber ebelften Kräfte iu ben Vehörben im Slnfertigen oon Verfügungen unb Veridjten beftel;t, audj unbeadjtet bleiben muß. — gaft noch fd;limmer als baS Vrincip beS SDUStrauenS fd;led;thin fdjehtt bie macd;iaoeßiftifd;e fDtayime, meldje für bie Sßtiiitärpäbagogtf faßt aßer ftehenben §eerc maßgebenb ift unb meld;e fid) in ihrer rohefteugorm etma fo auSbrüden ließe: „©tetS Vertrauen geigen, aber nie Vertrauen hegen." 2)ennod; fteht bie praftifd;e §anbhabung biefer fDtajime in ihren ftttlicf;en VSirfungen meift höher; benn baS mit Dftentation auSgefprodjene Vertrauen gilt ber amtlichen 9ftehrgal;l ber ®uten, baS in ben 9ln= orbnuugen unb Vorfehrungen fiegenbe Sßistrauen ber nur als ntöglid; gebad;ten 5Diinbergal;l ber ©d;led;ten. ©o fann fidh benn aud; biefe SDiajrime leicht an irgenb ein aitbreS höheres ober niebereS -(Mncip auSg!eid;enb anfdjließen, mirb jebed; in ber Siegel mehr ober meniger UnmahreS unb bal;er Verberblid;eS mit fid; bringen. ®ie Verhütung ber Hintergehung fann femol;l neben anbern fßrincipien ins Sluge gefaßt, als aud; felbft gurn ^Srincip erhoben merben. SelgtereS mirb fie, menn man oon ber Verfolgung aßer nid;t gerabe l;nnbgreiflid;en ober offenfunbigen gäße grunbfä^Iidh abftel;t unb jebe ©pur ber Hintergehung fid; nur gum ©porn für (Srfinbuug neuer Ver= hütungStnaßregeln bienen läßt. ©ieS ‘ißrincip fteht um fo höh^, F n 'el;r bie Verhütung burd; fold;e fDtittel l;erbeigefiil;rt mirb, melcße fd;on an fidh u "b ohne Vegug auf biefen 3toed gur guten Srgieh'tng ober gu einer geläuterten Sßtethobif beS Unterrid;te8 gehören. Unb ba finb eS benn namentlich gtoei Ißuncte, auf bie fid; baS meifte gurüdEfiihren läßt, bie (fd;oit unter 2lbfd;reiben I, ©. 27 ermäljnte) genaue inbiotbueße Kenntnis ber ©djüler, bei meld;er oereingelte Hintergehungen, felbft menn fie nidjt entbeeft merben, bem (Schüler nichts h^fen unb baburd; ihren üfeig oerlieren, unb ber beftänbige geiftige Hintergehung. Hofinciftcr. 549 (Rapport beS SeprerS mit feinen ©djülern wäprenb beS UnterridjtS felbft (ogt. 9luf= nierffamfeit, I, ©. 298). SBenn enbtid) ber Setjrer biefer natürlichen Verhütungen mächtig getüerben ift unb in feinem VBirfungSfreiS eine fefte, eingewurgelte ©teEung ge= Wonnen pat, wirb eS 3 e *t [ejit, and) ber Hintergehung gegenüber, baS Vertrauen gerabeju jum Ißrincip ju erheben. Sin feb>r betannt geworbenes unb muftergüttigeS Veifpiel ^at unS ^iefür ber englifd£>e ißäbagoge Slrnolb ^interlaffen. (Vgl. Stanley, life and corresp. of Th. Arnold, 5. ed. I. p. 115 u. f.) Sr brachte eS bapin, baß feine ©d)üier eS für eine ©djanbe pielten, ipn 3 U belügen. Oie fittlicpe VSirtung, weld)e eine foldje ©teEung ber ©djüler ju einem geachteten Seprer pat, tjt unenblicp höper anjufthlagen, als bie ftrictefte Verhütung oon Hintergehungen burd) Umfidjt mib©trenge. Sind) bürften mehrfache öom Seprer unbeadjtete, aber mit ber Verachtung ber üDätfdjüter beftrafte Hintergehungen nicht fo oerberblidj wirten, als ein eingigeS ®e= ringen ber Hinterlift, bie mit ber ©djule auf Kriegsfuß lebt unb burep ben VeifaE ber minber Verwegenen belopnt wirb. SlEein WaS ift eS nun, baS bem Vertrauen jenen popen SBertp giebt; Worauf muß baS Vertrauen wieber rupen, wenn eS felbft bie ©runblage ber Ißietät werben foE? Offenbar würbe ein negatiocS ober pelagianifdjeS Vertrauen, weldjeS bie 3ugenb für uncerborben gelten läßt, nur fdjäblidje ©cplaffpeit wirten. 9Sod) ftplimmer ift baS Ißrinciß beS ©elbftoertrauenS, wonach ber Seprer — unb hieran tränten wir mepr ober weniger faft aEe — fiep gar nidit benten mag, baß bie ©cpiiler einen SJtann, wie er felbft ift, pintergepen tonnen. OaS wapre Vertrauen, weldjeS aEein bie Hintergehung in ber SBurjel befiegen tann, rupt auf bem ©lauten an bie ^Berufung aEer jurn Heil burd) ©elbftoerläugnung unb perfönlidjen Kampf Wiber bie ©ünbe. Sßie Weit eS einen ned) pofitioeren SluSbruct gewinnen barf, pängt Oon ber ©teEung ber ©cpule gu ben fircplicpen Sonfeffionen ab. SebenfaES aber forbert jenes Vertrauen eine auep in fMicper Hinfiept inbioibueEe Kenntnis unb Vepanblung ber ©djüler, foWopI im aEgemeineit als auep in Vejug auf eine Oorgefommene Hinterge= pung. — Ob ein Seprer mepr baS Vertrauen ober bie Vorfüpt unb bei lepterer wieber bie Verfolgung ober bie Verhütung ju feinem HnuptgefrdjtSpnuct maepen fofle, muß übrigens, obwopl biefe tßrincipien bem SBertp nad) niept coorbinirt werben tonnen, in popem ©rabe oon feiner bßerfönlidjfeit unb oon anbern Verpältniffen abpängen. Sin jeber biene mit feinen ©aben. 3 n ben nteiften gäEen wirb ber junge SDSann mepr erreichen, Wenn er als eifriger Vetampfer ber Hintergehung auftritt unb ipr auf ipren ©djtidjen naepgepen lernt. Sludj ift bie barauS gewonnene pfpcpologifdje SBil* bung nidjt gering angufdjlagen. ®em gereiften Sitter jiemt eper bie pöpere Slrt ber Sinwirfung. Slnbererfeits bürfte bie Srfaprung eine pfpdjologifcp wopl erttärbare 93e= mertung beftätigen, baß fowopl baS jartere Knabenalter als audj baS reifenbe 3'üng» lingSalter bem Vertrauen jugängtidjer finb, als bie 3<üt beS UebergangeS, wclcpe bei pöperen Sepranftalten auf bie mittleren Slaffen (in ißreußen incl. Unterfecunba) fällt. Veftätigt fidj biefe Vemertung, fo tann eS nidjt feplen, baß bie langjährige Sefcpäfti» gung eines SeprerS mit ©djülern einer beftimmten SllterSclaffe einen beftimmten OppuS feines SluftretenS erzeugen muß. ©olcpe SBirfungen natürlicher Urfadjen müßen aber jum Vewußtfein gebradjt werben, wenn bie geiftige greipeit gewaprt unb baS redjte SDtaß beS H an beInS getroffen Werben foE. 3t. Sange. ^OCpUUltß , f. ©elbftgefüpl. Höflicpfcit, f. SInftanb. Hofnteiftcr *) ift urfprünglicp ein H°fwagifter, b. i. ein SJtann, ber an einem dürften = ober Herrenpofe baS @efd)äft beS UnterridjtS unb ber Srjiepung perrfdjaft= lieper Kinber beforgt ober leitet, ©old) ein H D f me rfter war 3 . V. ber betannte Oiffer= nnS, ber bem Sanbe VSürttemberg feinen H er Jog Spriftopp peranbilbete. Oie ©teEung *) Vgl. OtaumerS ©. b. Iß. III, 19—26, unb ben „Äoniijcpen Stnpang unb ffipitog" jurn brüten VrudjflücE ber „Sebana"; ferner ben Slrt. „(Srgieper". . 2>ie Veb. 550 ■gofnteifter. einer fürfttidjen ober fonft öornel)tnen jfantilie madjte frißje fd)on bie §ülfe eines jur (St^ieljung wie junt Unterrid)te unb beffen Uebermad)ung geeigneten SWauneS 3 utn una 6 = meisbaren VebiirfniS. ©tanbeSrücffid)teu, 2öol)nung an £>rten ofjne oter mit ungenü* genben ©diulanftalten, öfterer Sed)fel beS 2BoI)itorteS, mie baS bei SIbeligen oft ber galt ift, 33eanfprud;ung beS Vaters burd) VerufSgefdjäfte n. a. m. Ijat gemadjt, bag bie.fjofnieifter fid) öon ben gölten ber gürftenljöfe tjerab immer meiter and) in beit nieberern Legionen beS gefeßfd)aftlid)eit SebenS ausbreiteten. 5)ie feftgefd)(offenen Sinienregimenter ber öffenttid)en £el)rer öom @t)mnafium an bis gut- ®lementarfd)ule fyerab mürben fo mel)r unb ntefyr öött päbagogifdjett greifd)aaren umfdjmarmt, bereit £l)ätigfeit DorjugStoeife auf bie I)öf)eren ©tänbe, auf ben ©eburtS*, Verbienft* unb ©elbabel gerichtet mar unb ift. ®a aber aus biefen Greifen öornel)mlid) bie tonan* gebenben Ißerfonen ber ©efeßfdiaft beroorgefyen, bie Scanner, meid)e burdj tfyre ©teb lung, burd) 50fad)t, ©elb unb Vorbilb tief* unb meitgreifenben Giufluß üben, fo ift bie 2Bid)tigfeit beS fpofmeifterccrpS int ftäbagogifdjen §eere öon felbft einleud)tenb. 2)er §ofmeifter ift 3 mar fyeutgutage gemöfynlid) audj ber §auSlef;rer; bod) muff er eS nid)t nolfymenbig fein. SIber and) ba, mo ber Unterrid)t etma öon befonberett Sel)reru gegeben mirb, ftefjt it)in bie Slttorbnung unb Uebermad)ung beSfelben, unb mo bie 3 üglinge etiua, mie in ber ©tabt oft gefd)iel)t, il)rett Uitterridjt in öorljanbenen ©djuteu genießen, menigftenS bie Leitung unb Veauffid)tiguug ber fyäuSlidjen Arbeiten öor unb nad) ber ©d)ute, fo mie bie üebermadjuitg ber greigeit unb ber gefammten ßntmidhtng 31 t. ®r ift alfo in ©ad)en ber Grjte^uttg ber berufene ©teflöertreter beS VaterS, in ©ad)en beS UnterridttS ber ©d)ute. 2)aS ift fürmal;r nichts fleineS. 2BaS für ben leibiid)en Vater, audj mentt er fid) ifjr gang mibmen !attn, immer eine große unb fd)mere Aufgabe bleibt, baS übernimmt im £>ofmeifter ein grember; bie ge* fammte SIrbeit, meld)e in ber ©d)ute an öerfdjiebene für fie befonberS gitgefcilfcete unb ■geübte Seljrer öertfyeilt ift, nimmt in bem §>ofmeifter ein einiger SDlaun in feine §anb. — Unb mer ift benn ber ©emaltige, ber fid) eines fold)en öermiffet? — 2)er fpof* meifter ift gemöi)ntid) ein junger ÜJfann, ein Sanbibat beS ^ßrebigt=, biSmeilen aud) beS ?eI;ramteS. ®er afabentifdje SurfttS ift öoßenbet, bie Pfarre ift für ben jungen ÜDiamt nod) nid)t gugängüd); er muß nod) ein Suftrum ober 3 mei raften, abliegen, reifen. ®a fommt ein 9htf unter annel)mlid)en Vebingungen, unb ber SanbtCat nimmt an, nidjt feiten ol)ne alle befottbere Vorbereitung für btefe Saufbafyn. $>er junge Sftutl) meint öielfadj, maS man felbft miffe unb lönne, baS inüße man aud) letjren löntten, unb mäl)* renb man fonft jebe Sbuitft im Sieben lernen 3 U ntüßen glaubt, ntad)t man allein bei ber naljegu fdjmerften unb öerantmortungSreidjften, ber Sugenbbilcung, eine SluSnaljtne, als ob bie ©abe beS SetjrenS ttnb CSrjie^enS bem ÜDfenfdjen müd)fe, mie ber Serdje ber ©djttabel. Jebod) feien mir billig unb neunten bie SDinge, mie fie finb. 2öol)t ober übel, fpofmeifter ntüßen fein. @S fyanbelt fid) nur um bie grage, mie bem Ve= bürfniffe am beften genügt, mie bie auS ben gegebenen Verl)ältuiffeu fid) entmidelnben DJad)tI)cile möglid)ft iibermunbett, bie fid) bietenben Vorteile aber möglid)ft benü( 3 t merben mögen. Vergegenmärtigen mir uitS bal)er gunäc^ft 1) bie eigentljümlidje Aufgabe iteS ^ofme.ifterS, 2) bie ©djatten* ttnb Sidjtfeiten feiner ©tetluug unb 3) bie ©runbbebingungen feiner erfolgreidjen 2 ü)ät igfeit. 1. ®ie Aufgabe beS fjofmeifterS mirb fid) anberS geftalten in ben Ijoljen unb Ijödjften Greifen ber ®efetlfd)aft, als in ben öerljciltniSmäßig niebrigeren, anberS in ber ©tabt, mo neben beut S3efud) einer ©d)ule auä) nod) Vdoattefirer 3 ur Verfügung ftefyen, als auf bem £anbe, mo and) ber Unterridtt neben allen ©orgett ber er 3 iel)enben lieber* madjung unb Leitung nod) bem £iofmeifter obliegt. SBir laffen aber bjier bie 3luSna^mefteßungen außer 33etrad)t unb nennen in bem gmlsenben ben SDlann in feiner Soßen 93efd)äftigung nad) beiben ©eiten l)in, mie er für baS ©anse ber Srgiefmng, ben gefammten Unterridjt mit eingefdjtoffen, einjufte^ett f>at. Vaenn mir uns babei ben fpofmeifter »ot^ugSmeife als (Sx-jiefter unb Seljrer öon Änaben ober Jünglingen benlen, §ofmciftcr. 551 fo.finbet 3 loar aud). ba 8 in ber $raji§ feine SInSnafymen; aber mir bertoeifeit, loaS bie ßrjieljung ber ©öd)ter in fyöfyeren ©tänben betrifft, auf be 8 £>ofmeifter 8 loeiblid)eS @egen= bilb, bie ©oubernante (f. b. 3lrt.). 3 unäd)ft ift bie Aufgabe beS §oftueifter 8 bie eines jebeu djriftlidjen Srjie^erd; beim fßrinjen, ©rafen unb Sarone finb in erfter Sink and; 5Dienfd)entinber mit ©aben unb Kräften, bie au 8 jarten Anfängen ihrer Seftimmung für biefe unb jene SBelt ju= .■gebitbet toerben foHen. ©em §oftneifter ift aber gemeiniglid) baS Silbungdjiet für feine Böglinge nod) beftintmter gefteHt, als baS bei aubern Kiltbern ber gaH ju fein pflegt, ©ie foHen in ber Siegel gleid) ben 6 ttern einen hohem Slang in ber ©efeHfdjaft ein« nehmen, foHen fpäter befehlen als gürften, ©utsljerren, Dfficiere, gabrit« unb Kauf« herren u. bgl. 3h* „©tüd" ift meift fdjon gemacht; fie fteheu im ©enuffe bon Sor« jügen, Sequemlidjfeiten, 2 luSftd)teit, bie bem größten ©heile ber übrigen 3 ugeub berfagt finb; ihr Seben toirb ftd) borau 8 fid)tlid) in ben höheren, bcgüuftigteren, feineren Krcifen ber ©efeHfdjaft bemegen, toeldje borjugStneife als bie gebilbeten gelten looHcn. 68 l) an= bett fid) auch bei einem ©heile berfetben loeniger um eine tedjnifdje SerufS«, als um eine aHgemeiue SSilbung. ©iefe Umftänbe geben ber Aufgabe beS fpofmeifterS ein eigentljümlidjeS ©epräge unb machen fie 31 t einer hoppelt eruften. ©ein Bögling foH eiuft in ber§ölje fteheu, foH l)errfd)en, befehlen, borangehen. ®a ift e 8 hoppelt nöthig, baß er bor allem felbft fid; beugen gelernt hübe bor bem l)öd)ften §>errn unb im @e= hovfam gegen 31)n f l( h felbft beljerrfdjen lerne. ©ie §öl)e feiner lünftigen ©teHung, ber 6 influß, ben er auf biete SDlenfdjen üben toirb, bie ©efahren, benen er in ber „großen 9Be(t“ auSgefe^t fein toirb, bie Serfudjungen beS 3leid)tl)umS, 2Bol)lteben8, äußeren ©lanjeS, ber äußeren 6 ljre unb ©idjerheit finb lauter Slufforberungen für ben ^ofmeifter, e 8 bei feinem Bögling nur um fo ernfter 3 U nehmen in Segung eines feften fitttid)en ©runbeS, in SluSbtlbung beS ©eifteS, Sereblung beS ©emüthS, ©djärfung beS Urtheitg, in Klarheit ber 6 rlenntni 8 , ©tärfung beS S3iüen8. ©er mäd)tige £>ebet ber SIrmut, bie Slotljtoenbigfeit, feines ©lüdeS eigener ©dimieb 3 U fein, bie ©aufenbe im Solle 31 t gleiß unb Kraftanftrengung treibt, ber Har oorgeseidjnete 2Beg beS SrobftubiumS fehlt bem £>errenlinbe. 68 fielet in ernfter ©eifteSarbeit leidit einen uuuötbigen SupuS. „3dj braudje e 8 einmal nidjt", ift ba 8 Boubenoort, ba 8 oornehmer unb reicher Seute Kinber fo oft lähmt. ®a gilt e 8 hoppelten 6 ifer, hoppelte SBeiSheit, um biefen 3aufe unb unter 9lugen unb unmittelbaren 6 inflüffen 0011 6 ltern unb Singe« hörigen teS BöglingS 31 t märten Ijat, fo läßt fid) Ieid)t ermeffen, baß ba 8 fpofmeifterantt neben aHerlei £id)t aud) feine tiefen ©djatten hoben möge. 2 . ©chatten« uitb Sichtfeiten, ©ie ©teHung eines £>ofmeifter 8 ift auf ben erften Slnblicf fehr ungiinftig, felbft unter erleidjternben Umftänben. ©a ift etma ein Knabe, serftreut, flatterhaft, ber eruften 2tufmertfam!eit unb Slrbeit ungemol)nt, ol)ne lamerablid)e Slneiferung, ober ein fßht e 8 ma ' f^uier in Seioegung unb gluß 3 U bringen; ober e 8 finb 3 loei, brei, oier Kinber berfdjiebenen ültterS, oerfd)iebener Segabung, — fo oiel Kinber, fo biel Klaffen. ®a 3 u lonunen bieHeicht noch 6 inmirlungen bon ©eiten beS SaterS, ber SJiutter, bon ©roßpapa unb ©roßitiama, bon Dnleln unb ©anten, ©törungen ber SebenS« unb Hernorbnung burd) Sefud)e, gefte, 2Bed)fel be 6 2lufentl)alt8 u. bgl. ®a fann e 8 einem treuen Slrbeiter mol)l 3 U 9Ruthe merben, mie 3ef. 49, 4: 552 •gofmcifter. „3d; bad;te, id; arbeitete oergeblid; unb brächte meine Kraft umfonft unb unnüfelid; ju.» — 2 lber biefelbe ©tedung fann fid; bod; aud) freunbltd; unb manchmal feljr lieblich unb günftig geftalten. Ss giebt aucf; in Ijöfjeirt Greifen fdjön nnb reid; begabte Kinber, an bereu 23ilbung 31 t arbeiten eine greube ift. Ser §mfmeifter fann für bie beftimmter gegebene Aufgabe feine Kraft gufantmenbrängen unb coucentrirter mirfen. fpat er baS @Iüd, einen gebitbeten, einfidjtSooden 23ater, eine feinfüljlenbe, treutiebenbe, berftänbige SDiutter jur ©eite 31 t haben unb in »oder Uebereinftimmung mit ihnen Ijanbetn 3 u fönnen, fo ift bamit and; mieber ©elegenbjeit 3 U einer Übntigteit gegeben, mie man fie nidjt leid;t fdjöner unb banfbarer benten fann. ©djon mandjeS 2Saitb gegenfeitiger 2ld;tung unb banfbarer 2lul;änglid;feit bat fidj ba getnüpft, baS lebenslang nadjbielt. — Ser SDiaffenunterridjt hat feine anerfaunten 33ortl;eile; aber ber (Sinjelunterridjt entbehrt berfefben bod; aud; nid;t gaitj; er fann bie borljanbene Kraft genauer ind Sluge faffen unb berüdfidjtigen. Sie fefte ©djulorbnung tl;ut bielen mol;l; aber bie f5 re bl?eit trägt bod; aud; nid;t lauter Soweit. ©8 gehörte Süd' unb greiljeit eines 2llbred;t Sengel bagu, um einem Klofterfdjüler (glattidj) 3 U geftatten, baß er ein ganjeS 3al;r fang faft nid;t 8 als Iateinifd;e Serfe machte. s JJad; SaljreSfrift mar er ber hefte Lateiner feiner „^Promotion". — gür mand;e, öiedeid;t bie meiften Knaben unb Säuglinge, ift baS Sehen in einer Kamerabentnaffe non entfd;iebenem Sortheil unb mand;eS Suuferlein mürbe mo!;f ba am erften »on feinem Sünfel geheilt; aber bie SDtaffe hat auch fdjon oiele berberbt, unb bann giebt eS benn bod; junge ©eifter unb @emütl;er, benen baS ftillere Sehen ber gamilie unb bie Ginjelnteitung entfdjieben mol;l thut, ben red;ten 9)fann als Seiter borauSgefeßt. 3 U einem ein 3 elnen Högling nod; einige SDiitlernenbe hinjujufügen, mirb aber in ben meiften gäden rathfam fein.*) — Sie Aufgabe ber fpofnieifter» ergiepung ift unb bleibt eine fdjmere; Sid;t unb ©djatten liegt aber am Snbe bod; meniger in beut iBerljältniffe an fid;, als bielmeljr in ben babei 3 nfammentreffenben iPerfönlidjfeiten, namentlid; beS ^jofmeifterS felbft unb ber Sltern. 3. ©ruitbbebinguugen a) boit ©eiten beS £>ofmeifterS. Saß ber §ofnteifter ein Snbegriff aller Sugenben fei, märe fdion red;t, fann aber nid;t berlangt merben. ©emalt ift er leicht, aber nidjt gefunben. Slber menn er frembe Kinber jur SBeiSljeit beS Sehens führen fod, fo ift eS eine billige Sebingung, baß er bor adern felbft ein Kinb ber mähren Sßeisljeit fei, beren ©runb bie gurdjt ©otteS ift. 3e meiter er felbft in lebenbigem Gljriftentljum geförbert ift, befto beffer, er fodte beten fönnen unb mirflid; beten. ©tef;t er nod; nidjt in ber Bucht beS göttlichen SBorteS unb ©eifteS, hat er feinen feften ©laubenS» unb @ebetsrüdl;alt, fo ift jpofmeifter fein für einen jungen Sanbibaten beS s j3rebigtamteS in mel;r als einer Sejieljung eine gemagte ©ache, miemohl bie £ofmeifterei mit il;rer mannigfad;en 9Jotl; aud; je unb je fd;ou einen Gan= bibateit beten gelehrt hat. Sr ad;te nur oor adern baS Sßerf, an baS er als Gieper tritt, nidjt gering, unb halte nidjt hoch 001 t feiner Sr 3 iel;ung 8 funft, einer Kunft, in ber fid; mattdjer Slttmeifter nod; als ©tümper fühlt; er mistraue fid; felbft unb fehe fid;, inbent er Kinber als Bögünge übernimmt, felbft für feinen erften Högling unb Schiller an, ber für bieS fein 2Imt unb in bemfetben nod; Sieles unb SßidjtigeS 3 U lernen habe. Sen §offäIjrtigen miberfteht ber fperr, unb namentlid; aud; ben hof= faljrtigen §ofnteiftern, unb läßt fie oft l;art anrennen ober gar faden; ben Semütljigen giebt ©ott ©nabe. 2BaS fein SBiffen anbetrifft, fo braudjt er feine manbelitbe Unioerfität 31 t fein, aber bod; fei er ein SJiann bon adgemeiner Silbung, in einem unb bem anbern Htbeige ber 2 Biffenfd)aft mohlbefdjlagen unb fähig unb midig, 31 t bem Sorljanbenen noch aderlei SBeitereS jusulernen. SS fodte aber fein junger SDtann, ber in ein foldjeS 35erljältni8 eintritt, fid; auf feinen ©djulfacf »erlaffen, fonberu aud; mit ber 2 lrt unb ÜBeife fid; *) Socfe’S tbealtfivenbe ®arfteflung her ^ofmeifier« Schiebung f. tu ber litsg. b. Sampe §. 70, ©. 172—190.; Ogi. Stemmer @. b. tjSäb. (1843) II. ©. 117 f. Sie Sieb. §ofmcificr. 553 befannt gemacht haben, wie ntan ben 3nl)alt beSfelben füglid) auSEramen unb au feine jungen 9lbnel)mer bringen möge. SBiffen unb Können unb hinmieberunt 51 t einer SBiffen» fd)aft ober Kunft gieren ift gmeierlei. SDian hat fd)on eigene Jpofmeifterfdjulen borge» fcf)lagen. ©ie mären fo menig ein Ueberfluß als Selber» unb ißrebigerfeminare; bod) mirb eS fo baib nidjt bagu fommen, unb fo bleibt bie Vorbereitung gur fpofmeifterei ber ©emiffenljaftigfeit beS Sanbibaten fetbft überlaffen. Venüfjung goäbagogife^er Vor» lefungen, fatedjetifdjer Hebungen, guter päbagogifd) = bibaEtifd)er ©djriften, Vorübung momöglid) in EßriDatunterrid)t ift fel)r gu empfehlen, lieber ben §ofnieifterbernf felbft ogl 91. £>. 99iemet)er @runbfa( 3 e ber ®rg. unb beS Uuterr. sc. namentlid) 3. Dl) e il* SBitlj. ^jarnifd) führt mit beleljrenber 91nfd)aulid)Eeit in baS ^jofmeiftcrleben unb feine mannig» fad)en ©efaljren, Seiben unb gruben ein in feinem „Seben beS fünfzigjährigen §au 8 = lehrerS Selig - KaSEorbi." VreSlau 1817. 333er fpofnteifter fein miß, adjte eS für ein ©roßeS, aud) nur einem ober einigen toenigen Kinbern eined fremben §aufeS gu einer tüchtigen Vilbung §anbreid)ung tbun gu biirfen, unb laffe fid) ben befdjränEten Umfang eines foldjen VJirEungSEreifeS nicht taufdjen. 9luS Kleinem mäd)St alles mirElid) ©roße ^eroor. UMandjthon gebadjte als Praeceptor Germaniae nod) banEbar feines ^auSleljrerS, 3ol)anne8 £mngariuS, ber namentlid) burd) unabläfjigeS gragen baS 9?ad)benfeit beS jungen Knaben medte unb übte. — SBie tiefgeljenb maren nid)t bie tinberfafjlichert ©rgal)Iungen, gu benen @. fp. ©djubert als fpofmeifter berjleinen fßringeffiu Don ÜDEedlenburg gegenüber berabftieg, unb mie banEbar fiieng bie auS biefem Kinbe herauSgemad)fene eble ©emaljtin unb SEBittme beS^ergogS Don Orleans bis au iljr ©nbe an biefem ihrem lieben „ißro"—feffor! — ©8 möd)te nidjt teidjt ein lieblicheres unb erljebenbereS (Denfmal geben, baS auS einem foldjen Verljältniffe IjerDorgegangen ift, als bie „(Erinnerungen aus bem lieben ber ^ergogin Don Orleans Don ©. £j. D. ©djubert. SRündjen. 1859." Vei Uebernal)me eines £>ofmeifteramteS Eomme ber ©anbibat mit Vertrauen ent» gegen, fteüe fefte gur ©ad)e bienlidje Vebingmtgen g. V. freie §anb in rein päbagogi» fdjen (Dingen — er müßte benn DorauSfeljen, baß er eS mit feljr einstigen ©Itern, Don benen er lernen muß, gu tl;un haben mirb —, freie Verfügung über bie für bie ßöglinge nicht angefprod)ene 3eü. Keinen ßeitDertrag! Die fpofmeifterfteClung fe^t Vertrauen auf ber einen, SBiHigfeit unb greubigEeit auf ber anberu ©eite DorauS. ©in VerEnüpftfein auf eine DEeilje Don Sahreu etma mit 9Iu8fid)t auf V en fi° n ober ähnliche Vortheile be= nachtheiligt ben fittlidjen ©haraEter beS VerhältniffeS. (DaS Vemußtfein, baS Vanb jebergeit löfen gu Eönnen, ftärEt aud) tu fd)mieriger Sage, unb ein Vefi( 5 , beffen man nidjt feft Derfidjert ift, mirb merther gehalten. (Dem in fein9lmt eintretenben ^ofmeifter bitrfte u. a. namentlid; empfohlen merben: DEecognoScire Dor allem baS gelb, auf bem bu opcriren foHft, ©ittn unb 91rt ber ©Itern, ihrer Umgebungen, ber fie beeinfluffenben ißerfonen, namentlid) aber bie Kinber, ihre Kenntniffe, gertigEeiten, ©aben, ©itten, ©emobnijeiten, 9lrten unb Unarten, 5)?ei= gungen unb Siebtjabereien. Saß ihnen in ber erften 3 eit greiljett, fid) gu geben, mie fie finb, ehe bu bid) rücfl;attIoS gang giebft, mie bu bift. — (Dann einen feften Opera» tionSplan gebilbet unb ben ©Itern gur Vegutad)tung Dorgelegt. Vor allem: „@ott, maS ©otteS ift!'’ (Der fpofmeifter fd)eue fid), djriftlidje Uebergeugung bei iljm DorauS» gefejjt, nicht, biefe fdjon burd) bie DageSorbnung gu beEennen. ©Ijriftlid)e ©Itern ermarteit unb battEen eS, unentfd)iebene fügen fid), unEird)lid)en, ungläubigen trete man befd)eiben, aber Ijerghaft mit einem „Deos le volt“ entgegen. @8 muß fd)on meit in berSBibrig» Eeit gegen baS ©l)riftentl)unt geEomnten fein, menn ein Vater ober eine SDEutter fid) ©ebet unb Kirdje Derbitten foöte. ©elbft für fid) ungläubige ©Itern münfdjen oft, an maS fte für fid) felbft Dergmeifetn, roenigftenS ihren Kinbern. — (Der Dag beginne alfo mit einer Eurgen äftorgenanbadjt auf bem ©runbe beS göttlichen SBorteS. Ipat bie gamilie bie gemeine §auSanbad)t, befto beffer; mo nidjt, fo thue ber §>ofmeifter an ben in Dor» nehmen fpäufern hierin oft jämnterlid) Derfäumten Kinbern biefen ©amariterbienft, bamit 554 §ofmciftcr. nid)t etwa ein alter frommer SSetoienter, wie bad in einem gürftenbaufe üorfam, fidj erbarmen unb öor ben Siiß treten müße. — Unterrid)t im 2Borte ©otted in ber bem Sllter entfpredjenben gornt fodte immer ben Slnfang ber £ectioneit machen, bann bie fmuptfädjer bed Sernend, fpäter unb befonberd S'Jac^mittagS bie leichteren. — Stimm ed mit feinem £el)rgegenftanbe Ieid)t. Stie unoorbereitet 3 m 4 S?et>rftunbe! fpamann lehrte ein Kinb lefen unb einen jungen 9Jten[d)en frangöfifd). „SBoden ©ie mir glauben," fd)rcibt er barüber, „baß id) gan 3 e halbe ©tunben berumgeben fann, um mid) 3 u ben Sectionen, weldje bie mögtidjft leid)teften ftnb, oorgubereiten, unb nadbjubereiten, baß id) fo fage." SIrbeit unb Srf)olung, ®eifted= unb £eibedanftrengung, lefjtereS in ©pieten, Durnen, bei älteren audi gedtten, Seiten, jeweiligen größeren Sludflügen 3 U guß, in paffenber 2lbwed)dlung. SJtittwod) unb ©amftag Stadjmütagd nad) alter ©itte frei 3 u Widfiirlidjer ^Beifügung, ©onntagd {einerlei Strbeit. Kirdje, ober, mo feine Kird)e befudjt werben fann, ber möglidjfte Srfa (3 bafür. Der ©onutag bat fein itnoeräußer= lidjed Sied)t. Die außerfird)lid)e 3 e d fei ber Srbolung in freier Statur ober Ijarmlofer 93efd)äftigung Womöglich in ber gamilie anbeimgegeben. 3ft bie Dagedorbnung oon ben (Eltern gutgebeißen, fo werbe fie ftreng eingebaften. Drbnung ift bad halbe Seben; bad gilt gang befonberd oon ber ^ofmeifterergiebung. Die fefte Siegel, weldje in ber öffentlichen ©d;ule ober ©rjiebungdanftalt bie SJtaffe ber 3 öglinge allein fcbon nötbig macht, bat ber fpofmeifter burd) perfönlidhe geftigfeit ju erfeljen, unb babei fd)eue er nic^t ben ©d)ein einiger §ärte ober ißebanterei, ohne bie ed überhaupt in ber ^Behandlung fleiner Seute nicht Wol)l abgebt. Sr achte fid) um fo gelntnbener burd) fein eigenes SEBort, je freier er ift, unb binbe fid) um fo fflaoifdjer an bie 3 eit, i e wehr er fie in ber |)nnb 31 t haben pflegt. Drbnung gebe aud) burd) bie fittltdje Ueberwadjung unb Seitung ber 3 i - ; Sti n S £ binburd). ©iel;e gu, baß fte mit @ott unb ihrem ©ewiffen in gute Drbnung fommen, ©ünbe meibeit, ift fie bod) begangen, Steinigung ibred ©ewiffend nad) djriftlidjer @na= benorbnung fudjen. SSor adern bringe auf 2Bal)rbeit, Steinigfeit, @el)orfam. ©djarf unb fd)neibig gegen fpeudjelei unb Siige, milb, erbarmenb unb 3 ured)tl)elfenb gegen ben fich beugenben ©inn. Slbfdjeu oor adern Unreinen, Uneblen, ©d)amlofen, erfd)eine ed and) in galanter gönn, ©parfam mit SJefeljl ober Verbot, aber ftreng im galten ob bemfelbeu. — Drbmtug in Uebung ader geiftigen Kräfte. Stidjt 3 n oiel unb öie= levlei auf einmal. SJtäßige Slufgaben, aber mit möglidjfter S3odfommenl)cit gu leiften. Kein halbes SStemoriren, fein ftotternbed Stecitiren, feine ©ubelfd)rift, fein ©ubett)eft. Sfidjer gefront, Arbeiten mit I)öd)fter ©orgfalt gefdjrieben. ©roßen ©ugenben wirb burd) foldje Kleinig=, ja Kleinlidjfeiten oorgearbeitet. 3u SBenüfeung ber 3eit feft, 3 äl), baß männig» lieb 9tefpect öor ber SIrbeitSgeit ald einem unantaftbaren fpeiligtbume befomme unb nötbigenfadd ein wenig gurd)t oor bem geftrengen fperrn SJtagifter. — ©trafen mit großem S3ebad)t, möglid)ft in innerem 3ufammenbang mit ben 33erfet)lungen. ©ei fein ©d) impf er, fein ©pötter, fein empfinbfamer ©enfge.r, fein ©diläger. Dad Stecht jur Siutl)e würbe id) mir nicht nehmen laffen, Wenigftend bem jüngeren Sllter gegenüber, aber baoon nur im aderäußerften Stotbfalle ©ebraud) machen. Sied)t unb b^farn ftrafen ift eine große Kunft, unb gur gübrung ber Siutbe gehört eine 9Jteifterl)anb. 3e feiner bie ©träfe, je beffer bie 3 ltt *)t. ®in 33licf fann bie ©traffraft eined ÜBorted, einer predigt, eined ©düaged haben. Sieidjt ber SSlicf, fpare bad SBort. SDtan lege aber aud) „ben SIpfel neben bie Siutbe," reise, lode, ermuntere burd) paffenbe SBelob- nungen. SBiden gewonnen, aded gewonnen. Dod) auch l)ier: je feiner, je beffer. — 9?id)t gornig, empfinclidj, uad)trägerifd), nicht oerbrießlid), ntürrifch, oerftimmt, launifdj! §err feiner felbft, wer anbere beberrfdjen wid. Stid)t oergagenb; „bei ©ott ift fein Ding unmöglich", auch in jungen .fjergen. ©djreifaer biefed l)at nod) bad 53ilb eined befperaten Knaben abeligen ©tanbed Oor Stugen, an bem fid) ade 3 U( ht ber Siebe in einer Srjiehungdanftalt erfchöpft hatte. Unter ber fpanb eined cbrifttidjen §ofmeifterd faßte er fid) unb gierte fpätcr eine Unioerfität ald d)rifttidjer fßbilofoph. — Smmer <§ofmciftcr. 555 tyoffenb, aud; wo nid)t 8 ju fjDffen fdjeint, ein redjter §offmeifter, immer herjlidj, immer oben auf im ©eift, in tragender, iiberwinbenber Siebe. — Siimm baS Äinb nid)t ju ijod). Äinber ftnb — ftinber nad) topf unb §erjen, nidjt ÜKänner, — eine finber* einfältige 2Bal)rl)eit unb bleibt bod) fo oft unbead)tet. Smarte nid)t fdjneße Srfolge. „Sin redftfdjaffener Sel)rmeifter", fagt §amann (I. 158) „muff bei ©ott unb fid) felbft in bie Sd)ule gelten, menn er bie 2BeiSl)eit feines SlmteS auSüben wiß, er muß it>n nadjabmen, fo mie er fid) in ber Siatur unb in ber 1). Sd)rift offenbart unb oermöge beiber in gleicher Slrt in unferer Seele. ©er aßmäd)tige ©ott, bem nid)t 8 loftet, bem niditS jn treuer für bie 9Jienfd)en gemefen, ift ber fparfarnfte unb langfamfte ©ott. ©aS ©efe(j feiner 2 Birthfd)aftlid)feit oon ßeit, mornit er in ©ebnlb bie griicbte abtoartet, feilte nufere 9iid)tfd)nur fein." — 9)?an laffe bie ®orjüge beS StanbeS, 33ermögen8 ic. gelten, führe fte aber auf il)ren Wahren SBertt) jnriid unb trete loinbiger Selbflübertjebung beS Snabeit ober SünglingS mit ber Wol)tgegrünbeten Sufseriorität beS -DlanneS entgegen* „3d) weiß, Wer id) bin unb wer Sie finb!“ brad) einmal ber junge §erjog oon 33our= gogne gegen feinen §ofmeifter geneton au 8 . ©iefer fd)Wieg ben Sag über; beS anbern SßlorgenS fprad) er u. a.: „Sic Silben fid) ein, baß Sie mefyr waren als id)? ®er= mut^Iid) bat 3l)nen ba§ ein 23ebienter gefagt; id) aber muß 3I)«en fagen, baß id) mel)r bin als Sie. — Sie wiffen nid)t 8 , als WaS icf) Sie gelehrt t)abe, unb WaS id) Sie gelehrt habe, ift wenig in SBergleid) beffen, WaS ich Sie noch ju lehren hatte. 2BaS bie Sluctorität anlangt, ba haben Sie gar leine über mid), unb id) habe eine öoßftänbige über Sie :c." ®ie ©rol)ung, il)n alSbalb jum Äönige ju führen nnb fid) beS mül) s feligen SSorjugS, beS iprinjen 8 e!)rmeifter ju feilt, ju begeben, brad) OoßenbS ben ftolgen Sinn. — ®rol)t ber Sunter mit fßapa ober üftama, gleid) beim 2Bort genommen. ®en Sltern gegenüber ehrerbietig, fte mögen ben §ofmeifter ober er fie überfehen. ©aS Srftere Wirb meift ber Faß fein in Sejiehung auf SJBeltfenutniS, Sebeu 8 erfal)rung, gefellfd)afttid)e 33ilbung; ba giebt eS für ben jungen SPaun, ber aus ben .^örfälen lommt, nnb hätte er fie auSgelernt, noch oiet 31 t lernen. Stlfo befd)eiben! Unb wäre aud) baS Setjtere ber galt, überfähe er aud) bie Sltern Weit an wiffenfd)aftlid)em SSlief unb ©eift unb Sinfid)t in baS, Wad ben Sinbern frommt, fo fei er bod) nid)t aKwiffenb, unfehlbar, er laffe fid) fagen, (3ac. 3, 17.), höre auf billige 2Büufd)e, fei nicht herrifd) unb red)tl)aberifd), Wal)re aber bod) feine Wol)lgewogene Ueberjeugung. Sr adjte fid) al« ©iener Oor feinem tperru im Fimmel unb fei als foldjer Oon tpe^en bemüthig, aber gebrauche auch in widrigen ©ingen ber SBürbe, bie bem ©iener beS l)öd)ften £>erru jufteht, unb erttiebrige fid) nie jn SeröiliSmuS, Äriedjerei, Spei* d)ellederei unb 2ßol)lbienerei, — ©iener, aber nid)t Sebienter. Sr laffe gerne eine Sin* orbnung oon $ater ober ÜDfutter auSgel)en unb gönne ihnen bie Si)re ber 2lutorfd)aft, and) Wenn fie it)m gebührte, unb baS le( 5 te 2Sort, aud) wenn er ein 9led)t barauf hatte. Slamentlid) jiemt angehenbeit §ofmeiftern, benen Sehen, Sitten, Slufdjauungen ber höheren Stänbe häufig frernb finb, bie größte 33el)utf amleit im Urtl)eilen, unb bürfte ihnen gut fein, fid) mit §einr. Stißing, als er ju Straßburg mit einem greunbe juerft unter bie ©ifd)gefeflfd)aft ©öthe’S unb Sonforten laut, an bie Sieget 31 t halten: „§>ier iftS am heften, baß man 14 ©age fd)Weigt." SS ift für einen jungen SJiann feine Heine Sadte, immer ben red)ten ®on 3 U treffen, aud) gan 3 georbnete 33erl)ältniffe in ber Familie oorauSgefeht. SBie aber, wenn baS Familienleben entweber gerriffen ift, 3 . 33. bie Sinber oI)ne35ater ober SOiutter, fei eS im eigentlid)en, fei eS in bem bilblid)en Sinne, ben Sioitffeau mit bem SSorte: Point de mere, point d’enfant meint? ober wenn baS I)äuSlid)e Sehen gerrüttet^ ift, 33ater unb SOiutter in et)elid)em gerwürfniS ? — ®ie Sytreme berühren fid) oftmals, nnb Äinber in §errenl)äufern unb in 9iettungSl)äufern ftehen einanber je 3 uweilen näher als man meinen feilte. 3n fold)en Fäden ift ein bopfselteS SDiaß Oon SßciSheit, Siebe, Sntfdjiebenheit unb ©reue nötl)ig, um in bie ohne ober burcf) Sünbenfdjulb entftanbene Siide einjutreteu, oorl)anbenen SOiangel 3 U beden unb fjlud), ber Oon ben Sltern auf bie Stinber faßen lönnte, ab 3 uwenben. ®a gilt eS oor aßem, lyergtic^eS Srbarmen angujiehen unb 556 £ofntciftcr. fid) bad eierte ©ebot bed ©etalogd redtjt anjufeben, baß man aud) bie ber Sljre ettoa nid)t mertbe elterliche Perfon bod) um ber gottlidjen Drbnung mitten fetbft in @l;ren halte, aud) bie Kinber baju anteite unb bod) SßöfeS unb ©uted, Sicht unb fyinfternis nicht eerfefyre, fonbern bie nnfd)ulbigen fperjen eor Stergernid Bemal;re, im übrigen fid) in unparteiifd)er Stellung hotte, efyne fid) burd) Vermiß eon bem feften Voben feined Verufed abjieljen 31 t taffen. 3m fd)limmften Satte, mo irgenb megtid), fort aud bem fpaufe mit 3 ögltng unb .jpofmeifter! Pion midad)te bie äußere gorm nicht. Sie gilt in ben f)ot;eren Äreifen jmar oft mehr atd fid) gebührt, aber fie bat nun einmal in benfetbeu ihren SBerU). Ptan fejje fid) niiJglidjft batb mit Säteln, Planieren, fftebemeijen ber oornebmen VJett juredjt, baß mau fie mie eine nun einmal gangbare Sprad)e banbbaben tonne, lieber Unbe= bolfenbeit in bergorttt mirb man ba am erften Iäd)erlid). ©ad oermeibe, mer erjieben mitt. — ©er ©ienerfdjaft gegenüber freunbticb, aber gehalten, nie oertraulid). gerne öon atten Äammerintriguen ber ©iener unb 3 ofen. ®incr etma anmefeuben Srjieberin (©ouuernante) gegenüber lauern bei ber 2Iebnlid)feit bed Verufd, ber greubeit unb Seiben auf einen jungen Ptann @efal)ren befonberer 3lrt. ©emeffen, bienftbereit, aber „Vunb mit ben Slugen!" (tpiob 31, 1 .). ©iefer SÜSint bürfte aud) ermad)fenen ober ermad)fenben ©Bd)tern bed §aufed gegenüber nid)t überftiißig fein, befonberd, menn aud) fie nod) in ber Stellung ton Sd)iiterinnen ju ihm fteben fottten. (Slbailarb unb §eioife!). Sotten mir aud) an Potipbard VSeib erinnern unb ihre lüfternen 2lugen? an Sofepbd: „P3ie fottt id)?“ in 1 Ptof. 39, 9. unb an feine fiegreidje gtud)t? Sa- pienti sat. — 2ln „nobetn ^3affionen" unbetbeiligt. SBer fid) 3110 Spielfigur beogmbt, tann nur oerlieren, ift fd)on halb oertoren. äoad aber ebte Unterhaltung ber gamilie förbert, mie gemeinfd)aftlid)ed Sefen guter Vüd)er, befonberd Phtfif, tann atd bad Seben bed fpaufed berebetnb nur giinftig auf bie 3 öglinge jurüdmirten. ©aju reiche ber §ofmeifter gerne feine §anb, ohne fid) gerabe 311 m maitre de plaisir ntadjen ju motten. s Kud) mürben mir unfern Plann mit feinen jungen fperrtein gerne auf bem ©urnptaf) gemabren ober bei einem fräftigenben Surnfpiele mitbetbeitigt, menn er irgenb fann. Äteibuug unb außered ätuftreten anftänbig, forgfättig, mürbig, nid)t Vornehmheit affeetirenb, nicht nad)läßig. gort mit ber 'pfeife ober Sigarre fammt anbern bur= fd)itofen Stnbängfetn, fort mit ber Pbilifterbofe! — „Süttentbatben ftette bid) fetbft jum Vorbitbe guter SBerte, mit ©I^rbarfeit." (Sit. 2, 7.) ©ie genannte Sriad ton Spin* boten fittlid)er ©ebunbenbeit bürfte bem torbilblid)en ßbarafter unb ber Sbrbarteit (ae/ivortje) bed Srjieberd menig entfpred)eu. Unter erfdpterenben Umftänben tann ed bem ^jofmetfier mobt je unb je mie bent guten tpeinrid) Slitting in feiner erften £>audtebrerftelte ju Plutbe merben, 311 m ©aton= laufen. Solchen Slnmanbetungen gegenüber finb bie 2öorte tpamannd (I. 340) ßor 3abreu einer ^ofmeifterfeete 30111 Sroft unb Sornpaß gemorben: „®d ift eine Pflicht, mit ber Stettung jufrieben 31 t fein, morin mir und befinben, unb je fdjmerer fie und mirb, befto großer ber Sieg über und fetbft unb ber Veiftanb ©otted, ihn ju erhalten. Dt)ne bie mid)tigften ©rünbe oertaffen Sie atfo Sb^en jeßigen Poften nicht. Sie ftbreiben mir oou 3t)rem SBege in SBüfteneien. ©er Pfatmift aber fagt: ,,©ie 2Bob= nungen in ber SSüfte finb aud) fett, baß fie triefen.“ Pf. 65. VSenn Sie auch ol)ne grud)t arbeiten mäßen, fo fahren Sie nur getroft fort in Sbrem je^igen Verufe. ®ntfd)lagen Sie fid) atter Veredelungen, bie Sie aitmanbeln, unb glauben Sie, baß 3b*ten badjeitige, mad Sie jefjt tt)un, oon ©ott befohlen morben. (Sine fetbftgemäbtte Drbnung ju leben, bie man fid) 31 t erfd)mingen bemüht ift, ift, mie ein fetbftgemäbltcr ©ottedbienft, bem §errn ein ©reuet.“ — Uebrigend taffe man fid) fd)mere ©inge nicht ant §erjen nagen. Plan merfe bie Sorge getroft auf ben fperrn unb fpred)e fid) gelegentlich off™ aud. ©aß übrigend bie Urfad)e unleiblich merbenber Verbältniffe nid)t immer bloß in liefen 31 t fndjen fei, mag nod) ein Vetenntnid bed Ptagitd im -Korben (£>amannd) be= 3 eugeu. ,,3d) hotte,“ fo fd)reibt er ton feiner erften fpofmeifterftette bei einer Varonin •§ofmctftcr. 557 »oit $. itt ffurlanb, ,,mid) felbft, meinen Unmündigen unb eine unfd)Iatf»tige, rotje, unwiffenbe Söiutter ju sieben. 3dj gteng t»ie ein mutljig 9ioß im ipflttg mit »ietem (Eifer, mit rebtidjen Ubfid)ten, mit Wenig Singt)eit unb mit ju »ietem Vertrauen auf micf) fetbft unb 3 UBer fimefter nad), „getfjan, mag fie tonnte," unb batnit genug. Der 3Bertf) bed fpofmei ft erlebend für ben ^jofmeifter felbft ift nidjt gering angufdjlagen, fobafb ber fDtann feine Slufgabe ernft nimmt. Gr mirb bereidjert an Senntnid bed menfd;lid;en £>ergend, bed fremben mie ced eigenen, mit ermeitertem @e= fidjtdfreife, geübt im Umgänge mit Sinbern unb Grmad;fenen, ernüdjtert bon mand)en Dräutnen, anfgeffärt über bie mirflidjen Dinge in ber 2Be(t, geftärft in ber Sunft ber ©elbftberläugnung unb fo mannigfad; für fein 2 lmt ald ißrebiger, ©d;ulauffel;er ober öffentlicher £el;rer borbereitet and ber fpoftneifteret gurürffefyren, unb bie grüdjte foldjer £el;r= uno 2ßanberjal;re mirb ©dptle unb Sird;e in itjrer Sugenb genießen. DieSraft, bie fid) il;r eine ßdtlang entgegen nnb bem 23ebürfniffe eineg einzigen ffjaufed gemibmet, fefyrt berftärft, gefcfyärft, geläutert in ben Dienft bed größeren ©angen jurütf. — Daß bad nicht immer gefdjal;, baß mandje and; fefjon an ben Älif'pen, meldje bad ?eben in reid)en unD bornelpuen Käufern birgt, ©djaben genommen, mag nur gu größerer SSor= fid)t mahnen. Der Ganbibat mirb moljl tljun, menn er fleh mäfyrenb feined 2lufent= l;alteg in fold; einem reid;en ipaufe fleißig bad tjporagifdje 335ort bergegenmärtigt: „Linquenda.“ 35. ©tt'cbcl. tpofmciflcrn, f. Dabei. §oflDl)l, f. gellenberg. §oU(Ulü. Duellen: Gramer, ©dpoarg, ©taöaert unb 33an ber §aegl;eit, Delprat, Dl;. Dufte je. (f. b. 21. ^Belgien.) Rapports de Noel et Cuyier (1811) adresses an Gouvernement frangais. — Bulletin des lois etc. — Rapport ber Goniiffie bijeenge* rcepen boer ft. SBedluit bom 13. 2lpril 1828, 9to. 100 , betreffeube fyet Ijooger onbermijd. ’©©rabent;age 1830, gol. (b. i. 23erid;t ber Gommiffion gufammengernfen burd; ft. 23e[d;luß bom 13. 2lpril, betreffend ben työßeren Unterridjt).— Rapport adresse au Roi par la Commission instituee en 1829, pour la revision des dispositions existantes, sur l’instruction moyenne. LaHaye 1830, Fol. — Cousin, de l’instruction publique en Hollande (1836—1837) 2 vol. — 23ubbingl;, ©efdiiebenid bon Dpooebing en Dnbermijd in be 9iecerlauben. ’©@raben^age 1847. (b. i. @efd;id)te ber Grgiefiung unb bed Un= terridjtd in ben 9tieberlanben.) — ©efd;ietfunbig obergigt ban fyet lager Dnbermijd in 9iebertanb. £epben, 1849. (b. i. @efd)id;t(id;e Ueberfidjt bed niebern Unterridjtd in ben 9t.) — Miscellanea pliilologa et paedagogica. Ediderunt Gymnasiorum Batavorum dootores societate conjuncti. Amsterdam, 3. SDJüHer 1849, unb bie folgenden 3al)r= gänge. — Verflog nopend ben ©taat ber fyooge, mibbelbare en lagere ©djoolen in Ijet Soningrijf ber 9tebcrlanben, ober 18... (jährlich ein 23anb in 8 .) (b. i. 23erid)t betreffend ben ©tanb ber ließen, mittlern unb untern ©ernten in bem ftönigr. b. 9?.). — De Laveleye, Debats sur l’enseignement dans les Cliambres hollandaises (©iguitg bon 1857), @enb, 1858, in 8 . — ©. Diepljuid, fpanbleibiug tot be fennid ber SBetgebing op het lager onbermijd in 9ieber!anbe. ©roningen, 1859 in 12. (b. i. 2lnleitung gu ber ftenntnid ber ©efeijgebung über ben niederen Unterrid;t in ben 9t.) — : 9teberlanbfd> Dijbfdjrift boor Dpboeting en Dnbermijd; be Unie; be SBeffer; be ©cfyooh bobe 2 c. (b. i. 9tieberlänoifd;e 3eitfd;r. für Grgielptng unb Unterridjt; bie Union; ber Sffieder; ber ©djulbote ic.) @ ef dj i ch t e. Der 3tngelfad>fe SQBiHehrorb, ber gegen 690 auf ber nieberlänbifdjen Äüfte landete, mar ber erfte 23ifd;of ber griefen, deren 23efel;rung gunt Gl)riftentl;um in bie 3 e 't ber fränfifdjen Groberung fällt. 9tadj ber ©age foll ißipin, ©olpt Sari 93tarteüd, ben Unterrid)t in ber ©djule gu Utrecht, meld;e jener eifrige SDtiffionär gegrüit= bet h'Gte, empfangen l;aben. 233ie bem aud; fein mag, ber 9tuf ber ©diule bed l;. 91tar= tind gu Utrecht ift fetyr alt, unb man fann fagen, baß biefe ©tabt für bie nördlichen >§offanb. 559 fRieberlanbe baSfelfee mar, mag 2)orI für Knglanb, gulba für Seutfdflanb, Sourg für granfreid; unb Süttid; für Belgien gemefen finb. (©taüaert, ©. 10 u. 66; Kramer 6. 66 ff.) Ser päbagogifd;e Kinfluß beg Slpoftelg ber Seutfdjen, beS h. ©onifaciug (Sffiinfriebg), machte fid; bort befonberg fühlbar. Unter bem SSifdjof ©regor, einem ©djüler öon il;m, fah bie ©labt bie lernbegierige Sugenb aug ben benad;barten Sanbern in il;ren SJfanern jufammenftrömen . . quidam autem et de Bagnariis (?) et Suevis. Subger, ber erfte ©ifd;of öon fünfter, ein grennb gftcuing unb ©d;üter ©regorg, l;at eg »erbient, öon ben ©enebictinern „bag Sid;t beg ganjen friefifdjen unb ber um= liegenben Sänber" genannt ju merben. 3 ur 3 e ^ bet normanuifdjen Kinfalle gieng bie ©djule in Utrecht ju ©runbe: fie erl;ob fid^ aber mieber im 3al;r 917 unb erlangte ihren früheren ©lang. Äaifer |)einrid; ber Segler ließ feine brei ©öl;ne Otto, £>ein= rid; unb ©ruuo bafelbft erjiehen. Ser letztere mürbe fpäter Krgbifd;of een Köln unb tperjog öon Sotl;ringen, unb ift betannt megen feiner fyereorragenben ©elel>rfamfeit unb feiner ©orliebe für ben Sid;ter ^ßrubentiug. 3m Slnfang beg 12. 3al;rl;unbertg jäl;lte Utred;t nid)t meniger alg fünf blül;enbe ©d;ulen, ben beneu einige außer bem bie 21uffid;t führenben ©eiftlicfjen nod; einen Eector Scholaram hatten. Um biefclbe ßeit jeid;neten fid; mehrere Älöfter burd) il;re päbagogifd;e Shätigfeit aug, mie j. 23. bie in Kgmonb, Nimwegen, ©iibbelburg in ©eelanb unb Sleumert bei ©röningen. 3n tpoüanb mie in ©elgien erridjteten bie mäd;tigen ©emeinben im Saufe beg 12. 3af|r^unbertg neben ben SbatfjebraU, Älofter= unb Kapitet*©d;ulen ©cmeinbeanftalten, bie mehr für ben Unterrid;t ber ©ürger unb' Saicn bered;net maren. Kg ift überbieg toot)l ju bemerten, baß bie Krmädjtigung, foldje ©djulen ju eröffnen, immer bout @ra= fen auggieng, meldjer fie halb ben ©täbten unter ber gort« eineg )ßribüegiumg, halb bloßen Ißribatleuten alg befonbere ©unftbejeugung enteilte. „2Bir finben Ijier mieber," fagt $. ©taüaert fel;r rid;tig, „bon ber grunbl;errlid;en @erid;tgbar!ett ungefähr bag gleidje ^ßrincip angemenbet mie in Belgien." Slber mäljrenb in bem Unteren Sanbe, bieüeid;t mit SHugnahme ber Klementarfd;uten einiger ©tabte, bag 2luffid;tgred;t überall bem Kapitel jufam, mar ber Unterricht in ben ©emcintefdjulen fpottaubg ber gefefstidjen Uebermadjung ber ®eiftlid;leit burd;aug entjogen; ber Kljarafter biefer ©djulanftalten mar mefentlid; meltlid). — 2Bir führen l;ier bie Säten einiger foldjer ftäbtifdjcn b}3ribi= legien an: ÜDcrtrec^t erhielt eg 1290 bom ©rafeit glorig V.; '©©raoejanbe 1322; Setjben 1324, fßotterbam 1328 tc. bon 2Bill;elm III.; Seift unb Slmfterbam 1334 bon 2Sill;elm IV.; Sel;ben mieberunt im 3ahr 1357, §aarlem 1389, SUfmaar 1398, §oorn 1358 unb 1390, fpaag 1393, ©d;iebam unb Dubemater 1394, üiotterbaui 1402 bon SItbert bon ©at;ern. Siefe ©chulen, fügt ©taüaert nad; ©ubbingt; h'nju, Ijiefßen aügemein: ©d;ool en ©d;rt;fambad;t, ©d;oole en Äofteru, (b. i. ©d)ul= unb ©d;reibl;anbmerf, ©d;ule unb Äiifterei) unb bie ©coolmijfterg mürben ju ben 2lmbad;tg Sieben ober fpanbmerüern gerechnet, mie bieg and; in ©elgien gefd;ab, mo fie befonbere üörper= fdjaften unb ©rüberfdjaften bilbeten. Sie haöänbifdjen ©emeinbefchulen mürben in große unb in Heine ©d;ulen eingekeilt (groote en bijfd)oolen); in ben erfte= ren mürbe lateinifd; gelehrt. Sie ©d;ute ju gnmüe genoß unter ber Seitung beg be= rühmten Sohann Kete im 14. Sahkunbert eineg befonbent 9;nfeg. 9?ad; St; 0111 “^ Sempen unb Sen Suffdje belief fid; bie 3<»hl fc cr ©d;üler ungefähr auf 1000, bie nidjt aüein aug £>oüanb unb SSelgien, fonbern and; aug ben bebeutenbften ©egenben Seutfdjtanbg lamen. 2Bir haben in bem 2Irt. ^Belgien bereitg ben Kinfluß bejeid;net, ben bie ©rüber beg genteinfamen Sebeng, beren erfte ©d;ule ©erharb be ©roote aug Sebenter grünbete, auf ben gortfd;ritt ber 233iffenfd;aften in ben 9?ieberlanben augiibten. Ser mt;ftifd;e ©eift, ber juerft unter ihnen ^errfkte, mad;te aümahtid; miffenfd;afttid;en ©e= ftrebungen )ßlag; bie .^ieronhmianer (f. b. 2Irt.) mürben, mie bie Staliener jur 3 e ^ ber 9ieitaiffance, ©emunberer ber clafftfdjen Autoren; nur ift ju bemerfen, baß Kragtuug ihnen 560 ■fäollanb. nie ben Vortourf bei - paganitas ju machen hatte, tote ben füblidjen ©elebrten; toenn fte bie ©djolaftif befämpften, fo gefdjal) eS, tote Ä. ». Daumer fagt, toeil fie ihnen unfrudjtbar, ja fdfjäbfic^ für bie ernfte Heiligung unb ber (Seelen ©eligfeit erfd)ien. Dicf)t 8 befto toeniger übten bie ©Triften Sicero ’8 unb Virgils aud) auf fie ihren 3uuber anS unb trofc ißreS aScetifdjen Gebens, baS itt beut SBudje de Imitatione Christi fid) abfpiegett, arbeiteten aud) fie für fyöljere Vilbung beS VolfeS. VSir biirfen hiebei feineStoegS »ergeffen, baß einer ber Vrüber, ©erwarb t'on 3ütpben, für bie Verbreitung unb ben ©ebraud) ber b- ©djrift in ber 9Dutterfpradje unabläßig tfyätig toar. ®iefer llntftanb ift gar itidjt gletdjgültig, toenn toir ertoägen, baff man bantals aut Vorabenb ber Deformation ftanb. (®elprat, a. a. D.; Ä. ». Daumer, ©efd). b. ipäbag. I.) Um bie ilmtoätjung ju toürbigen, toelche in ben ©elftem »or fid) gieng, als bie reformirten Sehren in ben itörbtid)en Groningen ber Dieberlanbc fefteu guß flefa^t Ratten, müßte man bie @e[d)id)te ber Unioerfität Sepben (gegrünbet 1575), toeld)e baS Voütoert ber l)oHänbifd)=proteftantifd)en Vropaganba njar, barftetlen. ®a toir aber jur Vefpredjung ber neuen 3 e it eiten, fo ntüßen toir ben Sefer auf ein feljr lel)rreid)e 8 , 1830 in Sepben erfd)ienene 8 Vud) öertoelfen: ©efcpiebeniS ber Seibfdje fpooge» fdjool »an bare oprigting in ben Saar 1575 tot Ijet 3aar 1825, (b.i.@e= fd)id)te ber Sepbener fpod)fd)ule »on ihrer ©riinbung im 3. 1575 an bis junt3. 1825). @8 genüge, baran gu erinnern, baß p*er tote in ®eutfd)lanb bie SDenffrei^eit, toetcbe juerft in ben tbeotogi[d)en ©ontrooerfen peroortrat, allmählich einen neuen Gtifer für bie fpülfsftubien einflößte, unb äulept mächtig jur ©mancipation aller SBiffenfdjaften bei= trug. Debcu ber Unioerfttät ju Serben erftanben nach einanber bie Unioerfitäten in graneier (1585), in ©röningen (1614), in Utrecht (1638) unb §arbertoijf (1648). SBäbrettb biefer gangen 3 eit unb bis nad) bettt fpattifdjen ©rbfotgefrieg ftrömten »on allen ©eiten ber Seute nach fpoßanb, bie beS ©laubenS toegen »erfolgt tottrben, unb unter unb neben ihnen finben toir ®enfer unb ©elebrte erften DangS. ®ie ©ingebornen blieben bunter biefen erlaud)ten ©aftett nid)t gurüd, unb baS 3al)rbuttbert ber ®eScarteS unb tpupgpenS barf fidjerlid) eine ebrenooHe ©teile in ben 3nbrbüd)ern per geiftigen Snttoidlung ber 9Jlenfd)beit anfpredjen. ®ieS toar aud) bie ©lanäjett ber nieberlänbifdjen Unioerfitäten. Serben ift ftolj auf SJtänner toie ®oufa, VoffiuS, fpeittfiuS, DapbelengiuS, SDteurftuS, ©rono»iu 8 , ißerijoniuS, ©d)ulteuS; auf ’© ©raoefanbe ben ißbtlofopbett, auf bie 5®^eoIogen ©otnar unb SlrminiuS, unb ben großen Slrjt, an ben man fd)reiben tonnte: Sin fpernt Voerpaoe, in ©uropa. Utrccpt, ©eburtSort beS gelehrten ißabfteS §abrian IV., tann fid) eines ©iSbert Voet, eines ©raoinS, eines Delanb tc. rühmen. Dotterbam, too SraSmuS geboren tourbe, toar ber Slufentl)altSort beS iß. Vaple; ©pinoja toar auS Slmfterbam; fpaag batte einen §upgl)en 8 , VaSnage unb ©aurin, ben Voffuet ber ©aloiniften. SDtan toirb übrigens, toenn matt biefe Sifte burd)Iäuft, bemerten, baß bie pbilologifd)ett ©tubien reidtlid) »ertreten finb; ihre pflege bauerte in fpoHanb fort bis auf unfere 3 c >t; jum Veleg für biefe Vepauptung barf man nur auf bie Sßpttembad), ißeerlfamp, »an fpeuSbe, ©obet unb »iele anbere bintoeifen. SJlit ber 3 eit legte fid) jeboep bie (pipe ber tbeologtfdjen ©treitigfeiten; bie ))3btlofopbte beburfte feines ©djuporteS mehr unb toir mäßen eS ge* fiepen, bie t»iffenfd)aftlid)e Vetoegung in ber bataoifd)en Depublii ließ im allgemeinen nad). ®er Duhm biefeS tleinen SanbeS ift in unferem Sahrpunbert, toenn toir ben öffentlid)en Unterricht ins Sluge faßen, befdjeibener, aber beSbalb nid)t toeniger ad)tungS= toürbig, inbettt eS »or allem barauf I^iitgetoirft bat, bie geiflige Vilbung ber untern VoIfSclaffen 3 U heben; bie päbagogifd)e Vebeutung ^tollanbs in gegentoarttger 3eit grünbet fid) bauptfäd)lid) auf bie Drganifation feines VoltSfcbultoefenS. ©uöier hatte in feinem oben ermähnten 33erid)t ein jiemlid) trauriges 23ilb »on ben Unioerfitäten unb lateinifd)eit ©chulett ^tollanbS enttoorfen. ®ie franjefifef^e De= gierung, unter Dapoleott I. in biefem ?anbe eirtgefe^t, beachtete feine Vemertungen unb führte einige ttüblidte Deformen ein. 3m 3apr 1814 toar eS eine ber erften ^ollanb. 561 Sorgen beS grinsen SBi(t;e(m, beS nad)herigen Königs ber Sieberlanbe, biefe SSerbefferungeit gu betätigen unb gu oerooHftänbigen. ®ie fönigl. Drbonnang oom 2. Sluguft 1815 unb eine anbere öom 9. ©eptbr. 1826 in Setreff beS bis baljin öernad)läßigten niatfyema» tifdjen UnterridjtS finb Setoeife feiner Semül)ungen. ©eit biefer 3«it ift ber Qortfd^ritt nid)t erlahmt; bod) tann man nicf)t behaupten, baß ber l)öftere Unterridjt, mit 2luSnal)me ber alten ©pradjen, bie ©tufe erreicht habe, bie er fd)on tängft in anbern ©taaten einnimntt. SlnberS öerljält eS fid) mit bem (Elementarunterricht. ©urd) baS ©efeß Dom 13. Sluguft 1806 lourbe er Dollftänbig neu gefd)affen unb fiirglid) ift er mieber burd) baS ©efefc bont 13. Slpril 1857 nmgeftaltet morben, meldfeS gu ^öc^ft intereffanten Kammeroerljanblungett Seranlaffung gegeben t;at. Sei ber Sefpred)wtg biefer ©efefce folgen mir bem in bem Slrt. Selgien, auf ben mir ben Sefer gnr Sermeibung bon äBieberljolungen öfters bermeifen mäßen, gu ©runbe gelegten Sinn. I. (Elementarunterricht. A. ©efetggebung. Singeregt burd) bie ©efellfdjaft £ot itut ban ’t algenteen (b. i. gum Pulsen für baS Slllgemeine), bie 1784 ge= gvünbet mürbe, nahm bie Regierung in ben erften Sapren beS 19. 3aljrl). bie ©adje ber SollSergiehung in bie fpanb. ©er berühmte Drientalift San ber S a I m » meldjem 1799 bie Leitung beS öffentlidjen UnterridjtS in ber batabifd)en 9?egoublif übertragen tturbe unb meldjer fpäter mit ber gteidjen Obliegenheit in baS Siinifterium beS3nnern eintrat, fe( 3 te nad) einanber 1801 unb 1803 gmei @efe(se burd), bie beibe ben ©eift ber £eit athmeten, in meldjer fie erlaffen mürben. 3m 3aljr 1805 trat eine neue Serän= berung ein unb San ber Salm gog fid) non ben öffentlidjen ©efdjaften gurüd. ©aS Ipaupt ber 9?efoubIif, ber 9iatl)Spenfionär (9faabpenfionariS) ©djimmelpen* nind, Ijob baS Slinifterium beS 3nnern auf unb ernannte einen ©taatSfecretär für biefe Slbtbjeilung, meldjem er ben öffentlidjen Unterrid)t übertrug, fjiir ben befonberen ©efdjäftSlreiS beS SotfSfdjulmefenS mürbe £. San ber (Enbe, ber fd)oit 1801 eine äljn= Iid)e ©teile befleibete, bem Stinifter an bie ©eite gegeben. §. San ber (Enbe Derooü= tommnete unb ergängte baS Don §. San ber Sahn begonnene 28erf unb blieb bis 1833 an ber ©pi(je beS SolfSfthulmefenS. 9Jian oerbanft il)m bie SluSarbeitung beS @e= fegeS, meldjeS ben 19. 9?ouember 1805 ber Kammer ber SIbgeorbneten ber bataoifdjen SHepubld Dorgelegt, ben 25. 1806 angenommen unb am 3. Slpril beSfelben 3aljre8 bom 9?athSpenfionar als ©taatSgefetj oerfünbigt mürbe, fammt ben allgemeinen Ser= orbnungen, gu meld)en bie Regierung ermäd)tigt mürbe unb meldje man auf biefe SBeife bem @efe( 3 e felbft einoerleibte, „©iefem SoltSfd)ulgefet3, fagt fperr (Eoufin, lagen fo meife Slnfidjten gu ©runbe, eS geigte in allen feinen ®l) e H en e l nen f° fd)önen 3 u fant= menhang unb eine foldje Harmonie mit bem ©eifte beS SaubeS, eS tonnte oermöge ber SWgemeinljeit feiner St'iucipien fo leid)t ben Sebürfniffen ber oerfdjiebenften S r °bingen angepaßt merben, baff eS bis auf nufere ©age opne gemicptige Slbänberuitgen unb Durch brei große ©taatSummälgungen Ijinburd) fortbeftanDen I;at. SllS bie Regierung im 3aljr 1829, ben belgifdjen liberalen gu Ueb, ein neues allgemeines ©efeh einbradjte, morin baS oon 1806 bellagenSmertlje Slbänberuugen erlitt, miberfeljten fid) bie Kammern, unb bie Regierung mar genötigt, il)ren (Eutmurf gurüdgugiehen.“ ©aS @efe (5 ooit 1806 ift ein IjalfeeS Sahrtjunbert lang in Kraft geblieben unb jebermann giebt gu, baß eS Dortrefflid) geroirtt l) at - ®er in ben Seftimmungen ber Slrtilel 22 unb 23 ber Serorbuungen Seilage A lagen bie Keime gu einem ©türm öerbovgeu, ber fidj h eute crft faum gelegt unb, mie mir eben angebeutet haben, gu einem neuen ©efelge Seranlaffung gegeben hat. ®ie grage ift gu mid)tig, als baß mir uns beguügen fönnten nur il)re gefe^lidje Söfung angugebcn. „SIrt. 22 ber Serorbnung A. ©er Unterridjt foH fo eingerichtet merben, baß fich mit ber Slneignung ber geeigneten nü^lidjen Kenntniffe gugleidj bie geiftigen fjäljig' leiten entmideln, unb bie 3ö8l* n 3 c gurUebung aller gejeHigeit unb d)riftlid)en ©ugenben Oorbereitet merben. — Slrt. 23. ®S merben Slaßregeln getroffen merben, Damit bie III. 36 562 -fiotlanb. ©djüler niofjt ohne Unterricht in bem SDogma beSjenigen reltgiöfen 33efenntnifjeS Meißen,, bem fte angeboren, gür biefen SEheil.beS UnterridjtS wirb jebod) ber Seljrer nicht p forgen haben." SDiefe Slrtifet üerfiinbigten baS ißrincip ber Weltlichen unb gemifdjten ©dfute; unb anfangs Ratten bie @eiftlid)en ber oerfdßebenen 33efenntniffe I'eineSWegS bie Slbfidft, es 31 t befämßfen; fie oerfprad)en ber ^Regierung bereitwillig ihre SRitwirfitng; felbft bie Stattwlifen jeigten ftd; ßierin willfährig, wenn man nad; ben SBorteit beS 3Ird)ibia= fonuS Oon grieSlanb urteilen barf: „®amit Sintradß, greunbfdpft unb Siebe jinifcljen ben oerfdjiebenen retigiofen ©emeinfdfaften I;errfd)e, ift eS meiner Slnfidjt nad) noth= »enbig, baß bie Sefyrer feinen Unterricht in bem 3)ogma ber üerfdßebenen 33efenntniffe ertheiten. Um baS Ijeilfame 3iet, welches bie Regierung ftch öorfefct unb für roetcheS fie unfere nachbrüdliche äliitmirfung forbert, 3 n erreidfen, muß man bei ben Äinbern anfangen, nnb obgleich unfere ffiirdje ben Unterridft im SDognia uuS üorfd;reibt, fo Werben biefe 33erorbnungen einer Regierung, »eiche fo großen ÜEBertl) auf baS SEBehl ber Sugenb legt, bod) nur bie golge haben, unfern ^Pflichteifer 3 u erhöhen." SJfan faßte bamalS in §oUanb baS SBerhältniS 3 »ifd;en Äirche unb ©djute ganj anberS auf als 3 . 33. in Preußen. 33an ber Snbe fagte 3 U tp. Soufin: „®ie sßolfSfdjülen fallen aHerbingS djriftlid; fein, aber »eher fmoteftantifd), nod; fatholifdj; fie fotten feinem befonberen SultuS angehören unb fein pofitioeS SDogma lehren. — Äeine befonbere fatholifdje, unb feine befoubere proteftantifdje ©dntlen! Sine 33oIf$« fd)nle ift gan 3 unb gar für baS 3$olf. — SDutbfamfeit ift übrigens feineSwegS ©teioHaub, too chriftlicher ©eift fehr oerbreitet ift unb »0 hoch feit 3ahi'hunberten eine große SDuIbfamfeit 3 »ifd)en ben oerfchiebenen Äirdjen befteht." tp. ifirinfen aus fkarlem fügte noch ht n 3 u: „@ 8 giebt f D 8 ar fßer * n bem Sehrerfeminar feinen befonbern Unterridß in ber äRoral. 3enen fiirdjen I)errfd;e unb bod) auS biefen »eltlid)en ©dplen retigiöfe unb fittlidje 9Renfd)en h eroor ö e h en . SBirfte baS hollänbifdfe Phlegma mit ein? ©oHte fierb ber Srreligiofität nnb ber Un= fittlid)feit barftellten; fie oerlangten um feben ißreid ©ectenfd)ulen, einen pofitioen 9leligiondunterrid)t. — Die SDW)rbeit ber Kammern fprad) fid) für bie ©rünbung oon epclufioen ©djulen burd) fßrioatperfonen aud, weil ja bie SSerfaffung Unterrid)tdfreil)eit geinähre; fie behauptete aber, baff bie 2Had)t ber SSer^ältniffe unb bie chniftliche ©efinnung ber gangen Nation bem Unterrid)t eine chrifttidje 9?id)tung geben unb baß er feinem äBefen nad) d)riftlid) fein Werbe, baß jebod> bad ©efeb foldjed nid)t, oorfdjreiben fönne (Saoelepe, ©. 10 ff.). 3n ben 3ieil)en biefer bebeutenben graction toaren bie ftatfyo= Wen, welche lieber ben 9Migiondunterrid)t gang aud ber ©d)ule oerbannt, ald ihm eine mehr ober weniger proteftantifd)e Färbung geben feljen Wollten; bann bie Sil'eralen, weldje eine ooüftänbige Drennung oon Äirdfe unb ©taat Wollen; enblid) bie Diffibenten jeber 21rt, SJlennoniten, Sutl)eraner, Suben unb fetbft eine gewiße 3lngal)l ortfjoboycr ffteforuiirter, weldje fich in biefem ißunct oon ben eifrigen 9lnl)ängern ber l;errfd;enben Sirdje trennten; bie 2lnfid;t biefer letzteren oerbient erwähnt gu Werben, weil fie mit 23eftrebungen gufammenl)ängt, beren gange SBidjtigfeit erft bie 3 u * un ft aufbeden wirb. 2Bir laffen ben §errn oon Saoelepe fpred)en: „Silan fennt bie großen fritifdjen Arbeiten ber beuifd)en Geologie über bie l)ifto= rifdfe ober mpthifdje ©eite ber (Eoangelien. Die bebeutenbften UBerfe ber audlänbifdjen Siteraturen Werben je(5t ind (pollänbifd)e überfefjt unb überbied oerfte^en faft ade @e= lehrte in ben Slieberlanben beutfd). Diefer Umftanb, in 33erbinbung mit ber ®emein= fdjaft bed religiöfen SBefenntniffed, but bewirft, baß bie ratienaliftifd)en 23eftrebungen ber beutfdjen SBiffenfdjaft einen ftarfen (Einfluß auf bie botlänbifdje Geologie audgeübt haben; er ift fo groß gewefen, baß er ber ortlfoboyen @eiftlid)feit bie größte 23eforgnid eingeflößt l;at, ald fie mit ©Freden mehrere ber Ipauptfangeln bed Sanbed mit @eift= liehen befc^t fab, beren Unterridjt eine mehr ober Weniger audgefptod)ene focinianifdje 9Üd)tung butte, ©ewiß ift, baß bie Slnfidjt, weld)e 3efud ald ein 2Befen betrautet, bad über bem Sllenfdjcn, aber unter ©ott ftebt, fyortfd>ritte in §otlanb gemalt nnb baß fie auf ber Unioerfität ©röningen einen überwiegenben (Einfluß erlangt l)ut. Diefe halb unitarifd)e, halb rationaliftifdje (Denbeng führt bahin, baß man mehr bie moralifdje ©eite unb bie cioilifirenbe Äraft bed &briftentl)umd ind Singe faßt, ald fein (Dogma unb feine erlö= fenbe 9J?ad)t. 9Jian Wirb in (Sbriftud wehr bad oollfommene Urbilb feben, nad) bem fid; bie 99cenfd)l)eit bilben fott, ald ben ÜJfeffiaÖ, ber für bad §eil ber 2lnderWäl)lten am Äreuge geftorben ift. fpieraud folgt, baß man, wenn ed fid) um ben 9Jeligiondun= terrid)t in ber ©d)ule punbelt, bad (Dogma gerne ben ®eiftlid)en überlaffen Wirb, aber baß man ein großed @ewid)t barauf legen muß, bem Selber ben Unterrid)t in ber d)riftlid)en SRoral gu erhalten." (Einige ©emäßigte fpradjen eine britte SKeinung aud; treu ben SBerorbnungen üon 1806, wollten fie bem Unterrid)t bie pflege ber focialen unb djriftlidjen Dugenben gur ©rmtolage geben unb auf biefe SBeife geigen, baß bad religiöfe (Element nid)t oon ber ©d)itle audgejd)loffen fei. Slber ba bad Sltinifterium ni^t auf biefe 9lnfid)t eingieng, traten fie in bad Säger ber Siberalen über, um bie ©roeniften nid)t gu oerftarlen. 5D?el)rere ©efe^edentwiirfe würben ben Äamtnern nad) einanber überreicht» ohne baß man gu einem 3' e t gelangte. Sßiermal ini Sauf oon 7 3abren würbe bad 2)iini= fterium geftürgt, unb Wäbrenb biefer £eit bearbeitete bie ©roeniftifdje SUinberbeit bad 564 •fjoffanb. Santo burdj Srodjfiren, burd) 3eitun^Sartifet, unb burd) bie Drganifation non Petitionen, ©ie überzeugte enblid) ben Äonig, baß bie Nation jebem ©efetjeSenttourf abgeneigt fei, burd) ben bie Bffentlidjen ©d;ulen für at^eiftifdj erfiärt toürben; übrigen« ein ungereimter SSormurf, ba bie noUftänbige ^Trennung non Äirdje unb Staat feine«toeg« eine fhftema= tifdje Dppofition gegen bie ©eiftlidjleit in fid) fd)tießt; im @egentl)eil, obgteidj ber ©efefceöentwurf be« SDiinifterium« SS an eenen, gegen roetd^en bie ©roeniften haupt» fädjlid) anfämpften, fo »eit gieng, baß man fogar ben SRamen Kbriftentlfum nidjt au«= fpred)en fotte, fo »ar e« bod) im ©runb in einem aufrichtig d)riftlid)en ©inn abge= faßt unb »eit non feber ©leidjgfiltigfeit entfernt. 9?icht8befto»eniger fe^te e« bie 2Jtin= bereit beim Äünig burd), baß er bie Seftätigung nerfagte, unb ihre« ©tege« gewiß, begrüßte fie triumphtirenb ben gintritt ber fperrn SSan ber Sruggen unb SSan Sftapparb, »eld;e Slnhänger ihre« ©pftern« »aren, in ba« ÜDtiuifterium. Snbeffen mäßigte bie nähere 33efanntfd)aft mit ben ©taat«gefd)äften in turjer 3eit ben 6ifer ber neuen SDiinifter. ©ie erfannten halb, baß ber ©runbfats ber gemifdjten @d)ute, »ie er im 3al)r 1806 nerfünbigt »urbe, fd)on ju tief in bie ©itten ber Nation einge= brungen fei, al« baß man baran benfen tönnte, ißn »ieber §u entwurzeln, unb fie legten nun einen efleftifchen @efehe«ent»urf nor, Cer ben ©roeniften mißfiel unb bie Sißeralen nid>t befriebigte. ®ie 33eratl)ung »urbe am 29. 3uni 1857 in ber ^weiten Äammer eröffnet; eine benfmürbige Serathung, »eldje in ber 9fetigion«gefd)id)te §ol= lanb« einen ber inteveffanteften Slbfdjnitte bilben »irb. (tp. o. Saöelepe hot fie mit »irt= tigern latent in bem ermähnten 2ßerf »iebergegeben.) 2Bir tonnen h» r nur ben 33e= fd)luß mittheilen. 2Ba« »ir oben non ba- ©teHung ber Parteien gefagt hoben, mag l;inreid)en, um fid) einen SSegrtff ju mad)en oon ben öerfd)iebenen Slnfidjten, bie in ben ®ebatten herbortraten. G« ift babei fel;r aufgefaflen, um bie« nebenher ju bewerten, baß bie ©prad)e ber Äatljolifen in biefeit SSerhonblungen beinahe immer einen coflftänbigen ©egenfah mit ben 3lnfid)ten ihrer @lauben«genoffen in nidßproteftantifchen Sänbern bilbeten (f. b. Slrt. ^Belgien). ®er Slrt. 22 be« ®ut»urf« (im ©efeh ber 23) »urbe iitbeffen mit 45 gegen 20 ©timmen angenommen, ber letztere §. unterbrüdt; bie ge= mäßigte liberale Partei hotte gefiegt. ®iefer Slrtifel lautet fo: „®er 9Sol!«unterrid)t foß, inbem er bie noth»enbigen Äenntniffe mittheilt, jugleid; ben 93erftanb ber Ä'inber entmideln unb fie zur SluSübung aßer c^riftlic^en unb focialen ®ugenben oorbereiten." „®er Sehrer enthält fid) etwa« ju lehren, ju thun ober erlauben, »a« gegen bie ben religiöfen lleberjeugungen ber ®iffibenten fdjulbige 2ld)tung ift." „®er 9ieligion«unterrid;t »irb ben »erfdjiebenen 33efenntniffen überlaffen. ®ie ©d)ullocale tonnen $u biefem 3^^ ben 3öglingen, »etd;e fie befudjen, außerhalb ber ßlaffenjeit jur Verfügung gefteßt »erben." ®er mit 60 gegen 2 ©timmen aufgehobene §. betraf bie facultatioe Trennung (facultatioe fpßtfing), »eld)e bie SDiehrljeit nie unc um feinen Prei« gewoßt hotte. ®r »ar fo abgefaßt,* „®a »0 bie itinber, »egen religiöfer S3ebenfen ber Gltern, bie ©d)ule nidftt be= fud;en, barf man, Wenn ihre 33efd)toertoen nad) forgfättiger Unterfudjuug nid)t befeitigt »erben tonnen unb bie ©ad)e überhaupt möglich ift, eine getrennte ©djule erridjten, »eld;e, fo »eit e« nöthig ift, eine @taat«unterftiit 3 ung erhalten »irb. ®iefe Unterftügung »irb Curd) ein @efe(3 oermißigt." 3n ber erften Kammer »ar bie SSefpredjung ruhiger; bie Dppofition unterlag. 9lm 13.2lu= guft »urbe ba« ©efefc oerfünbigt, um mit Slnfang be« 3ahre« 1858 in 33oßjiehung ju treten. ©0 finb alfo, im @egenfa(5 ju bem in ®eutfd)lanb unb in ber ©d)»eiz angenom= menen princip, fiirche unb @d;ule felbft im ©ebiet be« 3Solf«unterrid)t« getrennt. S3i«her hat man fogar in Belgien nidß gewagt, eine foldje Söfung borjufd)lagen;*) in grantfurt *) ®ie ©tabt Siittiib, ber Protoincialratb biefer Sßrctoinj, »ie ber Don Stnttoerpen, haben Cor furjem ben SBunfch auägefprocben, baß ba« ®efe^ oon 1849 aufgehoben itnb burch ein anbere« im ©inn ber bößigen Trennung ber Ä'irche bom ©taat erfe^t »erbe. (3uß 1861 .) ^ottoitb. 565 ljatte man fie 1849 für unausführbar ertlärt, unb jperrn ©uijot gelang eS and) nicht, in $ariS baS (Stiftern ber mettlicf)en ©djttle burdjjufehen. ®ie gentifd)te ©d)ule befte^t in 3rlaub; fie bilbet in finglanb bie 9IußnaI)me, aber eS bereitet fid) eine Semcgung 3 U ih^en ©itnßen üor. ®ie Vermeltlid)ung ber h^Hänbifc^en ©dfule ift inbeffen burd) mehrere Urfadjen erteidjtert morben: bie Vielerleil)eit ber ©ecten, ben fiharafter ber 3306 = tifdjen Parteien (bie nieberlänbifd)en fionferoatiocn mären anbermärtS, mcnn man an bie Vergangenheit bentt, bie fie jurüdmünfdjen, 'jßrogrefßften unb Slabifale), ben catoi= nifiifdjen ©eift, meldjer ber inbiöibtteden Unabhängigfeit günftig ift, ben Liberalismus ber Äatholifen, eine bei ihnen ungemohnte ®rfd)einung, bie fid) aber burd) bie ®h at= fache erfiärt, baff fie Ißer in ber SOtinberheit finb; enblid) müßen mir mit tp. n. Laöe= Iche nod) hi n 3 u fügen, baff tpodanb im Vergleich mit anbern Länbern eine nerl)ältniS= mäßig fehr große 9InjahI aufgeflärter unb ju ©taatSgefdjäften tiidßiger ÜRänner befiijt; bie mofdhabenben filaßen juchen ihre filjre nicht im Müßiggang. ®al)er finb bie &am= mernerhanblungen oft bebeutenb unb merben bie fchmierigen gragen bon SDtännern, bie lange unb tiefe ©tubien über bie ©itten unb Vebitrfniffe ber Nation gemacht haben, grünblid) berhanbelt. ®ie ©efehgeber bon 1857 haben fid) nod) mit berfdjiebenen anbern mid)tigen ijSuncten befcßäftigt. ©eit mehreren fahren hat man eine Verminberung in ber 3alß ber ©d)ilier mahrgenommen. ®iefe ®h a tfad)e mußte natiirtid) 9Iufmerffamfeit erregen in einem Lanbe, mo faft ade Sinber bie ©taatSfdjulen befud)en, mäljrenb fte anber» toärtS, mie 3 . V. in ^Belgien, einfach bem Umftanb jugefdjrieben merben fönnte, baß bie Sinber bie ©taatSfd)ufen berlaffen, um in bie freien ©d)ulen einjutrcten, maS täg= dch borfomnit. SDtan mar betroffen, als man bie UnterridjtSfreiheit in eine greiheit ber Unmiffenljeit auSarten fah, unb einige ülbgeorbnete berfudjten beSmegen ben in ber Verfaffung auSgefprodjenen @runbfa (3 mit bem ©djuljmang ju bereinigen. 3h« Lo= fung mar: 3 lüan 9 unb Unentgeltlidjfeit; fo moden eS aud) einige belgifd)e ^ubliciften, toeld)e angefidjtS ber gfeid)en ©d)mierigfeiten feit 1857 biefelbe Lefuitg in ihrem Lanbe herbeijuführen fuchen. 9lber bie tmßänbifdjen SIbgeorbneten erreichten il;r 3 ^ nid)t. ®er 2lrt. 33 beS ©efejtcS fagt bloß: „®ie ©emeinbebehörbeit merben adeS üftögliche thun, um arme unb Unterftü(jung genießenbe filtern ju berntögen, baß ße it)re&inber in bie ©d)ule fchiden." SDteh«« große ©täbte, unter anbern fRotterbam, haben ben ©djulbefud) ber Äinber jur Vebingung für Unterftü( 3 ung an bie filtern gemadjt (Labe= letje ©. 79). ®ie anbern bemäntelten ‘ißuncte merben mir bei ber furjett ®arlegung beS ©efe^eS bon 1857, bie mir nun geben moden, am geeigneten Drt begeic^nen. a) ®ie VoIfSfd)ulen finb öffentliche ober ißribatfchulen (31rt. 3). 3 U b™ Aftern gehören biejenigen, meld)e bon ©emeinbeu, iprobinjen unb ©taat, eingeln ober jufam» men (gejamenlijf) unterhalten merben; bie )ßribatfdjulen fönnen im 9lotl)fad boit ben ^robinsen unb ©emeinben unterftü( 3 t merben; aber bann müßcn fie ben Ambern auS aden fionfeffionen offen ftel)en. — 3n jeber ©emeinbe (9lrt. 6 ) muß eine ber Vebölferung unb ben Vebürfniffen entfpredjenbe Slngahl ©chulen fein. ®ie ©emeinbe hat bie 3alß ber nothmenbigen ©djulen ju beftinnnen (SIrt. 17); aber bie ißrobincialftänbe (ge= beputeerbe ©taten) unb bie Regierung haben baS3fed)t, ihre 3 “^ gu bermel)ren, menn fte eS für notfjmenbig erachten. ®iefe Seftimnumgen bieten, mie man fleht, eine größere ©idjerljeit bar als baS belgifdje ©efefj. ©ie ftnb aber meniger genau in 33e= giehung auf baS ben armen Äinbern eingeräumte 9led)t, bie ©djulen unentgeltlich ju befud)en (Slrt 33). — fiinen 33emeiS, mie lebhaft bie hoOänbifdje ©efefjgebung baS Sntereffc für ben Unterricht befd)äftigt, liefert ber 9lrt. 18. fir forbert, baß fo oft * ber Lehrer mehr als 70 ©djüler in ber fitaffe hat, er bon einem SIfpiranten (Ämee= f el ' n 9r Saling) unterftütjt merbe; fo heißt man bie jungen Leute, meldje nod) fein gäl)igfeitS 3 eugniS befi( 3 en (b. h- bie sünftedungSprüfung nod) nicht gemad)t h a ^en), meldje aber, bis ße baS erforberlid)e Sllter erlangt haben (18 3al)re für baS ®iplom eines Unterlehrers, 23 für baS eines ©d)uIlel)rerS SIrt. 43), ermächtigt finb, gemiße 566 §oltanb. ©efdjäfte für Anfänger, bie man in Sßelgtett „©econbantS" nennt, ju berfet)en. (Steigt bie ©djülerjahl über 100, fo erhält ber ©djulmeifter einen Unterleiber; einen Unterleiber fommt einem SIfpiranten aber, lnenn bie 3al)t ber Spüler 150 überfteigt; non hier an tomrnt überhaupt auf je 50 weitere ©d)üler ein Lehrget)ütfe unb auf je 100 nod) ein Unterleder. ®aS ißrogramm ber Unterrid)tSgegenftänbe ift and) noKftanbiger als in Belgien. 9Jtan ttjeilt ben Unterricht in ben 23olfSfd)uIen ein in ben gewBI)nIid)en unb in ben gehobenen. ©er le^tere muß überall ertljeilt Werben, Wo eS möglid) ift unb wo feine ginführuitg als nix^lid) erfannt wirb (Slrt 16). ©er gewöhnliche Unterridjt muß umfaffen: 1) Lefen, 2) ©^reiben, 3) 9fedjnen, 4) bie glemente ber ©cometrie, 5) bie ber ^oöänbifd)En ©pradje, 6) ber @eograpt)ie, 7) ber ®efd)id)te, 8) ber 9Jaturwiffenfd)aften, 9) ©ingen. ©er f)5d rc Unterricht fdjlie^t in fufj: 1) einen gnrfuS über bie glemente lebenber ©praßen, 2) bie glementarmathematif, 3) bie SlnfaugSgriince beS SlderbauS, 4) ©urnen, 5) geidjnen, 6) für bie 9Jtäbd)en .jpaubarbeiteit. — ©er Lehrer wirb (Slrt. 22) non bem ©emeinberath ernannt, aus 3 bis G Bewerbern, welche baS gollegtum ber Sürgermeifter unb ©d)öffen, in Ueber= einftimmung mit bem SBejirfSinfpector, nad) einer nergleidjenben Prüfung ber Ganbi= baten norfdjlägt. b) ®ie Stuffidjt war burd) baS ©efeß non 1806 fo tüdjtig unb fo berftänbig eingerichtet Worben, baff £>. Gouftn in feiner ^Begeiferung für biefe fütjne ©hat, bie nidjt einmal ben franjöfifdjeit ©efehgebern in ben ©inn gefommen war, ol)ne Uebertreibung dt auSrufen tonnen: „®aS ift bie redete Leitung beS ißolfSunterrichteS, unb ihre mel;r ober weniger funftooll beredjnete Drganifation ift in meinen Singen bie Lebensfrage für bie SBolfSergiefmng." ®a8 neue @efej3 l;at bie örtlidjen Gommif= fionen beibehalten (Slrt. 53), Weldje in ^Belgien abgefd)afft worben finb; bis auf biefen $unct ift bie gegenwärtige ginriditung ber @chulauffid)t ungefähr biefelbe in beiben Länbern; eS giebt (auf 6 3al;re ernannt) 33egirtS= unb ißrobindalinfpectoren, Welche jäf)rlid) jufammentreten (2lrt 57 u. Slrt. 17 beS 33elg. @ef., f. b. Slrt. Belgien). SJtan tonnte fid) biefeid)t beiberfeitS über ben fDtangel an einem ©eneralinfpector bettagen, wenn man erwägt, baf bei bem unaufl)örlid)en 3ßed)fel, bem baS SJUnifterium auS» gefegt ift, biefer Seamte allein 3ufammenhang in bie ju treffenben SInorbnungen bringen tonnte. (Einen fold)eit ©djlufftein Ratten wirflid) bie ginrid)tungen bon 1806, beren Wefentlidjer gharafter gerabe in ber feften hierarchifdjeu ©lieberung ber ©d)ulbel)örben beftanb. gS ift taum nötljig ju bemerfeu, baf bon einer geiftUd)en ©d)ulauffid)t in £>oHanb nicht bie Siebe fein fann. c) ©aS @efe(3 bon 1857 hat Weber bie Lehrerconferenjen georbnet, nodj bie Sehrerfeminare nad) einem eint)eitlid)en ißlan eingerichtet. Slber eS ^aben fich unter bem ginfluf ber 3nfpectoren, weldje nteiftenS einen lobenSWertben gifer an ben ©ag legen, jahlreidje Lehrerbereine gebilbet (man jaulte beren 249 im 3al)r 1858 mit 3544 SJcitgtiebern), mit bem hoppelten g^wet, ihren SJUtgliebern bie SDiittet jur SorU bilbung jit berfdjaffen, unb bie heften Lehrmetl)oben ju berbreiten. — 3n ben Slrnten* fdjulen wählt man unter ben beften ©d)ülern LehramtSjöglinge auS .unb wibmet ihnen befonbereSorgfalt. — ©ie Äenntniffe, welche geforbert Werben, um ein gähigfeitSäeug» niS ju betontmeu, umfaffen (Slrt. 44, 45, 46) nicht allein bie ©egenftänbe beS geWöl)n= lidjen ©d)ulunterrid)tS in größerem Umfange unb mit rationeller Sluffaffung unb 33e= grüubung, fonbern aud) fßäbagogi! unb SOJethobif; auferbent wirb bedangt, baf ber Lel)rer wie bie Lehrerin fid) mit Leid)tigteit unb in gebilbeter §wrm fowohl münbltd) als fdjriftlid) anSbriicEen fönnen. beinahe alle Vereine haben in ber lebten £eit mit einanber geWetteifert, um ben neuen Slnforberungen beS ©efetjeS in würbiger Sßeife ju entfpredjen. Sin mehreren Drten berfehen fie bie uuentgelttidjen ©djulen mit SIfpiran= ten als Lehrgeljülfen. -DleiftenS liefern bie ©emeinben hteju ^Beiträge; mandjmal aud) bie ißrobiucialftänbe wie in Utredjt unb SlnterSfoort. 55or allein ift aber baS tönigl. Lehrer* feminar in $aarlem ju erwähnen, wo ^ögtinge aus allen ©heilen 1)28 Äönigreid)S auf bie •flottanb. 567 SBeridjte ber Snfpectoren l)in jugelaffen Werben. 9lad) einer breintonatlid)en ‘^ßroBcjeit fmbet auf ben 23erid)t bed Tirectord bie befinitioe Slufnafyme ftatt. Gd Würbe burd) IBnigl. Gntfd)Iießung oorn 31. SDlai 1816 gegriinbet unb unter bie Leitung bed fßrinfen, eined fiod) berbienten fßäbagogen, geftetlt. 10 ganje Qireiftellen bon 250 fl. unb 14 Ijalfee bon 125 fl. ialjrlid) auf bie ganje Tauer ihrer ©tubien (4 3ahre) würben für diejenigen Zöglinge audgefefjt, welche nad) bent Tiplom erften ©rabed ftreben. Tie £aarlemer ©dfule ift ein Gyternat, fonft gleicht iljre Ginrid)titng ben preußifd)en ©e= minarien. ©ie foftet ben ©taat aHed in adern 10,000 fl. jätjrlid) für 40 ßßglinge. Slußer bem tpeoretifd)en Unterridjt finben nod) praltifdje Hebungen ftatt; bie 3ögbinge geben in bie ftäbtifdjen ©djulen, um fid) and llnterridjten ju gewöhnen. Tie Tidci= plin ift fet>r einfad): ed beftel)en nur wenige fpecielle 33orfd)riften, unb man b a * ßollänber in Slnfcflag bringen. Sieben bem fj. ^ßrinfen finb nod) einige Scanner ju nennen, tneld)e jur 23lüte biefer Slnftalt beigetragen Rädert: bie §erren 33an Tapperen, ehemaliger 3®gting fßeflalojji’d, ^olman unb 33. ©djreuber, alle riibmlid) belannt burd) ihre ©cf)ulbüd)er unb burd) ben Ginfluß, ben fie auf ben Qortfdjritt ber 2Jietl)obe in ben 33olldfd)ulen gehabt haben. Tad Unterridjtdfpftem ber ©djullebrerfeminare wirb übrigend nun »eröollftänbigt toerben; ein erft neulid) erlaffe» ned Teeret fdjafft 3 große ÜHormalfdjulen (©eminare), nnb 22 Uebungdfdjulen, toeldje Ie( 5 tere eine jäl)rlid)e Totation bon 3000 fl. betommen follen. — Tie ©efeüfdjaft Jot nut bau ’talgetneeu h<*t ben Lehrern unb Slfpiranten ebenfaüd große Tienfte geleiftet burd) bie SSeroffentlidjung einer guten 2ludwal)l bott |)anbbüd)ern unb atlge= meiner toie fpecießer ?et)rbüd)er. üftad) il)ren SBüdjerOerjeichniffen jit urtbjeilen, legt fie ein großed @ewid)t auf bie päbagogifd)en SBerfe Teuffd)lanbd.— Tad oben angeführte SBerf bon f)3. Ä. ©örlih enthalt über bie befprodfenen Qragen intereffante Ginjelljeiten unb fehr berftanbige Slnfidjten. d) 9lld Slufmunterungd mittel führen toir nur an bie SSertoiBfigung bon @e= fd)enfen (©ratificationen) unb bie jährliche 33ertheilung bon fitbernen Tenlmünjen an bie eifrigften ?el)rer. B. ©tatiftil. 9?ad) £>. 33laitpot Ten Gate müßte man bie 3 a ^ ber Ätnber, Welche 1855 ohne Unterricht blieben, auf 38,000 rechnen, wäljrenb fie 1852 nur 21,000 betrug. Tad 33erl)Ältnid bon 107 ©d)ütern auf 1000 Gintoohner ift übrigend in ^Belgien wie in IpoHanb bad gleiche; bie erhaltenen fftefultate finb, nad) bem Unterricht bei ber Sanbroeljr ju urtt)eilen, für bad ledere Königreich günftiger. Slber bie Tf)atfad)e, baß fiel) ber ©d)ulbefud) feit einigen Saljren oerminbert h“h fleht nid)tdbeftoWeniger feft, Wad alle biejenigen in Grftaunen fefjen muß, welche bie feit 1806 gemad)ten Qort= fdjritte lennen. Ter leiste 33erid)t bed £>. ban Tetd, SDlinifter bed Snnern, erflärt biefe Abnahme mit bem gleid)jeitig fteigenben fHitf ber lßribatfd)ulen nad) 1848. ©eit man biefen aufd neue bie ©taatdfdjulen entfd)ieben borjieht, fd)eint man überhaupt Wieber mel)r Söerth auf bie Grjiel)ung ber Äinber ju legen; ed ift ein glücElidjer Umfd)lag eingetreten unb eine 3unal)me öon 1 °/° burd) bie 33ergteid)itng ber 3*ff e,;n 0on 1857 unb 1850 nachgewiefen Worben. a) SDlan jäljlte in bem ÄBnigreid) (ohne bie Golonien unb bad §erjogthum i ! uyem= bürg) im Jahr 1857: 3422 33olfdfd)ulen, Worunter 2478 öffentliche, 278 s f5ribatfd)ulen erfter unb 666 jweiter Glaffe. Tie folgenbe Tabelle Wirb alle wünfd)endwertl)e 2ln= gaben enthalten. 2Bir bemerlen, baß bie SeoBIferung bed Königreichs am 1. Januar 1857 fid) auf 3,298,317 ©eelen belief. 568 .giottanb. $rovingen. Deffent- licfye ©djulen. $r(uat* frfjutcn 1. <51. Sßrtvat« fdjulcn 2. t auf 317,618 Ijerabgefunfen, nämlidj: 158,721 Änaben unb 158,897 SJtäbdjen. Unter biefen ©dfülern finb foWohl biefenigen, welche bie £ag= unb 91t>enbfrf)ulen (24,868 am 15. Sanuar, unb jwar 18,070 Änaben unb 6798 äftäbcfjen) als aud) biejenigen aufgejählt, Welche nur bie Slbenblectionen befudjen (27,272 am 15. San., worunter 19,749 Änaben unb 7523 Sftäbdfen). 3m Sßinter »erhält fid) bie ©chiilerjahl jur ganjen Vecölferung ungefähr Wie 1:8, im ©ommer wie 1:10. $u ben iprioatfdjulen 1. ßtaffe gehören: bie ®iafoniefie ©djulen ber 2. (Eiaffe fallen gewöhnlid) unter bie le^te Kategorie. 3u biefer Sifte tommen nod) 784 2Bartefd)ulen (Äleinfinberfdjulen); bie ju gwoHe ift feit langer $eit berühmt; 152 fperhalingfdjolen b. h- 2BieberhelungSfd)ulen; fie finb für Srwadffene beftimmt, unb foHen bem fo häufigen Umfidjgreifen ber Un= wiffenljeit in bem 2Uter borbeugen, Wo man bie gewöhnlichen ©djulen oerlafft; eben= falls eine ©djöpfung ber ©efetlfdfaft: Slot nut ban ’talgemeen. 118 ©onntagSfdmlen, 71 Snbuftriefdiulen für bie $anbmerfer; 127 ©chulen für ben VolfSgefang unb 23 ©djulen für ©tymnaftif; enblid) 35 ^ßenfionate unb 286 fpalbpenfionate (171 für finaben, unb 115 für SJtäbdjen**). b) ÜDaS Sehrperfonal beftanb 1857 aus 6480 Sef)rern jeber 3lrt unb 911 Sehrerinnen; jufammeu: 7391. ®aS Verhältnis ber Sehrer ju ben ©djülern war am 15. San. 1:55, am 15. Suli 1:47. 3)aS neue @efe (3 ljat fiotlanb afofoel= *) Sie 3336 nur bie Hälfte bejahteuben ©dfüler ftnb hier nicht in Stechnung gebracht. **) Unter ben SJläbthenhenftonaten führen wir beifhielswetfe auf baS ju Sßoorfchoten bet Sehben, unter ber iprotectur ber ÄBitigin ©ohhie, bas ju §aatlem unb ba« fehon lange befle^enbe in SEBageningett unb bewerten noch als @igenthümlier ©taat hat fie 1857 mit 156,000 fl. unterftüfct. ®ieS ift aud) einer ber ißuncte, bie gu lebhaften Erörterungen in ber Kammer Oon 1857 Veranlaffung gegeben hoben. — ®iefe Einrichtung fegt aflerbingS ben örtlichen Verwaltungen fehr fdjwere haften auf; boch fönnen fie baS ©efe§ bis auf einen gewißen ®rab umgehen, ba eS ihnen (Slrt. 3, §.3.) geftattet ift, ißrioatfdjulen gu unterftütsen. Söian fann beSl;alb fagen, bie @efal;r fei nicht fo groß, als eS auf ben erften Slnblicf fdjeint; gubem erflärt ber 2lrt. 36 beö ©efe^eS, baß wenn bie Regierung nad) Vernehmung ber ftänbigen 2luSfd)üffe unb ber ißrooincialftänbe gu ber Uebergeugung gefommeit fei, eine ©emeinbe mäße fid), um ihre ©d)ulen in geeigneter SBeife eingurid)ten, gu große Opfer auflegen, ber ©taat unb bie ißroüing mit einer Veifteuer 51 t gleichen ®h e ^ en ' nS SWittet treten werbe. 2lber etwas mißführlidjeS liegt bod) in biefen Veftimmungen, bie inbeffen, Wie £>. 0 . Saüeletje be= merft, baS Oute hoben, baß fie bie Verpflichtung beftimmt auSfpredfen, wäpvenb in Velgien ©emeinbe unb ©taat biefelbe einanber gegenfeitig gufd)ieben. ®enn Wenn hier bie ©emeinbe bie gufafsfteuer, weldje fie gcfetjlid) für ihre ©djulen umlegen barf, eingegogen h«t, erflärt fie manchmal, aud) wenn fie reid) ift, fie höbe bamit alle ipve Obliegenheiten erfüfit, unb im übrigen müße ber ©taat eintreten; wäljrenb bod) ber gefunbe ÜJienfchenoerftanb forbert, baß ber ©taat nur bann beigufteuern höbe, wenn bie ©emeinbemittel nicht gureid)en. 9lber biefer natürlidjen 2 Iuffaffung fteht ber 2 Bort= laut beS ©efefseS gegenüber. 3n ber Verfd)iebenf)eit ber ©efefse prägt fid) h>er bie Ver= fchiebenheit ber politifdjen ©itten beiber Sättber auS. 3n Velgien ift bie ©emeinbe fo unabhängig, als eine untergeorbnete Verwaltung nur fein fann; in §oßanb bitbet ber ©inn für Orbnung unb für eine gleidjmäßige Verkeilung ber Saften ein @egengewid)t gegen ihre ©elbftänbigfeit unb übt vielleicht, waS uns bie ßeit lehren wirb, einen gu ftarfen ®rucf auS. — 9?ad) bem 9lrt 32 beS ©efetjeS oom 13. Sluguft 1857 faßen ber ©emeinbe folgenbe SluSgaben gur Saft: a) bie Vefolbung ber ©chultehrer unb ber Unterlehrer; b) bie an bie Slfpiranten gu begaplenben Vergütungen; e) bie Vau* unb UnterhaltungSfoften ber ©d)ulgebäube; d) bie 2lnfd)affung ber ©djulgerätbfdjaften, ©djulbiidjer ec.; e) fpeiguug unb Veteudßung; f) Vau* unb UnterhaltungSfoften ber SeljrerWohnung; g) V3ohnungSentfd)äbigung, imfaß bie ©emeinbe fein 2Bol)ngebäube hat; h) ein oerhältniSmäßiger SIntheil an ben tßenfionen; i) bie Kangleifoften ber ört* liehen VolfSfdjulcommiffion. — 3m 3ahr 1857 hot ber ©taat gum Vau unb jur 2litS= befferung oon ©djulhäufent ber ©emeinben beigefteuert: 25,490 fl. 25 EentS, bieißro- oingen: 52,581 fl. 17 EentS. C. Verfcßiebene 9?ad)Weifun g en. a) gäh> gfeitsbifolotn (f. oben A. a. c.). Eine VrooinciaßSurt) oerfammelt fid) gweimal jäljrlid), um bie Slfpiranten gu eyaminiren; fie befteht auS bem Snfpector ber ißrooing unb auS 4 VegirfSinfpectoren. grernbe wie Eingeborne fönnen biefeS ©iplont erlangen. 2lußer bem ®auffd)ein wirb ein ©itten* geugniS oerlangt. SMegädjer, in Welchen ber Eyaminirte beftanben ift, werben in bem Siplom beuterft. Es giebt oier Slrten Oon ©iplcmen: 1) baS eines ©d)u!lel)rerS (3nfcriptionSgebühi: 10 fl.), 2) eines UnterlehrerS (5 fl.), 3) eines -ßriöatlehrerS in mehreren Unterrid)tSfäd)ern (5 fl.), 4) in einem eingigen gad) (3 fl.). Oiefelbe 2lb* ftufung fiubet bei ben Sehrerinnen ftatt. ®ie ®iplome ftnb für baS gange Königreich gültig. Einem ißrioatlehrer fann aud) geftattet Werben, in einer öffentlichen ©d)ule gu lehren: ©djreiben, Rechnen, ©ingen, unb für bie ÜJfäbdjen ^anbarbeiten (f. ob. A. a.). b) Unterricht. ®ie ©urdtfüfirung beS neuen©efefseS ift noch gu neu, als baß man feine Sßirfungen bemeffen fönnte. 2lber ba ber ©eift beS Unterrid)tSWefenS nid)t 570 JpoHanb. gerate oon biefer ober jener amtlichen Sferorbnung abhängig ift, jo »erben bie 3 eu 8 = niffe oon 23eobad)tern wie (Soufht, fftamon be la ©agra (9feife nad) ^tollanb u. f. ». 1839 ), ©örlib :c. im allgemeinen ihren äBertt) begatten. 2Bir haben übrigens and; bie inhüftertellen SSeridjte 51 t 9fatl) gejogen. — ®er (Einfluß SPeftalojji’S ift oorberrfcbenb geblieben. 2)er gleid)jeitige (©imultan=) Unterricht I?at in ^ottanb mel;r Slnerfennung gefuncen, als ber »ed)felfeitige, „ber aHerbingS, wie §. 33an ber (Enbe fagt, geWiße Senutniffe mittl;eiien, aber nidjt ergeben tann; ber beS Unterrichts ift aber bie (Erhebung." 2BaS bie 9J?etbobe betrifft, fo finb bie Jpoüänber eigentlich (Efleftifer; ihr ruljigeS SEemperament, ii)r nmfidjtiged itnb überlegtes SBefen fd)ü( 5 t fie Oor jeber ein= fettigen Sßewunberung; fie finb feine greunbe eines gebanfenlofen ©djlenbrianS, aber fie bören auf bie ©titnme ber (Erfahrung unb »ollen unterfudjen, beoor fie befdjließen. — ©teilet eud) auf ben ©tanbfnmct beS ÄtubeS, pafft euren Unterricht ber ftufen»eifen (Entwicflung feiner gäbigfeiten an, unb üerlieret oor allem feine Seftintmnng als 23ür= ger unb SJienfd) nie auS bem Säuge; lehret eS nicht bloß lefen, fonbern fe( 3 t eS auch in ben ©tanb, baS ©elefene oerftänbig ju erwägen. ®iefe einfad)en ©runbfäjse finb in ben Slugen ber .jpollänber binreid)enb, um über bie lancafterifdfe fDfetbobe ein für allemal ben ©tab ju bred)en. 231oß bei ber 9£epetiticn nongädjern, »0 eS fid) mehr um baS Stoffliche banbeit, haben ft e etwas baüon beibebalten. — Snbeffen fe( 5 t fie ba§ Seftreben, ein (Sptreni ju oermeiben, ber ©efabr anS, in ein anbereS jn fallen. ©0 bat ber (Einfluß beS ©eifteS, ben bie ©djuleinricbtungen 001 t 1806 atbnte», in einem gewißeit ©rabe-gefährlich fdjeinett fönnen, fo lange baS neue ©bftem nodj mit all bem (Eifer auSgefitbrt »urbe, ben gewöbnlid) neu errungene gortfdjritte b^oorrnfen. SRan bat barauf aufmerffam gemacht, baff bie £el)rer auS lauter Sßorforge, ben Unterridjt in ber SBolfSfdjule oerftanbbilbent) ju mad)en, ein altflugeS unb bünfelbafteS ©efchlecht ober Seute, bie mit ihrem ©chidfal unsufrieben finb, b^anjieben fönnten; baß bie SBitbung unb @nt»idlung ber eblen ©efiible el;er gehemmt, als begünftigt »erbe burd) einen llnterridjt, in »eld)em felbft bei ©egenftänben ber SÜforal baS SßerftänbniS, ber Formalismus ber logifdjen (Entwicflungen immer bie Hauptrolle fpielen; enblid) bat man beforgt, baff »enn man bie Säugewöbnung an bie freie Prüfung ju »eit treibe, früher ober fpäter bie ©iScipIin gefäbrbet, unb an bie ©teile ber 2ld;tung oor anbern ber Hod)iuutb gepflanjt »erbe. SOtan muff jugeben, baß biefe Sebenfen mandjmal be= grünbet ge»efen finb, »emt and) nicht fo oft, als man eS glauben mad)en »ollte; jnnt 23e»eiS bafür möd)ten »ir binweifen fo»obl auf ben obliegen fOfangel an allem Sbealen, ber bei oielen Hollänbcrn bemerfbar ift, als auf ben Ultra=9iationaIiSmuS ober oielmeljr auf bie inbioibualiftifdjen 9fid)tungen, »eld;e fid) gegenwärtig unter ber Sugenb in ben ©täbten oerbreiten. SDJan »irb jwar auch biefe (Stfcbeinung auf 9fed)= nuttg beS nationalen < j3bl e g ni a’ö, »e!d)eS bie SSerftanbeSbiloung bem ©efübl Oorjiebt, Wie beS caloiniftifd)en ©eifteS ber Hottänber fdjreiBen fönnen, unb fd)Iießlid) behaupten, jenes päbagegifd)e ©pftem fei für ben 93olfSd)arafter ganj angemeffen. ®e»iff! 2lber eS ift nicht »obl getban, Neigungen, »eldje ju febr unterftüijt Fehler »erben, burch einfeitige fßflege ju förbern. äfiele flar fet)enbe SDfänner in Hoöaub, »ir bürfen eS nicht oerfd)»eigen, fomtnen immer mehr 31 t biefer (Einfid)t, unb man fatrn in biefer SBejiebung eine oielüerfpredjenbe ©egenftrömung »arnel)men. 92id)tSbefto»eniger bat bie Üteform 001 t 1806 ben ®anf beS nieberlänbifchen SBolfeS oerbient. Sine oerftänbige ißerwattung, bie ftetS barauf bebadit ift ben SBetteifer ihrer S3eamten anjufpornen; eifrige ?el)rer, bie im allgemeinen beffer unterrichtet finb, als in oielen anbern läutern; eine fefte 3)iSciplin, bie mehr auf ben moralifeben ginfluff ber Sebrer als auf be= ftimmte 93orfd;riften gegrünbet ift: — baS »ar btareidjenb, um ©uteS 31 t »ir= fen unb glänjenbe Srfolge ju erjielen. 2 lber oor allem barf man Vertrauen für bie 3ufunft faffen; ber gefunbe ©inn ber Nation bilbet baS ©egengewicht gegen ben fRabi= caliSmuS ber neuen Sinridjtungen, unb anbererfeitS haben bie 2lnfid)ten unb ®rfab= rungeu anberer Sßölfer bie ©tarrbeit einiger alten SSontrtbeile aHmäblid; gemilbert ■gSoTTanb. 571 unb mehr £eben in bie Unterridjtdmetljoben gebradjtt. 333eitere ^Belehrung wirb ber Sefer in bem SBerfe beö fierrn ©örlih finben, eines billig bcnfenbcn unb aufgeflarten ©cbriftftellerS, ber ebenfo bereit tft, 93erbefferungen in bem UnterridjtSWefen feineö 33aterlanbeS gu förbern, ald bie übertriebenen 93orurtljeile, bie ficf> bagegen gebiibet haben, ju befämpfcn. ©adfelbe 335er! enthält ein 35erjeicfjnid ber beftcn in §>of(anb ge= brausten ©djulbüdjer, unter benen eine gute Sttttjaljl ^Bearbeitungen beutfdjer 335erfe ftnb. — ®ad fwflanbifdje unb baS ßreußifdje 93olfdfdjulwefen haben mandje 9Iehnlidj= feit mit einanber. £). ßoufin hat eine parallele 3Wifdjen beiben gejogen, bie inbeffen ganj jum tBortljeil bed letzteren ausgefallen ift. dagegen müßte ficfyerlid) bad Ijotlänbifdje ©djulwefen über bad belgifdje gefteUt werben. c) Iß enf tonen. ®ie in ber 53oIfdfdjute angefteKten ^eljrer fönnen einen Siuhe= geaalt befommen, toenn fie 65 Saljre alt fütb unb 40 ®ienftjaljre jäl^Ien. ®ie jäl>r= litten Einlagen in bie ©taatdfaffe betragen 2°/°. SD?it jebern Saljr fteigt bie -ßenfion um V 60 ber 33efolbung; fie fantt aber nie über 2 / 3 betreiben betragen. D. ©djlußbemerf ungen. ®ie öffentlichen ©djulen fteben im allgemeinen höher, ald bie ‘’ßräatfdjuten. ®er ©runt ift einfad) unb §. ßonfin ljat iljn burdj bie nacfte 9lngabe ber SEhatfadjen flar heroorgeljoben. „grüner, fagte er, toaren bie bejahtenben ©tauten ber Ißrioatinbuftrie übertaffen unb fie waren faft überall bPviOat= fdjulen. ®a bie Slrmenfdjulen »on ben öffentlichen 23eljörben nid)t bloß unterhalten, fonbern audj eingerichtet unb geleitet würben, fo Würben bie ©djulorbnungen »on ÜWännern »erfaßt, bie in foldjen ©efdjaften feljr beWanbert Waren. ®ie S5orf bie ißrioatinbuftrie bemädjtigt hatte- ®aljer entftanb ber abnorme 3«= ftanb, baß bie föinber ber -Biittelclaffe Weniger gut unterridjtet waren ald bie ber Sinnen, unb eine foldje 33erfeljrung ber Drbnung fomtte am Snbe eine wirflidje ©törung in ber ©efeHfdjaft herbeifitljren. ®iefer ©efaljr mußte matt »orbeugen, unb bie ©tabte grünbeten jahlenbe 33olfSf djulen: eine Süaßregel, bie ben bcften (Erfolg gehabt tjat, ein= mal wegen bed 335etteiferd, ben fie ^wifdjen ben »erfdjiebenen Slrten non ©djulext an= regten, unb bann Weil bie ganriüen, mel^e nicht bitrftig genug finb ober bei ihrer ®ürftigfeit 31t »iel (Eigenliebe haben, um iljre fiinber in bie ©djulen ber Slrnten $u fd)iden, unb bocfj ben giemlich hoh eIt ’Sßreid ber uieiften ißrioatf djulen nidjt aufbringen tonnen, in biefen öffentlichen ©djulen um biüiged ©elb finben, Wad für ihre Stellung paßt nnb ihr ©efühl nicht »erlebt." SDlerfwürbig ift, um bied im 33orbeigehen ju fagen, baß ben ©täbteu bad Opfer, Weld)ed fie fid) auferlegt hatten, halb Wieber erfeßt würbe; obgleich Sfotterbam 3. 93. wöchentlich nur eine ©ebiitjr »on 20 Sentd (5 Sentd = 3 fr.) auf ben Äopf erhob, fteHte fid) bodj bei ben 3ahlenben ©djulen, beren Sludgaben fid) auf ungefähr 6500 fl. beliefen, ein Ueberfdjuß ber (Einnahmen über bie luSgaben h»r= aud, welchen bie Stabt auf ihre &Ieinfinberbewaljranftalten »erwenben fonnte. 9?un finb, wie wir gefehen haben, bie gahlenben ©djulen bie Siegel; bad öffentliche SSertrauen ijr biefe Slnftalten befeftigt fich inrmcr mehr, währenb man jebed 3aljr eine gewiße 9tn§ahl ißrioatanftalten fd)ließen fieljt. (33erflag nopend ben ©taat ber ©djolen, 2c. oüer 1857—1858. f. ob. B.). II. ®ie SKittelfcfjule. A. ©efe^gcbung. ®er Unterridjt in ben SDüttelfdjulen ^oltanbd fteht in engfter SSerbinbung mit bem Uni»erfitätdftubium; bie Ä. Drbonnans »om 2. Sluguft 1815, bie ihn umgeftaltet hat, umfaßt zugleich bie 3lnftalten ber beiben ©tufen, nämlich: 1) bie fogenannten lateinifdjen ©chulen, weldje ben ©hmnaften in ®eutföf;crn Sdjulen baS gehalten an alten (Seioofynbeiten, unb wir fagen eS offen, an alten 33orurtheiIen fühlbar. Der 5D?ittelfd)ulunterrid)t ift gang ftäbtifd), nnb jebe Stabt regnet eS fid) gur ®^re, eine lateinifd)e Sdjule gu ^aben; man mödjte glauben, fie fei eines ber uralten SBorredfte beS StabtbürgerS. Die lateinifdje Sdjule ftebt unter 2luffid)t eines ®ode= giumS Oon Euratoren, WeldjeS bem Stabtratlj bie Sanbibaten für bie erlebigten 8eb>r= fteden oorfd)lägt. Diefer ernennt unb befolbet bie Seffrer. S3ei ber Unioerfität hat ber Staat wieber ben il)tn gebü^renben Sinfluß. gür bie Sdjule !ann er nur 25erorb= nungen erlaffen, welche fid; auf Setjrgiel unb Unterrichtsmittel begießen, unb bie für nötljig erad)teten S3ürgfd)aften forbern. Sie ^at einen Slector unb einen Sonrector (fßrooifor unb Genfer bei ben frang. ?t;ceen), unb bann einen ober mehrere fßro= fefforen je nad) ben Mitteln ber 2lnftalt unb ber 3 a ftf ber Sdjüler. SD?and;mal ift ber 3?ector gang allein; in jebern gälte ift er ber Sefyrer ber erften unb ber Son» rector Sel;rer ber gweiten Slaffe. Sie müßen Doctoren ber Ißlfitofopfiie (in litteris) fein (waS factifcfj bie äftathematifer Oon ben fyijfyern Steden an ber Iateinifd;en Schule auSfdjließt). S3on ben übrigen Sefyrern wirb bloß üerlangt, baß fie ben Sanbibatengrab haben.*) 6s giebt feine Snternate; ben £>odänbern, weld;e mit ihrem gangen SBefen an ber gamilie bangen, finb bie fßenfionate guwiber. Der Unterricht umfaßt Wefentlid) bie latein. unb griecf). Spradje unb läßt in biefer 23egief)ung nichts gu wünfdjen übrig, ffflit ben übrigen gäd;ern ftanb eS nod) oor furger 3 e >t anberS. Kraft ber 2lrt. 9 unb 10 berDrbonnang oon 1815 foden bie Sdjüler am Sd)luß iljrer täglidjen latein. unbgriecl). Sectionen Unterridjt in ber ®lementar=9Jiathematif, in ber ©eograpfue, in ber alten unb neuen ®efd)id)te erhalten. Slber nid)ts oon fßhhf^' ttidjtS oon neuern Spradjen! Der Umfang beS matl;ematifd;en Unterrid)t8 war gang bem belieben beS SfectorS überlaffen. 3)?an h^lt ih n für ein fftebenfad) unb er würbe meiftenS oon ben fßro= fefforen ber anbern gäd)er gegeben, welche bafür eine SefolbungSguIage erhielten. 3m (SrmanglungSfad ftedte man einen gadjleljrer au, gab il;m aber einen geringem 3iang unb (Slrt 20) feinen Dh e ^ an ben Sd)ulgebül)ren. So war eS gur 3 e 't, too £wdanb unb Selgien noch oereinigt Waren. 2Ba8 War bie golge baoon? Daß ber Unterricht in ber DJiathematif, wie er in ber lat. Sdjule faft gleich; 9?ud war, and; auf ben Uni» oerfitäten in 3 er faß gerieth- Dies oeranlaßte, befonberS in ^Belgien, lebhafte 33e= fchWerben, beim man erinnerte fid) ba noch ber oodftanbigeren Einrichtung ber frang. 2t)«en. Die Regierung beachtete jene Klagen, inbem fie burd) K. Drbonnang Oom 9. Sept. 1826 bie Kenntnis ber 2lritljmetif, Sllgebra unb ©eometrie unter bie SSebingungen aufnahm, um gitm afabemifchen Stubium gugelaffen gu werben. Unglücflidjerweife würbe (9Irt. 3) geftattet, baß ber Sd)üler aud) in Ermanglung eines genügeuben matl)emati= fd)en ßcrngniffeS als Stubent inferibiren fönne, wenn ber ‘ißrefeffor ber SJtathematif an ber Unioerfität einfach erfläre, baß berfelbe im Stanbe fei, feinen SBorlefungen gu folgen. „SBenn bie menfd)lid)e 9?atur in ^odanb ebenfo ift Wie in granfreid), fagt bei biefer ®elegen= heit |>err Soufin fehr gut, fo ift jebe Prüfung, bie oor einem eingigen ÜÜtann beftanben worben, nidjtig; wie wid mau erwarten, baß ein fßrofeffor ber SDfatbematif, gu bem ein Stu» birenber ber lßh^°f°Ph’ e » ber 3fed)te, ber Dh e °f°ä' e » aufs 3' n,mer fommt, ben StoiciSmuS *) 3ebe gacuttät fann 2 afabemifdje Orabe ertheilen, 1) einen niebern, ben Sanbibaten» grab; ber in litteris, bei ber ptyitofopty. gacultät, fann tyiictyjtens l Satyr nach bem Stnfang ber afabem. ©titbien erlangt Werben, nnb ift bie ©ebingung für bie 3ulaffung gum ©tubium ber Styeologie unb beS 3ns; wer HJtebicin ßubiren Witt, muß Sanbibat in ber SDtattyem. unb in ben Staturwiffenfctyaften fein; um ißrebiger gu Werben, muß man ben @rab eine« Sanbibaten in litteris unb in theologia tyaben; 2) einen työtyeren, ben ©octorSgrab, er fefst ben erfteren bor» aus; er Wirb geforbert bei Uebernatyme maudier Stemter unb ©efctyäfte, unb geWätyrt gewiße SluSgeictynungen: in einem Sottegium boit Surijfen g. 33. tyat ber ©octor ben Siorfity oor ben nictyt grabuirten SJtitgtiebern. ®. tReb. •^offanb. 573 fo roeit treibe, itym unb feiner ganzen gamilie auf bie taufenbfactyen ©ertoenbungen, bie man bei itym anbringen mirb, ein 3 eu gm3 abjufctylagen, baS ja ber SRattyematif feinen ©traben bringt, beffen ©ermeigerung aber bie Sinfünfte ber Unioerjitat, t'on toeldjer ber ©rofeffor ber SDfattyematif felbft ein SOfitglieb ift, fd; malern müßte?" 2Ran founte »erfidjert fein, baff biefeS 3eugniS nie oermeigert merben mürbe unb baff bie 3®glinge in biefer ©emißtyeit fxc^ feine ÜDtütye geben mürben, ein anbereS ju oerbienen. 2lber mätyrenb man tyier burd; ju große Sffac^fic^t fünbigte, begieng man auf ber anbern ©eite ben fyet;fer einer übertriebenen Strenge, inbetn man oon bem SDoctor ber ©tyilo= foptyie ben -JfadjmeiS »erlangte, baß er fätyig fei, bie (Elemente ber Slrittymetif, ber ©Igebra unb ber ©eometrie mit Srfolg jit lehren. 2JEan Derfel;fte baS 3* e ^ meil tnan fid; ju fetyr an ben ©uctyftaben ber Drbonnanj oon 1815 tyielt. ®ie 3teformtylane oon 1826 blieben irtbeffen otyne ©Sirfung; erft 20 Satyre fpäter, 1845, mürbe eine neue ßommiffion beauftragt, einen ©lan auSjuarbeiten, ber aber weit entfernt toar alle Stimmen für fid; ju fjabeit (Miscellanea 1850, S. 260 u. ff.); injmifd;en mürbe bie jfirage über ben 9tetigionSunterrid;t aufgemorfen, um bie ©ermidlitugen nod; jit »ermetyren. 3mei Umftänbe begünftigten inbeffen bie ^teformtylane unb geftatteten tf^eilmeife auSjufütyren, maS längft tyatte angeorbnet fein foHen. ©iele Stabte fügten ju it>ren 2lnftalten eine gemerblid)e Slbttyeilmtg, eine 2lrt 9?ealfd;ule (auf 4 Sctyuljatyre), unb ermeiterten ben aud; oon ben 3öglingen ber lateinifd;en Sd;ulen befud)ten mattyematifctyen Unterricht. ®iefe Reformen batiren fid; oom Satyr 1843. SCnbererfeitö oerorbnete ein K. 6rlaß »om 23. SJfai 1845 eine SDfaturitätStyrüfung in allen gäctyern beS ©tymnafial» unterridjtS; fie muß öor einer ©entralcommiffion gemad;t merben, meldje jebeS Satyr ityren ©eridjt an baS SDUnifterium beS Snnern ju fdjideit tyat. 9Jtan tyatte ©ruub ju ermarteu, baß baS ©ebaube halb feinen Sdjlußftein ertyalten merbe, afö biefer Slnfang, metdjer fd;on im Satyr 1852 bebeutenbe Slbanberungen er= litten tyatte, »om SJfinifterium ©an Dfeenen plötylid; unterbrüdt mürbe. 5Dtan fagte, er toerbe burd; baS nadjfte ©efety miebertyergefteHt merben. Slber ift biefeS ©efety in fo natyer SluSfidjt? ©Bie bem aud; fei, ber ©ifer ber ©rofefforen fud)t ben getyler in ben • ®»ufin feine 3feife mad;te, ber in ber Sctyule im §aag einen einjigen ©rofeffor in jeber ©taffe fanb, meld;er alle fjäctyer beS SectionSplaneS mit luSnatyute ber SJfattyematif ju letyren tyatte, unb in ber Sd;ule ju Utred;t tyingegen baS fjactytetyrer = Styftem bis aufs äußerfte getrieben faty: fo beftetyen nod; tyeute, maS innere Sinrid;tung unb 2luSbetynung beS UnterrictytS betrifft, mancherlei 574 £oHanb. 33erfd)iebenheiten. — 3n ben .giauptghmnafien, mie int ^>aag, in 2Imfterbam, Utred)t, finb gemöfmlid) 5 lat. Klaffen; meiftenS bleiben bie ©d)üler in ißrima (IKljetorif) bie hoppelte 3eit; eS finb alfo im ganjen, mie man fiefyt, 6 ©tubicnjaljre; §. Koufin traf in ber fßrima einiger Sttnftalten brei Ordines, mo ber Unterricht in ber 3trt ftufen= mäßig fortfdjritt, baß bie ©djüler nad) unb nad) lernten felbftänbig ju arbeiten unb [ich fo auf baS UnioerfitätSlebeu oorbereiteten. 3n ber erften Ibttjeitnng mürben mödjentlid) Kompofitionen, fogen. £>ebbontabarien, ausgearbeitet; in ber feiten monat= lid) f in ber britten enblid) gab man nur allgemeine Slnleitungen. S)er Unterricht be= ftanb mehr in 23efpred)ungen als in eigentlichen Sectionen. ®iefe ÜJfethobe förberte aufs fraftigfte bie Sntmidlung jebeS SnbioibuumS nad; feiner eigentümlichen 23eftimmt= heit unb Einlage; ber Unterricht mürbe fo ein treffliches GrjiehnngSnrittel unb biibete gattj tüchtige junge Seute heran. SIber man barf nid)t überfein, baß man auf foldje SBeife nur ba »erfahren fann, mo bie ©d)ülergal)I befdjränft ift. Site Slinge haben fid) feither nidjt nterflid) beränbert, unb man barf fid) bagu ©lüd münfdjen, roeil ein foldjer Unterricht ber aüerbefte ift, fobalb er bernünftigermeife angeloenbet merben tann. Slie 33ebölferung ber lat. ©d;ulen ift immer nod) fehr flein, befteht aber im aKge= meinen aus geiftig aufgemedten 3^9^ n S en r bm Riffen, maS arbeiten ift. Slie gelehrte Saufbahn ift baljer nid)t überfe^t mie in anbern Sänbern, unb bie jungen Seute, metd)e fie betreten, haben meniger Smufdjungen ju befürchten. — Slie ©d)üler haben morgens 3 ©djulftunben, ebenfo biel 4mat beS -KadjmittagS (in ben 3 SBintenuonaten nur 2). SDie SSacanjen bauern 6 2Bodjen, unb merben fo gut mie möglid) nach beu ertlichen SBerhältutffen bertheüt. (Srlaß bon 1815.) 3m 3ahr 1857 lehrte man in 17 lat. ©djuten nur bie bon ber organifdjen SJerorbnung borgefdjriebenen gäd)er, nämlidj: Sateinifd; unb ©ried)ifd), Slementarmathematif, ©efd)id)te unb SDit)* thologie; eS fanb fein befonberer Unterrid)t in ber SUutterfpradje ftatt; in 5 anbern mürbe biefer ertl;eilt; 2 fügten noch baS granjöfifdje h'uju, 3 baS Sleutfdje, 2 baS Snglifdje unb 2 baS fpebräifdte. Stoß in 2 ©djulen lehrte man 9?aturgefd)icr t); bie ©ewerbefdjute p Sentoo unb enblid) bie ©djute p fperpgenratty (9iolbüc) an ber tyreußifdjen ©renp ©iefe tetytere Anftatt, 1831 Oon £). oan Semmel, Sifdjof oon Süttidj gegrünbet (f. b. Art. Selgien), war urftyrünglidj ein ^ßriefterfeminar; nadjbem feit ber Unterjeidjnung beb Sertraged ber 24 Artitet Oon 1839 biefer Sdjeit ftimburgd mit fpodanb oereiiügt worben ift, getyen bie fßriefterpglinge nadj ©t. Eronb. fiönig 3BittyeIm II. wollte aber eine ©dpte, bie einft auf bem itym wieber jugefadenen ©ebiet gebtiityt tyatte, nidjt untergetyen taffen. „Je vous maintiendrai“ rief er mit ben SBorten beb Sffiatylfprudjb feines Kaufes and, alb er 1851 fperjogeuratty befuctyte. ©o ift benn Wieber eine große ©dple in ben prächtigen ©ebäuben ber etyematigen Abtei 9?oIbüc eingerichtet worben, fraft einer bent Sifdjof Oon 9foermonb erttyeitten (Sonceffion. ©ie umfaßt ein ))3riefterfeminar (6 £jumanitätd= unb 2 fßtyitofotytyie=Staffen), ein in 2 Ab= ttyeitungen gettyeilteb Srjietyungb^Snftitut mit fe 4 ©tubienjatyren (eine Abtty. beutfdj, bie anbere tyodänbifdj); enbtidj ein Setyrerfeminar. ®er llnterridjt ift, Wab bie gädjer beb eigentlichen ädittelfdjuHlnterridjtb betrifft, fo Oodftänbig atb in ben betgifetyen Attyenäen. @b Werben überbieb nodj fßtyitofotytyie, griedjifitye unb römifdje Antiquitäten unb italienifctye ©pradje getetyrt, tetytere bloß facultatio. ®ab Setyrtyerfonat beftetyt aub 25 tperfonen, otyne bie 3eidjen=, 9Jhtfif= unb ®urntetyrer. 3m Satyr 1851 jätylte man 300 ©djüter in ber tyumaniftifdjen Abttyeitung; 126 im Snftitut (86 ®eutfdje unb 40 §ot= länber) unb 30 8etyramtb=3ögtinge. ®ie tyumaniftifdjen 3ögtiuge getyen nadj ityrem 576 ■§ottanb. SluStritt meiftenß nach Sötten ober fünfter jur Sottenbung ihrer ©tubien. — SQ3ir be= nterfen noch, baß e 8 befonberS in Sforbbrabant unb ©elbern biete ißribat^enftonate giebr. — Oeffenttidje ©djuten für fyöfyere 2Räbd;enbilbung finb nid)t oorfyanben. C. Serfdjiebene 5Rad)weifungen. a) Unterricht. Oie am meiften ge= brauchten ©rammatifen finb bie oon Oorn ©eiffen (ißrcfeffor in Slmfterbam), bon Safe, 3umpt unbSRatbig; ttir begegnen fettener ben Dramen: SoffiuS, äBeptingh unb Sröber. SJeptingh, Oörring, Safe unb SReih tterben borjugßtteife für bie Sompofition benufct. 2Ran bebieut fid> bielfac^ ber fieinen SBörterbiidjer bon ©djeller unb Kärdjer, überfefct bon SoSfdte; h' e unb ba gebraucht man aud; ©eorgeS, iRoel, Kärdjer, ed. Oerpftra, ben großen ©djeller, ipetißcuß u. f. tt. — Oie amtlidjen Seridjte ber 3urp führen Klage barüber, baß man öfters jttei ober brei ©rammatifen in berfelben Slnftalt finbet nnb baß bie ©d)üter am Snbe iljrer ©tubien gewöhnlich mehr Sorrecttfeit in ihren Sompofitionen jeigen, atS SerftänbniS ber tateinifdjen Sleganj. Oie in ben obern Staffen am häufigften erftärten ©djriftfteüer finb: ©aftnft unb Sicero (orationes selectae, de amicitia, de senectute, de officiis); ObibS 2Retamorpl)ofen; SirgitS SleneTbe; bie Oben unb fettener bie ©atiren unb Spiftetn beS .^oraj, auSnahmSweife SibiuS unb OacituS. SRod) bor einigen Satiren tturben bie ißrofaifer mit mehr ©orgfalt erftart atS bie Oichter; mau fdjien ftdj siemlid) ttenig mit ißrofobie unb SRetrif $u befdjäftigen. Oec Gradus ad Pamassum ttar nid)t unter ben ©d)ulbüd)ern. 3ef}t h at e < n merflicher gortfdfritt ftattgefunben unb in ben rhetorifdjen Staffen ttirb eS aümählidf jur ©itte, hottänbifd)e Ueberfefsungen in Serfen mit ben alten Originalen 3 U begleichen ( 3 . S. bie SRetamorphofen bon Sitberbijf, bie Oben beS fpora 3 bon San SBinter; bie Slenei'be bon grau San ©treef), unb ben ©djütern bie ©efefje beS I^oHänbifc^en SerShauS ju geigen, ttahrenb man fie ju gteidjer 3eit in ber Kenntnis ber ißrofobie unb beS SRIfhlhntuS ber lat. ©prad;e befeftigt. — SlubererfeitS legt man Ip^ mehr Sßerth barauf als in Setgien, tateinifd) ju fdjreiben unb 3 U fpredjen. — SBettn man im ©ried^ifdjen jttjei Satire mit ber Srternung ber formen sugebradjt h at , fo oerttenbet man 3 ttei weitere meiftenS auf bie Ueberfe( 5 ung Römers unb XenophonS, Wobei man jugteidj bie ©pntap fennen lehrt; in ber rtjetorifchen Staffe mad)t man ben©d;tuß mit ber Srflärung irgenb einer Oragöbie. SDianchmal ttirb and; ein ©tüd bon SfofrateS ober SpfiaS, bisweilen einer ber biographifdjen Oiatogen ißtato’S in ben Sectionen borgenommen. 2Ran ber« nadfjtäßigt bie Slccentlehre nid)t; ebenfo ttenig bie ißrofobie, toenn Oidjter erftärt tterben. — 9Kehr methobifd) unb ftufenmäßig angeorbnet als reid) an SlbttedjSIung, ift ber Um terridjt ber hbtlänbifdfen Srofefforen gebiegen unb trägt feine guten grüdjte, wie bie meiften afabemifdjen Oiffertationen fd)on burd) ihre gönn betteifen. 2Ran bemüht fidf fdjon in ben lateinifdjen ©deuten, ben 3ögüngen Sntcreffe für bie ©c^riften ber Sitten einäuftößen, inbem man ihnen in überfidittidjer gönn bie Kenntnis ber ©efdiidjte ihrer Siteratur beibringt. OaS fpanbbnd; bon SBeptingh in lateinifdjer Sprache ift im ganjen Sanbe beliebt. SllS ein geadjteteS ^ütfSmittet gur Seenbigung ber ©djutftubien Wollen ttir noch anführen bie Khetorica contracta bon SoffiuS; bie Praecepta stili bene latini bon ©datier, unb boin gleichen ©d>riftfte£ter: Snteibing tot t>et tejen oan be ©djriften ber Ouben (b. i. Sinleitung in baS Sefen ber ©chriften ber Sitten). — SJiit bent Unterricht in ber 3Rutterfprad)e ift eS nun Srnft geworben, nad)bem er lange in bie jtteite Sinie juriicfgefteEtt gettefen ttar. 3n ber SOiathematif bleibt nodj biet 3 U thun. Sitte @efoEaitb fei auf feinen alten ppilologifdjeu sft u p m f 0 ftolä geblieben, bag eg biefenigen, weldje eg bagu beftimmte, bie Ueberrefte begfelben ju erhalten unb feine Srabition fortjupflanjen, Bor jeber profanen Sßerüprung unb oor jeber 3 er f treuun 0 fd;üpen woEte. b) bleibt ung nod) übrig mehrere, fepr oerfd;iebene gacpfd;ulen ju erwähnen, Cie fich mehr ober weniger auf bag SSioeau beg UntcrridptS in ben SDlittelfcpulen er* peben, ober eg fogar überfteigen, opne fiep, äußerlich wenigfteng, mit beu afabemifepen Slnftalteu ju oernüfd;en. — 3)er Uuterricpt in berSlrmee ift auf aEen ©tufen organifirt:, für bie Äiitber ber ©olbaten unb SEfilitärbeamten jebeg ©rabeS (instructie-bataillon: 736 3*gEnge im 3. 1857; man lehrt bort bie ntalaiifd;e ©prad;e für biejenigen, Welcpe fid; auf ben ®ienft in Dftinbien borbereiten); für bie SanbWepr (3587 ©d;. im 3. 1857); für Unteroffijiere (in bem Wiffenfcpaftlidfen Gurfug 70 ©d;. 1857); bann lommen: bie fönigl. SDlititäratabenue (322 Kadetten 1858—59); bag fönigl. SJtarineinftitut in SBiflemSoorb (131 3öglinge) unb bie SBootSmannfcpute ju SSlieffingen (49 3ögtinge). 6g giebt nod; meprere anbere ©eemanngfcpulen. — Sluf ber fönigl. Slfabemie ju ®elft (203 3ögl.) werben 3ngenieure unb SBeamte für bie SolonialberWaltungen gebilbet. ®ieg ift eine pöpere Sepranftalt, oortreffliep eingerichtet Wie aEeg, wag ben unmittelbaren SBebürfniffen beg Sanbeg entfprid;t. — SOZilitärargneifchnle, Äliniteu, SCpierarjneifdjule, nieptg bon aE bem feplt JpoEaub. ©röningen befipt eine Slderbaufdjule, Slmfterbam (wie Slntwerpen in ^Belgien) ein Snftitut für £>anbet unb Snbuftrie. — ®ie SEaubftummen* anftalt in ©röningen genießt eineg oerbienten fftufeg; 1857—58 jäplte fie 143 3ög= linge (110 Würben mtentgeltlid; unterrichtet, 27 bejaplten 10 — 50 fl., 6 Beg. 100 fl. uitb bariiber). 3'°ei anbere Snftitute berfelben Slrt befinben fid; in ©t. SDSicpelSgeftel unb SSotterbam, unb patten in berfelben 3 e it 80 unb 40 3ögEnge. ®iefe Bon Sorn* niiffiotien Berwatteten Slnftalteu werben pauptfäcplid; burep freiwiEige ^Beiträge unter* palten; fie bürfen autp SJerinädptniffe unb ©epenfungen annepmen. ®ie beutfepe 9)le= tpobe Würbe barin paußtfädjücp angewenbet, wie man aug bem neulich erfepienenen £>anbbud; fepen fann: „©praaf en Sedoefeningen ten ®ienfte Ban b oofftumme Kinbren." (©praep* unb Sefeüöungen jurn ®ienfte oon taubftummen Ä.) ®ag SBlinbeninftitut in Slmfterbam oerbient auep erwäpnt ju werben. 6g patte Bon 1857—58 nid;t weniger alg 65 3öglinge (36 Stnaben, 29 üDSäbdjen). SBie bei ben ®aubftummen gept auep pier ber gewerblid;e Unterricpt §anb in fpanb mit ber eigentlichen ©d;ul* bilbung. SDtit ber Slnftalt ift ein Slfpl für fold;e arme SBlinbe oerbunbeu, welcpe naep bem StuStritt aug ber Slnftalt außer ©tanb finb für ipre SBebürfniffe gu forgen. — ®ie Sfegierung pat enblid; einen regelmäßigen llnterrid;t angeorbnet in ben ©efang* niffen für SSerbrecper, in ben SBerwaprungSpäufent unb S3erpaftlocalen. Unter 17,869 ■ ©efangenen im 3apr 1857 napmen 2972 am Unterrid;t tpeil. 8390 würben für pin* reid;enb unterrichtet angefepen, 6507 Wegen Sllterg unb Äranfpeit bigpenfirt. 42 Seprer Waren in ben bürgerlid;en unb 2Jtilitär=@efängniffen angefteEt. c) ®ie eigentlid;en Sltpenaen in Slmfterbam (118 30glinge 1857—58) unb ®ebenter (32 3öglinge) finb nad; ber SBefd;affenpeit beg bariu ertpeilten Unterrid;t8 Wirflicpe fieine Uniberfitäten. SDlan fann fagen, baß fid; ®eoenter j. SB. gu ben 3 ©taatSuniBerfitäten Sepben, ©röningen unb Utred;t oerpält wie eine fieine lateinifdje Sepranftalt gu einem großen ©pmnafiunt; fjranefer, §arberwijf paben aud; ipre Sltpenaen. 6g finb bieg mit Slugnapme beg Sltpenäumg ju Slmfterbam (befannt unter bem SZamen Athenaeum illustre), Wetd;eg für eine fo große ©tabt unentbeprlicp ift, nur nod; lieber* (SnchflopÄhie. ni. 37 578 §offanb. refte eines »ergangenen ©lanjeS. ©ie mögen nüßlid) fein, auSgejeidjnete äRänner befißen, fidj mit geringen Spitteln erhalten, aber biefe ßerfplitterung ber Kräfte, bie Bereinigt fid; immer »erboßpeln, biefe Sfolirttng bleibt immer ju bebauern. ßurn 33e» meis bitrften mir nur eine Unterfndjung ber 3 großen nieberlänbifdfen Uniberfhäten an- ftetlen. Sed non est hie locus. D. ©djlußbemerfnngen. Ser §. 2 beS fReformentmurfeS, ber 1829 auS= gearbeitet mürbe, aber infolge ber Sreigniffe, meld^e bie »on beu 9Rad)ten 1815 ge= jeid)nete Äarte beS Äönigreid)S ber IRieberlanbe jerriffen, mieber eingefdjlafen ift, lautet fo: „Ser Unterrid)t in ber 9Rittelfd)u(e ^at ben breifadjen ßumcf: bie jungen Sfeute auf bie afabetntfdjen ©tubien »orjubereiten, bie Sebürfniffe einer forgfattigen Srjießung, für biejenigen ju befriebigen, meldje feine afabemifd)en ©rabe motten; enbtid) aber ben- jenigen nühlicße Äenntniffe mitjutljeilen, meldje ftd) bem £>anbet, ben inbuftriellen unb medjanifdjen ©emerben ober anbern ber bürgerlid)en ©efeüfdiaft nüßlidjen Mnften mibmen motten." ^Belgien, baS nadj 1830 alles neu ju gehalten hatte unb baS meßr @eroerbe= als ^anbel treibenb, bie angemanbte 2Biffenfd)aft meßr nötßig fiat als fein fRacßbar, bic ©djiffaßrt ausgenommen, I;at biefe ©ebanfeu nie auS bem 9luge bertoren unb fie enblid) burd) bie ©efeßgebnng ins Leben eingeführt. Sie guten Äößfe in §oHanb haben ißren Sßertl) aud) ißrerfehS begriffen, unb nad) unb nad) Qmrtfdjritte in biefetn ©inne angeregt unb oermirflidjt; aber jur©tunbe ift eS nod) nicfjt gelungen, einen ein- ßeitlid)en $lan burdjjufiißren. fpollanb befißt einen bortrefflidjen SolfSunterrid)t unb Uniberfitäten, bie im allgemeinen fidj ißreS alten IRufeS mürbig geigen, aber in ißrem 3luffd)mung fo lange gehemmt fein merben, als ber Unterridjt in ber 9Rittelfd)ule nid)t burd) ein ©efefj »erboHftänbigt unb mit ben berechtigten Seftrebungen beS 3aI)rljunbertS in Sinflang gefegt fein mirb. 3Benn and) eine ^Regierung bie greiljeit t e g Unterrichts in fleinerer ober größerer SluSbeßnung »erfünbigt hat, fo muß fie bod), befonberS menn fie fid) baS 5Red)t uorbeljält fid) ber gäßigfeit unb fonftigen 33raudjbarfeit ber Seßrenben ju oerfid)ern, burd) SRufteranftalten für bie SSefriebigung ber Sebiirfniffe aller Slaffen forgen. ©erabe beSmegen ift eben jetjt bie grage über ben mittleren Unterricht eine Lebensfrage in .fjoßanb. Sßenn man mirflid) tüchtige Srfolge miü, fo barf man nid)t auf bie Sßerfaffung fidj ftüßenb, bie ©emeinben il;ren eigenen £>ülfSmitteln überlaßen, um bie Soncurrenj auSjul)atten; man muß burdjauS »erlangen, baß bie flehten, ungleich über baS Lanb »erteilten lat. ©d)ulen »erfdjminben, um ßfrogt)innafien, mo biefe ein SSebiirfniS finb, hauptfädjlid) aber um Slnftalten ßSlafj ju mad)en, bie ben SRittelfdjuten Belgiens ober ben aratter bewahrten unb ben ©ebraudj ber Bibel unb d)riftlid)e (Ermahnung nid)t oerfaumten. 3unäd)ft wußte man ohnehin bie ©leidjftetlung ber Parteien faft nur auf bem fßapiere, bie refertnirte Stirdje Reffte nodj lange it>r atteS Uebergewid)t hauptfad)lid) burd) Bilbung ber weitaus nteiften Seljrer gu behaupten. ©o wirtte einerfeitS bte Sntereffelofigfeit beS bamaligen 3^tgeifte§ für firdjlidje Beftrebungen, anbererfeitS ber bei bieten tebenbige ©rieb, eine Berfdjmetgung ber gangen Nation in religiöfer unb biirgerlidjer §infierj unb Seben, fonbern als Sammlung non 23iograpf)ieen unb nach= a^mungSwertfien SSeifpieten. ®ie 2lnfd;auung, als gehöre biblifdje ©efdjidjte überhaupt nicht ju ben Seljrfädjern ber UMfSfdjule, gewinnt immer mehr Soben. Sann man biefe Entwidlung nur als eine folgerichtige erfennen, muß man eS aber ebenfo aufs ftärffte beflogen, baff unter bem Sütel beS confeffionellen EIe= menteS aud) bie Slnljal + Spuncte beS djriftlidjen jur Sdjule ^irtauS getrieben »erben, fo finb bie öor 21ugen Uegenben 3 u ß®nbe ber Sdjulen in biefem Stüd'e ^öc^ft betrübenb. So gewiß bie Sefanntfdjaft mit ber heiligen Sdjrift fiir baS proteftantifdje 93e= tenntniS grunbwefentlid; ift, fo tief einfdmeibenb ift bie Entfernung berfelben aus ber ©hule für unfre proteftantifdje Sugenb. ®ie SBibel fängt für bie große SUlehrjahl beS proteftanitfdjen SßolfS an ein frembeS Such ju Werben. Siele meinen, fie tonnen bie= felbe hoch nid;t oerftehen, anbere, nur für Sheologen öom gar eS als jutn 33eruf eines SebrerS gehörig erad)ten miirbet, fo biet an ihm ift, jur 33il= bung beS fittlidjen GlfarafterS feiner ©datier beantragen?" ©ie Weit muß eS gefommen fein mit bem djrifttidfen Gljarafter ber ©dptle, mo bon äuctoritäten im ©(bulfacbe ^jaudtfadjen fo gmeifetbaft bingefteUt toerben? ©ir fönnen biefe 23eobad)tungen unb bannt unfer Urteil über baS gemifd)te ©offtebe be Oroot nodj SBorfi^enber mar); ba lefen mir: „®aS ®efeh bom 13. äug. ift nad) bieten ©eiten bin ein gutes ©efe^. ^Dagegen roirb unfer Seifall burdj ben Umftanb bebeutenb gebümdft, baß es bem d/riftlid;=!ird)tidkn $rincip gegenüber fo menig 33ürgfcf)aften giebt. ©inb bie 3nfpectoren unb ©dfulauf* feber bon ber Diotbmendigfeit biefeS tpüncips überzeugt, fo mag eS unter ihnen immer* bin in Äraft bleiben, mo aber nid;t, fann eS gar halb ganj berfdjminbeu." (9?ad) SDlittbeilungen eines eo. IßrebigerS in ^oHanb.) §0§f)itC§, f. ©djüler. §robami8 9)iauni§, geb. 3 U 9)Jainj umS 3abr 776, fßäter ©djüler, SDiijndj, Sebrer unb äbt im Älofter gulba, jutefet Grjbifdjof in SUainj unb als foldjer am 4. gebruar 856 geftorben, b«t in ber ©efdjidbte ber ißäbagogif auf einen Gbrendlah Infprud;, fofern er (ogt. eine SDiffertation über ihn bon ©d;marj, Heidelberg 1811, unb ein ißrogramm beS ©btnnafiumS 31 t gitlba bom 13. 9iob. 1835) ber ©d^öpfer beS beutfdjen ©djulmefenS, ber primus Germaniae praeeeptor genannt morben ift. ©ein Üiame mirb tbeilS boni beutfdjen ©ort 3£abe, tl;eilS bom griecbifdfen iiacpavoe abge* leitet, mornad) er eigentlid) 9iettig geheißen hätte > mir geftel;en, baß uns feine bon beiben Grflärungen jufagt. SftauruS mürbe er bon feinem Sebrer älcuin genannt, meit ber b- Senebict einen SieblingSfdjüler SJfamenS 3)iauruS gehabt batte (bgl. ben ärt. ißenebictiner). ©ein S3iograpb» ber 2lbt ©ritbeim (f 1519), fdjilbert feine Gltern unb namentlich bie Ginmirfung feiner SDJutter äbelgunbe febr bortheilhaft; fie glaubten ben reidjbegabten, moblgearteten, auch förderlich moljlgebilbeten finaben nidjt für bie ©ett, fonbern für ben SMenft ©otteS beftimmen 3 U feilen unb übergaben il;n beSbatb bem Älofter gulba, mo eine nod) bon 2lbt ©turnü angelegte Sebrauftatt beftanb. ©ein Gifer in Grleruuitg alles beffen, roaS bort bon ©iffenfdjaften ju lernen mar, unb fein ernfter ©anbei, fein freubiger ©eborfam gemann ihm alle fper^en, namentlich aud) feines unmittelbaren SebrmeifterS, beS nachmaligen äbteS fftatgar, ber aber fpater fidj febr hart unb feinbfelig gegen il;n benahm. £)er ©iffenSburft trieb il;n, fidj bie Gr* laubniS ju einem äufentl;alt bon einem 3abr in SDourS, in ber berühmten academia Turonensis auSjumirfen, bie unter ätcuin in fdjönfter 33lüte ftanb. ®ort mürbe baS SDribium unb Ouabribium eifrigft betrieben; außerbent aber mürbe (f. b. ärt. ätcuin) Rheologie unb ^mar ©djrtftauSlegung gelehrt. ®ort b a t tbobt auch §rabanus 3 U feiner ganj außerorbentlidjen S3efanntfd;aft mit ber 33ibel beit ©runb gelegt, bie ihn befähigte, alles ÜRöglicbe auch in ben meltlichen ©iffenfdjaften mit Gitaten auS ber ©dfrift 31 t begleiten. Gbenfo fdjeint er bort feine i-uft 5 ur lateinifdjen 35erSfunft unb feine ©emanbtbeit barin geholt 3 U haben, älcuin blieb auch fernerhin, fo lange er lebte, ihm in berglidjer Siebe 3 ugetban. 3« i: ä^3 e i e ^ v 'i nfl d) gulba mürbe ^rabanuS fogteidf 3 um magister (= rector, scholastieus) ber Älofterfdjute befteHt; unb bon ba an batirte ftebräifd) fonnte er Wenigfteng lefen, ohne baß jebod) ein weiterer ©ebraud) erfidjtlid) Ware, ben er etwa baöon gemad)t. 2 Beld)eg Sntereffe ber SOiann aber an ©pradjftubien genommen, baöon legt ingbefonbere fein freilid) nur ein befdjränfteg ©ebiet umfaffenbeg lateinifch=beutfd)eg SBörterbud) unter bem 3Titel glossae latino-barbaricae ßeugnid ab. ©o befc^äftigt er fid) aud) fonft überaug gerne mit ett)mologifd)en Unterfudjungen, bcren SBertl) freilich mehr in feinem guten SBiden unb ber fleißigen Senkung beg ihm jugänglid)en SöiffenS, alg im Wirfüdjen SRefultat ju fud)en ift. d?id)t minber aber erftredte fid) bie ©trcbfamteit beg §rabanug, wie wir aug feinen ©djriften de computo (ßeitredjnung mit aftronomifdjer 33egrünbung), unb de universo (eine 2lrt ©ncpflopäbie ber Sßeltfunbe) erfel)en, über bie 23ibet= unb ©pradjftubien hinaug unb umfaßte aud) bag, wag wir 9?ealfenntniffe nennen. dinge, wie Sfteitfunft, Ärieggfnnft, ©djiffahrt, felbft bie Äunft, fd)öne §auggerätl)e 311 oerfertigen, nahmen fein 3ntereffe in Slnfprud); über SDhtfif verbreitet er fid) in feinem 93ud)e de clericorum institutione (C. III. c. 24.), unb Wag bie übrigen fünfte betrifft, fo fudjte er burd) fchöne Neubauten, burd) ©culptur* unb ©djnifcarbeiten, burd) Weiterungen unb 3 n= fdjriften ebenfo fel)r bie Slofterräume würbig 3 U öerfcfjönern, alg ben Äunftfinn unter feinen SKöndjen unb ©d)ülern 3 U pflegen unb jebeg Talent, bag fid) in irgenb einer Stidjtung fttnb gab, burd) 33efd)äftigung audsubilben. diejenigen Snfaffen beg ÄlofterS, bie fid) 3 U wiffenfd)aftlid)en ©tubien nidjt qualificirten, wußte §rabanug wenigfteng baburd) bem ©ansen nufcbar 3 U machen unb sitgleid) fie felbft 31 t cultiöiren, baß fie in ben Slbfdjriftcn öon &ird)enüätern unb Slaffifern, bie öon anbern gefertigt Worben waren, bie Snittalen auSmalen, ober bie SRanufcripte binben, ober felber fadigraphifdje Arbeiten liefern mußten. 9llg Seljrer gilt 001 t ihm, wag bag genannte ©djwarj’fdje Programm fagt: In hoc quoque primus inter Germanos praeceptores fuit, quod secundum suam quemque indolem instituendum esse commonstravit. dritljeim aber giebt nod) näl)er folgenbed angieljenbe 23ilb öon il)nt: Quos ille, ut erat mansuetissimus, omnes summa cum diligentia informabat, prout uniuscujusque vel aetas vel inge- nium permittebat.... Singulärem habebat docendi gratiam et persuadendi maxi- mam facilitatem. Nam et ingenio fuit acutus, et facundia disertus, voce quoque tubali sonorus et quadam gravitate venerandus. Unde, quoties ratio postulavit, sola potuit voce terrere improbos et non minus humilitate mulcere prostratos. — die 53ered)tigung, in tprabanug ben ©djöpfer beg beutfdjen ©djulwefeng 3 U öerel)ren, liegt fomit barin, baß unter ihm 3 UIU erftenmale auf beutfdjem Woben fold) eine @e= meinfd)aft beg Sehveng unb Sienteng, befeelt öon foldjem ©ifer unb gefrönt öon fold)em Srfolge, fid) gebilbet unb entwidelt hat; wiewohl biefer SRuljm bod) nid)t fo aug= fchließlid) bem ^rabanitg unb feinem Älofter, foitbern gleidjgeitig aud) bem Slofter ©t. ©allen unter 9lbt ©ojbert gebührt, dod) fdjeint, fo eifrig man and) hwr b en ©tubien oblag, bie perfonlidje Weßeutung beg fprabanug, fein unmittelbareg SBirfen größer geWefen 3 U fein, alg bag ber ©t. ©aller 8 et)rer; felbft ber trefflidje ÜJJotfer Walbulud, beffen Sugenb nod) in bag le( 3 te 3ahrjel)ent öon fprabanug’ Sieben fiel, l) a l bei adern feinem Sßiffen bod) feinen £>auptrul)ut in einem fpecieden ©ebiet, nämlich ber fird)lid)en Sßoefie (f. b. 2 lrt. ©efang) fid) erworben, währenb tprabauug in aden ©ebieten 31 t §aufe unb thätig war; namentlid) aber ift bemfelben nad) 3 urühmen, baß er, Wie dritheim fagt, primus omnium sub fide Christi Germanos et graecam resonare •fuabanuS 9Jlauru§. 585 linguam docuit et latinam. Uebertyaupt War biefem baS Sehren fo lieb, fo jur anbern fJJatur geworben, baß er aud) in feinen prebigten baS Polt über allerlei ®inge auf$u= tlären fudjte, unb felbft als er Slbt geworben War, ityrn alfo leinerlei Perpflidjtung junt Unterridjtgeben in ber Älofterfdjule metyr oblag, er bennocfy bieS aufjugeben fid> nid^t entfdjließen fonnte. Sölan barf ityn and) in biefem befonberen Sinne ben erften beutfdjen ©djulmann nennen. 9Dtit biefer feiner geiftigen 3)iSpofition ftetyt eS in boßetn Sinflang, baß er in jWei großen ttyeologifdjen Streitigfeiten bie rationelle Stuffaffung djriftlictyer ®ogmen energifd; gettenb madjte. ©ie PräbeftinationSletyre beS SOtönctyS ®ottfd)alf be= fämpfte er als eine fittlid) gefäl>rlid>e; bie XranSfubftantiationSletyre beS -ßafdtafiuS 9?äb= bertuS, bie jum fattyolifdjen ©ogma geworben ift, berwarf er als eine roty=finnlid;e ©arfteßuug einer Sadje, bie geiftig berftanben werben müße. Sine Hemmung feiner Xtyätigfeit trat fdjon nmS 3atyr 805 ein, ba auf einmal ber Slbt fKatgar bie £etyranftalten eigenmädßig auftyob, ben Sftöndjen ityre Püdjer weg= natym unb fie ju beftänbiger £>anbarbeit jwang. fOfan berfmtyte aßeS, um biefeS ge= walttbätige Perfatyreit ju fiftiren, aber jwölf Satyre laug wußte ber fdjlaue Slbt bie Stritte, bie man työtyern 0rtS wiber ityn tljat, fruchtlos ju madjen; erft bom Satyr 817 an, als fßatgar enblid) abgefetyt war, fonnte bie frütyere Xtyätigfeit wieber aufge= nommen, jetyt fogar infofern erweitert werben, als — einer aßgemeinen Perorbnung ber 3lad)ener Stynobe bon bem genannten Satyr jufolge — eine schola exterior für biefenigen Sdjüler, bie nidjt SDlöndje Werben Wüßten, ben ber interior auSgefdjieben würbe. — 0b wätyrenb jener SB irren fprabarutS eine Pilgerfatyrt nacty ^5aläftina gemadjt tyat, Wobon einzelne ülfadjrictyten fpredjen, ift nictyt fktyer ju ermitteln; ebenfo ungewiß ift eine 9feife nacty Stalien, bie er nodj bon XourS aus gemad)t tyaben foß. Später fonnte IprabanuS einer PerWicflutig in bie politifdjen fplinbel, bie bem 93er= trag bon Perbun borangiengen, nid;t entgetyen; er War erttfdjiebener Slntyänger SottyarS unb mußte, ba aucty im Älofter Parteiungen ftattfanben, beStyalb ben SlbtSftab nieber= legen, Worauf er ficty ju Sottyar felbft begab. Sßfan bot ityrn halb feine borige SBürbe Wieber an, aßein er letynte fte ab unb fetyrte erft, als fein greunb fpatto jum Slbt gewätylt worben war, nad) fjutba jurücf, wo er auf bem PeterSberg als ÄlauSner feinen wijfenfityaftlid)en Slrbeiten lebte. Subwig ber ©eutfdje, ungeadjtet er bie Slntyänglictyfeit beS §rabanuS an Sottyar fetyr wotyl fannte, tyatte bennocty tyotye Peretyrung für ityn unb rief ityn an feinen fpof; als fofort ber eräbifdjöflictye Stutyt in SDiaing lebig würbe, Warb itym 847 auf gefetylidjem Söege biefer übertragen. ®ie letyten Satyre feines SebenS bradjte er auf feinem Sanbgut am §mße beS SotyanniSbergeS ju; er warb fo aßgemein beretyrt, baß er nad; feinem Xobe oou bem Sanbbolf als ^eiliger angerufen Würbe. Peige= fetyt würbe er, feiner eigenen Perorbnung gemäß, 31 t SOiainj in ber St. SllbanSfird)e. ®ie erfte (übrigens nid;t ganj boßftänbige) ©efammtauSgabe feiner SBerfe erfctyien in Äöln 1626 in 6 Xtyeilen gol.; bie neuefte bilbet ben 107.—112. STtyeit beS Patro- logiae cursus completus bon SJiigne in Paris; einzeln finb in ber ßwifctyenjeit nnb fdjon im 16. Satyrtyunbert berfdjiebene feiner Sdjriften erfd;ienen. Sie beftetyen na= mentlicty auS Sommentaren ju ben biblifctyen Sctyriften, aus Prebigten, Priefen ec., Woju aber eine große ßatyl felbftänbiger Söerfe fommen, bon benen wir außer ben hier fctyon oben erwätynten nod) feine Püctyer de vitiis et virtutibus (eine ÜDJoral für S3eid>= tiger), de anima et virtutibus, ben über poenitentium — de disciplina ecclesiastica, — de praedestinatione contra Godesehalkum, — de oblatione puerorum secundum regulam S. Benedicti, — fein martyrologium anfütyren. Sine feiner berütymteften Arbeiten fütyrt ben Xitel de laudibus S. Crucis; eS ift ein lateinifdjeS ®ebid)t, beffen Perfe fo gefdjrieben unb barnacty eingeridjtet finb, baß fie äufammen bie f^igur beS ÄreujeS borfteßen. SCIS gefd)idter Perfifey tyat er audj außerbem berfityiebene spinnen gebictytet. Slußer ben genannten ®iffertationen unb bem, was aße Sird;engefctyi(tytswer!e über fprabanuS enttyalten, ift über ityn bornetymlidj ju lefen bie Piograptyie bon Äunftmaun, 586 §rabanu8 SölautuS. -fmlfStebm. SDlainj 1841. 3m gebruar 1856 I>at baS ©qmnafium in gulba eine folenne ©ecular* feier feines SobeS begangen, f. baS Programm berfelben öon Sari ©djmarh, SDircctor, baS übrigens nähere gefchichtlidie Sata nicht über £>rabanitS, fonbern über ©türm ttnb bie ©rünbung beS ÄlefterS enthalt. Sei biefer freier mürben gmei Iphtnnen beS §raba* nuS, Christe sanctorum decus angelornm unb Festum nunc celebre magnaquc gaudia, abgefnngen. Slud; bie eüangelifd)=beutfche ©d)ute ift bei jener Seranlaffung an ihn erinnert morben, f. b. Sluffah beS Unterj. im fübbeutfdjen ©djulboten 1856 9tro. 2—4, unter bem Sitet: Sin beutfd)er Schulmann öor taufenb Jahren, öon meldjem Sluffah — ba feitbem fein meitereS gefdjichtlüheS Slaterial über §rabanuS ju Sage gefotnmen — bas Söefentlidje auch in obigen Slrtifel aufgenommen ift. «Palmer. §iilfeletftiutg, f. Sethülfe. |>ülf3leljixr. (Slbjuoanten in ©chlefien.) «flicht äße öerfdjiebene Slrten oon ^ülfslehrern, mie biefelben aus mannigfacher Seranlaffung in ErjiehungS* unb ©d)it(= anftalten an ber ©teße ober jur Unterftüfsung öon orbentlidjen Lehrern ihre Sermen* bung finben, foßen hier befprodjen merben. Sie nachfolgenben Stittheilungen faffen nur eine Slrt öon §ütfSlehrer--©teßungen ins Singe, metche in ©djlefien als eine meit* oerbreitete Snftitution unter bem Flamen öon Slbjuoanturen aßgemein befannt ift. 2Bie biefelbe, aus befonbern Socaloerhättniffen heröorgegangen, in ber genannten «ßroöinj ftauS= unb gamiliengenoffen jener, gegen freie Soft unb fonftige geringe Sergütung, bei ber Ser* forgung ber ©d)ulen Unterftüfsung ju leiften hatten unb in foldjer SI;ätigteit, unter ber Leitung unb meiteren Untermeifung ber ^auptlehrer, ftch jugteid; jur fünftigen felbftän* bigen SluSrid)tung beS ©djulamteS fortbilben tonnten. Eine gleiche Einrichtung griff aud) für bie größeren Sörfer in ben nid)t gebirgigen Sbeilen ber «ßimöinj Sla£, mürbe auch, ttad;bem afimählich einer auSreidjenberen Sehrerbilbung größere ©orgfalt jugemen* <§ülfStcljm. 587 bet worbett, meiftentheilS beibel)alten, Wo, wegen Ueberfüßung ber £außtfdjulen ober »egen 31 t großer SBeite ber Schulwege, entweber an benfelben Orten ober in anbern eingefdjulten ®örfern berfelbett Äird^fatjrt befonbere 5)ieben=, fogenannte Lauffd)ulen ein= gerietet würben. @0 ift, WaS an eingelnen Orten, um einem IjerBorgetretenen SBebürfntffe gu ent= fpredjen, als eine guerft bieHeid)t nur notdürftige SluSl)ülfe gugelaffen Würbe, bereits feit langer alö einem falben Sahrljunberte eine gefe^tid^ georbnete allgemeine (SinrtauSftanbeS. Verfrühte (Ehen, unter foldjen Umftänben gu einer 3 e ür Wo bie innere Sleife gur Se= grünbung unb SluSridjtung beS §auSbateramteS noch fehlt, ohne forgfante 2BaI)l ge* fd)Ioffen, nehmen oft burd) fdjmerglicfje Säufdjungen, bur n h at bie ' n 9 iebe ftehenbe ®inrid)tung für ©d)leften fid) als wichtig erwiefen. ®S ift bereits oben bemerft, baß bie ben ülbjuban» ten jugewiefeite ÜBirffamfeit jum ®f)eit in 9 ?eben=, fogenannten Sauffdjulen eingefrfjulter ®örfer auSgeübt Werben muß. ®ie ©ihulgemeinben biefer Drtfdjaften finb t 1 )eilS fo Hein unb arm, baß fie, jumal wenn bie Vebölferung nod) confeffioneK gefdjieben ift, eigene Selber 3U unterhalten nid)t bermögen; tl)eil8 liegen biefelben bon bem Drte ber £>auptfd)ulc burd) fo weite unb 51t feiten fo befd)Werlid)e ÜBege getrennt, baß eine täglich regelmäßige 3 ur ütftegung ber Icfetercn, jumal feitenS ber jüngeren ©d)ulfinber, für untunlich eradjtet Werben muß. gür foldje Verhältniffe, unter Wellen fonft eine regel= mäßige 23 efd)ulung ber Äinber unmöglich ö elüe fen wäre, hat fd)on baS oben be3eid)= nete @d)ulreglement bont 3al)re 1801 bie SlnfteKung bon Slbjnbanten bei ben betreffend ben £>auptfd)ulen angeorbitet unb benfelben bie llnterrid)t8ertheilung an jenen entfernteren Orten jitgewiefen, „ba eS leichter ift, baß ein erwad)fener SJJeitfd) einen entfernten ÜBeg mache, als Äinber.'* Unb baß ferner auch * n fold)en gälten, in Weldjen nothbürftig ein eigener ober, in größeren länblidjen Drtfdjaften, ein jweiter felbftänbiger Sehrer unter» halten werben lönnte, hoch bei weitem borwiegenb ber ^Beibehaltung ober Üfeubegrün» bung bon Slbjubanturen ber Vorjug gegeben Wirb, beruht auf bem ebenfalls fd)on bon jenem felben Üfeglement herborgel)obenen ©runbfafce, baß bon 31t fd)Ied)t befolbeten ©d)ullehrern nid)t biel üfühliched für bie Srjiehung 31t erwarten fei. üBürben nämlich — WaS ja bei ißerfonatmechfeln in ben betreffenben £>auptlel)rerflellen möglich Wäre — allenthalben, Wo bie ®h e 't un g berfelben in oerfdjiebene felbftänbige Slemter nid)t gerabe eine oöHige ©ubftften3»Unfäl)igfeit 3ur golge hätte, bie Slbjubanturen aufgehoben unb an ihrer ©tatt felbftänbige ©d)ulämter eingerichtet, fo würben bie meiften einträglicheren SanbfdjullehrerfMen ber ißrobins, beren ie<3tge beffere Dotation für mandjen befähigten jungen SDfann nicht ohne mitwirfenben (Einfluß auf bie ÜBahl beS fünftigen VerufeS fein bürfte, 31t allenfalls nur nod) 3iemlid) auSfömtnlid)en ÜJiittelfiellen, manche jetzige HütfSleprer. Humanismus unb fHealiSmuS. 589 fDtittelfteüen bis ju berjenigen ©ränje perabfinfen, bei melcper ba8 Proletariat beS SeprerftanbeS beginnt. ©otlte niept burdj angemeffene ermeiterte 31nmenbung beS ben Stbjubanturen ju ©runbe liegenben fprincips, neben oielent barauS refuttirenben inneren ©egen, aud) ärmlichen Sepreroerpctltniffen, nrie fie Ja in nieten ©egenben norliegen, nodj an mancpen Drten eine 3lbpülfe bereitet merben tonnen?*) ©toljcnburg. §UMtflniSm«§ unb 9fc(tli3ntU$, in piftorifd)er ©ntmidlung unb gotge. ©d)on bie 3 u f am menftellung ber burd) biefe 9?amen im ©ebiete beS (Srjiepung8= unb UnterridjtSmefenS auSgejeidineten 3tid)tungen erinnert eben fo mopl an ben Stampf, ber jtoifdjen ipnen ftattgefunben, toie an bie fßerfßnlidjteiten, melcpe ben= fetben geführt paben, unb meist in bie @efd)id)te ber PäbagogiE jurüd. ®ie pergebradpte Sluffaffung ber ©ad)e ift bie, baß biefe 3tid) tätigen mit bem Sluftreten ber SJtetpobiter, 3taticp unb ßotneniuS, als miberftrebenbe ©egenfäpe juerft jur Srfd)einung tommen, bet 31. H- gr^de unb ben ipm Sftacpfolgenben, ben fog. Pietiften, frieblid) neben einanber pergepen, bagegen burcp bie fßpilantpropiften in einen ©onflict geratpen, ber ftd) bis in bie ©egemoart fortjiept. 3)aS einer jeben berfetben (Sigentpümlidie unb 33efonbere finbet man im allgemeinen barin, baff ber Humanismus feine Aufgabe burcp baS ©tubium ber claffifcpen ©djriftfteller beS griecpifdjen unb römifdjen SlltertpumS, ber StealiSmuS burcp bie Pertoenbung ber miffenfdjaftlidjen ©rrungenfcpaften ber neueren 3eit ju erreichen fnd)t. 3)auüt ftinunt eS benn mopl, toenn man ben Humanismus, in bem ©pmnafium, ben 3teaIi8muS in ber 3tealfcpule mirtfam fiept. Dpneß^eifel pat biefe pergebrad)te 31nfid)t tpr 3ted)t unb ipren piftorifcpen ©runb; eS ift ricptig, baß 3tattcp unb SomeniuS bie Srgebniffe ber miffenfdjaftlidjen 3Irbeit iprer ober ber unmittelbar oorpergepenben 3 e od) biirfeit mir hier nid;t fo meit greifen, müßen un 8 bielmefyr in engem ©ränsen batten unb und nad^jumeifen begnügen, mie im Alter* tbume ber Humanismus fidj 33abn brad) unb ben 3tealiSmuS oerbrängte, nnb mie »on ber 3(it an baS Sr 3 iel;ungS= unb UnterridjtSmefen oon bem einen unb anbern bebingt unb beftimmt mar. 3ußor jebodj mirb eine oerläufige 23emer!ung über ba'S Unterfdjei= benbe in beiben 9iid)tungen nidjt umgangen merben bürfen. Oer mefentlidje unb djarafteriftifdje Unterfd;ieb beiber liegt juerft in bem 3i £ le, baS fie »erfolgen, unb bann in ben SDlitteln, meld)e fie für ihren 3njecE gebrau d;en. Oer Humanismus gebt, mie fein 9?ame fdjon fagt, barauf auS, jur Humanität ju bilben; er mifl ben SEenfdjen ju bem machen, moju berfelbe »on Sftatur Einlage unb Begabung bat. lleberaE leitet unb begleitet ihn ber ©ebanfe, baß ber -ÖJenfcb ein befonbereS, gottoermanbteS SBefen ift, beftimmt, über bie Efatur 31 t berrfdjen unb eben fo mürbig als bebürftig, baju erjogen ju merben. OieS SBefen unb biefe 23eftimmung beS ÜKenfdjen ift eS, morauf ber 23licf gerichtet ift unb morauf afle ^Bemühungen unb S3eftrebungen — nad) bem SEiaße ber SrfenntuiS, bie in bem 33ilbungSguftanbe beS 53olbS »orbanben ift, — absielen; oorjugSmeife ift eS alfo bie pflege unb Silbung beS ©eifteS an ftdfj, bie in 33etrad;t fommt; bie befonbern 33erl;ältniffe beS 23erufS, in benen ber 3 U SSilbenbe fic^ bereinft bemegen unb feine SBirffamfeit finben mirb, in 9ledjnung ju sieben, fdjeint nicht notbmenbig. 3m ©egentbeil, finb bie inteüectueEen Kräfte burd; bie rechten ÜÄittel gemedt unb baran erftarlt, finb ©efinnung unb Sßifle in bie beS Slienfcben mürbige jüidjtung geleitet unb barin befeftigt, Singe unb H er 3 für bie b^b £rit unb mabrbaften Sntereffen ber menfdjlidjen ©efeEfdjaft erfd)loffen, fo mirb, ift bie SDleinung, biefe 33tl= bung befähigen, eine ©teEung im Ejätigen Sehen mit Sbreu 31 t behaupten ober bodj bie baju befonberS erforberlid;e Knnft unb ^ertigleit fidj leidjt anjueignen. Oer 3iea= liSmuS nimmt ben gerabe entgegengefebten AuSgaugSpunct, er fleht — unmiEfürlid; ober mit tlarem 33emußtfein — bei feiner Arbeit baS ©ubject, bem biefe gilt, juerft unb jnnädjft in ber ©efeEfdjaft, im ©taate, in ber ©emeinbe, in einem ©tanbe, in einem corporatioen SJerbanbe, unb fragt, meiche ©teEung eS Parin einnebmen mirb unb maS eS 31 t biefem 3'uecfe 31 t leiften fähig fein muß. Oie Oauglidjfeit unb fjertigleit für ben befonbern 23eruf gilt ihm als baS Srfte unb Se( 3 te. 3n biefem ©inne fiebt man junädjft barauf, quod ad rem ober e re ift, unb fudjt bieS 3 U geben unb anjueignen. Oabei bat man eS nun freilid) aud; mit bem ©eifte beS ©ubjcctS 3 U tbun, aber nicht als bem lebten 3iAe ber Arbeit, fonbern als einem für befonbere meitere 3 tDe( t e juju* ridjtenben Organe. OarauS ergiebt fidj sunädjft folgendes: 33Bäbrenb ber Humanismus ein 3iel »or Augen bat, fann baS 3tA PeS EfealiSmuS ein mannigfadjeS, erft burd; bie SSefonberbeit ber SerufSart beftimmteS fein; mäbreub jener in bem SRenfdjeu ein Sentrum 3 U fdjaffen fud)t, melcheS bei gegebenen Anläffen nad; aEen ißuncten ber $eri= pberie 3 U mirlen oermag, ift biefer bemüht, bem 3»gEuge aEe bie für bie mannigfaltigen ObätigleitSäußerungen erforberlidjen gertigfeiten angnbilben. ÜDatnit bangt benn meiter gufanunen, baß bort bie in 33emegung gefegten SJJittel einheitlicher unb 3 ufammen= bängenber, intenfio mirfenber finb, mäbrenb bmc mehr SDcannigfaltigfeit, Sßedjfel unb ©prung fidjtbar mirb, baß bort ferner bie SDietbobe natürlicher unb einfad;er, b* er meift l'ünftlicher unb complicirter erfdjeint. ÜDiefe natürlichen Sonfequensen ber einanber gegenüberftebenben ^ßrincipien lomtnen in ber Ausführung unb ^jßrayis freilid; nid)t immer 3 U ihrem Rechte. SS barf nid)t -§umatti§mu§ unb StealiSmuS. 591 erft bemerft merben, baff ber Humanismus fel6ft in einen bürftigen Realismus auSlaufen fann unb ausgelaufen ift, bajj er, oon ben concreten Berhältniffen beS BolfS, beS ©taatS unb ber Äirdje afeftratjirenb, jum bürren unb niebrigen gormaliSmuS mirb; baß bagegen ber Realismus je nad) bem 3®ecfe, ben er fid) oorgefetjt, unb ben -Kitteln unb ber Üftetbobe, bie er in Slnmenbung bringt, eine feljr el)rmürbige unb erfreuliche (Er= fdjeinung fein fann. 3ubeS bie befonbere ©eftalt, in ber ftdj biefe ^Srincipien in ber SluSfüljrung barfteüen, fommt hier nod) nid)t in 23etrad)t. Kur baS (Sine muff noch bemerft merben, baff ber KealiSmuS tro(j ber Bielgeftaltigfeit, in ber er erfdjcinen fann, fidf in eine hoppelte ©ruppe fd)eibet, ben urfprünglid)en ober oielmehr ben naturmüd)figen KealiSmuS in ber nationalen unb ftäubifdjen (Srjiel)ung beS älltertpumS unb SKittel» alterS unb ben methobifdjen ber 'ißäbagogifer ber neueren ßeit. Setter fie^t fein 3iet fcurd) bie befteljenben Sßerbjältniffe beS Sehens oorgejeidjnet unb fud)t baSfelbe junädjft burd) (Srjiehung jn erreichen, ber Unterridjt tritt fubftbiarifd) hinju; biefer finbet feine Slufgabe burd) Kefteyion unb gel)t an il;re Söfung mit ben SKitteln beS Unterrichts — oft fo auSfdjIteßlidh, baff er bie Srjiefung üernad)läfigt. Srägt bemnad) jener ©runb unb Berechtigung ftetS in fich felbft, fo lägt fid) baS bon biefein nicht immer fagen. Verfolgen mir nun ben ©ang ber @efd)id)te, fo h a &en wir juerft ben KealiS= muS unb Humanismus bei ben ©riechen ju betrachten nnb nadjjuroeifen, wie ber lefcte bei biefern 93olfe juerft jur (Srfcheinung fommt unb bem naturmüd)figen Kea= liSmuS ber nationalen Bitbung entgegentritt. Sie (Erjiel)ung ift bei bem erften Heröortreten ber Böller rein realijiifd), fie geht »on bem BebiirfuiS aus, baS burd) bie urfprünglidje BolfStl;ümlid)feit unb inbioibueHe SebenSfteKung ber ©emeinbe bebingt ift. SaS, maS bie eine unb bie anbere im ©ebiete beS häuSlidjen, öffentlichen unb religiöfen SebenS forbert, lernen bie Äinber burch baS Borbilb unb bie SKittheilungen ber (Eltern, bie Unmiinbigen burd) baS Beobad)ten beS IhuttS unb SaffenS ber (Ermadjfenen. Saju tritt als (Ergänjung bie Ueberlieferung ber Saaten unb ©efdjicfe ber Borfahren. 2lHeS Untermeifen unb Sernen befielt in bem 9lneignen beS thatfächlich ©egebenen. 3e reidjer unb inhaltSooUer baS Seben felbft mirb, befto mehr ermeitert unb oertieft fid) im engften ^uf^mmenhange mit bem Seben bie (Sr= jiehung. ©o finben mir eS and) bei ben ©riechen. Sod) unterfcheibet fid; bieS merf= mürbige Bolf gleich Oon 2Infang an oon allen anbern baburd), baß ber KealiSmuS ber (Erjielmng nid)t bloß auf bem Triebe unb Srange beS nacften BebürfniffeS beruht, fonbern Oon flaren unb lebenbigen ©ebanfen getragen unb geleitet erfd^eint. darauf meifet fogleid) bie befonbere ©orge unb Beranftaltung ber (Srjiehung beS ganjen 9Kenfd)en burd) ©pinnaftif • unb SDiuftf, einer (Srjiehung freilid), bie nur bem greigebornen ju theil mürbe unb ju theit merben fonnte, meil Unfreie bie fdjmerften unb briiefenbften SD^üIjen unb Arbeiten beS täglidjen SebenS ju tragen hatten. Saju fam, baf biefe ben ganjen 2)?enfd)en umfaffenbe (Srjiehung in ftetigem gortfdjritte fid) üerooüfommnete, ben rafdjen gortfd)ritten in ber (Sntroidlung beS ganjen SebenS entfpredjenb. Sie ©onberung beS BolfeS in fo oiele ©tämme unb ©taaten führte, bei aller (Einheit unb Uebereinftimmung in ben ©runbjügen bem 3luSlanbe, ben Barbaren, gegenüber ju einer mannigfaltigen unb oielfeitigen (Eutmicflung; ber jugenblidje Bhatenburft unb Shatenbrang lief eS niemals jum ©tiUftanb fornmen, fcnbern trieb immer ju hohem ©tufen, unb maS baS SBidjtigfte, fo mie eine (SntmidlungSperiobe abgefd)loffen mar, ftanb fie, ber ©djladeit ber 3Birflid)feit entfleibet itnb oerflärt, in ben BSerfen ber Siinftler unb Siebter oor ben Slugen beS BollS gleid)fant jur bleibenben (Erinnerung an bie Bergangenljeit unb als ©piegel unb SBegmeifer für bie ©egenioart unb 3ulunft. Köthigt nun fd)on eine nähere Betrachtung beS SebenS unb ber Sh a ^ en beS ju ber Slnerfennung, bajj biefeS ben Beruf in fid) trug, bie ©djranfen ber Kationalität ju burd)bred)en unb jur Humanität oorjubringen, fo hebt ein Blicf auf bie (Srjeugniffe beS ©eifteS in Siteratur unb Slunft barüber jeben ßmeifel. SaS (SpoS, bie ?h r 'f — 592 ■§umaniSmuö unb StcaltSmuS. man benfe nur an $inbar — ftefien in bem inbioibueßen ®pun unb Seiben, in ben befonbern ©efcpiden immer and) mieber baS allgemein SDlenfdßidje bar, »on bem ®rama, non bem fiep bieS non felbft »erftept, gar nid;t gu reben. SlßeS maS auf biefem SBege für Humanität gemonnen mirb, fommt nun freilich im Unterrichte unb ber ©Übung beS ©eifteS aud; ber Gcrgiepung gu gute; gteicpmopl aber hält fich biefelbe bis nahe an ben petopomtefifd;en Krieg in ben feften formen »äterlicper ©itte, unb ber Unterridft gebt über baS hergebrachte-in ©pmnaftif unb SJcuftf nicht hinaus, felbft in Sltpen. SBiemopt pier i>ie 3ugenb Weit menigcr eingeengt mar, als in ©parta, fo bulbete bod) meber ©itte unb ©efep, nocp ber SBäd)ter über beibe, ber Slreopag, ein heroortreten berfelben aus ben fie non ben SKünbigen trennenben ©cpranfen. 3nbeffen tonnte eS nicht fehlen, baß ber feit längerer 3eü madjfenbe SBopIftanb, baS ©epagen am SBoplftanbe unb an ber benfelben tpeilmeife bebingenben ^crrfd^aft über bie ©um beSgenoffen eine erhebliche Slenberung aßmählich perbeifüprte unb bie ftrenge »äterlicpe ©itte milberte unb nad; unb ttad) gerabegu loderte. ®ie folgen baßon mußten fich in ber Gcrgiepung halb fühlbar machen unb madjten fiep fühlbar, fomie mit bem 3luf= treten ber ©oppiften bie SBaprpeit aßer fitttidjen ©orfteßungen unb ©egriffe, bie ©e= red;tigung ber geheiligten Drbnungen beS SebenS in grage gefteßt mürbe unb habet eine ©erebtfandeit auffam, bereu Triumph eS mar, afleS biSper geftftepenbe gu er» fdjüttern unb manlenb gu machen. ®ie SBirf'ung ber ©oppiften mar eine uni fo ge» maltigere, ba fie an ber 3 e *ßörung ber Srrungenfdjaften beS nationalen ©eifteS gerabe bamals ipre Kraft »erfudjten, als biefelben geraißermaßen am Slbfdßuß angelangt maren unb in ber „üötetropole ber ©ilbung beS ©olfS" ipren GeinigungSpunct gefunbeu patten. ®er ©ah beS ißrotagoraS, „ber ©teufd; fei baS SJtaß ber ®inge, ber feienben, baß fte mären, ber nid)t feienben, baß fie nicpt mären“, begeicpnet ben SBenbepunct in bem ©e» mußtfein beS ©olfeS, auf bem eS ben tpatfäcplicp unb objecti» gegebenen SluSgangSpunct feines ®enfenS unb SebenS »erläßt unb mit entbunbener unb freier ©ubjectioitat eine neue ©apn einfdjlägt. (©gl. Thuc. III. 82, 83.) ®anüt pat benn ber SlealiS» muS ber nationalen Gcrgiepung feine frühere ©eltung unb Sebeutung »erloren, ber humaniSmuS tritt mepr unb mepr in bie ©teße beSfelben ein. ®iefe SBenbung perbeigufüpren, patten bie ©oppiften nur ben Slnftoß gegeben, inbem fie bie Sluctorität beS ©eftepenben angriffen; ein SlitbereS unb 9?eueS an bie ©teße gu fepeit »ermochten fie nid;t. 3pre SBirfung patte bentnad; für bie ©Übung im gangen nur ein negatiüeS Slefultat. ®ieS forberte »on felbft gur ©rünbung eines Steuen perauS unb biefe mar baS SBerf unb ©erbienft beS ©ofrateS. SBie berfelbe ©rünber einer neuen ©pilofoppie mürbe, fo eröffnete er aud; in ber tpäbagogif eine neue ©apn; beibeS pängt auf baS innigfte mit einanber gufamme». 3nbem er bie Gctpif iitS Beben rief unb burcp feine ®ialeftif auf feftem ©runbe aufbauete, mürbe er ber Beprer ber mapren humanität unb ber ©egrünber beS h uman t SmuS - 3 un ä^ß fommt piebei in ©etracpt fein Kampf gegen bie ©oppiften. SluSgepenb »on ber liebem geugung, baß eS eine abfolute SBaprpeit gebe unb eine GcrfenntniS, ein fefteS, uner» fcpiitterlicpeS SBiffen biefer SBaprpeit, baß eS eine ®ugenb unb ©ittlicpfeit gebe, rupenb auf biefer SBaprpeit, als eine unmittelbare golge unb SBirtung biefeS SBiffenS, ift er bemiipt, baS Sine mie baS Slnbere in ber ®arlegung unb Sntmidlung ber ®patfad;en beS fittlüpcn ©emußtfeinS im ffltenfcpen burcp feine SJlaieutif gu ermeifen. ®ie Slner» fennung biefer ®patfad;en ergmingt eben fomopl bie unmiberfteplicpe ®ialeftif mit iprer Snbuction unb ®efiuition, als aucp bie munberbare SDlacpt ber in feinen Sieben malten» ben 3ronie. ©on biefer Slnerlennung ans mirb bie tiefere Srfenntnis beS SDtenfdjeit als eines fittlicpen SBefenS, feine ©teßung unb ©eftimmung in bem »on ber ©ottpeit ge= orbneten SBeltgangen nadjgemiefeit unb beSpalb bie Gcrgiepung gut ®ugenb als baS Srfte geforbert. Snfofern biefe auf Srfenntnis berupt, eröffnet fid) »on ba auS ein meiteS ©ebiet für baS GcrgiepungS» unb UnterridjtSmefen. ®enn ba eS nidft auf Srgeugung einer engpergigen unb befcpränften ©foral abgefepen mar, fonbern barauf, baß aße in» I ■JpuiitaniSmuS unb 9icaIiSmuS. 593 teHectueßen unb fittlid;en Strafte für bie Streifung ber Aufgabe beS 5Jiertfd;en in Sl;ä= iigieit oerfejjt mürben, fo mar fein 3'ueig beS SBiffenS, auch beS bis bahin üblichen ltnter= ridjtS, auSgefd)Ioffeu, fofern nur bie Stufgabe ber Srgiel;ung, bie fitttidje 93itbung, habet feftgehalteu mürbe, Sagegen glatte bem ©ofrateS baS 2Biffen ol;ne bie tiefere 33egrün= bung int eignen SBemujgtfein unb ohne biefe SSejieljung auf feinen lebten unb l;öd;ften ßmecf feinen SBerth- SS galt il;nt als ä/iad-ia unb erheb nicht aus ber Stned;tfdjaft; nur jenes begrünbete, fittlidjeS Sh im teirfenbe SBiffen l>eißt il;m „SBeiSheit" unb hat bie Äraft, ben SD?enfd;eit frei gu madjen. Von hieraus beginnt benn audj fein Stampf gegen baS rein empirifd;e unb auf Vuctorität angenommene Sßiffen ber 9febner, Staatsmänner, Hanbmerfer u. a., b. h- fein Stampf gegen baS SBiffen, mie es ber bisher herrfdjenbe SRealiSntuS ber nationalen Srgiehung gab unb überlieferte. Siefer Äampf mar nid;t gegen bie Objecte beS bisherigen Unterrid;t3 gerichtet, fonbern nur gegen bie Ungulänglid;feit unb DJidjtigfeit beS ton feiner fjöhern fittlid;en 23egiel;ung ifolirten em= pirifdfen SffiiffenS; eS fam bem ©ofrateS nid;t in ben ©inn, irgenb ein auS bem natio» nalen Sebeit IjeroorgegangeneS unb bemfelbeu bienenbeS Slement meggumerfeit unb es gu befeitigen; vielmehr motlte er nur alles in ben Sienft berjenigen Silbung giel;en, metd;e feine 3 e it9 eno ff en befähigte, gu ber Süd;tigfeit ber Vorfahren gurücfgufehrett. ®eun mie ber munberbare ÜDtann felbft baftanb in ber Sinfad;t;eit' feines SebenS unb in ber Uebung aller Sugenben ber alten 3eit angehörenb, in feiner ©eifteSgröfje über feine 3eit erhaben, fo mellte er in inniger Siebe gu feinem Vater! ante feine SOlitbürger auf bem VSege mahrhaft menfd;lid;er Vilbung in eine beffere 3eit gurüdfiihren unb burd; Umbilbung ber eingelnen Subjecte non innen heraus bie ©djäben beS öffentlidcen mie häuSlidjen SebenS feilen. Sies SSeftreben, oon meuigen red)t oerftanben unb gemürbigt, erregte ben fltealiSmnS ber nationalen 23ilbung gur heftigften ©egenmehr. Sie fßolemif gegen bie 3ulänglid;feit ber empirifdjen Silbuug fah man als gleid;bebeutenb an mit ber fftcgation beS Vefteheuben burd; bie ©opl;iften, meber bie 3lrt unb Spaltung berfelben Oon ber fophiftifdjen Srifttf mtterfd;eibenb, nod; aud; ben 9?eubatt, gu ber fie ben S3oben ebnete, bemerfenb. ©ofonnte ihmSlriftophaneS, als Vertreter unb Vertheibiger ber alten3ud;t unb ©itte, gerabegu bie 9?otle ber ©opI;ifteu geben unb braud;te feine fßerfon nid;t etma barum nur einguführen, meit er einen oon jenen, als jgremben, nid;t auftreten laffen burfte. Siefelben Vorgiige, metd;e biefer Sidtter an ber alten nationalen Srgiel;ung rühmt (Nubb. 961 seq.), münfdjte and; ©ofrateS bei feiner Vilbung ber Sttgenb gu erhalten unb mieber gu geben, mit ber SluSnahme etma, bajj bie @t;mnaftif ctmaS guriidtrat. Sie Sßolemif, toeldje bie Stomöbie gegen bie neue Srgiel;ung erl;ebt, als ein nebenher VeioeiS ber Dppofiticn ber Partei ber 2lltail;ener, enbigt bei SlriftophaneS djarafteriftifd; genug bamit, baß bie neue Vilbung ben ©ieg baoon trägt (Nubb. 1104). Unb in ber Sbat h ntte fie beit= felbeit läitgft erfämpft, menu aud; me(;r im ©inne ber ©ophiften, als beS ©ofrateS, b. h- mehr unb allgemeiner burd; ßerftörung ber alten nationalen Srgiel;ung, als burd; Verbreitung ber neuen beS Humanismus. 2BaS ©ofrateS eben barin erftrebt h at te, mürbe tljeoretifd; unb in bem engern Streife ber ©d;iiler auch praftifd; burd; bie ©dmleu ber fßh^°f D l-'h en unb auch ber 9ft;ctoren meiter auSgeführt. Siefe ©d;ulen finb ebcu ein fßrobuct ber neuen Vilbung; mährenb bie Slementarfdjulen ihren Unterridjt meiter Oerfolgten, fo jebod;, baff fie aud; einen gemijjen 2Iuffd;mung nahmen unb öfter in bie höhere ©tufe Übergriffen, mad;ten eS biefe fid; gur Slufgabe, ben jgorberungen ber humanen Vilbung nadjgufommen. fßlato unb VriftoteteS mibnteten be-r Späbagogif um fo mehr nad; aßen ©eiten hiu Slufmerffamfeit, meil ber ©taat, ben fie moßen, nur burd; bie Srgiehung ber VürgeP Veftanb haben faun. 3ft nun auch ber ©taat in il;rem ©inne ber gried;ifd;e, fo bleibt bennod; baS Slement ber Humanität, meldjeS oott ©ofrateS in bie Srgiehung eingeführt ift, unb erhält mannigfache Srmeiterung unb Vegrünbung. ©ehr middig mürbe in ‘JJäöag. (Sttcgflopä&ic. III. 38 594 Humanismus ittib SNcaltSmuS. biefer 33ejiel;ung aud) bie P)ilofopI)ie ber©toifer. ©ie führen beit 91fbei ber menfd)= td)en Statur (ivyeveia) in ifyr ©pftem ein. 3 U ih rer 3 e it ift bie Slüte beS nationalen Menä bal)in, fie fefyen alfo oon biefem a 6 unb rieten ihren Süd auf ben SJRenfdjen an fxcf; betrachtet. Sa oerfdjminbett bie Unterfdjiebe ber ©eburt unb beS ©tanbeS, eS bleibt nur ein Sorjug beS einen $Dfenfd)en oor bem anbern, unb biefer befielt in feinem fittlidjen 335ertl)e, in bem fittlidjen Abel; biefen ermirbt er burd) bafr ©tubium ber 233iffenfd)aften im allgemeinen unb baS ber ißjjilofophie — ber ftoifdjen natürlich — inSbefonbere, inbem er baburd) 3 ur Sßeisljeit gelangt. ®ie 9lid)tung, meldje fie bamit einfdjlagen, hat bem Humanismus nur nod) mehr Seftanb gefid)ert,. bie nationalen ©letnente oer Sitbnng immer meiter entfernt unb bem fdjon bon ben ©pnifern befannten SoSmopolitiSmuS ©ingang bei ifjnen gefiattet. ©o rnenig nun biefe ©djulen ber Afabemifer, ißeripatetiler unb ©toifer im ©tanbe maren, fortgeljenb ÜReueS ju fdjaffen ober aud) nur bie ©djätje ber SJieifter treu jn bewahren unb 3 U überliefern unb fo fel;r fid) aud) bie ©egenfahe, bie unter ihnen beftanben, mit ber 3 eit abftumpfen r ©ins bemahren fte alle ziemlich gleidjmaßig, baS ©treben nad) einer Rumänen ©rjie^ung unb Silbung. 3a man barf fagen, je bürftiger bie Sfittel unb Äräfte finb, bie fte aufäutoenben haben, befto größeres ©emidjt legen fie auf bieS fyumaniftifdje ©treben, eS mirb für manchen ber einjige Halt in einer Ijaltlofen unb Oertoorrenen 3 e it. Siefetbe SEenbenj beS ^iumani§nm^ geljt, mettn gleich, ioie aud) bei ben ^l)tlofofl;en, in einen bürftigen gormaliSniuS auSartenb, burd) bie ©djulen ber Df^etoren. ®ie Snntlreben ber Sbilofo^en unb 3?l;etoren bienten menigftenS baju, baS Säd)lein beS Humanismus im gluß 3 U erhalten unb ju feiner 3 eü ben äiömern jujufüfiren. 335er bie 3iömer in ben erften Saijrljunberten ibreS Auftretens betrachtet, foHte nidjt glauben, baß jemals Humanismus bei iljnen Singang batte finben fönnen. ©0 febr gebt il)r Siebten unb £>enfeit in bem auf, maS gerabeju ben @egenfa§ baju bilbet, in ber ©orge für bie ©yiftenj. 3)aS 335ort beS S>td)terS „tantae molis erat Romanam condere gentem“ hat feine ootle 333ahrljeit, freilich in einem anbern unb umfaffenbern ©inne, als er eS meint. S>enn, mie man aud) über bie Anfänge beS Solls urteilen mag, fo oiel ift gemiß, baß baSfelbe juerft alle Äraft anjufßannen genötbigt mar, in ben engen ©rennen gegen überlegene 9fad)barn fid) 31 t behaupten unb banad) auf AuS= bebnung feines ©ebietS Sebadjt 3 U nehmen. Sie auf ein foldjeS 3i c t gerichteten Äampfe führten mit einer gemißen 9tothmenbigfeit 3 ur Ausbreitung ber H ei ' r f ( baft über gan 3 3talien unb oon ba meiter 3 ur ©rringung ber 333eltherrfd)aft. S>iefe Stampfe lehrten unb gemahnten bann aber aud) natürlid) nur auf baS 3 U finnen, maS bem Unternehmen ©rfolg oerfprad), auf baS bajtt fjfüfctidje unb görberlidje. SaS 9?äd)fte in biefer 9?idjtung mar bie ftraffe ©inheit unb @efd)Ioffenl)eit beS ©taatS, ber @e= fammtl)eit ber Sürger jur Abmehr unb 3 um Angriff. 3itfofern ber ©ingelne feine ©fipteng burd) bie ber ©efammtheit bebingt fiel)t, muß er fid) ihr gan 3 unb gar unterortmen unb fattn nur als ©lieb berfelben Sebeutung haben, ginbet er bal)er feine erfte Zl)ä= tigfeit in ber ©emeinbe unb für bie ©emeinbe, fo nimmt 3 roeitenS bie Sicherung ber ©yiftenj ber eignen gamilie bie Slraft in 2lnfprudj unb muß lange 3 e it hindurch mit ernfter unb angefpannter Arbeit erfämpft merben. 333aS biefer 3 toeifad)en Aufgabe för= berlid) ift, l)at Sntereffe. Sahin gehört juerft bie ffteligiott. Sie gemiffenhafte Srlun^ bung unb ftrenge Sead)tung beS SÖiHenS ber ©ötter oerleiht in ben öffentlid)en unb befonbern Angelegenheiten, im Shieg unb grieben, ©egen. SDagu fommt Seadjtung beS maßgebenben HanbelnS ber Sorfahren unb 3 mar in boppelterSe 3 ieljung, einmal als be- lehrenbeS unb oerpflid)tenbeS Sorbilb (mos majorum), unb 3 toeitenS als ermunternbeS unb 3 U ©roßthaten anfeuernbeS Seifpiel (gloria). giigt man ba 3 u baS ©d)idlid)e unb SBürbige (decorum et honestum), fo hat man bie mefentlidjen Momente oor Augen, burch meldje baS Seben beS fRömerS geleitet unb beftimmt mirb. tDiefe bilben aber aud) bie ©egen» ftänbe ber Untermeifung ber 3ugenb, in ihnen 3 eigt ftch ber fRealiSmuS ber nationalen ©Ziehung. Ser erfte ®efid)tspunct barin ift Anregung unb SRidjtung ber §umantSmuS unb SScaliöntuS. 595 ©efütnung, Kräftigung unb ©tärlung beS SBiltenS. (Darum ift ftrengc 3ud)t unb @h r= furd)t Bor ben ©öttern, Ad)tung Bor bcn filtern unb bem Alter, ©ehorfant Bor bem ©efefc einjuflöjfen bie erfte Aufgabe. Aber ju eben ■ bem 3 Wec t ift öon Anfang an in Hebung baS debetur puero reyerentia. (Dies aUeS beburfte feines befonbern Sel)rer8. 3 uer ft war bie äRutter unb nad)l;er ber 23ater ober £)fyeim am meiften geeignet, bieS ju geben, fo wie audj bie Kenntnis Bon ben Saaten nnb ©djidfalen ber SSorfa^ren, ben ©efefcen, ben ^eiligen ©rauben mitjutfyeiten unb bie gertigfeiten im Sefen, ©djreiben, (Rechnen nad) 23ebürfniS anjueignen. (Denn überaH tourbe mehr burd) baS ©el;en als baS §Bren gelernt (Plin. Epp. 8, 14, 4 seqq.). 5Rad) unb nad) übernahmen ©djuten ben Unterrid)t in ben (Elementen ober aud) fmb eS ©Hanen, benen bieö @efd)äft im §aufe übertniefen wirb neben ber Aufficf)t über bie Kinber. (Dod; bie immer weitere Ausbreitung ber §errfdfaft, bie gröffern unb oermideltern Aerhaltniffe beS ©enteinwefenS unb beS ißrioatlebenS mad)en nad) unb nad) bie Unjuläng» lidjleit ber bisherigen SSilbung fühlbar. ©8 fdjeint nothwenbig unb nü^lidE>, fid) mehr Kenntniffe unb gertigleiten ju erwerben, um ben gröffern Aufgaben, weld)e ba8 Sehen unoermerft gebracht h>at, geWadjfen ju fein, ©lüdüdjerweife ift man mit benen, Weld)e baju in ben ©tanb fefsen fönnen, in nähere (Berührung gelommen. 2Ran oeradjtet fie freilich, bie ©riedjen, inbeS non bem, was fie geben, h°ff t ntan ©ewinn für bie eignen Sutereffen unb nebenbei miSfäHt bieS auch nid)t. (Die ©rjeugniffe ihrer (Did)ter, wenn fie in SatiumS ©pracf)e reben, weist man nicht weiter jurüd. (RäoiuS unb (SuniuS werben, Wenn fie bie (Elften beS eignen SSolfeS oerherrlichen, gern gehört, nur muffen fie fid) auf biefe Aufgabe befdjränlen unb nicht fonft, Wie ber erfte, eigenwillige unb anftöjfige ©ebanten h^gen unb au8fpred)en. 3a fo weit war man gelommen, baff ein gelbherr, guloiuS, ben ©nniuS auf feinem 3 u G e gegen bie Stetoler in feinem @e= folge h^te, Wa8 freilih ber Sßaljrer alter ©itte, ©ato, nid)t uugerügt begehen ließ. Unb wie biefer guloiuS, fo treten bie ©cipionen, SRarcetler u. a. als foldje h«bor, Weldje bie Literatur ber ©riehen Werth hatten unb fid) bamit betannt gu mähen bemüht finb. Siefe ©timmung, bie immer mehr burd)brang, fonnte für bie ®rgie£)ung niht ohne be= beutenbe ©inwirfung bleiben, ©ehr wichtig ift nor allem, baff oon bem jweiten puni= fhen Kriege an niht nur wiffenfd)aftlid) gebilbete Set)rer auftreten, fonbern aud) unter ben Unterrid)t8gegenftänben bie gried)ifd)e ©prahe Oorlommt. ©o würben bie (Römer unmittelbar burh baS ©tubium ber ©prahe, baS an fid) bebeutenb genug war, in bie Siteratur eingeführt unb für bie willige Aufnahme ber Bon ben @ried)en auSgewirften Silbung empfänglid) gemad)t. (Der ©ifer für bieS ©tubium wirb nid)t Wenig geförbert burd) bie perfönlidje ©rfdjeinung Bon äRännern wie fPolpbiuS, (ßanättuS u. a., weihe mit ben erften SRännern beS ©taatS befreunbet waren. KrateS oon HRaHoS würbe bei feinem länger anbauernben Aufenthalte ju 31 om (16C B. ©fr.) oeranlajft, (ßorlefungen über bie gried)ifd)e ©rammatif ju halten unb bamit einen wirffamen Anftoff für baS ©tubium nid)t aHein ber gried)ifd)en ©prahe unb Siteratur gu geben. (Rid)t lange barauf (155) erregten bie brei 'iß^ilofophien KarneabeS, KritoIauS, (Diogenes, ba fie als ©efanbte Atl)enS nad) (Rom gelommen waren unb bei einem längern Aufenthalte lehrenb auftraten, nor allen ber erfte, burd) bialettifdje ©d)Iagfertigleit unb Serebtfamfeit Sewunberung unb trugen nid)t wenig baju bei, bie empfängliche 3ugenb für bie Kunft unb Siteratur ber @ried)en $u begeiftern. ©8 fehlte nun gwar niht an ©egnern biefer (Ridjtung in ber Silbung ber (Römer. (Bor allen mad)te ©ato feine Ueberjeugung, baff bie @ried)en burh %e Siteratur römifheS äßefen unb Seben oerberben würben, geltenb; eS würben mehr als einmal bie ©d)ulen ber ^3tjiIofopl)en unb (Rhetoren burd) Verbote gefhloffen. 3nbe8 biefe blieben auf bie (Dauer erfolglos, bie ffierle gried)ifd)er Kunft unb Siteratur waren in (Rom fhon ju felfr angehäuft unb heimifd), als baff fie unwirtfam gemäht Werben tonnten, unb bie oerwiefenen Sehrer fanben fid) halb wieber ein ober anbere an ihrer ©teile. ©8 war bie 3 e 't gelommen , in ber baS dßort wahr geworben: Graecia capta ferum yictorem cepit. Sauge fdjon unmertbar eingebrungen tritt ber fpumaniSmuS, 596 f5umnntsmuö «ttb SRealtöntuö. lote er bei bert ©riedien ftdj geftaltet batte, feit ber 3 etftörung ÄortntljS immer pd;t= barer iit ben S3orbergrunb unb ber Realismus ber nationalen Gcrjiebung unb Sötlbung gurüd. ®ad SOSort humanitas erfd;eint je(3t in bem Sinne bed gried;ifd;en xcuSeia, i. e. mstitutio in. bonas artes, quas qui sinceriter cupiunt appetuntque, hi sunt vel maxime humanissimi. Hujus enim scientiae cura et disoiplina ex universis animan- tibus uni homini data est: idcircoque humanitas appellata est. Gell. 13, 16. ®eit 3 nbegriff ber Rumänen 93ilbung nennt man bonae artes, fofern man barin eine nü( 3 = lidje unb gmecfmäßige SJorbiibung für Ben befonbern SJeruf erfennt, liberales unb in- genuae, meit man biefe Slrt ber Silbung ald ein SSorrecbt unb einen SBorjug bed grei* geborenen betrachtet; halb jebod; lommt man — infolge ber ©nmirlung ber ftoifdjen ^fiilofopfiie — ju ber Slnfubt, baß biefelben bie traft haben, ben 2Jtenfd;en guni 9JJenfd;eit gu bitben, ben Slbel ber menfd;lid;en 9iatur I;eraud 3 ubilben. Slld bonae artes modjten fie fid; bem (Eato empfehlen. ®enn merftoürbig genug ift ed bod;, baß biefer SJtanu, ber gabefte unb audbauernbfte SSertbjeibiger altrömifd;en SBefend, ber ^eftigfte unb ftanbbaftefte 3Biberfad;er ber bon ben „@ried;lein" einbringenben neuen 33itbung, im ^ofiern Sllter bie Spradje biefer ©riedjtein lernte, ihren ®l;uci)bibed, ®emoftbened u. a. eifrig ftubirte unb burd; feine Sdjriften felbft ein görberer ber fo lange unb eifrig befämpften SSilbung tourbe. ®enn mar ed aud; nur feine 9lbfid;t, badjenige in feinen Sdjriften gufammengufaffen, mad bem römifcben .fjaudöater unb Senator gu toiffen nötl;ig unb nü( 3 lid;, fo folgten biefelben bod; ber Strömung ber neuen 9lid;tung unb bienten bagu, auf bem neuen SBege bem üiömer bie erforberlidjeit tenntniffe tu geben. Sie roirlten für biefen 3 lüe( f um f° frud)tbarer, loeil fie einerfeitd feine alt= römifcben ©eftnnungdgenoffen unbennerft in bie neue 33afyn fiineinjujie^en geeignet maren, infofern feine Sluctorität für fie beftimmenb mürbe, anbererfeitd in ben ermadjen* ben unb beginnenben lateiuifd/en Stnbien ©egenftanb gelehrter gorfd;ung, atfo ein SDtittel mürben, moburd; bie „humane" Söilbung fortge!;enb görbentng erhielt. -So fte^t Sato, faft ätyntidf mie Sofrated, an ber Scheibe ber alten unb neuen 3eit: inbem er jener bienen miH, mirb er biefer bienftbar. ®er |mmanidmud nun, roeld;er in bem lebten 3al)rl;unbert ber Siepublif gur 33tiite gelangt unb im Slnfange ber SDtoitardjie fid; barin erl;alt, giebt fid; tmr atleru barin !unb, baß nad; bem Slorbilee ber @ried;en burd; bie artes ipgenuae eine allgemeine 33ilbuug, politior humanitas, gefud;t mirb, fei ed prioatim ober in öffentlichen Sd;uten, beoor man in bad 23erufdftubium ber 23erebtfamfeit, ber 9Sed;tdmiffenfd;aft u. a. ein* tritt. Dtyne biefe allgemeine miffenfdjaftlicbe 33orbilbung erfd;eint bie Sludü 6 ung einer Äunft — gang mie bei ben @ried)en — ald eine Ijanbmertdmäßige unb mirb nur mit @eringfd)ä(3ung genannt; ber IRebner, l;em biefelbe fehlt, heißt clamator, causidicus, nidjt orator, ber Surift legulejus, praeco actionum, cantor formularum, nid)t juris peritus. (Cic. de orat. 1, 46; 55; Brut. 49.) ®iefe 33ilbung 31 t geben, bienen bie nun in großer 3Xngahl eröffneten Sdjulen, mie bei ben ©ried;en. ©riechifche Sel;rer erfdjeinen immer mel;r in 91ont, um ihre Spraye 31 t lehren, ihre Sdjriftfteüer 3 U er* führen, im fd;riftlid)en unb miinblidjcn @cbraud;e ber Spradje 31 t üben, kleben ihnen treten lateinifdje Sebrer auf, meldje biefelbe Senbeng an ber lateinifdjen ©pradje unb Literatur oerfolgen. Sin biefe fd;ließen fid; ald bie höhere Stufe bie Spulen ber Steteren unb -pt)*l c f 0 P^ en ' SBiemobt bad ©ebiet biefer Schulen gegen einanber nicht ftreng abgegrängt erjd)eint, fo gellt bod; burd) alle bie ®enbeng, bie studia humanitatis gu förbern, unb fie finb ed, in benen menigfteud bie Srabition ber humanen Silbuttg, roenn aud; in noch f° f^toad;en unb matten 3 “ 9 ei h f^l erhalten bat, mie bie @efd;id;te ber römifcben Literatur audmeidt. 3meierlei ift aud ben SSeftrebungeu bed fOutnaniSmud bei ben Diömern fichtbar, erftlich, baß fte nur badjenige, mad bie @ried;en erzeugt batten, aufnal;men unb fid; nad) SDlaßgabe ihrer Äräfte unb nad; ber ©igentl;ümlid;teit ibred SÜSefend aneigneten, 3 mei* tend, baß bad Sntlebnte unb Ungeeignete, mochte auch bie Siefe ber Sluffaffung in mehr ■£>umnniömuö unb SJealiSmuS. 597 als einem ißuncte »ermißt werben, einen meljv unioerfellen nnb für Weitere Greife wirffamen Kfyarafter erhielt. Senn bie 3tömer tjafcen nid)t etwa baburdj nur ißr ©erbienft um bie »on ben ©riedjen ftammenbe Rumäne ©ilbung, baß fte tiefclbe in ferne ©egenden trugen nnb ben nadjfolgenben 3 e * tcn überlieferten, fonbern befonberS aud) dadurch, baß fie biefelbe mit eigentljümlidjem (Seifte in befter ©Seife populär i= firten. 3n ber ©eftalt, welche fie il)r gegeben,, ift fte 31 t ben neuern ©ollem gcfommen unb fyat auf bie Kultur berfelben ihren gewaltigen unb unwiberftefßidjen Sinfluß auS= geübt, ©erfolgen wir nun ben fftealigmuS unb SpumaniSmuS weiter, fo tritt und jener int SOiittelalter, biefer im Slnfange ber neuern 3 e 't entgegen. Ser 9lealiSmu§ be3 SDiittelalterS ift gwar aud) ein urfprünglidjer unb natur= müdjfigev, infofern bie ©ebingungen beS Sebeng felbft ba$ ©ebürfniS nalje legen ober »ielme^r aufbringen, für bie 2 lnf orberungen beg Sehens 31 t lernen. Slber bieS Semen ift dußerft fcfjwierig, fo baß eS jmrädjft jeben ©ebanfen an eine työljere l)umaniftifdje ©itbung auSfdjtießt, eS ift burd)auS nidjt wie bei ben alten ©ölfern ber 2 Irt, baß eS burd) ben ©ebraud) unb bie ©nfpamtitng ber Strafte innerhalb ber ©rengen beS l)äug= licken unb öffentlidjeu Sehend allein inöglid) wäre. Kd finb »ielmeljr frembe, außerhalb bed nationalen Safeind liegende Objecte, .»eldje angeeiguet unb aufgenommen werben müßen, wenn man ber Aufgabe, bie man fid) nid)t felbft fteHt, fonbern bor bie man ftd) gefteßt fielet, nad)fommen will. Siefe Objecte I)at man gunadjft im Kl;riftentl)ume unb fobann in ber lateinifdjen Spradje, in weldjer badfelbe erfdjeint. Um alfo nur ju bem, wag nun baS Sehen gehalten unb befyerrfdjen fottte, 31 t gelangen, mußte man fogar bie eigene ©pradje, in welker bie innerften ©ebanfen unb Smpfinbungen beS £>ergenS fid) offenbaren, daran geben nnb eine frembe lernen. Sie Sdjwierigfeit biefer lebten 2tuf* gäbe würbe baburcf) nod) erl)öljt, baß bie frembe ©pradje in einer gwfefadjen ©eftalt entgegentrat, in ber Siteratur beS 3Utertl)um8 nnb in ber lirdjlidjen, welche fid; längft gebildet hatte, als ba§ KI)riftentI)um bei ben germanifdjen unb tl;eilweife audj bei ben rontanifdjen ©öltern Singang fanb. Sagu waren bie ©erijältniffe, unter denen baS, waS unter bem bauten ber ©ilbung beS SDiittelalterS begriffen wirb, feinen Einfang nahm, feineSwegS günftige, rufyige und friedliche. 3eber Stamm hatte ben'©oben, ber im Saufe beS SrängenS unb ©reibend ber ©ölferwanberuug ertämpft War, mit ben ©Baffen gu fidjern unb tonnte erft aflntählid) bie iljm gufagenben gönnen fdjaffen, in denen fid) feine Strafte gu entfalten »ermodjten. 2ludj ein flüdjtiger ©lief auf aße biefe ©erljättniffe unb bie baS erfte ©luftreten ber neuen ©ölter begleitenden Umftänbe geigt, baß bie ©chwierigfeiten, weld>e fie in ber Arbeit an iljrer ©ilbung gu überwinden Ratten, fel)r groß waren, gang »on bem Stampfe abgefeljen, den eS faßten mußte, ben nationalen ©laitben unb bie damit im t)äuSlid)en unb öffentlidjen Sehen »erwadjfenen ©ebraudje unb Sitten avtfgugeben unb eine ungegügelte greiljeit mit einer ftrengen 3uAt gu »ertaufdjen. •Rur eine frifdje Straft, welche fid) daran erfreut, in Tjarthädigem Gingen unb gewaltigem Stampfe §inberniffe gu befeitigen unb SEBege gu bahnen, tonnte mit frohem SDiuttje daran gehen. Sdjwerer freilid), als bie burd) Späten gu madjenben (Eroberungen, mußten bent jugenblid)en ©efd)led)te ber ©ermanen bie Siege faßen, Welche burd) Sulben unb Knt- fagen gu gewinnen waren. Sad eine aber, Worauf bie ©ebanfen »on Slnfang beS SDtittelalterS gerietet Waren, gab bie Äirc^e. Sie, bie eg für ihren ©eruf ad)tete, bie ©ölter gu befefyren, tonnte fidj nidjt begnügen, ber ©emeinbe baS Kbangelium gu »erfüitbigen, fonbern mußte audj darauf bebaut fein, fidj ©erfüttbiger gu gewinnen unb fjerangubilben. Kd war bemnadj ber geifllidje Staub, nadj beffen ©ebürfniffeu @rgiel;ung und Unterricht eingerichtet Würbe. Siefen ©ebürfniffeu bienten bie Som= unb Stiftfd)ulen, für biefelbeu wirften mit bie Stlofterfdjulen. 3n biefeu lehren Stlerifer, waS dem StleruS gu wiffen nötl)ig ift, lateinifche ©pradje, ©rammatif, SR^etorif, Sialeftit, baS Sri»iutn, unb bagu tarn wo!j[ baS Ouabrioium, im 2lnfd)Iuß an bie ©b. II. S. 628 genannten Seljrbüdjer. Sie 2luS= beljnung biefeS Unterrichts war nidjt immer gleid), eben fo wenig wie bie Straft unb ber 598 Humanismus uttb SftealiSmuS. ©ifer, mit Welchen er betrieben würbe, nod; aud; baS ©elingen, baS il;n begleitete; aber eined blieb baS SRittelalter hinburd; unnerrüdt baSfelbe, ber 3mecf beS Unterrichts, nämlid; ber einer tl>eologi|d5=firdjlic^en ©ilbung, WoBon bie für Saien beftimmten ©djulen, bie oft neben jenen beftanben, iaum als SIuSnat;me angefel;en werben bürfen. ©ben fo biente bie eigenttid;e 2Bif[enfc^aft jener 3eit, bie ^ß^ttofcpljie, nur ber Kirche, Bon ben erften gerftreuten ©erfudjen ber gorfd;ung burd; bie großen ©t;fteme hindurch bis tief in baS 15. 3al;rl;unbert hinein, Wo biefe fj3hH°f 0 hfy* e » bie fogenannte ©djolaftif, tyr ©nbe finbet. Unb wie baS ©hriftenthutu in ber ©rebigt unb im Unterrichte ber Schulen in ber fjorm erfd;ien, bie eS in ber abendlanbifdjen Kird;c angenommen hatte, ehe eS gu ben gerntauifchen ©ölfern fam, fo ruhte biefe ©djolaftif auf ber patriftifchen ©l;ito= fopljte, SluguftinuS War bie maßgebende Sluctorität. (Witter, ©efd;. ber ©h'M' 33- 5, ©. 59.) 3)aS ©epräge ber ©ilbung, wie fie aus jenen ©djulen heroorgeht unb burdh bie ©djolaftif ooKenbet wirb, ift wäl;renb beS gangen ÜJJittelalterS unter ben germant» fdjeit wie romanifdjen ©ölfern in ben Berfdjiebenen Sänbern baSfelbe; ein Unterfdjieb ber Nationen madjt fid; faft nur in ber großem ober geringem ©etheiligung an bem ©eftreben um bie 2Biffenfd;aft geltenb. ©etbft bie Unioerfitäten, bie im 14. 3al;rhun» bert and; in ®eutfd)lanb entftehen, bringen in bem SBefen ber ©ilbung feine Slenberung heroor. Slud; fie ftehen im ÜDienfte ber Kirdje unb werben Bon ber £>ierard;ie geleitet unb iiberWadjt. ©rft ba bereitet fid; atlmäl;lid; ein Umfd;Wung Bor, als bie Hierarchie il;re beftimmenbe ÜDtadjt fid; entwinben fieht. Hatten bisher bie ©ermanen namentlid; Bor 3fom, bem mit ben ©Baffen überwunbenen, fid; gebeugt, wie einft bie 9fömer felbft Bor ben Bon ihnen befiegten ©riechen burd; Sinnahme ihrer ©ultur, fo waren fie aH= mäljtid; bahin gelangt, baß fie baran benfen tonnten, il;rc eigenen Sßege gu gehen. ©S barf nur erinnert werben an bie beutfd;e Siationaltiteratur, welche ähnlid; wie bei ben @ried;en fid; aus bem Seben beS ©olfS, unabhängig Bon ber tljeoIogifd;=fird;lid)en Sil» buug, entmicfelte unb im ©poS und in ber 2t;rif 31 t ihrer ©oUenbung unb aud; 3 um ©tiHftanbe fam, wäl;renb Sllbert ber ©roße, ®h om ctS non Slquino, ®itnS ©cotuS be= fdjäftigt waren, bie großartigen ©hfteme, weldje bie ©djolaftif h £ rBorgebrad;t hat, auSgufiiljren. ©iengen biefe ©eftrebungen ber SSationatliteratur tl;eilS in ber Hnnb ber Klerifer, theilS unb befonberS beS 3fittcrftanbeS meift friedlich neben ber Kirdje l;er, fo nahete bod; bie 3 £ it immer mel;r, wo fid; gegen bie 9Jiad;tfprüd;e ber H' £ rard;ie wie gegen bie Herrfdjaft ber ©d;o!aftif ber SBiberfprud; erhob. 3nbeS bienten bie Kämpfe, Welche gegen jene begonnen Würben, nur bagu, fie in bie gebührenden ©djranfen gurfid* 3 UWeifen unb auS ber 3rre fie auf ben redjteuSBeg jurütfjufii^ren; einen gleid;en 3® £ d Berfolgten bie, weldje bie ©d;olaftif Bon ihrer ffjröbett ©infeitigfeit befreien unb in ber SBiffenfdjaft wie in ber 1f3rebigt beS ©oangeliumS bem H £l 'ö en und @emütl;e ©efriebi» bigung fdjaffen Wollten, ©ine wefentlidje Slenberung erlitt baburd; freilid; bie bisherige realiftifd;e ©ilbung nicht, ©elbft ber 3Iuffd;Witng ber ©täbte unb beS ©ürgerftanbeS unb bie infolge baoon neu gegriinbeten Seljranftalten wirften in ber ©ejiehung nur Borbereitenb. ©enn ba biefe gang bie ©erfaffung ber Klofterf djulen hatten unb ihre Sehrer nur bem geiftlidjen ©tanbe entnehmen tonnten, fo fam ihnen l;öd;ftenS bie freiere ©ewegung beS bürgerlid;en SebenS gu ftatten; war biefe nun auch geeignet, aufftre» benben ©alenten ntand;erlei SInreguug gu geben, fo War bod; an eine pofitioe gbrberung nid;t gu benfen. 3unädjft fdjeint biefe SInregung eine rein äußerlidje gewefen gu fein, infofern bie Suft unb Siebe gum ©agieren (f. ben Slrt. ©adjanten) gefördert würbe. 3)er Humanismus am SluSgange beS fDiittelalterS erfd;eint deshalb gwar burd; bie Kämpfe Bieter 3al;rl;unberte woljl Borbereitet, Wie bei ben ©riechen unb 9?ömern, bod; foftete eS Biele Slrbeit, ehe er fid; baS 3led;t beS ©afeinS erringen fonnte. ®ie ©orbereitung freilid; barf uid;t gu gering angefehen werben, Bielmehr ift fie einmal eine fo umfaffenbe, baß fie baS, WaS bei @ried;en unb 3fömern bem Humanismus BorauS» gieng, innere fubftantieüe Sntwidlung nämlid; unb Slneignung einer anderweitig auSge» wirften ©ilbung, gugleid; begriff, gweitenS eine in ber ©Beife ©rund legende, dag bie §uinani§ntu§ unb NcalismuS. 599 *on ipr auSgepenbe Humanität nidjt etwa, tote bet beit alten SSölfern ber galt war unb fein mußte, bie Nationalität brad) unb batnit ju SßerfaH führte, fonbern erft recpt ei= .genttid) eine Humanität möglid) mad)te, in weltper bie Wefentlidfen unb bereöptigten nationalen (Elemente jur Entfaltung gelangen tonnten. ©an,} anberS als in ben lebten Ergebniffen ber gried)ifd)en ißpilofoppen War in ber cprtftlid)en Offenbarung bie abfolute ©aprpeit bor 2lugen gelegt; WaS bort ittüpfant gefudjt tmtrbe unb nur bon Wenigen gefaßt werben tonnte, lag pier Har unb jebent jugänglicp bor. ©otteS ©efen unb ©irfen, ba§ ©efen beS 9Nenfd)en, fowie feine 23eftimmung unb ber ©eg, biefer S8c= ftimmung nacpjufommen, ift pier erfcploffen unb batnit eben fowopt für aBe ßeiten auf baS ßiel ber Rumänen Sitoung wie auf bie Duelle pingewiefen, aus ber biefe fortgepenb .ipre belebenbe Nahrung fd)öpfeu foB. Äommt bemnadj erft im Epriftentpume baS ©efen ber Humanität jur sollen unb Haren ülnfdjauung, fo brept fid) eben bie 2Irbeit beS ganäen NiittelalterS barum, bie§ 33eWußtfein &u grünben, ju beleben unb in ©irtfamteit ju oerfepen ttnb jwar burd) bie lateinifcpe ©pradje unb Siteratur. ©ie alfo bei ben ©riedjen bie 3bee ber Humanität burd) bie ißpitofoppie jum 23ewußtfein fam, fo würbe fie im SNtttetalter burd) baS Epriftentpum ben 33ölfent eingepflanst; wie bei ben Nömern biefelbe 3bee oermittelft ber griedjifcpett ©praipe unb Literatur Eingang fanb, fo Würbe im Niittelalter burd) Ueberlieferung ber lateinifdjen ©pradje unb Literatur ben Nomanen unb ©ermanen ber ©eg gewiefen, auf bent fie einerfeitS baS, Wa§ baS Slltertpum für bie £mmanitat erarbeitet patte, attfneptnen unb gebraud)en, unb anberer= feitS ju ber neu eröffneten ooUen unb niemals berfiegenben Duelle ber Humanität per= antreten feilten, ©eil aber ber tird)lid)=pierard)ifd)e NealiSntuS beS SDlittelalterS biefe Duelle feiner Natur nad) Weber ganj unb oöHig öffnen tonnte nod) wollte, ja weil er bem, waS er barauS ableitete, in feiner ©irtttng ju enge ©renjen fepte unb ben Einfluß, ben eS in ben 33erpältniffen beS Gebens üben mußte, in aller ©eife mit eben fo ungehörigen als untauglid)en SNitteln immer mepr befcpränfte, fo war bie notpWen= bige golge, entweber baß man fid) feiner Ueffeln entlebigte unb attdt bie beredftigten ülnfprüdje, bie er mad)en burfte, unbeadjtet laffenb eigne ©ege gieng, ober baß man nut- feine beengenbett formen fprengte unb baS, WaS matt burd) ipn gewonnen patte, treu bewaprenb unb wirten laffenb gu ber Duelle, aus weld)er biSper bloß Säcplein, junt Dpeit trübe genug, gefloffen waren, fortfdjritt, um burd) ipre ffüBe unb Äraft geftärtt baS Sieben tiefer ju grünben unb aBfeüiger ju geftalten. SBeibe Erfdjeinuttgen begegnen unS in bem in ben SPaganiSmuS jttrüdfaBenben unb in bem jur Neformation ber Äircpe btängenben Humanismus. Der erfte bleibt in bent SBerbanbe ber perrfdjenben Äircpe, greift guerft ißriefter unb SNönd)e fdjarf an, berlept 3uid)tig, als fie ber natürlidjen Steigung, auch * m brieflichen Serfepr ben 2 tlten nadjguapmen, Staprung gab unb bie Spiftolograppie h eröori 'ief, weldje in ber Literatur ber fpumaniften eine fo bebeutenbe ©teile einnimmt. 2 Bie er in tiefen Semilpungen um fd)önC’ Serfe unb Sßrofa unb tag ©amnteln ber ©djriftjMer allen nad)folgenben §umaniften in Stalien Sorbilb unb SBegweifer Würbe, fo gab er and) fd)on ben 2 lnftoß jn bem ©tubinrn ber griedji* fd)en ©prad)e unb Siteratnr, wiewopl er felbft nicht eben »eit barin tarn. Sei ber Energie, mit »eld)er er alleg ergriff unb fid) nad) feiner 3 nbioibualität big jur oötligen ®nrd)bringung unb Seherrfd)ung aneignete, unb bei ber unbejteeifelten ©elbftänbigfeit beg ©eifteg glaubte er bod) bem 2lltertl)ume alleg 3U oerbanfen, »ag er hatte, unb lief; fid) baran böllig genügen. Slber gerate, »eil er fo große Sefriebigntig barin fanb unb bie unmittelbare ©egenwart mit ben 3«ftänben, in benen er leben möd)te, fo wenig übereinftimmte, fühlte er fid) gegen alle ihn ftörenben Elemente jutn Stampfe gereijt. ®ie ganje Silbnng feiner 3 eit ift ihm. eine hanbtoerfgmäfjige, alleg Sernen ein med)anifd)eg, auf ben Stufen nnb Erwerb auggehenbeg, bie fdjolaftifcpe fDtetpobe nichts alg ein geifttöbtenbeg 2 lbrid)ten, ihr Iprobuct nid)t poper 3 U achten, als bie Stunft unb gertigfeit beg ©epifferg nnb Sanbmanng; bon ber Sßpilofoppie, ©peologie, ® e= fd)id)te, Saefie u. a., weld)e in innigfter Harmonie fid) bereinigen, um ben 5Dtenfd)en junt SJtenfdjen jtt bitten, bon ber Sßiffenfdjaft, Weld)e eine ©ienerin ber ©ngenb ift, Weiß fie nid)tg. UeberaH bermißt er tag ©treben nad) ber ben 2 JJenfd)cn befrei= enben unb 31« ©ugenb führenben SBaprpeit, tag ©treben nad) Humanität. SBenn man hört, wie er in fcpönen rl)etorifd)en 2 lntitpefen bie Stängel ber einzelnen ©iSciplinen an tag Sicht fteöt, wie nad) il)m „ber ©rammatifer ängftlid) beforgt ift, bie ©efepe ber ©praepe 31t bead)ten, bagegen leichtfertig fid) 3eigt ben ewigen @efe(3en ©otteS gegeu= •fjumanidmud unb Sicalistnub. 601 über, toie berfelbe Didjter lieber in feinem Hebendtoanbel ald in feinen 23erfen hinten mag," „wie ber ©efdjidjtfdjreiber fidj um bie Saaten ber Könige unb SSölfer bemüht, »cn feinen Dljaten aber feine 91edjenfdjaft ju geben weiß," „bie 31ftronomen bie 35er= finfteruug ber (Sonne unb bed 9)ionbed oorljerfagen, aber bie bed eigenen ©eifted nidjt erlernten," „bie ißljilofobljen nadj bem Urgrunbe ber Dinge forfdjen unb nidjt toiffen, mS ©ott ift, bie Dugenben befdjreiben unb nidjt üben" — roenn man bieS unb Sletjn» „ lidjed gegen 2Ier$te, 3uriften, Slftrologen, SHdjljmiften u. a. Ijort, feilte man fidj oerfucfjt füllen, it;n bem ©ofrated an bie «Seite ju fe( 3 en, trenn berfelbe juerft unb junädjft fittlidje ©elbfterfenntnid forbert. Dodj ift Petrarca nur ftarf in ber ißolemif unb be= fonberd gegen bie ©djolaftif, namentlidj feitbem ein Vertreter berfelbe« fid^ gegen iljn erhoben unb etorif unb ipoefie für unnütze fünfte erflärt fjatte. Sötnn er i()r unb iljrem Slriftoteled pofitio ettoad entgegenfteden tnid, fo ift ed fßlato’d Sluctorität, fo rnie er benfelben and Sicero, ©eneca, Sluguftin u. a. fennt, unb über einen 31nfaf3 ?u einer ^tjilofofvljie bed Hebend, ber er fid> in ber Sinfamfeit gang toibmen möd)te, über ben moralifdjen Dractat, fommt er nidjt Ijinaud. Sind) bie ©toifer fpredjen iljn an unb er rnöcEjte iljre ©ebanfeu nidjt bloß in feinen ©djriften barfteden, fonbern audj im Heben oon iljnen jeugen. 3n foldjer ©timmung unb bem Drange Wahrer Heibenfdjaft, toeldje itjn überall betnegt, fann er ed bei ber Skfämpfung ber 2$erirrungen unb Sdiängcl ber SBiffenfdjaftcn nidjt betoenben laffen, fonbern gegen bie ©ünben unb Hafter feiner 3eit, bie iljm tief unter ber eined 9iero unb Domitian gu fteljen fdjeint, ridjtet er feine Sffiaffen, mit feinen Sßorten eben fo ftarf wie fromme SOiöndje ein furdjtbared ©traf» geridjt oerfünbeub, meldjed befonberd ber ißapft Ijerbeifüljrt, ber ben apoftolifdjen ©tuljl auf bem Sapitol oerlaffen Ijat unb oon Sloignon aud bie 335 eit beljerrfdjen toill. Diefe 2In= griffe auf ben ißapft, auf bad Heben Bon ißrieftern unb 2J?Bndjen, fonnten ibm freilich feine ©unft auf biefer ©eite erwerben, bodj bradjten fie iljm audj feine erljeblidje @e= faljr. Denn — unb barin ift bie äftefjräaljt ber ^jumaniften in 3talien iljm unäljnlidj — er bewaljrt in feinen ©djriften überall bie Haltung bed gläubigen Sljriften. Sr »ertljeibigt bad Sljriftentljum gegen feine geinbe, ßreidt ed ald bie ©runblage oder waljren SEßiffenfdjaft, er fpridjt feine Hiebe gum Soangelium immer mit oieler SSerebt» famfeit aud, fdjeibet aber, trenn Bon Geologie bie fftebe ift, bie fdjolaftifdje Bon ber alten, b. Ij. bed Sluguftinud, beffen Sonfeffionen iljn tief ergriffen Ijaben. Unb fo modjte benn gegen feinen ©tauben unb fein Sljriftentljum bei ber Demutlj, bie er funb giebt, nidjtd gu erinnern fein, troßbem, baß er unbefümntert um Slerud unb Äirdje barin eine freie unb felbftänbige ©tednng einnafjtn. Sin bemerfendwertijer, fjauptfädjlidj ben ©toifern entlehnter ßug in ißetrarca’d £mmanidntud ift nodj ber, baß bie ©djranfen, weldje ©eburt unb ©tanb um bie SDienfdjen gieren, feine 33eredjtigung haben, baß Bielmehr nur SBilbuug unb Dugenb im Heben SBertl) geben. Sd madjt ihn berfelbe gum Sfeßublifaner unb gum geinbe ber dürften unb ber ©roßen. Slber er toirb in ber fßrayid biefer Slufidjt ungetreu, er lebt an ben §öfen ber gitrften unb läßt fidj ihre „Liberalität" nidjt nur gefaden, fonbern fdjeut fidj audj nidjt, fie gelegentlidj aufgu» muntern, bie ©rgeugniffe feiner SDfufe unb Sloqueng mit fidjtbaren SSetoeifen gu Ber» gelten. 'Daneben Bedangt er audj toeitere Slnerfennung, Sljrc unb fRuljm fiub iljm burdjaud nidjt gleidjgüttig. Diefe Bott ber „Humanität" fo treit abliegenben 3ü8 e fenngeidjnen audj bad nadjfolgenbe ©efdjledjt ber Jpumaniften, oljne baß iljnen SBerbienfte, toie Petrarca fie hatte, gur ©eite fteljen. Die Slnreguug, toeldje Petrarca für ben ^mmanidmud gegeben, tnar eine bebeutenbe unb nachhaltig tuirffante. 9lbgefeljen baBon, baß er im adgemeinen burdj feine mannig» faltigen ©djriften bie Hiebe gu ber römifdjen Hiteratur entgünbete unb auf bad Sllter» tljum ald bie Ouede ljunianer Sßilbung gurüdfüljrte, regte er Biele burdj feinen Oerfon» lidjen SBerfehr an, in ber Bon iljm eröffnten, audj Bon bem iljm befreunbeten SSoccacio, aber ungeadjtet feiner Äenntnid bed ©riedjifdjett mit geringerem Srfolge betretenen 23aljn, rüftig forigufdjreiten. Sd mag nur an Soljann oon 3iaoenna erinnert toerben, ber iljm 602 ■Humanismus unb 3lealidmu§. ed »erbanfte, baß er als audgejeidjneter Seljrer ju ^ßabua, 93enebig unb gtorenj auf* treten unb bie meiften ber fpumanifien, tüeldje in ber näd)ften 3^6 einen tarnen Ratten, feine ©djüler nennen tonnte, Seonarb 33runud, ^oggiuS, SSictorinuS, ©uarinud n. a. 92eben iljm war ein berühmter Seljrer, ©adparinud oon Sarjiäja, ber juerft in 33er= gamo eine ©djule eröffnete, bann in ißabia, 35enebig, $abua lehrte unb julefct nadj ÜDcailanb berufen Würbe. Süßaljrenb bie ©tubien burd) folcfje Se^rer immer weiter oerbreitet unb fefter be= grünbet würben, erhielten fie audj eine Erweiterung burd) bad §injutreten bed @ried)t= fdjen. 3tm ©d)tuß bed 14. 3al)rIjunDertd (1398) Würbe Eljrtjfolorad nad) glorenj be= rufen unb fanb in allen benen, welche Soljannd non fftabenna Unterridjt befudjten, lernbegierige ©djüler. SDad 1438 gu gerrara eröffnete Uniondconcil ift in biefer 33e= jieljung befonberd widjtig; bie ÜStjjantiner Ijatten iljre größten ©eleljrten gefanbt unb audj fßafsft Eugen 30 g einige Ijeroorragenbe, bed ©riedjifdjen funbige ^umaniften, ben Eamal* bulenfer=@eneral Sraoerfariud, ©uarinud, Süuridpa bagu. S)ie (ateinifdje unb gried)ifd)e ©eleljrfamfeit fam in bie nädjfte 33erül)rung unb jene fanb baburd) iBeranlaffung, fid) burdj biefe ju ergangen. SSiele wie eben biefe, ©uarinud, Sluridpa unb ‘ißljilelpljud, gicngen nad) Eonftantinopel, bie griedjifdje ©pradje ju lernen unb ©djriften nadj Stalien ju bringen. Ed fam nun halb bafyin, baff jeber, Weldjer unter ben ^umaniften einige ©eltung Ijaben Wollte, ber griedjifdjen Spraye mäd)tig unb in ber griedjifcfjen Literatur bewanbert fein mußte. 93ei bem immer großem 2Iuffdjwunge, ben bie 2lltertljumdftubien im Slnfange bed 15. Saljrtyunbertd nahmen, Wetteiferten bie fRepubüfen in ber Unterftü( 3 ung unb pflege berfelben; bie Surften, ätjnlid) ben Sprannen bed Slttertpumd, fonnten fid) aud), wenn fie fid) oon benfelben nidjt angejogen füllten, nidjt gleichgültig baju öerpalten unb jogen wenigftend ben einen unb anbern ©elenden an ihren §of ald ein unentbel)rlid)ed Eie* ment bed .fwfftaated. Unter ben erften fiept glorenj 6 t erfter fReipe, in il)m wieber ragten oor allen benen, weldje bem ,£>umaniömud Sörberung fdjafften, bie äRebiceer perbor. Um biefe fammelte fid) oorjugdweife ber Äreid ber bebeutenbern Scanner, welche burd) t^re ©djriften einen tarnen gewonnen ober burd) neue Entbedungen 35erbienfte erworben haben, ober ald Seprer fid) audjeidjneten. ®ie folgenreidjfte SEpätigfeit biefer ÜRänner War oI)ne S r age bie auf ©ammein ber ©djriften ber SRörner unb ©riedjen gerid)tete, Wie bie bed Düccotud, eined geborenen Slorentinerd, ber mit außeromntlidjein Steiße fammelnb unb Slbfdjriften oerfertigenb 800 SSänbe jufamraenbradjte — fte bil= beten ben Stnfang ber mebicetfdjen 23ibliotpef — fo wie nicht weniger bie bed ^oggiud, ber .überall in 3talien, in 2)eutfd)Ianb, Uranlreich nnb Englanb nad) ©djriften fudjte unb eine bebeutenbe 3“pl jufammenbrad)te — nid)t gwar, opne bie perfömmlidjen ^Begriffe bom Eigentum ju ignoriren •—, weldje ber bon üRicolaud Y. begrünbeten 33aticanifd)en 33ibliotpef einoerleibt Würben. ©urd) biefen ©ammelfteiß entftanben aud) bebeutenbe $riöatbibliotpefen, in benen römifdje unb griedjifdje ©djriftftetler fich jufammenfanben. !®ie Seiftungen für bie Äritif unb Erftärung biefer ©djriftfteüer wie für bie 21ufpeUung bed Sültertpumd überhaupt waren ungteid) geringer. Sßidjtig würbe biefe ^Bereinigung boit ©eteprten baburd), baß fich ipnen äuerft ein ©tanb bilbete, Weldjer frei unb unabpäitgig bon ber Äirdje unb ben beftepenben Unioerfitäten bie pflege ber SBiffen* fdjaften ju feiner Slufgabe machte. 9?od) wichtiger würbe bie fog. flatonifi^e 2 Ifabemie, infofern baburd) Die SSorliebe ißetrarca’d für fßlato Wieber auflebte unb bie EinWirfung ber ©riedjen baljin führte, freitid) nicht ohne ©treit mit ben Ülriftotelifern, unter fßlato’d 9?amen unb Sluctorität bie ipfülofofljie „aud ber ©chule in bad Seben" ju führen. ®ad rege Seben, bad ber ^umanidmud in SforeiU Wedte, War nun freilich in anbern ffte= fjublifen nicht ju ßnben. 3 nbed fehlte ed audj bort feinedwegd, wie in ©tena unb SSenebig. 3n biefer ©tabt erinnert an jene 3 e 6 fDiarcudbibliotfief, ju ber burdj bie SBibliotljef bed Earbinald SBeffarion, ald ein SUermä^tnid bedfelben, ber ©runb gelegt würbe. •fmmanidntud uttb SJtcali&muö. 603 ®ad Sljun unb’ Treiben ber §umaniften an ben §Bfen bcr gürften ift nidjt er= fveulid). ©d)on bie ©efügigleit, mit ber fie fid) troij ber Weltbürgerlidjen ©efinnung, Die fte jur ©diau [teilen, unb ber Ueberjeugung, baß it;re ßeit eine oerberbte, i£>rer nidjt werttje fei, in alle SSer^ältniffe ju fdjicfen wißen, ift nidjt geeignet, ein günftiged SSorurt^eil 31t erregen. ©ieljt man aber, mie fte bie, beren £>of fte „jieren", greifen unb oerljerrlidjen mit unbeqeifylidjer Umgebung ober tBerlefsung ber SBaljrtyeit, fo ift cd einigermaßen fdjwer, and; ben wirllidjen 33erbienfteit, weldje [ie Ijaben, gerechte Sln= erfennung 3U tfyeil toerben ju laßen. SBeldj eine erfreulidje Gsrfdjeinung ben meijten tiefer Jpumaniften gegenüber ift SBictorinud Oon gcltre, weldjer leine größere greube bannte, ald in ber oon bern SJtarfgrafen Oon SSJiantua, ©onjaga, erridjteten Üeljranftalt IfoßnungdooIIe Jünglinge mit ootter Eingebung Ijeranjubilben. Sluffaüenb ift ed, baß bie £mmaniften oon ©eiten bed 3iealidtnud ber mittelalter= litten 33ilbung fo wenig SBibcrftanb fatiben, obgleich iljre Eingriffe auf biefelbe genugfam baju aufforberten unb reijten. S)er ®runb baoon Wirb im allgemeinen barin ju fudjen fein, baß ed in Jtalien ju feljr an bem tiefen ßttlidjen Srnfte fehlte, ber bad burd) eine lange Ueberlieferung ©eljeiligte unb bem eigenen §erjen Slljeure uid)t ungeftraft antaften laßt, fowie barin, baß eine gefällige rljetorifdjßdjöne gorm bie ©inne ju leidet feffelte nnb bad SBefen ber ©ad;e überfein ober nur oberßädßid) beadjten ließ, ©aju be= wegten fid) bie [pumaniften nur in ber ©ptjäre ber Ijöljern ©tänbe unb fd)rieben für „GcingeWeiljte“, nidjt für „Jbioten"; fie rügten SDtängel unb ©ebredjen, Weldje tiefen langft fülßbar geworben, unb fanben überall empfänglidje £>orer unb Sefer. ©ie fämbften für bad Sidjt gegen bie fyinftermö, für Stufl'lärung gegen ^Barbarei; niemanb modjte für unmiffenb gelten ober bie Unwiffenljeit unb 9foljeit in ©dm(3 nehmen, jeber ' wollte fid) oielmeljr gern babou frei mad)eu unb lieb) benen fein DIjr, bie baju fo freunblid) iljre ®ienfte anboten. ®abei üerfteljt ed fid) oon felbft, baß ed fowotjl in bent geiftlidjen ©tanbe, ald and) fonft ernfte, oerftänbige unb fromme 9Mnner gab, bie an bem leeren unb I)ol)len Treiben, ber frioolen SBerfpottung beS ^eiligen, an ben fdjamtofen Stehen unb ©Triften mandjed fpumaniften Slergernid nahmen. Sludj fehlte eö nid)t an Singriffen bagegen. Slber einerfeitd waren bie Slngreifenben ben Slngegriffe= nen an ©d)Iagfertigleit nnb ©ewanttljeit im Kampfe nidjt gewadjfen, anbererfeitd fanben tiefe unter ben oielen §erren unb gürften leidjt einen, ber fie unter feinen ©d)u(j naljnt. ®ie reidje Literatur ber „Jnoectioen“ unb „gacetien" ift 33eweid genug bafür. Saurentiud SBaüa, einer ber oerbienteften [pumaniften, fanb tro£ ^Dominicanern unb Jn= quifition wegen feiner ^Dialoge „über bie Söolluft" unb feiner gegen bad ppfttfjum ge= richteten ©djrift über bie ©djenhtng Sonftantind ©djufs bei Stöuig Sllpljond in Neapel, unb erhielt fpäter eine einträglidje ©teile bei ßticolaud Y. S)er nnßätljige £>ermapljro= bitud würbe oon ben SDtinoriten woljl oerbrannt unb Jnoectioen bagegen gefdjriebeit, aber ber 23erfaffer Slntoniud puormita fanb ©unft unb Sljre am §ofe 31t SReapel. Ißoggiud, ber fid) rühmte, ber Kurie faft 50 Safjre gebient 31t Ijaben, fonnte in feinen „gacetien'' Karbinäte unb Sliöndje ungeftraft 3ur ©djau [teilen. Slud foldjen £^atfad)eu erljeHt wol)l, baß bie [pumaniften eine 9)?ad)t bilbcten, gegen Weldje bad ©efdjrei ber Steligiofen objne SBirfung oerljaüte. 9Jtan bcburfie wälj= renb bed ©djidma, bei ben Koncilien unb biflomatifdjen 33erljanblungen i^rer geber; baljer waren fo oiele Oon ifmen in Ijöljeru ©taatdämtern unb ©taatdgefd)äften mit großer ©ewanbtfieit tfjätig unb ald Sorlaufer an SDiacdjiaoelli erinnernb. ©eit aber DSico-- laud Y. ben päpftlidjen ©tut)I beftiegen (1447) unb glorenj ben 9tup pmaniftifd)er ©ele^rfamfeit ftreitig 3U madjen bebaut war, burfte ber §umanidmud feine §errf(^aft ald nnbeftritten unb oötlig gefidjert anfeljen. £u bem ©ammein ber Slntiquitäten, ber ©^riftftellev ber Sitten, fowie 31t bem Uebertragen ber gried)ifd)en Slaffüer unb ftirdjen* oäter in bad Sateinifdje für bie 95aticanif(^e S8ibliotb?et beburfte man öieler firäfte. 3n biefer 9Iic^tung bewegte fitß ber [pumanidmud lange genug fort, unb wie er ed oon Slnfang an auf bie möglidjfte |>erfteEung unb 9feßriftination bed Slltert^mnd abgefe^en 604 ■fäuinanidmud unb 9teatidmuö. hatte, fo gab fidj bieg Seftreben in ber pflege ber tateinifdjen ©pradje, weld)e burdj-- weg Siceronianifdj fein fotlte, in bem Siceronianidmud, ben ber Sarbinat 33embud geltenb mad)te unb worin er riete Siadjfotger hatte, funb. Srft bad ©ribentinifdje Soncit trat bem fpumanidntud in einer il;nt unerfreulichen SBeife entgegen nnb madjte feinem friooleit ©reiben ein Snbe. ©er £>umanidmud iiberfdjritt bann aud) bie Sttpen unb fanb bieSfeit berfelben freubige 2tufuat)me. ®od) War fie Weber biefetbe, bie er bort gefunbeit, nod) auch in ben oerfd)iebenen Sänbern eine gleite. Sd tommt hier nur granfreid) unb ©eutfdjtanb in 23etrad)t. 3n Sngtaub Waren ed juuädjft nur einzelne 2)ianner, wetdje burd) itjre ©tettung mit italienifdjen §umanifteu in Softnits unb 23afet in 23eriü)rung tarnen unb ein nie^r perföntidfed, feine nadjhattige unb allgemeine SBirfung erjeugenbed 3ntereffe an ben 33eftrebuitgen berfelben nahmen. 3n granfreid) fanb ber tpumanidmud bagegen leicht unb „geräufdjtod" Eingang; bie natiirlidje ©tammoerwanbtfdjaft mad)te fid) barin geltenb. Sigenthihnlid) ift aber babet gucrft, baß biefer Singang oon oben her, burd) bie Könige, »ermittelt würbe. SBaren bie gran 3 ofen in ißotitif unb biptomatifdjen Künften fd)on unter SubWig XI. unb Kart VIII. ©chiiter unb fogar SDSeifter ber italienifd)en SBiffenfdfaft gewefen, fo fnd)ten fie unter Subwig XII. auch bad ©tubium ber alten ©pradjen unb ber in Statten blühen* ben SBiffenfdjaften in U)rcm Saube ju begriinben unb festen badfetbe in 2 ?erbinbung mit bem ©tubium bed römifdjen fftedftd. ©o gewann Subwig XII. an ißautud Stemitiud einen eleganten lateinifd)en Jpiftoriographen fiir granfreid), 'an Stleanber einen feinen Sehrer ber ©titiftif fiir ißarid, an ißetrud Saftetlanud einen Seljrer bed @ried)ifd)en. 2Ket)r nod) that König grang I. für bie fpeüung biefer ©tubien. Sr erridjtete in ißarid (1530) neue ißrofeffuren für bie lateinifd)e 23 erebtf amfeit, für bad @ried)ifd)e, tpebräifdfe, für römifdje ^fjitDfofofjie, für tDtebicin. SBirfte baju aud) 9fuhmfnd)t unb perfönlidjed ©efatten an ber „fdjönen" Literatur ber Sitten mit, fo war bodj baöon Weiter eine eigenthümtiche golge, baff bie Sßiffenfdjaft atd fotdje Stufmunterung erhielt unb eine gan 3 anbere, reette ü?id)tung nahm, atd in Stalien. ©ie gieng auf bie Srforfdfung unb Sr» fdjtießung bed gefammten Sttterthumd aud, oermittetft einer einbringenben 3 nterpretation unb Kritif ber ©dfriftfteHer, unb einer äufamtnenhängenben Srforfchung bed Sehend unb ber ©itten ber alten tßölfer. $al)er bie gtan.jenbe 2 Seit)e ber großen @etet)rten in granfreid) im 16. 3at)rhunbert, Sambin, Safaubonud, 3of. ©caliger u. a., an beren 23eftrebungen bie großen Suriften unb ©taatdnuinner, Sufaciud, SSubeud u. a. ben regften 3tntl)eit nahmen (f. 3uftud 3of. ©catiger oon 3acob Sernatyö). 2Bad biefe SOfänner unter* nahmen unb audführten, hat für ben§umanidmu§.reiche grüdjte getragen. ©odj Würbe baburd) in bent ItnterridjtdWefen in granfreid) feine bebeutenbe S3eränberung ^)erl>eige= führt; bie I)umaniftif(^cn ©tubien oon oben angeregt unb gepflegt hielten fid) met)r in ben höhsoven Streifen ber SBiffenfdfaft unb ber ©efettfchaft. ©ort aber Waren fie aud) gefidjert unb ungefährbet, nidjt nur wegen bed l)ßh ei ' en ©d)u(sed, beffen fie fid) er* freuten, fonbern aud) weit fie 3 unad)ft bie Sntereffen bed fird)lid)en 9featidmud nid)t 31 t berühren unb an 3 utaften fdjienen. Srft atd bie 3ünger Sopola’d fefteu guß faßten, hatte befonberd ein ©catiger, ber Salöinift, trots bem baß fie fetbft bie humaniftifdjen ©tubien für bad geeignete SDSittel hielten, auf bad Unterrid)tdWefen wirffamen Sinftuß 31 t üben, Oon ihren befanntenKünften 3 U leiben, Weit feine einbringenben fritifdfen unb I)ifiorifd)en gorfd)ungen fo manched btoßtegtcu, wad bem Drben unb ber Kirdje, ber er biente, nicht erwünfdjt fein fonnte. Sineu anbern Sludgangdpunct unb eine anbere ©tettung nahm ber £mmanidmud in©eutfd)lanb. Sr bringt hi er aCtmäljtict) oon unten burd) bie ©dsuten ein unb burd)(anft nicht ohne Kampf mehrere ©tabien. Slld bad erfte ©tabiunt müßen wir bad begegnen, in welchem ihm bie SSortaufer ber Sfeformation pflege angebeiheu ließen, bie bedljalb and) atd bie erften 23egriinber bed* fetben an 3 ufehen finb. — SEBad Stenead ©itoiud bei griebridj III. bafiir gethan, giebt ihm §umaniöntu§ unb ^Realismus. 605 roopt fdjwertidj einStnredjt auf bie ©pre „ber eigentüdje Stpoftel beS Humanismus unter ben ®eutfdjen ju fein" (®ie SBieberbetebung beS ctafflfdjen SlttertpumS non SBoigt ©. 377). — SpontaS panierten (a Kempis) gab ipm 3id unb fRidjtung. ®urdj eine wirf* fantere unb bitbenbeve SLÖeife beS ©pradjunterridjtS in bie ©Triften ber Sitten felbft einfiiprenb unb an einen reineren ©ül gewöpnenb fowie burdj SBort unb ®pat bem ©oangelium ©ingang bereitenb wies er auf bie SRidjtung pin, in tuetd^er berHumaniS* inuS auf beutfdjem 23oben weiter fortfdjreiten fottte. ®abei fid) Wopl betrugt, wie fein Unterricht ju einer ooltenbeten 93itbung nidjt auSreidjen tonnte, ermunterte er feine ©djüler, Statien, bie Heimat ber ©eteprfamfeit unb SBiffenfcpaft, ju befudjen. Sinige Oon biefen benüpten ben SBinf, wie 3op. SBeßel, 97. Sange, SD^orij o. ©piegelberg, 9tub. Stgricota, unb bradjten reiche ©djäfee oon Senntniffen unb 93üdjern jurüd, wetcpe fie jumSeften beS eigenen SSaterlanbeS üerwertpeten; anberu, wetdjen eS nidjt üergönnt toar bortpin ju reifen, tarnen bie ©cpäpe, Wetdje bie greunbe peimbracpten, jn gute. SBaS biefe Banner burdj ipre ©djriften auf Unioerfitäten unb ben ©djnlen befonberS im 9?orb= weften üon ®eutfd)tanb wirften, namentlid) baburd), baß fie fällige unb entpfanglidje Süngtinge ben neuen ©tubien fid) gattj ju toibmen oerantaßten, barf nid)t erft auSge* fü^rt toerben. 97ur baS fei bemerft, baß bie ©runbgebanfen beS Humanismus ipuen tlar oor Singen ftepen. „®ie SBiffenfdjaften fotten nidjt um jeitlidjen ©ewinneS toiflen, fonbent ju ber Silbung beS eigenen ©eifteS erlernt werben, aus bem ©tubiurn ber Ilten foE nidjt bloß fdjöne fRebe, fonbern aud) ©adjfenntniS, gertigfeit beS ridjtigen ®enfenS, wiffenfdjaftüdje SOJet^obe u. a. gewonnen werben." ®er ©ifer unb bie §in= gebung, womit fie arbeiteten, wirfte unwicerftebjlidj; bie Starpeit unb Umfidjt, mit ber fie bibaftifdje unb päbagogifcße ©runbfäpe erörterten, Wie Stgricota, unb jur SInWen* bung bradjten, wie §egiuS unb ®ringenberg, ftanb weit oon bem ab, was fonft nod) in Uebung war. 3nbem fie aber, mochten fie immerhin an bemSeben berÄlerifer unb SRöndje oft genug Slnftoß nehmen, fern baoon waren bie Äirdje ju befepben, unb fid^ barauf befdjrauften, burd) S3erbefferung beS UnterridjtS unb ber SBiffenfdjaft pofitio ju wirten, eutftanb ipnen tein nennenSwertper Sampf üon ©eiten beS immer nod) perrfdjen* ben fRealiSmuS. ®peilweife blieben fie aud) beSpatb unbepettigt, weil fie, wenn aud) ÜReueS anbapnenb, bod) ben biSperigen SBeg nidjt ju oerlaffen fdjienen, unb wenn einmal eine Steußerung SBimppelingS, „es fei gang irrig, baß Sßeispeit nur iu Stößern Woijne," Slnftoß erregte uitb felbft eine Slnftage bei bem ißapfte oeranlaßte, fo wußte er felbft unb feine greunbe fie 3 U redjtfertigen. 3n baS 3 weite ©tabiunt tritt ber Humanismus mit ©raSntuS unb fReudjlin. ©0 oerfdjieben biefe SRänner fiitb, fo ftepen fie bodj, jeter in feiner SBeife, als aitS= gejeidjnete SReprafentanten be§ §umaniSmuS in ®eutfcptanb ba. 93eibe Ijaben baS mit einanber gemein, baß fie ibjre Ijerüorragenbe ©teHung in ber 335iffenfdjaft bem ©tubium beS SlttertljumS oerbanfen, baß fie itjre SenntniS ber alten ©pradjen für reelle wiffen= fdjaftlidje Slufgaben oerwenben, baß fte unabtäßig bemüljt finb ben 3öeg ju ben §u= manitätSftubien 3 U ebnen. ®ie tiefgreifenbe SBirffamteit, weldje beibe mit ifjren Se= ftrebungen tjatten, tritt am flarften aus bem Satnpfe ßeroor, in ben fie um berfetben Witten oerwidett Würben. ®er erbitterte ©treit, ben ber tirdjtidje 97eati8muS gegen fie erregte, bejeidjitet am beutlidjften ben ©egenfa^ ber in ßonßict gerattjenen ißrincipien. ©raSnutS, wiber feinen SBitten bem Stofterteben beftimmt, fatj fidj bitrdj ben ©djo= lafticiSmuS üon ber Geologie fo fetjr abgefcßredt, baß er feine Sräfte gauj unb gar bem ©tubium ber griedjifdjen unb römifdjeu Literatur wtbntete. ®ie bittern ©rfaljrungen, bie er im Stoßerteben gemadjt, fo wie bie ©inbrüde oon beni ®reiben beS ÄteruS patten iprn einen unüberWinbtidjen Söioerwilten gegen ben geifttidjen ©taut, 31 t bem er im 3. 1492 bie äöeipe empfangen, eingeflößt. ®ie Söirfung beffen, was er feinem Setjver ©egiuS 31 t ®eoenter üerbanfte, bie Vorliebe für bie römifdje Siteratur War ftärfer als alte Siinfte ber ©djolaftif. ®er ftampf be§ Humanismus unb 97eatiSmu8 iß in ißm auSgetämpft unb ber ©ieg beS erften über ben jweiten entfdjieben, beoor er nadp 606 ■fSumaniSmuS Mttb DealtSmuS. außen barem berWidelt wirb. ©ieS gefd)al) nun freilid) nid)t eben burd) feine ©d)ülb. ©enn wiewohl übergeugt, baß nur auf bem öon ifyrn betretenen 933ege eine Hebung ber miffenfdjaftlidjen Silbung überhaupt gu erwarten fei, blieb er im gangen bem bon ipm auSgefprodjenen ©runbfafse getreu, baff „bie fdjönen 335iffenfd)aften auf ben £>od)fc[)uIen fid) aflmäl)lid) unb unbermerft einfd)leid)en, baß fie nidft als atteS bor fid) nieber= Werfettbe geinbe, fonbern als ©aftfreunbe erfcpeinen mäßen, bie burcf) freunb= lid)e 8 3ufammenleben mit Een alten SeWohnern beS IpaufeS gu einer Familie berfdjmelgen'’. Sei ber bem Dtanne eigenen Sorfid)t fonnten il)m Weber feine gelehrten Arbeiten über gried)ifdje unb fateinifdje ©d)riftfteHer, nod) bie mit umfaffenbeni Slicfe unb reidjer 6 rfa!)= rung auf baS Unterricf)tSWefen einge(;enben Seftrebungen bebentlid)e fjeinbfdjaft gugie^en, berftießen fie aud) gegen ben @efd)macf ber magistri. Unb in ber 2d;at haben fie ihm nur ©pre unb Duhm eingetragen, bei ben ©eiehrten — erfannten it)n bod) bie Staliener als einen ©benbürtigen an unb gewannen bon il;m in ber perfonlidfen Serührung eine bortheilhaftere Dteinung als er bon ihnen — wie bei Kaifer unb Deich- Aber feine theotogifdjen Arbeiten, auf bie er bon feinem ©tubium ber alten ©pradjen geführt Würbe, namentlid) bie Ausgabe beS Deuen ©eftamentS, blieben nicht ohne Anfechtung; bie Un= berbefferlidffeit ber Sulgata Würbe gegen ihn bon bem ©panier ©tunica bertheibigt. ©ie ©rwiberung brad)te ben ©egner nid)t gurn ©d)Wcigen, fonbern reigte nur gu einem An= griffe auf anbere SSSerFe beS ©raSmuS. Unb man merlt genugfam, baß biefer ©djlimmeS fürdjtete bon einem Kampfe, ber bon ©eiten beS KteruS eine weitere Ausbeutung an= nehmen tonnte, als er wirflidj that. Aud) ber ©nglänber See fd)ien, wie er felbft unb feine fyreunbe beforgten, mit feiner Kritif gegen bie Ausgaben beS 9t. ©. bon ben©heo= logen 31 t Söln unb Sowen nur borgefd)obett 31 t fein, um mit ihm ben Kampf 3 U be= ginnen, WaS jebod), wie fid) halb geigte, nid)t begrünbet war. Am guten Sßitlen einen SDtann, wie SraSmuS war, gu berberben, fehlte eS ben ©onünicanern gewiß nicht, ©enn abgefehen bon feinen großen wiffenfd)aftlid)en Arbeiten, bie ihnen Wenig gufagen tonnten, weit fie auf einem gang anbern ©ntnbe aufgebaut Waren, als ber war, auf bem fie ftanben, unb non ihren ßielpuncten weit abfül)ren mußten, hatte er f ie in bem Encomium Mori® nid)t eben glimpflid) bel;anbelt unb fid) fonft bei aller Sorfidjt mattdjeS SBitswort über bie ©cholaftifer erlaubt, ©och war ihnen fdfon ©dßintmereS gefagt unb ©raSmuS ftanb gu groß ba, er hatte an ißapft unb Kaifer hinreidjenben ©d)uh- 2Bie er nad) biefer ©eite gegen ben DeatiSmuS ber alten Silbung gu tämpfen hatte, fo blieb ihm aud) ber ©treit mit ben eigenen ©enoffen, ben $umaniften, nicht erfpart. ©ie ©horl)eit ^ er Giceronianer, weldje aHeS @ewid)t auf fd)öne ©arftetlung legten unb barin leinen AuSDrucf unb feine SBenbung fid) gefallen laßen Wollten, bie nicht bei ©icero üorfame, reigte ©raSmuS gum äBiberfprud) unb gu einer grünblid)en Aufbecfung biefer Serfehrtheit. ©0 fehr er baburd) grangofen unb 3taliener gegen fid) aufregte, fo hatte er bod) nod) bie ©enugthuitng, baß jene fpäterl)in ihr ©ifern gegen ihn als :tid)t Wol)l begrünbet erfannten. ©iefe ©treitigfeiten waren nid)t im ©tanbe, bie allgemeine Ad)tung unb Anerfennung, beren er genoß, gu beeinträd)tigen, bielmeljr betrad)tete man ihn überall als ben SBegweifer gu ben tpumanitätSftubien unb gu ber auf ©runb berfelben aufgebauten Sßiffenfdjaft. ©rft fein fül)leS unb ableljnenbeS Ser= halten ber fird)lid)en Deformation gegenüber ließ hw unb ba feine Serbienfte um bie ©Ideologie in Sergeffenheit fornmen. Deben ©raSmuS tonnte nur nod) ©in Dtann genannt werben, beffen Dame nicht minber geachtet War — Deud)Iin. ©s war nid)t ohne ©runb, Wenn man biefe SDänner „bie beiben Stiegen ©eutfdßanbS" nannte, ©enn burch fie fal) unb fanb ®eutfd)fanb ben 2Beg ber neuen Silbung. Dettdßin, ber 3urift, ber ©eheimfehreiber beS ©rafen Sberl)arb I., ber faiferlidte Dath, ber in ben Abelftanb ©rhobene, ber SunbeSrid)ter, fd)ien nid)t bagu beftinimt, ben fpumanitätdftubien Sahn gu brechen, unb gIeid)wol)l ift bie Ausbreitung berfelben mit feinem Damen ungertrennlid) oerfnüpft unb gWar in ber ©eutfchlanb eigentümlichen Dichtung eines DtittelS Wiffenfd)aftlid)er Silbung überhaupt §umani§tnu§ uitb Slealidmud. 607 unb bed ©cfjlüffeld für Ifö^ere ©tubien. Sine foldje Vebeutung erlangte er burdj feinen raftlofen Gifer unb unermiibeten gleiß um feine eigene Audbilbung, burdj Aufmunte* rung unb Unterftüijung junger SDlänner, ohne öffentlicher Seljrer j U fein, burdj £>ülfd= mittet, meldje er für ben Unterricht fc^uf, burch ©ammlung unb Veröffentlichung oon alten ©c^riftftellern. gür bad Sateinifdje mürbe fein Seyicon (Breviloquus) mistig; bie griedpfdje ©rammatif unb bad ©tubinm ber ©pradje hatten an ihm ihren Vegrün= ber — fein jüngerer Vruber Dionpfiud mürbe ber erfte ißrofeffor ber griedjifdjen ©pradje in .fjeibelberg — größer, mo möglid), maren feine Verbienfte um bie Grtoetfung ber Senntnid ber ^ebräifcfjen ©pradje. And bemjenigen, mad er bon einzelnen 3uben für oieled ©elb erlernt hatte, ermudjfen nachher feine Radimenta linguae Hebraicae. Die Spradjftubien foHten ihm aber, fo fehr er gegen bife h E *gebradjte rohe ©djreibmeife eiferte, nicpt bloß jur Vilbung bed ©tild bienen, fonbern ein Sfflittel merben, aud ben ©driften grünblidje ©ac^fenntniffe unb fräftige Anregung eined l)öh ern unb eblern ©inned ju entnehmen. Vermöge feiner ©tellung in bjo^en ©taatdämtern mar er ber Wann, biefe ©tubien aud bem engen fireife ber ©djule in bad Seben ju leiten unb Seamte, ©efdjäftdmänner, Abel unb dürften für biefelben ju gemimten, freilid) in einer anberen unb frud)tbareren SBeife ald bie italienifchen jpumaniften. Sffiie fern er mar bon einer Ueberfdjäfjung ber Sitten, mie mir fie in Italien finben, ergiebt fid) fdjon baraud, baß er, mie menige feiner 3e't8enoffen, ber Sftutterf pradje Aufmerffamleit mibmete unb fie mit ©emanbtljeit ju gebraudjen mußte. Dad Anfeljen, melched er erlangte unb bie Anjieljungöfraft, meldje er auf alle Jüngern ftrebenben Kräfte übte, hatten längft ben 9Mb ber Vertreter ber alten Vilbung, bed 3tealidmud, erregt, ©efteigert mürbe berfelbe baburch, baß 9?eudjlin, ber Surift, burdj fein Seljrgebäube ber hebräifdjen ©pradje, fo mie burdj feine Süiitmirfung an ber §eraudgabe berVSerte bed §ierontjmud ©elegentjeit nahm, mandje ©teKe ber Vulgata ju üerbeffern, baß er bad ©tubium ber h e ^9 ett ©chrift in aller VSeife ald eine ihm h E '6ge Angelegenheit ju förbern fudjte, Verebt* famleit bon ben Dij eo * D 9 en gepflegt toiffen mollte unb bamit in bad ©ebiet berfelben eingriff. ©o fehr bied ©treben barauf audgieng, einer Dichtung bed £rantauidmud ju mehren, bie berfelbe in Stalien in feinblidjem ©inne gegen bad Sh r *P en ^ um genom* men hatte, fo mürbe ed bodj für bie blinb eifernben Dominicaner in Söln ber ©runb ju einem ernftlid)en Angriffe auf ben ÜDiann. Den äußern Anlaß freilich ju bem Unterfangen mußte SReudjlind ®utadjten über bie Vüdjer ber 3uben abgeben. 2Bie man ed ihm in feiner 3ugenb, ald er felbft noch Sernenber jugleidj ald Seljrer fleh oerfudjte, jum Vormurfe madjte, baß er [ich mit ber ©pradje unb ben Vüchern ber ©chidmatüer, ber ©riedjen, einlaffe, fo mürbe ihm bied ben Abftdjten ber Dominicaner jumiberlaufenbe ©«tackten über bie Vüdjer ber 3uben, bereu Verfolgung mit Verbrennung ihrer ©djriften eingeteitet merben foUte, eine Duelle oon bielen ©orgen. 3nbed fonnte ber ©adje, bie9feud)tin oertrat, nid)td förberlidjer fein, ald biefer ärgerliche, juerft in ©treitfdjriften mit bem Urheber bed ©treited, ißfefferforn, bann in einem oon bem Äe^ermeifter £>odj= floaten eingeleiteten, brohenben Snquifitiondoerfaljren 3ahre lang (1510—16) fid) h En= jieljenbe unb enblid) ju ©unften bed Angeftagten entfehiebene §anbel. Denn er führte bie ganje © gleidj in bem brüten ©t ab in in, in »eldjeS ber Humanismus eintrat, in ber Deformation ber Sirdje burdj Sutljer. ©er Humanismus tyatte in ©eutfdjlanb Bon Anfang an bie ©enbeng, baff er auf biefe Deformation Ijinwirlett unb baS ©djwert berfelben »erben muffte. 23ei ben Dieberlanbern »erben bie 23eftrebungen beSfelben ber Anregung, »etdje baS djriftlidje Seien burdj bie 9J?tjftil empfangen Ijat, bienftbar unb förberlidj; GraSmuS Arbeiten crntöglidjen nid^t nur ein guriidgeljen auf bie Ijeilige ©djrift, bieOneüe ber djriftlidjen SeljreunbbeS djriftlidjenSeiend, fonbern führen barein ein; Dettdjlin, bem feine ©tubien meljr eine Ijeilige Slugelegenljeit beS HergenS finb, als bem oer= ftänbigen unb beredjneuben GraSmuS, »ar nidjt gufrieben baS formale 33erffctnbniS ber 33iiel angubaljiten, fonbern fpradj audj in feinen pljilofopljifdjen ©djriften tttandjen anregenben, tiefer greifenben ©ebanten auS unb »ieS auf tnandje ©runbleljre ber Ijeiligett ©djrift ttadj= brüdlidj I^iu in iljretu Untcrfc^iebc Bon bem, »aS bamalS bie Äirdje leljrte. Unb fo toirtten alle Humaniften, in bem einen alle einig, gegen ben tjergebradjten lirdjlidj=ljierardjifdjen, tnöndjifcben DealiSmuS, Biele and; pofitiB für ein DeueS ©rnnb legenb. ©eSlgalb fallt je(}t ber Äampf beS Humanismus unb beS DealiSmuS mit bem Kampfe ber Deformation unb ^terardjte fo gang unb gar gufammen, baß er barin aufgeljt unb gu Oerfdjwinben fdjeint. Oljne bcnfelien iefonberS gu oerfolgen, biirfen »ir nur iemerfen, »aS bie De* formatoren iefonbereS gegeben Ijaben. 3n ber Degation gegen ben mittelalterlichen DealiSmuS, gegen inoudjifdje Grgieljttng ber Änaien, gegen ©djolaftiter unb „©opljiften" ftimmt Sntljer mit ben Humaniften Billig überein, nidjt »eniger in ber 2lnerlennuug ber DotljWenbigleit einer freien Gr= gieljung unb eines frudjtbareit UnterridjtS. ©aS Deuc aber, baS an bie ©teile beS uer»or= fenen Sitten treten muß, ergiebt fidj natürlich unb notljtoenbig auS beit beiben großen ©runbprincipien ber Deformation ber Sirene, bem fog. formalen Bon ber auSfdjtießlidjen Sluctorität ber (»eiligen ©d;rift für bie djriftlidje Seljre unb bem fog. materialen ber Dedjtfertigung allein ans bem ©lanben. ©aS erfte fiiljrt in feiner Gottfequeng mit Dotljwenbigfeit gu betn ©tubiurn ber ©pradje unb Siteratur beS SlltertljutiiS; eS tft 33orbereitung unb SDittel für bie Grllärung ber Ij. ©djrift nnb muß barum fdjon audj an fidj einen Sßertlj Ijaben, baS gtoeite ißritteip giebt bem Humanismus erft feine oolle 33eredjtigung unb tiefe SBaljrljeit. GS litüpft ge»ißermaßen »ieber an ben ißunct an, Bon bem aus ©ofrateS ben Humanismus begrünbet hatte, an baS @e»iffett beS äRcttfdjen. SBie bort gu einem ntenfdjcit»ürbigen Seben guerft unb gunädjft fittlidje Gr= tenutniS, ©elbfterfenntniS, geforbert »irb, fo Ijier ©laube: »ie bort in ber GrfenntniS ©ewißljeit über baS eigene 3dj unb fein IBerljältniS gn ber ©oftljeit gefudjt »irb, fo ift fie im ©tauben gegeben; »ie bort ber GrfenntuiS bie Sraft gugefdj rieben »irb bie ©Ijat aus fidj gu ergeugett, fo liegt im ©lanben ber ©rang gur ©Ijat; »ie jene Gr= fenntniS ftdj gu erweitern ftrebt oljne irgenb ein reellen 3»eden bieueitbeS Object Bott feiner ÄenntniSnaljme ober ^orfdjung anSgufdjlicßen, fo Ijat ber ©laube ein HareS, offenes Singe audj für bie Greaturen unb 2Berf'e unb ©(jäten ber üRenfdjen, »ie fie fidj im Saufe ber Grgieljung beS liteitfdjltdjen’ ©efdjledjtS barftellen. ©aS Ur= unbSSorbilb ber SRenfdjljeit, baS in ber Offenbarung entgegentritt, als baS allein beftimmenbe Bor Slugen gu fteHeit, ©laubett »ieber gn gewinnen, ift bie Slrbeit ber Deformation uttb barin erhält ber Humanismus feilte etgentlidje, größte Aufgabe. Subetn Sutljer jene SIrbeit übernahm, Ijat er biefe Aufgabe erfanut unb in gar tnannigfadjer SBeife barauf IjingeWiefen. Gr erlennt es als eine ©nabe ©otteS, baß bie „©pradjett" jefct an baS Sidjt gebraut ftnb, fie bie ©djeioe, barintten baS SReffer beS ©eifteS ftedet, ber ©djrein, barinnen man bieS Steinob traget, bie ©djrift auSgulegett; gu ftreiten »iber bie ©oplji- ften bebarf man ber ©pradjett, »eldje gegen aller Leiter ©(offen finb, »aS bie ©onne •jpumaniSmuS unb RealiStttuS. 609 gegen ben Schatten. Slber and) baS meltlidje Regiment, als eine göttliche Drbnung unb Stanb, beS fidj bie ©oppiften in ihren ©djulen uid)t angenommen, bebarf ber ©prad)en, feine unb gefdjidte Seute ju fd) affen, mie fie ©riedjen unb Römer Ratten, ©onberlid) fotte man ©djulen baju aufridjten, baß bie ©eutfdjen nidit mehr in allen Sanben bie beutfdjen S3eftien fyeifjen. ©abei aber faßt ber Reformator feine päbago» gifdje Aufgabe meiter, er richtet feinen 23licf nidjt auf eilten ©tanb, fonbern auf baS beutfdje Soll in feiner ©efammtpeit. ®a 8 maS allen ohne SluSnaljme Roth tfmt, giebt er in feinem .'pattbbüdjlein unb legt baburdj jenen feften ©runb aller Rumänen SMtbung. SBaS Sutljer in umfaffenber Stnfdjauug in fidj trug unb aus eigner reidjer Sr» faljrung auSfprad), eignete fid) 50?eland)tl)on burd) ©tubiutn an, gab il)m bie miffen» fcfjaftlidje 33egrünbung in audgejeidineter Söeife. „®eS SBaffenfdjmiebS ©ol)tt oerar» beitete baS Srj, baS beS Bergmanns ©opn aus ber ©iefe au baS Siebt förberte." Söie beibe Rfänner in toaljrliaft prooibentielter SBeife überhaupt eittanber ergänzten, fo and) auf bem ©ebiete ber ©rjiel;ung. 5Reland)tl)on mar fpumanift mie anbere, befonberS 9feud)Iin; bie Slieologie unb bie Stnregung, bie er barin burdj Sutljer befant, machte ipn im befonbern ©inne ju bem d)riftlid)en fpumaniften unb befähigte ipn, bem .fjitmaniSmuS in ©eutfdjlanb feine Bolle ausgeprägte Ridjtung ju geben. ©ie Rothmenbigleit unb @rfprießlid)feit beS SlltertljumSftubiumS für bie SSilbung beS ©eifteS l;at er aus eigner Erfahrung erlannt unb gteid) Bon Einfang an in bie redjte 2 ?aptt geleitet, bie ltn» entbel)did)teit beSfelben für bie STpeologie ift ipm, fo mie er in biefelbe eintritt, feinen Slugenblicf gmeifelpaft. 95on biefer hoppelten SrfenntniS aus nimmt feine £ljätigfeit als beS praeceptor Germaniae ihren SluSgaitgSpunct, menn il)m gletdj bie meltljiftorifdfe Sebeittung beS gded)ifd)en unb römifdjen 31(tertl)um8 für baS Shriftentljum nid)t überall feft unb fid;er Bor Singen ftel)t. ©aS ©titbium ber 3Biffenfd)afteit fiat iljm an unb für fid) eine peilfame SBirhtng auf ben SRenfdjen unb gmar burd) bie 21 r beit, bie ber ©eift au fid; felbft noügiefyt. Sd fegt alle Äräfte beSfelben in 23emegung unb ftärft fie, eS reinigt unb befreit non aller Roheit; nid)tS ftept il)nt fo feft als baS ingenuas didicisse fideliter artes non sinit esse feros. SS l;at alfo nur SBertlj, menn eS §>ers unb ©emiitlj bilbet unb oerebelt. Rid)t baS SBiffeu an fiel), fonbern baS mirffame bilbenbe SBiffen gilt il;m etmaS. ©ieS füfirt eben fo mot)t ju ber consociatio generis humani als jur Religion, atfo ju bem, mojtt ber SRenfd) bie Seftimmung tu fid) trägt. ®ie ffraft, biefer SSeftimmung ipn jugufüliren, liegt in ben artes liberales. ®ie ernfte unb angelegentliche 5Befd)äftigung mit ihnen bemaprt oor Sngherjigfeit unb 93efchränft= feit ber ©djolaftif unb ©optjiftif, giebt ben edjteu lautern ©inn für bie einfadje unge= fdjminfte SBal)rl)eit, ermeitert ben ©efidjtSfreiS über bie ©d;ranfen ber fpadjmiffenfdjaft unb ergebt ju hoül>ie. III, 39 610 >§umamdmud unb iJtcaliöntus. bittet unb, wad befonberd für bie Sßedung tüiffenfdjaftlid>en ©inned widjtig, bad S 3 c= wußtfein eigenen Äönnend unb ©djaffend 31 t geben geeignet ift. Aud eben biefen @rün= ben wifl er Serfe gemad)t wiffen. 3Xber tiefe Hebungen haben ibm nid)t bloß biefen fog. formalen 3 toed, fonbern er fieljt barin ein üötittel, fittlidj bilbenb auf bie Sernen= ben einjntoirtcu. Stilus fcre mores arguit ift fein bebeutfamed äßort; Gitelfeit, Aiu maßung, Seicbjtfinn, furg alle SJerfefyrtfyeiten beS ©inned unb ber Neigung tonnen nidjt umhin fid) barin ju offenbaren; bie ©titübungen geben beinnad) nid>t nur bie Siagnofe,. fonbern aud) bad Heilmittel ber Äranffyeit an bie Hand. Sie erworbenen unb burdj fleißige Hebungen befeftigten 5tenntniffe ber ©prad)e foßen realen 3 lDe£ ^ en bienen unb bad SUJittel werben, bie reichen ©djä^e an ©rfenntnid unb SSeidheit, bie in ben ©djrif» werfen oerborgen liegen, aufjufd)ließen. Ser materielle 3nl)alt berfelben fofl erfannt, in feiner Sntwidluug »erfolgt, burd) fdjarfed Auffaffen ber Steile bad @anje begriffen, ber fubftantiefle ®el)alt burd)brungen unb angeeignet unb babei bie eutfpred)enbe unb fd)öne gönn ald SDtufter jur 9?acf)al)mung genterft werten. Sie fpradjlidjeu ©tubien finben iljre ©rgänjung in ber Siatcftif unb 9fl)etorif, bie im Anfd)luß an Ariftoteled, Sicero unb Ouintiiian fcl)r frudjtbar bemäntelt werben. Saju fomnit bie $Ijt)fif, gfeid) bie fog. SKetaphhfü umfaffenb unb in ber ^Behandlung ber einjelnen Sljeile in bie @efd)id)te ber ißl)üofop^ie eingehend; baju ferner f|5fhd)ologie, Stt)if unb ißolitif. •!JJeland)tI)ond SBirffamfeit in aßen biefen ©ebieteu war um fo nad)haltiger, ald er nid^t nur SBorträge tarüber l)ielt, fonbern aud) 2 el)rbüd)er Unterließ, wetd;e jum S^eil jwei Jahrhunderte if)r 9lnfef>en behauptet haben. Stimmt man baju bie Arbeiten über gried)ifd)e unb lateinifd)e ©d)riftftefler, bie Abhandlungen über eingelne ißartieen ber ®efd)id)te unb feine Sieben (cleclamationes), bie abgefehcn oon ttjeologifdjen, jurifti» fd)en unb mebicinifd)en grageu, bie befprodjen werben, tt>eüs aflgemein wiffenfdjaftlidje unb päbagogifdje ©egenftänbe bemänteln, tljeild befonberd @eograpI)ie, Aftronomie, Aritl)= metif unb ©eometrie in ben Äreid il)rer Setradjtung jiel)en; erinnert man fid) babei an feine Seiftungen auf bem ©ebiete ber Sfyeoiogie: fo begreift man leidjt, baß er ju= mal bei ber audgejeidjneten Sel)rgabe, bie er befaß, bei ber ooßen Hingebung an fein Sehramt, bei ber I)erjlid)en Sfjeilna^me, tie er aud) bem Sinjelnen Widmete, ber prae- ceptor Germaniae heißen fonnte. ©eine ©runbgebanfen oon Süßung überhaupt unb oon bem 3ufammeuwirfen bed Alterthumd unb ß^riftcnt^umd 3 U oenfelben, fein unioer= feßed SBiffen, bie Srfafyrung, bie er bem öffentlidjen 2el)ranüe wie ber sohola privata ober domestica oerbanfte, feine audgejeid)neten Sel)rbüd)er befähigten ihn, ^Begründer bed beutfd)en Huntanidmud 3 U werben. Sftit Unrecht wirft mau ü)tn Seradjtung unb Sernad)Iaßigung ber 9Jtutterfprad)e oor. ©r war ©eleljrter unb bebicnte fid) ber ©pradje berfelben, ber Iateinifd)en; bie beutfd)e 311 lehren tarn weder ihm, nod) bem Stifter in berfelben, 2 utl)er, nod) überhaupt bamald jemand in ben ©inn. ©0 wie hierin Sutljer mit ihm übereinftimmte, fo aud) in feiner gansen ber humaniftifdjen 23il= tung bienenben Sl)ätigf'eit, unb wenn an irgenb etwad, fo hat ber große ^Reformator an tiefer feine ^erjlicf^e greube gehabt. 9tod) Während Sutljer unb 20tetand)tl)on burd) ihr perfönlid)ed Sßirfen bem H uma= nidmud in der innigften Serbinbung unb gegenfeitigen ©rgäi^ung bed Alterthumd unb ©hri|tenthumd für bie ooße unb aflfeitige Silbung bed IDicnfdjeu fein 3 iel wiefen unb feine ©eftalt gaben, beginnt bad oierte ©tabium bedfelben, in weld)eni er burd) ©djulorbnungeu fpffematifirt erfdjeint unb in lateinifcfjen ©d)ulen unb ©pmuafien feine pflege erl)ä(t. 2 Bie bie ^Reformation nur mit ben ÜBaffen der SBiffenfdjaft ber wieder entbedten 3Bal)rl)eit bed Soangeliutnd 3UU1 ooßftänbigen ©iege oerhelfen fonnte,. fo fonnte fie biefen aud) nur burd) jene behaupten unb fid)er fteßen. ©ie mußte bed» halb oon Anfang darauf Sebadjt nehmen, folche 28affen 3 U fc^affen unb biefeuigcn,. welche fie führen tonnten, heran 3 ubilben. Sal)er wirb fogleid) bie Slufridjtuug oon ©d)uleu 3U111 ®ebei£)en ber Äird)e wie bed ga^en Sehend im ©taate als bad bringenbfte Setürfnid erfannt unb ald eine heilige Angelegenheit betrieben. Unb weil man nid)t «gumanigmug unb 5lcaligmug. 611 überall perföntid) fpanb anlegen tonnte, mar eg unumgänglid) notljmenbig bie @runb= liniert für bie Drbnung unb Ginridjtung berfelben in einem allgemeinen Milane oorgu= geitftnen, mie bieg in bern fog. fädjfifd)eit ©djulplane gefdjalj. SDiefer erfdjeint nun aßerbingd mit ber fforberung oon brei (Eiaffen, fo mie ber 33efd)ränfung beg Unterridjtg auf ^Religion, ßateinifdj unb ßRufif, biirftig genug, nidjt allein im Sergleidj mit ben Slnfprüdjen ber ©egenmart, fcnbern and) benr gegenüber, mag Sutfyer unb ÜRelandjtljon fenft forbern nnb leljrenb felbft geben. 2Ran hat begfratb nielfad) einen fRucffdjritt ber humaniftifdjen SSilbung barin gefehen, in Uebereinftimmung mit Gradmud ilugfprud), Ubicunque Lutheranismus, ibi literarum est interitus. Sod) ift bie ^Berechtigung bagu mol)l nur eine fdjeinbare, inbcm man bie jfortfcbritte beg Apumanigmud atg eineg ißrincipg ber 33i 1 bung mit ben ßeiftungen im @ebiete ber fog. literae humaniores b. 1). ber gried)ifd)en unb römifdjen Literatur unc ber Slltertfiumgftubien überhaupt oermedjfelt. 3n biefer 53cgiebung tarnt ficf) atlerbingg in jener 3eit Seutfdjlanb mit granfreid) unb nachher mitfpoßanb nid)t meffen; aber baranf maren and) meber Sut^erS nod) 9ReIand)= tfiong S3eftrebungen geridjtet; il;nen liegt bie SBilbung beg tßolteg — im beften «Sinne beg SBorteg — am fpergen: fie moflen burd) bie Sdjule mirfen, fyoffenb, baß auf bem fo gelegten erften unb notljmenbigen ©runbebermeitere münfd)engroertl)e 33au ftd) feiner ßeit ooßenben merbe. 3nnädift freilich hemmte ber fOJangel an tüchtigen Se^rern, bie Sürftigfeit ber gu ©ebote ftefienben SRittel, bie @leid)gültigfeit fo ßieler dürften unb ©roßen, bie fRel)eit unb Ungebunbenljeit ber 3eit, ber äRidbraud) einer übel ocrftanbenen greibeit, einen rafdjen 21uffd)munq; bagu traten bie 33erad)tuug unb ©eringfdrä^ung ber „gelehrten" 33ilbung oon feiten fo oieler ©djmarmgeifter unb ©ectirer, bie ©treitigleiten unb SSefeljsungen ber Sirdjen unter einanber unb ber Sßjeologeu unter fid) felbft. 3ft beStjalb fdjon in ber feiten Hälfte beg 16. 3ahrf)uubertg bie Stage über Slbna^me beg Giferg für bie gried)ifdje unb lateinifdje Siteratur Ijäufig genug, fo geigt fid) bodj bag bprincip beg §umanigmug, mie bie ^Reformatoren il)n geftaltet, in ben immer oon neuem erfcf)einen= ben, auf ein tiefeg Sebürfnig binmeifenben ©d)ulorbnungen, befonberg in ben ftäbtifd)en ©emeinben lebenbig unb mirffam nnb, mag Seutfdjlanb eigentl)ümlid), in bem 53ür= gerftanbe bleibt iljm feine ©eltung unb SRadjt gefidjert. Sieg offenbart fid) ferner in bem überaß fidßbaren SSeftreben, bie Seljranftalten nidrt nur burcfj foldje Orbnungeu gu regeln unb gu beleben, fonbern aud) burd) tbjatfadjlidje Grmeiterungen unb SBerbefferungen gu beben, fomie in ber Grridjtung oon ©pmnafien, h B b £reu ünftatten, meld)e ooß= fommen für bie Uniberfitciten oorbereiten ober, inbem fie neben ber gried)ifd)en unb h £= bräifdjen ©prad)e, Sh £ eI B 9te, fßhilofopbie, felbft Suridprubeng unb DJiebicin alg Sebr= gegenftänbe aufnebmen, ihre 3öglinge in ben ©tanb feiert, unmittelbar oon ihnen and in ein Bffentlidjed 21mt eingutreten. ©lüdlidjermeife gab eg aud) immer nod) einzelne tüdjtige Vertreter ber Oon 9Reland)thon gemedten Ijumaniftifdjen 33übung, Gauierariud, ©blburg, jfabriciud, äßolf, Srogenborf, fReanber, ©türm. Sie außerorbenttidje äßirtung, tueldje biefe brei lebten im ©d)ulmefen Ratten, bebarf feiner meitern Sarlegung; gu be= merten ift nur, baß fie, •— bod) oiel meniger SReanber, ber in bie Unioerfalität feineg Seljrerg 9Reland)tl)on am meiften eingebenbe ©d)üler, — ihren Sreig enger sogen unb öorgugdmeife ooßenbete gertigfeit in ber lateinifd)en ©pradje burd) ftrenge 5D?etb)obe unb fleißige Uebung gu geben fud)ten. 2Rit llnred)t ljat man ihnen baraud einen SBormurf gemad)t. ©türm fab fdjon gu feiner 3eit mit bem SSerfaß gefd)madooßer Sarfteßung bie alte Barbarei mieberfehren unb glaubte mit gutem (Srunbe berfelben nid)t beffer mehren gu fönnen, alg burd) 3urüdfül)rung beg lateinifd^en ©tilg auf bie ÜRorm unb 3luctorität Gicero’g. Sieg muß oößig gerechtfertigt erfd)einen, menn man ermägt, baß Gragmug Sefämpfung beg Giceronianidmud ber Italiener mit bagu beigetragen hatte, baß man fid) bei bem Sateinfd)reiben einerfeitd gefiel in 3ufammenfteßung alter, ge= fuebter iß orte unb fpriid)mörtlidjer fententiöfer fßbrafen unb anbererfeitd fid) Ooße ffrei» heit unb ein gänglid)eg ilbfehen oon ben attremifdjen SRuftern geftattete. Sie ftrenge 612 •§>umuntSmuS unb BealtsntuS. Sieget unb 3 ut bh bie er gurücffiiprte, mirfte überaus ^eüfam unb brachte alle bie 95 ov= treibe für bie Bilbuttg, meldte SOcelandtthon mit feinen ©tilübungen gu erreichen ftrebte; fie laffen fidj überall nodj lange nachher ba mantehmen, tuo fein (Sinfluß ftdj geltettb machte. 35 er StealiSmuS ber neuern 3 eit finbet ben erften Stntrieb gu feiner (Snt= faltung gunädjft in bent ©infett beS §untaniStnu§, baS aut (Snbe beS 16. unb int 2ln= fange beS 17. SahrljunbertS immer niepr bemerfbar mirb. (SS ift bieS ber Realismus ber SDoctrin, ber päbagogifcpen Stieorie unb ißrapiS. (Sr geht niept, mie ber Realismus ber nationalen Bilbung, bon ben Bebürfniffen beS unmittelbaren Gebens aus, fonbern uott ber (SrfenntniS luirflicfjer ober üermeintlidfer gurberttngen ber 3eit- Siefen möchte er SSefriebigung geben unb finbet bie Ülufforberung bagu einmal barin, baß baS 6 iS= perige 11 nterrid)tSfftent gang untauglid) fdjeine unb bann barin, baß ber gerabe gegen* märtige ©taub ber 2Biffenfd)aften büe Btittel gu einer „ben Berpältniffen ber 3eit entfpredten* Bilbung" an bie £>anb gebe. 2öie bei ben @ried)en unb Römern ber StealiSmuS ber nationalen ©rgiepung in naturgemäßem unb folgerechtem ©angc gum §>umani§muS führte, fo ift ber boctrineHe Realismus ber neuern 3 «t jebeStnal ein ißrobuct ber Snt* midetung ber (Sultur überhaupt unb beS gortfdjrittS ber mobernen Sßiffenfcbaften inSbe* fonbere, b, h- ber Dtaturmiffenfdjaften, meld;e non bem 2 lttertljume mehr ober toeniger unabhängig gepflegt merbett unb berineintlid) allein mit „Stealien" git tpun ßaben. (SS ift offenbar eilte ^ernorftedjenbe (Sigentpmlidffeit beS beutfdjeu ©eifteS, bie Srgeb* niffe jeber miffenfdjaftlidjen (Sntmidelung, toenn fie an einem beftimmten ißuncte ange* langt ift, für ben Unterricht ber Sugenb gn oertoenben unb fie auf tiefem BBege ju einem ©emeingute beS BoIfeS 31 t machen, mäprenb biefelben 3 . 6 . itt graitfreicb lange 3eit (Sigentltum ber auSermäl)tten Äreife bleiben unb in (Suglanb gu reellen 3toeden utilitarifdj berluertl;et tuerben. 2)aS Verlangen, mit ben gorfepungen ber SBiffenfdjaft fiep befannt 31 t ntadjett, regt fid) itt Seittfd)Iaub uott feiger itt tnerfmürbiger Sßeife, oljne baß man oft fagen tarnt, moburdj eS getoedt ift, unb gmar um fo niepr, je neuer bie ©egenftättbe finb, auf metdje biefelben gerietet finb. 35agu fehlt eS itidjt an Scannern, melcpe biefem Bedangen entgegenfommen, inbem fie bie 9tefultate ber gor* fdjnngen für ben Unterricht ber Sugenb nu^bar 31 t inacpen unb oermittelft einer neuen ültetpobe Unterricht unb (Srgieputtg bajn un^ugeftalten ftreben. 3ft bieS ber bem StealiSnutS ber Steugeit im gangen genieinfame SluSgangSpunct, fo nimmt berfelbe bodt bei uerfdjiebenen Bertretern nidjt benfelbett Berlauf. 2llS bie erften unter biefen tuerben mit Sted )t bie fog. SDtetpobifer, Statid;iuS unb (SonteniuS Betrachtet, ©etneinfam ift ihnen bie ®eringfd)ä£ung ber bisherigen Seiftttn* gen im ©ebiete beS UnterridjtS, eS giebt nadj ihnen barin feine ÜDtetpobe. Sine folthe Behauptung fann bei StatidjiuS, einem Bafebom feiner 3eit, nicht eben Bermun* berung erregen; ber „Bericht etlidjer Sßrofefforen ber Unioerfität 3ena“ über feine Xibaf* tica brüdt fidh fülfe ber Vud;bruderfunft oon einem Sogen täglich taufenb 9lbjüge 51 t madjen ober oermittelft ber Ardpmebifdien 9Rafd)ine Käufer, Xhürme u. a. ju oerfehen, (Didact. Magn. G. 13, 15.) Sie ungewöhnlidje 3noerficht ju beräliethobe ftü( 3 t fid) barauf, baß fie ber 92atitr gemäß, baß fie nur ber 9?atur abgelernt ift (G. 14, 7). 335ie Vaco bei feinen ©tubien bie 92atur felbft befragte unb auSforfdjte, fo will GomeniuS baS SBirfen ber 92atur beachten unb fietwig unb 3unge faft nod) gurücfbteibenb jeben lehren möd)te, wa# ihm bienlid) ift, bie St^Iogen Sateiu au# ben lateinifdjen ©Bangetien, bie Suriften au# ben 3nftitutionen u. a. — fo ergiebt fid> bie# nod) mehr au# einem, wieber an 53aco erinnernben, ©arbinalfahe ber SDfethobe, baß erft ber Stoff unb bann bie gönn erlannt, b. [)• erft ba# SSerftänbni# ber Dinge unb barnadj ber SB orte gewonnen werben müße (Didaetic. magna 6. IG). äßie Saco feine Dtaturftubien an ben ©egem ftiinben ber Dlatur macht, fo will Someniu# guerft bie Dinge burd) bie Sinne Warnehmen unb ertennen taffen (S. 20); ift bie# gefdjeljen, fo werben bie SBorte, bie Spanien unb SBegeidjnungen ber Dinge teidjt unb rid)tig oerftanten. Diefer ©runbfah, welcher namentlich im Spradjunterridjte feine Slnwenbung ert)ätt, führt bann, Weit bod) nicht atte Dinge, bie bem Sernenbeu Bortommeu, in teiblidjer ©eftatt oorgeführt werben fönnen, gur Slhfaffung be# orbis pictus, um bem intenfcirten 9feati#mu§ nadjguhetfen. Stber aud) Bon einer antern Seite giebt fid) ber fttealiSmu# in bem Stutium ber Sprad)en tunb. Sie werben gelernt für ba# SebürfniS, atfo bie SDtutterfpradje für ben Sßerfetjr be# häuslichen Sehen#, bie tateinifdje für ben Sertehr mit anbern Stottern, fo bie griedjifdje ton Dheotogen unb Slergten (©. 22). ©in Sticf in bie für ben llnterridjt im Sateinifdjen ahgefaßten Sehrbücher Yestibulum, Janua, Atrium, fo Wie ber überall eing#fd)ärfte ©runbfah, bie Sprache erft burd) ben ©ebraud), burch |)ören, Sefen, 9?ad;ahmeu u. f. w. unb bann erft burd) bie 9t e g e 1 n ber ©rammatif gu fernen, läßt über bie Deitbeng ber gangen ÜDtethobe feinen 3 lDe *f e t- 2Bie weit ©omeitiu# oon bem f?umani#= ntu# ber 9tefonnatoren, an bie fein Dringen auf Silbung gur grömmigfeit immer wieber erinnert, abgefouunen ift, ergiebt ftcf> am ttarften barait#, baß er bie ,,bjeibnifd>en" Sd)riftfteüer au# ben Schuten uerbannen ober hoch nur at# SJfufter für bie SBitbung be# Stil# unter großen 33efd)ränfungen gutafjen Witt (©. 25). 6# beftimmt il)it bagu bie §urd)t bor bem ©inftuffe ber heibnifd;en ©efinnung unb Dentweife auf d)rifttid)e ©emüther unb gwar auf feinem reaüftifdjen Stanbpuncte uid)t ohne ©runb. Denn fagt er and) in feinen bie SilbuugSfähigteit be# ÜJtenfdjen nadpoeifenben ©rörterungen (6. 3), berfeibe fei fDtifrotoSmu#, e# werbe nid)t# Bon außen in ilpi hineingetragen, fonbern wa# er uncntwicfelt in fid) trage, burd) ©rgiehung entfaltet, entwidett unb gum SeWußtfein gebrad)t (©. 5), fo wirb bod) Bon biefem Saf3e niemals ernfttid) 2lnwen= bung gemadjt, fonbern im ©egenttjeil Bon bem batb (©. 9) fotgenben, baß ber ©eift eine leere Dafet fei, auf bie fid) alle# fdjreiben taffe: wenn fie teer bleibe, fei e# nid)t Sdfutb ber Dafel, fonbern be# Sd)reibenben b. ff. be# Sehrenben, Womit bie weitere ©rflärung Botltommeu im ©inttang ftet)t, baß bie burch kie Sinne wargenommenen Dinge Stbbitber in bem @el)irii gurüdtaffen, burd) Wetd)e bie Äenntni# jener Dinge »ermittelt unb felbft ba#, wa# in einem Suche getefen Werbe, bteibenb eingeprägt werbe. 9lm Botttommeuften ffmd)t fid) bie 2lnfd)auung ber Seele in bem fd)on erwähnten 35er= gleiche ber Seljrfunft mit ber Sudjbruderfunft (ber didactographia (!) mit ber typo- graphia) au#, Wo bann bie Sernenben ba# gu bebrudenbe 5ßaf)ier finb (©. 32, 5 seqq). hierin liegt offenbar ber tiefere ©runb ber gangen 9JtetI)obe, e# erttärt ba# Dringen auf finntidje 2lnfd)auung ber Dinge unb läßt, worauf e§ hier antommt, gugteid) ertennen, baß e# für bie fittlid)c unb retigiöfe Silbung, wetd)e überall ben erften9tang einnimmt, nid)t gteidjgüttig fein fann, wa# bem Stuge unb bem ©eifte Borgeführt wirb. Die 9Jte* thobe (S. 23 u. 24) oerleugnet ihren allgemeinen ©harafter aud) in biefer Sitbung Humanismus unb 2tcaliSmuS. 615 utdji, entfernt ftdi feljr oon ber Sinfadjpeit ber Sieformatoren, fie weiß, opue ein ein= peitlidjes fßrincip, nur mit bieten einjetnen 3?orfcpriften jum 3'bte 3 U fommen. ©o ttcpt biefelben gemeint finb, fo ift bod) ju jmeifetn, ob bie fpftematifdje unb confequente iluSfüprung bie gemiinfdjte ©efinnung ber 3'ugenb einpflanjen mürbe. Serfetbe 3weifet mirb fidj bei bem ergeben, mad über bie ©djntjudjt geteert mirb (©. 26), mobei befonberS nur ber 9Ibfd)eu beS fReatiSmuS „oor fRutpe unb 23afet" peroorjupeben fein modjte. 3ur Stnmenbung tomrat bie itRetpobe biefeS SReatiStnuS in ber ©djute. Siefe ift naturgemäß eine oierfadje, bie SRutterfdjule in febent $aufe, bie SRutterfpradjfdjule in jebcr ©emeinbe, bie lateinifcfje ©djute ober ©pmnafium in jeber «Stabt, bie 2lfabemie in jeber ißrobinj ober jebem fReidje (6. 27 seqq). Sitte biefe betreiben baSfetbe, unter* fdjeioen ficfj aber burd) bie Slrt unb SBeife mie fie bieS tpun. Sie SRutterfcpule übt bie finnlidjc Stnfdjauurtg unb leprt baburd) bie ©(emente atteö SBiffenSmertpen, ber SRetapptjfif, ißppfif, Optif, Stftronomie, ©eograppie, ©pronotogie, ©efdjidjte, 9tritpmetif, ©eometrie, ©tatif, SRedjanif, Siateftif, ©rammatif, SRpetorif, fßoefie, 9Rufif, £>efono= mie, ißotitif, Stpif, Religion — altes burd) ©epen, §'ören unb lieben beffen, ma§ baS Seben bietet unb oorfüprt. ©o nuffaKenb biefe Slufgabe ber SRutterfdjule er= fdjeint, fo ift barin bod) nichts enthalten, toaS baS Sinb nidjt unmittelbar burd) baS Seben fetbft lernt; baS Sluffattenbe finb nur bie Flamen ber SiSciplinen, benen baS ©eternte äugemiefeu mirb. fRinimt baS Sinb mar ein ©tmaS, fRidjtS, ©o, 2Bo u. f. m. fo lernt eS SRetapptjfif; unterfdjeibet eS Sidjt unb fyinfterniS, färben, fo nennt man baS Dptif, fßoefie, menn eS SSerfc, SRuftf, menn eS ©ingen, ©pronotogie, menn e§ Sage, 2Bod)en unb SRonate, ülritpmetif, menn ed jäplen ternt u. f. m. ■— Sie fotgenbe ©d)ule oon bem 6.—12. Sapre pat oor alten bie 9Rutterfprad)e unb bie fRealien, mie fie eben genannt finb unb im Seben ipre Slnmenbung finben, ju tepren unb jur fferttgfeit ju bringen. Ser Iateinifd)en ©djute merben oier ©pradjen, bie SRutterfpracpe, bie Iateinifd)e, griedjifdje unb pebräifd)e unb bie ©ncpftopäbie ber Äfinfte jugemiefen. Sie ©rammatif ber erften beiben ift ooUfontmen, bie ber beicen tepten, fo meit e§ nötpig ( anjueignen. Saju fommen bie übrigen freien fünfte, Siateftif, SRpetorif, Slritpmetif, ©eometrie, Söfufif, Stftronomie, anjjerbem fßppfif, — 3 0D ^ D 3’ c r 33otaniJ unb 9Rineratogie in fiep fdjliejjenb — fo mopt an unb für fid) atd in iprer praftifdjen Stnmenbung, @eo= grappie, ©pronotogie, @efd)id)te, ©tpif, Speologie. Sie ©djute pat 6 ©taffen, in jeber bauert ber ©urfuS ein 3apr. Ser ©runbfap ber SDfetpobe: res ante verba discenda, tritt fdjon in ben SRamen ber ©taffen peroor, bie Oon ber SiSciplin enttepnt finb, melcpe öorjugSmeife in jeber bepanbett merten fotlen. ©S mirb angenommen, baß bie fernen* ben, nadjbem fie bie bentfdte ober ÜRutterfpradjfdjute burdjtaufen, mit pintängtidjer Kenntnis ber ÜRutterfpradje unb ber in berfetben geleprten fReatien in bie tateinifdje ©cpute eintreten. Sann paben fie jiterft ipren ©urfitS in ber unterften ©taffe berfetben, „in ber ©rammatif“ ju abfotoiren unb fdjreiten oon ba auS meiter 2) in „bie fßppfif", 3) „ÜSRatpematif", 4) „Stpif“, 5) „Siateftif", 6) „bie fRpetcrif“. Senn erft nadjbem man im ©ebiete alles SöiffenSmertpen peimifdj gemorben, fann man oon ber Siateftif unb SRpetorif bie Slnmenbitng madjen. 91ur bie, metdje fid) atS oorjügtiepe Äöpfe in ben Sdjuten auSgemiefen paben, fotlen auf bie Stfabemie übergepen, oor alten bie befonberS, metdje Hoffnung geben noXv/iud-eig ober nafifia&iZs unb nuvaoyoi ju merben. ©S barf auf ber Slfabemie bie schola scholarum, ein collegium didacticum, nidpt fepten jur Sit= bung ber Seprer unb Untermeifung in ber SRetpobe beS SeprenS. ßnbtid) ift jur Slu8= füprung ber SRetpobe bie Anfertigung „panunetpobifdper" Seprbüdjer nötpig, eine Slufgabe, metdjer nur ber ©taat burd) ^Berufung ber geeigneten ©eteprten gemadjfeit ift. SieS ift in fitrjeit 3“gsn baS erfte ©tabium be§ neuern — boctrinetten — 9ieatiS= muS. ©ein SlnSgangSpunct liegt in ber SRetpobe. Sie SRetpobe rupt auf einer hoppelten, innertiep nidjt mopt parmonirenben, ©runbanfdjauung, einmal ber, baß ber SRenfcp atS ©benbitb ©otteS atteS ©eienbe, baS um feinetmillen ba ift, fennen unb ju feinem 616 •fntmantßtmtß unb Stealtßmuß. 'Dienfte 311 oermenben miffen foEte, imb bann ber anbcrn, baß nämlid) äße« Gtrfeunen non ben ©innen außgehe nnb bie ©emiß^eit unb SEBahrljeit ber Grfenntniß baoon ab= gängig fei, baß bie Ginbrüde ber ©inne ber ©eele eingeprägt Serben. 2)ie natürlidje (5.onfequen3 ber erften ift, nidjt fJSoltjhiftorie, fonbern um mit Gomeuiuß felbft 3U reben, fßannuatljie, bie Aufgabe alleß 31t lernen; bie jraeite forbert notljmenbig Slnfdjauung unb 33 etradjtung ber mirflidjen 2 )inge, 2 luffaffung unb Grfennen berfelben oermittelft ber 3 Jfutterfpradje, überhaupt Grienten ber ßlealien oor ben frembeit ©pradjen. 2 )abei ift fefouhalten, baß bie ©runbanfdjauung beß fDtenfdjen alß beß göttlichen Gben» bilbeß bie gmrberung in fid) fddießt, baß ber IDfenfd) bieö Gbenbilb mtrflid) barfteßen feile, mornit ber retigiöfen Silbuug hinlänglich iljr 9 tedjt gemährt ift. Unleugbar ift oou Gomeniuß, neben bem 91 atid)iuß menig in SBetradjt fommen fann, ber moberne 9 fealißmuß für bie folgenbe 3 e ü oöflig begrünbet. ,fpat er feine SDletljebe audj faft nur für ben Unterridjt in ben ©pradjen, namentlich in ber lateini» fdjcn, ausführlich bargelegt unb für bie ßiealien felbft verhältnismäßig menig getljan unb in feiner 3 e it tljun fönnen, fo Ijnt er bodj baß Slerbienft, baß ©tubium berfelben in ben Sireiß beß 3 ugenbuuterridjtß eingefüljrt unb Anregung für baßfelbe gegeben 3« haben, greilidj barf biefeß SSerbienft nicht 3U l)od) angefdjlagen merben. Slbgefeljen baoon, baß er bie Anregung 3U feinen SScftrcbuugen feinem Seljrer Slltftebt oerbanfte (f. b. 2 lrt. Gomeuiuß Xi). 1, ©. 821 ), folgte er, mie eben bargelegt, bem 3 U 3 C beß beutfd)en ©eifteß; uttb l;at ber ßiealißmuß in ber folgenben 3 e 't an feine Arbeiten angefnüpft, fo lag ba3it febeßmal ber nad)ftc 2 lntrieb in ben tBerljättniffen unb gor» berungen ber ©egenmart. Uebrigettß finb feine SBeftrebungen and; für ben §umanißmuß Bon heitfameu folgen gemefen. 3 un ä ( fyf t t»urbe berfelbe oeranlaßt, bie formale Gin» feitigfeit, in bie er vielfach geriet!), auf3ugeben unb burd) Slufnaljtne neuer Glemente ftd) 3U nerjüngeu unb 3U erfvifcheu; baneben mürbe ihm bann aud) bie DJotljmenbigfeit nahe gelegt, auf bie üöfetljobe beß Unterrid)tß unb ber Gi^ieljung feine ©ebanfen 3U riditeu, um auß jeber Verirrung, in bie er gerathen, in bie Bon 9 Jie(aud)tljon eröffnete unb gemiefene 23 alpt mieber einsulenten. ß)ian fiel)t nun freilich nicht, baß Gomeuiuß’ äftetljobe fdjneß Gingang gefunben, tro(3bem baß feine ©driften fehr halb meit oerbreitet maren unb h°h e ^ßrotectoren ihm 3ur ©eite ftanben. Offenbar mar fie 3U oermidelt in ihren ©etaitß unb in ihrer baß 9 ?ötljige unb S^ü^Iiche beredjuenben Haltung 311 niedjanifdj, um fid) febem 3U empfehlen. Sabei lag etmaß in ihr, baß 3uriidftoßen fonitte. Sieß mar einmal baß Vielerlei, baß ben Sehranftalteu aufgebrungen mürbe, fie maren 3umal bei bem SOlangel an Ijinlang» lid)er ^Bearbeitung ber ©ißciplinen, ber fog. ßiealien, unb bem Sßangel an Seljvbüdjern einer foldjen Aufgabe nidjt gemadjfen. 2lußerbem mürbe bie im Äreife ber ©dutle h er r= fdjenbe 33 ilbuug burd) baß 3 urüdbrängeit ber alten ©djriftfteüer unb bie bamit in 3 lt= fammenhang ftehenbe 33 eruadjtäßigung beß ©tilß unangenehm berührt. Unb non biefer ©eite fdjeint am meiften baß SBiberftreben gegen bie neue 9 fid)tung gefommen ju fein, cfreilid) mar bie 3 c ü» in ber fie fid) Sßaljn 3U bredjen fud)te, nicht ba3u angetl)an, mit ber geber ffrieg bagegen 3U führen; baran heberte ber mit blutigem ©djmerte geführte Ärieg unb baß Glenb, baß berfelbe über bie Sänber brad)te. 3 m ganjen oerl)arrten bemnad) bie lateinifd)eu Sdjulen unb ©tjmnafien, mie eine fpecieße @efd)id)te ber ein= 3elnen ißnftalteu 3eigen müßte, in ber non SJielandjtljcu außgegangenen Sfidjtung; nur baß eine unb baß anbere nahmen fie nad) unb nad) Bon ben SJfetljobifern an, na= mentlicf) bie Seljrbüdjer für bie lateinifdje ©pradje. ®abei ift jeboch nidjt 3U nerfeuuen, baß fie Ijin unb mieber 3U bem bißljer oerfolgten, alß bem fid) gleidjfam Bon felbft oer= fteljenben 2Bege bie 3 u t>erfid)t oerlieren unb in ©djmanten gerathen. 3 )aß 3meite ©tabiunt beß niobernen Mfealißmnß !enn3eid)net fidj 3unädjft ta= burd), baß eß 31t ißerfudjen oon Grridjtung ber fRealfd)ulen führt. SQtan fann barin nur einen natürlichen 5°rtfd)ritt beßfelben fehen. ,f)at ber ÜKenfd) atleß ©eienbe 31t er» fennen unb für feine 3*rctfe ju oermenben, fo ift eß eine natürliche gorberung, baß >§umanidmud unb SHcatidmud. 617 man ilgn ed cer»enben unb gebrauten tetjre. fRatidgiud unb ßomcniud Ratten fidg begnügt, bie ßrtenntnid ber SDinge gu geben in ber Sßoraudfefgung, baf; bie 3ln»enbung ber ßr* lenntnid in ben $ertgättniffen beS Sehend fid) een felbft ergeben »erbe. 'Diefe 33eraud= fefgung teilten itgre SRacfgfotger in berfelben 23atgn nid)t unb traten ben nodg fel)ienben Stritt, itgre 33eftrebungen gu ergangen. @o natiirtid) nun biefer ßufammenijang bed erfteu unb g»eiten ©tabiumd bed SRealidmud 3 U fein fdgeint, fo barf man bed) nidgt fagen, baf; mau am Snbe bed 17 . Salgrlgunbertd 3lntaf; unb Slntrieb für feine 33eftrebungen in bem ©ebanfen gefunben habe, bie unoottenbete Aufgabe ber erfteu §äifte bedfelben Saljrlgunbertd confequent burdjgufülgrcn. SlHerbingd geben bie SRetbobifer mandjertei gbrberung burd) bad bringen auf ben Unterridgt in ben fRealicn, burd) bad eine unb anbere Selgrbudg, bittdg ben Orbis pictus; aber ber unmittelbare Slnftojj, con biefem allem ©ebraudg gu madgen, Farn con einer anbern ©eite — aud bem in ber Siebe ftd) bettgätigenben ©tauben. emnadg tgieß ed nur bem 3 u S e ber 3 e 't folgen, »enn man bie inbioicuellen 33ebürfniffe ber ©tänbe, benen bie 3ögtinge angetgörten, im Unterrichte gu befriebigen fudgte. 3ndbefon= bere aber »irtte bie Uebergeugung con ber Ungulängtidgteit unb 93er»erftidgfeit ber ©dguten, »ie mau fie üorfanb, auf bie ©eftattung berer, bie man felbft errötete. 3n 618 ■giumaniötnuS unb SleattSmuS. jenen Ijatte man eben fo feljr fcie 3lrt unb 333eife beS ünterrid)ts, »ie bie Dbjecte beS= felbeit ju tabein. ®er frith 3 eitig begonnene unb »eit auSgebel)nte Unterricht in ber ©rammatif, in ber fßbetorif, ®taleftif, bie bantit öerbunbenen ©titübuugen unb ®is= Mutationen erfdjienen ihnen fdjäblid), »eit fie nur 33erftanb unb ©ebädjtniS in lufprud; nabmen unb bie 33ilbung beS §erjen 8 oernadjläßigten; in bem „Sertiren" u. a. fab man eine Quelle beS oerberblidjen ®brgeije§, als ber einzigen ©riebfraft ber teruenben Sugenb. Man miSbitligte, baß bie lateinifdje ©pradje alle Kraft unb 3dt in Slttfprud) nehme, unb bie gried)ifd)e unb hebräifche, bie jum SSerftänbniffe ber tjeiligen ©dtrift notb»cnbig, oernad)täßigt unb überhaupt mehr tjetbnifdje als d)riftltd)e ©elebrfamfeit gefud)t »erbe. ®arum gieng man, int ©egenfag gegen bie beftebeuben ©djuten, ocr aüem barauf auS, auch burd; „bie ©elebrfamfeit'’ tebenbigc griidjte für £>erj unb i'eben ju gemimten. Mau legte auf bie ©rnubfpradjen ber heiligen ©djrift baS größte @e= »id)t, »oüte aber nid)t bei ben SBorten fielen bleiben, fottbern taburd; ben Snijalt ju tieferem 93erftcinbniS bringen unb bie ©otteSerfenntniS förbern unb mebren. 3 lt biefem 3»ede »urbe benn aud; bem »iffenfd;aftlid)en Unterrichte eine »eite SlttSbebnung ge= geben unb baS ©ebiet ber 9?atur»iffenfd)aften, and benen bie 3lttmad)t unb SBciSbeit beS ©djöpferS erfannt »erbe, b^angejogen. 3 n 3 f e 'd; aber tüoöte man bie ©tubien ju einem ©egenftanbe ber ?uft unb fyreube madjen unb anbererfeitS burd; ©emöbrung oon angenehmen 33efd;äftigungen in ben greiftunbeu oor üerberbltdjem Müßiggänge bemabren. ©aber »urbe nidjt nur ein Diaturaliencabinet, pbbfifalifd;er Apparat, d>emifcf)e 8 Laboratorium eingerichtet, fonbern aud) ©elegenbeit juni ©taSfcbleifen, ®red;feln u. a. gegeben. 9fad) biefett 2 lnfid)ten unb ©runbfägen grünbete unb geftaltete fyrande feine ©djulen unb fudjte burd; aUfeitige 2luSfiihrung berfelben ben 33ebiirfniffen uttb fyorberungen ber 3ett entgegen ju fomtnen. Sine Menge junger Lehrer erhielt in §atle ihre praftifebe 33orbilbung. ®te »eitere Sonfequenj giebt fiälfte bed »origen Saljrhunbertd jebe SZeguttg ber ©eifter in bem öffentlichen Sehen bem abfoluten Staate gegenüber lebhafte S^eilnatjme fanb, »ie fo »ielen felbft in bem SZationaüdmud, ©eidncud, SJfaterialidmud ber (Snglänber unb jjraugofen eine Sefreiung »on bem „Sanne ber Sirdje" gu nahen fdjien, »ie in ber ißoefie jeber frifdje unb »oItdtl)ümlid)e 9fgtur= taut bie bergen traf, fo burfte aud) jebe Serheijjung, bad (Ergiehungd^ unb Unterridctd» loefen ben im ©tillen »on mandjeit gehegten Sßiinfdjen entfpredienb umtugeftalten, auf allgemeinen SSeifaH red)nen. ©enn toar badfelbe im allgemeinen auch um nichts fcbledjter al§ bie 3 e 't felfeft, gieng ed »ielmet)r einen berfelbeit »otlfomnten entfpredknben ©ang, fo »ar ed bod) bei bem allgemeinen ©eignen nad) ^Befreiung aud ber!nöd)erten 3uftanben bem©eutfd)en nadj feiner löblichen SBeife, in feiner 9foth bad fpeil nid)t mit ber fjauft 51 t fudjen, fonbern »on ber Sntetligeng, »on bem SBirlen bed ©eifted 31 t erhoffen, fehr natürlich, biefe ^Befreiung »on ber ©dfule 3 U ertoarten. Safebot» (f. b. 9lrt.), bad Ipaupt ber ißhilanthropiften, t»ar gan 3 ber SDZann, biefe (Eraartungen redjt hodj 3 U fpannen. 9tüdfid)ten ber SBefdjeibenheit ^inberten ibn nicfjt, ber SBelt 3 U »erfünbigen, bajj er ifyr in feinem „'ß^ilantbroftinum" SfBofyttfyäter ber SDfenfd^^eit »erben »olle. Unb er glaubte toirflid), ed »erben 3 U fönnen, aud) nadibem ber 33erfud), biefe Stolle auf bem ©ebiete ber ©Ideologie gu fpielen, »on bem ge»iinfd)ten (Erfolge nid)t begleitet »orben. ©enn felbft erfüllt »on bem ©ränge ber $eit erfannte er fyinlanglid), »ad gerabe bamald befonberd ©eltung hatte unb SeifatI unb ülner!en= nung gu fdjaffen »ermodjte. ©ie »or»altenben, ebenfo noti)»enbigen ald berechtigten, »on ben Siegenten fßreujjend in jeber äßeife geförberten Seftrebungcn, Slderbait, 3n= buftrie unb §anbel gu förbern, »aren burd) Sntetligeng bebingt. ©edfyalb fonnte jeber, »eldjer biefelbe in biefer Stid)tung gu pflegen »erfpradi, auf elirenbe unb Iol)nenbe 2tn= erlennuug rechnen. ©0 lag ed nahe, badjenige gum 3»Ipuncte aöed Unterrichts gu rnadjen, »ad nü( 3 licfj unb einträglich »erben feilte. Safebo» fe( 5 te bad Eßriitcip ber Utilität auf ben ©h ron , bie unmittelbare naefte 2Birflid)!eit bed »eltlidien Sehend ifr ed, ber er (ärgiepung »ie Unterridjt bienftbar macht. Sßad für biefen 3 n'ed nottjig, »erfprid)t er in ber lürgeften 3 eit, in trei, Ijöc^ftertS »ier 3 at)ren and) bem gu geben, »etdier auf ber Uni»erfität bad ©tubiunc ber 9Biffenfd)aften »erfolgen »ill. ©iefent 3b)ecfe bient bie im »efentlidjen (Eomeniud entlehnte 9Jieth»be bed 2lnfd)auungdunterrid)td, gegriinbet auf bie bem (Elementar»erte beigegebenen Supfertafeln, »eiche ©inge unb Vorgänge bed gemeinen Sehend, ©egenftänbe ber 9Zaturgefd)id)te, ©eograppie, ®efd)id)te, ?Oit)tb)DlDgie u. f. ». in ter gerftreuenbften Unorbnung barftellen. ©ie -Dtethobe, „»eldje alle ©idciplinen nad) einem ißlane lehrt unb burd) (Einförmigfeit ber Sel)rbiid)er in folche Serbinbung bringt, baß ein ©h e 'i ben trttbertt »erfürgt unb erleidjtert", tt>ut an fid) ihre SEBirfung; fie ift für jeben Sehrenben unb Sernenbett gleid) angemeffen unb brauchbar, geeignet, rafdj gu förbern unb fo Suft unb Siebe gum Sernen einguflöfjen. ©ie ©egenftänbe bed Unter= ridjtd finb fehr mannigfaltig, felbft bie Steif» unb ©anglunft fehlt im fßI)H ant h ro Pi n nicht, ©ie ©pradjen, aud) bie lateinifdje, »erben burd) Uebung, burd) Sprechen unb bann erft burd) Seetüre unb ©rammatif gelernt, ©ie alten ©pracf)en fd)einen überhaupt nur bedf)alb 91ufnal)me gefunben gu puöen, »eil fie »on benen, »eidje ü)re ©ohne bem fßtjtlottthropin an»ertrauten, »erlangt »urben. ©ie ©dcriftfteller fommen nur in ben »on Safeboro felbft gugeftu^ten (EI)reftomathien bed Ovidius, Horatius unb in ben Historiae antiquae (Eutropius, Aurelius Victor, Justinus, Florus, Yellejus Paterculus, Cornel. Nepos, Curtius, Suetonius) gur $el)anblung. ©ie garte Siüdfidjt auf bie 3ugcnb ge= ftattete nidjt, „bie entfehüd)en Süd)er" ben ©d)ülern gang in bie Epanb gu geben, ©ad fprid)t berfelbe -DZann, bem ©cplöger (in ber SSorrebe gu bem Sud)e bed de la Chalotais über ben Unterridjt ber Äinber ©. 32) nid)t ohne ©runb »or»erfeu lonnte, baff er in feinem Slementarmerfe bie Sugenb über „bad 3eugungdgefd)äft" belehre, baß er „aud feinem Unterrichte ber Sinter bie SZeligion bid in’d 15. 3al)r »erbanne." llnt in ber 620 •§umauigtmi 6 unb Ncaliomug. Spat giebt ber SNann in biefer Scsiepung nichts alg platten Seigmug unb orbinäre Ntoral. Gr fiept eg als einen Sorjug an, baß in bem Glementarwerf nur oon ber „natiirlidj" genannten „Neligion" bie 0 £ebe ift, baß bagfelbe „feiner Kirdjengemeinfcpaft Hnftoß gibt, fonbern in fatpolifdjen, griedjifdjen, proteftantifcpen, ntenonitifdjen, jubifcpen unb naturaliftifdjen fjatrtilten unb Stiftungen im gleichen ©rabe braudjbar ift" (Sorrebe ju bem Glementarw. ©. 3 streite Sluftage). Gben fo wenig wie eine Gonfeffion fann eine ©taatgform burdj ben fßpilantpropigmug fidj unangenepm berüprt füplen; „Nußlanbg unb Sänemarfg ©ouoeränität Wirb ber ©djweiserifdjen greipeit nidjt nadjgefept." Ntepr fann man nidjt »erlangen! Gg ift pier ein Nealignmg ftcptbar, ber aßen, Neicpen wie ätrmen, nidjt nur aüe braudjbaren Kenntniffe geben Wiß, fonbern au

icftreten Dom ©dtauplabe bad weite ©ebiet „ber fog. gemeinniifjigen Äenntniffe" aufgegeben haben. ÜDer pumanidmud ber neuern 3 e ^> görberttbed unb petnmenbed, äßirfung. 2 Bäl)reub ber Kealidnutd in ben Dorl)in betrachteten ©tabien feine 2 Birf= famfeit 3 U entfalten ftrebt, am ungehemmteften auf ben Don ihm geftifteten ©rjiel)ungd= anftattcn, gel)t ber pumanidmud in ber iOfel^rgabjt ber lateinifd)en ©dmlen unb ©tytnnafien auf bem Don 2Ketand)tl)on Dorgejeid)neten Sßege fort, ttjeibS gar nid)t, theild nur in geringem ÜJiafje Don ben gorberungen bed Kealidmud fid> beirren taffenb. ©eine SBirffamteit erfdjeint al§ eine ftiHe, oft gebrücfte unb noch mehr ohne jureid;enben ©ritnb gefd)mäl)te. Sine genauere Prüfung mürbe ohne 3 ' De 'f e ^ ^ en Beweid liefern, baff bie Seiftungen nidjt burdjgängig fo fd)led)t waren, wie fie ge= wöljntid) angefeljen werben, foubern bajj fie nidjt fetten Dolle Anertennung üerbienen. SBcnn man aber biefen Anftalten im allgemeinen Befd)ränltl)eit unb bürftigen gormaüd* mud Dorwirft, fo treiben fie barin ben ©barafter ihrer 3 e > t in ber SBiffenfchaft unb allen SebeudDerl)ältniffen. ®ied barf um fo weniger überrafdjen, ba ed einen befonbern Sehrerftanb nod) nid)t gab unb biejenigen, weldje bie gitndionen beffetben ju über= nehmen ben Blut!) hatten, unter allen ©ebrüdten bie ©ebriitfteften Waren unb burd? bie Kotl) bed Sehend an febem freien Auffd)Wunge fid) gehemmt fühlen mußten. ©ine fiditbarere unb erfreulid)ere äBirffamteit tonnte ber pumanidtnud erft bann gewinnen, ald ihm fein eigentl)ümtid)ed ©ebiet wieber erfdjloffen würbe unb er bie in bemfelben gefammetteu unb erftartten Kräfte im 3)ienfte höl) erei: ntenfdhlidher 33Übung ju oerWenben ©elegenheit unb Aufforderung erhielt. Sied gefchah erft allmählich feit ber Sßitte bed oorigen 3al)rhunbertd unb oerfdjiebenartige Begebungen mußten baju mitwirten. ®ad ©rfte, Wad in biefer Bejahung ju erwähnen, war bad nad) unb nach reger werbenbe ©tubium bed Alterthumd; 3- 9K. ©edner (f. b. Art.) timt baju einen bebeutfamen ©djritt, inbem er aud) bad ©riedjifdje in höherem SJiajje heranjog, unb ©rnefti (f. b. Art.) folgte ihm unb wenn aud) Dem Vorgänger nid)t gleidilontmenb, wedte er ben ©inn für eine correcte unb gefällige gönn ber 3)arftellung unb gefd)mad‘ Dolle ©rtlärung ber ©dfriftftetler. ©rofjartiger War bie SMrtfamleit, weld)e petjne (f. b. Art.) ald ©ednerd Kadjfolgcr in ©öttingen gewann; feine Beljanblung ber ©(hriftfteüer, ber lateinifdjen Wie ber gried)ifd)en, eröffnete ganj neue @efid)tdfnmcte unb war aud) auf bie ©ewinnung bed Berftänbniffed bed Kunftwerfd gerietet; Daju Derftanb er burd) Bearbeitung ber Siteraturgefd)id)te, ber Archäologie, ber 3Jthtl)ologie, ber Antiquitäten, ber ©efcbic^te bad Seben ber alten Böller in Den mannigfattigften Bejahungen !lar uor Augen ju ftelleu. ©inen weitern gortfdjritt bejeid)net bad Auftreten Don g. A. 9Bolf (f. b. Art.). 3ft ed and) iiberflüffig hier feine Berbienfte im einjelnen befonberd heroorjuheben, fo muff bod) bad, woburd) er auf ben ©ang ber A(tertl)umdftubien beftimnienb eingewirft hat, erwähnt Werben, nämtid) bie Segrüubung ber „Atterthumdmiffenfdjaft", beren ©runbjüge er in bem ©ingange bed Don ihm in ®emeinfd)aft mit Buttmann be= grünbeten SKitfeumd ber Alterthumdwiffenfd)aft Dorgejeichnet l) at - greilid) geht er, inbem er „bie Alterthumdwiffenfdjaft nach Begriff, Umfang, 3med unb SBertl)" üor Augen [teilen will, oorjugdweife baraufaud, bie einjelnen3'neige biefer B3iff ettfdraft ju beftimmen unb fd)eibet Don berfelben audbrüdlidb bad Studium humanitatis ald ein in weit engern ©renjen fid) Ijaltenbed (©.125); gleichwohl aber giebt er über ben SEBerth bed ©tubiumd ber Sprachen im allgemeinen unb ber alten indbefonbere, über bie Be- hanblung "Der ©rantmatil, Der permeneutif unb firitif fo wie ber realen ®iddf)lineu fo fruchtbare SBinle unb ©ebanfen, baff baburd) ber pumanidmud eine ganj anbere unb feftere ©rttnblagc unb paltung gewinnen muffte, ald er je juoor gehabt hatte. 622 ■§umaniSmub unb 9lealibmu§. (Ed ift nid)t mehr tiefer unb jener äußerliche 3fted, nteldjen berfelbe ju oerfolgen unb um beffentwiüen er bie alten ©pradjen gu betreiben hat, fonbern feine 3lufgabe ift bie, burd) bie ber (Erlernung ber alten ©prad)en, bem Lefen ber ©djriftfteEer, ber (Eotnpofition u. a. gewibmete 2lrbeit bie inteEectueEen unb fittlid)en Ärafte bed ©eifted in 33eWe= gung gu fegen, ju entwidcln unb ju hüben, bem ©elfte burd) wahrhafte ffteprobucticn ber ihm entgegentretenben ©ebaitfenwelt jur (Erreid)ung feiner höh ern 33eftimntung ju »erhelfen. 26ie hieturdj ^ ent £>umaiiidmud fein eigentlidjed, burd) bad (Eingreifen bed fftealidmud entrüefteS ober oerrüdted 3 1£ i sieter oer Slugen gefteEt würbe, fo fanb er fid) nun audj burd; bie lebendooEe (Entwidlung aller 3' üe '9 e beu 3lltertt)umdmiffen= fchaft gefräftigt. 5Die reidjen ©d)ä(3e, weldje bie in bie Oon g. 31. 2Bolf gewiefene 33al)n eintretenben großen Sllterthumdforfdjer im ©ebiete ber ©prad)e, ber Literatur unb Äunft, ber ©efdjidjte, ber Sllterthümer, ber 9??t)thologie unb 3ieligion mit rüftiger Slrbeit unb genialem 33Iid ju Sage förberten, führten ihm immer rcidjere 9?ahrung ju. (Doch oon biefen allbefannten ST^atfadjen abgefel;en ift auf jwei anbere hin3UWeifett, weld)e für bie neue Belebung unb ©eftaltung bed §>umanidmub befonberd widjtig wttr* ben. ®ie eine ift bie, baß man anfangd eine 3eit lang ber griedjifdjen Literatur unb bem gried)ifd)ett 9lltertl)ume borjugdweife liebeboüed ©tubium unb einbringenbe 3lrbeit wibmcte unb ben ©riedjen überaE eine Slnerfennuttg fchenfte, wie fie biefelbe nie juoor neben ben Römern gefunben hatten. 2)aoon war bie nädjfte gotge, baß man bie Dtümer griinblidjer feinten unb würbigen lernte; inbem man ihre 33orbilber unb Lehrerin ber Literatur eingehenb betradjtete, würbe mau gewar, Wad fie biefen »erbanften unb wad fie mit eigener Äraft heroorgebradjt; bie weitere bie, baß ber £mmanidmud ju ber GueEe, oon weldjer er audgegaugen war, jurüdfehrte unb ficg aud berfelben erfüllte unb erfrifdjte. ©eine „ibeaie" Slufgabe würbe ihm unmittelbar unter bie Slugen ge= riidt, feine 33erpflid)tung il)r ttadjsufommen lebenbig erhalten unb bie fDiittel baju an bie §anb gegeben. Sur;, mit ber füüdfehr bed .fiumanidmud auf ben 33oben @ried)en= laubd fchrte er wieber in feine Heimat ein unb fonnte Oon ba aud gleid)fam neuge= bereit fein ©ebiet burd)Wanbern, mit jebem ©dritte fid) bereidjemb. S)ie jweite — mit ber oben erwähnten in nahem 3ufammenl)ange ftehcnbe — 2E) a tfud)e, bie ben neu erftehcttben §umanidmttd fennjeidjnet, ift bie, baß bad Sitterthum nicht mel;r ein ©egen* ftanb unbebingter 23ewunberung unb Lobpreifung blieb. ®ied ift ed freilich, ^ie °^ en gegeigt, in 2)eutfd)lanb ttiemald fo wie in 3talieit gewefen; bettnod) aber l)at ed an 3lnerfeiinung für badfelbe niemald gefehlt unb biefe gewiß beredjtigte Slnerfennung wuroe oietfad) burd) bett ©egenfaf}, in bem man fid) mit ber alten Literatur befanb, geftcigert, 3. änben flebt." Gern £>umaitidntud ift aud biefer tiefem (Sittfid)t unb freiem 3lnfid)t ein boppelter ©ewinn erwad)fen. (Einmal würbe il;m bamit für fein 33eftrebcit, bad er in ®cutfd)lanb immer gehabt, näntlid) oöEig Waho 3U fein, berSBeg gewiefen, fobattn aud) Slnlaß geboten unb felbft Sfnftoß gegeben, biejenigen (Elemente ber 33ilbitng, weld)e neben ben Sllterthumdftubien feinen 3*ueden bienen fonnten unb bidher geringe ober gar feilte 33erüdfid)tigung gefunben hatten, auf3unehnten unb 3U feiner görberung 31t oerwenben. Sad 3 tt>e ^ e <■ 11(18 uächft bem wieberbelebten ©tubium bed 3lltertf)ujnd bem ■§umant§mus unb SflcaliSmuS. 623 maniSmuS »efentlicfyen @e»inn brachte, mar bie gu gleicher 3 e *t ev»adjenbe unb einen neuen 2luffd)»ung nefymenbe 9?ationalliteratur. SS ift bieS uni fo mefyr Ijerüorguljeben, roeil tiefer 9luffd)»ung feinen 9luSgangSpunct in bem 9Iltertl)um fyatte unb »eil biefeS bei ber tief unb »eit greifenben SBirfung, bie eS in biefer fRidjtitng übte, mit bem ©eiftc teS beutfdjen 93olfS in ein näheres unb innigeres 33erl)ältniS trat, als eS je guoor gehabt Hatte. SBaljrenb bie mittelalterlidje fßoefie nur barauf auSgieug, bem 2lltertl)ume ©agenftoffe ju entlegnen unb nad) eigenem @efd)mad 511 gestalten, »afyrenb bie erfte fdjlefifcfje Sdjule, Dpif} an ber ©pifje, anfieng „ben ©efjalt ber alten füteratur in bie beutfdje ^fScefie fyinüberguleiten“ unc bie oerfdjiebenen gorrnen ber Darfteßung ben an= tilen Sftuftern nad)äubilben, eine Aufgabe, »eld)e bie nadjfolgenben ©efdjledjter uedj lange befdjaftigt fyat, »urbe befonberS burd) SBindelmann, Scffing, Herber u. a. ba§ Suuftibeal ber ©riedjen unb ber in iljren ©d)öpfungen »alteube ©eift majfgebcnb unb beftimmenb fiir bie beutfdje Literatur. Die SIBerfe ber ©riedjen befd)äftigtcn bie auf= ftrebenben ©eifter in ben oerfdjiebenften 9iid)tungen, bie fjrage nad) bem SBefen unb ben Aufgaben ber fßoefie fudjte man an ben Srgeugniffen ber Stlteir junt Sfbfdjlujf gu brin= gen unb in iljnen bie 93erbilber ber eigenen Didjtfunft aufju»eifen. Die lebljafteften SSerljaublungen unb (Erörterungen, bie über biefe gragen oor ben Slugen beS gebilbeten iPublicuniS geführt »urben, tonnten nur baju bienen, bie Dfyeilnaljme für bie Ijöljeren 3ntereffen einer beS SJienfdjen »ürbigen unb über bie Sämmerlidjfeit ber gegebenen 2Birflidjfeit f)in»egl)ebenben Silbung gu »eden, ein SSerftänbniS für Sunft unb ißoefie angubaljnen unb ein Verlangen nad) ben •ßrobucten eines geläuterten ©efdjmadS gu erregen. ©0 gefdjal) eS bentt, baß bie SBerfe griedjifdjer unb römifdjer Didjter, »enn fie in Ueberfefjungen ben ©ebilbeten gugänglid) gemadjt »urben, allgemeinen 93eifaß fanben unb ben ©d)öf'fungen unferer eigenen Didjter eine freubige 9Iufnal)me bereiteten. Die innige unb nalje 23egiel)ung, in »eldjer biefe gu bem Slltertijume ftanben, fanb bann barin aud) üjren SluSbrud, baff g. 9t. 26olf baS SDiufeum ber 91Itertl;umS»iffen= fdjaft „bem Äenner unb SarfteÜer beS griedjifdjen ©eifteS“, ©ötlje, »ibmete. Dod) eS fei genug, an bie nalje 93egiel)ung, in »etdje bie SRationalliteratur gu bem tltertljume trat, unb bie gßrberung unb Grmpfeljlung, bie barauS bem Humanismus erwuchs, erinnert gu Ijaben. Hieben biefer Literatur muff bann nod) auf bie neuere fßljilofopljie als ein britteS SDioment ober germent l)inge»iefen »erben. Seibe ftanben, »aS iljren 2luSgangSpunct unb ifjre Sffiirfitng betrifft, einanber nalje. 2Baren eö bod) gerabe bie Scanner, »eldjeu bie Literatur fo ©rojfeS cerbantte, bie im ©ebiete ber fpfyilofopfyie bie frudjtbarjten ©ebanfen anregteu, unb barum »ol)l bie Vorläufer ber neueren fßfßlofofif)» genannt finb, befonberS Seffing unb H e bber. ÜJiit ber „Srgiefyung beS 5Dienfd)engefdjled)tS burd) ©otteS Offenbarung“ begrünbet jener baS Seftreben ber neueften fßljilofobijie, bie @efdjtd)te ber menfd)lid)en 33ilbung als einen ftetigen unb ge= fegmäjfigen Verlauf gu begreifen, unb eben baljin gielt biefer mit feiner fßljilofof'ljie ber @efd)id)te. Dann tritt mit Äant bie neuere fßljilojopljie felbft auf ben ©d)auf'Ia§ unb beginnt mit il;rem ÄriticiSmuS nid)t nur auf it)rem eigenen ©oben eine gewaltige 3iebolution, fonbern greift aud) burd) ben großen 9 feid)tl)um »on ©ebauten, bie fie an baS §id)t förbert, umgeftaltenb in bie ©ebiete ber übrigen 2ßiffenfd)aften ein. ftticfyt minber anregenb ober aufregenb »irfte Qid)te. Die iOtaffe ber neuen ©ebanten, »eldje biefe beiben Scanner erfd)loffen — um nur bei ü)uen ftel)en 3 U bleiben —, brad)te halb, im 3 ufamntenljange mit ber erwarten Literatur unb begleitet oon ben politifcben Greig= niffen ber ß^it, in ber Deuf= unb 9InfcbauungS»eife ber l)öl)ern ©c^idjten ber @efetC= fd)aft einen llmfd)»ung tjeroor, beffen Denbenj feine anbere »ar, als bie, fidj oon aller ^erfömmlid)en, trabitioneßen 9luctoritat loSjufagen. ©ar niand)e Srfdjeiuung erinnert in biefer Segie^ung an ben 3 u f tani3 3ltl)enS in ©cfrateS $eit, freilicH mit bem er^eb= lidjen Unterfd)iebe, baff bie 33e»egung fid) auf ben oer^ältniSmäßig fleinen ÄreiS ber gebilbeten ©tänbe befd)ränfte unb bieSJtaffe beS 23oIfS »cnigftenS unmittelbar nidjt berührte unb aujferbem baS iRegiment beS ©taatS unerfdjüttert baSfelbe blieb. Die Solge l)ieoon 624 Humanismus unb ateatiSmuS. tonnte feine anbere fein, als baß an bie ©teile beS niebergetoorfenen, nicht mehr halt» baren 33auS ein neuer treten unb bie äußere, nun meggetuorfene Sluctoritat burd) ein anbreS mirffanteS SKentent erfe(jt toerbett mußte. SMefeS aber mar glüdlidjermeife ge» geben in bem etfyifdfen ©harafter ber ^3^ilofof>^ie, in ben ftrengen unb hoh en gerbe» rungen, toeld)e ber ®enfmeife beS 9?aturali8nutS unb GtubämoniSntuS gegenüber, auf ©ruttb beS inbioibueliett ©emiffettS an baS fittlidje Leben Bon if»r gemacht mürben. ®iefe gauje lhn= unb 9?eubilbttng tonnte nur auf bem SBege beS Unterrichts unb ber ^Belehrung erfolgen. 6S fehlte nun freilich niel, baß man Bon ©eiten be§ ©taatS bagu SJeranftaltung getroffen hätte; oielmehr blieb eS ber miffenfd;aftlid)en Aufgabe ber Unioerfitäten oorbehalten, bie neuen ©ebanfen ju oerarbeiten, ju ergäben unb ju läutern; bod; mar eS nid;t ju üermeiben, baß fie Bon ba nid;t in bie oorbereitenben SInftalteu, in bie ©tjnmafien, l;ie unb ba aHmahltd) hätten einbringen unb auf ben Humanismus (Einfluß gemimten follen. SJfan tonnte bieS um fo eher ermarten, ba Äant unb nod) mehr gidite auf bie Srjiehung ber 3ugenb ben 93Iicf richteten (f. bie iJSäba» gogif ber ^ß^itofoH^e» Äant, gid)te unb Herbart, Bon ©tnimßell) unb bamit in eine ganj neue Sahn einjitlenfen trad)teten. ©od; eS ift hier nid;t tnöglid), biefe meiter 5U Berfolgen, unb bie gäben bloß jit legen, au benen bie ©ebanfen biefer unb ber folgenben foßheit in bie ©hmnaften gelangten unb hie unb ba eine Slrt fpecrfdiaft gemannen; mir merbeit oielntehr Bon hie* aus meiter in baS ©ebiet ber ißabagogif geführt, beren Seftrebungen, mie fie bon ^ßeftalojji bis in bie ©egenmart I;erabgehen, — als baS Bierte hie* bernorstthebenbe SDtoment— für ben Humanismus Bon ber größten Sebeutung gemefen fiub. 2BaS fßeftalossi felbft betrifft, fo fdjien ber Bon ihm angeregte ©ntttb» gebaute Bon einer reinen (Entmidlung ber natürlichen Slnlagen beS ©ubjectS unb ber (Entfaltung ber intcHectuellen unb fittlidjen Äräfte ju einer in fidj Botlenbeten unb ju» fammenftimmenbeu Silbung ber Slufgabe, meld;er ber Humanismus befonberS in unb burdf bie SllterthumSftubien 31t genügen fudjte, mie Bon felbft entgegensufontmen. 33e» fannt ift ferner, mie eine große ßald namhafter, fpäter aud) in ©hmnafien mirffamer ‘ißäbagogen in Offerten bleibenbe Anregung unb Dichtung befam, befannt auch, baß bie einfeitige fftidjtung ber „formalen Silbung“, in bie fid; ber Humanismus l;m unb ba oerlanfen, bort feine erfte unb nadjfte SZUtede hat. Son ber 3eit an hat bie Arbeit auf bem gelbe ber ißäbagogif niemals geruht unb fid; in 3mei Sejiehungeit mirffant ermiefen. 3)te allgemeine, auf bem ©runbe ber 5Phitofoßhie — ber 'ißfhdjotogie unb (Stt)if — aufgebaute Ißäbagogif ift bemüht ge» mefeu, auch bem Humanismus 3>el unb Dichtung Borsujeichnen unb bie ÜJtetljmbe beS llnterrid)tS 31t regeln; bie Seftrebungen ber praftifdien ipäbagogen unb Huntaniften (f. i)3almer, bie eb. ^J3äb. £1;. I- ©• 59) finb ihr in einseine ©ebiete eingeljenb gefolgt, haben ihr 31er (Ergänsung gebient unb Bor einem abStracten Humanismus, ober gar Bor jener humanitarifchen fKidjtung, bie fid) in einem anbern ©ebiete geltenb gemadft, be= mahrt. Sille biefe Arbeiten hüben fid) in bem ©rabe frud)tbarer ermiefen, als man nidjt mehr aitSfdjließlid) ben Slid BormärtS, auf irgenb ein Bon einem miüfürlidjen Srinciße auSgehenbeS 3'el richtete, fonbern 3ugleid) rüdmärtS fdfaute unb bie ©efchichte beS SrsiehungS» unb Unterrid)tSmefenS bei bem, maS man moHte, 3U 9fathe 30g. (ES ift beShalb nicht ber geringfte gortfdjritt, ben bie ißäbagogit in ber neueren 3eit ge= madjt hat, ber, baß fie in „biefe ©efdfidjte" gttrüdsugehett gelernt hat. Sublid) barf nicht unbemerft bleiben, baß bie (Erneuerung unb (Erfrifdjung beS fir« Uni“ berfitäten ipren (Eparalter als „geleprte Anftalten“’ bemaprt unb „blidten mit jiemlicper IBeratptung auf bie Nebolution in ber Siteratur, bie unter ipren Augen borgieng, perab, unb mußten bie anfftrebenben Jüngern SÜtänner (lagen, baß an ben ©ipen ber ®e= leprfamteit ber HumanitätSbilbung (eine ©tätte bereitet fei," fo burfte man, wie bie SSerpältniffe in Äirdpe unb ©taat, in ©(pule unb geftaltet Waren, noch (eine auf bie Heranbilbung eines pöper ftrebenben ©efdßecpts abjielenben SJiaßnapmen erwarten. Grft ba, als ber ®rutf ber grembperrfepaß auf bem Ißaterlanbe laftete, gebaute man !ßüt>a 0 . (inciftlopätiie. in. 40 626 ■fjunmniSmuS unb SftcatiSmuS. ernftlidj ber burdj bie 9ltterthumSWiffcnfdjaft unb bie ÜRationatliteratur erworbenen ©anb liegt unb liegen tann, baß oft bie »erfdjiebenartigften unb felbft miberftrebenbe 3nbi»ibualitäten baju mitmirten mäßen, unb baß aud), angenommen ed h enr f$ e unter ^ en S^itmirfenben öode Ueberein» ftimmung im SBotten unb ©treben, bie @aben fetjr »erfc^ieben, unb nid)t alte, ja oiel= Ieid)t nur toenige, EDeifter firtb. ©Ieid^tüo£)t ift fefir bie förage, ob »on biefem ©efidjtd» gurtete aud ber SBiberfprudj fid) erhoben t)at unb oon hier aud bie Eingriffe audgegangen finb. ©enn bie f'tare (Ertenntnid ber ibeaten Stufgabe bed fpumanidmud ift nidjt fo »erbreitet, als man münfd)en mödjte, unb bie, metdje fie hefigen, pftegen aud) bie ©djmierigfeiten ber Studführung genfigenb ju mürbigen unb mit einem Stabet über bie barin bemerken SDänget nidjt eben rafd) I;er»oräutreten. ©od) toie bem aud) fein möge, bie ftärfften Stngriffe jum Kampfe gegen bie ©pmnafien tarnen and anbern Dichtungen, unb jmar einer potitifdjen unb einer reatiftifdjen. ©eit ben fyreil;eitöfriegen mar ein anbered ©efdjlecfjt tjerangemadjfen, anbere Slnfidjten unb anbere Stnfprüdje maren burdj ben (Sang bed Sehend aufgetontmen nnb burd) bie SSitbung, meld)e man »on ©eiten bed ©taatd förberte, genährt unb »erftärft morben, unb gleidjmoht mürbe biefen 3tn= ftchten unb Slnfprüdfen, menn fie fid) gettenb madjen mottten, feine 33ered;iigung juge= fianben, meit fie mit ben hetdömmlidjen ^Princi^ien bed ©taatd unb ber audfd)tießlid)en Sluctorität ber Vnreaufratie in SBiberfprudj treten mufften. ©ie baburd) erjeügte fOSidfümmuttg unb Unjufriebenljeit gab fid) guerft in bem reootutionären (Etjnrafter ber Siteratur, ber fog. S3eHetriftif, fitnb unb fudjte fid) bann ba, mo fie im ©ebiete bed ©taated, gegen ben fie geridjtet mar, nid)t taut merben burfte, auf einem anbern 23oben Suft jn mad)en. ©iefen fanb fie gteid)jeitig in ber Stirdje (Sidjtfreunbe unb ©eutfdjtattiotifen) unb in ber ©d)ute. 333er bamatd noch jmeifetn moHte, baß fo manche auf bie eine ober anbere gerichtete Stngriffe bem ©taate galten, bem haben mot)t bie am ©djtuffe bed »ierten ©ecenniumd erfotgenben (Ereigniffe alten Seifet benehmen mäßen. 3Jiit biefer potitifdjen, gegen ben £ramanidmuö, atd „ben Pflegling ber ©taatdgematt unb ber Deaction' 1 , anfämpfenben Dichtung ftanb bie realiftifdje öfter in engerem ober loferem S3unbe. ©ie fanb ihre Vertretung »on jmet »erfdjiebenen ©eiten, einmal bei Daturforfdjern, meldje bie Defuttate ihrer gorfdjungen in ben ©pmnafien ftärfer mirffam gu fehen münfdjten, atd bis bat)in ber galt mar, fobanrt bei ben „fßrafüfern", metdje bie Defuttate ber SBiffenfdjaft gur görberung „materieller $rttereffen" »ermerthen mottten. 33eibe, menn auch »on ungteidjen SDotioen geleitet, hatten bad mit einanber gemein, baß fte in bem fpumaniömud unb feinen 393crfftätten ©egner fatjen nnb betämpften. ®od) hatten baju bie ißraftifer aud befonberen ©rünben ben bringenbern Stnlaß. ©er Deatidmuö nämlich hatte fdjon feit längerer 3 e ^ fü* feine 3toede befonbere Sehranftalten gegrünbet. ©er Stuffdjmung bed §anbetd, bed gabrifmefend, ber ©emerbe, bed Stderbaued hatte an »ieten Drten baju Stnlaß gegeben. 3nbed mar bie erfte (Einrichtung nid)t immer eine glüdlidje, meil fie meift bloß nach Maßgabe localer Vebitrfniffe unb SBüufdje »on fläbtifdjen ©emeinben ober 5ßrioatge= fetlfd)aften getroffen mürbe, ©erabe bedhatb, meit man nur bad ben nädjften 3toefott ©ienenbe gelehrt miffen mottte, ober meit man, gang unflar über bad eigentliche 3tel, bie grunbtegenbe unb öorbereitenbe Deal» ober höh ere S3ürgerfd)ute mit einer gad)fd)ute »ermifd)te, entfprad) ber (Erfolg ben (Ermattungen nid)t. ©iefe ben ©rünbern fotdjer Snftitute »erbrießtidje (Erfahrung erregte, ftatt bie ©ebanfen auf Verbefferungen berfetben ju tenfen, »ietfadj 5Didftimmung gegen bie ©pmnafien, bie, meit fie aud alten ©tif= tungen ober ©taatdmittetn unterhalten mürben, ben fie S3efud)enben mit geringen Stoften jum 3ietc »erhatfen, mät)renb bie neuen Stnftatten »iet Stufmanb »on ben Vettjeitigten forberten unb nicht bad benfetben (Entfpredjenbe teifteten. ©aber bie fo oft mieberljolte 628 §umanidmud unb Sftcaltsmud. gorberung, baß bic lateinifdjen ©deuten unb ©pmnafien in tjopere S3ürgerfd)nlen ju eermanbeln feien, nnb Dafier and) fo oiele Angriffe auf bie ©pmnafien. Sffiir fiepen batnit oor bem Streite beS ^untanidmud unb SKealidmud in ber neueften 3^11, ^ er * n feinem Verlaufe bed Unerquicflidjen genug bietet, aber nad) beut (Sntmicftungdgange, ben bad Unterridjtdmefen einmal genommen patte, faum ju oermeiben mar. Diefer ©treit mürbe, mie fdjon angebeutet, oon bem SKealidmud begonnen, biefer fammelte alle aud) anbermeitig gefertigten Sßaffen, um ben ©egner ju üerntdjten; ed patte eine 3 e ^ lang ben Slnfcpein, ald motlte er fic£) nidjt bloß bad 3ted)t ber (Syiftenj crfämpf en, fonbern bad 3led)t ber alleinigen (Spifteng in Slnfprudj nehmen. (Sntftept nun bie ffjrage nad) bemjenigcn, mad ber Stealidmud bem fpumanidmud »ormarf unb biefer an jenem audsufepen fanb, fo ift ed pier meber müglid), aHed einjeln aufjufüpren, nocp aud) nBtpig, alle Diarnen, an meldje fid) biefe Singriffe Enüqofen, unb bie ßeit» ln meldjer biefelben erfolgten, genau ju oerseicpnen. ®d genügt, bie mefent» li^en ißuncte bed ©treited peroorjupeben unb nad) iprer 33ered£)tigung ju fragen. 3m allgemeinen eutbecfte ber fUealidmnd an feinem ©egner bed S3ermerflid)en fepr oiel, benn er ridjtete feine Singriffe eben fomopt auf bie Stoffe bed Unterrid)td, mie auf bie gornt unb SDletpobe unb nicpt meniger auf bie Srgebniffe feiner Slrbeit. S3ei ben Unterricptdjtoffen fanb man einerfeitd ein 3nöiel unb anbererfeitd ein 3nmenig. 3 U c ml nsar bed Sateinifcpen unb ©riedjifdjcn. S3or allem erfuhren bie ftiliftifdjen Uebnngen im Sateinifcpen bie pärteften Singriffe. Die grünblicpfte 23etämpfung berfetben gieng Oon benen aud, melcpe oon ber Stotpmenbigfeit unb ©r= fprießlidjfeit ber Slltertpumdftubien überzeugt maren, in biefem einen “Spunde aber ben Sftealiften jur ©eite ftanben (Ä. o. Siaumer, ©efcp. b. “Päbag. Dp. 3, ©. 46, ÄBdjlt), 3ur ©pmnafialreform, ©. 80). Da bie lateinifdje ©pradje nidjt rnepr mie epemald bie ©pradje ber ©ebilbeten, ber Diplomaten, ja nid)t einmal ber ©eleprten ift, moju, pieß ed, fotlen mir jept, ba unfere fDtutterfpradje fidj fo reicp unb mannigfaltig ent» mitfeit pat, 3^1 unb Slrbeit auf bie Slneignung eined fremben Sbiomd oermenben, bad für unfern 3beenreid)tpum oiel ju arm ift. SBäprenb man oon biefem @efid)tdpuncte aud bad Sateinfcpreiben jur Spemplification ber ©rammatif jugeftanb, nannte man biefe Uebnngen junäcpft praftifd) unnüp unb jmedlod. Dagegen mar jmar nicptd erpeblidjed einjumenben. Slber mollte man nad) bem SOlaßftabe bie Unterridjtdgegenftänbe be= meffen, ob bie iprajid bed Sehend unmittelbar baöon ©ebraud) machen fann ober nidjt, fo mürben in ben pBpern Sepranftalten mol)l bie menigften ipre Stellung- behaupten tonnen. 6d mar unb ift oielmepr in biefer 23e§iepung gu fragen, tote groß ber 23eitrag fei, ben ein ©egenftanb gu ber eine tüdjtige Stßirtfamteit in ben pBpern Sebendoerpältniffen bebingenben 23ilbung liefert, unb banacp erjt mirb bie 9Sotpmenbigteit, ipm pflege angebeipen gu laffen, unb bad SDtaß ber ibjm gu mibmenben 3 e H «ob Slrbeit beftimmt merben tonnen. Dpne 3t»eifel P at man biefen ©efidjtdpunct bei ben lateinifdjen ©tilübungen immer im Singe gepabt unb ben S3eitrag, ben fie gu jener 33ilbung geben, feit ÜJielandjtpond Vorgänge, für fepr bebeutenb angefepen unb grnar in jmeifadjer §infidjt, einmal für bad ©tubiunt ber SBiffenf^aften, mie biefelben fid) nun einmal in iprern gefd)id)tlidjen 3«fammenpange mit bem Slltertfjum geftaltet paben, unb bann für bie Sßilbung bed ©eifted an fid) be= trautet. 3n jener Segiepung mar bie SSotpmenbigleit ber Äenntnid ber lateinifdjen ©pradje nidjt ju überfepen, ald unabmeidbare SSebingung biefer fienntnid aber trat bie gorberung entgegen, baß man bie ©pracfje bid ju einem gemißen ©rabe jur Darßel» lung ber eigenen ©ebanfen oermenben tonne (ogl. b. Slrt. Sompofttion 23.1., ©. 830). Durfte man bemnad) ben ©egnern bie Gjntbeprlidjfeit biefer Uebungen für bad „prat» tifc^e" Sebürfnid gern einräuraen, fo mußte man bagegen bie SSotpmenbigfeit berfelben im 3ntereffe ber 2Biffenfd)aften nad)brüd(id) betonen unb mirb bied moßt fo lange tpun müßen, ald bie SBißenfdaften in bem ©ange, ben fte üon Slnfang an bei ben Deutfdjen •fminanidmud unb fftealidmud. 629 genommen gaben, oerljarren. Hnb hoffentlich roirb bie Äraft biefer hiftorifctjen (£onti= nuität ftärfer fein, ald inbioibuelle 3lnfid)ten unb SDieinungen. ®agu aber formte man mit ooHer 3 uöe rficf)t auf ben bilbenben ©influß biefer Hebungen ginweifen unb geltenb machen, baff fie einigermaßen richtig geleitet ben reid)ften Beitrag gu ber Rumänen 23ilbung geben. SSilbenb wirb man bod) badjenige nennen müßen, wad bie Kräfte bed ©eifted fo in ^Bewegung fegt, baß biefelben burd) ihre Sgätigfeit irgenb ein Ergebnis fdjaffen, bad für gögere 3® e Sfe frudjtbar ift. SBo nun giebt ed einen ©egenftanb, ber feiner Statur nadj alle Strafte bed ©eifted gugleid) in fold;er SBeife in 31nfprud) nimmt, wie bie lateinifdjen ©tilübungen? SSerftanb, ©ebad)tnid, fßgantajte — um nur auf bad Stapfte ginguweifen — müßen babei in Sgätigfeit fein; febe and) geringere Aufgabe nötgigt gum 9?ad)fiunen, gum ©ammein unb Vergegenwärtigen bed ©eiernten, bie Sludfügrung jeber fßeriobe forbert ein fdjarfed tlufmerlen auf bie einzelnen ^Begriffe unb auf bie Slngemeffengeit igred Sludbrucfd, igrer Verfnüpfung unb ©üeberung; bie UmWanblung ber in ber äJtutterfpradje geläufigen ©ebanfenformeu in bad frembe Jbiom ift oortrefflid) geeignet, bad fubjectioe SDteinen, namentlidj ber „genialen Stopfe," gu be= feitigen unb an objectioe Sluffaffung ber ®inge gu gewognen, unb bie ftrenge gorm gang bagu gemadjt, gu flarer SarfteHung gu nötigen, greilid) foften biefe Hebungen oiele Arbeit. Slber bad eben ift ein Weiterer Vorgug, burd) ben fie fid) empfehlen, ©erabe weil an ignen bad Sir beiten gelernt Werben fann, bad bie SBiffenfdjaft oon jebem igrer Jünger forbert, wie in bem SJtaße an feinem anbern ©egenftanbe, wirb man fie gerabe fegt am wenigften unnüg unb gwecfloS nennen bürfen. ®enn wenn man ed ald ein befonbered ©ebredjen bed gegenwärtigen Unterridjtdfgftemd begeidjnen muß, baß bie Segrenben gu fegr actio finb unb fein müßen, bie Sernenben bagegen nur gu »iel paffio aufnegmen, fo gat man Wagrlidj feinen ©runb, foldje Hebungen, in benen bie Sßrobuctioität unb Slctioität .ber legtern in Slnfprud) genommen wirb, gering gu ad)ten unb gur ©eite gu fd)ieben. Unb füllte, um bad wenigftend aud) in ©rinnerung gu bringen, bad ©ewögnen an ernfte Slrbeit ogne ©inwirfung auf bie fittlidje Silbung bleiben? ®en reblid) ftrebenben fDlenfdjen pflegt fie gu ftärfen unb gu ftäglen; ihre grüdjte pflegen ign gu erfreuen, igm SDlutg unb Vertrauen gu geben. ®arum bürfen wir Wogl glauben, baß biefe ©tilübungen bad junge @efd)!ed)t in eine weitere ald bloß Wiffenfdjaftlicge 3mgt nehmen. Sßollte man eine ägn liege 233irfung ben ©tilübungen in jeber fremben ©pradje beilegen, fo würbe fid) bagegen im allgemeinen gwar nid)td erinnern laffen, bod) bürfte man nicht bad gleite ©rgebnid baoon erwarten. Sie gried)ifdje ©pradje ift igrem gangen SBefen nad) ber beutfd)en gu ägnlidj, in bem Sfeidjtgum beö Sßortoorratgd Wie in ber greigeit ihrer ^Bewegung, ald baß fie ben 3rcecf, ben bie ©tilübungen in ber lateinifcgen ©prad)e oerfolgen, erfüllen fonnte. (Vergl. ben 2lrt. @ried)ifd)e ©pradje. ®. Sieb.) ®ie frangöfifdje unb englifcge ©pradje fönnen mit ber lateinifdjen aud) in biefer Vegiegung nid)t entfernt in Vergleich gefteHt werben, weil bie gange ®enf= unb 31 n= fdjauungdweife ber mobernen ©ulturoölfer eine giemlidj gleichartige ift unb oorgugß= weife nur bie Verfdjiebengeit in ber gönn bed Sludbrucfd unb ©agbaud geroortritt. Slber man behauptete ferner, biefe ftiliftifcgen Hebungen wirften o erb erb lieg auf ben jugenblid)en ©eift unb gwar inteHectueH wie fittlid). ®iefe SBirfung fanb man in ber 3lnleitung unb ber SDletgobe berfelben. ®ie SJtetgobe fag man in ber imitatio aureae latinitatis, b. g. beS ßicero. ®emnad) nagm man an, baß ber ©djüler, um eine Slufgabe audgufügren, gunäcgft SBenbungen unb iJSgrafen aud ©icero gufammen* gutefen, barin feine ©ebanfen eingufleiben unb fo eine Slrbeit medjanifd) gufantmengu» ftoppeln gäbe. ®iefed „feelenlofe ©efdjäft" ginbere alle Sleußerung ber eigenen Äraft unb oerleite bod) am ©nbe gu ber Sinbilbung, ald fönne man etwad, wenn man fo papageienartig lateinifdj gu reben oerftege. ®adfelbe IBerfagren fomme bann bei ben beutfdjen Sludarbeitungen gur Slnwenbung unb fei bad unüberwinbtidje §inbernid un= mittelbarer, frifdger unb lebenbiger ©ebanfenentwicfelung unb anfpredjenber ®arfteüung. 680 Humanismus unb 3lcaliSmuS. ©ebanfenlofigfeit, ©eidjtigfeit, .SpoI;II;eit, gegmungene, gef^veigte unb affectirte 9?ebe feien bie grüßte biefer „Spanier". (SS bürfte nun moljI nidjt in Stbrebe gefteCCt inerben, baß barin eine „SJfanier" gerietet erfdjeiut, bie fid) tro(3 (SraSmuS „(SiceronianuS" nietiei^t nod; lange genug an mannen Drten gehalten hatte. 2lud; bie unerquidlidjen grüßte fonnte man ba nicht nerfennen, mo biefe Spanier gefierrfc^t batte; man mußte gugeben, baß, menn biefe grüßte mit 9?otljmettbig£eit fid; immer unb überall aus biefeu Hebungen ergäben, man fie je eljer je lieber gang gu befeitigen habe. Slber fo ftanb es unb fo ftel;t eS nidjt; bie gange 9Jebe ber ©egner traf nic^t bie ©adje fetbft, fonbern nur bie ber£el;rte 33el;anblung, oerte(;rt, nidjt an unb für fid; felbft, fonbern in U;rer Heber» treibung — benn baß bie imitatio aud; für ben lateinifdjen mie für ben beutfdjen Stil il;re Beredjtigung Ijabe, barf nid;t erft betoiefen merben; fie richtete fid; gegen bie (Sr= gebniffe einer, nod; bagu in einem ßerrbilbe gegeid;neten, Spanier, bie bod; moljl als löngft antiquirt betradjtet merben burfte. Sin gang anbereS, ©ebanfen mie StuSbrud in gleidjer 2Beife fdjarf ins 2luge faffenbeS, auf baS (Srfennen beS SBefenS ber beutfdjen unb Iateinifd;en ©pradje gerichtetes Verfahren mar fdjon fo lange in Hebung, baß man eS nid;t überfein fonnte. 3n ber ©Ijat fiat man eS aud; nid;t überfein; aber audj bieS fanb man nid;t gmedntäßig. SJtan falj barin „©pradjbergleidjung" unb bie, be» bauptete man, gehöre nicht in bie ©d;itfe, fonbern auf bie Uniberfität unb fei ©adje ber ^Pfyttologen. ÜDieS märe ein mol;! begrilnbcter (Sinmurf, menn eS fid; um eine ftreng miffenfd;aftlid;e ©pradjbergleidjung, bergleidjenbe ©rammatif u. f. m. banbette; inbeS l;ier ift nur »on praftifdjen ©tilübungen für ©d;ü!er bie9febe, metdje, mie jeber meiß, ohne Vergleidjung beiber ©pradjen nidjt angufteüen finb unb aud; niemals äuge» fieüt morben finb; nur baS fann bie grage fein, ob bie Vergleidjung bie regten ©efidjts» puncte eröffne unb in bem @efid;tsfreife ber £ernenben liege. 3)aS neue Verfahren unterfdjeibet fid; eben barin bon bem früher üblidjen, baß, mäljrenb biefeS burdj eingelne Bemerfungen unb 9fontine gum 3wle gu gelangen fudjte, jenes an ber £>anb flau er» fannter unb aud; ber Sugenb erfennbarer @efe(3e öorfdjreitet unb bamit feine Slufgabe leidster unb fixerer gu löfen im ©tanbe ift. S)aß nun bie banadj angefteüten Uebun» gen nicht berberblid;, fonbern feljr fieilfam mirfen, barf naclj bem, maS oben gegen bie (Sntbeljrlidjfeit berfelben gefagt ift, nid;t meiter bemiefen merben. 9?ur baS (Sine fei nod; bemerft, baß bie beutfdjen ©tilübungen ber mittelmäßigen Köpfe befonberS ben größten ©eminn bon ber (Sompofition unb ben lateinifdjen ©tilübungen tjaben. ©enialen Seuten freilid;, bie es nur mit fid; gu tljun l;aben, ift eS ferner begreiflich, wie eS einem jungen ÜDtenfdjen fo biel Slrbeit foften fann, über einen in feinem @efid;tsfreife liegenben ©egenftanb feine ©ebanfen gu haben ober gu fammeln unb in leiblicher Drbnung unb flarer ©arfteHung gu probuciren. Unb bod; mirb faft ber SDtebrgaljt ber in ben ©ijmnafien Sernenben nid;ts fd;merer, als biefe il;nen in ben fog. beutfdjen Sluffäßen »orliegenbe Aufgabe. 2)ieS fiat feinen guten ©runb in ber ©d;mierigfeit ber ©adje felbft, bie fid; nicht, mie alles anbere, birect lehren läßt, fonbern nur burd; bie aüraälj» liehe (Entfaltung ber Spontaneität beS ©eifteS gelingen fann. (Sine foldje pflegt aber nid;t bon felbft gu erfolgen, fonbern nur in golge mannigfaltiger glüdlid;er Anregung. SBenn eS nun gleich ™ e ber erften unb l;öd;ften Aufgaben beS gefammten Unterrichts ift, bie Spontaneität l;erborguloden unb fdjon in fofern bie erfte Bebingung beS @e» lingenS beS beittfdjen ©tileS gu bermitteln, fo finb hoch nidjt alle 3weige beSfelben in gleicher SBeife bagu bermögenb unb offenbar bie am meiften, meldje in ber nädjften Vermanbtfdjaft bamit flehen. ÜDieS aber finb eben bie lateinifdjen Schreib- unb ©til= Übungen, fie finb für ben beutfdjen ©Hl bie gmed'rnäßigfte unb frud;tbarfte Vorbereitung unb ftärffte ©tü^e nnb gmar in mefjr als einer Begieljung. ©ie finb »on ber unterften ©tufe an fo eingerid;tet, baß überall an ber Bearbeitung concreter Stoffe bie ber 9ltterSftufe entfpredjenbe ©pontaneität in Slnfprudj genommen unb angeregt mirb; bie ununterbrochene Uebung ftärft bie Kraft, fd;afft ein ©elbftbertrauen ermedenbeS Können unb gemöl;nt, bie ©djeu, mit eignen ©ebanfen in einen ©egenftanb eingugeljen, gu über» ■fiumaniSmuS uttb SffealiSntuS. 631 »inben. ©agu fommt, baff baS gormeüe ber ©arfteEung, fotueit eS aEen ©prad)en getneinfatn ift, an ber ©ompofttion gleidjfam unmerflid) gelernt wirb olme befonbere ©efa^r, baff bttrd) baS Satein bie freie ^Bewegung in ber SRutterfpradje gehemmt werbe. 3Bie widjtig biefe SBirfung beS SateinfdjreifeenS für baS fjormefte in ben beutfdjen Arbeiten ift, erfieljt man am beften auS einer SSergleidpntg biefer non „Satetnern" unb (l 9?id)tlateinern“ Bon.fonft gleidjem Sitter, Semttniffeit unb gähigfeiten. 23äl)renb jene ftd) in ber Dieget WenigftenS in ridjtig gebilbeten ©algen fortbewegen, fehlt bei biefen nur gu oft alle Sinftdjt unb ©idjerheit in ben ©runbelementen ber ©arfteEung. Unb »aS man in ben ©diülerarbeiten SatiniSmen nennt, ift gröfjtentheilS Weber SbiotiSmuS ber lateinifdjen nod; fonft irgenb einer ©prad;e, fonbern fommt auf JKedjnung inbioi= buetler Unbel;olfenl;eit. ®ie angeblidjen unb wirfiühen Satinismen, ©aEiciSraen u. f. w. »erben fidj bei Weiter gereifter 23i!bung fd)on oerlieren. Sorgitglid; wirffam erWeifen fidi bie lateiuifdje Sompofition unb bie ©tilübungen für bie auSfüfyrenbe unb gufatiimen= I)ängenbe S3el;anblung (tractatio) ber Aufgaben für beutfdje Stuffäfje, weldje befoitberS Borbereitet unb geübt fein will, wenn eilt ©elingeit erwartet werben foE. ©iefe 23or= bereitung unb Vorübung wirb bitrd) jene gegeben tl)eils in ben muftergültigen beutfdjen ©tüden felbft, welche befonberS auf ber haften ©tufe gur ^Bearbeitung unb Uebertra= gung Borgelegt werben, ttjcilö in ben Aufgaben für bie (lat.) üluffaije, Weld)e fid) in ben beut ©d)üler befanuten uttb an ber ^janb beS Sel)rerS burd)Wanberten ©ebieten be§ 2llterthumS galten Werben, ©enn wie in jenen ©tüden unttterfiid} ber jugenblidje @eift in eine georbnete ©ebaiileuentwideluitg eingefüt;rt wirb, tnbein er fie fdjarf unb Har auffaffen muß, um fie in angeitteffenent lat. 2luSbrud bargufteEen, fo wirb üjnt biefelbe burd) biefe Aufgaben in einem beimifcfien Greife aujjerorbentlich erleichtert. 6S ift bespalb eine gewöljitlidje (Srfdieinung, baß in ben beutfd)en Sluffä^en oieler ©cfyüler fith bann erft ein ©elittgen gu geigen anfängt, Wenn fte in ben lateinifdjen ©tilübungen erfyebtidje fjortfdjritte gemadjt fiaben, unb baff baS sapere et fari, baS in jenen fid)tbar wirb, eine grudjt ber ernften Arbeit ift, Weldje fte biefen gewibmet Ijaben. Uber and) ein ©ritteS, baS man gegen bie lateinifdjen ©tilübungen mit 9?ad)brnd geltenb gemad)t, bürfen wir nicht unberührt taffen, um fo weniger, als man fid) bemüht hat, bieS burd) bie 2luSfprüd)e ber namhafteften Sluctoritäten gn erwarten. 231 att l;at behauptet, biefe Uebungen feien Biel gn fdjwierig, als baf) fich barin baS wünfd)enS= »erthe ßiel erreichen liege, unb eS würbe bie baburd) Berlorene 3eit gwedmäfjiger ber Seetüre ber ©d)riftfteHer, namenttid) aitdj ber gried)ifd)en, gewibmet werben. ®ie 33or= auSfeimttg, Bon ber biefe ^Behauptung auSgeI)t, fd)eint faft bie gn fein, als giengen bie ©hmttafieit barauf aus, ihre 3oglinge gu Bottenbeten, einem Sicero nahe fommenben, ©tiliften gu bilben. ®a man aber eine foldje 23feifterfd)aft in ber frentben ©pradje für itnerreidjbar hielt, uttb gWar mit 3Dedjt, unb biefelbe nach 21. SSolf audj nur bei Wenigen — richtiger oielleidjt bei feinem — ©eteljrten fattb, bagegen überaE Stagen über S3erfaE ber Satinität unter ben ©eiehrten wie in ben ©djuten fyoren fonnte, fo fam man aud) Bon biefer ©eite gu beut ©d>tug: man höre auf, bie Sugenb mit einer SIrbeit gu plagen, bei weldjer fie caS, WaS beabficfjtigt wirb, nicht erregen fann. ©iefe 23orauSfej3ung wie bie barauS gegogene Folgerung ift gteid) irrig, nidjt weniger, als Wenn jemanb fagen Wollte, weil unfere ©d)üler eS einem Seffing, ©öthe, ©djiüer u. f. w., beren ©Triften iljnen oorgugSWeife als SJJufter für bie ®ar|teEung Borgelegt werben, in ihren 2(uffä(3en nid)t gleich tfran, fo plage man fie mit benfelben nic^t weiter. 9)ian oergaj?, ba§ Bon einer Sugenb bie Dfebe war, welche für baS ©tu= binm ber SBiffenfdjaften bie ©ntnblage gewinnen foE, uttb ba^ Bon biefer niemanb erwarte, was in bem Borliegenbett gaTEe bie gereiftefte Silbung nur in befchränftem Eftafje gu erreidjen Berntag. 2BaS faitit man Bon einem ©djüler ber erften (Eiaffe for= berit? SBenit berfelbe in ben beutfd)en Stuffätjett 2lufgabeit auS befanuten ©ebieten, toieg. 6.: „2Bar ©h em tf t0 EeS 25errätl)er beS SBaterlanbeS?" „SBarum war bie Bon ®e= moftheneS in ber Siebe über bie ©hmmorien empfohlene i)3olitif eine fluge?“ „Söoher 632 ^umatti§mu§ unb BealtSmuS. her SDtuth beS ©ofrateS oor feinen 9tid)tern?“ „3toede ber leges Liviae?“ „Sag beftimmte Sicero jur Auflage beSBerreS?" „BJorin geigt fporaz feine BatertanbSliebe?“ „SBeldjeS ift §oraz Behältnis ju SDtäcenaS? gn AuguftuS?“ „®emoftheneS unb 6i= cero’S f3(}üib|5tfd)e Sieben" u. a. — nad) 3nl)alt unb ffornt rtcfstig auSfü)jrt, b. I). bie ein» jelnen SOtomente ber Aufgabe in ihrer Bebeutung erfennt, bnrd) bie Anordnung, Bet)anb= tung unb bie fprad)lid)e ©arftetlung eine lebenbige Anfdjauung bes ©egenftanbeS funbgiebt, fo »irb er im »efentlidjen ber Anforberung, bie man au it)n machen lann, entfprocf)en unb geniigenb nad)ge»iefen haben, »ie »eit er bie ©elbftänbigleit befifct, »eldje fiir bie Söfung »eiterer »iffenfdjaftlidjer Aufgaben in grage fommt. Aber eben folcfje Aufgaben »irb er aud) in lateinifdjer Spraye recht gut ausführen tonnen: im 3nl)alte »irb fid) fein erheblicher Unterfdjieb ergeben, biefen »irb allein bie jform ber üDarfteHung ertennen laffen. Aber »ie in ber beutfcffen Bearbeitung, fo »irb aud) in ber lateinifdjen ber inbioibueüe ($harafter mehr ober »eniger heroortreten, unb j»ar fo »eit, als berfelbe in ber l ’ßerfBnIid)feit überhaupt fd)on ausgeprägt ift. Unb fo »irb benn bieS als baS 3»I in biefen Seijtungen bezeichnet »erben tonnen, baß fich in ihnen — abgefefjen oon grammatifd)er 6orrectf)eit, oon ber ©eläufigfeit in ben ©entformen, bent auSreidjettben Sßortüorrathe, b. h- ben Gtrgebniffen beS gefamntten oorhergcljenben Unter» ridjtS — bie Snbioibualität beS ©d)reibenben ganz eben fo, »ie in ben beutfdjen Ar= beiten, tunb gebe. 3ft bieS erreicht, fo ift für baS lernenbe Snbioibuum in Beziehung auf feine »eitere »iffenfdjaftlidje Saufbahn etmaS fel)r erhebliches erreicht, mag ber ab» folute Sßertl) beSfelben nod) fo gering erfdjeinen. ©oHte man meinen, baS 3»! fei ju hod) geftedt, fo »irb man baS entfd)ieben in Abrebe fteUen ntüßen, »enn mau beachtet, »ie bie Srreidmng beSfelben burd) lange Uebung oorbereitet ift (f. b. Art. Sompofi» tion B. I. ©. 830). ©erabe um ber langen Borbereitung »illen bilben biefe ©til» Übungen ben natürlichen unb noth»enbigen jjfortfdjritt (f. 9'iägelSbad), Borrebe zu ber ©titiftif) unb baS bebeutenbfte SJtoment „in ber ibealen Aufgabe beS Humanismus.“ 2BaS nun enblidj bie Behauptung betrifft, "bie gertigfeit im lateinifd)en AuSbrud unter ben Abiturienten t;abe in ben lebten 50 Satiren erhebtid) abgenommen, fo läßt fid) biefelbe burcb thatfädjlidje Be»eife fd)toer »iberlegen, »eil bagu eine Prüfung ber Seiftungen aus biefem 3eitraume nöthig »äre; aber man tonnte mit bemfelben 3ted)te bielleid)t behaupten, unfere gegen»ärtigen Abiturienten feien beS lateinifdjen AuSbrudS ooHlommen ebenfo mächtig, »ie bie bor 50 3al)ren Oon ben ©hmnafien zur Uniüerfität gehenben. ®enn bamals tagen faft bie meiften ©djuten, mit Ausnahme ber alten Älofter» unb gürftcnfd)ulen, toe£d£)e fich gegen febe Neuerung ftreng abgefd)toffen hatten, noch in einem »unberlidjen Kampfe z»ifd)en Altem unb Steuern, oiele hatten noch bie SDtädjte beS BhüanthropiSmuS nid)t über»unben, oiele hatten nod) teine befoitberS für ihren Beruf gebilbete Set)rer, fonbern ®h e °i°3 m » meld)e oon ber ©djule ben Büd fehnfüdjtig auf ein Pfarramt rid)teten. Bon einer Abnahme ber Satinität ift in ben lebten 12 Salden genug gerebet »orben unb oieüeidjt nicht ohne ©runb. Aber »ent fällt biefelbe zur Saft ? ®>ie Seiner felbft haben nur zu oft in baS ©efdjrei, baS gegen baS Sateinfdjreiben er» hoben »urbe, miteingeftimmt unb biefen Hebungen »oI)t nicht ben gebührenbett äBerth beigetegt. Biele finb zu ber Sinfidjt getommeit, toeldje jfrüdjte ein 9tad)laffen oon ber ftrengen 3ud)t hierin gezeitigt hat, unb mögen je( 3 t gern in ben alten 2Beg eintenten. es ift zu »iinfd)en, baß red)t oiele bieS im Hittblid auf bie Bebeutung ber ©ad)e für höhere 3ugenbbitbung »irflich mit allem ernft tl)un unb bie Ueberzeugung gewinnen, baß bie Ätage über ben BerfatI ber Satinität eine nidjtSfagenbe ift, fo lange bie, »eldje fte z« pflegen ben Beruf haben, fie nidtt oerfallen laßen »ollen (ogl. „baS Satein» fdjretben unb bie lat. Stilübnngen auf ber oberften «Stufe beS @t)mnafiumS oon SD^ägell, 3eitfd)rift für baS @t)mnafial»efen.“ Sahrg. 2, ©. 97). 2Bät)renb bie greunbe beS Altertums bie tateinifd)en ©titübungen befämpften, um für eine auSgebehntere Sectiire ber Xateinifchen unb gried)ifchen ©d)riftfteHer mehr 9taum Zu gewinnen, giengen bie Angriffe ber geinbe Weiter unb hatten bie Senbenj, mit jenen baS §umaniSmuS unb Realismus. 633 ©tubium beS 2lltertl)umS überhaupt gu befeitigen. ®enn bah in gielte, »aS fie oon biefem in bcn mannigfaltigften SBenbungen gu »ieberholen nid)t mübe »urben. ®ie 23ehaup= tungen, bie in biefer Ridjtung fid) öentepmen ließen, finb fo lupn unb allgemein, baß eine ©Überlegung für ben ©efjenben überfiüßig, für ben Ridjtfehenben !aum gu geben mar. „Sie ©riechen unb Römer, fyieß es, gehören ber @efd)id)te an", ober „baS 3llter= tljum ift eine untergegangene SB eit, »eiche bie ©egemoart nichts angelt, ü)r nichts bieten !ann, weit fie tief unter ifyr fiept; bie @egen»art will oorwärtS unb fiebt, »aS fie i^rem in ber 3nlunft liegenben 3iele in ber S3aljn beS gortfdjritts gufütjren fann; bieju nüfet baS Sitterthum nichts, beSpalb fteht ber baSfetbe pflegenbe Humanismus im Sßiberfprud) mit bem SeWußtfein ber pit." SEßurbe in folgen unb ähnlichen 9Ben= bungen ber 3ufammenhang ber neuern Sultur mit bem Sllterthum gang in Slbrebe gefteüt unb ber gortfdjritt, »eichen ber Humanismus immer httbeigefüprt pat, über» fehen, fo ließen fid) aubere ©timmen oernehmen, welche auf ben oer»irrenben unb fdjäblidjen (Einfluß ^inmiefen, »eld)e bie Siteratur ber ®ried;en unb Römer auf bie Sngenb üben müße. „(Einer djriftlic^en Sugenb bringt man heibrtifdje 33üd;er unb Slnfdjauungen auf; bie in monardnfdjen Staaten erlogenen unb lebenben Knaben unb Jünglinge läßt man in Republilen hei»if= nen, »eil oon gang ungegrünbeten ©orauSfejjungen unb Slnfdjauungen auSgehenb. ®enn es »ar bamit bod) auSgefprodjen, baß bie alten ©c^riftfteder gelefen »ürben, barait ber materielle ©ehalt berfelben in feinem ganzen Umfange oon ber Sugenb als für baS gange Beben maßgebeub unb beftimntenb entweber angeeignet »erben folle, ober g!eid)fant oon felbft in g°tge ber S3efd)äftigung mit berfelben angeeignet »erbe. ®ie erfte Sinnahme »urbe fcpon burd; einen S3lid in bie ©efc^idjte gurüdge= »iefen. 3 U feiner ßeit »ar man in ®eutfd)lanb auf eine folcpe Repriftinatiou beS Sllter= thumS ausgegangen; »eil man aber in Ipm bie Meinte unb ©Bürgeln ber gegenwärtigen (Eultur fah, fo »ar man 51 t allen 3 e ' te n, »0 ein ^öbjereS ©eifteSteben fid) regte, eifrig bemüht, bie ©djähe feiner Literatur gu erforfdjen, um barauS bie Kenntniffe unb bie intellectuelte 33ilbung 51 t gewinnen, »eldje für baS ©tubium ber 3Biffen= fd)aften nid)t entbehrt »erbenitönnen. ®abei haben bie 33eften unb (Ebelften unfereS ©oltS, bie Reformatoren an ihrer ©pipe, bafür gehalten, baß bort aud) für bie fittliche 23ilbung ber Sugenb beS görberliöpen recht oiet gefuncen »erbe unb niemals bie S3e= forgnis gehegt, baß bie „peibnifdjen Slnfchauungen unb republitanifdjen ©runbfätge" unferer Sugenb fd)aben fönnten: fie meinten oielmel)r, biefelbe flehe fo gang unb gar auf einem anbern ©oben, baß fie, »aS bort mangelhaft ober oerfel;rt fei, oon felbft erfenne, ohne baß man il;r bieS bei jebem Slnlaß nur einmal in (Erinnerung bräd)te. 3BaS namentlich baS politifdje ©ebiet betrifft, fo lonnte man mit Redjt bemerfen, baß lein hi er in 33etrad)t tommenber gried)ifd)er unb lein römifdjer ©djriftfteüer bie „©oltsperrfdjaft" oerperrlidje unb S3orliebe für biefelbe eingupßen geeignet fei. ©on biefem ©efid)tspuncte aus erlebigte fid) bie Sinnahme, als »ürben bie Knaben burdj unwiütürlpe Slufnahme ber geiftigen ©ubftang, ber religiofen unb politifdjen 3ln= fdjauung beS SllterthumS in unb bei ber 23efd)äftigung mit bemfelben ©riechen unb Römer, b. p- H^ben unb Republicaner, oon felbft. Eßäbagogifdje (Einfpt unb SBeiSpeit — unb bie »ar eS bod), Welche biefe Slntlagen erhob — hätte oon felbft miißen barauf geführt »erben, baß ein Knabe oon ber peimattidjen BebenSluft, oon oaterlän= bifdjen (Empfinbungen unb ©efütjterr, oon d)riftlichen ober »enigftenS chriftlich = ge= färbten. Slnfdjauuugen gu fepr getragen unb gehalten wirb, als baß er g. (E. burch anhaltenbe ©efdjäftigung mit frangöfifdjen unb engüfdjen ©djriften ein grangofe 634 •§umantgtnuS Hitb Scali§tnu§. ober 6nglänber würbe. Unb bag Ware bodj itnenblidj leidjter, Weil hwifdjen innert unb ben ©eutfdjen in allen Schiebungen nicht ein fotcfjer 6ontraft ftattfiubet, wie gwifdjen ©riedjen unb Moment einerseits unb ben ©eutfdjen anbererfeitg. — Sßag bie „unfaubern" Siidter anlangt, bie man beut £umanigtnug fo oft 51t feiner 23 efdjä= ntuitg unb ©entütljigung unter bie Slugen fteüte, fo lag bie grage nabe, ob eg berfelben int Slltertljume ober in ber neueren 3 e ü tttebr gebe. Statt wirb bodj nidjt bie fo nennen, weldje bag Satürlidje in botler Saioetät mit feinem rechten Samen bejeidjnen, unb eben fo wenig bie, Weldje bag fpäßlidje unb ©djtnubige mit einer freilich mit unfern Sitten unoerträglidjeit 3 wanglofigfeit unb ©erbbeit barftetlen, um eg ju geißeln unb ju jüdjtigen, fonbern nur bie berbietten biefen Samen, beren SSerfaffer mit Wirtlichem Sebagen ttttb SBobtgefaUen bei bent Unfaubern berWeilen unb eg als bag Seijenbe binjMen, mögen fie ibm intmerbin ein äußerlidj anftänbigeg, babei aber nur ju burdjfidjtigeg ©eWattb umbangen. Unb eben in biefett unfaubern Siidjern tann bag Slltertljunt fidj mit ber neueren 3eit wobl nidjt meffen. ©odj gang oon biefer grage abgcfel)en, muffte man entgegnen, baß bie unfaubern Südjer nidjt in bie £>änbe ber 3 ttgcnb fontmen, baff biefe nur foldje fennen lernen, weldje bie Seften unb Sbelften ibreS Soltg ju Serfaffern ljd6 e n, baß biefe Scanner nicht in leichtfertiger Schreib^ feligfeit ober um beg ©elbeg willen Südjer an bag £idjt förberten, fonbern weil fie ftd) berufen beiten, ju Stilen unb frommen ber Stit= unb Sadjwelt großen ©ebanten Slugbrud ju geben. 0b freilich folcbe 6ntgegnung unb eine begriinbete Sertbeibigung erforberlidj war? Slderbingß uni ber ©adje, nidjt immer um ber Slntläger willen; eg lag oft ju febr auf ber §anb, baß bei mandjent berfelben alle bie Soraugfejsungen fehlten, Welche allein bie Seredjtigung geben, in foldjen gmgen feine Stimme ju erljeben. ©iefen Singriffen, bie gegen bie Slltertbumgftubien anfampften, fofern fie bie bor= neljmften Unterridjtggegenftänbe toeS £umanigmug bilben, tarnen nodj manche anbere gu £>ülfe, bie bien füglidj übergangen Werben tonnen, weil fie alle biefelbe ©ettbenj oer= folgen, bag 3 u tsiel r bag Uebermaß „tobter ©elehrfamteit' 1 ju befdjränten ober biefe gang ju befeitigen. ©abin hielte man ohne Steifet, wenn man bie ©bmnafien „Krüppel* geftalten" nannte unb befdjräntt fdjalt, fo befdjräittt, „baß fie fidj immer noch in um begreiflidjer Serblenbung jeber öernünftigen Seform ihrer djineftfdjen, nur in ber 6im feitigteit claffifdjen örgiebunggntayimen wiberfe(jten." 6g tonnte tttdjt fehlen, baß bie ©egner beg £mmanigmug unb bie mit feiner big* berigen ©ntwidelung Utthufriebenen bent Ueberntaß beg Sateinifc^en unb ©riedjifcbett gegenüber aHeg bag mit Sadjbrud Ijeroorboben, wag angeblich in ben ©bmnaften gu Wenig ober gar teine fßflege fanb. ©aljin gehörte juerft ber Unterricht in ber Slutter* fßradje unb in ber Sationalliteratur. ©iefer berbantte bie warme unb bringenbe 6ntpfeblung, bie ihm ju tbeit Würbe, bem 6rwachen beg nationalen Sinneg, ber oft mit Ungeftütn Sefriebigung forberte. 6g fdjien, alg hätte man plö(3lidj bie 6ntbedung gemacht, baß bent ©eutfdjen Sationalität ganh abgebe, baß fie ihm bem Sluglanbe gegenüber Ijodj itötbtg fei, unb baß fie fidj burdj Unterricht erheugen Iaffe. ©aber bie gorberung, baß bie ©hntnaften ihre 36gtinge beutfdj cmpfittben, benten unb reben lehren unb mit ber oaterlanbifdjen ©efinnung erfüllen füllten, weldje jeben Slugettblicf gu tbatträftigem ^anbeln bereit wäre. 3 U biefent 3wecte wieg man bin auf bie reichen ©djafse unferer Sationalliteratur; nidjt nur bie SleifterWerte ber neuern 3 e it wollte man ttt attgemeffenem Stufengange gelefen unb erttärt feben, fonbern audj bag Stittel* bodjbeittfdje, ja felbft bag ©otbifdje unb Slltbodjbeutfdje uebft einer öoUftänbigen @e* fchidjte ber beutfdjen Literatur fielt ntan für einen notbwenbigen UnterridjtghWeig. ©eg 3 ieleg, bag biefe gorberungen oor Slugett batten, tonnten fidj bie greunbe beg ^untattig* ntug nur freuen unb hoffen, baß bie übertriebenen Slnfprüdje, an benett eg bei ber 6rregung ber ©emütljer nidjt fehlte, bei ruhiger 6rwägung auf bag rechte Staß guriidtommen Würben, wie g. 6. in |>infidjt auf bie Slugbebnung beg Slttbeutfchen, ber Siteraturge* •fSumaniSmuS unb SlcaliSmuS. 635 fdjichte, bie Behandlung ber ®idjter ber neuer« 3 e it unb bie baran gefnüpften Auf= gaben für eigne ißrobuction u. a. ®od; tonnten fie nicht unbemerft Xaffen, baß bie Forderungen gu fpät tarnen, »eil ihnen an fet»r nieten Drten im »efentlichen längft genügt würbe, unb baß ber in Frage ftef>enbe Unterricht überall nicht fowohl eines Neu= bauS, als einer Aufbeffernng unb Grgangnng bebürfe. Oleidjtooljt finb bie über biefen ©egenftanb gepflogenen Berhanblungen nidjt ohne großen Sinken gewefen. GS ift auS* gefprodjen mtb anertannt worben, baß ber beutfc^e Unterricht in jebem ©hmnafium eine bebentenbe ©teile einnehme; eS ift ferner baburdj wohl in bie Anftalten ber oerfdjiebenen Sander mehr ©leichmaßigteit gebradjt worben, als oorher beftanb, non ben befoubern widjtigen metljobifdjen fragen, bie babei gu größerer Älarheit geführt Worben finb, gang abgefehen. ©ehr ftreng war baS Urtheit, baS über ben Humanismus »egen beS in ben ®hm= nafien mangelhaften unb ungenügenden naturwiffenfchaftlidjen Unterrichts ergieng. 3Ba8 berfelbe öon befdjreibenber Naturgefdjidjte in ben untern unb mitttern, oon ißhhftf * n ben obern Gtaffen umfaßte — benn baß berfelbe gang fehle, ließ ficf) nid;t nachweifen— befriedige, fagte man, gerechte Gr»artungen nicht, »eher im Ipiublid auf ben Auffdjwung, ben bie Naturwiffenfdjaften genommen, nod) bie Bedeutung, weldje fie für bie attge= meine Bildung überhaupt unb baS ©tubium ber übrigen befoubern SZBiffenfdjaften er= langt hätten. ®en »argenommenen ÜJiangel in biefen ®isdplinen, gegenüber ben für bie eifrigfte Betreibung berfetben taut redenden ©rünben, führte man oorgugSweife audh auf bie baS gange ©ebiet nicht fennenben unb barum neradßenben gurüd unb »ußte itjuen auch bon biefer ©eite öiel fdjlinuneS nadjgufagen. dagegen erfdjien eS als eine gerechte Forderung, ben Unterridjt fo gu geftatten, baß „bie Sernen= ben einen Begriff non bent gegen»ärtigen ©tanbe biefer 2Biffenfd)aften erhielten, namentlid; im ©egenfaße gu ben frühem 3e*ten." GS fottte berfelbe demnach nietet mehr „als eine untergeordnete unb beiläufig gu betreibende ©adje, fonbern als dem ©prachftubium unb ben übrigen SehrgWeigen eollftänbig gtcidhbered)tigt unb ebenbürtig" betrachtet unb behandelt »erben, ©elbftoerftänblich mußte 3 00 l D g», Botanit unb Nti= neralogie, Bhhf^ u >rb Ghemie Gingang finden, bagu aber auch Anthropologie, ^3fheS NuljenS, „welchen bie ÄenntniS berfelben dem ®h eo *°9 cn — 3uriften, SDiebiciner u. a. nicht gu ertoähnen — gewahre, fo gängtid; blenben, baß er fidj felbft gum ©ch»eigen »erurtheilte. 2Bo man fion oornherein Bon ber SBahl beS einen für biefen, beS anbern für jenen ©djriftfteder mit ©runb ntdjt bie Siebe fein fönneit. SBaS bie biemit gufammenhängenbe Siüge beS geringen Umfangs ber Seetüre angieng, fo Würbe fie einfad) burd) bie Bewertung guriidgewiefen, baß eS bodj meljr barauf anfomme, wie, als wie biel geiefen Werbe, baß übrigens Bon Siöment unb ©riechen bie Hauptrepräfentanten in ben ©attungen ber Siteratur gur Betrachtung fommen unb wenn audj nidjt alle in ihrem gangen Umfange, wie Homer, hoch immer Wohl gange ©tüde beljanbelt Werben, unb baß bieS eben ben Sieden beS Hum an iS = muS genüge. ©och um ade gegen bie SDiethobe ber ©pmnafien gerichteten Angriffe auf einen StuSbrud gurüdgufiil)ren, fo War eS Bielfad) nidjts anbereS, als gormatiSmuS, 2)ied)a= niSrnuS, ©djematiSmuS, was man ihnen Borwerfen gu müßen glaubte. ®S hatte nidjt feiten ben SInfdjein, als hätte man bagu in bem eignen, Bielfad) laut geworbenen Be» fenntniffe berfelben gu bem „formalen ißrincip" bie Bode Berechtigung. Dh nc gu er= Wägen, baß bieS guerft Bon ißeftaloggi eingeführte, bann bem ißhilantljropiSmuS unb einem latitubinarifdjen SieatiSmuS gegenüber geltenb gemadjte, „auf bie SBedung, ©tär= fung unb buwnonifdje Bilbung alter ©eifteSfräfte" geridjtete i)3rincip baS pofttioe SBiffen nicht auSfchließen, fonbern nur oermittelft beSfetben an fein ßiel gelangen tonne; ohne gu beachten, baß man biefem in ber H an b feiner Vertreter gWar feljr wirt= famen, aber in feinen legten ßonfequengen gu ffl iSgriffeit nerleitenben unb jebenfadS SföiSoerftänbniffen leicht auSgefegten principe feineSWegS adgemein bie H e ^rfd)aft gu= geftanb; ohne gu fehen, baß ber Humanismus im Bewußtfein feines UrfprungS unb feiner Herfunft ben burdj ben Sauf ber ®efd)id)te gegebenen realen Bebürfniffen höherer Bilbung Befrtebigung gu fd)affen ernftlidj bemüht War, mußte ber Stame 638 •^untaniSinuS unb 2 icali§mu§. ber einmal auSgefprod>ene, bie berfdjiebenartigften Borwürfe rechtfertigen. Das bon felbft, baß bie Srgebniffe beSfelben ben ©egnern nidjt nur unjureidjenb, fonbern felbft gan$ t>erwerflich erfchienen. SReuerbing« hat man (Die unabweisbare (RotljWenbigfeit einer grünblid)en Reform ber ©tjmnafien bon iß. Eljr. ©ternberg, Stuttgart 1860) alle ÜRangel recafitulirenb unb §ufammen= faffenb burch genaue ftatiftifdje Berechnung entbecft, baß 5 . E. ißreußen burch berfeljlte ©hutnafialbilbung jährlich nahezu fünftljalb SDtißionen fRtljlr. haaren Berluft erleibe, b. h- fo biel ©elb aßjahrlidjJäWedloS wegwerfe. 2llS unumftößlidj feftftehenb wirb angenommen, baß ber Unterricht int ©hmnafium für alle, wetdje nidjt bie in ber 2lbiturientenfrüfung geforberte Steife erlangen, ganj unb gar berloren fei. Diefe aber bilben fo feljr bie überWiegenbe SDteljrjaljI, baß nur ein fünftel ober SedjStel fämmtlidjer Sdjitler ben ganzen EurfuS beS ©hncnafiumS abfolbirt unb bie Sdjlußfrüfung befteht. (Daher fällt benn ber baare Berluft an ©elb, berlorener 3eit, jWedloS berwenbeter ÜIrbeitSfraft tlar genug in bie Slugcn. Dagegen ift nur gu bemerfen, baß 3 a h^ en nidjt immer, nicht allein beWeifen. 3n bem borliegenbett gaße wirb überfehen, baß biejenigen, weldje etwa nur bie untern Eiaffen beS ©hmnafiumS befugen, in benfelben bodj erheblich mehr er= langen, als in ber BoIfSfcfjuIe, bie fie fonft, wenn baS ©hmnafium fidj ihnen nidjt barböte, befudjen würben, ttnb minbeftenS eben fo biel, als in einer höher« Bürger* fchule, wenn fie borhanben wäre. Denn biefe Staffen haben alle UnterridjtSgegenftänbe mit ber BolfS* unb ljöh ern Bürgerfdjule gemein unb nur baS Latein bor ber erften jebenfaüs, biefleidjt audj bor ber jweiten borauS unb berntögen ihrer Stellung nadj ohne B^eifel mehr in aßen $u leiften als jene, unb bößig fo biel als biefe, — wenn man nidjt etwa annehmen will, baß baS Satein aßen Erfolg hemme. Dodj wer be= häuftet, baß eine tüdjtige unb mannigfaltige Uebung audj nur in ben Elementen biefer Sfradje bem Knaben für fein f^ortfdjreiten in ber beutfdjen Sfradje unb anbern 2ßif= fenSjweigen im äßege ftehe, füllte fich bißig jebeS UrtI)eilS in fäbagogifdjen Dingen enthalten. 3n ätjnlidjer äßeife flehen bie mittleren Slaffen ber ©hmnafiett benfelben in ber höhe™ Bürgerfdjule £;infic^tlid> ihrer ßeiftungSfähigf'eit minbeftenS gleidj. ©eben fie audj nidjt bößig bie gieidje Slrt beS fofttiben SBiffenS, wie biefe, fo geben fte an Umfang nidjt weniger unb an gertigt'eit, an Können, an ©efdjidlidjfeit unb Bnfteßigfeit audj für Slufgaben beS fraftifdjen SebenS Wafjrfdjeinlidj mehr. SBir werben baljer bet ber Beachtung ber eben nur angebeuteten ©efidjtSfuncte in ber angeführten Berluftbe* redjnung einen nicht geringen fehler bermuthen bürfen, wenn Wir nicht etwa annehmen woßeit, baß audj bie Ijöl;ere Bürgerfdjule, Stealfdjule u. f. w. ihren 3®ecf berfehlt, welche bie überWiegenbe SRehrjaljl if;rer Schüler nidjt auS ber oberften, fonbern aus ben mittlern unb felbft untern Slaffen entläßt. Slber, Ijeißt eS Weiter, auch tße, weldje bie SDtaturitätSfrüfung beftehen, erhalten in ben ©tjmnafien feine für ihren wiffenfdjaftlidjen Beruf angemeffene Borbilbung, bon bem, WaS baS Beben forbert, gar nidjt ju reben. Satein unb ©riedjifdj ift aßeS, waS fte wiffen ; fie bewegen fidj, Wenn fte überhäuft etwas erreicht Ijdben, mit ihren ©ebanfen §umctnt$>imiS unb 2 tcaltsmud. 639 in einer tobten abgeftorbenen SBett, aber in ber nädjftcn §eimat(!), in ber Statur, ftitb fie gremblinge, ifyre 93ud)getehrfamteit erzeugt in ihnen £>od)muth, Süge, £ü)P er= fritif, unb ntadjt fie unfähig, in bad reale Object einer 2Biffenfcf>aft eingugehen; anbere, bie nur mit Bieter ©etbftiiberminbung ben hornigen ^ßfab beb §umanidmud betreten unb ohne Srquidung juriicbgelegt I;aben, Berlaffen i£>it oolt Ungufriebenheit unb 2Jiid= mutt), o!jne Suft unb greubigfeit gu irgenb einer miffenfd)aftlidjen Stufgabe; nod) anbere finb burd) bie überfßannten Stnforberungen in ber (Sntmidtung ber teibtidjen unb gei= fügen Strafte gehemmt, frübjjeitig erfdjBpft unb für bie Strbeit, metdfe bad ©tubiuut ber SBiffenfdjaft unb bie ißrayid bed Sehend forbert, abgeftumpft. ®od) ed genügt, an fold)e ßerrbilber ber SEBirtfamteit ber ©hmnafien, berien fid) nod) manches beifügen ließe, gu erinnern, ßugeben modjte man, baß oberflädjltdje 33eobadjtung ben einen unb anbern 3 ug 31 t benfetben in ber SEBirtlidjteit gefnnben; aber baß berfetbe eine natürliche grudjt bed fpumanidmud fei, baß bie angebtidjen ober, mirttidjen, in bem 33itbungdftanbe marge= nommenen fanget unb SSerJc^rt^eiten ber Stbiturienten atd uot^toenbige Sonfequengen ber Sltterthnmdftubien 3 U betradjten feien, mußte man mit fpinmeifung auf bie 2 Btrffam= feit ber miffenfdjaftlidj ©ebitbeten atd einen groben 3rrtl)um löe§eid;nen, ber nur batjer entftehen tonnte, baß man bad, tnad bad (Srgebnid Bieter, nicht gteid) in bie Stugen fattenber gactoren mar, auf einen einzigen ohne nähere Prüfung gurücfführen gu tonnen m einte. ®ie Stngriffe bed fpumanidnutd auf ben ffteatidmud. Sd mar gu ermarten, baß ber £>umanidmud ed bei ber Stbmehr ber fdjarfeit Stngriffe — ber fd)ärf= jten, bie er jematd erfahren — nid)t bemenben taffen, fonbern aud) bie OffenfiBe er= greifen mürbe. ®iefe Srmartung, fo gegrünbet fie mar, gieng feinedmegd in bem SOiaße in (Erfüllung, mie man hätte oermutt)en bitrfen. SBad er in biefer Stiftung tt;at, er= folgte mehr getegenttid) bei ber abgenöthigten S3ertheibigung, atd baß er fid) aud-ber Setämpfung bed ©egnerd, mie biefer gegen it;n, ein ©efdjäft gemad)t hätte. ®ie 23e= meggrünbe für bied Verfahren tagen in feinem ©elbftbemußtfein. , 3 unäd)ft mußte er fid) in einem lange begrünbeten unb nid)t Ieid)t gu erfdjütteruben SSefi^ftanbe; er fal) Bor fid) ein beftimmted 3 iet unb lDD ^ geebneten SBeg; er fdjmantte nicht in feinen ÜDtitteln unb tonnte auf fid)tbare (Erfolge feiued S53irEen§ hinmeifen. ®ied atted gab it;m Bon oornherein bad ©efüt)! ber lieb erleg ent) eit, metdjed freitid) auf mandjen ©eiten in jene bebenttidje ©orgtofigfeit übergieng, bie ben ©egner ignorirte ober mit @eringfd)ä( 3 ung behanbette unb mit bem eignen ®h un unb SBatten gufrieben bie ©djäben, bie baheint ber S3efferung beburften, überfal). ®odj biefe ©idjertjeit unb ©orgtofigfeit tonnte nid)t lange ©tanb haltert, bad ®oben unb Sännen bed geinbed mar gu ftart, atd baß man ed hätte überhören bitrfen, man mußte gur Stbmehr fdjreiten unb Bon ba gunt Stn= griff mar nur ein ©djritt. ®aß babei ein gemißer Unmuth taut mürbe, burfte nicht SBunber nehmen. ©0 gefdjah ed benn, baß man nid)t fetten bad Stuftreten bed fReatidmud atd ein un= berechtigted begegnete unb itjm überhaupt bad 9ied)t ber (Ejifteng, bad er gu ertämpfen fuchte, beftritt. (Ed tag babei bie Uebergeugung gu ©runbe, baß bie ©hmnafien alten S3ebürfniffen genügten ober bod) leicht genügen tonnten, unb baß, mcnn ber fKealidmud befonbere Stnftatten für fid; forbere, bied nidjt in ber ©adje felbft, fonbern in irgenb etmad anberetu feinen ©runb hübe. 3n biefer S3egiet)ung mied man moht hin auf bad reBolutionäre ©ebahren, bad fid) mit ber gorberung Bietfad) Berbanb, ober auf ßäba= gogifd;e £I) eoreme » toetdje fid) in einem neuen ©ebiete gettenb gu madjen fudjten. (Ed mar nun aber jebenfaltd ein Srrthum, menu bamit ber eigenttidje ©ntnb für bad £>er= Bortreten bed 9iealidmud erttärt fein fotlte; gufättige (Erfdjeinungeit unb begleiteitbe Itmftänbe mürben für bie ©ad)e fetbft genommen. ®ie 9teootutionäre unb päbago= gifdjen SDSarttfdjreier begegneten einem in bem „SSährftanbe" —bad SBort in feinem alten untfaffenben ©inne genommen — meit oerbreiteten 33ebürfniffe unb Verlangen nach Senntuiffen gur gorberung ber mannigfadjen Sntereffen unb nur barutn fanben fte 640 Humanismus unb StcaliSmuS. 33eifaß. ©aS Verlangen felbft aber mar burdj bie auf bem ©raube t;öt>erer Sntetligenj erfolgenbe reifere Sntfaltung unb AuSgeftaltung aller SebenSoerhältniffe unb bie ba= burdj gegebene ßurüdmirfung auf ben ©emerbfleiß gemedt, b. Ij- es mar aümäljlidj ge= madjfen, nicf)t gemalt unb fünftlidj erjeugt. ©ieS mußte jeber, bcr bie tljatfädjlidjen Skrljättniffe unbefangen betrachtete, einräumen. ©ie grage bagegen, ob bie @tjm= nafien bem ermadjten Verlangen Söefriebtgung fd^affen fonnten, toar nidjt fo leicht ju entfcfjeiben. ©ent in feinen Sehranftalten in SBirifamfeit tretenben Realismus mürbe oon bem Humanismus ber SSormurf gentadjt, baß er nichts h&h ere§ ^ emte unb erftrebe, als baS D'Jii^lidje, baSjenige, beffrn SBertlj fid) „meffen" unb „beredjnen" laffe, baß er bem SltaterialiSmuS bienftbar fei, ein SSortourf, melcfjer bei feinem erften Auftreten oieüeidjt nur ju begrünbet mar. ©ieS lag tbjeitS in ber Srridjtung biefer Anftalten burdj @e= meinben ober befonbere ©efeüfdjafteu (f. o. ©. 627), ttjeilS in bem SJiangel tüd)tiger Sehrer, an benen eS anfangs feljr fehlte. Senen maren nur foId>e UnterridjtSobjecte genehm, bie ben SrmerbS= ober ©emerbSjmeigen, bie man burdj bie Schule heben mottte, Ausbeute oerfßradjen, biefe maren oft ihrer Aufgabe gar nidjt gemadjfett, mie j. Gs. menn „©pradjmaitreS bie franjöfifdje unb englifche Umgangs» unb HanbelSfpradje, £>ber= feuermerfer unb SSauconbucteure ßraftifdje äftatljematif unb nodj anbere äljnlidje fjac^= männer ÜJtafdjinentuube ju lehren" berufen mürben, ©tauben nun bie üerfdjiebenartigften Unterridjtdjmeige in bunter 9?eilje neben einanber, jeber oertreten oon einem SOtann, ber in ber jjraftifdjen Anmenbung beSfelben ganj tüdjtig fein mochte, jurn Sehren aber nicht oorbereitet mar unb baju nodj oieHeidjt genöthigt mürbe, in einem ©egenftanbe ju unterrichten, oon bem er bis bahin menig ober nidjtS oerftanb, fo mar ber meitere, oielfach gehörte SSormurf, baff alles Sernen in jenen Slnftatten auf eine jufammeuljang* lofe, oberflädjlidje ÜSiefmifferei hinauSfomme, baff eS an einer grünblidjen, miffenfdjaft= lidjen unb fittlidjen SBilbung ganj fehle, nur ju begrünbet. Als baS oornehmfte ®e= bretfjen beS Realismus mußte enblicfj baS bejeidjnet merben, baß er fein 3^1 nicht flar erfaßt hatte, baß er oielfach bie ©ede, bie er immer als bie feinigen betrachtet hatte, ju gefäljrben. ©iefe burfte man aüerbingS bejahen, menn man in Gtrmägung 30 g, baß bie in bem ©tjmnafium ermorbene 3 nt eis ligenj bem Kaufmann, bem fyabrifanten, bem ©edjitiler, bem Sanbmirtlj u. f. m. für feinen 33erufSfreiS genügen merbe; oerneinen mußte man fie im Hinblid barauf, baß eben biefe Snbioibuen gur Srmerbung jener 3 ntetligen 3 oiele ßeit unb üDlülje auf ntandje ©egenftänbe üermenben müßten, bie fie nadjher nidjt brauchten, unb baß fie mandje fjofitioe Äenntniffe, bie ihnen notbmenbig mären, nidjt in bem erforberlidjett SÖiaße er= langen mürben. ©ajn lonnte man fidj ntdjt oerhehlen, baß baS ganje Heer ber „ißraf» tifdjen" möglidjft rafdj, mit bem geringften Attfmanbe oon 3 e it unb ©elb, junt 3^ e gelangen, für bie ißrajäS befähigt merben moüte unb auch beSljalb gegen ben langen 2Beg burch baS ©ijmnafium eine unüberminblidje Abneigung hatte. ßeigte fidj aus biefen ©rünben ber ©ebanfe, baS ©tjmnafium als S3ilbungSftätte für alle ©tänbe feftjuljalten, nicht mohl ausführbar, fo gab man ihn barunt nidjt auf. SOian fieng oietmeljr an, auf eine biefem 3'oecfe entfpredjenbe Umgeftaltung beS @tjm= uafiumS ju finnen, unb mar bemüht, bie (Sintjeit ber Ijöljern, über bie S3otfSfdjule htn- auSgehenben 23ilbungSanftalt ju mähren, ©ie 23emeggriinbe maren fehr anerfennenS= Humanismus unb iScatismuS. G41 «erth, man fah in biefer Ginheit bie Ginheit unb Gintradjt ber Ijefyern, leiteuben ititb tonangebenben ©tänbe gemährt; gieuge bagegen baS @t)iunafiunt mit 3luSfd)eibung alter realiftifdien Glemente feinen SBeg unb bie 9iealfd)ute ben irrigen, fc mürbe, fürstete man, jenes mit feinen für miffenfdjaftlidje ©tubieit beftinimten ©d)iilern fid) immer attSfd)ließlid)er in baS Ülltertfyum vertiefen unb bie il)m natiirlidje STenbens, fid) oon ben Slnforberungen beS gegenmärtigen nationalen unb focialen ficbenS loSsufagen, in ifjrer sollen Goufeqitens »erfolgen, biefe bagegen tebiglid) bie Sntereffen ber ©egenmart oor Stugen I)abenb eine rein moberne unb — mie man mit 9fad)brucf I)eroorl)ob — natio* nale Vilbung 31 t fdjaffcn bemüht fein unb felbft bie gä^igfeit, bie 93ebeittuitg aud) ber eignen Vergangenheit für bie ©egenmart 31 t mürbigeit, »erloreit gel)en taffen. ©0 mürbe beim bie ©paltung unb Trennung ber ^ij^ern VilbungSanftalten in smei 3lrten unb Glaffen ben ©egenfajs ber antifen unb mobernen, ber gelehrten unb nationalen Vilbung in baS Seben felbft übertragen, ben 9iiß jmifc^en ben „theoretifdjen" unb „praftifd)cn" ©tänben bis ju einer unheilbaren Äluft ermeitern unb bie Verftänbigung über bie mid>= tigften Sntereffen, bei benen alle ©lieber ber ©efetlfdiaft gteidjmäßig betheiligt mären, außerorbentlid) erfdßoeren, mo nid)t gar unmöglich madjen. 2 )er@efat)r, bie bat)er ber galten bürgerlichen ©efettfrfjaft 311 brol)en fdjieit, glaubte mau mit bem ®efammtgt)mnafium (f. ©dieibert, ipäbagog. 9ieoue 33. 25 , ©. 351 ) begegnen 3 U föitnen, b. h- einer foldjen llmgeftaltung unb 9ieform beS ©hmnafiumS, bie eS in ben ©tanb fe( 3 te, ben SSebürfniffen ber „theoretifd)en" unb „praftifdjen" ©tänbe jugleid) 3 U genügen. 9ln i]3länen unb Vorfd)tägen für bie 2lit8fül)rung mar faft Ueber* fluß unb bie Verfd)iebenl)eit ber 2lnfid)ten, bie fid) barixt tunb gab, mirlte beinahe mehr »ermirrenb, als aufl'tärenb. 3)a8 Gine aber hatten faft alle Veajecte gemein, baß fie gteid)fam im üBetteifer, liberal ju fein, ber ©ageSmeinung entfpred)enb bem 9feaIiSmuS auf Soften beS fpumaniSmuS fel)r meit gehenbe Gonceffioneit mad)ten. @emöl)n= lid) fdjieb man baS ©hmnafium in baS untere unb obere. 2)aS untere mar größten* tl)eils für bie „9?ealiften" berechnet, benen fid) bie fpumaniften anbequemen mußten. 3lbgefel)en oon bem tedjnifdjen Unterridjte im ©djreiben unb 3^dinen, bem in 9teIigion, @efcbid)te, ©eografhie, 9?aturgefd)id)te, 9ied)iien unb Seutfdien lief? man bafelbft mit ber franäöfifdjen unb englifchen ©ßrad)e ben 3lnfang mad)en. ®ie lateinifcbe ©prad)e trat gemölmlid) erft in ber »ierten, bie gried)ifd)e in ber britten Gtaffe ein unb öfter mit einer fo geringen 3al)t optl ©tuuben, baß fdjon baruut fein redjter Grfolg ermartet merbeit fonnte, menn aud) bie baneben I)crgch en ^ en r rganifation aud) benjenigen ©dpUern, meld;e für bad bürgerliche Sehen ifyre SBilbung in biefen ©djülen fudjen, felbft für ifjreu nädjften 3med nur förberlidj fein fömte, fdjeint feit ber Seit fid) immer ntefyr Eingang oerfdjafft ju haben. Unb fo barf man mol;l annefymen, baß ber lange (Streit jefjt ju bem 6rgeb= niffe geführt hat, baß ber .fmmanidmud ber ©pmnafien ftetd reale 3^^ oerfolgen unb ber SRealidmud ber SRealfdjulen -ßrincip unb Den beug beS .fjumanidmud feft im Stuge bemalten foße.*) Siteratur: 3m aflgemeineit muß auf benSlrtifel „©eleljrtenfdjulen" 33. II. oermiefen merben, im befonbern finb fjeroorguljeben: ©efdjidjte ber Srgieljung unb bed Unterridjtd im Slltertljum Oon gr. Sramer. — Spanbbudj ber ©efdjidjte ber griedjifdj=römifdjen Spiji- lofopljie Oon 33ranbi8. — ©efdjidjte ber Sßljilofopljic oon SRitter. — (Srljart, ©efdjidjte bed SBieberaufblüljend ber miffenfdjaftlidjen Sßilbung. — SSoigt, bie SBieberbelebung bed claffifdjen Slltertljumd. — Ulrich oon Tratten oon 3). ©trauß. — SDMandjtljon, Praeoeptor Germaniae Oon Slbolplj -plant. — Sßtjilipp SRelandjtljond Schola privat» ton Dr. S. Aod). — Sofeplj 3uftud ©caliger Oon 3. 33ernat)d. — De linguao latinae in Germania fatis oon 3af. SSurdfjarb. — Dissertatio de lingua latina oon Staubmann. — Desiderata Methodus nova Eatichiana. — fturger 33eridjt oon ber Didaetica 2Bo(f= gangd Ratichii Oon fpelmig unb Sunge. — Bürger SSericht über biefelbe Sefjrfunft Oon etlichen Sßrofefforen oon ber Uniöerfitcit 3ena. — J. A. Comenii Opera Didaetica omnia, Stmfterbam 1657. — ©djloffer, ©efdjidjte bed achtzehnten Satjrljunbertd. — Dad33afe= bom’jdje Slementartoerf, gmeite Stuf läge. — Submig SRenatud, de Caraduc de la Cha- lotais, SSerfudj über ben Unterrid)t ber Äinber, aud bem Örangöfifdjen überfefd, mit Slnmertungen unb einer SSorrebe, bie Unbraudjbarfeit unc ©d)äblid)feit ber SBafebomifdjen Crjief)ung8=SProjecte betreffenb, oon ©hlöjer 1771. — ©ocumentirte SSefdjreibung ber 6d)lbser’fd)en Saaten miber bad Slementarmert oon S3afebom, 1771. — Slug, .^ermann Srande oon ©uerife. — 2)er ©treit beS -ß^ilant^rcpidmuS itub ,f)umanidmud oon 9Siet= Jammer. — SRufeum ber Slltertfyurnsmiffenfd^aft oon g. 31. SBolf unb S3uttmann. — 3eitfd;rift für baS ©pmnafialmefen, fieraudgegeben oon (Ipepbemaitn unb) 2Rüijefl, be= fonberS bie erften 6 3al;rgänge oon 1847 — 1852. — 3?eue Sa^rbüdier für fpijilologie *) 3n ©übbeutfcbtanb, bießeicfit auc^ bie unb ba in Storbbeutfdßanb, barf uadj uuferer Slnftcbt biefe« ?facit noip Icinesmegg auf aßgemeine 3nftimmung rechnen, infofern namentlich bie Stnfnabme ber lateinifdjen ©pra^e unter bie Unterricbtgfäcber ben SHnftchtcn bteler uitb namhafter SRealfcbulmänner, meld;e bie humane Sitbung burth bie mebernen, ftatt burtf; bie clafftfchen ©pradien erreichen motten, entgegen iß. Gin», smeiclafftge Stealfchuten für bie Ainber be8 mitt= lereit SSiirgerftanbeg bis jum I4ten 3ahre finb freilich fepr meit bon folcpen Stnftalten entfernt, mie biejenigen, für metebe bie prenjjifche llnterrid;ts= unb i|3rüfunggorbniing beftimmt ift. Stber and) in unfern größeren Sfteatfdjnten mitl man nid;ts bom Satein. ®ie Sieb. 644 ■£umanidmud unb Stcalidmud. ■gmmbotbt, 2Ö. u. unb ^ütagogß, h e *' a ndgegebett Den ftlof;, SDietfd) unb glecfeifen; ))3äbagogifd)e Stebue, heraudgegeben een SDtager, ©djeibert, Sangbein unb Sühn; 3eitfd)rift für bad ®etel)rte= unb 9icalfc&ulWefen, ^erauägegeben Don ©chntfjer — alle biefe Dorgugdweife aud bern Dorl)in begegneten ßeitraume. (SBir oerweifen baneben auf Diele Slrtifel biefer Gsnd)= Hopätie, nameittlidj: ©ofrated, f|5tato, Slriftoteled, SRBmifdfe Srgiehung, SÜJütelalterlidjed ©djuliDefcn, Sradmud, 9ieud)ün, Sutlfer, 2)?etand)thon, Baco, 9tatid)iud, Slntod (Som= meniud, Sl. grattefe, BafeboW, @t)mnafium, 9tealfd)ule, Bilbung, Sateinifdte, @ried)ifd)e Sprache, Sfaturwiffeufdfaften u. a. S). 9teb.) Dr. ©effetd. ^niuauiftiftOc fßäbapgif, f. )|3äbagogif, il)re fttieptungen. §mitbolbt, Sari Sßilfyelm D. ®d ift feine leidjte ©ad;e, bie ©arfteßung eines fo reidjett unb mannigfaltig bewegten Sehend, wie bad SBilhetmd Don (pumbolbt war, in bie ©rettgen gufanimengubräitgett, Weld)e ber 3 We 4 ber pitbagogifd)en ®uct)flopäbie Dorfd;reibt, gumat ba bei aller Bebeutfamleit ber eingelnett Seiftungen beS SJtauned feine eigentliche ©reffe bed) ttod) mehr in beut beftanb, Wad er war, ald in bern, mad er leiftete, unb bemgemäff bad Sntereffe an feinem Seben mehr nod) ald an bie Sebendrefultate an ben Sebendproceß felbft ftd) antnüpft. SBenn wir und aud) hi« wie billig barauf befdjränfen, nur bie päbagogifdje Bebeutuitg §.'8 ind Sidjt gu fefsen, fo ift bed) and) bied fe lcid)t uid)t abgetl)att, ba ed babei Wieberum nid)t fowopl auf bie ©arfteßitng eiued auf befenbere 3 wet fe gerichteten päbagegifdjen SBirfend unb 3lr= beitend, ald auf bie ©d)i(berung einer päbagogifdjen fßerfönlidjfeit anfommt, Dermege Deren Jp. ald ein leud)tenbed Sftufter ber ©elbftergiehung baftept, weldjem unter ben bebeutenben Söiantteru ber neueren 3 e ^t oieUeicht nur ©d)leiermadjer au bie ©eite ge= fefjt werben fann. Slud) ber 9teidjthunt biograpI)ifd)en SRatcriald ift ber Singe ber SDarfteßuug ebenfo ßinberlid), ald er ber eingehenben @ritnblid)feit berfelben förderlich ift. Slld autlpentifd)e Cueße liegen und bie uoit Sllcpanber Don §umbolbt beDerWorteten, Den Sari Brattbed h&'audgegebeneti ©efammelte SBerfe SBilpelmd Don fpumbolbt, 7 Bbe., Söerliit 1841—1852 oor, Weld)en in Begug auf bad innere Seben bed üDtauned feine „Briefe an eine grettnbin“ (Sludg. in 1 Bb. Seipgig 1860) unb ber Don fp. felbft heraudgegebene „Briefwedjfel gmifdjen ©d)ißer unb SB. D. ^mnibolbt" (©tuttg. u. ©üb. 1830) ergangenb gur ©eite treten, in 33ejug auf fein politifdjed SBirfen befonberd bie gaplreidjen uttb wichtigen Berüffeuttidjungen in bem 'tßer^’fajeu Seben ©teind. 2U§ Bearbeitung biefed üDfateriats ift bann auf ©nftaD ©djlefterd Derbienftooße „®rinnerun= gen an SB. o. §umbotbt" (2 ©lß c - ©tuttg. 1843—1845), in neuerer 3 e it bie mufter= hafte Biographie 9?. f?at)m'd gefolgt (SB. o. fpumbotbt, Sebendbilb u. ®harafteriftif, Berlin 1856), neben Weldfer Don gal)lreid)eit fleineren Sluffäfjen nod) bie ©arfteßung SJarttbagend unb mehrerer Sluffäpe Don 2Korig Karriere über SB. D. fpuiitbolbt ald ©dtrift* fteßer (Slitgdb. Slßg. 3eitung, Beilage 1853 92r. 30 unb 34; 1856 92r. 36 unb 37) befoubere Srwahnuug Derbienen, fowie über ,!p.’d ©pradßoiffenfdjaft indbefoubere bie Schrift ©teinthald: 3)ie Sprachwiffenfd)aft SB. D. §umbolbt’d unb bie ^egel’fdje P)i= Iofopl)ie. Berlin 1848. ®d wirb am jwedfmajjigften fein, mit einer ©arfteßung bed äujferen Sehend* ganged §.’d ju beginnen uttb in biefe bie ßrwähmutg bed SBid)tigften aud feiner attfer= halb bed päbagogifdfen ©ebieted liegenben SBirffamfeit, fowie feine bebeutenbfteu ßterari= fdjen Slrbeitett ju Derwebett, barauf bie ©arfteßititg feined birecteit päbagogifd)en SBirfend uttb bed Sinftuffed folgen gu taffen, weldjen er burd) feine wiffenfd)aftlid)e S©hatigfeit mittelbar aud) auf bie bßäfcagogif übte, uttb enblid) mit einem gitfantmenfaffeuben Bilbe feiner eblett unb grogartigen päbagogifdfett -|JerfönUd)!eit gtt fd)liejjen. ©etreit bent ©ruttbfa^e §.’d felbft, baff gur richtigen Srfeitutnid eiued gegebenen ©bjected, gitutal eined aud mannigfaltigen SÖJomenten gufantmengefehteit, in bem Begrei» fettbeu fd)on ein Slttalogoit bed nad)l)er wirtlid) Begriffenen Doraudgefe( 5 t werte, eine Dorhergättgige, urfprihtgtidjc llebereinfttmmuug gwifdjett beut ©ubject unb ©bfecte (§at)itt ©. 466), ein tttrd) bie Slnfdjauttng unmittelbar gewonnenes ©efantmtbilb ted §um6otbt, SB. 0 . 645 ©egenftanbeS, in bcffen cinjelne ÜRomeute bann tie weitere 33etrad)tung einjuge^en hat; fudjen wir »or adern nad) einer formet, welche unS gleid)fant barftellt, woraus geiftigeS Seben erwadjfen ift. Sind; tiefe gormel bietet tp. mit ber ihm eigenen jllarheit über feine eigentl)ümlid)e Sebendanlage unb SebenSaufgabe fetbft unS' bar. ©cf)on als äweinnbjwanjigja^riger 3üngling fdjreibt er angorfter: „3eber fOtenfd) muß in baS ©roße unb Oanje Wirten, nur WaS bieS ©roße unb ©auje genannt wirb, tarin liegt meinem @efüf)l nad) fo toiel Säufdjuug. 9Jiir Ijeißt in baS ©roße unb ©anje wirten, auf ben Kl)arafter ber 50?enfd)fyeit wirten, unb tarauf wirft jeber, fobaib er auf fid) fetbft unb bloß auf ftd) wirft.-Ser wahrhaft große, b. i. wahrhaft inteUectuett nnb moralifd) auSgebilbete SDSann wirft fdjon baburd) allein mehr als alte anbern, baß ein fotdjer SÜtenfd) einmal unter ben SOtenfd)en ift unb gewefen ift" (@ef. 2Berfe, I. ©. 289 f.). Unb ein 3at)r f pater: „Sie ©ä£e, baß nidjtS auf @rben fo widjtig ift, als bie ^öd>fte Straft unb bie oielfeitigfte SSilbmtg ber Snbioibuen, unb baß bal)er ber wahren SJtoral erfteS @efe(5 ift: 23ilbe bid) fetbft, unb nur i^r äWeiteS: wirte auf anbere burd) baS, WaS bu bift; biefe SDSapinten finb mir 31 t eigen, als baß id) niid) fe babon trennen tßnnte" (©. SB. ©. 292). 3n ber Sf)at ift £>. biefen SDtapimen bis au feiu Kitbe treu geblieben; benn nod) in ber fyerrtidjen ginleitung 51 t feinem Sßriefwed^fel mit ©djitter (©. 8 ) beftätigt ber ©reis, was einft ber 3ilngling auSgefprocfjen: „®S giebt ein unmittelbareres unb ootlered SBirfen eines großen ©eifteS als baS burd) feine SBorte. Siefe jeigen nur einen Sfyeit feines SBe= fenS. 3n bie lebeitbige Krfd)einung ftrömt eS rein unb oodftänbig über. Stuf eine Slrt, bie fid) einjeln nidjt nadjweifen, nid)t erforfdjen läßt, weldjer fetbft ber ©ebanfe nid)t ju folgen oermag, wirb eS aufgenommen oon ben 3«tgenoffen unb auf bie fol= genben @efd)Ied)ter oererbt. SieS ftitte unb gteid)fam magifdje SBirfen großer geiftiger Staturen ift eS oorjüglid), WaS ben immer wachfenben ©ebanfen oon @efd)ted)t 31 t @e= fd)ted)t, oon S3olf 3 U S3olf immer mädjtiger unb auSgebreiteter emporfprießen läßt." SOtit jener SDlajime aber ^at ber Senfer ben ©egenfajj 3 ur I>ot)ercn ©inl)eit jufammen* gefaßt, wetten ber Sidjter in etwas fdjroffer SBeife in bem Siftidjou auffteüt: Stbct ift aud; in ber fitttid;en SBelt. ©enteilte Staturen 3aljlen mit bem, wag fie tbun, ebte mit bem wag fie finb. ein Slbeliger im fdjonften uttb Oollften Sinne beS SBorteS, ^iett eS nid)t für unebet, baß ber ÜJtenfd) aud) mit feinem Stjitn ja’file, für ebet aber tjielt er nur baS St)un, wetd)eS auS bem ©runbe eines ebeln ©eins naturgemäß t)eroerwäd)St unb nur bie äußere ©rfd)einung beS eigentt)ümlid)en ©eins beS SDtenfdjen bitbet. — Sion tiefem ©tanbpunde auS, wetd)en er fetbft und be§eid>itet hat, oerfudjen wir nun baS reidje Sehen beS ÜDlanneS 31 t erlernten unb 3 U oerftet)en. Äart SBit^etm oon §>umbotbt war ber ©ot;n beS Äönigt. preußifdjcn 5D?ajorS unb Äamnter^errn Sllepanber ©eorg oon fpuntbolbt unb am 22. 3uni 1767 31 t tpotS» bam geboren, 3 Wei 3al)re oor feinem 33ruter Slteyanber. ©d)on ber Sttabe trat 31 t ber moternen tßäbagogif, Wetdie bamatS baS Sntereffe ber ©ebitbeten weithin bewegte, ba= burd; in 23e3iel)ung, baß in feinem oätertid)en fjaufe 3oad)im Kampe (ärjiel^er War unb bis in bie SÖSitte ber fiebenjiger 3al)re blieb. ©d)on 1779 oerlor §utn 8 olbf, 2 ß. 8 . 3öKnerS Üefebud; für alle ©tänbe erfd;eiiten (VIII. ©. 186—256; je( 3 t auch in beit @. 2S. III. ©. 103—141). ®or beu plumpen unb gefd)matfIofen Sptremen ber 2luf= tlärerei übrigens blieb fp. fd;on burtf; ben Sinflitß ber arifto!ratifd;en ©rabition, in melier er attfgewad;fen war, mel)r itod; bitrdj feinen äftl;etifd;en ©inn unb fein freie« ©efüfyt unb SBerftänbniS für inbibibueHe Sigenthümlid;teit bewahrt, wie i^m benn aud; in Sngel, ber neben ©ofmi auf bie Silbung beS Jünglings einen nid>t nnbebeutenben Sinflitß übte, bie berliner Sluffiärung in ber milbeften unb anftänbigften gornt entge* gengetreteu War. 3nt fjerbfte 1787 begog Jp. mit bem trüber 9ltepanber unb mit Äuntl; bie liniberfität gu grantfurt a. 0., um JuriSprubeng gu ftubiren, neben welker Um jebod; baS ©tubium ber 9lltertI;umSmiffenfd;aft unb ber Stantifdjen if3^Ucfopf)ie ftetS auf baS angelegeittlidifte befd;äftigte, unb gieng Dftern be« folgenben SahveS nach ©öttingen über, wo nantentlid; ber Sinflitß .'pepne’S für ihn bebeutfam würbe. 9Jtit bem ©ommer 1789 Würben bie UniberfitätSftubien beenbigt, unb eine nod; im ©pat= fommer biefeS $al;reS in Sampe’S ^Begleitung unternommene DZeife nad; Paris, fowie eine im fpcrbft auSgefiil;rte ©djWeijerreife foHten auf eine angenehme 2Beife gu einem bieibenbeu Aufenthalte in ^Berlin überleiten. fp. hatte eS berftanben, wäl;renb biefer Sehr» unb 2Baitberjal;re nidjt bloß bieler SDZenfdjen ©täbte 51 t fel;en, fonbern gang be= fouberS bie 50 ( fcitfd;en felbft unb ihren ©inn fennen gu lernen, ©ie unjtd;tbare @e= rneinbe, 31 t Wetdjer fd;on feit ÄlopftocfS 3^it im Sewußtfein, bie Vertreter eine« neuen geiftigeu SebenS 3 U fein, bie ©eiftreidjen unb „Stupfinbfatnen" fid; gnfammengefdjloffen hatten, beftanb nod; fort unb würbe fegt gang befonberS in Berlin in jenem Sreife gepflegt, beffeu Sh'ittelpunct Henriette .fpeip, bie greunbin ©en, weiter ihm beit 3 ntritt gu allen fDZitgliebern jener geiftigen fffrifto» fratie geftattete. Sr befudjte, um nur einige ber bebeutenbften 23efanntfd;afteu gu nennen, auf feinen 9ieifen 3of)ann oon StZiitler, War in Pempelfort Safobi’S fet;r witlfommener ©aft, berfud;te and;, fid; mit Sabater guredjt gu finben. 2lm imtigften aber war fein ükrhältitis gu fforfter. 93eibe oerbanb berfelbe reine, für alles lDtenfd;Iid;e empfängliche unb babei bod; immer auf baS ©roße unb ©ange gerichtete ©inn, biefetbe fittlidje 23e= geiftenmg, biefelbe Klarheit ber Sluffaffung unb ©djärfe beS SBerftanbeS, wenn aud; Sp. bei ber mehr empfänglidjen als felbftthätigen Dichtung feine« ©eifteS unb bei feiner angeborenen unb anergogenen größeren DZiidjternheit einen IBerfud;, feine Infiditen pra!» tifd; gu machen, Wie ber, Weld;er beut ebten jforfter ben Untergang bradite, nicht hätte wagen tonnen. 3ui 3uli 1788 entftanb aud; in Pprmont bie Söefanutfdjaft mit Sl;arlotte ©iebe, auf beren ©runbe fed;Suitbgwangig 3ahre fpäter jener 5Briefwed;fel erwuchs, ber uns in baS innere Seben eine« unferer ebelften ©eifter bie erfreulid;ften Sinblide thun läßt. SBaS fp. am 20. 3uli 1788 ber fyreunbin in’S ©tamitibud) fdirieb, giebt ein einfadfeS unb dfarafteriftifdjeS S3ilb feiner ©efinnung unb bamaligen ©timmung: „©efiihl fürs SBahre, ©ute unb ©d;Bne abelt bie ©eele unb befeligt baS |)erg; aber waS ift eS, felbft biefeS ©efühl, ohne eine empfinbenbe ©eele, mit ber man eS feilen tanit.“ Dfod) Weit folgenreicher würbe jebodi für §. bie burch ben ^erh’fchen ÄreiS »ermittelte 23efanntfd;aft mit Sarotine bon ©adjeröben, welche er bor feiner DZiidfehr nad; 93erliit in Srfurt leimen lernte, Wo er aud; gu bem Soabjutor bon ©alberg in nahe 93egiehung getreten War. SBenu nun aud; §. fegar in ber befdjeibenen ©tetlung eines DieferenbarS beim Sammergericht @elegenl;eit fanb, bie ©üd;tigleit, ffreifimtigfeit unb ©elbftänbigleit feines ©eifteS gu bethätigen, fo tonnte ihn bod; bei ben @runb= fäfjen, bie er fid; angeeignet, unb bei ber ffitlle fruchtbarer Sinbrücfe, bie er aufge= §uutbolbt, SB. u. 647 ttomnten, ba« ^Berliner Heben auf feie Sauer nidjt beliebigen, jumal ba xtt ba« gelb, loel^e« bi« bat)in ber GsuthufiaSmu« ber Slufflärung beljerrfcbt hatte, nun 2ßültner'fd)er DrthobopiSmu« unb ©enh’fdier GpitureiSmu« fid) feilten. @d)on am 16. Sluguft 1791 fonnte er non Surgörner, einem in ber 9iäl;e non SJtanSfelb gelegenen Sadferöben’fdjett @utc, an gorfter fdjreiben: „ 3 d) habe mid) nun Oott allen @efd)äften loSgemadtt, Serlin neriaffen unb geheiratet, unb lebe auf bent Sanbe, in einer unabhängigen, felbftgemäblteu, unenbtid) glücflidjen ©jiftenj/ Sie im 3uli 1791 erfolgte (Eingehung feiner in jebem 93etrad)te mufterljaften (Ehe mit (Earoline non SadjerBben fd)liegt bie erfte ißeriobe be« Heben« fp.’S ab. ßum Selneife aber für bie ftet« fid) gleid) bleibenbe munberbare ©tätigteit feine« ©eifte« fiub in tiefer erften f)3eriobe bie mcfent» lidjetr Seftrebungen, meieren er fein ganseS lieben tnibmete, fänuntlid) im Äeime bereit« norljanben. 2öie er mit Harfter ©id)erl)eit feine umnanbelbaren fittlid)en ©runbfähe bereits au«gefprod)en b»at, fo ift aud) bie S3etanntfd)aft mit g. St. Sßolf bereit« gemad)t, burd) meld)e fein ©tubium non Äitnft unb 9lltertl)um gorberung erhielt, (bie lleberfetsung be« (Eumenibendjor« au« 2tefd)t)Iu«’ Stgamemnon erfdjeiut 1793 in ber 33ertiner SDtonatS» fdjrift), unb in ben fd)ou längere 3eit norbereiteten unb 1792 nollenbeten „Sbeen 31 t einem IBerfud), bie ©rengen ber SBirffanifeit be« ©taate« 3 U beftimnten* (erft in neuerer ßeit au« £>.’« Stad)laffe notlftänbig herausgegeben non Sauer. 33re«tau 1851) lag ba« Programm feiner politifdjen SBirifamteit nor, bem er in nielett mefentlidjen ißuncten fein Heben lang treu bleiben tonnte. Sie streite ißeriobe nott £>.’« lieben batiren mir billig non bem ^Beginne feiner näheren Söegiehurtg 31 t ©djiller. ©d)on früher hatte er ben Sidfter mieberholt gefehett. 33om gebntar 1794 bi« 3 um 3it(i 1795 nahm er il;m 31 t Siebe feinen Slufenthalt in 3ena, unb lehrte bahin, nad) einem längeren 23ermeilen in Segel unb nad) einer im ©pätfommer 1796 mit feiner gamilie unternommenen Steife burd) Storbbeutfddanb, im fjerbfte biefe« 3al)re« nod) einmal auf längere 3«t jurüdf. Sa« reid)e geiftige iO?ate= rial, m'eld)e« fp.’S nielfeitigc unb träftige (Empfängliddeit gefammett hatte, mürbe burd) ©datier« ettergifdte unb fdjmuugootte ©elbftthätigteit in 23emegung gebrad)t. £>. fal) fid) 3 ur ißrobuctioität aufgeforbert, mährenb er feinerfeit« burd) ben 9teid)tl)um feiner Senutniffe unb burd) feinen Haren unb feinen tritifdjen SBerftanb, meldter mit ber be» geiftertften SSemunberung be« ©eniu« fid) paarte, bem Sid)ter in hßh em ®rabe förber» lid) mürbe: eine ebtere greunbfd)aft hat e« nie gegeben unb in bem 23riefmed)fet beiber gremtbe ift rl;r sugleid) ba« mürbigfte Sentuial gefegt. Slußerbem »erbanten mir ber »on ©düüer auSgegangenen Slnregung fp.’S Stecenfion über 3atobi’S SBolbemar (1794) unb bie in ben fporen erfd)ienenen Sluffä^e „lieber ben @efd)ted)t«uttterfd)ieb unb bejfen ©inftuß auf bie organifdje Statur" unb „Heber männliche unb meiblidje gorm", mährenb ber mäd)tige Sinbrucf, metd)en @ötl)e’«, burd) bie 23eriit)rung mit ©d)iüer gleid)» faß« herrlid) mieberermad)te ißoefte auf fp. mad)te, beffen au«führlid)e« SBert „lieber Oothe’S ^ermann unb Sorotl)ea" (9teftl)etifd)e 35erfud)e, 1. ©heil. 33raunfd)meig 1799. ©. SB. IV., 1 ff.) herberrief. 3m Stpril 1797 mar §. nad) 33erlitt 3 urüdgetel)rt. Sa« fpeimmel), metdje« er bort nad) ben greunben in 3 ena unb SBeimar empfanb, erseugte bie 2lbfid)t, nach Statten 31 t reifen, meld)e feboeft üorerft nur über SreSben nad) 2Bien fiil)rte, inbeni man infolge ber Äricg«oert)ältniffe nietmehr ben Stufentljalt in ißari« borsog, meld)er fid) bont Stobember 1797 bi« in ben ©ommer 1801 au«bel)nte, ein» fd)ließlid) einer längeren fpanifd)eu Steife (©pätfommer 1799 bi« Stpril 1800). Siefe Steife lieferte gitgleid» ben bebeutenbften miffenfd)aftlid)en (Ertrag biefer 3ahre, bie lln» terfudjungen über ba« 3$a«fifd)e, in meldjen bereit« bie Seime ber fpäteren umfaffenten unb großartigen fpradimiffenfdtaftlichen Slrbeüen ^.’« enthalten fiub. ©egen 6 nbe be« 3ahre« 1802 ergab fid) eine officielle Stötl)igung, ben lange mit Siebe unb ©eljnfudit gehegten ißlan einer Steife nach Stalien 31 er Steife 31 t bringen, tp. mürbe al« preußifdter ©eh- SegatiouSratl), Stefibent unb Äantmerherr nad) Stom gefanbt unb fünf 3 at)re fpäter sunt beboßmädjtigten Sltintfter ba elbft beförbert. 33on einem bebeittenben poiiti» 648 •humbelbt, SS. o. fcpcit Ginfluß tiefer ©teünng formte unter beit bamaligeu Vcrpältniffen nid;t bie Ofebe fein; aber fp. freute fid; beS „unpolitifd;eu GparaltcrS feines ißoftenS," meil er ipn in Grreupung beS »SjauptsieleS feines ©trebenS, einer boüenbeten ©elbftbilbung, förberte. 3n 9fom fanb fp. alte VilbungSelemente, roeldje feitper in VSiffenfdjaft uttb Knnft, in @efd;id;te unb 9iaturbetrad;tung, beim Semen unb äßanbern auf i^u eingemirlt batten, gleidjfam concentrirt unb baburd; and; fid) felbft jur Goncentration, jn innerer Lieber* mältigung, Verarbeitung unb Slneignung aller biefer reidjen nnb mannigfaltigen Gin* britde aufgeforbert. ®er i^n tief erfdjiitternbe £ob feines ätteften Knaben (1803) be= förberte nod; bie ipm natürlidje borperrfd;enbe 3iid;tung auf ftare Drbnung unb reine 21uSprägung feines inneren SebenS, unb eS erflärt fid; pierattS, baff ber für bie innere Gntmitftung .jjnmbolbtS fo überaus folgeureid;e römifdje Slufentpalt jmar reid) ift an frudjtbaren keimen fpaterer Arbeiten, arm aber an fertigen literarifdjen ifJrobucten: nur bie bßinbar= unb 21 efd;p(uSüberfet 3 ung mürbe geförbert unb in ©onetten unb umfang* rcidjeren ©ebiditeu („3i'om" unb „2ln Slleyanber bon fpumbclbt") ber Grtrag ber reidjften inneren Grfaprung unb beS lebenbigften ©elbftbilbungSproceffeS niebergelegt. ®aS erfte ©efep feiner ÜDioral: „Vilbe bid; felbft!“ iiatte §. feiger auf baS eif* rigfte unb griinblid;fte erfüllt, unb namentlid; patte baju baS Sebeit in 3fom bie förber* lidjfte ©elegenpeit geboten. GS follte nun and) bie 3er (Erfolg großenteils uon ber ©eminnung Defterreid)8 abbänge, unb eS ift uorgugStueife ber ruhigen ßäbigfeit, ber uubefted)lid)eit ®bttid)feit, ber mit bemunbcrungSmürbiger Ü3orfid)t unb ßartbeit in ber $orm gehaarten eutfd)lantS gur ©eltung gu bringen, mürbe gegenüber ber tbeils engbergigen, ttteils gerabegu feinbfeligen SDfJ^ofitiort ber übrigen ®roß= mädjte and; bann nidjt gelungen fein, menn fp., ftatt feiner oorberrfd)enb entpfänglidjen 9iid)tung unb einer mehr organifatorifd)en Vegabung, ein oorbringlid)ereS 9faturell unb eine fräftigere fßrcbuctioität unb bamit bie fyäbigfeit befeffen butte, and) bie leiditftnnige Dfacbgiebigfeit beS ©taatöfanglerS mit größerer VMberftanßSfraft auSgurüften. GS ift fdfmerglidj gu feljeit, mie ein fDfanu non ber Vebeutung fp.’S bei biefen fyriebeuSfcf;lüffen unb bei ben Vorarbeiten gu ber beutfd)en unb fpäter gu ber f.'reußifd)en Verfaffung feinen reblidjen VSilfeu unb fein Talent gebraudjen muß, um mit unernüiblidjer 9luS= bauer bem, maS bie Ungunft ber Umftänbe ben fyorberungen ber ©ad)e felbft uon ©tufe gu ©tufe mel)r abbiugte, nod) ben anftünbigften 'iluSbrucf gu geben, unb mie er babei bis gur außerfteu ©ränge ber 9?ad)giebigfeit gebrängt mürbe, meld)e ihm bie atterbingS ftetS juterfütterlid;e ©reue gegen feine mefentlidfcn f)oIitifd)en ltebergeugungeu geftattete. fftad) Veenbigung beS griebenScougreffeS (9fouember 1815) trat in bie Serritoriat* commiffioit gu geunffurt a. DER. ein, unb nad)bent biefe 1817 uor Söfung il;rer Slufgabe fid) felbft aufgelöst butte, mürbe er am 20. 9Jiärg SJiitglieb beS f'reußifd)eu ©taatS= ratbeS. 2lber fo ftarf mar bereits ber füiicEgang in f)3renßen gemorbeu, baß §. als ein gefäbrlid)er liberaler erfd)ien unb ^arbenberg für geratben fanb, ihn unfd)äbli(b gu ntadjen, inbent er ihn auf ben @efanbtfd)aftSpoften nad) Bonbon eScamotirte. ©einem fd)on im 3Ipril 1818 eingereid)ten 6ntlaffungSgefud) mürbe erft im ffiouember fyolge gegeben, unb mieber mußte man ü)n in ber gur Gsrlcbigung ber Slnffiriidje SabernS an bie Vfulg gu granffurt tagenben Gomntiffion einige meitere SDionate lang feftgubalten. 3ttS er enblid) am 12. 2litguft 1819 in baS neuorganifirte SJfinifterium mit ©i^ unb 650 <§um6olbt, SS. b. ©timme eintrat, mußte er bäte gewapr werben, baß er in biefe ü-uft uirb Umgebung nidjt mepr paffe, ©eine, wie fid; bon fclbft berftept, burep unb burep befonnene 53e= fürwortung einer baS wapre SolfSWopl eprlid; woßenbeit Sßolitif, inSbefonbere feine Oppofition gegen.bie am 18. Dctober (!) in Preußen pnbticirten ÄarlSbaber 23efdjlüffe mürbe bamit beantwortet, baß er am 31. ©egember 1819, gleid)fant gurn Reuj!apr8ge= fdjenf, jugteic^ mit" SSepnte unb furg uad; 23open unb ©rolmann, feine Sntlaffung erpiett. ©eine ©runbfäpe, weldje man barnalS fiir fo gefaprlid; pielt, wirb man jebt unbebenflid) als ben SluSbrud einer einfachen unb unmittelbar einleud)tenben politifdjen SBeiSpeit anerfennen. SöefonberS biinbig unb auf eine auep bem Sßabagogen beljer= gigenSwertpe SBeife fpridit er fie in einem 23riefe an ©tein auS (Sßerp, Y. ©. 137): „Slßed bloß poligeilidje ©reiben berfeplt allemal feinen 3'»ed, e3 maept baS Hebel in feiner SBitrgel immer fd)Iimmer, unb fommt nie bapin, äße SluSbrücpe gu pemmen, ja nur gu entbeefen. SReiueS SradjtenS mußte man poligeilid) bloß aufmerfen, aber ge= rid;tlid) unb gefeplid) [trafen, biScipIinarifd) mit ©trenge unb ernfter ©patigfed »er= faprett, Sfertrauen ber Regierungen auf ipre Sluctorität unb auf bie ©timmung unb ©efinnung ber großen SD?affe geigen, SSerfaffungen nidjt, wie man fagt, liberal, aber eprlid; unb vernünftig griinben, unb bie möglid)fte Drbuung, ©parfamleit uttb ®erecp= tigl'eitSliebe in bie ©erwaltungeu bringen." ©ie S)3eriobe ber politifdjen ©pätigleit £>.’S patte nun ipr Gtube erreicht; benn baß man nad; ber Sulirebolution für gut fanb, ipn in ben ©taatSratp gurüdguberufen, pat nidjt eigentlich für fein Seben, fonbern nur als ©pmptom ber bamaligen ©timmung SScbeutung. 3 U wiffenfdjaftlidjen Arbeiten fanb ftd) unter ben Slnftrengungen unb 3«ftreuungen ber amtlidjett Slrbeit Weber 3«t nod) Rupe; boep erfdjien int Sapre 1816 enblidj „SlefdjploS Slgantentnon metrifcp überfept." ©>ie politifcpen ©d)riften aber, meld)e £. in biefer Sßeriobe verfaßte, unb unter welcpen ber hoppelte SntWurf ber beutfdjen ReicpSberfaffung (Älitber, Sieten beS SBtener SongreffeS, II. ©. 6 ff.) unb bie ©enffdjrift über Preußens ftänbifdje SSerfaffuttg (@. 2S. VII. ©. 199 ff.) perborgepoben werben rniißen, entpalten großentpeils baS -Programm, bon beffen eprlidjer ©urdjfüprung eine gebeiplidje Qcntwidlung ber politifdjen SSerpältniffe beS 3$ater= lanbeS peute uod) erwartet wirb. 2Bie früper ber römifdje Slufentpalt bie günftigfte ©elegenpeit geboten patte, ben reidjen (Ertrag ber Peprjapre gu fatnmeln unb beS geiftigeu 23eftpe8 redit boßftänbig fiep bewußt gu werben, fo fanb [p. jept in ber lepten SPeriobe feines SebenS, uadjbem er in ber bebeutenbften praftifdjen ©pätigleit als SDfeifter fiep bewäprt patte, biefe ©antin= lung in ftißer 3wrüdgegogenpeit auf feinem ©ute ©eget. §ier patte er eg fiep mit §ülfe ber Ratitr unb Slunft in feinem ©inue redjt Wopnlicp gemaept, unb in unermüb= lidjer, regelmäßiger ©pätigleit namentlid) in feilte liuguiftifcpen ©tubien bertieft, ber= lebte er pier im SBerfepre mit feiner trefflidjen, ipm im pödiftett ©inne ebenbürtigen ©attin, feiner Familie nnb wenigen [freunben ein reidjeS Seben ber ©elbftbetraöptung, fortgefepter ©elbftbilbuug unb regen geiftigen ©djaffenS. ©d)on am 29. 3uni 1820 laS er in ber Habende feine Slbpanblung „lieber baS bergleid>enbe ©pradjftubtiuu in Segiepung auf bie berfd)iebenen Spodjen ber ©pradjentwidelung", worauf eine lange Reipe bon Habemieabpanblnngen unb anberen Sluffäpen, nteift linguiftifdjen SnpalteS, folgte (ogl. [papnt, ©. 436 ff. unb befonberS ©. 443, Sinnt. 4), bis er enblid) in ber unbergleid)lid)en Slbpanblung „lieber bie SSerfdjiebenpeit be§ menfd)liäftigung gewäprte bem SSerlaffenen ber lottiglidie Htftrag, bie Leitung ber Sontmiffion gu itbernepmen, welcpe §um6otbt, SB. 0. 651 mit ber abfdjtießenben ©inridjtung beg neuen Mufeumg gu Berlin betraut Worben mar. $te fd>netle unb gtücftidje ©rtebigung biefeS Auftrages mürbe mit ber Berteiljung beS fcfjwargen ActerorbenS belohnt, immerhin ein erfreitlidjeS 3^«*, baß ber König trog aller wedßetnben SBiitbe, Wetdje über feie Begeiferung ber BefreiungSfriege gingegangen waren, beg Berbienfteg beg Mannes nid)t uneingeben! war. Im liebften aber War §. in biefen legten Safyren mit fidt felbft beschäftigt, um feine ffedjnnng mit bent Sieben abgufdfießen unb bem natyenben ©obe mit Dotter SRut;e unb Klarheit in bag Auge [eben gu fönnen. ©ie fprechenbften ßeugniffe feiner Stimmung in biefer ßeit finb bie So* nette, in melden er in gewohnter 3Beife bie ffefuttate feiner Setbftbetradftung nieber* {egte, welchen man eg anfietjt, baß fie nur für ben Berfaffer felbft, nicht für bag S)3u= blicunt niebergefdjrieben ftnb, in weldjen aber fein reiner, ebter Sinn unb fein reiches innereg Sieben tief unb ftar fid) abfpiegeht. Am 8. April 1835 ftarb fp. im faft ootl* enbeten ad;tunbfed)Sgigften SlebenSjahre. ©g ift für feine Sßerfonlidjfeit unb fein fyarni* lienleben charafteriftifd;, baß ber gewohnte täglidje ©ang beg fid) fdfon unwohl güt)= lenben gur tljeuren ©rabftätte ber ©attin ber Anlaß feineg ©obeg geworben ift. 2Bir Ijaben §unächft einen ffütfbticf auf bie ©fätigfeit gu werfen, welche ! q . birect ber Sßäbagogif im höheren Sinne guwanbte. Befannttid) hatte gidjte in feinen gewat* tigert „SReben an bie beutfdje Stfation“ bag Speit Dor altem in einer tüchtigen BolfSer* jieljung gefudjt unb Wieberum bie ©runblage einer folgen in ber ißeftatoäji’fchen Me* tfiobe gefnuben. Snfofern gewiß mit fiedjt, alg Ißeftaloggi, anftatt eineg äußerlichen Mehreng unb Abrichtens gu beftimmten äußeren ^Weden, eine Hebung unb Bitbung ber inneren Kraft beg 3ögüngg felbft forberte unb baburth neben einem wahrhaft leben* feigen SBiffen gugteid) bag Können unb bie perfönticfie Selbftänbigfeit unb ©iidjtigfeit gu förbcrn fudjte. 3n biefem Sinne hatte Stein ber neuen Metljobe nachgerühmt, baß fie „bie Sctbftthätigleit beg ©eifteg erhöht, ben retigiöfen Sinn unb alte ebleren ©efühte beg Menfdien erregt, bag Sieben in ber 3bee beförbert, unb ben fpang gum Sieben im ©enuß minbert unb ihm entgegenwirft'', unb Don berfelben Auffaffung geleitet, hi e © and) fp. bie ipeftaloggi’fdje Mettjobe eineg eingehenben StubiumS unb alter Beachtung Werth: bag unter 3 e Uer’g Sleitung in Königgberg gegrünbcte ißeftatoggi’fdje SfJormat* inftitut hatte fid) feiner befonberen ©unft gu erfreuen. ©igentlid; aber wieg ihn bod) fein gangeg Söefen nidjt auf bie ©tementarergiehung, fonbern auf ben höheren wißen* fdjaftlidjen Unterricht hin. gier feine Seiftungen auf biefem ©ebiete ift in 9tuboIf Köpfe’S Sdjrift über bie ©rünbung ber Unioerfität gu Berlin eine neue Duette eröffnet (®ie ©rünbung ber Königlichen ?5riebrich=2BitheImg=UniDerfität gu Berlin. Sieb ft Anhängen über bie @efd)id;te ber Snftitute unb ben Sßerfonalbeftanb. Berlin. 1860. 4). „SS gab, fagt ber SJSerfaffer (S. 61), feinen ©harafter, in bem bie feltene Bereinigung Derfdße* bener ©ugenben in höherem Maße Dorfanben, mehr gu einem glitdlidfen ©angen ge* Worben Wäre, alg in SBithetm oon fpumbotbt. giir biefen Mann war biefe Aufgabe. 6r hat ben lang gehegten ©ebanfen gur ©tjat erhoben unb mit ftarfer fpanb geleitet, big bie fernere ©ntmicfetung eigener Kraft übertaffen werben fonnte. 6r Dermirftidjte ben Man feineg SugenblehrerS ßngel; aber wie weit überragte aud) hier ber Schüler ben Slehrer! tpumbolbt war Staatsmann unb gugteid) Mann ber 2Biffeufd)aft, wie eg ihrer wenige gab. Unter ber ©inmirfung ber beutfdjen Sliteratur unb neuen -ßhü 0 * fcphie herangebitbet, warb er fetbft ein Führer ber geiftigen Bewegung; er, nicht An* hänger, fonbern geborener Mitarbeiter Kants, ein tiefer Kenner ber Sliteratur beS Altertums, mit bem er uermanbt war burdj bie natürtid;e güHr ber SebenSfraft unb mehr nod) burch ben Sinn für bie Ausprägung ber Sbee in ber reinen Kunftform, in biefen Stubien »erbunben mit 2BoIf, ein gleichberechtigter ©rftärer ©öttje’g, ber oertraute Sreunb SdjitterS, enbtid; ein tiefer fjrorfdjer auf bem ©ebiete ber Spradje." Unb Stein gab ihm im SDfärg 1810 baS 3euguiS: „Preußen hat bie Sleitung feiner ©rgiehungg* unb wiffenfd)afttichen Anftatten einem Mann anoertrant, ber einen oorgügtidjen ©eift unb ®rünblid)feit beS ©harafterS befigt, unb ber biefe ©igenfdjaften mit ruhmboKer 652 $um&oIbt, 26. ». Svene in feinem SBirfungSfreife gebraust .' 1 Siefe Sfidjtigfeit beS Si^avalter?, »erbitnbeit mit ber @rüße unb greipeit feiner Sluffaffttng unb ber Vielfeitigfeit nnb Xiefe feiner Vilbung, befähigte £>., bie 2Biffenfd)aft im ^ödtjften unb »ottften ©inne jum SrgiehungSmittel ju machen. @S wiberftrehte il;m im Snnerften, bie höheren S0il= bungSanftalteit beS Staates nur als fDfittel anjufel^en, um brauchbare ülrheiter für bie »erfd)iebetten SSerufSjmeige 31 t fcpaffen, unb ebenfe »erachtete er bie außer alter Vegiehung ju bem Sehen ftebenbe tobte, fetbftgenügfame @elel)rfamfeit. Sie rechte Vermittlung jmifdien ber prattifdjen 23raud)barfeit unb bem theoretifdjcu VSiffen fanb er in ber ®r= weduttg eines ernften unb unbefangenen toiffenfdfafttidjen ©ittneS. Sie baju erforber= lid)e geiftige ©oncentration wollte er Weber burd) Die SJJaffe Wenn aud) an fich noch fo tuerthöoller ctitpirifdjer Äenntniffe, loie fie bie mit 3fiefenfd)ritten fortfdjreiteube 9 f fatur= wiffeitfdjaft barbot, gefährdet wiffett, nod) bie netljige Unbefangenheit burd) bie Vejiehung auf ein beftimmt ausgeprägtes fird)lid)eS ©pftent, unb barum fanb 3 . V. Weber bie S’taturmiffenfdjaft als foldjc, nod) bie Sh ec ^°9* e ’ n f e * ner „voiffenfd^aftlic^en Seputation für bie ©cction beS öffentlichen Unterrichts," eine befonbcre Vertretung, wie fel)r er and) einen Vertreter ber 9faturwiffenfd)aft, wie fein Vrubcr Sllepanber, unb einen SS^eoIogeu, wie ©d)(eiermad)er, gu fdjäfsen mußte, Welcher teuere aud) in feinen „@e= banfeit über Uniberfitäten im beutfdjen ©iune", fomohl in ber , Freiheit unb Seutfd)l)eit beS ©tanbpuncteS, als in ber praftifd^en Surdifithrbarfeit am näd)ften mit $.’S 2lnfd)auungen jufanunentraf. *) ,jp. il3ar übergcngt, baff berjenige, in welchem jener wiffenfdjafttichc ©inn unb mit ihnt bie Vegeifterung für bie wiffeitfd)aftlid)e 2BaI)rl)eit unb bie uneigennüfcige greube an miffenfd)aftlid)er Arbeit crtoedt fei, nicht bloß in jebem »orlontmenben eiujelnen gaöe baS 3fid)tige ju finben unb 3 U ergreifen »evftel)en, fonbern and) an ©elbftäubigfeit beS ©l)arafterS gewinnen werbe, baß in ihm, um mit ©tein 31 t reben, baS Seben in ber 3bee beförbert unb ber fpang 3 um ©enuffe werbe »crminbert werben. Vei einer folchen Vttffaffung ber wiffenfd)aftlid)en Vilbung wirb eS begreiflich, wie man bie ©ritnbung ber Uniuerfität Verlin als eine patriotifdje ©hat, als ein fpauptmittel 3 «r ©t'hehung beS beutfd)en Volles anfehen unb betreiben fonnte: für Seutfdjlanb überhaupt unb für fßreußen gang befonberS galt ber ©ntnbfafc, baß eS ben Vbgang an materieller ‘äRacpt burd) ©rl)öl)ung ber geiftigeu traft erfejsen müße, burd) ©intritt in bie mäd)tigfte Slüiang mit ben bie @efd)ide ber 9J?enfd)en unb Völler in bester Snftang immer entfdjeibenben ewigen ©ebanfen unb göttlicfjen @efe§ert. a ^ er ift in ber 2lrt, wie er auf baS große 3iel h'narbcitete, eben fo beWunbernS» würbig, als burd) feine fräftige, tiefe unb nad)haltige Vegeifterung für baSfelbe, burd) bie llmfid)t unb ben ©ifer, Womit er bie erforderlichen SDtittel 3 U befd)affen, burd) bie UBeiSheit, womit er fie 31 t fttatlje 31 t halten unb anguwenben wußte, unb wie bereitwillig man aud) anerfennen wirb, waS SDtänner, wieSngel unb namentlich Vepme *) 3u „3beeit 31 t einer Snftrnction für bie wiffenfcpaftlicpe Sepittation bei ber ©ection beö öffentlichen Unterrichts" (©. SB. Y. ©. 383—343) heißt es @. 334: „Sa bie ©ection beS öffentlichen Unterrichts pauptfädjlid) bie Veförberung ber allgemeinen Vilbung im hinge I?at, beten ©rmevbmtg in ben allgemeinen, feinem einjelnen Swed befoitberg gewibmeten ©chnlanflalten beabfichtigt wirb, ba fie außerbem »orjugsweife beftimmt ift, fooiel bieg burd) Staatsbehörden gefipeheit fantt, bafiir 31 t forgett, baß bie wiffenfchafttiche Vilbung fid) nicht ttad) äußern Bweden unb Vebingungett einsclit gerfplittere, fonbern btelmehr jur ©rreidmng beS htöc^fien allgemein ntenfd)lid)eit in (Sitten Vrennpitnct famrnte, — fo wählt fie 31 t orbentlupen SDiitglieberu ihrer Sepittation augfcpließeitb äfiättner, bie fiep bem philofophifd)ett, mathematifepen, ppifologifcpen unb piftorifepen ©tnbium, mithin bettjenigen gäcpent wibmen, metd)e alle formelle Sßiffenfdjaft umfdptießen, burd) Weldje bie einselneit Äenntniffe erfl jur SBiffeitfcpaft erhoben werben fönnett, ltttb optte Weld)e feine, auf bag ©inseine gerichtete Oeleprfamfeit in wapre inteUectuelfe Vifbuttg iibergepeit nnb für beit (Seift fruchtbar Werben fantt." ©cpleiermacper gehörte als Vertreter nid)t ber Speologie, fonbern bed ppilofoppifdjen, ppilologifdjen ttttb hiß®*i s fepen ©tubiumS, ber wiffenfcpaftlicpen Sepittation an. Jg>um6otbt, 2B. b. 653 get^an fyabett, wad iudbefoubere ber ernfte unb empfängliche Sinn bed Königd felbft geförbcrt ^at: ber Stußm, ber eigentlidje ©rünber ber Unioerfität Serien 51 t fein, bleibt äßilfyelm eou fpumbolbt unbeftritten. Aber and) in 9tücffid)t auf ben mittleren Unterridit barf man, fo wenig und and) llr= funblidjed bariiber »erliegt, unbebenflid) mit tpat)m lagen, baß £>., beraten eorgüglid) eon g. 2 t. UBolf unb unterftüljt eor allen een bem trefflichen ©iieern, ben eigenttidjert ©runb jur nad)l)erigen Sßlüte ber preußifdjen @t)mnafien gelegt habe. „Um ber Untemd)tdoer= lealtung ben Seiratß ber in ben eerfd)iebenen 3 lT3e tgeit ber UBiffenfdjaft bewäljrteften ÜJtänner gu fidjern, würben (Sab.«D. e. 4. ®ec. 1809) brei wiffenfcßaftlidje ®epu = tatienen gegriinbet in Serlin, Königsberg unb Sredlau, bie mit bem ÜKinifterium in unmittelbarer Serbinbung ftanben, unb nidjt nur bie (Eanbibaten bed ^öfjern ©d)ul= amtS (nad) bem in feinen ©runbgügen con felbft entworfenen (Ebict u. 10. Juli 1810), fonbern auch Sehrpläne, Stiethoben, Seßrbüd)er gu prüfen, unb bariiber, fcwie über bad (Ergebnis ber 2lbitnrientenprüfuugen, au badfelbe 31 t berid)ten unb ©utaditeu über alle inneren Angelegenheiten bed ©dfntwefenS 31 t erftatten. hatten, ©ie feilten bie wiffen= fd)afttid)eu @runbfä( 3 e, and benen bie einzelnen SerWaltungdmafimen Ijerflteßen, unb nad) benen fie 311 beurtheilen finb, gegenwärtig erlitten; wedhalb ed ihnen and) freiftanb, mit allgemeinen 2$orfd)lägen unb Siebenten au bie 93el)örbe bie Juitiatiöe 31 t ergreifen. 3um Sirector ber wiffenfd)aftlid)en (Deputation in Berlin würbe %. 21. SBolf ernannt; er erflärte fid) febed) nur gu außerorbeutlidjer SHI^eUna^me an ihren ©efdjäften bereit; gu ihren SDiitgliebern gehörte and) ©d)Ieiermad)er, ber aber halb in bad Unterrid)td= bepartement felbft gegogen würbe. — ,fp. f) a tt e fiel) als jüngerer SJtann in liberaler Sr^eoric wiber bad ©taatdfd)ulwefen erflärt unb ber freien ©elbftbeftimmung ber Sora» mitnen, gu ©unften inbicicueller 21ndbitbung, gegen eine §DtaffenergieI)Hng bad äßort gerebet. Dad reifere 2llter unb bie (Einfidjt, weld)e er burd) fein 2lmt een ber 2lufgabe bed ©taatd unb ben ^erberuugen ber 2Birflid)feit gewann, änberte oieled an biefer 2luffaffnng. ®ie 2ludbilbnng ber freien Jnbioibualität falj er nad) wie eor atd bad l)od)fte giel an; aber bie fDtittel bargubicten, burd) weldie cd 3 U erreichen fei, hielt er für 9ted)t unb Pflicht bed ©taated" (SBiefe in bem „ipreußifdjen Jahrbuch. 3' üe i tcr Jahrgang"). 2Bad nun ferner ben (Einfluß angeht, welchen ,jp. burd) feine Weiteren wiffenfd)aft= lidjen Arbeiten inbirect and) auf bßabagogif geübt h a t unb in ned) weit höherem ®rabe, ald ed bereits gefdjehen ift, üben tonnte, fo ift hier natiirlid) nid)t ber 0 rt, eon bem Stufen gu rebeu, welchen er burd) feine (Bearbeitung eingelner wiffenfd)aftlid)er Rächer and) bem fjfabagogen bieten tann: man wirb in biefer 9tiidfid)t in feinen philofcpl)ifchen 2lrbeiten ben eben fo fetbftänbigen, ald gelehrigen ©d)iüer Kants, in feinen äfthetifd)en ben würbigen ©euoffen «Schillers, in feinen philotogifdjen ben greunb unb Schüler %. 21. SBolfd betounbernb anerteunen, in Begug auf feine liuguiftifd)en Seiftungen aber eergeblid) nad; (Einem fid) umfel)en, ber ihm ald ooKfonunen (Ebenbürtiger an bie ©eite gefegt werben fönnte. ©onbern nur auf ben päbagogifdien äßertl) feiner wiffenfdjaft= liehen 2Dtetl)obe überhaupt ift in furgent I^htjutDeifen. JJc'an tann bad SBefeit biefer SKetl)obe nid)t beffer d)aracterifiren, ald wenn man, einer ©d)Ieiermad)er’fd)en Dermino* logie fid) bebienenb, fagt, ed burdjbringe ftd) in il;r auf bad inuigfte unb eotlftänbigfte bad bead)tenbe ober empirifd)e unb bad befd)aitlid)e ober fpeculatice SBiffen ober ®entoerfahren. ,£>.’d gefamntte 2luffaffung war in bem weiteren Sinne eine aftl)etifd)e, baß er bad (Eingelne nur betrachten tonnte in feiner Begießung auf bad ©ange, gu Weldjem ed gehörte, ald bad fßrobuct unb bie (Erfdjeinuugdform bed il)in gu ©runbe liegenben 2 tHgemeineu, unb baß er aubererfeitd biefed Allgemeine ftetd ald bad ißriucip aufal), weldjed bad concrete (Eingelne lebenbig h erC> ortreibt. SSoit biefem ©tanbpuncte and wußte er in feiner 9taturbetrad)tung bad (Eingelne auf bad @aitge gu begießen, fo baß ißm bie Statur nicht ald ein (Eljaod gegeniiberftanb, fonbern gum beeeutfameu ©pmbol eined bem menfcblidien ©eifte oerwanbten geiftigeu SBaltend würbe. Jn Begug 654 ©umMbt, 2ß. ö. auf bie S3etrad)tung ber ©efdjidjte fjat er feine äftetfyobe in ber 91fabemieabt)anblung „lieber bie Slufgabe beS @efötte unb mieberurn mar ilpn biefer ©prad)geift nidjt eine leere unb tobte SlbStraction, fonbern eine lebenbig mirlenbe unb mebenbe, bie medjfelttben ©prad)erfd)einungen immer auf’S neue ergeugenbe Äraft. Snt» I)ielt nun eine foldje SDtetfyobe ben träftigften @egenfa (5 gegen tobte @elel)rfamfeit unb banaufifd)eS 33erberben ber SBiffenfdjaft, fo mar gerabe für bie 3eit, in meldje baS frud)t= barfte miffenfd)aftlidje ©djaffen ©.’S fällt, nod) not^menbiger unb fyeilfamer ber in feiner fiftethobe nid)t uünber fd)arf hemortretenbe ©egenfaj) gegen bie Sinbilbung, eS taffe fid) bie gefd)id)tlid) gegebene Singelf)eit auS bem adgemeinen 33egriff apriorifd) confirui= ren. ©eget fiatte fein ©pftem auf bem ©runbe einer güde B 0n tiefem unb mannig» faltigem SBijfen aufgebaut. SSiele feiner ©djüler aber fanben eS bequemer, adeS öon ber 3bee aus gu conftruiren unb mit 33erad)tung auf foldje Ijerabjufe^en, meldje ge» miffenbaft um bie Sruintug beS Slfatfädjlidjen fit© bemühten. 9?id)t8 mar bem burd) unb bitrd) gemiffenl)aften unb grünblidjen 333efeu ©.’S nteljr gumiber. Slud) er gieng bei feinen Uuterfud)ungen nid)t bloß immer auf bie 3bee als baS le(3te 3^ auS, fonbern er gieng aud) öon ber 3bee auS. Sr mußte nid)t bloß, baß baS Singeine nur bann riditig erfannt fei, menn eS begriffen fei als integrirenbeS ©lieb beS ©angen, als fßrobuct beS in biefem maltenben einheitlichen ißrincipS, fonbern auch, baß man, um gu einem befriebigenben ßiefultate gu fomnten, mit ber 3bee bereits an bie llnterfudjung heran» treten unb öon einer gemißen Uebereinftimmung gmifdjen bem erfennenben ©ubfect unb bem gu erfennenben Dbject auSgehen ntüße. 9?id)t§beftomeniger mar er meit entfernt, gu jener anmaßenbert Sbentificirung ber SrfenntniS beS einzelnen ©ubjectS mit ber in bem Dbjecte thatfädjüd) maltenben 3bee fid) gu öerfteigen. Sr befaß neben bem SUlitthe ber Xßahrheit, unb gerabe meil er biefen im öodften ÜÖfaße befaß, aud; bie ©emuth ber SBahrheit, melche anerfennt, baß ber menfd)ti= feit im ooHften, im actiöen Sinne beS SJBorteS, infofern er unS, wie bereits betnerft, ein oollenbeteS SÜJufter ber Selbftergie^ung barftellt unb bei aller SDfannigfaltigfeit unb Energie feiner nad) außen gerid)teten bod) feine eigentlidje 2cbenSauf= gäbe ftetS in ber 33ilbung feiner felbft fanb. ^Derjenige, weldjer in biefer 33egiel)ung mit bem größten fftedjte neben ß. genannt werben fann, Sd)leiermad)er, begeidjnet tref= fenb bie beiben bpote, gwifdjen Weldjen ade Ergiehung fid) bewegt, wenn er juerft fagt: „®aS Enbe ber Ergiehung ift bie ®arftedung einer perfönlidjen Eigentl)ümlidjfeit beS Cingelnen" unb bann; „®ie Ergiel)ung fod ben Eingelneit auSbilben in ber 3leljnlid)feit mit bem größeren moralifchen ©angen, bem er angehört." ®ie gleichen äRapimen ß.’S finb oben bereits heroorgel)oben Worben, unb eS hat fid) babei gugleidj gegeigt, baS ß., toie eS and) bie fRatnr ber Sadje forbert, bodj ben eigentlidjen Sd)Werpunct bet Ergie= hung ftetS in bem erften ber genannten ÜRomente, in ber inneren Entfaltung ber inbi= »ibuellen Eigentl)ümlid)feit unb in ihrer ßeranbilbung gur oodenbeten perfönlidjeu Selb= ftänbigfeit fanb. ®er ®ienft, welchen ber Eingetne bem ©angen leiftet, barf ihn nie (oSreißen bon ben nur bort wadjfenben „ftarfen SBurgeln feiner Äraft," bie mcnfchliche $cr[önlid)feit ift Selbftgtoecf unb bie ©runboerfehrtheit ber Ergiehung bcftei»t gerabe barin, baß man fie gu einem SRittel für Erreichung äußerer ßwetfe erniebrigt, unb alle Einwirfungen ber Außenwelt foH ber dRenfd) bielmehr als tOcittel gu feiner eignen 33il= bung oerwenben unb }o gu feinem oödigen Eigentl)um machen; trachtet er nur oor allem nad) biefeni haften wahrer Selbftbilbung, fo wirb djin and) baS anbere, bie lebenbige unb fräftige Einwirfung auf baS ©ange, gufallen. ®enu anbrerfeitS ift bie inbiüituelle Eigenthümlichfeit außer 93egiel)ung gu bem ©angen, weldjem fie angehört, gar nid)t benfbar. fRur baburd), baß fie als organifcheS ©lieb biefeS ©angen aufgefaßt wirb, tritt ihre gottgewollte eigentljümlidje Stellung unb gunction, in wetd)er fie bem ©angen bienen foH, unb für Weld)e fie mit eigenthümlichen Slnlagen auSgerüftet ift, ge= hörig in baS Sidjt. fflenn ß. fid) ein großes SSerbienft um bie richtige Sluffaffung ber Aufgabe ber Ergiehung eben baburd) erworben I)at, baß er im ©egenfafw gu Dem herr» fdjenben hh^anthrofifchen Utilitarismus baS fRed)t ber Snbioibualität auf oorgitgSWeife 33erücffid)tigung geltend macht; fo l)at er auf ber anberen Seite baburd), baß er, feiner äfthetifdjen @runbanfd)auuug gemäß, nicht baS abStracte Iogifd)e Subject bem Dbject gegenüberftedte, fonbern beibe in lebenbigfter IBerbinbung auffaßte, oon einem lebenbigen Sneinanber beS 3nbiöibueden unb beS ©angen auSgieng, äljntid), wie Sd)ider, namentlich in feinen äftfjetifdjen ^Briefen, unläugbar gur Sßeiterfüljruug beS 5lantifd)en StanbfntncteS beigetragen. Soll nun bie Ergiehung bie 3öglinge nicht als oodfommen gleiche Ejemplare ber= felben ©attung, fonbern als eigentljümlid) begabte Eingelwefen behanbeln, fo ift oor adern erforderlich, baß biefe Eigenthümlichfeit erfannt werbe. Um biefe ErfenntniS hat fid) ß. oont Anfänge feiner Wiffenfchaftlid)en SSbjätigfeit an auf baS eifrigfte bemüht. CS liegt im ^Begriffe ber Snbiöibualität, baß eine in’S Eingelne gehenbe Elaffificirung ber öerfd)iebenen 3nbioibuen nieft möglid) ift. 2luf eine eben fo übergeugenbe, als geift» boHe unb fiharffinnige Sffieife aber hat fie ß. in feinen beiben Abhandlungen „Ueber ben ©efd)led)tSunterfchieb" nnb „Ueber männlidje unb weiblidje gorrn" i n a' re * 8 rc fä e Claffeit eingetheilt, nad) bem im Unterfdjiebe beS männlichen unb weiblichen @efd)led)teS auf natürliche Sßeife repräfentirten großen ©egenfalje gwifchen üorherrfd)enber Selbft= thätigfeit unb oorI)errfd)enber Smpfänglid)feit. Aud) bie biefer @runboerfd)iebeuheit ber 656 §umbotbt, SS. ö. iitbioibueßeu 'ätnlacje entfpredjeitte <55ntn11»erfd;iebenl;eit bed Serufed djarafterifirt er, in= beut er an ©dritter fdireibt: „6d giebt ein bereites* Leben für beit SD'fenfdjen, eined in bloßer unb ber pöd)ften ©pätigfeit, mit ber er ftrebt etwas 31t erfhiben, 3U fdjaffen ober 31t fein, Wad tpeild if)n fctbft überleben foß, tpeild fdjon baburd), baß ed eine Beitlang burd) ipit ftiß mitpaubelt, auf ben nteufd)lid)en (Seift überhaupt erweiternd wirft; ein anderes in bloßer ntl)iger freute nnb Weiterem ©etutß, 100 ber SDienfcb fid) begnügt glüdüd) nnb fdjutbloS gu fein. 3n beiben ift ein fefter Bwed und eine fixere Selop= nung." 3tt jener oergugdweife felbfttpätigen, wie in biefer oorgugdtoeife etnpfänglidjen SBcife bed SBirfcud bleibt ber SDJenfd) fiep fetbft nnb feiner Seftintmung treu, bagegen oerliert er fid) felbft nnb feine Wapre Lebensaufgabe, wenn feine ülrbeit nur ber 33efrie= bigung materiellen Sebiirfniffed bient, ober er oor lauter Slrbeit überhaupt nid)t gu ftdt felbft fontmt. Sind) biefe britte LebcnSweife djarafterifirt er, inbem er fortfährt: „3fur eine 9trt beS Lebend, bie britte nod) möglid)e, ift fatal, und bod) fo Ijäufig, biejenige, bie ohne Wenigftenö überwiegenden @ennß bloß Slrbeit giebt, uitb wo bie Slrbeit nur bagu bient, baS Sebürfnid gn befriebigen. 2)al)er aud) im ißrioat= nnb politifdjen Leben aßed nur barauf anfommt, bie ©egenftänbe bed Sebiirfniffed gu oerminbent nnb bie bed ©enuffed uub ber freien Spätigfeit gu oermehren. SJid) felbft prüfe id) immer uad) biefen brei 9fü.’8 genannt hat, würbe ihn fp. felbft nie genannt haben, vielmehr Wußte er unter ber §üHe öon mandjerlei 3Mfitrlid)!eiten bod) bie Bebeutung 3 . 33. feiner phpftognomifchen ©tubien gn ertennen, bie ja and) neuefterbingS wieber bie 3lner!ennung eines bebeutenben 9?aturforfd)er8 ge= funbett haben (ogl. SSirdmW, ©ötl)e als 9?atnrfcrfd)er. 33erlin 1861); unb wie weit Forfter’S 33al)nen oon feinen eigenen bioergirten, ein fo hartes SBort bariiber, wie eS felbft ©thiller entfallen ift, würbe bem garten ©iuue £.’S unmöglich geWefen fein, ber fid) nid)t berufen glaubte, bie Snbiüibualität anberer gu ridjten, fonberu fie gu oerfte= l)en juchte. SS War biefer ©inn für baS SnbiüibueHe, bie Siebe 31 t einer jeben in SEreue gegen fid) felbft fräftig ausgeprägten ober fd)ön erfditoffenen eigentl)ümlid)cn )Jkr= fönlidjfcit, WaS §• in ein mufterhafteS ehelid)eS Sieben leitete unb ihn gu einem Bir= tuofen in ber greunbfdjaft machte. 9tid)t bloß gegen ©d)itler erWieS er tiefe Birtuo* fitiit, beffen großer ©inn l)td) über all ben ÄleinigJeiteu ftanb, bie einen foldjen Sunt ftören fönnen, fonberu fie tritt aud) in einer faft rührenben SBeife in ben 33riefeu an F- 31. SBolf herber: bie giriert an ooUftänbige UnleiblidjJeit grengenbe hhpod)enbrifcf)e ©ereigtljeit, ©rämlidjfeit unb Unberträglidifeit beS großen iOtanneS Jonnte öumbolct nicht oerleiten, bon ihm 31 t taffen, fentern mit ber liebeüotlen Unermüblidjfeit felbftfudjt» lofer FrennteStreue trägt unb milbert er bie ©djwädjen beS fyreunbeS unb weiß and) fie gur Erweiterung unb inneren Befreiung beS „eigenen ©elbft" gu berwenben. lln= gleid) wichtiger aber War eS für §., taß gerabe, als unter ber ©unft beS römifdjen Rimmels fein inneres Sieben gur bellen pfeife gebiel)en war, bie energifdjfte Forberung beS SebeuS unb ber ©efammtheit, ihn gur öffentlichen Dljntigleit aufforbernb, an il;n herantrat. 31IS baS bebrängte 33aterlanb in feiner tiefen 9?otl) nad) SDiänneru rief, ba war fp. nid)t Snbioibualift genug, um biefen 9iuf gu überhören. Unb wahrhaft erhebenb ift eS 31 t fehen, wie er nun mit boHfter Eingebung ben @efd)äften fid) wit= niete, ebenfo Wenig uiebergefchlagen ober berbittert burch ein augenblicflidjeS SDiiSlingen, als haftig fid) bemühenb um einen augenblicflid)en Erfolg; immer ben Blicf nur auf bie ©ad)e gerichtet, unb ber guten ©acbe gutrauenb, baß burd) bie bon ihr felbft ge= ferberten beften SÖiittel ber bauernbe gute Erfolg enblid) erreicht werben müße; burd) feinen gefürchteten ©pott über bie ©dpoadjen nnb ©d)led)ten niemals erfältet in feiner ftill aber nad)l)altig glül)enben 93egeifterung für bie großen Aufgaben, wofür er gu aw beiten hatte. SEßenn er in ber 3ugentfd)rift über bie ©rengen ber Sßirffamfeit beS Staates baS 9ied)t beS Staates unb ber ©efammtheit gu ©unften beS 9ied>teS ber in* CsncuflppaMe. III. 42 658 §um6otbt, SB. B. biBibueßen fjreil^eit ju fepr beeinträchtigt patte, fo iß je( 3 t in ber ©djule beS SebenS- biefe Sinfeitigfeit aufgehoben: er fiat gelernt ben 31nfßrüd)en ber beiben gactoren, ber Drbnung, Voie ber fjvei^eit, gletdjmäßig geredet 31 t toerben, unb namentlid) liegt in fei* nen Berfdßebenen 33erfaffungSentwürfen ihre ridjtige 33ermittlung unb lebenbige Serbin* bung in ber audgejeic^netften 2öeife Cor. „fpcdjfte Klarheit bet 3lnfidjt, noßße Ueber* jeugung Bon ber 3Bo^)lt^ätigIeit, feftefter SRutp bei ber StuSfüprung," fo l;at er felbft biinbig unb treffenb ben leitenben ©runbfap feines amtlichen SBirfenS formulirt. ®leid)Wopl Berlor fp. bei aller Eingebung unb Sreue feiner amtlichen Spätigfeit baS l)Bd)fie 3tel feines SebenS nie auS ben Ülugeit. Sr bejeicpnet eS als untoürbig ober traurig, trenn ber 2 Renfd) bis 31 t feinem £obe' ßdj mit SDingen befcbjäftigt ober befd)äf= tigen muß, WeHje 31 t biefem pöchften 3>ele ber ©elbßbilbung unb bamit 3 U bern Steigen in ber 3eitlid)feit in feiner unmittelbaren ^ietymtg fielen. 33ei feiner 9lnfd)auungS= toeife mußte er eS als bie glücf(id)ße Rügung greifen, baß er nad) feinem notpwenbig geworbenen SJüdtritte aus bem ©taatSbienft fein Sehen in SRuße befcpließen burfte, toie er eS angefangen batte. 2Bir paben bereits angebeutet, Wie weit biefe SDluße entfernt War Bon einem dolce far niente ober einem abßdjtSlofen ©idjgepenlaffen. ®ie 3 beale unb ißläne ber 3 ugenb, weldje er mit einer Sreue bewahrt butte, wie fie nur einem in ftd) fo flaren unb felbftbewußten ©eifte möglich iß, gebieben nun 3 ur IuS= füprung unb Steife. 3mmer l) a ße er feinen beftimmteu 3wecf Bcr Singen unb biente if)m mit ber regelmäßigften, gewiffenbafteften unb angeftrengtefteu Arbeit, auch in biefer Se 3 iebung baS SDtufter eines burd) unb burd) biScißlinirten ©eißeS. ®ie Älartjeit über fid) felbft unb über feine Slufgabe rubte jugleic^ auf einer ernfteu religiofen ©runbftim* mung feines SöefenS. SS Berftebt fid) bei ber 33ilbuttg feiner 3eß, beren ®'nb er toar fo gut, Wie @ 0 % unb ©tbiHer, baß biefe Steligiofität nicht Berbunben war mit einer bewußten Aneignung ber fßecififdj d)rißlid)en ©ntnbgebanfen. Slber eben barin fdjon,. baß er in bem innersten Kerne ber SnbiBibuaßtät, wo ber enblidje ©eiß mit bem un= enblidjen ßdj berührt, ben eigentlichen ©djWerßunct beS menfdjiid)en SebenS fanb, lag gegenüber bem beibnißben SBefen eine SBirfung beS djriftlidjen ißrincißS, gegenüber ber antifen 2BeIt eine Dßßofition beS^u bem Sbriftentbum in natürlid)er 33erWanbtfd)aft ßebeuben beutfdjen ©cmütbeS. S)ie tiefe 3nnerlid)feit unb ber ßttlidje Srnft feines gansen SBefenS, Berbunben mit ber auSgebreitetften Kenntnis Ber gefdjidjtlidjen Sßirflidj» feit unb ber liebeBoUften Slnerfeitnung jeber eigentbümlid/eit SebenSäußerung in berfelben fieberten ihn gegen bie Slrt, wie 3 . 33. ©ötbe eine 3eitlang feines fpeibentpumS ftdj rühmen uub feine Slbneigung gegen unooflfomntene SrfcbeinungSformen beS Stiften* tbumS 3 U einer.33erfennung biefeS felbft ßeigern fonnte, Wie gegen ben allgemeinen foS* moßolitifdjen unb religiofen SntbufiaStnuS, beffen SSerfünber ©d^iller 3 uWeilen würbe, unb eS fonnte beut ©taatSmanne, Welcher baS Sted^t ber freien ißerfönlidjfeit beS Sin* Seinen auf baS fräftigße Bertrat, niept entgehen, Wie Weit feine lEenbenjen Bon einem ©taatSleben abfübrten, beßen fdjönße Sntfattung hoch immer bie ©clauerei 3 um bun* fein §intergrunbe pBd^' 21 b £>.’S 33eifßiel läßt fid) jene fides implicita nathweifen. Welche and) ber ißroteßant gelten laßen fann unb weld)e barin Beßetjt, baß ber Bon ben perrfdjenben firdßidjen formen Unbefriebigte hoch im ©runbe feines SBefenS Bon ber beiligenben unb befeligenben Kraft beS Sl)riftentbumS niepr, als er felbft Weiß, ergriffen iß, unb im Seben bie beilfame Sinwirfung biefer Kraft betätigt, wenn er aud) in ber Sehre mit ben djrißlidjen ©laubenSfätjen fid) nod) nid)t 3 ured)t 3 itßnben Bermag. Uebri* genS fehlt eS auch ' n feinen ©cf)riften nidß au 3eugniffen ber beginnenben felbßbe- wußten Anregung beS ©runbgebanfenS beS Sbriftentl)umS Bon ber nicht auf eigenes 33erbienß, fonbern auf bie ©nabe ©otteS gegriinbeten SSerfopnung mit ©ott, wenn and) fein glücfiidj angelegtes iftatureß unb feine günftige äußere Sage ipn bie SJJadjt ber ©ünbe nicht in ihrer gansen ©röße patte erfennen laßen, unb er baburdj niept 3 ur Boßen Snergie ber Aneignung beS SrlöfungSprincißS unb überhaupt nidit 3 U jener fern* paßen, BolfSmäßigen unb ßraftifdjen ßMigiofität gelaugte, Weld)e üftänner, wie ©teilt,. §um6otbt, 2B. ö. .§anfegäbte. 659 SBintfe, Slrnbt u. a. eigen war. Sbenfo d^araftcrtftifd) alg fdjön fagt er Dom Wahren grieben: „Sr -wirb geprebigt burd) bag alte ©egament, bag neue giebt erft bie 25otIen= bung. ®aS allein ift ber griebe, ben bie SBelt nit^t giebt, ein unübertrefflicher Slug= brucf! 2Bag biefem grieben angehört, ift öon ber SBelt, bcni äugeren®lücf unb ®enuf$ gefd)ieben; eg flammt öon einer unfidjtbaren 2Jfac^t her, allein bie ©egnnung mug im Oemüth üorhanben fein, baff man fein gangeg innereg SBefen »on ber SBelt trennt, bag man nidg auf äugereg ©lüd Slnfprucp mad)t, bag man nur bie hoh e ©eelenruhe fudg, bie auf bem Seben in ÜDemuth unb innerem ©ehorfam, wie in einer flippenlofen füllen 2Bafferftäd)e ihre ©idjerrieit finbet. 2)ie Möge Slugübung ber ‘ißflidft reidjt bagu nid)t hin, bie Unterorbuung beg felbftifdjen ÜDafeing unter bag ®efe (3 unb nod) Weit mehr unter bag SInerfenntnig ber höchften, alleg beherrfdfenben unb burchbringenben Siebe mug fo oorWattenb fein, bag bag gange SBefen barin aufgelegt ift. 9iur bei biefer @e= finnung fann man ben öon 3efug bargebotenen griebeit fid> aneignen. ®enn cg Wäre eine gang irrige Slugtegung ber fd)önen biblifdjen (Stelle, Wenn man glauben fönnte, ber himmlifdje griebe fenfe gd) fo oon felbft unb oljne alles 3uthun auf ben ÜJienfdjen herab. SBohl gwar fentt er fidj alfo nieber, er fann nid)t burd) SBerfe öerbient, nid)t gteidjfam wie Srbengüter burch eigeneg Sfmn erworben werben. Sr ift eine freie, h'ntm* lifd)e, immer nur ber ©nabe entftrömenbe ®abe. SlHein ber SJienfd; fann fie nicht erfaßen ohne Jene ©efinnung; befi^t er aber biefe, fo ift er wieber feneg griebcng ge= wig, benn eg ifl red)t eigentlich öon ben hnnmlifd)en ©aben ein wahreg SBort, bag, benen gegeben wirb, bie ba hüben." 3)iit bicfen frönen unb innigen Sßorten fj.’g felbft fei biefer Slbrig feineg Sebeng unb feiner päbagogifdfen Sebeutung gefdjloffen. Sg würbe aber unfere ©figge ihren ßwecf bann nid)t öerfehlt ImMn, wenn fie geigte, wie über ben grogen SJiann in fo engen ©rengen etwag irgenb 3 u iä n 3Ü ( h e8 fld) nid)t fagen lägt, unb Wenn fie fo bem Sefer SSeranlaffung würbe, gu £). felbft unb gtt feinen ©driften fid; gu Wenben, bie bem Schulmann burch bag reid)e SBiffen, Weld)eg in ihnen auggebreitet ift, nidg nur bie reidgte Belehrung bieten, fonbern auch wahre Srhebung unb ©tärfung burd; bie ge= fammte eble fßerfönlid)feit, welche in ihnen fid) abfpiegelt. 3 um @hrIoIogifd?e, lingttifüfche ©elehrfamfeit waren in il;m gu einer burch feinen Stügflang geftörten Harmonie unb gu einem wnnberbaren Sbenmag öerfchmolgen, weldjeg bag ©epräge ber befonnengen SDSeifterfdjaft ig." ©. I8aur. ^Ittttor, f. Sehrton. §nnfcftäöte.*) Sie Slnfänge beg Unterrichtgwefeng ber freien unb £>anfe=©täbte Bremen, Hamburg, Sübed gehören, wie überall, ber Sirdgngefdgdge an unb gnb bei bem Sliangel augreidjenber Quellen nicht atterwärtg gur Söibeng gu ermitteln, gür Hamburg unb ^Bremen werben bie Slnfänge beg ©djulwefeng in bie 3 e 't ber S©hätigteit beg befannten Singgar ober Slnghariug, apoftolifchen Segaten unb Srgbifd?ofeg öon Hamburg, fpäter and) SSifdjofeg öon SBremen, gu fefcen fein, ber befanntlid) öorlgr ber ütogerfdjule öon Soroep oorgeftanben hatte. Sie 3al)reggahl ber ©rünbung ber 23remifd)en Somfchule foEt (ogl. S. Stieger, ©efdgdge beg ipamburgifdjen ©d)ul= ttnb Untcrridggwefeng im ÜRittelalter, ©. 3) in ben Slnfang beg 9.Salgljunbertg fallen, für Hamburg wirb bag *) ©. oben S. 337 Snm. ®. Sieb. 660 •Danfcftübtc. Satyr 834 angenommen, giir ?übecf mactyt ©rautoff (tyiftorifdie ©dtyriftcn I. 342) baS Satyr 1163 geltenb, in »»eldjem ter DIbcnburgifdje 3?ifd)cf ©erolb auf fpeinrid)? reg Soweit S3ergilnftigung feinen SBifctyofSfifc nacty Pübecf oerlegte unb mit llnterftütyung jenes dürften ein Somftift grfinbete. 2ßaS nun tie Ginridjtitng unb ©efdtyictyte tiefer erften ton ber Sirctyc für bie Äirctye tyegrüubeten unb äußerlidj wie innerlid) mit ityr engoerbunbenen ©dutlanftalten betrifft, fo bürfen mir Wotyl im allgemeinen, int fpinblicf auf feie Wefentlictye Ueberein* ftimmung ber ®efd)id)te teS älteren ©djulioefenS in bcu beutfctyen Stätten, auf tie in beut Slrtifcl grantfurt (23b. II. 208) gegebene auSfütyrlidjere SarfteHung S3ejug netymen. Sod) möge einigen SBenterhtngen, wie fie bie ©pecialgefctyidjte ber §anfeftätte an tie $anb giebt, 3iattm berftattet fein, wobei wir auf bie fityon genannten Slrbeiten ben SDfetyer unb ©rautoff bcrwcifett. gür Hamburg (unb {ebenfalls and) für 33remcu) ertyeHt junädjft ber 3ufamnientyang ityrer erften ©ctyulen mit bent 33euebictinert(ofter in Sorbet) an bcrSBefcr, bott lncld)embie erften Setyrer ter £>atuburgifd)cn unb SSremifdien ©ctyule tyerbei* gcgogcn fein »»erben. Sn Hamburg Warb fctyon um 840 Stirdjc, Äleftcr, ©djule unb 23ibliottycf bei ©elegentyeit ber Sroberung burdj bie Hermannen gerftört, tarauf um 858 Ittieber tyergcfteHt unb attf’S neue bon ben 23cnetictincrn in 23cfity genommen. 2Benn es ungewiß bleibt, in loie t»eit Äirdje unb ©d)ule bon ben in bie Satyre 880 unb 915 faKenben 3 erftörungen litten, fo tyat jebenfallS eine abermalige 32 rftöruug 1012 burdj bie SBenben ftattgefunben, infolge bercn 1015 ein SBieberaufbau attS fpolj burdt ben Grgbifdjof llnwan betoirlt tourbc. Serfelbe Grgbifdjof errichtete bcu Drten ber 12 Som= ober ©tiftStyerren, bie bie ©djule nmtntetyr anftatt ter 9Jiönd)e beforgen follten, „fo toie aud) työdjft watyrfdjcinlicty fdjon bamalS baS Slmt beS ©ctyoIafticuS gegriinbet Wart" (SDletyer ©. 9). Sine »»eitere 3^ftörung ter 1037 in ©teilt erneuerten fiirdjc faitb 1072 burcty tie ©lauen ftatt, »oorauf fie 1106 mieber tyergefteHt unb unter Grj= bifd)of Slbalbero (um 1140) unter Sinfiityruug ter ißrämonftratenferregcl teS tyciligeu Norbert bon -lauten, GrgbifdjofS bon ÜDlagbeburg, totirt hntrbe. 23aulidte ÜDfängel tyaben bann 3 U Snbe teS 13. SatyrtyunbertS eine abermalige Grneuerung geforbert, bon ber nictyt feftftetyt, »bann fie boüenbet »burbe. Siefe Somfctyule tyat bis jitiu Slnfang beS 19. SatyrtyunbertS, »»cnn and) freilid) in gefunfenen SBertyaltniffen, bcftauben, um Welctye 3 e it and) ber baufällig geworbene Sont abgetragen würbe. Sie ©d)öler beS SoutS ftanben nur unter teilt Gatyitel, tie jüngeren unter beut Sfector ober ©d)oIafticu 8 , bie altern unter bent Secam ÜDtanctyerlei ©tiftungen fameit itynen gu gute, fiir arme ©djüler lbarb burd) Legate unb fouft geforgt, unb aud) an gefitageit fetylte cS nid)t (bgl. ©rimntS 33efd)rcibung beS ©regoriuSfefteS in ben Sin* ber= unb fpauSutärdjen II., XXXII.). SaS ©djufgelb War anfangs fetyr gering, 100 Pfennige jätyrlid), unb bei teilt ©inten beS ©eltWerttyeS fudjte natiirlid) bie ©eiftlid)* teit tyotycre greife 31 t erzielen, was wieberunt bon ©eiten ber 23ilrgcrfdjaft um fo ntetyr auf fmtberuiffe fließ, als bie ©d)olaftici bie eigentlidje Slrbeit ntetyr unb ntetyr getunge* nen ©etyülfen überließen. UebrigenS Warb in Hamburg, wie aud) in Siibecf (tyier 4, 3 unb 2 ©djiUiuge) unb namentlich aud) in Bremen, baS bolle ©djulgelb nur bon ben SBotyltyabenbcn entrichtet, unb eilt aitberer SInfaty für ÜJtittlere unb Sinne gemadjt. Sie ©etyulgelteinnatymen flößen größtenteils bent ©ctyoIafticuS 3U. Ser Unterricht befetyrantte ficty gWar meift lebiglid) auf lateinifdje ©practye unb ttyeologifd)e SiScityliucn, aber eS lag fctyon in bemUmftanbe, baß man tiefe ©tiftsfdjnleit inSbefonbere für tie SlnSbilbuitg ter tünftigen ©ciftlictyen benutyte, Slntrieb genug, alles anberc gegen tiefe fyädjer 311 = rüdtreten 3 U laffen. Sie lateinifctye ©practye War übrigens bamalS fo im ©djroange, baß man in Hamburg bie ©taatSredjnuugeit wie bie ^anblungSbüdier lateinifcty fütyrte. ©elefen Würbe befonberS 33irgil, attßerbem Wotyl ©tücfe bon Dbit, Sttcan, Suoenaf, Gato, „bielleid)t aud) SerentiuS unb -PerfutS" (5Dietyer) — ©rautoff nennt für Piibed aud) ^oraj, lateinifctye Ueberfetyttngen beS SlriftoteleS, IpriScian, Cicero de officiis, unb Gicero’S unb OuinctiliaitS rtyetorifdje ©dtriften. 3m Seittfdjen (in volgari) fctyeint ■fianfcftäbte. 661 inan nur fehl' wenig, im ©riedjifd)cn unb ^ebräifdjen gar uidjt unterridjtet 31 t haben. Sdjreiben uut Sejen würbe wohl and) gelehrt, um anbere Sdjulcu gar nidjt auffommen ju (affen. SSefonbere pflege erfuhr bcr ©cfang, bei bem man sugleidj ben Äird>ertbienft im Singe hatte; für tiefen biltete fid) eine bcfonbcrc Slrt non Sdjülern (chorales), bie in ber Däljc bcd CDomeS itjr Dermitorium Ratten unb baljer and; Sdjlafjdjiiter (dormi- toriales, Slapfcoler) liegen. 3cbenfatIS haben tiefe fpalbfdjüler fo große Unjufrieten» heit erregt, taß man fie fdjon 1440 auflöste unb ben Gjjorbienft fßrieftern übertrug, toc^ fdjeinen aud) baburd) tie Klagen nidjt befeitigt werten 3 U fein. (Sine anbere 3 nftitution war bie um ’8 3at)i 1385 begrünbete 33rüberfdjaft ber Slrmenjdjüler, bereit 3 wcd war, bürftige unb frembe ^ßriefter, Slerifer unb ©djolareu, bie in Hamburg ftürben, auftäntig 311 begraben. ÜDiefc SSrüberfdjaft I;at bie Deformation überbauert mit befteljt, obfdjen mit feljr geringen Sinfünften, nod) jur 3 e >t fort. SBeldjcd tie Stellung unb S^ätigfeit beö scholasticus war, wie bann ff ater ber rector, magister scliolae, ludi magister (äJietjftcrc, Sd)o(meftere) an beffen Stelle, Don il)in abhängig, trat, unb bei beui Unterridjt dou ten locati ober loca tenentes (anfäng= lid) altere Sdjüler?) untcrftü(st würbe, ift (jier nid)t 31 t wietcrljolen. gür bad §am= burger Sdjulmefen ift taS SBeqeidptiS Don Sutercffe, weldjeS (S. “Kieper (S. 40) Don ten hamburgifdjen Sdjolaftifern uiittljeilt, unb weldje« Dom 3al)re 1212 bis auf bad 3abr 1805 Verabreicht, in Welchem 3oljann SutiuS fßalni, ber leiste ©djolafticuS, ftarb. ®er (Erwähnung bebarf nod) baS 3 nftitnt ber beiten Sccturen, ber lectura facultatis theolo- gicae unb tcr lectura secundaria, tag in Sübed fdjon im 13. 3ahrhunbert, in lpam= bürg urfunblid) erft 3 U Slnfaitg beS 15. 3al)rl)imbertS beftanben hat- 23ei ten meiften Stiftgfdjulcu ift uömüd) jwifdjen einer äußern Schule (exterior), aus ber fid) bann im Verlaufe ber 3iit bie öffentliche Stabtfd)ule, taS @t)mnafium, bilbete, unb ber innern ©d)ule (interior) 311 nuterfdjeiben, weldje für tie SluSbilbung ber ©eiftlidjen felbft be= ftintmt War. Sectoren nannte man eigentlid) tiejenigen ©eifttidjen, welche, wie SfiboruS fagt, ta§ Sluit hatten: lectiones pronunciare et ea quae prophetae yaticinarunt populo praedicare. Dad) unb uad) würben tiefe Rectoren tie Vertreter ter ÜBiffenfdjaftcn an ten Älöftcrn unb Stiftern, man fud)te tiefe Stellen, Don benen bie lectura primaria bie ange= feljenere war, 3 n botiren, unb befefcte fie mit gelehrten SDännern, bie man meift au 8 ter grembe h er &cirief. ®iefe Sccturen haben in Sübed unb fpamburg lange fortbe= ftanten unb finb in ihrem wefentlidjen ßwede, gortbiltuug jüngerer ®h eo ^S en » fefbjt in tie proteftantifdjen Äirdjeneinridjtungcn übergegangen. Sind tiefen Äirdjenfdjulen finb auch in ben fpaufeftäbtcu tie erften Stabtfifd;e unb egenfoy’fd;e fjuSmobern; be er gefinbe tonnen in tüd;ten regeren unb be linber in gehorfam unb gobeSfurdjt") aller gl;re merth finb. gine fpeciellere ©arlegung beS meiteren Verlaufes ber gntmidlung beizubringen, fheint theilS infofern unnöthig, als bie ©efdjidjte beS ftäbtifchen ©djulmefenS in ©eutfd;= lanb im allgemeinen aud anbern Slrtifeln biefer Snchflopabie jn entnehmen ift; tfieilS aber ift, menit felbft auf eigentlidje ©pecialgefd;ir= milrbigen [panfeftäbte, oon benen namentlid; 33remen8 ©d;ulgcfdnd;te nod) ein reiches 2lrbeitSfelb barbietet. SS ift freitid; babei nid)t ju oerfennen, baff, mie einerfeitS bie eigenthömlidje ©eftaltung ber ©djüloerhältniffe ber freien ©täbte bou ganz bcfonberem Sntereffe ift, fo hoch anberfeitS in biefer inbioibueüen gntmidlung felbft bie fnnberniffe mit liegen, biefelbe inS einzelne ju oerfolgen. ©eben mir fomit ju ben gegenmärtigen ©chuloerhältniffen biefer ©täbte über, fo müjfen mir uns auch ^ er auf eine allgemeinere gharafterifti! uub bie 3 u f anunt ’ 1 ftellung ber Zugänglich gemorbenen Eingaben befd;ränfen, gerne bereit, bei ermeitertem SDtaterial fpäter au geeigneter ©teile 3 rrtl;ümer ju terbeffern unb Süden ju ergänzen. Vemerlungen, mie fie fd)on beim granffurter ©dfulmefen ju madfen maren, fcheinen ftd; mutatis mutandis mieberholen ju laffen, b. h- neben oielem ©uteu, mobei in erfter Sinie Sntereffe für Vilbung unb 21 nhänglid;{eit an bie altberühmten VilbungSauftalten, mie baS 3ol;anneum, Katharineum, bie fog. ^auptfchule in Vremen, fteht manches IlnooKfommene, unb bieS möd;te mieber oorjugSmeife auf bem ©ebiete ber Drgauifa= 'tion unb Slbminiftration ju fudjen fein. ©aS höh ere ©djulmefen ift in mefentlicher Uebercinftimmung mit bem übrigen ©hmnafialmefen in ©eutfd)Ianb georbnet, unb bei einer berhältniSmäffig giinftigen ©otation biefer Slnftalten fomie bei bem Söerthe, mel* chen Hamburg, Vremen unb Silbed, obmohl .fpanbelsftäbte, auf biefelben gelegt hüben unb nod; legen, ift eS auch allezeit gelungen, borjügftche Kräfte biefen ©d;ulen zu er= merben unb ju erhalten, ©agegen fehlt eS in bem Viirger = unb glementarfdjulroefen burdjauS noch au Klarheit unb ©eftaltung, inbem theilS baS Verhältnis zönfdjen Bffent= lid;en unb iprioatfd;uIcn nid;t feft georbnet, meSIjalb oiele ©chuleu einen in ber -Hütte liegenben unentfchiebenen gharalter haben, theilS bie ^Beziehungen oon ©chule unb Kird;e nid;t flar auSeinanbergefeht, theilS bem SehrerbitbungSmefen nod; menig 3luf= merffamleit gefdjentt morben ift. ©omeit bie uns oorliegenben SDüttheitungen reid;en, fd;eint in SSejug auf ©efammtorganifation Hamburg nod; am meiteften jurüd, Vremen bagegen in neuefter 3 üt glüdtich üorangefdjritten 51 t fein, Sübed enblid) fid; etma in ber 9Jütte ju befinben. ©er SHfangel einer einheitlichen, mefentlid; technifch conftruirten ©chulbel;örbe fd;eint in ben brei fpanfeftäbten nicht minber empfunden ju merben, als bieS frül;er oon fyranlfurt a. SOc. oerfid;ert merben mu^te. 1) Vremen. S)?aauf>t= fdjule, beftel;enb aus bem ©hmnafcum — gegriinbet 1584, reorganifirt 1794, jur §aupt= fchute ermeitert 1817, reorganifirt 1858 — (©ir. Dr. ©raoenhorft) mit 6 gl. in 7 9lb= theilungen, 11 Sel;rer unb 117 ©djüler (©chulgelb 24—40 ©ld r - ®o!b), ber §anbetS= 664 '§cmfc|tribfe. fdjnle (Eir. Dr. tpertyberg) mit 9 ©(., 15 Setyrern unb 227 ©djülern (©d;ulgelb 24—40 Etylr. ©olb), unb ber Sorfdjule (f^rof. Dr. ä)tofc) mit 3 ©l. in 6 3lbttyeilungen, 278 Schillern, 12 Setyrent (©djulgelb 24 Etylr. @olb). ©efammtetat ber §auptfd;ule 40,000 Etylr. ©olb. 2) 6 jßribatfdjulen als IBorbereitungSfdjulen auf bie §autytfd;ule unb S3ürger= fctynle mit 366 ©Ctyütern. 3) 23ürger= unb Realfctyulen unb gwar a) bie neu -prof. Dr. @räfe geleitete 93ürgerfd;ule, eine rafety jur SMiite gebietyene Slnftalt, in 5 ©l. unb 5 -Parallel« abttyeilungen (©ctyülermayimum 40), 380 ©Ctyüler, b) 3 ißrinatauftalten mit jufammen circa 175 ©djfilern. 4) 9 työtyere SDläbCtyenfctyuIen (iprioatanftalten, 648 ©djüterinnenV 5) 15 ©lementarfd;ulen für Äinber työtyerer ©tänbe mit 627 ©djülern. — II. 33otfs» faulen unb jwar 1) 9 Äirctyfpielfctyulen (gehobene ©lementarfdjulen), unter SBorftänten, bie auS ©emeiubemitglieberu unb beni £iautyttyaftor gebübet finb unb fceffen ©lieber bie ^Bauherren tyeißen; für Änaben unb SDiäbcfjen meiftenS bis auf bie oberfte ©taffe ge« meinfdjaftlid;; Slaffenjaljl jumeift 4; ©efammtftaatSjufd;uß circa 10,000 Scaler; mit 2939 ©djülern (im Satyr 1858). 2) 9 greif ctyulen, ©taatSauftalteu mit 3—4 ©taffen; bie ©djüler ertyalten and; 33üdjer unb ©djreibmaterialien; 2062 ©djüler. 3) 24 con« ceffiortirte, meift non gräucn geleitete ©d)ulen; biejenigen, bereu ©djulgelb unter 12 Etyaler jätyrlid) beträgt, ertyalten nom ©taate bie tyatbe SRiettye als Unterftütyung; 2118 ©djiiter. 4) 2 grauentereinSfdjulen mit 78 ©djülern. 5) 5 Äinbcrbewatyranftalten.. III. ©eit 1858 ein ooHftänoigeS Setyrerfentiitar mit 3 Staffen (Eirector Sieben). Eie ©etyaltSnertyättniffe finb fo georbnet, baff bie ^Dirigenten ber Ipautytfdjule 1500 bis 1700 Etyaler ©olb, bie orbentlidjen Setyrer 8—1400 Etylr., bie übrigen 600—1000 Etylr. ertyalten. Eie Setyrer au ben Äirdjftyielfdjulen begietyen jWifdjen 175 unb 500 Etylr. (mit ©infdjluß ber 2Botynung); bie IJteifdjrtUel^reL- 180—485 Etylr., bie Dber« letyrer biefer 2lnftalten tyaben außerbem freie SBotynung unb §oljentfd;äbiguug, aud; alle fünf Satyre 20 Etylr. 3 u ^ a 9 e ^iS jum ÜDZayintum non 550 Etylr. Eer ©eminar« bircctor ertyatt neben freier Sotynung 1000 Etylr., ber erfte Setyrer 800 Etylr., bie übrigen werben nad; ©tunben tyonorirt unb jwar je 4 ©tunben Wödjentlid; mit 100 Etylr. — Eie Redjte ber ©taatSbiener tyinfidjtlid; ber ißenfionirung genießen nur bie orbentlidjen Setyrer ber £>autytfd;ule, beS ©eniinarS unb ber greifdjulen; für bie Setyrer ber ffirdjfpielfaffe beftetyt Weber biefer Slnftyrud; nod; eine befonbere ißeufionSfaffe. gür alle bremifdjen SoIfSfdjutletyrer beftetyt außerbem eine allgemeine SBittWenfaffe (©inlage 30 Etylr., Beitrag jätyrlid; 4 Etylr.), bereu 3iitfen tyalbjätyrlid; unter bie nortyanbenett Söittnoen nerttyeilt werben. Eie Seitung beS ©d;ulwefen8 ift in oberfter Snftanj in ben §änben beS ©djotar- ctyateS, ju weldjent metyrere ©enatoren getyören; außerbem beftetyeu ein ©emeinbefdjulratty unb ©djulbetyutationen für bie einzelnen ©d;uten. ^Bremen befityt aujjerbem (1858) 24 Sanbfd;ulen unb entwickeltere 33ürgerfd;ulen in Ißegefad (Eir. ©eibert) unb Sremertyanen. 2Son biefen finb einige fo überfüllt, baß, um ben regelmäßigeren ©d;ulbefud;ern jßlafe ftttyern, baS ©efety über bie ©djuloer« fäumniffe einftweilen außer Äraft gefetyt werben mußte. IIS eine eigentümliche ©in* ridjtung oerjeidjucn wir, baß ber eigentlid;e Religionsunterricht öon ber.x Pfarrer in bem Äirdjborfe erttyeilt wirb, woburd; in einem Eorfe ben Äinbern bie ©tunben SJiontagS unb EcnnerftagS oon 8—2 Utyr, Eienftag unb fyreitag oon 10—2 Utyr, SKittwod; ooft 9—11 Utyr öcrloren gingen. ÜDtan barf Wotyt fragen, waS ba für bie ©d;ule übrig bleibt. Ea nun aud; nod; oon einem großen äRangel an Setyrent berid;tet wirb, ber baju nüttyige, ber ©d;ute taum entwad;fcne Änaben als £>ülfSletyrer anjunetymen, fo fd;cint benn freitid; baS bremifd;e Sanbfctyulwefen nod; Raum genug für mandje 23er= befferungen ju taffen.*; *) (äineit bebeutungätollen gortfetyritt bezeichnet ber fürgltcty beriSffentlidjte „Setyi'füan für bie Sanbfctyulen bes Sremifctyen ©ebieteg- (Seibjig, SBranbfietter 1861 ), wetetyer ton bem riitymlicty befamiten ©eminarbirector 31. Silben im 3lnftrag ber ©enatscommiffion für bie firctylictyeu Singe« §anfeftdbte. 665 2) tp aut bürg bcfi(5t in feinem gymnasium academieum, (erridjtet jitfctßc ber 9iat()= unb 23iirgerfd)lüffe bon 1G10 unb 1611 unb eröffnet am 12. Slugitft 1613, 5 ißrofefforen für claff. fßfyilologie, fßhilofopljie unb biblifdje Philologie, SDiatljematil unb Phbjif, @efd)id)te, 9?aturmiffenfd)aft) eine 2'lnftalt, toeldie jmifdjen Uuicerfität unb ©tynmafiunt [tel)t unb befcnberö geeignet ift, turd) bie Sicherung ber allgemeinen mffenfdjaftlidjeu SBilbung bie ©efaljreii 31t einfeitiger ftadjftubieu 31t bermiubern. Jlußerbem ift baS gymnasium Jolianneum mit 6 SL, 16 Servern unb 136 ülfdlel)rertt unb 352 <3d)ükrn (Sdjulgetb 100 Sftarf). — ©ine Ueöcrfidjt beö gefammten haiitburgifdjen ©d)utoefend ift und nidit gugänglict> gelcorbett.*) legenbeiten ausgearbeitet unb im September b. 3. genehmigt unb ehtgefübrt toorben ift. Sr ftedt beit bejeiebueten Stnftalten, inbem er „ein SluSbrucf ber guten fpäbagogif ber ©cgenloart" fein feilt, ein t>of>es Siel; feeitn fte basfelbe auch mir aunäberub erreichen, fo toerben fie fiinftigbin SMnfteranftalten für ®eutfaub folgeube 5Rad)feeifnngeit »01t Duellen, aus beiieu loeitere ^Belehrung gefdjöpft loerbeit tarnt, 31t: 1. fpeppe, @efd)id;te be§ beutfehen ®ol!sfd;ttlmefenS ®b. V. ©. 224 — 284, ein brauch» barer SBeriibt, nur für bie neuere Seit nicht geniigeitb; 2. Sominiffionsberidjt an bie Unterzeichner ber ^Petition bom 8. 3uui 1842. Hamburg, fpertheS, Söeffer uitb 2Raule, 1843, (£b- 3 - ©chulivefeit, ©. 309 — 395 unb ^Beilagen. 4. Äurje Ueberftc&t ber §amburgiftf;eu ©efebgebuug in Sejitg auf bas ©cöulfeefcn ©. 434—450.) — ein borjüglidfer, bom berftorhencit fprof. Surm »erfaßter, jum großen SEpext ltod; auf bie jetzigen Suftänbe antoeubbarer Bericht über beit bamaligeti Suftanb bc« ©djiilfeefens, über bie ©efdjicbte ber ©chulgefebgebnng unb über bie bamaligeti SReformtmiitfche; bodj b fl t ficb feitbem auch manches geändert; 3. Diebbernteber, g. $•, Sur ©tatifHf unb ®opographte ber freien unb §anfeftabt Hamburg unb deren ©ebieteS. Hamburg, fjoffntaitn uitb ßatnpe. 1847. Sap. VII. 4. ®ie ©chideit ©. 371—434 — eine febr betaiüirte ftatiftifche Stngabe über alle ©cbulen beS fpant» burgifchett ©taateS, fo juberläßig, als eS bei ber int allgemeinen mangelhaften ©tatiftil besfeiben möglich iß; 4. Salmberg, fßrofeffor, ©efchichte des SohanneumS z u Hamburg (lateinifch uitb beutfeh), Hamburg 1829 — mehr bie äußere ©efchichte des SohanneumS umfaffenb, als auf bie innere Sntioidtung ber ©chule eingehend; 5. Programme ber ©eteörtenfd;ute des SohanneumS bon 1860 unb 61, enthaltend: ©h^tti! des fpantburgifcheii SohanneumS bom Snbe des 3- 1827 bis auf bie ©egenirart—Fortführung ber ©efchichte feie Dir. 4. 6. 3außen, Dr. StuSführtiche fftadjridRett über bie fämnttlid)eu ebangelifch»proteftantifchen Sircfen unD ©eifilicpeit ber freien uitb tpaitfefiabt £aiitburg unb ihres ©ebieteS, foioie über bereu Sohamteunt, ©hmnafium, fflibtiothel uitb bie dabei angeftellteu äRäntter. Hamburg 1826 — eine gute Srgänjung 511 9tr. 3 in ^Betreff beS afabemifchen ©bmuaitnmS unb ber SSibliothef; 7. ©uhrauer, Soachim 3uitgiitS, mtb feilt Seitalter, ©tuttg. u. £iib. Sotta 1850 — nichtig namentlich für bie ©efchichte des afabent. ©hiuitaftiimS; 8. fßeterfeit, ?ßrof. ©hrift., ©efchichte der föantb. Stabtbibliothel. fjantburg, Perthes, Seffer unb ÜRaufe 1838; 9. Steher, Sitrgen S3oua Dr., ©taat unb flirdfe im ©treit 11m bie ©chule in Hamburg. §antbnrg, 0. DReißner 1861. ©erfelbe, ©runbjiige ber Schulreform mtferer 3<üt. Sölit SRiidficht auf bie ©efchichte des ©chitltoefens iitföamburg. £amb. 0. DJteißner 1861. ®ie testen beiden ©dfrifteit, herborgerufen durch bie beoorftehenbe Dteitgeftaltung des £>antb. SchulfeefenS, enthalten neben ber principieKen Srörternitg biefer SReform zugteid; eine Ueberftcbt ber in »erfchiebeneu attberen batub. ©chulfchriften feit SSegittu biefeS Sahrhunberts niebergelegteit Stnfidjten über biefen Punct. giir gremtbe ber beutfehen ©djulgefcbichte loürbe eine eingehende quellenmäßige ^Bearbeitung ber Snttoidlnng beS ©chutioefenS iit ben §aufeßäbteit getoiß bon befcitberent Sntereffe fein. ®. iReb. 666 £anfcjt«bte. ®och erhellt aus ben einseinen 9Jiittheilungen, baß baS Vürger*, ®öchter= unb Volfs= fdjulwefen im engevn ©inne ötele Slnalogien mit bem oben oerjeidjneten bremifaupthinterungSgrunb 31 t liegen, ber öieHeic^t bei oeräuberten VerfaffungS= beftimmuugen halb megfäßt. 3) £iibecf. 3ln ber ©pi( 3 e beS ffübifchen ©djutWefenS ftelft baS Catharineum, ©hmnafium unb fRealfdjuIe unter bemfelben ®irectorate (®ir. Vreier); bie ©d;ule gä^tt 5 ©tymnafialclaffen mit 128 ©djülern, 4 Sfealclaffen mit 111 ©dfülern unb 3 Vorclaffen mit 82 @d;ülern, mit sufammen 19 Se^rern. (©djulgelb 50—90 SRart.) 3n einem felt= famen ©egenfa^e 31 t biefer altberühmten unb öon ben befannteften wiffenfil 0 , ©ie tfeologifireube Siecftd= unb ©taatdlefre 1861 ©. 98 ff. ©amit ift bad Sted)t ber Sbeatität, ton bem man atterbingd faum fpreefen fotlte, miffen= fchafttich begrünbet. Stuf bem ©ebiet bed unbefangenen populären ©entend innerhalb ber djrifttidjen ©efeltfdjaft mar biefed Sied)t aud) nidjt in grage gefteüt, meit bie entgegengefegte mate= rialiftifdje unb pfüifterfafte Siidjtnng fidh teieft, mag fie aud) atd Sebendftugfeit unb berber Siealidmud fid) fetbft „ibeatifiren“, burdj ihre bem ©emeintoefen mibermärtige Konfequengen fetbft anftagt unb btofjftetlt. ©d ift fd)tn an fid) moljlt^uenb, bad mit ganger ©eele gu erfaffen, mad fein fott, ber 3 bee eutfpridjt, in biefer 3 bee bed ©uten unb ©cfmneu 31 t (eben, ©ad geiftige Scben, gang allgemein gefaßt, mirb, ofme Stnertennung ibeater SEßertfje, noffttenbig ferabge* ftimmt unb enttoertfet nad) bem 9D7aß ber tergänglicfen, fatttofen irbifefen ©inge, bie ifm ben ©toff gur 23efd)äftigung barbieten, ©etbft bie Studbitbung ber geiftigen Äräfte leibet, mie benn Kampe einft fo offen mar gu fageu, bie iß^antafie fei ein bebenl= tiefer Studmucfd (Sßiefe, Sitbung bed SBittend 2. Stuft. 61). 3n ber ©fat menn bie ibeaten SBertfe in ber ©eete fehlen, fann bie ))3f)antafie nur irre gefen unb bie Unbe= fagtid)!eit bed auf ber SBette ber SSergängticfteit fdjmebenben Sttienfcfen nur oermefren. ©afin gehören alte bie focialiftifdjen ©cfmärrnereien, bie auf ber Sinie einer ton ber ©itttieffeit todgetödten angenehmen Brunft liegen, „tto eine befrudftenbe Sidjttrone 668 Sbcatitdt. über bent SJforbpol aufcjebjeit mirb, Drangen in Sibirien blühen, bad DJteer beit @efd>madf ter Simonabe annimmt, bie SBmeit unb §t)änen audfterben unb an ihrer ©teße mobI= moßenbe ÜlntilBmen unb 2tntimaBfifdje und bebienen unb bei Sßinbftißen unfere ©djtffe jiel;en merteu." 2 Bie ftedjen foldje falfdj=ibealiftifdje ■ßliantadinata pon ber fittlidjen gnergie ab, bie fdjon bei ber 33orfteßung bed ©d)led)ten unb ©d)impftidjen errBtljenb, nid)t abläßt, bem Äleinob ted ©Uten unb SBblidjen mit aller ©elbftoerläitgnung unb gntfagung freubig nadijitjagen, überzeugt, baß nur tag ©itte maljrljaft 33eftanb l;at unb aßed anbere todj cnblidj übermunbcn merten muß. Diefed ©trebeu, in ben gi^clnen mie im ©emcinmefeu bad tpBdß'te ju permirf» tidjen, mcnn ed and) mie bie fittlidje 3 tee überbauet älter i|t ald bad ghriftentljum, I;at tod) uirgcub einen mirffament §ebel ald in tem f^ccififcf> djriftlidjeu ©tauben. Dradjtcn nadj tem, mad broben ift, bie jufünftige ©tätte fudjen, ba mir I;ier feine bleibentc ©tätte ^aben, bie grfenntnid, baß bie 2Belt öergeljt mit ihrer Duft, baß aber mer ben SBißcu ©otted tl)ut, in gmigfcit bleibet, bie ginfidjt, baß ed bem SJtenfdjeit nid)td hülfe, mcnn er bie ganje SBelt -gemänne unb nähme bod) ©djabcn an feiner ©cele lt. f. m., aßed bad finb ebcnfo piele biblifdje Slntriebe jur Stealität. 2 luf meldje anbere Söeife ließe fid) tiefe firdjlidje Solfdbilbung nur einigermaßen erfetjcu, bie in foldjcn eiitfadjen, unoergcßlidjcu 2 Borteu liegt, gd ift fo befannt, baß bie nur ä ft bj e= tifdje grjieljuug pergeblid) Pon ber „fdjBnen ©eete" ermartete, mad nur ber I;ei[icje ©eift ju mirfen permag, baß felbft bie ungläubige nücfjtcrnc -ßäbagogif mtb ©taatd= lenferci bie djriftlidje 23ilbung nid)t entbehren modfte, ahncnb baß nur burd) bie pour le peuple afleiit mirffame ibeale Stuffaffung, bie bie Äird)c Pertritt, ben realen 2lnfor= berungen ber ©efefje eine Sßißendbemegmtg Ifeitfam cntgegenfomme. Dad ghriftentl)um giebt und aber nod) mehr, ald ben mirffamften $ug junt Sbcalen. 2 Sic cd felbft in ber 3Tfjatf adj e ted ©ottmenfdjen und eine Sürgfdjaft bafiir giebt, baß bie SBirflidjfeit trog ihrer großen gutfrembung Pom 3beat mefeutlid) mit ihm geeint mcrben fantt, fo ift ed audj bad hefte SDtittcl, ber fehlerhaften ibeali* ftifdjen ginfeitigfeit, meldfc bie gönn ter ©djmärnterei annimmt, ju begegnen. Denn mo lernten mir beffer, baß nidjt auf magifdicSöeifebad ©uteben ©ieg’geminnt, fo baß mir ttfntenlod ba ftfcen bürftcn, müßig flagenb über tie fdjledjte SBclt, über ben ßmiefpalt jmifdjen ©oßen unb ©ein? Die 3bealität djrijtlidjer ©efinnung poßenbet fid) in ber 3 ähiflfcit, bie flar erfannte SBirflidjf eit mit ihrer ©itnbe, junädjft bad eigne ^erj unb Seben unb bann bie meitern SBcrufdfrcife 511 tem 3 bealen uuab» läffig unijugeftalten in audlfarrenter ©ebulb. DicfeSlrbeit fängt fdjon frühe an, fdjon inifiinbc. 31 n ber^janb ted Srjiehcrd lebt ed fid; ein in 2Jtu|terbilber bed guten Sßoßeud unb 31001 ' ted ftarfeu Söoßcnd, mobei aßmählidj pon gatonifdjer ©tärfe p ber bed §erberfd;en Sllonfo ter emßfänglidje ©inn fortfehreitet unb fid) barin reiniget. ÜJergl. 33b. I. ©. 71 unb 74. I. ©. 703 (33lafirt). Sßtit 9fed)t forbert 2S a i h, 3lßgem. ipäbagogif ©. 194, baß ter grjieher bie etlfifdic Sdfattenfeite ted DJteufdjcnlebend, ben 3ti>iefpalt jmifdien ©h eoi 'i e unb ^ptayld, tem’Sluge ted 3 bglingd 31001 - nidjt turdj abfid)tlidje Däufdjung oerhüßen, aber bed) fo mcit entgielfcu unb fo fern fteßen foße, ald ed olfue DJadftlfeil für bie intcßectucfle Sludbilbuug bcdfclbcn gefdjehen fönne: „@d ift bied turdfaud erforberlid), um bie fitt= lidfen 3tealc in poßer Sfeiulfeit 31 K Sntmidlung 31 t bringen unb gehörig erftarten ju laffen. ßti'an fürdjte nidjt baburdj bad Stinb bem mirflid;en Seben 31 t entfremben. Sad 33er)tänbnid ber SBelt unb mit ihm auf ber einen ©eite ber Drud, ben bad rein fitt* lidje «streben taburd) erleibet, auf ter anbern tie SMtflugheit, bie fidj hinein finbet, fontmen früh 3 enu ö U11 b machen ed beibe 3 itr ^}3flid)t, bie Sbealc im jugenblidjen @e= müthe rein 3 U halten unb feftmurjeln 5 U laffen, au beuen fid) einft ber üftann erheben, auf bie aßein er einft bauen foß" u. f. m. 2 Bie tiefe 9 iiidfid)t fid) für tie perfdjiebenen Slltcrdftufen mobificire, ift in bem oben citirten Slrtifel ©. 71 ff. gut audgefül)rt. gd mürbe 311 meit führen, tie eii^elnen ©egenftäute ted llnterriditd barauf anjtt» Sbcalitdf. Snciytcnj. 669 jetjen, in meinem ÜJtajje fie jur 93ilbnug einer ibeaten SebenSanfdmuung beitragen. ■(33gl. tariiber I., G 88 ben Slrtifel 93ilbuug8gel)alt). 3nt allgemeinen finb nur bie ©iScipIinen nid)t lieber 31 t rechnen, Weldje bem formalen in ber 9Jatitr= unfc ©cifteS= roiffenfdiaft jugeWanbt finb, obwohl and) biefe als SDrganon beS (ErfennenS ihre 93ejie= l)img jur 3bealität haben tonnen. (ES ift begreiflid), baß and) bie 9tealfd)ule, fofern fte nidjt fjctd^fd^ule, fonbern allgemeine 93ilbung8fd)itle ift, ihre eigentlidje fßefttion nur in ben ibeaten ©iScipIinen nehmen barf, freilid) mit ben 35efonberheiten unb 23e= febränfüngen, bie ber übrige Sfyarafter beS ©tanbeS an feie §anb giebt, bem bie 9tcal* jdjule 31 t bienen berufen ift.*) Dr. fJB. .ffoffenberg. Sbiotcnauftoltcn, f. Sretinenanftalten. §gitorantiner, f. Sdjutbrüber. 3lUf)ffc(jeiu, f. körperliche Srjiehung, fßflidjten ber ©dntle. ^JtcifJtCltJ. Sncipient ift ein bem wiirttembergifdjen Solfsfdjulmefen eigentümlicher üluSbrud, welcher überhaupt einen Sehrling beS ©djullehrerftanbeS, einen Ültx-- fänger tl^eitS im Semen, tljeifS im Sehren bejeid)nct. ©0 fagt bie bortige 93.=Sdutl= 33erorbnung t>. 31. ®ec. 1810, §. 14. „®ie 3ncipienten beS ©dmllehtcrftanbeS foßen fünftig bie 3 U ihrer Schneit beftimmten 3 3ahre (oon erfolgter (Eenfirntation an bis jmn 17ten 3al)re ihres SltterS) nur aßein in einem öffentlichen ©d)uttel)rer=©eminar, ober in einer »em eüangelifd)en (Eonfiftorium genehmigten fßrioatbilbungSanftalt eines im pabagogifdteu fyadie fid) auSjeidjxtenben ©eiftlidjen, ober bei einem baju auSbrüdlid) legitimirten uorjilglid) tüchtigen @d)ullel)rer jubringen." SBeit jebod) öor ber im 3al)r 1811 erfolgten (Erridjtung beS erften ©d)ullcl)rerfeminarg in SBiirttembcrg, weldjenx nur einjelne Heinere pabagogifd)e Slnftalten cerangegangen waren, toeitauS bie meiften Sel;r= linge ihre SBorbilbung für ben ©dmlftanb burd) bie gn*a!tifcf) = theoretifc^e llntermeifung einjeluer ©chulmeifter erhalten hatten, fo üerblieb bie SBejeidjnung „Sncipient“ im Um terfdjiebe neu ©eminarift bis in bie neuere 3 e cor. £>at biefe Slrt ber Sehrerbilbung aber aud) eine wirtliche Seredjtigung? 3ft fte nid)t als ein bloßer Stothbeljelf anjufehext, fo lange bie ©eminarien nidjt bie erfor» berlid)e 3al)l boit ©dmlamtScanbitaten 31 t liefern im ©taube finb? ÜDiefe fyrage fann berfdjiebcn beantwortet werben, je nad)bem man baS eine ober anbere SDionxcnt ber Sehrerbilbung betont, ober je nad)bent bie 9Jfufterlel)rer, bei Welchen bie Setzlinge fid) heranbitben, befdjaffen finb. (Dajj bie fcientififdje Sitbung ber 3 “s? 6 nge in einem Wohleingeridjteten ©eminar, beffen Sel)rer für bie einjelnen Unterrichtsfächer fpecififd) befähigt finb, nad) ÜluSbehnung unb ©riinblidjteit xneit mehr geförbert werbe, als burd) bie Unterweifung eines 9)?ufterlel)rerS, ber, wenn auch überhaupt tüd)tig, bod) feiten, Wie man fagt, in aßen Sätteln gerecht ift, unterliegt feinem 3wetfel. ®agegcn gewahrt baS ©eminar, wenn and) eine UebungSfdtule mit bemfetben txerbunben ift, bem einzelnen 3 ögling wegen ber Sßtaffe berfelben 31 t wenig @elegenf)eit, fid) praftifdi im ©dcnlhalten *) Sßergt. ®offmamt, 3td>t @d;utrebeit über pabagogifebe 3 e itft' a 3 ctt 9t. 3, lieber bie 33e» beutung bei Sbeaten für Grjiefntng ltub ltnterriefit. ®. ßleb. 670 Sneipieng. ju üben, wührenb ber Sncipient einen großen ©f;eif feiner $eit in ber ©d)ufe gubringt, bie fDtethobe feines f)JieifterS burd) Aug unb Dl;r fennen lernt unb halb and) nad) beffen Anleitung einzelne Hebungen mit Heineren Ableitungen oorninimt. ©o eignet er fid) affmäfjfid) eine praftifd)e Svoutine unb Anfteüigfeü an, Dermöge Wefd)er er nad) bem Spanien nid)t als Renting in bie ©d)ufe eintritt, fonbern in il)r afg einer wol)l= befannten ©pfjäre fid) bewegt. SEBäljrenb ferner im ©eminar allgemeine fRorntcn unb fßrincipien in unterrid)tfid)er unb ergiebiger fpinfid)t maßgebenb finb, unb eS fdfwieriger ift, ben eiugetnen 3 ^ßltng je nad) feiner 3 nbinit>ualität angufaffen unb ju feiten, fann ber fPhtfterlefyrer. feinen Seljrling concreter unb inbioibuefler bei)anbei« unb je nad) feiner gaffungSfraft ober feiner öorl)errfd)enben SReigung 31 t eingefnen ©iScipfinen ober feiner etljifdjen 23efd>affen= Ijeit bifben unb ergief)en. ©agu fonnnt ber SSort^eil ber größeren Gcinfad)heit ber feinem fpateren 93erufgfeben aitgemeffenen 93erl)ältniffe, ber 95ortf)eiI einer Art oon gamilien= ergiefjung, Wenn ber 3ögling im ^aufe feineg 8 ef)rerS auS= unb eingefyt, ber 93ewal)rung oor mannen fittticben ©efal)ren, Wefd)e bag 3 n f amitlen ^^ cn einer größer« 3 a h^ bon jungen Leuten im ©efofge ljat, ber ©ewöfjnung an Anfprudjlofigfeit, S3efd;eifcen^eit u.f.w. ©iefe günftigen äRomente werben aber nur bann eine beiffame fjrud^t tragen, Wenn ber 2Ruftertef;rer feinem ^Begriffe in fitt(id)=refigiöfer, fcientififd^er unb praftifdier 93egiehung entfpridht. ßtoar fotf 3 .93. in 2Bürttemberg (Sonfift.=@rl. 0 . 5. April 1842) bie Srmädjtigung gur 93ilbung öon ©dfutamtSgögtingen nur ©d)uflef)rern ertl)eilt wer= ben, wefd)e burd) eine mufterf;afte ©d)ufe, grünblicfje Senntniffe unb burd) fittfid)=reli= giöfe Silbung fid) bagu befähigen, unb unter umfaffenber ©arlegmtg beS 8 eljrplan 8 , weldjen fie bei ihren 3ögfingen befolgen Wollen, fowie unter Angeige ber eingelnen |)ülfg= leerer, wefdje an ßeffeit Au 8 fiif)rung tljeifnehmen, unb Ufrer 5?et>rfäd>er, barum an[ud)en. Aud) ift bie nädjfte Auffid)t über ben gleiß, bie gortfdjritte unb bie fittfidje Aufführung ber 3öglinge neben bem 2Rufterfef)rer bem Drtggeiftlid)en, wefd)er aud; bie (Einhaltung bed Seljrplang gu überwachen I;at, übertragen. 3 «beS ift bie größte ©djwierigfeit immer bie Auffinbung gang tüdjtiger 3RufterleI)rer. äRaudje, bie fid; bagu quafificiren Wür= ben, haben entweber feine Suft, ober finb fie burd) bie ©djularbeit nebft fßrioatftunben fo in Anfpntd) genommen, baß fie gu jenem ©efdjäft feine 3eit finben. 5D7and)e 3ög= finge wollen gur SBernieibuug größerer Soften if)re 33orbilbungggett an ihrem @eburtS= orte gubringen, unb eg muß, um tiefefben bem ©d)ufftanbe gu erhalten, bem im Drt befinblid)ett © c^utnte ift er bie (Ermächtigung gur 93ilbung berfelbeu ertljcilt Werben, auch Wenn man in feine 93efaf)igung uid)t bie ooHe 3 uüer fi c t)t fefjeit fann. Anbere erbieten fid) gu foldjem ©efdjäft mel)r um be 8 pecuniären ©ewinng willen, ben 3—4 3ögltage ifmen bringen, als aus innerem SSerufe. ©a fehlt es benn tjäufig an ber gewiffen» haften UnterWeifung ober UeberWachung, unb ftatt griinblid)er, foWol)l bie ©heorie beS Unterrid)tS unß ber (Ergiel)ung afg bie fRealien umfaffenben fenntniffe, ift eg oft nur ein oberflad)lid)eg, gang fragmentarifebeg SBiffen unb eine medjanifdje gertigfeit im ©d)ufhaften, Wag bie 3ögli* I 3 e baöon tragen, gehft eg babei nod) an ber HRitwirfung eines tüdjtigen @eiftfid)en, fo ift eg mit ber Äenntnig ber 93ibef unb ber ®laubenS= unb fßflid)tenlehren fdjfimm beftefft. ©efbft bie ©ittfid)feit feitet nid)t feiten ©djiffbrucf) burd) ben Umgang mit ber rel)en unb auSfdjweifenben bäuerfidjen 3itgenb. 3tad) 93orftehenbem fann affo bie 93übung bei eingefnen ©ihulmeiftern nur unter geWißen günftigen 53ebingungen, ingbefonbere auch ber SRitwirfung eineg tüchtigen unb päbagogifd) gebilbeten ©eiftfidien, erfprießlid)e griidjte tragen. 233o aber biefe fid) fin= ben unb mit ihnen tag eigene tüchtige ©treten ber 3 ögfinge fid) nerbinbet, ba finb fd)oit recht Wadere ©lieber beg ©chulftanbeg h era ngebilbet Worben, ©aber erfenneit bie 93erechtigung tiefer Art t>on ffehrerbifbung fefbft fDtanner an, welche fid) fonft entfd)ie= ben für bie ©eminarbifbung erffaren. ©0 &ifenIof)r in feinen „OfficieHeit Seridjten über eine päbagogifdje fReife burch ©üb= unb 5D , iittefbeutfd)fanb mit befouterer fRüd= fid)t auf SBürttemberg.' ©tuttgart 1840. fparnifd) im 2 . Sänbdjen öon „grifdjeg gnciptenä. 671 ltnb girned ju 9fatt) unb Süjat" ©. 46 in bem lluffa^e: Silbung bet 8 et)rer ol)ne ©djuttehrerfeminare. Soufin, ber fidj fonft jtrar für bie ©eminarbitbung erftärt, fagt alä ein unbefangener Seobadjter ooit ber in 3febe fteljenben Slrt Bon Sehrerbitbung: „2Jian ertjäit fo ©djuttehrer auf fefjr irotitfeite Slrt, unb überbieS bitbet man fie nur ju ©djultehrern; man letjrt fte nur bad, trad ju ihrem Berufe nöttjig ift; in ber Schute auferjogen nehmen fie alle ©etoohnljeiten berfelben in fid) auf, fdjtießen fid) innig an unb bringen gern ifyr ganjcd 8 eben in berfelben 3U." 3n SBürttemberg hefteten neben ben ©taatöfentinarien'ißriBatbitbungdanftatten. ®ad 33 olfdfd)utgefet 5 B. 1836, Slrt. 43 fagt: „9Sur ben Bon berDberfdfutbefyörbe ^ieju ermäßigten ©djulmeiftern (Stuftertehrern) ift geftattet, ©dfuIamtSjögtinge für ihren Sßernf au^änbilben ober für bie 2tufnat;me in eine 33erufd=S3ilbungöanjtatt oorjuberei» ten. 3ur Gtrridjtung einer 33erufd=33übuugdanfta(t bnrd) ©eiftlidje, ©djuttehrer n. f. to. ift bie ©enefjmigung ber Dberfd)utbet)örbe erforberlid). 3 ut übrigen ift bie Sorberei» timg unb Sitbung ber bei einzelnen 8 eljrern unb in ißrioatanftalten befinblid)en 3 ög* tinge unter bie 3lnffid)t ber Dberfdjutbehörbe geftettt." £>ienad) jerfäüt bie Sitbungd* jeit in 2 ©tabien: 1 ) in bad ©tabium ber '.ßräparanben, toetdjed 3 treiSaljre bauert. SDiefe SSorbilbung ift ganj ber •ßrioattl^ätigteit anl)eimgegeben unb gefd)iel)t ttjeitS burdj ©djulmeifter, tretdje einen ober mehre 3 öglinge unterrichten, tljeitd in größeren 2 lnftat= ten, an beren ©pi£e päbagogifd) gebifbete ©eifttidje ftefjen unb unter beren Slufjtdjt meljre Seljrer arbeiten, ©ie umfaffen 10—30 ‘präparattben unb ber größte 2ßit ber ^räparauben erhält in ihnen feine Sorbitbung. Sin ben ©i( 3 en ber ©taatdf eminarien in dßlingen unb Nürtingen befinben fid) fotdje i}5rioatanftatten, an tneldjen theiltreife bie ©eminarteljrer Unterrid)t ertljeilen. ©ämmtlidje ^räparanbeu erhalten ©taatdunterftühungen Bon jäl)rtidj 30—40 ft. 2) in bad ©tabium ber S eruf dbilbung, loetcfjeS gleidjfaKS gioei 3ab>re bauert. ®iefe tonnen ftd) bie 3 ögttnge aneignen, a) in ben öffentlidjen ©eminarien, b) in ben prioatim errichteten 2Serufd=SitbungdanftaIten (iPribatfemiitarien), beren einige aber 3 ugleidj bie ißräparanben in einer befonberen Stbtheitung Borbitben, c) bei einzelnen ©djutmei= ftern. Slud) in biefem ©tabium erhalten fämmttidje 3 nglinge entfpredjenbe ©taatduu= terftühnngen. Sei bereinftiger Slnftetlung haben bie auf bem ‘’ßrioattrcg gebübetcn ßanbibaten gteidjen Slnfprnd) mit ben 3 K gttBgen ber ©taatdfeminarien. Uebrigend nimmt bie Sentfdbitbung bei einjetnen ©dßmeiftern mehr unb mehr ab, meit fie ben bei ber Prüfung gepeilten Stnforberungen, tuetd^e für bie ©eminariften mie für bie 3n» cipienten bie gletdjen finb, nur unbollfommen genügen fann. ©enügenber finb bie 8 ei= ftnngen ber ^ribatfeminarien, ftehen jebocp auörbe nad)fud;en, meid» biefetbe nur, menn biefe SIrt ber Vorbereitung bie boHftanbige Erreichung beS ßmedeS h°ff eu läßt, p ertEjeiten, jebod) habet bie SSorfdjrift p machen hat, baß ber berechtigte nur foldje Snbiöituen pr Unterteeifung annehmen bürfe, teeld)e in bem öffentlichen ©djultehrerfeminar, baS in bem Greife ihres Aufenthaltsortes [ich befinbet, bereits geprüft ober pr Sinnahme ge» eignet befitnben »orten finb, jebod) pr ßeit bie Slufnahme in bemfelben nicht haben erhalten fönnen" (Skrorbn, b. 5. Sutti 1835 §. 113). Eigentümlich ift bie Einrid)» tung in fpannober unb 23raunfd)»eig, mo bie fßräparanben einen halbjährigen EurfuS im ©eminar abfolbiren; aus ihnen »erben, »enn fie mehrere Sahre auf bem Saute gebient haben, bie fähigften Äöpfe auSgetoahlt, um fie in einem 2— 3jährigen EurfuS für ©tabtfdjuten unb bie Untermeifung bon Ißraparanben auSpbilben. Sotf. ^nbibibltalität. Literatur: Eicero, De Orat. I., 25, 28; II., 20, 24; III. 9, bgt. Brut. c. 56. — Duintilian, Inst. I. 8. — 3. 3. SBagner, ißhilofophie ber ErsiehungSfunft, ©. 87. ff. — 3. Ipaul, Sebana, §. 25. — ^erbart, 33riefe über bie Slnmenbung ber ipfpchologie auf bie fßäbagogif. ©ämmtlidje SB. X, 1. ©. 343 ff. — © djl eiermadjer, SDSonoIogen, ©.26; ©runbriß ber phifof. Ethif, herauSgeg. bon Dteeften, §. 130; ErsiehungSlehre, ©. 692 u. a. a. D. — SB. b. §umbo!bt, Sbeett p einem SSerfud), bie ©renjen ber SBirffamleit beS ©taatS p beftimmen. @ef. SB. VII., ©. 10 ff. — 33enefc, ErjiehungS» unb Unterrichtslehre, §. 9. — 2Baif3, Ißäbagogif, ©■ 156 ff. — ©tot), Encpflopatie ber fßäbagogi!, bef. ©. 107 ff., über bie 3nbibibualität beS SeljrerS, ©. 261. —• 23on früheren Art. finb p bgt Slnlagen, Beobachtung, Eljarafter, ©enie unb fdjließlid) barf berSSerfaffer fid) erlauben auf feine eigenen „©runbpge ber ErphungSlehre", §. 25—35, hinpteeifen, »o feines SBiffenS bie ausführlichste päbagogifdje S3eljanblung biefeS ©egenftanbeS fid) finbet. SllS principium individualitatis gilt belanntlid) ber ©at?: „Quodvis indiyiduum est omnimode determinatum.“ DaS Snbioibuum ift bemnad) „ein Einjelbing, toelcheS bon allen anbern burdj geteiße eigenthümlid)e SDfcrfmale ober Seftimmungen ftd) unter» fdjeibet." 3n bem ftrengeren ©inn, in »elchem man nur einem organifdjen SBefen 3n= bioibualität pfdjreibt, gehört aber »eiter p tiefem Begriffe, baß bie eigentümlichen SDterfmale unb Beftimmungen nid)t bloß pfällig geteerten finb, fonbern aus ber ÜRatur beS Dinges, aus einem eigentümlichen SebenSprincip heröorgehen; unb in bem ftreugften ©inne, in teeldcem mir ben ÜJtenfdjen namentlich auch burd) ba§ fpräbicat ber 3nbibi» bualitat bon ben SBefen nieberer Dehnungen unterfd) eiben, fdjließt ber Begriff berSnbt» bibualität biefeS ein, baß „bie einzelnen SJfenfdjen urfpriinglid) begriffsmäßig bon einan» ber berfd)ieben"' finb; „begriffsmäßig, b. h- nicht llur » teeil fie 411 3£aum unb ßeit anbere finb', fonbern fo, baß bie Einheit, aus »eld)er baS in fftaum unb 3eit @efe(jte fid) entmidelt, berfd)ieben ift; urfprünglid), b. h- fo, baß bie S3erfd)iebenheit nicht etma nur geteorbeu turd) baS ßafammenfein mit bcrfdjiebenen, fonbern innerlich gefegt ift" (©chleierraacher, ©pftem ber ©ittenlehre, hevauSgeg. bon Dteeften, §. 130). Die Snbibicualität ift alfo eine in ber Sfatur beS SJlenfdfen urfprünglich angelegte, mithin gottgeteoHte nnb angeborene. SSon ber fßerfönlidjleit ift bie Snbibibualitat fo unter» fdjieben, baß bie Snbibibualität ber Snbegriff ift ber in ber Statur beS einjelnen Säften» jdjen angelegten unb aus ihr entteiefeiten Eigenthümlichf'eiten, teoburd) er bon allen fpätajj. önojflopübic. III. 43 674 ^nbioibuatität. anbern Singetmefen fidj unterfdjeibet; mälgreitb er Bermöge feiner )|5erfBnIid)feit ©elbft= gmed ift, in biefer feiner 33eftimmung fid> erfennt, Bott anbern unterfdjeibet uttb ifynen gegenüber mit fitttidjer greifyeit fid) behauptet, ©er Sfyarafter (f. b. 2lrt.) ift bie fittlid) »ermittelteSnbiBibuatität unb fteljt infofern bemRaturett gegenüber, loorunter mir bie in natürlidjer Unmittetbarfeit tjerßortretenbe Sigentfyümtidjfeit beS Qshtgetnen oerftefyeu. 2I1§ ©ubjectiBität begeid)nen mir bie SnbiBibuatität, infofern fie in ber ©ptjäre bed Urtljeitd fid; geltcnb mad)t; atd ©einütl) faßt fie in ber©iefe bed©etbft= bemußtfeind unb jugleidj in iljrer Segieljung gu bem Uneubtidjen unb ®öttlid)en fid) gufamnten. So bad Red)t ber ißerfönlic^leit felbft, bad Redjt bed ÜDtenfdjen, ©elbftgmed gu fein, nod) nidjt gur Sterfennung gefommen ift, ba läßt fid) eine Stnerfennmtg bed Redjted unb ber 33ebeutung ber 3nbioibuatität nid)t ermarten; beim bem ÜRettfdjen fann erft bann geftattet merben, ein eigentl)ümtid)er gu fein, mentt it)m bad Red)t guerfattnt morben ift, ein felbftänbiger gu fein. 3n ber oordjriftlidjeit orientalifdjen 333eit oer= miffen mir, in ber ©rgietjuitg mie in bem gefamntten £eben, mit bem einen aud) bad anbere: überall unb in alten Segietjungen, im l)äudttd)en unb bürgerlidjett, mie im religiöfen Seben, mirb burd) bad, auf bie eine ober anbere 3Beife ald ein ©öttlidjed bargefteüte, Mgemeine bad 3nbioibuetle fo übermogen, baß bad it)in gebüljrenbe Recfjt baburd) beeinträdjtigt ift. Stud) bad ifraetitifdje 23otf ift Bon biefer Sinfeitigfeit nidjt frei. £)bmot)l l;ier burd) ben ©tauben an beit ^erfönlidjett ©ott ber Offenbarung aud) bad Red)t ber menfd)lid)en -Perfönlid;teit in fyötjerem ©rabe gur Stnerfennung lomntt unb bamit gugleid) bie SnbiBibuatität freier fid) entfaltet; fo fomrnt fie bod) nod) nid)t gu il)rem Botten Red)te, unb bie (Ergießung mirb oorgugdmeife gur 3ud)t im engern ©init, atd bent 33eftreben, gu Bertfinbern unb gu befeitigen, mad bent ©efetse miberffmd)t, im Unterfdjieoe Bon ber 23emül;uitg, bad in ber eigentfyümlidfen Slttlage bed 3ögtingd ©egebene in Uebereinftimmung mit bem @efe(3e IjerBorgubitbeit unb gu eittmicfeln. ©er orieiitalifdjen Seit gegenüber mürbe burd) bie gried)ifd)e unb nad) beren SSorbilbe bann and) burd) bie römifd)e Srgiefyuttg bie Snbioibualitat Bertreten, mie ja biefen SBölfern and) bad göttliche Stttgemeine in einer Seife, mie ed in feiner ber orientatifdjen Religionen aud) nur anitäl)ernb ber galt mar, iit eine SJienge inbiBi= buetler meufd)enät)ittid)er ©eftalten fid) gefonbert t)atte. @teid)mot)I finbeu miruurfeljr fetten Bon ben ©djriftfteflern bed ctaffifdjen Rltertfyuntd bie Snbioibualitat bem Srgiefyer audbrüeftid) gur 33erütffid)tigung empfohlen. Slriftoteled (Pol. III. 1.) entmiefett furg, aber treffenb aud ber 33eftimnutng bed SDtenfdjeit guin Staate atd einem aud ©liebem, metdjen eigentfjümlidjc gunctionen obliegen, beftetyeubett Drganidmud bie Rottüoenbigfeit eigentf)ümlid)er ^Begabung ber Singeinen. ©tjeopbraftd Sfyaraftere fteüen befanntüd) nur bie Saricatur bed Subioibuetten bar; unb bedSfofrated 2leußerung über feine Berfd)iebeite Sßcljanblttiig ber Betriebenen Sitbioibualitäten Bott Sßborud unb ©I)eof)omf'Ud t)at ed eben bem Umfiattoe, baß fie fo allein ftel)t, gu Berbanfen, baß fie Boit Sicero (De Orat. III, 9; Brut. 56) uttb Bon Onintiliait (II. 9; X. 1, 74) miebert)olt citirt mirb. ©iefe beiben Römer fyaben benu aud), an jene Slettßerttng an= fnüf'fettb, bad SBoUftänbigfte unb ©reffenbfte gejagt, mad int 2lttertt)um über ituferen ©egeuftanb gu finbeu ift, unb aud) auf ben testen ©runb ber inbioibueüeit Begabung meidt Sicero fd)ön fyitt, menn er (De Orat. I., 25) fagt: Sunt quidam ita in iisdem rebus liabiles, ita naturae muneribus ornati, ut non nati, sed ab aliquo deo ficti esse videantur. ©er @ad)e itad) giebt ©ofrated in berütrt, mie er naitteiit» lid) in ben g>latonifd)eit ©iatogen auftritt, ein betounberndmürbiged SRufter ber SSel;anb= lung her Snbioibualitat, ttnb menn eine fotdje 33et)aiiblitng nid)t öfter audbriidtid) ge= forbert mirb, fo erftärt fid) bied eben baraud, baß fie, ben ©ried)en ltantcntlid), fid) Boit felbft Berftanb. Stuf ber attberen ©eite aber biirfeit mir bod) aud) nid)t oerfeittteit, baß aud) iit her antifeit Seit Red)t unb )ßflid)t ber Snbioibualitat bod) nod) nid)t in ber redjien Seife gur ©ettitng famen. ©iefed ift näutlid) nur ba rnögtid), mo biefetbe Snbibibuatität. 675 al§ eine öon ©ott gewollte unb gu einer beftimmten gunction im Organismus ber äßenf d;fyeit berufene aufgefaßt wirb. 3n ber antifen SBelt aber würbe bie 3nbioi= bualität eben nur auS bem begriffe beS ©taateS abgeleitet unb Wieberum auf ben nationalen ©taatSjtoed bejogen. Unb barauS erllärt fid; nid)t nur, toie burd; baS 3nftitut ber ©llaoerei bie 3nbioibualität in il;rem Ifeiligften 9fed;te auf baS tieffte oer= lebt werben f'onnte; fonbern aud;, wie einerfeits bie fßartanifdje Srjie^ung burd) bie oorwaltenbe 3liidfid;t auf ben ©taatSjWetf aud; ben greien nid;t jur gebüfirenben fyrei= l;eit ber inbioibueHen (Entwidlung gelangen lieft,*) unb baß anbererfeitS wo, wie in Sitten, ber ©taat bie utiuber ftraff an 3 og, bie inbioibuefle greilfeit in Ungebun* ben^eit unb 2BiKfürlid;Mt auSartete. ©aS ßl)riftentt>uui, wie eS erft nad; bcr9luf= nannte ifraelitifdjer unb I^eHertifdjer (Elemente in feiner oollen Straft unb SBirffamfeit fid; entfaltete, begrünbete aud; juerft baS richtige 23erI;ältniS jwifdten bem allgemeinen @efe (3 unb ber Snbioibualität unb wahrte 3ied;t unb ißflidjt ber lefeteren auf gleiche SBeife. Slm ooHfommenftcn [teilt jenes SBerpltniS in bem (Srlofer felbft fid; bar unb bie gormel bafiir giebt er uns burd) baS einfarfje 333ort (3oI). 10, 30): ,,3d) unb ber SSater finb (Eins." ©arnad; foH baS ©efef; ber Snbioibualität nidjt mel;r auf eine il;re freie (Entfaltung vielfältig befd;räulenbe SBeife äußerlid; gegenüber [teilen, fonbern baS ißrincip unb bie iunerlid; treibenbe Straft beS inbioibueHen SebenS felbft werben; unb anbererfeitS foH baS inbioibueHe Men nid;t mel;r in fubjectioe SBiHlür auSarten, fonbern eS foH bie wal;re greil;eit in ber freien Ucbereinftimmung mit bem göttlid;en ©efefje fud;en, gleichwie (EljriftuS Oon fid; fagen fonnte (Sol). 4, 34), baff eS feine ©peife b. I;. baS eigenfte 23ebiirfniS feines natttrlidjen inbioibueHen SebettS fei, baff er ben SSillen feines SßaterS tl;ue. ©emgemäß oerbinbet ber 3lpofteI -Paulus mit ber 2Iner= lennung ber mannigfaltigen ©aben bie gorberung, baß (Ein ©eift in allen wirfen miiße (1. (Sor. 12, 4), unb er begrünbet f)ted;t unb ipflidjt ber Snbioibualität in einer 2Beife, an weld)e rticljts, was baS 2l(tertf;um barüber gefagt l)at, aud; nur entfernt I)inreid;t, wenn er fagt (9tom. 12, 4— 6 ): „©leidjer SBeife, als wir in einem Oeibe viele ©lieber I;aben, aber alle ©lieber nidjt einerlei @efd;äfte I;aben; alfo finb wir viele ein Seib in ß^rifto, aber unter einanber ift einer beS anbern ©lieb, unb I;aben mand;erlei ©aben nad; ber ©nabe, bie uns gegeben ift." 3 un “dtjft bie d;riftlid;e ©emeine, bann aber aud; bie oon biefer aus 31 t Ijeiligenbe gefammte 3Renfd;l;eit, ift I;iermit als ein Organismus bargefteHt, in weld;ent burd; bie gegenfeitig ftd; uuterftü(jenbe unb ergänjenbe ©l;ätigl'eit ber oon ©ott mit eigentl;ihnlid;er Begabung auSgeftatteten Snbioibuen baS gottlidje ©efefs 31 t ftets ooHfommenerer 33erwirtlid;uug gelangen foH. üßeitläufiger fül;rt Paulus benfelben ©ebanfen im 12. (Eaßitel beS 1 . 33riefeS an bie Storintfyer (33. 4—33) aus unb ftellt bann im folgenben (Eapitel baS ißrincip biefeS neuen inbioibueHen unb gemein= famen SebenS auf: an bie ©teile ber gurdjt, Weld;e bem äußeren @efe( 3 e fid; beugt, muß bie Siebe treten, weld;e baS ©efefj in ben eigenen SötHeit aufnimmt unb sugleid; ber (Eigentl;ümlid;leit anberer bie offenfte ©mßfänglidjfeit 3 itwenbet. ©iefen neuen ©runb= fäjsen entfprad; benn aud; baS neue Seben innerhalb ber d;riftlid;en ©enteine. 3e(jt erft fam baS 3ied;t ber -ßerfönlidjf'eit 3 U OoHer Slnerfeunung, WaS für bie (Eqieljung baburd; befonberS frud;tbar würbe, baß nun aud; baS SDBeib in bie il;m gebül;reube ©teHung eintreten burfte: ber £>aud; l;eitiger SRutterliebe weil;te bie gamilie 31 t ber ©tätte, auf Weld;er bie Subioibualität bie redjte pflege unb (Entwidlung finben lonnte (vgl. 953 i ef e, ®ie©tellung bergbauen im ßljriftent^um, ©. 11 ff.). SBenn bann bie romifd;e Stirdje, nid;t oI;ue gefd;id;tlid;e 33 ered;tigitng, ben altteftamentlid;eu ©tanbfunct wieberl;erftellte, Weldjer ben SBegriff ber (Er 3 iel;ung in ben ber 3ud;t im engeren ©inne aufgel;en läßt; *) Saß biefe Stnfeitigfcit bem Sorismus in ber Sfat eigen geWefeu ift, faitn@toi; (a. a. O. ©. 143) burd; Sßertoeifmtg auf D. ÜMtter um fo weniger wiberlegett, ats bei alter Stner* lennung ber unbeftrittenen SSerbienfte biefeS ©etebrteu bod; feine Sbeatifirung beS SoriSmuS O 011 anberen gorfd;ern tängft auf bas red;te SDiafj guriidgefiißrt worben ift. 676 Snbiöibuatität. fo lag bodj gerabe in bem germanifdjen (Stamme, welchem biefe 3udjt oorjugSweift galt, bie ©enbenj, baS fftedjt bei- Snbioibualität 51 t wahren unb babei jugleidj baS ge= Bü^rence Sfftaß 51 t galten, ©ewiß mit Sfedjt I;at man als bie ©genthümlidjfeit beS beutfdjen ©eifteS biefeS begcidjnet, baß in ihm baS ©emütl) befonberS ^erncrtrete, in meinem, mie bemerft, bie Snbioibualität in ihrem innerften Söefen fid) felbft jnfammen» faßt unb jugleid) in ihrem notfymenbigen 3 u f'^ tnm enl>ange mit bem Unenblidjen unb ©öttlidjen. ©aburd) ^at bie beutfdje 3$olfSthümIid)feit oor ber ifraelitifdjen baS be= ftimmtere 33ewußtfein bei- inbioibuetten ©genthümlidjfeit, Bor bei- griedjifdjen aber bie unmittelbarfte Sejiefmng ber Snbioibualität auf baS ©örtliche oorauS, unb iljre natiir= lidje 2lnlage fontnrt fomit ben baS fftedjt unb bie fßflidjt ber Snbioibualität in baS richtige 33erf)ältniS fe^enbcn Sluforberungen beS ©jriftentljumS entgegen. 3luS biefem Untftanbe erflärt eS fid), mie, tro (3 ber oon bem römifdjen Äirdjentljume auSgeljenben Hemmungen, in bem DJitterthum unb 33ürgertl)um beS beutfdjen ÜDiittelalterS ein inbioi= buett bewegtes Seben oon einem ffteidjtljum fid) entfalten tonnte, ber, abgefeljen 00 m ©riedjenthum, taum irgenbWo fonft feineSgletdjert finbet. 33ortrefflid) aber tjat in tiefer 3eit ber gewaltige ©ante (fßarab. YIII, 33. 91—148) baS siecht ber Snbioibualität begrünbet. Slnfnüpfenb an bie ariftotelifdje Slbleitung ber üftofljwenbigfeit oerfdjieben» artiger Begabung aus bem ©taatSjwecfe, führt er nie ©gentljümlicbfeit beS ßinjetnen unmittelbar auf bie ©djopferfraft ©otteS jurüd, melier ben 9)fenfd)en jur gefeHfdjaft= lidjen Drbnung, ju einem noUrmov gräoi» beftimmt fiat. ©arauS erflärt er, baß nidjt nur ber eine jum ©efehgeber (t geratfien. Unb Wenn bte Seit bort unten achten Wollte 2Inf jenen ©runb, ben bie Statur gelegt bat, aBiirb’ ihm fie fotgenb beffre SJlcitfcben baten. Sbr ater fdjteppet ju bem Ätofievteben, ®er ba geboren war, bas Schwert ju gürten, Unb inad;t jum Äönig, bem bie ißrebigt jiemte; »Darum entfernt ftd) eure Spur tont 3Bege. ©ie SBieberbelebung ber claffifdjen ©tubien mußte einer freieren inbiüi» buetten 33tlbung günftig fein, unb wäljrenb tiefe namentlich in Stalien nicljt feiten in eine Smancipation menfdjlidjer UDittfür unb finnlidjen ©elüftenS üon jcbem höheren göttlichen ®efetje umfd)Iug, würbe fie oon bem ernfteren beutfdjen ©eifte in SSejiehung gefejjt ju bem lebenbigen ©lauten an baS in ©jrifto ber SJtenfdjheit bargebotene wahre §eil, in welchem ©tauben baS iitnerfte SetürfniS beS beutfdjen ©emittheS eben fo feljr fid) tefriebigte, als burd) ihn bie urfprünglid)e eOangetifd)e Sehre in iljrer Feinheit WieberhergefteHt war. Sn ber ©hat war ba§ h^djfte 3> e I menfdjlicher Silbung erreicht, Wenn eS gelang, bie reidje unb fräftige ßntfaltung beS inbioibuetten SebenS, wie baS claffifdje SIfterthum fie barftettte, auf baS chriftlidje fprincip ju grünben, tamit fie burd) tiefes erft ihr eigenes eigeutlidjeS SebenSprincip unb iljre höh^e SBeihe empfange. 2ßie aber in ber fforberung eines lebenbigen, auf eigeufter (Erfahrung unb lleberäcugung bcS ©laubenben ruhenten eoangclifdjen ©laubenS felbft bie Slncrlennung beS 91ed)teS beS SnbioibuumS auf eine freiere Sntwidlung fd)on enthalten War, baS h a * sor a ^ ett Luther beutlidj erfannt, unb eS erflärt ftd) barauS fein SBibei-fpritch gegen bie Snbiöibuatttdt. 677 d)ifd)e 3 u ^t beS Mittelalters, gegen baS biele „Stäupen unb ©d)lagen", woburdj oiel feine Sngcnia berborben »erben, unb anbercrfeitS feine Smpfepiuitg gpnmaftifdjer Hebungen, wie feine wahrhaft preppetifdje ©crauSftdjt beS GtinfluffeS, weichen ber ebattge* lifdte ©laute auf baS ©ebeipen ber oerfdßebenen 2öiffenfd)aften, nid)t bloß her pf)ilo= [ogifcpen unb gefd)id)tlid)en ©tubien, fonbern aud) auf bie 9iaturwiffenfd)aft, üben ittüße. SBcnn bann and) bie alteften praftifdjen -ßäbagogen ber eoangelifdjett fi'irdje au§ @ritn= ben, weldje Ijier nicht weiter 31t erörtern finb, unb welche mehr außer ihnen als in ihnen lagen, auf heften einer bielfeitigeren Bilbung in ber fjertigfeit im Sateinfpred)en unb »fdjreiben baS fpaupisiel beS Unterrichtes erlannteit unb in biefer Bejiehuttg bon ben jefuitifdjen Sel;ranftalten fidj nid)t unterfdjieben, welche, gerabeju auf Unterbrüdung freier inbioibueHer 9iegung auSgiengen; fo Wehte bod) in proteftantifdten Slnftalten, wie in ber bmt 3oI), ©turnt in ©traßburg, ober in ber unter ihrem dictator perpetuus Srojenborf repubticanifch gegtieberten ©djule 3U ©olbberg ber ©eift eines freieren SebenS. $aS ©ringen auf-einen naturgemäßen, beut 3$g6ug baS fernen angenehm madfenben Unterridjt, welker ben päbag 0 gifd)en 9teuerem, wie 9latid), ßoitteniuS u. a. eigenthilmlid) ift, fdfloß eigentlich bie gorberung einer Berüdfidjtiguug ber Snbibibualität fdjen in fid), unb sott einigen würbe biefe gorberung aud) auSbrüdlid) auSgcfprodjen; in ber $rapiS aber führte baS ffiertrauen auf bie abfolut ridjtige 9)tetl)obe, weldje ein feber eutbedt gu haben glaubte, rneift vielmehr baju, baß biefe reformatorifd)e ©äbago= gif gegen bie ©erfdjiebenheit ber Snbibibualitäten gleidjtnadjerifd) fid) berpielt. ülelmlid) »erhält eS fid) mit ber philanthropifchen Srjiehung BafebowS unb feiner Anhänger, in welcher überbieS, wie fd)on bei Sode, bie 9tüdfid)t auf ben äußeren 3»ed, „nützliche SBeltbürger" 31t erziehen, bie Snbibibualität nid)t 3U ihrem bellen 9ledjte fommen ließ. SlnbererfeitS fdjlug bei 9touffeau baS 9ied)t beS SnbioibuumS 3utn Unban! unb Un= red)t beS egoiftifd) ifolirten ©ubjectS gegen bie©attung unb bie©efeHfdjaft um. ©efta= lojji, inbem er bie Siebe 30111 eigentlichen ’rßrincip ber päbagogifd)en ©hätigleit erhob, eine allgemeine BolfSbilbung forberte unb alfo ben @itt3elnen als organifd)eS ©lieb ber ©efammtheit auffaßte, bem er angehörte, unb inbent er enblid) baS Mutterhaus als bie eigentliche ©tätte ber Sr3iel)ung aufah, hatte bamit bie wefentlidjen ©orauSfefcungeti gewahrt, unter welchen bie redjte Söerüdficfttigung ber Snbibibualität in ber ßrjieljung möglich ift. ®od) aud) bei il)nt überwog bie SBerthteguug auf beit fertigen methobifdjen ©djematiSmuS 3U fehr, unb eS blieb $h^°f°^ en » faS 9ied;t ber 3nbioibualität, als fold^e uon ber ©rgietmug anertannt unb gepflegt 31 t «erben, tommt berfelben nur bann ju, «ettn fie eine in bent Sßefen beS 3ügling8 urfpritnglid; begriinbete, «eil Bon ©ott in tl;n gelegte unb bannt angeborene ift. gür bie Urfprünglidjfeit ber Snbioibnatität in biefem©inne fprid;t nun fd;on bie ©rmägung, baß je IjBIjer eine ©attung in ber ©tufenrei^e ber Organismen fteljt, um fo meljr and; bie jn tyr gel;örenbeit ©iujelmefen bttrd; eine in ihrer befonbern Organifation urfprünglid; angelegte ©igentfyümlidjfeit Bon einanber fid; unterfdjeiben. ferner gehört lieber ber innige 3 u fnmment;ang beS meufd;lid;en ©eifteS mit bem Seibe, beffen angeborene ®igentt;ümlidjfeit uujmeifelbaft ift, ein -fjunct, auf «etd)en fdjon ©icero (De Orat. 1, 25; Bgt. aud; Iperbart, a. a. D.) aufmerffam gemacht bat, «entt and) nur in ber befonbern 9tüdfid;t auf ben SSeruf beS 9tebner8, «eldjer aud; beftinunte leiblidje Dualitäten üorauSfefct. ®a 3 U fommt, baß bie öerfdjiebeiten ©eiten beS geiftigen Sehend ber 9Jtenfd;l;eit nur bann recht reid; unb träftig fid; ent» falten tonnen, inenn ihre pflege nicht bloß foldjen iiberlaffen ift, «eld;e nur ber Zufall ober bie SBilltür ihnen äugcmanbt bat unb «eld;e mit gleicher innerer 23ered;tigung il;re Obätigfeit anbereu ©ebieten bitten jutoenben tonnen, fonbern nur bann, wenn bie con» centrirte ©eifteSfraft urfprünglid; baju berufener 3nbiBibuen fid; auf fie rid;tet. Stuf ben ©inloanb aber, baß burd; eine fo(d;e urfprünglid;e 23efd;ränfitng feiner Stnlage bie ffreibeit bed 5D2enfd;eit beeinträchtigt, ober gar bie göttliche @ered;tigteit Berieft «erben «iirbe, ift 31 t er«ibern, baß ber Sinjelne für biefe 23efd;räntung reidjlid; entfdjäbigt «irb, inbem er, als lebeubiged ©lieb in beit Oicnft beS ©angen eintretenb, aud; an bem Sehen beS ©anjen 2lntl;eil nimmt, meld;e 8 eben baburd;, baß es in feinen Ber» fdjiebenen ©ebieteu burd; befonberS baju SluSgerüftete gepflegt «irb, nur um fo reidjer fid; entmidelt. ©nblid; Iel;rt aud; bie Srfabrang 31 t beutlid), baß unter äußeren SSer» I;ältniffen, «eld;e, fo «eit uienfd;Iid;e 23eurtl;eilung reid;t, Bötlig gleid; finb, baß nicht et«a unter SBriibern bloß, fonbern felbft unter 3'BittingSbrübern, eine oerfdjiebene SSe» gabttng Boit ben erfteit felbftänbigeit Regungen beS ©eifteS an fid; geltenb ntad;t, unb 3 «ar als fpecififdje Slntage für eine beftimmte Seben 8 fpl;äre, am beutlidjften im ©ebiete ber Äunft, «eil in biefe „aud; ein natürlid;eS SJioment als «efentlid; bineinfpielt" ($e= gel, ©ämmtl. SB. X, a, ©. 357); bod; tritt nid;t feiten and; bie Borberrfdjeube Slnlage für ein inniges unb reid;eS @efül;lsleben, für tlareS, fd;arfeS unb tiefes ©rfenneit, für eine auf fräftige unb oielfeitige SBirtfamteit nad; außen gerichtete SßillenStbätigfeit beut» lid; genug l;eroor. ®ie ridjtige Iteberjeugung Boit biefer ltrfprilnglid;teit ber Slnlage faun nun bem ©rgieber mtmöglid; eine 2$crfud;ung 3 ur SSequetnlicljEeit unb jur&rägbeit «erben. 93iel= mehr muß il;n gerabe bie ©rtoägung juut gemiffenbafteften ©ifer anfpornen, baß er eine Bon ©ott in ben 3öö^i n S gelegte Stnlage 31 t pflegen unb 31 t entmicfeln beroorbitbung ber eigenen förberlidj ift, bietet bie ©djute gteicZmotjt audj fouft nodj ©etegentjeit genug gur 33 erüdfid)tigung ber inbioibuetten ©igentljümtidjfeit bar, unb eS ift bie tßftidjt beS SeZrerS, biefe ©etegentjeit marguneZmen. ®ie ©djutorbnung läßt bodj ber greitjeit beS ©ingetnen nodj Spielraum, unb bie StotZmenbigfeit einer allgemeinen ©eifteSbitbnng fdjtießt bie SJJBgtidjfeit nidjt aus, baß ber ©ingetne einem befonberen UnterridjtSgegen= ftanbe ein über baS allgemein Stottjmenbige ZwauSgetjenbeS Snterejfe gnmenbe. ©oH nun ber ©rgieZer feinem SBerufe, 9 iedjt unb ißftidjt ber 3 nbioibuatität in ba§ ridjtige ©ertjättniS 31t fefsen, getjörig nadjfommen, fo ift oor allem nötZig, baß er bie 3 nbioi= bualität feiner Böglinge erfenne. ®odj nur in ben menigften gatten mirb itjm eine be= ftimmt aitSgefprodjene Stntage unb Steigung benttidj entgegentreten, am benttidjften in bem freitidj audj fettenften gatte einer mirftidj genialen SSegabung (ogt. b. 3 Irt. ©enie). ®ie Srfüttung ber fdjon Ooit ©icero*) atS Z e ^^9 anerfannten Sßftidjt, einen fotdjen Bögting burdj SÜtaZnung nnb forgfättigfte pflege in ber ©rreidjung be§ oon ©ott *) De Orat. II., 20: Si intelligam (juyenem) posse ad summos (oratores) pervenire. non solum hortabor, ut elaboret, sed etiam . . . obsecrabo. — Sin videbitur, quum om- nia summa fecerit, tarnen ad mediocres oratores esse venturus; permittam ipsi quid velit; molestus magno opere non ero .... Nam neque is, qui optime potest, deserendus ullo modo est a cohortatione nostra, neque is, qui aliquid potest, deterrendus; quod alte- rum divinitatis mihi cuiusdam videtur; alterum, vel non facere quod non optime possis, yel facere, quod non pessime facias, bumanitatis. 680 ‘anbibibualitcit. iljm corgefteeften 3 iek 3 3« förbern, muß bem redftfdjaffenen Srjieljer bie größte greube feilt. SlnbererfeitS aber forbert unb vertragt aud) eine foldje fräftige Snbicibualität am erflett, baß il;v jugemutljet wirb, aud) in folgern ©ebiete fid) gu orientiren unb foldje Senntniffe unb gertigfeiten fid^ anjueignen, auf Weldje fie burdj if)re natürliche Steigung nicht unmittelbar l)ingefüfirt wirb.*) ©ie tcirb baburd) cor Sinfeitigfeit bewahrt unb fo gerabe baS Sntereffe für ihre eigentliche ^Berufsarbeit frifch ermatten, unb gugteidj beugt ber Srjieljer fo ben üblen geigen beS fo leicht möglichen SrrtljumS cor, baß er eine audgegeidjnete Begabung ba fudjte, too fie in ber Sfiat nicht corljanben toar unb tco Süngling unb SStamt, teie eS fo häufig corfommt, nachher nicht halten, toaS S'inb unb Änabe cerfprodjen hatten. Söpfe con mittlerer Segabung tcerben einer gleichmäßigen SluSbilbung in ben cerfdjiebencu Unterrichtsfächern in ber Stegei am leichteften fid) fügen. Sritt aud) bei ihnen eine beftimmtere Steigung Ijevcor, fo ift biefe um fo mehr ju unter» ftiigen, als bie greube toeö ©elingenS fie ermuntern tcirb, was baS latent ihnen cer» fagt, burdj um fo größeren (Eifer 31t erfegen. SSteift aber tcirb ber grjieljer fich barauf befdjränfcit tuüßcn, fie nicht baburd) ein für alle mal ans ber auch ihnen corgejeidfneten, aber nod) nidjt beftimmt erfennbaren Sahn 31t tenfen, baß er ihnen gerabe baS corjugS» tceife jumuthet, toojn fie con Statur weniger berufen finb. ©erabe bem recht eifrigen £el)rer »ciberfährt eS leidjt, baß er fein Unterrid)t8fad) als baS cor allen wichtige auch cor allen gur ©eltung 3U bringen fudjt: ber iPhi^^ge will lauter Sh^°f°8 e n, ber SDlatljematifer lauter SJtathematifer bilben. (ES feilten aber nicht bloß bie Seigrer, fon» bern aud) bie ©djulett —■ bie hittnaniftifd)en auf ber einen unb bie realiftifdjen auf ber anbern ©eite — tünlänglidie ©elbftcerläugnung haben, um auch bie auf ihren eigenen Seruf nicht hinführenbe Snbicibualität in ihrer Seredjtigung anjuerfennen. @8 tcürbe bann 3. S. ber galt nicht fo oft corlotnmen, baß foldje 3öglinge bie Slfdjenbröbel beS @t)in= naftumS finb, tceldje, fobalb ihnen auf ber Unicerfitat geftattet ift, ihrer Steigung 31t ÜJlathematil unb 31t ben Staturtciffenfdfaften 3U folgen, bie ©djoßfinber einer einfeitig philcIogifd)cn Siltung Weit hinter fid) jurüdlaffen; tcomit mir übrigens bem burdj nichts 31t erfegenben eigentümlichen Sffiertl) ber humaniftifdjen Silbung in feiner SESeife gu nahe treten tueHen. Unb fet)r treffenb fagt 3 . ißaul: „SBMr mürben biefen KebenSgeift, biefe Snbicibua» lität mehr 31t adjten unb 31t fdjonen miffett, träte er überall fo ftarf cor, als im ©enie!.... SBirb aber einer SOtittelnatur bie Urfraft'gebrochen: IcaS fann ba fommen unb bleiben, als emigeS Srren in fidj felber umher — h a i& e Stad)ahmung teiber fid), nidjt au8 fid), ein fdjnta» rogenb auf einem fremben SBefen lebenber 2 Burm, baS Stadjfpiel jebeS neuen Sorfpiels, ber Äncdit jebeS nal)en SefeljlS? — 3 ft her SDlenfd) einmal aus feiner Snbicibualität heraus» geworfen in eine frentbe, fo ift ber 3ufamtnenhaltenbe ©djwerpunct feiner innern SBelt beweglich gentadjt unb irrt baritt umher, unb eine ©dßcanfitng gehet in bie anbere über." Unb barunt ergehet an ben (Ergieljer bie gorberung, and) cett beit Äleinften feinen 3U ärgern baburd), baß er fie „aus ihrer 3 nbicibualität hcrauSwirft". 2 lud) bei geringer ^Begabung wirb eine fortgefegte aufmerffame ^Beobachtung bodi im ©tanbe fein, eine 9 tid)tung 31t entbecfeit, wetdje bie ber (Eigenthümlid)feit beS 3 bglingS erttfpredjenbfte ift, unb wenn biefer angeleitet wirb, WenigftenS nad) biefer ©eite hin etwas braud)bareS 31t leiften, fo ift barnit feiner inneren Sefriebigung, wie bem 33 ortl)ei(e beS ©angen ant beften gebient. 3 )a 8 SBefentlidje über bie bibaftifdje Sel)anbtung ber Snbicibualität faßt Ouintilian in ben ©ag 3ufaiitmen, womit er feine Bezügliche (Erörterung fdjließt: (II. 10 ) Zweierlei ift hierbei gänglid) 311 cernteiben, baS erfte, baß man nichts cer» fud)e, Wa8 fid) nicht erwirfen läßt; baS anbere, baß man nid)t einen coit bem, was er febon gut cerftel)t, 31t etwas anberent, W03U er weniger befähigt ift, ctblenfe." ®ie inbicibueHen Serfdjiebenljeiten, weld)e mehr ber (Ergiehung im engeren ©inne, *) Qnintilian, Inst. II, 8: Si liberalior materia contigerit .... nulla dicendi virtus omittenda est. Nam licet sit aliquam in partem pronior, ut necesse est, ceteris tarnen non repugnabit, atque ea cuva paria faciet iis, in quibus eminebat. Snbibibualitat. 3ttbuftriefd)ulcn. 681 im Untevfd>icb »ott bem Unterrichte, jufaüeit, wie feie (äigenttmmtid)feiten beS Sempera» menteS, ber »orherrfd)enben ©elbfttljätigfeit ober (Smpfüngtidjfeit n. f. tu., finb bereits eben in bent 9lrt. 33eobadjtung (©. 562) 3 m ©pradje gebracht worben. Snbent ber bemüht, bie inbioibuette (Sigentljümlidjfeit audj in biefer Düdfidjt babor ju bewaljren, baß fie nidjt in Siitfeitigfeit auSarte, mtb baS ©leidjgewidjt in bent 3ög= littge ^erjuftetteit, Weld)eS biefen befähigt, auch ber (Sigenthümlidjfeit anbercr geredjt ju Werben unb im 3'tfantntenWirfen mit biefen am Heben ber @efammtl)eit als organifdjeS ©lieb theiljunehnten, muß er »er altem bon bent ©runbfa^e fid) leiten taffen, baß baS redjte 9J?aß nicht h cr Pftetlen ift burdj 3 ‘tt'üdbräugung ber berljanbeiten mtb bereits enttoidelten Straft, fcnbern bttrd) £>crborbilbung ber entgegengefehten. (Sitte lebhafte unb Iräftige ©elbfttljätigfeit 3 . 33. ift nicht an fid) berwerflid), fie ift nur burdj (Erwedung einer tebenbigen (Smpfänglidjfeit möglid)ft in baS redete ®[eid)gemid)t jn fefcen. 3n 33ejug auf bie Snbiöibualität beS ßrjieherS tagt. b. 3lrt. ©rjiehcr ©. 241 ff. unb ©rjiehungStalent. @. 33aur. Sn&uftricftfjMlcn — fittb (Schulen jur 33ilbung für bie Arbeit, ©ie gehören in bie HebenSfreife ber SBolfSfdjule unb erftreden fid) attd) auf baS 3llter ber SJotfSfdjüler. Inf jene folgen als höhere ©tufe bie gortbilbitngSfdjulen unb eigentliche @emerbelel)reit. ©ie 33olfSfd)ule ift Unterrid)tSfd)ule mtb fm* junädjjt bie Aufgabe, bett (Seift für baS geiftige lieben auSjubilben, bie 3nbuftriefd)ule fe( 3 t fid) ben 3b-'ed, bie Spanb gur Slrbeit ju befähigen. Sie 3nbuftriefd)ule ift eine ©djöpfuitg ber neueren 3eit, aber nod) feine öoHenbete ©djöpfmtg. SS fteljt nod) nidjt feft, was in ihr gelehrt unb gelernt werben foH. Sie 3lnfid)ten barüber geljen fo Weit auS einanber, baß bie einen il)r nur einige einfadje Arbeiten, bie anbern eine SJJettge bon Singen juweifen. Sbenfoweuig hat fid) eine allgemeine Ueberjeugung bon ber 3toedmäßigfeit ober Dothwenbigfeit ber Snbuftrie» fdjulen gebifbet, wie man benn auch mancher Drten nichts bott benfelben weif?. Sie ©ad;e ift überall nod) int SBerben, wirb aber bei ber gewaltigen Strömung ber 3eit nad) ber ©eite ber materiellen Sntereffen fidjerlid) fid) nod) weiter entwideln. 3n ber alten 3eit entbehrte bie 33oIfSjttgenb gän$tid) beS Unterrichts unb ber ©djul» anftalten. 2 )tit ber Deformation mtb ber freien ©tetlung, bie burch fie jeber rnenfdj» lidjen Sßerfönlidjfeit errungen würbe, trat juerft baS 33ebürfniS heroor, auch auS bent 33olf 31 t bilbett unb 33otfSfdjulen 3 U errichten. Siefe ©djulen faßten anfättglid), wie eS baS nädjfte 33ebitrfntS mit fid) bradjte, baS geiftige, ober bielmeljr baS religiöfe Heben allein ittS 3lnge, unb jogen erft nach Sahrhunberteit aud) baS Dtedjnen unb ©djreiben in beit StreiS ihrer Sljätigfeit, 3 U benett tarnt 1111 angetretenen 3al)rhunbert attd) 3öelt= unb Daturfunbe hinjugefiigt würbe. SieS alles aber würbe Wefentlid) tl)eoretifd) unb abS= tract bel)anbelt, ohne beftimmte Düdftdjt aufs praftifdje Heben, ohne abjtdjtlidje Sßflan» jung bon Jtenntniffen, Uebttngeu unb gertigfciten für bie berfdjiebenett 33erufSarten ber mittleren unb untern ©täitbe. Sie (Erweiterung beS 33lid8 aufs praftifd)e Heben ift ein gortfdjritt ber neueren 3eit, unb trat erft ein, als bie 33ebürfniffe mtb bie Dotl) beS Hebens basu aufforberten unb man anfieng, ben 33egriff ber SSolfSbilbitng in feinem bellen ©irnte 3 n faffen, in bent ber (Eraieljung beS gangen SDienfdjen, beS phbftfö “ 1 föie beS 111:55 3 U feiner bollen 33eftimmung, ber jcitlidjen unb ewigen. „Srgiehung gur Slrbeit" würbe eines ber ©djlagwörtcr auf bem ©ebiete ber ißäbagogif. SRan begnügte fid) aber nidjt bamit, bent SBolfSfdjiiler eine 33ilbung bei 3 ubringen, burch bie er Sinfidjt in bie Singe ber Datur unb tljre 33erwenbmtg int Heben erhalte unb mit ten Anfängen beS tedjnifdjen @efd)ideS, baS ber fpätere Söeruf erforbert, auSgeftattet werbe. ÜKait glaubte, weiter gehen unb ben ©djritt 3 m- wirflid)en 9lrbeit unb Hebung in ber Arbeit tljmt 31 t mäßen, um bie 33otfSfd)itle bon ber Unterrid)tSfd)ule jur 2lrbeitSfd)ule 3 U erweitern mtb mit iljr Ianbwirthfd)aftlid)e mtb gewerblid)e 33efdjäftigung ber oerfdjiebenften 3lrt in organifdjen 3ufammenhang 3 U bringen. „33ilbung jur Hlrbeit burch Slrbeit" ift neuerbingS baS Hofungswort, baS mit SJiadjt erhoben wirb. 682 Snbuftriefdjulen. Verfolgen iütr ben Sntmicflungdgang, ben bad 3nbuftriefd)nlmefen »on feinen 3ln= fangen an genommen Ijat, in gebrängter Ueberfidjt. £ier ift jnerft ißeftalojäi, bet Sahnbredjer anf bem gelbe ber neueren tßäbagogif, 31 t nennen.*) 3n feiner 2 lrmen= fd)ule 3 U 9?euI)of im Slargau ntadjte er 1775 ben 33erfitd), feine 3öglinge in beibem, ben ©d)itl= unb ben lanbmirtt)fd)aftlid)en Äenntniffen 31 t untermeifeit unb im ©munter mit gelbbau, im ÜBinter aber mit ©pinnen, SBeben unb anbent fpanbarbeiten 3 U befdfäftigen, unb 3 toar fo, baff fie mahrenb ber l;äuälid)en Arbeiten girgleid) tljecretifdjen Unterricht empfiengen. ®ie Arbeit feilte aud) bagit bienen, baff bie ftinber ftd) ihren Unterhalt öerbienten. ©ab Unternehmen mußte aber halb toieber aufgegeben toerbeit, toeil 5ßefta= I 0331 bie erforberlidje ©adjfenntnid für bie öiel oei^meigte SUh^tigteit abgieng unb Oettern unb hinter ihm allerlei fpinberuiffe bereiteten. ©leidjtoohl trat biefer SSerfud) ein ©amenforn, bad biele anbere §änbe ergriffen, unb mit mehr ober tttinber @efd;id unb Srfolg audftreuten. ©elitngeitere 2 ludführungen bed ißeftalo 33 i’fd)en ©ebanfend tonnte man in ber ©dfmeig felbft, in ben 9lnftalten g eilen b er gd toahrnehmen, ber fdjon alb Snabe f) 3 eftalo 33 i tennen lernte unb alb SJfann etlid>e male nat;e barau toar, fid) mit ihm 31 t pral'tifdfer (Sr§iel;uug ber 3 ugenb 31 t bereinigen, ©ie geßenberg’fdfeu Illuftalten in fpofmpt unb anbern Drten umfaßten nad) unb nad) bab Sinbed= unb Sünglingbalter, unb nahmen reidje unb arme Scglinge auf. Ipicr fommt befonberb bie im 3ai)r 1804 geftiftete 3lrmenfd)ule in 33etrad)t. 3n il;r mürben arme, bermaltrlobte Knaben öornebntlid) mit lanbmirthfd)afttid)en, aber aud) mit gemerblid)en Arbeiten befdjäftigt, unb fie felbft foHten bie Sboftett ber Ulnftalt fomeit ntög» lid; bedeu, babei aber 31 t gefdjidten unb felbftänbigen Arbeitern herangebitbet merben. ©er theoretifdje Unterricht mürbe in 2 —3 ©tuubeit tägtidj ertheilt, tl)eild mährenb ber gelb= arbeit, inbent er fid) auf bie unmittelbare 9lnfd)auung ber 9fatur bejog, theilb in ben ßrholungbfiunben 3 mifd)en unb nad) —, unb im SBinter cor ber Ulrbeitdseit. 3 n ben breißiger Sahren 3 äl)tte bie Snabenanftalt, ber aud; eine Heinere für 9Mbd)en 3 ttr ©eite gefteHt mttrbe, 130—140 ßbglinge unb burfte fid) unter ber intelligenten unb fräftigen Leitung ihreb patriotifd;en ©ritnberd unb ber tüdjtigen fDtitl)ülfe beb audgejeidjneten SBehrli eineb guten Srfolged erfreuen (f. ben 9Irt. gellenberg). Sin 3 al)r 3 ehcnt fpäter alb $eftale 33 i nahm ber bßh itatt tI;rofje ©aljmann beffen 3bee auf unb führte fie in ben Srgiehungbanftalten in ©d)nepfenthat inb Sehen. @r legte tiidjt biel SBertl; auf 5D?ittI;eiluug pofitioer Äenutniffe, befto mel)r aber auf S3ilbung ber Äraft, unb 3 mar ber leiblidjen mie ber geiftigen, unb fud)te bie Kräfte feiner 3<-'glinge fogleid) in ben Elementen ber fpauptberufdarten beb Sehend 31 t üben, in Iaubmirthfd)aftlid)en in ben Sluftaltdgarten, in gemerblidfett an ber §obelbant unb bem ®rehftut)l, burd) Äorbfled)ten, fßapparbeiteu u. bgl., fogar burd) £anbel ber 3 og= Iinge mit gebern unb ißapier. Gr geriet!» bamit in Uebertreibungen, mie fie bei 9Jer= fud)eit mit Sfteuem nid)t feiten ftnb. Sinen gefunberen Äent bot bie obenermähnte getlenberg’fdje 3lrmenfd)ule unter 2 Bel)rIi, baher fie feitbent ÜDfufter für oiele äl)ulid)e Ulnftalten nid)t nur in ©eutfehtanb, fonbern aud) in granfreid), ^Belgien unb Genglanb mürbe. ®ie 3ßglinge maren nid)t bie Sinber öou ©enteinben, mie fie bie arbeitenben Staffen barboten, fonbern eine 2ludmal)l tmn armen, bettelnben, oagirenbeit, and ©trafanftalten entlaffenen Äinbern, bie man aud bem Serberbett 3 U retten unb 31 t einem geeigneten 33erufe tüdjtig 31 t mad)en fud)te, ©0 mürbe eine 3ln|talt in SDietral) gegriinbet, in ber 2—300 Änaben Aufnahme fanben, bereit $auptbefd)äftignng in laubmirthfdfaftlidjen Arbeiten, felbft SBcinbau unb ©eibeigudjt *) SSSir fefien bon einjelncu ©rfcbeinitiigctt ab, meld)e fdfon früher bortamen, 5 . 33. in ben Stnftatten 31. fö. grattefe’s, mo auch ®red)dterci u. bergt. getrieben tourbe, unb in ber 23ertiner Stealfdmte, in metd;er bie < 2 d)iiter in ber ÜJlaittbeerbaum« nnb Seibeitjudit itntertoiefen mürben unb ftch and; in SBerfjtätten umfahen. Arbeiten jur SSorbereitimg auf bas prattifihe Seben maren hier mehr nntergeorbnete DJebeitfaihe, beim jmeiter gactor im ©efd^äft ber ffirsiehung. Snbuftriefdjutcn. 683 beftanb, woju neben händlichen Verrichtungen nod) Schmiebearbeiten, Verfertigung oon §Dljfd)itfien tarnen. — 3n fftitpfetebe in Vetgien werben oerwal)rtoSte Änaben unb gjtäbdjen in bie bortige Oom Staat unterhaltene Stnftatt aufgcncmtnen unb neben bem @d)utunterrid)t ju Vebauung beS gelbe«, großer Viehhaltung, ju häuslichen ©efdjäften unb oerfd)iebenen gewerblichen Arbeiten junädjft für bie Vebürfniffe ber 2lnftatt fetbft cmgehntten. — 3n ©nglanb, in Vaterburt) unb Dtormoob (Royal Victoria asylum) be= fielen Slnftalten mit bem ßtoede, oerwat)rloSte unb aud) ginbettinber, meift tötäbdjen, ju SDienftboten oerfdjiebener 2 lrt bis 31 t Sammermäbdjen 31 t biiben, bamit fie einer ein» fadjen ^auSwirthfdjaft öorftefjen lernen. Von frühe an theiien fie fid) mit reget» mäßigem wöchentlichem V3ed)fe‘[ in bie Seforgung ber SBotjn» unb ©djlafäimmer, ber fiüdje unb beö Statt«, namentlich ber 9Jtild)bereitung; bie älteren lernen and) bie Vud)= fiihrung für bie Slnftatt. 3n ®eutfd)tanb ift oor altem ber Slnftatten beS f)taut)en Kaufes 31 t gebenfen, in »etdjen bedürftige Sinber neben ber fitttidjen Srgieljung gugteid^ 3 U alten gelb» unb §auSgefd)äften unb mehrfachen geWerblidjeit Strbeiten angeteitet werben, unb jWar in ber gönn beö gamitientebenS, in wetdjem bie ©lieber fid) gegenfeitcg alte it)re Vebürfitiffe bis jur ©rridjtung 001 t 2 Bot)uungen beforgen. 3 n einer Sinie mit ihnen ftehen bie fogenannten ÄinberrettungSanftatten, bie fid) in fteigenber 3 a h^ 3 an 5 jDeutfdj* taub oerbreiten unb in Sßürtteniberg allein inßeit oon 40 3al)reu bie 3 a hl öon 30 überfd)ritten haben. 3 « atten fieHt man fid) bie Aufgabe, neben einer guten d)rifttid)en Srjiehung bie 3 öglinge mit ben Äenntniffen, Hebungen unb gertigfeiteit, bie fie auf ihren tünftigen SebenSberuf Oorbereiten, au« 3 urüften, weshalb eS Stieget ift, bie 38gtinge in atten ©efdiäften ber mäßigen Defonomie, bie mit ben Stnftatten oerbunben 31 t fein pflegt, 3 U befdjäftigen. VitligerWeife gefd)ieht t)ier and) einer ber neueften Stnftatten bieferSlrt, bie bem Urheber atter biefer 3nftitute 3 U ®t)ren errichtet Worben, (Erwähnung. ©8 ift bieS bie Ißeftaloggiftiftung bei Vertin, bie sunädjft jur 9tnfnal)me oon 25 Änabeit be= ftimmt ift, wetdje in ber gönn beS gamitientebenS burd) Unterricht unb 2lrbeit ergogen Werben fotten, wobei baS nädjfte 3^1 ift, bie SlrbeitStraft unb baS 2trbeitSgefdüd ber finaben in einfachen Vefd)äftigungen 31 t entwicfetn, fo baß fie baran für it)re fpäteren VerufSarbeiten eine ©rnnbtage haben. So frud)tbar fid) bie SPeftatojjifc^e 3bee in ber 9teit)e ber genannten Stnftatten unb ihrer weiteren Verjweigungen eutwidett hat, fo finb baS alte« bod) nur abgefd)toffene 3n= ftitute, bereit SPftegliitge oon ihren gamilien, il)reit Arbeiten, greubeit unb Seibeit getrennt unb in bie Sage eine« tiinfttid)en gamitientebenS üerfe( 3 t Worben finb; eingelne Sf3uncte, bie nur enge Äreife biiben unb feineSwegS bie gefammte VoltSfugenb untfaffen. 31)« 3öglinge finb in ber Stegei arme, oerwahrtoSte Äittber, nid)t aber bie ber gewerbtrei» benben unb aderbauenbett Stäube ot)ne Unterfd)ieb. ©S tag aber in ber 3bee ber Srieb, bie engen ©reifen ber Stnftatten 31 t fpreugett, fid) eine breitere ©rnnbtage im Seben unb eine nähere Verbinbung mit ber VotfSfdjule 31 t oerfdjaffen. Unb in ber £I)at hat eS an Verfudjen nidjt gefehlt, für bie Vefitd)er ber VolfSfdjute ebenfalls 2trbeitSftf)uten 3 U er» ridjten, in benen fie beftimmte Stunbcn beS Sage« unter befonbern 8 et)rent ober 2et)= rerinnen oerfammett unb 3 U mandjerlei £>anbarbeiten angeteitet würben. ®iefer 3 Wec ^ an unb für fid), aber and) ber Weitere, bie ©djuljugenb oor itRiißiggang unb feinen Saftern 3 U bewahren unb ihr @etegenl)cit 311 einem Meinen Verbienft 31 t geben, empfahl bie Sadje fet)r, wie beim aud) baS fpungerjahr 1817 allgemein 3110 (Errichtung oon 3nbuftriefd)nten einen Stnftoß gab. 3m 3at)r 1793 Würbe in Vertin eine ©rWerbfdjute für arme SDiäbdjen ge» grünbet, in Welcher neben beut Schulunterricht genäht unb geftridt Würbe, tfjeilS waS bie Schülerinnen oon tpaufe mitbrad)ten, theits WaS beftettt würbe. ®ie Sdjule nahm im Verlauf ber 3«t aud) anbere, als arme Sinber auf unb gab im 3atjr 1853 800 bis 1000 SOläbchen Vefd)äftigung mit einem jährtidjen Verbienfte je ücn etwa 3 1 /« 3Thlr. Sie ift übrigens ein ißrioatunternehmen, reidjtid) unterftüfct oon bieten, gunt Sheit 684 Snbuftricfdjulen. fiirftlidjen äßotylttyätern. — iDtctyrere ätynlidje Sluftalten tourten im Satyr 1817 im Dbent»alb ins lieben gerufen burdj bie gürftiu nett Srbadj=gürftenau, bie fidj berfelben int herein mit wotylttyätigen grauen mit Satty unb Dtyat, befonberS mittelft namhafter Unterftütyungen unb SoBecten anuatym. gür SRicbelftabt unb bie Llmgegenb mürbe eine 3trbeitSfd;ule errietet, in wetdjer bie ttteiblic^e 3ugenb in aBen ityrem ©tanbe nötigen unb nütylidtett £ianbarbeiten llnterridjt empfangen fcBte. 3 un “d;ft foBten SSäbdjett armer Sltern Slufnatyme finbett, febodj audj reifere nidjt auSgefdjloffctt fein. 5D?an famntelte eilt ©runbfapital, baS im Satyr 1850 auf 5000 fl. anftieg, auS beffen 3iufen bie Setyreritt befolbet t»irb. Die ©djule tnurbe mit 30 Sintern eröffnet, füllte fid? aber halb fetyr. ©ie nimmt ihre ©djülerinnen mit bem (Eintritt in’S fdjulpflidjtige Slltcr auf unb befdjäftigt fie fünfmal in ber SBodje täglid) in 3 ©tunben. Statt be= gatylt ein ©djulgetb, für baS ©triefen 4 fr., Sätyen 6 fr., fpäcfeln 5 fr. in berSBodje. Slermere Sinter begatylen ttidjtS unb werben anfangs non ityrem SlrbeitSoerbienft gefleibet. Die älteren Sinter bitrfen audj gu §aufe arbeiten unb oerbienen jäljrlid) bis 31 t 14 f(. Die gabrifate werben ttyeilS burcty SBerfauf, ttyeilS burdj Sotterie oerwerttyet. lieber bie gefammte Dtyätigfeit, baS Stateriat, bie gabrifate unb ityre Söerttye wirb eine gang fpecieüe Sedjnuug geführt. Sine äf>nlid)e Slnftalt mit längerer SlrbeitSgeit unb fetyr forgfältiger DiScipliit mürbe gu Gsrbadj ebenfalls im Satyr 1817 nott ber ©räfitt Srbadj» Srbadj gegrüntet unb unterftiityt. 3 n ityr wirb ©pinnen, ©tiefen, Stoppeln unb iölumen» madjett getrieben. Diefe unb ätynlidje Slrbeitsfdjulen getyen neben ber SBolfSfdjuIe tyer unb tyaben mit ityr nur bie ©djüter gemein, bie aber außer ber ©djulgeit unter eigenen Setyrern befdjäftigt werben. Diefelbe ©teBung uetymen bie Snbuftriefdjulen in ©traßbnrg unb Stjon ein. 3tt ©traßburg nimmt matt, wie beim wedjfetfeitigen ©djuluuterrictyt, Sluffetyerinnen (monitrices) auS ber 3<>tyl be* Oorgeriidtereu SDfäbdjen, benen bie ©eneralauffetycrinnen oorftetyen. Die Sinter treten mit bem 7. SebenSjatyr eilt unb Werben in ftrenger Drb» nung im erften Satyr mit ©triden, im 3 Weiten mit ©pinnen, im britteu mit Sätyen in ftufenntäßigem gortgang oont Seidjteren 3 UU 1 ©(tywereren unterrichtet. Die SlrbeitSfäle finb Oon 3 —6 ittyr geöffnet. 3ebe ©dgülerin tyat einen SIrbeitSforb mit einer Sumer »erfetyett, ber am ©dgtuffe ber ©tunben getyörig aufgeräumt werben muß. lieber aüeS wirb genaue SBudjfütyrttug getyalteit unb für beit Slbfaty forgen bie oerfdjiebenen Söotyl» ttyätigfeitSanftalten. DaS (panbgefpinnft wirb in ben ©efäugniswerfjtätten gu Seinwanfc gewoben unb bann in ber Snbuftriefdjnle wieber gu SleibungSftütfen »erarbeitet. Die gabrifate fommeit ben bebürftigen unter ben Sleinfinber» unb Snbuftriefdjülern 3 U gut. 3n Stjon wirb baS ©djullocal benütyt unb bie Slrbeitsfdjüleriunen oerfammeln fidj bort SadjmittagS. ©ie fityen 7 —8 an ber 3>*tyl an tyalbrunbett Difdjen, ityuen gegen» über in ber Difdjtyctylung bie Sluffetyerin. Die Difdje finb mit einem Dudj gum Sin» tyeftcn (in ÜDlanutyeint mit einer SBulft) beberft. Ss wirb auSfdjließlidj genätyt, bie leidjtere Slrbeit oon ben Slnfängern u. f. f. fpauptfädjlidg werben für bie ärmere pro» teftantifdje 33e»ölferung SaBicottyemben oerfertigt unb gwar gegen SlrbeitSlotyn. Sine faft militärifdje Drbttung, in welctyer auf bie SKinute getyalten wirb, förtert bie Slrbeit fetyr. Sodj enger ift bie SSerbiitbitug ber Snbuftriefdjulen mit ber SßolfSfdjule mit nod) tyäufiger ityre Sin fütyrung ' itt bfen ©emeinben itt 23elgiett. fpier werben in ben gabrifbegirfeu bie DJtäbdjen ben gangen Dag rneift mit ©pityenfloppeln, baneben aber audj, um Sinfeitigfeit gu oermeiben, mit ©triefen, Sätyen, ©pinnen befdjäftigt, unb gwifdjett ben SlrbeitSftunben unb audj SlbettbS in täglidjen 2 ©djulftunben unb Heineren Slbttyeilungen in ben gewBtynlidjeit ©djulfädjern unterridjtet. Der mittlere SSerbienft beläuft fidj auf 10 fr. im Dage, was wefentlidj bagu beiträgt, baß bie Sinber gum regelmäßigen 23efudj »on beiberlei ©djulcn angetyalten werben. 3n Dftflanbern aBein beftanbeit im Satyr 1851 369 foldjer ©djulett mit 17,000 ©djülern. Slud) Sna» ben Werben gum ©pinnen angetyalten, waS itynen gur Slrbeitfamfeit, gu Serbienft unb Snbuftricfdjulcn. 685 jitr ©emaljrung bor ©erirrungen, unb menn fie f^äter Sßeber teerten, gur ©eurtljeilung unb ^anbhabung beS ©arnS feljr fövberlid^ ift. Aehnlid)e ©d)ulen teurben aus bett gleichen ©rünben im fädjfifdjen Srgge» birge linb ©oigtlanbe für bie auffidjtslofen tinber ber Arbeiterfamilien gegrünbet, ri bamit fie in benfelben nüfclidje fyertigfeiten, borneljmlidj im ©pitjenflöppefn unb ©tiefen erlernten, iljr ©rob fidj berbienten, ben (Sltern bie ©orgen erleichterten, unb bom 2Jiüf= figgang, ©etteln unb ©testen abgehalten mürben." tinber im Alter bon 5—6 Sauren mürben in bie tlöppelfd)uten aufgenommen, um neben ©emBljnung an gleiß unb 8fein= lidjfeit „in ber (Srgeitgung eines ber fdjonften unb muljebollften tunftprobucte eine mBg= lidjft große ©emanbtheit ftdj gu berfd)affen." 3m 3ahr 1840 belief .fidj ihre 3df)l auf 18 mit ungefähr 1300 ©djülern, im 3ahr 1859 auf 25 ÄIBppel* unb 8 ©tidfdjulen mit 2000 ©djülern. 3n biefen ©djnlen Ijsrrfchte bie 9fiidfidjt auf fittlidje ©emahrung unb ausgiebigen ©erbienft bor, mie nodj mehr in ben tinberbefdjäftigungSanftalten, bie an bielen Drten erridjtet mürben, in melden bie tinber ©ginnen, ©pulen, ©djulj s , ©troh=, torbfledjten unb bgl. treiben, ©eit einigen Saljren aber hat bie fadjfifdje 9fc= gierung über bie ttöppelfdjulen einen eigenen 3nfpector angefteHt unb bie AuSbilbttng ber tinber gu feineren Arbeiten unb ©erfudjen mit neuen SDfuftern tritt in mehreren ©djulen mehr in ben ©orbergruttb. Allgemeiner über bie ©tabt= unb Sanbgemeinben oerbreitet unb organifirt finb bie gnbuftriefdjulen in ©Siirttemb erg. 9?adfbem fdjon bon ber SJiitte beS hörigen 3ahrhunbert§ an in einzelnen (Stabten beS £anbeS, unb im ©erlauf ber 3Ht j n immer mehreren, ©efdjäftigungSanftatten für bie ärmeren tinber mit ©pinnen, Dtaljen, ©triden erridjtet unb in ber ©djulorbnung bon 1810 bie ©eftimmung getroffen morben mar, baß mit jefeer ©olfsfdjule auch eine Snbuftriefdjule berbuitben merben folle, fo gab baS ©heurungsjafjr 1817 ber Unterteeifung ber ftinber in fpanbarbeiten neuen Anftoß. ©ie Königin Katharina, nadjbrüdtidj unterftüfet bon tönig ©Mlljelm, nahm fidj ber ©adje mit marmem fpergen an. 3n allen ©emeinben mürben SiBofjltfjätigfeitSbereine geftiftet, fcurdj Grridjtung einer 8anbe8=ßentralleitung unb ber i£;r untergebenen ©egirfS= unb DrtSleitungen 3ufammenhang unb Drbnung in fie gebracht unb ihnen befonberS auch bie ©rünbung unb gmedmäßige (Erhaltung ber Snbuftriefdjulen übertragen. 3h* auSge= fprodjener 3teed tear: Hebung in ben gertigfeiten, beren man gur güljrung einer einfadjett Haushaltung bebarf; ©erbienft für bie Armen; befonberS in fittlidjer 9fid)tung ©emalj* rung bor ©ettel unb Söfüßiggang. ©ie ©efdjäftigitng ber tinber beftanb bon Anfang an im ©triden, Spähen, ©pinnen, ©pi( 3 enflöppe'ln, ©troharbeiten, ©erfertigmtg hötgerner SBffel, ©djadjteln ec. 3n neuerer 3 e ^ fmb e8 gemeiniglidj nur bie 2 erftgenannten Arbeiten, gu metdjen in eingelnen ©emeinben baS ©tiden unb fädeln, unb in mehreren anbern ba§ ©triden bon allerlei SßoHmaaren, g. ©. ^janbfdjuljen, 3aden xt. bgl. ge= fommen ift. 3n bielen ©emeinben mürben and) ©aumfdjulen errichtet unb ben tnaben Unterridjt in ber Dbftbaumgudjt ertl;eilt, ebeitfo, mo fich ein ©arten unb Sebrer bagu fanb, im ©artenbau. ©ie ©chüler traten im Alter bon 9 —10 Sahren in bie 3nbuftrie= fdjulen ein. ©iefe bauern außerhalb ber ©djutgeit regelmäßig im äßinterhalbjaljr an ben 9fad)mittagen beS SDiittmodjS unb ©amftagS je 2—3 ©tunben, in bielen ©emein= ben audj im ©ommer unb öfter in ber Söodje. ©aS Arbeitsmaterial bringen bie be-- mittelten Stinber felbft gur ©djule, ben ärmeren mirb eS auf toften ber ©emeinbe gegeben, bene« fobann ein Heiner Arbeitslohn, menn nidjt baS gange gabrifat gu gut fommt. gür gleiß, ©efdjidlidjfeit unb SBohloerljalten merben nidjt feiten ©jrenpreife bertheilt. ©ie Soften ber Anftalten beftreiten bie ©emeinben. ©en unbemittelteren unter ihnen reicht ber ©taat annehmlidje ©eiträge. 3öo bie ©emeinbe fämmtlidjeS Arbeitsmaterial anfdjafft, merben bie gabrifate gum ©eften ihrer taffe bermerthet. 3n theurer 3(it mürbe unter bie armen tinber ©rob, oft auch ©uppe bertheilt; jenes gefdjiefjt in gang armen ©emeinben audj je(3t nodj regelmäßig, ©o bringenb bie @rün= bung bon 3nbuftriefc^ulen bon ber Dbrigfeit empfohlen mirb, fo befteht bodj fein 3 h5at '8 686 Sttbuffriefdiulcti. ju tljrer Srridjtung. Sbenfo wenig wirb junt 33efud;e ber beftepenben ©deuten ein 3wang angewenbet, mit ätuSnapme beseitigen Sinber, bie »erWaprlodt finb, ober beren SItern im öffentlidjcn ailtnofen fielen. 3ttt 3apr 1855 gäplte Sßürttemberg 1360 Snbuftrie» faulen mit über 64,000 ©d)ülern, Snaben unb SRäbcpen. ©ie fielen nteift unter Sepr» fraueit, nidjt feiten unter beit Drtgfdjulnieiftern unb beren ©attinnen. ®a§ SlrbeitS» local ift gewüpnlid; ein ©djulgimmer. ©onft flehen fie in feiner näheren 3 ?erbinbmtg mit ber SSoIfSfdjuIe, wie fie aud; nidjt ben gefeplidjcn ©djulbepärben bed Sanbeß unter» geben finb. ©ettauere Drbnung, ftreitgere 9luffid)t, grünblidjer »orgebilbete Seprerimten finb and; für bie württembergifdjen Snbuftriefdjulen briugenbeS 23ebürfni8. — ©anj äßnlid) wie in äBürttemberg, ift feit 1836 aud; in 23aben bad Snbuftriefdjulwefen organifirt, nur ift e§ ber 2 luffidjt ber orbentlid^en ©tpulbeporbett unterftedt unb bie ©djulett werben regelmäßig oifitirt. Sine orgaitifdje üJerbinbung äWifdjen ber IBolfg» itnb Snbuftriefdjule pat in SMrt» temberg feit 1854 eine einzige ©emeinbe, ©cplattftall, ein Heiner, abgelegener, armer Ort auf ber raupen Sllb. ®aS ©djitllocal, in ber SRitte burdj eine SretterWaub ge» tpeilt, bietet beiben ©d;ulen ben nütpigen 9faum. ®er Uuterridjt ift gleidjjeitig. SBäp» renb in einem 9taum unter einem ©djulmeifter bie eine fpälfte ber ©djiiler lernt, arbeitet bie anbere baneben unter ber Leitung ber Snbuftrieleprerin. ®ie ©djülerjapl ber 2lrbeit8fd;ule beträgt im SBinter 30, fällt aber im ©ommer auf bie fpälfte perab. ®ie Arbeiten bcftepen in ©triefen unb 9?äpen, früher aucp ©tiefen unb ©tropftedjten. ®aS SDJaterial bringen bie Sinber feit neuerer 3 e ü felbft. Sern» unb SlrbeitSfdjuIe finb in gutem ©tanbe, wa§ freilid; bei ber Heilten ©djülerjapt, unb bem Umftaitbe, baß ber ehtjige Selber ber ©emeinbe feine ©djüler am sweefmäßigften in 9lbtpeilungen unter» rid;tet, leidjt möglid; ift. 2 BaS in Sürttemberg in einer einjigen ©emeinbe feit wenigen Sauren berfudjt Worben ift, bie unmittelbare Serbinbung ber Sern» unb 9lrbeit8fd)ute, baS pat fd)on am Snbe beS »origen SaprpunbertS int 3apr 1796 fperjog -Peter bon §o Ift ein in einem gangen SSejirf burdjgefitprt. iftadf Stufpebung ber Seibeigcnfdjaft errichtete er neben ben 53olf8fd)itlen 31rbeit8fd;ulen, benen befonbere Seherinnen borftanben itnb bie mit feiten §anb in §anb gelten fotlten. ®iefe foHten, wenn irgenb ntöglid), bon ber tfrau beS ©djulpalterS geleitet werben. ®ie 53efoIbitng berfelben beftanb itt 60 Dpalertt, in freier aBopnung unb ^tolj nebft einem ©ärtdjen. ©o War e§ bis 511111 3apr 1828, als and; für bie Snaben airbeitsfdjulen errichtet würben. 3 it 16 ©emeinben würbe biefe neue Drbnung eingeführt unb ber Unterridit iit ftnfeitmäßigem Seprgang aud; mit 9Ütdfid;t auf bie SapreSgeit ertpeilt. ®ie fDläbdjen fiengeit an mit aBoHe» unb Spar» ßiegupfen, ©antwideln unb Sanbweben unb fdritten weiter fort gunt ©triefen, ©pinnen, Mpen, fpäcfeltt unb ©tiefen. SupSarbeiten fottten nur eine 9lit§napme unb gunädjß nur gttr SMIbuttg bed ©thonhettSfinneS unb gur 93eIol;uung ber fleißigften ©djülerinnett gugelaffen fein. 9Iudj foHten fie neben ben Snaben ihren Stntheit an ber ©arten» arbeit paben, ®ie Snaben Würben au«h in ber Dbftbauntgucpt unterWiefen, baper ber» orbnet War, baß febe ©djttle einen ©arten bon wenigftenS 30 9Jutpen befipe. Sin Weiteres 2lrbeitSfelb für bie Änabeit War bie „Slüterfdple", in weldjer bie einfadjften IpauSgerätpe, wie pölgerne Süffel, ©alggefäße, ©d;aufeln, fpaden, ©pateit, ©tüljle, SRntben, 9?unterpfäl;Ie für bie SBaumfdjule u. f. w. berfertigt Würben. ®ie Soften beö SRaterialS bejaptte, foweit bie bermöglidjen ©d;üler c 8 itidjt mitbraditeu, bie h rr= fd;aftlid;e Äaffe; ba§ ©piunntaterial patten bie ©utSpädjter bertragSmäßig 5 U liefern. Slußerbeut patle bie perjoglidfe greigebigfeit für fäiitmtlid)e 9IrbeitSfd)uIen eilten gemein» famen goubS bon 3600 Dpalent geftiftet. Slnfänglid; würben bie gabrifate, ju Wellen ben ©d;ülern baS SDiaterial gegeben Worben war, jitm Sßeften ber ©dfnlfaffe »erlauft, fpätcr befamen bie Slrbeiter eine Vergütung bafür, bereit 33etrag in bie ©pariaffe gelegt unb ißnen uad) ber Sonfirmation auSbejapIt würbe. 3Ba8 ba 8 53erpättui8 berSIrbeitS» gur Serttfdjule betrifft, fo betrug bie tägliche Unterricptggeit mit 2lugnapme beS ÜÄitt* 3trt>ufttiefdjuteit. 687 mod)§ unb ©amftagS 6 ©tuuben, unb ber Slnfang unb ©djluß War in beiben ©djulen gleidjgeitig. ®S iiatte in ©taffe I. bie £ernfd)ule 4 ©tunben, bie Strfceitsfdjule 2 ©tunben, »» It* ff ff ^ ff ff ff ^ ff III 2 4 tt ff ff A ff ff ff ^ ff täglichen Unterricht. — ©o ebet bie Stbfidjt ber ©rünber unb aßol)ltljäter biefer ©d)ul= einridjtung, fo umfid)tig ihre Drganifation entworfen war, fo ließ boau8 nidjt mehr gufarnrnenmirfen unb gami= lienergieljung Ausnahme, nidjt mehr Siegel fei. Sie ©djule, bie in feiner Begieljung auf bie gamilie redjnen lönne, müjje ihren SDtangel erfe(3en, unb Bon ihr allein tonne- Snbuftriefdjulen. 689 eine grünblidje Reifung fceS Familienlebens attSgeljen. ®er ©c^ule teilt er bie tljeore= tifdjeit Kenntniffe erhalten, »erlangt aber, um meljr 3 e *t für bie 2 lrbeit 8 jdjule 31t ge= Irinnen, wefentlidje S 3 efdjränfüng ber Seljrftunben, wobei eS namentlidj auf bie $eit, in weldjer bie „religiöfen Sognien" gelehrt Werben, abgefeljen ift. SBeibe biirfen nidjt neben unb außer eiuanber hergehen, fie mitten »ielmeljr organifdj »erbuuben Werben, jo baß fiefj bie Arbeit bent tt^eoretifdjen Unterridjt einfügt. ®ie ©djule muff ben biS= Ijevigen „®uali8mu8 ber SnteHigenjbetfiatigung unb beS ntedjanifdjen S^unö aufhebett." ®ie Srjie^ung jur Slrbeit ift unabweiSlidjeS 33 ebürfniS ber mittleren unb unteren ©taube, b. lj- ber arbeitenben Klaffen beS 33 olf 8 . ®er inbioibuefle 5 D?enfdj muß burd; ®rgiet;ung attfeitig unb Ijarmonifdj entwidelt Werben, Wa8 nur burd) attfeilige ©tjätigleit gefdjieljt. ®aju gehört ©elbftbarftetlen, ©Raffen. ©iite Srjie^uug, bie nidjt arbeiten läßt, ift einfeitig. Arbeit ift aber nur „eigentlidj fdjaffenbe £t;ätigfeit, bie fiunlidj pro= bucti» ift.' 1 ©ie fett nidjt um beS 9Juf3en8 wißen, als SJiittel, in ber ©djule getrieben Werben, fonbern burd) fid) fetbft befriebigen unb jur aflgemeinen SJorbiibung aufs Seben bienen. — ®er Unterridjt jerfättt in Ianbwirtl)fd)aftlid)e unb in Fornten= 9 lrbeiten. 3 ette werben an ©djulgarten geübt, Womit jugleidj nad) ben SaljreSjeiteu naturfunblidjer Unterridjt »erbunben wirb, ber fidj »ou ber Gerbe unb bem, WaS barauf ift, big 31t ben ©fernen erftredt, ja fogar 91 ed)nen, ©pradj= unb Formenlehre baran anfdjließt. ®ie gornten* 3 lrbeiten geljen »ont Segen ber SBanfjotjer aus unb fdjreiten juni Flehten, ju Nacharbeiten, sunt ÜDSalett unb ÜDSobeflireit fort u. f. f. SöeitereS anjufüljren, fdjeint überflüßig $u fein, ba man audj ln er öor ben oben gefdjitberten Suftfdjlbffern ftefjt unb nirgenbS ben 33 eweiS erbradjt fieljt, baß baS moberne SrjiehungSfhftem audj nur in ber Slnftalt Sebana, gefdjWeige beun unter ber 3 ugenb irgenb einer ©emeinbe burdjgefüljrt ift. ©o abenteuerlich es nun aber augfieljt, Wenn ber ©djule eine Dutnipotenj, wie ijier gefdjieljt, beigelegt wirb, fo barf bodj bie Sienbenj, welche biefett Seftrebungen 31t ©raube liegt unb bie ein Seljrer ©eorgeuS auf ber neunten allgemeinen Seljreroerfammlung su Ftauf= furt a. 2R. jur ©cltuitg $u bringen fudjte, nidjt aßsugering angefdjlagen Werbeft. ©8 broljt hiev ber beutfdjen 3 $olt 8 bilbung ein gefätjrlidjer F e i»b, ber gans in ber 3 e tt= ftromung fidj fortbewegt. ©8 ift bie8 ber aße Kreife beS SebenS burdjbringenbe Sßa= terialiSmuS, ber bie ©djule nidjt nur au8 ihrer gottgeorbneten SSerbinbung mit ber Kirdje trennen unb bie Sorbilbung ber djriftlidjen ©olfsfugenb für baS firdjlidje Seben iljr »erbieten wiß, fonbern audj bie aßgemeitt menfdjlidje SHlbttng ber Sugenb, wie fie bie erleudjtetften ©eifter feit 3 aljrhunberten anftrebten, unter einem 3 errbilb »on ®r= jieljung $ur Slrbeit burd) Slrbeit 31t erftidett fudjt. 2 $on biefen Srrfaljrten giebt e8 nur einen SBeg jum 3 'el, ben ber Umfeht su ben wirltidjen SSerljältmffen, SBebürfniffen unb Kräften beS 33 olfS. SBir sieben, auf bie »orliegcnbe gefdjidjtlidje Ueberfdjau geftü^t, bie 9 iefultate in folgenbeit ©äfjen: 1) ®ie (ärjiehurtg Ijat ben gan3en SDienfdjen 51t bilben unb nidjt bloß feine geizigen, fonbern audj feine lürperlidjen Kräfte ju entwideln unb ihn nadj beiben ©eiten mit bent gebüljrcnben SDtaß »01t Kenntniffen unb Fertigleiten augjuriiften. ©8 ift ba8 Skrbienft ber neueren 3eit, ba8 Söebürfnis, baß bie erjieljenbe SThätigbeit über bie tljeoretifdje ©eite hinaus attdj auf bie praftifdje auSgebeljnt Werbe, erfannt unb mit beffen 33 efrie= bigung ©ruft gentadjt 31t haben. 2) ©8 lann fidj aber, wa8 bie ©rsiehung jur Slrbeit betrifft, nidjt barum hanbelit, bie Kinber ber SJoIfgfdjule in ben Fertigleiteu be8 fpecteßen SebenSberufeS auSsubilben, fonbern man hat fiel) wie in ber £ern= fo in ber 2 lrbeit 8 fdjute an§ Slßgemeine unb ©lementare sw hatten. SBeiter $u gehen »erbietet bie FaffuugSlraft unb Fahtb^it bet Äiitber, bie frtaj>h jugemeffene 3 e 't, ber Sßiangel au Sehrmeiftern unb ausgiebigen Seljr- mittelu u. f. w. 3 ) ißrincipieß fommt, wie bie tljeoretifdje, fo audj bie praftifdje 23 ilbung ber Kinber fbätaj. CEnajtloyiiMe. IH. 44 690 Srtbuftriefdjuten. gur Arbeit nur ber gamilie 31 t, aus bereu ©djoß unb ©emeinfdjaft baS tinb heraus* wädjst, bas nun ausgerüstet Werben fot( 31 t felbftänbigent Sebett in ©taat unb Sirdie. 35a aber bie gamilie fetten im ©tanbe ift, bie aöfeitige 23ilbung ihrer ©prößliuge ridjtig unb audreidjenb 31 : beforgen, fo treten öffentlidje Slnftatteu an ihre ©teile, bie ÜDiängel 3 U ergangen unb bie ©infeitigteiten 3 U beridjtigen; beibe, bie Rolfs* unb bie Snbufiriefdmle ^aben alfo ber fjamilie 31 t bienen. Sebod) ift nidjt 3 U überfeinen, baff baS RerI)äItniS 3 u beiben in beu fjamilien ber arbeiteuben ©laffen fein gleidjeS ift, inbem bie le^tern für bie ©rgieljung 31 « 2 trbeit in weit größerem Silage Gelegenheit, @efd)id unb S 3 e= bürfniS l;abe:t, als für bie geiftige SluSbilbung. 35arait8 felgt, baff itjnen in tiefer Regietjung and) ein größeres 9Zed)t gufteljt an il;re tinber, an iljre Slrbeit unb £ülfe, an iljre ©l)eilnalnme am 2Bol)t unb SBelje, beit ©orgeit unb ©efdjaften beS Kaufes, hierin befonberS finbet baS oon ©ett georbnete innige RerljaltniS gwifdjen ©Item unb Sinbcnt feine natiirlid)e ©runblage unb bie ^rjiehnng 3 ur Siebe, 31 a- 35anfbarlcit unb 3 «m ©eljorfam iljr geweil)te 8 gelb. @8 barf baljer bie StrbeitSfdjnle nid)t biefelbeit 2Infpriid)e an bie fjamitie madjen, wie bie UnterridjtSfdjnle. 4) ©djoit auS biefem ©ntnbe, wie uod) aus oielen anbern, finb beibe RitbungS* anftaltcu getrennt öoit einanber 311 galten, Wenn fie fid) .aud) parallel neben einanber bewegen unb beiben bie freitnblid)ffen Regierungen 31 t einanber 31 t wünfdjett fittb. 3 >t trennen finb fie, weil jebe il;r eigenes Gebiet fiat unb befonbere Kräfte unb ©hät' 3 = feiten in Slnffmtd) nimmt, bie fid) oljne 9Zad)tt)eiI nidjt mit einanber vermengen taffen (Rerfudje, beu SDZabdjen währenb beS ©efdjidjtSunterridjtS in ber RotfSfdjuIe baS ©trid'en 31 t erlauben, finb gänglidj misluugeu.) 3)ie ©d)üler finb nidjt burdjauS tie* fetben, ba mandje nad) SJfaffgabe ihrer IjäuSlidjen ©rgieljung oom 33efud) ber Snbuftrie» fdjule frei gelaffen werben miißen; aud) baS ©intrittSalter ift oerfdjieben, ba bie Rolfs* fdjule ihre ©d)üler früher aufnimmt; ebenfo ift bie Refdjäftiguug ber Änaben unb RZäbdjen in ber 9ZegeI gang oerfdjieben. 2ßaS bie Seljrer betrifft, fo finb für bie 2)?ab= d)en Seherinnen anjuftelteu, bie Wol;t nur in Wenigen fallen iljre ©djületiunen aud) in ber Sernfdjule unterrichten. 3)ie RolfSfdjulIeljrer aber, fo feljr ihnen im allgemeinen ©ad)fenntniS unb Sntereffe für bie Uebungen in ber Snbuftriefdjule gu wünfd)en ift, feilten bod) mit batternben unb anftrengenben ?Irbeiten au itjnen nid)t behelligt werben, ba fie ihre 3 eit unb firaft gn iljrem ©djitlunterridjt unb ihrer perfönlidjett. gortbilbung gar woljl braudien unb ihnen nidjt gugemuthet Werben fann, baß fie in gewerblichen unb laubwirtljfdjaftlidjen Singen mit allen SDtauifJulationen oertraute unb gum Unter» ridjte befähigte Sed)nifer feien. 5) ©er Sernfdjule, bie ein unmeßbares Object üor fidj Ijot unb an bie mit beut gortfdjritt ber 3eit immer größere Slnfpritdje gemadjt werben, barf Weber 3 e fr nct h Äraft gefdjmälert Werben, wenn fie iljrer Ijcljen Aufgabe genügen foH, betu bürgerlichen unb fird)tid)en ©emeinWefeu woI)t vorbereitete ©lieber 31 t ergietjen. 2(nt wenigften barf bie rcligiöfe Rilbung, bie fefte ©riinbitng in ©otteS äßort unb ©eift, bie fromme, fürs ewige Sieben reifenbe (Slj^'^ftet'bilbung ber RolfSjugenb oerfäumt werben unb bieS eben aud) im Sntereffe ber 3nbuftrie. Senn wenn gufolge tiidjtiger Rorbilbung Sanbwirtlj* fd)aft unb ©eWerbe itod) fo rationell betrieben werben unb blühen, ber Arbeiter aber aufwächst oljne ©otteSfurdjt, ©eWiffcnljaftigfeit, <$h r Iid[)feit, ÜIrbeitfamfeit unb ©eljor* fam gegen götttidje unb menfd)Iid)e Orbmtng, fo wirb baS gange materielle ©ebaube im Äleiuen wie im ©roßen auf einem Rulfan aufgeridjtet, ber beim nadjften 2 Iu 8 brud) alle feine ülnfiebter 31 t Oerfdjliugeit broljt. 2Iber fo Wenig als bie fittlidj = religiöfe Rilbung barf bie intedectueHe, namentlid) nad) ber 9Zaturfeite hin, oertümmert werben, unb gwar wieberum im Sntereffe ber praftifdjen RerufSbilbung. 3Ufo immerhin reale Rifcung beS RoIfSfdjüferS, fooiet bie Äraft ber ©djüler unb gefjrer oerniinftigerweife möglid) madjt, aber alles unter bie 3udjt beS ©eifteS geftetlt unb als bie oergäitglidje ©eite am bieSfeitigen Seben im 9Zeidje ©otteS angefehen! G) Sie Sernfdjule Ijat jebodj and) unmittelbar baS 3hre gu thuu, um in iljrer 3 nbuftriefdjuten. 691 allgemeinen 23orbilbttng fiird Sehen gugleid) ben ©rttnb gu legen, auf Weldjent bie 23e= fäljigung für bie ^ra?tifd)e Serufdbübitug beflo fieserer erreicht wirb. ©ie fjat, Wie fie fdjon im 3 u S e ift; bad Singe bed ©dnilerd für bie f'raftifdjen SBebürfniffe bed Sehend ju offnen, bei ben Hebungen beö Sfedjnend unb ©djreibettd fic^ foüicl müglidj auf biefettt ©ebiet 31 t bewegen, bad 3 sid)nen, um ben gormenfiun unb ©efdjmad 31 t biiben unb ben ©eftaltungen ber fpanb 311111 rcdjten ÜD?aß 31 t oerljelfen, in bie 9teif)c iljrer llnterridjtdgegenftänbe aufguneljntett unb bie Sfaturlitnbe, uamentiid) 23oben» unb ^3ffangeit= funbe, je nadj beut »orljerrfdjenb lanbwirtljfdjaftlidjeit ober gewerblichen ^Betrieb ber ©enteinbe 31 t förbern. ©0 hübet unb ftärft fie bie geiftige §anb bed ©djiilerd, Weld)e bie 2lrbeitdfd)iüe mit greitben unb Danlbarleit ergreifen wirb, um bie ßbtjfifdje |jattb bai' 3 ureid)en unb beibe 31 t 23erftänbnid unb ©efd)id in ben ®efd)äfteu bed Sehend mit einauber 3 U bereinigen. 7) Die fjrage bon ber allgemeinen ©rridjtnng ber Snbuftriefdntlen unb iljrer inne» reu Gsinridjtitng Ijättgt Wefentlid) bon ber SSorfrage ab: SBeldje fpecietle Slrbeitdiibungen gehören in bie 3nbuftriefd)uten ber ©emeinbett? fpier lommt bor allem in S3etradjt, baß bie Snbuftriefdjule ed nidjt mit 3 bgtingen einer gefdjloffenen (Srgieljungdanftalt 31 t tljun I)at, in weldjer ©djule unb Familie fid> bereinigen, fonbern mit ber gefammten ©d)idfugenb ber ©enteinbe, fobann baß ed fid) bei ber 23efd)äftigung in ber 3nbuftrie= fdjttle 3 unäd)ft nidjt um Strbeitdßerbienft ober Slrmenunterftüijung, fonbent einfad) um SSilbung 31 t 3 toecfmäßigcr Slrbeit l;anbelt. Die Slrbeiten felbft nun, 31 t Weldjett bie @e= meinbe= 3 nbuftriefd)ule 31 t hüben Ijat, mäßen unter bie allgemeinen Sebürfniffe bed meufd)lid)en Sehend gegätjlt werben unb bon- ber Slrt fein, baß fie a 1 £ge= mein gelehrt unb gelernt werben fönnen, in bie ©d)ttle aber bedljalb auf= genommen werben, weit bie gfatnilie iljre Äinber in benfelbeit nidjt ober nidjt geniigenb unterweifen tann. SlHgemeined unb bod) in ben meiften fjami» lien nid)t geuügenb befriebigted 23ebiirfnid ift für bie SDMbdjen bie Uebung im eiufadjett ©triden, im Gälten fautmt 3ufdjneibeu unb fylidett, unb im ©pinnen. 3n biefen 23er» ridjtungen muß jebe weiblid)e ißerfon nad) iljrer ©tellung in ber menfdjlidjen ©efett» fdjaft Äeuntnid unb gfertigleit hefigen, tl)eitd um iljrer felbft willen, tljeild 3 m: güljritng einer Ipaudljaltung unb 23eurtl)eilung ber Slrbeiten anberer. ©ie laffen fid) oljne nennenswerte ©d)wierigleiteit überall lehren unb lernen, entwideln Ijinreidjenb bad Slrbeitdgefdjid, unb an fie mögen fid) bann, je nad) 23ebürfnid unb in privater SBeife, ät)iüid)e feinere Slrbeiten, wie .fädeln, ©tiefen anfdjließen, ober aud) 31 t cottfommenerec ted)nifd)er Sludbitbung weiblidje fjortbübungdfdjulen im Dläljen nnb ©triden, wie fold)e in SBiirttemberg in©tuttgart, Dübingett, Diagolb nnb fonft im@ange finb. — 293ad bie Shtaben betrifft, fo giebt ed leine Slrbeiten, bie benen ber SDfäbdjen analog unb für fie ebenfo bringlidjed Sebürfnid wären. 3l)r fpäterer Sebendberuf l)at nidjt bie ©leidjartig» fett, wie ber ber 9Dfäbdjen, fonbern »ergweigt fid) in eine große SDJannigfaltigfeit. Da ed für fie einige Wenige ©runbbefdjäftigungen nidjt giebt, fo tann and) an bie ©enteinbe bie gorberung nidjt gefteHt werben, für fie wie für bie ÜMbdjen öffentlidje 3nbuftrie= fdjttlen 31 t erridjten. 23ielmeljr Ijat für bie (Srgiefjung ber Änaben 3 ur Slrbeit bie gamilie Weit meljr einsntreten unb auf bie alte gute ©itte gu galten, baß ber ©ol)n an ber Slrbeit bed 23aterd tljeilnimmt, ober fonft unter einer intelligenten unb fütlidjeit Sei» tung befdjäftigt Wirb, um ©intt unb ©efdjid für ben fpätereit fpeciellen 23eruf fid) gu erwerben (f. b. Slrt. ^anbarbeit). Deinungead)tet lann unb fotl, Wo nidjt, wie in öielen Sanbgenteinben, für bie förderliche Sludbilbung gutn fanbwirthfdjaftlithen S3eruf ohuefjiu fdjon fjinrekpeub geforgt ift, aud) für bie Stnaben etWad gefdjehen, nämlidj bie Slnfdjaffung eined ©djulgartend guni ©emüfebau, Woran and) bie Sftäbdjen fid) betljei» ligen, unb 31 t einer 23aumfdjule. Damit lönnen fie wenigftend einen Dljeil bed Saljred gwedmäßig befdjäftigt werben. 3 nt übrigen wirb ed für biele Änaben angemeffen fein, in ber ©tridfdjule ber SKäbdjen bad ©triden, Wenn aud) ttodj anberer Äleibungd» ftiide ald ber ©trümpfe, gu erlernen. Sd ergiebt fid) fonad) ber ©djlttß: 3 ebe ©d)ul= 692 Snbuftricfdiutcn. Snfpection. I. gemeinte, feie für eine gute Grgiehung ihrer Sinter forgen will, Ijat feie s 43f 1 id)t, and; eine 3nbuftriefd;nle gu errieten, in welcher bie SDiab» d;eu im ©triden, 9fäl;en unb ©pinnen, foweit ed Bedürfnis ift, unter» ridjtet werben, unb für fie, uod; mel;r aber für bie Änaben (unter ben obigen SBefdjräufungen) bamit einen ©d;ulgarten gu b erb in beu. 3ener I;at eine befonbere Lehrfrau, biefem in ber Sieget ber 93ottdfdutl 1 el;rer borguftehen. 8 ) 3ft bie ©rünbuug einer foldjen elementaren 3 nbuftriefd)ute Obliegenheit einer jeten ©djulgenteinbe, fo liegt bie grage nahe: ©ott fie bad Scedjt unb bie fPftid)t haben, bie Bolfdfdjiiler 511111 Befudje berfetben mit 3™ang anguhatten? 3n ©eutjdjtanb, bad ben ©djutgwang als eine nothwenbige unb heüfame Ordnung and reicher (Erfahrung leimt, ift wenigfteud für bie 9Jiäbchen=3iibuftriefd)uIe ohneBebenfen mit 3a 51 t antworten, ba bie ßiirforge für bie geiftige unb förderliche 33ilbung in gleidjer Sßeife fß flicht bed ©taated ift. 3ebod) tnüffeit einige 93 ovouSfe( 3 itngen jutreffeu. Gd ift bor allem ber fya» ltülie Siedlung 511 tragen unb il;re Sinder finb, wenn fie ben Unterricht in ben fraglidjen Slrbeiten ber 3 ubitftriefd)iile felbft geljörig beforgt, ober nicht 51 t befeitigenbe tpinberniffe im SB ege ftel;eit, bout orbentlidjcn 33efud)e berfetben 51 t bidpenfiren. ©obann ift mit alter ©ewiffenhaftigfeit bafür 5 U forgen, baff tedmifd) gut gebildete unb braoe Lehrer unb Lehrerinnen, bou weldjen faft allein bad ©ebenen ber Inftaltcn abhäugt, mit ihrer Leitung betraut werben; baff ber Unterridjt ein methobifdjer, ftufenmäffigcr fei unb bie Uuterridjtdgeit auf bie itnumgängtid) uothwenbige ©tunbengat^l eingefdjranft Werbe; endlich baff bie orbentlidjc Ortdfdjutbehörde, Wo möglich durch fadjberftänbige ©önner unb ©uttbäter berftärtt, bie ,2luffid)t and; über bie 3nbuftriefd;ule führe. Unter biefett SJeraitSfefcungen ift 51 t Ijcffe», baff bie gut geleitete 3nbuftriefd)iile bon felbft Sinder unb Gttcrn angieht unb über ihrem Sfitßen ber 3wang mit feiner ©trenge bergcjfen Wirb. 9) ©inb in einer ©emeinbe antte, auffichtdlofe unb berwahrlodte Sinder, fo l)Ht mau biefe bor anbern jur Snbuftriefdjule anjuhatteu. ©ie bon ihnen attdgufithrenben Slrbeiten fofltcu bann, felbft mit Vermehrung ber Unterridjtdftunben, in ber 9tid)tung auf 2lrbeitdberbienft audgemahlt uitb betrieben, ober ihnen fofort andere lohnenbe 33e= fd)üftigungen, wie fie bie laubWirthfdjaftlidjen ober gewerblichen Verhaltniffe ber @e= meiitbe an bie tpand geben unb ber 2lbfa($ ber fyabrit'ate burd; bie Vermittlung bon opferwilligen ftaufleuten ed ermöglicht, beigefetlt werben. Literatur: 3. ©. ©djutiblin, öffentliche'Äinber=3nbuflrieanftalten. ©tuttgart 1821. Sacobi, 91ad)rid)tcn über bad ©ewerbefdiutwefen in fpreußeit unb ©adjfeit. Leipzig 1842. Sifenlohr, bie Volfefdjule unb bie fpanbarbeit. ©tuttgart 1854. S. jyriebrid), bie Grgiehung gur Arbeit, eine ßorberung bed Lebend an bie ©d;ule. Leipgig 1852. Dr. ©eorgeitd, ©egenWart ber Volfdfdjule. 3al;rg. 1857. Brandenburger ©d)iil» £la11. Saljrg. 1856. 1857. ©iirre, päbagog. Söanberbud;. 1857. Volfdfdjule bon S. ß. (partiuann. ©tuttgart 1857. 1858. 1859. ^reihofer. SltfjJCCtioit. I. Unter ©d;ulinfpection berfteht man entWeber eine Behörde, Wetdje gur Beauffid)tigitng ber ©d;ulen in einem Orte ober Begirfe berpflidjtet ift, ober bie ^l;ätißfeit bed 3nfpicirend. 3u elfterer Begleitung bergt, ben 2lrt. ©djulregiment. 3u ber Ungenannten Bedeutung hat bad Sßort einen weitern ititb einen engem ©inn. 3it jenem begeidjuet ed im allgemeinen bie Beanffid/tigung ber ©d)itlen, bie ©djulauf* fid;t. ©ie fDiittel btefer 23eauf|id;tiguitg finb 1 ) ber fdjriftlidje Verfehr ber ©d;itlbe= hörben mit feem Vorftanbe einer ©d;ute ober bem Lehrer (bgl. bie Irtifel ©dmtregi* ment, ©d;itlberidjt, 3 clt gniffe [Gonbuiteuliften]); 2 ) bie regelmäßig Wieberfehrenbe ober aitjferorbentlid) ungeordnete Unterfudjung bed gangen 3uftanbe$ einer ©dnite burdj beu Gommiffariud einer ©d;ulbchörbe ober überhaupt einen Vorgefe( 3 ten ber ©djute, bie Vifitatiou ober Siemfion (bgl. ben 2lrt. Vifitation); 3) bie Beobachtung unb Ueber» wadjung ber gefanunten ©djulthatigteit in ihrem regelmäffigen ©ange, bei fleinen ©djulen burd) ben Localfdjulinfpector unb bet großem burd; beu ©irector (Siector, Snfpector Snfpection. I. 693 Oberlehrer, Vorfteljer), bie Snfpection im engem ©inne beS SBortS, wobon in biefem SIrtifel 31t fpredjen ift. (Vergl. ben Slrt. Sirector, Sb. II., ©. 6.) Ser jDirector feil auf ben in ber gan3en feiner Leitung unterfteüten ©djule Ijerr» fdjenben ©eift beftimmenb einwirten; er fyat fie ber Veljürbe unb bem publicum gegen» über 3U bertreteu; er ift ber erftern für Erreidjuttg beS 3 wedeS ber SInftalt, foWie für SluSfüljrung ber an bie SInftalt ergangenen Verfügungen berantwortlidj; er t)at ben einjelnen £eljrern iljre Functionen 3U überweifen; er Ijat ifjre Eijätigfeit 31t einer ein» ^eittidjen, fidj gegenfeitig ergci^enben 31: geftalten; er l;at bariibcr 31t Wachen, baff feber itim 3ur Slufnaljme in bie ©djule aubertraute ©djüler in berfelben biejenige SUtSbilbuug empfängt, Weldje bie Eltern bort in llebereinftimmung mit bem 3 'mcfe ber ©djule für i^n fuchen. Me biefe Verpflichtungen ju erfüllen, ift er nidjt im ©taube, wenn er fidj nicht in fteter, bis ins einseine geheuter Vefanntfdjaft mit ber ganjen ©djultljätig» feit erljält unb wenn er nidjt jeben ©djüler forgfam beobachtet, mit Einem Söorte, wenn er nidjt unabläßig felbft fieljt unb fidj, fo Diel als möglidj, aus eigener Slnfdjauung feilte Urtljeile über bie Setjrer unb ihre Sßirffamfcit foWie über bie ©djüler bilbet. SaS unentbehrlidje SRittel Ijie^u ift eben bie Snfpection im engem ©inne be§ SBortS. SBorauf eS bei itjr anfommt, ergiebt fidj nadj bem ©efagten bon felbft. SBir fipiren bie ^auptpuncte in Folgenbent: Sie Snfpection foU 1 ) jur Eontrole für bie an ber ©djule wirfeuben Seljrer bienen, bie fßünctlidjfeit, weldje fie in ber Ausübung ber ihnen übertragenen Functionen an ben Sag legen, überwadjen unb, wo eS notlj tljut, 311 foldjer Vünctlidjfeit anljalten. @8 Ijanbelt fidj Ijier bor allem um ben redjt3eitigen Veginn unb ©djluß ber ©tunben unb baruni, baß febe einseine ©tunbe für ben bont SectionSplane borgefdjriebcnen 3 TOec ^ Benuht wirb, baß ber Seljrer nidjt unoorbereitet in bie ©tunbe fommt, bie beit iljm 3« corrigireuben SlrBeiten sur feftgefefsten 3 £ ii 3uriicfgiebt, in ben beftimmten Friften neue Shtfgaben fteüt u. f. W. ES fjmibelt fidj mit einem SBcrte um bie äußere < fpf r lidjter= fiillung. — Ser Snfpicient foH 2 ) bie Slrt beS UnterndjtS beobadjten, um fidj 3U üBerseugen, ob Seljrgang unb SRetljobe ben Slnforberungen beS £etjrplanS unb bem ©tanbpuncte ber ©djüler entfpredjcn, ber Sehrton ber redite ift, ob bie fjättSlidjen Sluf» gaben nadj 3 nljalt unb Umfang 3Wetfmäßig finb unb ben bem Seljrer bei ber Serrectur ridjtig beljanbelt Werben, unb ob unb Wie weit fidj Per Lehrplan in ber IßrapiS bewährt. 3 n gleidjer SBeife muß bie Snfpection 3 ) ben ©eift beobadjten, in Weldjeni ^Regierung unb 3 u dl?t ausgeübt werben, ob biefer ©eift tro (5 ber Verfdjiebenljeit ber Seljrer ein einljeitlidjer ift, ob auf bie Snbibibualitat ber ein3elncn ©djüler bie notljige 9 tücffidjt genommen Wirb, auf weldje SSRängel bie Slufmerffamfeit beS SeljrercotlegiHmS 31t lenfen ift, ob bie Ijinfidjtlidj ber ©djul^ndji angenommenen ©runbfäfce befolgt, ob bie SiSci» plinargefefje ftreng unb im redjteu ©eifte jur SluSfiiljrung gebradjt werben, ob unb wie bie Seljrer audj außer ben UnterridjtSftunben auf iljre ©djüler einsuwirfen fudjen. 3 n allen brei bis je(3t befprodjenen Sesieljungen ift bie Snfpection namentlich auf bie Sljätigfeit ber Setjrer geridjtet. ©ie foü aber 4 ) audj ein auf Veobadjtung unb Erfahrung beruljenbeS Urtljeil über ben ©taub ber ©djule im gansen, wie über bie inteüectueHe unb fittlidje EntWidelung ber einjelnen ©djüler oermitteln. Ser Vorftanb einer ©djule muß 3U ben Veratljungen über bie Eenfuren unb Verfemungen fo Diel als möglidj ein eigenes Urtljeil mitbringen; er muß ftetS im ©tanbe fein, ben Eltern auf bie Frage, wie eS mit ihren Äinbern ftelje, wenigftenS im allgemeinen nadj eigener Ueberjeugung 31t antworten. Von ben im Vorfteljeuben aufgegäljlten öier Slufgaben ber Snfpection ift eS bie erfte, Weldje oielfadj angefodjten wirb unb berentwegen man „baS Diele Snfpiciren" oft als fdjäblidj für bie Sluctoritat unb für bie freubige unb gebeiTjlidje SBirffamfeit ber Seljrer beseidjnet. Ein Sirector, fagt man, miiße feinen Seljrern ftetS Vertrauen be» Weifen, eine foldje ßontrole aber gelje aus SUiiStrauen herber unb burdj biefeS werbe jebeS coüegialifdje Sinbernehmen geftört; ein SDirector habe widjtigere Singe 3U tljun, 694 Snfpection. I. olg feine (pflegen potijeimäjjig ju überioadjen. ©o loaljr tsietcS baöon an fidj audj fein mag, barf inan beim bed) nidjt »ergeffen,. bafj e 8 teiber audj Server giebt, bie ber Ueberioadjung nidjt entbehren fönnen, loeldje fid) nie fidjer fügten bfirfen »or bern unoermuttjet einireteitben Snfpector. Sonett gegenüber bleibt jene »erraffte ßontrote einmal notljtoeubig, obtooljl cb fid; »ott feibft »erftel;t, baff fie in jebent galt human nnb auf eine SBeife, bie jebe SBIcfffteftung »or ben ©djülern uermeibet, jn üben ift, bamit fie burdj Untergrabung ber bei Seljrent ber bejeidjueten Slrt an unb für fid) nidjt grrjfen Sluctorifät nidjt nicljr fdjabe atd nüfje. ©eilt pünctlidjen, gelriffenljaften fieljrer gebe man um fo uujtoeibeutigere 33ei»eife be§ SSertraueliS unb jeieje iljm bei ben au« anbern ©rihibcu nöiljigen ^nfpectioncn, baff man nidjt femme, um ben Seljrer 51 t con= troliren, feubern um fidj bie ÄenntniS »om ©tanbpuncte ber ©taffe unb itjrer einjelnett ©djilter 31 t nerfdjaffen, oljne metdje man toeber für baS ©Ijitn nnb ©reiben ber SInftalt »erantmortlidj, nodj an ber 33er»otlfominnung bcrfelben ttjätig fein fann. SBatjrenb bei ben Seljrcru, loetdje Ijinfidjttidj iljrcr äußern ^Pflichterfüllung coutrolirt toerben müjfen, Ijänfige, furge 23efudje mitten im Untcrridjte notljtoenbig finb, toerben bei beit »ertrauenö» toilibigeu feltnere, bietleidjt in getoijjen 3 e tü'äumen toiebevtjotte, längere, oft and) ganje Unterridjtgftuuben Ijinburdj bauernbe »orjujieljeu unb bie ber ©djiiter toegen aujferbem unerläfftidjeu öfteren tßefudje ber ©taffe meljr in bie ^Saufen jtoifdjen ben einzelnen Sectio» nen 31 t »erlegen fein, üßätjrenb jene ©ontrotbefudje unoermutljet tommen müjfen, mögen bie fonftigen Snfpectionen audj »ortjer bem Seljrer angefiinbigt toerben, obgteidj bieö ftctS 31 t tljun fdjou barutn nidjt rätljtidj fein bürfte, meit e§ ben ©djülern nidjt entgegen iüürbe, ob ber ©irector uuoorbergefeljen, ober itadj »orljergegangener Slntiiubigung tommt, unb loeit fie barauf audj iljrerfeitS eilten Unterfdjieb jtoifdjeu ben Sctjrent be= griiitben tönuten. Regeln für bie SIrt be 8 SnfpicirenS toerben fidj nidjt leidjt geben taffen. 33or altem tommt e 8 barauf an, baff ber 3 ft* c d: ber Snfpection ün Singe beljalten toirb. Uebrigeitg ift, toie man » 01 t jebent Setjrer päbagogifdjeit ©alt »erlangen nutjj, ein uiter» täßlidjeS ©rforberniS eines ©ircctorS ber ©irectoriattatt, unb baju geljört uameittlidj nudj ber beim Snfpiciren ju betoeifenbe. S3ei einem ©irector, ber biefen ©alt befifst, toerben einerfeits bie Setjrer in ben SnfpectionSbefucfjen leine läftige SBieltjerrfdjerei, fon» bern eine görbenutg itjre§ ©trebeuS erbtiden, unb anbererfeitS bie ©djüter nidjt an bie Unterorbnung be§ SetjrerS unter ben ©irector erinnert toerben, fonbern beioe als ©oßegen crtcniten, bie »ereint, jeber ben anbern itadj feiner ©tettung unterftüfcenb, an ©inein SEBerfe arbeiten. *) .Sern. *) Sie Utterläßlidjteit ber Snfpectioit ergiebt fid) im attgemeitteit au« ber UnOettfontmenbeit ber menfd)Iid)en Shtur, toetdjer auch bie Setter unterliegen, für größere Stnftaltcu aber inSbe» foitbere aus ber ^Betrachtung, baß, 100 eine SJieljrljeit »01t Äräfteu jufamnientoirfeit fotl, ein Otegulator liothtoenbig ift. (Sitte ©cfjutauftalt ift aber ettoas attbereS als eine SJlafdjine; fo muß audj ber ^Regulator feine Aufgabe anberS als mcdjattifdj auffaffen, er muß toiffeit, baß ber er» jieljenbe Unterricht bie freie Giutoirfmtg einer gaitsen ifterföntießfeit auf toerbeitbe, in ber Bilbmtg begriffene tfSeriöutidjfeiten in ftdh fdiließt, baß alfo ber (Sntioüftung biefer perfönlidjen Gintoirfmtg Siaunt 51t laffen ift, foioeit ber 3'»ecf unb bie Orbnung bes Oanjen es »erfiattet. ©0 gilt es beim für ben Sufpector, bas Subiet unb bas 3uwenig ju »ermeiben, »or Saytjeit, aber auch »or ipebanterte fieß 51t hüten, toadjfani 31t fein, aber auch bie erforberlicße §ölje unb SSSeite bes ©tanbpuncts fiep 31t betoaljreu unb mehr auf ben ©eift, als auf bie fyornt 30 fetjen. — gür ben Socalfdjutinfpector gilt im gaitsen bas ©leidje loic für ben ©irector, nur baß bei ihm als eine unerläßliche ÜSebinguitg feines SittflttffeS, bie fid) bei jenem boef noch mehr »01t feibft Oer» fleht, baS heooorättbeben ift, baß er feine Berechtigung 3ur Snfpectioit nidjt bloß aus feiner amt» ließen ©tettung ableiten barf, fottbern bttrdj überlegene Siitficht ttttb ©iichtigteit ertoeifett muß, unb baß er nur infoioeit, als er bas Se(3tere tljnt, in baS Sintere mit Grfolg eittgreifen fantt. Sie Socalfdjutinfpection auf bem Sanbe muß auch noch attbereS in ihren Bereich gieljen, als bie einer großem ülufiatt, ittSbefonbere bie Uebertoadjuttg beS ©thulbeftichs, toorüber auf bett Sttrtifel „Schulberfäumniffe" 3U oertoeifen ift. Sie ©dhulbermaltungctt hoben insgemein fiir bie mit ber gnfycction. n. 695 II.*) SttffJCCtiott im engeren ©inne beS SEBortS (im Unterfdfieb oon ©dfulregi* ment) ift bie fpecieUe Sluffidft, loeld;e enttoefcer ber Vertreter ber 2ocalfd)ulbel)Brbe bei Heineren ©djulett ober in größeren Slnftalten ber ©irector folool)l über bie £ef)r= mtb ,?erntl)ätigfeit in benfelben als über bie babei eingefallene 5DiöcipIin gu führen unb auSguiiben fat. SS liegt in ber Slatur ber ©ad)e, baß bie Snfpection im erfteren gatte metjr äufjer= lieber Slrt ift: fie toirb fitf gumal ba, loo ber Vertreter ber SocalfdjulbeljBrbe enttoeber nidjt feibft innerfalb beS gadjeS fteft ober bem größeren Steile feiner ätigfeit nad} einem anbern amtlidjen DrganiSnmS angefört, meljr bloß begiefeit auf baS Sinfyalten ber äußern ©d)ulorbnmtg unb beS regelmäßigen ©angeS ber t toirb. Siner pofi= tioen Simoirfung auf Seigrer unb ©djule toirb fie fid) um fo mefyr gu enthalten l;aben, «16 bie eigentlicfe Slntoeifung unb Slnorbmtng nur ber föferen SBebörbe gufontmt.**) ©ang anberS als ein fold/er Snfpector gu feinen ©djulen, fteft ein ©irector gu feiner Slnftalt, gu ©djülern toie gu Seifrern. ©cfon beSioegen, toeil er feibft Sefyrer ift unb gtoar toofl meift in ben oberften Klaffen unb in ben leid)tigfteu gädjern, in toelf en fid) 3wettmäßig!eit unb Ungioecfmäßigfeit be§ früheren Unterrichts am füfIbarften er* tennen laffeit unb ein energifdjeS DfüdioärtStoirfen am bringenbften forbern, ift fein S3erfältniS gu beiben ein oiel näheres unb unmittelbareres. Stber aud) abgefefyen hieoon beftel)t ja feine Aufgabe nid)t bloß in ber Slufred)tl)altung officiett feftgefefcter ober tra* bitionett belannter ^formen, fonbern er ift in ben Slugen beS EßublicuntS unb ber 33e* l)örbe für baS ©efammtrefultat beS in feiner Slnftalt gegebenen UnterridjtS unmittelbar oeranttoortlid), er reprafentirt ifneit gegenüber in getoißem ©inne bie gange Slnftalt feibft. ©ein Stint ift nidft bloß ein äußerlid) beftimmteS, eS ift loefentlid) confibentietter iftatur. 3l>m liegt eS ob, bie gange Slnftalt gu beleben unb ifr feinen ©eift eingu* Ijaudjen, unb je mel;r eS il;m gelingt, berfelben baS ©epräge feiner Snbioibualität auf* gubrüden, befto beffer unb ootttomntener genügt er feiner Aufgabe. ©arauS folgt oon feibft, baß alles in ber Slnftalt bis aufs Äleinfte Ijerab ein unmittelbares Sittereffe für iljn hat, baß eS für ifyn oon ber größten 2Bid)tigfeit ift, oon allem fo oiel möglich unmittelbare ÄenntniS gu erhalten, ©agu lommt aber nod) toeiter bie oielgliebrige Drganifation unferer I;öl)eren Slnftalten, loeldje notljioenbig einen oermittelnben, auS* gleid)enben unb einigenben gactor oerlangt. ®ie centrifugalen Slemente, loeldje in ber SSefdjränlung eines Servers auf Sine Klaffe ober auf Sin gad) gegeben fiub unb loeldje nid)t feiten aus ÜDlangel an Ueberfidjt über baS ©ange gum ©d)abeu beSfelbeu fid) gel* tenb mad)en, bebürfen notl)toenbig ein ©egengeloidjt. SDtan fann fagen, bieS fei in ben Seljrerconbenten gegeben. £um ®t)eü, ja; aber eS ift befannt, toie bie inbioibuetten SBerfdjiebenljeiten ber 3lnfid)ten nur gu oft aud) in biefe übergeben unb nidjt feiten enttoeber leine 3lnSgIeid)ung ober nur eine außerlidje, formelle, feine innere unb toirflidje gefunben toirb. Unb toenu aud) bie ©efammtljeit ber Seljrer über SJtetfyobe, Serngiel aiusfiiljrung ber fynfpectton betrauten ©teilen Slnlbeifungen erlaffcn; toiv berloeifen beifpielstoetfe auf bie Snffruction für bie ©eiftlidjen in ber preußifdjeit ißrobinj ©d;lefien, Diönne I, 347 ff. SBürttembergifdje Slmtsinftruction für bie ebang. ©eifttidjleit bont 20. gebr. 1827, §. 8. Dlben* burgifdje Snftr. für b, Sanbprebiger als ©djulinfpectoren bom i.Dct. 1837. Slllg. ©cbulg. 1840, Sir. 96. 2>ergl. bie umfaffenbe Stbljanblnng über bie ©djulauffidjt beS Drtspfarrers in Äirßb, 3JolEsfd;ulred;t II., 460-479. $ie Sieb. *) ©er ©tanbpnnct biefeS Slrtifels ift ettoaS berfepieben bou bem bes borbergeljenben, toes* halb ü)n eben bie Sieb, neben biefem aufnal;m. ®ie Sieb. **) Sla^ Umftänben jebod; Jann fid; bie ©ad;e anc^ anbers geßalten, g. 33. toenn fämmtticBe ©ernten einer ©tobt einem ©cfmlinfbector bon gad; jur Uebertoai^ung unb Seitmtg unterteilt ftnb. §ier »oirb bie SCfgättgleit be8 Snfpicieitten fetbftberflänblicb berjenigen ganj ttaBelommen, treibe ein Strector an ber i^m anbertrauten Slnftalt gu üben Bat. 696 Snfpection. n. jetoer Slaffe, Selgrbüdger :c. einig geworben ift, fo geigen fid; bodg infolge ber SB er» fdgiebenlgeit ber Sitbioibualitäten in SBelganblung »on ©djülern unb Selgrgegenftänben nodg fo oiele ©ioergengen, ja SBiberfprüdje, baff babttrd; baS Srreidgen eines Igarmoni» fdgen ©efammtrefultats enttoeber gelginbert ober bodg beeiuträdgtigt erfdgeint. ®iefe fennen gu lernen itnb gu lieben, ein hanttonifdjeS Snehtanbergreifen ber oerfdgiebenen Se^rfräfte attgubalgnen, worin eine ©rttnbbebingung beS ©ebeilgenS einer Slnfialt liegt, bieS ift wefentlidg ©adge beS ©irectorS, ©adge feiner perfonlidgen Sinwirlüng auf Seigrer unb ©djiiler, ©adge feiner unauSgefejgten fpecietlen Snfpection, unb biefe Srlennt» niS ift eS, in ber beut Sirector ooit ber Sßelgörbe nidgt nur bie unauSgefefete 3nfpec= tion gur SPflidgt gemalt, fonbern aud) in SBegielguitg auf 9liiweifitng unb 3lnorbnung gegenüber oon ben eingelnen Selgrerit ein meit größerer Spielraum gegeben ift, als bem außerhalb ber ©dgule fteljenbeu Snfpector. Sr ftelgt in feiner Snfpection bem ein» gellten Sebjrer nidjt bloß als übergeorbneter SBeamter, fonbern als Sftepräfentant ber gangen Slnfialt gegenüber. ©egeitüber »on biefer Sluffaffung loerben bie Simoiirfe berer, weldge in ber 3n= fpection bttrdg ben SMrector ober in ber perfönlidgen Sinntifdgung beSfelben in bie Set;r= tlgätigleit ber eingelnen Seigrer nur eine unfruchtbare, Igemmenbe SBeläftigmtg ber letzteren feigen unb fie beStoegen entweber gang aufgelgobett ober bod; loefentlid; befdgränft wiffen looHen, fid; als unhaltbar ertoeifen. ©aß ein SBorftaub babei große unb fd;äblid;e DJtiSgriffe utadgen fann, ja baff lein SÜgdll feines SBerufeS ntelgr Satt unb Unbefangenheit »erlangt, fofl. uid;t geläugnet loerben. Slber überall loirb eine unbefangene 33etradgtung geigen, baff alle Sinloiirfe entloeber nur halb richtig finb, ober baß fie bloß bie Sßerfon, nidgt bie ©adge fetbft treffen, unt> baff biefe Slhätigfeit beS ©irectorS, loenn fie richtig ausgeübt loirb, nidgt bloß int Sntereffe ber ©adge unb ber SInftalt, fonbern aud; int tooblöerftanbeneit 3ntereffe ber Seigrer fetbft liegt. SS loerbe mit ber Sttfpection, fageit manche, leidgt bem fftedgte ber 3nbioibualität gu nahe getreten. ®8 ift bamit ein äußerft loidjtiger Spund berülgrt. Sffioßte matt bem Seigrer überall oerfdgreiben, loaS unb loie er lelgren, loantt unb loie er [trafen ober belohnen ober überfelgcn fode, gewiß, man Würbe bamit baS eigentlidge Sßefen ber ©dgule oernidgtett. 3h« ^auptgWecf ift ja, int ©dgiiler bie Äraft ittbioibuellen Empfangend gu wedEett. 9?ttr bann aber wirb biefer gweef erreidgt, nur bann fann ber ©eift beS SehrerS belebettb auf ben beS ©djülerS loirfen, wenn jenem Freiheit beS ©elftes unb greilgeit ber SBirffamleit foweit es möglich ift, gu» geftanben loirb. SS muß alles inbioibttell geridgtet fein, was inbioibtteU foH empfangen Werben. Unb für eine gange SHuftatt wirb nidgtS erfprießlidjer fein, als unter ihren Sehtertt möglidgft oiele inbioibnelle SBerfdgiebeitheiten gu Igabett; bettn itt ber mannigfal» tigen Sinwirlüng oerfdgiebener 9?aturen auf bie ßöglinge liegt baS befte Mittel gegen einfeitige ©reffur uttb mafdginenmaßige SBelganblung. Slber fo gewiß bieS alles ift, fo fidger ift audg, baß baS 9fedgt ber Snbioibualitat feine natürlidge ©dgrante hat in beut ber anbereu Snbioibuen, neben bie matt gefteüt ift unb mit benen man gufantmengtt» Wirten Igat, unb an bem ©efammtgwed ber Slnftatt, weldger tuan bient, unb eS ift bieS um fo Widgtiger, je mehr bie Srfalgrnng lehrt, baß Sßefdgränfuitg ittbioibueUer Slnfidgten, ffteftgitation unb Unterorbnuug unter ein ©angeS eben leine Igetworftedgenbe Sigeitfdgaft beS SelgrerflaitbeS ift. Slber Wenn man aud; bie UJotlgWenbigleit ber Ueberwachuitg, ber Sonfrole, ber perfönlidgen Sinwirlüng beS ©irectorS gugebe, bie XtnWefenlgeit be8felbem»6eim Unterridgte fei unbequem felbft für ben pflidgttreuen, feines ©egenftanbeS oollfommen mächtigen Sehrer, fie Wirte beengenb unb laffe bie ©tgätigfeit beS SelgrerS in feiner Slaffe nidgt immer fo erfdgeinen, wie fie loirflid; fei, uttb bagu loerbe babttrdg bie Sluctoritat beS SehrerS in bett Slugett ber ©dgüler beeintradgtigt. ®a8 Srftere ift ooHlomnten ridgtig. SBon griebridg 3acob, bem SDirector beS SatlgarineumS in Siibed, g. SB. fagt Klaffen (griebridg Sacob, ©irector beS SatlgarineumS in Sübed, in feinem Seben unb Sßirlen bargefteüt oon 3. Klaffen. ©. 58 .): „er lannte bie ftörenbe Sinwirlüng eines fremben Snfpcction. n. 697 glementeS auf feine gange Haltung fo feljr, baß er mir meine 33itte, gtt meiner 33elel)= rung feinen UnterridjtSftunben in ben lateinifdjen ©tilübungeu anmoljneit 31 t bürfen, mit ber SBemerluttg ablehnte: er mürbe eS nidjt gerne feiert, meit er nid)t gang uitbe* fangen fein mürbe," unb id) fetbft fannte einen feljr gefdjid'ten unb burdjauS ßflidjttreueit Setjrer, ber mir geftanb, baff er beim ©intritt beS ©irectorS in feine ©taffe eine foldje 23e= engung, foldjeS ^ergflopfen füllte, baß eS it;m unmoglid) fei, unbefangen im Unterrid)t fort* gufaljren. Slttein bieS alles fiebt bie 97ott>roenbigfeit junb 3medntäffigfeit foldjer 33efud)e nid)t auf, beim fürs erfte finb foldje leidjtbefangene, fdiiidjterne Katureu bod) moljl feiten, fürs aitbere mirb moljl lein SSorftanb fo unbillig fein, fein Urtheil über bie gange SEfjätigfeit eines £el)rerS bloß oon beut gelegentlichen ©ittblicf in einige UnterridjtSftunben abhängig 311 madjen, gumal menn er, mie er feil, bie ©igentl)ümlid)feit ber ©iugelnen teuut. 3Bie aber burd) bie 21nmefenl)eit beS ©irectorS in ben Unterridjtöftunben, meldje ja nidjtS an* bereS ift, als bie ©eltenbmadjung eines au unb für fid) befteljenben, ben ©djülertt mol)l be* famtten SSerljaltniffeS, bie 2(uctoritätbeS SeljrerS irgenb beeinträchtigt merbeu folt, ift fdjmer eingufeljeu. ®ie einjige Söirlitng auf bie ©d) liier lantt bod) moljl nur bie fein, baff, wenn anberS ber Setjrer fid) gehörig benimmt, burd) baS 33emußtfeiu, baff ber ©irector ihren Seiftungen eine unmittelbare S3ead)tung unb ©heilnaljme gümenbet, bie befferen , ber ©djüter fid) angeregt unb aufgenututert, bie fdjledjtereu fid) befdjätut fühlen. 23ei (EoHifionen aber BoUeitbS mit ©djülern unb ©Itcrn Bon ©djülerit, mie fie fid) mohl Bott 3eit ju 3 e ü ergeben, mirb bie Sluctorität beS SeljrerS eine oiel gemidjtigere unb ent* fdjeibenbere fein, menn fie fid) ftiljjt auf bie Sluctorität beS burch eigene @iufid)tttal)tite mit bem ©tanbe ber ©adje belannt gemorbenen ©irectorS. Ueberl)aufjt barf man nicht außer 21 d)t taffen, baß jeber Seljrer in feinem SBefen unb Sßirleit mehr ober meniger ber SBeurtljeilung feiner ©djüler unb burd) fie beS Ißublicumg unterliegt, unb baß fid) halb über jebeu ein öffentliches Urtheil bilbet, baS in ben meiften fallen gitr ÄenntniS ber Seljörben gelangt, ©a fiubet nun gegen eine unbillige Seurtheilung oon ©eiten beS fßublicumS unb oft audj ber höh eren Seljörbe ber Seljrer ben eingigen ©djufc in bem auf genaue Snfpection gegrünbeten Urtheil beS ©irectorS. 3 u ben äußeren -Kitteln, moburd) bie Snfpectioit 31 t führen unb attSguüben ift, gehört fiirS erfte bie regelmäßig miebertjolte Ginfidjtnahme ber Sectcrbüdjer ober ©d)ul= biarien, melon ben KItern rügende Kinfluß ber Sluctorität beS SSaterS unb der Siebe ber SJtutter; bie ergieljenbe SBcdjfelwirtung ber bureg SSriiber unb ©d)Weftent vertretenen Derfdjiebenen ©efd)led)ter; bie neiblofc S(ner= tennung ber iljren Seiftungen entfgreegenben S3orred)te anderer, woran baS Äinb im S5erl)ältuiffe ju feinen älteren ©efdjwiftern, bie liebevolle ©ienftleiftung, woran eS ben 3ttititut§cräidjuitg. 699 jüngeren gegenüber fid) gemötjnt; bie bet aller natürlichen ©ebunbenljeit große Beweg» lidjfeit, loetcfje ber Snbioibualität geftattet, Wie bie forgfältige Beobachtung ltnb Beriid» ftdjtigung, weldje ihr gewibmet roerben fnnn, unb bie bamit gufammenljängenbe (Ent= widluug beS ©emütljSlebend — alle biefe Bcrtljeile ber (Ergieljuug in ber gamilie tonnen burd) feine aitbere Berbinbung erfe( 3 t Inerben, ja ber ©egen beS gamilienlebenS ift fo groß, baß man felbft ba, Wo eS in lleßßigfeit unb SBeltfmn, ober itt (Dürftigfeit unb Hoheit oielfältig oerfommen ift, unb wo eS barutn in oieler Begieljuug offenbar un= gunftig auf bie Äinber einwirft, benuodj Bebenfen tragen muß, ob eS locht gethan ift, tie hinter auS bem Sebeit mit ihrer gamilie oöttig Ij^auSguneljmen. 9lnbererfeitS aber getjort ber ÜKenfdj bodj auch ber gamilie nicht allein an; fonbern loie bie gamilie felbft nur ein fleinerer DrganiSmuS ift in beut größeren beS ©taateS unb ber ©efelt= fdjaft, fo ift and; ber einzelne SDfenfdj beftimmt, als ein felbftänbigeS unb lebettbigeS ©lieb in biefe größeren ©enteiufdjaften einjutreten, unb er muß auf tiefe feine Beftimmung in ßeiten Vorbereitet »erben. (Dagu nun reidjt bie gamilienergieljung nidjt aus. (DaS Äiitb muß fid) gewöhnen, and) bie Sluctoritat fotdjer auguerfernten, 31 t Weldjen eS nicht itt bem Berljältniffe natürlicher dlbljängigfeit fteljt; empfangend unb mittheilenb auch mit foldjeu 31 t leben unb fid) gu oertragen, mit welchen eS nicht burd) baS Banb natilr» lieber Bermanbtfdjaft oerbunbeu ift; unb fein @efid)tsfreis muß fid) über bie befdjränfte Sphäre beS elterlidjen fpaufeS hinaus erweitern. Sind; genügen, um tiefes adeS gu be= Wirten, nidjt bie gufäHigen Berührungen mit ber ©efellfdjaft in weiterem Streife; fon= bem eS muß biefe in einer bie feften Ordnungen beS ©taatS unb bie fefte ©itte beS geselligen SebenS gewißermaßen Oorbitbenben unb bod) bem finblidjen SlitffaffungS» unb Sei» ftungSoermögen entfpredjenben Sßeife als georbitete ©emeinfdjaft bem 3öglinge gefliffent» lieh entgegengebracht Werben. (Diefe gorberung erfüllt bie ©d) ule unb baburd) forgt fie bafiir, baß ber innige gatnilienfhm nicht in furgfidjtige unb engherzige gamilieubefdjränft» l;eit auSartet, baß neben bem 9fedjte ber Snbioibuatität, weldjeS oorgugSWeife im l;äitS= liehen Seben feine pflege finbet, auch bereu fßftidjt gegen bie ©efammtheit gur liter» fennung femnte, unb baß neben ber (Sntwicflung beS ©emüthSlebenS aud) bie (ErfenutniS erweitert unb in ber Söfung mannigfaltigerer Slufgaben unb int Satnpfe mit fräftigerent SBiberftaube auch ber SBille geübt Werbe. ©0 betrachtet, erfdjeint ber (Eintritt beS ÄinbeS in bie ©d;ule nidjt als eine traurige SRothwenbigfeit, gu welcher man fid) ent» fdjließen muß, weit bie (Eltern nicht bie 3^t ober nidjt bie gäljigfeit haben, bie (Er» gieijung innerhalb ber gamilie felbft 3 U oollenben; fonbern bie ©djule tritt als eine burd) bie Dfatur ber ©adje geforberte, an fid) felbft notl)Wenbige unb Wefentlidje (Er» gäugung ber gamilienergieljung gur ©eite. Unb gwar am ooUftäubigften bie öffentliche ©djule im ftrengen ©inne, b. fj- bie, weldje oon bem ©taate gegrünbet ift unb unter» halten unb geleitet wirb; beim biefe oertritt aud) am beften bie fefte Ordnung ber ftaatlidjen ©emeinfdjaft, für Weldje ber 3 ß gliug oorbereitet Werben fotl, unb inbem iljre Seljrer hinlängliche greiheit haben, um auf bie Süöiinfdje ber (Eltern unb auf befonbere Sebürfniffe ber Sinder jebe billige 9tüdfid)t 3 U nehmen, oor bem hemmenden (Einfluffe unbilliger ülnfpriidje aber, welchen bie fßrioatfdjule fid) niemals ooOftänbig gu entgiehen oermag, gefidjert fiub, wohnt iljr gugleidj eine eigentümliche SEriebfraft bei, weldje ^rioatfdjulen nicht in fid) beftfeen (Jßerbart, Umriß päbagogifdjer Borlefuugeu §.334). Sine foldje (Ergängung oon gamilie unb ©djule bietet nun aber aud) in allen normalen inneren unb äußeren ßuftänben nidjt bloß baS für bie (Srgieljung 9cotljWen» bige, fonbern aud) baS bafür 9 tü( 3 lidje fo oollftäubig bar, baß, abgefehett oon bem Unterridjte in fünften unb tedjnijdjen gertigfeiten, felbft ber nad)helfenbe fßrioatunter» rieht, Wenn nidjt ein aus befonberen Umftänben IjefOorgeljenbeS bringenbeS Bedürfnis barnadj oorliegt, oermieben werben feilte, gür bie 3 ß glinge, Weldje in bem Greife beS einfadjen Betriebes beS SanbbaueS unb ber @ewerbtl)ätigfeit ftehen unb barin iljren fünftigen Beruf finben feilen, finb bie äußern Bebingnngen für jene normale (Ergängung Oon gamilie unb ©djule in jebem ®orfe geboten, weldjeS eine BollSfdjule befiht. (Dem 700 gnftitutSerjielhtng. Sebürfniffe ber für eine jufammengefefetere 9 Serufgtl)ätigteit innerhalb beS arbeiteten ©tanteS, ober für ben gelehrten ©taub bcftimmten göglinge ju bienen, werben in jeber größeren ©tabt Cie erforberlichen 9 tealanftalten nnb @t)mnafien corl)anben fein; hat ber ©taat nid)t bafiir geforgt, ober tfntn feine Stnftatten nid)t gehörig ihre ©d)itlbig= feit, fo treten 31t mei;r ober weniger auSreidjenbetn Erfalj beS Felßenben bie entfpredjenben ‘’ßricatfdjulen fjeroor. SHltt ber normalen Wedjfelfeitigen Ergänsung con ©d)ute unb £)auS fid) nid)t jn begnügen unb baS ffinb bem burd) nid)tS 31t erfejsenben ©egen be8 Familienlebens 3U entnehmen, ift unter foldjen Umftänben eine äußere 9 lötl)igung nod) nidjt borljanben. ®iefe tritt erft bann ein, wenn Eltern, bereu ffinber ben Unterricht con Sfnftatten, wie bie jule^t genannten, bebürfen, con biefen 31t weit entfernt, auf bem Sanbe Wofynen. 3 n fold)en Faßen fragt eS fid) nun, ob bie Familie oerfudjen fett, ben fel)lenben ©d)ulunterrid)t felbft 31t erfefjen unb bie ©djule gleidjfatu in fid) aufjunel;men; ober ob umgefel)rt bie ©d)ufe poffenber baSjenige Familienleben, in WeldjeS baS fftnb auS bem elterlichen eintritt, in ihre 5 ftäl)e 3iefit, ober gerabeju felbft unternimmt, it)m baS elterliche fpauS 31t erfe^en: benn baß ber ßögling 3 an J ohne bie I;eilfame ßudjt eines Familienlebens, ober wenigftenS einer nid)t bloß in ben ©djulftunben, fonbern and) in feinem übrigen Seben auf ilm einwirfenbeu österlichen Sluctorität ejiftire, baS fefct eine ©elbftänbigfeit oorauS, wie fie nur ba corfyanben ift, Wo eigentlich bie Er= 3iel;ung im engeren ©iitne il;r Sßerf bereits beenbigt hat. ®a nun ber eigentliche ©djwerpunct ber Ergielmng bod) in ber ryamilie liegt, fo fdjeint jene erfte SluSfunft am nädjften 31t liegen, Wonad) man alfo ben ©djulitnterridjt unb beit fjäbagogifdjen Einfluß beS Sel;rerS in bie Familie l)erein3U3iehen fudjt. Es entfteljt fo bie §of= meifterergie^ung. Slber gang abgefe^cn bacon, baß nur in ben Wenigften Fällen öfonomifdje unb fonftige Serl;ältuiffe ben Familien geflattert, biefe SluSfunft 31t treffen, fo ift eS and) unter ben giinftigften ©erfyältniffen fel)r fd)Wer, ben richtigen SJtann ju finben; eS ift für bie ÜSielfeitigfeit ber Entwicflung beS ßöglingS nad)tf)eilig, fort» Wäljrenb nur bem Einftuffe eines unb beSfelben SeljrerS auSgefefjt gu fein; e§ ift für baS einzelne ffinb ermübenb unb erfd)Bpfenb, Wenn eS, fei eS aud) nur für wenige ©tunben beS ©agS, con bem Sebrer fortwätjrenb in Slthem gehalten wirb, ohne con 2 ßitfd)ülern abgelöst 31t Werben; unb baS ©d)limmfte ift, baß il)m bie corbereitenbe Hebung, in einer größeren ©emeinfdjaft 3U leben, entgeht. ßöenn nun in ben meiften Fällen ber 3iterft angebeutete ©runb Einlaß geworben ift, baß man bie entgegengefefjte äluSfunft Corjog unb baS ffinb lieber bem elterlichen ^>aufe entnahm, fo muß mau auS ben gulejst angeführten ©riinben anerl'ennen, baß aud) in tiefem Falle bie 9 iott) gur Stitgenb geworben ift. ©aS 9 fatürlid)fte ift nun, baS ffinb einer tüchtigen Familie ju übergeben, beren ©teflung unb SebenSweife ber beS elterlichen £>aufcS ähnlich ift, unb eS I)at biefeS nicht bloß Cor bem eigentlichen ffoftl)aufe, weldjeS barauf eingcrid)tct ift, mehreren Solingen, bie in bem gleichen Fade finb, 2öol)nung rtnb ff oft 31t geben, ben Solang, Weil l)ßr aud) bei bem beftejt SBißen ber )jabagogifd)e ©efichtSpunct 31: leidjt hinter ben öfonomifdjen jurüeftritt; fonbern wir nehmen leinen Slnftanb, für einen fouft Wohlgearteten Änaben jenes ®erl)ältnis felbft bem Sieben in bem fpaufe beS ©irectorS ober eines anbern £eljrerg ber ©d)ule, welche er befud)t, oorsugiehen, weil nur unter befonberS günftigen SBecingungen bie an fid) ebeufo heüfame, als natürliche ©d)eu cor bem Sel)rer feie wünfdjenSwerthe Unbefangenheit ber 23 ewegung beS ffinbeS in ber Fa° milie nicht beeinträchtigen wirb. 2 lnberS fteßt fid) bie ©adje, Wenn ber ßögling eine ftrengere unb sorgfältigere fsäbagogifdje Seitung unb Ueberwad)ung bebarf. 3 n tiefem Fade gehört er unter bie Leitung eines ÜDtanneS Con päbagogifd)er S 3 ilbung unb Er» fahrung, eines -ßäbagegen Con Fad); unb ba fid) nicht immer ©elegenheit finben Wirb, ihn bei ©irectoren ober £el)rern in ber angegebenen üßeife uuterjitbringen, and) beren gehäufte 33 erufStl)ätigteit, ober bie Ueberfüßung ber öffentlichen ©djule ber er= ferberüdjen Ueberwad)ung im häuslichen Sieben unc in ben Sleljrftunben hiuberlid) fein lann, fo treten für foldje Füße fadjgemaß ^) 3 ricater§iehung 8 inftitute ergängenb 3nitit«t§crjic5uitg. 701 ein, weldje ©djule unb gamüie boHftänbig oerhinben, inbem fie fänxmtlid>e ©djülcr ak ©lieber in bie fo erweiterte gamilie beS ©irectorS aufnehmen, wenigftenS auf tiefer SSerhinbung wefentlidj berufen, mögen fie aud) einjctnen (pofpitauteu in größerer ober geringerer 3 a ^ ^‘ e OljUlnahme au ben UuterridjtSftunben beS SnftitutS geftatten. ©nein foldjen 3nftitute ten ßcgü'^ ju übergeben, Wäre biefentnadj eine wirtliche 9?ö= tljigung nur ba ßorljanben, Wo bie gamilie fidj gu fdjwadj füljtt, bie Kqieljung eines JtinbeS 31 t Ijanbljabeu, 3 untal Wenn biefeS in golge feiiteS Naturells ober einer t>oraitS= gegangenen berfeljrten 23eljanblung ber päbagogifdjen KinWirfung bcfonbere ©djWierig» feiten entgegeufefct, unb Wo eS nidjt möglid) ift ober nidjt als auSreidjenb erfdjeint, eS in ber oben angegebenen SBeife in ber gamilie eines Se^rerS unterjubringen. Unb in ber £ljat lehrt bie Krfaljntng, baß gerabe Äinber boit foldjer SIrt 31 t ben 3 ^gli n 9 en ^ er Sßrioatinftitute ein jeljr bebeutenbeS Kontingent liefern, wenn eS audj in ber Statur be ©adje liegt, baff iljneit — unb gewiß in ben meiftcu gälten in nberwiegenber 2 )ieljr= gal;I — foldje fid) anfdjließen, bei weldjen bie äußere SDJiigtidjfeit, auf anbere SBeife für fie bie Serbinbung jwifdjen ©djule unb $auS l^erjuftetlen, gefehlt Ijat, ober Welche bie Ungulänglidjfeit ber öffeittlidjen ©djule, nidjt bloß in SSejieljung auf ©x^icljmrg, foubern aud) auf Unterricht, bem fßribatinftitute 3 ufü^rt. ßingelue wirb aud) immer ber — Iciter häufiger, als man benfen follte, üorfommenbe — fläglidje §odjinuffj mandjer ©lieber ber Slbels= unb ©elbariftolratie liefern, Weldje ba§ fßrioatinftitut beSWegen ber öffeittlidjen ©djule borjieljen, Weil eS bort ßorneljmer unb — tljeurer ift.*) SBie wir nadj biefem allen baS 3 u i ammeil ' ü ' i: ^ en cltcrlidjen tpaufeS unb ber ©djule in wedjfetf eitiger Srgättjung für baS eigetttlidj ttor= male fBerljältniS halten, fo ljat unferer Slnfidjt nadj aud) ber ©taat feine päbago= gifdje fßflidjt bann erfüllt, Wenn er allerorten burd) Krridjtung ber ©djulen, weldje burd) baS SöebürfniS be§ ©urdjfdjnitteS per gangen Sebßlterung, ober, an größeren Orten, ber oerfdjiebenen Klaffen ber Sebolferung, geforbert finb, jur fperfteltung jenes normalen SerljältniffeS baS ©einige tl;ut unb beffen fperftellung nid)t ber privaten £ljätig= feit allein überläßt. ^Dagegen lann er bie ©rünbung ßon 3nftituten, weldje gamilie unb ©djule combiniren, billig ber fpributtljätigfeit auheimgeben, Wie foldje in ben angeführten befonberen fBerljältniffeit aus äußeren ober inneren ©rünben als notl)Weubig ober wün= fdjenSmertlj erfdjeiuen; ebenfo Wie er neben feinen ©djulen fßribatfdjulen, Weldje befonberen Sebürfniffen einseiner 3 bgü«gs beffer bienen fönnen, 3 U bulben unb iljrer anregenben *) ©ie befonberen ©rsiehungsanftalteti für abelige gögliitge haben an bem SSerfaffer beb Slrtifelb über abetige ©rjiehuug einen ebenfo berebten, als fadjfunbigeu SSertljeibiger gefunben. ©leidjwohl oerutag ich mich boit ber Ueberjeitguitg uidjt lob 31 t madjeit, bafj bie ©r» ridjtung foldjer Suftitute in unferer 3 eit ein Slitadjronibntub oon beit berberblidjften golgen fein würbe. SBou jeber 35ermaubtfd)aft mit „bem unberbeffertidjen freiheitliebenben (Sefdjledjt, Welches ben ©filtern fein „„boit"" bor bem Staaten ertauben Will," Weiß id) mid) botlfommen frei, glaube auch uidjt, bafj unter ben ^Bürgerlichen bentfdjer Station boit einer foldjen SJerranntheit biel aufjutreiben wäre. SBoht aber weiß ich, Wie gar marnhe foitft hodjgebilbete mtb febr Wadere Slbelige bad SBort beb Slpoftcld burd^anb nicht begreifen fönneu (Stpfl. 17, 26), baß nach @otted SBiHeit „boit ©iuem 53litte aller SJtenfdieit Oefdjlechter auf bem gaitjen ©rbboben wohnen," fon» bern glauben, fie feien aus einem befonbern ©toffe gemacht, womit bann bie weitere Sinnahme jufammenhängt, baß bie übrigen eilt an ftch werthlofeS SUtateriat feien, nur beftimntt, für bie 3wecfe ber iBeboräitgteit berwaubt ju werben, eine Stmtaljme, bie oft genug iit aller Diaibetät herbortritt, wofür ber SJerfaffer felbft einige fehr inflructibe S 3 eifpiele angeführt hat. 3 e mehr biefe Storurtheile immer noch iit ber abetigen gamilienerjiehititg gehegt unb gepflegt werben, tun fo heilfamer ift eS, Wenn biefe befchräufte ©rsieljuitg burd) bie ©hrilnaljine ber abeligeit ©prüfj* linge ait bem allgeinetitcn ©pmnafialuitterridjte ihre ffirgäusttitg unb S3erichtigung finbet, mtb Wenn hierbei ber Suttfer ftch bequemen lernt, nicht bloß neben, foubern gelegentlich auch unter bem bürgerlichen Kommilitonen ju ftpen; — unb weint jept hoch Wohl ber größere ©hril be$ beitifchen Slbels feine ©ohne ben ©pmnaften anbertraut, fo fdjeiitt er mir feine 3 rit unb ©teüitng boüfommen richtig ju berftehen. 702 Snftitutdcrätcljung. unb corrigirenben Sottcurrenj auf feine anbere SBeije, ald burd) SBerbeffernttg feiner eigenen Slnftalten, entgegenjuinirfen fiat. (Ed toirb banun aud) gerechtfertigt fein, trenn trir unter ber SuftitutSerjiehung nur bie grjieljung in foldjen ipribatergiehungdinftituten berfteljen. Sludj wirb biefe Sluffaffnttg burd) bie @efd)idjte tiefer combittirenbcn 3u= ftitute beftätigt. Sie Änabenconbicte, wcldje bie römifdje firdje begünftigt unb weldje unter ber Seitung ihrer geiftlidjen Drbcn beftanbeit haben unb hefteten, berfolgten, abgefeljen babott, baff man einen ßrfafc für bad Familienleben in ihnen fdjWerlid) Wirb finben wollen, feinen rein pabagogifdjett 3'md\ Sagegett War bied aHerbittgd Der Fall in ber Umgeftaltnng, wcldje biefe Slnftalten innerhalb bed fßroteftantidmuS erfuhren; nnb für bie erftcn 3eü en beSfelben waren foldje Slnftalten aud) in ^cXpeiu ©rabe nühtidj, inbent fie bei ihrer innigeren SBerbinbung jwifdjeu ©djülern unb audgegeidjtteten Seljrertt bie ©teile proteftantifdjer Sel)rerfeminare vertraten unb bie ©enbboteu einer ebaiigelifdjeti Srjiehung, weldje bon ihnen nad) allen ©eiten Ijinaudgiengen, nidjt bloß mit feimt= niffen audgerüftet entließen, fonbern and) mit einer im gemeiitfauten Sebett gewonnenen Sinfidjt in bie Slrt unb SfBeife, wie, ber ntöndjifdjcn 3 U( hl Eer rßmifdjen Äirdje gegen» über, eine ebangelifdje (Ergieljuttg im Heben fid) wirffam jeigen ntüße. 3e mehr aber eöangelifdjer ©ittn unb ebangelifdjeS Heben fid) audbreiteten, befto mehr founte man and) il)re pflege ber Familie unb ber einfachen ©d)ule überlaffen unb befto Weniger waren Slnftalten jener Slrt ein eigcntlidjed 33ebürfni8. Unb fo jeigt fid) benn auch, baff Wo fie innerhalb bed fßroteftantiSmuS unter ber Sluctorität bed ©taated beffel)en, fie bod) faft immer auf einer bott ber römifdjen Äirdje iiberfommenen Gerbfdjaft ruhen, unb baff bie protcftantifdje Äirdje unb ber ftroteftantifdje ©taat jur eigentlichen 9?ettbegrfittbung fofdjer Slnftalten nur äußerft feiten fid) beranlaßt fahen. Sagegen trat für bie fßribatinftitute bie eigentlidje 33liitegeit burd) 33afeboWd (f. b. Slrt.) fßhilanthro|nni 8 mu 8 ein. Sin feine wenn nid)t SDiitfter» bod) SDJutteranfialt 3 U Seffau fdjloßen 3 aljlreid)e Filiale fid) an, unter weldjen ©aljmannS ©rgieljungdanftalt ju ©djnepfentljal nnt ber 33efounen= I;eit unb Sljrlidjleit toiffen, womit hier bed 2JieifterS Heljreu angeWanbt würben, mit Slud 3 eid)nung genannt 3 U werben berbient. SDtag man nun and) bie in biefeit Slnftalten befolgten päbagogifdjen ©runbfafce, weldje größtenteils auf einem gerabeju rohen Utilitarismus beruhten, unb bie in ihnen herrfdjenbe 33eborguguitg „nüjjüdjcr 9leal= feuntuiffe" feinedwegd billigen; fo wirb man bod) anerfennen mäßen: weil bie öffent» liehen ©d)ulen in ber Sieget um bie Gcrgieljung, indbefonbere um'bie leiblid)e (Erziehung, utibfum leitenbe päbagogifdje ©runrfaöe 3 U wenig fid) befümmert unb benStealieu and) bie bitligfte 33erüdfid)tigung nicht gefdjenft hatten, eben barum trat bad SebürfniS nad) fold)en Slnftalten, in weld)en man bad fudjte, Wad bie ©c^ule gn leiften berfauttite, fo allgemein Ijerbor. Dfadjbent aber — nnb bad Sertienft, baju Wcfentlid) mitgewivlt 31 t haben, wirb man biefen Snftituten nid)t abfpredjen wollen — bie ©djule aud) auf ihre päbagogifdje Slufgabe im engeren ©inne fid) befoiuten hat, nad)bem für ben borgttgd» weifen Unterricht in ben Siealien befonbere ©d)ulanftalten gegrüubet worben pnb, unb and) im @t)mnafiuui ihnen ber gebüt)renbe Siaum jugeftanben ift, haben jette Slnftalten ihre gefd)idttlid)e ÜDiiffion in ber Sntwidlung ber beutfdjen ißäbagogif erfüllt unb ed liegt je^t ©rttnb unb S3ered)tigung ihres 23efteI)euS in folchen befonberen äußeren unb inneren Sßerhältniffcn, wie wir fie oben bargeftellt haben. Slnberd würben wir urtheilen mäßen, wenn ftd) nachweifen ließe, baß bad Snftitut bor ber jufamutenwirfeuben ©rgiehung bon ©chule unb £>aud SBortljeile boraud h a h wetd)e burd) biefe nidjt erfet$t Werben lönnen nnb weldje aud) nicht burd) mit ihnen berbutibene ÜJtadjtljeile aufgewogen ober überwogen werben. Sluf foldje SBortheile weist ©tot) hin, wenn er fagt (a. a. D. ©. 230 f.): „Sad SUumnat fotl borjugdweife in ber (Sonfequettg unb 3iid)tigfeit ber fäbagogifdjen SSeranftaltungen fein 3> e l fehett, b etH * in biefen beibett fßnncten fann badfelbe ein päbagogifdjeS UebergeWidjt über alle fott» ftigen SebenSfreife beanffmtdjen." Unb gewiß ift bie Snftitutdergicljung borjugStoeife befähigt, wie aufgeforbert, in biefen beibett Ißuncten etWad ju leiften, unb barum ber» ‘ynjtitutScrjicljung. 703 trauen iljr fotd^c Gütern, Weldje in tiefen Sßejieljuugen, junia! feiner 31t beljantelnten Sintern gegenüber, fidj nidjt baS (Srforberlidje Zutrauen, iljre Sinter iljnen an. 216er oon ißäbagogen nein gadj, bie an einer ©djule Wirten, barf bodj Woljl fo gut, wie oen 3nftitut8let)rern, »crauSgefefet werben, baff iljuen bie ridjiigen f'äbagogifdjen ©runbfäfce nidjt fremb nnb baff fie im ©taube finb, biefe mit ßonfequeng ju hnnbljaben; nnb and) bie Gltcrn Werben in ber fftegel iljre f'äbagogifdjen ipflidjtett f'ennen nnb fie mit jener Sonfequcnj 31t erfüllen fudjen, Wcburdj bie Siebe barer bewahrt wirb, baß fie in ©djwädje, nnb bie ©trenge, baß fie in fpärte umfdjtägt, bann aber Wirb eine tüdjtige gamüienergiefmng in SSerbinbttng mit ben (Sinwirfungeu ber ©djule ben IBergteidj mit ben Seiftungen ber SnftitutSerjiefyung gewiß nid)t gu fdjeuen fyaben. 28ir Wellen 311111 Stadjtheil ber (enteren nidjt etwa anführen, baß eS mit ben richtigen fäbagogifdjen Seranftaltungen nidjt getljan ift, fonbern feljr riet barauf antemmt, »eit wem uub Wie fie aitgeWanbt Werben, uub baß in ber 33ernadjläßigttng be§ „not measures but men,“ in bem bliubett Vertrauen auf iljre feligmadjenbeit SDtctljobcn unb in ber Untcrfdjäfjuug beS GtinfluffeS ber iperfünlidjfeit beS ßrgieljerS gerate ter iljneit fetbft berterblidjfte Srrtfjum ber filjilantljrefnnifdjeu 3nftitute gelegen Ijat; beim bie SuftitutSoerfteljer unferer ßeit buffen bie 23ebeutung ber ißerfönlidjteit, burdj Weldje bie f'äbagogifdjen Seranftaltungen in SDSirffamfeit treten, 31t fdjätjen. ütudj baS Wollen Wir nidjt urgireu, was gegen bie Snftitutc eft geltenb gemadjt Werben ift, baß ber SuftitutSöorfteher fid> weift mit jüngeren unb Weniger tüdjtigen Seljrern begeifert muß, weit iljm bie rei= ferett unb Befferen ber ©taat wegnimmt, ober fie eS rergietjen, eine fetbftänbige 33erufS= ftettung fid) 31t fdjaffen; beim bei forgfamer ÜtuSWaljl werben fidj für ein in frifdjer Jtjätigfeit begriffenes Snftitut fdjen braudjbare Kräfte finben taffen, unb eS nätjert fidj baSfelbe gerate babttrdj ber gamitie, baß in itjut neben bem älteren ©irecter jüngere 59?änner wirten, weldje bengöglingen Wie ältere S3rüber gegenüberfteljeit unb an weldje jene Icidjter mit Sßertrauen fidj anfdjließen. SBoljl aber ift Ijerbergutjeben, baß bie äußeren Itmftänbe in bem Snftitute ber päbagegifdjen Ginwirtung im eugern ©ittue nidjt fo günftig finb, als in einer tüdjtigen gamitie, unb ber bibaftifdjen Ginwirfung nidjt fo günftig, als in einer tüdjtigen ©djule. ©er auf confequenter fpanbljabung ridjtiger ©runbfäije unb auf einer fübagegifdjen fßerfönlidjteit beruljenben Sluctorität ber SuftitutSleljrer fehlt bedj immer bie unerfe|tidje Uutcrftütjung burdj bie Kraft unb SBärrne ber elterlichen Siebe, WeStjalb benn andj in ben Snftituten leidjt eine Dppofüion, 3unt Sljcil ben complottirentem Sljaratter fidj bilbet, beit weldjer bie gamitie nidjtS Weiß. $ie ßaljl ber Zöglinge beS JgnftituteS tarnt fd^en aus Bfonomifdjen 9tüdfidjten nidjt innerhalb ber ®reit3en gehalten Werben, Weldje attdj eine mit Sintern ltodj fe reidj ge= fegnete gamitie nidjt überfdjreitet. ©ie bei galjlreidjeu, attS betriebenen gamitieit 311= fammengetommenen Zöglingen niebt 3U umgeljenbe ©teidjmäßigfeit in ter 33eljanblung ift aber, wie bienlidj fie für bie ©ewöljuung an eine fefte äußere ßudjt unb Drbnung fein mag, ber 23erücffid^tigmrg ber Snbibibuatitäten Ijtnberlidj, uub eS ift djarafteriftifdj genug, baß gerate bie röutifdje Kirdje, weldjer eine freie Sntwidlung ber Snbiöitualität fo unbequem ift, bie GrzieljungSinftitute ben jeher gang befonberS begiiuftigt Ijotf unb baß ber Sefuitengeneral Saiitej in bem Collegium Germanicum 3U Dient eigentlich taS erfte SOhtfter einer ißenfionSanftalt gegeben Ijnt (bgl. ©aS teutfdje SoHegiutit in 3font. Setpg. 1843, ©. 25). ©er Serfudj aber, bie 33erücffidjtigung ber Snbiöitualität int 3nftitute gleidjwohl in ber SBeife eintreten 31t laffen, wie fie in ber gamilie ftattfinben tarnt unb faßt ben felbft fidj ergiebt, würbe wieberum bie Jiidjtigfeit ber f'äbagogifdjen ©runtfatje beS 3n= ftitntS zweifelhaft ntadjeit unb ben Sinbrtuf ber geredjten unb confequentcn fjanbljabitng berfelbeit geführten. SlnbercrfeitS ift in Snftituten aüerbingS in höherem ®rabe, als in ber ©djule, bie DJlöglidjteit öcrljanben, ben Unterricht bett ©djülerinbioibualitäten an= Jitfaffeit; aber eS geljt tiefer SSortfjeit auch nidjt feiten in ben Dtadjtljeil über, baß eS ben ©djülern 31t leicht gemadjt wirb unb baß in ber näheren ßcrfonlidjen Serbinbmtg ber Seljrer mit ben ©djülern bie befenbere StuffaffungSWeife beS SeljrerS tiefen gn fehr 704 SttftitutSetjtchunjj. ficfj etnpriigt, toedt;at& bann tote 9iefttltate toeS SnflitutSmtterridjtS inSgemein toettiger giinftig fid; gefüllten, als toie eines tiidjtigen ©djulunterridjtcö, weldjer ben ©djülern eine größere ©elbftänbigfeit in bev Ineignung beS ©argebotenen jumuttjet, ttnb toie SnftitntSjBglinge leidjt einen abfonterlidjen 3nftitut§Ü;buS mit in baS Sehen bringen, toie il;n bie freiere 33etoegutig in ber ©d;ule toeniger anffonunen läßt. Saß baS Snftitut, im Unterfdnebe non ber jtoifdjen ©d)utc unb fpaitS geteilten (Srjiet^nng, eine „unge= teilte ßrjie^nug'' giebt burdj „bie (Soncentrirnng ber fämmtlidjen SrjiefmngStbatigfeiten innerhalb ber Sdjranfen eines einzigen SebenStrcifeS," barin fdjeint anf ben erften 93lid ein cntfdjiebener SBort^eil ju liegen.*) 3ene Steilung aber ift ja feineSmegS eine beH= ftänbige Trennung unb es DoIIjietjt fid; in ifir nur baS Oefeß ber Steilung ber Slrbeit, toeldjeS überall in einem cnttoicfelten Kulturleben fid; geltenb ntad;t unb baS lebenbigfte gufammeutoirfen ber t>erfd;iebeneu gactoren beineStoegS anSfdiließt. Unb gerabe in ber unnatürlid) engen 93crbinbung jtoifdien gamilie unb <2d;ule liegt bie ^auptfdjtoädje ber Suftitute: bie g-antilie toirb burd; bie ©d;ule unb bie ©djule burd; bie ganulie beein= trädjtigt. **) *) SKan bann es als einen SSortheit aiifet;cit, baß im Snßitut bie ftittber bie ^>aiipt^erfottcn fiub, um beten totttett baS §aus unb altes in bemfelbctt borljaitbeit ift, tväfjreitb fte in bernatür* tidjeit gamitic im ©nmbe nur Stebenberfoueit fmb (93b. II. ©. 279); allein eben fciefeS gehört bod) tooljt 511 ben ©ynitotomext ber Äitiifftidjfeit, toetdje bem Snftitut toefenttid; iß: bas fiütb fott fid) itidjt als bie §au) 3 tberfon aufeben; bas Sebett, baS es umgiebt, fett biefer fttteinung, toetdje feiner ©elbftfitdjt fo natürlich ift, einte alte Iiinftlicf;e Sleranftattung, burd) fid; felbft, burd) bie uatürlidjcit Sntcreffcn, beit benett es getragen unb getrieben ift, burd) bas bie ©lieber beS Kaufes burd;bringeube höhere ©emeinbetoußtfctn entgegenarbeiten. ®. Sieb. **) ©iefe ©eite ber Sadje ift befonbers I;ett beteud'tet beit 9t au nt er (in ber unten ange« führten ©teile): „Ser 3nftitutSborßeI;er meint bas bo^elte ©echter gu führen, baS @d;ut* uttb 5 aitsfccf)ter, ba töune es nicht fehlen, es ntiiße altes ohne Sfotefbatt, itt ©titcm ©eifte gefdjetjen, ba ja alles in berfelbctt §attb liege. Aber tote irrt er fid;! <$r repräfentirt freilich ben §aus= bater, allein er iß es itidjt, ebettfo refträfentirt er nur beit ©djulrector, ohne es toirftid) ju feilt. äBarttut er nicht jjaitSbater fei, ift leicht barsnthun. ©eben bie IDtenge ber Äinber macht ein häusliches, liebreiches gantilieulebett unmöglich, aud; toenn bie getoiffenbaftefte, fletßtgfle unb frcitiibfid;ße Hausfrau bettt Sirector beißetjt. Siefer fattn, and; beim beften SBitten, nicht jebes Äittb in fein ®erj fließen, er muß fte alsSDIaffe bebanbetit; »etd;er Skter behanbett aber feilte Äinber als (Sine fölaffe? — Unb tönnte jener fte in fein §er; fdjlteßen, fo ift fein ^erj hoch fein Slaterber}; feine Siebe bleibt, ben beften SSStttcit bei ihm bcrausgefe£t, hoch nttr eilt ©itrrogat ber bott ©ott beit SSätern eiitgepftatigteu Siebe. Soßfelt aber fehlt ben aus ben berfdjtebcitßen gamitiett gufanimengebrachten Äittbern bie linbltche Siebe jum ©trector. ©ie fühlen fid; toie im ®fi(, aus beut (Slterubaufe berßoßen, bergteidjen it;r neues Snftitutsleben mit betn früheren, ba iß ihnen nichts red;t, alles unbehaglich unb bnidenb. ©etoöhuett fie fion Slaoiertrio’S toenig mehr mußten unb mollten. Um eS gerabe heraus 31 t fagen: nur bie Snjtrumentalmujif ift abfolute ÜKujtf, rein aus tnuftfalifdjer Duelle entfprungen. Der Saie, ber offen gefielet, er höre @efang lieber, als eine ©pmphonie, als ein Duartett, meil, mie biefe Sccorjugung itteift er= flärt mirb, man beim ©efang bod) auch nerftehe, um maS eS fid) hanble, — gefte^t eben bautit, baß er nod) gar uid)t meiß, maS SDcttfif ift. 33on gemiffer ©eite mirb bie ©eringfdjähung ber Suftrumentalutufii fogar religiös inotioirt; man fleht bie Ie(jtere als etmaS an fid) fchon meltlidjeS an, mährenb ber ©efang burd) ben religiöfett ©elijalt eines XeyteS fid) aud) jur religiöfen 23ilbuttg mehr 31 t empfehlen fdjeint. Der ©efang fann bod; fpeciftfd) fKeligiöfeS auSfpredjert; baS Snftrument rebet nid)t in 33ibelfprüd)en ober ftatcdjiSmuSfäfeett, meil eS überhaupt nidjt rebet. (©0 hat 3 . 33. ßtambadj in feinem mohluntermiefenen Snformator, 1742 , ©. 192 , große 33ehutfamfeit in ^Betreff beS 3nftrumentenfpielS geforbert; unb felbft ttod) ©laus §armS hatte Suft, ber Drgel beim ©otteSbienft baS taceat mulier in ecclesia auf 3 uerlegen, meil fie ja 3 U feiner be= ftimmten Religion fid) belenne. ©. f. fßaft. Dheol. II. günfte 3febe.) 2Benu uttfere Säuern, mo fie eine ©eige hören ober fehett, an ©djenfe unb Xangboben benl'en, fo ift ihnen baS 3 U Beleihen, benn fie hören fein Drd)efter eine 9 Jio 3 art’fd)e ober 33eetI)onen= fd)e ©t)tttphonie aufführen; menn aber gebilbete Seute, bie ©elegettheit haben, 5 a hören, mie 33ad), mie fpänbcl auch öer ftirdje bie 3Jtad)t ber Snftrumentalmufif 3 ur 6 r= fd)einung fontmen laffen, — menn foldje nod) Urtheile jener 31rt fällen, fo ift baS eine 33efd;ränftheit, bie menigftenS uns anbern 3 u 3 utnuthen feiner baS 8 Jedjt hat. 353er überall fiel) fd)on Bon bent SCBefen biefer 333elt umflutet fielet, mo nicht d)riftlid)e Dog* matif unb @tl)if in pontiflcalibus auftreten unb baS 333ort führen, ber foll menigftenS nidjt mahnen, er ftehe fefier unb murgle tiefer im ©hriftentljum, .als mer in allem ©roßen uttb ©uteit, 353al)reii unb ©d)önett, maS ihm in üftatur ober Kunft, in 3Biffen= fchaft ober Seben begegnet, eine Offenbarung ©otteS erfennt unb genießt. Saffett mir aber bieS beruhen, fo fteHt fid; bie ©ad)e für uns eittfad) fo. ©oll bie Xcnfunft unter unS, als einer gebilbeten Nation, nid)t ftnfen, fett uns nicht baS uttBergleidjlid) §errlid)c, maS gerabe bie beutfdjen SUfeifter für bie 3nftrunientalmuftf gefd)affen haben,*) umfonft gegeben fein: fo muß aud) baS nad)mad)fettbe @efd)led)t befähigt merbett, bie 3nftru:nental=353erfe berfeiben auS 3 uführen. 2llfo: bie 3ugenb muß — um populär 3 U fpredjen — geigett unb pfeifen lernen, batuit bie Kunft nid)t Bon ihrer §öhe Ijerabfinfe. Stbcr aud) umgefehrt: bieSugenb muß 3 U biefer §öl)e empor* geführt merben um ihrer felbft mitten, um alles beS eblen uttb reittett ©enuffeS, aller ber geijtigen S3elebung unb Kräftigung fähig unb tl)eilhaftig 3 U merben, meld)e biefer Ipauptsmeig ber Donhtnft gemährt. 37id)t als ob beShalb ber ©efang 3 urücf 3 ubrängen märe, bie 33egabuug beS ©d)üterS mirb Dem Sehrer omt felbft 3 eigen, nad) meldjer ©eite hin er BoptugSmeife 3 U arbeiten hat; aber and) ber ©änger mirb immer einen unge* meinen ©eminn baBon haben, menn er sugleid) ein 3n)trument fpielt, unb einen fühlbaren ©(haben, menn er nidjts berg(eid)en gelernt hat, alfo itid)t einmal im ©taube ift, ftdj ein JMeb 31 t accompagniren. 3Bie gan 3 anberS ift ber ©änger 3 unt fidjern ©reffen be» *) Staliener unb granjofen fcbrei&en feine ©pmpfmnien unb Ouartette, fte mißen marunt; menn fte für Snftrumente fcbretBen, fo iß es entmeber bie oberflääblidjfle ©alonStntiftf, ober fmb es SraBourftitcfe für SBirtuofen, ober im bücbflen galt „fpmpbonifdje Sichtungen“, eine Sar* jletlung ber SGßüfle u. bgl., alfo feine SQiuftf, bie für ftcp als SDtufif etmaS Bebeittet. gnfttumcntatmuftf. 707 fäljigt, wenn er 3 . 33., fobalt er bie 9tote c cor fid) ficht, cermittelfl feines £ongebäd)t= xtijfeS aitgenblicfltd) meiß, b. h- innerlich I;ört, tote biefe 9?ote auf feinem Snftrumente Hingt! fftiehl f;at mit 3ied)t (in feinen mufifalifdjen ßl)arattcrlof'fen,“ I. @. 207 f.) barauf aufmerffam gemalt, mie ciel mel;r unfere ©roßoäter einft Quartette nnb felbft ©qm* Päonien (fiir tleineS Qrdjefter) als .fpauSmufif im greunbeStreife fpielten als mir, tcaS aüerbingS aud) barin feinen ©runb l)at, baff ein 33eetl)oöen’fd)eS Quartett unb üoHenbS eine ©hmphonie biefeS £>eroS ganj anbere quantitatice unb qualitatioe gorberungen fteßt, als bie fpauSfhmphonien oon fßlehel unb felbft mandje Quartette con fpatybn. 3lHeitt unfere claffifd)=mufifalifdje Literatur ift reid) genug, um für alle ©tufen ber mufifatifdjen gertigfeit baS fRedjte in Apülle unb ffüüe barjubieten; maS bie großen SKeifter oft nur gelegentlich für ihre ©dfüler fcffrieben (mie 3 . 33. bie aüerliebften 3 Terzetti facili con SDlojart), baS fommt uns unb unfern Änaben tjunbertfältig 3 U gute. SS liegt alfo alles nur baran, baff 1) in ben Familien nid)t alles, tcaS 2Rufit lernt, bloß in Glaoier unb ©efang Unterricht erhält, fonbern baß, tco mehrere Sinter finb, bie Änaben and; Drdfefferinftrumente lernen; unb baß 2 ) an Veljvanftalten jeber Irt >00 immer möglich für guten ltnterrid)t gitmeift auf ben ©treichinftrumenten geforgt unb frühseitig aus ben ©djülern fc^ott ein ensemble gebilbet wirb. *) 35er Unterrid)t felbft, fomeit er nid)t aller SDJufit überhäufst gemeinfam ift, hat für jebeS Snftrument feinen eignen, burd; bie 9?atur unb 33eftimmung Desfelben Bebingten ©ang; ein Sehrbuch ober Seitfaben (eine 33iolinfdfule, glötenfdfule :c.) ift eigentlid) nur nötlfig unb erffmeßlid), um bie nöthigen, methobifd) georbneten HebungSjKide barsubieten. 35ie ^jaufsifaöhe, bie ©rjeugung beS reinen fdjönen ©oneS, bie oielfadjen ©chattirungen beS 33ortragS, bie fteigenbe gertigleit in ber fpanbhahung aller Sonmittel, bie baS 3nftrument gemährt ( 3 . 33. in ber SSogenfiihrung bei ©treidjiuftrumenten, im 33erbraud) beS 3IthemS, im Slnfah bei 331aSinftrumenteu), — baS alles erforbert fchlediterbingS einen tüchtigen Sehrer unb tann Durch Bloße fdjriftlidje Slnmeifung niemals erlangt merben. —• 3ßeld)e Snftru* mente gemälzt merben follen, tonnen mir hier natürlich nur bejuhungSmeife fagen. Snbeni mir oon bern Slaoier, mit 33ermeifung auf ben baSfelbe betreffenben Slrtifel, h^ er abfehen, fügen mir nur bei, baß für baS meiBIidje ®efd)Ied)t baS ©tarier als Raufst« inftrumcnt mohl beibehalten merben muß; ©uitarre unb Zither genügen nur auf einem hödjft Befdjeibenen ©tanbfnmcte, meil bieS fehr arme 3nftntmente finb; bietparfe aber, fo fdmn fie fid; in meiblidjen .fiänben auSnimmt, unb fo herrlich, fo hod;fsoetifch ein §ar= fenffsiel ift, mie man eS einft con Der SringS, con ©fmßrS ©attin 35orette u. a. hören tonnte, bietet bem ^Dilettanten mehr ©djmierigfeiten bar unb l;at im 33ergleich mit bem Slacier bod) eine befchräntte Sphäre. 2)ie eigentlidjen Qrchefierinftrumente eignen fid) aus ocrfd)iebenen ©rünben für grauen nicht; fo treffüd) einft 3 U Starts 3 eit bie ©trinafacd)i, in unfern Sagen bie ÜKitanoIlo bie ©eige gefpielt, fo ciel ©rasie fie in ber fyührung ihres 33ogeu8 — an 3?af>haeIS geigenbe Sngel erinnernb — tntmidelt haben: eS tonnen bieS bod) naturgemäß nur 2luSnat)men fein. 33laSinftru= mente aber eutfteHen ben meibtidjen SRunb aßsu häßlich, als baß bie Slefthetif biefen greoel geftatten tonnte; felbft in tatholifdjen 35orfgemeinben mirb eS mohl nur im tUothfatl gefdjehen, maS mir felbft gefeljen haben, baß SSauernmäbdjen Bei tßroceffionen an hohen geften mit rollen 33aden 3!Batbhorn unb Slarinette btafen. 35agegen ift aud) für bie meiBIidje tpanb ber Uebergang com Slacier sum Harmonium unb sur Qrgel ein *) HJfebr SBertb als fonftmo fcheiut hierauf im ©hmnafium ju SBeimar gelegt morben 311 fein, mo 1733 angeorbnet mürbe (@. §eilanb, „über bie Aufgabe beS ecang. ©hmuafcumS," ©. 243), baß ein ©oncertmeifter alle SJlittmodje unb ©onnabenbe ein collegium musicum halten unb ben ©hmnafiaften bie fundamenta compositionis betbringen fotl; ebenfo ifl 35er* jügimg gefchehen, baß biefelben auf aHerhanb instrumentis, als Basso, Violoncello, Violine, Hautbois, Clavier etc. lectiones haben unb gute Maitres ftnbcn." greilid) mürbe con ber hie* burd) erlangten Sun ft nicht immer orbonnanjmäßiger ©ebraud) gemacht: bie ©hmnafiaften jogen auf beit 3)örfern umher unb malten bei ^ochjeiten unb Äinbtaufen ^anjmufit. 708 Snftrumcntalinuftf. leister unb benjenigen axtgurathen, bie eS mit niujifatifdjen ©tubien evnftlidjev meinen, bie ©efdjmacf unb 33erftanb für 3e!)ann ©ebaftian 23ad) haben unb Eraftig genug fiub, um baS großartigfte alter Snftrumente gu be^errfdjen. ©er Klabierfd)üler männlichen ©e= fd)led)tS tbut ofmefiiu feljr Wohl baran, Wofern er @etegenl)eit bagu hat, fidj mit ber Orgel oertraut gu machen; eS öffnet, ftd) ihm ba eine neue SBelt, unb er wirb fortan nicht mehr 8uft haben, an faft= unb Eraftlofe ©alonSmufif feine Singer gu üermietljen. — ©elfen mir und fofort im weiteren Streife um, fo ift eS meift gufäßig, baß ein 3unge an biefeG ober jenes 3nftrumeut gerät!), toeil er gerabe biefeß gu hören ober gu fehen ©clegen^eit gehabt hat. Ober fteflt fid) in einem Snftitut baS ©eftberium heraus, baß, um etwas ©angeS auSguführen, biefeS ober jenes 3nftrument nod) fehlt, fomit ber eine ober an= bere 3ägüag oeranlaßt wirb, bnSfelbe gu erlernen, ©ie 2Bal)l häugt gum ©heil audi Oon phhPW'« äebingungen ab; wer fdjWadj auf ber 93ruft ift, bcn barf man nid)t gu Klarinette, (porn ober ©rompete beftimmen; ebextfo erforbert bie fpoboe nicht nur gefunbe Sungen, fonberit aud) ein eigenthümlicheS @efd)id' beS DJiunbeS, um ftatt ber Iäd)erlid) nafelnbeu ©chafSftimme, bie baS Snftruxnent im SDiunbe beS Anfängers oott fich gicbt, jenen feinen d)arafteriftifdjen ©on gu ergengen, burd) beu baSfelbc im Ordjefter eine fo touuberbar fdjöne SEBirfuug heröorbriugt. 2lel)ntid) oerhält eS fid; mit tern gagott, bem fDiänndjen ber fpoboe; bod) fanu ein gcfunber 23urfd;e fid) barum fd^on früher (im 16., 17. 3al;re) an biefeS Snftrument wagen, loeil baSfelbe in gewöhnlicheren Ord;efterfad)en nicht bie bebcutenbe, felbftänbige 9ioße fpielt, wie bie fpoboe. (3ofepI) §at)bn hat fdjou als Snabe bei feinem SSetter, einem ©djulmeifter gu fpaimburg, fammt= lidje 33laS= unb ©aiteninftrumente nebfl bem fßaufenfdjlagen lernen müßen, hat aber, fo gut il;ni baS für feine fpätere fßuljmeSlaufbahn gu ftatten Eam, befenueu müßen, baff er loäljreub jener 3eit mehr ©d)läge als (äffen befoutmen habe.) — 3ft in ber 2Bal)l beS 3nftrumentS Eeinerlei ftfücffidjt gu nehmen, alfo nicht etwa baSfelbe 3nftrit= ment in einem @efdjwifter= ober greunbeSfrcife fdjon genügenb oertreten, ift auch burd) entfd)iebene SBorliebc feixte befonbere ©ispofition für ein 3nftrument inbicirt, fo Enttn gar lein 3'°eifel fein, baff ber 23ioline oor aßen ber Vorrang gebührt. 9iäd)ft Klarier unb Orgel bebarf fie, bie Königin ber Ordjefteriuftrumente, bei ber Süße unb äftannig* faltigfeit ihres ©oitS, bei ben unenblid) oielen unb feinen ätuSbrudSweifen, Cie ber Sogenführung gu ©ebot ft eben, am loenigftcn ber 33eit;ülfe anberer Snftrmucutc; too aber foldje oorhanben finb, ba ift eS loieber bie ©ioline, an bie fie alte fid; am leidj= tefteu anfdjlicßen, burd) bie fie I)ßh etn ©djwung befommeu; fdjon ein Klaoiertrio, noch mel)r ein ©treidjquartett ift ein Ordjcfter im Steinen, baS gang anbere ©onmaffen unb ©onfd)önheiten eutmidelt, als ber größte Oraöourfpieler bem Klarier aßein entloden fanu. ©ie glöte freilid) ift leichter, aber auch Diel ärmer unb einförmiger; fo fdjön fie im Ord)efter in eittgelnen ©olofteßext wirft, fo gut fid) auch >h 1 ' 3ufammextfpiel mit bem-Klarier ober mit ©treidjinftrumenten macht: wenn fie längere 3eit aßein bomi* nirt, fo ermübet il;r ©on baS @el;ör. Uitb wextn audj Meine meIobifd)e glötenbuette etwas angenehmes finb, fo hat jener graugofe bod) oon hßh ei ' em ©tanbpunct aus 9ted)t gehabt, ber auf bie Srage: „2BaS ift langioeiliger als eine glöte?" bie biinbige 9lnt= xoort gab: ,,3'nei fjlöten." 333er aber im ©tanbe ift, ftd) mit ben miferablen Slrrauge* mentS großer Ord)efteo= unb Kljorwerfe für folc^e Snftrumente gu befaffen (finb hoch felbft g. 58. bie Onoerture gum greifdjüfc, gum Oberon, ja bie ©djöpfung unb ähnliche SBerfe unfinuigerweife für gwet gißten, für glöte unb ©uitarre lt. f. w. arrangirt worben!), ber ftel)t in ntufifalifdjer 23ilbung auf einem abfüIfe — broben im Drcpefter, atfo junt ÜDtitgeigen, baju erwart in unS eine mädjtige Suft: wer aber babei an anbereS beult, an irgenb eine fOJiffion, an $ 0 = titif, an gortfd)ritt unb Suttur, ber treibt neben ber SKufit allotria unb ift eigentlich nicht wertb, foldje SJinflf ju puren.*) ®te ÜKufi!, unb 3 war eben bie reine, abfolute, bie Snftrumentalmufif fott unb Witt unb lann nidjtS anbereS geben, als baS Schöne in ber ©eftalt bon ®onbitbern; fie befipt aber einen fo unenblidjen SJeidjtpum an ©eflal= tungen, unb biefe fetbft finb in fid) fdjon etwas fo oollenbet fd)öneS, baß fie nidjt, wie anbere fünfte, erft ein Dbject anberSWoher ju nehmen braudjt, um nur an ipm fid) burcß Formgebung als ffiunft 3 U erweifen; ipr Object ift ipr urfprüngtidjeS unb felb= ftänbigeS Gcigentljum, eS finb bie 2wne, mit benen fie eine SBelt für fid), eine SBelt ooll ibeater |)errlidjfeit pinfteHt, ohne baju erft bie Stoffe unb -Kamen aus ber wirftidjen SBelt entlehnen 3 U miißen. Seprt man atfo ben Sdjüter, eS ntiiße jebe Sonate ober Spmphonie etwas auS ber wirtlidjen SBeit barftetten, Siebe ober £aß, Sepnfudjt ober 33 er 3 Weiflung, Scpladjt ober Sieg, Sanbleben ober fpofleben u. f. w., fo oerberbt man ihm pofitiö bon born perein ben mufitalifdjen Sinn; man berleitet ober gwingt ipn bielmehr 31 t einem böUig nuptofen, antimufilalifdjen ©rübein, fßpantafiren unb Srrlidjteliren; wirb er barob nicht ein fftarr, fo ift baS wenigfienS nidjt beS SeprerS 33erbienft. — ®aß bie SKufif bielfad)e Slttflänge an bie SBirflicpteit unb 33ergleid)uug8puncte mit biefer barbietet, baS iftS, was ben Sd)ein erregen lann, atS ob fie bie fDarfteüung biefer wirtlichen ÜDinge fei. SBenn id) aber eine ©egenb tachcnb, ein ©ärtdjen befdjeiben, eine ©icpe ftols nenne, ober wenn id) mit Spatefpeare oon ber ÜDMancpotic eines faulen Sumpfes rebe: wer wirb bann glauben, ich palte baS ©ärtdjen für eine lünftlerifdje ©arfteKung ber 33efd)eibenpeit, bie *) ®erfetbe för. 9lopl fagt ebb. @. 81 bon SJtojart: „28eil in feiner ÜKuftf baS Seelen* hafte beS Stenfdjen jur reinen ©rfcpeinung gefommen iß“ (nein, nicpt baS Seelenpafte, fonbern bas ÜJlufttalifdje!), „behalt fie für ewige Seiten bie Aufgabe, ber SJtenfcppett als eine Seudjte ju bienen, fuh aus adern Srren, burep welches ber 2Beg jur Wahrheit führt, heraus wteber jum Urfprüitglicheu unb ©Bttlichen jureept gu ßnben; fte iß ber SBorn, in bem fiep baS ©emütp reinigt unb ßärlt, bie Ouede, aus ber ber Sparafter (!!), ber bie SBelt beherrfepen fod, bie güde unb SEiefe beS Seelenlebens fepöpft" sc. :c. Quousque tandem? 3a, ber mußtalifepe ©parafter Wirb ftdp an SJiojart immer wieber reinigen unb ßärleit; aber man gebe es bod) einmal auf, baS SDlußfalifcpe mit bem ©ittlicpen in fotep abgefepmaefter SBeife ju »etmifepen! 3 nftrumentatmuitf. 711 audmufif, Seipjig 1840.); man l)at bie biblifdje @efdjid)te in einem ©pflüg bon Slabierfonaten bargefteflt; ©ebaftian Sad) hat ben Slbfdjieb feined auf bie Steife gehenben Sruberd in ein ©labierftiid berwanbett; fein genialer ©oI)tt Smanuel ftetlt „ein ©efpröcf) 3 Wifd)en einem sanguineum unb einem melancholicum" (sic) in einem Srio für Siolinen unb Saß bar. Silber — wenn wir berlei Singe beim rechten Stauten nennen Wollen, fo waren ed Äinbereien, wie fid) auch Sater ^mpbn fe unb je erlaubte, ein .ftinbdfopf 31 t fein, fpaben ©pätere manchmal foldje ©ad)en mit ©efdjntad behanbelt (wie Rummel in feiner bella capricciosa, SBeber in ber „Slufforberung }itnt Sanj", ftritger in feiner „®a}elle", bor aßen Seethoben in feiner „Saftoralfpmphonie"), fo waren bad ein}elne glüdlidje ©riffe, bereit Seredjtigung in beut oben Sludeittanber= gefegten liegt. Slber um }tt }eigen, wie abgefd)madt, wie ber Sßhtftf unwürbig bie ©acht ftch geftaltet, fobalb principieß btefer Sßeg betreten unb berfolgt wirb, barf man nur att bie Sitel foldjer fogenaunten morceaux caracteristiques erinnern, an benen unfere mobernen Somponiften ihren 2ßih erprobt haben; jener ©tüde, bie, nteift mit Signetten gegiert, unt }um Serftänbnid ber SJtufif }u helfen, an ben ©djaufenftern ber SJhtftfläben prangen unb, auf 6 oncert}etteIn angefünbigt, bettt 3 ul)örer ben einzigen ©enuß gewahren, baß er einige Sldjnlicbfeit }Wifd)en SJtufif unb Sitel auffinbet, ooraudgefeßt, baß eine folche }u finben iß. Sa fdjreibt einer „SJtährdjen aud 1001 Stacht für bad Sßiano» forte"; ein anberer: les quatre voleurs, ©cher }0 fürd Klarier; bon (£l)' Da taI heißt opus 49: Sie ©ifenbahnfahrt; bon Reifer giebt ed einen „Shräneitmarfd)"; bonSopihfd) einen „Dppofitiondmarfdj"; bon fpühnerfürft eine „Sredbner ©emüthdpolfa" tc. tc. SB er ed gut mit einem muftfalifd)en 3 ägßag meint, ber läßt aßen berlei ©djunb grunbfählid) nid)t juin $aufe herein; uttb Wad er benfclben bon rechten SJteiftern lernen läßt, bad berpfufcht er ihnt nicht burch fperrn bon Slterleind ober §errn bon Senh’d ttt= terpretatorifchen Unfinn, fonbern er lehrt iljn bad ©tüd rein ald SJcuftfftüd richtig, 712 SnfttmnenfalmufiF. Stciticmfdje ©pradjc. fertig, gefdpnadooll »ortragen; mad)t it)n Set weiterem gortfdjritt auf bie gactur be§ ©tiicfS, auf bie fpauptgebanten —‘b. h* bie mufitali)d)en Sftotioe —, bie Seemen auf» merffam, jeigt ihm, wie berfelbe ©ebanfe in ntannigfadjer gönn wiebertefjrt, wie über= haupt baS ©anje auS feinen (Elementen conftruirt, wie baS ©efefj ber ©pnuuetrie beob= adftet, wie Sic^t unb ©djatten nutfitalifd) »ertf)eilt ift; turg baS eigenttid) Äünftterifdje, baSjenige, worüber fid) aud) in 33ejug auf feine SEBerte ÜÖiojart allein t)ie unb ba auS= gefprodjen h«t — baS ju geicgen, ift bie redjte grammatifd)4)iftorifd)e 2luSlegung, bie in ben Unterridjt gehört; alles übrige ift StUegorie, bie in einzelnen gälten geiftreid), in fel)r »ieten anbern abfurb, niemals aber jnm mufifatifdjen VerftänbniS eines SDinfif» Wertes wefcntlidj unb unentbehrlich, fonbern »iel öfter bemfelben I;inberlich ift. fpaltner. SMcttectJtaliSmuS itt bcr ©rjichnng, f. Srjiehung, fatfd?e Stiftungen. Sntcrftitinm, f. fpaufe. Slttrobnctioit, f. 2t tut Seht weif ung. 3 rla»tb r f ©roßbritannien. Sl’Otlie, f. Seljrton. Italien. *) Stalienifdjc ©fU'adjc. ©bfdjon bie italienifdje Sprache in f?aubelS= unb gort» bilbungSfdjulcn, in Sonferoatorien unb in fpenfionnaten häufig als UnterridjtS 3 Wetg eingefül;rt ift, aud) wol)l an ntandfen ©pmnafien faenttatib gelehrt Wirb, fpielt fie bod) ben beiben anbern neueren ©pradjen, ber frangöfifdjen unb englifdjen gegenüber eine fo untergeerbnete Stolle, baß fie für bie ©diule mehr einen praftifdjmiateriellen als einen humaniftifdjsphilologifdjen Sßertl) erlangen tonnte. 9tur in Defterreid), beffen 23ejie= hungen ju Som 6 arbo*Venetien, SUpriett unb ©alntatien 51 t innig ftnb, um nicht auch eine literarifdje äßedjfelwirfung h erBor S ltru f en , genießt bie italienifche ©prad)e eine Wahrhaft gebeihlidje pflege nnb tritt mit ben bei uns beuorjugten ©pradjen in ihre ebenbürtige Stellung ein. 3n ben übrigen Säubern ©eutfdjtanbS wirb biefe ©pradje meift nur für prattifdje ßweefe gelernt, ©er Saufmann lernt Stalienifd) gutn Veljufe feiner §anbel 8 * »erbinbungen mit Stalien unb bem Driente, ber ©efangfdjüler wegen ber SluSfpradje unb beS VerftänbttiffeS italienifdjer Strien, ber Äünftler als Vorbereitung ju feinem Sfömerjuge unb ber fpenfioitnaire Wegen ber atlfeitigen nioternen Vilbttng, weldje er in tßenfionnateu fid) 51 t erwerben fud)t. ®ie gelehrte ©djule, weldie in ben lebten Sah^eljnten aud) bie neueren ©pradjen berüdfichtigen unb 3 U ben ßWeden beS Humanismus »erWenben burfte, tonnte, fd)on wegen beS iiberwiegenben 3eitanfn?aubeS für bie altclaffifdjeit ©tubien, unmöglich alle biejenigett neueren (Eulturfpradjen in beit Vereid) ihrer Sßirtfamteit jieljen, Weldje burd) ben fmmauiftifdjen SBerth ihrer Siteratur ober burd) ihren focialeu SKufcen Slnfpntdj auf 21 ufnal)uie madjeit tönuten. ©eint bann müßte auf SSafiS ber altclaffifdjeu unb ber beutfd)en ©pradjftubien neben ber franjöf. unb engl. ©prad)e aud) bie italienifche, fpanifdje, portugiefifdje, bie fd)Webifd)e, banifdje, nieberläubifdje unb felbft bie ueugried)ifd)e gelehrt Werben, weit ©ante unb Striofto, SerpanteS unb Salberon, SamoenS, ©eijer, Sfticanber unb ©egner, Vaggefeu unb £>el)leitfd)läger, Vonbel unb IpelmerS, SlllatioS, ®h r ‘ßopuloS unb DrphanibeS 9fepräfentanten tson Siteratureu fiitb, Weldje — falls ber ©runbjafs fid) bewahrheitet, baß ber ©eift einer Siteratur nur burd) bieSDriginalfpradje felbft, uidjt burd) Ueberfehungeu lebeubig wirtfam wirb •— mit oollfommenem fticdjte mit ber frnnjö» ftfdjen unb ber englifdjen «Sprache wetteifern töitnen. GsS ift felbftberftänblidj, baß eine foldfe polyglotte Vilbtutg l)öd)ftenS im Collegio di Propaganda Fede ju 9tom ober im .^aufe eines SonfitlS ju ©enua ober 2lteffaubria, nicht aber in einem beittfdfen @t)m= naftunt erlangt werben tanu. *) 3>a bei ben gegenwärtigen 3nfläubeit Statiens auch ba§ SchulWefen überall noch int Söerbeit ift, fo oericbicben wir bie ©tatiftif beS italieiti[c(ien ©chulwefeitS an bas (Snbe tiefes ÜBerfes. ®. gteb. Stalicmfdje Sprache. 713 ®emtod) liegt biegrage nidjt fo entfernt non bettt ©ebiete ber fJäbagogif, ob neben bem franjßfifdjen mtb englifd)en Unterridjt uid)t ncd) menigftenS eine ber obgenannten neueren ©pradjen gelehrt merben foKe, nnb jmar natürlich biejenige, bie beit humanifti» fdjen ©tubien am fBrberlid)ften bienen, ober menigftenS bie große Süde jmifdjen bem SBerfad ber altdaffifdjen ©pradjeit nnb bem Slufblüljeu unferer eigenen beutfdjeit fRa» tionalliteratur am toürbigften auSfitOen, mtb fontit bie beiben großen fö^odjcn, baS Slltertbjitm nnb bie S'feugeit, in einen pregreffioen .gufmmitenfyang bringen fönnte. 3a, e§ fönnte nodj bie grage ju beleudjteit fein, ob bie biefent ßmecfe entfpredjenbe neu aufjunehmenbe ©pradje nid)t fogar ber jefct jitm obligatorifdjen ©tubiunt erhobenen frangöfifdjen ober ber fid> jeiJt rafdj bahitbredjettben ettglifdjen uorjugielpen fei — jmei gragen, bie bei bem heutigen ©tanbpunct ber neueren ißbitologie gar nid)t fo über» flüßig ober uermegen finb, toie fie eS 31t fein fd)einen. 2BaS bie erfte grage betrifft fo nehmen mir feinen Slnftaitb, unter allen obge» nannten netteren ©pradjen bie ital iettif d) e als diejenige fjeroorju^eben, meldje neben ber franjöfifdjen nnb englifdjen beit gebiegenfteu nnb reid)l;attigftcn Beitrag jur gßrbe» rung beS SpumaniSutuS liefern mürbe, inbem feine ber anbern fo unmittelbar ans ben Krümmern beS SlltertljumS fid> entmidelt X;at, feine, felbft bie fpauifdje nid)t, eine fo unabhängig bafteljenbe, in it;rer Originalität oon feiner anbern ©pradje übertroffene claffifd)e fpöl)e erreidjt, mtb feine feit fed)S Sahrhunberteu fid> ftetig unb nnanfljaltfam bis ju ber fe^igeu ©eneratiott entmidelt unb mit geringen ©d)manfungen il;ren felb» ßättbigen nationalen &harafter beibefmlten Ijat. ®ie fpanifdje Literatur hat mit bem Verfalle beS faftilifdjen fReidjeS ihre claffifdje ißeriobe abgefd)Ioffen mtb erft in neuefter 3eit entftel)t mieber eine Literatur, bie nid)t nur bie Ülufmerffamfeit unferer ©elehrtcit erregt, fonbern felbft unfere „gebildete Sefemelt" feit bent ©rfdjeinett neu gernait ©a= balIeroS.97omanett gattj iiberrafdjt hat- ffanbinaoifdje Literatur ift öcrhältniSmäßig ju neu, unb mirb bttrdj il)r urfprünglidjeS Inletten an bie beutfdje claffifche ißeriobe gemißerniaßen entbeljrlid), mährenb bie neugriedjifdje bod) aud) ju nett ift, uni reife grüdjte für ttnS tragen ju fottnen, trofebem baß baS mahrhaft claffifdje @ebid)t ir §eHaS", in meldjeni Seott MatioS baS djriftlidje Suropa an bie SSerbienfte beS ^enertifd>en 2tlter= thitmS um bie 2Renfd)heit erinnert unb feilten ©djmerjeuSfdjrei für bie Befreiung »om titrfifdjen 3od)e auSftBßt, fdjoit in ber 2Ritte beS 17. SahrtmnbertS »erfaßt mürbe. SBenn nun barüber fein 3®eifel h err W etl bürfte, baß bie italienifdje ©pradje »oKe 33eredjtigmtg hat, neben ben beiben anbern netteren ©pradjen an unfern I;untaniftifd)ett Slnftalten gelehrt ju merben, fo bürfte bie jmeitc grage: itt meldjent aBertI)öerl)äIt= niffe fie ju benfelben ftelje, mol)t aud) grünbüd) ermogen merben. hierüber famt nur berjenige ißhilologe ju einem Urteile berechtigt fein, metdjer alle brei ©pradjen jum ©egenftanbe tiefer ©tubien gemacht, unter allen brei ^Rationen längere 3 c *t gelebt hat unb biefe brei Literaturen oI)ne irgenb ein 33orurtf)eil nad) iljrettt inneren Sßertlje mit eittanber ju »ergleidjen ittt ©tanbe ift. ^3l;iloIogifd)e gorfd)er ber italien. Literatur, mie ein gernom, ein Kannegießer, ein gerbinanb SBolf, ein Karl SBitte, ober Verehrer berfelben, mie ©djloffer, beffett Sieblingsftubiunt ®ante ncd; in feinem ljdh cn ©reifen» alter mar, ober mie Kraft »on Safaulp, ber auch nod) itt ben lebten Sagen feines SebettS Don ber feligett 3ät erjäl)lte, bie er in bett founigen ©ärten ber Kloftereinfamfeit ju ©ubiaco einjig mit ®aute befdjäftigt jubradjte, 2>id)ter, meldje att ber italienifdjen ©pradje fich begeiftert haben, mie @ötl)e, f>laten unb fßaul fpepfe, ®efd;id;tdfcrfd;er, bie in biefent Sande ihre SRealftubien geniadjt haben, mie S'iiebu^r, fRauitter, Söttnfen, ©rego» roiüuS — fie alle finb berebte 3 eu 9 eK füt ben 3auber, bett biefe ©pradje auSiibt, für bie fdjBpferifdje Kraft, bie aus bem ©tubiunt biefer Literatur in jebeS forfdjenbe @e* ntüth überquillt. SBentt ttun barüber fein 3meifet mehr beftel)en farm, baß bie italienifdje Sprache mürbig ift, iit bie SriaS ber ettropäifdjen fpaupttiteraturen aufgenommen ju merben, fo muß nun bie grage beleud)tet merben, in meld;em coorbinirteu 3Serb)ättniffe biefe brei Sprachen felbft 714 3faticntfdjc ©prodje. ju einander ftepen. ©o feljr wir unS bem 33orWurf beS SSorurtl;ei[ä auSjufefsen ©efafyr laufen, fönnen wir bod) nid;t umfnn, bei bicfer, eine widrige päbagogifdje ffrage be= rüfyrenben ©etegenljeit bie Slufidjt auSjufpredjen, baß, wenn man abftefyt oom biogen praftifdjen SBertfie unb nur bie ibeaieren 33ilbungSjWecfe für bie gelehrte ©djule ins Sluge faßt, unter allen neueren ©pracfyen in erfter Sinie bie uns ftatrnw unb geifteSberWanbte englifdie ©pradje, in ^Weiter bie itatienifdie unb erft in britter bie franjßfifdje unferer ftubirenben 3ugenb jum ©tubium unterbreitet werben feilte, eine Socation, bie natürlich bei ben befteljenben SJerfmltniffen auf bie bie 3bwde beS 9fea= HSmuS verfolgenden Unterrid)tSanptalten nidjt anWenbbar Ware. Ueber ben I;umanifti= fdjen Sffiertfy ber engtifdjen ©prad;e ift in bem betreffenben SIrtifet (II. 93anb ber Snct)= flopäbie) bon und bereits gefprodfen worben. 2>aß bie engtifdje Literatur in jeder 39ejiefyung I;öl;er ftelje, benn bie fran^öfifd^e, baS befannteu nicht nur §erber unb ©öil)e, 31. 2ß. ©dilegel unb Sied, ©djtoffer unb gerb. SEBolf, fonbern baS fpradjen auch unfere neueften Siteraturfyiftorifer, ©erßinuS unb §ettner, auS; fangen ja bie ffranjofen fetbft an, einem fß^ilarete SljaSleS ober Smile SJIontegut aufs SBort hin ju glauben, baß ©fyaffpeare fein „93arbar" fei, wie Voltaire fte überrebet I;atte, fonbern gerabeju ber größte Sinter, ben bie Steujeit fyerborgebradft habe. 33iet fc^wieriger bürfte und bie ÜJiotibintng ber Slnfidjt Werben, bag bie italienifdje ©pradje für un« Seutfdfe einen ^ö^eren Ifumaniftifdjen SBertl; ^abe, ober bielmefir (»oben fönne, benn bie franjöfifdje. 2IHgemein anerfannt ift bie geringe 3IuSbeute ber fran= jöfifchen Literatur für bie ©djullectüre. ©elbfi ber Kanon, ber in bem SIrtifel „granjöfifdje ©pradje" im 2. 33anb ber Eßäbagog. Snchftopäbie für bie „ctafftfdje Seetüre' 1 aufgeftetlt wirb, ift fo fnapp gejogen unb befdfreinft fidj fo ftrenge auf bie SorneiHe= 3?acinefd^e fßeriobe, baß man wofjl fragen barf: verdient eine ©fwadje eine foldje 33evor= gugung an unferer gelehrten ©dntle, in welker nidft einmal Srouffeau unb Voltaire, Siberot unb üliarmontel, SUabame be ©tael unb (S^ateaubrianb, Santartine unb SSictor §ugo, 93eranger unb 311freb bettMgnp einSlcceffit für bie ©djullectüre erlangen fönnen? SlüerbingS finb biefe Sluctoren feine „Grlaffifer“ in ber jejst gottlob obfolet geworbenen 33ebeutung beS SluSbrudS. 3n ben mobernen ©pradjen giebt eS feinen Unterfdjieb mehr jwifdjen ber clafftf^en unb ber romantifdjen ©d)ule. Se(jtere I;atte allerdings einen fdjweten (SntwidlungSfampf burd^umadjen, aber nidjt gegen bie wahre Güaffkitat, nid)t gegen bie Siteratur eines Ißerifleifdien ober 3lugufteifd)en 3eitalterS, fonbern gegen bie 2Ifter= ctaffxcität ber franjöfifdjen ©räcität, jener ßorneiHe=9facinefdjen, £>ri)ben=9BieIanb’fd)en ©dfute, welche nicht unmittelbar aus ber wahren (Smpfinbung beS claffifdjen 2ltter= tljumS, fonbern aus ber rfyetorifdjen ©entenjiofität unb ©ituationSl;af^erei ber ©cfjule ©eneca’S ^erborgegangen ift, benn ©eneca’S DebipuS, Slgamemnon, SDtebea unb Ißljäbra ftnb eS, welche ber clafftfd)en 23ühne beS 17. unb 18. SafyrljunbertS jum SJtufter ge= bient haben, nidjt bie Sragöbie eines SlefdjpIoS ober ©ophofleS (ogl. SOfunf über ©eneca, ©efd). ber röm. Sit. III.). 3efst, nad) ftegreidjer 33eenbigung beS ÄampfeS ift aud; bie ©(^eibeWanb jwifc^en claffifdjer unb romantifd^er ©c^ute gefallen, unb gleichwie bie Siomantifer 3lnafreon unb f|3inbar, Sfeofrit unb ©imonibeS, §oraj unb Doib, Slfartial unb Subenal bon jjefjer unter bie ßtafftfer geregnet würben, wirb aud) bie neuere fran= jöftfibe Siteratur ben Sanoit ber fumaniftifd; bilbenben Seetüre beretdjern bürfen. ©o ^oc^ wir aber aud) ben SBertl) ber franjöftfcben Siteratur fd;ä§en unb fo feljr wir anerfennen, baß fetbft mitten in ber Siteratur ber S0it)ftere8, beS Semi-SDlonbe unb ber SameliaS ®id)ter wie Slugufte 33arbier, Sllfreb be SKuffet, Slleyanber ©oumet unb Sbgar Quinet in fform unb ©eift ben Slnforberungen ber Slafftcität entfpreeben, fo müßen wir boef) ben ©ewinn, ben unfere gelehrte ©i^ule aus bem ©tubium ber itaüenifdjen Siteratur fdjöpfen fann, noc^ Ijö^er anfe^tagen. 2Bir müßten eine ganje 3lbfianblung fdjreiben, Wollten wir bie parallele jwifdjen beiben ©pradjen bis 3 ur Soibenj jie^en; wir müßten weit auStyoten, um für ben Äampf mit fyerfömmlidjen Gegriffen, mit präjubicieHen Slnfidjten unb mit ber Slbneigung gegen Steuerungen ge= 3tctltctttfdje (Sprache. 715 rüflet gu fein. Seiber giebt ed fein Iiterar = l)iftorifd)ed SBerf, bad fic^ gur Aufgabe gemalt hätte, beit humanifttfd)en SBertf) ber neueren Sttlturfpradjen foruobjt gegen ein» anber, ald aud) gegen bad 9lltertl)um, etwa auf btefelbe äBeife in fßarattele gu fefsen, wie ed Sholeoiud in feiner @efd)id)te ber beutfdjen ^ßoefie ber antifen Literatur gegen» über »erfud)t hat. 2Bir haben oergleidienbe ©rammatifeu, aber nod) feine oergteid)enbe Siteraturgefd)id)ten, obfdjon g. 5E. 93ifd)er unb SRorig Saniere in it;reu SBerfen über Sleftßetif bie ©runblinien bagu gegogen haben. gilt unfere fpecieüe Aufgabe, bie früfung bed ^umaniftifdjen Sßerthed ber italienifd)en Literatur gegenüber bent ber frangöftfdjen müßen fotgenbe ©runbgüge genügen, wobei gu bemerfen ift, baß bet ber 23efanntfdjaft unferer ©dutlntamter mit ber frattgöfifdjen Literatur wir l;ier nur bie 6igenf()ütnlid)feiteit ber weniger befannten italienifdjen beroorjitbeben braudjen unb ed bent Urtl)eile bed SeferS überlaffen mitten, bad anbere ©lieb ber SBergleitbuttg gu ergangen. 2tbgefel)en 001 t bem Slittagonidmud, ber burd) bie Sroberungdgeliifte Subwigd XIV., burc^ bie bott Rapoleon I. über ®eutfd)laitb berljängte föebrängtttd unb burd) bie immer toieber gefafyrbroljenbe Haltung granfreid)d gwifd)en und unb unfern weftlidjen ©reng» nadibarn erregt unb fortgepflaugt worben ift, Iferrfdft aud) in ben Sbeen, im Sljarafter, in ber gefd)id)tlid)en Aufgabe beiber Rationalitäten eine ftaffenbe 33erfd)iebenl)eit, welche einer innigen geiftigen 93eritl)rung unb einer gegenfeitigen ©hmpathie fyemmenb ent» gegentritt. 3 ui>em hat tfranfretd) gu biele fd)äblidte Sinftüffe auf unfer eigened Sul» turleben audgeübt, ald baff wir nidjt »orftdjtig unb midtrauifd) und feinem weiteren Sinfluffe l;ingeben foüten. 9Ran fonnte fagett, biefe Abneigung l^errfdje überhaupt gwifcfjen ben rontanifdjen unb ben germanifcfyen ©tämmen, ed werbe bafyer badfelbe 53erl)ältnid gWifdjett ®eutfcf)en unb Stalieitern befielen. ®ied ift jebod) nid)t ber galt. 3war ift in Italien ber Raine ©ebedco »errafft, ja fogar gunt ©djimpfworte geworben; allein bied rüf)rt befanntüd) bott bem fpaffe ber Staliener gegen bie grentbl)errfd)aft her, weldjen weniger bie beutfdjen Gruppen felbft, ald bie flabifdjen Regimenter erreg» ten, bie eben aud) unter bem Rainen ®ebedco inbegriffen Würben. *) £ätte £)eftreid) überhaupt fein geiiWeiliged poütifdjed UebergeWidjt in Stalien gu geiftiger Slnregung unb ^Belehrung, gu gegenfeitiger praftifdjer ©bätigleit benülgt, fo hätte ed eine Ration mit 2)eutfd)lanb befrennbet, gu ber wir in weit größerer geiftiger 53egiel)ung ftefyen, als wir glauben, ©djon 9t. 335. ©d)legel madjt bie 93emerfung, baß ®eutfd)e unb Staliener einerfeitd, wie Sttgläuber unb grangofen anbererfeitd, ein» anber ttiel aljntidjer finb, ald biefe 33ötfer in ber Regel anerfennen ober eingefteljen wollen. ®ie 33erwanbtfd)aft bed beutfdjen unb bed italienifdjen ©eifted finbet ©t^legel in bem fünftlerifdjen 3bealfinn, fo wie in ber Richtung auf bie reine ©pecu» lation in ber f]31)ilofopt;iie. SÖ3ir mödjten noch weiter gelten unb fagen, baß unfer angeborener Sbealfinn l)auptfäcf)tid) burd) bie 9tnfd)auung italienifdjer Äunft unb Ratur * fid) erweitert unb oerebelt hat im b baß wir unferen ibealen fpumauidmud ganglid) Stalien gu oerbanfen haben. ®ied anerfenut aud) ber SBerfaffer bed 9lrtifeld §umanid= rnud in ber häbagogifdjen ®nct)flof)äbie, welcher auöfüfwt, baß ber ©egenfah gWif^en $mnanidntud unb Realidmud fd;on im 2lttertl)um beftanben unb baß er burd) bie SrWecfung bed 9ltterthumd im Riittetalter fid) aud) auf bie Reugeit fortgeftflangt h“t. 3)ad SSerbienft, oen §umanidntud juerft wieber ind geben gerufen ju haben, gebührt aber Stalien. Rtan lefe SSoigtd hödjft oerbienftlid)ed 2Berf: „®ie SBieberbelebung bed *) ®tefer £afj, welker fo alt feilt Wirb, als bie £>errfdjaft ber SDeutfdjen tn Stalien, bat bodb auch noch anbere ©rünbe; wir erinnern einmal an bie inftinctibe Ülbrteigung bed SRomanen gegen ben ©ermannt, bie tobHige Slerfcbiebeitbeit bed Raturelld, unb bann an ben eitlen §odbmutb bed Statienerd, ber ben SDeutfdjen beute noch ald einen SarBarett anfiebt unb barum autb bad beutf^e Talent Bebarrlicb nicht anerfeitnt. (ald eirtft SDitterdborf in einer itatienißben Äirdbe ein ©olo fhiette, ärgerten ficb bie Staliener laut barüber, baß „eine bentßbe ©cbilbfröte" fo ju fftielen ficb beraudnebme.) ®- 716 Stalicntfdjc ©pradje. claffifdjett 2lltertpumS ober baS erfte Saprpunbert beS Humanismus," matt ftubire S3itruntaniS= muS batirt oon -Petrarca, obfdjon ©ante längft ber ipm faft unbemußt im ©eifte beS SlltertpumS gebidjtet patte. SBebcr ber 9luffd)touitg im (Earolingifdten 3 e ü a lt er / nod) fein 9tad)pall im Dttonifdjen, itid)t einmal bie bpgantiuifcpe Üiteratur pabett fo großen (Einfluß auf bie geiftige (Sntmidlung beS SDiittelalterS auSgeiibt, paben fo fepr ben Soben für eine europäifdje ©efammtbilbung geebnet mie bie noöantife Semegttttg 3ta« liettS. Äein Slbeilarb, lein SopanneS sott ©alisburp, lein Dfoger Saco, fein Herbert, fein Sfibor son ©esilla sermcd)ten ben ©eift beS ülttertpumS mieber peraufgubefdjmören. S'fad) ©eutfd)lanb pat biefett Humanismus pauptfädjlicp (Enea ©ilbio be’ ipiccolo= mini berpflangt, tseld)er 1442 iu griebridjS III. [ReidtSfangfei 2lnfteHuitg fanb.***) (Er traf beit beutfdjen Slbel in 9?opeit unb Söllerei berfunfeu, opne eine 2lpnung bon jener feinen Silbung, bie ber ©tclg beS italienifd)en SlbelS mar. ©er Sfarftaft unb 2Beitt= feiler genoßen bei jenen baSfelbe ülnfepen, mie bei biefen bie SRttfecn unb Sibliotpefen. ©ie beutfdjen fßrofefforeu ttttb SDfagifter ber ^jodpfdjixten fanb er tief in bie Sabprintpe ber ©djolaftif sergraben, itnfrudjtbaren ©rättntereien unb biirrer ©peculation pingegeben, ©ie pumaniftifepen ©tubieit, fepreibt er, paben pier feine ^»eimat; nescit toga barbara versus, (©iepe pierüber: Soigt, SebenSbefdpreibting beS (Enea ©ilbio be’ ^Piccolomini.) Hatte Stalien ben 31etteaS ©ploiuS als SRiffionär beS Humanismus ttad) ©eittfdj» lanb gefenbet, fo fanbte ÜDeutfcpIanb bagegen ben Äonrab ©dpoeinpeitit unb Slrnotb iPanttarp bortpin, bie bie erfte treffe in Stalien (gu ©ttbiaco) auffteUteit. ©ie 2Bed)fel= mirfuttg gmifdjen beibett Säubern bauerte jept buröp bie bpreffe erleichtert fort. Stalienifcpe Hod)fd)ttlen murbett bon bett ©eutfdjen befuept. Äaifer SRapiittilian ift ber erfte beutfepe gürft, in beffen Silbung ber neue ßeitgeift fieptbar mirb; er ftanb nod) unter bem um mittelbaren (Einfluffe beS 23 Sapre am faiferlidjen Hofe mcilenbett ©ilbio. Salb barauf brad)ten ein Slgricola unb Weites, ein (EraSnutS, ein 9feudjliit ben beutfepett Humanismus gttr felbftäitbigen Slüte. ©ie italienifcpe fRenaiffauce miegt bei meitent ben (Einfluß auf, ben granfreid) burep feine Troubadours, feine Chansons de Gestes, fein ÜRormanentpum auf ©eutfd)lanb auSübte. ©iefe 2fnfid)t miberflreitet gtoar berjenigett, meld)e im Sfrtifef „grangöfifdje ©pradje" itt biefer (Encpflopäbie attSgefprocpen iff, mir atterfenuen ben (Einfluß biefer frangöfifdjett Siteraturperiobe auf bie beutfdje SDtimte= unb H e ibeubid)tung, begmeifetn aber iprett (Einfluß auf bie fociale Sebeutttng beS frangöfifdjen UnterridjtS für unfere ©cpute. 2Beld)en culturpiftorifdjen (Einfluß Stalien ferner auf uttS ©eutfepe auSgeübt pat *) nnfererfeits bermeifen auf ben obengenannten Slrtifel Humanismus unb (Realismus. ©. (Reb. **) ®ic gorm tttib Strt biefer „cpriftlicpen SBettperrf^aft'' ift freilid) feilte ben ebangelif($en ©beißen anfpreepenbe, ße pat bie „reformatorifrpen Seßrebittigeit in Stalien" mit äufjerßer ©e» malt uitterbriidt. ®. at, nod) jefet fepöpfen ©idjter unb Äfinftler, fdjBpft bie ganje ibeate ^ßljantafieVuelt auS ber Duette, bie fein SJtofeSftab aus bem bürten gelfen beS SStittetatterS gefdjtagen tjat. ©etbft mer itjn nidjt in ber Urfpradje 31 t tefen bermag, wirb fdjoit auS ben trefflidjen Ueberjeßungcn eines Äannegießer, ©tredfufj, Äopifdi, eineg ÄBttigS Sotjaitn 001 t ©adjfeu (ißtjitalettjcS) unb Äarl äBitte reidjlidje Stabrung fdjöpfett unb mit Siebe fidj beit befonbereit ©tubien tjingeben, loetdje Äart SBitte (Ueber ©ante 1821), Slbefen (^Beiträge für baS ©tubiuni ber göttt. Äontübie 1826), 33 taue (ßrftärung ber gottt. Äomübie 1860 unb Vocabulario Dantcseo 1852), SBegete (©aitte'S Sebeu unb SSerfe 1852), g. Kl). ©djtoffer (Saute, ©tubien 1855), gtoto (©ante Sttigtjieri, Seben uttb SBerte 1858), gr. Stotter (SBorlefuitgett über ©ante 1861) ermoglidjt tjaben. Studj Werben bie bitblidjen 3Huftratioiten eines fßinetti (Invenzioni sul poema di Dante in 141 ©afetit, Stont 1826) gtapitan (Um= riffe in 110 33lattern, Sonbcu 1793) unb ißeter SorneliuS (Umriffe 3 U ©ante’S iparabieS in 9 33Xätteru) baS SScrftänbuiS beS ©idjterS erleidjtent. Petrarca (1304—1374) toirb atS S?prifer ftetS ein ctaffifdjeS SSiufter bleiben burdj feinen reinen ©efdjmacf, feine fo mufifatifd) iool)ttautenbe, abgeglättete, rljtjtljmifdp loeidje, fanft ^imoatlenbe ©prad)e ttnb als 33ater ber innigften atter lt)rifd)eit gormen, beg ©onetteS ober ÄtingtiebeS, loenii fdjon bie Kinfeitigfeit feiner Snipfinbung nur fub= jectio oon bem ©mpfängtidjeit genoffen »erben fann. ^Boccaccio (1313—1375), ber 33ater ber italienifdtcn fßrofa unb ber 9toöetIen= gattung eignet fid) atterbiugS nur itt einer ftrengen SluStoatjt 3 um ©tubium für bie reifere 3ugenb, aber loetdje überrafdjenbe greubc erwartet ben in bie römifdte Siteratur eingetoeiljtett Sefer, wenn itjrn bie tateiiiifdje ©pradje tjier gteidjfaui ootfsttjümtidj tebenbtg entgegentritt. Sein fpäterer fßrofaifer, tjödjftcnS SJtacc^iaoelli, geigt einen fotdjen ctaffifdjen 718 Stalicnifdjc Sprache. ©til. Soccaccio’g 33efd)reibung ber Ißeft in gloreug, einzelne ®efd)id)ten auS bem ®ecame= roit, rcie bie @efd)id)te ber ungtiicfUd;ert giirftin ©hiSmonba unb beS ©uiScarbo, fDtote bie oud) gum beutfdjen SBoIfSbud) geworbene „@efd)id)te beS SRarfgrafcn SBaltljer unb ber ©rifelbiS" finb boßenbete 9Kufter beS befdjreibenbeu unb ergählcnben ©tileS. 9Jid)t nur haben fid) bie PolfSbiidjer anberer Sänber burd) bie italienifdjen fRobeßiften bereichert fonbern eS I;aben and) bie größten ®id)ter gerne ihre Stoffe barauS gezogen; fo finben Wir bie @efd)id)te ber brei SRinge, Welche Leffittg in feinem fRattjan bem Söeifen oer* arbeitet h&t( fdfon in ben Cento Novelle anticlie (9?ro. 72), ebenbafelbft ©djißerS ©ang nad) bem Gifenfjammer (SRro. 68), 33iirgerS Abt bon ©t. ©aßen in ben SRooeßen ©acdjetti’S, ©l)atfpeare’S Kaufmann Don SJenebig int Pecorone beS ©an ©iooanni giorentino. ®ie IRobeße Borneo unb 3uße beS Luigi ba Porto (1535) ift eine perle beS italienifdjen 5Robeßeufd)a(3eS. ©egen bie Inappe, gebruitgene, ftilbeflenbete unb boc^ affectburd)gliil)te, feelenwaljre unb lebenSfrifdfe italienifd)e 9?obeße erfdjeinen aße unfere neueren ÜRobeßen unb fRonmne berfdjwommen, gebefmt, langatmig unb fdjmucfüberlaben. S33ir übergeben bie Anfänge ber bramatifdjen Poefie unb beS romantifdjen GpoS gu ben 3 c it £11 ber SRebicäer, ebfdjon Poligiano’S ©urnier unb DrpIjeuS, Suigi pulci’S Morgante Maggiore. 33ojarbo’S Orlando innamorato nid)t bloß literar= hiftorifd)en, fonbern and) äftlfetifd) hohen SBertl) h a ^ eil r unb wenben und fogleid) gu Ar io ft o unb ÜR acd)iabelli — ben erften, bie, gleidjgeitig an ber ©d)Weüe beS 16. 3ahrl)unbert8 ftehenb, gleidifam als Sippen unb 3bea(e beS neuen GntWitflungSgeit» alterS ber 9Renfd)l)eit betradjtet Werben löunen. ©ie finb bie erften, bie aße geffeln, aße SSorurtheile, aße 2Rt)ftif, aße ©enfweife, alle Lebensformen beS nodt mit mittel* alterlidjer ^Befangenheit ringenben 15. 3ahrl)unbertS abgefdjüttelt Imben unb eine neue Aera ber Poefie, ber @efd)id)tfd)reibung, ber Politif eröffnen, welche big gur ©tunbe als bie ©ntnblage aß uuferer mobernen SBeltanfdjauung fortbauert. Ariofto, bon feinen LanbSleutcn ber @öttlid)e genannt, fteht fo I)°d), baß biele Sunftricpter eS getoagt haben, il)it gerabegu einem Router gegenüberguftellen. ©er ©änger ber „3tiaS unb ber Dbpffee“ in paraßele gebracht mit bem ©idjter beS fRafenben SRolanb, welcher Gigenbünfel ber neueren Philologie! ruft bießeidjt mand)er Altphilologe aus, unb bod) hat ber bont antifen ©eifte erfiißte, aber and) bie SReugeit mit warmem fjergen erfor= fdjenbe äöill)elm bon Ipumbolbt in feinen „äftl)etifd)en33erfud)en" einebergleid)enbe Gl)aralterifti! Römers unb Ariofto’S geliefert, auS weldjer Wir nur eine fitrge ©tefle anfüljren Wollen: „8Bo lebt feit fpomer in einem anberen ©idjter eine fo!d)e güße unb ein foldier fReid)tl)unt bon ©eftalten, Wo eine foldfe nie ftiflftehenbe, fid) immer wieber aus fid) felbft ergeugenbe ^Bewegung, wo ftrörnt ein fo itnberfteglid)er Dueß ewig neuer unb iiberrafdjeuber Gsmpfiubungen, als in ben ©efängen Ariofto’S? SBeldjer anbere neuere ®id)tcr erfdjeint nid)t, bon biefen ©eiten mit ihm berglid)en, arm unb bürftig, ernft unb feierlid), trocfen unb fd)Wer? SBenn bie l)öd)fte ^Bewegung unb bie lebeubigfte ©innlidifeit ba3 SBefen ber ®id)tfunft auSmadjen, unb nientanb anftehen wirb, bem Ipomer hierin ben Porgug einguräumen, fo gebührt bem italienifdfen ©änger unftreitig gleich bie erfte ©teße nad) ihm. — Unb hoch, weldje ungeheure 2?erfd)ieben= heit, wie ftarf auggegeidjnet ber Unterfchieb! 3n £>omer tritt immer ber ©egenftanb auf unb ber ©änger berfd)Winbet. 3m Ariofto finb bie hctnbelnben Perfonen uns nicht weniger gegenwärtig; aber wir berlieren auch ben ©änger nidjt aus bem Auge, er bleibt immer gugteich mit auf ber S3üt)ne, er ift eS, ber fie uns geigt, ü)re fReben ergäl;It, il;re .'panbtungen befd)reibt. — 33eibe finb treue SÜJaler ber SB eit unb ber ÜRatur, aber Ariofto gefällt mehr burd) ben ©lang unb ben 9?eid)tl)um feiner garben, §omer geidjnet fid) mehr burd) bie ^Reinheit ber gormen, burch bie ©chönl;eit ber Gompofition aus.“ SBie gerne würben wir auch bie 33erbienfte SRacthiaßelli’S h e röorheben, wenn uns ber fRautn eS geftattete. Aber eS muß uns genügen, an ben SSerfaffer beS „gür= ften", ber „DiScurfe über bie erfte ®ecabe beS LibiuS", ber „fieben S3üd)er 3taltenifdjc ©prctdjc. 719 über bte ÄriegSfunft“, ber „florentinifdjen ©efdjidjten" ju erinnern, beffen ©tit ebenfo »oKenbet, als feine Sogif fdjarf, unb beffen ©ebanfe ebenfo reif, als feine ©arfteüung Ie^rreicf> nnb einbringlid; ift. £aben mir übertjauf't nod; nötljig, bei ben anbern SRännern gu oermeilen, bie baS 16. Safyrfyunbert oertjerrlidjt tjaben? 2Ran fdjlage jebe beliebige Siteraturgefdjidjte auf, unb man mirb neben Jaffa, bem unglüdlidjett ©änger beS befreiten 3erufalemS, bem Siebling aller J)id)ter unb Äünftler, nad; beffen SpoS feber italienifd) lernenbe @d)iiler juerft greift, rnie ber Vudlänber nadj unferent ©datier, nod; einen ©uarini, Verni, golengo, Vretino finben, in benen fid; ber antife ©eift mit bem mobernen, unb bie ibeale fRidjtung mit ber fatirifdjen oerfdjmeljt. Sßenn man im 17. 3al;rl;unbert ben naddfjeitigen (Einfluß ber franjöfifdjen @rä= cität auf bie italienifd)e Literatur nicfyt läugnen fann, fo erfreuen uns bod; nod) bie patriotifdjen It;rifd)en (Ergüße eines gilicafa, DaS £>elbenepo§ fRicciarbetto beS gorti= guerra, unb baS fdjerjljafte epifdje ©ebidjt „ber geraubte Sinter“ beS Jaffoni. 3m 18. 3al;rljunbert finben mir ütpoftolo 3eno, äRetaftafio, (Safti, ©olboiti, bie beibeu ©ogji, ben ©cipio äRaffei, fßarini, 33erri unb ben eine nationale bra= matifcf;e SRidjtung oerfolgenben Sllfieri, ÜRamen, bie jebeitt greunbe ber itatienifdjen Literatur mertfy gemorben finb. 2Rit bem ©djluffe beS vorigen 3al;rl)unbert§ fdjeint mausern bie große Siteratur= periobe StalienS abgefdjloffen ju fein, meil bie feist auftretenben ®id;ter nic^t fo mitnb* geläufig gemorben finb, mie bie obengenannten. 3ebe anbere -Ration mar eben bamalS ju feljr mit il;rer eigenen SÜteratur befdjaftigt, als baß fie Veranlaffung gefunben fyätte, aud; ben ©ang ber italienifdjen ju oerfotgen. 3 u ' 3em ®ar 3tali en fo entmutigt, fo niebergebrüdt, baß eine nationale Literatur uteift nur im ©tiEen unb Verborgenen fortmirfen tonnte. Viele ber bebeutenbften ÜRänner lebten im (Epil ober im ©efängniS, bie I;errlid;ften Vierte mußten im 2luStanbe gebrudt merben unb fanben nur burdj (Einfdpnugglung Verbreitung. 3a, man glaubte allgemein, megen ber äußeren SRufje, Stalien fei nur nod; baS „£anb ber Jobten*. (Erft je(}t, ba bie fgrüdjte biefer oerbor* genen nationalen Literatur plofclid) ju Jage getreten finb, fängt man an, bie Siteratur= periobe ju ftubiren, meldje mit Sllfieri beginnenb, fRanteu aufmeist mie SDRonti, -ßiu= bemonte, ilgo goScolo, ©roffi, ERanjoni, ©iloio fjletlico, Dticcolini, Seoparbi, Venebetti, ©iufti, Dfanieri, fßoerio, ©uerajji als ®id;ter; fRomagnofi, ©ioberti, fRoSmiui, ©allitppi unb ^abre Ventura als fßlji» Iofopljen; Sefare Valbo, Vieffienp, fßompeo Sitta, fßietro ©iorbani, 2Ric= ^eie Stmari, SRammiani, (Eolletta, Votta, garini, ©ualterio, (Eantü als @efd;id)tfd)reiber, fitebner unb goolitifdje ©djriftfteüer. fRietnanb l;at bis jef3t bie neuefte Siteraturgefdjidjte StalienS berebter unb oorurtfyeilsfreier beleud;tet, als ERarc ERonnier in feinem Vud;e: L’Italie est-elle la terre des Morts ? fßariS 1860. 3ur Veträftigung unferer eigenen Slnftdjt erlauben mir ttnS eine einjige ©teile aus bem Vierte biefeS für bie neuefte italienifdje Literatur eine fdjarfe Sange einlegenbett franjofifdjen JlrititerS auSjugie^en: L’Italie est la terre des morts! Mais oü donc est la terre des viyants? Comptons nos contemporains; nous ne citerons pas un nom auquel l’Italie n’en puisse opposer un autre, moins connu sans doute, mais non moins immortel. Au debut de notre sitele, nous avons Napoleon, un Italien. La paix se retablit, les lettres Üeurissent. II nous yient des poetes, l’Italie en compte plus que nous. Nous nommons Chateaubriand, qu’on ne lit deja plus; l’Italie nomine Manzoni, qu’on lit toujours et qui ecrit encore. Nous disons Beranger, l’Italie repond Giusti. Nous disons Lamartine, Hugo, Vignv, Barbier, Müsset, l’Italie repond Foscolo, Monti, Niccolini, Leopardi, Grossi, Pellico, Berchet, Carrer, yingt autre que je passe. Plus pres de nous, dans la generation nouvelle, nous ne trouvons plus en France, que notre litterature aux camelias. La grande et sdy^re podsie regne toujours au-dela des Alpes. 720 Stalientfdje äSptadjc. ®ie Parallele gmifdien ber italienifdjen unfc franjöftfd^en Literatur berechtigt uns nun mofjl gu ber grage: ©oH bie ©prad)e mtb Siteratur einer folc^eu Nation nuferer geteerten ©d)ule fremb bleiben, mäljrenb bie frangöfifdje fid) gunt 33ebürfniS einer ob» ligatorifdjen aufgefcbmungen h a t? SIber eS entfielt 31 t gleicher $eit bie neue grage: finbet fid) bei ben gegebenen SSer^ältniffen auch bie erforberlidje 3^it bagu? grango» fifdj, ettglifd) unb itatienifch gufamnten fann an @t)mnafien natürlidj nur in «ereingelten ©tunben als gadjftubium getrieben inerben. ®er SSerfaffer beg Slrtifels „©hmnafium" im 3. 93b. ©. 184 ber Gntchllopäbie, hält fdjon baS betreiben gmeier neueren ©pradjen nebeneinauber für bebenflid), unb eifert gegen ben SluSfprudj Shautolng, melcher meint, „auch noch baS 3talieuifdje l>ingitfügert gu fönnen, ba ber für bie brei ©prad)en ge» forberte 3citauftcanb nicht erljeblidj fei." lud) I;ält er folche SSer^ättniffe beut fpecieKen 3mecfe beS ©hnntafiumS fü* rt i t forberlidj. ®iefcr lufidjt lönnen mir uid)t hutbigeu. SBenn baS ©hmnafium feine ber -Jfeugeit gegenüber erweiterte Aufgabe erfüllen unb nicht bloß in ber befdjaulidjen 93efdjäftigung mit bem lltertljum fortüegetiren miH, fo muff eg bie neuere Philologie in ben Vereidj feiner humaniftifdjen S^^ätigfeit giehen. ®ieS «erlangt aud) Ä ö dj 11 ) in feinen ®h e f en gu einer einljeitlidjen tlmgeftaltung mtferer ©hmnaften (im neuen ©djmeigerifdjett üDlitfeum Jahrgang 1861, ©. 85 ff.), melcher auS national=politifd)en ©rüttben baS 3talienifd)e als obligatorifdjeS Set;rfad) für bie fdjmeigerifdjen ©hmnafien «erlangt, unb bie, menigfteng facuttatibe lufnahnte ber frangBfifdjen unb engtifdjeu ©faradje aug ber eigentümlichen 93eftint= rnung beg ©hmnafiumg atg 9?otl)menbigleit folgert. ®ic neuere Philologie hat fidj in SSegiehung auf SBiffenfdjaftlidjleit, ®i 8 ciplin unb gorfdjung gu einer ©tnfe er» hoben, in melcher fie mit ben SBaffen ber «ergleidjeuben ©pradjfunbe, mit ber au®ge» behnteren ©fjl)äre ihrer SBirffamfeit, mit ber SebenSfraft ihrer gortbauer U itb iljreg gortfdjritteS, getragen «orn ©eifte einer gleichfattg großen Sitlturperiobe unb ftetg angefpornt burdj ben 9leig ber 9?eul)eit, fidj mit ber alten Philologie gu meffen ge» gmuitgeit unb oielleicht auch berufen fein mirb. SBoHte fid) bie alte Philologie felbft cinfd)ränlen unb «on bem gortfdjritt ber 3becn abfdjließcn, fo mürbe fie nach unb nach iljr eigetteg Oerrain »erlieren, unb eg Bunte eine 3 e it Blumen, in melcher bie fdjoit öfters aufgetauchte 3bee eineg „mobernen Humanismus", eineg „dt eal = ©pnuta» fiumg" fid) «ermirftidjen, unb bie neueren Sprachen als gunbament, bie alten als Siebl)aberei getrieben merben biirften. ©djon fteigert fid) ber Sampf beg SDtaterialiS» muS mit bem SbealiSmuS auf bebenflidje äöeife, fdjon haben bag rafdje lufßlüljen ber Polt)tedjnifd)en, 9leal=, 93ürger= unb jpanbelsfdjulen, ber 9?otl)lampf um baS leibliche gortfemmen inmitten einer ftarfeit SScoölferung, ber 9tcig ber lußenmelt unb bie für» gere ®auer ber ©tubiengeit ben 2ßertl) ber altpl)iIologifd)en ©tubien unb beg ibealeu ©trebeuS in ben lugen ber fWenge empfinblid) beeinträdjtigt. 3 ft eS ba itid)t bie lufgabe ber Päbagogif, biefe beiben ©trüntuugen in ein unb baSfelbe SSett gu leiten, bie bioergirenben Infichten mit einanber augguföl)ncn, fie gu einem freieren Humanismus gu «erquiden, unb ber neuen Philologie f° entgegen gu ftreben, baß beibe als Urfad)e unb SBirfung auS berfelben ©d)öpferhanb hei'bovgehen? 9htr menn je( 5 t fchou eine folche harmonifdje Verbinbung ber beiben gptreme crgielt mirb, ift bie alte Philologie fid)er geftellt gegen bie oben begegneten ©efahren. 3Jtan mirb fagen, e§ fei auf ber Uuiüerfität nod) 3eit genug geboten gum ©tubium Der neueren Sprachen. Iber bel'anntlid) finb an beit beutfdjen Uuioerfitäteu feiten eigne Sel)rftiihle für bie neueren ©pradjen errichtet. Plan liegt mol)t über englifdje unb italieuifche Siteratur, aber nid)t überall auf ©runblage beS Originaltextes. SBiirbe baS ©hmnafium feine lufgabe als Vorbereitung gunt UnioerfitatSflubium aud) in biefer Vegiehung erfüllen, bann Bunte auf ber Unioerfität auf h«djft erfprießlidje SSSeife bie neuere Philologie gefBrbert merben. Iber bie 3 e ‘t? bie Seprlräfte? bie ©efapr ber 3e*fhlitierung, ber 3 er f°^ ren ^ e it ber ©tubien? ®arauf ermibern mir, baß bei ©dfiilern, meld)e fdjon feit ihrem 8 . Staticnifdje ©pradje. 721 HebenSfalwe Hatein unb feit bem 11. ©riedfifd) lernen, unb überdies, bei ben be= fleljenben SBerfyältniffen, aud; fdjon feit 3al;ren bie fraitj'öfifdje ©pradje treiben, baS ©tubium ber englifdjen ober italienifdjen ©pradje geringe grammatifalifdje ©djwierig* feit bietet. SDian braudjt fa bie ©rammatif als SBiffenfdjaft nid)t melfr mit ber ©pradfe ju erlernen, man barf fidj ja nur bie äußeren gormen einprägen, eine correcte 2luS= fpradje ju eigen madjen. ©er ©pradjförper felbft ift leidjt faßlid), beim Snglifdfen wegen feiner SBerwanbtfdjaft mit bem Seutfdjen unb bem granjofifdfen, beim 3 talieni= fdjen wegen feines lateinifdjen UrfprungS unb feiner fran^öfifdfen gärbung. SJiit jwei wodjeutlidfen ©tunben tommt man in brei 3al)ren ju einem fixeren SßerftänbniS ber englifdjen Literatur unb baß ber Unterridjt in ber italienifdfen ©pradje um fo rafdjer unb fidjerer corwärtS fdfreiten fann, |e tüdftiger ber ©dritter im Sateinifdjen ift, bebarf, wie fiödflp betnerft, Seines SBeroeifeS. 3n jwei Sauren fann ber ©djiiier audf bie ita= tienifdfe ©prad;e bewältigen unb bei fortgefefsten weiteren ißricatftubien gelangt er fidjerlidj jum ßiele feines ©trebenS — junt Coden ©enuffe ber refpecticen Siteratur. 2 ludf ift er bann jum ©predjenlerneit gehörig corbereitet, falls iljm bie ©elegenfeit geboten wirb, Gnglanb ober Stalien ju bereifen. 3 el 1^' tterun 3 111,13 3 er f al ) ren ^ elt fann ber ißäbagog aber con feinem, wenn audf nod) fo geteilten ©tubium befürdjten, baS mit ben anberen ©tubien baSfelbe 3^1 — baS beS ibealen Humanismus — oerfolgt; eS ift elfer eine ©tärfung, eine SluSWeitung, eine gefteigerte (älafticität beS ®eifteS. Unb bie Seljrfräfte? 9iun, eS wirb eben batb ißflidjt beS ©taateS werben, audj für bie neuere ißpilologie fidf eine eigene ißflanjfdjule anjulegen. 2 ßenn ber ©taat ange= fangen bat, Sieallefyrer nad; granfreidf unb Sngtanb mit genügenben ©tipenbien ju fdfiden, fo wirb er Wobl SOiittel unb 2Bege finbeit, um audf tüdjtige italieitifdfe Sehr* fräfte ju gewinnen. UeberbieS ift jum ©tubium ber italienifc^en ©pradje niemanb beffer corbereitet als ber Slltpfyilologe. 2 lud) auf bie ©efabr I^irt, eine 3 eitfaug burdj bie italienifdje ©pntap an ber lateinifc^en ftufdg 3 “ werben, wirb ibm bie lateinifdje ©pradje felbft lebenbiger, frifdfer unb anjiepenber erfdfeinen. Söera fönnte biefe ©pradfe nod) für eine „tobte" gelten, wenn er ben italienifcben ©djiffer auf fturmgepeitfc^ter ©ce beten ceruimmt: In mare irato, in subita procella Inyoco Te, nostra benigna stella ober ben italienifdfen 3 et ^ er auSrufen f)Brt: In vite vital ©tefyt nun bie italienifdfe ©pradje für bie 3 ae ^ e beS Humanismus mit ber franjöfifdjen ntinbeftenS auf gteidfer ©tufe, fo barf fie aud) in formeller unb bloß praftifd/er SBejieljung ben S3ergleidf nid)t fdjeuen. 3n ber gormenlefyre ift fie einfadjer als bie franjöfifc^e, bod) nod) fleyionSreid) genug, um baS ©tubium ber Slerba unb ben ©ebraucf) ber Pronomina ebenfo fdjwierig 3 U madjen. ®ie ©ßntaj: i|f fo äiemlid) ber franjofifdfen gleidf, für bie Consecutio temporum, baS $articipial= Regime ber Sielatice, ben ©ebraud) beS Defini unb Sonjunctic gelten faft biefelben Siegeln. Siur ber ©a^bau ift fdjwieriger, er nähert fidf in ber älteren Literatur rnelfr bem lateinifdjen, fo baß eine gute italienifdje Ueberfefjung beS ©acituS ober (Xicero eine ©tiltreue erjielt, Weldfe feine anbere moberne ©pracpe einjupalten cermag. ®ie große greipeit ber Sncerfion unb ber logifdfen ©rupßirung, fowofyl ber einjelnen ©fjeite eines SiebegliebeS, als auc^ ber ©lieber eines ©afceS unb ber ©äfce einer ißeriobe, bie, ebenfalls con feiner anberen mobernen ©ßradje ermöglidjte SEliannigfaltigfeit unc S3i- rilität ber romifdfen ißarticipialconftruction, giebt ber italienifdjen ©ßradfe eine Sraft ber 23erebtfamfeit, ber logifdjen ©c^ärfe unb beS bid)terifdten ©djWungeS, weldje nad)* äualfmen bie beutfd^e ©pradje beinal/e ju ft^werfäUig ift. ®ie SluSfprac^e ift nidjt fdjwer, ba jeber ffiudjftabe feinen beftimmten 2 Bert£j l)at, ben er nie cerliert, weswegen aud) fein 23ud;ftabe ftumm bleiben fann wie im frangöfifc^en ober englifdjen. 9iur in ber ifJoefie, in toeldjer nidjt auf bie Hänge unb Äürje ber ©blben, fonbern bloß auf ifire 3al)l unb ben burdf bie Siegeln ber ^rofobie beftimmten ©onfall Siüdft^t genom» tuen wirb, wirb eine SSerfi^meljung ber SSocale möglid), was bent Slnfänger einige tßäöafl. (SncoElcpäCie. III. 46 722 ^talienifdjc ©pradjc. ©dfwierigfeiteu Berurfadjt; fo fann 3 . 33. ber verso endecasillabo — baS gewöhnliche SDietrum ber itatienifdjen Sßoefte — auS 18 Selben tefteljen, unb muß bod) als llfptbiger 23erS gelegen Werben, j. 23. ber 18ft)lbige 23erS beS Petrarca: Rende agli occbj, agli orecehj il proprio obbietto Wirb dd llfplbiger gelefett: Ren | de a | gli oc | chj a | gli 0 | rec | chj il | pro | prio ob | biet | to. 23efannt ift ber 2Bcl)lflang ber italienifdjen ©prad)e, ergeugt burd) baS über» wiegenbe §eroortreten ber SSofate in ber ©tjlbenga^I, burd) ben 2$ocaIfd)luß aller SBörter (mit SluSnahme einiger grembwörter), burd) bie hörbare Saennung ber Soppellabialen b-b, p-p, burd) bie 9?ermeibitng ber afpirirten nnb gutturalen Laute. ©elbft baS längfte 2Bort bleibt Wol)ltautenb — misericordiosissimamente pat 11 2$ocale bei 13 Sonfonanten, Wir ®eutfd)e haben SBörter mit 13 Sonfonanten unb nur 4 23ocaIen, ex. grat. ©trumpftriderSfrau. 2BaS bie 90t etlj obif beS italienifdjen Unterrichtes betrifft, fo muß ftd) biefe, Biel» leid)t met;r als bei ber frangöfifdjen unb englifdjen nach bern unmittelbaren 3 'Bede ber ©djule ridjten. 2ln ©pmnafien wirb bie 50cethobiI ganj Berfdjieben fein müßen öon ber für realiftifdje Slnftalten anwenbbaren. gür ^>vaftifd)e 3 *wde wag irgcnb eine ber neueren med)anifdjen ©pradjmethoben bienen. 2 lljn unb Dttenborff haben tängft ihr atteinfeligmadjenbeS ©pfteut aud) auf bie italienifdje ©pradje übergetragen, aud) giebt eS 33üdjer genug, bie unter bem tarnen „®er berebte Staliener", „Parlate voi Italiano?“ unb bie „Kunft, in 16 ©tunben italeuifd) ju lernen," ben Leprer jur 33c= quemlidjfeit unb ben ©d)üler jum ^apagaientpum Berurtheilen. gür 2 lnftalten, weiche pumaniftifdje 3 wede berfotgen, fann für bie italienifdie ©pradje feine anbere ttJietpobe förberlid) Werben, als bie ftreng wiffenfdjaftlidje, unb in ©tjmnafien jumal bie latein» italienifch Bergleidjeube. — Sine Wiffenfdjaftlidje Kenntnis ber italienifdjen ©rammatif ift für ben Lefer ber alteren unb neueren italienifdjen Literatur ebenfo unentbehrlich, als bie grammatifche Kenntnis ber lateinifdjen unb griedjifd;en ©pradje für baS SBerftänbniS biefer Literaturen. ®ie italienifdie ©pntap muß ftreng ftubiert Werben, wenn man ®ante unb Slriofto, ^Boccaccio unb $D?acdjiaBetti Berftepen Witt. SS ift bcShnlb natür= lid) nothWenbig, baß ber italienifdje Lehrer aud) ein guter Lateiner fei ober wenigftenS gewefen fei. SBeuit eS eine Süjatfadje ift, baß nur berjenige ein guter, wiffenfdjaftlidjer Lehrer einer neueren ©pradje fein fann, ber aud) bie alte < eßl)ilolcgte ftubiert hat, fo tritt biefe SfothWenbigfeit bei ber italienifdjen nod) mehr in ben 25orbergrunb. 3 '°ar fehlt eS nod) an einer ©rammatif, in welcher — wie eS ÜDiäßner fiir’S granjöfifdje Berfudjt hat — eine parallele jwifdjen italieuifdjer unb lateinifdjer ©pntap gezogen wirb, allein fffernoW hat in feiner Bortrefflidjen italienifdjen ©rammatif biefe Sprache Icingft auf eine Wiffenfd)aff(id)e 23aftS gefteflt, unb SBarBeri unb 23alentini bieten auch reid)tid)en ©toff baju. Leiber haben bie in SBien wirfeuben ©rammatifer fyornafari unb gilippi— weld)e fojnfagen baS üftonopol ber italienifdjen äftetpobif in ben öfter» reid)ifd)en ©taaten befipen unb baSfelbe aud) bem übrigen ®eutfdjlanb auferlegt haben — attju oberfladjlidje Arbeiten geliefert, fo baß bie neueren befferen ©rammatifer Wie grüpauf, SJoBotnt), SBiggcrS, IDiithe hatten, baneben aufgufemmeu. ®a febod) baS 23ebürfniS ftetS aud) bie SDfittel erzeugt, fo wirb, Wenn nur einmal bie italienifdje ©pradje fid) an unferen gelehrten ©djulcn 23apit gebrodjen hat, eS aud) an wijfenfdjaft» lidjen Lehrern unb Lehrbüchern nidjt fehlen. Unb baß fie 23aljn brechen wirb, bejweif» len Wir nidjt. ®eutfdjlanb Wirb halb in größeren 23erfepr mit Stalien fommeit. ©d)on berühren beiberfcitS bie ©djienenwege ben guß ber 2llpcu, halb Wirb aud) biefe große ©djranfe ber 9?atur burd)brod)en Werben, nicht nur wirb ber beutfd)e Ipanbel wieber bem mittellänbifdjen SJieer entgegenftreben, nid)t nur Wirt» bie Slouriftenwelt audj baS halb Bon Sifenbahnne^en bitrdjWobene 3talien curd)jiel)en, fonbern eS wirb auch ber bis fe(3t Berfdjloffeite bud)l)änblerifd)e 2?erfel)r fid) gegenfeitig anfnüpfen unb eS wirb in feinem ©efolge bie italienifdie ©prad)e unb Literatur and) bei unS jur ©el» Staltentfäjc ©ptacbe. 723 tung fonttnen. 93i8 babitt wirb bie itatienifcbe ©pradje allerbingS l;auptfät^lid) einen prattifdjen 2Bertt> für unfere ©cbule bdben müjfen. ©iefeS ift aber felbft jetjt für jeben ©ebilbeten unberlemtbar, wäre e§ nur Wegen ber SluSfpradfe ber ©igennamen. 3eber 3eitung8tefer, jeber ©eograplpelebrer, foHte Wtffen, baff man Ricasoli, Cattaro, Cagliari, Cösara, Sassaro, Brindisi, Pavla auSfpridjt, baff in ber SRufif ein Scherzo lein ©dtergo fonbern ©fergo unb Crescendo ein frefdjenbo unb lein IreSgettbo iß, unb baff ber ©omponift §affe Bon ben Stalienern il caro Sassone ber tpeure ©ad)fe unb nid)t il caro Sassone ber tpeure ©teinbtoef genannt würbe. Obige ©arfteHung ift uns eingegeben Bon ber Uebergeugung, baff bei ber rafcffeit ©ntwicttung be« -UiaterialiSmuS, in ben3eiten ber 2öelten= unb -Kationen Berbinbenben ©ampffraft, nur burd) eine innige SSerbiubung ber alten unb neuen fßfjU lologie bie 5DJenfd)I)eit benfenigen ibealen .fpumaniSmuS bewahren lann, weldjer allein ben notljwenbigen ©d;u(3 gegen ben finnlidjen fötaterialiSmuS unb ben ifnn fd;neH nad;= folgenben 3uftanb beS 93erfaÜS aller Isolieren ©ultur bieten faitn. ©arurn möge bie fßäbagogif aud) baS ©tubium ber italienifc^en ©prad;e nuferer Sugenb gönnen unb fte als bie britte im 93unbe ber neueren ©pradfen aufnepmen. Literatur. 1) @efd)id;te ber Stalienif d; en Sit er atur. Tiraboschi, Storia della Litteratura Italiana, 14 Vol. — Creseimboni, Storia della Volgar poesia, 6 Yol. — Quadrio, Storia della poesia. — Maffei (Giuseppe), Storia della Litteratura Italiana. 2 Yol. — Ranalli, Ammaestramenti di Litteratura. 3 Yol. (Sin Borgiiglid)e§ SÜSerf.) — Nannucei, Manuale della Letteratura del primo seeolo della lingua italiana. 2 Yol. — Ferrucci, I primi quattro secoli della Litteratura italiana (XIII—XYI See.) 2 Yol. — Guidici, Storia della btter. ital. 2 Yol. 1855. — Ginguene, Histoire litteraire d’Italie, fortgefejgt öon Salb. 19 Bde. — Sismondi, De la litterature du midi de l’Europe. — 93 o u t e r* Wef, @efcfiid)te ber ffSoefte unb 93erebtfamleit, 93b. 1 unb 2. Stalien. Siter. — Kutl;, ©efd)idite ber ital. fßoefie, 2 93be. (1844—47.) — Slbolf 9Bolf, ©ie italienifd)e Kationatliteratnr tn ihrer gefdpdplidjen Sntwidtung. ^Berlin 1860 (ein fefyr brande bareS ^anbbudf). — Dunlop, The History of Fiction. Sbinb. 1814. (Keuere 9lu8= gaben. 93efyanbelt bie @efd)id)te ber italien. KoBeHiftif eingebenb. ©eutfd) Bonfjelip ?iebrcd)t. 93erlin 1854.) ©d;ä£bare Slbbanblmtgen über Stalien. Literatur finben fid; in KeumontS 93ei= trägen gur Stalien. ©efdjicbte, ben ©ffapS Bon Sorb Sftacaulap, Sorb SeffricS unb fßreS* cott, fowie in ben £iteratitrgefd)id)ten be§ fDxittetalterS Bon ^attani unb 93erington. ffiertbooKe 93iograpI;ieen greffer©idjter finb: CesareBalbo, LaYita diDante; gernoW, baS 9eben SIrioftS; Serassi, Yita di Torquato Tasso; unb 9Ilfieri, 9tutobio= gvaptjie — Copping, Liyes and Adventures of Alfieri and Goldoni. gür bie ®efd)ianbbuanbbud) ber italien. Siter., Sötarburg 1853; 3 a >^ boni, italien. 9Intbologie, 9Bien 1861, (djronolog. georbnet, bod) eher ©preftomatbie gu nennen, ba ber poetifc^e ©beit nur einige ©eiten einnimmt); Studio Italiano, ober 3tatien. ©breftomatbte für ben ©djub unb fßriöatgebraudj, Bon bem 93crfaffer biefeS 9lrtitel8, 2. Stuft, ©tuttgart 1855. ©pradjleb ren: 3118 wiffenfd^aftlicbe 9Berle finb gu nennen: fyernow, italienifdje ©pradflebre für ©eutfdje, 2 ©beile, 3. Slufl., ©tuttg. ©otta, 1829, (bie befte unb auSfübrlid;fte unter ben Bon ©eutfdjen oerfajften. SKorife (Äarl fPb^Of Stalien. ©pracblebre, ^Berlin 1791, (gernoW nennt fte „eine ©tigge Bon üßeifterbanb auSgefübrt.") 724 Statienifdjc ©pradjc. Barberi, Grammaire des Grammaires Italieimes, 3 vol., Paris 1819, (eirteS ber bor= jüglid)ften ttjeoret. SBerfe, unb ungemein reidj an claffifdjen BelcgfteHen; leitoer ftnb bie Uebungbftiicfe nad) fpamilton’fdiem ©latente eingerichtet.) — Balentini, neue tfyeoret. praftifcfye Italien, ©rammatif. 2 Steile, Berlin 1842, (ein mit logifdjer ©djärfe bear= beiteteS, .beifßielreidjeö, oortrefflidjeS Bud); megen mehrerer berher 2luSbrücfe in ben ttebungSftücfen für 3)ameninftitute jeboch nicht geeignet.) — üftoöotnt), Setyrhud) bev italien. ©pradjwiffenfdjaft jurn ©ehraneße an ®t)mnafien unb Uniberfitäten, 3nn8brud 1850. (2Bemt aud) bent SÜitel nidft boüftänbig entfpredjenb, ift biefeS Bud) bod) eine bet befferen ©rammatifen für bie gelehrte ©diule.) — 323iggerS, (3ulian unb2fto= rifc), Statien. ©rammatif, Seidig 1859, (nidjt fo borjüglid) wie bie fpanifd)e @ram= matif be§ einen BruberS, aber bod) ein ernpfel)lung 8 mertf)e§ fpiilfSbud).) Unter bcr Kaffe bon Sefyrbüdjeru, bie eine bloß praftifdje 9(id)tung berfolgeu, finb ju nennen: Fornasari-Yerce 5talienifd>e ©ßrad)lel)re, SBien, (in mefjr alb 30 Auflagen, unb in jwei berfd)iebenett Bearbeitungen, bon beneit bie eine meljr tl)eore= tifd), bie anbere mehr praftifd) fein fett, ausgegeben. 2 )ie UebungSftücfe über bie Berba unb bie eigentliche ©tyntaj finb im Bergleid) ju benen über bie anbernfüebetljeite außerft bürftig, unb burd) bie a linea Bocabein arbeitet bcr ©djüler biefelbe ganj mecbanifd) aus.) Silippi, Stal. ©prad)lel)re, SBien. (®ie neueren Bearbeitungen folgen ganj bem 21 l)n=DHenborff’fd)en ©pfteme.) — fjrüljauf, furjgefaßte itai. ©prad)lel)re, fpei= belb. 1834, (ein red)t praftifdfeS {(eines ©djulbudj.) — Kuffafia, Stal, ©prad)lef)re, SBien 1860. gilt beit Sekret finb fotgenbe für bie ©djulen StalieitS berfaßte ©prad)lel)rbüd)er ju empfehlen: Calessi, Grammatica ragionata della linguaitaliana. Firenze 1855. Puoti Basilio, Grammatica della lingua italiana. Torino 1860. — Luigi De- latre, Teorica di Yerbi italiani, Firenze 1859. — Vineenzio Nannucci, Ana- lisi critiea dei yerbi italiani, Firenze 1858. — Filippo Ugolini, Yocabola- rio di parole e modi errati, Torino 1854. — Pietro Fanfani, Yooabolario di retta pronunzia italiana, Firenze 1859. — Prospero Yiani, Dizionario di pretesi Franoesismi, Firenze. — Gius. Grassi, Saggio intorno ai Sinonimi della lingua italiana, Firenze.—Puoti Basilio, L’Arte di scrivere in prosaper esempii e per teoriehe. 2Börterbüd)er: SDaS große SBBrterbud) ber Academia della Crusoa ju glorenj, weld)e§ in feinen früheren 3lu8gabeit fid) ftreng an bie Slafficität ber Sin= quecentiften ()ielt, erfd)eint gegenwärtig in neuer, leiber fef)r langfam fortfdjreitenber SluSgabe, Wefexttlich umgearbeitet unb erweitert, inbetn ed fegt aud) ba§ lombarbo=oene= tianifdje Sbiom, ba§ burd) -Konti unb Kanjoni jur ©djriftfpradje erhoben würbe, be= rüdfid)tigt. Sine Bearbeitung biefeS SMjiouario für ®eutfd)e Ware feljr ju wünfd)en, ba baS große italien.=bentfd)e unb beutfd) = italien. SBörterbnd) oon Balem tini, (Berlin 1831) jwar bei feinem Srfd)einen als baS borjilglidjfte unb iuljaltreidjfte gelten tonnte, aber feine neuere 2lu8gabe beleihen bie Bereicherung bcr ©prad)e in ben brei lebten Salfrjeljnten für ben ©tubierenben berwertpen burfte. 3)ie Heineren Sßörterbüdjer oon Äaltfdjmitt unb 323 eber, foWie ber 2lu8jug auS Balentini befriebigen nur bie ülnforberungett an ein £afd)enwörterbud). *) Snbwig Gantter. *) Sir glauben, in 9iiicfftd)t auf bie bebeutungSboffe Seit, in welcher biefer SIrtifel erfcheint, obigem berebtem Blaiboher, obgleich Wir ihm in bab ©ebiet bcr Sufunftspäbagogif nicht folgen fünnen, ben Staunt nicht berfagen 311 biirfen. Sir mäßen jebocO auäbrilcftich erfläreit, baß wir unfererfeit« in biJUiger Uebereiuftimmung mit ber oben angeführten ©teile aus bem SIrtifel „©bmnajtunt" troh $hoIftein ftamntenben Familie geboren, war er bereitd ald ffinb bon brei Sauren mutterlod. Unter befdfränften äußern 33ert)ältniffen heranwadfenb, fah er fid), obwohl eine ©roßmutter unb eine Stiefmutter bie fefytenbe SKutter* treue gu erfefgen fudfen, bod) ßorgugdweife auf ben 33ater angewiefen, ber atd 2lbbocat nod) 3 c ‘i genug fanb, ih n unb einen altern 23ruber in bie (Elemente bed SQSiffend ein* gitfül;ren. 2lld bann ber unbollfoinmene Unterridf eined fSribatlehrerd eingetreten war, ergangte ber gewedte tnabe burdj Seetüre bon (Didjteru unb 9?eifebefd)reibungen — jene ahmte er batb nad), aud biefen bilbete er fiel) 2ludgüge — bie bom Selber gelaffenett Süden. Später bon ÄaltWaffer, bem Ueberfeiger bed fßlutard), im ©ried)ifd)en unter* riditet, fam er, obwohl and) biefer Unterridit nid)t gerabe ein anregenber War, bod) fd)on gu bem ©efülfe, baß nad) biefer Seite eine 233elt boit SdjBnljeit bor ilpu fid) auft^uit tonne. 3m 3al)r 1777 trat er in bad ©tymnafium ber SSaterftabt ein, bad bamald ber Rector ©eißter, ein Spüler (Ernefti’d, gu neuer 931iite gebradjt hatte, wenn aud; im eingelnen nod) bieled mangelhaft geblieben War.’ Stld 1779 ber trefflid)e Stroth bie Seituug ber Sd)ule übernahm, War Sacobd bereitd Sdjüler ber fSrima, unb ein tiidj* tiger Sdjitler. 0bWot)l erft 15 3ahre att unb mit geringen fgülfdmiiteln audgerüftet, fudjte er in bie homerifdfen ©efange, in bie fragiler, ja in fßinbard £)ben ftd) eingu* arbeiten; baneben ftubirte er, bon glüdtidjem Snftincte geleitet, Seffingd Saoloon unb SSindelntannd ©efd)id)te ber Äunft. ®aß er auf gutem äBege fei, geigte eine 9?ebe „über bie eble (Einfalt ber ©riedjen", bie er bei einer Sdjulfeierlidfeit hielt unb aud) Bom Stector mit großer Slnertennung aufgenommen fah- 50?ü 17 Satiren in bad Wiifte Stu* bententeben gu 3ena berfe^t (9Jfid>. 1781), fjielt er fid) in inniger greunbfdjaftdöerbin* bung mit ältanfo über bad ©emeine empor unb fanb, Währenb ©riedbad) il)n noch bei bem erwählten Stubium ber SS^ecIogie feftt)ielt, in Sd)üfg gugleid) einen tüd)tigen Führer auf ben Sahnen I; uni a nt ft if cf) er Stubien. 9?ad)bem er fobann ben SBinter 1783—84 im Saterhaufe gang ber S3efd)äftigung mit ben gried)ifd)en Slaffifern gewibmet hatte, gieng er nach ©öttingen, um unter ffepne’d Seitnug böHig ber s f3t>iIoIogte fid) h' n 3 u= geben, bon weldjer bod) ber umfidjtige SReifter ihn eher abgumahnen fd)ien. Slber halb hatte er, namentlid) aud) ald Sffiitglieb bed pl)ilologifd)en ©entinard, bad gange Sertrauen fjepne’d gewonnen, ber ihm nun auch bid gu feinem Siebe bad herglidfte 2Bol)lwoIIen bewahrte unb mit il)m in engem 23riefwed)fel blieb. Sacobd Wibmete bem berel)rten Sefjrer feinen elften fritifdhen 33erfud) (Specimen emendationum 1786) unb unterftüfgte befdjränft, als baß man ihm regelmäßig unb obtigatorifd) mehr als ©ine moberne Sprache gu* muthen tonnte, boraudgefebt, baß er ftd) wirflid) clafftfdje SBitbung erwerben foll. Sie 33eftim* mitng eined Sebrpland bangt nicht bon ber grage ab: wad ift WiffendWiirbig? fonbern bon bet anbern: wad ift nach ber gefd)id)tlicben ©ntwidlung unfered ÜSolfed geeignet, ben Schülern bad nationale Silbuugdgut gu übermitteln, unb Wad bermag ber Änabe unb Säugling nach pfpcho* logifchen unb ©rfalwungdgefeben neben ben ©entralfäd)ern in ber gegebenen 3eit noch in fiep auf» gunehmen unb gu berarbeiten? fRealgpmnafien mBgen nothwenbig Werben, aber auch bie @pm» naften werben nothwenbig bleiben, itnb bie Seiter berfelben werben fte in Hebereinftimmung mit einem beaeptendwerthen Speit bed ißublicumd babor gu bewabren Wiffen, baß fie nicht ob bem Streben uad) aUgit bielerlei Singen, bie an fidp ftpön unb gut Wären, ipr fiauptgiel befehlen. S. IReb. 726 3aco5§. iljn eine 3 eit(an 8 ^ ei ben ^Iröetteit für bie §oiiter=3luSgabe. ©on fpepne mtterftüfet, gab er etmaS f^äter ben Sjeijeö heraus (Seidig 1793, 3 ©be.). 9?od) nid)t 21 Sabre alt, fab er fid> alb Se^rer an baS @t)mnafium in @otl)a flurüdgerufen (Slug. 1785). Sinnier entfdjiebener lebte er ftd) jefct in baS Slltert^um ein „al§ eine gefdjloffene ©Mt beS Steiften unb ©fünften, maS ber menfd)lid)e ©cift unter ben giinftigften Utuftäiibcn mit jngenblid)er Äraft unb männlicher ©trenge gebilbet, als eine ©Mt ber fUatur unb Äunft, in metdjer ftd) alles, maS baS menfdjlidje ©emütlj ergeben, reinigen unb befruchten fann, in ben mannigfaltigften unb öoüenbetften @e= ftalten offenbart 1 ' (©erutifdjte ©djriften I. ©. 119). ©Sie er nun aber als einen be= fonbern ©orgug ber großen Sitten bies erfannte, baß jeher in flarer ©elbftbefdjränfung innerhalb beS ÄreifeS fid) tjielt, auf melden er burd) befonbere SlnSrüftung angemiefen War, fo batte er felbft auf bem reid)en ©ebiete ber ^umauitätsftubien fidj einen engern ÄreiS gezogen unb feine iöiffenfdjaftlidje £l;atig!eit jenen fpätern Srjeugniffen ber grie= djifdjen Literatur flugetoanbt, in benen entmeber ber geiftreidje ©Mb unb bie natürliche ©raflie ber @ried>eit in engfter ©egrenjung fid) manifeftirt ober bie finnreidje Slneig= nung unb 9?ad)bitbung beS oon ben ebelften SDtuftern ©argebotenen fic^ erfennen laßt, ©o entftanben feine SluSgabe ber Anthologia Graeca s. Poetarum Graecorum lusus (Lips. 1794, 4 ©äube) mit ben reidjbaltigen Animadversion.es in Epigrammata An- thol. Gr. (Lips. 1798—1814, 8 ©be.), unb bie SluSgabe ber Anthologia Gr. ad fidem Codicis Palatini ex Apographo Gothano (Lips. 1813—17), Slrbeiten, mit benen auf biefem Q'etbe ber Literatur für längere 3 eit ein befriebigenber Slbfdjluß erreicht fein möd)te. 3n engem 3ufanunenbange bamit aber ftanben mieber bie SluSgabe beS 3ld)itteS SlatiuS (fleipj. 1821, 2 ©be.) unb ber Imagines ber beben ©IjitoftratuS (Seipfl. 1825), bei njeldjer le( 3 tertt Slrbeit ©Mder namentlid) für bie ard)äologifd;e Srflärung feilt @e= l;iilfe bar. Slud) bie für ©djneiber übernommene ©ollenbung Oon SlelianS Historia animalium (3ena 1832) gieng j. $1;. auS ben auf bie gried)ifd)e Slnt^ologie gerid)teten ©tubien betmor. Um hier gleid) bie eigentlich f>b)itologifd)en Seiftungen beS raftloS tf)ä= tigen ©tanneS jufamnteitflufaffen, ermähnen mir nod) bie Leetiones Stobenses (1822) unb bie an ÜDöringS SluSgabe beS §oraj fid) anfdjließenben Leetiones Venusinae (im 9it) e tnifd)en SDfufeunt 1827 f.). ©Mdte ©erbienfte er fid) burd) bie mit 9ioft unternom» menen Bibliotheca Graeca aud) um bie pljilotogifdje ©3iffenfd)aft ermorben bah braud)t nur angebeutet 31 t merben. Sr felbft bearbeitete für biefelbe ben Delectus epigram- matum Graecorum (1826). Slber bie Srmäbnung ber Bibi. gr. leitet uns ganfl ungefnd)t 3 U bem hinüber, maS SacobS für bie ©djule getban bat; beim ber ©d)ule foHte fie ja 3 unäd)ft bienen, unb gemiß bat fie febr oiel baflu beigetragen, bie gried)ifd)en ©djulftubien 311 förbern. Um biefe aber bat fid; 3. aud) fonft bleibenbe ©erbienfte ermorben. 3 ucr ft fdjon burd) ^aS, maS er in langjähriger Sebrermirlfamfeit getban bat. gaft nod) ein Süngling, als er 1785 am @t)mnaftum in ©oUja angeftellt mürbe, gemann er bod) rafd) bie 3 U rechtem SBirleit erforberlidje Slnerfeitnung. Sr fanb bie Sel)rer feiner 3ugcnb, Äaltmaffer unb ©aKetti, mieber; ber 9fector 3)öring, anfangs flurüdbalteuber, mürbe aUmäblid) fein greunb; ber ©tatbematifer ÄrieS mürbe il)m, mie er banfbar anerfannte, einen ©ruber erfe( 3 t haben; befonberS nabe ftanb feinem ;perlen SDianfo. 3n fo begtüdenber ©erbin= bung mitrbe ihm auch baS Selben eine ftete greube. SluS ootlem fersen finb jene ©Sorte geftoffen, mit benen er oon ©otba Slbfd)ieb nahm (oermifd)te ©djrifteit I. ©. 93): ,,3d) betl)eitrc, baß, menit id) nod) öfters einen ©tanb 3 U mähten hätte, feines auberu ©laitfl mid) oerfiif)ren mürbe, ihn biefem — unter allen bem glüdlid)ften — Oorflu 3 iebn. ©ber giebt eS etmaS erfreitlidjereS als bie ununterbrod)etie ©efd)äftigung mit ber ©lüte ber St'ünfte unb ©3iffenfd)aften, mie fie in ben fd)önften 3etten, hon ben ebelften ©tenfd)en, unter ben rnl)mooHfteit unb geiftreid)ften ©eifern gepflegt morben? ober märe ein mürbigereS ©efdjäft 311 benfen, als ben ©init für baS Sbelfte unb ©djönfte, maS ficb tm menfd)lid)eu ©eifte geftaltet bat, anbern 3 U öffnen unb bie SacobS. 727 empfänglidjen (Seelen einer uttoerborbenen Sugettb mit beS SllterthumS ©rüße unb f?ol)eit ju nähren? Sein @efd)äft ift flugleid) einfacher unb mannigfaltiger, feines belotynenber an fid) unb in feinen folgen. £>ier bebarf eS feiner Oerfdjlagenen 333eltflugt)eit, feiner Iaufdjettbcn 33orfid)t, feiner heud)elttben galfd)l)eit; feine ber Sünfte beS SBeltlebenS um* lagert btefe ©etttädjer, in benen eine offeuherjige Sitgenb, entfernt non aller SJerWor* renljcit ber Serljältniffe, weldje Diang, ©tanb unb Vermögen in baS Heben bringt, burd) einen geraben, offenen unb freien ©inn aut leic^teften gelenft uttb am fid) erftett gewonnen »irb. 2Bo feimett leid)ter itt uns ©ebanfen auf, als ba, ioo feiner oerlorett gel)t? wo belebt fid) unfre ©hätigfeit mehr, als ba, too fie beit Slttftoß flu ber ntannigfadjften Stegfamfeit giebt? too blüht erl)eiternbe ffireube leid)ter auf, als ba, too bie Gerate fo nah unb fo fid)tbar auf bieStuSfaat folgt?" Gcittent Hehrer, ber feine Aufgabe in fold)ent Sinne faßte, fonnte eS aud) nid)t an trefflichen ©d)filern fehlen. Unter ben ^mmaniften aber, bie er gebübet tat, finb DButtberlid), ber im freubigfteit Slufftrebeit einem fdjneßen Sobe erlag (1816), uttb fßaffow, ber ju l)öl)erem 9iul)ute ben SSSeg fanb, aber ebenfalls oor ber 3 e *t baf)itt ftarb (1833), bie bebeuteubfteit. SBie fpaffow feinen Hehrer flu @otl)a fd)ä( 3 te, tat er aud) baburd) betoiefen, baß er if)m uttb ©ottfrieb ^ermantt fein ^anbwörterbudj ber gried)ifd)en ©pradje ungeeignet I;at. 2Bie hatte nun 3acobS nidjt geneigt feilt foßen, aud) für bie uäd)ften 3mecfe beS Unterrid)tS als ©d)riftftefler ju arbeiten! ©ein gried)ifd)eS Slementarbud), beffett elfter Steil im 3. 1805 erfd)ien, baS aber nad) uttb ttad) flu oier£l) e 'len fid) ertoeiterte unb eilte Dieihe oon Slitflagett erlebte, gieng unmittelbar aus ber ©djulprapiS h el ' ö °r; es tat in weitem Utttfreife ben gried)ifd)ett Uuterrid)t ber ©hntnafien toefentlid) geförbert unb l)ie unb ba, unter ftetS toadjfenber Eoncurrenfl, fid) betäubtet. ©d)on aber hatte fid) toieberholt bie Slufmerffamfeit auStoärtiger ©d)ulbel)crben auf ihn gelenft; man hatte il)tt 1797 nad) Dtternborf (int Haube fabeln) unb nad) ©Ibenburg, 1803 an ein @i)iitna= fiunt ju SSerliit ju fliehen gefud)t, aud) bie Unioerfität Siel toar auf il)n aufnterffaiit getoorben. ®a er inbeS feine anfangs flieittlid) färglidje ©teßutig 1802 baburd) oerbejjert gefel;en hatte, baß il)tn eilt Slmt an ber herfloglidjett 33ibliott)ef mit übertragen loorbett, fo toar er ber 33aterftabt treu geblieben. Gtrft 1807, als baS unter bem Sönige DJiapimiliait Sofepl) in neuen (Sntwidlungen fid) oerfttd)enbe 33at)ent il)tt einlub, riß er oon ©otha fid) loS, too bod) aud) bie perfönlidje 2lbt)ängigfeit Oon bent geiftreidjen, aber wuttber* lidjcit fperfloge Sluguft Gtmil, ber bei feinen Slnforberungen an ben gelehrten ©efeßfdjafter feiten Diiicffidit auf beffett ©d)ulpflid)ten nahm, aßmal)Iid) il)m läftig tottrbe. 3n 33at)ern nun fd)ien ein großer unb begliid'euber SBirfungSfreiS fid) ihm aufjittl)un. Slls 2 )iit= glieb ber bat)rifd)en Slfabetnie ber ÜBiffenfdjaften unb als Hehrer am St)ceum ju DJiün* d)ett hatte er eS als feilte Stufgabe attflufel)en, bett fpumanitätSftubien, bie itt 33at)ern früher ber 3efuitiSmu8 nod) niemals ju eigentlidjem @ebeil)en hatte fontmen laffett unb bie nod) in ber lebten 3 eit arg oernadjläßigt toorben toaren, einen toeiter unb tiefer gel)enben Gtinfluß 31 t oerfdjaffen. ®ie prädjtige Diebe, womit er (7. S)efl. 1807) feine Sßirffamfeit im Ht)ceunt begann, ließ erfettnen, baß er feine Slufgabe in ber toürbigften SBeife gefaßt habe uttb mit oofler Segeifterung burd)flttführen bereit toar; bie Diebe, bie er nicht lange nachher (28. SDiärfl 1808) in ber Slfabemie hielt, — „über bie Sr= fliel)ung ber ©riedjen jur ©ittlid)feit" — war ganj befonberS barauf beredjnet, ben griethifd)en ©tubien Sheitttal)tne flu gewinnen: baS SBerf eines fein gebilbeten ©eifteS, ber ein reid)eS DBiffen in ber ebelften fforut jur ®arfteßitng bringt unb, Wäl)= renb er überaß neue @efid)tSpuitcte eröffnet, nur baS att§ 3 ufpred)en fdjeint, waS aße felbft gefunbett haben fönnett. Sine fpäter gehaltene Diebe „über einen Slorflug ber ©ried)en in beut ©ebraudje ihrer DJinnbarten“ War flu jenen erftett eine oortrefflidje Ger= gänjung. GtS fdjien nun auch, als foflte für 3acobS aßeS nad) DBunfd) unb fßlan fialfte Ijerabfant. ®amit aber trat er für fein übrige« Seben au« ben Greifen ber S?eb>rertt)ätigfeit fyerau«, in wetdje itjn auch fpater ein erneuter Stuf nad) SSerlin unb bie etjrenootlfte Sintabung nad) ©öttingen (in bie burd) £jetjne’8 £ob ertebigte ©teile) nid^t gurücffüljren tonnten, ßu einer afabemi» fdjen SBirffamteit glaubte er bie crforberlidje Slu«rüftung nid)t gu traben, unb eine halb gunetjmenbe §artl;örigfeit ließ iljm gerabe bie ©tettung, welche bie frnlb feine« tpergog« iljm eröffnet tjatte, al« bie angemeffenfte erfcbeinen. Stud) al« ©djriftftetter ift er für bie ©d)ule feitbem, abgefetjen oon ber Bibliotheca Graeca, nur nod) burd) bie Steoifionen feiner Stementarbüd)er gu neuen Sluftagen unb burd) bie ^Bearbeitung ber „tateinifdjen S3tumenlefe" (2 Slbtfjeilungen), bie biefe Steilje üon Strbeiten abfdjließen unb a(g SSor= fdjitle gum ©tubium ber tateinifdjen SMdjter bienen fottte, tt)ätig gewefen. S« war aber ein fdjmergüdjer ©djtuß, baß eine ©teile in ber SSorrebe gur IBIumentefe at« eine D5er= ungtimßfung be« £etjrftanbe« gebeutet Würbe, bie ber Rumäne Serfaffer gewiß nid)t be» abfid)tigt tjatte, bei ber gweiten Sluftage aber, bie oießeidjt gerabe baburd) oergögert Worben war, gern befeitigte. SEßir Ijaben jebod) nod) Weiter gu betrad)ten, wie Jacob« bie £htmanität«ftubien aud) für Weitere Streife unb für allgemeine S3ilbung oerwerttjet fiat. 3)a fommen guerft bie mit ©djafs unb SDtanfo t;erau«gegebeuen „St)araftere ber Oorneljmften 2)id)ter alter Stationen" (1792 f., 7 Steile) in 33etradjt, in benen reidjljattige Dtad^träge gu ©utger« berüljmtem SBerfe gegeben Würben unb Jacob« felbft eine anerfennenöwerttje SSielfeitigfeit tunbgab. Sßidjtiger aber finb in biefem 3ufammenljange bie galjlreid^en lteberfefjungen, burd) Wetdje er aud) bem nidjt eigenttidj tiumaniftifd) ©ebitbeten SSerftänbni« unb ©e= nuß daffifdier SBerte gu üermittetn ftrebte. ®er lleberfe^ung be« 33eIIeju§ -Patercutu«, bie gugteiS einen apotogetifdjen ß^ect fiatte (1793), folgte nad) längerem 3b)ifS enraumc bie Üeberfefsung ber ißtjitifjfiifdjen Stehen be« ®emoftf)ene§ (1805), weldje bie ©emiitljer unter ben oon bem Stapoteonifdjen fffranfreidj anbrangenben ©efa^ren gu träftigem S3Siberftreben matmen unb oorbereiten fottte; War bod) in Staßoteon ein tptjitißß unb 5acobS. 729 Slleyanber gugteidj erftanben. 3m 3 u fanimenbange mit feinen Arbeiten für bie grie= djifdje 2lntljologie ftanb ber Serfudj, bie beften biefer „gterlidEjen ©ßiele ber griedjifdjen 9J!ufe" beutfd^ Wieberjugeben (jucrft 1803 unter bent Sitel „Sempe", in neuer unb er* weiterter ^Bearbeitung 1823). Sie jweite ^Bearbeitung ber ©emofthenifdjen ©taatSreben (mit berfftebe Bon berÄrcne), weldje 1833 erfdjien, barf als ein SOieifterftucf ber lieber» fepngSfunft unb ber tyiftorifdjen SluSlegung bejeidjnet Inerben; and) erhielt fie lebhafte Slnerfennung. 233aS er bann als Iteberfejser für SonguS, §eliobor unb $t)iIoftrat, für Sletian, für (Eicero getljan, wirb fdjon als nielgeftattiger ißeweiS für bie grifdje feines nereinfamenben ©reifenalterS ein 9?edjt auf 23eadjtung ljaben. — (Einen eigentljümlidjen (Eljaralter tragen feine pclitifcfjen ©djriften. Sie ©djladjt bei 21ufterli(j fjatte 3acob8 nic^t als eine ©djladjt non ©järonea genommen; audj nidjt bie Satafiropp non 3ena. ©elbft in Saprn, baS fo nöüig unter bie 9J?ad)t franjofifdjer ißolitif geftellt fdjien, gab er feine Hoffnungen nidjt auf. SUacfj ©oilja jurüdgefept, ließ er fid) burdj bie entfdjiebene Sorliebe feines H er S D 3d für Napoleon nidjt abljalten, in ben Sagen ber großen (Erhebung mit ganjer ©eele ber ©adje beS Skterlanbs fid) angufdjtießen, unb wäp'enb jWei feiner ©opte an bem Kampfe gegen %raufreidj tpilnapnen,— ben brüten hielt er mit SDJüp gurüd, — fanbte er ©djriften ebelfter iBegeifterung unb jugleidj einer im Umgänge mit ben großen Sitten gebilbeten SSefonnentjeit in baS SSaterlanb auS: „Slnrebe eines Springers an feine SanbSleute"; — „SeutfdjlanbS ©efapen unb Hoff* nungen, an ©ernmnienS 3ugenb"; — „©eutfdjlanbS ®pe, bem Stnbenfen ber in bem heiligen Äriege gegen ffrantreidj gefallenen ©eutfdjen geWibmet.' 1 (ES ftnb bieS ©djriften, bie für alle $eit als SDiujterftüde politifdjer SBerebtfamfeit gelten Werben. (Er ptte in feiner wiirbigeren 2lrt geigen fönnen, Wie bie HumanitätSftubien, redjt betrieben, eine jfreipit ber Slnfdjauungen, eine Äraft ber ©ebanfen, eine Sebenbigfeit beS ©trebenS, eine ffrifdje ber (Emßfinbung moglidj madjett, wie fie oielen faum aus reidjer unb »ielfeitiger (Erfahrung fommt. 2Ber bie »on Haß unb 23eradjtung überfirömenbe politifdje Siteratur fennt, weldje bamalS in ber ffreube beS ©iegeS ju Sage trat, ber wirb wie auf eine freiere §öp [{dj geftellt füllen, wenn er bie britte ber genannten ©djriften liest, „bie Bor allen Singen baju beitragen fotlte, baS discite justitiam moniti, nee temnere divos eingitfd^ärfen, ben aufftrebenben Uebcrmutfi nieberguplten unb bieS3lide ber ©ieger nadj ben Höpu ju ridjten, oon wo aller ©ieg unb jebeS ©tüd entfpingt." Son ebler SRannljaftigfeit jeugen audj bie in fep gefaplidjer 3 e it (1820) gefdjriebenen „23rucfjftüde über bie fforbcrungen ber 3eü-'' — (ES wäre wunberbar gewefen, wenn 3acobS, als unter ben DSadjwirfnngen beS großen ÄatpfeS, ber bie ©emütpr fo mädjtig auf baS (Ewige Ijingelenft ptte, bie bebeutfamflen religiöfen fragen angeregt würben, nidjt befonberS wieber bnrdj jenes SJfaßljatten fidj auSgeäeidjnet Ijätte, baS er auf bem politifdjen ©ebiete ju bewapen wußte; eine ©elegentjeitsfdjrift, bie er 1816 IjerauS» gab (baS SBefentlidje wieberplt im 1. 23anbe ber Bermifdjten ©djriften), giebt baöon bie erfreulidjften Seweife. ©ewiß war SacobS, ber als Änabe oon breijeljn Safjren fdjon bnrdj 3weifel über bie altteftamentlidje ©efdjidjte beunruhigt worben War, burdj manche religiöfe SBanblungen tjinburdjgegangen; Was er bann als gereifter SCftann in feine Ueberjeugungcn aufgenommen hatte, baS War iljm audj um fo meljr ©adje beS febenS geworben. SlHein nodj immer ift baSjenige, was er für bie 23ilbung weiterer ffreife getljan hat, nidjt erfdjöpft. (ErWätjnen wir audj feiner Slrbeiten für baS (1805) Bon 2Bietanb an ihn unb H°ttinger überlaffene „Slttifdje SJtufeum" nur ganj beiläufig; fo hdben wir um fo beftimmter feine feit 1802 in einer 9ieihe Bon Sänbeu prauSgegebenen 3u= genbfdjriften herborjuhebett. @in fleineS SBuch, baS er junädjft nur als ©eburtS» tagSgefchenf für feinen älteften Knaben gefdjrieben h®tte („SlUwin unb Sheobor' 1 ), fanb Weit umher fo aufmunternben SSeifall, baß er bie fo anfßrudjSloS begonnene Sljätigfeit mit Sifer fortfe^te unb attmäljlidj in ber fUeihe ber Sugenbfdjriftfteller eine h ercor ' ragenbe ©tetlung gewann. (ES war hoch eine erfreulidje Srfdjeinung, baß ein SJlann, 730 SjaCObö. bet gu ben gefeierten Vertretern ber ftrengen 2Biffenfd)aft gehörte, freunblid) aud) §u toett Steinen fid) herabneigte unb in ben ©aben, bie er barbot, immer triebet erlennett ließ, trie fel;r er ßrn betn @efiU)le bnrdjbrungen fei, baß, ba fiir bie 3ugenb and) bad S3efte eben nur gut genug fei, ber 3ugenbfd)riftfteller ein ebted unb midjtiged 3lmt bertralte, bad nur ©tümper für ein leidjted hatten fcunen. 3n fold)en Slrbeiten legte fid) bem unermüblidjen -Kanne ber ©ebanle nal)e, in entfpredjenber Söeife aud) für bie grauen ein SBilbner gu trerben. Stm Sranlenbette feiner erften ©attin entftanben „Diofatiend 9?ad)laß" unb „©eulmürbigfeiten ber ©räfin ron ©anbobal." S3eibe ©Triften fottten geigen, meld)e gütle bilbeuber unb befeügenber Sräfte bad (Etjriftenttmm bem loeiblidjett @emütl)e barbietet, unb trie badfelbe nun halb ftiH unb uugeftört feine SBiüten fid) enttrideln lagt, halb unter Schupfen unb SBirrett gu freier §ö^e rettet, gu traljrljaft frommer ©efinnung läutert. 2Iud) l)ier folgten ben erften mit SBeifalt aufgettomntenen 25erfttd)en gafylreidfe 2lrbeiten rerlranbter 2Irt, bie ber SSerfaffer bann unter bent Sütel: „IDie ©d)ule ber grauen ober ©driften gut 33elel)rung unb 23ilbung bed treiblidjen ©efd)led)td" (£eipgig 1827, 7 SÜieiic) bereinigt I;at. ©aneben fütb nod) eine große 9Ingal)[ Srgäl)lungen unb 9?obeHen erfdjieneu, aüefammt beftimtut, „bie £teilig!eit ber ©itten unb bad ©ittlidje ber flfeligion in maitnigfadfen gönnen barguftetten" (gefammelt Seipgig 1824—37, 7 ißoe.). 33id in bie äußerften Slitdläufer feiner SÜ;ätigMt lrirtt ber burd) bie §umanitätdftubien gebilbete freie, milbe, feine ©eift. ©o gal)treid)e fd^riftfteUerifcQe Slrbeiten, bie bod) nur in ben bon beit ©efdjäften bed 2lmtd unb ben f)3flid)ten bed §audbaterd übrig gelaffeneu Kußeftuuben entfielen formten, mad)te il)iu bor allem bie forgfältige 33euügung ber 3 e Ü tuoglid), treldje trie= berum burd) bie 3uuidl;altung bon gefellfcljaftlidßten 3 er f treuiJn g eu i^nx erleichtert trurbe. 2Bad er für bie l)ergoglid)e 23ibIiotl)el unb für bad Künglabinet als Drbner unb S3e= fdjreiber getljan l;at, fattn liier eben nur berührt toerben. ©er regelmäßige ©ang feiner £l)ötigfeit tourbe nur feiten burd) Dveifett unterbrod)en. ©ie bebeutenbfte berfelben führte il;n 1825 nad) gloreng, umhin er einen feiner ©Blpte begleitete, ber ald Kalet flfuf getoonnen I;at. ©eine legte Dfeije toar bie 1839 gut gtbeiten f|3l)ilologenberfamm= luug in Kannlieim unternommene, too ©anfbarfeit unb SJereljrung ber il)tt Umgebeitbeu burd; eine lateiuifd)e Sttoreffe il)n erfreuten. 33ei ber im nädiften 3al;re gu @otl)a ftatt= ftnbenben britten f)3t)ilologenberfammlung hatte er bad Sljreitamt bed Sorfiged unb legte babei nod) burd) bie bon il)m gehaltene SrBffnungdrebe bie l)erglid)fte Sü)eilttal)nte für bad ©ebenen ber SBiffenfdjaft uttb bed gelehrten ©dptlmefeud au ben ©ag. @elel)rte Slnerfennuugen toaren ihm fonft reichlich gu tl;eil getoorben. Sr mar Kitglieb ber Slfabemieu gu -Uliindjeu, 33erlin, fßeterdbnrg, 9ieapet unb Srfurt, ber ©ocietät ber 3Biffenfd)aften gn ©üttingen, bed Snftitntd ber flfieberlanbe unb bed fra:tgBfifd)en 3m ftitntd 2 c, ©ein fo lauge fvifd)er, lebenbiger, nnternefunenber ©eift — nod) 1840 l)atte er an bie SBcrfammlung gu @otl)a ald 2lbfd)iebdfd)rift gerid)tet Diatribes de re critica aliquando edendae capita — begann atlmäljlid) hoch ben lätfiuenben Sinfluß bed 2ilterd gu erfahren unb, ald ein leichter ©d)IaganfaE il)n gum ©l)eil aud) IBrperlid) ge= lähmt batte, gufegeubd fd)tüäd)er gu toerben. 2Bäl)reub ber beiben legten 3a!)re fd)iett er nur nod) äußerlich unter ben ©einigen gu ioeiten; fein ©eift mar umbunlelt unb fanb fid) in ber irbifdjen Heimat nid)t mel)r gured)t. ©o mar ber fanfte ©ob, ber am 30. Kärg 1847 il)n abrief, eine SBohltgat für il)n; „beim er gab il)itt bie fd)merglid) entbehrte Slarheit in ber iBoHenbnng mieber.“ ©ie angiel)eubften -Diitth eitun gen über feinen Sebendgaitg unb feine ©gätigfeit gat er felbft gegeben in feinen „tßerfenalien" (?eipgig 1840, 620 ©., 8); fie bilbett ben fiebenten 53anb feiner 93ermifd)ten ©d>riften unb finb 1848 in einer gmeiteu mol)lfeileren 9ludgabe erfd)ienen. 9ieid)e Srgängungen bagu bieten aber auch bie übrigen (7) Sänbe ber Sßermifdften ©djriften, befonberd in ben 93orreben unb 3 u fäi 2 eit . Unter alten feinen ©d)riften biirfte für fßäbagogen bie tehrreidjfte feine fd)on Jacobs. Sacotot. 731 ertoäljuie fföebe „über bie Srjieljung ber Seltenen jur ©itttidjfeit" feilt (Berm. ©djriften, SEIj. 2. ©. 3 ff.). gür SBürbigung Ijettenifdjer BilbungStoeifen unb BilbuugSmittel ift in biefer 9febe unb bett geljaltooßen „3ugaben" BorjüglidjeS geleiftet, barnit aber tem fßadjbenl'en über liberale Srsieljung unb Bilbung überhaupt eine güHe oott ©toff bargeboten. $>ie toenig eingefdjränfte Belounberung für baS fittlidje Leben ber fpeßenen, toeldje in biefer 9iebe eilten glänjenben AuSbrucf erhalten Ijat, ift in ber 1829 gefdjrie= benett Borrebe junt gtoeiten Sljeile ber Berm. ©djriften mit großem 9tadjbruijon im 3.1770 geboren unb in ber poltjtedjnifdjeu ©djule gu fßariS gebilbet. Sr füljrte ein betoegteS Leben, iitbent er nadj einanber Aboocat, )ßro= feffor ber ^jumamtätSiDiffenfdjaften, Sapitän ber Artillerie, ©ecretär im KriegSminifte= rium, ©ubftitut beS SirectorS ber poltjtedjnifdjen ©djule unb fßrofeffor ber ©pradjen unb ber Biatljematif in Baris, enblidj fßrofeffor ber frangöfifdjen ©pradje unb Literatur in Sötoen toarb, unb ftarb, aus Belgien burdj bie bortige Sieoolutiou oertrieben, im 3uli 1841 als ifkioatutann in Ijoljem Alter gu Baris, ioo iljm feine greuube unb Ber= eljrer auf bem ©otteSader Pero Lachalse eitt mit ben begeidjnenbften ©runbfägen feines päbagogifdjen ©tjftetuS gefdjmiidteS SDeufmal erridjtet Ijabett. Unter allen SBanbelungett feiner äußeren ©djidfale befeelte iljn ber eine ©ebattle, ben er als feine Lebensaufgabe feftljielt, burdj einen angemeffeneren Sugenbunterridjt bie Btenfcfjljeit auf eine Ijöljere Stufe ber Sutloidelung gu führen. SBenn er, trog beS ebelften SBiHcttS, in biefem Ijodjfliegenben ißlane gefdjeitert ift, fo erllärt fidj bieS fdjon allein auS bem Umftanbe, baß ibjttt, als einem reinen Kinbe feiner ßeit, baS, toaS überhaupt unb ittSbefonbere gerabe feiner 3eit unb feinem Bolle uotlj tfjat, »erborgen blieb, baß er nämlid) bie BerOollfomiuituug beS menfdjlidjen ©efdjledjtS toefentlidj in ber B°teitgirung ber 3nteHi= gettg 51 t finben meinte, tooneben ber Anlauf, burdj ioeldjen er oermittelft eines energifdjen llnterridjtS anf Kräftigung beS ÜBiUenS burdj ©elbftüberioinbung, fo toie auf reflec= tirenbe SEugenbübung 31 t loirfen gebadjte, toeber einen burdjgreifettben, ttod) nadjljaltigen, am allermenigften einen erljebettben Sinfluß auf baS ©emütlj auS 3 ttüben »erntodjte. Aber trog biefer ©runbmängel finb bie gangen, ja felbft bie Ijalben 2Bal;rljeiten, auf toeldjen feine Anfdjauung im eittgeluett beruht, für bie fOienfdjenbilbung » 01 t foldjer Bebeutung, baß fie immer aufs neue bem päbagogifdjen unb bibaftifdjen ©emiffen inS ©ebadjtnis gerufen 31 t toerben »erbienen. 2Bie »iel ober toie toenig baöon fidj 3 ur unmittelbaren Dfadjaljmung eigne, bleibt bann eine grage oon untergeorbneter äBidjtigleit. Alle ÜJtenfdjen Ijabeu gleidje SutelUgens, lautet SacototS oberfter Sr= 3 ieljungSgntnbfag, toie iljtt oor iljitt äljnlidj fdjott gr. Baco, unb nodj entfdjiebener Bioutaigne unb §eloetiuS auSgefprodjen Ijabeu, bie alle geiftige llugleidjljeit öon ber Berfdjiebenljeit ber Umgebung unb Si^ieljung, furg ber BitbungSgelegenfjeiten, unb oott ben babttrdj Ijerborgerufenen ober unterftügten 9ieigungen ableiten unb meinen, bie Sr= Jieljung oermöge alles. ®ie Untoaljrljeit beS fo allgemein IjingefteUten ©ageS crgiebt fitg fdjon aus ber täglidjen Srfaljruttg unb auS ber Beobadjtung ber organifdjcn toie ber uttorganifdjeu fliatur, too eilt jebeS Snbioibuum je nadj feiner befonberen Beftim= mnng unb gum 3 tDec ^ feiner Sinorbttuttg in baS ©attge qualitatio unb quantitatio mit befonberen ©aben unb Kräften auSgeriiftet erfdjeint; ja toir feljeit oft genug, toie felbft 732 Sacotot. urfprüuglicg gleich erfdjeinenbe Magen im meitern Verläufe, feit ft bei oödig gleid;= artigen äußeren Einßüßen, fidt; fegr oerfcgieben geßalten. 9lud; braucgt laum baranf gingemiefen 51 t merben, baß mit ber unbebingten Mrlennung jenes SIpiomd ade Bürger» lidje unb ©taatdorbnung, meldje gu igrem Seftegen ber SEBirlfamleiten nerfdjiebenßer SIrt Bebarf, auf ben Äopf geftedt fein mürbe; benn ed ift eben nur ein renolutionärer Ättnßgriff, menn man fid; bad Stnfegen gieBt gu gtauBen, ed mürbe mit ber Mtagme einer urfprüuglidjen Ungteidjgeit ber geiftigen Vermögen einer faftenartigen 2 Ibfd;ließung ber ©tänbe Sorfdjub gefdjegen. Sine fotd^e Slnficgt lag Sacotot getniß ferne; ed ßgeint oielmegr, baff bie feinige non ben Erfd;einungen abdtragirt mar, meldje fid; Beim Sin» fangdunterridß funb geben, mo aderbingd bie einfad;eren, anfd;aulid;eren unb herberen Sernmomente and; non oerfd;iebenartigen 3 ngenien mit giemlid; gleidjer ©idjergeit auf» genommen merben, unb bad meid;ere Äinbedgemütl; beut leidjt faßliegen DBjecte nod; leinen eigenmidigen SBibcrftanb entgegenfegt, obgleich aud; in biefer ißeriobe bie Ein» gelncn bad Sftämlidje ntegr äußerlid; ober ntegr innerlid; attfnegmen, oberßädßidjer ober tiefer erfaffen, unb im Saufe bereit immer meiter audeinanbergegen. fpür ben Segrer nerliert ber ©ebanle aud; Bei fotdjer 23efd;ränfung freilid; fd;on baburd; an feiner 33e» beutnng, meil biefer bad Sinb nidjt unmittelbar aud ber §anb ber Mur, fonbern burc^ oerangegangene Einbrüde fdjon mannigfad; geartet empfängt; inbeS enthält er immer nod; ein gut ©geil SSagrgeit unb recgt ergeblid;e praltifd;e fRugbarleit, menn mir tim etma fo faffeit: ade geiftig gefunben SKenfcgen gaben gleid;e geiftige Silbf amleit; ber Erfolg gängt meniger non ben Magen ald non einem guten, audbauernben SBidert unb nmt einer richtigen, ben SBiden burd; Stufmuntentng ftärfenben, niegt bureg nor» eiligen, entmutgigenben ©abel lägntenben Seganblttng ab; ber Segrer barf bager an {einem feiner ©dritter nersmeifeln, fonbern muff fie ade mit gleicher Siebe umfaffen, nor adern aber fid; einer oorfd;neden ©onberung in ©atente, mittelmäßige unb ®umtnfüpfe entßßlagen. Stuf ber anbern ©eite ift niegt 31 t läugnen, baß bei pebantißßer Sefolgttng foldfer Sßarmtng ader Sortgeil berfelben mieber nerloren gegen fönnte, menn ber Segrer nämlicg, ade Seiftungen auf ben SBiden gurüdfügrenb, non bem ©d;mad;begabten ba'd dtämlidie ocer gang Slegnlicged forbern modte, mie non bem ©tarfen. 3ft bod) gerabe bie llnterfdjeibnng ber ©eißer, bie unmöglid; adein auf ben SBillen beßgränft merben lann, eine Hauptaufgabe unb Sebingung gebeiglidjer Erlegung. 3mmer aber bleibt ed eine große SBagrgeit, baff ein redßer Unterricht fid; gunädjft nidjt an bie 3n= tedigenj, fonbern an ben Sßiden bed Äinbed gu menben gäbe, unb baff bied 3acotot erlannt gat, geigt, baß er, trog ader ÜDUdgriffe, bie er begangen gaben mag, gum Segrer berufen mar. Er mar buregbrungen non Siebe gum lernenben ©ubject. ©ein gmeiter ©runbfag faßt bad Dbfect, ben ©toff, ind 2 tuge, unb lautet: alleS ift in allem, nid;td ift in nid;td. SRit anbern SOSorten: 3n jebem ©egenftanbe liegt ber ffeint gu aden übrigen ©egenftänben; jeber ©egenftanb ift geeignet, bie Srlenntnid ader übrigen ©egenftänbe baran gu fnüpfen; nermittelft eined jeben ©egenftanbed, beffen ber ©djiiler mirllid; Herr geioorben ift, ben er grünblid; unb adfeitig lennen gelernt gat, lann er gur Erlenntnid ader übrigen ©egenftänbe gefiigrt merben, menn ber Segrer ed nerftegt, im fleinften Ißuncte bie göcgfte Äraft gu fammeln. Sin Selann» ted, Stngefdjauted, Erfaßted gat füg bie ®arfteduitg bed Sleuen angufcgließen. SJfan muß e i n Sud; oerßegen lernen, ed gang unb gar unb non ©ntnb aud nerftegen lernen, aded, mad man liest, gört ober lernt, barauf begiegen, fo nerftegt man aud; bie anbern. 3lud; gier giebt fid; bie Uebertreibung unb bie ©ud;t, burd; eine parabope fporntel gu imponiren, gu erlernten. SIber aud; gier liegt eine große SOSagrgeit gu ©runbe, eine SSSagrgeit, bie unferm Unterrid;t, fo lange er nor bem 3 e *‘ftreuen nidjt 3 e '* begält, ed gum ©arnmeln gu bringen, ogne Slttfgören norgegalten merben muß. Stderbingd iß nid;t in adein aded, mögt aber in nielem nieted, ober autg in adern nieled, fo oiel nämlicg, ald fid; ogne 3'® an S Baran fnüpfen unb in eine innere Segiegung bagu fegen läßt. Sacotot. 733 3)en auf ben obigen ©runbfägen fußenbeit Unterridd nennt Sacotot Uitioerfad unterricht, tgeilS »eit alle SDIenfdjen beSfetben bebürftig unb fällig feien, tgeitS »eit et auf alle Scgrfädjer ait»enbbar fei, tgeitS enblid), »eit jeber gnr geiftigen ©etbftünbig» feit enoadjte SJIenfdj, fetbft ohne et»aS oon beut Objecte gu oerftegeu, bie SDIetgobe auSguttbett oennbge, »enn er fid) nur öon beut Sorurtgeile emancipirt habe, baff gum Sehren eine befonbere Dualification unb gum fernen megr als ber gemögntidje 2)Ienfd)en= oerftanb gehöre — alfo aud), »eit ein jeber, fetbft ogne £egrer, nad) ber oorgegeidjneten SDtetgobe mit bloßer .fpütfe eines £egrbud)e§ fid) fetbft gu unterridjten im ©tanbe fei. 2Benn nun nad) bem Dbigen bie SDlenfdjen in Segug auf Slaturanlagen ade gleich »aren unb ber »argunegmenbe Unterfdjieb tebiglid) burd) bie Simuirfung ber Steigungen, fo »ie ber Gtrgiegung unb CeS Unterrid)t8 bebingt toäre, fo fpringt ber Sßiberfprud) in bie Slugen, »enn Sacotot anbererfeits bie Kenntnis beS Segrobjects auf ©eiten beS linterridjtenben für inbifferent erttärt unb beit tegteren gu einem btoßen Anreger unb Treiber gerabtoürbigt. 3a Sacotot, ber nad; alten oortiegenben ©gatfadjen in feiner Strt ein eminentes S?ehrtalent befeffen gaben muß, »ürbe fid; baniit fetbft nuttificiren. 2Bir t)aben jebod) nid)t nötgig, auf bie Söfung fotdjer SBioerfprüdje, bie fid) Sacotot an ben oerfdjiebenen ©teilen feiner ©djriften gu ©djutben fommen läßt, einen befonberen fyleiß gu üeüoenben; benn 3acotot läßt fid) in biefer 93egiehung in faßt unbegreiflicher äßeife gefeit unb »itt fetbft auf feine allgemeinen ©äge nur geringen 2Sertg gelegt toiffen, »enn man nur bie ©gatfadjen unb fein Serfagren im allgemeinen anerfenne. 3nbeS fiubet bod) aud) g. 58. ber paraboye StuSfprud), baß berjenige Segrer ber befte fei, »etd)er am »enigften oon bem ©egenftanbe oerftet;e, anber»ärtS bagin feine 6r= ttärung, baß ber Segrer ben »eiteren Umfang feiner ©adjfenntnis gar nid)t in 3ln- fd)tag gu bringen, fonbern fid) genau auf ben ©tanbpunct gu oerfegen gäbe, »etd)en ber ©djiiter einnimmt. 3n biefer 3lrt muß Sacotot an ungägligen ©teden üon feinen Sefern fetbft burd) fortmägrenbe Sefdjranfung feiner SluSfpriidje rectificirt, auS= unb umgebeutet »erben. ®er SBeg unb gugteidj baS 3* e ^ ^eS Sacotot’fdjen Unterrichts ift bie emancipation intelleotuelle, ©eifteSentfeffetung. ®er ©djiiter fott nidjt unter baS Sod) eines oon SJIenfdjen aufgeftedten SlegetmerfS gebeugt »erben, fonbern burd) eigene Slnfdjauuitg unb ©eifteSarbeit auf ben ©tanbpunct gelangen, »o er bie fetbfterfannten SBagrgeiten gu Siegeln ergebt unb bereu Slidjtigfeit nur an ben oon anbern aufgeftedten Siegeln gu prüfen gat. ®S foden igm nidjt Stdgemeingeiteu angelernt »erben, bie er beffer in ben ©gatfadjen, »ie biefe igm in ber Söirftidjfeit entgegentreten, begrünbet fetbft finbet. ©ager ber Slame Slaturmetgobe, bei ber ber ©djüter in gemeffenem gortfdjritt ocnt Soncreten gum Slbstracten übergegt. ©abei barf er bann nidjt oon ©toff gu ©toff fpringen, ogne baß er bei ber 9Ieid)gattigfeit beS erften ©tcffeS an beftiramten S£gat= fad)en feftgegatten »ürbe; im ©egentged fod er immer aufs neue gu jener ©runbtage bis gu beren oöUiger (Srfdjöpfung gurüd'fegren. Ger fod enblidj gieran lernen, »ie man lernt unb fid) »eiter bitbet. SDiefe ©gatfadjen nun finb jenes materiede „adeS", »etcgeS ben geiftigen @e»inn in ficg birgt; nichts aber ift in nicgtS, b. g. »o feine ©gatfadje, ba ift aud) bie Stnfnüpfung einer GtrfenntniS unbenfbar. ©>aS .fpaupfmittet für ©ebanfenentmidetung finbet Sacotot mit SIed)t im ©pradj= unterrid)t, unb als berjenige 3 rae *S beffelben, »etd)er fid) am leidjteften an ben oorganbenen SebenSbefig anfdjtießt unb ben reicgften Slntaß gu Sleftepionen bietet, ftedt fid) ber Unterricht in ber SDIutterfpradje bar, oon »o gugleidj bie gelegentlichen StuSfd;reitungen in ade möglidjen ©ebiete beS SBiffenS unb ÄönnenS auSgegen. fjier »irb nun nicgt mit ben eingetnen 3Udjen ^ cr Saute °^ er »dt ben gönnen ber ©pradje, igren Gcintgeitungen unb ^Benennungen begonnen, fonbern auf bem ©d)age oon SBiffen, ben baS Äinb aus bem Äreife feiner Srfagrungen fd)on mitbringt, fortgebaut. @runb= bebingung beS gortfcgrittS ift natiirtid) bie Sunft gu tefen. 2)aS grnnbtegenbe 58ud) ifl am fdjidlidjfien ein gefdjidjtlidjeS (bei g. für grangofen ber ©elemadj; in einer 734 Sctcotot. fdjWeigerifdjen 3acotot=©d)uIe war eS für bie Deutfd)en iülwin unb Atfjeobor bon 3acobg); ober man wählt mehrere Slbfdjnitte aus berfdjiebcnen 23üd)ern, bie burd) 3nljalt mtb gorm anjiefyen unb auf bie mannigfad)fteit SebenS» nnb @eban!enberl)ältniffe eingeheit. SRan befpridjt ben 3ul)alt be§ erften ©a^eS, hobt bie einjetnen SSörter unb barauf, inbent man bie gleichen 3«d)en auffinben läßt, Heinere gleichartige Saut» (23ud)ftaben=) ©ruppen I)erauö, läßt ben ©a(3 auSWenbig lernen, tfyeitt bie äBörter in ©plben unb btefe in it)re ei^elnen Saute. Darauf geht man auSbrüdlid) ju ben Sautjeidjen, ben 23ud)ftaben, gurüd unb läßt ganje SBortbilber unb baljinter bie einseinen 23ud)ftaben — ober umgelehrt — fdpeibenb nadjbilben. hierbei gilt als ßrfahrungSfah, baß, wer eine 3eile fd)ön fdjreiben fann, bieg aud) mit altem anbern berrnag; man läßt batjer toenig, bieS aber mit 3tufmertfamfeit fd)reiben. Die Orthographie wirb bornehmlid) burd) Lieberfdjreiben beS ©Kernten aus bem Äopfe eingeübt. SBenige ©eiten be§ ©toffeS ftitb hinreichenb, um barait bie nottgoenbigfte Kenntnis beS SefenS unb ©Treibens p befdpffen. Sßäljrenb nun in beiberlei SBegiehung an ©rWerbung ber gertigfeit fort» gearbeitet wirb, läßt man aus bem 2)htflerbud)e immer weiter mentoriren unb baS ©r= lernte täglich (ffoäter fo oft als junt fidjern 23eft(3 crforberlidh) wieberholen, Wobei häufig audj bie Orthographie abgefragt wirb. Sin bicfe auSgebeljnte @ebäd)tniSarbeit, Welche bie 6 erften 93üd)er beS Delemad) umfaßt, fdjließen fid) nun gleid) 3 eitig Slnalbfe unb (in ©ontpofitiouen) ©pnthefe an. Der ©djiiler toirb befragt, muß erflären. 3eber@a(s toirb itt feine 23eftanbtl)eite aufgelöst unb feine mannigfaltigen 33e$iefyungen angegeben, unb ätoar nod) mel;r bie ber ©ebanlen als bie beS SluSbrudS. ©S toerben bie irjaupt» unb Lebengcbanlen gefonbert unb bie einseinen ©pradjelemente aufgefunben unb oerglidjen. Die Unterfd)eibung ber 23eseid)nungen üon ißerfonen unb Dingen, bon §anblungen ttnb Sreigniffen, loeiter oon ben SSerljältniffen berfelben gu einanber führt auf bie Unter» fdjeibung ber ©ubftantiba, ber ®erba, ber gormWörter. ©8 toerben $I)rafen angegeben, Serlegt unb erweitert, burd) SJergleidjung Slehnlidjleiten unb ©egenfä^e I)erborge^obett, bie ©t)ttonl)mil bon SBörtern unb Lebensarten gefucft, über |janblungen unb ©reig» niffe, namentlid) mittels §eransiel)ung bon Dl)atfad)en aus ber eigenen SebenSerfahrung, enblidh über bie ©djreibart reflectirt, inbent ber ©d)üler bem Server bie Lefultate feiner 23eobadjtungen mittheitt. Lad)bem fo eine ©ewöljnung an benlenbeS Sefen, fo toie ein Sorratl) bon 3been unb SDinfterauSbrüden, bie toieber neue 3been unb SluSbrudStoeifen berborrufen, enblid) Kare SSorfteKungen bon bem 3ufamntenbange beS DeyteS nnb beffen 23eftanbtl)eilen erworben finb, wirb snr eigentlichen ©pntpefe übergegangen. Die gram» matifdje Kenntnis, Weldfe fid) früher itnberbunben, nad) golge unb ÜJLaßgabe beS ber» arbeiteten ©toffeS, anfammelte, wirb jef 3 t mit 3 u bülfcnabme beS nämlidjen ©toffeS am gaben einer gebrudten ©pradßeljre geprüft, erprobt unb georbnet, unb, was bort burdj SlbStraction ermittelt War, (nad) 3acotot’S SluSbrude) berificirt. SBäbrenb biefer beiben ©tabien Werben bon geringen SInfängen aus anbere ©egenftänbe mit bem gerabe bor» liegenben sufammengefteHt, bie gorm ber ©ä(se, ber SSettbungen, ber SluSbritde nad)= geal)int unb nad) bem SLufter beS im ©ebäletf>t eine Ijö^ere ober umfaffenbere 33ilbung l;eroorgetreten? unb loobin [inb jene 3acotot=©djulen, bie ihrer bie üSeriounberung gioeier äßelttheile auf fid) jogen, gefct;iounben? 9)?an lann immerhin jugeben, bajj 3acototS toeitreidjenbe Söirffamfeit in Belgien burd) bie 9?eoolutioit, als ber SleruS loieber jeine 2)tad)t jn fühlen begann unb an SacototS ©runbricfjtnng nidjt mit Un= red)t Slnftofj nahm, geioaltjant uuterbrodjen loorben ift: aber ftanb ihm nidjt fein oiel auSgebeljntereS 3?aterlaub offen, loo ihm fein flericaler (Einflug h'nbernb in ben 2ßeg treten founte, loenn fonft feine (Erfolge nachhaltig unb »ertrauenerioecfenb geioefen, ober nid)t lebiglid) an eine feltene iperfönlidjfeit gebunben erfd)ieneit mären? 2lttaIog, loie beim Unterridjt in ber SD7uttevfprac6e, »erfährt Sacotot beim fremb= fpradjlidjen. begonnen loirb aud) hier mit bem Sejen, 33or= unb 9?ad)fpredjen, unb mit bem 9Jieberfd)reiben beS (Erlernten. SSor adern ift eS barum ju thun, baS ©etädjt» niS jn einer Sicherheit unb fjertigteit ju führen, bie au Unfehlbarkeit grenjt, unb baS- felbe mit einem ißorrath oon lebenSooHem ©prad)ftoffe ju oerfehen, ber bem 23eobad)ten, ®enfen unb Urteilen, bem 3 er 3 ^ e bern, DUidjbilben unb gufammenfehen, furj ber 2lnali)fe nnb ber barauf folgenben ©tjntljefe eine reidje, in jebem Slugenblicfe 31 t ©ebote ftehenbe unb fid; immer oerbreiternbe Unterlage fidjert. 9Jtan fieht, ber Sehrgang ift bem £>amitton’fd)en in ber §auptfadje conform, loobei eS bahingefteöt bleiben muff, ob 3acotot mit IpamiltonS Verfahren befannt geioefen ift ober nicht. 2lber bei Sacotot tritt bie oerfianbeSmäßige 2luffaffung unb ®urd)bringung beS STepteS oiel früher ein, eS loirb oon üorn herein baS ©predjen unb ©djreiben 3 U £jülfe genommen, unb fd)Iief;= Itd) 3 u einer ooden ©hntl;efe übergegangen; baneben häufen fid) bann bie Uebuttgen, loie fie oben bei ber Seljanblung ber SDiutterfpradje angegeben finb, in einem SDtajje, baff bie ©efaljr ber Ueberbürbung ber jugenblidjeit Äraft faum abjuweifen ift. Ueber= häuft pflegt 3acotot, Wenigstens in feinen theoretifdjeu SluSeinaitberfehungen, einen hodj= fahrenben unb weitauSgreifenben 9lnlauf 3 U nehmen, ber eben fo fel;r eine 58erüdfid)tU gung beS jugenblidjen SebürfniffeS unb SSermögenS, als ein SSerftänbniS Wahrer 335iffen= fd)aftlid)feit oermiffen lägt unb oiel mehr barauf berechnet erfdjeint, einen fanguinifdjen Saiett 3 U blenben, als ben befonnenen IJSraftifer 3 U überseugen unb gu gewinnen. (Enb= lid; hat 3acotot audj baS Ipauptniittel ber IBerftänbigung, bie Ueberfehung in bie SJtutterfpradje, mit Hamilton gemein; aber beibe finb nid)t mehr baSfelbe. äöäljrenb jpamilton in beiben ©pradjen 2Bort für SBort mit möglichfter ©enauigfeit au einanber hält, giebt Sacotot bem ®epte eine mäfjig frei gehaltene Sateralüberfefsuitg bei. ®er ©djüler hat guerft foWohl ®eyt als Ueberfehung fahweife auSwenbig 3 U lernen, barauf ©ah gegen ©ah 3 U halten, bie entfpredjenben ©ahtheiie unb Sßörter felbft 3 u juchen unb 3 u finben, bie 23ebeutung ber einselneu SBörter aus ben ©ä( 3 en, bie ber ©plben (©tamm=, (EompofitionS*, 9lbleitungSft)lben, g-lepionSenbungen) aus ben SBörtern ber Ueberfehung 31 t erfennen unb alles biefeS bei ber 2Bieberl;oIung 3 U feinem bleibenben ßigenthum 3 U machen, um im Weitern Verläufe foiooht baju 3 urücf 3 iifehren, als für baS SerftänbniS beS fjolgenben barauS 9?uhen 3 U sieben. 33et jebem ßufluffe neuen ©toffeS ftöjjt er bann theilS auf 23efannteS, theilS auf neu 3 U SrfaffenbeS, tljeilS enblid) auf nod) nid)t ober fdjwer 6 rfagiid;eS, ju toeffen SßerftänbniS erft baS nod; fpäter Srfa^te bei ber 9lüdfel;r 3 U bem früheren ©toffe ben ©d;lüffet liefert. Unftreitig liegen in biefem Verfahren bilbenbe, erWedliche unb aufmunternbe @Ie= mente; fie werben aber paralffirt burd; bie 33efd;affenheit ber Ueberfehung unb ben ©ebraudi, welcher üon berfelben gemad;t wirb. 9Jtan fann sugeben, baff es jur Äräf» tigung beS mechanifchen ©ebächtniffeS, weld;eS bei Sacotot eine fo überwiegenb grunb= Sacotot. 737 legenbe fftolle fpielt*), beitrage, wenn ber ©djüler bann unb wann and) ettoaö unoer* ftanbened ober (alboerftanbeneS memorirt; bieS jebocf) gur Dfegel gu machen, toie eS (ier mit bem Seyte, o(ne alle oorauSgegangene ©rflärung, gefd)iel)t, bürfte bed> alle ®rengen beS Erlaubten üherfdjreiten. 2BaS foü man aber gu bem fUiiSfcraitd) beS @e= bädjtniffeS fagen, unb meinem I;öt;eren 23ilbungggmecfe fotl eS entfpredjen, toeun gange Siidjer einer Ueberfe(3ung, bie bod) fiiglid) fo ober cmberS geftaltet fein barf, auStoenbig gelernt unb fortgefü(rt toerben nüigen? gür ben Anfänger nun ift biefe Ueberfefsung ein Siabprintl), in toeldjeS erft burd) ein eben fo geitraubenbeS als mühfamed Uml)er= tappen allmäl)lid) Sidjt gebraut toirb. **) S)enn „ber 2el)rer erflärt nichts, er prüft, ob ber ©d)iiler bie Section toeig unb bie eingetnen SBBrter »erftebjt." (Sagu „braucht er eben nid)t gelehrt gn fein!"). Sßie übrigens baS 3nl)altdintereffe, auf meines bod) and) Sacotot einen befonbern SBertl) legt, tljeilS burd; bie SBeigabe ber lteberfe(gung, t(eilS burd) bie auf ber ©teile fid) anfd)liegenben oielfeitigen Slnalpfen oon oorn herein gleid)fam abftdjtlid) ertöbtet toerbe, barauf brauet nur mit einem SBorte (ingetoiefen gu »erben, unb eben fo Kar ift eS, toie auf ber (ol)eren ©tufe, too nidjt meljr rnortlid) auStoenbig gelernt toirb, ber auSbrücflid) oorgefd)riebene gortgebraud) ber Ucbcrfetjung bie grünblidjfte S3ertüol)nung gu SBege bringen muß. IJuerft nämlid; toirb (im Satein.) bie Epitome historiae sacrae gelernt unb mit §ütfe ber bcftiinbigen SBieberljolung nad) nnb nad) oerftanben. „Ein SDtenfd), ber bie Epitome toeifg, fprid)t lateinifdj, mag es gut ober fd)led)t fein (!), unb ftubirt bod) erft gtoei SUtonate/ ^Darauf toirb Eernel gelefen, (läufig ober bod) mehrmals wieberI)olt unb aus bem Äopfe toieberergäl)lt, aud) lateinifd) fpredjenb g. 33. eine IßaraKete gtoifdjen StRiltiabeS unb ShemiftofleS gegogen u. brgl Ettblid) fommt £>ora$ an bie fKeUfe. ®a eilt man, mit fpülfe ber Ueber* fetsung, aud; bei nur oberfladjlid/em 33erftänbniS gu Ettbe, um immer loieber oon oorn gu beginnen; nur bie 2BieberI)oIung, fie gang allein, belehrt grünblid) über bie Eingel= (eiten, bie man nid)t gleidj bemerft tjat. 3lud) (ier (at ber ü ! e(rer gar nid)td gu t(nn, al§ fiel) burd) bie S3emerfungen feines 3östingS belehren gu laffen. ßugleid) lägt man bie ©djüler fd)reiben, unb gtoar alle 3lrten oon 9tuffä(jen, toie man fie gur Erlernung ber SDlutterfpradje aufgiebt (f. o). ***) *) „Sem IBerftanbe beS ©chüters barf man bertrauen, feinem ©ebächtniffe fann man nie gu biel mistrauen." **) Sie Strt, toie Sacotot auf ®runb einer freieren Ueberfepttng ben Urteyt analpfiren läßt, finbet man borgebitbet in L’art d’apprendre les langues ramenS & ses principes naturels par N. Weiss. Strassb. 1808. SluS bem grang. Oon 2triftobemuS (Rhode), ©otpa 1824. ©. 82—86 ber beutfchen Ueberfepitng. Stur bag SBeig auf biefem 2Bege einen ©rtoacpfenen ebne Sehrer griedfifd) lernen lägt, toährenb Sacotot. bas Verfahren bei Äinbern antoenbet. Obige ©d)rift bürfte Sacotot fchtberlid) unbefannt getoefen fein. Sdiit ber ^amilton’fchen unb Sacotot’« fdpen SKetpobe berlobnt es ftd), bie iüobertfon’fdge gu bergleicpen. Sarin ftnb offenbar bie fprad)= licpert S3ele(irungen für ben SInfang git gepäuft unb git berfi^iebenartig, toopl aus feinem anbern ©runbe, als »eit bie 2MI)obe in iprer iflrapis überhaupt mepr auf ßrtoaibfene angetoenbet irorben ift. Sine allgemeine Kenntnis berfelben fann man fid) aus „fDtittelfcbule" I., 1 ©. 200 berfepaffen. ***) Sie Uebertreibungen unb bie mitunter lätberlicpen Dberflädglicbfeiten in biefem ÜSerfapren, bas ioopt fiptocrlid) in einer 3acototfd)ule bis gum ©nbe burd)gefiil)rt toorben ift, fo toie bie berfdfobene ©teHmtg beS SeprerS, bas aüeS fpringt in bie Stugen. ©o g. SB. fud)t ber ©cpüler naep Suriicflegnug ber analptifcpen ifSeriobe „bie ©rammatif gu berifmren, b. p. ipre Siegeln gu betätigen ober gu berichtigen, ör nimmt eine mbglicpft OoUftänbige (!) ©rammatif gttr §anb unb bitrdfliest fte. Sie Sbatfacpen, auf h>eld)e fie ftep ftüpt, ftnb ipm bereits befauut, unb er braucht nur bie fiunftfpradje beS ©rammatiferS fidh angueignen, um bte lebenbigffe unb beut* lichfte Slnfchauung ber grammatifeben Siegeln gu beftpen." SBogu bann bas maffenhafte Semen unb Heben, trenn boep nod; eine maffenhafte ©rammatif nbthig ift, bie toahrlidh niept mit einem „Sitrdifefen" abgetpan toirb ? 9Jti3gen nur neben folgen Ungeheuerlichfeiten auch bie 3Ba(rheiten, tpäbag. Snc^ttorälie. III. 47 738 Sacotot. |jat nun 3acotot, berglidjen mit £>anutton jebcnfatte ber weit 33ebeutenbere, be= güglid; beS ©pracf;unterrid;tS, Wenn aud; nid;t fdjled;tl;in neue SSege ungebahnt, fo bodj auf erheblidje SUiängel unb £ütfen bed ^ertömnili^en Unterridjtd mit 9tad;brud aufmevffant gemad;t unb frudjtbare Sbeen angeregt, fo feiert mir und bagegen t)oü= ftanbig getäufdjt in feiner SSevtjei^ung, ben Unioerfalunterrtdjt in analoger unb ben (Erfolg fid;ernber SBeife auf bie übrigen Sefyrobjecte übergutragen. StHerbing« beftefien feine eigenen bafyin einfdjlagenben SDUttheilungcn nicht mehr, wie bort, aus fad;lid;ett unb mett;obifd;en Sludfiihrungen, fonbern aud ©tiggen unb gelegentlid;en 23emer!ungen; bentt man barf fid; burd; bie Ueberfd;riften ber Kapitel nid;t täufd;en taffen; Sacotot oerfteht bie Äunft, in ungültigen Seilen, fa ©eiten, toenig ober nidjtd, ober immer bad 9?ämlid;e, ober enblid; etwas gang anbered, atd oerljeißen ifl unb erwartet wirb, gu fagen. 316 er aud; bied wenige ift Ijinreidfenb, um und gu über» geugen, baß er fid) t;ier nid;t mehr auf oon ifym geiftig ober praftifd; burdjbrungenett ©ebietett bewegte. ®aS ©egebene erfdfeint nid;t bloß in unooWommener Sludbilbung, fonbern täßt aud; über feine ©adffeuntnid unb Sehrerfahrung in ßweifel; ber 3tnfd;luß au bad borangegangene §auptobject erfolgt mit unfreierer §anb unb nidjt ohne 3wang. SBad baran ©uted ift, finb bei und längft befannte ®inge; bad Uebrige ift bon bem in beit frangöfifdfeu ©djulett oort;errfd;enben unb I;ier nodj überbotenen tobten ©ebädjt» nidwiffen inficirt, bad burd; inbattleered 9taifonnement nur fd;Ied;t übertündjt wirb. 2ln ben ©toff bed ©prad;unterrid;tS follen fid; S^aturbefd^reibung, fßhhfit, ©eograp^ie unb @efd;idjte, an bie Sonn ber äftittheilung unb Gsntwidetung SJiatfiematif, SDtufif, 3eid)= neu anfdfließett. 3n erfterer 23egiel;ung fann für bie Klementarftufe auf bem ange» beuteten SBege bad ©rforberlid^e unfehlbar geteiftet Werben unb gefdfietyt bereitd in gasreichen beutfdfen ©d;uten. ©obatb aber bie ©egenftänbe audeinanbergetjen unb felbftäubig auftreten foUen, feljen wir und tfier jammertid; bertaffen. ®ie ©eograpljie getjt oon ber Sanbfarte, bad 3eid;nen oon wirllid^en ©egenftänben, fpater oon fütobellen aud, in ber 9?aturbef d;reibung werben einzelne 9?aturgegenftanbe ober beren Hb» bitbungen ber finnlid;en 2tnfd;auung Oorgeljalten — bad atted ift eben nidjt erft oon Sacotot erfunben. fjür bie @efd;id;te wirb ein tabettarifd)er Slbriß gelernt, int übrigen aber über bie ®I;atfad;en betreiben theild auf ©ruitb ber im 9tormalbud;e oor* getommenen Sebendfd;ilberungen unb Kreigniffe, theild unb gang befouberd auf ©runb ber eigenen SebenSerfahrung, ©e!bftbeobad;tung unb ©elbftertenntnid reflectirt (ba= mit man fid; gum oberfläd;lid;en fftaifomteur bilbe. ^Dagegen ift ed eine nidjt unridj» tige 93emerfung, baß, wer eine @efd;icf;te red;t tennt, bie gefammte @efd;id;te fenne ober oielntehr gu oerfteljen befähigt fei). Sine Unterhaltung über bie 33ebürfniffe bed bürgerlichen 23erfel;rd führt gu ber ®inftd;t, man rnüße red;nen tonnen. 3n ber äJlatljematif lernt man einen f'urgen 3lbriß ber Hrithmetit audWenbig, nimmt ein 23ud; über Sltgebra, liedt bad Singetne, fagt feine -üteinung barüber bem Set;rer, ftubirt bie Hufiöfungett tc., liedt ein geontetrifd;ed tpanbbudj, ergäl;(t feinen Snhatt wieber tc. Sacotot oertangt für biefen ©egenftanb eine bebeutenbe Hngaht Selfrftunben, wenn man ed gu etwad tüd;tigem bringen wolle — wad ihm bei biefer 3trt bed Unterrichts (?) febermann gern gugeftehen wirb, gnr bie fPhbfif wirb wieber ein furger Hbriß aud» wenbig gelernt ober ein SBert ftubirt, alles wie oben. @o aud; in ber 2tntl;ropo= logie. 3a, „wer fotlte (nad; £>offmannd SEBorten) nid;t einfeheit, baß baS ßinb int ©tanbe ift, auf eine natürtidje unb richtige 2Beife bie ©eeteutehre aud fid; felbft gu bie bajwifchen liegen, nid;t OöHig überfel;en Werben. »Die Srfprießtidifeit einer Wteberbolten Seetüre bat fcboti SRatidb ins Sicht gefegt; fo bat aud) §amantt beim Unterricht feine« ©ohne« nicht nur ungemUbntiche btefuttate, fonbern auch eine bauernbe SJorÜebe bedfelben für bie clafft» fchen ©tubien erreicht, inbem bad Söichtigße in immer erneuter Sefung Oorgeuommen würbe; benn „eilt guter SBaumeifter arbeitet in bie ffirbe." 3n ^Betreff ber Studwabl ber Seetüre Oerßebt flre§ ©trebenS nad; bei- SQBeItIjerrf<^aft unb ihrer eigenen 23erweltlid;ung eine SDenge ber bielgeftaltigften religiöfen ©efeHfdjaften unb JDrbenSöerbinbungen aus ihrem frudjt» baren ©d>oße ^ernorgebrad;t unb in ihnen theilS bern fdjwärmerifdheu 3«9 ?u affeti= fd;er 2BeItenifagung einen luSbrud unb Slbfluß, t^eits für bie praftifdjen .gwede ber SSöIferergieljung unb 33Bllerbeherrfd;ung fid) ihre bienftwilligften Drgane gefd;affen tjat, fo mar es im geitäto bet Deformation unb ber beginnenben ©egenreformation t>or= gugSWeife wieberum bie ^orm ber Korporation unb Stffociation, bie Reform älterer unb bie SSilbung neuer religiöfer ©efettfchaften, worin bie alte päpftlidje Sirdje bas Det= tungSmittel fah, um nidjt bloß ihre auf bern @ebiet beS religiöfen wie beS gefammten Kulturlebens ber chriftlidjeu SBölfer fo gewaltig erfdjütterte unb bebrofyfe ^jerrfdjaft auf» redjt ju erhalten, foitbern auch, halb wieber »on ber ©efenfibe jur 2lggreffion über» gefyenb, einen großen Sfieil i£>rer bereits oerlorenen 'pofitionen auf ben berfdjiebenften SebenSgebieten, unb fo gang befonberS aucf) auf bem ©ebiet ber Krjieljung unb be§ 3ugenbunterrid;t8, wieber ju gewinnen. Seine jener religiöfen Serbinbungen hat biefe gwede in unioerfeüerer SBeife ins 2luge gefaßt unb energifdjer »erfolgt, leine unter alten ben Itericalen unb fyalbtlericalen ©enoffenfdjaften oor unb nad; ber Deformation l;at inSbefonbere auf päbagogifdjem ©ebiet eine fo auSgebreitete, tief greifenbe unb eigen» thümlidje SBirtfamleit entfaltet, als jene le(3te unb boüenbetfte ©eftalt beS ü)?Bnd;ttyuinS, jene fignificantefte Srpftallifation beS gefammten antireformatorifdjen Äat^oliciSmuS, — bie um bie $D?itte beS fec^Sjeljnten 3atyrljunbertS bon bem ©panier 3gnatiuS bou Sopola geftiftete ©efellfdjaft 3efu. ®ie ©eltenbmadjung beS DedjteS ber freien, nur allein burdj ©otteS 2Bort gebun» benen ^3erfönlid)leit mit ihren tljeitS ethifaS KrjiehungS» ibeal, welches ber ebangelifd)en ^Säbagogif unter allen ©d;Wanlungen hoch bon Infang an unberänbert borfdjwebte, ift einerfeitS Befreiung ber geiftig»fittlichen ^ßerfönlichleit bon alten falfd^eit ntenfdjlidjen Sluctoritäten, anbererfcits aüfeitige SluSbitbung berfelben für ihre gottgeorbnete SBeftimmung, £üd)tigmadmng beS SDenfchen für baS Dei«h ©otteS. — 2Benn nun bie alte Äirche bem fiegreidjen neuen fßrincip gegenüber ihren SBefihftanb retten unb wieber befeftigen Wollte, fo mußte fie einerfeitS baS ber fittlidjen unb geiftlidjen Slutonotnie biagonal entgegengefe^te fßrincip, baS ber Stuctorität, mit riidfidjtslofer Konfeguenj jum ißanier erheben; anbererfeitS aber mußte fie fich bodj auch üftühe ober hoch wenigflenS ben ©djein geben, als wollte unb tonnte fie bem menfdjlidjen ©eifte unb bem djriftlichen ©ewiffen für jene fo mächtig erwachten 33e» biirfniffe, für feinen SBiffenS» unb Sßahrheitstrieb, wie für fein SSerföhnungS» unb ©eligleitSbebürfniS eben fo »ottgültige, ja no«h leidjtere unb bequemere 33efriebigung bieten, als baS eöangelifdje Khriftenthum. 3t»ar bie päpftüchen ^Bannflüche unb tribentinifdhen ülnatheme Wie bie ©djeiterhaufen ber Snquifition waren fepr einfache unb unter Umftänben auch fet>r wirlfame üDlittel gur Setämpfung ber neuen 3been; aber bod) fal; man halb, baß fte nicht ausreichten. SDan mußte bem geinb auf biejenigen ©ebiete folgen, Wo er feine hauptfädjlidjße ©tärte befaß. K8 galt, ben römifdjen SathoticiömuS mit feinem SluctoritätSprincip, mit feinen bequemen unb ftnnlid) imponirenbeu äußertidjen formen benSSöltern wieber als bolfsthümlidj, ben ©ebilbeten als gebilbet unb fürs Weltliche Seben braudjbar, bor allem aber auch ben Surften unb SSornehmen als politifch jwedmäßig unb conferoa» iiben Sntereßen förberti«h anäuempfehlen. Damcntlid; mußte man auf bem ©ebiete ber Sefuiten, gefuttenfdjulen. 741 grgiehung nnb beb Unterridjteb bem fßroteftantibmub eine erfolgreiche Eoncurreng gu machen oerfudjen,' um fo Don unten herauf, burdj 33eherrfd)ung ber jüngeren @eue= rotion, bie SOBitfeit unb ©eifter aflmälig mieber unter bie alte firc^Iidje Sluctorität gu beugen. $>ie Deformation hatte ja feinen einflußreicheren Vorläufer unb IDtitarbeiter gehabt als ben £>umanibmub. Umgelehrt hatte bie eüattgelifcfje Kirche bon Slnfang an auf bie Deugeftaltung unb 33efferung beb ©djulmejenb nach feinen berfcpiebenen ©eiten unb ©tufen ein £>auptaugenmerf gerichtet: bon ben Unioerfitäten gieng bie fachliche Deformation aub, auf bie Deform ber gelehrten ©chulen brang fie, bie eigentliche $otfb= fdjule mürbe bon ihr gegrünbet. £>ier galt eb alfo ber reformatorifcheit ©hnthefe beb ethifchen unb inteßectueflen gactorb, bem frudjtbaren 33mtbe beb Ebangeliumb mit ber Söiffenfdjaft unb aßgemeinen SSilbung, eine ähnliche unb hoch mieber ganglid) oerfd;ie= bene heilige £iga beb röntifdjen 3Iuctoritätbprincipb mit ber Söifjenfchaft, eine fatholijdje grgiel;ung unb Eatlmlifdje Söiffenfdjaft entgegengufteßeu. ®ab Organ aber gu folcher ©egenmirfung gegen bie reformatorifdjen ißrincipien formte meber ber alte hierardjifdje Drganibmub beb im ißapftthum gigofelnben @pibfo= grateö fein, nodj auch bie feiner 3 e 't f° einflußreichen, nun aber innerlich erfdjlafften unb im 3Semußtfein ber 3 e 't überlebten, inöbefonbere aud; ihrer päbagogifdjen Aufgabe Iängft nid)t mehr gemad)fenen, möndjifdjen Orben ber mittelalterlichen Äirche. ®b be= bnrfte einer Deubelebung ber alten formen, einer neuen nodj fdjarferen 3"fpit$t"tg ber hierard)ijd)en Drganifation, einer praftifdjen Ditpajfung beb Dlten an bie neuen 3been unb SSebürfniffe. ®a gieng — gerabe in ber ÜDitte beb fechbgehnten 3ahrf)uubertb, in bemfelben Sahrgehenb, bab überhaupt bie ©rangfdjeibe bitoet gmifdjen bem erften ©iegeblanf ber Deformation unb ber £eit ber beginnenben ©egenreformation, —■ aub bem alten ©tautme beb SDöndUhumb ein neuer 3 TOe ig h eröor ' fm'd)lid)er SSerein, ber bon ÜEnfang an nicpt eine befd^aulidje 3urücfgiehung bon ber SBelt, fonbern bie praftifdje VSirffamfeit in firdje unb SBelt, ben aßfeitigen unb energifdjen Äampf miber bie neuen 3been, bie Vernidßung beb f)5roteftantibmub unb bie Deftauration unb SBieberaubbreitung’ beb röntifd>en Äatholicibmub ft unbebingt jur Verfügung ju [teilen unb jeber «Kiffion bed «Papjleg fid) ju unterziehen. Krft nad; langem Vebeufen im ©d;oß beg römifd;en Karbinalg=Kotlegiumg erlangte bie unterbeffen nad; Venebig unb 9tom iibergefiebelte ©efeUfdjaft bie päpftlidje 33eftäti= gung burd; fpaul III. ben 27. September 1540 at§ Drben ber ©efellfchaft 3efu. 9118 jgmecf ber ©cfellfdjaft bezeichnet bie päpftlid;e Vitlle Regimini militantis eoclesiae hauptfädflid;: „bie gorberung ber ©eelen in d)riftlid;em Seben unb d;riftlid;er Sehre, bie Verbreitung beS ©laubeng burd) öffentlid)e ^5rebigten, burd; geiftlid)e Uebungen unb SBerfe ber Siebe, ingbefonbere aber aud; burd) Untermeifuug ber Änaben unb Unmiffenben im Kt;riftentl;um.‘‘ ßu biefem 3*uecf mirb ber ©efeßfdjaft geftattet, an Unioerfitäten ein (Kollegium ober Kollegien haben ju bürfen, meld;e Kinfünfte, 3infe ober Vefipungen haben, bie für ben ©ebraud) unb bie Vebiirfniffe ber ©tubenten ju oermenben finb, mobei jebod; jebmebe Seitung ober Veauffid;tigung befagter Kollegien, bie 2Bal;l ber Dberen, 3nlaffung, Slbmeifung unb ätugfdjließung ber ©tubenten, bie Slnorbnung ber ©tatuten über Unterrid;t, Krbauung, Korrection, Soft unb Äleibung u. f. m. einzig ben Dberen ber ©efetlfdjaft juftel)t. Damit mar bie @efetlfd;aft 3efu gegrünbet unb ber» felben and) bereits bag päbagogifdje §auptfelb ihrer 2 ©hätigfeit eröffnet. 3llg man 3 ur 2Bal)t beS erften ©eneralg fd;ritt, fo fiel biefelbe einftimmig auf Sgnatiug, ber fie alle in Kl)rifto gezeugt, afö ©djmadje mit «Dtild; geträuft habe, unb ber barunt and) ber ©eeignetfte fei bie ©ereiften mit ber feften ©peife beS @el;orfamg ju nähren. Kr mar eg and;, ber bie ©runbjüge ju ben Konftitutionen ober @runb= gefeiten beS Drbeng entmarf, bie jeboctj erft oon feinem Kadjfolger, bem gemanbten Kaftilianer Safob Sainej, mohl bem eigentlich organifirenben ©eift ber @efeöfd;aft, rebigirt unb proctamirt mürben, ©ie mürben juerft gebrudt 1558 im Collegium Ro- manum. Von ben gehn Steilen, in meldje fie jerfallen, ift eg befonberg ber oierte, meldjer oon ber miffenfd;aftlid;en llntermeifung ber Drbengglieber hanbelt. ©runbgebanfe ber gefamniten Drbengoerfaffitng ift bie miüenlofe Unter» merfung aller ©lieber unter ben einen fffiiHen beg fpaupteg, beg lebenslänglich gemählten, mit gottähnlicher üluctorität befleibeten Drbenggeneralg, ber aber felber mieber mit all ber in feine §anb gelegten 2Rad;t nur bem einen Drbengjmede bient, ber Vertheibigung unb Verherrlidjung ber römifd;4atholifd;en Äird;e. Kg ift ein ©hfteni abfoluter Ken» tralifation unb unbebingter ©uborbination aller unter ben Kinen unb biefeS Kineu unter ben einen 3 raet *r päpftlidje Unioerfal* 33tonard;ie. 9IHeg anbere, bag £>öd;fte mie bag 9?iebrigfte, bag §eiligfte mie bag Unheiligfte ift fd;Ied;thin «Kittel jum 3med, SBaffe 3 um tarnpf. ®enn nicht eine frieblidje @efeüfd;aft gur «Pflege beg inneren Sebeng feiner ©lieber ober ber il)m anoertrauten ©eelen miß ber Drben fein, fonbern eine militärifcf) 3cfuiten, Sefutfcnfdjuleit. 743 organifirte unb biSciplinirte ©ompagnie ober ©ohorte, eine militia Jesu, mie er fid) felbft fo gerne nennt, ein aßjeit fdjlagfertigeS, überall fun bertl)eilteS fpeer, baS unter beS IjtmntelSlfönigS gähnen im Dienfte feineg irbifdjen ©tellbertreterS mit SBaffen aller Irt, geiftlidjen unb meltlidjen gu fampfen bereit ift. „Die ©efettfdjaft 3efu ift gum Kriege geftiftet, frieg ift ihre ßofung, Trieben ihr Dob!" 3 U biefcm Äampfe tüchtige unb mohlgeübte, bor allem aber mol)IbiSciplinirte unb an ftrengfte ©uborbination ge» wohnte ©treiter fit^ Ijerangubilben, bie tbjeilß als ©lieber ber ®efellfd)aft, tl)eilS außer» halb berfelben in ben berfd)iebenften SebenSftellungen ben einen DrbensgmccE gu förbern bereit mären, baS ift aud) baS 3' e l unb barauf beruht baS gange äßefen ber jefuitifdjen ißabagogif. Stuf ber einen ©eite Slbljängigntadjung ber ©d)ule bon einem äußerlid)en, ihr bBKig fremben, bem fird)lid)=l)ierard)ifd)en 3umd:e, auf ber anbcren ©eite aber bie beredjnetfte 3mecfmäßigfeit in beffen riidfidjtslofer SBerfoIgung ift eS, mag iljren Sljarafter auSntadjt. 9?id)t für bie ©djule atlerbingg mirb ^ier ber ÜJfenfdj ergogen, aber aud) nid)t für§ ?eben, nidjt für baS geitlidje, nid)t für ba§ emige, nid)t für baS irbifdje 33aterlanb, aber aud) nid>t für baS 9ieicf> ©otteg, in beffen ©eminnung ber SJteufd) gugleid) feine fmdjfte perfönlidje Seftimmung erreicht, fonbern für bie rBmifdje Äirdie, für baS 9feid) beS PapfteS, ober eigentlid) in leigter Snftang für ben Drben felbft, ber ja nad) llmftänben feine 3b5ede fogar nodj über bie ber Äirdje unb beg PapftthumS gu fteHen meiß. Ser SefuitiSmitS mitt meber bie Religion nod) bie SBiffenfdjaft nod) bie fiunft um ihrer felbft, er miH alles nur um ber Äird)e, ober bietmehr nur um feiner felbft mitten, ©o ift ilfrn and) GsrgiefyungSgmed nidjt ber eingelne ältenfd), nid)t fein geitlic^eS ©lücf, nic^t fein emigeS 2BoIjl, nicht bie fyarntonifd)e SluSbitbung feiner Anlagen, nidjt feine 33raud)barfeit fürs bürgerliche ober allgemeine menfdüidje Seben, nicht feine SSeftimmung für bie ©migfeit, fonbern eingig ber Drben felbft unb bie man» nigfaltigen 3b5ede unb Dienfte, mogu biefer feine ©lieber unb 3ög^ n g e als millenlofe Sßertgeuge brauchen miü. DaS ©ubject mit allen feinen Anlagen, 23ebiirfniffen, Sntereffen gang unb gar in bie Peripherie ber römifdjen Sirdje, in bie Dienftbarleit beS DrbenS gu gieren unb in biefer Umgrengung feftguljalten, alfo baß ber Sefuit ober jefuitifdj gefaulte tatljolifdje ©hrifi rtichtS tfjut, nidjtS rebet, nichts beult miber bie Sirdie unb miber bie Sluctorität ber Dbern, — baß er, maS fein Singe fdjmarg fie^t, meiß gu nennen bereit ift, menn eg bie Äirdje gebeut: bieS macht baS eigenfte SSefen unb ©treben beS 3efuiti8muS aus, — baS ift auch feto oberfteS ©rgiel)ung8p rincip. II. Sleußere @efd)idjte beS DrbenS unb feines ©d)ulmefen8. SSon einer inneren gefdjidjtlidjen ©ntmidelung beS jefuitifdjen ©rgieljungS» unb UnterridjtS» mefenS !ann faurn bie 9lebe fein. SluS jenem Princip ber Sluctorität unb Dbebieng, baS ben @runbd)arafter beS DrbenS bilbet, folgt bon felbft baS ber abfoluten ©tabilität. 2Bie bie fatholifdje Äirdje bon heute gang biefelbe gu fein behauptet mie oon Slnfang an, fo fehr fie and; immer ben geitlidjen unb örtlichen 33erl)ältniffen fid) gu accommobiren mußte: fo ift aud) baS jefuitifd)e ©djulmefen heute nod) in allen mefentlidjen 33egiel)ungen öijUig baSfelbe, unb rühmt fid) beffen, heute nod) baSfelbe gu fein, mie eS fdjon bon ben erften DrbenSgeneralen im bierten Steile ber ©onftitutionen nad) feinen ©runbgügen angebeutet, unb mie eS bann unter bem fünften DrbenSgeneral ©taubiuS Stquabiba in ber 1599 erftmalS publicirten ratio et institutio studiorum meiter auSgeführt mürbe, ©o gäbe aber auch ber Drben an feiner ursprünglichen SSerfaffitng unb Prapis feftl)ält, fo groß ift hoch auch nach Umftänben mieber bie ©lafticität unb @emanbtl)eit, montit er ben jemeiligen DrtS» unb 3e*tberhältniffen fid) angufd)tniegen meiß. Die ®ef cfjidjte beS jefuitifchen ©d)ul= unb ©rgiepungSmefenS ift baher mefentlid) eine bloß äußere, unb biefe ift mieber gang biefelbe mit Der äußeren ®efd)id)te beS DrbenS felbft. ©ie gerfaHt in brei ^auptperioben: 1) bie 3eit feiner ©rhebung unb SluSbreitung im 16. unb 17. Sahrljunbert, 2) bie 3 e ü feines SBerfaüS unb feiner Sluf» hebitng im 18. unb 3) feine 2Bieberl)erftellung im 19.3ahrhunbert unb fein gegenmär» tiger 33eftanb. 744 Sefuiteit, 3efuifcnfdjutcit. Sluf romanifdjem ©oben unb aus bem@eift: bcr romanifctyen Völfer WarberDrben erwadjfen, innerhalb ber romanifdjen Staaten fanb er and) feine erfte Slufttatyine unb Verbreitung, wie er ja non Slnfang an nichts anbereS ift als bie Sieaction beS roma= nifctyen Sluctoritätsprincips gegen baS germanifdje Sßrincip ber fittlidjen ^ßerfönltdjfeit unb fittlidjen ©emeinfdjaft, romanifctye ffteaction im ©egeufaty gegen germanifdje SJeform. Statien, Spanien, Portugal Waren bie erften Si^e ber ©efeEfdjaft: and) für ityre Setyrttyatigfeit fanb fie tyier gleich ein Weites gelb. Sareit ja bod), jurnal in Stalien, uidjt bloß bie oon ®eutfcty(anb ber eingebrungetten, eine geitlang mädjtig um fieb greifenben 9fegungcn eoangelifctyen ©eifteS 511 befämpfen, foubent baneben aud) noch jener aus bem 15.3atyrtyunbert ftammenbe, befonberS in ben b>öl)ei:en unb I^öcfjfteu Äreifeit ber ®efeHfcljaft unb Sirdje tyerrfd)enbe ©eift beS religiöfeit 3nbifferentiSmu8 unb tyuma= niftifctyeu SßaganiSntuS. ßunadjft war eS ber fattyolifdje 9feligionSunterrid)t berSugenb, bem fid) SgnatiuS unb feine greunbe mit bem feurigften (Eifer wibmeten. SoEte man aber ber tyeranWadjfent>en ©eneration unb ganj befonberS ben öornetymeren (Elaffeu ber ©efeEfdjaft ben ©lauben au bie Sluctorität ber Sirdje unb ben 9fefpect oor ityren ?etyreit unb Uebitngen Wteber einimpfen: fo burfte fid; berOrben nidjt auf ben 9ieligionSunter= ridjt unb uidjt auf bie CErjietyung unb SluSbilbung feiner eigenen Sftoofyen befdjränfen, fonbern er mußte fid) als förmlidjen Setyrorben conftititiren unb baruadj trauten, fo oicl mBglidj baS gan 3 e Unterrichts» unb SrjietyungSwefen ber fattyolifdjen SSolEer, be= foitberS aber baS gelehrte Sdjulwefen unb bie ©rjiefiung ber työtyeren Stanbe fowie beS SleruS, in feine £>anb ju befommen. bßapft SüliuS III. erteilte ber ©efeEfdjaft 1552 unter Veftatigung ber ityr fdjon bisher oerlietyenen Vorredjte bie auSbrücflidje (Erlaubnis, überall Sdjulen ober (EoEegien anlegen unb ityre Sd)otaren ju ben afabemifdjen ©raben promooireit ju bürfcn, ißiuS IV. unb V. betätigten biefe (Erlaubnis, legerer im Satyr 1571 mit ber auSbrü(flid;en (Eonceffion, baff bie Setyrer ber ©efeHfdjaft aud) an lltti» Oerfitäten öffentliche Vorlefungen foEen tyalten bürfen. Von nun an war bie ©rünbung jefuitifctyer Setyranftalten ber oerfdjiebenften 9lrt ((EoEegien, ©tymnafien, 2tyceen, Styenaen, Seminarieit, ißenfionate u. f. w.) unb jwar öorjugSweife in ben £jaupt= unb Uniüet* fitätsftabten, in ben SDietropolen beS politifdjen unb wiffenfdjaftlidjeu SebettS, baSfpaupt» mittel ber Verbreitung unb Sirffamfeit beS DrbenS jundctyft in ben fattyolifd)en Oanbern (Europa’S, wätyrenb er gleidj.jettig in ben afiatifdjen unb anterifanifd)en tpeibenlanbern Wie in ben eoangelifctyen Säubern (Suropa’S feine SDtiffionSpojten oorfdjob. 9fafdj tyatte fid) berDrben junädjft über ganj3talien oerbreitet, überaE Sctyulen gegrünbet unb befonberS in 9t ont fdjon unter beS 3gnatiuS ©eneralat bie ißftanäfctyule beS ganzen DrbenS, baS Collegium Bomanum im Satyre 1550 unb 311111 Vetyuf ber Sinwirl'ung auf ©eutfdjlanb im 3atyre 1552 baS Collegium Germanicum errietet. VefonberS ißapft ©regor XIII. (1572—85) mar eS, Welctyer baS Sadjsttyum unb bie Vliite beS Coli. Bomanum Wie beS Coli. Germanicum förberte, neue Collegia nationalia nacty bem Vorbilb beS Coli. Germanicum errichtete unb überhaupt bie (Erridjtung jefuiti= fdjer Setyranftalten in unb außerhalb 3taüenS mit außerorbentlidjem (Eifer unb grei* gebigfeit unterftütyte; 22 3efuitencoEegien oerbanfeit itym ityren Urfprung; gegen jwet SJiiEionen Scubi öerwenbete er auf bie Unterftüfcung junger Seute bei ityren Stubien; es War oieEeidjt feine Sefuitenanftalt in ber Seit, bie nictyt auf bie eine ober anbere Seife ©regorS greigebigfeit erfutyr (9ianfe I., S. 427). gaft nodj größeren gortgang als in Stalien tyatte bie ©efeEfdjaft in bem |jeimat= lanb ityres Stifters auf ber ptyrenäifctyen £>albinfel. 2ltn fctyneEften fanb jieSluf» uatyme in Portugal, wo fie ben^of für fid) 31 t gewinnen Wußte, unb Wo befonberS imSatyre 1554 baS reictye (SoEegiunt 3 U (Eoimbra ityr eingeräumt würbe. 3 n Spanien, baS im Orben felbft anfangs am 3 atylreictyften oertreten war, gelang eS itym bod) erff nad) manctyeit Slnftrengungen unb Sümpfen, baS SEiiStrauen ber Sönige unb bieDppo= fition bominicanifdjer Styeologen 3 U beftegeu unb befonberS tu ben Stabten Barcelona, 3efuiten, gefuitcnfdjuten. 745 5ßatencia, Sllcala, Satamanca ©oltegien gu begrünten, Kine Steife meiterer (Stiftungen folgte, befonberS feit ber öornepnte Spanier grang Vorgia, ber nachmalige britte DrbenS» general, für bie Verbreitung beSfelben in feinem Vaterlanbe tljatig mar. 3tt Velgien patten fie ftd> feit 1542 befonberS in Sörnen niebergelaffen. 3n beit 3eiten beS Kampfes miber bie fpanifcpe £jerrfd)aft mürben fie gmar mehrmals mieber »ertrieben, grüubeten aber bod), begiinftigt öon bent ipnen fonft uidjt fepr gemogenen Sönig ppitipp II. unb befonberS öon Sllepattber jfarnefe, ber ben ©ruttbfap patte, in jebe gurüderoberte «Stabt fogleid) bie Sefuiten gu berufen, aUmälig ipre Kollegien gu Sourtrap, ?)pern, 93rügge, ©ent, Slntmerpen, Vriiffel u. f. m. Unb nidit nur in bem bereits gur fmlfte proteftantifd)en Velgieu mußten fie bie auSfcpließlicpe §errfd)aft beS KatpoliciSmuS mieberperguftellen, fonbern and) in ben öereinigten SUeberlanben fudjten fie feit 1592, befonberS oon Köln unb SiBmen aus, ttidjt opne Krfolg öorgubringen. 3n ein anbereS beutfdjeS Stebenlanb, in bie fatpolifdje Sdjmeig eröffnete ipnen ein Dberft ber Sdjmeigergarbe in Sfottt ben SBeg. 1574 grünbeten fie, befonberS öon ber fyanülie fßfpffer, aber aud) öonPpilipp II., öon ben ©uifen unb öon ©regor XIII. reidjlid) unterftüpt, ein Kollegium gu Sttgern, unb bie Sugerner maren öott i£>neit fo ent» gücft, baß fie in einem eigenen Sdjreiben ben DrbenSgetteral baten, ipnen bie Väter ber @efettfd)aft nidjt mieber gu entreißen: es liege ipnen aHeS baran, ipreSttgeub in guten Sßiffenfdjaften unb befonberS in grömmigleit unb d)riftlid)em Seben mopl angeführt gu fepett. Valb folgte mit Unterftüpung beS PapfteS ein Kolleg gu greiburg 1584, öon Peter KauifiuS begrünbet. VJeit längeren unb träftigeren Sßiberftanb fanben iljre UnterridßSanftalten in graufreid), öor allem in Paris. 3m Sapre 1550 patten fie gmar oon §einrid) II. bie föniglicpe KrlaubuiS für iljre Slufnapnte im Königreid) erpalten, aber baS Parlament mie bie llniöerfität, gunt Dpeil aud) ber frattgöfifdje Kpiffopat, mar ipnen abgeneigt, ba alle burd) bie priöilegiett unb ben ©eift beS DrbenS beeinträdjtigt gu merbeit fürdjteten. 6S erpub ftdj pier jener mertroürbige, langbaiternbe, faßt punbertjäprige Kampf beS SefuitenorbenS mit ber Parifer Unioerfität unb bem Parlament, meldjer in ber ©efdjidjte beS frangöfifcpen UnterridjtSmefenS eine fo bebeutenbe Stelle einnimmt. (Siepe pierüber befonberS Sttbmig fpapn, baS UnterridjtSmefen in granfreid) S. 80 u. f. fomie bie Kncpclopäbie uut. b. Slrt. granlreid) 93b. II. S. 448). 35aS Koncil gu Poiffp im Sapre 1561 geftattete ipiteu gmar enblid) bie ßulaffung, aber nid)t als einem neuen Drben, fonbern nur als einer geleprten ©efeüfdjaft, als Kollegium, unb nur unter ber Vebingung, baß fie fid) ben 93ifd)Bfen, ben Uniöerfitäten unb überpaupt bem gemeinen fliedjt untermiirfen. 9118 fie nun aber unter bem Statuen beS Kollegiums öon Klermont ipre UnterridjtSanftalten in Paris im Sapre 1564 eröffnete« unb burd) Stnftellung tüchtiger Seprer fomie burd) bie Slnfünbiguttg, baß fie lein Honorar öott ben Sdjütern nepnten, fid) großen 3ulauf gu »erfdjaffen fud)ten: fo beftritt ipnett bie Unioerfität, beren 9?ecpte öott bem mutpigen Kangler Steppan PaSquier oertreten mürben, ben ©enuß afabentifd)er priöilegiett unb befonberS baS 9?ed)t gur Krtpeilitng afabetnifdjer ©rabe. ©ünftigere Slufnapnte als in ber jpauptftabt patte ber Drben in ber Proöing gefunben, befonberS in Spon, mo ipnen 1567 ein pradjtootleS Kollegium gebaut mürbe unb mo eingelne aitSgegeid)nete Seprer, g. V. fDMbonat bie Sugenb perbeigogen unb feffelten. Von pier oerbreiteten fie fid) über gang grantreid): befonberS in Dottloufe uttb Vorbeaup fiebelten fie fid) an, 1574 ftiftete ipnett ber Karbinal ©uife eine Sllabemie gu Pont a Mousson, bie öon ben fßrittgen beS foniglidjen fpaufeS befud)t mürbe; ber fpergog öon ©uife errichtete eitt 3efuiteu=SoHegium in Ku, baS gttgleid) für bie öerbannten 3rlänber beftimmt mar; meitere entftanben in Slip, Pau ttnb öielen anberen Drten. -Kette Kämpfe öon Seiten ber Unioerfität unb beS Parlaments folgten unter fpeinrid) IV.: Slnton Slrnaulb öerlangte mit feuriger Verebtfamfeit nicht nur bie SluSfdjließung ber ©efelt» fd)aft 3efu öom öffentlichen Unterrid)t, fonbern ipre SluSrottung aus betn gangen ffteidpe. Slls halb barauf 3opann Kpatel, ber in beut Sefuitencolleg öon Klermont ftubirt unb 746 Sefuiten, Scfutfcitfdjutcn. I)ier bie jefuitifdjen ©runbfäge über ben ÄöuigSmorb eingefogen hatte, ein Sittentat auf baS lieben £>einrid)S IY. madjte, fo Verbannte bas Parlament bie Sßricfler unb ©djüler beS College de Clermont als 33erfüljrer ber Sugenb unb geinbe beS ©taatS im 3aljre 1595. SluS Ißolitif Ijob §einrid) IV. felbft, weil er bie 3efuiten lieber ju greunben als geinben haben Woßfc, im 3aljre 1603 baS SSerbannungSbecret wieber auf unb im 3al)re 1618 erhielten fie trof3 ber fortbauernben Dreclamaticnen ber Unioerfität burdj föniglidjen 33efel)l neue Konceffionen, inSbefonbere baS Dtedjt, Bffentlidje SSorlefungen in allen 3^igen ber SBiffenfdjaft in ihrem Koflegium galten ju bfirfen, nur unter ber 23ebingung, baff fie fid) ben ©tatuten ber Unioerfität untermürfen. ©ennod) beharrte biefe in ihrem SBiberftanb in ^Betreff ber Krtljeilung alabeniifdjer ©rabe, bis enblidj bie ©unft SubwigS XIV. jebe Weitere Kinrebe oerftummen madjte unb bent Drben jur Krreid)uitg beS längft angeftrebten 3l e l 8 oerhalf. SllS ein äußeres 3eid)en Jcniglidjer ©unft erhielt baS Koßegium oon Kfermont bei einem S3efudj £ubwigS XIV. bie Kr= laubnis, feinen Diatnen mit bem nadjljer fo berühmt geworbenen beS College de Louis le grand oertaufd)en ju bürfen. Unter aß biefen 3lnfed)tungen hatte ber Drben bie 3al)l feiner Slnftalten in aßen feilen granfreidjS fortwäljrenb bermeljrt: im Slnfang beS 17. 3at)rl)unbertS jählte er bereits 200, im 3aljr 1750 fogar 669 ©djulen in granf» reid). ©urdj bie angieljenbe gefäflige SBeife ifjreS UnterridjtS, burd) ü;re Slccommobation an bie ©itten unb @eWobnl)eiten ber 355eit hatten fid) bie Sefuiten bie ©unft afler Klaffen ju oerfdjaffen gewußt: Äinber aus ben hödjfterx gamilieit wie bie Unbemittelten fud)ten ihren Unterricht unb befonberS wibmeten fie fid) in ihren ©eminarien ber Kr» jiel)ung ber ©eiftlidjfeit. Slud) auf bie ©taatSanftalten Wie auf anbere religiofe Drben, g. 33. bie 33enebictiner, Wirfte bie erfolgreiche Koncurrenj ber Sefuitenauftalten wohl» thätig juriicf: bie Seljrer würben eifriger, bie SDtethoben anregenber, ber ÄreiS ber UnterridjtSfadjer erweitert, inSbefoubere aud) mehr gleiß auf bie Seljrerbilbung öerwenbet. SllS eine urfprünglid) Bloß franjöfifdje, fpäter and) Weiter fid) auSbreitenbe Slffi= liation beS SefuitenorbenS ift ju betrad)ten bie 1724 burdj ben Abbe de la Salle ge= ftiftete Kongregation ber dmftüdjen ©djulbriiber, freres iguorantins: fie bilbeten eine Krgänjung ber päbagogifdjen 3:^ätiijf'eit ber Sefuiten, hauptfädjlidj baburd), baß fie fid) bem unentgeltlichen 93oltS|d)ulunterrid)te Wibmeten (f. b. Slrt. ©djulbrüber). Sßiit Unterftüfcung ber Sefuiten, beren religiofe ©runbfäfce fie theilten, fanben fie einen auSgebehnten 355irlungSfreiS in granfreid), 3 . ©h- aud) ln anbern Säubern, unb oertraten theilweife bie ©teße beS SefuitenorbenS nad) beffen Slufhebung (f. u.). Slber nid)t bloß in ben non Slnfang an überwiegenb f'atholifd) oerbliebenen rorna» nifd)en S3ößerfd)aften fudjten bie Sefuiten il)re ^jerrfdjaft gu begrünben unb inSbefonbere ben Sugeubunterridjt au fid) ju reißen, gaft größer nod) unb raffinirter waren il)re Slnftrengungen, biejenigen Territorien, Wo bie Deformation ihren SluSgangSpunct gehabt unb gang ober bodj größtcntl)eils burchgebrungen War, ber eoangelifdjen $irc£)e wieber ju entreißen unb jur Unterwerfung unter bie päpftlidje Sluctorität jurüefjuführen — alfo ©eutfdjlaub, Kngtanb unb baS nörblidje Kuropa. 3uerft fud)te man aus ber gerne auf biefe ©ebiete einjuwirfen: baS tSpauptmittel baju war bie Krridjtung oon 9tationaI = Kollegien, oon KrjieljungSanftalten, bie fid) äur Slufgabe machten, 3ünglinge aus ben betreffenben Nationen in jefuitifd)em ©eift heranjubilbcn, unb fie bann als SDliffionare in ihre fpeimat ju fenbeu. ©ie erfte ber» artige Slnftalt war baS bereits 12 3aljre nad) ber ©tiftung beS DrbeitS oon 3gnatiuS felbft begrüubete Collegium Germanicum in Dfont, ein Üöfterlid)eS KrjiehungSinftitut für junge ©eutfdje, anfangs nur für ©eiftliche, fpäter eine 3 e ltl an S and) fl’ r £aien. ©eine 3ilglinge leben unter Sluffidjt jefuitifdjer Oberen jufammen unb tljeilen ben Unter» rieht im Collegium Romanum. Kine Dieilje bon äljnlidjen Slnftalten fcfjloß fid) fpäter an baSfelbe an. ©ie oberfte Leitung beS Coli. Germ. erl)ielt eine Kommiffion oon 6 Karbinälen, Ißrotectoren genannt; fie foßen fid) mit |jülfe oon SSertrauenSmännern in ©eutfdjlanb unb anberen fe^crifdjen Sänbern nad) fähigen jungen Seuten umfehen; Scfuitcn, ^cfuitcnfcfjutcn. 747 tiefe fetten 15—21 3aljre alt, gefettet unb oon ber 97atur wotjt auSgeftattet, namentlid) mit einer leisten unb gejienienben 2trt fid> auäjubritcfen begabt feiu. ©ie üerpftidjten ftdj ju lebeuStängtidjer Streue gegen bett ©apft, bie fatljolifdje Kirdje unb bie fattjolifdje Religion, oerfpredjen bie geiftlidjen Söeiljen ju nehmen, wenn bie ©rotectoren eS be= festen, unb im SoHeghtm ju oertjarren, bis fte für tüchtig eradjtet finb, in tljre £>eimat gefenbet jn »erben. (©. über baS Coli. Germ, unb bie übrigen collegia nationalia: J. Cordara, coli. Germ, et Hungarici historia, 9iotn 1770; 3)aS beutfdje Eottegium in 9tom; Eutftetjung, gefdjidjtlidjer Verlauf, SBirffamteit ic. Stetig 1843; Steiner, ©efdj. ber geifttidjen ©itbungSanftatten, SJtainj, 1838, ©. 85. ff.; bef. aber SKejer, bie ©ropaganba, 2ty. I. ©. 73 ff. unb berf. in tperjogS 9iealenc. II. ©. 780 ff.). Salb aber begann ber Drben audj fdjon feine 9fieberlaffungen auf beutfdjem ©oben fetbft 31t grünben: jiterft »ar eS 2öien, »o König gerbinanb auf beit 9fatt) feines ©eidjtoaterS, ©ifdjcf Urban oon Satjbad), bie ©rünbung eines ßottegiumS geftattete (1551), „beim baS einzige ©iittet, bie fattjotifdje Kirdjenleljre in ©eutfdjtanb aufredjt jtt ermatten, beftelje barin, baß ntatt beut Jüngern ©efdjtedjt gelehrte unb fromme Kattjolifen ju Seljrent gebe." ©ie lehrten in 6 Staffen tateinifdje ©pradje unb anbere ©Mffen» fdjaften; halb erlangten fte überwiegenben Einfluß auf bie Unioerfitat uttb befamen jutetjt feit 1624 biefetbe oöttig in iljre §anb: fie erhielten bie potestas amplissima docendi literas humaniores, lingnam latinam, graecam, hebraicam, philosophiam de- nique omuem ac theologiam (f. ©odjer, historia provinciae Austriae soc. Jes. I. 21; 9Jante, ©efdj. ber ©apfte II. ©. 25. 460.) Staunenswert!; »ar bie ©dineltigteit, »omit ber Drben fidj »eiter in ©eutfdjlanb oerbreitete, b. Ij. sunädjft in ©üb= unb SDiittetbeutfdjIaub: ©atjern, Styrol, ganten, ©djwaben, ben 9itjeintanben, ©ötjnten, iDMtjren u. f. ». greilidj »ar ber Drben fjier nidjt eintjeintifd), fonbern ein auStanbifdjer, rontanifdjer Smportartifet: baljer waren eSan» fattgS nteift „Wetfdje ©ater", ©panier, 3tatiener, 9?iebertänber, wetdje itjn auf beutfdjem ©oben oertraten. ©atb aber gewann er and; beutfdje Kräfte, fo befonberS ben für bie 3»ede beS DrbenS, für feine ©erbreituttg in ©eutfdjlanb, unb namentlidj attdj für bie 2tuSbitbung ber fefuitiftfjen ©äbagogif unermübtidj gütigen ©eter SanifiuS (geb. 1524 3U 9?im»egen, Se^rer unb ©rünber oerfdjiebetter 2lnfialten in Sngotftabt, Söien, Dittingen, StugSburg tc., ©erfaffer beS befannten fefuitifdjen KatedjiSmuS, f 1597 in greiburg). 9?afdj folgte bie ©rünbung oon Sefjranftatten ber Sefuiten in Söln, »0 fie 1556 eine ©urfa erhielten unb in itjrciu EoUegium 31t ben brei Kronen 1634 über 1200 ©djüter bereinigten; in 3n= gotftabt, »0 befonberS ber batjrifdje Satter ©BiguleuS tpunbt unb ber Ijersogtidje ©eljeintfdjreiber ©djwigger tro(3 mannigfadjen SBiberftanbS oon ©eiten ber ©tabt unb Unioerfitat itjnen 1556 ülufnaljme unb batb einen fpauptmittelpunct iljrer SBirffamteit oerfdjafftett; in ©rag, »0 iljtten in bemfetben Satjr K. gerbinanb ein ©äbagogium Oor3Üglidj für bie abetige Sugettb grünbete unb »0 ber fatljclifdje Sttjeit beS bötjmifdjen Stbets, befonberS bie 9iofenberg unb Sobfowij, itjnen feine Unterftüfcung guwanbte; in ÜKündjen 1559, »0 fie fidj als in bem „beittfdjen 9tom" batb befonberS tjeimifdj füllten unb Wo bie eifrig fattjolifdjen §ergoge »ie SUbertY., Söitbjetm Y., SJiapiniitian itjnen reidjfte ©unft unb gorberung angebeiljen ließen; in ©ittingen 1563, »0 itjnen oon bem Sarbinat Srndjfeß üon ütugSburg fämmttidje Seljrftiiljle ber Unioerfitat über» geben würben. SBeitere Sottegien erljietten Snöbrucf, Dtmü 3 , ©riinn, Srier, 9 D 7 ain 3 , ©peier, Stfdjaffenburg, ©rattnSberg (1569), § eilig enftabt (1575), beffen ©tjmnafium fdjon nadj 2 3aljren über 200 ©djüter 3äljtte, ©aberborn, »0 itjnen 001t ©ifdjof Styeobor oon gürftenberg baS ©tjmnafium übergeben unb itjr Sot» tegium 1604 aufs pradjtigfte auSgeftattet Würbe, ütftünfter, Wo fie feit 1587 unter» ftüfet Oom 3fatb) unb gürftbifdjof fdjnett große Erfolge erreidjten unb fdjon nadj wenig Satjreit 1000 ©djüter jäfjtten (©Bfetanb, ©efdj. beS SEUünfter’fdjen ©tjntnaftumS, ©?ün= ßer 1826. 8); $3 ür 3 bürg, too'pin fie ©ifdjof SutiuS Edjter oon SKefpetbrunn, fetbft ein Sefuitenjögting attS bem CoHegium Eomanum, rief, um mit ifyrer §ütfe 1584—87 748 Sefuiten, yefuttenfcfjulen. ben ^rcteftantiöniuS in feiner SDiöcefe gemaltfani ju oernichten; jyutba, mo ber eifrig fatholifdje Abt 33attt>afar il;nen §ait8 unb ©d;ule baute unb felbfl bei ihnen Unter= rieht nat;m u. f. m. Unermeßlich War bie Deaction, melche ber Drbeit gerabe in bem ©tammlanb ber Deformation, in Seutfchtanb, bemirfte, anfangs burd) bie frieblit^en “Mittel ber Ueberrebitng, burd; ißrebigt unb Sugenbunterridft, burd; itjre mit SBittenberg unb @enf, mit Tübingen, fieibelberg, 3ena ic. concurrirenben unb in einer SOJaffe oon ©treitliteratur polemifirenben Uniöerfitäten, mie burd) it;re ben ©hmnaften entfpredjen» ten nieberen Seljranftalten, meld;e burd) ben ©fang ihrer Seiftungen, burd; ben Vorteil beS unentgeltlidjen Unterrichts unb anbere Mittel ftd) empfanden unb befonberS ©ohne auS ben h*>h eren ©tänben, nicht fetten auch aus eoangetifdjen gamilien, an fithgu loden fudjten. Vatb aber, nadjbem bie „melfdjen Vater" burdj baS aCtmät)üd>, aber nur um fo ficherer mirfenbe Mittel ber Srgiehnng unb beS Unterrichts bie fatt)olifd)=fird)li(he ©efinnung unb ben Defpect Bor ben Auctoritäten unb Sultubformeu ber römifdjen Kirche toieber in bie £>ergen ber 3ugenb unb burd; tiefe in ben ©d;oß ber f^amUten einge= pflangt hatten, ergab fich aud; 3 e ü unb ©etegentjeit, gu ben rafd;er mirfenben Maßre= getn geloattfamer ©egenreformation übergugehen. 2BaS bie jefuitifdjen Seljrmeifter im ©d;oß ihrer Sollegten theoretifd; begonnen, baS Juchten ihre ©djüter unb greunbe in hoh^ nnb niebern ©tänben, auf VifdjofSftühlen unb ©h roneu (ein £>ergog Albredjt Y. unb SBilhetm Oott Vapern, Srgljergog Karl oon ©teiermarf, ein Kaifer gerbinanb II. unb III., ein Maximilian oon Vapern, SBaHenftein u. a. mären 3efuitenfd;üler unb — greitnbe) fortgufepen unb praftifd; gu oermirflidjeu — bie fpftematifdje Vefämpfung, ge= mattfame Verbrängung unb üöüige Ausrottung beS tßroteftantiSmuS. S)aS gange SSBerf ber ttjeitS tiftigen ttjeilS gemattfamen ©egenreformation im 16 . unb 17 . Salmhunbert, inSbefenbere aber ber breißigfäljrige Krieg mit alt bem 3atnmer, ben er über ©eutfd)* taub gebracht, ift mefenttich ein jefuitifd;eS SrgiehungSrefuttat, mie beim auch ntährenb beSfelbeit bie Sefuiten jebett ©ieg ber fatpolifchen SEBaffen benü^ten, um neue bßofitionen in ®eutfd)tanb eiugunehmen. ©o rüdten fte in Vöhmeu, in ber fjjfalg, iu SBurttem» berg, in norbbeutfchen Sterritorien ein; inSbefonbere aber fdjicften fie fid) an, baSDefti* tutionSebict b. 3. 1629 in auSgebeljnteftem SDfafi für fid; gu benütsen; bereits mar in Dom befdjloffen, bie in geige beS faiferlidjen SbictS gu reftituirenben ©üter Jollen oor= gugSmeife gu Errichtung oon ©eminarien, Alumnaten, ©djuten unb Sollegien ber Sefuiten unb anberer Drben oermenbet merben; bie Sefuitenanftalten mürben fich aud; über gang Dorbbeutfdjtanb ergoffen haben, hätte nidjt baS Srfcheinett ©uftao AbolfS bem ©ang ber ®inge eine anbere SBenbung gegeben. Am menigften gelang es bem Drbett unb feinen ©oar btieb nichts unoerfitdjt, um befonberS in Snglanb Voben gu geminnen: gu®ouai 1569 unb gu Dom 1579 mürben jefuitifdje Sotlegien gegrüubet, bie il;re Alumnen für bie englifche Miffiott peranbilben feilten; aber bie ©trafgefe(je ber Königin Slifabeth oerpöuten jebe Verführung gum KatholiciSmuS als ^ochoerratt; unb oerbannten alle Sefuiten unb Sefuitengöglinge aus Snglanb ( 1585 ). Auch bie erneuten Verfudje gur geftfeljung beS DrbeuS in Snglanb unter ben ©tuartS, befonberS unter 3atob II., unter bem fie fogar ein gahlreid), aud) oon proteftantifdjen 3öglingen befucpteS Seßeg in ©aoot) errichteten, führten nur gum Verberben ber oerblenbeten §>errfd;er, bie ben jefuitifdjen Verführungsfünften ihr £>h r flelieljen. Sbenfo hatten in ©darneben bie Verfudje ber Sefuiten, ben König unb baS.Volf burch Dationalmiffionare, bie in ben Sefuitenfdjulen gu VraunSberg, Dlmüg, gulba ge= bittet mürben, in ihre Depe gu giehen (fchon trug man fich in Dom mit bem Man, eine SefuitenfdJule gu ©todholm gu errid;ten), fein anbereS Defultat, als bie Verban= nung ber Sefuiten nid;t nur, fonbern aller Katholifen nuS ©djmeben. 3n Eßolett bagegen gelang eS bem Drben, befonberS ben jungen Abel für fich gu geminnen unb beffen Srgielnntg faft gang in feine Ipänbe gubefommen. Sarbinat ^ofiuS, Sefuttett, ^cfuttenfc^ulert. 749 23ifd)of Bon Krmelanb, fliflcle ihm guerft ein Kollegium gu 23raun8berg 1569; halb würbe baS gange Sanb Bon feinen ©djulen unb ©djülern überfchwemmt, befonberS unter ber Regierung bed „SefuitenfönigS" ©igmunb III. unb 3ol;ann KafimirS, ber fcgar felbft SJfitglieb beS DrbenS gewefen mar. 3n $ultu§f, Wo baS Kollegium halb 400 ßögliuge gäl;lte, alte Bon Abel, in ‘’ßofen, SBilna, Rrafau, ©robno, S^orn u. a. D. befaßen fie ihre Anftalten; „fyunberte Bon gelehrten, rechtgläubigen, gottgemeiljten 9Jtän= nern aus bem Drben touren befd;äftigt, bitrd; ©djulen unb ©obalitäten, SBort unb ©djrift 3rrthümer auSgurotten unb fat^otifc^e grömmigfeit gu pflangen" (ArgentuS de rebus soe. Jesu in regno Poloniae 1615; 9?aufe II. ©. 392 ff.). 2Beld)er ©eift „tatl)o= lifdjer ^römmigfeit" Bon ben „gottgeweihten" ÜUtännern in biefen Anftalten gepflanjt tourbe, baoon geben beutlidjed 3 eu gni8 jene oft Wieberljolten brutalen ©emaltthaten, welche Bon fanatifirten Sefuitenfchülern gegen bie polnifdjen ißroteftanten oeriibt würben: fo 1606 unb 7 in Rralau, 1611 gu SBilna, 1616 in tßofen, nnb bei bem fdjänblidjen „SSIutgeridjt gu Dh or n" 1724 war gleichfalls ein jefuitifdjer ©djulfnabe ber erfte An= ftifter blutiger ©reuel. SBeldje fdjWere 2)?itfdjulb aber an bem gefamtnten fittlich=geiftigen unb politifdjen SSerfaH beS mtglüdlidjen ^otenoolfeS ber jefuitifdjen ißäbagogit gur Saft fällt, l;at ein $oIe felbft, ©raf RrafinSft;, nad;geWiefen in feiner englifd; gefd;riebenen 3?eformation§gefchid)te feines 33aterlanb8 (historical sketch of the rise, progress and decline of the reformation in Poland. Sonbon, 1838; beutfd), Seipgig, 1841). Audj in Ungarn waren bie Sefuiten §auptanftifter bed blutigen Fanatismus, Womit bie bortigen )ßroteftanten bafelbft feit ben Sagen Raifer FerbiuanbS II. »erfolgt Würben. ^Berufen würbe bie ©efeüfdjaft bortlnn guerft burd; ben Krgbifdjof oon@ran, ÜJticoIauS Dlal;u8, ber gur Erziehung einer !atholifd;=gefinnten ©eiftlidjleit unb um bem Verfall beS RatholiciSmuS in Ungarn gu fteuern, 1561 ein 3efuitencoüeg gu Stjruau fiiftete. fortan Waren bie Sefniten eifrigft bemüht, nicht bloß ihre eigenen ©d;ulan= ftalten über baS Sanb gu oerbreiten, fonbern namentlid; aud; burd; fpftematifdje 33er= folgungen unb ^Beeinträchtigungen bie blühenben Stnftalten ber )ßroteftanten gu oer= berben. 3n fKußlanb enblid; fanb bie ©efeUfdtaft 3efu, nach mand;en oergeblidieit S8erfud;en, nid;t bloß Aufnahme (ihr £>auptfi(5 würbe baS Kollegium gu )ßolog!, bem 1812 Bon Raifer Aleyanber alle Sefuitenfdjulen beS rufftfdjen 9teid)8 untergeorbnet wur= ben), fonbern aud; eine £uflud;tftätte in ber 3 e 't ihrer Aufhebung unb 35er= treibung aud ben römifd)=fatholifchen Sänbern Kuropa’S. SDiefe im 3ahr 1773 für ben Drben eingetretene Rataftroph e tnar längft oorbe= reitet. Denn auf bie 3eit ber Krljebung unb Ausbreitung, ber SBlüte unb .fperrfdjaft beS DrbenS unb feiner ©cfjulanftalten war, befoncerS feit bem Anfang beS 18. 3ahr= hunbertS, eine 3eit beS 9lad)laffenS unb ©infenS, ber Krfdjlaffung unb 33erwelt(id;ung gefolgt, bie fid; inSbefonbere aud; in feinen päbagogifd;en Seiftungen offenbarte (f. 9fanfe 93b. III. ©. 122 ff. unb bef. 129 ff.). Der ®runbfa (3 ber Unentgelttidjteit beS Unter= ridjtS beftanb jWar noch, aber man nahm ©efdjenfe unb fud^te befonberS reiche ©^üler. Die )ßrofeffen, welche bisher in eigenen Käufern oon Almofen gelebt hatten, brängten fid; in bie ©teilen Bon SKectoren reidfer Kollegien, um beren Kinlünfte in 9fuhc ju genießen, Währenb bie eigentliche Amtsführung in ©djute unb Äirc^e jüngeren Seuten überlaffen Würbe. Die DiScipIin oerfiel; bie wiffenfdjaftlidhen Seiftungen blieben hinter ben Anforberungen ber 3 e it jurüd; ber gange Drben, feine SDloral befonberS wie feine ^äbagogit, fan! in ber öffentlichen Achtung. 3n bem SanfeniSmuS juerft auf fird;lichem, juntSheil aud; auf foäbagogifdjetn ©ebiet (über bie petites ecoles oon ^orkfRotyal unb beren Kinfluß auf baS franjöfifdje ©d;ulwefen, fiel;e b. Art. granfrei^ ©. 449), bann aber befonberS in ben neuen 3been beS ad)tjehnten SahrljunbertS, in Bern ©eifie ber Aufflärung unb Auflehnung, ben ber 3efuitiSmu8 theilS nicht mel;r gu bämßfen oer= mo^te, theilS felbft mit großgegogen I; a tte, evftunb feiner fperrfdjaft ein immer gefährli= rer politifdjen unb mercantilifdjen Operationen bagu, bie Sefuiten meljr unb ntefyr audj in ben fatljolifdjen Sänbern gu einem ©egen- ftanb ber adgemeiuen ©ntrüftung unb ©erad)tung gu madjen. Unb als enblidj, nad) ber oorangegangenen AuSmeifung ber Sefuiten and ber SD'ietjrja^I ber fatljolifdjen Staaten, unb nadjbent ber Drben felbft ftdj für untoerbefferlidj erHärt Ijatte (eint ut sunt, aut non sint), ißapft Siemens XIY. ben 21. 3uli 1773 baS für iljn mie für ben Drben gleich nerl)ängniSt>ode Aufhebung Sbreöe Dominus ac Eedemtor noster erließ, fo mürbe biefe SDfaßregel faft in gang Suropa mit ungeteiltem Subei aufgenommen. 9Jur ter= eingelte Stimmen propljegeiteu ben ©erfad beS fatljolifdjen SdjutmefenS; Sfußlanb ge» mährte bem Drben eine 3ufludjt uubjeftattete iljm bie gortfilljrung feiner Sdjulanftalten; fyriebrid) II. non Preußen aber mar fogar bemüht, bie DrbenSgtieber nad) Sdjlefien gu gieljen, meil er burd) fie einen moldfeilen fatljolifdjen Sdjulunterridjt 3 U erhalten tioffte. Sind) fcnft übrigens, natnentlid) 3 . 33. in Defterreid), mürben bie Spjefuitett nielfad} als Seljrer an ben StaatSanftalten nermenbet, and) bie eingegangenen Sefuiten» güter menigftenS tljeilmeife für Sdjulgmecfe beftimmt. Sn bem 3^talter ber (Gegenreformation Ijatte ber SefnitiSmuS feine Sutfteljung unb erfte Ausbreitung gefunben, bie auf bie Erregung beS SüfeformationSgeitalterS gefolgte 3<üt geiftiger ©rfdjlaffung Ijatte fein SBadjStljuni begünftigt. ©ine ctljnlidje 3eit beS 3füdfd)lagS unb ÜfüdfadS, bie auf bie fraugöfifdjen 9Jet>oIutionSftürme unb bie 33e= freiungSfriege gefolgten Saljre ber ©rfdjlaffung, ber 9feactiou unb 9feftauration, bradjte bem Drben feine förmlid)e 3Bieberljerftellung. Aufgeljort l;atte er unb fein ©influß auf baS Srgiebungsmefen ber fatljolifdjen ©olfer eigentlid) nie. Denn aud) in ber 3 mifdjenjeit I)atte er nid)t bloß in dfußlanb unter einem eigenen ©eneraloicar, fonbent in ber ©erborgenljeit unb unter berfdjiebenen tarnen, namentlid) unter bem beS DrbenS ber dfebemtoriften ober Siguorianer, als „©efedfdjaft ßom Ijeil. fpergen Sefu“, als ©ater beS ©laubenS, ^3accauariften k . aud) anbermärtS fortgelebt unb fortgeleljrt. Die @e= fedfcfjaft Sefu l)atte fid) nur fdjeintobt geftedt, um ttic^t bödig tobtgefdjlagen gu merben: bei ben erften SounenftraI)len ber 9feftauration, bie über ©uropa 3 U leudjten begannen, mad)te ße alsbalb mieber auf. Sannt mar ©apft jßiuS YII. borgugsmeife burd) bie ©emiiljungen gmeier ebangelifdjer unb einer fd)iSmatifd)en ©roßmadjt, nad) 3fom gurüd» gelehrt, als er b. 7. Aug. 1814 burd) bie Sude Sollicitudo omnium ben Drben in feiner alten ©erfaffung mit ad feinen früher befeffenen fßribilegien reftituirte. Aus» brüdlid) erhielt er aud) mieber bie ©rlaubniS, fit ber ©rgieljung ber fatljolifdjen Sugenb gu mibmen, Sentittarien unb ©odegien 31 t leiten, nad) ber SBeifc beS SnftitutS bie Sugenb in ben AnfangSgritnben beS ©laubenS 3 U unterridjten unb gu guten Sitten gu bilben. Saft in ber gangen fatljolifdjen ©Ijriftenljeit mürbe biefe ©faßregel mit Iteberrafdjung aufgenommen. Aud) gelang eS ber ©efedfdjaft gunädjft nur in Statien (bef. ©eapet, Sirdjenftaat, Sarbinien, ©fobena) unb Spanien mieber ©ingang gu finben: überad mo fie gugelaffen mürbe, marf ße ftdj gleid) mieber borgugSmeife auf baS Seljramt, memt gleid) anfangs großer ©fanget an tüdjtigen Seljrfräften mar. ©apft Seo XII. gab djr 1824 baS Collegium Eomanum nebß mehreren anberen Anftaltcn gurüd unb legte barnit bie ©rgiel)ung eines ftreng fatljolifdjen SleruS mieber in il)re fpaub. ©regor XYI. übergab bem Drben bie auSfdjließlidje Leitung beS ©odegiumS ber ©ropaganba in 9font (1836) unb begeugte ifjm auf jebe 3ßeife feine ©ereljrung. ©ang befonberS aber mar eS ber ©eneral 9footIjaan (1829 —53), ber bem Drben gu neuem ©influß unb AuSbrei» tung gu berljelfen fttdjte unb ber inSbefonbere aud) bie jefuitifdjen SrgiefmngSgrunbßte burd) bie neue 1829—32 beranftaltete dfeoißon ber ratio studiorum gu erneuter fperr» fdjaft brachte, unb mie fo gang ber neue 1833 gemäfdte DrbenSgeneral ©ater ©elp aud) in biefer ©egiel)ung in bie gußßopfen feines ©orgängerS trat, fpridjt beutlid) fein b. 15, Suli 1854 an baS ofterreidßfdje UnterridjtSminifterium geritteteS Sdjreibett aus, Sefuiten, Sefuitenfdjuten. 751 worin er aßen ftaattidjen Dteformberfudjen gegenüber für untieranberte gefttialtung an ben Sonftitutionen itnb ißorfdjriften ber ratio studiorum ber ©efefifdjaft 3efu fid) er= ftdrt (®te ©pmnafien DefterreidjS unb bie 3efuiten ©. 31 ff.). ®ie ©efeflfdjajt felbft unb if;re Qfreunbe würben feit ber 3 eit itjrer SBieberlferfteßung nidfit mübe, immer wieber bie SErefflidjfeit beS jefuitifdjen UnterridjtS unb ganj befonberS aud) bie politifdje 23raudj= barfeit ifjrer ErjiebungSWeife anjupreifen. ®ie Weitverbreiteten ©pmpattiieeu foldjer, weld)e unter ben ©türmen ber lebten SBergangenljeit nid)ts gelernt unb loieleö »ergeffen Ratten, unb befonberS bie großartige SSerbtenbung furjjidjtiger Staatsmänner, weldje, SReform unb IRebolution t>erwed)felnb, in jefuitifdjen ErjieI)ungSgrunbfät 3 en baS fidferfte SRittet feiert jrtr 2lufredjtl)attung beS Seftepenben, tarnen ber ^Rehabilitation beS DrbenS in ber erften wie in ber ^weiten IReactionSperiobe unfereS 3al)rl)uuberts (1814 ff. wie 1849 ff.) trefftid) ju «Statten. ®od) war aud) biefe ißeriobe neuen Siegs unb neuer tperrfd)aft nid)t ot)ne fdjwere Sümpfe unb wieberljotte fdjmäljitdje ÜRieberlagen. 3uerft faßte ber wieberfiergefteßteDrbett in Statiengmß: nad) WenigenfUtonaten befaß er 9 Soßegien im ftirdjenftaat, batb tarnen weitere in anbern Säubern ßinju, metjr als er anfangs mit feinem fpävtidjen Seprerperfonat berforgen tonnte. 3 n ©emta, SEurin unb an nieten anbern Drten erhielt er prad)tboße, ja^treid) befurfjte Soflegien: in Surin leitete 5Rootl)aan 1823 unb in ben fotgenben Satiren baS Collegium St. Francesco de Paula, wo bie gaitje borneßme Sugenb itjre Erjietiung erhielt. SefonberS aud) in Sßeapet unb ©icitiett fanben fie günftige 2lufnal)me: 1845 befaßen fie in ©icilien 15, auf bem geftlanb 4 Soßegien. 2luS SRußlanb, wo fie nad) ber ülufljebung beS DrbenS eine 3nftud)t gefunben, würben fie batb nad) beffen 2Bieberf)erfteßung — b. 25. SÖiärg 1825 — um ifyret propaganbiftifdjen nnb politifcfsen Sntriguen wißen burd) taifertirf)en UtaS auf ewige 3 eiten verbannt. Stuf ber pprenäifdjen^ialbinfel wedjfette il)r Einfluß rafd) mit ben politifdjen Parteien unb Sßirren. 3n ©panien würben fie non König f^erbinanb berufen, 1820 burd) SSefdßuß ber SorteS aufs neue auSgeWiefen, non gerbinanb VII. 1824 refyabi» litirt, 1835 non ber SRegentin SJfarie Stjriftine Wegen ifyrer tarliftifdjen tparteifteßung wieber verbannt; bennod) wußten fie fid) t^eitS ju behaupten, ttjeitS aufs neue einju» fcf)Ieid)en. Portugal, burd) Son SRiguel 1829 itjnen geöffnet, Würbe ihnen 1834 burd) ®on i)5ebro aufs neue nerfd)toffen. 3n Defterreid) tjatten fid) jwar langft Stimmen erhoben, Weldje bie jefuitifd)e UnterridjtSmethobe atS bie einzige für ben Kaiferftaat paffenbe aufs neue anempfahlen: „bie 3efuiten ■— fließ eS — Ijaben bem ©taat geljorfame 33ürger, ber Äirdje gläubige Äat^otiten exogen." Stßein bei aßem Sifer für potitifd)e unb geiftige IReaction fierrfd)te bod) gegen bie Sefuiten an entfdjeibenber ©teße lange 3 e 't ^inburd) eine 2 Intipatl)ie: Kaifer fjranj I. Woßte nid)tS non ihnen wiffen, SRetternicf) war ihnen abgeneigt. 9tur unter bem tarnen ber Sigorianer fanben fie anfangs (feit 1816) Eingang unb teilte päbagogifd)e Söirtfamteit; nur in ©aßijien errid)teten fie feit 1820 mehrere ©pntnafien (ju Sarnopol, Semberg u. a. a. £).). 3 n ben übrigen tßroninsen erhielten fie erft feit 1838, befonberS burd) ben Einfluß beS weiblidjen SßeitS ber fiaiferfamitie (Er^erjogtn ©opljie u. a.) wieber Slufnatjme unb immer unbefdjränttere 3 u l a fi urt g auf bem ©ebiete beS ltnterridt)tS (Soßegien ju SnSbntd, ©rä( 3 , Sin} it. f. w.). ®ie ®refflid)teit ber jefuitifdjen Sepr= unb Er^iepungSmetbobe würbe in marttfdjreierifdier SBeife angepriefen. ®od) erhoben fid) aud) fräftige ©tirnmen gegen fie, wie 3 . 18. mitten in bem ftod'fa= tbotifdjen ®proI ber gelehrte SBenebictiner Sttbert Säger in SnSbrud mit unerfdjrodenem fjreimutl) baS Unterrid)tSwefen ber Sefuiten unb tl;re Seiftungen auf biefent ©ebiet in öffentlichen S3ortragen angriff. Stuf baS übrige ®eutfd)lanb wie aud) ©roßbritannien fudjten fie tfieitS Wieber Con ben Dtationatcoßegien in 9tom, tl)eitS Oon natier gelegenen 2)ci)fionSftationen aus ein= 752 Scfutfctt, gcfuitcnfdjulcn. guiüirfert. 3n Knglanb befaßen fie fc^on 1841—44 eine Dfeipe oon Kollegien unb Raufern (befonberd bad Kollegium unb ©eminar p ©tonppurft). 3n 5}keußen fal; ftd; Äöitig griebrid; 2Bill;eItu III. üeranlaßt, burd; Kabinetdorbre o. 13.3uli 1827 ben S3efud; audmärtiger Sefuitenanftalten allen feinen Untertanen p oerbieten. ©eine politifd;e ©efdjmeibigfcit unb fd;Iau beredpenbe Älugpeit bemied ber pro= teudartig ßeränberlid;e unb bod; in allen feinen ©eftalten unüeränberlidje Drben aud; in ber ißeriobe feiner 3?el;abilitation toieber oornetmtlid; baburd;, baß er ebenfo bereit= toitlig bad eine 5DM bem finfterften Abfolutidmud unb ber politifdfen Dfeaction feine !ird;lid;en unb päbagogifdjen ©ienfte lie^, ald er anbertoärtd liberale 3 nftitutionen unb politifdje Dfeoolutionen für feine $mede audgubeuten mußte, ©o befoitberd in gran!= reid), SBelgien, ber ©djrneig, fomie in bem freien 5!forbamerifa. 3n bem Saub ber atlerd;rifttid;ften ffönige, in bem gottlofen granfreidj, mußten fid; bie Sefuiten in ben Sagen ber Dfeftauration, oon Shtbmig XVIII. unb mepr nod; Don Karl X. gmar nidjt gefe( 3 lid; reftituirt, aber inbirect gugelaffen unb oielfad; begün= ftigt, atlmäl;lid; unb in ber ©ttHe eingufd;leid;en unb ber Seitung bed Sugenbunterridjtd, befouberd ber £>eranbilbung bed Älerud in ben fog. Kleinen bifd;öflid;en ©eminarten in immer meiterem Umfang gu bemäd;tigen. ©a ber Drben feine gefe^tidje Kpifteng in granKreid; fiatte unb ba ber ©ecunbarunterridft für Saien unter Auffid;t ber 5)3arifer Unioerfität ftanb, ber fic^ bie Sefuiten nidjt untermerfen moüten: fo mürbe ber ©dfleid)= meg eingefdjlagen, baß oiele 23ifd;öfe in ipre oorbereitenben ober Kleinen ©eminare, bie fie ben Sefuiten auoertrauten, ©djüler meltlictjen ©tanbed aufgiuteßmen geftatteten, mo= burd; bie gefefjlidje Auffidjt ber Unioerfität umgangen mürbe, ©te bebeutenbfte unter biefen Anftalten mar bie gu 5D?ontrouge, eine ßalbe ©tunbe oon ißarid, mo befonberd bie üorneljmen @efd;Ied;ter bed alten fvranf'reid;d iljre ©Bfme ergiepen ließen. Mein gerabe bie I;artnädige Serblenbung, momit bie bourbonifdje ©pnaftie il;ren „Spron" burd; ben „Altar", b. fy. burd; Segünftigung ber 3efuiten= unb fßriefterfyerrfdpft fiütsen p Können oermeinte, unb bie 5ftid;tad;tung ber SoIKdftimme, meldße ber Regierung gmei bie Ueinen ©eminare befdjränKenben Drbonnangeu o. 3. 1828 abgebrungen batte (in golge ber AnKlage bed ©rafen SRontlofier), mar mit ein £>auptgrunb, ber ben ©turg ber älteren bourbonifdjen ßinie burd; bie 3ulireöolution bed 3al;red 1830 l;erbeifül;rte. SDJit ben 33ourbonen mürben aud; bie 3efuiten, beren 3al;I auf 436 geftiegen mar, aud graitKreid; oertrieben, ipre Kollegien p ©t. Acpeul uno SDJorttrouge fomie üjr 5D?if= fiondljaud in 5ßarid oom Sol! bemotirt, ber Drben für eine in fpauKreid; oerbotene Kongregation erKlärt, bie Drbeudglieber, bie fid; mieber eingufd;teid;en ßerfudjten, mit ©efängnidftrafe belegt. — Aber gur Sorbertljüre Ißnaudgetoorfen, mußten fie audjbied» mal mieber burd; bie fpintertl;üre gurüdguKeljren: bie Sulütdbtpaftie, nad; ber einen ©eite pin mit bem füberalidmud KoKettirenb, fanb ed gerätsen, bod; aud; bem Katpolifdjen Gpiffopat fid; günftig gu ertoeifen. Sßäl;renb ein 5ßater Dfaoignan mit feiner glängenben ÄangelberebtfamKeit bie neuigKeitdlilfternen Dl;ren ber fßarifer Kielte, oerfudjte ber Älerud unter bem Audpängfd;ilb ber greil;eit bie nieberen Silbungdanftalten ber Auffid;t ber Unioerfität p entließen, um fie ben geiftlid;en Korporationen, in erfter Sinie ben 3efuiten, in bie §änbe gu liefern. Sefonberd feit 1842 begann bie befannte Agitation bed Kpi= ftopatd für Untcrrid)tdfreipeit, mobei bie Sifcßöfe nur bie Sorfätnpfer ber 3 efuiten mareu. ©ie Slufregung, melcpe biefe Kämpfe bei bem ißublifum peroorriefen, mürbe uod; gefteigert burd; maffenpaft erfd;einenbe ©treitfeprifteu für unb miter ( 5 . S. oon 5Dtid;elet, Duinet, Kapour, ©enin u. f. m.), burd) Kitgen ©ue’d emigen 3uben, burd; ben Ißrogeß Stffeuaer unb bie babei gemachten KntpüHungen über Mdbreitung unb Drganifation bed gefe^lid; immer nod; oerbotenen Drbend. Knblid) führten bie burd; Sfjierd SnterpeHation oeranlaßten 33efd;liiffe ber ©eputirtentanuner, unb bie in fplge baoon eiugeleiteten Serl;anblungen ber fraujöfifd;en ©taatdregierung mit ber röntifc^en Kurie pr Abberufung bed Drbend aud fpatrfreid; unb gur Auflöfmtg feiner Kollegien p 5ßari$, Aoiguon, ?t;on unb ©t. Acpeul. Allein aud; biedmal blieb ber Dfüdfd;lag 3cfuiten, Sefuttettfdjulen. 753 nicht aus: feie ber neueren fftebolution gefolgte befpotifdje 3feaction beS SJapoleoniSmuS, auS poliiifd;en ©rünbcn barauf bebaut, ter romifdjen Äirdje fcf)i>n ju tljun, hat ben 3efuiten bie Sljore granfreid)8 aufs ueue Weit geöffnet. Sßieoer begannen fid) ihre Krjiel)ung8= tjäufer unb ©eminare mit ©öhnen gunftfudjenber gamilien ju füllen, unb bie neuefte ©efeljgebung, „über fleinlidje 33efürd)tungen unb unbegvünbete 23orurtheiIe fidi h*nmeg= jeijenb", hat bie für bie geiftlidjen ©eminare befchräulenben Drbonnanjen ö. 3 - 1828 »öfiig befeitigt unb burdj baS ©efeg b. 15. SÖiärj 1850 ben religiöfen ©enoffenfebaften b. b- inSbefonbere ben 3efniten, bie auSgebehntefte greiheit ju Krridjtung unb Seitung it»rer ©djulanftalten jugeftanben. (©. hierüber b. 2lrt. grantreid) bef. ©. 502; foWie ^alpt, UnterridjtSWefen in granfreid) unb beSf. ©efd^idjte ber Sluflofung ber 3efuiten= Kongregationen in granlreid) i. 3 . 1845. Seidig, 1846.) £n befonberer Slüte gelangte bas Unterridjtswefen beS DrbenS, unb 3 War gerabe ju ber Beit, fo lang ib>m granlreid) gefefclid) öerfd^loffen war, in bem benachbarten Belgien, rnobin ein großerber bort arbeitslos geworbenen 33äter ftd) jurüdfjog unb Wobin bann aud) oiele fatholifdje gamilien granlreicbS ihre ©ofme ihnen nadj= febidten. Äaum War im 3abr 1830 burdj eine Koalition ber ultramontanen mit ber liberalen Partei bie belgifdje fReoolution unb bie Sobreißung SSelgienS oon ^otlanb ju ©tanbe gelommen: fo benü^te and; ber Sefuitenorben bie in bem neuen Königreich »erfaffungSmäßig garantirte Kultu8= unb UnterriditSfreiheit ju auSgebeljntefter 9Jiad;t= entfaltung. gaft in allen großen ©täbten erridjtete er binnen weniger 3al;re feine Keinen ©eminare, Kollegien unb fßenfionate, bie fid) eines jablreid)en SBefuchS befonberS auS ben bemittelten ©tänben ju erfreuen hatten (halb würben fie auch oon granfreid) auS jablreicb befudjt) unb bie, frei oon ber bifdjoflic^en wie oon ber ftaatlidjen ^luf= ftdjt, ben ©taatslebranftalten fowobl als ben con anbern Drben geleiteten ©djulen fiegreicbe Koncurrenj madjten. 5Die Babl ber oon ben 3efuiten geleiteten befgifdjen Slnftalten betrug nad) neueren Angaben elf (Slloft, Antwerpen, SSrüffel, ©ent, Süttid), Söwen, fftamur, Sournab u. f. w.), meift oon bebeutenbem Umfang, größtenteils mit einem ißenftonat (3nternat) oerbunben. 3n Antwerpen befiljt ber Drben auch eine fpan= belSfdjule. (©. Sßiefe, beutfdje 33riefe :c. ©. 189 ff. unb b. 2lrt. ^Belgien S3b. I. 491 ff.) 3n ähnlicher SBeife, aber juleijt mit minber günstigem Krfolg wußten bie Sefuiten in ber freien ©djweij balb bie politifdje unb religiöfe greiheit, halb bie Sntereffen beS KonferoatiSmuS unb ber fKeaction für iljre Bwecfe auSjubeuten. ©leid) nach feiner SBieberherfteUung fäumte ber Drben nid)t, unter bem ©djuij ber päpftlidjen Nuntiatur in einjelnen Kantonen fidj wieber Kingang ju oerfdjaffen unb baS KrjieljungSwefcn an ftch ju bringen, üftadjbem er fdjon früher feine alten Kollegien in ©itten unb 33rieg Wieber eingenommen hatte, fanb er i. 3. 1818 Aufnahme in greiburg, wo ihm bie Sehranftalten beS KantonS mit einem gonbS oon einer 5D?iHion fd)W. grcS. übergeben unb ihm ein Kollegium unb ip'enfionat mit oerfd)wenberifd)er ißradjt erbaut Würbe, baS balb eine große ©djülerjaljl auS bem 3n= unb 2IuSlanbe herbeijog: mit Ausnahme ber SKebicin unb 3uriSprubenj umfaßt eS alle Bweige beS UnterridjtS; feit 1828 erhielt eS namentlid) einen Bufluß °on Sehrlräften unb ©chülern auS granfreid). Den Sehrplan beS greiburger Kollegiums, f. in bem SanbSl). ©d)ul= unb KrjiehungSpIan unb in bem bon bem 3fectcr 3. 23. ©rad) Oerfaßten Memoire presente par le recteur du College St. Michel au tit. Conseil d’education du canton de Fribourg. Lausanne, 1834. 8. auch Sd^wpj räumte 1836 für bie 3efuiten ein Kollegium, ein fßenftonat unb eine ©ecunbärfdjule ein. 2118 aber i. 3. 1844 aud; in bem fatl)olifd)en ©taat Sujern bie bort jur §errfdjaft gelangte reactionäre unb ultramontane Partei bie ^Berufung ber Sefuiten unb bie Uebergabe beS bortigen SpceumS unb IßriefterfeminarS an biefelben burd)fe(jte: fo oeranlaßte biefe 3J?aßregel eine fo!c£)e Aufregung in ber ganjen ©djweij, baß eS in ben 3al;ren 1845—47 ju ben befannten greifdjaarenjügen gegen Sujern, jur Stiftung beS fatholifd^en ©onberbunbS, ju bem ©onberbunbSfrieg unb fdjließlid) jur SSertreibung ber Sefuiten auS ber ganjen ©d)Weij lam. 5PS6a((. (JncijfloräDic. III. 48 754 ^jcfuitcit, Sefuitcnfdjuten. ®od) tiefe Sreigniffe in ber ©djwcg Waren nur baS SScrfpiel 31 t ber allgemeinen Sefuitenljefje, Weiche fid) 1848—49 im ßufammenfyang mit bcn politifcßen ©türmen jener 3aljre faft in gans Surepa, befonberS aber in ben alten ©tammtänbern Des DrbenS, erhob: in ©urin, ©enua, Neapel, ©icilien, im Slirdjenftaat fogar, halb auch in ©teiermar! unb im Sräberjcgtpum ©efterreidj würben bie Sefuiten unb bie berwanbten fftebemptoriften auSgeWtefen ober auSgetrieben, ihre Sollegien aufgehoben ober jerftört; ber DrbenSgeneral felbft fanb nur im proteftantifd)en Sngtanb eine 3uflud;t; tattjotife^e dürften, ^Parlamente unb ber Vapf* felbft Wetteiferten in Vertreibung ber ©efetlfdjaft. 9lüein wie fo oft fdjon in ber früheren ©efdjidjte be§ DrbenS, fo folgt and) jeljst wieber ber leibenfdjaftlidjen 9luStreibung eine nur unt fo fdjnedere fßüdfefir: in bemSnh^ehnt ber 9ieaction 1850—60 folgten Wieber gotbene ßeiten fiir bie Sefuitenfdjulen unb — föiiffionen, benen fpofe unb fiebere, iproteftanten unb JSatfyoiifen aus 91 eugierte ober 9lberglauben juliefen. Slur 3 ftd)tige ipolitifer Waren blinb genug, in ben alten Sßüftern bie 9fetter ber ©efellfdjaft 31 t fefyen; unb unebangelifdie fproteftanten gab unb giebt eS, 3 itmal in feen fog. ijö^eren ©tänben, Weldje fid) nidjt entbiöben, ifire Ämter jefuitifdjen ©djulanftaltcn an 3 uoertrauen unb baS alte 9)läljrd)en bon ber meifterljaften Sr 3 iefmng§= funft be§ DrbenS nad) 3 ufpred)en. Von Den neuen Srfolgeit beS DrbenS in granfreidj unter bem ©dju^e ber faiferlid)en ©efefce über bie UnterriditSfreiheit ift bereits bie Dfebe gewefen; ebenfo bon bem btühenben 3 lt f t anb be* 3efuitenfd)ulen in Velgien, wo befonberS bie ißenfionate beS DrbenS in ©unft fielen, aber bodj aud) neue Sonflicte mit ber Regierung 3 U brol)en fdjeinen. 9lber aud) in 3talien, mit einiger 9IuSnaljme bon ©arbinien, Ratten fie feit 1849 wieber iijre alten Söo^nfi^e aufgefudjt unb befonberS in 9teapel unb ©icilien fid) mit aller Äraft auf baS Unterrid)tSWefen geworfen, fo baß fie baS* felbe, Wenn nidjt gerate monopolifirten, fo bod) boüftänbig beperrf elften. (©. Sintern foljI, über baS Unterrid)tswcfen in ©icilien. II. ©er ©ecunbarunterridjt. ©öttingen 1859). ©ie Sefuitcnfdjulen waren bort (1853) — nad) bem Urtlfeil beS beutfdjen VeobadjterS — entfdjieben bie beften. 3f>r Solleg 3 U Palermo mit 16 Selfrem unb 790 ©djitlern War baS größte ber 3nfel; baneben befaßen fie in Palermo nod) eine 9lrt bon Siitteratabeinie, baS collegio nobile ober convitto reale Ferdinando mit etwa 40 ißenfionären bon 7—12 3aljren. (©. Sinbenfoljl 1. c. ©. 28 ff.) ©ie neueflen Vorgänge haben bort freilich wieber ödes umgeftaltet, fo baß es im jetzigen 9lugenblid außerhalb DlomS woljl faurn eine öffentlich beftelfenbe jefuitifdje Sehrnnftalt in Stalien geben bürfte. 3m öfterreidjif d)en Äaiferftaat hatte ber 3 . D. im Sauf beS lebten 3ahr= 3 eIjntS unter bem ©djug ber potitifdjen 9Jeaction unb beS päpftlidjen SoncorbatS wieber mehrere (Kollegien begrüntet, bie fidj bem neuen DrganifationSentwurf für bie öfterrei» djifdjen ©pmnafien unb ber ©taatSauffidjt 3 U eittsie^en Wußten unb an ber alten ratio studiorum uubcränbert feftljielten. ©ie Ijatten fid) 3 um ©Ijeit eines großen 3 lt IaufS 3 u erfreuen, „ba bie ©djüler barin nid)t 3 U feljr angeftrengt Werben unb manche Vater glauben, es werbe bie fpätere SebenSfteKung ihrer ©ößne förbern, wenn fie ein 3efuiten= SoHeg befudjt haben (Sorrefp. ber 91. 9111g. 3hl- aus VSien 1860. SDlai.) 3n Ving, Seitmeris, SnSbrud, Semberg, ©taraWie 3 , ©prnau, in ber 91ähe bon SBieu entftanben jefuitifc^e Sehranftalten; bon ber Uebergabe Weiterer ©pmnafien, bef. beS afabemifdjen ©hmnafiumS in 2ßien, nebft einem neugegrünbeten (Eonbict, beS ©pnmafiumS in 91gram, eines ungarifdjen ©pmnafiumS 3 U Äaloca u. a. War bie Diebe. 9feueftenS fdjeint in golge ber beränberten politifdjen unb religiöfen ©timmung in ben maßgebenben Greifen Wieber ein ©tillftanb in ben gbrtfdjritten beS DrbenS eingetreten 3 U fein. Sine bom fiibweftliihen ©eutfdjlanb auS bielbefuauptquetle für bie folgenbe35arfteHung. Ueber ißre 91 bf af fung ift folgenbed ju bemerfen. Klaubiud Slquabiba, ein fluger Neapolitaner, ber fünfte Orbendgeneral, eined ber größten £>errfd)ertalente, bad bie ©efellfdjaft jemald befeffen (1581—1615), fiatte gleich bon ber bierten ©eneralcongregation, bie il;n b. 19. fyebr. 1581 erwählte, ben Sluftrag übernommen, auf ©runblage ber in ben Konßitutionen enthaltenen 93eßim= tnungen unb ber in ben bisherigen Kollegien, indbefonbere bem Stammcollegium ber ©efellfdjaft, bem Collegium Romanum, gefammelten Krfahrungen, bureb eine Kom* 756 geftttfeit, 3efuttctifd)ulcn. / miffion oon 6 Leitern einen ausführlichen ©tubienplan au«arbeiten gu laffen. ®en 5. ®eg. 1584 [teilte er bem 'ißapft bie gu biefem 3 w ed fletoählte Sommiffton oor: fte war au« aßen fatI;oIifd)en Steidjen getränt, um bie Sebürfniffe aller gu oertreten. Sljor oertrat Spanien, ©ongaleg Portugal, Üpriu« fyranfreich, 23ufee Defterreidj, ©opfon ®eutfd)Ianb, für Stom trat nod) ®ucci bei. Stadjbem fie beinahe ein 3al)r auf ihre airbeit oerwenbet Ratten, mürbe biefe nod) einem erweiterten SluSfdjufj üon 12 ÜDtitglie» bern, foWie ber 5. unb 6. ©eneralcongregation unb bem tßapft gur Steoifion unb ®e= neljmigung oorgelegt unb enblid) 1599 in ber ®ruderei be« Collegium Romanum ge= brudt; ein neuer Slbbrud erfd)ien 1600 gu ältaing; eine neue Stuflage mit einigen oon ber 7. ©eneralcongregation genehmigten 3ufähen, befonber« in ^Betreff ber philofoplji» fd)en unb theologifcfjen ©tubien, 1616 in Stom, beforgt oon 23ernarbu« be Slngeli«, ©ecretär ber S. J.; ein Slbbrud baoon aud) 1635 gu Slntmerpen, fotoie in bem Insti- tutum S. J. bfJrag 1757. Yol. II. ©. 169—237. Stad) ber 2Bieberl)erfteßung be« Drben« im 3al)r 1814 erftärte gleich bie erfte t. 3. 1820 gehaltene ©eneralcongregation (Oie XX. im gangen) burd) ihr X. ®ecret, man fotle jtoar an ber alten ratio studiorum nid)t§ WefentIid)eS änbern, iooht aber bie burdj bie oeränberten 3Utumftänbe notI)toenbig getoorbenen SJtobificationen baran oor» nehmen. ®er ©eneral würbe beauftragt, für bie Steoifion berfelben eine Eommiffion au« SSatern gu ernennen, Weldje im Sehramt befonber« erfahren feien, oorbehältlid) be« Stedjt« ber )ßrooingen, bie ihnen geeignet fdjeinenben SSemerlungen gu madjen. gär bie 3wifd)engeit follten jur Gabelung einiger ©leidjförmigfeit burd) bie ^rooincialen einige Regeln proöiforifd) feftgeftcßt werben; auch tüurben oon ber Eongregation felbft einige oorläufige Slnorbnungen getroffen g. 23. über bie Errichtung oon Elementarclaffen für 3l33Efd)üler, über bie 3ulaffuitg 0on Lehrern au« bem Saienftanb für bie be« Elementarunterricht« u. a. ®ie Steoifion blieb liegen bi« gur XXI. ©eneralcongre» gation i. 3. 1829: biefe loieberljolte auf ba« 23egehren faft aßer )ßroüingen ben Steoi» ftortSbefthluß unb ber neugetoählte ©eneral Siootljaan erllärte, er habe ben feften Ent= fd)Iujf, biefem ffierf balbmoglidjfl feine Slufmerlfamleit guguwenben, e« fei aber lein foldje«, ba« leidjt gu behanbeln ober in lurger 3eit abgumadjen fei. Er ernannte fofort, nad)bem bie Kongregation noch einige 23ef aJlathematil unb ‘fihpfif, fotoie über ^Beibehaltung ber lateinifchen ©praihe al« Unterricht«fprad)e gefaßt hatte, für bie Steoifion ber Ratio Studiorum eine Eom= miffton oon ^,23äteru, je einen für bie 5 ißrooingen 3talien, ©icilien, grantreich, ®eutfdjlanb, (Spanien, bie fich Enbe 1830 an« 2Ber! machten, worauf bie Slrbeit oom ©eneral unb feinen Slfftftenten geprüft unb 0. 25. 3uli 1832 an aße SRitglieber be« Drben« mit einem befonbern S3egleitfd)reiben au«gefanbt würbe. ®ie Slenberungen betreffen oorgug«weife ben Unterridjt in ben bohlen gacultät«wiffenfd)aften, in ber ®heotogtef $h*Iofophie, orientalifdjen ©pradjen, 2Jtatl)ematil unb )ßhhfU- ® er Unter» rid)t in ben beiben erften foß nicht mel;r an ®h oma§ unb Slriftoteie« gebunben fein, ben neueren gortfdjritten in SJtathemati! unb Staturmiffenfchaften foß mel;r al« früher Stedjnung getragen werben, gür bie ®t)mnafial=£laffen wirb aße« beim alten gelaffen; nur in S3egug auf ben Unterridjt in neueren ©prachen unb ©efchichte Werben bem 3Utgeift einige Eoncefftonen gemadjt: ba« Erlernen ber SJJutterfpradje, Steinljeit be« Slu«brud8 beim Ueberfefcen, gute SluSfpradje, Seetüre ber beften oaterlänbifchen ©djriftftefler wirb empfohlen. Slße biefe Steuerungen foßen nur bann gur 2lu«füljntng lommen, wenn ftd) bie Erfahrung bafür audgefprodjen h“be. ®ie ratio studiorum gerfäßt in 28 Slbfcfjnitte: Statuten für ben fßrobincial, Stector, ©tubienpräfecten, für bie ^rofefforen ber oberen gacultäten (ber h- ©djrift, h c ^ r ' ©prache, fcholaft. ®heologie, Eafuiftil, ^hit°f 0 Pbi e » SJtoralphilofopljie, SJtathematif), für bie ^rafecten ber nieberen ©tubien (praef. studiorum inferiorum), für bie ^ßrofefforen ber untern Eiaffen (classium inferiorum), unb gWar ben ber Stpetoril, Humanität, ber oberften, mittleren, unteren ©rammatil, für bie ©djolaftifer ber ©ocietät, für biejenigen, 3cfuiten, 3efmtenfdjutert. 757 toeldje in Jteei Sauren bie Sljeologie repetiren (eorum qui biennio theologiam repetunt), für feen Rebell (adjutoris magistri seu Bidelli), für bie augtoärtigen ©djüler (echolasticorum externorum), enfctidi für bie fog. Sifabemien (befonbere Hebungen, bie mit einer Selecta borgenommen »erben). (Sine »eitere 2Iugfül)rung einseiner Sljeile beg jefuitifdjen ©d)ul»efeng enthalten bie ©djriften ber, aud) atg SDrbenSgefc^idjtfc^reifeer befannten beiben Sefuiten, ffranj ©acdjini (int 17. Satyrl)., f 1625) nnb 3ofepl) 3ouoeuct) (im Stnfang beg 18. 3al)rt).), bie beS erfteren u. b. Sitet: Paraenesis, bie beg (enteren: de ratione discendi et doeendi magistris Scholarum inferiorum Soc. J.; beibe neu aufgelegt 1856 ju SSerona; fo»ie bie in bett breißiger Satiren beß 18. 3at)rl;unbert8 erfdpenene Ratio et yiä recte atque ordine procedendi in literis humanioribus aetati tenerae tradendis, docentium et discentium commoditati atque utilitati conscripta, in 6 ^auptabfdjnitten: de schola- rum classibus et gradibus, de scbolarum mnnibus, de libris et praelectionum argumentis, de ordine scholarum communi et proprio, de ratione et methodo in scholae muniis tenenda, de scholasticae institutionis adminiculis. (Sine beutfdje ^Bearbeitung ber ratio studiorum fo»ie ber ratio et via etc. mit berfd)iebenen »eiteren 3ufä(?en unb eigenen, freitid) faft ungenießbaren S3emerfungen auggeftattet, ift ba8 1833—1836 ju Sanbgljut erfdjienene 3öerf: „Ser ©ocietät 3efu £ebr= unb (Srsiel)unggplatt, treu bargefteüt uub mit 33emerfitngen begleitet rc. 1. Sl). bie ©pmnafialfdjulen; 2. St), bie Spcealfdjuten; 3. St), bie Äterifah unb )ßriefterfemi= narien. — Sntereffante ^Beiträge junt SSerfiänbniS unb jur 33eurtf)eilung beS jefuit. ©d)ut= »efeng, »ie e8 in ber testen 3 e it bor 9tuft;ebung beg Drbeng sunadjft in einer einjet= nen ^ßrobinj — Söhnen — fid) geftattet tjatte, giebt ber (Spjefuit Sgnaj (Sornoba i. b. ©djrift: Sie 3efititen als @pmuafiallel)rer in freitnbfd). ^Briefen zc. ‘ißrag 1804. Ueber ben neuen ©djulplan, beg ©eneralg 3ol). 9tootI)aan b. 25. 3uti 1832 unb fein33erl)ältnig ju ben frittieren Auflagen ber ratio stud., f. ben SanbStmter ©djulplan 53b. I. ©. 120 ff. unb: Sie ©pmnafien Defterreidjg uub bie Sefuiten ©. 38 ff.; 33uß, bie @efetlfd)aft 3efu II. ©. 1478 ff. (Einen ©tubienplan beg (SottegiumS ©t. SERidjael ju greiburg i. b. ©d)»eis, »oraug bie neuere 9tn»enbung ber alten SSorfdjriften ju feilen, f. in bem Memoire presente par le recteur du College St. Michael etc. (bon 3. 33. Sradi), Saufanne 1834. 8., fotoie in bem 2. SBaitb beg £anbg1)uter Sefyrptang ©. 293 ff., einen fiirjeren 1839 für bag (Sotlegium $u SSrugelette ent»crfenen bei 23uß a. a. D. ©. 1525. SD7and)e 2lb= »eidjuugen bon ben älteren planen fdjeint berjenige beS Felbtirdjer ©pmnaftumS ju enthalten (f. bie bon bemfctben abgegebenen ©djulprogramme). (Sine Sarftedung unb ßritit ber jefuit. ipabagogif bom ©tanbpunct ber ebang. Äirdje aug, f. in |>arleß, 3 e itfd)r. f. ^ßroteft. unb Äirdie 3al)rg. 1838. 37ro. 7. 9—12. unb ebenb. 9?eue Folge, S5b. I. ©. 16. unb Sftaumer, ©efd). ber )ßiib. I. 289, bgt. aud) )ßalmer, )ßäbagogif 33b. I. ©. 137 ff. SBeitere Literatur f. unten. Sie Drganifation ber jefuitifdjen Unterrichts anftalten ift bem !)ierar= d^ifdjen DrganigmuS beS CrbenS fetbft ftreng eingegtiebert. Sag gefammte S et)r= unb Sluffidjtsperfonal fämmttid)er bom Drben geleiteter ©djulen gehört augfd)ließlidj bem Drben an. 97ur für untergeorbnete Functionen — j. 33. junt etementarften Unterridjt im Skfen, ©djreiben, 3 e **h nett — ' com e§ geftattet, anbere bem Drben nidjt Angehörige Setjrer anjunel;men. Slußerbem aber ift bie ©efettfdjaft ganj unb gar eine SOSett für fid): fie allein ift eg, bie iljre eigenen Sefirer augbitbet, prüft, anfteHt unb beaufjtc^tigt. SBie in alten anbern 2lngetegenl)eitett, fo ift bie ©efedfdjaft auch l)* 11 “ ftdjtlid) ipreg Unterrid^tg= unb Srjiehunggwefeng böEig autonom, nur bem )J5apft ju ©ehorfam uub S^edjenfc^aft berpflicptet, fonft bon jeber firc^lid^en unb »eltlidjen 3tuf= ftdjt epimirt, außer fo»eit big»eilen befonbere 3eitbert)ältniffe nötigten, nad) irgenb einer ©eite fu n ge»iffe ©oncefßonen ju maerg gefegt (Ratio stud. regulae provinc.). — Die Stuffidjt über ba« eingelne £>au8 ober Gollegiunt führt ein (Rector, ber nidjt fetbft am Unterricht tbeitnimmt, aber in ber (Regel au« ber gabt ber alteren Seljrer genommen wirb. Gr toirb je auf 3 3aljre burdj ben ©enerat ober beffen (Beoeßmädjtigten getoäblt, nadj Stbtauf biefer $eit b“ u f'S an e ' n anbere« Goßc= gium oerfebt, bat bem (prooincial ober einem (Beßoßmädjtigten be« ©enerat« (Redjen= fdjaft abgutegen unb fann Bon letzterem abgefejjt werben. Gr foß ba« gange Goßegium auf feinen ©djuttern tragen, über bie (Beobadjtung ber Gonftitutionen unb ber ©tubien* orbnung Wadjeit, bie nötljigen (Beamten anfteßen, über aße Goßegiaten genaue Süuffidjt fütjren unb forgen, baß fie in Dugenben unb (BMffenfdjaften gebeiben. 9lße haben ihm gu gehorchen unb foßen iljn Berebren at« ©teßBertreter 3efu Gtjrifti. (Gonst. IV, 6; rat. stud. reg, rect.) 3 u r Leitung ber ©tubien ernennt er einen ©tubienpräfecten, in größeren 2tnftatten gwei, einen praef. studiorum superiorum unb inferiorum (f. u.), nach Umftänben auch nodj einen Sanfter für bie UniBerfitätSftubien, einen praefectus atrii gur Sluffidjt über ben 33orljof be« ©djuttocat« unb anbere (Beamte. Diefe aüe werben in ber (Reget ber 2. Gtaffe be« Drben«, ben fog. geifttidjeu Goabjutoren entnommen, nur mi«bräudjtidj gelangten audj (ßrofeffen in bie (Rectorfteßen reidjer Goßegien. Die Drbenggefeßfdjaft beftebt nämlich au« 4 Gtaffen, — tßrofeffen, Goabjutoren, ©djotaftifer, (Rouigen —, Bon benen für ba« ©djutwefen befonber« bie beiben mittleren, bie Goabjutoren unb ©djotaftifer, in (Betradjt lomrnen. ©ie bitben ben eigenttid) arbei» tenben Dljeit ber ©efeßfdjaft, wäbrenb in ber erften, ber $abt nadj fteinften Gtaffe, ben fog. (JSrofeffeit ber 4 ©etübbe, bie gange regierenbe unb gefebgeberifdje ©ewatt ftdj concentrirt. ©ie Wohnen, foWeit fte nid^t in ©efdjäften be« (ßapfte« ober Drben« reifen, Scfuiten, Sffuitenfdjulen. 759 in ben ^ 3 rofej$äufern, welche feine Heljranftalt enthalten, aber aud) fein Vermögen be= fi^en bitrfen. Kollegien bagegen feigen biejenigen Snftitute, in meld)en eine fleinere ober größere Slngaljl, gemöhnlid) 20—100, bon Drbendgliebern, unb gtoar Koabjutoren unb ©djolaftifer, gufammenmoljnen unb mit meldjen eine Hehranftalt oerbunben ijt. 2f(§ ©tubienanftalten bürfen bie Koüegien Vermögen befijsen unb befaßen badfelbe oft in reicfjlid^em äliaße; fa eg fott fein KoÜegium bon bem Drben übernommen toerben, bad nidjt ein Ipaud, .ein ©djulgebaube, eine Äirdje unb eine gum Unterhalt bed notigen Ißerfonald (bon minbeftend 14 ißerfonen) unb 31 t ben übrigen ©ebürfniffen ^inreidjenbe ©otation an ®elb ober ©ütern befigt. ©agegen foll uad) einem allgemeinen Drbend= gefefs ber Unterricht in fämmtlidjen ©djulen ber ©efeÜfdjaft für alle ©djüler, 3ieid)e ttie Slrme, unentgetttid) fein: — eine Slnorbnung, meldje mehr als aüed anbere gur Empfehlung ber 3 efuitenfd)ulen beitrug, biefen einen 3 uf a nimenfluß bon ©djülern aud allen (Staffen gufül)rte, biefetben aber oft aud) mit concurrireuben ©taatdanftalten in unangenehme Konflicte gebradjt h“t- ®ie Unentgeltlidjfeit bed Unterridjtd fdjließt jebod) bie 2lnnal)tue bon ©efdjenfen bon ©eiten ber Sieid)eren nid)t aud; ja trenn man bie ©ummen liest, toetd)e burdj ©djenfungen ober 23ermäd)tniffe ben Koüegien »ielfadj gugemenbet mürben, fo begreift fid), mie teilet ed ben S3atern ber ©efeüfdjaft mürbe, bad ©elübbe ber Slrmitfl) gu erfüllen unb ihren Unterricht „unentgeltlid)" gu erteilen. 3n ber Sieget foll ein Kollegium I. Klaffe 20, II. Eiaffe 30, ein Kollegium III. Klaffe ober eine llniberfität minbeftend 70 Hel)rer ober „Siegenten" befi^en. kleinere Slnftalten, bie nid)t Seljrlräfte genug befi^en, fotten aufgelödt merben. 3 UV SSermögendbermattung unb gur 33eforgung anberer meltlidjer ©efdjäfte bienen tprocuratoren, metttid)e Koab= jutoren u. a. ^Beamte unb ©iener; benn bie ©tubien unb geiftlidjen 33efd)äftigungen ber übrigen Drbendglieber, ber geifttid)en Koabjutoren unb ©cfjolaftifer, mürbe ed ftören, menn fie gugteid) bie ©orge für bie äußere Kyifteng übernehmen müßten. ÜJiit ben Kollegien finb in ber Siegel ißenfionate ober fog. Snternate, Sltumnate, Konbicte (convictoria alumnorum) berbunben, in metd)en junge Heute, befonberd aud rei= eueren unb boruehtneren ganülien gegen ein mäßiged Äoftgelb üöohnung, SSerfoftigung unb S 3 eauffid)tigung finben, — ober ©eminarien (ttjeild höhere ober eigentliche Ißriefterfeminare, tljeild fleine -ober finabenfeminare), meld)e gunäcbft gur Krgieljung junger Älerifer beftimmt finb, in meldje aber häufig aud) anbere, forneit ed ber Siaunt ober bad Sntereffe bed Drbend erlaubt, Aufnahme erhalten, ober enblid) Siitterafabemien ober 3lb eldfj enfionate, audfdjließlidj gur Krgiet)ung oon ©öl)nen bed'ilbeld beftimmt. ©oIcf)e Siebenanftalten ftehen bann toieber unter eigenen, bem Siector bed KoHegiumd untergebenen fßräfecten. 3lber auch Kyterne, b. h- foldje ©chülev, bie nid)t in ber Slnftalt mofinen, mer= ben gumUnterricht gugelaffen: „jene, meldje bie Kurfe ober Klaffen ber ©efeüfdjaft be= fudjen moHen, foüen ihreSiamen einfd)reiben laffen unb bem Siector unb ben ©a( 3 ungcn @el)orfam oerfpredjen." 3 a ed mirb fogar gu ©unften berer, meld)e etma im ©djoß ber 3rrlel)re geboren finb, eine befenbere Klaufel beigefügt: toenn einige nid)t ber= fpredjen moüen, bie Siegeln gu beobachten, fo foü man ihnen hoch ben Kintritt nid)t »erbieten, menn fie fid) öerftänbig benehmen unb feine ©törung ober Slergernid »erur= fad)en. ®od) foü man ihnen gu »erfteljen geben, baß man ihnen nicht bie befenbere ©orgfalt gumenben fönne »or benen, meld)e Seobadjtung ber Siegel »erfpredjen. — 3ur Uebermadjitng ber Kyternen nimmt ber ©tubienpräfect ein Söergeidjnid il;rer 2BoIj= nungen auf, um bon 3 ^t 31 t 3 e 'i &ei ih nen Sifitation gu hatten. 3n 33egug auf bad Heljrerperfonal ber jefuitifd)en ©d)ulanftalten befteht bad Kigenthümlidje barin, baff nidjt bloß fämmilidje Hehrer 3efuiten, fonbern baß aud) fammtlidje Drbendglieber menigftend eine 3eitlang Hehrer finb. Siad) einem gmeijährigen, in einem befonbern Siooigenhaufe mit geiftiger Setradjtung, ©ebet, ©etoiffendpriifung, frommer Hectüre, Äirdjenbefudj je. gugebrad)ten Siooigiat tritt namlid) bad angeljenbe Drbendglieb (in ber Siegel in einem Sllter bon 15—17 3al)ren) in ein Koüegium ber 760 3efuiteit, 3efuitcnfdjutcn. ©efedfdjaft unb Wirb ©djolaftiler. 118 foldjer §at er gunädjft 2 3al)re bem ©tubium (ober ber Repetition) ber Rhetoril unb Literatur, bann 3 3al)re bem ber jßhifofophie (nebft ÜDJatfyematif unb i)3i;t)fi{) gu toibmen. dann madjt er feine fogen. Reg eng, b. t;. er ijat 4—6 Safyre lang als fog. SRagifter ober jprofeffor burd) alle Klaffen Ißnburd) Unterridjt in ben ©pmnafialfädjern gu geben, um fo baS bisher Kr= lernte nod) einmal „docendo“ eiitguüben. 3e(3t folgt baS 4—6 3a£)re bauernbe ©tu= bium ber Geologie; bann nad) einem nodjmaligen jßrobationSjahr, bem fog. dertiorat, empfängt ber bisherige ©d)o!afticuS, nunmehr in einem üllter bon minbeftenS 31 3alj= ren ftefyenb, bie jßriefterweihe unb legt feine ©etiibbe ab, je nad) ber Seftimmung ber Oberen, entweber als Coadjutor ober als bprofcffe quatuor votorum, wobei ber Coad- jutor spiritualis fpeciell aud) eifrige Eingabe an ben 3ugenbunterrid)t gelobt. Son bem 9BiHen ber Obern (längt eS nun ab, ob ber ißriefter toieber gum Sehramt gurüdlehrt, ober ob er für baS iprebigtamt, bie ©eelforge, SRiffion — ober Wofür fonft er beftimmt wirb, diejenigen, welche fo als jfkiefter ober „Sät er" ber ©efedfdjaft 3efu gum Sepramt gurüdfel)ren, um lebenslang ober bis etwa eine anbere Verfügung ber Obern fte wieber abruft, babei gu bleiben, übernehmen oorgugSweife nur bie höheren Klaffen b. h- tljeilö ben Unterrid)t an ben gwei oberften ©pmnafialclaffen, t^eils ben in ben pl)itofepl)ifdjeu unb tl)eotogifd)en 28ißenfd)aften an ben Spceen. diefe SIrt berSel)rerbitbung hat ihre großen SSortfjeile, aber auch ihre großen Rad)tl;eile unb SRängel. daburd), baß alle Sehrer bem Orben angehören, alle in ben= felben ©runbfätsen ergogen, nad) berfelben 5RetI)obe unterrid)tet finb, nach Welcher fte felbft gu unterrichten haöen, alle bou bemfelben ©eift getragen, Bon bemfelben esprit de corps befeelt, loSgcrißen oon ber Sßelt, unoerheirathet, bermögenSloS, aber aud} ohne Sorgen für bie äußere Gpifteng, — baburd) lann fid) eine Eingabe aller an ben Sehrberuf, eine (Sicherheit in ber SRetpobe, eine geftigleit, ©tetigfeit unb Uniformität in ber päbagogifd)en drabition, ein IjarmonifdieS .ßufammenWirlen nid)t bloß innerhalb beS eingelnen Sel)rercodegium8, fonbern gwifchen allen Sehrern aller OrbenSfdjulen auS= bilben, wie eS nirgenbS fonft möglid) iß. Sei ber großen gal)! oon ©d)ülern unb Robigen, bie fich immer fjergubrängt, unb bei ber genauen jperfouallenntniS, bie ftch bie Oberen burd) bie berfdjicbenßeit SRittel bon ihren ©liebem unb ©dßilern gu ber= fdjaffen wißen, ift eS leidjt, bie tauglid)ften Snbibibualitäteu für ben Sehrerberuf auS= guwäl)len unb einen fteten RadjwudjS junger Sehrfräfte fid) gu berfd)affett, währenb mtnber taugliche entweber abgewiefen ober auf irgenb einem anbern ^oftett beS bieb gliebrigen @efeUfd)aftSorganiSmuS berWenbet Werben lönnen. die burd)fd)nittlich 17 SorberettungSjahre, Weldje baS anget)enbe DrbenSglieb als Robige unb ©d)o!afticu8 lernenb unb leljrenb in ben Kodegien unb Käufern ber @efeHfd)aft gugubringen hat, bebor er als „formirter" Coadjutor fein ©elübbe 'ablegt, finb eine hinlängtid) lange Beit, um ben Oberen bie bodfommenfte Kenntnis feiner jßerfon unb Sehrtüchtigleit, ihm felbft ade für feinen Seruf nöthigen Äenntniße unb gertigleiten gu berfdjaffen. dagu lotumt noch, baß bei ber für ade Slnftalten ader Sänber gleidjen Sehrmethobe unb Unterrid)tSfprad)e bie RuSWaljt ber Sel;rlräfte aud} in biefer Segieljung eine bödig unbefdjrünlte ift, fo baß Selber ber berfdjiebenften Rationalitäten an jebem beliebigen Kcdegium ber gangen SBelt berWenbet unb bermöge beS ©elübbeS ber unbebingteit Obebieng jeber in jebem ülugenblid auf jeben Sehrpoften beS gangen OrbenSgebieteS geftedt werben lann. „der eingetne Sefuit gieng an ben Söllern nur herüber, aber ber Orben blieb." dennoch War ■— wie IRitglieber beS OrbettS felbft belennen (g. S. Kornoba a. a. O. ©. 107 ff.) — bie SluSwahl ber Se!)rer nid)t immer bie glüdlidjfte, bie Sorbilbung gum Sehramt ttjeilweife eine fehr ungenügenbe. Geben weil ade Sefuiten bor bem eigentlichen tljeologifchen ©tubium für einige 3af>re ihre fog. Regeng machen ober Ißrofefforen werben mußten, fo befanben fich nicht feiten gerabe bie unteren ©pm* nafiatetaffen in ber §aub fd)teie erfte ober inflma, in bem jefuit. ©djullatein „bad 9htbiment" genannt, 2 ) bie secunda ober media classis grammaticae, and) bie „©rammatif" fdjledjt» meg genannt, 3) bie tertia ober suprema classis grammaticae, ober „bie ©pntay"; biefe brei erften 3 ufantmen heißen bie tres classes grammaticae. 4) ®ie cl. quarta poetica ober humanitas, unb 5) bie quinta rhetorica machen ben 93efd)luß bed nieberen ober ©tjmnaftalcurfed; beibe letztere 3 ufammen l;eigen auch bie 2 fpumanitätdctaffen. ®iefe fünf ©tufen ober Staffen fügen fid) fo in einanber, baff fte burdjaud nicht oermifcht ober oermebrt »erben bürfen, theiid um nid)t eine 3 U große Slngat)! bon Lehrern nöthig 3 U madjen, theiid um nidjt bie auf bie studia inferiora 3 U ber»enbenbe ßeit 3 U berlängern. 3n Heineren ülnftalten fönnen jebod) 3 »ei in ber ÜBeife 3 ufammen= gelegt »erben, baff eine Slaffe 3 »ei jener fünf ©tufen in fid) bereinigt; bei größerer ©d;üler 3 ahl tonnen mit Erlaubnid bed ©enerald ißaraüelclaffen errichtet »erben (gemi- nari potent schola), fo baß Lehrgang, iiehrjeit unb Unterridjtdftunben in beiben Eiaffen berfclben ©tufe biefelben fütb. Anfänger (Abecedarii) foüen in ber 9tegel nidjt aufgenommen »erben. SDod) ent= hält ber greiburger ©djulplan noch e ' ne fed>Ste Eiaffe, „ißrincipien" genannt, nnb nad) bemfelben fßlan beftel;en für foldje 3 °gtinge, bie nod) nicht bie erforberlid)en tenntniffe beftfcen, um in bie Slaffen bed SoHegiumd 3 ugelaffen 3 u »erben, befonbere $orbe= reitungdcurfe. 3)er gelbftrdjer Seljrplau gätjlt 8 Eiaffen, bie erfte in 2 2lbtl)eilungen. 2 )er gan 3 e ©hmnafialcurd bauert in ber 3fegel 6 3 al)re, »obon auf jebe ber bier unterften Staffen je 1 3ahr, auf bie oberfte Eiaffe ober biefRhetorit 3 »ei 3ahre tönernen. Sehrgegenftänbe, l ! el)rbüd)er, ©tunbenptan unb 2 eI)rmethobe für bie fünf Eiaffen bed ©hmnafiumd finb in ber ratio stud., in ben regulae für ben prae- fectus studiorum inferiorum, in ben regulae communes professoribus classium inf., unb bann in ben befonberen 33orfd)riften für ben professor rhetoricae, humanitatis, supremae classis grammat., mediae et inflmae classis grammat., — genau borge= fdjrieben unb in ben ©djriften ber Eommentatoren Subentiud, ©aedjinud, in bem Sanbdlp ©d)ulplan 3 nm £l) e M nod) weiter audgefütjrt. S)er §auptlel)rgegenftanb, auf »eldjen »äl)renb bed gansen ©hmuaftalcurfed bon ber unterften ©rammatif bid 3 ur 9tl)etorif faßt alle 3 eit unb traft ber»cubet »irb, ift bie Xateinifdj e ©prad)e. |>iernad) beftimmt fid) bad Sel)r= unb Sernsiel färnntt* lidjer Eiaffen; fie ift in ben höl;even Eiaffen aud) Unterrid)t 8 fprad)e (bgl. bie ed)t jefuitifd)e 3?ertl;eibigung biefer Einridjtung in bem Söfemoire bed 9tectord 3 U greiburg ©. 24 ff.). 35ie ®efd)icflid)feit, lateinifd) gu reben unb 31 t fdjreiben, ift 3»I ber @ram= matif; „bie ©djiiler foüen bed Sateind ald einer lebenben Sprache habhaft »erben," baher man fte nad) bem fßrincip lehrte: lege, scribe, loquere. „ 2 M 1 närnlid) bie lat. ©prad)e bie ©pradje ber tird)e, bie ©pradje ber d)riftlid)en Ueberlieferung ift, unb »eit in biefer ©prad)e bie ©djäije ber SEBiffenfd)aften aller 3 e >ten unb aüer Sölfer aufbe»ahrt ftnb, unb fie »ie feine anbere für ben ©tauben unb bie 2 ßiffenfd)aft feit Sahi'hunberten fid) audgebilbet X;at u. f. »., — fo hat bie @efeüfd)aft 3 efn and) für biefe Sprache eine befonbere SSorliebe unb bebient fid) berfelben 3 um 33ortrag in ber ©d;nle." *) ®ad Latein ift bie eigentlidje SDtutterfpradje bed Sefuiten, bie £>of=, ©efd)äftd=, *) SBefy in feinem «Schreiben an bad Bftr. Unterriebtgminijlerium, f. bie Opmnaf. Oefter» reich« ©. 42. Scfuitcn, Scfwitcnfdjutctt. 763 ßultitd* unb Unfern d)tdfpradje ber römifd)en Uuioerfalmonardjie, unb barum aud) bie KonOerfationdfprad)e bet fteljenben SDtitij bed päpftlidjen ©tuljld, ber societas Jesu. ®er ©ebraud) betreiben bietet ber ©efeflfdjaft ben hoppelten Sortljeil, bem Ungelehrten gegenüber eine ©eljeimfpradje, für feine ©lieber aber eine Uuioerfalfpradje gu befi^en, Pie ed möglich mad)t, jebed SDiitgtieb o!)ne Siüdfidjt auf feine Nationalität an jebern beliebigen ißunct bed 3efuitenrdd)d gu oertoenben, unb and) im übrigen , in f?iufid)t auf Seljrbüdjer, 9JietI)obe n. f. w., jene (Stabilität unb Uniformität bed Unterridjtdwefend burdjgufüpren, auf bie ber Drben fo großes ©ewidjt legt. Nid)t formale ©eiftedbilbuug bitrd) bad ©tubium ber alten ©pradjen, nid)t claffiftpe Silbung burd) Serfenfung in bie 3been unb Anfcfyauungen bed antilen Sehend, fonbern Aneignung ber latein. ©pracije wie einer lebenben gum ©ebraudj in Siebe unb ©ctjrift ober — um in ber jefuit. ©djulfpradje 3 U reben — „gertigleit in Äunft unb Stil," —■ im Sateinfd)reiben unb Serfertigung latein.SSerfe, ift bad 3beal bed jefuiti= feiert ©pmnafialunterridjtd. ©arauf ift and) ber Seljrgang unb bie Unterridjtdmetl)obe beredjnet: ,,®urd) bie Seetüre ber Klaffiler foden bie alten ©pradjen, befonberd bie lat., gelernt, ber ©til gebilbet toerben: nidjtd weiter, nid)td anbered, ©ie er* fannten gar Woljl bad ©efäßrlidje oed ©tubiumd ber Klaffiler." (Sanbdp. ©djulpl.) (Erlernung ber grammatifdjen Siegeln aud einem moglidjft compeubiarifdieit Seljr» bitd) unb ©ewinnung eined SZBörterfdjatjed burdj Seetür = unb SJiemorirübungen gehen auf allen ©tufen bed latein. Unterrid)td in ben untern fog. ©rammatilalclafjen neben einanber her. ©ie unterfte Klaffe h&t bie Siubiuiente, b. lj- bie latein. ©edinationen unb Konjugationen nebft ben einfad)ften ©äfsen ber ©pntap nad) bem Seljrbud) bed Kmanuel Aloarud einguüben: gradus hujus scholae est rudimentorum perfecta, syn- taxis inehoata cognitio; fie beginnt mit ben ©eclinationen unb geljt bid gurSefyre oon ber einfadjen Konftruction (usque ad communem verborum constructionem). 3Bo biefe Klaffe aud 2 Abteilungen befte^t (wie nad) bem Qreiburger ©djnlplan), let)d bie unterfte bie Oerfdjiebenen Siebetheite tennen (nomina, verba, rudimenta, praecepta quatuordecim de constructione, genera nominum), bie obere bel)anbelt nad) bem erften Sud) bed Aloarud bie ©eclination nnb Konjugation (de nominum declinatione, de praeteritis ac supinis), aud bem gweiten bie Kinleitung gur ©pntay. ©elefen Werben nur gang leidjte, für liefen ßtoed audgewäl)lte ©tüde, womögtid) einige befonberd gebrudte Ki ce= ronifd)e Sriefe (ba ed ja uidjt um bad Serftänbnid bed ©etefenen, fonbern lebig= lid) um Siegelfammtungen unb ©tilbilbnngen gu tl)itu war, fo War ed ntöglid), mit ben jüngften ©d)iilern Kicerontfdje Sriefe gu lefen; baneben bad erftc unb gweiteSudj ber Progymnasmata bed iß. 3a!ob ißontanud; nad) bem greiburger ©d)u!plan: de vrris illustribus, auderlefene Röteln oon ißljäbrud, Kiceron. ©ittenfprüdje unb ®efd)id^= ten (?); fpäter Korneliud Siepod unb Kiceronifd)e Sriefe. ©er Unterridjt Wedjfelt nad) einer bid ind eingelfte — bid auf ßalbe unb Sßiertel= ftunben l)inaud — oorgefd)riebenen Drbuung gwifdjen ißrälection unb Kpplication tßeild ber ©rauimatif, tpeild ber Autoren, Audwenbiglernen unb ^erjagen bed Audmenbig= gelernten, Siepetition, ©criptiou ober Kompofition, Korreciur bed ©efdjriebenen unb ber Koncertation ober bem UBettftreit ber ©c^üler unter einanber. Audwenbig gelernt unb je in ber erften 5Diorgcn= itnb Siadjmittagdftunbe recitirt, b. I). wät)renb ber Seljrer Kor= recturen beforgt, oon ben fog. ©ecurionen abgeljört werben bie Siegeln ber ©rammatif nid)t nur, fonbern aut Abfdjnitte aud ben Autoren, befonberd aber, gur ©cWinnuug einer copia verborum, Socabeln unb Siebendarten (dictiones) aud einer gu liefern Seljuf berfafiten audfüljrlicfjen Sammlung, ber fogen. Amalthea bed iß. grang ißomet), — einem I)Bd)ft fonberbaren, aud ben wunberlidiften ©ingen in lunterbunteftcr Drbnung gufammenge* festen 33ud) (©^eil I. 1 . gormeln gu fragen unb gu antworten, 2.ißartifeln ber Siebe, 3. bon literarifdjen ©adjen; ®l;eil II. bie Sßelt: oon ©ott unb ber Sieligion, oon ben ©eftirnen unb 3eiten, Klemente, Sanbtpiere, Segel, gifdje, @ewäd)fe; ©h- III. ber SDienfd) in 14 Kapiteln; ©lj. IY. bad gemeine SBefen: Äirdje, Sieid), $of, ©taat u. f. w.; 764 gefuttert , gcfuitenfdjutcrt. 3p. V.: bad §aud»efen; 3t). YI. bie fünfte: ülrjneifunft, 2tritt)metif, 23ud)brucfer!unfi, fianbeldfünfte, Slünfte, feie gur Äleibung bed 2)?ettfd;en gehören «. f. »., enblid) bad ©c^Iußcaf>ttef: „®a ®inge su ©runbe gelten.") 3rt ber mittleren ©rammatifalctaffe — aud) ©rammatif fdjled)t^tn, bi«= »eilen aud) „bie tleine ©t)ntap" genannt, — fe§t ftd^ ber latein. Unterricht itt ber be= gonnenen 2Bcife fort; S?errtjiel biefer Klaffe ift: „totius quidem grammaticae, minus tarnen plena cognitio.“ ©elefeit wirb bad jtoeite 23ud) ber Snftitutionen bed K. 2l(oatud öon ber Konftruction ber 8 9tebetljeile ober bie ganje ©pntap mit ben leichteren Anhängen bis jur äufammengefehten Konftruction (usque ad flguratam construetionem) net)ft 9iepeti= tionber in ber üorigen Klaffe oorgefommenen2lbfd)nitte. 23on Slutoren »erben nur Kicero’d epist. ad Familiäres gebraucht, unb bad Seicötefte au 8 0b ib (Ovidii faoillima quaeque carmina); leptere nid)t überall (bie Sorlefuttg eined 3)id)terd oer»irft ttad) ber ratio et via bie @e»ohnl)eit ber ißrobinj; ber Freiburger ©djulplan nennt als Slutoren biefer Klaffe: Caesar, Cie. de amic. unb de senect., Dbib auderlef. ©tücfe, SSirgitö Kflogen unb ©eorgica). ^Daneben follen aud) hier »ieber ißontand 2$orübungen 23. I. unb II. fotoie bie betreffenben, biefer Klaffe äuge»iefenen Slbfdjnitte aud ber 2lmaltl)ea gebraucht »erben. 3)ie 0 b er ft e ©rammatif atclaff e (ettoa 13—15jährige ©djüler) ootlenbet bie lateinifdje ©pntap, ertheitt überhaupt öollftänbige Äenntnid ber ©rammatif mit 9 ?ad)= l;otung ber bidper übergangenen 2lbfd)nitte unb mit Kinfd)Iuß ber lat. Sftetrif. 23on profaifdien ©djriftfieKern, im 3efuitenlatein and) oratores genannt, fönnen im erften ©emefter bie fdpoerfteu Kicerott. SBriefe (ad Farn., ad Att., ad Quint, fr.), im jweiteu Cic. de amic., de senect., paradoxa unb anbered ber Slrt gelefen »erben; bon ®idj= tent auderlefene unb gereinigte (selectae aliquae et purgatae), Doibifdje Klegien unb 23riefe, audge»äl)lte unb purgirte ©tücfe aud KatuH, 3ibuU, Ißroperj unb 23irgild Kflogen, ober auch bad 4. Such ber ©eorgica, bad 5. unb 6 . ber üleneid. — ^Daneben »erben »ieber bie betr. 2lbfd)nitte aud ber Amalthea memorirt, ißontanud Progym- nasmata 23. II. unb III. gelefen; für bie poetifdje Seetüre »erben neben ben altclaffi* fdjen S)id)tern bie allegorifdjen (Spiele bed iß. ißeter Suftud ©auteliud empfohlen. Sieben ber lateinifd)en Sprache fotl allerbingd an fämmtlidjen brei @ram= matifatetaffen aud) bie griedjifd^e getrieben »erben. ®er Unterricht barin beginnt gleichseitig mit beut im Sateinifdjen fd)on in ber unterften Klaffe. ®ie erfte 2lbtheilung berfelben lernt gr. lefen unb fdjreiben, bie obere bad einfadje Slornen, Verbum substan- tivum unb barytonum; bie mittlere ©rammatifatclaffe fegt bie griech. Formenlehre fort (nomina contracta, verba circumflexa, verba auf iu ); bie oberfte Klaffe ber ©rammatif öollenbet ben Unterricht in ber gried). F°rmenlel)re , jebod) ohne DfücffuSt auf bie ©iatefte unb bie fd)»eren Slnhänge. $ur gried)ifd)en Seetüre bient für bie mittlere Klaffe, »enn ber ißräfect ed für gut h^It, ber gried)ifd)e ffated)idmud ober Kebed tabula, für bie oberfte Klaffe Kpfpfoftomud, Slefop, Slgapetud „unb äl)nlid)ed“. 2lld griecpifdje ©rammatif empfiehlt bie Ratio et via etc. bie 3nftitutionen ober bad Kompenbium oon iß. 3afob ©retfer ober aud) ein fleinered 31 t ©iKingen erfdjienened Kompenbium oon iß. 3afob 23aper. ©er fyreib. ©djulplan läßt in ber unterften Klaffe Slefop, fpäter Sucian, bann Xenoppond Kprop., 3op. Kpopfoftomud 9tebe für ben Kutrop, unb bie erften ©efängc ber Sliad lefen. ©ie 23el;anblung bed gried). Unterrid)ted ift im »efentlidjen biefelbe »ie bie bed lateinifdjen, nur baß berfelbe hinter beut lepteren ftarf in ben §intergrunb tritt, »ie fdjon baraud peroorgept, baß ben gried). ißenfen bloß patbe ober 23iertelftunben jugemeffen finb (ut Graecis paullo plus detur quam semihora Reg. Prof. sup. Gr. 2.; graecae praelectionis, quae quadrantem horae vix excedet. ibid. 9.). Slußer biefen beiben alten ©pradjen »irb atd Unterrichtdgegenftanb für bie 3 ober 4 unterften ©hmnafialclaffen nidjts mel)r genannt ald Sieligion b. p. iSlemortren unb Krflärung bed fleinen Äatecpidmud oon iß. ißeter Kaniftud unb bed Iateinifd)en Koan» geliurad, unb bann einiged aud ber fogen. Krubition (f. unten), unb j»ar oon ber pet* Scfuitcn, Scfuitcnfdjulen. 765 ligen ©efdjidjte, öon ben 4 2)lonard)ien, ben römifdj=djrifttid;en Äaifern, öon ben SKeidjen unb Staaten beS SrbtreifeS. ÜSon »eiteren Sehrfadjern, öon Slritfymetif, ©eograph», @efd;id;te, bent Unterricht in ber $Dlutterfprad;e unb bergt, ift in ben älteren Sehrplanen feine Stiebe. lieber ben gang fefytenben ober I;öd;ft mangelhaften Unterridjt in ber Stlutterfpradje »urbe fdjoit in früheren 3a^rt)unberten öfters gelingt; ber Drben entfdiloß fid) and), in biefem Stücf Sonceffionen gu madjen. 1703 »urbe auf Sefdjluß ber 14. ®eneral= (Kongregation bie SCHutterfpradje unter bie Seljrgegenftänbe aufgenommen; eine Verfügung ber DrbenSobern ö. 3. 1756 fd)rieb öor, im römifdjen 9leid> auf bie beutfdje Spraye ebenfoöiet Sorgfalt gu »enben, »ie auf bie tateinifdje unb gried;ifd;e. ©od; blieb biefer Unterricht fortwährend I)öd)ft mangelhaft, unb fdjeint eS aud; in neuefter 3«t geblieben gu fein, toenn gteid; bie reöibirte Stubienorbnung ö. 3. 1832 in biefem ißunct Abänderungen gebrad;t unb neuere Sdjulptäne, roie ber beS SoltegiumS 3 U ffreiburg, ben Unterrid;t in ben mobernen Spradjen unb Literaturen, ben Slnforberungen ber ftleugeit uachgebenb, in ihre SectionSöergeidjniffe aufgenommen haben (f. baS greiburger SKemoire S. 6 ff; ebenfo ben Sehrplan beS ©pmnafiumS in getdtird;.) ©ie g»ei oberften ©hntnaftalclaffeu heilen im jefuitifdjen Sd;utlatein gufamnten bie Humanität Sc taffen: bie niebere heißt auch lieber bie „Humanität" im engem Sinn, ober bie ißoetif (quartapoetica), bie obere bie SRX;e 10 ri5. ©iefe33egeid;nungen finb freilich fettfam unb »enig gutreffenb, »ie am beften erhellt aus ben »unbertidjen S3eftimmungen, »eldje bie ratio studiorum über 3iet unb Stufgabe beiber Staffen giebt. Slufgabe ber Humanität (ober ißoetit) nämlid; ift, auf bie Sloqneng üorgubereiten (praeparare veluti solum eloquentiae Eeg. prof. hum. 1'.), unb g»ar gefd;iet;t bief; auf breifache SBeife, burd) fienntnis ber Spraye, burd; einige Srubition, unb burd; eine turge Unterweifung in ben Siegeln ber SUfetorif. 2ßenn aber bieS bie Stufgabe berißoetif ift, »aS fott bann bie oberfte Slaffe ober bie „Slhetorif“ teiften? ©ieS läßt fid; — antwortet bie ratio stud. felbft reg. prof. rhetor. 1 . — nidjt fo genau fagen: gradus hujus scholae non facile certis quibusdam terminis definiri potest. Sie foH gur öoHtommenen S3erebtfamteit bilben (ad perfectam eloquentiam informat), bie gweiertei in fid; begreift, bie facultas oratoria unb poetica; bie tpauptfadje ift aber immer bie erftere, bie fac. oratoria. 9lid)t öiet beutlither unb ebenfo unlogifd; ift bie »eitere 33 e= ftimmung: illud tarnen in Universum dici potest, tribus maxime rebus, praeceptis dieendi, stilo et eruditione contineri. Stoqueng alfo ift baS 3^1 ber beibenfpumanitütScIaffen: bie erfte fott bagu ben ©runb legen, bie g»eite fie öotlfommen beibringen; barunter ift aber im »efenttidjen nichts anbereS gu oerftehen atS tateinifd;e Stilbitbung mit 3nbegriff beS @e» brauchS ber poetifdjen formen, ©ie SJlethobe ift im »efenttidjen biefetbe »ie auf ben untern Stufen. SS »erben ge»iffe üorgegeidjnete Slbfchnitte eines SeI;vbud;eS „öorge= tefen", für ben profaifd;en Stil Vormittags Stbfdjnitte öon Spprian über bie 33erebt* famteit, ©ropen, giguren u. f. »., SladjmittagS 33orfdjriften für bie ®id;tfunft, »ogu bie poetifdjen Snftitutionen beS iß. 3ofeph SuoenciuS empfohlen »erben, ©anebenher geht bie Seetüre latent. Slaffiter, beren .fpauptgwecf ift cognitio linguae, quae in pro- prietate maxime et copia consistit. ©agu bient in ber unteren fpumanitätSclaffe üor= gug 8 »eife Sicero, unb g»ar guerft beffen philofopt;ifd;e Sd;riften (ex oratoribus unus Cicero iis fere libris, qui philosophiam de moribus continent), öon ben tpiftoritern Säfar, Sattuft, SiöiuS, SurtiuS et si qui sunt similes, bieS atleS, »ie eS fdjeint, im 3eitraum eines SemefterS; benn im 2. Semefter folten bann einige teidjtere Sice= ronifdje Sieben folgen g. 33. pro lege Manil., pro Archia, pro Marcello, caeteraeque ad Caesarem habitae. S3on tat. ©idjtern »irb biefer Stoffe guge»iefen öorgugStoeife S3irgil, mit StuSnahme ber Sttogen unb beS öierten SSudjS ber Aeneis, bann auSge= wählte Oben öon £>orag, ferner Slegien, Epigramme unb anbere ©ebidjte berühmter 766 Scfuttcn, gcfuitenfdjulen. alter ®icpter ( 5 . 33. Dbib, SDtartial, wie ber SanbS^. ©djulpt. fagt), — nur müßen fle Son jeber Dbfcönität gereinigt fein (modo sint ab omni obscoenitate expurgati). 3n ber cberften (Slaffe fotlen bie Stegein ber ©tiliftil unb Stpetorif borjugsweife aud ben oratorifd)en ©Triften ©icerod unb aud bem (lateiniftpen) Ülriftoteled gefd;Bpft Werben; 51 t bemfelben 3 wef f wirb aud; bie Stpetorit bed ©pprianud ©oariud empfohlen. ®ie Regeln ber ®idjtfunft fotien gleichfalls aud Slriftoteled gefcpßpft werben; als £>anbbitd; fott ber Seprer bie betr. ®peile bon Iß. ©abriel ffranj 3 ap, Sibliotpet ber Stpetoren, braud;en. ®ertat. ©til foH — Wenn aud; baneben bie berüpmteften £>iftorifer unb Ißoefen berloftet Werben (delibantur) —■ boep faft einjig aud ßicero genommen Werben: feine fäinmtlidjen ©epriften ftnb jur ©tilbilbnng geeignet, offentlid; gelefen aber werben nur ©iceronifd;e Sieben, unt an ipneit bie Siegeln ber ®peorie in i^rer 3lnWenbung ju jeigen. Siebenter barf ber 2lbwed;dlung Wegen aud; einiged aud einem |jiftorifer (ber greib. ©d;ulplan nennt befonberd bie in ben lat. ®efd;id;tfcpreibern borlommenben Sieben) unb ®id)ter, bef. 33irgil unb C> ora 5 gelefen werben. Sind; auf biefen beiben pod;ften ©tufen bed ppilologifcpeit ©pmnafial* Unterricptd ift alfo £)auptfad;e bie Iatein. ©pradpe unb beren ©inübung jum ©ebraud; in ©djrift unb Siebe. ®ie S?ectüre ber Sinteren bient borjugdWeife jur Spemplificatiou ber tpeo= retifdjen 33 orfd;riften aud ©tiliftif, Stpetorit unb Ißoetif, nnb jn Aneignung einer Copia verborum. 2 luf bie gebäditnißmäßige Sinprägung ber fßrälectionen b. p. fowopt ber tpeoretifepen Siegeln unb ber bcpanbelten ©cpriftfteHer (ober bod) eined bom Ißrofeffor 31 t beftimmenben Speild berfelben) wirb aud; hier ein §auptgewid;t gelegt, Weil ja bem Sipetor eine täglid;e Hebung bed @cbäd)tniffed notpwenbig fei: baper prima hora ante- meridiana memoria exerceatur. Ißrätectionen bon ber genannten hoppelten 2 Irt (altera ad artem pertinet, in qua praecepta —, altera ad stilum, in qua orationes explieantur reg. Prof. Ehetor. 6 .), bie Snterpretation bed Sehrerd, bei Weid)er pauptf. ©inn unb Sludbrud, berfd;iebene ütudlegung fd)Wieriger ©teilen, Wo ed uötpig ift, aud; ber fachliche Snpalt ind Sluge ju faffen ift, ftprifüidje ©tilnbungen, W 03 U ein furjed ®pema wödjentlid; ober monatlicp bictirt, etwa aud; claffifdje ©teilen jur Smitation angegeben werben, lateinifepe 33erdiibungen, wofür entweber bloß ber ©egenftanb be= 3 eicpnet ober bie fpauptgebanfen angegeben werben, ©oncertationen ober SZBettfampfe ber ©d;iiler unter einanber, SDeclamationdübungen, Slctionen ober tpeatralifepe Hebungen Wed;feln nad; borgefdjriebener Drbnung (f. reg. Prof. Rhetor.) mit einanber ab. ®ie ©criptionen ober ©ompofitionen fönuen übrigend in biefer ©laffe, Wo bad Slbfdjreiben Weniger 3 U befiird;ten, mel;r ald fpaudaufgaben gegeben Werben, um bie ©djuijeit für bie iniinblid;en Hebungen berWenben gu lönnen. Sind; in ben beiben fpumanitätdclaffen geht ber llnterrid;t in ber gried;ifd;en ©prad;e neben bem Satein her. 3n ber erften ber beiben Dberclaffen wirb bie gried;ifd;e ©pntap gelehrtnebft berSeprebon benlccenten — nad; ben 3 nftitutionen bed S3. Salob ©reifer. Ueberbied muß man forgen, baff bie ©cpüler bie ©d;riftfteHer einigermaßen (mediocriter) berftel;en unb aud; etwad gried;ifd; fd;reiben tonnen. 3lld Slutor barf im erften ©emefter nur ein leichter fßrofaifer gewählt Werben, 3 . 33. einige Stehen bon Sfolrated, ©prpfoftemud unb SSafiliud, aud ben S3riefen bon fßlato unb ©pnefind unb einiged audgewaplte bon ipiutard;; im 3 Weiten ©emefter wirb ein gried;ifd;ed ©ebiept erllart 3 . 33. bon ißpofplibed, Speognid, bem peil, ©regor bon Sta 3 ian 3 , ©pnefind (gewiß eine feltfame 3ludWapl nnb nod) wunbertieper ber Seifap: „et horum similibus.“ „®emt Wer bermödjte 3 U fagen, wer basu nid;t 31 t redjnen ift, wenn wir auf einer Sinie neben ben cpriftlicpen ®id;tern jenen f}3feubo'= Ippotplibed, ben alepanbrinifcpen Suben, ber für bad mofaifdje ©efep Ißropaganba mad;t, unb jenen ®peognid, ben 33 orIämpfer ber 33oKblut=2lrifto!ratie Sliegarad, berjeichnet finben." @pmn.=Deftr. ©. 56.) Sei ber ©rflärung ift ed mel;r auf Stenntnid ber ©praepe al$ auf ©rubition abgefepen. Ratio stud. reg. prof. hum. 9. 3n ber ©taffe ber Stpetori! foH neben litrjer Stepetition ber grieip. Spntay, befon- gefuttert, gcfuitcnfdjuten. 767 berS bie ©t)tbenmeffung borfommen unb eine bollftänbigere Kenntnis ber Autoren unb bet ®ialette erjielt Werben. Reg. prof. rhet. 1 u. 14. ©epr umfaffenb unb bunt jufammengewürfelt ijt bie 3aljl ber Sinteren, bie in biefem 3abr getefen werben foH: CDemofttjeneS, fßlato, ®l)uct)bibe§, §omer, fpefiob, fßinbar „unb anbere ber Strt" (nur milßen fte gereinigt fein), benen aud) mit bollern 9fed)t ©reger oen s J?a 3 ianj, VafilittS, (SlinjfoftenmS an bie ©eite ju ftellen ftnb. ®ie Sommentatoren, 3 . 93. 3ubenciu8, nennen aud) nodj ©djriften eon Sudan unb tßtutareb, ^erobian, ©ophotleS unb SuripibeS. SBätjrenb in aßen übrigen Staffen bem ©riedjifdjen nur je eine halbe ©tunbe be 8 ®ageS jufätit, wirb il)m in ber Sihdorif je eine gan 3 e ©tunbe — bie 3 Weite 9?ad)tnit= tag« — gewibmet. Vei ber Veljattblung ber ©d)riftfteKer foß bo^ugSWeife auf ben ©pracfjgebraud) 9füdfid)t genommen Werben, wenn gteid) bie nftljetifdje unb fad)tid)e @r= flärung (quae eruditionis artisque sunt) nidjt gan 3 3 U berfd)mäl)en ift. ©0 feljr übrigens »on einzelnen ©timmen ( 3 .V. eon ©acdjtni in feiner ffßarainefe (Jap. 9.) baS griedjifdje ©tubium empfohlen Wirb, fo fdjeint in VMrtlidjteit, wie fd)on bie Flegeln ber Rat- st. erwarten taffen, fyierin niemals eiet geleiftet werben 3 U fein, wenn fid) bie 3 efuiten gleid) rühmten, itjre ©djiller nid)t bloß 3 itm ©djreiben grie= d)ifd)er fßrofa, fonbern aud) gum Verfertigen griedjifdjer wie lateinifd)er ©ebidjte an 3 u= leiten, „bie baS daffifdje ©epräge tragen unb beren Verfaffer neben ®emoftI)eue 8 unb (Jicero, feiner unb Virgil ftepen." (SJfan fel)e bie toftßdje ©teile »eil beS eerrüdteften ©elbftru'pmeS im SanbSh. ©dptlpl. I. ©. 346 f.) SBie fdjWadj eS mit bem Unterricht im @ried)ifdjen gewol)nlid) — im ©pmnafiura wie in ber fegen. Repetition b. I). bem pijilologifd)ert VorbereitungScurS für lünftige jefuitifdje ©pmnafiallebrer — befteHt war, wie fepr bag ©riedjifdje eon Seljrern unb ©d)ülern bietfad) als ßtebenfadje behanbelt, ja beinahe gehaßt Würbe, geftel)t gan 3 offen ber ehrliche (Jorttoba ©. 64 ff. 2BaS tonnte aud) — abgefehen bon ber ®reffur 3 um Sateinfchreiben unb »fpredjen, worauf ja alles angelegt war — @ebeil)lid)eg erreicht Werben im ©tubium ber clafjt* fdjen ©pradjeu unb Siteraturen, ba ber Sefuitenfdjüter feinen gansen pl)ilotogifd)en SurfuS in jener Slaffe ber fRhetorit, alfo in einem Sitter oen 15 bis 16 3al)ren ab* fcploß, um bann auS ben ©hmnafial* 3 U ben Sljceatctaffen, bon ben studiis inferioribus 3 U ben studiis superioribus, bon ber ©rammatit unb Dthdoril 31 t bem britten ©lieb in ber Stette beS alten Slrioium, 3 ur ®iateftit, über 3 ugehen. 3u philologifchen ©tubien war währenb beS 3jährigen pl)ilofopl)ifdjett unb beS 4jäl)rigen tI)eologifd)en SurfuS teine 3«t mehr, außer foWeit bei bem Vortrag ber tpin* lofophie ariftotelifche ©djriften als Sel)rbüdjer 3 U ©runb gelegt würben. @6 Würbe nid)t einmal gern gefeljen, wenn ber angepenbe ©d)olaftiter neben feinen phitofopbifd)en unb befonberS theologifd)en ©tubien philotogifdje als fpribatflubium trieb (Sornoba ©. 89), baS Sateinreben aber, W03U bie ©tubirenben berpflid)tet waren, unb befonberS baS hau* ßge unb tägige ®isputiren in biefer ©prad)e mußte natürlid) ber Reinheit beS lat. ©tilS eher fd)äblid) als nügtid) fein (Sornoba ©. 79) unb mußte jenes Sefnitentatein erjeugen, woburcf) ftd) biete ©lieber ber ©ocietat ebenfo berühmt gemad)t haben als am SluSgang beS SDiittclalterS bie viri obscuri. ®er Verf. beS SanbShuter ©djut< planS meint freitid), mit ben 3efuiten fei bie Satinität auSgeftorben. Von fonftigen Unterrid)t 8 gegenftänben für bie beibeit fpumanitätSclaffen wie für bie ber ©rammatit finbet fid) in ben älteren ©djutplanen tebiglid) nid)tS erwähnt als ber SfteligionS = Unterricht unb jenes bietbeutige unb bietumfaffenbe gad) ber fogen. Gcrubition. 2118 ReligionSleljrbud) bient bie ©umrne ber djrijtl. Sehre ober ber JtatedjiSmuS bes fßeter (JanifiuS, barauS alljährtidj immer anbere fpauptftüde genommen werben; baneben wirb „baS griedp. Gbangetium", bie 2Ipoftelgefd)idjte ober bie Pancgyrici beS peil. (ShrtjfoftomuS gelefen unb erflärt. Unter Srubition berfteht bie jefuit. ©djulfpradje — alles unb einiges anbere, 768 Scfuitcn, Scfuitcnfdjulcn. ben gangen Snbegriff beffen, »ad außer ©rammatif unb St^etcrit bon realem 9Bif|en«= ftoff nicht fotoohl in beftimmten Sehrftunben, ald bielmel;r gelegentlich unb nebenher gelehrt »erben foll. 2Bad atled h* er h er gehört, f'öunen mir nidjt beffer angeben, ald mit jenen claffifdjen ©teilen ber rat. stud. unb bed Sanbdhutcr Sehrpland, bie and; bon 9?annter ©. 306 unb ber ©djrift über bie öftr. ©pmnafien ©. 51 angeführt »erben: „®ie Srubition— Ijeijjt ed in ben Regeln für bie Stljetorif Abfd;n. 1 — muff aus ber £>iftorie unb aud ben ©itten ber ffiölfer, aud ber Auctorität ber ©djriftfteller unb aud jeglidjer 2)octrin, aber ettoad fparfam nadj ber gaffungdlraft ber ©djüler erholt »erben." Sbenbaf. Siegel 15 heißt ed: An bem »öd)eutlid;en 33acangtage foll bid»eilen ftatt bed §iftoriferd unb Beeten erlaubt fein, eraditionis causa alia magis recondita proferre, ut hieroglyphica, ut emblemata, ut quaestiones ad artificium poeticum spcctantes, dc^epigrammate, epitaphio, Ode, Elegia, epopoeia, tragoedia, ut de senatu Romano, de Atheniensi, de utriusque gentis militia, ut de re hortensi, vestiaria, de triclinio, de triumpho, de Sibyllis et aliis generis ejusdem, modice tarnen.“ §iel;er gehören and; —■ fagt ber Sanbdl;. Setyrpl. ©. 136 »eiter — bie pip tI;agoreifd;en ©pmbole, Apophthegmatcn, ©prüd;»örter unb @leid;niffe u. f. f., ferner bie 3nfd;riften an ben ©djilben, ©räbern, ©empeln, ©arten, ©tatuen u. bgl., »ie auch bie gabeln, römifd;e Antiquitäten, merhoiirbigere @efd;id;ten, Dralel, militärifdje Äriegd-- lift, berühmte gacta, 33efdjreibungen u. f. »." — 3n ber 3»ifd;en$eit j»ifd)en bem jäl;rlid;en 6pamen unb ber ^reifeoertfyeilung (f. Sanbl). Sehrpl. ©. 125 f.) feilen bie ©d;üler mit einigen Hebungen befdjäftigt »erben, bie ben gortgang in ben Sßijjenfdfaften beförbern unb gugleid; burd; einige Varietät unb 8eid;tigleit ben ©djülern Vergnügen niadjen, bergleid;en bie finb, »elf^e gur ^olpmathie ober ^ilotegie, gur Arithmetil, gur ^Orthographie unb gu jeber ©attung non Gsrubition gelieren. S)ied ift and; ber einzige Drt, »o ber Arithmetif 6r»äl)nung gedieht: ed feilen in jenen ©d|luß»od|en, ,,»o bie Sünglinge fdjon ber Stühe entgegenfe^en", einige leidjfere £auptftücfe ber St edjnungdfu.tft, »eldje ben ben meiften gemeiniglich aud ©etoofmheit gelernt gu »erben pflegen, nad; unb nad; gegeben »erben: fie follen guerjt »örtlich bictirt, bann erflärt unb repetirt, enblidj auf ber ©afel mit Anfehung ber ßahljeidjen eingeübt »erben. SBad im erften 3ahr borgefommen, »irb im folgenben repetirt, bid nad; Verlauf ben 4—5 Sapren aUed erfdjöpft unb angeeignet ift. Aud biefem $cliu »a bofiu ber „Srubition" ober „^olpmathie", »obei ge»iß »eniger eine „impofante ©toffanI;äufung" in ben Stopfen ber ©d^üler ald bad gu befürchten »ar, baß fie in omnibus aliquid, in toto nihil lernten, haben fid) erft in ben neueften jefuitifdjen ©chutplanen, nachbent „ber ©rang ber feiten g»ang in einigen ©tüden bon bem ©ebraud; ber Sater abgu»eid;en“ (Sfootljaan 1832), — einige Sfealfädjer heraudgefd)ätt, »ie g. 18. im greiburger ©djulplan ®efd>ic^te, ©eo= grapl|ie, SJtathematit (fo»ie ein Unterridjt in ber SJtutterfpradje) fid; finbet. §3on ber ©efdjidjte tommt hier bor in 61. 6 ^cit. @efd;id;te, 61. 5 Äirdjenge= fd;id)te, 61. 4 alte @efd;id)te unb Abriß ber -Dlpthologie, 61. 3 römifdje ©efdjidjte, 61. 2 ©efdjidjte bon granfreid; unb ber ©d;»eig, 61. 1 d;ronoIog. Ueberblid ber alten unb neuen SBeltgefdjidjte nebft audführlidjeren 6rörterungen über bie @efd;id;te granf* reichd unb ber ©d)»eig. @e»iß eine feltfame Drbnung! ®abei berl;e£>Ien bie greunbe unb SSertheibiger ber jefnit. Ißäbagogil burd;aud nidjt, »ie »enig 1;°^ ^ er Drben gerabe biefem -penfum ift: „SBenn man in neueren 3 e tten fo gar biet unb frül;e (man barf übrigend nicht meinen, ald hätte man in fpäteren Jahren, et»a »äh 3 renb ber Unioerfitätdjeit, ein grünblidjered ©efdjichtdftnbinm geforbert, bielmel;r fommt fie in ben stud. superioribus gar nid;t bor) bon ben ®efd)id;ten mittheilt, fo ift bad nidjtd »eniger ald rül;mend»erth; benu ed führt »ahrlich 3 um SBerberben. ®ie ©ocietät »ar h^rin mäßig unb lel;rte nüdjtern." Sanbdh. Sehrplan ©. 235. Uebrigend foll ber ©efd)iditdunterrid;t jebenfaüd in ben oberen 6taffen — ber Sfh etor 'f imb Humanität — »ie alle anberen Sehrfädjer in lateinifd;er ©prad;e gegeben (in ben übrigen 6Iajfeit Sefwtten, Sefuttenfdjulert. 769 ift bie SBalß ber lat. ober DJtutterfpradje freigefteßt) unb foß überall nadj S3efc^affert= beit ber ©adjen mit moratifchen unb religiösen ^Bewertungen burchf(od)ten werben; nie foß fid) bie hiftorifdje 9lfet>anbluitg feweit »erlaufen, baß fie beit übrigen ©efdjäften ber ©dfule etwas »on ber »orgeftedten ßeit ent^ie^e. SaubSt). £eh r p 6 ©. 238. 3n ber @eograp^ie foflen (nad) bem Freib. ©djutplan) in ben unterftenStaffen bie allgemeinen geogr. ^Begriffe, inSbefonbere ©eographie »on Franfreid; unb ber Schweig, 61. 5 Suropa, 4. bie übrigen (Srbtbjeite, 3. alte ©eographie, 2. bie Srtlärung ber ®rb= unb £>immelsfugel »orfommeu; in ber ÜKat^emati! »eist berfelbe ben 2 un= terften Slaffen bie 4 ©pecieS unb Sehre »on ben 33rfidjen gu, 61. 4 'Proportionen, aritf>m. Progreffionen, SluSgieljen ber Duabratwurgel, 61. 3 erfte ^Begriffe ber Algebra imb ©leidjungen be§ erften @rabs, 61. 2 Sllgebra, 61. 1 Repetition ber ülfgebra unb einiges aus ber ©eometrie unb ©tereometrie. Tiefes Penfum wirb bann in ben gwei Satiren beS pI;itof. 6 urfeS bis gur ebenen unb fphärifdjen Trigonometrie unb höheren SHgebra fortgefefjt ©reib, (©djulpl. ©. 294 ff.). Tie Tarfießung beS gweijätirigen philo f. unb beS »ierjährigen tl;eologifd)en SitrfeS aber, berfog. studia superiora ober ber Spcealclaffen, liegt außerhalb ber ©rängen unfereS SBerfeS, weldjeS baS blödere UnterridjtSwefen nur bis gur ©djweße ber f>od)fdfuIe »erfolgt. SSJir benterfen nur, baß ber pljilofopfiifc^e SurS Sogif, SJtetapbpfif, praftifdje Philofophie, 2Diatl>ematif, in neuerer 3 eit aud) Phhfd, umfaßt. Siebenter tonnen (nadj bem Freiburger Sehrplan), „foweit bie 3 e it eS geftattet unb wenn bie §erren Philofophen eS wünfdjen,“ aud) ißorlefungen über Shemie, Raturgefdjidjte, griedjifche Literatur, ^ebräift^e ©pracfje gehört werben. 3m tljeologifdfen SurS ift bie $auptfadje baS ©tubium ber fdjolaftifdjen Theologie, wobei »orgugSWeife Thomas »on Slquino ebenfo als DrbenSauctorität gilt wie für bie Philofophie SlriftoteleS, für baS Catein 6 icero; gweiteS tljeologifdjeS §auptfad) ift bie Safuiftif, bie fpecieße, für ben beidftcäterlidjen ©ebraud; guredjt gemalte fOioral. Tie gang befonberen Seiftungen beS DrbenS auf biefem fjettc finb betaunt. Theolog. Rebenfädjer finb Srtlärung Der heil. ©c^rift, bef. ber SSuIgata, I)ebr. ©pradje, tanonifdjeS Red)t, &ird)engefd)id)te. — Red)tswiffenfchaft unb SD'ieticin tonnen an ben Uni»erfitäten beS DrbenS gelehrt werben (eS gefleht 3 . 33. im collegium llomanuin); bod) übernimmt ber Drben ntdu bie Perbinbtidjteit bafür. Dberfter ©runbfatj aber für ben gefammten wiffenfdfjaftlidjert Uni»erfitätSunterridjt, gang befonberS für ben SBortrag ber Philofophie, ift, baß alles oermieben Werbe, WaS einen 3t»eifel gegen baS Togma ber fiirdje erwecfen tonnte. Tie ißf)iIofopl)ie inSbefonbere in ihrer ariftotetifch=fd)olaftifd)en Fonu ift nur bie §anblan= gerin ber tirdjlidjen Theologie. §infid)tlid) ber Sefyrbüdjer beftimmen bie Constitutt. 4, 14, eS foßen nur foldje gebraust werben, weldje in jeber fjacultät bie gebiegenen unb fixeren Sehren bieten; foldje, beren Sehre ober 33erfaffer »erbädjtig finb, foßen nidjt benü^t, bip »erbädjtigen 33üdjer foüen an jeber Unioerfität befonberS benannt, bei ber Sinfüfyrung neuer mit größter Umfidjt »erfahren werben. Db Süd;er in ber ©efeßfdiaft gebructt ober »erfauft werben bürfen, ^ängt »on bemSrmeffen berDbern ab: foldje 33üd;er erhalten bann ein eigenes 3eidjen auf bem Titel L. N. N. (lucet non nocet) ober A. M. D. G. (ad majorem Dei gloriam) ober cum approbatione Superiorum. 33on ©d)ulbüd;ern werben gwei Slrten unterfc^ieben: bie einen enthalten 33 or* fdjriften — über Rebe= unb Tidjttunft, latein. unb gried). ©rammatit — aitbere bieten SSeifpiele —bie ©djriften ber ülutcren, beren jeber in feiner2lrt eminirt unb in welchen fid> fowohl bie Äunft felbft offenbart als aud; ber tünftlerifdje ©til glängt. ®S foßten aber nur ältere Autoren unb auf teine 353eife neuere in ben 33 orIefungeu epplicirt Werben — ein @runbfa( 3 , ber übrigens feineSwegS burdjauS feftget)alten wirb. TurchauS aber foß man fidj gewiffer SSüc^er »on Beeten unb »on aßen benjenigen ent= hatten, weldje ber Glirbarfeit unb ben guten ©itteu fdjaben tonnten, eS fei benu, baß fie guoor »on unehrbaren ©adjen unb äßorten gereinigt worben finb. 233enn Sß (SncvftoväOU. III. 49 770 Sefuiten, ^efuitcitfdjwlctt. fic gar nidgt gereinigt »erben fönnett (g. 23. ©ereng), foßen fie and? nidgt getefen »erben. — 3>ieS ber Urfprung ber berüdjtigten jefuitifdjen StaffiferauSgaben: burdg bie fganbtgabung biefer ißurificationSmetbobe »ar eS möglidg, ®id)ter »ie SJfartial unb 3uoenat, Satufl unb tßroperg, bie f»ragifdgen groben, befonberS aber ben Iateinifdjen SiebtingSbidgter ber Sefuiten, Oüib, mit ©djulfttaben ju tractiren. ütßjälgrtidg »irb oon bem ©tubienpräfecten beS fitauptcoUegiumS ber ißroüing unter Ktüdfpradge mit bem Rector unb ben Selbem ein SSergeidjnig berjenigen 23üdger enttoorfen, bie in ben ©djttlen getefen »erben foßen. Beg. praef. stud. inf. 27. SanbSt). ©dgutpt. ©. 56. 2 Iud) bie ißrioattectüre ber 3 ögßnge ift aufs ftrengfte beauffidjtigt: auf er ben oorgefdjriebetten 23üd)ern unb bcnjenigen, bie [ie oon ilgren StRoberatoren befoinmen, [oßen fie ftdgS burdjauS nidgt beifmnmen taffen, ein anbereS 23udg, »etdgen SnlgattS es fei, »enn cS and) titerarifdgen ober geifttidgen 23etreffS ift, gtt tefen ober bei fid) gu Igaben. (SanbSlg. ©dgutpt. ©. 278.) 3 ur Slgarafteriftif ber in ben Sefuitenfdguten gebraudgten Selgrbüdger genügt es, einen 23tid 3 U »erfen auf bie bis in bie neueften ßeiten eingefülgrten ©rammatiten ber tateinifdgcn unb griedgifdgen ©pradge. ©iefetbe lateinifdge ©rammatif, »eldge fdgon bie ratio studiorum im 16. 3afgrlg. atS muftergiittig preist — bie Grammatica Emma- nuelis (Bon Sntmanuel SttüarnS) — ift bis in bie neuefte 3eit tbjeitS unoeränbert im ©ebraud) geblieben, ttjeitS in mobernen Umarbeitungen, »etdge häufig etger 33erfd)tedj= terungeit als 23erbefferungett beS Originals enthalten, »ieber aufgelegt »orben. ißifante groben oon ber Satinität »ie oon bem ©eutfdg biefeS 23ndj8, fo»ie „Suriofa pI)itoto= gifdger ©dgriftfteßerei" auS einer tatein. ©rammatif 0 . 3. 1844 unb einer griedgifdgen 0 . 3. 1850, beibe in bem Sefuitengtgmnafium 3 U Kfagufa im ©ebraud), enbtid) groben auS einer in ffiien erfd)ienenen tatein. ©djulgrammatif (praecepta latina, in usum scholarum) fietge i. b. Sdjrift: Oie ©tgmnafien OeftreidjS unb bie Sefuiten ©. 55 ff. ogt. and) ütfeue Satgrb. f. ißlfilologie unb ißäbagogif 1858. II. ©. 138. 23on geringerem 3ntereffe finb für uns bie fefgr ausführlichen 23eftimraungen über 3eiteinttgeilung unb ©tunbenptan, »ie fie Oon ber Batio studiorum je in ber 3 »citen Kregel jeber (Stoffe gegeben, Oon ben Sommentatoren tlgeilS »eiter enttoidelt, tljeitS audg mit Kfüdfidgt auf bie ©itten unb (Sinridjtungen ber oerfd)iebenen ißrobingen mobificirt »erben, ©ent ^rooinciat, tfjeitS für fid) aßein tljeilS unter 2?orbetgatt ber ©enelgmigung beS OrbenSgeneralS (reg. Proy. 39. reg. comm. prof. inf. 15), ftetgt eS 3 U, fotd)e ütbanberungen ber aßgern. ©d)utorbnung pro loci eonsuetudine 3 U treffen, „dummodo — in semel coepto Constantia servetur.“ ©ie 3 ”teintfgeitung foß fid) immer gleich bleiben, ut certum sit quae horae quibus exercitationibus impendantur, bamit nid)t ein ©efdgäft ber ©d)nte bem anbern oorgegogen unb irgenb eines nnterlaffen, teineS auf Äoften beS anbern gu »eit auS« gebetgnt »erbe. ©ie tägtidge (adgutgeit beträgt in ber oberften St., ber Kftgetorif, ntinbeftenS 2 ©tunben, in ben übrigen Staffen 27* ©tunben 23ormittagS, unb ebenfooiet 9?adg= mittags, an bem »ödgentlidgen23acangtag minbeftenS 2 (in ber Kitgetorif 17») ©tunben 23orm.; am ©amftag unb am 23orabenb eines ffefteS »irb bie SRadgmittagSfdgute auf 2 ©tunben befd)ränft. ©amit feine 3 e it Oerloren gehe, foß Oer Seigrer immer präciS nadg bem mit ber ©lode gegebenen 3 Udgen beginnen. [?ören »ir bie ©ageSorbnung einer Sefuitenfdgute (meift nad) bem Sanbslguter Sehrplan)! SDiorgenS »irb baS erfte ©todengeid)en um 6 S A (a. a. Orten 67>) gegeben, bie ©d)iiter fammetn fiBrfäle gefdjloffen unb bie -Pforten bed ©hmnafiumd berriegelt. Ser Seljrer foU bann ©ott burd; 3efum Gljriftum, ben er im Betl)aufe befnd;t, Sauf fagen; hierauf fid; bie nötigen Rotten über feine ©djüler rnadjen, bie nod; übrigen ©criptionen corrigiren unb auf bie pnfen bed fol= genben Sagd fid; borbereiten. Sied bie gewöhtilidje Sagedorbnung einer Sefuitenfdjule guuädjft an gwei SBodjentagen, am SRontag unb SRittwodj. ©ie erleibet einige 2lbänberungen am britten unb fünften SÜ3od;entag (Sienftag unb Sonnerftag). 2ln bem in jebe 223od;e treffenben Bacangtag Wirb bie Bormittagdfdjule um V 2 ©tunbe abgefürgt, bie Rad;= mittagdfdjule fällt aud, weswegen bie pnfa mehr gufammen gebrängt werben, bie Goncertation unterbleibt, in ben 2 .fjmmanitätdclaffen auch berSlutor weggelaffen werben l'ann, nur für bie Grubition 3 e 'i 3 U gewinnen. 21m greitag wirb ftatt bed 2Iutord in allen ©affen, bef. in benen ber ®ram= matif, bie Repetition unb Grflärung bed auSWenbig gelernten latein. ÄatedjiSmuS ober ber doctrina christiana borgenommen. Ser ©amftag ift borjugdweife ber Repetition bed in ber gangen 2Bod;e Borgefommenen gewibmet, bie jebod; mel;r eyercitiumdweife borgenommen Werben foü, b. 1). burch fragen unb Slntworten, unb meift in 93erbinbung mit einem 2Betttampf. Sann werben, wahrenb bie ©cpüler ©elbftbefdjäftigung haben, bie ©d;reibhefte bom Seprer burdigefehen, in ber legten 23iertel= unb halben ©tunbe 772 3efuiten, yefuitenfdjutcrt. eine ißrioatbeclamation al§ fcgenanitte außerorbentlidje Uebung öorgenoutmen. 5lut ©amftag Radpnittag aber, nad)bem gleidjfaH« Repetition, bann furje Srflärung eine« poet. 3lutor« ober 33ocabelnübung ftattgefunben, ^aben um 27* Uhr fämmtlidje ©djüler bie ©jplication beS tatein. ober gried). Gtoangelium« (in ber Rhetorif ber Slpofteb gefdjidjte) fie^ettb unb entblößten Raupte« anju^ören, womit eine ^atbftänbige fromme @rmaf)nung (pia cohortatio s. exh.) ju öerbinben ift (Gsrmaljnungen junt täglichen: ©ebet, bef. be« Rofenfranje«, ju abenblicf)er ®ewiffen§prüfung, ju Seicfjte unb 9lbenb= mal)l, jur Slblegung üon gestern'unb üblen ©ewolptheiten u. bgl.). 2lm erften ©amftage be« DJtonat« werben bann nod) bie Regeln ber ©djüler ab? gelefen unb öffentliche Rügen unb drmatjnungen erteilt. ©. SanbSI). Seljrpl. ©. 109. SBeitere 33orfdjriften betreffen baSjenige, was jeben 931 o n a t unb jebe« 3atjr j« beobadjten ift: bie monatlidje ©criptioit pro imperio ober pro magistratibus creandis (eine ju Anfang jeben ÜDfonat« ju liefernbe fd)riftlid)e Arbeit, nach beren Refuttat bie Oerfdjiebenett, theil« jur Sr^attung ber Drbnung, tl)eil« jur ©timutirung beS ßljr? gei§eö bienenben ©djulwürben üertl)eilt toerben), bie 33erle]ung ber ©d)ulregeln, bie ju= gleid) öffentlich angefieftet toerben, bann bie fog. Ülfabemien ober außerorbentlidjen Repe? titionen unb Seljrcurfe, an betten jebod; nur biejenigen tljeilnel;men bürfen, weldje t^eilS burd) itjreSTalente fid) auSjeidjnen, t^eilS ber fog. marianifdjen ©obalität angeboren (f.unten); ferner 58eftimnmngen über bie allmonatlich oor einem ißriefter ber ©ocietät abjulegettbe 23eid)te, über bie alljährlich nad) ber Sacanj oorjunehmenben ©d)uleröffnung«feierlid)= feiten (ein Hhntnu« jur Tlnfleliung be« heil. Seifte«, feierliche SDceffe, öffentliche Rebe eine« Selber«, Slblegung ber tribentinifchen professio fidei burd) bie Seljrer, Slaffem eintheilung ber ©d)üter, Anlegung con ©djuloerjeidjniffen u. f. to.), bann bie an ge? toiffen gefttagen ftattfinbenbett öffentlichen SDeclamationen, Slnljeftung oon ©ebidjten an bie ©djulwänbe, bie im 3anuar unb gebruar ftattfinbenben feierlichen Äampfübungen, bie adjährlid) im Sluguft gteid) nad) Sttariä Himmelfahrt ftattfinbenben ©criptioiten unb (Spamina toegen begreife« unb toegen be« Sluffteigen«, bie 23efd)äftigungen toäl)renb ber ©cfjlußwochen be« ©tubienjaljr«, bie öffentliche ‘ßreifeoertheilung, bie mit aller mög? lid)en 3urüftung unb bei öolfreidjer 33erfammlttng gefeiert toerben foU, bie feierliche ©eneralpromotion am £ag -JJJariä ©eburt, Uebergabe ber 3eugniffe an bie auStretenben ßöglinge, enblid) Seftimtnungen in 23etr. ber größeren Sacanj, bie oott ber ©enerat? promotion, alfo 8. ©ept., bi« 18. £)ct. bauert, unb in welche bie ©d)üler nid)t ohne bie nöthigen Snuapnungen entlaffen toerben foüen. Siefe allgemeinen 39eftimmungen in 33etr. ber täglichen, wöchentlichen, monatliche« uttb jährlichen 3eiteintljeilung toerben nun toieber in einer befonbern Reipe oon 33orfd)riften auf bie eittjelnen Slaffett angetoenbet. 2Bir föunen bie« äße« hier nur lurg anbeuten; für bie Weitere 2lu«fül)rung oer? toeifen toir auf ben SanbSljuter Sehrplan ©. 89 ff. ©. 132 ff. B) UnterridjtSmethobe. 3n bem 33i«herigen, in«bef. in bem, toa« über bie Sehrgegenftänbe unb ben ©tunbenplan ber jef. ©pmnafien mitgetheilt tourbe, ift ba« SBefentlidje ihrer Sehrmetl)obe im ©runbe bereit« enthalten. — 33er allem fott fo wenig als möglidj ber inbioibtteßen Freiheit, ber eigenen 2öal)t be« SehrerS überlaffe» bleiben, ©o weit e« gefd)d)en famt, f ollen bie Seprer an bie oorgefdjriebene Unterrichts? methobe fid) halten, unb in feinem ©tücfe Oon beut oorgeäeidjneten ©eleife abweichen: fie feilen bebenfen, baß e« fid) um eine ©adje be« ©eljorfauiS l) ani! elt, unb baß ©ott bie hierin bewiefene golgfamfeit mel)r fegnett werbe, at« wenn man eigenem @ut? tünfen folgen würbe. (Sacchini Paraenes. cp. 7.) DaS El)«rafteriftifd)e ber jefuitifdjen Set)rmethobe, ihre relatioen SBorgüge, benen bie oott cberflädjlidjett 23eurtheilern oielgerühmtett glänjenbett Refultate 3 uju= fchreibett ftttb, aber aud) bie barait nahe oerwanbteit großen ^etiler unb päbagogifdjen ©üttbett liegen bef. itt brei ©titefen — in ber 58efdjräufuttg, Uebung unb ber Sßedttng be« C£h v 3 e i 3 eS. gcfuitctt, Sefyrtcnfdjulcn. 773 3)te in bem jefuitifdjen Sehren unb Semen ftattfinbenbe fluge Sßefdjranfung, bie aber freilich theilweife gur einfeitigften 33efd)rän!tl)eit unb Sürftigfeit wirb, hat fid) itnS gunädjft barin gezeigt, baß eS im ©runbe nur ein einziger Sehrgegenftanb ift, bem uafwgu alle 3 e *t unb Äraft ber Sehr er unb ©djülcr eon ber unterfien bis gur oberften ©hmnafialclaffe gewibmet wirb — bie lateinifdje ©ßrad)e, unb baneben etwa nod), aber bereits in feljr untergeordneter Söeife bie griedjifdje. 2iüeS anbere bleibt — wenigftenS nad) ben urfßrünglidjen Sehrplanen — enttoeber oBHig auSgefdjlcffen, ober wirb nur als cBHige Stebenfadje gugelaffen in jener omne scibile et quaedam alia um= faffenben „Srubition", unb aud) biefe bient burd) bie lateinifdje Sehrfprudje, in ber fie oorgetragen, unb burd) bie oerfdjiebenen Uebungen, wogu fie oerWenbet wirb — cor= gugSWeije nur Wieber bem 3wed ber Iateinifd>en ©pradjfenntniS unb ©tilbilbung. Slber aud) fonft überall mBglidjfte 93efd)ränfung, überall bie SBarnung: ne quid nimis! 9t«fS entfd)iebenfte erflärt fid) ©eneral 33eff gegen bie moberne Xenbeng, ben ÄreiS ber Unterrid)t8fäd)er an ben ©t)mnafien gu erweitern. Seljrer unb ©d)üler foHen uid)t ilberforbert, leine oberflädjlidje 33ietwifferei erhielt Werben. „SBenn aud) cieleS gu= gleid) unb üerfdjiebeneS öorgefdjrieben ift, fo ift eS nidjt barauf abgefeljen, baff alles genau unb ohne 3luSnaljme ins 2öerf gefegt werbe, fonbern baß nur baSjenige get^an »erbe, toaS fdjidlid) unb bequem gefdjeljen fann." 3n jebem ffad) wo möglid) ein unb baSfelbe Sefyrbudj burd) alle betr. Klaffen hinburd)! 23on lateinifdjen ©d)riftftellern, fo oiele berfelben aud) genannt Werben, bie in einer unb berfelben JatyreSclaffe neben ein» anber gelefen werben fBirnen, ift eS bcd) verhältnismäßig fel)r wenig, waS wirflid) gelefen wirb, SJtufter unb SSorbilb aber für bie ©tilbilbung ift allein Kicero, ber bei ben Sefuiten nafyeju fanonifdje Sluctorität genießt, wenn e§ g. iß. beißt: 2Bie in ben ©titbijn ber Xljeologen ber gBttlidje XhomaS, in ber fßhiW°Pfy* e 3lriftoteleS, fo wirb in beit fpumanioren Kicero als eigentlicher unb cornel)tnfter ®octor gu oeret)ren cor= gefteHt. (SanbSlj. Sehrpl. ©. 200). Sie bictirten ÜEljemata gur Kemßofition, bie^enfen gum SJtemoriren foHen — gumal für bie unteren Klaffen — mBglidjft furg fein! lieber wirb Weniger aufgegeben, Weniger gelefen unb erflärt, als baß bie feftgefejjte 3eit über= fc^ritten würbe; aud) cor jebem Uebermaß im ©tubiren wirb gewarnt; man fott niemals über l 1 /« ober collenbS gar über 2 ©tunben ununterbrodjen ober angeftrengt mit Sefen ober ©djreiben h*nbringen, ohne einige 3dt nadjgulaffen (SanbSl). Sef)rpl. ©. 278); Wie ja aud) bie 3al)l ber täglichen Sehrftunben — in ter Siegel 5 in ben unterfien Klaffen, 4 in ber SU)etorif, wBdjentlid) bort 27, hier etwa 21—22 — eine fefyr mäßige ift, ungered)net bie vielen fird)lid)en f5ieier= unb Safttage, bie eine weitere 33efd)ränfung ber ©dmlgeit Iwrbeiführen. Sine £>aupttenbeng ber jef. -ßabagogif liegt barin, eben burd) foldje fluge 33efd)ranfung il)rer Ülnforberungen an bie ©djüler, biefen ben tlnter= ric^t angenehm, baS Sernen bequem gu madjen. „£>ie ©rammatif unb bie Sa= tinität — fagt SucentiuS — finb giemlid) trodene ©ebiete; um ben ©eift aufguweefen, muß man ihn erheitern." Sarum ridjteten fie ihre fianbbüdjer unb Kempenbien fo ein, baß fie bem ©efdjmacf unb ben Steigungen ber Sugenb nid)t guwiber waren, brad)ten alle 3®eige ber 323iffenfd)aften in mBglidjft furge unb überfid)tlid)e f$orm, verfaßten Sljreftomathien unb 3luSgüge angenehmen 3nl)altS in mBglidjft leid)t cerftänblidjeni Satein ober @ried)ifd), lehrten bie ©efdndjte burd) SJorjeigung eon SDtebaiUen, bie $hhf l t burd) eine SJtenge ber unterhaltenbften Sfßerimente. (vgl. §>abn a. a. D. ©. 102 f.) ©ewiß liegt in biefer @rleid)terung unb 33ereinfad)ung beS UnterridjtS, in biefer ©djonung con 3ett unb firaft, in biefer tßermeibung jeber Ueberbürbung bei Sel)rern unb ©d)ülern, in biefer „Soncentration beS llnterridjtS" auf baS eine ^außthenfum, Wahren! man boanbgriffe beigubringen, um fie bann auf ©ommanbo braudjen gu tonnen. ©otoeit nun Semen Heben — unb foferne Hebung ein «efentfid;eS Sftoment febeS Unterrichts ift, ift bie jefnitifdje SRetpbif gewiß eine «ol;lbered;nete unb «ohlberedjtigte. 35er get;ter ift nur, baß in biefem einen unb bod; relatiü untergeorbneten ÜDtoment bie gange Sepmeispit ber Sefuiten aufgeht, baß bie pl;eren geiftigen gunctionen, «eil nitf;t getoedt unb entwicfelt, bielmep burd; biefen äJfedjaniSmuS äußerlicher ©percitien ftjftematifd; abgeftumpft «erben, baß fo bie Hebung gur ©reffur «irb unb ftatt gur 33ereid;entng unb Kräftigung beS ©eifteS gu führen, benfelben gur Sornirtpit unb Unfelbftänbigfeit prabbrüdt. „3)ie ÜDfenfdjen abgurid; ten" — fd;reibt SacobS ©rief«. I. ©. 231 — „baS mögen bie Sefuiten Derftanben pben, aber gu halben nimmermehr. 3d) Ipabe in SKündjen ©d;iiler ber SlugSburger unb ©djmeiger Sefuiten gu epaminiren gehabt, unb nie ift mir eine fraffere Hntoiffenheit borgefomnten." ©roßer SBertl; «irb Dor allem auf Hebung beS © ebäd;titiffe S gelegt (f. hierüber bef. Saccliini Paraen. cp. 8 . u. SanbSp Sehrpt. ©. 184 ff.) unb «ir ftehen feinen STugenblidt an, bieS als einen fpauptoorgug ber Sefuitenpabagogif anguerfemten. 9h:r baß aud) baS, «aS ©ad;e beS ©erftanbeS unb ber UrtpilSfraft ift, gur ©ebädjt= nisfadje gemacht «irb, ift bie große, mit bem ©orgug nal;e Derbunbene ©infeitigfeit. 9lHeS mögliche «irb auS«enbig gelernt, aber nid;t et«a foldje 35inge, bie einen blei= beitben unb gebiegcnett ©d;a(} für ©emütl), ©eift unb Seben bilben, fonbern borgugS= «eife baSjenige, «aS gur äußerlidjen ©pradjfertigfeit bienen foH: 1) bie ©orfdjriften ber Äunft, namentlich ber ©rammatif, ber lateinifdjen fo«ohl als ber gried;ifd;en, 2 ) ber Dorgefd;riebeite Stüter, namentlid; ©tüde aus ©icero, ©urtiuS, ©irgil, £5bib u. f. «•, 3) ber KatedjiSmuS, 4) befonberS in ben ©rammatifalclaffen eine copia verborum; auch bie ©egenftänbe ber „©rubition" füllen als @ebä(htuiSübung behanbett, jeboch nidjt «örtlid; recitirt «erben. ©ie ©röße beS Don einer Scction gur anbern gu me= morirenben fßenfumS gu beftimmeu, «irb ber Klugheit beS SeperS überlaffen; in ben unterften ©taffen fmuptfäd)Iid) Siegeln unb SBörter, unb ©teilen aus ©icero, bie in ber unterften 4 3eilen, in ber mittleren 7 3eüen nidjt überfdjreiten foHeit; Dom KatedjiSmuS foHen je 2—3fpauptftüde beS SahrS gelernt «erben; in ber oberften ©taffe, berfftp* 01 ^ 5 . St;, aud; ber Humanität, «irb neben ber täglidjen, bem SRptor f® notpoenbigen ©ebäd;tnisübung nod; empfohlen, baß einer p e unb ein fl uS ^ cn Autoren genommenes ©tüd Don ber Kanjel recitire, um bie ©ebädjtuisübung jugteid; mit ber älction ju Derbinbeit. (Eeg. Rhet. 3.) ©ouft ift baS Slbljören beS ÜRemorirten Dor= jugS«eife @efd;äft ber fog. ©ecurionen, «obei biefe bann «ieber oor bem oberften ©ecurio ober Dor bem Seper ipe Slufgabe l;crfagen, ber auch aitßerbem täglich einzelne abl;ört. (SanbSh- Sel;rpl. ©. 184 f.) 5luSfüt;rlid;e Regeln beftimmen ferner bie 2lrt unb SSßeife ber fßrälection unb Application: ber Sel;rer ift eS, ber bie 33orfd;riften beS Sehrbuchs ober bie ©teile beS Sefniten, ycfuitcnfdjutcn. 775 2lutorb borliebt, einfad) interpretirt unb burd) »eitere Semerfungen, Seifpiete u. bgt. berbeutlidjt, feib in ber SJtutterfpradje ober ■— wie in ben obern Staffen gefdjeljien fott — lateinifd); bie ©etbfttt)ätigfeit ber ©d)üter wirb babei fel)r toenig in Slnfprudj ge= nommen, l)öd)ftenb haben fie bie bont Seprer bictirten Stnmerfungen jn fdfreiben, unb bab Sorgetragene ttfeitb fogteid) tlfeitb am folgenben Sag ganj ober theitweife ju repe= tiren. Ser Stbfdmitt, ber in ben unteren Staffen auf einmal getefen wirb, fott nad) ber Sieget 4—7 ßeiten nicht überfcfjreiten. (Reg. prof. med. et inf. cp. 6.) äßie bab SJfemoriren unb Sfecitiren, fo fpielt aud) bab SJepetiren eine §aupt= rotte in bem jefuitifdfen ©Aftern ber Sinübung. Ser ©dfüler liebt unb forfd)t nidjt fetbftänbig, fonbern feine ganje Stjätigleit beftel;t in 2BieberI)olung beb bom 2el)rerSor= gejagten. Magister praelegit, discipuli repetunt. Sei ber Siepetition barf ber Setjrer nad) nid)tb anberem fragen, at§ »ab er fetbft bei ber ißrälection borgebrad)t. 3ebe oom Sc^rer borgetragene fßrätection unb Spptication wirb tljeitb fogleid), nadjbem ber ?et)rer feine Srftärung beenbigt, tfyeilb bab nädjftemal, bebor man weiter gefyt, bon ben ©Mülern unb j»ar tl)eilb bon einem ganj, theitb bon mehreren ttjeilweife repetirt, entweber ganj in ununterbrodiener Siebe, ober »edffelbWeife, unterbrodjen burd) fragen beb Seljrerb, ober in ber SBeife einer Hebung ober eüteb Äampfeb jtoifdjen ben Siebenbu^Iern. Sefonberb aubfiit)rlid) lauten bie Sorfdfriften für bie ©cription ober Sompo= fitton, »eld)e für bie bornel)mfte aller ©dpilübungen gefjalten wirb. Sb fott ein paffenbeb, einfadjeb, ja nidjt jw fdjwierigeb ober bunlteb Spema bictirt »erben: benn man muff nicht beb»egen auf bab Schwierige aubge^en, »eil fonft gu biele fid) finben, »eld)e bie ©criptionen ohne gelter liefern. 9luf jeber ©tufe fotten bieSlufgaben mög= ltd)ft an bie fßralectionen fid) anfdjtießeu unb ©toff ju bereit Sinübung, ju Hntoenbung ber borgelommenen Siegeln unb ^u 3mitation ber gelefenen ©djriftftetter bieten. Sor altem ift Sicero ©tilmufter; bieftnaben fotten gleid) anfangb ju einer familiären, reinen, Haren, feinen unb ftießenben fttrt ju reben angehalten »erben, bagegett fott eb il)nen „unterfagt" »erben, eine attjuabgefürjte, berfd)iebene, mit oratorifd)em unb poetifdjem ©tit üermifdjte Sießenbart ju gebraudjen. Sie ©cription ift einäurid)ten nad) ber ®e= ftatt einer Siebe, Sprte, Stählung, fpiftorie, Sefdfreibung, Sabel, Slpolcgie, Spiftel u. f.»., atfo jur Sinübung ber berfdjiebenen Sarftettungbarten; in ben oberften Staffen »edjfetn poetifdje mit profaifdjen Stufgaben. 3ur Srteid)terung berSlrbeit fotten etwaige ©d)»ie* rigfeiten ber Slufgabe erläutert unb ben ©d)ülern bie nötl)igeu SBinTe unb Seiljütfe gegeben, SBorter unb fßb ra f en angegeben »erben u. bgt., aud) fott ber Sichrer Junta! in ben unterften Staffen juweiten ein £h ema ^ en ©d)ütern borcomponiren. Sei allen fdjrifttidjen Slrbeiteu fott and) auf Drtljo= unb Sattigraplpe gefefjen »erben (Siaubblj. Sefirpt. ©. 207.), tljeilb »eil fo oiel baran liegt, baß bie ©djttler fid) gewöhnen, atteb, »ab fie tljun, fleißig unb red)t ju tl)un, tl)eilb »eil eine jierlidje ©djrift wirltid) einen ungemein großen Sinken hat- 20 er fdjön fd)reibt, fott l)äufig belobt unb mit greifen Belohnt, ben Diad)läffigen bie §äßlid)feit if»er £>anbfd)rift oft borgehalten »erben. Sin ^auptmittel jur Sinübung ber lateinifdjen ©pradje, atb beb §aupt= let)rgegenftanbb in ben Scfuiteufdjulen ift nun aber nod) bab Siateinfpredjen, bab »enigftenb für bie ©dfjüler aller höheren Slaffen burd) immer »ieberljolte ÜDianbate unb SBeifungen eingefdjärft würbe. (Ser ütanbbl). Sehrpl. ertoähnt fo!d)e bon ben 3al)ren 1609. 1619. 1622. 1636. 1707. 1714. 1724 u. ff. — »ol)l jum SeWeib, baß bie iPrapib biefeit Slnforberungen benn bod) nid)t immer entfprad).) 333ie ber SDiagtfter beftänbig lateinifd) reben fott, fo fott and) ben ©djütern in feinem ©tüd, bab jur ©djule gel)ört, erlaubt fein, bie SSiutterfpradje ju gebrauchen, bielmehr fott bie Seruad)läßigung beb Sateinrebenb ad notam genommen »erben. Ueberatt, nidjt nur öffentlid) in ben @d)ulen, fonbern aud) pribatim fott beftänbig auf Steiutjeit unb Sülle, auf bab Seben unb bie beftänbige Hebung ber lateinifdjen ©prad)e gebrnngen »erben. Seber ättagifter gel)e baritt mit bem Seifpiel boran, unb rebe nicht bloß immer lateinifd), fonbern rebe eb aud) aufb atterbefte (Subent.). Surcf) attevlei SDiittel unb SJütteldteu fott biefe 776 ycfuiten, Scfuitcnfdjulcn. gertigfcit int Sateiureben geförbert werben. üDlan greife häufig bie 3wi'Be ber latein. ©pradje; man fieUe vor, wie fc^inäljltd) eS für bie ßöglinge ber Salinität fei, nidjt lateinifd) $u verftepen. ©ie, welche fidj hierin auSjeidjnexr, fallen belobt, mit Prämien ttnb •Privilegien bebaut, bie, weldje pierin faprläßiger ftnb, getabelt werben. 2öer etwas in ber SKutterfpradje gerebet pat, foH genötpigt Werben, ein 3eiülfSmittel im Sepramt, unb weldjeS Beinape eingig pinreid)enb ift, bie 3ugenb aufs hefte 3 U unterridjten. ©er fßräceptor fdjape baper biefe ©ßaffe pocp unb erforfdje fleißig bie SBege, auf welcpen er fie erlange, unb wie er biefelBe am meiften unb wirffamften Braudjen fönne." (SanbSp. fßl. ©. 280.) ©ie ©orge eines weifen SJlagifterS foH vor= 3 Üglicp bapin gepen, baß er feine ©d)ule burd) biefe 3 Wei §ebel, SoB unb ©abel, in ^Bewegung fepe unb baß er pieju aucp ben Sleij ber ißrämicn, als ben ©tadjel ber ©ugeitb unb beS IJIeiBeS, red)t gebraudje. Unter ben IDlitteln, biefe §ebel in Bewegung 3 u fepen, ftept obenan ber SBettfampf ober bie Soncertationen, fowie bie Sr» wäplung ber SKagiftrate — fßratoren, Senforen, ©ecurionen — in ber ©d)ule nacp ben fRefultaten ber ntonatlicpen ©criptionen. ©ie, Welcpe am Beften gefcprieBen paBen, erpalten bie pöcpfte SDlagiftratSWürte, bie tiefen am nädjften lammen, anbere Sprenftufen, beren -Kamen, barnit bie ©ad)e rnepr Srubition paBe, aus ber griecpifdjen unb römifd)en Slepublil ober SDRiltg genommen werben. Sludj lattn bie ©cpule 3 ur görberung ber Slemulation in jwei Parteien (Konter unb Sartpager, ©rieepen unb ©roer) getpeilt werben, beren jebe ipre SJlagijtrate unb fid) einanber 3 U ©egnern paBe, fo baß ein jeber ber ©djüler feinen ipnt eigenen Sieben» Bupler pabe. ©ie pöd)ften DBrigleiten Beiber Parteien nepmen im ©ipen ben elften $Iap ein. (SanbSp. Seprplan ©. 116.) ©aS Sprenjeidjen ber ©djulbictatur War — wie SKicpael ©eniS in feiner ©elbftbiograppie ergählt — ein vergolbeter ©d)lüffel, ber an einem reiepen Vanb von ber Vruft beS ©ictatorS perabpieng, fowie eine foftbar gebunbene SRatrifel, in weld)e bie Slamen ber ©ictatoren eingefd)rieBen würben, ©ie Sreirung foldjer SBürben biente alfo Bei ben 3efuiten nid)t wie bei ©türm unb ©rosen» borf jur Drganifation ber ©cpule unb sur Unterftiipung beS Seprers (burd) SDlonitoren), Scfuitcn, ycfuitcnfdjulcn. 777 fonbern »orjugSiüeife jur Slemulation, sur 2lnfpornung beS Shrgei$eS. Sei ber Son= certatiort fragt nun halb ber SDiagifter unb Cie Siebenbuhler corrigiren ben, welcher antwortet, ober fie fragen einanber toedjfelfeitig. Sludj §erauSforberungen finben ftatt: babei forbert in ber Siegel ber ißricate ben ißriüaten, ber SSiagiftrate ben SDiagi= (traten, bisweilen aud) ber -ßricate ben SJiagiftraten, unb wenn er if>n befiegt, fo wirb erentweber beSfebben SSiirbe ober einen anbern IßreiS ober eingeidjen be§ ©iegS erlangen. „®iefe Slrt Uebung foll ber SJiagifter nidjt als ein bloßes ©piel unb als ein ®efd)äft, baS ju nichts bient, fonbern als fein eigenfteS unb als ein wichtiges ©efdjäft bel)an= beln je." ©. hierüber bie fehr ausführliche Anordnung beS Sanbl). ©djulpl. ©. 238. lieber bie fogen. außerorbentlidjen Uebungen, befteljenb im ® eclamiren, im Bffent» licfjen unb pricaten, nnb ber fcenifdjen 9lction f. ebenb. ©. 244 ff. ®iefen SBettfämpfen finb nad) bem ©tunbenptan beftimmte ©tunben unb Sage gewibniet; beff cor einem geft bleibt bie legte halbe ©tunbe beS SormittagS bem SQSett* fainpf refercirt. Sr finbet nicht bloß jwifdjen ©djülern berfelben Klaffe, fonbern als feierlidje Äampfübung aud) jwifdjen ganjen combinirten Staffen ftatt. (©. 122. »gl. aud) ©djmibt, 3eitfd)r. f- @efd)id)tSwiffenfdj. IV. 138.) 33on ber befonberen Slrt ber 9lemulation unb Senunciation, bie jur Uebung int Sateinfpredjen ftattfinbet, war oben bie Siebe. — Snblid) werben aud) nod) (©. 283) befonbere Äunftgriffe erwähnt, beren fid) bie SJiagifter, um Slemulation ju weden, mit ©lüd bebienen: 5 . 23. fd^riftlidje Slufjeidjnung beffen, was con irgenb einem talent= ccfl ausgearbeitet, jierlid; gefagt Worben ift, an gewiffen öffentlichen Safein, bamit baS 3lnbenfen einer gelungenen ©ad)e junt ewigen Siul)m beS 91 amen 8 im Sieid) ber SBijfen* fdjaft erhalten bleibe; ferner 2 tnfseid)nung unb monatliche 2 Iblefung beffen, was gut ge« mad)t Worben ift (fei eS in ber SBiffenfdjaft, fei eS in ber ©ottfeligleit unb Sugenb) mit SerfdjWeigung ber Siamen; Eintragung bebeutenberer gehler in bie Senfurbüdjer, aus benen bann bie Siamen ber ©d)ülbigen gu beftimmten feiten burd) bie Iperolbe abgelefen Werben, bamit alle burd) ein neues ©efülfl ber ©cf)anbe erfdjüttert werben; enblid) Sluffteßung einer UnglüdS« ober ©dtanbbant, genannt fpößenleiter u. bgl., in ber SJiitte ober einem SZBinfel ber ©d)ule; unb anbere bergteid)en Sunftgriffe unb ÜDiittel, weldje fowoX>I tauglid) ftnb, ben gleiß ber Änabeu anjufpornen, als aud; bem ißräceptor bie Slrbeit guten 2X)eitS erleidjtern, unb iljn ber läftigen unb »erfaßten SiotI)= wenbigleit, immer ftrafen ju müßen, überheben. HfleS bieS waren aber nur bie gewöhnlichen, alltäglichen SßedungSmittel ber 2Xemu= lation; noch weit großartiger unb braftifd)er mußten aber in biefer Sejieljung biegroßen ©d)aufteflungen ber Prüfungen unb IßreiSCertheilungen Wirten. Slfljährlid) nad) bem geft Sliariä Himmelfahrt, an einigen Drten nad) ©t. 8 au= rentii, fangen bie ©criptionen unb Spamina für ben iß,reis unb baS 2luffteigen an. Seinahe einen ganjen SJionat cort)er foßen bie ©djüler in aßen widrigen @egen= ftänben fianb. SSeibe aber fmben »efentlid) eine religiöfe ©runblage, ein reIigiö8=Hrd)Iid)e8 3*d- Religion unb ©itttidpeit aber filmten nid)t er= lernt, fie müßen notl)»enbig geübt »erben, unb bie ©rjiebung ift bal)er »efentlid) 6r= gietjung unb @e»öl;nung be8 2BiHen8." 3)a8 ift einer ber ^au^toorgixge, bereu ber Drbeit fid) rühmt, uitb »eld)e ber jDrbenSpäbagogif bon feinen grennben nad)geriil;mt »erben. „£>ie3<3glütge feilen „jur 6I)re ©otteS“ erlogen, alle ©iSctylinen feilen fo gelehrt »erben, „baff fie jur 6rfenntni8 unb Siebe be8 ©djijpferS unb 6rlöfer8 führen.'“ „®ie 3üng= linge, »eldje in bie SDiSciftlin ber ©oeietät gegeben finb, foH ber SDtagifter alfo unter= »eifeu, Daß fie ganz borjiiglid) mit ben SÖJiffenfdfaften aud) an ©itten gewinnen, »eldje ber 6I)riftcn »ürbig finb.“ ©o berfiinbet e8 laut unb »ieberf»lt bie Katio studiorum (regul. Profess. I.; reg. prof. dass. inf. 1.; bgl. SanbSt). Seljrfol. ©. 152 ff.). 6inen d)araftcriftifd)en fßuuct, in »eifern biefe innige Verbinbung jefuitifdier 6r= ZieljungSfunft mit ber nnterridpSmethobif fid) offenbart, Ijaben »ir fo eben betradjtet in jenem Hauptmittel jur görberung Der ©tubieu, ber Slemulation. ÜDie fi^ftematifd)e mo= ralifdje Korruption, bie abjtdplidje unb metbobifdje 3lufftad)Iung einer niebrigen unb ber* berblid)en Seibenfd>aft bient Iper als SDZittel jur örjiehtng fetjr zweifelhafter Nefultate auf bern gelbe bes SernenS unb SBiffenS. 5titd) bie fittlidje ülttSbilbung ober Vorbilbung ift alfo ber jefuitifdjen ißitbagogif lebiglid) SJZittel zunt 3wed. Unb zu »eichen 3»eden? 2Bie ba8 SSilbungSibeal be8 Sefniten im ©ruttbe in bloßem ©d)ein»iffen, in äußerlidjer unb oberflädpidjer ©prachfertigfeit unb ©tilgemanbtljeit beftefit; fo ift baS ethifdpreligiöfe 6rjiel)ung8ibeal bie jefuitifdje ©djeintugenb unb ©dpinfrömmigfeit, bie in letzter Snftanz in nid)t8 anberem beftel;t al8 in ber unbebingten Eingabe be8 SnbibibuutnS an bie Slnfidpen unb 3^ecfe ber ©efellfdjaft. ®ieS ift ja bod) ba8 ^öd)fte ©nt, bieS bie eigentliche Karbinaltugenb, 31t »eld)er ber Drben feine 3öglinge erziehen »iU. Religion unb (Sh>tiftentl)um ift bem 3efuüi8mu8 nid)t fomolp ©ad)e be8 gläubigen ©ernüthS unb ber ©laubenSerfenntniS, als btelmehr ein ©egenftaub ber äußerlidpn Hebung. S)al;er legt er fo großes @e»id)t auf jene fogenannten „guten SGßerfe" unb frommen Hebungen ber fatl)olifd)eu grömmigfeit, auf SBallfabrten, 9JZarienanbad)ten, 33ilberberel;ruug, Dieliquieubienft, ÜDZeffebören, 3Sruberfd)aften u. bgl. unb »ar bon 9ln= fang an auf beren 3Bieberf)erfteHung unb Vermehrung fo eifrig bebadjt. ©0 befielt benn aud) bie religiöfe 6 rziel)ung ber Sugenb in ben jefuitifeßen ©d)ulanftalten öorjug8»eife in ber frühzeitigen Slbridpung zu foldjen „guten SBerfen" unb „frommen Hebungen." $Dte SDogntatif »ar nie bie ftarfe ©eite be8 SDrbenS, bie ©djriftforfdpmg noch Weniger. Vielmehr jeigt fid) bei ihm htnfidjttidj ber dpiftlidjen Sehre große Saj* heit unb eine, im galten ©eift ber ©efeüfdjaft unb ihrem ©egenfafs gegen ben f)3rote= ftantiSmuS tiefbegrünbete, entfdpebene Hinneigung jum ißelagianiSmuS, ja mitunter junt fladiften Nationalismus. 6s ift bal;er fe^r natürlidh, baß aud) in ben 3efuitenfd)ulen für ben eigentlichen NeligiouSuuterridjt, für bie ^flangung unb görberung religiöfer 6r!euntniS fel)r »enig gefdjieht. 6S befteht bieS im ©runbe nur in beut »öd)entlid) einmaligen Vorlefen, SNemoriren unb einer lurjen, auSbrüdlid) auf »enigeS fid) be= fd)ränienben 3nterpretation beS ÄatedpSmuS ton 5|3eter 6anifiuS (summa doctrinae Christianae unb eines Heineren 3lnSjugeS barauS), fo»te in ber öyßlication bcS latei- nifdjen ober gried)ifd)en 6bangeIiumS, »obet auSbrüdlid) bemertt »irb, baß bie 33el)anb= lung beS Äated)iSuiuS jugleid) jur Hebung ber lateinifd)en ©ßrad)e benüfp »erben fott. (SanbSh. ©d)ulßl. ©. 161.) 3)efto mel)r »irb auf religiöfe Hebungen gebrungen. 6S Hingt gauj fchött Sefuiten, Scfuitenfdjulcn. 779 unb dpriftlitp, trenn ber Server erinnert toirb, ßor altem felbft baS 33itb ber Sugenb an fid) ausgeprägt ju tragen, beren Kadjapmung bent Änaben am notptoenbigften ift, ber Religion unb gfrömmigteit; ober toenn er ermahnt toirb (reg. 10. comm.), oft für feine ©cpüler ju ©ott ju beten, ba baS anbädptige ©ebet ein allgemeines fpüIfSmittel für bie menfdplicpe ©d)toad)peit fei. Slber reöpt fpecififd)=fatpolifd) unb fefuitifd) peijft eS bann toeiter: befonbcrS fleißig foHe ber Seprcr feine ©d)üler ber feligften Jungfrau unb ben ^eiligen ©otteS empfehlen, oorjitgiid) benjenigen, toeldje für eigene unb befon= bere fßatrone ber ftubirenben Jttgenb gehalten toerben, als ba finb bie peiligen ©d)up= engel ber Jugenb, ber peil. Jofepl), bie peil. Äatparina, ber bjeil. Saffian, DlilolauS, unfer peil. 33ater JgnatiuS, ber peil. Sllopfiud, ber peil. ©tattiSlauS u. f. f. Sr gepe an feine literarifdjen 33efdjäftigungen nidjt, opne ein ©ebet im Setnpel ßor bem ©anc= tiffimum auSgegoffen ju pabeit, unb näpre and) in ber ©d)ule baS fyeuer ber Stnbadjt burd) furje ©ebete. 3lud) bie ©d)ü(er foßen täglid) regelmäßig unb in Drbnung bem göttlidfen Dienfte beitoopnen unb in unb außer ben ©otteSbienften beftimtntc ©ebete ju ©ott unb ben ^eiligen aitSjugießen fiep getoöpnen, unb biefelben, 31t Sermeibung beS StfelS halb auS einem 33mpe, halb aus bem ©ebädjnis recitiren, toopl aittp fogar im ©eifte benfenb ootlbringen (mente pertractent), ßorjüglid) aber bie Ärone, baS Dffi= cittm unb bie Litanei ber feligften Jungfrau beten, ©ie beten nidjt blof^-junt 33egiun unb ©dfluff ber ©d)ule, fonbern aud) toaprenb berfetbeu öfters, 5. 33. toemt bie Upr fdjlägt (Sattbsp. ©d). 157). *) Sßer burd) befonbeve 3lnbad)t teudftet, foß be= lobt unb audgejeitpnet tnerben; toer fid) in ber 3lnbad)t oerfeplt, foß jur©träfe im 33etpauS einige ßeit bem ©ebete obliegen, einer jtßeiten SReffe beitoopnen u. bgl. SllS ein befonbereS -Kittet jur religiöfen Srjiepung uttb jugleid) jur SluSäeidjnuug be= fonberer gräi'nusM* bient aud) bie Slufnapme in bie fogenaitnten marianifdjen ©oba= iitäten, ober bie Songregation ber peil. Jungfrau, toelcpe im Collegium roman. ipren ©tammfip pat, ßon pier aus aber über aße £änber ftd) erftredt unb and) bie abgegan= gelten ©d)üter in religiöfer 33erbinbung mit ber ®efeflfd)aft erpält. 3 ur religiöfen Sr= jieputtg in ben Jejuiten=Soßegien bient befonberS nod) bie 33eid)te, toeldje aße ßöglinge monatlid) einmal, an einem burd) ben fßräfecten gu beftimmenbeu Sage, unb and) fonft päufig unb anbädptig ablegen foßen, unb gtoar bei einem ber fßriefter ber ©ocietät, toeldpe ja biefem 3 we ige geiftlidjer 3lmt8tpätig!eit mit befonberer 35orIiebe unb befonberer cafuiftifdjer 33irtuofität fid) toibmen. — ÜRicpt ber Srjieper ift eS alfo, bem ber 3ß9^ n 3 oertrauenSßoß fein fperj öffnet, fonbern ber DrbenSpriefter, bem er pflicptmäjfig in beftimmten Serminen ein obligatorifdfeS ©üitbenbefenntniS abjulegen pat, unb aüe Jene Juconoenienjen unb fittlidfen 33ebenlett, bie an baS tatpolifepe 33eid)ttoefen überpaupt unb befonberS bie Äinberbeidjte fid) anlnüpfen, aße jene Slnflagen, baff ber 33eid)tftupl oft nur ©d)ule ber ©ünbe unb £üge getoorben, fepren bei ber jefuitifd)en ©djiilerbeicpte in oerftärltem 9Raj)e toieber. (SSergl. Söeidjte 33b. I. ©.482.) ©aff eublid) ein fpauptaugen* merf beS DrbenS bei ber religiöfen Leitung feiner ©cpüler barauf geridptet ift, benfelben beit fräftigften 3tbfcpeu unb £>aff gegen bie Jbeper einjuflöffen, braudjt faum gefagt ju toerben; ift baS ja überpaupt beS DrbenS fpaupttenbenj, ber 3 toe< * feiner Stiftung; unb toenn er aud) baS ©efdpäft ber Jnquifition, bie Steperoerfolgung mit fjeuer unb ©djioert, aitberen DrbenSbrübern überläßt, fo ift eS bod) eparafteriftifdj für bie ©0» cietät, baff fie ipren ©cpülern bie Ülntoefenpeit bei £>inrid)tungen ßerbot, mit auSbrücf= lidper Slusnapme ber Äeperpinribptungen. ©0 ergiepen bie Jefuiten jitr grömmigfeit; toie ftept eS nun mit iprerSräiepung jur „Sugeito", jur cpriftlid)en ©itttid)teit? Die erfte §t' a 9 e toäre pierbei, toaS *) Ser ©cription totrb eine furje ülnrufung bcs peil. ©etjleS fnteenb oorauSgefcpidt. — ©oUte aber ba§ ©cpulgebet niept mit älnbacpt unb Stufmerffamleit gepalten toerben, fo fann e8 aitcp unterbleiben, unb bann foK ber tfSrofeffor ft^ begnügen, ba8 3si

m Berlangt, ba eS ihm aber gar nic^t gufomntt, ben 33efet)i beS Dbern irgenbwie gu prüfen, Bielmeljr feine tpflidjt ift, widenloS unb „toie ein Seidfnam" ©eborfam gu leiften: fo ift benn bed) cie Sonfequeng feine anbere als bie, baff er aud) ba, Wo ber Dbere ifjrn eine Sünbe gumutljet, feine 2Bal)l f>at als gu ge= borgen, um nid)t bie Dobfünbe beS UngehorfamS gegen feine Vorgefehten gu begehen. 2luSbrüdlid) oerlangt ber Drben — toie inSbefonbere baS in biefer 23egiel)ung claffifcfje Schreiben beS 3gnatiuS an bie 33rüber in Portugal auSführt — als Ijödjfte Stufe beS ©efyorfamS nicht bloß einen ©eborfam ber Sljat, nid)t bloß eine Unterwerfung beS SBiHenS, ein oödigeS 2luSgiel)en adeS eigenen SBodenS, fonbern aud) eine Untere werfung beS UrtlfeitS unb ber Sinfic^t, Wobei adeS baS, was ber Dbere benft unb gebietet, aud) bem Untergebenen als red)t unb wahr erfdjeint: „benn eS erftirbt jene berühmte ©nfalt beS blinben ©efiorfamS, fobalb Wir bei uns felbft erwägen, ob ber Dbere etwas mit 9Zed)t ober Unrecht gebiete." Der fefuitifdje ©eborfam ift alfo nid)t jene bewußte unb freie Untererbnung beS SöidenS unter ein IjD^ereS ©efelg, woburd) ber SBide felbft gefräftigt unb erhoben wirb, — nidit jene D^eonomie, welche gugleid) bie waljre ßittlic^e Autonomie ift, — nidjt bie finblidje gurd)t unb Siebe ©otteS, welche aud) ader gottoerorbneten menfdjlidjen Dbrigfeit untertfyan ift um beS §errn unb um beS ©ewiffens widen, — nidft bie Srtöbtung beS nieberen fJletfäjeöwidenS, ba= mit ber Reifere ©eifteSWiden frei unb fräftig Werbe, fonbern er ift bie fhftematifd)e Vernichtung unb (Ertöbtung ader felbftbewußten unb freien Ißerfönlidjfeit, bie Bödige 21bgeWöl;nung adeS eigenen SBodenS unb DenfenS, ba man, waS baS 21uge fdjwarg fiefit, weiß gu nennen WaS baS eigene ©ewiffen Sünbe nennt, für fßflidjt gu hatten bereit ift, Wenn unb weil es bie fiircfje ober bie Dbern gebieten. 3 U Unterorbnung beS SBidenS unb Urteils, gu biefer Virtuofität eines „gugfeid) geiftlic^etr unb folbatifdjen ©efiorfamS" feine 3öglinge gu ergießen, iß §auptgraed ber jefuitifdjen „DiSciplin"; benn „DiScipfin ift fpebet unb ftunft beS Unterrichts unb ber @r= giehung." Sin treffliches SDZittel gur 3äh lu ung ber @eifter unb SBiden finb inSbe= fonbere jene „geiftlidjen Güpercitien“, jene methobifche ober Bielmehr medjanifdje 2ln= Weifung gur geiftlidjen SDZebitation, welche Bon SgnatiuS felbft mit unbeftreitbarer Virtuofität entworfen würben unb welche nicht bloß Bon bem 9?ooigen oor adern burd)= gumachen finb, fonbern Weldje auch l|3rieftern unb Saien gu wieberholtem ©ebraud) brin= genb empfohlen werben. Stuf ihnen beruht, wie ein reformirter @eiftlid)er, ©abriel Ser= mäuS, fagt (f. 23uß, S. 419) hauptfäd)tid) „ber 3 au & er r womit bie Sefuiten bie Seute umftriden." — ginbet fich ein fpröber unb unbeugfamer (Sharafter, fo wiffen fie ihn fo lange gu geftalten unb gu binben, bis er fid) nad) ihnen gebilbet hat- „3Beid)linge härten fie ab, Dräge Werben rüftig, §artnäcfige lentfam, Unfchlüffige fefl unb beftänbig." 3u biefer Sunft, ber oerfdjiebenartigften 3nbioibualitäten fid) gu bemeiftern, burdj innere unb äußere Sinwirfungen fie mürbe unb gefdemeieig gu rnadjeu, ber militärifd)en Dr= benSbiSciplin fie gu unterwerfen, fie mit bem gangen ©eift ber @efedfd)aft gu impräg= 782 Sefttite«, Sefuitcnfdjulcn. niren, unb bann für bie 3 ÖJe£ f e ber ©efettftaft fie ju oerwenben, h at ber Drben oon jeher eine unbestreitbare Sßiriuofität befeffen. ®ie |)anbl)abung ber dufferen ©iSciplin ift in ben 3efnitenanftatten feines» Wegs übertrieben ftreng. SS wirb ihnen natgerül)mt, baff fie im allgemeinen (3XuS= nahmen fdjeinen Wol)l and; oorgefommen ju fein) gegenüber oon ber rigorofen ^e» banterie unb oft barbarifdjen ipärte, bie in anberen ©djulanflalten Ijerrfd)te, ßd) üort^eil^aft auSjeidjneten burd) miibe unb Rumäne Vefjanblung ihrer 3ögünge, burd) ein freunblic^eS unb jutraulidjeS Verhältnis jwißhen ©d)ülern unb Sefyrern, inSbefonbere aud) burd) große ©parfamfeit in ber Slnwenbung oon ©trafen unb för= ßerlidjen Sättigungen. 3m ©egentheil wirb mantmal über attjugroße Soweit ber in beu Sefuitenanftalteu, befonberS gegenüber oon ben ©Bitten tjofjerer ©tänbe, I;err= fd)enben ©iScißlin geflagt. „©ent Se^rer fott eS @runbfa(5 fein, baß man Sünglinge mehr fanft unb gütig, als I;art unb ftreng Raiten rnüße. ttftan muß jenen alten 3tufym unferer ©ocietät behaupten, baß fie nid)t fo faßt burd) gurdß oor ©trafen unb burd; £>ärte, als burd) jyurdß oor ©d)anbe unb burd) ben Üieij ber Sl)re bie Sugenb leitete" (SanbSl). Schrei.). ®ie ©trafen finb befonberS Shrenftrafen. gür gröbere Verfehlungen aber, bei weld)en bloße äBorte nid)t Einreiten, fott ein eigener Sorrector beftettt toerben, ber bie förperlidfen 3üd)tigungen ju oottjiel)en Ijat, ber aber nidjt aus ber ©efettfdjaft fein barf. „2öo ein foldjer nid)t ju haben ift, fott eine Slrt auSgebadß toerben, toie bie gefßenben gegüdjtigt toerben — enttoeber burt einen aus ben ©djolaftifern fetbft ober in einer anbern paffenben SBeife. SBegen IjduSttdjer Vergehen aber fetten fie nid)t in ber ©djule gefcfjlagen toerben, außer feiten unb aus einer toid)= tigen XlrfadE)e. Voeldje aber bie ©d)Iäge abtoeifen, bie fotten baju gejwungen toerben. SEöenn ba§ aber ungejientenb loäre, ober Wenn Weber ttöorte not ber ©ienft beS Sor= rectorö I)inreid)t, unb bei einem feine Vefferung ju hoffen ift, fott er nad) oorgdngiger Anfrage bei bettt ßfector auS ber ©d)ule entfernt werben." (reg. praef. inf. 38 ff. reg. ext. 7). ©a ber Drben oor allem auf bie Srljaltung beS guten ßiufs feiner Slnftalten bebad)t ift, fo fanb oft ftrenge Veftrafung oon Äleinigfeiten ftatt, bagegett oft auffal» lenbe SDiilbe bei gröberen Verfehlungen, befonberS bei ben ßleidjen unb Vornehmen, ©heilweife fott fogar baS ©tjftem ber ißrügelfnaben geherrfd)t haben, b. h* bie ©itte, ärmere Änaben jitm abfdjredenben Stempel für bie ganje Slaffe ju jitdßigen. — Sin ipauptmittel jitr fpanbljabung ber ©isciplin ift bie genaueftc unb attfeitigfte Veaitfßt 5 tigung ber ©djiiler unb Söglinge bei Dag unb ttfadß, beim Sernett unb ©fielen burt bie überall, in ben £el)r=, 3lrbeitS= unb ©dßaffälen, auf ben ©pielpläjscn unb ben gemeinfamen ©pajiergängen gegenwärtigen Seljrer unb 9luffel)er. SIber aud) unter ben ©diülern felbft, wie unter fämmtliten DrbenSgliebern, befteht ein ©hftern ber gegen» feitigen Veauffid)tigung unb ©enunciation: bie ©tüler wie bie DrbenSangehörigen fotten niemals allein auSgeheit, nid)t allein reifen, in ber ©djule unb Äirte, Wo ntöglid), niemals allein fein, fonbern ftets in ^Begleitung, unb minbeßenS nat ber eoangeliften Vorftrift ju jtoeien. 3eber aber ift oerbunben, alles nad)tl)eilige, WaS ihm üon anbern befannt wirb, enttoeber bem Veidßoater ober ben Dberen mitjutheilen. ißrioatfreunb» fd)aften jwifd)en einzelnen 3öglingen toerben nitt gebulbet; alle fotten fid) ex caritate christiana gleid) lieben; jeber muß oon Seit ju Seit atteS ©abelhafte, WaS er an ben anbern bemerft, nieberfdjreiben; biefe geheimen ©ittencenfuren gelangen als unoerbrüdjlidjeS ©eheimniS in bie £>änbe ber Dberen. 2Bie es mit bem fittlid)en Swßanb ber jefuitiften ©d)ulen in SBirflidjfeit beftettt war, ift bei bem tiefen ©eheimniS, in WeldjeS bie ©efettftaft alle ihre inneren Vorgänge ju hüllen weiß, nid)t leitt 31t beurteilen. ©d)Were Slnflagen finb ju oerfd)iebenen Seiten unb oon oerftiebenen ©eiteu her erhoben worben über Unfittlitfeiten, bie mitunter oorfanten, über 3 u t^°f'3'feit ber ©d)üler, 2Biberfe§lid)feiteit gegen bie Seßrer (f. bef. ©ugenheitn 1. c.), gaitj befonberS aber aut über geheime ©iinben, na» gefuttert, gcfuttcrtfcfjulctt. 783 mentlidj über tote ©ünbe bet ißäberaftie, metdje geitenmeife in grauenerregenbem ®rab unter ©djütern unb Settern getjerrfdjt fyaben foE. ©djon 1610 mirb behauptet, paede- rastiam quotidianum inter scholasticos conyictores peccatum esse; integra paene eollegia contaminata fuisse. ®ie genaueren unb aubfüljrlidjften S3etege tjkfür aub unmibertegtidjen S^atfac^en fiat Witter Sang gegeben in feinem 33üdjlein Jacobi Marelli S. J. Amores. SJlündjen 1815, u. Ammann, Siebfdjaften beb eljrmürbigen $aterb SDtareE. 58ern 1842. ®er Orben ergieljt aber nidjt bloß gur Religion unb Sugenb, fonbern audj gur »ettlidjen Srand)barfeit unb 2BDl;IanftänbigJeit. Auf Urbanität beb Se= neljmenb, auf feine SDfanieren, mettmäßige ©emanbtljeit, auf aEeb bab, »ab gu einem anftänbigen unb geminnenben äußeren Grfdjeinen gehört, mirb in ben jefuitifdjen Gr= gietjungbanftatten eine gemiß feljr lobenbmerttje Aufmerlfamfeit gerietet, Stidjtb ijt ba gu unbebeutenb, bab nidjt inb Auge gefaßt'mürbe. Stuf gute Aubfpradje, fdjßne unb betttlidje §anbfdjrift mirb ebettfo gebrungen mie auf eine gute unb anfpredjenbe äußere Körperhaltung: bie jungen Seute fetten ben Kopf mäßig bormärtb gebeugt tragen, bie Sippen nidjt gufammenpreffeit, bie Unterlippe nidjt tjeruntertjängen taffen, auf©pagier= gärigen nidjt gu taut reben ober tadjen u. bgt. Alb SJtittet, nnr ben Zöglingen, guntal benen anb Ijöljeren ©tänben, eine gute Sournure, ©emanbttjeit unb ©idjertjeit im Auf= treten, fomie in ber Gonberfation beigubrittgen, — gugteid^ aber audj alb SQUttel ber Unterhaltung unb „Grgöhlidjteit" unb oft audj gur offenttidjen prunfenben ©djaufteltung bienten gang befonberb bie bramatifdjen Aufführungen, bie Komöbien unb Sragbbien, bie in ben 3efuitenanftalten eine fo große SloEe fpietten. Stad) ber ratio studiorum fotten Sragöbien unb Somöbien feiten aufgeführt merben unb nidjt otjne SBiffen beb ©uperiorb, ber audj über ben Apparat unb bie Kofteit ber Aufführung ber= orbnet. Gb muß atteb tateinifdj fein, ©emeineb unb i]3offenljafteb fott nidjt öorfommen. ®ämonen, leichtfertige ißerfonert, ©pieter, ©äufer foEen nidjt beinahe in febem Stet er= flehten; bab ©angc foE nidjt über l 1 / 2 ©tunben bauern; audj foU mit ©djießett, geuermerf u. bgt. nidjt guüiet ©pectalei gemadjt merben. ©djort biefe befdjränfenben Seftimmungen meifen barauf hin, metdje SJidjtigfeit biefen bramatifdjen Aufführungen bon ©djütern unb Sehrern beigetegt mürbe, unb mie eb babei mitunter mag gugegangen fein. AEjätjrtidj, beim ©djtuß beb ©djutjatjreb, aber attdj fonft bei fefttidjen (Gelegenheiten, fanben fotdje Aufführungen, fog. „fomifdje ^anbtungen", auf einem eigenb bagu hergevich» teten §aubttjeater »or einem großenfßubticum, bab unentgetttidj ßntritt hatte, oft mit großen ©lange ftatt. ®a ber Sept tateinifdj fein mußte, bie alten, befonberb bie Serengifdjcn ©lüde aber nidjt gugeloffen maren, fo galt eb, eigene tateinifdje ®ramen gu serfaffen. ©o hatte benn jeber ©djotaftiter bie Aufgabe, alb specimen ernditionis neben einer tatei= nifdjen Siebe ein ©ratna gu berfertigeu unb bem praefectus studiorum borgutegen, unb eb gab, mie ber Gpjefuit Gornoba beridjtet (©. 116 f.), unter benSefuiten, fogar unter ben Dbern, SRänner, metdje ben gangen SBerttj eines ißrofefforb nadj bem ©djaufpiete beurtheitten, bab er mit feinen ©djütern aufführte. Unb babei galt alb fpauptfacfje nicht etma ein guter fßtan, eine treffenbe ©djitberung ber Gtjaraltcre, ein paffenber rein tateinifdjer ©iatog, fonbern ber Angug ber fpietenben ^Jerfonen, ©ecoration, SDtafdjk nerieit, Sänge u. bgt. Anfänglich maren bie ©toffe mehr ernfterer Art, tjauptfädjlich aub ben Zeitigen« unb SKärttjrerlegenben, gum Sh“! audj aub ber Sagebgefdjidjte genommen, ©päter mürben and) eigentliche Suftfpiete, ißoffen unb Dpern aufgeführt: fo 1585 in SJlündjen ein Suftfpiet, 1597 bie erfte ©per. Ginige Seifpiele bon bem bramatifchen Oefdjmad beb Drbenb f. in ben ^Beiträgen gu einer ©djuk unb Grgietjungb» gefdjidjte bon Saiern 1778 ©. 59, u. 3«tfdjm f. fßrot. u. Ä. a. a. £>. ©. 22: ba mirb g. S. ein ©djaufpiet ermähnt, mo eb bei ber ©ünbftut ©anb regnete, mo ©rachen, Seufel, £öEengefpenfter parabirten u. bgt., ober ein ©djaufpiet unter bem Sitet: Goma, ober ber gu Gtjren ber EEutter ©otteb abgefdjnittene unb berfetben gu einer 'ßerrüde »eretjrte munberfdjöne J^aavgopf, aufgeführt 1753. Ueber ben Snhalt eineb anbern 784 yefuiten, ycfuitenfdjulcn. Sefuitenfdjaufpiel« ogl. aud; DJicolai 9ieife, Seil. XI. S. 29; ogt. aud) ben Slrtifel „bramatifdje 2lufführungen" Sb. II. <3. 25 ff. 2lber audj fonfi finben tljeil« gur Unterhaltung ber Schüler tl;eilö gum 3roed ber ©efunbljeitöpflege unb gur Uebung in tijr^erlic^cn gertigfeiten unb in ber „Urbanität“ allerlei f ,(£rgö^Iic^feiten" ftatt: SDJuntmereien, Spiele, gpmnaftifdje Uebungen, SDlufif, Sänge, Sedjtübungen, Seiten, Zubern u. bgl. Sefonber« um ben jungen sperren ton 9lbel ben 2tufent(jalt in ben Kollegien behaglich gu madjen, wirb ihnen gum Sheil oller Saub caüatiermäßiger Söeltlidjfeit ohne Sebenfen geftattet. 2ln Sacangtagen, bef. int Sommer, toerben Spagiergänge gemadjt, oft aud) längere Seriengeiten auf eigenen, ben Kollegien gehörigen Sanbgütern gugebradjt. S a ft jebe« fpau« h at ein foId>e§ geräumige« Sanbljau« gu feinen Sommeroergnügungen. So ergäplt Sinbenfoht oon ber jefuitifthen §ttitterafabemie in Palermo; ebenfo toar e« in Qreiburg; oon ben anmutf)igen unb er= göjslichen Sacangtagen, toeldje bie Schüler be« Collegium ßomanum auf einer benadj» barten, bem SDrben gehörigen SiHa gubringen, toerben un« bie angiehenbften Sd)ilbe= rungen enttoorfen. 21uf bie äußerlidje Äörper» unb ©efunbl;eitS^flege ioirb alle Sorge oer» toenbet: toie eine übertriebene Sorge für ben Äörper tabeIn«toert£) ift, fo ift eine madige Sorge für ihn löblidt unb oon allen angutoenben — fagen fdjon bie Constitutt. 3n Soft, Äleibung, SJohnung unb anberen Seibe«bebürfniffen foU atlerbing« bie Selbftoer» läugnuttg h^öortreten; aber bie Slbtöbtung beS Äörper« barf nicht übermäßig unb nicht uttbefonnen im äßadjen, Saften unb anberen äujern Uebungen unb 21nftrengungen fein. Sor altem Uebertnaß in leiblicher unb geiftiger 2lrbeit toirb getoarnt. 3)ie Kollegien unb ißenfionate ber ©efeöfdjaft geidjneten fiel) meift au« nicht bloß burdj gefunbe Sage, burch ©eräumigfeit unb Dfeinlidjfeit ber oerfdjiebenen ©elaffe, ber Schlaf», Sehr» unb Arbeit«» gimmer, ber ffranfengimnter toie ber §au«haltung«räume, fonbern nid;t feiten fogar burch einen in bie Klugen faHenben, oft oerfchtoenberifchen Suru« unb Sfeidjthutn ber inneren unb äußeren 2lu«ftattung. Sille äußeren SebenSbebürfniffe, $oft, Äleibung, SBäfdje u. bgl. toerben burch ein auöreidjenbe«, burdjtoeg männliche« Sienftperfonal auf« forgfältigfte unb befte beforgt. ^Hnfidjtlid) ber Äleibung ber ßöglinge toirb nidjt bloß auf ©efunb» heit, tfteintidjfeit unb Slnftanb gefeljen, fonbern e« erhält auch, gumal bei Söhnen au« oornehmeren Stänben, bie Kitelfeit ihren Sribut. So trugen in Palermo (Sinbenfoht a. a. SD.) bie 3öglinge be« collegio nobüe blaue Uniformen, feibene Strümpfe, furge toeiße mit ©olb befehle Seinfleiber, einen breiedigen ,£jut; bie au«gegeidjnetften Schüler erhielten ein blaue« Sanb, eine Silie am blauen, ober al« hödjfte SluSgeidjnung eine ’ Stlic am rothen Sanb; ähnlidje« toirb oon anbern Slnftalten beridjtet. 3n allem, toa« bagu bient, nad) außen gu imponiren, gu gtängen, ftdj gu empfehlen unb aitjulotfen, toar bie ©efellfdjaft 3efu gu jeber 3 e it unübertroffene SDJeifterin — omnia in majorem Dei gloriam! IV. Urtheile unb Diefultate. 3n ber gefammten ©efdjidjte ber bJ5äfeagogif giebt e« toohl feine gtueite Krfcheinung, toeldje oon ben entgegengefegteften Stanbpuncten au« fo gang entgegengefeigte Seurtheiluitgen, oon ben einen fo entbmjtaftifdteS Sob, oon ben anbern fo ungemeffetten Sabel gu erfahren hotte toie bie ‘ißäbagogif ber ©efeüfchaft 3efu. Son ^roteftanten toie oon Satholifen, oon Staat«» toie oon ftirdjenmännern, oon ©eiehrten toie oon ber SJfenge ift fie gerühmt unb betounbert, aber aud; oon ben einen toie ben anbern ebenfo oft gefdjmäht unb oerbammt toorben. Unfere Sarftellung, fo unooüftänbig fie aud; bei bem maffeuhaft Oorliegenben üüfaterial unb bei ber un« auferlegten Äiirge fein mag, toirb bod; toenigflen« ba« gegeigt hoben, baß beibe«, Sob unb Sabel, Setounberung unb Sertoerfung hi er gleich erflärlid), ja gleichfehr be* grünbet ift. Siel hoben fid; bie St'eunbe ber 3efuiten oon jeher auf ba« Urtljeil S ra ng Sacon« gugut gethan, ber befanntlicp bie 3efuitenfchuten feiner 3Ut mufterljaft fanb (ogl. b. Slrt. Sacon Sb. I. S. 378, toie ©elehrtenfdjultoefen Sb. II. S. 654). 2Bie bie 3cfutteit, Sefuitcnfdjutcn. 785 STribentmifdje ©pnobe feine befferen ©djulmänner gu empfehlen it>etß als bie Sefuiten (,,Si reperiantur Jesuitae, caeteris anteponendi sunt“ Sess. XXIII. de reformatione cp. XVIII.): fo lautet aud; ber befannte päbagogifd;e fUattj beS euglifdjen Staatsmannes: ad paedagogicum quod attinet, brevissimum foret dictu: Consule Scholas Jesui- tarum; nihil enim, quod in usum venit, his melius (de augment. Scient. lib. VII. p. 153.); ebenfo fagt er in einer anbern ©teile: „Quae nobilissima pars priscae disci- plinae revocata est aliquatenus quasi postliminio in Jesuitarum collegiis, quorum cum intueor industriam solertiamque, tarn in doctrina excolenda, quam in moribus informandis, illud occurrit Agesilai de Pharnabazo: talis cum sis, utinam noster esses!“ 2ldein man fielet, uid)t aus biefetn Urteil allein, „baß SBacon bie ipbagogif nicht gerabe gunt ©egenftanb feines befonbern SftachbeufenS gemadjt I;at." Sr billigt befonberS bie Srgiehung in ben Kollegien, um beS I)ier leidjt gu er^ielenbeit 3BetteiferS toitlen; marnt bor Uebereilung im Unterricht, empfiehlt Sluffteigen bom Seichteren gum ©cfymereren, befonberS gefällt ihm aud; bie 2Iuffiit;rung bon ©djaufpielen (f. a. a. £).) — lauter 23erührungSpuncte feiner päbagogifd)en ülnfdjauuttgen mit beiten ber Sefuiten. Slud; ber attbere $ater ber mobernen i|3l;ilofopl;ie neben S3acon, SeScarteS, mirb als Beuge gu ©nnften ber Sefuiten angeführt: „nidjt nur ift er fclbft bet il;nen gebilbet luorben, fonbern er hielt ctud) ihren Unterricht fo tmd), baß er bei jeber ©elegenljeit feine Slanfbarfeit äußerte" (f. £ahn, Unterridjtsmefen in graufreid) ©. 104). Sin äußerer 33ortl;eiI, ben er an ben Sefuitenfdjulen rühmt, ift befonberS ber Bufammenfluß unb üluStaufd; ber berfdjiebenartigften ©d;üler: „eS giebt barin eine SO^eitge junger Seute aus alten SBinfeln granfreid)S. ©ie bilben eine geloiffe SDfifdjung bon ®enf= arten burdj ben SBerfehr ber einen mit ben anbern, toeldjer fie faßt baSfetbe lehrt, als loenn fie reisten, unb enblid; ift bie ©leidjljeit, meldje bie Sefuiten unter fie bringen, inbem fie bie auSgegeicfjnetften nidjt anberS behanbeln als bie anbern, eine änßerft gute Krfinbung" (lettre 90). SSiel 9Infed)tungen nnb herbe Sritifen hatte bie ißäbagogif beS DrbenS toiefein gefammteS ©hftem aber and; fdjon in älterer Beit bon Äatholifen fo gut als bon iproteftanten gu erfahren: fo befonberS oon ©cioppiuS (©djopp), ber ein fpauptgegner beS SDrbenS loar, fobann in bcm pfeubonpiuen SBerf: Lucii Cornelii Europaei Monarchia Solipsorum, SSenebig 1645, einer bittern ©atire auf ben Drben, feine SSerfaffung, SDJoral, ©d;ul= mefen, ff3oIitif; fie mürbe frühe halb bem ©djopp, halb bem Sefuiten 3nd;efer aus SSien (geb. 1584, + 1648) gugefdjrieben, h<*t aber mahrfdjeinlidj einen ©rafcn 3uliu8 (Siemens) bon ©cotti gum 93erfaffer, ber felbft fölitglieb beS DrbeitS gemefen, aber fpäter ausgetreten mar. Sine nid;t minber herbe Sritif beS DrbenS, nauientlidj audj feiner Sehrart, enthält bie ebenfo berüchtigte unb ebenfo mpfteriöfe ©djrift de las en- fcrmedadas de la Compania de Jesus, erfdjicnen 1625 31 t 23orbeaup in fpan., frattg., italien. unb latein. ©pradje, bie mit 9ted)t ober Unred)t bem aud; fonft, befonberS burCh feine ©djrift über ben ÄBnigSmorb berüdjtigten fpanifdjen 3efuiten 3uan DJJariana (geb. 1537, f 1624) gugefdjrieben mirb. £>ier heißt eS u. a.: „3n feinen Drben treten fo biele trefflidje ÄBpfe unb in feinem hat man fo biel ÜDIuße gum ©tubieren. jDennod) merben nur fehr menige ©lieber beSfelben tüdjtige ©eiehrte. Sr hat feinen auSgegeid;= neten fßrebiger, feinen großen ©h e °Ugen, feinen fpumaniften aufgumeifen. — Saß in Spanien fo große ^Barbarei herrfdjt, ift befonberS beut SrgiehungSfhftem ber Sefuiten gu banfen. Sßüßte man, meldjett großen ©djaben biefeS berurfadjt, man mürbe uns Sefuiten aus ben ©djulen jagen." ©ang anberS lautete freilich, nadjbem bie festere ißrophegeiuttg beS ©panierS erfüllt mar, baS Urtheil eines fo begeifterten Äatljolifen, mie beS jungen Shateaubrianb (genie du christianisme t. VIII. p. 199): „3)aS gelehrte Suropa I;at einen unerfclglidjen ©erluft in ben Sefuiten erlitten. Sie Srgiehung hat fidj feit ihrem ©turg nie mehr gang erholt, ©ie maren bei ber Sugenb gang befonberS beliebt. 3hre ^bflidjeu 2Ka= Üßäbag. (Suc^f to^at>ic. III. 50 786 Sefuitcn, Scfuitenfcfjulen. nieren benaljmen x^ren Sectionen ben pebantifdjen Don, Weldjer bie Sinbljeit anwibert. Da bie weiften ihrer ißrofefforen in ber 2Belt gefugte SDfänner ber Literatur waren, fo glaubten bie jungen Seute mit ihnen in einer berühmten Slfabemie ju fein. (Sie tourten unter iijren ©djülern berfdjiebener ©lücEöftänbe eine 3lrt bon 'Sßatronat ju griinben, ber ben SBiffenfdjaften ju gut fam. Diefe 33anbe, gefdjlungen in bent Sllter, wo fidj baS ^ierj ebten ©efüljlen öffnet, lösten fidj nie in ber f?o!ge unb ftifteten jwifdjen bem dürften unb bem SJcann ber Literatur jene antifen unb eblen greunbfdjaften, welche ZWifdjen ben ©eigenen unb ben SäliuS beftanben. — Sftaturforfdjer, Sfjemifer, SSotanifer, SDtatljematifer, SJfedjanifer, Slftronomen, Didjter, ©efdjicfjtfdjreiber, Ueberfefjer, 3ltterthumS= forfdjer, Sournaliften — eS giebt feinen einigen 3weig ber S33iffenfd^aften, weldjen bie Sefuiten nidjt mit @Ianj gepflegt hätten." Unter ben zahlreichen entljufiaftifdjen Sobrebnern, weldje ber 3.D. unb feine fßäbagogif neuerbingS Wieber auf fatljolifdjer ©eite gefunben fiat, wollen wir I)ier nur nennen ben Serf. beS oft citirten SBerfeS: „Der ©ocietät 3efu £eljr= unb 6rjieljung8plan* SanbSljut 1833 bis 1836 ; fobann ben Sßerf. eines 2luffaheS in ben ljiftorifdj=polit. 33lättern 33b. YI. $eft 1.3. 4.: „Ueber Sefuitenfdjulen unb namentlich bie jugreiburg in ber ©djweij". Die3efuiten werben t>ter geßriefen als bie föfeifter ber (Erziehung unb beS UnterridjtS; „fie allein laffen (£r^iel;ung unb Unterridjt nidjt auSeinanberfallen, griinben beibe auf baS ißrincip ber Dfeligion, berfteljen ftef; auf SDfetljobe, befi^en ülnfeljen unb perfönlidje SBürbe, wiffen »on einem faft immer fegenSreidjen (Erfolg iljreS SBirfenS jn jagen." 33gl. bagegen ben öfter citirten 3luff. in fiarleß, 3eitfd)V. f. fßrot. u. Sirdje 3al;rg. 1838. (Einen fein* enfomiaftifdjen 33ertljeibiger unb Sobrebner l;at bie 3efuitenpäbagogif audj an Buß in greiburg gefunben (Die ©efeKfdjaft 3efu, iljr3werer 9?iefenmad)t" (aud) bad ©eheimnid ihrer päbago» gifdjen Srfolge). — fKanle in feiner @efd)id)te ber ißäpfte I. ©. 228, mo er überhaupt eine treffliche Sijaratterifti! bed Drbend giebt, fdjiibert biefe ^äbagcgifdjen Srfolge unb beren ©riinbe folgenbermaßen: „Sie Sefuiten maren fürd erfte fhftematifd)cr (ald bie früheren Se^rer): fte feilten bie ©dritter in Staffen. 33on ben erften Anfangdgrünben führte bie Unter» meifung in einem unb bemfelben ©eift bid jur oberften ©tufe. ©ie beauffidßigten aud) bie ©itten unb bilbeten me^teräogene 8 eute. ©ie maren bon ber ©taatdgemalt begün» ftigt. Gitbltd) fie gaben ihren Unterricht nmfonft. — Sied muffte ifynen unenblid) för» berlich fein, jumal ba fie mirtlich ntit ebenfobiel Grfolg mie Gifer unterrichteten. — Sie 3efuiten mod)ten gelehrt unb in ihrer Art fromm fein; aber niemanb mirb fagen, baff ihre SBiffenfdjaft auf einem freien ©dfmung bed ©eifted beruhte, baff ihre grömmig» ieit bon ber Siefe unb 3 ngenuität eined einfadjen ©emüthd audgegangen fei. ©ie finb gelehrt genug, um SSertrauen ju ermeden, um Stuf 31 t fyaben, ©d)üier 31 t bitben unb feftguhalten: — meiter ftreben fie nid)t. 3hre grötnmigteit fyätt fie nid)t allein bon fittlidjem Sabel frei, fie ift pofitib, auffaßenb unb um fo unsmeifellfafter. 3n freien, unbefd)ränlten, unbetretenen SSa^nen bemegt fid) meber ihre ißietät noch ihre 8 el;re. Sod) hat fie etmad, mad fie borsugdmeife unterfdjeibet — fie I;at SDletlfobe. Gd ift aßed berechnet, benn ed hat aßed feinen 3 ®ecf. — ©ie maren fleißig unb pljantaftifd), melt» liug unb boß Gntlmfiadmud, anftanbige 8 eute, benen man fid) gern näherte; oljne per» fönlicffed Jgntereffe, einer beförberte ben anbern. Kein SBunber, baß ed ihnen gelang!“ ©taljl in feinen SBorträgen über ben ißroteftantidmud ald politifcf)ed tßrincip (Serlin 1853. V. SSortrag @. 94 ff.) bezeichnet ald „ßBefen bed 3efuitidmud, ald ben innerften 33rennpunct feines hebend bie 9teaction bed !atl)olifd)en ©eifted gegen ben tproteftantidmnd" unb miß Igeraud feine 8 id)tfeiten mie feine ©djattenfeiten ableiten. „Siefed Aufbieten aßer menfd)lid)en Gnergie unb Snbuftrie für bie eigene diriftlidje Heiligung unb für bie lird)lic£)en 3 tbede, biefed S3anb ber ©enoffenfdjaft, biefe Sßegei» fterung für bie fperrlid)feit ber mittelalterlichen Kirdje, — enblid) tytläugbar and) ber pofitibe d)riftlid)e ©laube, ber ben ©tifter erfüllte unb ein mächtiger 93emeggrunb bed Drbend ift, basu bie 9tid)tung auf ben praltifdjeit 3med bed $olldunterrid)td ftatt ber früheren biogen Gontemptation, — bied aßed giebt bem Drben Jenen ©djmung unb jene Kraft ber Sl)at unb ber Aufopferung, burd) meld)e er bie großen Srfolge (aud) auf päbagogifd)ent ©ebiete) hatte. Sr ift baburd) nicht bloß eine SDZacbt gegenüber bem tßroteftantidmud unb bem "Unglauben, fonbern aud) gegenüber ber Grfd)Iaffuug in ber fatljolifc^en Kirdje felbft.“ (Aud) gegenüber bon päbagogifdjer Grfdjlaffung Ijat ber jefuitifdje Sifer mandjmal mol)ltl)ätig anregenb gemirlt.) Auf ber anbern ©eite I;ebt ©tahl aud) bie ©chattenfeiten bed Drbend ijeröor. „Siefe finb: eine oerberbte ©itten» lehre, fei ed aud) nur mäljrenb eined gemiffen 3 eitraumd, ein ©eift ber gemaltfamen UnterbritcEung, ein burdjge^enber 3 U 9 ^ er Aeußerlidjfeit, eine unnatürliche Srtöbtung ber 3nbioibualität.“ Damit finb in ber ®f) at an $ bie päbagogifd)en §auptfünben ber@e= feßfdiaft genannt. „Aud) ber 8 eljrplan ber Sefuiten tragt ben S'Q'ß'te ber Aeußer» lid)feit. Ser Unterridß hat feine feftftehenben Auctoritäten, man barf nid)t bloß für Slfeologie unb 5üforal nicht öon Sf) ottta§ ' foubern aud) für ®cfd)mad unb ©til nicht bon Sicero abmeidjen, bie gertigleit bed 8 atein gilt ald l)öd)fted 3iet unb ber §ebel für bie ©d)üler ift ber Sfjrgeij, innerlid) betrachtet ber oermerflidifte, nad) bem äußern Srfolg beurtheilt ber mächtigfte. Dbmoht ber Sefuitidmud ben ßßarieubienft, Ablaß 788 ^cfuitctt, gcfuitcnfdjuleit. imb anbereg — aufs fyödjfte betont, — fo ift er bod) borjuggmeife rationaliftifd) nad) SBefen unb ©Übung; unb menn feine ?el)ranftalten, tote beridjtet mirb, gerabe bei ber ungläubigen ©eoölterung ^äufig (Eingang finben, fo baff bie SSäter ihnen bie Äinber übergeben, ohne ftd) felbft ju belehren, fo ertlärt fid) bag öieCCeidjt aus einer inneren ©ermanbtfdjaft." 9Iud) S. §a^n (Unterridjtgmefen in grantreid) @.100 ff.) fudft, gitnäd)ft im©lid auf bie franjöfifdjen Sefuitenfdjulen, biefe gegen ungeredjte ©ormürfe in ©d)ub ju nehmen unb bem JDrben in utramque partem gered)t ju toerben. „HJtan ift getüöl;nt, beu Unterridjt ber Sefuiten als überaus mangelhaft, oberflädjlicf? unb geifttöbtenb bar= jufteHen: id) glaube, baff man it;nen im allgemeinen Unredjt tbjut, jebenfaUg für beit größten ^^itraurn il;rer früheren (Spiftenj, mo ihre ©djnlen in ÜÜtannigfaltigfeit beS XlnterridjtS benen ber Unioerfität überlegen maren, in ber fDi'etljobe unb in ben 9ieful= taten ihnen gemiß nicht nadjftanben. — ©ie haben nach ihrer Stiftung bag SQSevt ber (Erjiel)ung mit (Eifer in bie fpänbe genommen, unb inbent fie alle geiftigen Äräfte ber Sugeub ju entmideln ftrebten (?), ßermeinten fie biefelbe bod) burd) bie religiöfe ltnter= läge ftreng geregelter (Eeremouieit unb ©eidjtübungen, burd) frömmelnbe ©üßlidjfeit unb uuaufhörlid)e @ermone bor bem ©ift religiöfer ©mancipation betoal)ren ju fönnen. ©ie haben freilid) fpäter einfel)en müßen, baß fie fid) getäufdjt haben. — ©ie geiftige ®nt= midlung, bie fie förbent halfen, ift ihnen am (Enbe entfdjlüpft; biefelbcn großen ©eifter, bereit ©ilbung fie als ihr SLÖcrt rühmen, haben bie 9iebolution herbetfül)ren geholfen.— ®ag 3id ber Sefuiten mar, in ben @d)ulen unb burd) bie ©d)ulen in ber ©efeUfdjaft ju herrfd)en. — ©aju manbten fie ben ©runbfajs an, fid) ben ©itten unb ©Sünfdjen ber 9)tenfd)cn überall ju accomntobiren. Um mit (Erfolg mit ben Uniberfitäten ju mett= eifern, galt eS erftenS, bag mag fie trieben, ebenfo gut, befonberS mit ebenfobiel ©lang ju treiben, ferner aber bie gortfdjritte, meldje baS allgemeine ©emußtfein für nötl)ig hielt, unb meldje bie Uniberfitäten bernad)läßigten, in ben ©d)itlen ber Kongregation einju= führen. — ©ie borjüglid)fte ©orgfalt manbten aber bie Sefuiten auf bie Sflittel, baS ©tubiuut an fid) felbft angenehmer ju macben. 3I)ve SBiberfadjer haben gerabe biefe erleid)ternben älrbeiteu jum ©ept bielfadier Stellagen unb ©eclamationeu über ©erfladjung unb (Entffellung ber clafftfdjen ©htbien gemad)t. (Eg ift febod) mol)I ju bemerlen, baß mir bie päbagogifd)en ©eftrebungeu jener 3^ten nidjt nad) ben ©efidjtgpuncten ridjten bürfen, meldje in unferer 3«t mehr ober meniger allgemeine ©eltung gemonnen haben, ©ie formale ©ilbung beg ©eifted mar im 16. u. 17. 3al)rl)unbert nidjt bag bemußte ßiel beg ©d)ulunterrid)tg ic. ©aß bie 3efuiten mit ihrem gefälligem Unterrid)t ebenfo I;ohe literarifdje fftefultate erreidjten, als bie Uniberfität mit ihrer troden fdjolaftifdten 2ßcife, bag bemeifen jur ©eniige bie großen DJameit, meldje unter ben fDteijtent ber franjöftfdjen Literatur ihren ©djulen ßl)re madjten. — ©en beften ©emeiS für ben rclatiben Söertf) beg UnterridjtS ber Sefuiten tonnen mir in einer einfadjen Slufjählung ber großen ©eifter finben, meld)e in ihren ©djulen gebilbet morben. @o jählen fie bie größften ÄriegShelben, einen ßonbö, ©ouiOon, Dtol)an, Suyemburg, fDiontmorenct), ©idarS, ©roglie, bie auSgejeidjnetften Prälaten giedjier, ©öffnet, gieurt), ©enciit, bie berül)in» teften Segiften, einen Samoignon, ©eguier, Strgenfon, ÜDtontegquieu, Stele :c., enblid) in ber Literatur ©eifter mie ©egearteg, ßonteille, ßrebitlon, gontenelle, ja felbft Sioliere unb Soltaire unter iljre ©djüler. 9iid)t alle biefe Sefuitenjöglinge finb ihren Sntereffen unb bem@eift ihrer Sehre treu geblieben, aber bie Slufjählung bemeist, meldjen ©eifall, meld)e meite ©erbreitung ihr Unterridjt gefunben hatte, unb baß er feinen oerbummenben Ginfluß übte. — ©eben mir ben Sefuiten ju, baß fie ü)ren unmittelbaren 3 toe( f/ ju Herren ber Sugenberjieljung ju madjen, mit ©efdjid unb ßrfolg erreicht haben; geben mir ju, baß bie SDtittel, bie fie angemanbt, tl)eilmeife bem Unterridjtsmefen felbft förberlid) gemefen finb, banten mir ihnen, baß fie jur Slugbilbung ber fßäbagogif burd) it)r ©eifpiel unb burd) (Ermedung einer nüfstidjen ßiferfudjt beigetragen haben unb bann — banten mir ber ©orfeljung, baß fie bei bem allem unb burd) bag alleg bag h<äd)fte Scfuitcit, Sefuitcnfdjulcn. 789 gnbgiel it>re§ ©trebenS, bie Leitung ber ©eifter im ©inne beö &atIjoliciömuS, nidjt errei djt fjab en." ©iefen Verhältnismäßig günftigen Itrtljeilen proteftantifdjer ©djriftfteßer fteßen mir aber audj baS eines Äatljolifen gegenüber, ber mci)r ai§ anbere in ber Sage gewefen gu fein fdjeint, bie päbagogifdjen Seiftungen ber Sefuiten auS eigener ©tnfdjauung tenncn ju lernen unb ans autljentifdjen ©lueflen gu ftubieren. ©er ©erf. ber oft citirten ©djrift „©ie ©tjmnafieu DeftreicfjS unb bie Sefuiten. Seipgig 1859" faßt fein ©djlußurtljcü über ben jjefuitifdjen Scljrplan in folgenben ©äfsen gufammen (©. 53 ff.): „©er 8eljr= plan ber 3efuiten wirb bei einer unbefangenen ©etradjtung immer nur als trauriger ©eweiS päbagogifdjer ©erirrung unb ftarrfinnigen geftljaltenS an veralteten formen gelten tonnen. 2Jiau hat ein ©Aftern vor fic^, weldjeS baburdj, bafj man an ber bog= matifdj Ijingefteßten (Sobification feft^ielt, im Sauf ber feiten immer weniger ben ©e= bürfniffen unb gorberungen berfelben entfpredjen tonnte. ©Bir fdjeuen unS nidjt, eS auS= gufpredjen: wenn große unb bebeutenbe beutfdje SteidjSlänber— in ber neueren ©efdjidjte ein ©ilb ber ©tagnation aßer ©ilbung bargeboten haben, fo erflären wir biefe GrfdjeU nung beS ©übenS ßcn ©eutfdjlanb Ijauptfädjlidj aus bem mangelhaften UnterridjtSwefen ber Sefuiten. ©amit woßen wir nidjt behaupten, baß einzelne ÜJlitglieber beS DrbcnS nicht IjervorragenbeS in ber SEBiffenfdjaft geleistet hätten. 9?ur bantten fie baS gewiß nidjt ihrem Unterridjte. 3n biefer ©egieljung muß wieberholt Werben, was fdjott int oorigen Saljrfjunbert bemertt worben ift: „nimmt man nach einer fcljr mäßigen ©eredj» nung feit ber Aufnahme beS DrbenS bis aufSSaljr 1774 in aßent nur 150,000 Sefuiten an, fo barf man fidj eben nidjt wunbern, baß unter einer fo großen Slngaljl von ®e= leljrten von Profeffion 15—20 gute Lateiner waren.“ ©ber im aßgemeinen rebucirt ftdj bodj auf ein feljr geringes Ptaß, was bie Sefuiten geleiftet haben. Gben in ber Philologie ift taum ein eingigeS ©Bert von ihnen gu nennen, WeldjeS auf ben Fortgang ber ©Biffenfdjaft irgenb einen entfdjeibenbeu Ginfluß gewonnen hätte, ©elbft in ben hiftorifdjen ©Biffenfdjafteu, wegen beren fie am meiften gelobt Werben, mußten fie ihre ©egel vor ben ©enebictinern von ©t. 2)taur ftreidjen. ©ie ©ebantenleere, auf weldje iljve ©hmnafien beredjnet waren, haftete bodj ben meiften baS gangeßeben Ij'nburdj an. GS ift guweilen eine ätrmutlj von ©ebanten in ihren ©Berten, bie greß von bem gleiße abftidjt, mit weldjent iljt'e ©ammlungen angelegt waren.“ Unb ©eite 75: „(SS mag fein, baß eine aus Stomaneu gcfdjöpfte gurdjt vor bem 3efuitiSmuS (ober eine aus noch unreineren ©hießen ftammenbe ©ewunberuug beSfelben) bie ©Ijätigfeit beSfelbeu geheim unb mtjftifdj erfdjeinen läßt, wäljrenb fte bodj gang flar vor ben ©lugen beS feljenben ©lenfdjett liegt. ©ie galjlreidjen ©hießen, weldje wir über bie ©ljä= tigteit ber Sefuiten auf bem ©ebiete beS UnterridjtS uuterfudjt haben, geftatten eS offen auSgufpredjen, baß ihr gangeS ©tjftem nidjt bloß veraltet, fonbern audj im SBefeit verteljrt ift unb teinerlei innere SebenStraft befiel. 3nbem nun baSfelbe gewaltfam unb burdj fünftlidje ©litte! erhalten wirb, ift ©taat unb Sirdje in gleidjer ©Beifc gefatjvbet, ba eS ©lenfdjeu ergieljt, bie iljre 3eit nicht verfteljen tonnen unb uidjtS von bem gelernt haben, was bett ©ebürfniffen berfelben entfprädje.“ ©iefe wenigen, von ben verfdjiebenften ©tanbpuncten auSgeheuben ©emlljeilungen ber jefuitifdjen ©abagogit, benen wir aus ber maffentjaften einfdjlagigen Literatur leidjt nodj Ijunbert anbere ©timmen pro et contra anreiljen tonnten, mögen genügen, um tljeilS unfere ©arfteßung gu vervoßftänbigen, theilS unfer eigenes ©efammturtljeil vor= gnbereiten. ©iefeS tonnen wir um fo fürger gufammenfaffen, ba fa aße präntiffen für baSfelbe in bem ©istjerigen fo ooßftänbig, als es uns innerhalb beS gegebenen StaumeS möglidj war, bereits gegeben finb. ©djöpferifdj, origineß, probuctiv ift ber 3efuitenorben auf teinent ©ebiete geWefen: audj nidjt auf bem ©ebiet ber päbagogit. GS ift teine neue fdjöpferifdje 3bee, bie feinem ©Birten gu ©runbe liegt, Jein pofitiveS Princip, baS er vertritt, nidjt einmal eine neue beffere SDJettjoce, bie er erfunben hätte, ©ein ©luSgaugSpunct, fein SebenSelement ift 790 Scfutten, yefuttcnfdjutcn. mefeittlidi feie Negation, bie 3feaction, bie aßfeitige ©egenmirtung gegen bie ^ßrincipteit ber Sfteforntation, bet mit materiellen unb geiftigen Söaffen geführte Äatnpf gegen bie eoangelifdje SBa^r^eit unb greitjeit, bie fReftauration bed mittelalterlichen Sluctoritätd» principed, bed pähfttidjen £>ierarchidmud. 3)er SBaljrljeit, bie ba frei mad;t, ftettt er bie ©idctblin gegenüber, bie ba Inedjtet. Sljre f'äbagogifdje SBeidljeit, mie fte am Snbe beö 16. 3al;rl)unbert§ in ber ratio studiorum cobificirt unb fortan ald Snbegriff aller Sr» jtehungdlunft bis auf unfere Sage attgepriefen unb angeftaunt mürbe, haben bie Bätet ber ©efeHfdjaft nicht felbft erfunben, fonbern fte haben lebigtid; tljeild an bie mittet» alterlidje Sehrmethobe, an ben ©tufengaitg bed ©ribiuntd ©rammatif, 9ft)etorif, SDiateftif fidh angefd)loffen, tljeitS aud beut hwmaniftifdhen unb proteftantifdjen ©chulmefen bed 16. 3 al?v 1 ;unbertS mit fluger3ludmahl aufgenommen, mad ihnen jmecfbienlidj fd;ien. 3)aher bie bielfadjen Berührungen be 8 jefnitifdjen ©djulpland mit ben 3been unb Sinrithtttngen bon ©türm unb ©rojseuborf u. a.: Drganifation ber ©djulen, Sebrbüdjhr, Lehrgang, 3 beal ber ©elehrfantieit, borherrfdjenber gormalidmud, einfeitige SBerthlegung auf bad Satein, aud) mand)e Ginjelheiteit, mie bad ©hftern ber ÜDTonitoren, bie ©djulbranteu unb oieled anbere ftimmt fet;r überein; bennodj ift — mie SRaumei fagt — eine Sefuitenfdjule bon ©turmd ©hmnaftunt fo üerfdjieben als ein Sefuit bon einem fßroteftanten." ©turnt felbft erfennt biefe große Bermanbtfdjaft ber jefuitifdjen ‘’ßäbagogil mit ber feinigen an unb ift um fo mehr geneigt, ihr bebingungdmeifed Sob ju ertljeilen; er finbet bie jefuitifdje SKethobe bon ber feinigen fo menig abmeidjenb, „baff ed fdjeint, ald hätten fie attd un= ferer Quelle gefd)öfft." ®ad Sigenthümlidje bed Sefuitidmud bejteht alfo mefentlidj in ber 2lrt unb BSeife, mie er bie borgefunbene SJtethobe fid) angeeignet unb fie mit bem befonberen ©eift feined 3 nftituted bitrd)brmtgeu, in bem ©efdjicf, momit er fie feinen firdjltdj* unb politifdj» reactionaren ßmedett ungefaßt, in ber Gonfequenj, momit er fte bis ind einjelnfte aud» gebildet, in ber Energie unb ber Eingebung, momit er fie gehanbljabt, in bem Gifer uttb ber Klugheit, momit er fie unb burd) biefelbe fid; felbft in immer meiteren Äreifett jur .jperrfdjaft gebracht, tu ber unerfdjütterlidjen Beharrlichfeit uttb 3äX?igfeit, momit er fie 3aht'hunberte lang, gegenüber bon beit berfdjiebenartigften ©timmungen nttb gorberungen ber 3^iten unb Böller, feftgehalten hat. Gd ift eine Steife ber berfchiebenften fäbagogifdjen Borjfige unb Berbienfte, bie ber Drben fidj felbft unb bie feine Sobrebner ihm nad;rithmen: bie innige Berbinbung bon Grjielmng uttb Unterridjt, bie Begrünbung beiber auf bad iprincif ber ^Religion, bie Sinheit unb ©tetigleit ber Sehrmethobe mie ber gefamntten päbagogifdjen fßrayid, bie Goncentration bed Unterridjtd, bie jmedmäßige Bertheilung ber Sehrfacher, bie überftdjt» lidfe uttb gleidjmäßige Slbftufuitg ber betriebenen Staffen, bie forgfältige Bermeibuttg jebed llebermaßed gciftiger 2lrbeit für Sehrer unb ©d)üter, bie fleißige Uebuttg bed @e= bädjtniffed unb ber mündigen mie fdjriftlidjen ©pradtfertigleit (im ©ebraudt ber latei» nifdjen ©frad;e), bie forgfältige Beadjtuitg alled beffen, mad 511 m äußern Benehmen unb SBoljlbefinben ber Zöglinge gehört, bie Drbmtng unb fReinlid)feit unb ber ganje äußere Somfort, ber in ihren ©djul» unb Grjiehungöf)äuferit h en ‘fd)t, bie SBohtfeil» heit ihrer Slnftalten uttb Unentgelttidjfeit bed Unterridjtd,— bad aßed unb bieted anbere nod) mirb jur Gmjsfehlung ber jefuitifdjen Sehr» uttb Grjiehungdanftalten uttb jurfper» beilodung bon©d;iilent uttb 3 öglingett in biefelben immer unb immer mieber laut aud» pofaunt unb jur ©djau getragen. Seiber fielen fo ntandje biefer päbagogifd;en ©reff» lid)feiteit nur auf bem Programm unb leiber merben biefe Borjüge bon meit größeren päbagogifchen gehlern unb ©üttbett retd>lid> attfgemogett. SBir haöett jene Sinfeitigteit, D 6 erfläd;tid)feit uttb ©eiftlofigteit ber fefuitifdjen Unterrid;tdmethobe, jened med)anifchi geifttöbtenbe ©reffirett unb Sjrerciren, fened jähe gefthalten an beralteten ©tanbßuncten, Sehnnethoben unb Sehrmitteln, jened abfdjeittidje ©timuliren ber Slemulation tt. f. m., mir haben indbefonbere bie ©d;einfrömmigfeit unb ©djeinmoral, moju ber Sefuitidmud erjieht, im obigen fdjon genugfam djaralterifirt. 3mmerhin ift jttjugeben, baß ber 3e» Scfuiteit, Sefuitenfdjuten. 791 fuitenorben in mandjen ©tüden, in mandjen feiner ©lieber unb SInftalten, gurnal in ber 3eit feiner größten 23lüte unb 21udbreitung eine päbagogifdje SSirtuofität beliefen hat, bie iljn cor anbern gleidjgeitigen Seljranftatten gumat tatljolifdjer Sänber rüljmlid) aud= geidjnete unb bie in ber STfjat alle 23emunberung eerbienen mürbe, menn ed mögtid) märe, con bem ©eift abgufeljen, ber ben gangen Drbenbefeett unb feine gange SSMrffanifeit beljerrfdjt, — menn ed möglid) märe abgufeljen con ber einen päbagogtfdjen £>aupt= unb Sobfünbe, baß in biefem ©tjftent ©rgietjung unb Unterrid)t, ja baff ber eingelne Sötenfdj unb Sljrift felbft Ijier nidjt ald ©elbftgmed geachtet, fonbern mit bemußter Slbfidjtlidjfeit ^erabgefe^t mirb gum bloßen SJiittel für äußerlidje meltlidje 3mede, für bie görberung ber Drbend« ttttb ‘jßapftljerrfdjaft. 35ie Stiadjt unb .fperrlidjfeit bed Drbend felbft, biefer monarchia solipsorum, mie jene ©pottfdjrift bed 17. Saljrfjunbertä il)tt treffenb genannt gat, ift ber glüljenbe SDiolodj, bem bie jefuitifdje ‘’ßäbagogif il)re ßöglinge gutn Dpfer bringt. Slßerbingd lantt bie jefuitifdje ©rgieljung, formell betrachtet, ald l)öd)fter Sriumph ber tßäbagogil gepriefen merben, fofern fie ben S3emeid nicfjt bloß an eingelnett 3nbici= buen, fonbern att gangen 23ölfern unb ©enerationen geliefert hat, mie cd burd) ft)ftematifd)e Slnmenbuttg eined gemiffen ergieljerifdjen 3)ted)anidmud tttöglid) ift, SBillen unb Skrftanb eines SDSenfdjen bid gur 23ernid)tung ber eigenen )ßerföulid)feit, bid gur SBißenlofigleit unb gurn 23ergid)t auf alles eigene ®enfett gu bilben unb gu beugen, fo baß er einem freittben 233ißen bient mie ein ©tod ber .fpanb, bie iljn fül)rt, ja — mit bem belannten Sieblingdbilb bed Drbeitd — perinde ac cadayer. 3a, meint bad ber -päbagogif l)i5d)fted fiunftftüd ift, nid)t burd) bie SBahrljeit ben innern ÜDtenfdjen frei gu madjett, fonbern bttrd) ben ©d)ein ber SBahrljeit iljn gu Jnedjten,*— nicht bttrd) ©rgieljung bem @otted= geift nnb .©ottedebenbilb im ÜUtenfdjen gur ©eburt unb gunt Sehen gu cerhelfen, fonbern burd) einen fing berechneten Uftedianidntud ber 21brid)tung ben inneren SDtenfdjen gu tobten, um ilpnt bann bad ©djeinleben einer ®raljtpuppe ober eined galoanifirten ©a= baberd gu cerleiljen, — bann finb bie Sefuiteit in ber S^at, mofür ihre greunbe fie audgeben nnb mofür ber gebilbete unb ungebilbete ißöbel oielfad) halb mit Semunberung, halb mit einem gemiffen ©rufein fie angeftaunt ljat — Stteifter in ber ©rgieljungdfunft. ©§, ift gemiß ridjtig, mad ber SSerf. ber ©djrift über bie öftreid)ifd)en ©hmnafien ©. 75 fagt, baß eine aud Dfontaneit, überhaupt aud oberflädjtidjer fienutnid geköpfte gurdjt cor bem Sefuitidmud bie S©hättgfeit beSfelöen, indbefonbere aud) feine päbagogifdje SBirlfamleit, ald geheim unb mtjftifd) erfdjeinen läßt. SDiag aber aud) cieled con ihrem päbagogifdjen Treiben mit gel)eimnißooßem ®un!el bebedt fein, in ber fpauptfadje liegt bod) ihre -Dtethobe — unb ed liegen il)re fßefuttate Har cor Slugen. Unb meldjed finb beim biefe ©rgieljttngdr efuttate? — Stuf biefe pflegt {aber Drben felbft fantmt feilten Sobrebnern triumphirenb h'ngutrrifen. SDSan fpridjt üott ber großen 3ahl öott @elel)rten aller SSrandjen, con aß ben ©taatd=, Sriegd» unb SUrdienmännern u. f. m., meldje feit brei Sahrhunberten aud ben ©djulen bed Drbcnd hrrcorgegangett ober felbft ald Sütitglieber ihm angehört hüben. SJtan hat ausführliche fftamettdcergeidjniffe entmorfen con foldjen jefuitifdjen Berühmtheiten aud aßen ©ebieten menfdjtidjen SBiffend unb Sehend (f. g. 23. S3uß a. a. £>. ©. 1570 ff. Cretineau- Joly t. IY. Chap. IV. t. VI. Chap. VIII.). ©ine eigene Siterargefd)id)te bed Drbend lourbe fdjoit 1602 con Hiibabaneira begonnen, fpäter con Sllegatube, ©oteeßo, Sabaßero fortgefe^t; in neuefter 3eit haben bie beibeit SBelgier, Sluguftin unb StloiS be S3ader, eine feljr unt= faffenbe 23ibliograpl)ie bed 3efuitenorbend h^raudgegebett (Siege 1853 ff. 5 23be.). ©in entl)ufiaftifd)er S3ereljrer ber Sefuiten hat fogar gemeint: „menn fämmtlidje 23üd)er ber SBelt untergeben unb nur biejenigen übrig bleiben mürben, meld)e con Sefuiten cerfaßt finb, fo mürbe mau bod) in ber gangen Dtepublif ber Siteratur faunt irgettb eine Süde finben" (!). 9?un ja, gefd)ricbett hat ber Drben uneritteßlid) eiet, geleiftet aber für bie SBiffenfdjaft uitenblid) menig. 3n 2Bal)rI)eit fann man bei einem unbefangenen 231id auf bie miffenfdjaftlidjen Seiftuugeti unb literarifdjeit 23erühmtl)eiten bed ©rbend nur bemllrtheil Seibnigend beiftintmen, ber einmal äußert: le nombre desvrais savants 792 Scfuiten, Scfuitenfdjutcn. parmi eux est tres petit. Söenit man fid) über irgenb etmaß m unbern f'anu, fo ift ed nur bie unoert)ältnidmaßig ft eine 3 a hl mirflid) au 8 gejeid)neter, nnb befottberd fetbftänbig benfenberunb forfdjenber ©cifter, metdje bemDrbcn angeljört traben ober il)re 23itbung bcm Drben oerbanfen, — ein SRidoerhältnid, bad um fo größer erfdjeint, menn man bebenft, metdje ättaffen Don jungen Leuten aud alten ©tauben nnb SSötfern ber Drben im Sauf oon brei 3 at)rljunberten in feinen Slnftatten gebilbet unb metdje giiuftige ©etegenljeit nidjt nur, fonbern aud) metdje 93irtuofität er barin befeffeu tjat, bie fätjigften Sböpfe für fid) audjutoä^ten. SBenn ber Drben unter ben mehreren £>unberttaufenben, bie iljm atd ©lieber ober ©djüter angehörten, einige gute Satiniften unb fß^itotogen, einige audgegeidjnete Djeotogen unb fßrebigcr, ißßitofopßen, äRattjematiter unb ißtjtjfifer, §iftorifer, Dichter uno ©d)riftftetler aufjutoeifen I)at, — toad mit! bad Ijeifjen ? gür bie Drefftidjteit ber jefuitifd)en ltnterridjtdmetljobe bemeidt bad ebenfotoenig, atd ed für ober gegen it)re Ergieljungdfunft bemeidt, baff aud) SDtoliere, Siouffeau unb SSottaire 3efuitenfd)üter getoefen finb. ©emiß fiub, menn l)ier auf 3 a ^ en «nt> Hainen irgenb ettoad anfäme, aud ben paar Älofterfdjuten bed fteinen proteftantifdjen SBürttembergd ober oon ben proteftantifdjen Unioerfitäten Deutfdjtaubd im Sauf ber brei testen 3 atjr= Ijunberte Dertjattnidmäßig loeit mehr tüd;tige ©eteljrte ober audgegeidjnete SJiänner alter Irt audgegangen atd aud alten Sefuitenfdjuten ber SBett (f. b. SIrt. Ätofterfdjulen). ©eljen mir aber auf bie jefuitifdjen Ei^ietjungdrefultate im großen unb ganjen, fo fönnte nur eine oollftänbige Eutturgefdjidjte ber brei testen 3at)rt)unberte, befonberd ber romanifd)en 93ötfer unb geioiffer beutfdjer ©tämmc, jeigeu, metdjen tiefgreifenben Ein* ftuß bie jefuitifd)e fßäbagogif auf bie geiftigen unb fittlid)en, potitifdjen unb fird)lid)en, fociaten unb öfonomifdjen 3 “ftänbe berfetben gehabt, mie indbefonbere jened ßattlofe §in= unb §crtaumetn 3 mifdjen 9feootution unb ffteaction, jmifdjen toller Slnardjie unb fid) fetbft megmerfenbem ©eroitidmud, jtöifd^en attjeiftifdjer Stufftarerei unb bigotter De* ootion, jtoifdjen apatt)ifd)cr Snbolenj unb fanatifdjer Erregtheit mit ben mittenfdjmädjenben unb begriffoermirrenben Einmietungen jefuitifd)er fDforat unb fßäbagogif jufammenßängt. 3eber unparteiifd)e S3eurtßeiter toirb gerne anerkennen (ogt. SEßtdfemann, Seßre unb fßrayid ber 3ef. ©. 55), „baß bie 3ef«iten, infouberbeit auf bem ©ebiete berEqicljung unb bed Unterridjtd, mit neuen größeren Kräften, mit größerem Eifer unb @efd)id ge* arbeitet haben, atd bie Äirdje oortjer; mir merben indbefonbere gern anerfennen, baß ber Drben mat)rt)aft fromme unb aufopferungdfäljige — aud) mat)rbaft gelehrte unb miffen* fdjaftlidj tüchtige SDtänner erjogen hat; aber bad fann nicht Don bem Drben im allgemeinen gefagt merben, benn toad finb bie enbtidjen grüdjte getoefen, bie au bem oon ben Sefuiten gepftanjten S3aum jum SJorfdjein famen? Stbergtauben, Unglauben, gana* tidmud, Unmiffent)eit, Unbutbfamfeit unb ein SBerfcienft, ber faum feinedgleicheit tjat. Daß mir nidjt 3 U Diel fagen, bemeidt ber ftäglid)e 3ußanb ber fatholifdjen Sänber, mo bie Sefuiten mehrere 3abrl)unberte lang faft audfd)ließtidj bie §>errfd)aft gehabt unb mo fie jefct mieber feit-40 3ahren gemirft tjaben." In Summa: Die jefuitifdje fßöbagogif enthalt, formet! betrachtet, atd ftuge unb confeqnente Stnmenbung päbagogifdjer Dedjnif ju Erreichung fird)tid)=potitifd)er 3 toe ^ im einjetnen ntanched, toad Sluerfennung oerbient, materiell betrachtet aber, unb oont ©tanbpunct ber Humanität mie bed Eljriftenthumd aud beurteilt, ift fie nach ih reIt fßrincipien, Denben 3 eit, DJfettjoben unb 9fefuttaten fdjledjtljin oermerflid), — bie größte SSerfünbigung am ©eifte ber ÜJJienfdjljeit loie am Sfamen bed Eljriftenthumd, metdje bie ©efd)id)te ber ißäbagogif fennt. Siteratur: Eine oollftänbige unb erfdjöpfenbe ^Bearbeitung bed jefuitifdjen ©djut* mefend giebt ed nidjt; bie neuefte f. in Ä. ©d)mibtd ©efdjidjte ber ißabagogif. 33b. III. Eötheit 1861. ©. 194—211. 3Son ben 3 ahtlofen Darftettungen ber @efd)id)te unb ber Einridjtuugen bed Drbend im allgemeinen nennen mir außer bem bereits Stngefüljrten nur nod) einiged mcnige. Die officieHe, im Stuftrag bed Drbend fetbft abgefaßte Drbend* gefd)id)te ift bie jebod) nur Don 1540—1625 reidjenbe Historia Societatis Jesu auct. Sefurtcit, Sefuitcitfdjulen. Sofcpß II. 793 Orlandino, Sacchino, Juvencio, Cordara. Antwerpen 1620—1750. Steuere Sarftelluugcu ftnb 2ßolf, allg. ©efdjxdjte ber 3. 1789 u. 1803. 4 33.; ©mittler, über ©efdj. u. 93erf. ber 3. 1817; 3orban, bie Sefuiten unb ber SefuitiSnutS 1839; Gjtlenborf, bie 9Jtoral utib IJicIiti? ber 3. 1840; Cretineau-Joly, histoire religieuse, politique et literaire de la compagnie de Jesus. -Paris, 1844 ff. 6 93.; ©ugenpeim, ©efdj. ber 3efuiten in Scutfd;lanb 1847. 2 93.; 33uß, bie ©efetlfdjaft 3efu, ipr ip« ©afcungcn, ©efdjidjte :c. 1854; Drelli, 9Befen beS 3efuitenorbenS 1846; 9Sobe, baS Snnere ber ©efetlfdjaft 3efu. Seidig, 1847. 2. Stuft.; SBiSfemann, bie £epre unb iprapiS ber Sefuiten 1858; @. Äöberle, Slufjeid^nuncjert eines SefuitengöglingS im beutfd;en ©ol* legium gu 9iom. Seipjg., 1846. 93efonber3 aber egl. man ©teifc in ^ergogs 9teat* Sncpfl. YI. 524 ff. 2Sagcnmamt. 3^ofcf)l) II. Sei ben rafdjen unb burd;greifenben Reformen, weld;e 3ofepl; II. auf allen ©ebieten beS ©taatStebenS unternommen pat, finb bie im UnterridjtSwefen »erfud)ten cen befonberer 3Bid;tigfeit geworben. 2 Bir ncrfudjen fte in mögtidjft ge* brättgter SBeife unfern liefern bargufteKen. Sabei ift aber freilicp nicpt ju oermeiben, baß mir auf basfcnige gurüdgepen, maS bereits unter SJfaria S©tjerefia nadj biefer ©eite pin gefdjepen ift. Sie große Äaiferin pat ja überhaupt in ntepr als einer 93egiepung iprem energifdjen ©opne öorgearbeitet, unb wie fie burdjbrungen oon rem 33ewußtfein, baß ber Staatsgewalt in allen Saugen eine burdjgreifenbe ©ntfcpeibung gnftepe, ben 9tnfprüd;en ber Äird;e, beren Itnbulbfam* feit fie tpeilte, Wo eS um ißroteftanten unb Suben fid) panbelte, opne ©djouung ent* gegengetreten ift, Wenn biefelben ipre SDtadjtooIIfommenpeit beeinträdjtigten, fo pat na= mentlidj bei ben neuen Sinridjtungeu im ©djttlwefen bie SDtadjt ber Jtircpe burd) ben SBiflen ber Äaiferin immer größere (Einbußen erlitten, bis bie fiirdjenfdjnlen faßt burd)* aus in ©taatsfcpulen fid; oerWanbelt Ratten, unb bie gefammte Leitung beS UntcrridjtS in bie §änbc ber Regierung übergegangen war. 9tad;bem man faft ein SDtenfcpenalter in foldjer 9lrt twrgegangen war, erfolgte als abfdjließenber Stet bie ütufpebung beS SefuitenorbcnS, welcpe bie Saiferin, wenn aud; mit wiberftrebenbem fjergen, aus füüdftdjt auf baS ©taatsintereffe als gwedntäßig aud; in it>ren Steidjen öoügiepen ließ. Sie Steigung ber Saiferin 31 t umfaffenberen ©djulreformen tritt fdjon in ben beiren elften Saprgepnten if>rer Dfegierung ftar! peroer. Ser alles beftimmenbe ©runbfats war fdjon jept, baß ber ©taat unbefdjranfter §err im §>aufe fein müße unb für bie auf allen ©ebieten beS SebcnS notl;wenbigen 93erbefferungcn eine grünblid;e llmgeftal* tung beS Unterrid)tSmefenS bie wid;tigftc 33orbebingung fei, biefe Itmgeftaltung aber int 3ntereffe beS ©taatS allein ber ©taat burdjgufüpren oermöge. fpödjft eiuflußrcid; würbe nun bei biefen 93eftrebungen ©erwarb bau ©mieten, ein Sticberläuber, ber, nad; rupmbotler SBirffamfeit an ber £>odjfd;ule feiner 33aterftabt Sepben, im 3. 1745 als faiferlidjer Seibargt, ipräfect ber fpofbibliotpef unb mebicinifdjer -Profeffor nad; 9Bien berufen Worben war unb halb baS solle 33ertrauen ber Äaiferitt gewonnen patte. Unter feinem Gcinfluffe erfupr gunädjft baS pöpere Unterrid;tswefen eine 3teipe wopltpixtiger Reformen. 3öie er im 3. 1749 eine gritnblidje (Erneuerung ber mebicinifcpen ©tubien erwirfte (ogl. b’CEIoert, @efd;id;te ber fpeil* unb £mmanitätSanftalten in SJiapren unb öfterr. ©djlefien ©. 157 f.), fo patte er fdjon 1747 bie „Dteue ©tubienuietpobe in ben ^umanitatS* unb ppilofoppifdjen ©tubien an ber -Prager Uniöerfität" in SBirf* famfeit gefept unb bie gleicpäeitige ©infüprung berfeiben in ber gangen böpmifdjen 3e* fuitenprobinj, gleicp nadjper aud; in ben ©djulen ber ipiariften, veranlaßt. 9)Jan Prang barin auf fleißige Betreibung beS @ried;ifd;en nnb ber (beutfdpen ober böpmifdjen) 3Jiutterfprad;e, auf 93efd;ränlung ber Serien unb beS enblofen SictirenS wie ber fdjola* ftifdjcn ©wbtilitäten; man forberte SJlatpematif unb Sppcrimentalpppfif; man 30 g baS Dtaturrecpt 3 ur juriftifepen gacultät, ba bie Sefniten nad; iprem eigenen ©eftänbniS Oou biefem ©pfteme fi(p feinen redjten 93egriff mad;en fonnten :c. 9Beitere Reformen ber pumaniftifd;en, ppilofoppifdjen unb tpeo!ogifd;en ©tubien bradjte baS 3. 1752. SS 794 Sofepp II. füllten in ben fedj§ ^umanitatSclaffen itidjt fnnge 3D7agifter, fonbeut erfahrene fPatred ald fprofefforen angefteüt werben; für bie aufjuneljmenben ©dfüler würben ftrenge ^Prüfungen unb fonft palbfäprlidje Spamina »erlangt; bie Sugenb foüte nid)t ferner mit unnüpem SludWenbiglernen befcpwert, fottbern »ielntepr in ber 9)futterfprad)e unb „einer netten unb ortpograppen ©(prahaet* unterwiefen werben; für ben tateinifdjen Unterricht foüte 5 unäd)ft eine ©rammatil in beutfdjer ©pradfe, ,,nad) bem guten Veifßiele ber Grammatica Marchica“, jur 2luWent>ung foututen; man brattg aud} auf ©eograppie unb Slritpmetif; bie griedtifdje ©ßradie Würbe nad)brii(ftid} empfoplen. SDerfelbe ©eift orbnete aud) bad ppiiofoppifd;e unb bad tpeologifdje ©tubium. 35ie @efeüfd)aft 3efu, meüpe bereit bie ©tubieit beforge, foüte alle Stnorbnungen optte weitere 9fiitffragen, 33ebeufeu unb berid}tlid)e älnjeige unfeplbar fogleid} »oüjiepen; bie etwa wiberfpeuftigen ^Profefforen bebropte ftrengfte 3lpitbung. 3 ul ' Leitung unb Veauffidjtigung ber ©tubien in allen Srblänbern Würbe (3. Suni 1760) eine fpofcommiffion in 2Bien befteKt, an bereu ©pipe ©erparb »an ©wieteu trat. Unftreitig War »an ©mieten ber gefäprlid)fte ©egner ber Sefuiten; ber Sfufpebung ipred Drbeitd fap er „mit patriotifdjer Ungebulb" entgegen, älber.aud) pope Prälaten, wie ber (Sarbiital, erjbifdjof ©raf Sütigatji in 2ßien unb ber §rabifd}er -Prälat SBacjlawif, geigten fid; ipneu abgeneigt; bie anberen Drben aber pielteit alte Sifer= fud)t feft. 3)ie Äaiferin felbft, bie ipnen uod) 1747 ipre Sieblingdftiftung, bie tpere= ftauifdje 9fitterafabemie, übergeben patte, fonnte fid; nid)t lange barüber täufd}en, baß aud; pier aüed im ©inne unb Sntereffe bed Drbend geleitet werbe (ogl. granj »on ©djepb in einem SSriefe an ®ottfd}eb »om 24. 2)ec. 1749 in SDanjeld @ottfd;eb ©. 308). ©ie blidte bann Wopl ju 3eiteit wieber »oll 9fefpect ju ben flugen SSätern auf, betrad)tete mit ©peilnapme bie eifrige STpätigfeit bed Sefuiten iparpamer für bie 33ilbitng beS Volfd unb für bad große SBaifeupaud in Sßien, Wopnte gelegentlid} ben pruulbollen ©djaufteüungen bei, weldje bie Sefuiten in alter Sßeife nocp immer anju= ftcHen liebten; aber fie patte wenig Neigung, ber immer peftiger werbenbeit Slgitation gegen ben Drbett fid} entgegeujuftellen, unb um fo weniger, ba biefer in merlmürbiger Unbepülflicpfeit bem, Wad bie 3eü f° ungeftüm »erlangte, faft febe ernftere 9fücffid}t »erfagte. ®r war fd}on großentpeild aud feiner fDfadjtfteüung öerbrängt, ald bad SEobedurtpeil über ipit gefprodjen würbe, bad bie Äaiferin Wopl immer nod) mit innerem SBiberftreben beftätigte. ©erparb »an ©mieten patte ed nid}t erlebt (f 18. Suli 1772). 35ad eingejogene Vermögen bed Drbeitd (2,351,285 fl.) Würbe bem ©tubienmefen beftimmt unb in Verbinbung mit allen offentlidjen Uuterrid)tdftiftungen unter eine be= fonbere Verwaltung gefteüt. 3)ad ganje Unterrid}tdWefen lam jept unter bie unmitteü bare Seitung ber ©taatdregierung, für weldje eine »on ber Äaiferiit birect abpängige ©tubiencommiffion unter bem Vorfipe bed greiperrn »on Dualtenberg eintrat, ©ie patte eine unermeßlid)e Slufgabe »or fid). Die Äaiferin Wollte burd) unb burd) ge= polfen, wollte ein »ollftaubiged ©taatdfd)ulwefen organifirt fepen. 35a mußten aud) bie feit einigen Sapren fcpr lebpaft betriebenen Arbeiten für 23egrünbung eined wapren Volldfcpulmefcnd ju einem 2lbfd}Iuß gebradjt mtb unter fo »ielerlei Nationen unb 33iIbungd»erpältuiffert ein iprincip cnergifd) unb beparrlid} burd)gefüprt werben. 35ie Äaiferiu Wollte aber, baß febem Untertpan nad) feinem ©tanbe unb Verufe ber nütpige Unterrid)t ertpeilt, baß überall tauglid)e Scprer angeftellt unb nad)gejogen, baß eine gleidtfortuige, »oüftänbige, praftifdfe nnb bauerpafte ©tnbieneiurid)tung getroffen -unb über alle UirterridjtSjWeige, bie beutfdjen 8anb= unb ©tabtfdjulen, bie ©pmuafien, Älofterftubien, fpriefierpäufer, 2l!abcmieen unb Uniöerfitäten, audgebepr.t werben, enb» lid) eine in 2Bien ju erridjtenbe 2l!abemie ber Sßiffenfcpaften ben ©düußftein bed madftigeit Vaucd bilbeit foüte. 338ad nun bad Volfdfdjulwefeit anlangt, fo war freilid) fdjon feit bem 3. 1769, wo ber trefflid;e f$ürftbifd)of »on ^Paffau, Veopolb Gcrnft »on girmiau, bie erfteu ener= 3°fepb n. 795 giften Anregungen gab, fel)r Biele« oorbereitet worben; bev ©taatSratl) hatte ein fraftige« 33orgel)ett unb 3lubbel;nung ber empfohlenen SJlaßregeltt auf alle Erblättber beantragt; bie SSorfdjlage, tneldje bie eigen« niebergefe(5te ©djulcontmiffiott gu machen hatte, Waren oon ber Äaiferitt mit größter 93ereitwilligfeit fdjon am 3. Nooember 1770 genehmigt Worben, Worauf man am 2. Sattttar 1771 bie'SBiener Normalfd)ute (mit bem Sirector 3ofepl) ÜDießuter) eröffnet, ber ©djulcoiitmiffton ein ißriotlegium fiir ben 33erlag oon ©dfulbüdjern gugeftanben, bie Einführung be« ©agan’fdjen Äated)i«= ntu« (unter lebhafter görberung be« (Sarbinal-SrgbifdtjofS Niigaggi) betrieben unb, bei ber Sähigleit be« Äleru« nnb ber 33rüberfd)afteit, mit großem Eifer auf 33efd)affung oon Ntitteln gu Erweiterung ber ©djulfonb« h> n gwrbeitet hatte; auch hatten weit umher bie Schulreformen begonnen, in Sßien unb Defterreid), in ©teiermarf, ©d)lefiett, Kroatien, ©iebenbürgeu, in ber SNilitärgrenge, in SNähren unb Ärain, mit befon» bereut Erfolge aber in 33öl;men, Wo ber Pfarrer gerbinanb Äittbermanit gu Äaplifs bett SJtittelpunct ber SBeftrebungen bilbete; in unmittelbarer Näl)e ber Äaiferitt war e« feit bem 9lug. 1770, wo ber ©raf Bott ißergen einen gang jelbftänbigen ©djulplau Bor» gelegt hatte, gu ben lebhaftefien 33erhnublungeit gefommen, bei betten bie görberung be« Urheber«, baß au« beut ©taatsfdjulwefen bie £>rben«geiftlid)en burdjau« oerbrängt »erben müßten, bie Kernfrage bilbete. Saß ißergen bem befonnenen greiherrn Bott Qualtenberg gegenüber nid)t burchgebruttgen war, — unb gegen bergen hatte aud) Äaifer 3ofeph fid) erklärt, ber in btefen Singen fonft nod) in oorfidjtiger Neutralität fid) gu halten fd)ien, •— hatte freilid) bie Sefuiten nidjt retten fönnen, unb nad) ihrem ©turge War gerabe Dualtenberg ber entfd)iebeit[te görberer cer Neuerungen, attd; im 33olf«fd)ulWefen. ßanädjft Würbe nun ber bi«herige Normatfd)ullehrer -p. ©ruber mit ber Entwerfuug eine« Normal» uttb refp. ©auptfd)ulplan« beauftragt, ber aud) im April 1774 bereit« Borgelegt werben fonnte. Aber unerwartet berief bie Äai= feritt je^t ben Abt Bon ©agan gelbiger (f. b. Art), Weldjer bereit« am 1. ÜDlat 1774 eintraf unb nun fofort bie untfaffenbfte Stjatigfeit entwidelte. 2Ba« berfelbe für ba« tßoltsfdjulwefen Sefterreidj« getl)att, hat in ber Äürge ber ihm gewibmete Artifel bar= geftellt; bie reidjfteit üDiittheilungett bietet jefet ba« großartige 3Berf Bon $of. Alep., greiherrn Bon eifert: Sie öfterreid)ifd)e 35olf«fd)ule, beffen erfter 33anb (^rag 1860, 679 ©. gr. 8.) bie „©rünbung ber öfterreid)ifd)en 33olf«}d)ule burd) SDtaria Sh«efi a " behanbelt. 33gl. nod) £>eppe, @efofratl) SRartiui wollte ben Unterrid)t auf ba« ©tubiuin ber ©efdiidjte grünben unb ba« gadj= fhftem gur Anwendung bringen. Sen ©ieg erhielt ber ißlatt be« ißiariften ©ratian 9)1 arp mit bem ©d)ulfahr 1777: ©runblage lateiitifdje Sprache unb Literatur, fobantt aber aud) ba« ©riedjifdte, SNathetuatif, ©eographie unb @efdjid)te in giemlidjer Au«= bel)ttung; fünf Eiaffen, fünf £>auptlef)rer. )p. ©ratian würbe Neferent ber Studien» ^ofcontmiffion mit bem gewid)tigen Sitel: Director humaniorum. 33ott il)m tarnen batttt aud) bie neuen ©d)ttlbüd)er, bie fid) im wefentlidjen bi« gum ©turmfahre 1848 behaupteten, wie überhaupt bie ©ruttbgüge feine« glatte« bi« eben bapin fid) erhielten. 9118 Ntaria Sherefia im 3. 1780 ftarb, war jedenfalls fd)on ©roße« erreicht: ,,ba« größte uttb entfdtiebenfte SSerbienft ber neuen ©chulBerfaffuttg aber, ba« ade anberen in fid) aufnal)tn unb überragte, lag barin, baß bie Anfänge allgemeiner 95olfS= bilbuttg über alle Erblattbe oerbreitet, bi« an bie äußerftett Ntarfen be« Neiche« getra= 796 Sofcpt; n. gen würben" (o. geifert S. 581). Unb wie hatte fxe felbft überall angeregt, auf» gemuntert, mitgearbeitet unb nad)gel)o!fen! 2Bie I;atte fie, bie ülRutter fo oieler 5Kit= lionen, oft and? um baS Äleinfte unb (Sinjelnfte ftd> geforgt unb gemußt, wie oft hatte fie Sd)uten unb 2ßaifenl)äufer Befugt, mit Äinbern unb ?el)rern fid) unterhalten, er= freuenbe ©aben auSgetheilt, wä!)renb if>r ernfter 331id bod) gugleid) einen Weiten SänberfreiS überfdjautc! Sine ber haften ©eWunberung unb ber innigften Siebe Wertfie grau! SS liegt nun bariu bod) etwas recht tragifdjeS, baß ber große Sohn unb Srbe, Äaifer 3ofeph, neben ber l)o«hhergigen ÜRutter bei beit auf bie «Schulreformen gericfj= teten 33emühnngen eine eiugreifeubere Spätigfeit fid) oerfagen mußte unb gulefst mit ber SDiutter auf einem ©ebiete, Wo er Ijerrfdjte, in wenig ocrhütlten gwiefpalt geriet^ SDie ^aiferin hatte, erfreut über bie guten Srfolge, welche bie befonberS in Böhmen für bie gal)lrcid)en Soltatcnfinber eingerid)teten ^Regiments» unb $afernenfd)ülen gegeigt hatten, and) in 2Bien nad) einem üon gelbiger entworfenen -plane fold)e Solbatem fdjnlen eingurid^ten befohlen, unb eS foHte bann biefe ®inrid)tung auch bitrch bie anberen Sänber fid) oerbreiten. 2Rit gewohntem Sifer War bie bem &obe fd)on nal)e Äaiferin auf bie ihr fo gWedmäßig erfdjeirtenbe Sadje eingegangen; 3efeph aber, ohnehin gegen ben gumeilen eigenmäd)tigen gelbiger in übler Stimmung, hielt fd;roff an feiner ülnfidjt feft, baß bie Solbatenf'inber in ben £>rtsfd)ulen unterrichtet Werben müßten, unb oerwarf gelbigerS 33orfd)läge als ungereimt unb unanwenbbar. ®a SJfaria £l) ere fla e ' ne 35e= ftreitung ihres einmal auSgefprodjencn SBilfenS nicht git bulben pflegte, fd)ien in ber Sh^t ein harter Stampf gmifdjen SSRutter unb Sopn faunt gu oermeiben; ba trat fd)lid;tenb ber Sob bagwifd)en. Unb gu ben erften Sntfdiließungen beS frei geworbenen StaiferS gehörte cS nun, baß bie Srrichtung eigener Solbatenfd)ulen in ffafernen unb Stabten guriidgewiefen, bie in SBien bereits erridjteten 2lnftalten biefer 3lrt aufgehoben, bie an ber ‘U'Jormalfdjute für biefelben unterrid)teten Solbatenlehrer gu ben Sdjulen in ben Snoalibenhaufcrn, in ber SRilitärgrenge ic. gefdjidt würben, wogegen bie früher fd)on beftanbenen (Einrichtungen in 23egug auf Senupung ber DrtSfdjuIen burd) Solba= tenf'inber wieber in Straft traten, mit ber Srgängung, baß biefe Stinber allen aitbern bürgerlid)en Stinbern ohne SluSnahme gleid) gehalten, übrigens aber, „als bie wahren 9Irmen beS Staats", mit Schulbüchern gratis oerfel)en Werben foHten. — ®aß gel= biger halb nach 136111 beginne ber neuen Regierung, bie für feine gang ungweifelf)aften SSerbienfte fein 9luge gu haben fdjien, gurüdgefteKt würbe, ift befannt. 911S Sofeph II. in ber öoüften Straft beS männlichen SllterS fein felbftänbigeS {Regiment begann, war ihm auf allen ©ebieten beS Staatslebens burd) bie SBeiStieit ber SERutter trefflid) oorgearbeitet. 2lm meiften auf bem ©ebiete beS SdjuIwefenS. ERod) aber war üiel ©roßeS gn ooHbringen, unb bie weiteften Streife fnüpften an fein SBalten bie freubigften Hoffnungen. 2Bir wiffen ja, wie and) baS nad) burdjgreifenben ^Reformen in bunfler Sehnfudjt oerlangenbe ©eutfdjlanb feine SSlide auf baS glangooll aufgel)enbe ©eftirn ridjtete unb Oon bem Staifer bie 93erwirtiid)ung feiner fdjöuftcn Sräume fid) üerfpracf), Wie Stlopftod in liebcnSWürbigem SnthnfiaSmuS Oon ihm eine Sr= neuernng ber oaterlänbifchen Helbentugenb SlrminS erwartete, SBielanb aber mit ihm bie ©liidfeligfeit eines weifen 2Beltbürgertl)umS fommen fal). Unb er brad)te große Sigenjdjaftcn unb ben entfd)iebenften SBiHeit für (Einführung unb üDurdjführung beffen, WaS er als baS 9ted)te anfah, gu feiner balc alles umfpannenben unb erregenben ®l)ätigfeit hiagu. Sr War forgfältig ergogen, burch eingehenbe Stubien unb weite SReifen gebilbet, frei Oon alten 33orurtl)eiIen, ooK üSgatfraft, ein 9Renfd)eufreunb, riid= fichtSloS and) Wol)l gegen bie Hodjften unb gern nieberfteigenb gn ben ©eringften, unb babei oerfiigenb über bie EERittel eines weiten 9feid)S, beffen 23eoölferung feiner großen 5Diutter in einer oiergigjährigen Regierung einen tounberbaren @efül)IScultnS gewibmet hatte unb gu einem @el)orfam in Eßietat ergogen gu fein fchien. 2Bir haben il)n nun nid)t in feine firdjlidjen unb politifdjen ^Reformen gu beglei= Sofeßh n. 797 ten, bie rafd) eine unüberwinblidje Dpfwfition Wadjriefen unb nte^r jerftörte« old bauten, aber aud) bielfad) in WoI)ltI)ätiger SBeife aufräumten; wir befdjrcinfen und auf feine STIjütigteit für bie ©d)ule. 3 nt ganjen bat er hier bod) bie ©ebanten feiner SDtutter confeqitent bitrd)gefül)rt, wenn audj in anberem ©eifte. Unter bem Sinftuffe ber frangöfifdjen fPhilofophie ftebenb War er jtoar nid)t geneigt, fidj ohne weiteres ju einem SBerwirtlidjer ihrer Sbeate 31 t ntadjen, mtb wie er feine ©elbftanbigteit ju Wahren gebente, hatte er ja and; baburib gezeigt, baff er an gernet), Wo tßoltaire feiner harrte, borübergieng unb in 33ern ben ernften, frommen Raiter befmhte; aber bie ©ebanten ber ßc'thhiUfo^hie leiteten ihn hoch auf mandjerlei Sßeife, unb bei feiner Steigung, bie gegebenen 23erl)ält= niffe mit SDiidadjtung ihrer eigenthümüdjeu Sebeitdbebingitngen bon oben h era b nach abdtracten Anjtd)ten ju meiftern, ftanb er ganj auf bem Sobeit jener fPhilofophWr bereit ©d)Wäd)en ihm fonft nidjt entgiengen. 3nbe8 beftimmte ihn alle 3 e it jumeift bie 9iüdfid)t auf bad f|3raftifd)e, bad unmittelbar AnWettbbare unb 97ü^Iidje. Sr war ein wterbittlidjer gehtb atled unprobuctioen Sehend, aller bon ber 2BeIt abgejogeneit 33efd)aulid)feit, aller ohne greifbare 97efultate bleibeuben ©f'eculation; bafur h°& er aUed, wad bem Sehen unmittelbar ju bienen, bem ©taate glüdtidje Unterthauen unb brandjbare ^Beamte 31 t geben fd)iett, mit iftadjbrud h^twor. 9iad) foldjen ©runbfähett griff er nun aud) in bad ©tubien» unb ©d)ulwefen ein. 2ßeil er Wollte, baß jeher als ©lieb bed ©taated fidj nühlidj mad)en unb 3 U ber gemeinfamen ©lüdfeligfeit bei= tragen foBtte, beförberte er, bad SiebliitgdWert ber SJfutter fortfütjrenb, borsugdweife ben 23olfdnnterrid)t, um jebeu fo biet ald möglid) für ben ©taat braud)bar 3 U mad)en, währenb er ebenfowoht bie tiötjereit ©tubien befdjränlte, bereit ibeale SBebeutung ihm berborgett blieb, ald er bie ©tätten einer unfrud)tbaren Sldtefe ober eined ber Kontern» Ration äitgeWanbteit Sehend mit rafd) burdjgreifeuber §ärte möglid)ft berminberte. SDer Unterfd)ieb ber ©tänbe unb ber Sonfeffionen bebeutete ihm and) auf biefem ©ebiete Wenig, bor hiftorifdjeit 3ied)ten hatte er hier f° toenig Diefpect ald anberdWo. $Betradj= ten Wir nun, wie foldje ©runbfä^e jur Ausführung tarnen. 25on größtem Sinfluß neben bem Äaifer bei allen auf bad Unterridjtswefeu ge» ridjteten SRaßregeln War ©ottfrieb greiljerr bau ©wieten, ber ©ol)n bed ein» flußreidjen Sfathgeberd ber Äaiferin SDiaria S©h er efta. 3ofepI) ernannte ihn am 29. 9iob. 1781 jitnt fßräfibenten ber jefct felbftänbiger geteilten ©tubien» nnb ber IBüdjercenfur» £>ofcomnüffion mtb beauftragte ihn mit Ausarbeitung eined neuen ©djulplanS, berfdjon 1783 im ganjen taiferftaate 3 m Ausführung tarn, ©ottfrieb ban ©Wieten war mit bollfter Kntfdjiebenljeit in ben ©ienft ber 3 e i t hW°f°hh' e getreten unb ftrebte bereu Sbeeit rüdfid)tdlod burd) 3 ufüi)rett. „©taube, Kirdje, 9ted£)t umftattben bei ihm ben Altar ber ©öttht Sernunft, beren Kultus bad erfte ©efeh war, nur ald S3efet)le erbittenbe unb audführenbe ®ietter, bie mau, wenn fie fäutnig waren, jiidjtigen, wenn fie unge= bulbig würben, f eff ein, wenn fie fidj ald unbraudjbar erwiefen, and) ganj ihres SDienfted entlaffen tonnte.“ geft überjeugt, baß burd) Sßcrorbnuttgen aüed feftju» [teilen unb ju geftalten fei, gieng er rafd) borwärtd in feiner Sthatigleit; wo er auf SÜSiberftanb traf, fal) er Ieid)t bloß Unoerftanb unb böfen Sßillen unb Würbe bann, wie feljr er aud) joleranj in abstracto bertünbigte, fel)r unbulbfam gegenüber beit Snbibibuen. Aber er imponirte ben weiften burd) bie Kntfdjiebenljeit feined Auftretens, bttrd) bie Sinbringlidjteit feiner Diebe, burd) bie 3 uberfid)tlid)!eit aud) bei gewagten SDiaßregeln. Sßir taffen ed bahin geftellt, ob bie Antlage gerechtfertigt ift, baß er ed berftauben, in feinen 33erid)ten bie S^hatfadjen nach feinem Sßitlen 3 U brehen, bie il)nt jugewiefenen Diatl)e mit fertigen SSortrageu 3 U überrafd)en unb fo fie 3 m Unterfdjrift 3 u bringen, aöerhöd)fte gntfd)Iießungen in biel fd)ärferer ^Betonung, Wol)l aud) in gan 3 anberer 33ebeutung Wieber 3 ugeben, litidliebige ^Befehle auraftifd>en Unterridjt non innerlidjen Äranfljeiten, ber anbere für bie SBunbarsneß unb Ipebammenfunft befteKt mar. Oag pl)ilofopl)ifd)e ©tubium foßte Siogif, SNetapljpfif unb SDIoral, SNatpematif unb Sßljtjfif nmfaffen. gür aße SSorlefungen mürbe im 3. 1785 bie beutfdje ©pradje norgef djrieben. 3 n ben ©pmnafien blieben bie alten ©pracfjen, nametttlid) bie lateinifdje, in iljrer beoorredjteten ©teflung; bod) bradjten bie ©djulinftructionen nom 4. Dctbr. 1781 midjtige Neuerungen, ©iefelben boten juerft ein SBerjeidjttig neuer ©djulfdjriften, meiere bie alten Ijcdjft unnoßfomntenen Bedrängen foflten; fie entfließen fobann eine umftänb» üdje 23elel)ruttg für Sßräfecten unb Sßrofefforen, mit befonberer (Empfehlung ber Srb* befd)reibitng, ber Natur= unb SSeltgefdjidjte unb ber SNatfiematif; in 33ejug auf ben lateinifdjen Unterridjt erfiärten fie, baß 3 toet ^ begfelben Kenntnis ber ©pradje fei, baß man trocfeneg Negelmerf unb aßeg Sßugframen unjeitiger ©etetyrfamfeit ju nermeiben, bitrd|meg genau an bie Borgefdjriebenen Sücfter fid) ju galten habe. S3ei ber ®i§ci= plin foßten an bie Steße forperlidjer Sättigungen Sljrenftrafen treten unb, menn biefe unmirffam blieben, Slugftoßung erfolgen. Oie Oirectoren foßten Biermal jährlich fdjriftlidjen 23erid)t erftatten. Nad) ber Dfterprüfung foßten bie Seljrercoßegien in gemeinfdjaftlidjer SBeratljung ermägen, mag jum ©ebenen ber 3luftalten bienlid) fein mbdjte, unb eg foßten babei aud) bie etma bemerften g^fsr in ber Sianbeggeographie mit SSorfd)Iägen jur Sßerbefferung, ebenfo Slufflärungen über bie ©atertanbSgefdjidjte je. notirt unb bann ber ©tubiencommiffion barüber S3erid)t erstattet merben. @g ner= fleht fidj Bon felbft, baß aud) biefenigen Stnftalten, meld)e unter Leitung Bon Orbenä* geiftlid)en ftanben, fctmmtlid) nad) biefen 33orfd)riften fid) ju ridjten Ratten, eg mürben ben geiftlidjen mol)t aud) meltlidje 23icebirectoren beigegeben, bie bann bie eigentlidjert Organe ber Negierung für bie einzelnen 2lnftalten bitbeten. 33 erle( 3 ung alter Nedße mar aud) ^ier unoermeiblid) unb mürbe oft fdjmer empfunben. — 3 m aßgemeinen blieb nun freilid) bie Ausführung fel)r meit Ijinter beit Anorbnungen gurücf. SNan fam bei bem lateinifdjen llnterridjte feiten über geratet* unb ip^rafenmerf I)inau§ unb brad)te eg beim ©djreiben unb ©preßen nid)t meiter, als früher etma bie Sefuiten; im SJerftänbnig ber ©d)riftfteßer aber brang man faum irgenbmo big jum tone, fo fcljr ©ottfrieb Ban ©mieten felbft baranf pielt, baß bie 3ngenb in ben Klafftfern, in benen fie big bal)in nur 2Borte fudjte, ©adjeit finben modfte, um bann jur 23ergleid)itng mit bem Borger ober fonfl fd)on ©eiernten, jur Sntmidelung, jttr SSeurtpeitung ber ©ebanfen unb beS AuSbrudS ermuntert unb fo in SBerftanb unb ©efdjtnad auf äuge* nehme Sßeife gebilbet ju merben (f. Sieben 3. ©eorg Sacobi’S, Bon einem feiner greunbe. 3ümd) 1822. ©. 65 f.). Oag @ried)ifd)e fd)eint nirgenbS 31 t Boßerer ©eltung gelangt ju fein. Oie beutfdje ©prad)e blieb oernad)Iäßigt. @efd)id)te ttnb ©eographie mürben aig bloßeg @ebäd)tnigmerf bepanbelt. ©eometrie unb Algebra fanben feine Anmenbtutg auf bag Sieben. Gsrfreulidjer fal) eg auf bem ©ebiete beg 33otfgfd)ulmefenS aug. 3ofeph moßte, ganj im ©eifte feiner SNutter, baß ber Unterridjt iu Orioiaß unb Normaß fdjuten möglidjft jugänglid) gemadjt merbe unb jebermann ©elegenljeit erhalte, feine fiinber menigfteng im Siefen unb Schreiben unterrichten ju laffen. @r Berorbnete bem= gemäß, baß bei jeber -ßfarre ober SiocaßÄaplanei, fomie an Orten, mo im Umfreife einer i)alben ©tunbe 90—100 fdjulpflidjtige Slinber maren, ein ©djulnteifter angefteflt unb biefem für 50 Stinber über bie Normaljal)! ein ©epülfe beigegeben merben foße. 5ür ben Siefyrer mürben 130 fl. fäprlid) unb bie Sinfünfte beg SNeßnerbienfteg, für 800 Sofcpij n. einen ©elfülfen 70 ft. beftimmt. 3eber Selfrer foHte ben ißräparanbencurfus an einer 9?crmalfd)ule burtuiadjen nnb eine orbentlid)e Prüfung hefteten, bann aber Dem ÄreiSamte fein 21nfteHungSbecret erhalten nnb nur unter ©enehmigung ber Sanbes» fteffen born ©ienfte entfernt werben. ®a ber Unterricht wo mijglidf audj auf beut Sanbe in beutfdjer ©pradfe erteilt Werben feilte, fo würbe bie Erwartung auSgefprodjen, baß man nur folcffe Se^rer anftetCen würbe, Weld)e btefer©pradje mäd}tig wären. ©er Pfarrer, weiter beu 3ieIigionSunterrid)t gu leiten hatte, unb ber DrtSriditer feilten barauf feigen, baß alle Änaben bon 6—12 3 al)ren, nötigenfalls mit SlnWenbung eon 3wang8mitteln gegen bie Kltern, bie ©dfule befudften. gür bie SrWatfenen erftrebte man fperfteüung eines 2öieberl)oIuugSunterrid)tS an ©onn= unb geiertagen. 3u jeber fpaitpt», ÄreiS» unb feniglidjen Stabt, in jebem pribilegirten SDiarltfleden, in allen SDlunicipalftäbten foHten Sftorutalf djulen befielen, in ben ^auptftabten mit allen Klaffen beS 9Jormalunterrid)tS. 3m 3. 1787 würben bei ben ÄreiSänttern ©d)ul= auffeljer angefteUt, Weldje bie ©djulen befudjen, ben Prüfungen beiwohnen, borljanbene SBebürfuiffe warne^men, SBerbefferungen borfdflagen feilten. Sie würben auf 33orfd)lag beS Dberfd)uIauffeI;erS beS eingelncn SanbeS ernannt. — ©ie SBeljIttjateu biefer Kin= ridjtuugen würben halb aud) een ben SHaffen entpfunben, bie 3 ai ©dfullinber wud)S in erfreulidffter SEBeife, wenigftend in ben beutfdj=flabifdjen Säubern, am merlbar» ften in Sühnten, SOfätjren unb ©dfleften, obwohl aut Ijier not gar mattdjeS mangelhaft blieb. 3n Seemen fefete Sinbermann (oon ©tulftein, f.b.Slrt.) feine oerbienfteoHe £l;ätigteit nod) fort, unb eS gelangten Ijier oor allem bie Snbuftrial» unb 21 r= beitsfd}itlen gu fdiönem ©ebeiljen: fic lehrten Dbft» unb ©arteubau, ©eiben» unb Sienengudft, 2ßoH= unb glad) 8 fpiunerei. gür 2Jfähren unb ©tieften War Sgnag Sftehoffer als Dberfdfulauffeher in erfolgreidffter ©ljatigfeit, fo baß bie 3 a hl ber ©dfiiler, weldfe im 3. 1775 lauut 10,000 betragen hatte, im 3. 1786 fdjon 67,876 betrug. — gür bie iOfethobi! beS 93oIf8fdjuIunterridjt8 waren unter St'aifer 3ofeph be» fouberS gwei Scanner tätig: Sofeph Slnton ©all, 1780 ben ber Pfarre Surgfdfleinih als Dberauffeljer ber bentfdjen ©dfulen nat Sßien berufen, unb Sofeph ©peitbou, ber 1782 in allen hier Klaffen ber SBiener 9?orntalfd)ule als Äatedjet eintrat unb ben Unterricht ber ©eiftlidjen im Äatedjifiren übernahm. ©urd) ©ad würbe bie bisherige giemlid? medjanifdje SDiethobe befeitigt unb bie Kinführung ber fofratifdjen Sehrart be= trieben, wie berfelbe aud) baS Äopfredjnen, baS Sefen mit Serftanb, einen angemeffenern 9leIigiondunterrid)t, beffere ©d)ulbüdier einjuführen ftrebte. ©penbou würbe 1785 33ice= birector beS Söicner ©eneral=©eminar 8 , wo er fatedjetifte Sorlefungen hielt, an benen 2 ober 3 3üglinge aus alten ®eneral=©eminarien teilgunehmen halten. 2118 Äatechet berfudjte er audj eine milbere ©d)nlgud)t gu erWeden unb bie lörßerlidfen 3äd)tigungen gu berbannen. Diatbem ©alt Sifdjof bon Sing geworben War (1788), trat ©penbou als JDberauffetyer ber beutften ©dmlen ein, er blieb eS bis gum 3. 1816. ©ie ebaugclifdjen ©djitlcn, welche burd) Sofe^h 0 ©olerangebict möglid; würben, waren ben allgemeinen SBorfdjriften unterworfen. 3hre Selber hatten einen KurfuS an einer DJormalfdiule gu abfoloiren nnb bie gewöhnlid)en Prüfungen gu beftel;en; ebenfo hatten bie ÜDirectoren ber Diormalfdjulen bie Snfpection über ben Unterritt im Sefen, ©djreiben unb 9fed)nett an biefeit Slnftalten. Dinr ber 9ieIigionSuntcrritt ftanb unter ber 31uffid)t ber govoteftantifchen Koufiftorien. — 31ud) bie 3uben gelangten felgt gu eigenen ©djulen. gür bie beutfdfen unb ungarifdjen Snfanterieregimenter errichtete ber Äaifer 1782 2KiIitär=Äuaben = ®rgiehun 0 Shäufer. 3n benfelben füllten fe 48 fiitabeit bom 6—18. Satire erhalten werben, um in ben öffentlichen ©dmlen beit 9 iormaIunterrid}t, im fpaufe aber bie üntermcifung in beu ©egenftanben unb Hebungen beS foIbatift e a Berufes gu empfangen. §3emerfen$werth finb bie Slnorbnungeit über ©tipenbien unb ©d) ul gelb er. ©er Äaifer wollte, baß befonberS begabte unb fleißige ©d)üler bon ben ©ribialftulen 801 Sofepfj II. an auf aßen ©titfen bed Unterridjtd, in 9Jcrmatfd)ulen, ©pmuafien unb Ijel^cvn Sepr» anftalten bttrdj ©tipeubien erhalten unb bamit and) bie ©erittgften im Solle in beit ©taub gefegt »erben foßteit, ju I;öljerer Silbttng unb eiitflußreidieren Sebeudfteßuugen fid> empoi^uarbeiten. Oie ©elbmittel 311 foldjen Uuterftüpungeit faßten tpeild attd beit Stiftungen für ©tubirenbe gettontiiten, tpeild burd) bie ©djttlgelber, »eldie inan an ©tjiitnafieit, Spceen unb Unioerfitäten einffiprte, befdiafft »erben. Sei biefev (äiiifüpruug oon ©cpulgelberu »ar afierbingd eine Dlebenabfidß and) bie, ltttnber Sefäpigte non ben ©tubien fern 51 t galten. fpier gieng nun aber bie SBirf'ung »eiter ald bie Slbficpt. Oenu obgleid) bie ©djulgelberfäpe nod) jienttid) mäßig waren (für bie ©pmnafien jäprlicp 12 fl., für bie Spceen 18 fl., für bie Uniberfitäten 30 fl.), fc trugen fie bed) mepr ald irgenb et»ad anbered bagit bei, bie 3“pl ber 3ögliuge in beit poperu 5lnftalten auf eine beuurupigenbe 9lrt jn berntinberu, »edpalb fd)on nad) 3 »et Sauren non ben ©d)it(= gelbem »ieber abgefepen »erben mußte*), ©onft »irften 3111 : Sertitinberung ber ©tu= birenben bie Slufpebung Dieter Älofter mit ipren ©entinarien, bie ftrcngeren gorberungen bei ber Slufnapme unb ben ^Prüfungen, bie Serminberung ber 2 ludfid)ten bei ber Unterbringung fo Dieter and ipren Slfplen oerbrängteu Drbeitdmitglieber, bie 35 erb eff e r 1111 g ber beutfcpeit ©djulen tc. 9lber aud) anbere unerfrettlid)e geigen fall ber Äaifcr rafdj peroertreten, unb ge= rabe bei beitt püpern llnterridjt. Oerfelbe erfdjien faft burcpaitd tnedjanifd) uttb geift= lod. Unb »ie tjötte bied attberd tomtnen, Wie patte bied oerpütet »erben föitncn, ba ben Sepreuben febe freiere Seloegung oerfagt unb aßed ©tubiuut für praftifd)e 3 »ecfe unb möglidjft rafdied Slbarbeiteit ber oergefdjriebenen i)3enfa eingeridßet »ar! 9?ad> einer Verfügung Dom 20. Santtar 1783 faßte cd feinem fprofeffor erlaubt fein, an beit Dorgefdjriebenen Seprbüdfern bad ©eringfte absitänbern ober ^injitjufe^en, opne @e= nepmigung ber ©tubien^ofcoinmiffien. 3Bie nun fd) 01 t bied ju einer ganj äußerlidien Sepanblung ber »iffenfcpaftlidjen Objecte fiteren mußte, fo biente bad einfeitige £>er= »ergeben bed ißraftif^eu unb unmittelbar 9?itplid)en 51 t leiditfinuiger Sernadßäßigttng aßer entfteren Opeoric, aller piftorifepen uttb ppilofof>pifd)en ©runblagen. Oie 2Bif= fenfcpaften eilten einem argen Serfaße entgegen. Sofepp felbft bemerfte mit tiefem 9Jtid= faßen, baß and} in SBien fo »enig Sebeutettbed gebrudt erfdjien. Sßan blieb in ber Opat itod) tjinter beut jttrücf, »ad bie Sefuiten geleiftet patten. @d palf ber SBiffenfdjaft and) niept auf, baß utandje ber Seprenben in eitler ©elbftgefäßigfeit ober übertreibenber Siebebienerei ald Stuftlärer fidj breit madjten unb aßent fßofitiüen, junätpft auf bem ©ebiete ber Sirdje, ben Ärieg erflärten. 9lld nun, ittt 3itfammenpange mit ben rebolutionären Sr= fepiitterungen im fffieften, and; ftaatdgefaprlidje Regungen fiep anfiinbigten unb and ben $rooinjen bie Älagen über fd)led}ten llnterridpt immer aßgemeiner unb lauter »urben, ber ©tubieubirector feinte aber ed unternommen patte, ben ftaifer in einem ißro= memoria auf bie Serberbnid unb Unpaltbarfeit ber neuen ©tubteneinrilptitngen auf= merffam ju madjen, ba fonnte biefer felbft über ben Stanb ber Oinge fidj nidjt länger taufdien. 3n einer Sntfdiließung bont 9. gebruar 1790 erftärte ber pod)perjige gürft, ber ja ringd um fiep feine ©djopfungen äufaminenfinfeit fap, ©itflidjfeit unb Üleligion pabe einer fribolen Seicptfertigfeit fßlap gemad)t, bie Sßiffenfdjaft fei 31 t bloßem @e= bädßnidtoerfe geworben, ja fo »eit fei ed fepen gefomntett, baß einfiditdboße Sltern ed für fßfliept gepalten, ipre ©öpne bem öffentlidjen Uuterrid)te 31 t ent 3 iepen. @r beauftragte baper aud), mit Uebergepttng batt ©»ietend, ben oberften Äan 3 ler ©rafen Äolowrat mit ber ^Berufung einer befonbern Gonintiffion 31 t fdjleunigfter Slenberitug ber Seprfpfteme aßer püperen ©titbien, fo baß fdjon ittt midjften ©titbienjapre bie fttefultate iprer Se= *) ®ie ©dpule ber Seiiebictiner ju (äpingen a. b. 2). patte in biefeit j»ei Sapren bie 3 fl pl bev ©djüter bon 70 auf 26 perabftnfen fepen. Os »alb, @eftp. ber lateiu. fepratiftalt jtt ßpingen (6. 1858) ©. 20. ©oltper Seifpiele aber ließen fiep biete geben, uimjfioräiic. in. 51 802 gofcpij n. 3ugcnbtectüre, Sugcnbliteratur. rathungeit angeWanbt werben fonuteit. Der oon allen (Seiten bebrangte, in ben fd)ön= ften ^»Öffnungen bitter getaufte Äaifer War fdjoit tobtfranf, als er biefe 3tnorbnung traf; wenige Sage nad)l)er — am 20. Februar — ftarb er. Sdjon am 13. 21pril beSfelben 3al)«S fefcte fein Nachfolger Seopolb II. eine eigene Stubien=@inrid)tuugS»®ommiffion ein unter bem Borfifce beS StaatSratIjS fjrei^errn »on SDfartiui, ber gwar felbft ben bisherigen Begebungen feljr nabe gewefen War, aber eS recht wobl berftanb, burdj finge Berücffidjtigung ber Berljältniffe unb fd>onenbereö Auftreten gang erträglidje 2luSgleid)ungen angubal)nen. ®r felbft erhielt ben Auftrag, einen neuen Stubieuplan auSguarbeiten. Die bisherige ©tubien = §ofcommiffion feilte bie laufenbeu ©efdiäfte f ortf ühren; als aber iljr ißräfibent »au Swieten ber neuen Drganifation §inberniffe gu bereiten fd)ien, würbe fie am 1. Sanuar 1792 aufgelöst. Damit fiel aud) ber entfebiebenfte Vertreter ber 3ofepl)inifd)en ©ebanfen auf bem ©e= biete beS SdjulWefenS. Die 9iiidfd)ritte, weiche nadlet bie Scheu oor bem burd) Europa ftiirmenben ©eifte ber Nebolution aud; im Sdfulwefen gu machen gebet, b^en bie SSeftrebungen ber Sofepljinifdjen ßeit, bie bod) in ntaunigfad)er 3Seife fortwirften, oberfläd)lid)eren SSeurtbeiiern als burdjauS preiswürbig erfdjeinen laffeu, weil fie, bie großen unb I)u= manen Sbeen, aus benen fie h^borgiengen, allein beadjtenb, bie großen Niängel ber Sluöfüljrung itberfaben. 3Die ßeitgenoffen, fo gern fie 3ofepI)S ©efümung anerfanntert unb feine Berbienfte erbeben, b a &en bie ©ebredfen ber neuen Sd)uleinrid)tungen gum Dl)ril fdjon fiar genug eingefel)en unb, noch el)e ber Äaifer felbft einienfte, offen begeidjnet (Nef cwi(3). Die umfaffenbften unb guberläßigften Belehrungen über 3ofepl)S Schulreformen, unb befonberS über bie wol)lthätigften berfeiben, wirb uns ber gweite Banb beS SßerfeS non b. ipeifert „Die öfterreid)ifd)e BolfSjd)uIe" bringen. Biel ©uteS enthält aud) baS SSudj beS überaus fleißigen b’Sloert, @efd)id)te ber Stubien, Sd)ulen unb ®r= giel)ungSanftalten in 9)ial)ren unb öfterr. Sd)iefien. Brünn 1857. Die fonft fo ber» bienjtlidjen SBerfe bon ft. Sdjmibt, ©efd). ber ißäbagogif, 33b. 3, unb Seppe, ©efdj. beS beutfd)en BoIfSfdjulwefenS, Sb. 1, bieten über 3ofepl) II. nur bereingclte Sfotigen. Eine wahrhaft befriebigeube Biographie beS ftaiferS, wie wir fie über feine große SJfutter bon 2lbaiu ißfaff erhalten l)äben (Defterreid) unter äftaria SSbei’efia. 3öien 1855, wo aud) über baS Sd)ulwefeu fel)r Brauchbares), fehlt uns leiber nod) immer, unb uieHeid)t ift aud) bie 3 e it gu einer gang unbefangenen SBiirbigung feiner Beftre» bungeit erft bann gefommen, wenn Defterreid) auS ber ftrifiS, in ber eS jetjt fid) be= finbet, gu freierer Entwicfelung fid) Wirb emporgearbeitet habe«- .Summet. Sugcu&frcillt&fdjaft, f. greuubfdjaft. Sligeilblcctiirc, Sugcnblitcriltlir. Die Sugenbliteratur erfdjeint ihrem natürlich» ften Urfprunge nad) als eine Stetloertretung ber münblidjeu Unterhaltung, mit welcher iit fd)riftiofeit feiten bie Srwadjfenen auS bem Sd)a(je eigener Erfahrung ober über» fouimener Drabition bie 3ugenb gu erheitern unb gugieid) gu belehren pflegten, unb ift il)rem Snljalte nad) theilS bie fd)riftmäßige fold)er Ueberlieferung, tl)eilS eine 21uSWahl unb Bearbeitung nationaler SiteraturWerlc, tl)eilS enblid) ein eigenS für bie Sugenb ergeugteS Sd)riftwefen. 3nbeS lommt ber 3ugenb auch ein unmittelbarer 3ln= theil an bem Sd)riftfd)a(5e ber ®rwad)fenen gu, unb eine Unterfudjuug über bie päbago» gifd)e 33ebeutung ber Sugenblectiire ift bal)er auf ein Weiteres ©ebiet als baS ber Sugenbliteratur gewiefen. 3lm unfidjerfteu aber würbe eS fein, Wenn eine fold)e Unterfud)ung nur unfer mobenteS 3ugenbfd)riftwefen gur ©runblage nehmen Wollte; beim eben biefeS erfdjeint fo unpäbagogtfd) unb charalterloS, baß in ihm für eine wiffen» fdjaftlidje Betradjtung tauut gureicheube SlnlniipfungSpuucte unb felbft für eine ®rWa= gung ber praftifdjen BSirfung wenig mehr als negatibe Nefultate gefunben Werben fön» neu. ®S wirb bal)er ein Nü. Sotowiq, ber poetifd)e Orient (2. 2tu8g. 1856), @. 1 ff.—2) gür Sttbien: Sohlen, bas atte Snbien II. 386 ff. 590. — 9t of eit fr ans, .£>anbBuch ber aügem. ©efchtcf)te ber (ßoefie I. 72. — ©erbinuS, ©efch. ber bentfcheit Dichtung, 4. Stuft. II. 145. — ©raffe, 2iteraturgefcf)ichte, 2. a. A. ©. 445 ff. — Sliap OJtiitter, (pitopabefa, jum erften* mat ins Seutfcf)e iiberfept (1844). — Dttrfcb, Cpitopabcfa, bie ättefte praft. tfSäbagogif (1853). — Ser föitopabefa würbe herausgegeben bott ©arep (©erantpur 1804), §antitton (Sonbon 1810), bott 2(. SB. bon @d)teget unb ©I)r. Saffeu (1829 unb 1831), überfept bon SBitfinS (Sonbott 1787) unb SB. Sones (1799). — 3) gitr ©riedhentanb: Sernharbp, gried). Siteraturgefcp. — Kraufe, @efd)id)te ber ©rjiehuitg bei ben ©riechen. — ©rauert, de Aesop. p. 80 ff. — Sacobs, griech. Stumentcfe. XII. @. 219. — Kapp, iptato’S ©rjiehungstehre. — 4) gilt 9tom: ©ranter, ©efehiebte ber ©rgiehuttg I. unb II. — 5) Ueberbaupt (für l. 2. 3. unb 4.) ©ranter a. a. Orte, genier: Kühner, Sugeubtectüre ber SBorjeit (in ber ©itt» labuttggfdjrift ber iölufterfchute bom 3. 1858). 804 Sugeitblcctüre, gugenbtitcratur. Soll unb in bie ©d;ule, in ber eS allgemein beliebt unb gebraust mürbe. ©urd; 3u= fäfce unb Umarbeitungen unmertlid; Weiter gebilbet, trat eS nod; meit über bie ©renjen SnbienS I)inau 8 , regenerirte fidtj in beit perftfdjen gabeln beS 33ib^ai (oor 579), in bem arabifdjeit Kalila unb ©intna ( 8 . 3al;rfy.), mürbe ins £>ebräifd;e, ©prifdje, @rie= d;ifd;e unb ©itrfifd;e, Bon Sofyann Bon ßapua (1261—1278) als directormm humanae vitae inS Hateinifdje, auS biefem toieber in faft alle betannten ©pradjen Gmropa’S über= tragen unb gelangte fo enblid; (im 15. 3al;rhO aud; in ein beutfdieS giirftenhauS, in ba§ beS ©rafen (Sber^arb Bon SBürttemberg. 2Kap SDlüller gafjlt 25 Stationen auf, in beren Literatur ber £>itopabefa SBurjel gefd)lagen l)at; unb mit tteberrafd;ung finben mir, baß feine Steige aud; in unferem beutfd)en Kinber» unb Soltsbudje nod; jept fort= treiben. ®ort im inbifdjen Sud;e begegnen uns bie Originale Bieter uns mofytbefannten @efd;id;ten: Bon ben®auben, bie baS ©arn, in bem fie gefangen ftnb, oerntöge gentein= fanten SlufftugS mit fid; fortfül;ren, — Bon ber bantbaren ÜDtauS, bie iljren im Säger» garn gefangenen greunb Hörnen befreit, — Bon beut Slffen, ber ben Keil auSjie^t unb baburd) fid; felbft fängt, — Bon ben ©lüdSträumen ber grau SDtartfya, — Bon bem treuen $unbe, ber bie ©djlange ermiirgt, meldje baS Kinb feines fperrn bebropt, unb Bon biefem in blinbem ©ebreefen unb $orn getöbtet mirb, u. a. m. ©aß inbeS bie größten Sölfer beS 9lltertl;umS groß merben tonnten — ol;ne eine Äinberfc^rift, fefieu mir au @ried;enlanb unb Diom. 3) Son jener Kinberpoefie ber ©riedien, bie aus fnmmenben SBiegenliebern fpratf;, Bon ben Slmmenfagen Bon Hamia, SDtormo unb allerlei frauenhaften unb ge» fpenftifdjen SDtärdjen, bie nod; fpät in ben libpfdjen @efd;id;ten bie Kinber mit flauer» lidtjer greube erfüllten, ift nnS menig mehr als ber Stame geblieben, (©rauert, p. 80, 93ernl)arbi, I. 53, 58.) 2lber bie unoergänglidje Sugcnbfdjrift ber Seltenen marmorner, ber „baS Knabenalter in bie Slemente ber Humanität einfül;rte“ (Plato, Legg. II. 658. D.) unb felbft itad) Sljrifto nod;, als „Stnfang, SDtitte unb Snbe, als Sud; beS Knaben, SDtanneS unb ©reifes“ gepriefen mürbe. (Dio Chrys. Or. 18. p. 478.) ®ie homerifd;e SBelt, in meldjer bie erl;abenften ©ebanten unb bie größten (»Erinnerungen beS SoIteS fid; Berförperten unb beS SolteS ©itte unb ©imt fid; fpiegelte, mußte mit itirer 2Bal;rl;eit unb Slnmutt; eine tiefgel;enbe päbagogifd;e SBirfung auf bie Sugenb üben, .jpomer, ben ber Knabe aud; in ber, ©d;itle mieber fanb, mürbe aber nicht nur gelefen, fonbern aud; gelernt, fo baß mot;lerjogene 3 ünglinge, mie man behauptet, bie ganje 3liaS unb Dbpffee auSmenbig mußten. — 2lud;$efiobS ffierte (befonberS feine ®rga) mürben ber Sugenb jugänglid; gemad;t. Unb neben ben epifdjen ©idjtungen fprad; ber fangeSreidje ÜDhtnb beS SolteS 31 t ihr. ©ie Sieber beS ©prtäuS, ben bie ©par» tancr ben SBefsftein ber ©eele beS SitnglingS nannten, mürben bereits in alter $eit Bon ber Sugenb gelernt; — in ©parta lange Bon Sftunb 31 t ÜDlunb, in 21tf)en BieHeid;t fd;on frühe in Hefefdjulen. ©eS ©olon gnomifdje @ebid;te mürben an ben @ötter= feften Bon ben Knaben gefungen (Ißlat. ©int. p. 21. B.) unb aud; beS ©imonibeS oon KeoS Sieber für geeignet gehalten, Bon Knaben unb Sünglingen auSmenbig gelernt unb gefungen ju merben. — SJod; mandje anbere ®id;ter, bie mir ben bibattifdjen ju= fahlen, 5 . S. Ißh c ^h0be8, mögen auf bie Sugenb gemirft, bie ©ramatifer bagegen erft mit (SuripibeS einen ßinfluß auf fie gemonneit hüben, unb jrnar bergeftalt, baß 2lriftopl;ancS Hagen mußte, baS cutfittlid;te ©l; cater ßi ein fpauptgrunb ber ©itten= lofigfeit ber Sugenb. (gröfdje 1053, 870, 1040. SBolten 1350.) 9?ur eine einzige ©d;rift finben mir, bie auSbrücflid; baS, freilid; gereifte, Sugenbalter im Stuge gehabt 3 U l;aben fd;eint: beS ©1; ecgniS Ißaränefen, bie au einen il;ut theuern Sitngling (KprnoS) gerid;tet finb. — ®ie 2 lefop’fd;en gabeln bienten moI;l als ©d;ulbuch, aber fdjmerlid; 31 t einer freien Seetüre ber Sugenb. ©ie (Spropabie aber, bie man auf ben erften 2lnblid für eine 3ugenbfd;rift holten fönnte, fd;eint ber griechifd;en Sugenb überhaupt 3 iemlid; fremb geblieben 311 fein, maS ficfi anS ber ariftcfratifd)=monardjifd;en SOenbeug ber ©djrift unb ihrem frcmblanbifd;en (inbifd;en) Urfprung moI;I erllären läßt, lieber» gugenblectüre, gugcnbtiteratur. 805 bieS fdjeint bie ©efdjicpte, wenigftenS bis auf beS SlriftoteleS 3 e ‘P f“ r bieSugenbbilbung faft unbeadjtet geblieben gu fein. Sie Speitnapme ber 3ugenb an ber Seetüre beS 23olfeS blieb inbeS nic^t gang unoerfürgt unb unbeftritten. ©d;ott in Sparta patte ber ))3äbonomoS 31 t beftimmen, melcpe Sieben unb gabeln bie Änaben pören feilten, unb bei ben Souiern wollten (fdjon oor beS ©ofrateS 3^it) mandje Seprer ben feiner unb anbere Supter nidjt unbefepranft lefen taffen (Aristot. Polit. VII. 15. 5.). 2lber erft als mit ber 23erfeinerung ber Sioitifation unb ber gunepmenben ©ittenoerberbuis and) in ber Sugenb ber finblidpe ©inn, ber bie naefte 9fatürtid;feit ber pettenifdjen jßoefie parmtoS pinnapm, utepr unb mepr oerloren gieng, badjte man an eine umfaffenbere Senfur, unb iß lato gab ein» gepenbe SSorfcpriften über SluStoapl ber ffiuberunterpattung unb Sugenblectüre. 3n feinem 3bealftaate werben ben SBärterinnen bie Kärd;en unb Sieben öorgefeprieben, bie fie ipren kleinen ergäpten feilen, unb wirb babei alles auSgefdjloffen, waS SSorftelfungen einprägen fönnte, bereu ber SrWad;fene fid) wieber entfdjtagen müßte. SDfptpen Don Göttern unb [peroen Werben oerWorfen, wenn fie nid)t als ©ittenmufter bienen fönnen. Siipter unb Siebner follen oor allen Singen ben SBertp ber ©eredjtigfeit unb ber Sugenb lehren, aber fie empfehlen opne alle SSerpeißung äußeren ©ewiitueS. Kit bem eilften Sapre fofl geregelte Seetüre eintreten, aber and; biefe in gewiffenpafter SluSWapl. ©elbft ben §omer, ebfdjon er ipm ben Siußm beS größten Sid;terS unb Sragiferö 3 m geftept, fo Wie ben fpefiob, [teilt ißlato unter Senfur, weit fie fo niete obfcöne unb naturwibrige Singe ergäpften, bie man 'unmiinbigen unb jungen Seuten mepr als irgenb etwas oerfdpweigett müße. Sen ftrengen, wenn aud) minber anmutpigen gabelbicpter, ber gu ben norgefdjriebeuen ©efepen ftimrnt, will er bem geübteften unb gewanbteften Sidjter üorgegogen wiffeit unb bie gefeplicp erlaubten ©ebiepte nur non Könnern oer= faffen taffen, bie ntinbeftenS 50 Satire alt finb unb nkpt nur bie Sicptfunft 3 U üben vermögen, fottbern [elbft fdjon mand)e fepöne unb rütjmlidje Spat üoHbrad;t paben (ißolit. X. 606. e. 607. a. unb 598 d. e.). ißlato’S Speorie ßinberte übrigens nitpt, baß 2Iri[toteleS gWar bie Slmmenmördpen ebenfalls unter bie ßenfur beS tßöbonomen [teilte, ben [pomer aber WenigftenS feinem föniglicpen Bögling unbebenflid; in bie £>anbe gab. 4) SaS röinifcpe SBolt befaß feinen ferner. ©eine @efd;id;te war feine ißoefie unb eine Seprerin ber 3ugenb. Ser ernfte ßato pflegte feinem fleinen KarcuS, bie Kutter ber ©raccpen ipren ©öpnen oon beS SJoIfeS alten Ipelbem unb 33iirgertugenben 31 t ergäplen. Unb biefe Sugenbeit fepeinen überpaupt ber ©egenftanb gewefen gu fein, »on benen oor allem ber Kttnb beS S3aterS unb ber -Kutter am [litten beerbe bie Äinber unterpielt. Slußerbem näprten Sieber, bie gum Sobe ber großen Könner ber Sorgeit Bon ben beften ber Knaben bei ©aftmäplern gefungen würben (Cic. Tusc. I. 2. Brut. XIX. 70.), gnontologifdje Sammlungen, auS benen bie Knaben lafen unb lernten, unb bie „Sltetlanen“, oon freien 3 ünglingen aufgefüprt, ben öaterlänbifdjen ©inn ber Sugenb. Gcrft bie [teigenbe ©ultur oerfcpaffte aud; ben Sitptern Eingang. Konter unb ®irgil (in ber Äaifergeit baS SieblingSbud; beS SSolfeS) würben ©cpulbüd;er, unb leptereS laS bie Sugenb gewiß aud) aus freier Siebe. — Kit bem SSerfalt ber alten Stömertugeub fd)Wanb inbeS aud; bei ber römifdjen Sugenb ber parmtofe ©inn, ber aus ben Slüten ber Sidjtung nur ben fponigfeim faugt. Quitte tili an (X. I.) fattb eine [trenge SluSwapI unb Weife 23efd)ränfung ber Seetüre nötpig, befonberS bei ben Sragi= . fern unb bei tporag; er warnte ebenfowopl oor oeralteten ©cpriftftetlern, burdj Weldte bie Snaben [teif unb nüd;tern würben, als oor blumenreiepen Kobefcpriftftellern, bie gar gu leidjt einen gauberpaften unb oerWeidjlicpenben Gtinfluß auf baS jugenblicpe @e= mütp übten, unb empfieplt bagegen bie bibaftifepe Sicptung, namentlid; bie Slefop’ftpen fabeln. (V. 11 .) @r unb Sucian oerlangten bie SJücffepr gur Seetüre ber @efd)id;te, unb ißliniuS (ep. YII. 9.) mapnte inSbefonbere, baß niept vielerlei, fonbern Otel gelefen werben müße. Slucp oon Sicero, ©eneca unb gang befonberS oon ißlu= tard; (de audiendis poetis) würbe bie Seetüre ber Sugenb als eine Stngelegenpeit ber 80G gugenbleetüre, Sugenbtiteratur. 9 f ?ationaltoo^lfaf)rt mit hohem fittlidjen (Srnfte unb mit 6ead;tensmerther (Sinfidjt beraten. ®od; nod; gu Sudans aufgeflarter 3eit h atte man gu Hagen, baß bie Sinber mit un= gereimten unb fdjauerlidjeit ÜJiardjen unterhalten mürben, unb hielt eS für nothmenbig, ben ÜBärterinnen bie Sieber »orgufdjreiben, mit benen fie ihre kleinen einlullen fottten. 2lud; bei beit Dömern finben mir übrigens nicht ein Sud;, baS eigens für Sinberlectüre beftimmt gemefen märe; auch bei ihnen bertrat ber (Eltern* unb SoIfSntunb unb in fpäterer 3 e 't kie SolfSfdjrift bie ©teile ber 3ugenbfd;rift. B. ®ie d;riftlid;e 3eit bor Eintritt ber ntobernen 3ug enbliteratur.*) 2Bie bie neue (Eulturmelt, bie aus ben Krümmern ber alten herborgieng, mefentlid; auS einem fird;lid;en, clafjifdjen unb nationalen (Elemente fid; geftaltete, fo fehen mir nad; biefem breifad;en Urfprunge, namentlich in 3)eutfd;Ianb, aud; eine 3ugenbliteratur fid; entmideln. 1) ®ie Sirdje lehrte baS Sinb lefeit unb gab ihm feine Seetüre, gunädft baS Saterunfer, ben IäthoIifd;en ©lauten unb mol;! and; bie SSibel mtb aubere heilige ©djriften, meldje felbft Snaben bon 6—8 3al;ren (als Sectoren) in ben Sloftern borgu* lefen hatten. ((Sramer ©. 3. 48.) SnbeS halb begann bie Sirdje, ben (Srnft ihrer Sel;re and) mit poetifdier Slniuuth gu umfleiben. Sie Segenbe mürbe, mie in ber gangen d;riftlid;en SEBelt, fo and) in 2)eutfd;tanb ber 9D?itteIfounct ber fooetifdjen Siteratur unb Unterhaltung, brang in bie SJiaffe beS 33oIfeS unb feinen lebenbigen ©efang ein unb mußte and) ben Sinbern lieb unb geläufig merben unb gtoar fo, baß, nod; beim Slnbrudje einer neuen (Sulturepodje SRatthefiuS bon fid) fagen tonnte, er habe bon Sitgenb auf ade Segeitben unb Srigitteugebetlein burdjlefen. — 2litS biefer heiligen fßoefie festen fid; bemt and;, — freilid; erft bann, als fie gu bertitmmern anfieng, — eigene Iid;e Sinberbüdjer ab, bie, mie (EonrabS bon ©angolsheim Deimfalenber (1435), „gleidjfam fd;oit gu 233eil;nad;t5gaben beftimmt, auf eine ieid;t einpräglidje SBeife bie 3ugenb mit ben ©eiligen beS 3ahrS unb mit ben an ihre Sage gefnüpften SBetterregeln befannt machen foHten." (©erb. II. 237). — S)aß aber bie Sirdje and; nad; einem tiefer angelegten fßlatie für bie 3ugenb gu fdjreiben mußte, bemeist eine anbere Schrift, „ber ©eie Sroft", bie mahrfdjeinlid; fd;on bor 1407 entftanb (bergl. 3. ©eff len, ber SilberfatedjiSinuS beS XV. 3ahrh- I.). ®er ©toff biefer Schrift, bie als ein (Spempelbud; gu ben 10 ©eboten erfdjeint, ift nidjt allein aus Segenben, fonbern auch auS bem alten ©eftament unb anbern gehaltboden unb gunt SEheil uralten Duellen ent* uommeu unb fo unoermiiftlidjer 2Irt, baß ein SUjett beSfelben bis in unfere moberne Siteratur hinein fid; erhalten hat. ©o finben mir I;ier bie -ßarabel, bie fd;on in 23ar= laam unb im fßerfifd;en beS Dumi enthalten unb neuerbingS bon Düdert in feinem: „(SS gierig ein ffffanu im ©t;rerlanb rc." bearbeitet ift; bie auS bemSalmub entlehnte unb bon ©erber mieberergäl;lte @efd;id;te bon ber ©tabt, in ber man alle Saljre einen gremben auf ein 3ahr gumSonige mäl;tte; ben ebenfalls imfEalmub enthaltenen (EibeS* betrug; ben ©toff gu ©d;itferS gribolin mit bem ©djluffe: 9Dt;n liebes fint, baS laS bir epn lere für unb htme gern meffe, it. bgl. m. — SDiefe elfte bebeutenbe Sinberfd;rift, bon ber mir miffen, mürbe gugleid; ein Silberbud;, namlid; in fpäteren 2luSgaben (1478 unb 1483) mit 11 quartblattgroßen ©otgfd;nitten auSgejtattet, unb halb (bis 1500 erfd;ienen 10 Sluflagen) aud; ein bielbeliebteS SoIISbud;, mie beim überhaupt gu jener $dt bie 2l(ten mit ben 3ungen lafen unb baS Sud; ber (Eitern aud; ben Siubertt nid;t berfagt fein mod;te. Unter bem (Einfluffe ber Sorgfalt, meldje bon ber Deformation bem 3ugenbunter= rid;te gugemenbet mürbe, füllten aud; fßoeten fid; gebrungen gu ben Sinbern eigenS fid; herabgulaffeu. Die. ©ermann (1561) mibntete feine ©efäuge ben „allerliebften Sin* *) Duellen im allgemeinen: Kramer, ©efdj. ber Srgiebuug in ben Dtieberlanbcn. — ©erbinus, Siteraturgeicbidjte. — ©raffe, Siteraturgefcbidjte. — ©Bbete, ©rmibrifj jur ©e* febiebte ber beutfeben £icbtung ( 1859 ). — Jtiibner, Sugeublectiire ber SBorgeit. Sugcnblcctüre, 3ugenbliferatut. 807 Perlein", iubem er am ©dfluffe feiner Soattgelien begeidjnenb faßt: eS (baS ©efangbud)) if ift fein alber unb feilt fd)led)t, brunt ift eg für eud) Kinber redjt". — ©amuel jfjebel (in ©dfmeibnip) reimte bie ©ountagScoangelien (1571) für Kinber (unb für §auSoäter unb §auSgebraucp); Vartpol. Ningloalbt unb ütpomaS ipartmann (1604) fangen and; Sieber für Sinber in ber tänbelnben STiaioetät §ermaunS. Spr. Donauer (1607) bradjte fromme fpielenbc SEßiegenlieber, Sodann fpccrmann (1585 bi« 1647) ©ebete, ©prücpe unb Sieber für Kinber in immer fic^ mieberpolenben Sluflagen. 2lber alte biefe 3)id)tungeu, fomie bie Segenbe feibft, mußten fid) gurüdgiepen oor ber 5ßibel, bie, namentlid) in ®eutfd)laitb unb ben Nieberlanben, baS gamilienbudj itturbe. 2Iud) bie Silbnerei begab fid) in ipren 35ienft. 3)ie SDierian’fcpe Sibel (1630) mürbe mit Silbern, bie Nürnberger goüobibel (1641) mit ©anbrartS trefflirftcn Kupferftidjeit, ©dfulerd pl. ©djrift fogar mit 200 Tupfern gefd)inüdt. Sine fotd)e Sibel, oft ber einzige Süd)erfd)ap beS §aufeS, pflegte, ooni Vater auf ©opn unb Ghtfel fid) forterbenb, 3apr auS 3apr ein bie Silberluft ber Äinber unb baS Sebett pinbitrd) bie Sefefreube bereiten gu fein. SllS fie aber enblid) unter ben Gsiitfliiffen einer ncugeit= liepen Silbung Oom offenen SBanbfcpranf in bie Sibliotpef fid) jurütSättgicl)en begann, fepte fid) oermittelft eines fel)r natürtid)eu päbagogifd)eu -ßroceffeS aus ber Sibel and) ein eigentliches Kittberbud), bie biblifdje ©efepupte, ab. Kaum eine Kiitberfdjrift l)at eine foppe Verbreitung gefttnben, als ^jübnerS biblifd)e §ift orten mit it)ren gang unfünftlerifdjen unb bod) fo uufäglid) angiepenben Äupferftidjeir (fie erlebte ootti 3apr 1714 an 99 Slufiagen). Ser ürnifte Sauer flickte fie für feine Kinber gu erfepmingeri, unb noep lange, nadjbent Niemeper in ber greube über bie neugeitlidje Kinbcrliteratur gefagt patte, nun rnerbe bod) nientanb gunt alten ipübtter gurüdfepren mögen, Dauerte tiefer (nod) bis in ben 9lnfang biefeS SaprpitubertS pittein) auS, bis enblid) bie Silber= unb Sefelnft ber Gsnfel bie lepten Slätter beS Sud)eS gerfepte, au bern bie ©roßeitern fiep ergöpt unb erbaut patten. Nur gum ©peil Seetüre, aber in maneper £>infid)t mirffamer, als Seetüre feibft, mar baS fird)lid;e ©epaufpiel, baS toaprfd)einlid) auS bent bramatifepen Sparafter ber uralten Siturgie (im 4. 3aprp.) fid) enttoidelt patte, aümäplid) (bis gum 12. 3aprp. pin) ben gangen SapreSfreiS ber firdjlidjen gefte mit bramatifepen Sarftellungen auS ber peüigen @efd)id)te fdjmüdte, fpäter aud) meltlidje ©toffe perattgog unb in feiner SBeife eine unbefd)reiblid)e NngiepungSfraft auf baS gange Soll' übte. 3n biefent ftrd)= lidjen ©piel bienten gunäd)ft Knaben unb Sünglinge als 9lcteurS; unb oon ber Kirdje gieng baS „©piel" enblid) gang itt bie pflege ber ©(pule über. Sie ©d)ulf otnöpie blüpte (namentlid) im 16. unb 17. 3aßrßunbert) ebettfomopl als pod)ioid)tige ©en ©pradje mad)te fid) 6 atb bei ®rieb einei felbftänbigen 33 ilbung bemerfbar. Sie nntei bem 9?amen Sato betanuten tateinifdjen Siftidjen (fd)on im 4 . 3 al)rl). ermähnt) marett im 9)littelalter bad fac totum beim ©d)ulunteirid)te unb meiftend ein Sieblingdbucb and; nodj bei ®imad)fetten, unb biefent fdjloffeu anbeie gnontifcbe Sidjiungen, g. 39. bad speoulum morum (richtiger puerorum) fid) an. (3 am de, bei beutfd>e dato, 1852.) — 3n bei guten Slbfidjt, bie heilige ©pradje aud) mit l)ei(h gern, bei Sugenb l;eitfamen (Stoff 51 t erfüllen, hatte 9?odmitl)a (im 10 . 3at)il;.) %e ungel)euerlid)ett ©djaufpiele gebidjtet, unb um bem mobeinen SBefen ol)ne Sßeiluft an Satinität geredjt 31 t merben, fdjiieb Geradnutd feine Colloquia, burd) meldje bie Sfinglinge latiniores unb meliores merben foltten, — ein 39ud), bad in granfieid), ©pa= nien unb 9iont piofciibiit, Don Sutl)ei feinen Äittbein ald „fehl giftig" Deiboten, abei benttod) reißenc gelefett mürbe. — ©elbjt bei fpätei heiöoitietenbe fRealidnutd tonnte fid> uidjt aifobatb bed Sateintfdjeit entfdjlagen, fonbeiu fnüpfte (tuii eiinnera an bed 1. Someniud Orbis pictus, 1658) gunäc^ft buid) SSeuuittlnng biefei ©pradje an bad piaftifdje Sehen an. Sagegen fud)ten anbere ©djriften, mie bßetei Sanrembergd Acerra philologica (guuäd)ft 100 Sluetboten aud bei römifdjen @efd)id)te, 1637, — fpäter burd) ben 3 U M5 b01t aüertei ©dpoänfen bid auf 300 unb 700 Stüde Deimeljit), Duirdfelbd ^iftorifd;ed 9iofengebiifd) (1685) unb bie „9leue Acerra philologica" (1715) in bie @efd)id)te bed claffifcben 2lltertl)umd einguführen. Unb mieber in anbeier SBeife fuiipfte genelond Sei ent ad), „bie Sbione bei po(itifd)=bibaftifd)en Romane," feine 33elet)iung übet mobetne 33eil)ältniffe an antife 3uftänbe an unb fanb (in 130 3ludgaben) bie loeitefte Verbreitung. 3) Sie nationale 3ugenblectiire gieng Dom Volfdlieb aud. 9öii ioiffen, bafj Submig bei gromme in feiner Sugenb bie Don feinem Vater gefammelten Siebei lad unb leinte (Theganus vit. Ludov. c. 19.) unb bei große üllfreb bie alten angelfädjfifdjen Volfdtieber feine Äinbei lefeu lehrte (©eroinnd I. 65.). tleberhanpt lebten ftd) bie ©agenpoefie bed Volfed unb mit ihr aud) ntaud)e fagenl)aft geftalteten ©toffe bed claf= fifdjen Vlterthumd in bie 3ugenb ein. Umfonft marnte bie Äirdje (g. 33. in ber ®inlei= tung ju ber „©eie STioft") bie jungen Seute Der ben „33üd)ern Don Sriftant, Sietl)e= rief) Don 33ern unb ben alten Mieden", bie „ber loeilbe bienben unb nitgot." — ©l)oma= fin (im mälfdjen ©aft, 1216) fagt bagegen, bie 3ungfrauen möd)ten Don Vnbromadje l)üien, Don Snite, Dmt ißettelope unb Denoe, Don ©alien unb 33Iand)eflur; bie 3ung= benen aber feilten an Sref unb Smeht, an ©aman unb Äarl, an Slleyanber unb Sriftan 33eifpiet nehmen. 2lHe jene 9Jtärd)en unb Abenteuer fdjeinen it)m bloß für bie Sugenb gebidjtet unb für bad gereiftere 3llter Don itngulänglidjem SBertfie 31 t fein. (©eiDin I. 430.) Unb in ber Sl) at lönnte bie Siebe ttnb Sludführlicbfeit, mit meldjer Diele fotd^er Sidjtungen, (namentlid) bie aud englifdien Duellen entnommenen, fomie glor unb Söland^aflur u. a.), gerabe bie Äinbl)eitdgefd)id)te ihrer fpelben unb Jpelbiniten erzählen, auf ben ©ebanfen führen, bafj ber Siditei foldje fßartieen audbrüdlid) für bie Sugenb gefd)rieben huke* 933ie frühe unb eifrig übrigend bie Sugenb fRitterromane lad, erfährt man aud Ddfar Don SBolfenfteind Sehen (geh. 1367); unb baß felbft ber fDlinnegefang ihr feinedmegd fremb blieb, geigt bad 33eifpiel Ulridjd Don Sidjtenftein (um 1276). — 21lle biefe Sectüre überbauerten jebod) bie mirflid) Dol!dtl)ümlid)en, gum 34) c il legenbarifd) audgefd)mii(ften @efchid)ten Don DctaDian, ffortunat, bem armen fpeinrid), ben §aimondfinbern, ber fDJelufine, ©enooefa, 2 ftageIIone tc., beren lieb= lid)e, einfad)e Silber nod) je^t, felbft in abgefd)mäd)ter fform unb unter ungünftigeren ©timmungen, ihre eigentl)ümlid)e 3lngiehungd!raft auf bie Sugenb gu üben fortfahren. 2lud) bie DoUdthümtid) bibafttfe^e fßoefie bot ber Sugenb ihre ©aben. SBenn bad bebeutenbfte SBer! biefer 3lrt (ffreiban!) unb anbere bad 23olf überhaupt im 9luge hatten, ridjteten ber 233indbe!e, „einer ber tl)euerften füefte unferer ritterlid)enipoefte“ (©erDin I. 426) unb bie ihm nad)ahmenbe SBindbefin ihre Sehrgebidjte audbrüdliih 5ugenbtectüre, yugenbütcratur. 809 an bie ber 9Rännlid)feit entgegenreifenbe 3ugenb. Skater tritt (befonberS öon Suther empfohlen) aud) bie gabelbidjtung in bie Seetüre ber Sugenb ein, unb namentlich et= nefe gudjS, beffen claffifctjer Oefjatt unter ben bielfältigften Umarbeitungen baS wed)= fetnbe Sntereffe öon 3 ahrl)itnberten gu feffeln öermodjte, tourbe (in giemlidjeni 2 Biber= ftreit mit unfern Gegriffen) ber 3ugenb jugänglidj (Sutfyer laS gern auS ifjnt bei ©ifd)e oor) unb nod) lange nad) ber ^Reformation fyürf'tenföt>nen nad) ben fd)Weren ©tubien beS ©ageS (neben ©leiban unb bem fRegentenbudje) al§ Srfjolung gum Sefen gegeben. (ÜRofer, Patriot. 2lrd)ib IV. 211 . 9fuI)lopf, ®ejd)id)te ber Srgiel). in ©eutfdjlanb 406 ). Einige fabeln jener 3^, 5 - 35. beS SRattljefiuS bauern nod) in unfern Äinberbüdjern fort. —■ 2lud) nioratifdje 3ugenbfd)riften entftanben, 3 . 23. SBidramS ©abriotto unb 9feinl)arb ( 1551 ), nod; im 17 . 3al)rl). als „ber unbefonnenen Sugenb Slrgneifpiegel“ neu aufgelegt, beSfelben „ber jungen Snaben ©piegel“, 1555 (@efd)id)te jtueier l)3flege= finber, oon benen ber üiitterSfo^n entartet, ber 23auernfol;n in ®I;ren fein ©liidmadjt), unb baS ,,23ud) öon ben 7 §aupttaftern" ( 1558 ). ©er „3ugeub gum furgweiligen Unterricht“ Werben in biefen ©djriften 23eifpiele auS ber 23ibel, auS 3ofepl)uS unb antern ©cEjriftfteUern 3 U einem fo ernften ©ittenfpiegel gufanuuengeftellt, baff man ben 23erfaffer beS leichtfertigen fRoKwagen nicht Wieber erfennt (@erbin. III. 126 ). 3ur I;iftorifid)tung, bie fd)on bie @efd)id)te fpergog SrnftS (im 12 . 3al;rh-) mit SBunbern nmwob, in ben „fReifen beS SnglänberS 3Ranbeöüle" ( 1372 ) in gang Suropa Sntereffe erregte, burd) bie ©ntbeefung einer neuen äöelt immer mehr SRahrung erhielt, enblid) in ©efoe’S fRobin= fon ( 1719 ) ein äBeltbud) fdjuf unb in ber hiernach gebilbeten 3nfel gelfenburg (urfprünglid) „wunberliche gata einiger ©eefahrer“ :c. 1731 — 43 , öon ©ied erneut 1827 ) einen baS 2llter, wie bie 3itgenb feffelnben 3 au & e r üon wuuberbaren SBelten unb fdjauerlidjen Slbenteuern entfaltete. 4) (Sin Ueberbtid ber borfteljenben ©arftelhtng läßt als Wefentlid)eS (Sr= gebniS folgenbe IJJuncte fwröortreten: 3n ben naiöen 3 e it ett ber beginnenben ©ultur öertraten bie lebenbige IRebe unb ber lebenbige ©efang bie ©teile ber Äinberlectitre. 2öo aber bei fortfdjreitenber Sntwidelung bie münblidje 3D?ittI>eilung nicht mehr ge= nügte unb bod) bie IRührigteit beS prattifdjen SebenS nod) ein 23ebürfniS für Seetüre übrig ließ, ba nahm bie Sugenb 3 unäd)ft Slntheil an ber fparfant 3 ugemeffenen Seetüre ber SrWachfenen; baS Sntereffe beiber fammelte fich um baSfelbe 23ud). 3 U folc^cr Sectiire biente baS ©cfjönfte unb 23efte ber SRationalliteratur, ober wenigftenS baS, WaS ber jeittneilige @efd)mad bafür hielt, unb eben auS foldjen werthöcllen ©djäpen geftalteten fid) enblid) burd) bebadjte 2tuSWahl unb neue Raffung and) eigentliche 3ugenbfd)riften. C. Sftoberne Sugenbliteratur. a. @efd)id)tlid)e (äntwidelung. 9Rit ber gunehmenben Soderung beS fyamiltenlebenS begann bie natürlid)fte Quelle ber 3ugenbunterl)altung, bie ©rgähtung ber ÜRütter unb Säter, immer mehr gu öerfiegen unb auch bie ©emeinfamfeit ber Seetüre beS 2llterS unb ber 3ugenb fid) gu löfen. SRur ©ellertS liebenSwürbige gabeln, Dielleicht aud) bie öon Sidjtwer unb fßfeffel unb bgl., bie 3nfel getfenburg unb 23üd)er wie S5uni)an8 ^ßilgerreife, bilbeten noch ben ©egenftanb eines genteinfamen 3ntereffeS. ©ie 3ugenbliteratur felbft aber öerfiet gugleid) mit Der fRationalliteratur unter bem (Sinfluß beS öerberbten ©efcpmadS unb ber gunehmenben ®harafterlofigteit ber 3 ^ 1 - f° baß ber Sugenb jener 3 e '0 naen 9tul;m, mie fein Äinberfreunb. SDurd; ihn mürbe er junt „üDtanne ber Nation". 33i8 1785 mareit fünf rechtmäßige Auflagen unb baneben burd; 9tad;brucf in Deftereid; allem 15000 Spemplare oerbreitet; oon allen ©eiten unb auS allen ©tänben erhielt er 33e= meife ber üDanfbarleit; dürften fd;rieben an il;n unb baten um gortfefcmtg; auS ent= fernten ©egenben menbete man fid; an ihn, mit ber Sitte um Hauslehrer, ©ein Äin= berfreunb mürbe baS SieblingSbud; einer ganjen ©eneration. Srft nach SBeiße’S Job (1804) burfte Stiemeper, obfdjon er nod; immer „bem Veteranen unter ben beutfchen Äinberfreunben ben meploerbienten Sprenfranj" sufprid;t, eS magen, menigftenS „9)tiS= griffe in ber Sßapl, päbagogifdje Snconfequenj unb ben oft oerfehlten, felbft nicht ebel genug gehaltenen Äinberton" ju rügen, itnb bod; ift bie ganje SBelt ber mohl erjo» genen unb frifirten fperrdjen unb 5)amd;en bees SBeiße’fdjen ÄinberfreunbeS eine un= mahre unb finbifdje. SDie erbetene gortfehung j^eS SinberfremtbS aber, „ber Sriefmedjfel ber gantilie p e § ÄiuberfreunbeS" (12 Sbe. 1783—92) fanb fdjon ju jener $eit meniger Popularität. 9tod; unbebeutenber maren bie 9tad;apmungen, bie, mie j. 33. im &inber= freunb oon SDterlel unb Sngelparbt, halb in Sftenge t^roortraten. 3nbeS ift bei äßeiße unb oielen feiner 9tad;al;mer menigftenS nod; ein fdjmacper 3ufammenhang mit ber früheren Sugenbliteratur fidjtbar. 3)aS alte firdjlicpe ©piel unb bie ©djulfomöbie fanben hier eine, freilid; carrtfirte gortfefsung im Äinberfd;au= fpiel. 9tad;bent @. 91. ißfeffel fd;on 1769 bramatifcpe Äinterfpiele, 3. 3. Sobnter 1773 ein Erauerfpiel für bie blühenbe Sugenb (bergußfall üor bem Sruber) gefd;rieben l;atte, brad; mit bem 3ahre 1776 eine ganje glut oon fo!d;en ©fielen herein, ©elbft 3. @. ©chummel (ber Seprer), ber noch 1773 eine ©djulfomöbie in früherem ©tile (ber HBürgfrämer unb fein ©ohn) oerfaßt hatte, ließ 1776—77 brei Sänbe „Äinberfpiele unb ©efprädje" auSgehen, unb menbete erft fpäter (1779 in feinem ©ßigbart) fid; mit fdjarfer ©atire gegen bie Safebom’fche ©d;ute. fiteben unb nach ^ ra erfd;ienen bie Äinberfd;au}ßiele oon 31. 9tod, fDtoiffh (beutfd; unter bem Stitel: „©piele ber fteinen Thalia' 1 ), 3. §. 9?öbing (3 Sbe., barunter „ein ©piel für Heine ©djßnen"), oon einem Ungenannten (13 93be.), oon ®aoib 3ani, 21. 9tobe, bem SDtinifter oon S£rütfd;Ier (4 Sbe.), 31. o. SBittenberg (Shcater, jum ©ebrauch junger SJtannS* perfonen, nad; bem granjöfifchen ber ©räfin oon ©enliS, 2 Sbe.), üon 8. 21. © . . . (Äinberftfmufßiele mit ©efängen), oon Söper unb 3. g. ©chinf, oon 3. @. Seigel, gugenblectürc, 3ugenblitcratur. 811 ©. Ä. SlaubiitS, S. 8 . ©artoriuS (3 39be.), 31. SB. SSaberö, 33. ©. D. Voller, 3, 5K. Ulrmbrnjter, — alle in bet ßd* Don 1776 — 97. Siefe Äinberfdjaufpiele, jum ®h e 'l oon barnalS vdo1;I angefeheneit Siteraten gefdjrieben, waren ein fpredjenbeg 3 eic^en ebenfowohl oon bet bis in ben ©djoß bet gantilien eingebrungenen Realer* liebbaberei, wie oon ben päbagogifdjen Spperimenten jener 3^it. ®ie nteiften jielen auf 9tebegeWanb%it, ßüfifdje ©itte, ®ournüre unb ©ittenbiibung ber Äinberwelt, aber bie 2lu§fd)ließuug aller männlid)en SDiotiüe unb bie „93efd)ränlung auf eine in lauter ©üte unb Siebreidjßeit unnatürlidjen ÄinberWelt madjen biefe tleinen ©tücfe entweber langweilig für Äiuber ober ju unwittlürtidjen ©atiren auf bie ^äbagoßifd)=)p^itantl;ro= pifcßen SSerfaffer" (©öbele 1095), unb waren nur finbifdje 9?ad)al)mungen jener alten ©djaufpiele, in beneit bie ^erantcadjfentoe Sugenb im ©ienfte beß SSolleS bie Sollen erwadjfener 2 )ienfd)en ju fpielen batte, ©o reid) unb lebenSfräftig war jenes fird;lid)e ©piel unb bie ©djulfouiöbie geWefen, baß au 8 biefem ®t; eater ber Sugenb baß Skater be§ 33olteö felbft fidj entwicfelu tonnte (ogl. Sb. 3)eorient, @efd)id)te ber beutfcfjen ©djaufpielfunft); aber fo flägtid) unb jugleid; fo djaralteriftifdj war aud) hier ber enbtidje Skilauf ber Sugenbliteratur, baß eben 51 t ber £eit, at 8 mit @otl;e’S ©ob baß Dtationalfdjaufpiel ju neuem, felbftänbigem Sehen gelangte, bie urfprünglidie tpeimat bcSfelben, baß Sugenbfdjaufpiel, 3 U finbifd^er ©ebattlofigteit berabfanf. 2 ) 9tod) entfd)iebener im pl)ilantbrepiftifd)en ©inne unb jugleid) bebeutenber unb nadjßaltiger wirfte bie burd) 3oad)im §einr. Sampe eingefübrte Sugenbliteratur. ©ein Dtobinfon (1780) war, wa§ ben ©toff anbelangt, ber glüdlid)fte ©riff, ben ein StinberfcßriftfteUer jener 3 e ^ ll) un konnte: ber 3ug ber 3ugenb nad) greutbem, gernem, Slbenteuerlid)em unb ber päbagogifcße SutbufiaSnutd für 9?ouffeau’fd)e 3bealnatur$uftanbe unb felbfterfinberifdje STfjätigfcit fanben auf 3lobinfonS wüfter Snfet il)re aKfeitige 33e= friebigung. 9touffeau l;atte ben 9tobinfon Srufoe als ben tüftlidjften S3üd)erfd>a4 feines Smil gepriefen; fdjon War er (1721) in 8 ®>eutfd)e überfe(jt, bis jurn 3aßr 1760 in 40 oerfd)iebenen Oiobhtfonaben nad)gebilbet unb enblid) im ®ienfte be§ )ßbilantbropiu 8 oon ÜBe 5 e 1 bearbeitet Worben. Süber erft Sampe ’8 Stobinfon würbe bie S3ibel ber Sinberbücßer unb burd) ißn Sampe 311 m Sorppbäen ber Äinberfdjriftfteller. ©0 Der» fd)iebene IDtänner, wie 33ogumil © 0 I 3 unb ber gemütl)DoIIe SuftinuS ferner finb Don ißm in gleid)er SBeife nod) in ißrem 9Ilter entjücft. tftod) jeßt ift er faft ba§ gelefenfte aller Sinberbüd)er, (im Saßr 1860 erfd)ien bie 57. Sluflage), obgleid) feitbem wieber meßr als 20 9'iobinfone, barunter ber ©djweijerifdje Don SB iß unb ber neue Dlobinfon Don ®. §. D. ©cßubert (1848—53, 3 Slufl.) unb aud) eine Ueberfefcung bed ed)ten ütobinfon (1841) erfd)ienen finb. Unb bennod) ift bie Äritif barüber einig, baß an Santpe ’8 9iobinfou faft nidjtS gut ift, als ba 8 , was nid)t Don Sampe Ijerrüfyrt. „33on ber Ijoljen ißoefie beS urfpriinglid)en Dtobinfon Srufoe ift Ijier wenig gu finben; eben fo wenig Don beffen tiefem ©ebantengefyatt; aüeg ge^t l)ier nur auf eine nüdjterue SKoral unb auf eine gauj entfetjlid) altlluge Ülnpteifung med)auifd)er gertigleiteu unb @efd)idlid)teiten I)inau 8 ; aber ber ©toff bed 9tobinfon ift fo unDerwüftlid), baß er felbft in biefer breiten Serwäfferung feine fyinreißenbe Sbnjiel^ungSfraft behauptet“ (§. Lettner, 9tobinfon unb bie Utobinfonaben, 1854). gaft eben fo glitdlid) war ber ©riff, ben Sampe in feiner „Sntbedung Don 3lmerila“ 1781—82, 3 33ce. 19. Stuft. 1852), tl;at; aud) hier h at i>ie fd)ulmeifterlid)e 3urid)tung bad Sntereffe an bem an» äiehenben ©toff nur wenig abäufdjwädjen Dermod)t, um fo weniger, ald bie langweilig bocirenben 3 ®if(bengefpräd)e (wie im Dtobinfon) fo eingelegt finb, baß ber 8 efer fie leicht überfd)lagen faun, wa§ aucß jeber rüftige Snabe in ber ®ljat ju tl;un pflegt. SBo aber Sanipe biefe ©toffe oerlaßt (in feiner neuen Sinberbibliotßel, 6 S3be. 1779—84, 14. Stufl. 1832, feinen 9teifebefd)reibungen, 19 33be. 1785 — 93 unb be= fonberö in feinem leibhaftigen ®h eD rt tDtt unb beffen ©eitenftücf „SSätertidjer 9iath für meine Üochter“, 9. unb 10 . Stuft. 1832), ba wirb er felbft Äinbern unerträglid), wäß» renb feine ®uobeä=SBeItgefd)id)te in SSerfen jwar Äinber 311 antttfireu, aber gewiß nid;t 812 Sugenblectüre, Suflcnbttterutur. 3 U belehren oermag. Stidjtd befto weniger bat noch im 3abr 1831 eine Sammlung feiner ©d)riften in 36 Sänben erfcf^einen tonnen. ®er (Einfluß, ben er feiner 3eit auf bie Silbung ber 3ugenb übte unb gum £l) e ß nod) “bt, ift unermeßlich; unb wenn man ftd) erinnert, wie bie enblidje Serföbnung, weldje ber 2)efoe’fd)e Stobinfon burd) ©ebet unb ©ottedwort finbet, aud bem Silbe bed Eampe’fd)en Stobinfon gang oerwifebt ift, fo bat man bamit gugleid) ein für alle (Eampe’fd)en ©djriften d)arafteriftifd)ed 3^^ bad über bie Stiftung, in welker jener (Einfluß wirft, nid)t in 3 lDe ‘f e l laffen lann, fo gewinnenb auch ber anmutbig elegante Stil unb bie begreifliche Storni erfdjeinen mögen. (©. ben Slrtifel ßantpe). 3) Sieben SBeiße’d I^öfifcber KinberWelt unb Sampe’d profaifd)en Stü( 3 lid)feitdmeu= fd)en trat eine brüte ©attung Don K'inberfd)riften, bie fpecififd) = moraüfd)e, l)®bor. ©djon 3. S- Stüter (Siector gu §aße) batte „moralifdje ©djilberungen" (1753—64) für bie 3ugenb gefd)rieben, bie (nad) Stiemei)er) ihrer 3 e ß „ein aßgelefened Sud) in 33eutfd)Ianb" Waren; unb 3. 3. Sobrner hatte in feiner reichen literarifd)en '3ü)ätigbeit aud) „©ittßdje unb gefüblooße Srgäblungen für bie Stealfdjulen“ audgel)en laffen. Slber ber eigentliche rofoiit fid) abge= gWeigt hatte unb gwar mit geringer fßrobuctiondfraft unb faft „ohne alle Slßnung eined ibealen Sehend", aber aud ber güße einer reinen unb eblen ©efiunung b ej; aud fein moralifd)ed ßlementarbud) (1782), fein ©ittenbüdjlein, bie Steifen feiner 3äglinge fdjrieb unb wie mit feinem Karl oon Karldberg (1783) bei ben ®rwad)fenen, fo mit feinem 3ofepb ©d)Warjmantel (1810) bei ber 3ugenb unermeßlichen Seifaß fanb. 3m Sriumoirate ber erften Kinberbudjperiobe ift er oießeidjt ber fcf)Wäd)fte, aber gewiß nid)t ber fd)led)tefte, unb fein ©d)WargmauteI, ber in bie 3Babrl)eit DolldtbümIid)er 3 situ erb ält itiff e einfül)rt unb unter ber rationaliftifdjen Serbedung bod) eine herzliche grömmigleit burd)bliden läßt, ift nod) je( 3 t beffer, ald taufenb unferer mobernen Kinberfd)riften. Stehen bem realiftifdjen (Earnpe unb bem cioilifirenben Sßeiße ftel)t ber moralifirenbe ©algmann am befepeibenften, aber am reinften ba. — Sin ben oolfd= tbümliibeu ©algmann fd)loß fid) in oornebmerem ©tile Kadpar griebr. Soffiud an. ©ein „©urnal unb Sina" (1795—1800, 3 Sbe.) ift bie Sermäl)lung bed Stouffeau’fdjen Staturlinbed mit bem mobernen Sl)riftentbum, unb feine moralifd)e Silberbibel (1805— 1812) ift ein gewiß Wohlgemeinter Serfud), in eleganter gorni gur biblifd)en ©efd)id)te gurüdgufül)ren unb ber profanen moralifebe Stubanmenbungen abgugeminnen. Stur baß bie fleinen Sefer, wenn fie im ©urnal unb Sina an ben (Engeln unb Kannibalen bed Staturguftanbed unb ben wirflid) böd)ft angiebeuben ©ituationen bed erften Sanbed fid) entgüdt batten, bie barauf folgenben gwei Sänbe cpriftlidjer Katedjefe auf bie ©eite warfen, unb baß bie pretiöfegorm unb mobeme Slnfdjauungdweife ber Silberbibel weher bem biblifdjen nod) profanen ©toff reibt entfpredjen woßte. 3 mmerbin gehören beibe Süd)er noch gu beit befferen jener ^Pericbe. — Stod) fruchtbarer unb faurn Weniger beliebt war ber in ©d)uepfentl)al gebilbete SBiener ©onfiftoriatratl) 3afob ©lab, ber Don 1800 an 21 Sänbe für bie 3ugenb fd)rieb, oon benen „bad rotbe Such“ am meiften gelefeu, Stofaliend Sermäibtnid (2 Sänbe) nod) 1836 neu aufgelegt Würbe unb bad „moralifebe ©ernälbe für bie gebilbete 3 ugenb" am beutlid)ften bie ©en= beng aßer biefer breiten, fteifen unb poeficlofen ©d)riften audfprid)t. Sin biefe morali= firenbe @d)riftfteßerei, 3 U ber auch gebberfen (Seifpiele ber SBeidbeit unb Sugenb, 1777—89), SSagnib (Storni in Seifpielen, 1797—1810), guul (©ittenfpiegel, 1800) unb Diele anbere beitrugen, reihten fid) gabllofe Kinberfd)riften Don gang oerwifdjtem ©paratter an, wie Ä. gr. Sbieme’d „©utrnann" unb bie oielgenibmten 3 unter, ^ermann, SStunbt ic. Sin SJtann aßein, Stepnier (pfeuboupm ©anguin) ließ 250 ©d)riften für bie Sugenb andgeben, Don benen bie ÜDtebrgapl gur Unterhaltung be= ftimmt war. Stur eine würbigere ©rfepeinung begegnet und, ber anfprudjdlofe 3. Sugenblectütc, Sugcnbtiterotur. 813 SL K. Söbr, ber eine angiebeitbe unb belel;rcnbc ,Beitreibung ber Sauber unb 23ötfer ber Krbe“ (4 23be. 1803) gab unb in feinen „fleinen ©efdjidjten" (1799), feinen gabeln unb befonberS in feinen „fleinen Klaubereien für Äinber, weldje fic^ im Sefen üben woHcit“ (neuerbingS non St. g. K. SSitmar fyerauögegeben), „aus tiefer innerer Krfal)rung ^erau« einfach, Wahr, treu unb fromm“ ergäbt. 4) ©ang eigentümlich in it;rer Strt unb bie einzige ©djrift Bon bebeutenbcm unb nad)t)rieb feinen 2llwin 814 Siugenbtcctüre, 3u0«ttbltteratur. unb ©Ijeobor 1802, itt bettt bie ßpifobe aus ber franjöfifd)en 9teüolution, bie 3igeutter= gefd)id)te it. m. a. faft claffifd) finb, unb Weiter 9tofalienS D'fad^laß (2 ©l)Ie. 1812), geierabenbe in Staiitau (2 Sbe. 1820), unb Slefyrentefe auS bem Sagebud) beS Pfarrers oon SJiainatt (2 Sbe. 1825), in benen bie ©arfteHuitg eines aninutt)igen ©ttlllebeng unb ebler (nur I)ie unb ba burd) einen weid)licf)en 3 U 3 gefd)Wäd)ter) ßl)araftere eine tief fittigenbe SBirfuug uid)t oerfel)lt. — 9?od) weit bebeutenberen ßinflufj aber als 3acob§, beffen ©Triften eine weitere Verbreitung »erbient hätten, übten einerfeitS bie Srüber ©riut nt, bie mit ipren fbftlidjen (l Sinber= unb f?auSmärd)en‘‘ (1812) ber in ber©reib= pauSluft moralifd)er $inbergefd)id)ten öerfümuierten Sttgenb einen neuen fpaud) frifc^en SebenS jufiifyrten unb bie Sugenbliteratur feibft auf eine neue ©pur letdten, — unb nad) einer anbereu ©eite I)in ber©ond)err ßfyriftopl) o. ©d)utib, ber in feiner biblifdjen ©efdjidjte für Äiitber (6 Sbe. 1801, fpater in nteljr als 20 3luf(.) unb tn feinen „mo= ralifdjen ßrjaplungen" auf bibUfd)=d)riftlid)en ©runb jurüdgieng, babei nad) altem £e= genbenftoff (wie in feiner ©enooefa 1819, 8. Slttfl. 1853) unb nad) einfad) rüfyrenben Silbern aus ber alten 9Jitterjeit (wie in ben Dftereiern, 1819, — §einrid) o. Sidjen= felS, 9tofa o. ©attnenburg) ^uriicfgriff ober aud) mand)e feiner Sefiren in anetbotenar= tigen Seifpielen auSfprad). ©eine freuublidje 9lbfid)t feine fyerjlidje Äinberliebe unb feine d)riftlid)e ©efinnuttg, obfd)oti biefe mitunter jn tenbenjiöS fyeroortritt, gewann ifim bie §erjeit; üon 3uug unb 5llt Würbe er mit Siebe unb feibft Srbauung gelefen. Stuf bie Sittwidelung ber Sugenbliteratur feibft übte er bebeutenben Sinflujf, unb jwar nidjt allein innerlid) burd) feine d)riftlid)e ©enbenj, fonbern aud) äußerlich burd) — feine 9Boi)l= feill)eit. Sisper nämlid) war bie Seetüre ber fd)önen fiinberbüd)er faft nur ein Vorredjt ber 3ugenb ber pöfyeren ©taube gewefen (man beide nur an SBeijfe’S Heine „Messieurs, gräuleinS unb Desmoiselles,“ au SoffiuS foftbare Silberbibel unb an Sertud)S Silberbud) (85 ©l)lr.). 6. ®. S)te( 3 te’S Gcrjäplungen für „ipütetinber" (1817) Waren glitdlidjerweife ofme äBirfuug für baS im Hnberbud)lo)en ©tanbe lebenbe publicum ge= blieben, Gsrft beS frommen unb lieben ©cmljerrn 9= unb 12= Äreu3er=Süd)lein fanben i^ren VSeg aud ju ben untern ©d)id)ten ber Seoölterung unb festen fid^ als erften teint ber ftinberbibliotpefen feft, bie man nunmehr aud) für 5>orffd)ulen ju errid)ten für ‘’ßflidjt l)ielt. 7) ©er neu erweiterte SDiarft aber würbe alSbalb oon punbert unb aber (mnbert ßoucurrenteu auSgebeutet, unb unter liefen jeid)neten fid) burd) Subuftrie unb Se= liebtpeit oor alleu jWei aus. ©uftao 9iieri(} begann (1829), üon ©aljmannä ©ittenbüd)lciu begeiftert unb oom junger getrieben, ben erften ber Heilten Äinbevrontane, bereu 3. ©räfe beitrugen, faft fpurloS oerloren gegangen. ®aS VJort ©ebite’S, baß teilte tDiauufactur fo fel)r int ©djwunge fei, als bie Äittbcrbudjmadjerei, gilt tut oerftertten ©rabe für uttfere 3dt. ©ie Sugenbliteratur ift in un)ereit ©agen baS üppigfte gelb ber )ßäbagogtf unb jugleid) baS am nteiften üer= wal)rloSte. ©ie tDiaffe ber Ißrobucte l)ier ju regiftriren, ift aber fo unutöglid), als eS unerfpriepd) fein würbe. V5ir bcfdjränteit uns bafyer auf ben Verfud) einer 3ugcnblcctüte, yugcnbliteratur. 815 b. ilberfidjtlidjen ®f)ara!teriftif ber mobernen Sugenbliteratur. — 1 ) $>ie philanthropiftifd) = realiftif d)en ©driften. 3tt angenehmer Unter» hattuug ben Äleinen ltnmerHid) allerlei itü^lic^e Äenntniffe beisubringen unb aud Knaben praftifd)e Stopfe 31 t ntadien, war ber wefentlidje 3med ber 33afeboW’fd)en ©djule. liefern ßwede fotlte bie breite Serftänblidjfeit unb bie finberfreunblidje iperablaffuttg bienen, bie fdjott in Ääftnerd belanntem Epigramme oerf^ottet toirb (f. ben Strt. Sichtung ©. 33) unb in ber $h at nur ^ a 5 u bient, bie kleinen 3 a langweilen unb 3 U erfdjtaffen, ftatt fie 3 U erfrifdjen unb 31 t Kräftigen. 3nt ©inne biefer fperablaffung ließ man bemt and) bie gelben bed Äinberbucbd* in ÄiuberroHen auftreten, ober bod) wenigftend Äinber über bie @efd)id)te felbft altfiuge Setradjtungen anfteüen. Unter bem (äinfluffe folcfjer ©djriften, burd) welche bie Äinber in ben fporisont, über ben fie Ijinaudftreben foHten unb and) mödjten, jurüefgebrangt unb 3 m- 2Seid)lid)leit, ©elbftgefäHigfeit unb 9?afemeiSheit ergogen würben, Wud)d bie Sugettb heran, bie in ben näd)ften 3 ahr 3 ehuten für bie haften ©üter ber Nation Ktmpfen unb fterben fotlte. ©aju fam bie päbagogifd)e Sehre, baß man Ämtern nur 2Bal)reb unb 2BirKidjed, nur oerftanbedmäßig ©reifbared erzählen bürfe, unb bad friüole SBort ßampe’d, baß ber (ärfinber bed ©pinnrabd größere Serbienfte Xjabe, ald ber Qidjter ber 3 liad unb SDbtjffee. ©0 entftauben jene ©djriften, bie, um wal)r 3 U fein, bie tiefe Söahrljeit bed SBunberbaren, Unbegreiflichen unb 3beaten aud bem Silbe bed Sehend ftridjen, um nach einigen „abötracten Regeln bed fogenannten gefunben 9Jienfd)enoerftanbed für bie h«udbad'ene 2Mt biefed Serftanbed felbft" (äBaifc) 3 U er» 3 iehen. Unb bie ©pur jener Serirrungen sieht fid) felbft burd) nnfere ueuefte 3ugenb» literatur fort, wie benu 3 . 33. bie Sel;re üon ber hanbgreiflidjen SEBirKicfjleit nod) neuer» bingd üon ©djniib aud ©djwarjenberg in feiner ißäbagogi! oertheibigt unb in feinen Äinberfdjriften befolgt wirb. ®er üorherrfd)enb banattfifdjen SEenbens fold)er 33üd)er fud)te man 2 ) in ben moralifdjen Äinberfdhriften ein @egengewid)t 31 t geben. Slber bie SDtoral Würbe babei sunädjft nur an einer SJlufterfarte üon aßen erbentlidjen Keinen Äinberunarten nnb Äinberartigfeiten gelehrt, oljne einen ©ebanfAt an bie eine Quelle, aud ber alle SEugenben lebenbig hcrüortreiben. @. ß. ßlaubittd in feinem tägtidjen SEafdjenbud) für Äinber (1799, 1800 ff.) gab 3 . 33. eine lange Stählung üon swei gutgefitteten unb swei übelgefitteten Ämtern, lebiglid) sur Serbeutlid)ung ber Unart, anbere in ber Diebe 31 t unterbrechen; unb enblid) üoHenbete fid) ber ©djematiömud uitb bie Ueberl)äufung in ß. S. ©imond (im einseinen siemlid) guten) „33eifpielen bed ©Uten unb SBBfen, nad) ber D3flid)tenlel)re georbnet" (1837) unb in %rans (poffmannd 360 moralifdjen Srsäl)Iungen für Äinber üon 5 —8 3al;ren (1848—50). ©djon bie Ijanbgreiflidje 9lbfid)tlid)feit eines foldjen 2mgenbunterrid)td fd)Wäd)t bie äßirfung, be= fonberd wenn, Wie bei ßarnpe je., jebe Slugent nur aud Wohlerwogenen ©riinbeu herüor* gehen barf, ober, Wie ed jefet nod) häufig gefd)iel)t, bie SDtoral ben Ämtern einrafonnirt wirb. 3ene Äleiumeifterlidjfeit mußte aber 3 ugleid) 31 er Unwahrheit' führen; benn inbem man Äinber 31 t £ugenbl)elben machen Wollte, lauten jene wefenlofeu ßngeldjett unb Iäd)ertidjen 3 ierpüppd)en heraud, tie gefunben Äiitbernaturen felbft langweilig finb unb nur üon fd)Wäd)lidjen bewunbert unb wohl aud) felbftgefällig nachgeäfft Werben. Unb bod) wimmelt nod) je^t jeber äBeiljnadjtdmarft üon ähulid)en ©djrifteu, nur baß nunmehr bie Keinen fpelben in ihrer engelhaften ©d)önl)eit aud) colorirt 3 U feljett finb, uns baß Wohl aud), edjt päbagogifd), bie päbagogifdjen Äünfte ber Eltern aud beit ßouliffett Ijerücrge» Sogen unb ben (äugeln üon Ämtern sur fyolie STeufel üon Stiefmüttern ober -ßflegebätern bei» gegeben werben. Siele biefer ®efdjid)teu üerfallen bei ihrem 3bealifiren 3 ugleidj in eine © en« timentalität unb Ueb erf d)Wanglid)f eit, biegaujbaju angetl)an ift, aud natürlichen Ämtern empfinbfame -Karren $u madjen. ©old^e ©djrifteu (wir erinnern nur an bie üielfadj gepriefetten üerfificirten Äittberlomöbien üon (ärnft ü. ^ottwalb, 1839) fließen über üon rührenber Äinberliebe, erftaunlic^er SBoIjlthattgleit unb unerhörtem (äbelmutl); bie heiligften unb geljeimften Regungen bed fittblichen fperjenö werben theatralifd) h«raud» 816 IJugcnblectürc, Sugcnblitcratur. parlirt, unb Eie §atfdjeleien unE SiebeSbejeugungen, mit Eenen ,,^erjcnSeltevn" unE „.fjerjenSfinber" fid) fietS in Een Sinnen nnE am §>alfe liegen, treten in fo mitrigev 3Beife peroor, baß 3B. ülienjel mit 9ied)t fagen fann, er mürbe, „menn feine Äinber ihm jemals mit foldjen SteEenSarten tarnen, mie mir fie in taufenEeit Eiefer ®inberfd)riften Oon artigen unb frommen ÄinEern bergeidjnet finben, fie als affectirte Darren 3ured)t= meifen ober als ooUcnbetc ipeudjler 3 Üd)tigen." Slnt ftärtften finb barin fdjriftfteEternbe Damen, mie 3 . 33. £t;erefe .jpuber, Eie in ihrer ,,2öeit>e Eer Jungfrau" Eie jung* frauliche ©d)am Eurd) EeclamirenbeS 33loßlegen ihrer peiligften Biegungen maprljaft entmeiljt. hiermit 3 ufammen hangt bic altttuge Steflepion EeS ÄinbcS über baS ©lüd unb Eie Unfd)ulb feiner eigenen Äinbpeit, mie fie nanientlidj in poetifdjeix 5tinberfd)riften auf* 3 Utreten pflegt. ©old)e ©Triften enthalten oft ganp fdjßne 33etradjtungen ber Sitten über bie Äinber, aber eS finb nidjt 33nd)er für bie Äinber; beim Äinber miffen nid)t§ baoon, baß fie glücflid) unb uufd)ulbig finb, unb braunen eS and; nid)t 5 U miffen, unb menn man ihnen anlehrt, 33etrad)tungen über baS fßarabieS il)rer ffiinbfyeit anpufteüen ober oon iljrer eigenen f-iehensmürbigfeit, gronunigfeit unb Unfdjulb 31 t beclamiren unb 31 t fingen, fo ertöbtet mau bamit bie Äinblidjfeit. ©elbft ber finnige unb Iinblid;e Ipet) ftreift in feinem: „Sin §erj, ein tperg l;ab’ id) in ber 33ruft" je. unb „3^ei Slugen l>ab’ id) ic." an Eiefe StefteyionSmeije. 3 U weldjer SBibcrlidjfeit unb 2eid)tfertigfeit aber eine foldje ©elbftbefpiegetimg auSarten fann, ift 3 . 33. bei ber oiel oertauften £f)efia 0 . ©umpert (im Död)tcr=3llhum, 1858) in bem Staffage „bie SJtetamorpI)ofe ber 33ad* fifdje" ju feiern*) — Sine altclaffifd)e gorm ber SBioral, 3) bie gab el, ift oon unferer mobernen Äiuberliteratur sumeift alten Duellen ent* lel)ut nnb nur in einer befonberen Slrt, bie mir bie fabitlirenbe Äinberpoefie nennen mödjten, einigermaßen felbftänbig fortgebilbet morben. Der glüdlidje Srfinber biefer ©attung mürbe SBi 11;e 1 nt $ct) (©uperintenbent in JdjterShaufen, -f-1854), aus Slnrcguitg oon Dtto ©pedterS finnigen 3eid)nungen, bie er mit ittuftrirenbeni £ept begleitete, ©eine 50 gabeln für Äinber (1833) finb nid)t immer eigentliche gabeln, fonbern oft nur ffSerfonificationen Eer Statur, aber burdjmeg lieblidje, mit liebeooHem, tinblid) reinem unb ed)t poetifdjem ©inne auSgefü^rte 33ilber, an Eenen Sllt unb Jung fid) erfreut. Stur bie smeiten, Eie SStoral enthaltenden 33erfe, bie, um EaS Dctaoformat auS 3 ufüllen, nae^träglid) beigefügt merben mußten, tragen bie ©puren ber 2l6fid)tlid)feit. £>et)’S gabeln haben neben ber 3Birfung ipreS eigcntl)ümlid)en SBertpeS nod) in gmeifadier £>infid)t einen bleibcnben Sinfluß geübt; fie haben mit ihrem reinen Äinberton Eer Jugenbliteratur eine neue ©pur 3 U bem früheftcu, nod) budjftabirenben ÄinbeSalter oer* ratl)en unb gugleid) Eurd) ©pedterS lehenSooHe 3 e *cl)nungeu Een $ol 3 fd)nitt mieber 3 U SI)rcn gebrad)t. Der oon tpep angefd)lagene Don Hingt in gaplreidjen SSariationen nad), fo bei gröhlid), griebrid) ®ii11, fßoeei, Steinid, Dieff enbad) u. a. DaSSJor» bilo Eer 50 gabeln ift aber oon feinem erreid)t morben, aud) nid)t oon §et) felbft in feiner gmeiten Steipe Oon 50 gabeln unb in feinen Depten 31 t fßrätoriuS ÄriegS* pferb unb §. J. ©dineiberS „baS ÄinE oon ber 333iege bis gur ©djule". Dagegen finb ©pedterS .jpolgfdjnitte Oon oielen, 3 , 18 . oon fßoeei, D Stid)ter unb anberen DreSbener *) „Set't loopl, tpr Äinberjapre, @d)iilerplagen, . Jpr feßmeren Sadfifchjeiten, lebet mopt! Marianne mirb nun niept mehr in end) manbeht, Marianne fagt eud) emig Sebemopl! 2ßie gliicflid; mar ich als iperphlättcpen, menn ich auf ißapa’S unb 5)tama’3 Änieen faß unb fte mir ©efdßidjten erjählten, — mie glüdtid) als SSacffifdh, erft ju ®aufe, bann im Jnjlitut, befonbers in ben ©tunben, in benen id; für ©roßmama bie tollen Streiche EeS ©eheimeu Jnßi* tuts4lnfutnmacher§ nieberfdjrieb. Slbieu, ju beutfep Sebemcßt, füße Sinbßeit! Sich, fdfredlicher ©ebanfe, ich bin eine Same, ich fann nie mieber ein föerjblattchen, nie mieber ein 35acf= fifd) merben I" Sußertblectüre, Sugenbltteratur. 817 Künftlern, mit ©tüd nadjgeahmt unb jum Dljeil übertroffen worben. 6tue ganj anbere 9lrt beb gabulirend nnb ber 3 e td)nung führte fpeinrid) ^ofmannd (9lrjt in granlfurt a. 93t.) Struwwelpeter ein; — biefe audgelaffene, grotedfe fßoffe, bie oon IRofenlranj gerühmt, in einer SDtitliou non Spemplaren über bie I;a(be 2Belt ber= breitet, non bem 93erfaffer felbft (im König Dlnßfnader u. bgC.) unb oon Dielen anberen nacpgeahmt Worben ift, aber wopl für nidßd mehr gelten foU, atS, Wad fie anfänglich war, für einen augenblicflidjen ©djerj, Den ber t)umoriftifd;e 93ater an einem luftigen 9lbenD mit feinen Ktnbern trieb. — 9l(d ein erfreulidjeb 3eid)en ' De8 gortfcpritted ftnb 4) bie dfriftlicf)en Sugenbfdjriften ju betrachten. 933äl)renb ber rational liflifc^=^l>iIatttl)ropifttfc^en 9lufflärungdperiobe im Infang biefeS 3al)rhuubertö bjatte g. 91. K nt nt m a d) e r mit feinen, gwar niefit ganj naturwüdjftgen, aber immerhin ftnnreidjen nnb lieblicfien Parabeln (1800) bad tiefere djriftlicfie (Element fefir oereinfamt oertreten. 9?äd)ft ihm gebührt bem linblid) frommen Katholifen ©firiftofifi oon ©d)mib bad Sßerbtenß, unfere fgugenbliteratur auf bie wahren Duellen beS £eild jurüdgewiefen ju haben; unb bie greube, mit weldjer feine ©d)riften begrüßt würben, ^eirgt baoon, baß ber (firiftlitfie ©inn in unferem Solle nod) niefit gang oerfdjwunbett war. 3Iber beflogen muß man, baß fdjott ©thmib mitunter unb baß nod) Weit mehr feine gafilreiefien 9tad)= ahmer unb unter ihnen felbfr foltfie, bie nicht aud ©peculation, fonbern and wirfltdj djriftlicher ©efinnung unb mit beutlidjem Talente fefirieben (wie j. 93. Iq. Dittmar, &hr. @. 93artl), @. §. oon ©djubert, 91. 933tlbenhal)U :c.), ihrer guten Sache burd) ÜJJtdoerftanD unb Uebertreibung oielfad) fd)abeten. Stiele wollen bie ©tärfe bed ©laubend oerbeutlid)en, inbem fie gelben geiefinen, bie mtthätig mtb unfräftig ber .pütfe ©otted entgegenwarten. Sie ftellen eine grömmigfeit bar, bie weit weniger in ferniger ÜJiannhaftigfeit, ald burd) weiefiliefie unb fiißlicfie Smpfinbungen fiefi äußert; fie taffen beit 9Jlunb bid jur (Entweihung beö ^eiligen oon frommen Diebendarten überfließen, unb ihre breite Darlegung innerer §eitdbewegungen artet guweilen in „eine 93erlet3ung ber religiöfen ©d)amt)aftigfeit and, bie bad f)eiligtf)utn bed inneren Sehend burd) 93loß= legung eben fo gefährbet, Wie bie 93ertepung ber ©d)am auf einem anberen ©ebtete bad 9)?arf angreift 1 ' (.pitldmann, im ‘Programm bed Duidburger @t)mnafiumd, 1855). Dabei fd)aben folcfie ©efiriften rriefit fetten auch burd) eine geWiffe 3iomantif ber SBeltregierung, inbem fie nämlich burd) einen oerfd)menberifd)en 9lufwanb oon 933unb er= effecten in ber inneren unb äußeren gührung bed 9)lcnfd)enlcbend (wobei bie Dugenb häufig aud) äußerlid) mit it)rem Dbeil fd)öner Kleiber, mit öiel Dieidjthum unb h°I?en Diteln prompt belohnt wirb) jutn ©laitben unb jur Dugenb loden wollen, aber eben burd) bie fühlbare 9lbfid)tlid)feit unb Unwahrheit bie gewünfd)te 9ßirfung oerfehlen.*) *) Um unfere ©ebanfen au einem SSeifpiet beuttiep ju machen, oerweifen Wir auf eine (auch in oiete Sdjuttefebiidjer übergegangene) Srjäptung Bon ßpr. Scptnib: 6in armer Köpterfnabe verliert im SBalbe ben ©elbbeutet mit ben paar Kreujerti, für welche er Strgnei für feine franfe äJlutter bejahten foHte. — Illach natürlichem SSertauf Würbe nun bie ©efcpidjte mit ber IDloral einer gelittben Ohrfeige für ben Seicptfuß enbigen. 9tber ber Knabe betet; unb ber ßßafcpiniß im SBetttpeater läßt jur Stunbe einen „©rafeu mit einem Stent auf ber S3ruß" bitnp ben SBalb reiten, biefen ben ©elbbeutet ßnbett nnb baju attep ben weinenben Knaben. Unb nun pätt ber ©raf bem 33uben einen rotpfeibenen ^Beutel mit bunpbtinfenbeti ©otbßüden Bor: „3ß bied ber beinige?" — ®er Kleine hätte fepon ein geübter Schürfe fein müßen, wenn er bie über» rafdjenb fiep barbietenbe ©etegenpeit eben fo rafcp patte benupen, ober and) ein großer ©infalts* pinfei, wenn er bie ipm geftetlte gatte niept patte merfen fetten. ®a er aber Weber btefes, noep jenes iß, fonbertt ben Stelltet abtepnt, unb ben jWeiten, ber ipm nun Borgepalten wirb (ben Bon ipm wirftiep Bertorenen) als ben (einigen bejeüpnet, fo rebet ber ©raf iptt an: „Seit bu ein fo frommes Kinb bift, fo fdjenfe id) bir ben SSeutet mit ©otb baju!" — Woraus, neben anberem, bie SDloral ju jiepen iß, baß man einen SSeutet mit ©otb gefepentt befommt. Wenn man ipn nidjt ßieptt. liß&toag« ßncfiflopäbic. III. 52 818 Sugcnblectüre, Sugcnbliteratur. — Sur wenige, wie fiep, Ä. ©tober (beffen Sinfachheit unb griffe überhaupt wohl tljut) Ratten bag rechte ÜJtaß unb treffen ben redjten Don.*) — Dljne fold|e fpecififdje Denbeng ftnb 5) bie romanhaften Sngenbfd^riften, bie in neuerer $eit immer mehr auffomnten. 3n biefer 2trt h a ^ en befoitberg Sierijj unb gr. § off mann fiep Der» fudjt, unb infofern ber Vornan bie 3 bee beS gefelligen Gebens ^iftorifd^ barfteilen fotl, fann man foldfe 33erfmhe als einen gortfdjritt ber Sugenbliteratur anfehen. 16er in ber Dljat tefteht biefe Smancipation üon ber Denbeng ber moralifirenben Sünbergefdiid}ten in wenig anberem, als barin, baff man bie engelgteidfen fiinber nunmehr ju engelgteichen SSenfclfen heranWachfen unb fie fchtießlid; auch noch 51 t einer gliidlidfeu §eirath gelangen laßt. 3>un ©enialität unb h?h er ©efmnuitg, biefen nothwenbigen Sigenfd)aften eines Dichters, bem ein guter Soman unb nod) baju ein Vornan für bie Sttgenb gelingen fotl, finbct man in unferen romanhaften 3'ngenbfd^riften fauin eine ©pur. Unwahrheit unb ärmlicher ©ehalt ift baS SBefen ber weiften; unb Diele fdfaben inSbefonbere noch baburd), baff fie ihre ©efdjuhte mit SSorlicbe in ben lupuriöfen unb glanjootleu Streifen ber Iriftofratie fpieleu taffen unb bamit baS SSüglichfte thun, um ungufriebcne Soman» helben mtb Derfd;robcne Stopfe 3 U bilben. —• DaS große Sättel, burch WeldjeS alle biefe ©driften Wirten, ift bie ©pannung. äßährenb bie Didjtungcn, Wetdje ber Äinbheit beS 3Jtenf(hengefd;led)teS' gur 33ilbung bienten, mit epifdjer S^ulje erfüllt ftnb, fudjen biefe Stinberromane burth eine Seihe Don fieberhaft erregenben Sffecten bie jßljantafie beS üeferS ju reijen. ©elbft Sooper’fthe Somane Werben für bie 3ugenb bergeftalt eycerpirt unb jugerid)tet, baß Don bem 33erut)igenben unb ^erjerfreuenben ihrer Dichtung nichts übrig bleibt, als bie 33lutfpur l;aarftraubenbet Snbiauerfämpfe. — Der einzige päba» gogifdje ©runbfafe, ben man bei biefen, burdj Uebevrey entiterDenben nnb burd) Un= Wahrheit gemeinfd)äbli(hen ©d^riften mit oftenfibler ©orglidjfeit befolgt, ift ber, baß man bie Strahlung ;,fittlid>’ rein" gu galten fudjt. Statt hütet fiep jefct wohl Dor Sidjt» fertigteiten, wie fie in Sßeiße’S Stinberfreunb (ber 3 . 33. einen -prinjen mit einem lieb» liehen zwölfjährigen Stäbchen um ein „Stüßdten“ hobeln laßt) Dottommen; aber bie 33orfid)t beftept meift nur barin, baß man unjarte litSbrücte 3 U uennciben, baS ©enteilt» menfd;Iiche in (Euphemismen 31 t hüllen unb baS erotifd)e Slemettt auS bem 33ilbe beS SebenS 3 U ftreidjen fud)t, währenb bagegen ein wenig ©cheinheiligfeit, eitle SBehlthatig» teit, ©h r 3 e iä unt> SgoignutS gang äuftänbig unter ber allgemeinen Dugenbfirma mit in ben Stauf gegeben Werben. ■— Sur in neuefter $eit bewerten wir hist-' unb ba eine Südfehr 3 m Satfirlidjfeit, wie 3 . 33. Dttilie SBilbermuth, eine SDieifterin im Sr» 3 ählen, mehr unb mehr nnb ant weiften in ihrer testen ©djrift („luS ©. b. ©d)ub ert jeigte in feinen biograppifdjen 6rgäplungen, nameutlid) in feinem fßrinjen Sugeu, fiep größer unb wirffamer als in alleu feinen gefüplreidjen ©efdjidjtcn; and) D. 2B. b. .fjorn, Sörber u. a. trafen in einigen iprer populären Stinberfdjriften ttapegu an baS 3W- 33on uod} größerer 33ebeutung aber, als biefe mobern populären ©d}riften, loaren bie Serfudje, bie Duellen uralter, abgeflärter SSoIfSpoefic unb 33oltSfage in unfere Sugenb» lectiire iiberguleitcn. DaS 9J?ärdjett, biefe „faft berlorene, unfdjeinbare, aber reine unb föftlidje tperle unferer 33otfSpoefie“ (SJilmar) würbe bon ben 33rübern ©rirnrn in ©djrift gefaßt unb entgüdt uod} jept unfere Stinber, obfd}on, wie bie alten fßpilantpro» piften, fo and} nod} neuere $äbagogen, 5. 33. 3- 3B. Ipaan unb gr. Stapp, baS Sütärcpcn „einen fßeftftoff ber Sfomantif" nennen (f. b. SIrt. SDlärdjen). 9tur eins ift gu beflagen, baß bie fDfärdjenrebe iiberpaupt in bie geffeln ber ©djrift gelegt werben mußte. Die ©rimm’fdjen SJfärdjen finb g»oar mit Wnnberbarem Dalent gang im naiben Done ber lauten Srgäptung unb felbft mit ben ©djattirungeu ber 9Kimit unb 33etouung nieber» gefdjriebeu, Wie bereinft ber 9Jtunb beS 33olteS fie bon ©efdjledjt gu ©efdjledjt überliefern modjte; aber bennod}, — bie luftigen ©eftalten, bie in Dönen unmertlidj gepeimniSboll in bie fßpantajic beS fpörerS fid) einweben unb pier mit parmloS gläubigem ©inne geflegt werben, berlieren an Steig unb Seben unb peinigen mit 3weifeltt an iprer Sirflidjfeit, wenn fie im 33udje gur ©djrift erftarreu. ©ie geljöreu überhaupt faum meljr für baS fdjriftreife Sllter, fo baß ©erbinuS nicpt Unredjt pat mit feiner 33emerluitg, baß, „wenn ber Stnabe anfängt Sttärdjen gu lefen, bie 3eit fdjon ta fei, wo er fie nicöt mepr lefen feilte". Die ©rimm’fcpen 91iärdjen würben bie befte aller Stinberfdjriften fein, wenn fie — nicpt eine ©djrift wären. — llebrigenS pat unter ben fielen, welcpc ber ©rimm’fdjen ©pur folgten, nidjt einer mit gleidjem Dafte 51t fammeln berftanben. 3öenn Wir etwa SB. §auff 8 SJtärdjen aitSnepmen, fo fiuben wir in allen biefen ©ammlungen, audj in ben befferen, wie in 3. 3B. SDBolf, 3ingerle, fßröple, St fette unb ben am meiften (in ntepr als 10 Stuf!.) berbreiteten 33edjftein’fdjen SJiärcpen nur wenig edjteS unb wcrtpboHeS. ^ebenfalls fepaben fie bitrcp lleberpäufung; beim eine mäßige ©ammlung edjter SDfärdjen wäre geniigenb für unfere 3ugent>. ©tatt beffen aber pat mau neben nuferen peimiftpen SÄärcpen audj noep bie aus gang anberu, meift erotifdjen SUfotibcn unb fiel glüpenberer ißpantafie entfprungenen morgculäntifdjen SJfärdjen für bie kleinen guredjt gemadjt, als ob unfere Stinber (wie 3eau fßaitl meint) wirflidj fleine fDtorgenlänber wären; unb.enblid) Werben nodj felbfterbicptete SÜtärdjen, »bie g. 33. bon 31. £. ©rirnrn, fp. SJebau, Stub erfen geboten, in beiten „in ber Siegel alles einen wadjsfigurenen Sparaftcr pat unb ber gange geen» unb ©cifterfram erlogen ift." (3luerbadj.) 3lßeS aber, waS 93tärdjen peißt, wirb bon lie&enben Sttern als edjte StinberWaare aitgefepen unb aufgetauft. SBirtticp bem 33oltS= unb namentticp beitt Süuttermunbe abgelaufcpt ift eine anbere 3lrt ber Stinberpoefie: bie SB ie gen» unb 3t mm eit», ©piel» unb Sf ingelreipen» lieber, SSinbcrfprüdje unb Stinberberfe unb all ber luftigeStlingflang unb finnige Uitfinn, wie er jept in „beS Stnaben SBunberporn" bon 31. b. 3lrnim unb Siemens Brentano (3 33be. 1806), in Seitens Stinbergärtlein, in ber fepönen SßlingerSieber» R6el, bei ißoeei unb Ä. 0 . Siautner, in ber 3lmmenupr mit ipren djaratteriftifdjen 3eidjuuttgen, bei 6mft SOieier unb befenberS in bem beutfepen Äiitberbudje bon t. ©imrod (1848) fidj gebrudt fiubet. Diefe ©djrifteu paben ein culturpiftorifdjeS Sntereffe unb mögen bieöeidjt audj pier unb ba nodj einen ^audj frifepen SebenS aus 820 Sugenblcetüre, S'ugcnbliteratur. alten oerfaEenen Sitten retten. SIfcer im gangen finb fic nicfyt oiel meljr, als ritljrenbe ©rabbenfntale einer erftorbenen Äinberpoefie; unb eg ift nur eine Sarricatur unferer oerfünftelten Srgietyung, trenn man bag SBiegenlieb, bag bie SJiutter bem Äinbe ijdtte fingen foHen, il)m je§t gum »ol;lbebäd)tigen Sefen giebt. Vebeutenber ift ber ©ewinn aug ber Sagenliteratur, weldje ebenfaEg mit $ü(fe unb aug Anregung ber 33rüber ©riutm (beutfcEte Sagen 1806 —18, 2 Vbe.) mel)r unb mefyr aud) ber Sugenbwelt erfdjloffen würbe. JD. Niarbad) gab, freilich nidjt ofyne Veimifdjung neuerer ©ebic^te unb Nittergefdjidjten, 52 Vänbdjen (1838 big 1849) unb St. Simrod mit »eiferet 3lug»al;l unb aud; in natoerer Raffung 35 Vbe. Volfgbiidjer tyeraug. Veibe fanben nur unbebeutenbe Verbreitung; bod; »urben fie ber Sugenb, für bie fie nur tfyeilweife fid) eignen, nod; tnel;r gugänglid) alg bem Volle, für bag fie beftimmt »aren. — 333eit beffer alg fie unb felbft alg bie berbmarfirte, fernige Sprache ber@rtmnt, traf ber elegante Stil ©. SdjWabg in feinem Vud; ber „fdjönften Sagen unb ©efdjidften für 3ltt unb Sung" (aud; unter Dem Eitel: bie beutjdjen Volfg» büdjer, 4. Slufl. 1859, mit SEuftrationen) ben ©efdjmad ber ßeit. 3lud) bie ebelften Sdjäjse: Nibelungen,, ©ubrun, fo »ie gritjofgfage, 3Bill;elui oon 3tquitanien u. f. ». fmb nunmehr burdjgerbin. Vägler (1843), Ä. 333. Ofterwalb (1848—51), Ärieger, D. Ä l o (1851), Slbolpl; 33 a cm ei ft er (bag Nibelungenlieb für bie Sugenb bear= beitet, mit Sdjnorr’fdjen Bettungen, 1858), in gieutlid) legbaren Vearbeitungen ber Sugenb jugängtid; geworben. Slber eg ift ein Srrtljum, wenn man glaubt, bag biefe Schriften oon unferer Sugenb mit gteidjem Sntereffe unb gleicher Siebe gelefen »erben, »ie il;r Itrteyt oon unferen Siteraturfgftorifern. Seite Sagenwelt liegt iljr gu fern, um oon i^r aug ber ©egenwart Ijeraug unmittelbar begriffen, unb bodj aud; gu nafye, um gang objcctiö mit ruljig befd;aulid;em Sinne aufgefagt gu »erben. ÜDager bleibt bag 3ntereffe, g. V. bei ben Nibelungen, äußerlich an ben Offenbarungen gewaltiger rofyer Äraft unb bem Streiten blutigen Äämpfeng unc Nforbeng Rängen, ofjne burd;gufül;Ien, bag „in biefen Siebern bag innigfte, reinfte, ebelfte ^ergblut beg beutfdjen Volfeg ftrömt." (Vilmar.) Spiegel gwar empfahl bag Nibeluugenlieb alg fpauptbud; ber ergiefymtg; ©eroinug bagegeu rätl; gur äugerften Verfielt unb »iE eg I)öd;fteng für f|M matter gulaffen. Dag Vebeufen gegen jene alten Siteraturfdjäjse fd;eint ung aber »eit weniger in bem Stoffe felbft begrünbet gu fein, alg barin, bag bie Negenerirung im grogen nidjt eben fo glüdlid; gelungen ift, »ie bei eingelneu flehten Stiiden aug ber Sägern unb Segenbenwelt, bie unter wal;rl;aft poetifdiem |>aud;e (oon fßlaten, Nüdert, ©öt^e, Sfyantiffo, Urlaub, fPocci u. a.) gu neuem, unmittelbar oerftänblidjent Seben geftaltet worben finb unb je§t gurn £fyeil in Ä. Siutrodg Serlingifdjem £>elbenbud; (1848), in begfelben „Nfyeinfagen" (5. 3lufl. 1857) uttb oon gerbinanb Sd;mibt (1851) fid; gefammett finben. — Die Vcarbeitung ber beutfdjen Sage bilbet einen Uebergang gu 7) ben bibaftifd;en Unterfyaltunggfdjriften. fpier wirb ber altclaffifdje Sagenftoff oon 33. @. Niebul;r in feinen populären, aber woljl etwag überfragten griedjifc^en §eroengefd;id;ten („an feinen Sofyn ergäbt") unb oon St. gr. Veder in feinen fdjbnen ergäfylungen aug ber alten SBelt (3 Dl;le., neu bearbeitet in g. 31. ®d« fteing „3ugeubbibliotf)ef beg cjried^ifdjen uuß bcutfd;en SUtertljumg", 1861) eingefüljrt unb neuerbingg am ungefd;minfteften oon ®. Äapp (1850) unb in ber blüljenbften Sprays oon @. Sdjwab in feinen oielgeiefenen „fdjönften Sagen beg claffifd;en Slltertfjumg" (4. 3luft. 1858), enblid; aud; in 3öilf|. SBägtterg ^eEag (2 33be. 1859, 60), 333. 333 iebafd; beutfrem §aug= unb Sdjul=£iomer (metrifr bearbeitet, mit Slbfürgungen unb Sluglaffungen, 1857), Ä. 31. Sd)önfeg Sagenwelt ber Sitten u. a. ber beutfdjen Sugenb mitgetfyeilt, oljne bag jebod; bie Slufgabe einer r a onftertreuen Uebertragung big je§t gang genügenb gelögt erfdjeint. ergiebiger nod) ift bie Irbeit auf bem gelbe ber @efd;id)te. Vergeben ift bie _nug 323eige’fd)em Slntrieb entftanbene S53eltgefd;tc^te für Äinber oon Sdjrödl; (12Vbe.); 3 ugenblectitte, 3 ugenbtitcratur. 821 dagegen ftnto Brebomd „umftänbtidje Srgähtungen" immer nod) fd^ört unb ltühltd) gu Icfen, unb neben Sohlraufd) beutfdjer ©efdjidjte für ©djule unb£>aud, ©taefed „Sr= jäf)tungen'' nnb beffen fran§öfifc^e 97eBolution (1860), Sang hiftorifd)ed Sefebudj unb San ge ’8 Sefebud) gttr grted^ifd^en ©efdjidjte (gtnei treffliche, aber menig »erbreitete SSäc^cr), fonjie bie ©djriften Bon 37otl), ^ßfijer, SMttmar, 3. S. ftroger (norbbeutfdje greif ei td= unb £)elbenfämpfe, 3 Bbe. 1859) beroorguljeben; aud) tonnten nod) mand)e anbere braud)= bare SBüdber, namentlid) ©antmelmerfe, genannt merben, aber bod> fein SSerf, bad bie gange 2BeItgefd)id)te nach ber mohlgemeinten Slbficft ber Sofftud unb Becfer in aud= füljrlidjer unb gang geeigneter SarfteHung gäbe. — f^ilr bie Biographie, bie früher Don gebberfen (97ad)rid}ten Bon bent Sebett unb bent Snbc gutgefinnter SDfenfchen, 1776—90) unb (S^rift. 97i ent et) er (fpelbenbud) unb beutfdjer fßlutardj 1808—15) in giemlidj fteifer Bearbeitung in bie 3 ugenbliteratur eingeführt mürbe, finb gegenmärtig manche mertljBoIle ©djriften Borljanben, bie entmeber unmittelbar für bie 3ugenb bear= beitet finb, ober aud ber allgemeinen Siteratur tjerangegogen merben föitnen, roie g. B. bad Sebett Sutljerd non 3)7attb>efiud (Bon (Schubert bearbeitet), 97ettelbeefd Seben Bon 3- &. S. §afen unb 97eigebatter, bad Seben bed Stbmiral 37uiter Bon O.Slopp, ber alte fieint BonSefjler, Stöbcnd £aitd 3oadjim 3ietljen, bie in einigen ©tücfen gelungenen biograpljtfdjen S)?iniatitrbilber Bon@rube (1857), unb ©teind Seben Bon Baur (1860). ®ie 97aturmiffenfdjaft ift für bie Sugenbliteratur Bietfach audgebeutet morben, für Keine Sinder ebenfomohl, mie fiir halbreife 9?aturpl?ilofo^h>cn. Slber bie Berfdjiebenften gehler, breite unb blumenreidje SarfteHung unb mieber trodene unb minutiöfe 9lnaltjfe, grob materialiftifche 9luffaffung unb päbagogifdje £ a ft= unb fßlanlofigfeit treten Bielfach ijerBor. 97ttr menige SBerfe, mie ©rube’d „Biographien aud ber 97aturfunbe in äftlje= tifdjer gorrn unb reltgiöfent ©inne“ (1851), bie geiftreidj, ^oetifcf^ unb gelehrt gugleidj audgefiihrten „DJaturftubien" Bon 9J7afiud (1852) unb einige Heinerenaturgefdjidjtlidje Bilber erscheinen mahrhaft empfehlendmertlj. 5lld ©anged aber ift bed größten Sobed mürbig bie gemeinnützige 97aturgefdjidjte (namentlich bed Sh' em ’^) l ' ott £>. Seng, ein Buch, bad nicht eigend für Sinder gefdjrieben ift, aber gang in bem naioen Sone eineö einfieblerifdjen 9)?attned, ber, im ftillen Berteljr mit ber 97atur beglüdt unb reich, aller Sßett Bon feinen lieben £lji rcn Ufingen ergäben mödjte. — gür bad pljtjfU falifche nnb ted)nclogifdjc gadj finb im ©pamer’fdjen Berlag einige jiemlich brauchbare Sßerfe erfdjienen. 3 u einer unüberfefjlidjen güfle ift bie geographifdje Unterhaltungdliteratur an= gemachfen. 3ljre einfadjften Srgettgniffe finb bie 97eifebefcfjreibungen, mie fie g. S. Bon ^arnifdj (16 Bbe. 1821—32) unb dichter (lOBbe. 1831) in peinlich pabagogifdjer ludtnaljl, aber nidjt gar angieljeuber Bearbeitung, ober meit mirffamer in ben Sntbecfungd» reifen Bon Soof (bearbeitet Bon 37 ebenb ach er, 3 Bbe. 1847—50), 3 o h n 97 o jg (1844), 3amed 97ofj (1848), Saue (97orbpoleppebitiott 1859) unb aud) mol)l in ©rube’d Safdjenbudj ber 97eifen gegeben merben. 37eben foldjen, burd) ihre nüd)terne 355irftid)= feit unb burd) bie Offenbarung ftarfer SBillendfraft belehrenbett unb gugleidj fittlich er= hebenden ©d)riften ift in neuefter 3 e *t aud) eine beadjtendmertlje Siteratur Bon „geo= graphifdjen Sfjarafterbilbern" (Bon Bogel, ©rube, Sfomad, SBenjig, fßüfz u. a.) entftanben, bie in bearbeiteten ober unoeranberten Sjcerpten aud größeren Söerfen eine ©allerie Bon geographifdjen SHuftrationen für bie 3ugenb ju geben fucheu. 9Iber bad ernftere 3ntereffe, beffen manche biefer Schriften mürbig mären, mirb Bott ihnen abgewogen burch eine anbere 9lrt Bon ©djriften, bereu (Sbjarafter mefentlid) barin befte^t, baß fte bie ©eograplue in bie 97eije eined 97omand fleiben. Sine foId)e Senbenj, bie in 100 Bariationen ®efoed unbber3nfel gelfenburg fortfpielt, offenbart fleh tn einer glut Bon 97obinfonaben, 97eife= abenteuern 31 t SBaffer unb Sanb, fßanoramen, Sodmoramen, Sebendbilbern, 97eifebitbern, ©fi 33 enbüdjern, Bölfergemalben, 37atnrbilbern, 3onettbilbern unb mie bie Sitel alle feifen mögen. §ier finden ftch, aud Büchern aller Tlrt, am meiften aud ber modernen 97eife=, 822 Sugcnblcctürc, Sugenbliteratur. Souriften» urtb Sournalliteratur jufanunengelefcn, Silber in oerfdjiebenartigfter Sarfteüuitg unb in beit oerfdjiebenftcn religiöfen unb irreligiösen (Soloriten. SaS Allermunberbarfte, Außerorbentlid)ftc, Unglaubtidjfte wirb für ben liifterncn ©efdpitad beö {(einen S?efer8 auSgefud)t ober eigen« jugeridjtet. 9iobinfoit unter SDienfdjenfreffern ift eine lualjre 3bt)He gegen biefc £ömen= unb Sigerjjagben, Dleger» unb Kannibalen »©efdjidhten. Sei jebem Stritt in bie prairie, bei jebem 9iitt in bie SEBüfte unb bei feber Steife im Halmen» Ijain tritt irgeub ein fd)redlid)eS, l)alSbred)cnbeS, hoarfträubenbeS Abenteuer heröor. Ser Befer erbücft baS Sollsleben nidjt in feiner ruhigen ©itte, bie Siatur nicht in ibrcrn ftitten §auSl)alte, fonbern nur ben Aufruhr toilber Seibcnfduften unb roher Kräfte. ©e(bft beffere, wie Sbeob. Sielifc, ber juerft unb gloar anfangs mit loirtlid) päba» gogifdjent ©inne bie geograpbifdje 3ioinantif in bie 3ugenbliteratur bereinjog (unb audj burd) aubere 3ugenbfd)riften mannigfaches Serbienft fid) ertoorbeu hat), fotoie D. SB. 0. §orn (j. S. in ber Korfarenfagb), Korber u. a. oerfaüen in foldje Ausartungen. — (Sbarafteriftifdj für unfere ntoberne Sugenbliteratur finb eublid) 8) bie Silber ber Sugenbfdjrift. ©djon feit bem 14. 3al)rl). unb nod) mehr im 15. pflegten bie Abfdjreiber bie Stäuber ihrer Süd)er mit Silbern 31t fdjmücfen, bereit eyplicatißen SBerth St) om afin tnit ben 2Borten begegnet, fie feien für ben Sauer, ber bie ©djrift nidit oerftcl)e. 3n ben Sruden beS 15. 3al)rl). machten bie §oIjfd)iütte meifteii« ben eigentlichen Kern beS SudfeS an«, mahrenb bie (Srgähtung ju bürgen ©ä(jen einfd)rumpfte. Sie Silbuerei loar aber in gmeifadjer SRidftung thätig; gunadjft biente fie fird)tid?eu Slotioen, inbem fie fid), gang beut oormatteuben ©iune ihrer$eit ent» fpredjenb, auf Segenben, SD f taviengefd>idjten unb anbere iut)ftifd)e unb fromme SBerfe Warf, an benen baS15.3aht'h. fo große« äßohlgefaOeu hotte (©eroinuS, 11.319. fpeller, @efd)id)te ber fpol3fd)neibetunft, Seil. 2), unb baneben and) ©djriften, mie ber „©eie Sroft", mit ^oljfd/iiitten gierte, bis fie (im lti. unb 17.'3al)rl).) üorgugSmeife berSibel ftd) gumanbte unb herbei halb üoit ben groben fpolgfdjuitten ber fogen. Saienbibel bis 31t ben fronen ©anbrart’fdjen Kupfern 3m: gjürnberger goliobibel fortfehritt. Sie loelt» Iid)e fftidjtnng ber Kttnft bagegen trat etmaS fpater, namentlid) in ben trefflichen $0(3= fdjnitten oon .fpan« Surgnteier junt Sheiterbatif unb SSeißfunig heröor, fd)miicfte bie neubearbeitete Kir ncd) jefct in gleicher 3luS= Dehnung fein anbereS Silbermerf erreid)t hat. » Sind) ald beiläufige ©yplicatiou ber 3ugenbfd)rift »urbe baS Silb angemenbet, 5 . 33. in ©djröcfl ) 8 3Beltgefd)id)te mit Slupfern Don 9i 0 b e (1786, 8 Xfylr.), in bem „t>ifto= rifdjcn Silberbud)" (aud) unter bem Sitel: @efd)id)te ber Sbutfdjen 1797—1805, 8 33be., 20 2bh'0, in ©autpe’S oerfificirter 233eltgefd)id)te, unb toof)l am heften in ber ntora= lifcfyen 33ilberbibe£ bon Soffiuö mit Surfern nad) berßeidjnung neu Sdjubart (5 S3be., unter bem SEitcl 33itberfaai fortgefeijt een ©d)u(^e). 3tber im ganjen »aren Silber^ biidjer ohne Seyt ober mit Jurjer Srflärung eiet häufiger, als bilblicfje 3üuftrationen jum £eyt. Srft in neuerer $eit hat fid) ba§ 33erl;ältniS um geteert geftaltet. DaS Silberbudj bauert jtoar in einzelnen @rfd)eiuungen nod) fort, namentlich im geegraphifdien unbnatur= biftorifdjen gad)e, »ie in ©mit 2BenbtS 3llbum für Sanber= unb 33ölferfunbe (1847 bis 1850 mit 5—600 guten Üibbilbungeu), in ber „fpftematifd) georbneten 23ilfcerga£Eerie“ im fperber’fdjen Serlag, fo»ie auf bem h'ftorifdjen ©ebiete in ber „beutfdjen @efd)id)te in Silbern" :c. mit Xeyt Don Siilau (bis ©nbe 1860 faft 40 Sicferungen ä.7Va@gr.) unb für baS 3 arterc 3llter in gr. ©iillS „ft)ftematifd)er Söilberfd^nle", ben 9Mnd)cner 33ilberbogen u. bgl. tu. 3lber an Umfang unb pabagogifdjer Sebeutuug l)at baS Silber; bud) berloreu, maljrenb bagegen bie beiläufigen 3 'ttuftratiouen jum Steyte ber 3 ugenb= fdjriften 311 einem luyuriöfen Ueberfluffe fid) oermehrt haben. (Sinjelne ©rfdjeinmtgen tiefer Irt finb 3 »ar fünftlerifdj oortrefflid), »ie 3 . S. 9tid)terS geniale Silber 3 U ScdjfteinS SDlärdjeu, bie ßeidjuungeu ber SreSbener Äiinftler 3 ur 3lmmenuhr f bie §ol 3 fd)nitte bon bp p cci, Sdjneiber u. a. 9Iud) einiges auS bcni§erber’fdjen3nftitut in Karlsruhe unb greiburg unb bem $allbcrger’fd)en Serlag in Stuttgart ift beifaHS= »ertl) unb ein gortfdjritt in ber 3£ahrl)oit uaturl)iftorifd)er unb geograpl)ifd)er Sttuftra* tionen inSbefonbere fidjtbar. 9(atnentlid) h<*t ber Ijo^fdjnitt, ber in großartiger 3n= buftrie in bem Spamer’fdjen Serlage bon Solls* unb 3ugenbfd)riften betrieben toirb unb in Dielen gäUen ben bunten garbenbilbern päbagogifdj bor 3 U 3 iehen ift, ber Sugenbliteratur manche gute SDieufte geleiftet. 3nt gansen unb großen aber muß baS Silbermefen un= ferer Sugenbfdjriften 31 t ben ernfteften Sebcnfen Seranlaffuug geben. 3n bem »iffen= fdjaftlidjen, namentlid) geograpUifdjen Silberoorrath ift, tro (3 ber SOienge ber ©rfdjeinungen, bod) eine beflagenS»ertt)e ©införmigteit 3 U bemerfen; überall begegnet mau benfelben, nur mit neuen ted)nifd)en 2)iittcln aufgeftufsten Silben. 9lod) fd)limmer aber ftebt eS mit ben in bie @efd)id)ten eiugcftreuten Silbern. „9iid)t rnenige biefer Silberbibeln unb Silbergefdjid)ten finb nur 333erfe ber ©elbfudjt ber Hinteren, mie ber Serleger, unb eS ift empörenb 31 t fe^en, »eld)e Subeleien liier ben ftinbern geboten »erben." ( 9 iofeufran 3 . $äb. 61 f.) „©ine SDiaffc oon Silberbüdjern, bie bem Äiubc unter bem Sdjeiit unb mit ber ißrätenfion, fdjöu 311 fein, EaS Jpaßlidie oorführcu, gehört ooit 9ied)td»egen auf ben Codex librorum prohibitorum." (-ßaluter, 'fiabag. 273.) UeberbieS fchabet bie Ueberfütle ber Silber, inbeut fie serftreut unb oerwirrt, unb am meiften ihre 3uhalt= lofigfeit unb ©h ara ^ el ^°fi3f £ ’ t - »ciftcn biefer „3lbbilbungeu in Stahlftid), Sitho= graphie, Suntbrud, Jonbrucf, ^oljfdjnitt mit hödjft elegantem ©inbanb" bienen nur baju, bie ©affluft 3 U erregen, ben Jfeig beS DfomanS burd) bie 3 £ id)nung fentimentaler Sceuen unb grauenhafter Slbenteuer 311 erhöhen, bie Ueppigfeit ber ^3h an t a fie 31 t förbern unb bie ©elbfttl)ätig!cit 31 t erfd)laffeu, iitbem fie baS begueme „Slnlefen" burd) ein nod; bequemeres (( 3Inbilbern'' unterftüfcen. 3ebeufatlS feilte unb lönnte, felbft mit bemfelben 3lnfmanbe Don ©elb unb Talent, in ben Silbern ber 3ugcnbfd;rift breit SBiirbigereS geleiftet »erben, als bis je^t geleiftet »orben ift. 9) 3iiicfblicf. Ueberbticfen »ir bie ©ntmicfelung ber moberneu 3ugenbliteratur, fo läßt fid) in mandjer ^inficht ein gortfdjritt uidjt Derlennen. 2)ie SBeiße’fdjen Sin= berfiguren finb mel)r unb mehr in ein gereiftereS Sehen übergegangen, bie 9?üdlel)r auf djriftliiben ©runb unb 3 U Dolfsthümlidjen Stoffen ift »enigftenS oerfudjt unb bie 824 3ugcnblcctüre, gugenbliteratur. bibaftifdje UnterpaltungSliteratur mit manchem wertpboEen SBerf bereichert Worben. Sagegen pat unfere Sugenliteratur an tieferen SJioticett unb evnfter ©eftnnung mepr oer= toren als gewonnen. Kampe war boE päbagogifdjer Senbengen, ©algntann boE guten SBiEenS; für beibe Kigenfcpaften finben wir Wenig Krfap bei unfern ntobernften 3ugenbfdjriftfteEern. Sie fittlicpen Sftotibe finb bei bieten gweifelpaft; bie Senbeng ber meiften oorperrfdjenb eine ©peculation auf ben fßpantafiereig, unb bunte Silber, glanj= »olle KinPänbe, locfenbe Sitel unb bunteS Sltlerlei (namentlich in ber auch burdj 3erftüde= lung fdjäblicben ßeitfdjriftenform) unterftüpen jene ©peculation. Sie 3ugenbliteratur hat eS nicht einmal gu einem jWeiten Kampe gebraut, ©o aEgemein pflegt man fie als ein ©efdjäft ber bloßen SEtittelmaßigfeit gu betrauten, baff bie beften Scanner, nament= lieh tßäbagogen, fiep fd;euen, in bie Koncurreng eingutreten. -ßraftifd; ift bie ©efapr gewadjfen burch bie UeberfüEe, bie nunmehr faft aEe ©cpid)ten ber Sugenb überflutet. — 2ßeit naepläßiger ferner, mau fann fagen gewiffenloS ift bie päbagogifche Äritif ge= Worben. Sie Sugcnbliteratur wirb bon ihr faft ignorirt; I;öchften8 werben beiläufig folcpe Serfaffer, bie ber DJebaction befreunbet ober als brabe unb pülfSbebürftige-Seprer befannt finb, mit freunblicpem Sobe eingeführt. Sagegen geben fonft ehrenWerthe SDtänner ihre tarnen für bie Sütel seit 3itgexrbfdiriften unb ©ammlungen per, um mit ihrem guten Älange baS publicum gu loden unb — irre gu führen. ©rößer als je enblicp ift baper bie tKatplofigfeit ber Kltern unb felbft ber Sepret *) bei ber Sluswapl, ober auch ber Seichtfinn, mit bem man aEeS, was guten Älang pat, für bie Äleinen gufauimenfauft. II. ©ie päbagogifchen ©rgebniffe bet 3ugenbtectüre. 1) Ser päbagogifcpe tüBertp einer guten unb woplgeorbneten Sugenblectüre ift non ben erften fepriftfunbigen 3 e * ten an erfannt Worben unb barf nicht berfannt werben, obgleich bie ^jinweifung auf folcpen äöertp ben ©runb ober SorWanb gu eben ber Sugenbliteratur abgegeben pat, bie wir in Sorftepettbem ffiggirt paben. §erbart pält bie Seetüre „für ein nnentbeprlicpeS, fdjwertid) burd) etwas anbereS gu erfepenbeS ^ülfSmittel ber Kr- giepung nnb gerabe für baS SEfittelglieb, baS in jene leere 3^'t beS 3ünglingS, bie ben Knieper fo beforgt maept, eingefepoben werben muff." Kine gute Seetüre fann bagu beitragen, baß ber Sfnabe EJtenfdjen unb Seben fennen lerne, — unb gwar niept nur bie UBelt, bie baS Sucp ipm barfteEt, fonbern auep bie wirflicpe, in ber er lebt, inbem er biefe an jener berftepen lernt. — Sei biefer geiftigen Strbeit, bie ben 3npalt beS SucpeS mit ben eigenen Krfaprungen unb ©ebanfen 311 affociren ftrebt, reift über» bieS baS Urtpeil beS SeferS unb werben neue ©ebanfen ipm 3ugefüprt, bie oft als treibenbe Äraft burep bas gan3e Seben ftep pingiepen. — 3nSbefonbere fann ber Kinfluß einer guten Seetüre auf bie ©efinnung als fepr peilfam betrachtet werben. Sie Se* gebenpetten unb Situationen beS SucpS pflegen concentrirter unb bei reeptem Sefen un= geftbrter auf ben tnaben gu wirten, als ber Serlauf beS aEtäglicpen SebenS eS bermag. Kntfcpiebener, als in biefern, nimmt ber junge Sefer Partei für unb wiber bie tßerfonen unb ©cfmnungen, bie ipm pier borgefiiprt werben. Kr liest mit bem bergen mepr als mit bem Serftanbe; er begeiftert fiep gern an großen 9Kenfcpen unb erhabenen ©ebanfen, unb feine natürliche 3fid;tung aufs Sbeale laßt ipn oft aus bem Sucpe noep SeffereS perauslefen, als eS entpält. Slucp giebt eS eine 2lrt ber Krgiepung, bie oon bem gebrudten Sucpe faft noep beffer boEgogen werben fann, als bon bem wirfliepen SBorte. ©erabe bie peiligften ©ebanfen nämlicp fträuben fiep oft, laut über bie Sippen gu treten, ober Werben, wenn fte Sluge im 2luge perbortreten, niept gang unbefangen pingenommen. SaS Sucp bagegen mit feiner peimlicpen ©praepe fann, aucp opne bie fromme ©epant *) ®ine größere Seprerberfammtung in granffurt a. SK. fonnte nach mieberpolten, eingeben» ben Konferenzen fiep, abgefepen bon ben bibaftifepen Unterpaltungsfcpriften, nur über gwet gute 3ugenbfcprifteu einigen: Kampe’« SKobtnfon unb ©rirnms 'Diärcpen, — unb über biefe nur mit bem SJorbcpalt, baß ber erftete anber« gefeprieben, mtb bie jweiten niept gefcpriePen fein fofften. 3 ugenblectüre, 3u9enblttetatut. 825 ju »erleben, mandje 8 au 8 fpred)en, wag bet grjieljer nicht immer ju fagen oermag, unb fann bamit ungeftört bie fyeiligften gmpfinbungen mecfen unb nähren. — gnblidj übt bie Seetüre au* auf bie äßhetifdje Bilbung beS ßöglingS einen bebeutenben gin= ßuß; wenigstens oermag ein ctaffifd^eS Sud;, wie burdj fitttietjen ©ehalt, fo burd) ©djönheit ber gönn, faft mehr als irgenb ein anbereS SRittel, bie Sugenb ju gutem ©efdjniad ju gewönnen. SBie eine foldje SBirfung in bem „©efammtauSbrude ber Bilbung", in bem beutfdjen Sluffatse beS ©djülerS, fid) auSfbrtdjt, !ann jeber aufmerl» fame Sekret erfahren. Slber folgen ibealen grwartungen gegenüber entfielt im fpinbltd auf tbatfätbücbe 3 uftänbe 2 ) bie Befürchtung, baß unfere moberne Sugenblectüre im allge= meinen weit mehr jum Berberben als jum Epeile unferer Sugenb wirfe. ®a 8 Berberbltd)e aber liegt theilS in bem Sntyalte ber Sugenbfdjriften, tl>eilS in ber Slrt unb Sßeife, in weldjer bie Seetüre berfelben betrieben wirb. ®aß ber 3nl)alt unferer Sugenbliteratur ju ben ernfteften päbagogifdjen Befiird)= tungen Slnlaß gebe, bebarf nad) ber oben gegebenen gharafteriftif wohl faum einer weiteren ^Darlegung. ®ie Unwahrheit unb ber maßlofe Bhantaßerei j > b« ®ebanfen= armuth unb bie oft gerabeju ins Säppifdie unb Äinbifdje übergehenbe Srioiaütät, womit weitaus bie uieifteit unferer 3 ugenb= unb namentlich Äinberfdjriften erfüllt finb, muß entfittlic^en unb entneroen, 31 t ®iinfel unb frühreifer fReßepion, ju fRomanhaftigfeit, Berfdjrobenheit unb Btafirtheit führen. ®ocb bie ®efaf)r liegt nidit im 3nhalt allein, fie wirb erhöht unb felbft bie 2 Bir= fung ber an fid) guten 3ugenbfd)rift wirb gefährbet burd) Uebermaß unb Unorb= nung beS SefenS. 3) ®ie Sinberbitcher höben fo weit ju ben friiheften UnterhaltungSbebürfniffen beS ÄinbeS hinab= unb fo tief in baS Sntereffe ber Sugenb überhaupt eingegriffen, baß oor ihnen bie natürlidjfte Äinberunterljaltung, bie tuünblidje grjählung (unb wohl auch ber ®efang), immer mehr oerftummt unb bamit eine große päbagogifcfje SBirfung, bie fonft bie grWad)fenen übten, oerloren geht unb felbft ins ©egentheil oerfehrt Wirb. .— ®ie heilfante ©parf amfeit, welche bie grjälßer bei ber ÜRitthetlung ihrer @d)äfce ganj oon felbft einhielten, fpringt im Sinberbud) jur unoerftänbigften Berfd)Wenbung über. ®em 2Rärdjen aus liebem ÜJlunbe laufchte baS Äinb immer wieber, bis eS enblidj felbft bem ftodenben grjäl)ler einjuljelfen wußte; unterm fpören unb SBieberhören erWa*te ber Srieb, wuchs bie Suft unb bie Befähigung beS SBiebererjäljlenS an jüngere ©efpielen, unb flare Bitber üon unoerWttftUcher Sebenbigfeit festen ßd) als bauernbeS gigentljum in ber (Erinnerung beS ÄinbeS ab. 3eijt — im Äinberbud)e — fliegt bie brennenbe ÜReugierbe an einem Slbenbe ganje fReiljen oon @efd)id)ten burch, unb oon aüen bleibt ber erbeten Bfiantaße nur ein ©eWirre oon nebelhaften BorfteHungen. — ®abei geht mit ber ©eWohnheit ber münblichen Ueberlieferung zugleich eine unfdjäfsbare fittlich e SBirfung oerloren. ®enn jene SDlütter nnb ©roßmütter, Bäter unb Santen, bie in unbewußtem, bidjterifdjem ®range unb aus eigenem finblidten ©emüthe h ei 'au 8 bie ÜReiftetfchaft in ber ffunft beS grjäljlenS übten, jogen baS Äinb jugteid) mit feßen Banben ber Siebe unb Pietät untuerflid) an fid), unb an ihre ©eßbidßen fnüpften ftch be 8 l)alb, bis ins fpäteße Sitter anSbauernb, oft bie liebften unb felbft heiügften grinnerungen ber Sinbheit, — währettb je£t, im Bud)e, bie ®efd)id)te nichts ift, als @efd)id)te unb ber fleine Sefer auch noch ben ®iinfel hat, baß er fi ein weiterer ©ewinn geht oerloren. ®enn in jener ßeit, oon ber ©ötpe 826 Sugenblcctücc, 3«flC«bIitctatur. rühmt, baß „nodj {eine Bibliothefen für Sinber bcranftaltet maren, baß aber bie Hilten felbfi nod; finblidje ©efmnungen Ratten itnb eS bequem fanbeit, ifyre eigene Bilbung ber 9 f Jad)fommenfd)aft niitjuttyeilen— fegten bie Hilten ber 3ugeub nicht nur 3U cr= gälten, fonbern and) mit iljr gemeinfam ju lefen. ÜDer ©olju las fich mit bem Budje ^inanf in ben ©ebautentrciS beS Batcrö, ber Bater erfrifdjte fidj au ber Freube ber 3ugenb über baS ihm altbetannte @ut. 3)aS Bud) marb beiben eine gemeinfame fjeimat, führte jur Berlniijjfnng unb 31:111 SlitStaufd) ber ©ebauten. GsS mar ein Speit beS Familienlebens. Uttfer Äinberbudj aber führt nicpt 31t einer Bereinigung ber ga= milie, eS trennt fie bielmehr, eS ifolirt baS Stinb; tenn baS fiiiiberbudj pflegt nur ben Äinbern genießbar 3U fein, nicpt ben (Srmadjfenen. 5) Hludj bon ber praltifdjen SEIjätigfeit beS SebeuS jiel;t bie Seetüre immer nieljr ab. Unfere Sugenb I;at oljnebieS ber Büdjerarbeit genug, unb eben baburdj pat fie ben {Rautu, fornie bitrcb bie biel bereiten BergnügungSanftalten bie angeborene Äunft ber freien ©elbftbefcpäftigung berloreit; unb für biefe, boit ber Büdjerarbeit ber ©dptle heimfepreitbe 3ugenb pat man als miüfonimenfteS unb bequemfieS UnterpattungS» mittel — abermals Büdjer, uubclümmert barum, baß babei jene gefunbe Äraft, bie inS Seben pinauSftrebt, bie in ber ©efelligfeit fidj erfrifcpeit, bie erfinbeu, fdjaffeii nnb «tagen mödjte, boüeitbS erftieft mirb. ©elbft ©orffdjuleit paben jept ipi-c Sinber= bibliotpefen. 2lu ben Stätten einer reicher entmidelten (Eibilifation aber geben nirfjt nur ©duilerbibliotpelen il;re qaäbagogifc^ patentirten, fonbern audj Beifjbibliottjefen iljre uncenfirtcu Äiuberbüdjer auS; aus ben unöermeiblicfjen SBeipnadjtS« unb @eburtStagS= gefdjenfen fammeln in febem .fjaufe Äinberbibliotpcfen fid) an, bie unter F^euuben unb greuubinnen bon einem £>aufe gum anbern in ftetem SluStaufcp circuliren; baneben ar= raugirt man oft für bie lieben Äinber aud) nod) baS leibigfte aller Sefeinftitute, liämlid) 3ugenb3citungS=3irfel, unb eS ift babei immer bon ©lüd 3U fagen, menn ber einmal ertbedte Sefeburft nirfjt and) noch in ben umperliegenben Sonrnalen unb {Romanen ber Cf Hern itafdjt. 6) 3nt ©enuffe jener steige, meldje bie ifJljantafic fieberhaft erregen, machst aber 3ugleid) baS ©elüftc nadj bem SReige immer neuer ©emütpSerregungen, unb eS erzeugt fid) jene Sefemuth, bie nirfjt fetten fo ftarf tnirb, baß baS Äinb feinen Biicperburft, mie ein bem Srunfe berfallener Unglüctlid^er, nidjt meljr 311 bänbigeu meiß unb 3m- Befriebigung beSfelben jumeilen nicht ntinber unfitttirfje SRittel ergreift, als jener. — ©elbft leiblich entnerben faun biefe Sefetbutp. SBenn ©d/reber („ein ärstlidjer Blid") fd)on bon bem SRärcpen, biefern harntlofen @ebid)te, ©efahr für bie ©efunbheit fürrfjtet, maS foll man 3U unferen Äinberrontanen fagen? ©erniß, »nenn bie (Eltern febjen, wie ihr Äinb, tiefaufathmenb bom Snbe ber fdiönen ©efdjirfjte, mit glüheubem Stopfe unb gläfernen Singen bafipt, fo biirfen fie fürdjten, baß ein foIdjeS Scfefiedjtpum bereits begonnen bat. 7) 9lucp bie miffenfdjaftlicpe Bilbung ber3ugenb, fürsten mir, mirb burd) unfere Sugenbliteratur meit mehr gefäprbet, als geforbert. äßir motten menig ©emic^t barauf legen, baß ber Jluabe über feinem Sefen bielleirfjt bie ©d)ularbeit berfäumt. ®ie größere ©efaljr liegt in einer Stbfrfjm ad)ung beS mif f enf djaftlidjen ©inneS. SWan tann (Bergt. ©djcibertS Bemerfnng im ^Programm ber Fncbrid) = 2BilheliuSfberfläd)lid)feit unb 3 er ft rcu t= ljeit ber ©ebanfett überhaupt ergeugt, baß bag ©ebadjtnig abgefdjwädjt unb enbtid) ein träumcrifdjeg Saljinbcnfen unb Saljinleben gur ©ewobnljeit wirb. 'Daß aber fold)c ßuftänbe beg ©eifteg nidjt eben 31 t erufter unb frudjtbarer wiffenfc^aftlic^er Slrbeit biS= poniren, bebarf feineg Veweifcg. 'über nidjt nur bie romanhafte 3 ugeubfcfjrtft, fonbern fetbft nufere fpecififdj bibattifdje Unterljaltunggliteratur, wie fie jefät befdjaffeu ift, unb bag Sefen berfetben, wie eg gewopntid) betrieben wirb, bringt, fürsten wir, für bie wiffenfd^afttidje Vitbung ber Sngenb mandjen 3tad)tljeil. üßerbingg wirb Ijier bem Sefer eine SDtaffe ben wiffen 8 = wertl)em ©toff jugefftljrt. über eg fdjabet and) l)ier bag bunte Surdjeinanber unb eg fdjabeit oiele ©djriften ber ürt bitrd) ben Steig beg eingelegten Stomang. Kg mögen immerhin allerlei nüfjlidje Äenntniffe hängen bleiben. Slber eben ein foldjeg Beiläufiges §angeub(eiben ift fd)on bebenfüd); benn eg fehlt it)m ber Zufammenljang, unb ber 3 iifätlige, fpritngweife oorauggreifeube KrWerb ber ^Sriöattectüre bitrdjfi-enjt bie übfidjt eineg moljlgeorbneten ©djulunterrid)tg. Sagte fomntt, baß bie bibaftifdje Sugenbfdjrift in woljlberftanbener ©peculatiou üon allen Singen unb ©efdjidjten bag ©djönfte unb ümüfantefte barbietet unb mit foldjeni .'ponigfeim jene ftnaben großgieht, bie feben ernfteren ©toff beg Unterridjtg unfd)madhaft finben unb mit allem, Wag ber Sfeljrer giebt, fthoit fertig gu fein meinen, Weit fie »on allem, wag er giebt, fdjott bag ©iißefte hiuWeggenafdjt haben. Sie ©cfjlaffheit unb 3 er f treut ^ c ^ ber 3ugcnb, über weldje man nidjt feiten flagen h“-'d, — bie enctjtlopäbifd)e Viel» unb Ipalbwifferei unb ber barau fid) fnüpfenbe, über alleg raifonnirenbe unb abfpred)cnbe Stinte!, wie er unferer 3 e >l überhaupt eigen ift, finben ben ergiebigen Vobcn in bem fcidjten unb fiißlidjeu f)3opu= larifiren ber Vßiffenfdjaft, junädjft für bag Äinb unb bann für bie erWadjfcneu ?aien. 8 ) Sie moberne Sugenblectüre überhaupt ljat fid) non ber fß®ba= gogif abgetögt. ©ie wirft mit ftärferen Steigen auf bie 3itgenb, alg irgenb eine anbere päbagegifdte Snftitution fie 31 t üben bermag ober gu üben berecBtigt ift, unb führt in unabläffiger geige immer neue Vfantafie» unb ©emüthgerre.gungen unb immer neue, bunt burdjeinanber gchenbe Verkeilungen ber oiellejenben 3ugenb 3U. Sie 3u= genbliteratur ift in unfern Sagen 311 einer üftadjt geworben, bie unberufen, aber mit unermeßlichem Kinfluffe in bie Srgicljung faft ber gefammtcu Sugenb fid) einbraugt unb in weiterer golge auf bie Vilbung ber gangen Station einwirten muß. 2Ber aber ben ©puren biefer VBirfuitg nachgeht, ber wirb fie beutlid) genug in ben ©tjmptomen ber Zerfahrenheit, SBlafirttjeit, Ißuerilität unb Sl)atenlofigfeit nuferer Sugcnb unb in ent» fpredjenben Straufljeiten unferer Zeit überhaupt ertennen. Sei bem ünblicfe eines fo troftlofen 3 u f tan ^ e ^ tonnte man fid) oerfud)t finben, bie fßribatlcctiire überhaupt aitS unferem Krgiehungg plane gu ftreiepen; unb in ber Sljat würbe, wenn man bamit unfere gange fpeciftfdje Sugenblectüre befeitigte, ber ©ewintt weit größer fein, alg ber Verluft. Slber eine unbefangene 33etrad)tung muß ung lehren, baß jener Stotljftanb nur burd) üugartuugen ber Literatur unb beg auf fie geridjteten Sefetriebg entftanben ift unb nidjt fd)led)tl)in burdj Verbote, fonbern nur burd) bie ©egenwirfung einer guten Seetüre befeitigt werben tann. 3e bringenber bie ©efaljr ift, bie wir in ber 3 ugenb(iteratur ber ©egenwart mtb, felgen wir lungu, in unferer 828 3ugenbtectüre, juflenbttteratur. fogeit. fdjönen Literatur überhaupt erbltctcn, um fo entfdjiebener fcrbert bie ^ßfticfct bet (jßctbagogtf, baß ße bem ©dßeßten etn ©egengemicßt tm @uten gebe. „SBtr müfjen beu Säugling 1 efett lehren, inbem mir ißm je(st ba§ @ute unb ©cßBnc jufiißren, bamit ißn fünftig ba« ©efdjmacflofe unb Unßttlicße bitrd) fid) felbft jurücfftoße." (£>erbart.) 3)ie Aufgabe muß baßer baßin gerietet fein, baß eine gute Sugenblectilre be= [cßafft unb bie gute gut geleitet merbe.*) *) Sa« ©cfäbrliße ber Seetüre beleuchtet $oßenberg (beutfßc 3 eitfßrift) in einem anbetn 3n|’ammenbang an einet auch in anbetn Schiebungen beaßtenämerthen ©teile, bie mit beätoegen hier abgefürjt aufäunelmien un« erlauben. St f^tic^t babon, mie ein fo eben erfl in bie Sahn ßriß» lieber Suitier eiugetreteue« Sol!, auch too in feinem Senteit unb (Sntbßnben bet neue ©eßalt itocb nicht in abäquate gönnen gefaßt iß, fo frifcb, birect auf bie ©aße gerichtet fei, unb bagegen mie tuet gormelmefen nnb 'ßhrafenmerr nufere heutige altgemorbene ßrißtiße Stlbung bnrßjiehe; bie Strafe berrfße toeit unb breit, auch auf beit firdglidhen ©ebieten ber Siteratur unb Siebe, unb e« fei bie« ein ©qmbtom bon SBermilberung unb ßorruf)tion ber ©brache au« Uebercnttnr unb Unnatur. „ 3 n ben reichen ©ßafc ber frommen ©brache, bie einft au« ben tiefften (.Smbßnbuitgeu unferer Sorfahreu betau« gefchaffen mürbe, greift bann mohl gebautenlo« unb meßanifß ber halb» ober ganj meltliche äJiautt nuferer Sage, ber nun einmal berufsmäßig bon 3ett 31t üeit bie Äanjel be» fteigcu muß. 3 m Slnfang iß er ßß mohl noch bemußt, baß bie Sorte unb ©ebaufcit, bie er au«» (bricht, ihm felbß Sßahnungeit ftnb, boß nicht feinerfeit« hinter bem Snßalte juriidjubleiben, ben fie urffmiingliß enthalten, ßch menigften« ctiSjußreden nach bemfelben 3 iele göttlißeu Seben«, ba« er mit £ülfe ber firchlichcit 3 lu«brücfe benen borßätt, bie feinem Sorte äußeren. Slber e« liegt in ber Statur ber mi«hanbelten ©eelenticrmögen, baß ße ßch gegen ben Unterfchieb jmifßen bem boßen ©inn ber Sorte unb ber flüchtigen bhrafeithafteu Slnmeitbung berfelben mehr nnb mehr abftmnbfen unb baß fo eublich ber SDtenfß bahin geht in mechaiüfcher, gemohnheit«mäßiger Stushößlung be« ©beißen burch gebanteitlofen ©ebrauß, inbem fein mabi'hafte« Seben anber«mo liegt." ©« fei bie« nicht fo gemeint, ,,al« bürfte feiner ein Sort gebrauchen, beffen reicher ©ehalt in bem äugenblicfe ber Slnmeubung ber ©eele nicht ganj gegenmärtig märe. ©« mirb im ©egentheil gerabe im Sereich ber tiefßen begriffe immer ein gemiße« Slufftreben ber ©eele ju ber güße be« Sin«» bruef«, beu ße ermähtt hat, tmrhanbeu fein. Slber biefe« bemußte Slufßreben barf eben nicht fehlen, unb nur fo lange e« ba iß unb alfo ber dofectus gefühlt unb 511 toerminbern gefugt mirb, bleibt bie Slerfßiebenheit bon reifem Sort unb unreiferem Scbett eine erträgliche, nur fo lange gilt e«, baß ba« Sort, insbefonbere ba« heilige Sort, mefche« man in ben föiunb nimmt, ben lahmen SJtenfßeitgeiß emßorträgt, über bie ©«hranfen hinan«, bie un« in unferer fo unb fo meit entmiefetten, allenthalben bebingten ßferfönlißfeit fo oft beengen." Siefe Älage fei aber auch auf anbere ©ebiete augjubehuen. „Sie hößern ©tänbe, bie lefenben ©tänbe leiben alle an bemfelben Uebel, meitn man auf bie Surjel beäfelbeit achtet, unb biefe iß boch feine aitbere, al« ber Stängel au ©elbftbefinnung, ba« Soßßelleben in un«, oermöge melche« neben einem bürftigen, berttaßläßigten mirflichen 3ß ohne gäßigfeit ber ©elbßoerlengnmtg unb mahreit Siebe ein bunte« Slggregat bon allerlei fßönen hhantaßifßeit SSorßeßungen uno ®e» banfeit in unferer ©eele burch Seetüre entßanbeu iß, ba« ßch öfter« an bie ©teile be« 3 ß feßen miß, ba« auch gerührt merbeu fatui, ba« fritißhe Urteile abgiebt, ba« fqmßathetifch unb abßoßenb afßcirt mirb, mährenb ber innere Sßenfß, menit er fich genau fragte, oft bie gerabe entgegenge» feßte ©mjjßtibung in ßch bemegen mürbe, ©ine fräftige Sereabnitig bor ber genießlithen Scan» merei be« ©eiße« mirb immer in ber ßingebeitben Slrbeit für ba« ©anje einer ©emeinßhaft gegeben fein. Sie früh fann ba nicht fßon bie gamilic in bie Silbuitg be« anfangenben Sißen« heilfam ciutreten V Sie berantmortungSboß iß e«, menn ber SBater unb bie üJtutter burch S 3 eruf«» leben unb gefeßige 3 er ßreuung bie Jlinber anbetn §änben jn überlaffen getrieben merben, bie, mögen ße auch in ihrer Slrt treu fein, boch nicht ber Kraftübung be« Ä'inbe« bie ©tetigfeit unb beit fittlißen Sertß geben fönnen, ber nöthig unb ihnen felbß leichter ju gemiiineu märe. Se» greifliöh iß e«, marum bie tiefer blicfenbeu ißäbagogen bamit nicht einberftanben finb, baß bie ©cßule in unfern Sagen bie Sugenb fo biel befcßäftigt, baß ße bem fjaufe mie bie 3 eit, fo auch ba« ©efiißl ber Iß fließt nimmt, ißre ©lieber aueß mäßrenb be« ©cßnlleben« in bie elterliche, »on ©ott al« unberäußerliß georbnete 3ußt ju ßeßen. — 3ß ber ©inn gemedft mißt mir für bie Slrbeit, fonbern aueß für gemeinfame ßingebenbe Slrbeit, bie ltoß ganj anbere greube maßt, al« ber gemeinfame ©enuß, ber al« folßer gefußt mirb, bann merben auß auf« neue im focialen Seben an ber ©teße abgennßter Sinrißtnngen neue ßttliße ©aitje entßeßen, bie unfern heutigen 3ugenblectürc, 3ugcnbliteratur. 829 III. ©igenfdjaften einet guten Sugcnbfcfjttft. 1) Sie 3ugenbfd)rift h at bie Äufgabe, burd) eine anmutige unb jugteid^ belefyrenbe Unterhaltung bie 3ugenb in ihrer allgemeinen ^Bildung ju fßrbern. ©ie foll in müßigen ©tunben bem 3ögbinge eine geiftige (Srfrifdjung gewähren unb gugleid) unnierttid) tieferen päbagogifdjen ßweefen bienen, — i^m eine wiütommene (ärpolung bon ber ©dfularbeit bieten unb bod? jugleich eine ©rgängung bed ©chulunterrichtd bilben. 23on bem ©pulle febnpe unterfd)eibet fid) bie 3ugenbfd)rift dadurch, baß jeued audbrüeftid) jutu ©d;ulunterrid)te in ber beut= fihen ©brache unb Literatur benutzt, non bem Seprer erflärt nnb uou bem ©d)üler be= arbeitet wirb, oiefe bagegen and freier Siebe gelefen, ohne dpülfe eined anbern oerftanben »erben foü unb nur in btefer (inbnetioen) SBeife bie ©pradpübung bed ©chülerd för= bem wiE. <$d muß baher bem entfbrechenb bie metpobifdfe (£inrid)tung beiber ©Triften uerfc^ieben fein, dagegen inüßen beibe in ihrem päbagogifcpen .gwetfe übereinftimmen, b. p. barin, baß ihr 3npatt geeignet fei, ben @ebanl'en= unb 21n= fepauungdfreid ber 3ugenb gu erweitern, bie Sß^antafie ju beleben nnb gn gügeln, eble ©efinnungen unb religiiifen ©inn gu ermeden unb gu nähren unb ben ©efepmaef gu hüben, Sßenn aber ber ©runbfap ber Sibattit richtig ift, baß ber 3ugenbunterrid)t überhaupt nicht eine fubfectibe Sehre, fonbern nur einen, ald befted (Sigenfpunt unb treibende Sraft ber SBotfdbiltung bewährten 3nhait geben dürfe, unb wenn biefem ©rundfape gemäß bad ©dfutlefebitcp fpon feit Saprgepnten gu ber ©rtenntnid getommen ift, baß feinem päbagogifdjen ßweefe nicht durch fetbfterfunbene ©efcpidßen genügt wer* ben tonne, fonbern nur baburd), baß ed and ben bewährteren ©djäpen ber Stational* iiteratnr „bad ©chönfte, ©belfte unb Steinfte, bad ©efunbefte unb ^jeilfamfte barreiche" (SKepoff), fo ift damit auch fifr bie Sluffinbung eined guten ©toffd ber Sugenbfdjrift im allgemeinen ber richtige 2Beg oorgegetepnet. 3lud) hier muß ber ©runbfap gelten, „baß bad SSefte nur eben gut genug für bie 3ugenb fei.“ 2) Sad 23efte aber, wad bie Seetüre geben tann unb foll, ift bie and ben tiefften Quellern ber Soltdbilbung entfprungene, bem ©efammtbewußt* fein ber Station ald claffifd) bewährte unb in bad 33olt eingelebte Sichtung unb prattifepe äßeidpeit, — ober im weiteren ©inne „alled, wad ald 2Belt= unb ÜSöIfergabe oerehrt wirb." (Stofentrang.) H3on folcpem ©epalte war auch großtenfpeild die 3ugenblectüre ber Äöorgeit, fei ed, baß ber claffifche Siteraturbefip ber Station unoertürgt unb unmittelbar, wie in ^omer, der fpatriarepen* gefehlte, ber Segenbe, ber 3ugenb gugänglicp unb petmifcp gemad)t, ober baß er in bebauter ätudwapl unb wohl auch in angetneffener neuer Raffung, wie im ©djüStütg, §itopabefa unb ber „©elc Sroft", gu fpecififcpen 3ugenbf leidet begreifen, iperbart halt eS gerabeju für unmöglich, baff in unferer 3^it ein aud) nod) fo großer ©idjter eine ber Sugenb wür= bige ®r$äl)lung erfinbe, weil jeber ©tdjter noB feiner Erfahrungen, Äenntniffe unb eigenen Angelegenheiten fei unb bem üDianneribeale beS Wohlangelegten Änaben nichts eutfpredje, waS unter bem Einfluffe ber heutigen Eultur erWad)fen ift. ©ie Aufgabe eineg 3ugenbfd)riftfteflerS unferer 3eit wirb fid) baher wefentlid) barauf befdjräufen, claffifdje 8itcratur=©d)äfce für bie Sugenb auSjuwählen unb je nad) BebürfniS gu regeneriren. Aber felbft bicfe fiunft, foldje ©d)äf 3 e gu heben unb bie nod) größere, alte loftbare perlen, wo eS nötl;ig ift, neu ju faffen, erforbert päba= gogifdje unb poetifd)e ©enialität gugleid) unb baju nod), wie fpantann (©Serie II. 445) fagt, einen -Nenfdjen, „ber einen Narren an Äinbern gefreffen hat." 3) 33SaS bie Auswahl betrifft, fo hat ciefe, wie and),'perbart, 93euefe, Nofenfranj u. a. forbern, gunädjft auf bie in finblidjeu Eultureped) en entfprungene, burd) langjährige Ueberlieferung in ber Entwidelung beS ©olfSgeifteS abgeflarte ©idjtung unb SBahrheit jurilcfjugehen. ©ie ltrfpriinglid)feit ber bargeftcBteu 3uftanbc unb bie Nai= betät ber ©arfteBung entfpredjen bem ©inne beS ÄiitbeS; unb in ber Eongruenj eine? finblidjen BilbungSftaubeS beS ®efd)led)tS mit bem beg f) ei 'anwad)fenben SnbioibmtmS mag and) ein innerer ©runb liegen, weshalb bie ©efd)id)ten bon bem rebelunbigeit unb liftereid)en ©bpffeitS unb bem göttlichen ©d)Weincl)irten öon unfern Äinberu mit eben fo unermüblidjem Eifer gelefen werben, wie bie fßatriard)engefd)id)te. 3a, §erbart will überhaupt „nur eine einzige ©egenb tennen, wo eine ber Sugenb wiirbige Ergahlung gefunbeu werben fönnte, uämlid) bie claffifd)e Äinberjeit ber @ried)en, — unb gunäd)ft bie Dbhffee." — . 3nbeS auch auS fortgefd)rittenen BilbungSepod)en fönnen ©Serie entnommen Werben, welche ber ©hantafie unb bem BilbungSbebiirfniS beS SinbeS entfpredjen; unb auch unfer eigenes ©oll beftfjt ©tf)ä( 3 e, bie wertl)boB genug finb, um au ihnen bie Sugenb biefeS ©olfeß ju bilben. ®a8 ed)te ©cllSmärdjen, Nibelungen, bie ©olfsbiidjer non ben fpaimonSfinbcrn, ber fdjöneti Nfagclone, non gortunat, bem ewigen 3uben, fyaitft unb ber ©agenfdjah überhaupt, fowie felbft bie Segenbe, bieten, unb gwar in geeigneter ©ertretuug uerfd)iebener ©ilbungSftufen beS ©olfS unb ber Sugenb, braud)bare ©toffe bar. Aud) in gabeln, ©efdjid)ten unb Anefcoten, bie als ©ppeit ber ©Selter= fahrung, ber ©olfSweiSheit unb beS ©ollSWifjcS (wir erinnern an Sulcnfpieget unb bie ©djilbbürger) gum ©h e *l au8 uralten 3 e ikn [ich erhalten unb in baS ©oll eingelebt haben, fincet fid) eine giiBe non SNatcrial, baS tljeilweife fd;on in itnfere 3ugenbliteratur übergegangen, aber immer neuer ©idjtung mtb Bearbeitung fähig unb bielfad) bebiirftig ift. „giir baS 3ünglingS= unb Sungfrauenalter aber, unb um fo mehr, je mehr eS bem reiferen Alter fid) nal)ert, muß bie AuSbilbung ber ©oefie ben Ernft ber 33Sirllid)feit felbft in feiner unb er hüllten Energie herbortreten laßen. Nidü mehr als al)nungS= boBeS ©piel, fonbern in feiner objectibeu Eigenheit muß es nunmehr bie ©orfteBung ber Sugenb burdjbringen, ba fie felbft in baS ©etriebe beS ©SeltlaufS einjugreifen fid) anfd)icfen foB. 0 (Nofenfranj §. 97.) 3n biefe gunetton wirb gunädjjl baS ©rama unb ber Neman eintreten, beibe nad) ihrem isealften Begriffe aufgefaßt als eine poetifdje yugcnblecticrc, IJugciiDliteratur. 831 SarfteHung beS im Stampfe gegen baS ©djidfat erftarfenben unb fid) läuternben SQten» fd)engeifteS, — unb ^ier bietet aud) bie neuere ctaffifdje Literatur eine siemtid) reiche siuSwafil- 2tm bürftigfteu ift aus nal)eliegenben ©rünben bie 9luSwal)l für bie früf)e Stinb= heit; aber bieS eben foHte nur bie Mahnung ocrftärfen, baß man bie Seetüre biefer frühen unb meift 51 t früh lefenbeit Stinbljeit befdjränte. 4) Sie grage, ob unb inwieweit claffifd)e ©tüde eine für bie 3ugeitb berechnete Bearbeitung gulaffen ober erforbern, muß nid)t allein 00 mpäbagogifd)en, fonberit and) oont äftt>etifd?en ©tanbpuuete au» erioogen werben. Bei SBerfeu ber früfjeften Sulturperioben wirb Der uU)tljifd)e unb t>iftorifd)e |rintergrunb, aus bem heraus fie fid) geftattet haben, einer Stufhellung, unb bie nadte 3tol)eit ober bod) ber üluSbrurf berfetben einer ©äuftigung bebiirfen, Damit baS ©anje bem Stinbe ber ©egenwart oerftiinblid), unatiftößig unb heimifd) werbe. Sennod) aber mujj ber &harafter unb bie gärbung DeS ©anjen bewahrt unb barf bie traft nicht abgefd)Wäd)t, baS Jperbe nid)t öerfitßlid)t werben. 2 Rit einer cioiiifirenben geile allein, ober and) mit ertäuternben 9?oten ift l)ier nicht geholfen unb mit eingelegten 9iaifonnementS Diel gefdjabet; oietmehr bebarf eS eines Wahrhaft fd)öpferifd)en ©eifteS, um bie großen ©elfter, bie im ©rabe längft öer= fatlner ßeiten rul)eit, ju neuem jugenbtichen Sehen ju Weden. Sie Bearbeitung muß, wie ber große tenner ber arabifdjen @prad)e oon 9iiidert’S Uebertragung orienta= lifcher bßoefie rühmt, „nicht überall Ueberfepung, aber überall mel)r als lleberfetjung fein." SmmcrmannS Sriftan unb Sfolbe unD nahebei auch ©imrodS Slmelungenlieb (bie freilich nicht für bie 3 ugenb gefdjrieben finb) lönnen als gliidtidje Berfudje einer folchen freien Bearbeitung betrad)tet werben. 3n ben Sid)titngen Der tinbheit beS 9JJenfd)engefd)led)tS ift inbeS auch e i n SDcotiö wirtfam, baS erotifd)e, baS bem tinbe unoerftäublid) ift, ober, wenn eS halb üer= ftanben in nadter @initlid)!eit einem oerfeinerten ©d)amgefül)l ober einer fd)on üer= gifteten -Phantafte entgegentritt, gerabeju entfittlid^eub wirten fann; unb hier ift bent päbagogifd)en Safte eine Slufgabe geftellt, bie eben fo fel)r burd) übertriebene 5tengftlich= ’ feit oerfehlt werDen fann, als burd) ein rüdfid)tSlofeS Bloßiegen. — SlnberS oerljält eS fid) mit neueren claffifdjen SSerfeu; and) in iljnen finben fid) niandie ©tiide, bie, wie man meint, nur beS SpcerpirenS oDer aud) nur einer leidjten Senfur bebiirften, um für bie 3 itgeub lesbar 511 werben. Slber waS wir uns bei üfierfeu einer iiberwunbenen Sultitrepod)e erlauben bürfen, baS ift uns oerfagt bei fold)en ©d)riften, bie nad) il)rer ganjen Snbioibualität aitS Der ©egeuwart feibft erwad)fcit unb biefer unmittelbar ju= gänglid) finb. — Sine Bearbeitung folcfjer äöerfe für bie 3ngenb würbe biefer ben Doüen ©enuß fpäterer 3 al)rc oerfümmern unb bie eingetretene ©ittenceufur würbe oiel= leid)t nur liiftern nach ber Sinfid)t in nicht caftrirte Speitiplare machen. tffier übrigens an claffifdjen ©toffen nid)t ©eniige l;at nub fid) als ein fo großer Sichter fühlt, um für bie SugenD fd)reiben 51 t fönnen, ber entnehme feilten ©egenftanb wenigftenS Dem wirflid)cu Sehen ititb gwar ben naiofteu unb erl)abenften Sleußerungen eines großen ©eelenkbenS. — 5) ©ehr gewöh'llid) ift bie Einnahme, baß in einer guten 3itgenbfd)rift eine nt 0 = ralifdje Senbenj fid) auSfpred)eit miiffe. Slber tperbart bemerft bagegen, baß fdjon bie s 2lbficf)t gu bilbeit bie 3ugenbfd)rift oerberbe unb namentlich „baS fiditbare Be= 1 ftreben, alles auf Religion unb SJtoral juriidjufü^ren", ben Äitaben hinbere, fid) if;rem Sinbntde unbefangen hinjugeben. 2Öirb, wie eS gewöhnlich gefd)ieht, bie SDtoral an bem Beifpiel erbichteter Sugenbhelben gelehrt, fo merft baS Stinb leicht, baß biefe gelben nicht gleifch unb Bein haben, unD Wirb gelaugWeilt ober feibft miStrauifd). Senn nur bie 2Baf)rheit beS SebenS ift eS, bie praftifd)e Sheilnahnte erwedt, unb nur im @egen= fape jum Böfen wirb baS ©ute erfannt unb geliebt, „©teilt Stiubern," fagt fper= hart, „baS ©d)led)te bar, nur nid)t als ©egenftanb ber Begierbe; fie werben finben, baß eS fd)led)t ift. Unterbrecht eine Stählung burd) moralifd)eS fftaifoituement, 832 gugenblcctüre, gugenbliteratur. f i c werben finten, baß ihr langweilig ergäbt, ©teilt lauter ©uteS bar, fie Werben finben, baß eS einförmig ift, nnb ber bloße 9ieij ber 3lbwed)fe(ung wirb ihnen baS ©d)Ied)te wiütommen machen. 9lber gebt ü)nen eine intereffante ®rjät)Iung, reich an ^Begebenheiten, SBerljältuiffen, ®l)arafteren, eS fei barin ftrenge pft)d)ologifd)e SBahrheit nnb nicht jenfeit ber ©efülße nnb 6 infid)ten ber Äinber; eS fei barin fein ©treben, baS ©d)limtnße ober baS Sefte ju jeichnett; nur hübe ein leifer, felbft noch h Q l& fehlumnternber Saft bafür geforgt, baß baS Sntereffe ber Handlung fid) oon bem ©flechten ab unb jurn ©uten, jum SiHigen, junt 9?ed)ten hinüberneige; il)r wer= bet fehen, wie bie finblidje 9lufmerffamfeit barin wurjelt, wie fie noch tiefer hinter bie SBahi'heit ju fomtnen unb alle ©eiten ber ©ad)e heroorgumenoen fud)t; wie.ber ntannig* faltige ©toff ein mannigfaltiges Urtheil anregt, wie ber 9{eij ber 2lbwed)Stung in baS Sorjiehen beS Seffern enbigt, ja wie ber Änabe, ber fid) im fittlidjen Urtheil oietleicht ein paar fleine ©tufen höher fühlt, als ber Ipelb ober ber ©d)reiber, mit innerem Sßohlgefüht fich feft hinftemmen wirb auf feinen -puuct, nm fid) ju behaupten gegen eine 9?oheit, bie er fc^on unter fid; fühlt." 2Jtan wirb jugeben, baß bie biblifd)e ©efdjidjte beS 91. S. auch e ine 9)?oral ent= hält; unb ,,bod) finb jene ißatriardjen famrnt ihren Sßeibern unb £öd)tern, biefe 9Ji^ter unb Propheten, Äönige unb ißriefter nid)tS weniger als Sugenbibeate im ©inne einer ntobernen fd)tappen SDforal, bie aus it)ren tDiuftererjählungen für bie lieben Meinen gerne alles £)arte, ©djroffe auSglattet. ©erabe baß bie ©djattenfeite nid)t fehlt, baß 9?eib, Sitelfeit, böfe Suft, Unbanf, ©d)lauljeit, Srug audj an biefen ©tammoätern be§ SolfeS ©otteS offenbar werben, giebt ihnen einen fo Ijoh en päbagogifchen SBertl). — Sie ©efd)id)te 9lbamS, ÄainS, SIbrahamS, 3ofepl)S, ©imfonS, SaöibS finb mit 9Jecf)t ebenfo Wohl" (ober woljl nod) weit mehr) „SßeltoorßeKungen geworben, als 9ld)iüeuS unb ißatrofloS, älgamemnon unb 3pl)igenie, ipeftor unb 9Inbromad)e, DbpffeuS unb $enelope." (9iofenfrang §. 91.) 3nt)uer muß bie Ü)ioral aus ber Gr^ähluug felbft fpredjen. ©elbft bie gäbet oerträgt es nid)t Ieid)t, baß ihre ßtufjanwenbung inS 9lbStracte breit gelegt werbe. 6 ) SlnberS oerhält eS ßd) mit ber gorberung, baß bie 3ugenbfd)rift fittlid) rein gehalten werben mäße, infofern man nämlich barunter nur eine Sermeibung altes beffen ju oerftehen pflegt, waS bie ©d)ainhaftigfeit oerle( 3 en ober böfe Süße erre» gen fönnte. Senn mit 9ted)t ift ju forbern, baß in ber 3ugenbfd)rift bie tl)ierif(he 9?atur beS 9Jienfd)en, bie eben befämpft nnb niebergehalten werben foU, nid)t in il)ren fdjmu^igen 93errid)tmigen unb gemeinen Srieben l)eroortrete. Unb nidjt allein fad)lid), aud) hinftdßlid) ber SluSbrucfSWeife ift eine entfpredjenbe 33orfid)t ju empfehlen. Senn eS giebt Singe, bie an fid) feineSWegS unfittlid) finb, aber bod) oon bem natürlichen ©d)amgefiil)l oerfd)Wiegen ober oon bem cioilifirten in conoentionetle SupheuiiSnten gehüllt 31 t Werben pflegen; unb SluSbriicfe, bie biefer conöentiouellen Secen,} miberftreiten, fönnen bem fiinbe in ähntidjer äBeife auftößig werben, wie ein unfd)ulbiger StBilber, Wenn wir ihn in feiner DJadtpeit in unfere @efeHfd)aft einführen wollten. Sod) auch eine ju ängftlidje 9?ad)giebigfeit gegen eine überfeinerte fprad)lid)e Secenä tarnt fdjaben, unb eS miißen bal)er fo!d)e tnenfd)lid)e Singe unb namentlid) bie @efd)id)te ber Siebe, wenn fte einmal bargefteHt werben, jwar mit feufdjem ©inne, aber mit feften, nicht burd) fpalbbunfel ju Slrgwotjn oerleitenben ßügen gewidmet werben. 7) 2lud) bie religiöfeSenbenj ber 3ugenbfd)rift tann burd) 9tbfid)tlid)feit unb Uebertreibung ihren gwed oerfehten. MerbingS muß bie 3ugenbfd)rift, wenn fte auf ber Jpöt;e ber Sübung ftehen unb ju ihr jiel)en foU, als ihr te^teS 3icl bie 6 r= jiehung jum ®hrißentl)um betrachten. Stber bamit ift feineSWegS auSgefdßoffen, baß audh nid)tchriftlid)e SBettanfchauungen, infofern fie notl)Wenbige ©tufen ber Sntwicfetung beS StftenßhengeißeS oergegenwärtigen, ein 9Jed)t h^üen, itt bie Seetüre ber 3ugenb ein= äutreten. „Ser 5Pott)iheiSmuS unb ber Heroismus,“ bemertt 9rofentranj (ißäbag. §. 91), „tß jefct ein ebenfo fubßantietteS SOioment ber MnberoorßeUung, atS ber fDionotheiSinuS Sugenblcctüre, Sugenblitcratur. 833 mit feinem fßatrtarrift muß bem ® efid)tSfreife beS ÄinbeS jtoar erreid)bar fein, aber 3ugIeid> über benfelben ^inauStoeifen; „baS Kinberbitd) muß" (wie (Dahlmann fagt) „ftatt ben Äinbern nadjjnfnedfen, neben bem Serftänblidjen einen ftadjelnben 3 u f®Ö bon nodj uid)t berftänblidjen (Dingen geben.“ (Der Serfud), fid) in bie enge (Sphäre beS ÄinbeS ^ineinjubic^teit, berfeljlt feinen 3 wed bei ben fiinbern felbft, wie er an fid) geiftreidjen Äöpfen wiberftrebt. Aud) bie SDfei= nung, baß man baS Äinb am beften mit @efd)id)ten »on Sinbern unterhalte unb burdj Sinberbeifpiele belehre, ift irrig. (Denn „ber Änabe fühlt fid; ungern Hein, er rnödfte ein SDlann fein; ber gan3e ©lief beS mohlangelegten Knaben ift über fid; gerichtet, unb wenn er ad)t Sahre l>at, gel;t fein ©efidjtsfreis über alle fiinberhiftorien h'tüneg“ (£>erbart). (Die Srjählung, bie ihn erfreuen unb bilben foH, muß bas „ftärffte unb reinfte ©epräge männlicher ©röße tragen." 3 n gr. SacobS’ Alwin unb (Dheobor fpielen jtoar aud) Äinber, aber faft nur als 3tt! gefährlicher, als ein Nadjlaffeit 3ur Langweiligfeit. ®ie (DarflellungSWeife felbft muß flar unb einfad) fein, ohne je tribial ju Werben; fie muß mit hellen unb frifdjen Lebensfarben jeid)nen; aber bie burd)fidjtige Oberfläche muß einen tiefen, lebenSooHen §intergrunb bergen, ber bei wieberholtem Se= traihten immer reicher fid) erfdjließt. Sn biefem reichen ^intergrunbe ntüßen bie Näthfel liegen, welche baS Äinb feffelit unb 3U immer wieberholtem Lefen treiben; er muß reich genug fein, um auch ben SrWadjfenen mit Liebe unb neuem ©ewinne 3U feinem Äinber= buche 3urücffel)ren 3U laffen. Senn in Sorftehenbem bon ben fogenannten UnterhaltungSfchriften gefprodjen worben ift, fo finb nunmehr noch einige Sorte über 3ugenblectüre, Jugenbliteratur. 835 11) bie fpecififd; bitaftifdjen Jugenbfdjriften ju Jagen, bie burdj reale SBaljr» Ijcit üon ber poetifdj geftalteten UnterljaltungSfcfyrift unb burdj anjieljenbe Gintleibung öon beui Sdjülbudje fid> unterfdjeioen Jollen. — 9luf bem Ijiftorifdjen ©ebiete toirb bie Ueberleitung üon ber Sage jur ®efdjid)te jwecfmäßig burdj Grjäljlungen im fpero» bot’fdjen Stile ü ermittelt unb auf ben Weiteren Stufen werben üorjugSWeife perüorra» genbe Sßerfönlidjleiten bie SDIittelpuncte pifterifdjer ©emälbe bilben, aber audj an fid) prägnante S3egebcni>eiten nidit auSgefd)loffeit werben, benn bie neuere Sttetljobe, bie ganje SBeltgefdjidjte in bJJorträtß einguraljmen, leibet an unnatürlidjer Uebertreibung. Sßie aber fdjon an ben Silbern ber SBeltgefdjidjte, wenn Jie redjt gewallt unb waljr bargefteüt Werben, ungefudjt baS SBalten ©otteS in ber Süljrung ber SBeltgefdjidjte jur Slnfdjauung lommen unb ber Patriotismus fidj beleben wirb, Jo wirb enblid) bie Sio» grapljie Jelbft, aud) wenn Jie nid)t üon weltgefdjidjtlidjer Sebeutung ift, als bie inbi* üibueHe Kntwicfelung beS ÜÜlenfdjenlebenS im Kampfe mit großen unb lleinen SBeltge» Jd)iden bem Jünglinge SBeg unb giel für feine eigene Gntwidelung unb feine eigenen Sümpfe üorbilben. Sin reid)eS Slfaterial jur ©arftetlung beutfdjen ?ebenS unb beutfdjer Xugenb liegt in trefflidjen Siograpljieen üor unb Ijarrt nod) großenteils einer ange» mefjenen ^Bearbeitung für bie Jugenb. Jn bie Siatur» unb Solle rlunbe führen am beften Sieifebefdjreibungen ein, weldje nidjt fertige ©emälbe geben, Jontern ben ?efer, wie bie auSbauernbe Slrbeit ber Gntbedung, Jo aud) „ben Jubel beS entbedenben, für baS allgemeine SeWußtfein erobern» ben ©eifteS" erfahren unb mit empfinben taffen. — gür bie SWaturgeJd)id^te ins» bejonbere werben junädjft Kräaljlungen aus bem ?eben unb fiauSljalte ber SStjiere bienen. ®ie Seleljrung über ted>ntfd>e SBiffenfdjaften aber, Jo weit Jie überhaupt in unter» Ijaltenber SBeife gegeben werben fönnen, Wirb am beften an Siograpljieen fid) anfdjließen. Sludj ber Stoff für bie bibaltifdje Jugenbfd)rift muff auS claffifdjen SBerlen gefdjöpft werben, unb jwar felbftoerftänblidj auS foldjen, bie auf ber $Blje ber SBiffenfdjaft fteljen. 211S SWotiü ber SluSWaljl fann nur ber SBertl) ber Sad)e an fid) entjd)eiben. 9iur baS allgemein SBiffenSWürbige unb Silbenbe barf gewählt werben, nidjt Details einer gadjwiffenfdjaft, aud) wenn Jie an fid) nod) Jo intereffant ober amujant Jinb, nur baS Waprljaft ©roße, nidjt baS Kitriofe, allein burd) Slußerorbentlidjleit gefjelnbe, nur bie bewährte SBaljrljeit, nidjt baS Problematif dje unb fpppotljetifdje. DJfancfe claffijdje Stoffe werben in iljrer urfprünglidjen -gaffung gegeben werben tonnen, anbere Werben einer ^Bearbeitung bebürftig fein, unb biefe Wirb es unbebenllid) wagen bürfen, tpärten ju glätten, ja Jelbft in freifter SBeife wifJenfdjaftlidje Stoffe neu etnju» {(eiben unb ju popularifiren. 9lur barf bie SBaljrljeit nie ins Siemanljafte oerfdjwimmen, bie Slnmutlj unb £eid)tigfeit ber ®arfteKung nidjt bem Srnfte ber Sad)e fdjaben unb nidjt bem Sefer eigene ©eifteSarbeit erfparen. Jm übrigen ift planmäßige SInorbnung, ©leidjmäßigfeit ber SluSfüljrung unb beS Kolorits erforberlidj, enctjllopäbifdje ßerftüde» lung aber überall üerWerflid). 12) Seljr gewbljnlid) ift bie Slnfidjt, baß Solls» unb Jugenbfdjrift äiemlidj gleidjbebeutenb fei, unb atlerbingS foflten beibe in bem allgemeinen Segriffe beS Solls» tljümtidjen fid) einigen. Slud) teilt baS Soll mit ber Jugenb bie Sleugierbe nadj grembem, gernem, Slbenteuerlidiem, unb Äönige unb Prinjeffinnen, Sd)ladjten unb Sdjlöffer finb beiben in fljrer Seetüre gleid) willlommen. Slber neben biefer Ueberein» ftimmung beS ©efdjmacfS finben ftdj jugleidj Ijinfidjtlid) beS SilbungSftanbeS unb Sil» bungSbebürfniffeS beiber fo wefdntlidje Serfdjiebenljeiten, baß fetbft bie edjte Soltsfdjrift nidjt oljne Weiteres Slnfprudj auf bie Sigenfdjaft einer guten Jugenbfdjrift madjen barf. STJocf) riel Weniger aber barf ein foldjer Slnfprud) oon ben mobernen Sollsfdjriften erhoben Werben, bie nidjt, wie eS fein füllte, auS ben tiefften Duellen ber »ollStljümlidjen Sil» bung Jelbft gefd)öpft fmb, fonbern iljren Xitel nur aus ber 2lbfidjt Verleiten, jum fimplen SolfStierftanbe bocirenb unb amitftrenb fn^ fyerabgulaffen. 2lud) S. Sluerbac^ (Sdjrift unb Soll) Ijat auf ben wefentlidjen Untevfcpieb gwifdjen Sollsf^rift unb Jugenbf^rift 836 3ugcnblcctürc, yugcnblitcratur. aufmerffam gemalt, unb eS tlpt noth, »er beitt fdpBben 9)ii8braud)e gu warnen, ben bie ©peculation bamit treibt, baß fie jebe ©djrift im SoltSton, wenn fie nur il)re Sie= beSgefd)id)ten anftanbig »erfüllt, unter bem Eitel „für Solf unb Sugenb“ gu SDtarfte bringt. 13) 2lud) für bie 2lu8fiattung ber Sugenbfdjrift mit Silbern unb Slluftrationen müßen fefte ©runbfä^e befolgt werben. äBäljrenb baS Silberbud) olpe ©cfjrift »er= ftanben Werben foö, ober bod) nur eines turgen EepteS gur Erläuterung bebarf, t;at baS Silb ber Sugenbfdjrift im allgemeinen nur ben 3wed ber Serbeutlidjung »on ®egen= ftanben bc§ fdjriftlidjeu SortragS. Unb liier ift gunädjft weife ©parfamfeit gu em= pfelflen. 3Bie nämlich bei bem Unterrichte ein litpuriofer Sluftoanb non Scrfinulid)mtgg-- mittein ben ©djüler mehr in fßaffioitöt unb 3 er f treuun 3 laerfetjl, als p ernfter Arbeit antreibt, fo muff aud) im Jtinberbudje jeber tteberfluß au Slluftrationen unb Silbern fdpben, inbem hterburd) »orttWeg ber f)3Ijantafie bie ©elbfttljätigleit im ßonftruiren bon Sorftetiuugen erfpart uitb biefe Ehätigfeit felbft melp unb mehr abgefd)Wäd)t wirb. Unb überdies pflegen Slluftrationen oft ein Diel ärmlicheres Siib gu geben, als eine Iräftige ißhantafie fid) felbft p hüben bermodjte. Silber foüten baber nur für foldje @egen= ftänbe eintreten, Wetdje ein fdjriftlidjer Sortrag nidjt genügenb p »eranfd)autid)en ber= mag, ober für foldje prägnante ©eenen, bereit Selebung unb gijirung burd) 3eiier freitid) auf in it)rer Strt ctaffifdje ©djrifteit (toie toir fie unter III djarafterifirt pabeit). SJtit und neben tiefen mag mau bie 3ugenb friipe ge= loöpnen, aud) ba8 Staffifdje im Driginat gu oerftepen unb an ipnt fid) gu bilden. Ser getoöI)ntid)e ©rund, auf den l)in man SBerte ber Strt proferibirt, bie gurd)t oor Sie= be8gefd)id)ten, darf I)ier ni<^t mit übertriebener Stcngftlidjteit gttr Stnloenbung fomuten. Stiemeper unb Settefe erflaren fetbft gute Siomane für gutäßig, .fjerbart mußte feiner feinem peranreifenben 3öQfi n S e nichts beffereS gu geben, atS SfflantS SBerte, unb in ber Spat merben ©ooper, ©teffenS, Söatter ©cott u. a. fetbft in forgfam geloät)tten ©d)üIerbibtioit)cten bargeboten. Um ved)t gu mäl)ten, bedarf e8 übrigens nidjt nur großer päbagogifdjer ©infid)t, fonbern aud) aufopfernder ©emiffenpaftigfeit; denn mir meinen im ©rnft, baß ber ©rgiet)er feinem 3ögBuge fein Sud) in bie £>anb geben füllte, baS er nidjt fetbft guoor gelefen unb für gut befunden pat. 2) Söeife SDtäßigitng ift bie näd)fte Sorberung. 3)er Sefetrieb muß mit beit übrigen Spätigteiten des ©eifteS in ein angemeffeneS @teid)gemid)t gefept, gu Pefoitneuer ©elbfttljätigfeit gebildet, und ber Sefemutp, tiefer fdjtimmen Seibenfdjaft, muß mit ®ntfd)iebenpeit entgegen gearbeitet merben. ®ie ©d)utarbeit darf nid)t burd) Sefeit gurüdgefept, ber ernfte Slrbeitsfinn nid)t burd) Eingabe an den Steig teidjter Seetüre gefdjmädjt merben. ©benfo ift bal)in gu fepeit, baß bie S^eipeit ber Semegung in ber Statur, in ber ©efeEigteit unb in felbftfdiaffenber unb evfinberifdjer Spätigteit, bie burd) ©d)utarbeit und ©ioilifation fdjon genugfam eingeengt ift, nidjt aud) nod) burd) Seetüre meljr als biEig befdjränft merbe. Unter den gegebenen Serpältniffett ift e8 toeit päufiger nötl)ig, beit Sefetrieb ber 3ugenb gu dämpfen, at8 il)tt gu fordern. — UeberbieS gelangt nur bei toeifer SJtäßigung beS SefenS baS ©etefene fetbft gu red)ter SKirtung, b. p. nur bann, menn jeder eingetnen ©efdjidjte, jedem eingetnen Sudje Staunt getaffen mirb, beutlidje unb fefte Sorfteflungen in ber ©eete abgufepen. SJtit entfd)iebener ©trenge muß baper ber Sefepaft getoeprt merben, toeldjc faum aufatpmenb bon bem ©nbe be8 einen Sud)e8, fd)on mieber gunt Serfdjlingen beS gtoeiten fiep anfd)idt. Stber eS ift dabei nid)t genug, die Sectiire gu oerfagen; eS muß oielntebr, menn nidjt größere @e= fapr entftepen foB, dafür geforgt merben, baß bie SDtußeftunben, in metdjen ber finabe feine 3uftucpt gu Südjern gu neunten pflegt, burd) eine andere Upätigfeit auSgefiittt merbett; unb biefe ©orge für eine gefunbe, freie Sefdjäftiguttg in ©piet unb Stampf, in 2Batb und §lur, bei ©arten = unb Seitarbeit ober aud) bei ber ®rep= unb fpobelbanf 838 3ugenbtcctüre, 3«g*itbWctafut. ift jwar fdjwieriger, als baS Sarreidjen Oon frönen Güdjern, aber ^äufig aud; oiel oerbienfttid;er. SDtan entfdjage ftdj ber ängstlichen Väbagogie, bie in ber grciheit beS »ilben finaben immer eine größere ©efahr erblicft, als in ber S?efefudjt beS jafymen. — Neben biefer Niäßigttng beS SefetriebS muß jugleid; bahin gefeljen werben, baß ber3ügling 3) mit 91uSbatter unb Gefinnung Iefe,b. 1;. in coittinuirIid;er?lufmerffamfeit bent Gucfje fid; hingebe, in feinen 3nl;alt ftd; certiefe unb baS ©elefette in jufaitimem fjängenber Nücferinnerung in fich bewege unb ermäge, um bie aufgenommenen Vorftel= Jungen unb ©ebanfen beit eigenen ©runbftimmungen gemäfj in baS eigene Sßefcn l)in= einjubilben ober aud; baS Unaffunilirbare abjuftoßen. (Sine foldje 91uSbauer läßt fid; jwar nicht unmittelbar für jebe Sefeftunbe IjerfteÜen, fouberu muff burd; bie Srjiehung überhaupt angebilbet Werben; aber eS fantt wenigftenS abwehrenb öerfal;ren Werben, inbem mau Raufen eintreten läßt, in beneit bie gewonnenen Gorftellungen ftdj abflären tonnen, unb inbem man ein unb baSfelbe Gud; nach 3 h5 ifd;enräumeu immer oon neuem in bie .fjänbe beS jungen SeferS fpielt. Senn „nicht üiet lefen, fouberu gut Sing oiel unb oft lefen, mad)t fromm unb tlug bajtt" (Suther). — Sbett fo ift eine gewiße Sinheitlid;feit ber Seetüre ju forberu unb baS bunte Vielerlei unb Sitnheinanber, ju welchem bie Sugenbfdjriften birect unb bie umtjerliegenben 3ournafe unb Nomatte ber Sltern inbirect oerantaffeu, als gemcinfd;äblid) ju oerhüten. Namentlich ift cor ber heillofen 3^'fpütt^ung burd) 3ugenbjeiiungeu tc. ju warnen. @öthe erjäl;(t, baß in feiner Äinbl;eit fchon ber Orbis piotas, bie große gamilienbibet mit Nterian’fdjeit Äupferftldjen, bie Acerra philologica, Doib’S VcrWanblungen u. a. „fein junges ®el;irtt fd)ue(l genug mit einer SNaffe oon Gilbcrn unb Gegebenheiten oon bebeutenben mtb Wunberbarett ©eftalten unb Sreigniffen angefüllt haben;" aber er feijt aud; IJnju, baß „er fich immerfort bamit befdjäftigte, biefen Srwerb jtt- oerarbeiten, ju wieberholeit, wieber hedoorjubringen," unb an ben löfdjpapiernen VoIfSfdjriftett, bereit er unb feine <2d;wefter fid; bemächtigten, rühmt er „als grüßten Vortl;eil“ bie VSoßlfeitheit, weil, „wenn wir ein foldjeS ^jeft jeriefen hatten, eS halb wieber neu angefdjafft unb aufs neue oerfchluugen Werben tonnte." 3n beut allem liegen guteHBinfe für bie Leitung ber S?ectüre, wobei man nur aud; im 9luge behalten mag, baß nicht jebeS ©ehirn fo oiel Naum jtt Gilbern unb Gegebenheiten hat, als baS ©cthe'fdje. —• Sin „Verarbeiten unb Söieberheroorbringen" beS ©elefenen wirb aber wefentlid; gefürbert, Wenn ber Srjieher felbft für bie Seetüre beS 3öglingS fid; intereffirt unb baS gemeinfante 3ntereffe unge= fucht ein Gefpred;en beS ©elefenen h^bcifül;rt. 31m glüdlicfjften ift eS, wenn ber finabe mit gattjer Seele einer SieblingSlectüre fid; fßngiebt unb in biefer Jtt gleicher SBeife eine geiftige fpeimat finbet, wie ©üthe in ben biblifdjen @efd;id;ten beS 91. %. fie fanb. „9luf feine attbere Söeife," fagt er in feinem 911ter, „wüßte id; barjufteüen, wie ich bei meinem jerftreuten Seben, bei meinem jerftfief eiten Sernen bennoch meinen ©eift, meine ©efüljle auf einen -ßmtet ftißer Vßirffamfeit oerfammdte; auf feilte attbere SBeife oermüchte ich ben grieben ju fd;ilberit, ber mid; umgab, Wenn es aud; braußett noch fo wilb unb Wttnberlid; h e cgieng. V3enn eine ftetS gefdjäftige SinbilbungSfraft, wenn baS ©etttifch Oon gabel unb ©efchid;te, oon Nc'hthologie unb Neltgion mid; ju oerWirreit brol;te, fo flüdjtete id; gern nad; jenen utorgen[änbifd;en ©egenbett; id; oerfettfle mich in bie erften Giid;er NtofiS unb fanb mich bert unter ben ausgebreiteten tpirtenftämmen gttgleid) in ber grüßten Sinfamfeit unb itt ber grüßten ©efeßfdjaft." — 3 ft einmal ber 3ügting eines foldjen liebeootlen uno anbauernben Vertiefend in gute Seetüre fähig, bann wirb man batb il;n fid) felbft ttberlaffett fünnen. Ueberljaupt aber ift oor gu peinlicher 91ttfftcht ju warnen, weit eine foldje leidjt 9(rgwohn ermeeft unb baS ©elüfte nad; oer= boteuer grucht mehr hereorruft, als bämpft. 4) Sitter befonberett Nücffidjt bebarf bie 9IlterSftufe beS 3öglingS. Nottf= feau, ber baS Sefen überhaupt für eine unfelige Gefdjäftigung für Äinber hält, will, baß fein Smil üor bent jwülften Sahre faum wiffen fotf, WaS ein Guch ift; unb oon gattj anberem Stanbpuncte aus flagen Ä. oon Naum er, Schleier machet u. a., baß 3ugenbleetürc, Sugenbtiteratur. 839 •mau Cie Mnber gu geitig tefen lehre. SOßie ft^tuer eS ift, für bie frühreifen (leinen Pefer eine nur irgenfc angemeffene Seetüre gu fittben, fieljt man au beit taufenbfältigen öer» unglüdten ®erfud)en ber Meinfinberbudjmacher, beut SerftäubniS ber Meinen burd) finbifdje @pradje unb finbifdjen ©toff ftd) angupaffett. 3n ber Stjat paßt für jenes frühe SebenSalter eigentlich nur eine ©efd)id)te, — bie lebenbige Srgählung ber SNutter. SOBo aber biefe natürlidjfte Mnberunterljaltung in beit ©ewohuljeiten unferer 3 e it unter» gegangen ift, ba fei man wenigftens weife genug, ben Meinen, roenn fie nicht an bem ©djutbudje genug haben fottep, mit größter 3urücfhaltung eine fleine ©abe nach ber anbern gu reichen. Tenn geraoe im garten Filter wirfen bie Sinbrücfe am tiefften unb [egen fid) leid)t böfe ©eWoljnheiten beS SefenS an. gür fpätere SllterSftnfen ift bie SluSwaljl ber Seetüre ergiebiger, muß aber auch hier ber erftarfenben Maft gemäß ge» troffen werben. Namentlich ift baljin gu feljen, baß 6er heranWadjfenbe Änabe nicht bei Mnbergefd)id)tett ftehen bleibe, noch auch gu frühe in höhere Siteraturgebiete einge» führt werbe unb baburd) jene Stafirttjeit fich antefe, bie im 16. unb 17. 3aljre fdjon mit ©djitler unb ©öthe fertig gu fein meint, gür CieS reifere Sitter inSbefonbere muß auch barauf Sebadjt genommen werben, baß bie Ißrioatlectüre gur Sectiire ber ©d)ule in einen angemeffeneu ßufammeuhang trete; unb eS ift beSlgalb, obfdjott bie Seljanb» tung ber beutfd)en Slaffifer, wie fie für biefe SllterSftufe in ber © gu affociren, fie gu oerftärfen, gu hoben ober aud) gu bampfen, ben ißebanten ber ©djularbeit gu erfrifdjen unb gefdjmeibig gu machen, ben SBiberWiüigen unb Prägen (burd) annehmliche gerat beS Seruftoffes) gur Slrbcit gu locfen haben. Sine entfdjieCene Vorliebe für ein beftimmteS ©tubium wirb, wenn fte an fich berechtigt erfdjeint, burd) gteidjartige Seetüre geförbert, ber Sinfeitigfeit burch angemeffene 33ielfeitigfeit, ber Neigung gur 3eefffitterung burdj ftrenge Sin» heitlidjfeit ber Seetüre entgegenwirft, baS leidjt erregbare Temperament burch be= niljigenbe Seetüre, bie Sefeleioenfdjaft burch praftifche 33efdjäftigung unb äußerfte S3e= febrättfung ber Sefefreitjeit gebätnpft, bagegen bie ©Icidjgültigfeit uitb träge Slbneigung gegen Seetüre, Cie fidj ebenfalls, Wenn auch weit feltner, finbet, burch ftärfere Neige unb mit fpülfe anregenber 23efpred)ung auS ihrer Sitboleng geweeft, ober aud), wenn fie aus Ueberfättigung entfpringt, burd) lang anbauernbe Entbehrung geheilt werben müßen. 6) Sbenfo wirb, je nach ber 33efonbert)eit cer ScbenSlage, bie Seetüre in ber ffißeife gu wählen fein, baß fte ben, unter ben Sinbrücfen beS UeberfluffeS unb einer reich bewegten, großftäbtifdjen Umgebung lebenben au f bie ©tille lanblidjer SSerhältniffe uttb bie greuben eines in ftd) befdjränften SebenS diniertet, unb bagegett bett anbern auS ber Sinförmigfeit feines länblidj abgefchloffenen SebenS hecattS bie große SBelt fennen lehrt unb aus ber lähtnenben Nulje gu lebenbigeretn Sewegen auf» ftadjett. 7) Tie eben fo widjtige, als fchwierige Slufgabe, bie bibaftifd)e 3'ugenb» leetüre in einen möglich ft genauen 3ufammenhang mit bem Unterrid)t3plan ber ©chttle gu felgen, wirb befonberS ben ©djülerbibliethcfen gufaßen unb unter biefent Slrtifel befprodjen werben. 8) Tie NuffteHung eines 33ergeid)niffeS guter, mit Nücffid)t auf baS Sitter georb» neter 3ugenbfd)riften ift ein bringenbeS 33ebürfniS; aber bie M'äfte eines Singeinen werben biefer Slufgabe faum gemadjfen fein. Sei ber Ueberfülle unferer Sugenbliteratur 840 Sugenblcetütc, '3ugenblitcratur. Kämmerer. unb Wenn nid;t bie 235ahl baS fubjectibe ©epräg beS äßähleitben tragen foEf, wirb nur bott ber gemeinfauten Irbeit Sieler £>iilfe ju erwarten fein. — 3BaS bis jegt bafiir ge= fdjegeii ift, um ben ratglofeu Gclteru (unb Seljrern) fftath 31 t fdjaffen, erfdjeint itod; wenig jnreic^enb. ©etuterS Sötufteruitg ber beutfdjeu Sugenbtiteratur (Hamburg 1844) ift oft unjuberläfffg unb tritifloS. Sernl;arbi ’8 „SßegWeifer bnrd) bie beutfdjeu Solls* unb 3ugeubfd;riften'' giebt ol;tte priitcipieße Kritif eine riet 51 t große Slnjatyl bon ©d;rif= ten; ©d; Werbt 8 „ßentralblatt für baS bentfdje SoIfS= unb SitgenbfdjriftWefen", eine ßeitfdfrift, bie im 3- 1857 erfdjiett unb aud; eingieitg, bot faft nur 9fecenfionen ber laufenben Literatur. @. ©djWab’S SSegweifer burd; bie Literatur ber ©eutfdjeit (fortgefegt bon Klitpfel) enthält in beut betreffenben Ibfdjnitt (©. 330—341) faft nur Sücfjertitel. litt fdjärfften unb fdjonungSiofefteti, aber nur in überfidjtlidjer S^arafteriftif, berfagrt SB. föten^e! in feiner „beutfdjeu Literatur“ (1836, II.). lut berbienftUdjften unbunter ben gegebenen Serljättuiffeit wahrhaft baitfenSwertl; fütb @. 2B. JfjopfS „9Jiit= tl)eitungen über 3ugenbfd)riften an filtern unb Seljrer" (4. lufl. 1856); iljre 9latl;= fd)täge erftreden fid; junäd)ft auf baS bis 311111 15. 3at)re reidjenbe SebeitSalter unb geben t;ierfür eilte rcidje litSwal;!, bet ber man nur im luge bemalten muß, baff bei Weitem nid)t alle ©Triften, bie als beffere bejeidjttet werben, aud; als Wirllid; gute empfohlen werben foKen. ®ie „9leue golge ber fOtittljeitungen" (1861) übt eine ftren= gere Kritif. — ©egr beadjtenSWertge Seiträge für eine aud; auf baS gereifte 3ünglittgS= alter beredjnete luSWagt fittbeit fid; tn ben meift gebrudten Katalogen ber ©d;iiler= btbliotgefen ber preußifd;en ©gmttafien unb fRealfdjnlen, bie aber uidjt burd; ben Sudjganbel 3 n erlangen finb. ©. .Küguer. Ä. Äaltigra^ic, f. ©djretbunterridjt. ^amcrobcit, f. ©efptelen. dümmerer ober $illltIltCnitCtftCt‘, 3oad;int, CamerariusPabepergcnsis ftammte aus ber reid;eit unb angefet;enen Familie bon ÜÜebgarb, Weld;e nad; ber ©itte jener 3eit, feit in il;r baS Kämmereramt atu bifd;bfiid;en fpofe 31 t Samberg erblid; geworben war, ben -Kamen fiamerarittS füljrte. Im 12 . Ipril 1500 31 t Samberg geboren, besog er bereits 1514 bie Uniberfität 8 eipjig, wo ©eorg tpelt unb ber finglattber 9iid;arb firocuS bliil;ten. ©er Segtere, in jener ©egenb ber bebeuteitbfte Segrer ber griedjifdjen ©pradje unb Siteratur, übertrug feine Segeiftentitg für biefelbe auf feilten ©djitler unb entfdjieb babttrd; über bie fKidjtung feiner ©tubien. ®ie firfotge waren fo be= beutenb, baff fiamerariuS eS übernehmen tonnte, in KranfgeitSfallen feilten SDleifter oor ben Stitfdjiilern 3 n oertreten, ©ie Sefanritfdjaft mit fiobatt §effe führte i(;n jebod; 1518 nad; (Erfurt, weldjeS bamalS, als ©antmelplag auSge 3 eid;neter äftättner, burd; rege Wiffettfdjaffltdje ©gatigfeit unb eifrige Setreibung ber I)umaitiftifd;eit ©tubien berühmt war. lieber feilten baftgen lufentgalt gat er felbft in feiner narratio de Eobano Hesso ausführlichere 9?ad;rid;t gegeben. SBagrenb er feine ©tubien nod; als ©d;itler fortfegte, trat er in- firfurt bereits als öffentlicher 8 el;rer auf, unterridjtete eine fPt'enge wißbegieriger Sünglittge in ber gried;ifd;ett Literatur unb mad;te fid; bttreh bie lateinifd^e Ueberfegung einer bemofthetlifchen Dfebe unb burd; Senterlungen 3 U ben ©uScitlaneit fiicero’S aud; in Weiteren Kreifen befannt; nanteittlid; trug igm legtere Sd;rift eine Serbinbttng mit firaSmitS bon üfotterbam ein. 1521 würbe er üKagifter, gieng nad; SBitteitberg, gölte bann ben bon ber 'ffiartburg 3 urüdgefel;rteit 8 utger; mäd;tiger aber unb inniger Warb er boit fDlelandjtgon attge 3 ogen, in beffen großes Sffierf er bon biefent lugenblid an nid;t nur als treuer ©d;üler unb eifriger ©enoffe, fonbertt aud; als gittgebenber greunb beS SKeifterS eintrat. Kad;betu er fid; .ffätnmercr. 841 nämlid) 1524 tuS 1526 auf Steifen, nad) Safel gu Sradmud, nad) ißreußen unb in feine fpeimat Samberg 51 t biefent 33el;ufe nod) befonberd audgebilbet l)atte, fdjloß er fitfj bem Greife jener großen Släntter an, weldje bemüht waren, burd) bie Sfeformation ber ©djule berjeuigen ber Äirdje Sraft unb ®aner gu geben, ja biefelbe erft redjt in- nerlid) gu oollgieheit. SBeldje itnermeßlidjen 3)ienfte ber beutfd)en, refp. ber europäifd)en Sßiffenfdjaft unb in welchem ©eifte biefeiben non jenen ®elel)rten geleiftet worben fittb, barüber geben bie SlrtiM Sradmud, 9feud)lin, Sutl)er, SDlelandjthon attd= führlidjen Sefd)eib; bie concrete ülufdjauung non bem gewaltigen itmfd)Wunge bed Unter* ridjtd unb ber Srgiel)ung, beit fie bewirften, erhalten wir in ben Slrtileln: 9t e an ber, ©turnt, ®ro(jenborf. £)ier ift nur in Äiirge ber befonbere 9lntl)eil bed Same* rarittd gu jeidjitett. 3m 3al;re 1526 gieng ber 9?atl) nott Slürnberg, bad burd) feinen 9ieid)tl)um fowie burd) eine SÜtenge großer ©elehrter unb Sliinftler, bie ed in ficb fdjlofj, in jenem 3b>t = raunt eine ber l;ernorragenbften ©teilen unter ben ©täbten ®eutfd)Ianbd entnahm, au bie Srrid)tung bed a!abeittifd)en ©bmuafiuntd. 9Jlelattd)tl)on fdjlug beit gweimal au iljtt ergangenen 9htf, bie Seitung ber 9lnftalt gu übernehmen, aud, empfahl bagegen feine grettnbe Soban §ieffe unb Samerariud unb (mH frtbft bie Sinwei£)Uttgdrebe. ®er erftere übernahm bie Seitung ber Slnftalt, ber andere ben Unterrid)t iit ber griechifthen ©prad;e unb in ber @efd)id)te. ®ie ©emeinfdj.aft mit )ßirtl)eimer, ®iirer, Sin!, Dfianber übte einen ntadjtigen (Einfluß auf ben empfänglidjen ©eift bed Samerariud, ber aber auch jenen attd feiner giiHe reid)lid) mittheilte. ®ad ©hmnafiunt, ltad) ben ©rttitb* fä( 3 en ÜDMand)tl)ond eingerichtet, blühte fchnell empor. Sin 3 e '4)en oeit ber üldjtung, welche er fid) iit 9?ürnberg erworben hülle» War ed, baß Samerariud 1530 oom 9£atl)e ber ©tabt 311 m 9Jeid)dtage nad) Slugdbttrg beputirt warb. 2Bie er fid) bort nod) fefter mit SDtelandjthon oerbanb unb weld)e wid)tigen ÜDienfte er ihm leiftete, berichtet bie S'ird)engefd)id)te. 1535 wttrbe er, aberntald auf iDfelandjthoitd Sittpfel)Iung, oon ^erjog Ulrid) 001 t äBürttemberg nach Tübingen berufen, um aud) auf bie bafige, ba= mald fel;r heruntergelomntetie Unioerfität im ©eifte ber Sieformation belebenb gu Wirten. Sr trug tro(s feiner bantald leibenben ©efunbheit wefentüd) bagu bei, fie aud bem Ser* fall emporgubrittgen; aud) batirett aud jener 3rtt bie neuen Sinrid)tungen bed bortigen ißäbagogiitmd (30. 3an. 1535). ®ie intereffanten SBejüge gWifd^ett ben ©dfulen 31 t ©trafjburg, Slürnberg unb ©übingen, unb wieberum 3 Wifd)en ben reforntatorifdjen ©d)ut= orbnungett SBürttembergd unb ben fäd)fifdjen bered)tigen 31 t ber Sermutl)ung, ber nädjfte greunb unb Sertrautc SOteland)tl)ond h a ^ e ' n Tübingen eine weiter unb tiefer greifenbe SBirfamfeit geübt, ald gewöhnlid) angenommen wirb. ®od) wirb WoI)l erft eine auf grünblid)em Quellenftubiitm beruhenbe 2)?onograpl)ie über Samerariud, beren wir anned) entbehren, hier bad gewünfd)te Sid)t geben. 3ltd nad) beut ®obe bed alten Iperjogd ©eorg oott ©ad)feit bie Steformation in beit albertittifd) fäd)fifd)en Sanben eingeführt unb bad eingegogene Stloftergut für Sr* riebtung neuer @elehrtenfd)ulen wie für Serbefferung ber beftehenbeit oerwenbet warb (»gl. beit Hrt. „giirftenfdjulen", unb 9fanfe, beutfehe @efd)id)te int 3eitnlter ber 9ie= forntation, IV. Sb. 171, 3), oeranlaßte 9Jieland)thon 1541 ben £>ergog £einrid), Same* rariud an bie Unioerfität Seipgig 311 rufen. Sr nahm beit Eintrag an unb gieng in @emeinfd)aft mit Sadpar Sörner, ber fid) eined befonberen 2Bol)lwollend oon ©eiten Sutherd erfreute (2B2B. ed. Sßald) XXI. ©. 785) an bie Arbeit. ®er Srfolg War gläugenb, unb Seipgig errang fid) halb ben gWeiten, nach Seeland)* thond ®obe ben erften -|3lah unter ben beutfehen §od)fchuten. §ier ift ed gewiß, baß fid) bie ®h“t’3f e *t bon Samerariud nid)t auf bie Unioerfität unb auf Seipgig befd'ränfte; bie giirftenfd)ulen, auch bie anbern Sanbedfchulen, würben unter feinem Siitflttffe ein= gerichtet. 9lud) entfprad) bie äußere ©tellung, ber audnahmdweife Ijolje, noch mit bejonberen Steuerfreiheiten oerbunbene ©ehalt Oon 2000 ©nlbeit jährlich, ber S33irt= famleit, rneldje SJforih, ^>eimicf;S 9fad)foIger, bem gefeierten ©eiehrten gab. 3it banf= 842 .ffämmerer. barer Slnerfennttng fdjlng biefer aud)' alle, gunt Sgeil giJd)ft egrenbotle Berufungen au anbere Orte au«. Sttbeffen führten bod) ber fdfmalfalbifcge Jlrieg 1546, tgeologifdje Vättbel 1554—1556, eine Steife an ben Vof beS SaiferS 1568 furge llnterbredjitngen in feinem gefegneten SlmtSleben gerbei. ItebrigenS fag er felbft trilbe nnb glaubte bie ©ad)e beS VittuattiSmuS, ber Slircge, beS BaterlanbeS ringsum boit ©efagreu bebrogt. Sr ftarb am 17. Slpril 1574 nnb warb au beut Sage begraben, au metdjem 14 Sagte früher 9JMand)tgon geftcrben mar. SamerariuS mar ein .fpumanift int fcgBnften Sinne be« HöorteS. Ser ©taube an baS Sbangetium nnb bie Siebe gur SBiffenfdjaft Ratten fid> in beitt burd) gtiicflidfe ©eifteö= gaben mie burd) ■-'pergenSgüte auSgegeid)neteit 9)tamt garmoitifd) üerbttuben uttb feinem Sgarafter eine 9Mbe gegeben, meldje fid) mit feinem gogett fittlidfen Srnfte gunt fdjimen ßeicgen bereinigte, ©eine umfaffenten Jleuntniffe ließen igu in ber Sgeologie unb in ber tßgilologie nnb gmar in beibett in ben oerfcgiebenftett SiSciplinen glängen. ©cgloffer (2Beltgefd)id)te XI. 456) rfigtnt au il>nt, baß, ob mir gleid) eine Sftaffe bon ©djriften an« feiner gebet - gaben, boc^ teilte unbebeuteub fei. Sßettu SamerariuS and) feite Originalität unb päbagcgifdje ©enialttät eine« ©turnt nnb Srogettborf abgieng, fo gebührt igitt beitnod) in ber @efd)id)te ber ^äbagogit unb beS llnterridftS eilte geroorragenbe ©teile. Bon feiner meitauSgebegnten unmittelbaren Betjrermirffamteit gaben mir oben berichtet. Sßeiter berbanteu mir igtn aber aud) bie treuefteig nnb frifcgeften Berid)te bon beut neuen Beben, meldjeS bitrd) bie Steformation ben beut» fdjcit ©cguteu aufgieitg. SS ftitb gier namentlid) gu nennen 1) bie fdjon oben ermähnte, trefflid) gefdfriebene Biograpgie: Narratio de H. Eobano Hesso, compreliendens men- tionem de compluribus illius aetatis doctis et eruditis viris. Norimb. 1553. Sitte biefem Bitdfe beigefügte Btieffamutlung ift 1557 unb 1568 fortgefegt morben. 2) bie Narratio de Philippi Melanchthonis ortu, totius vitae eurrieulo et morte. Lips. 1566. 2lud) biefe berühmte ©cgrift, ein SDleifterftücf ber Biografigie, bon ©trobel gu |jalle 1777 bermegrt gerauSgegebeit, gat bitrd) bie Verausgabe ber Briefe üfftelancgtgonS 1569 unb ber Epistolae familiäres 1585 eine giicgft fcgägenSmertge Srgängung ergalten. ©obattit Ijat fid) SamerariuS bitr«^ bie StitSarbeitung bieler, guttt Sgeil nod) geut ge= fdjägter 8egr= uttb Sernbitdfer ein gogeS Berbienft ermorben. Sagitt gegoren bie Com- mentarii linguae Graecae et Latinae. Basil. 1551, bie ermeiterte SluSgabe ber latei= nifcgcn ©rammatit SJlelantgtgouS, bie SluSgaben beS Vomer, ©oggofleS, Sgeotrit unb ber ©nomiter, beS SgitfgbibeS u. a. ut., melcgett er, außer burcg bie grünb» lidjfte Seyffritif, burcg bie Befanntmadjung ber alten griedjifdfen ©d)olieit nod) einen ergögteit SBertg gegeben gat. 3lud) gat er fid) unt bie 9lömer, menn fdjott nid)t in gleid)er 2Seife, beutiigt, fo um Sicero, Birgil, )ßlautuS unb Sereng. Unter feinen Ueberfegungett gried)ifd)er Sluteren ift bie Iateinifd)e Bearbeitung ber äfogifdfett gabeln am befaunteften gemorbeit. Sin gertigfeit in gried)ifd)ett ©ebidjten gat eS ignt feiner unter feinen beutfdfen 3eitgettof}eu gfeid)getgait unb aud) feine lateinifdjen @ebid)te mürben fegr gefcgägt. „Boruegnttid) aber fann SamerariuS für beit eigeutlidjen Begrün» „ber beS ©tubiuntS ber griedjifcgeit Siteratur in Seutfdjlanb gelten; „betttt maS anbere oor igm in biefem gacge geleiftet gatten, ift gegen „feine Unternegnutngen als bloße Borarbeit gu betradjten" (3öd)er). 2Bir gaben nod) eine« befonbereit ©cgriftcgenS bon SamerariuS auSfügrlidjer gn gebenfen, ber Praecepta morum ac vitae accommodata aetati puerili solnta oratione et versibus quoque exposita. Sie mir oorliegenbe SluSgabe ift 1597 bei Boegel in Seiggig erfcgieneit. SaS Büd)leiit, nacg Slngabe ber SBibmnng in feiner gegenmärtigen, gmeiten @e= ftatt 1541 gefd)riebeit, ift ein intereffauteS Senfmat einer fd)öiten geit. 3u ber Bor» rebe oerfegt fid) ber Berfaffer itt jene Sage gurücf, mo bie ftnbirenbe Sugeitb in bem geuer ber erften Siebe gu ben BMffenfdjaften glügte, mo man alles baratt fegte unb lammet er. 843 atfeS ertrug, um nur etmad ju lernen. „ 3 cp erinnere nticp, mie mir, ald itp ein „Stuabe toar, jubelten, wenn mir nur irgenb einen ber berühmten 5 DMnner jener Beit „fapen; unb mie jeber, bem bad ©li’nf marb, gtt einem oon ipnen reben 3U biirfen, im „Himmel gu fein meinte." @r fdjilbert bad Stuftreten öoit Siicparb firocttd unb beit ßutrang 31t it)m unb flogt bann ii&er bie ©egenmart. Siefer Serrebe folgt eine gmeite in Serfen, bann nocp ein 33 rief über ben SBertt) ter ©tubien unb entließ bic praeeepta vitac puerilis. ‘ 6r leitet fte mit ber Sepauptung ein, baß mer bie ©itten unb bad Beben ber 3 ö 3 titt 3 e außer 3 ldjt taffe, attep nid;t einmal gut unterridjten föittte, unb legt bied beö meiteren bar. Stuf bie Sibaftif eingepenb, empfiehlt er fotgenbeit ©tufengang: juerft liedt ber Beprer fepr beutlicp bor, bann müßen bie ©cpttler forgfaltig nadjtefen; bad Serfdjludeu ber fiitbfilben barf bei ipneit nidjt gebutbet toerben, fo baß bie rechte Slufmerff amfeit auf biefelbeit bon fetbft 311111 bDienioriren wirb. Slldbantt ftnb, fomopl ber Sept, mie bie Semerfungen bed Cetjrerö, raörtlicp 3U lernen — bid pierper ftnben mir und fepr lebhaft an Butperd Sorrete 311m (leinen Äatedjidmud erinnert — bad fiporudfpretpen inadjt bie gereifteren ©dritter 3U Seprern ber fdjmädjeren unb enuutl;igt biefe. 3 tn ©egenfape bagu ftnb bic fcfjriftlic^eu Hebungen fetbftänbig unb gan3 aßeiit 31t fertigen, bamit jeber arbeite unb ber fieprer jeben ©djüler fenneit lerne. Siüdficptlicp ber ©itten legt er ben größten BJadjbrucf auf bie jprömmigfeit. Sad'Äinb lerne ©ott bereprett, in bet ©emeiube unb allein 3U ipnt beten; bie Beprer merben bie ©ebete borfdjreibett. 9 ?ad)ft ©ott fontmen bie filtern unb alte, melcpe traft bereit Uebertragung ober gleidjer Semitpung um bie firgiepung ber Ättabcn gleicher fipre mürbig finb. „Siefe aud) nur burd; bad teifefte 2 Bort gu frau* fen, tnüßett fie für ©ünbe ad;ten." Slucp megen ©erlägen biirfen bie fiinber niept großen, obgleich biefe ©träfe nur im äußerfteit gaße anguratpeu ift, bettit: „ficperlicp „mirb ein Äinb, bad fiep bttrd) SBorte niept ergießen laßt, audj burd) ©epläge- niept „beffer merben." Sie brüte ©teße gehört ben ©reifen. Slber attep aßen auberen äßenfepen gegenüber müßen fiep- bie Äinber befdjeiben betragen. 3 rrenbe Äinber ftnb gureeptgumeifeu, böfe audgufdjeiben, „bamit, int ©teidjnis gefprodjen, niept ein franfed „©epaf bie gange fpeerbe vergifte." Sie bann meiter folgenbeit firmapnungen befdjrei* ben in überrafepenber ©pecialitat bad Seitepmen, bad man bon ben Äinbern bei iprett Slntmorten, beim fiffeit, Srinfeit, beim Slnfleibeit, ©pieten u. f. f. bedangen rnüße. SBir pören pier ben gelehrten .perreit bei ben öornepmen ©epülern gegen Unarten eifern, bie „feine alte Säuerin bon iprem ©opne leiben mürbe," unb empfangen bie bon ipnt fetbft ald borgiigtidj begegnete Sieget, and; rücfficptliep ber äußerlichen Singe feien bie Änaben bagit augnleiten, baß fie fiep ein SBorbilb ermöpleit unb audj biejenigeit genau beachten, metd)e man mit Sieept aßgemein tabte. fiparafteriftifep ift bie SDfapime, beim ©piele beit fitgemtup 31t berpöneit, ben fiprgeig, „bie Sufi 31t ftegen", angttregen. Bum ©djtuffe tpeilt fiamerariitd eine beträdjtliepe Stngapt päbagogifdjer unb etpifeper Sorfdjrifteit bed 3fofrated mit, metepeu er bann nur noep eine ÜJtapuung ait bie 5 fna= ben folgen laßt, baß fie bad Sluge ©otted ltidjt beraepten, bad auf aßed fiept, unb bie firmartungen unb Hoffnungen ber filtern, Stngepörigen unb firgieper nid)t täitfcpen foßeit. Somit ift ber Sractat felbft gu finbe; aber er pat biele Slnpange: 3uerft eine poetifdje Uiufdjreibung ber SDfapituugen bed Sfofrated mit einer Söibmnng au Spotttad Seuatoriud. Sad ©ebiept ift märmer atd ber Sractat, ermapnt, tobt bie Bucpt u - f- f- ®' n Sialog gmifcpeit liospos unb puer „de gymnasiis“ ift ein präeptiged Surnbücplein. äBir begegnen ba u. a. ber Sefdjreibung 001t ©ptelen, bie unfere Änaben ltodj treiben, mie: quod nostra lingua yacoao latebras nominamus; jeited Serftecffpiel, toeldjed in Sd)lefien „Slnfcplag" peißt (nidjt „bßnbe fiup"). Slucp ©efang unb Seclamatiott merben unter ben ©efteptd^ punct ber Äörperübung gefteßt, unb in audfüprlicper pppßotogifcper Sebitction merben mir beleprt, in mie fern fte ber Serbauuitg bienen. SBeiter finb eit mir in biefem Siid)= lein ein bramatifirted ©efpräcp ber fiebett SBeifen ©ried;entanbd gur Sluffitprung für bie ©epilier eingeriiptet; bann folgen folonifcpe Serfe in lateiitifcper Uebertragung unb 844 ■Sfämmcrcr. üant. (Srflärung. ®iefed ©djriftdjen »äre ed »ol)l »ertl), burdj irgenb ein ©hmnafialfiro^ gramnt ber 33ergeffenl)eit entgegen gu »erben. ®a, tote oben er»äl)ut, eine 9Nottograpl)ie über bad Sehen nnb bie ©dßriften Bon Samerariud nod) fel)It, fo müßen bie Angaben il6er it?n aud ben größeren fpecial= gefd)id)tlid)en SBerfett gitfammengefud)t »erben; in bem ©d)riftd)en non fperf): Gcoban fpeffe, ein beutfdjed Set)rer = nnb ®id)terleben, erhalten wir »enigßtenS bon ber Srfurter nnb Nürnberger ßeit einige Nad)rid)t. Singel)enbered ift aud bem älrtifel „(Sanier ariud" in ©rfd) nnb ©ruberd 6nct)flof'äbie gu entnehmen. Sondern ßamerariud, ber ©oljn bed fßäbagogen, geb. 6. Noo. 1534 gn Nürnberg nnb geft. bafelbßt 1598, »ar ein bebeutenber 2lrgt nnb 23otanifer; einer feiner Snfel toar Rangier am fpofe gtiebrid)d V. Bon ber fßfalg, fpäter im ®ienfte ©uftao 2lbolfd, ein berühmter ©taatdmann. %x. ©djnciber. $«ut, Smntanuel. 1. 2I(lgemeine 23ebeiitung Äantd für ©rgieljung nnb (Sultur. ®iefer außerorbentlidje 9Nann Berbient aud) in ber ©efdjidjte ber®» giel)ung nnb Sultur in mcljr afd einer Segiefyung eine audgegeidjnete ©teile. ®d I;at »ol)t nad) Sutljer feinen gtoeiten SNann gegeben, ber bad Kulturleben bed beutfdjeit S3oIfe§ in einem foldjen ©rabe in 23e»egnng gefeilt hatte, als er; nnb bie fyofyen 3Ser= bienfte, bie er fiel) um bie ßnttoidlung nnb bie SSilbung bed beutfdjen ©eifted im atlge= meinen er»orben hat, fidjern il)m unter ben »eiligen großen SNännern einen Sljrenplafc, bie »ir atd Selber nnb ®rgicl)er ber 2Jtenfd)l)eit begegnen fönnen. 2Bäl)renb er biefe allgemeinen Sßirfungen auf bie ®nt»idlung bed beutfd)en SSolfeS, ja ber gangen 9Nenfdj= l;eit burd) feine geißtoollen unb an neuen Sbeen reid)en ©Triften hfl-'WtSe&i'adjt I;at nnb and) nod) fernerhin ^eröorbringen »irb, fo »ar er gloeitend aud), »ie »ir and ben guoerläßigßten ßeugniffen feiner ©djüter nnb geitgenoffen »iffen unb felbßt aud) aud ben herausgegebenen SSorlefungen beSfelben fdjließen müßen, einer ber auSgegeidjnetßten Uniberfitcitdlel)rer feiner 3 e t* unb fiat als ßoldjer faßt ein falbes Saljrhunbert auf bie 3ugenb bed nörblidjen ®eittßd)Ianbd nnb ber Sänber an ber Dftfee mädjtig eingewivft unb bie Unioerßität Äönigdberg gu einem Sterne erfter ©röße in bem bjerrlidjen ©ternenfrang ber beutfdfen Unioerfitäten erhoben. ®r beljerrfc^te als Uni ö er fit ä tS leerer faßt bad gange Neid; ber allgemeinen Sßiffenfdjaften. 2lud) bie fßäbagogif im engeren ©inite, ßofern fie bie Srgieljung bed menfdjlidjen SnbiBibuumd betrachtet, Bebjanbelte er in feinen SSorlefungen, unb »enn fie aud; in ber gornt, in »eitler fie Bon Ninf herausgegeben finb, in 33egng auf Slnorbnung nnb SSoKßtäubigfeit gar oieled gu»ünfd)en übrig taffen unb nur als ein 23rud)ßtii(f Betrachtet »erben fönnen, fo enthalten bod) aud; biefe einen ©d)a(3 Bon frud)tbaren unb umoiberleglidßen ©ebanfen unb $orßd)riften unb tragen fo fefyr bad lichte ©epräge ber 3Beidl)eit unb ber ®rfat)ruug, baß Äant fd;on um bcd»iHen in ber fßabagogif eine eljrenBolIe 33erüdfid)tigung Berbiente. ®nb= lid; aber Berbient and) bad Sehen Äantd, »cld)ed und in feinem gangen Verlaufe Bis in bie geheimften 3üge htnein aufd genauefte befannt ißt*), bie forgfältigfte 33ead)= titng nid;t bloß- ber Sehrer nnb Gcrgiet)er aller 3lrt, fonbern aud) jebed anbern 5Nenfd)en, ber nad) einer Boöfommenen Serfaffung feined inteüectueHen unb fittlidjen Sehend ftrebt, unb muß namentlid) and) ftrebfamen Süitglingen gum ©tubium emf3fol)= len »erben. Äantd Sebeit ißt ein fNußter einer »olflgeteiteten ©elbßtergiet)ung. 3 un “^P geigt ed auf eine glangenbe SSJeife, »ie ein SNenfd) Bon ®alent unb SBiftendenergie ßid) Bon ben niebrigßten ©tufen bed Sehend Bid gur l)Br ebleg .fpers, il)ve echte, feinegtoegg fdjwär» merifdjc grömntigfeit. ©ie übte and) ben bebeutenbften Sinftuß aug auf bie erfte (Sr= jiehung ihre« ©oljneg, beftimmte feine <33emütI)S= unb ©eifteSridjtung unb beftätigte bie aud) fonft fdjou oft gemadite Veobad)tung, baß ber ©eift ber SKütter in ben «Söhnen 31 t loeltgefd)id)tlid)er SSebeutung fouimt. ©ie toar eg and), bie bie gaffunggfraft, bie äBißöegierbe unb bie fdjarfe 23eobagefdjä^ter ißrebiger unb 3 itgteidj fßrofeffor ber Sfj^logie an ber Unioerfität toar, itm il)n über bie Weitere @r 3 iehung il)rc 8 ©ohneg, ber lüg bal)itt eine Slemeutar» fdjule befud)t hatte, umfRatl) 3 U fragen, ©chulh rieth ihr, benftnabett auf eine ^Bljere Sehranftalt 3 U bringen unb il)tt bann Rheologie ftubiren 31 t laffen — ein 3fath, ber 846 Kant. mit ben innerften 2Bünfd;en ber gärtlidjen unb frommen SRutter übereinftimmtc. ®a mm ©d;ul(5 in biefer 3nt neben feinen fonftigen Remtern and; baS SDirectorat eine« ber KönigSberger @t;utnafien, nämlid; beS Collegium Fridericianum, übernommen hatte, fo naljm er ben Knaben im 3. 1733 als 3ögling in biefe Slnftalt auf unb madjte eS ihm burd; oielfadje Unterftü( 3 ungen möglid;, baß er tre(3 feiner befd;ränlten fDiittel alle Glaffen biefer ©d;nle burd;tnad;en unb fid; gur Uuioerfität tüd;tig Oorbereiten founte. Slud; biefe Slnftalt beruhte auf bem fßrincip beS ^ietiSmuS unb K. mürbe bon biefem ^ßrincip fo redjt in bie ©djule genommen unb bie d;riftlid;en £ehrett bon ber ^Belehrung beS 9Reufd;en mürben if»n mit einem fold;en ©rnfte unb einer fo!d;en 9led;t= fd;affenl;eit uerliinbigt, baß ber Ginbrud babon auf fein ©emüth unauSlöfd;lich mar. G« ift nid)t gu begloeifeln, baff bie ftrenge ©ittlidjfeit, bie K. in feinem Sieben an ficfj felbft praltifd; auSiibte unb fpäter aud) fo einbringlid; lehrte, burd; biefe frommen Ginbrücte feiner Sugettb begrünbet morben ift. 2BaS feine miffenfdjaftlidje SSilbung be= trifft, fo mürbe fie befonbcrS burd; ein äußerft grüttblidjeS unb umfaffenbeS ©tubium ber vömifd;en ©prad;e unb ber rßmifdjen ©djriftmerle bemirlt. K. brad;te e« gu einer außerorbentlidjen gertigfeit aud; im fcpriftlidjen ©ebraud; ber lateinifdjen ©prad;e, fo baff er fpäter felbft bie abStracteften ©egenftänbe ber ^ßl;i(ofof^ie in lateinifdjer Spraye Har unb beutlid; auSgufpredjen unb als Sßrofeffor an ber ilnioerfität unb als Rector bcrfelbett (er belteibete baS Rectorat gmeintal) bei feierlichen @elegenl;eiten fließenb unb gefd;mactooK in lateinifdjer ©prad;e gu reben muffte. SBefonterS laS er fid; aud; fel;r in bie römifdjen ©taffifer hinein unb prägte lange ©teilen auS ©intern, -ßbilofopfyen, Rebnern unb @efd;id;tfd;reibern feinem an fid; fel;r guten unb treuen @ebäd;tniS fo tief ein, baff er fie fpäter bei jeber paffeuben ©etegenljeit gur ^anb hatte unb aud; in feinen ©d;riftett an Bielen ©teilen baoon ben gmedntäjfigften ©ebraud; gemadjt ^at. Slud; begnügte er fid; in feinem SBiffenStriebe nidjt mit bem, maS bie ©d;ule bot, fon= bern er ftiftete mit gmeien feiner 9J?itfd;üler, unter benen ber fpäter fo gefeierte fßljüologe SDaoio Ruhnfen mar, eine engere 33erbinbung, bie ben 3toed Ijntte, foldje Iateinifd;e ©d;rift= fteüer gu lefen, bie nicht in ben Kreis ber ©djullectüre gehörten, ©o mit grünblid;en Kennt» uiffen auSgerüftet begog er SDiidjaeliS 1740 bie Unioerfität feiner 35aterftabt, um ®l;eologie gu ftubiren. Slber nad; ber löblichen ©itte jener 3^t, bie leiber! jef>t bei Bielen unferer ©tubirenben immer mel;r in Slßnaljme gn lommen fdjeint, l;örte K., elje er nod; crnft» lid; an baS theologifdjc ©tubium Iferangieng, eine Reil;e Bon SBorlefungen in ber pl;ilo= fop^ifdjen gacultät, nantentlid; außer ber eigentlichen Spijilofophie mit befonberem gleiße 5Diatl;ematil, Slftronomie unb ^Phpfil, unb eS fügte fid; glüdtid;, baß er in bem fßro= feffor Knuten einen Seljrer fanb, ber ihn in biefe SBiffenfdjaften lebenbig cinfilhrte unb it;n mit Sntereffe bafür erfüllte. SDiefeS mar entfdjeicenb für fein Seben; er ftubirte gmar aud; Ideologie, prebigte aud; einige SRale, aber fein Sntfd;luß, ben philofophifdjen SBiffenfdjaften fein Beben gu mibmen, mar unmiberruftid; gefaßt. 6r blieb beSljatb uod; in Königsberg, nad;bem er fein alabemifd;e8 triennium abfolBirt hatte, mobei er fid; burd; ‘>ßvioatunterrid;t unb burch SSeranftaltung Bon Repetitorien feinen SebenSunter» halt gu ermerben fudjte. SllS aber im 3. 1740 fein S3ater geftorben mar, ba maren feine finangieüen 93erl;ältniffe fo befdjränft, baß er fürs erfte eine ^auSIehrerftette an* nel;men mußte. Um fid; aber Bor ber Sßelt als einen ©eiehrten gu bocumentiren, ber fid; bemußt ift, auf tneldjem fßuncte ber ©ntmidlnng bie SBiffenfdfaft ftd; befinbet, gab er feine erfte ©d;rift heraus, bie ben Sitel trägt: ©ebanfen Bon ber mähren ©cf;ä( 3 ung ber lebenbigen Kräfte. Sßir nehmen fie mit einer gemiffen Reugier gur §anb unb fragen: ift benn in biefer GrftlingSfd;rift beS ^h'^f 0 ! 31 !^ ber Kants gu er= lernten, ber einige breißig 3al;re fpäter alle ©cifter ®eutfd;lanbS in SSemegung fe( 5 te? SBir tonnen biefe grage breift mit ja! beantmorten. 3^^ ©cgenftanb felbft gegenmärtig fdjmerlid; noch ein miffenfchaftlicheS Sntereffe ; aber auS ber 93ehnnblung ber ©ad;e unb auS ber ©teüung, bie K. fid; gnr SBatmheit giebt, erlennt man ben ©eift ber Unabhängigfeit Bon aller äußeren Sluctorität, ber ade feine ©djriften auS- Kant. 847 geidjnet. Sr erflärt, baß er eS fül)n mögen gu dürfen glaube, baS Sfnfeljen ber ÜRemtonc unb ber Seibnihe für uiditS gu ad)ten, memt eS ftd) ber Sntbedung ber SBahi'heit ent» gegenfteßen foflte, uub leinen anberen Ueberrebitngen, als bem 3 u S e beS ®erftanbeS gu folgen, unb fefct bann nod) bie bebeutfamen SBorte ^ingu: id) habe mir bie 93abn sorge» geid)net, bie id) galten teilt; idj merbe meinen Sauf anireten unb nidjtß foß mid) hindern, lfm fortgufefcen. Sßir fönnen nidjt baran gmeifeln, baß biefeS erfte öffentlidje Auftreten beS felbftgemißen, geifteSfräftigen unb tebenSmutl)igen SiinglingS einen großen Sinbrud in Königsberg mäße Ijerborgebradjt haben, nnb fönnen hierburd) mol)l aud) guut Xtjeit baS 91uffeljen erfiären, teetc^eS er oerurfaebte, als er neun Safjre fpäter in Königsberg als ®ocent an ber Unioerfität ftd) liabilitirte. 93on bem §au8lel)rerleöen Kants be= fi^en mir feine auSfüfmlidjeren 9?ad)rid)ten; nur baS miffen mir, baß eS für feine 9lu$= Bilbung gu einem auSgegeidjneten ©ocenten unb gu eiitent trefflidien ©efeßfdjafter bon außerorbentlidfer 2Bid)tigfeit gemefeit, unb baß er auf biefem Ummege nur um fo fidjerer gu feinem ßiele gelangt ift. Sr befieibete nad) einanber brei £>au8lel)rerfteflen, gnle^t bei bem ©rafen Kapferling, ber größtentfieiiS in Königsberg mofynte. S)ie ©emafßin beS ©rafen, eine f|öd)ft geiftoofle gran, galt baniafS als bie £onangeberin für bie ©efeßfdfaft ber höheren ©taube Königsbergs unb fie mar eS benn audj borneljmlid), bie bie großartigen ©eifteSanlagen Kants erfannte unb ifm in ben ©tanb fe^te, feinen ©eift aud) in gef eiligen Kreifen leud)tcn gu taffen. SD a bie ©efprädje in biefem ganülien» freife ftetS auf bie bebeutenbften Srfd)cinungeu ber frangöfifdjen, euglifdjen unb itatienifd)en Literatur unb auf bie 2Bed)fetfätte ber -ßolitif fid) begogen, fo faub fid) K. I^ierburdj bemogen, einen großen ©d)afj bon Kenntniffen aßet 9frt fid) angucignen, mobei iljni fein ftarfeS ©ebäcfjtniS treffiid) gu ftatten fam. Sr ftubirte gu biefem 93el)ufe and) biele gefd)id)tßd)e unb geographifdfe Söerfe uub fReifebefdjreibungen unb mar balb in fremben Sänbern mie gu §aufe, obgleich er fid) niemals mef)r, als menige S0?ei(en bon Königsberg entfernt hat. SDer Umfang ber Kenntniffe unb bie ©abe, fd)ön, anfdfaulid) unb intereffant gu ergaben, bie K. in biefen Kreifen guerft in fid) auSbilbete unb übte, tarnen if)m fpäter aud) in feinen Sßorlefungen trefftid^ gu ftatten, ba er fie burd) SOfit» tfjeiiungen aus bem reid)en ©d)a(3e feines SBiffenS unb burd) eine gmecfmäßigc unb an» fd)aulid)e Srgäf;lung feffelnb gu machen mußte. lußerbem aber biibete K. in feinem fpauSleljrerleben baS bon fpauS aus ifjm eigene SDafent ber gefeßigen Unterhaltung gu einer fpöl)e aus, baß er bon ba an fein gangeS Sebeit über für einen ber geiftboßften, belebenbften unb gemanbteften ©efeflfdjafter galt unb als folcfyer iiberafl gefudjt mürbe unb f)od) mißfomnten mar. K. felbft betradjtete ben gefeßigen Umgang als bie eigent» Iid)e äßürge beS SebenS unb als bie ebelfte SrI)olung unb tjuttoigte baljcr aud) fein gangeS Seben über bem ©runbfaf?, nadibem er fid) ben angeftrengteften ©tubien ge» mibmet hatte, burd) gefeßigen Umgang mit edlen unb geiftreidjen äJtenfdjen itament» fid) bei SDifdfe fid) gu erfrifd)en nnb gu erheitern. SDiefe ©ifd)unterhaltungen in fort» mäljrenbem 333ed)fel über bie mannigfaltigften ©egenftänbe ber Siteratur unb ber £ageSgcfcf)id)te, mobon jebodj bie eigentlidje ftrenge philofopl)ifd;e ©peculation auSge» fd)loffen mar, blieben bon biefer 3 e it an feine liebfte, fpäter fogar feine eingige Sr» bolitng, ber er auch bei ber größten .fjinfäfligfeit feines ©reifenafterS nid)t böflig ent» fagen modjte. 3. Kant als afabemifdjer ©ocent. -Radjbem K. 9 3al)re lang fpauSlehrer gemefen mar, unb biefe 3eit für feinen SebenSgmed trefflich benu§t h^tte, habiütirte er fnh als fßribatbocent an ber Unioerfität Königsberg, mo er bon nun an fein gangeS Seben über bleiben unb als ein heßeS Sicht meit unb breit hi« leudjten foßte. SS mar im 3. 1755, als er burd) gmei lateinifdj gefd)riebene Sliffertationen, bon benen bie eine über baS Qümer unb bie andere über bie oberften fßrincipien ber metaphhfßd)en SrfenntniS handelte, baS SRecbt ftd) ermarb, an ber Unioerfität ÜSorlefungen gu halten. Sr mar erft 31 3al)re alt, befand fidj alfo in ber blithenbften SKanneSfraft, hatte feinen ©eift mit einem ungeheuren ©djaige bon Kenntniffen aus aßen ©ebieten beS 848 ■Kauf. 2Biffen8, namentlich and) aus ben 9iaturmiffenfdjaften, bereichert unb feinen ©djarffimt burd) matbcmattfdje unb philofophifdje ©tubien geübt ttnb gebilbet. SDUt iueld) großen Hoffnungen tonnte er fd)ott beSl^alb feinen neuen 93eruf antreten! ©aju fam aber nod), baß bie 3 e it / 'oo ein in fid) unabhängiger unb freier ©eift .feine Ueberjeugungen ungel)inbert unb ungefährbet auSfprcdjen fonnte, nod) niemals fo günftig geWefen mar, als bamalS in fßreußen. ©enn auf bem ©prone fßreußenS faß bamalS griebrid) ber ©roße, ber, wie er felbft ein freier unb fraftiger ©eift mar, fo and) bie Sleußerangen fräftiger unb freier ©eifter, joie fcl)r fie auch neu bem Herfbinmlidjen abWeid)en modj s ten, nid)t bloß bulbete, foubent and) förberte unb ber, mie er felbft ein fßljtlofoph mar, fo and) naturgemäß bie lleberjeugung hegte unb praftifd) geltenb machte, baß nur eine bötlig unbel)inberte Sehrfreiheit *bie eigentlidje SebcnStuft ber fßh^ c f 0 h^ e frt 3'oar hat griebrid) ber ©roßc für Kants äußerliches gortfommen nid)t siet ge= than, obgleich er ihn hodjadjtete. 3n ben erften 10 3al)reu, nadjbetn Kant als ©ocent in Königsberg aufgetreten mar, waren griebrid) ber ©roße unb feine üDtinifter mit ben politifd)eu 3rttoerIjättniffen, uamenttid) mit bem fiebenfäl)rigen Kriege unb feinen goI= gen oiei ju feljr befdjäftigt, als baß eine befonbere 9iüd'fid)t auf K. hätte genommen merben fönneu. ©pater würbe er burd) EabinetSorbreS unb SÜtinifterialerlaffe bem Euratorium ber Unioerfität briugenb empfohlen, ol)ne baß fid) für il;n 3 unädjft eine paffenbe ©teile finbeu wollte, ©o fam eS benn, baß K. bolle 15 3al)t'e ißrioatbocettt blieb, obgleich er burd) bebeutfame ©djriften unb burd) feine Sehrtljütigfeit fid) als einen ber fdjarffiunigften Köpfe angefiinbigt hatte unb fortwal)renb erWieS. Erft 1770 Würbe er orbentlid)er fßrefeffor ber Sogtf unb SDietaphhfif nrit einem ©ehalte bon 400 ©fjatern, ber erft fpäter auf 600 ©l)lr. erhöht Würbe. 9lud) nachher erhielt er bon griebrid) felbft unb bon feinem einfidjtSbcHen -Dfinifter bon ßeblih mieberl)olt bie größten 93e= weife ber Hodjadjtung. ©o würbe il)m g. 93. im 3. 1774 bie orbcntlidje ißrofeffur ber fßljilofophte in Hatte mit einem ©ehalte bon 800 ©Ijlr. f° briugenb unb fo freunb= fid) unb mieberljolt angeboten, baß Wol)I unter Huberten faurn einer biefer 2lufforbe= rang würbe wiberftauben haben; bod) fd)lug er biefeS Slnerbieten runbweg auS, ba er fid) in Königsberg frei füllte. 916er fo banfbar aud) K. für foldje 93eWeife ber 2lner= fennung bon ©eiten beS großen Königs unb feines SRinifterS fein mochte, fo war bod) beS größte ©nt, baS ihm als einem fo fdjarffinnigen unb neue 93al)nen bredjenben SDianne gemährt werben fonnte, baß er feinen ©eift in 9Bort unb ©d)rift bötlig frei auSfpredjen burfte, fo lange griebrich ber ©roße lebte; unb biefe greifet War für ihn um fo wertl)bot(er, ba gar inandje Siefultate feiner fßljilofophte mit ben hergebrachten 2lufid)ten über 7©h ec t!ogie unb ißolitif in SBiberfprudj ftanben. ©o waren benn alle inneren unb äußeren 93ebinguugen in einem ©rabe erfüllt, baß K. einer ber be- bcutenbften unb Wirffamften UnioerfitätSlel^rer Werben fonnte, bie ©cutfdjlanb jemals gefel)en l;at. Unb als foldjer ift er faft ein halbes 3al)rl)unbert bie größte ßt^rbe ber KönigSberger Unioerfität gemefen, unb hat fid) eine unbegrenjte 9ld)tung erworben. ES liegen über feine afabeuüfdje Sd)rtl)ätigfeit bie genaueften ßeuguiffe oieler feiner ©djiiler oor, namentlich auch foldjer, bie felbft in ber literarifdjen 9BeIt fpater eine große fRotle fpielten. Einer ber ooUgiiltigften 3 eu geu ift H^ober. ©iefer hörte bie SBorlefungen Kants ooit 1762 bis 1764 , unb obgleich er fpater oon ben f)3rincipien ber Kaut’jd)eu fßljilofophie nid)t unWefeutlid) abwid) unb fogar eine fd)arfe ®egenfd)rift gegen bie Kani’fdje Kritif fdjrieb, bie er unter bem ©itet ber SDtetafritif IjernuSgab, fo erteilte er bod) ber Seljrthätigfeit unb Sehrfähigfeit Kants baS glänjenbfte 3cugniS, inbem er in feinen 93riefen jur Seförberung ber Hnmanitat barüber golgenbeS fdjrieb: 3d) habe baS ©tüd genoffeit, einen iPhäI°T c Hh> en 3 U fennen, ber mein Seprer war. Er in feinen bliihenbften Sapren hatte bie fröl;lid)e SWunterfeit eines 3ünglingS, bie, mie id) glaube, ihn aud) in fein fpatefteS 9llter begleitet, ©eine offene, jum ©enfen ge= baute ©tim War ein ©ifc unjerftörbarer Hrtterfeit nnb greube, bie gebanfenreichfte fßebe floß bon feinen Sippen, ©cfjerj unb 2Bifc unb Saune ftanben il)ut ju@ebot, unb ■jtaitt. 849 fein leljrenber Vortrag mar ber unterhaltenbfte Umgang. Söiit eben bern ©eift, mit bem er Seibnij}, SBoIf, 99aumgarten = ©rufiuS, fpume prüfte nnb bie 9iaturgefehe 9?emton8, ÄepplerS, ber ißhhfifer »erfolgte, nahm er and) bie bantalS erfdjeinenben Schriften fftouffeau’S, feinen ©tnil unb feine ipeloife, fo mie febe ihm befannt gemorbenc 9Jaturentbetfung auf, mürbigte fie unb fant immer mieber jurücf auf unbefangene Äennt= niS ber Dfatitr unb auf ben moralifchen $3 evtl) beS SJtenfdjen. 9)lenfdjen=, 33ölfer=, SfaturgefdjüJjte, Sftaturleljre unb ©rfal)rung mären bie Quellen, au 8 benen er feinen Vertrag unb Umgang belebte, nid)t 8 miffenSmürbigeS mar ihm gleichgültig; feine ©abale, feine ©ecte, fein Sorurttyeil, fein SiameuSeljrgeig hatte für ifjn je ben minbeften fffeig gegen bie Srmeiterung unb 3lufl)eltung ber 2 Bal)rl)eit. 6 r munterte auf unb gmang angenehm gum ©elbftbenfen; QeSpotiSmuS mar feinem ©emütlje fremb. Qiefer üDtann, ben id) mit größter Qanfbarfeit unb £od)ad)tung nenne, ift Smntanuel Äant." ®ie SSorgüge bon Äant 8 afabemifdjer ?ebjrtl;ätig?eit, bie in biefen begeifterten Sßorten §erberd gefdjilbert merben, begieljen fid) tf)eil 8 auf ben Snfjalt, theilS auf bie gorm unb ben ©eift feiner Vorträge. 2BaS ben Snljalt ber Äant’fdjen 33orlefungen betrifft, fo mäßen mir in biefer 33egiel)ung bie außerorbentlidje33ielfeitigfeit berfelben bemunbern. ©8 fam i£;m babei fein ungeheurer ©d)aj$ ben Senntniffen 3 U ftatten, ben er bei feinem treuen unb leid)ten ©ebadjtniffe fortmäl)renb ermeiterte. ©r mar in faft allen ©ebieten be 8 menfd)lid)en SßiffenS gu fpaufe, mie e 8 einem großen fßhilofopljen gegiemt, ber fid) nid)t in nteljr ober meniger einfeitigen 3lb8tractionen herumtreiben miH. ©8 ift fchon oben angebeutet, baß Ä. namentlid) aud) oiele 9feifebefd)reibungen unb @efd)id)t§merfe ftubirte, bie mefentlid) baju beitrugen, feinen Sßorlefungen einen reichhaltigen ©toff jujuführen unb eine concrete Slnfdjaulidjfeit gu ertheilen. 9®ie genau er bei ©tubien ber 3lrt ber= fuhr, baoon ergäbt fein 93iograplj 33oromSfi, ber fpätere eoangelifdje 33ifd)of unb ein genauer ffreunb unb ©d)iiter SiantS, ein benfmürbigeS 33eifpiel. ©inftmalS, ergählt Soromsfi, trat id) in fein Zimmer, unb inbem er fid) gu mir manbte, fagte er: 9?un ba lege id) eben ben 17. 33anb ber ©d)rötfl/fcf>en Äirdhengefdjidjte meg. Huf meine grage, ob er fid) burd) bie 17 33änbe mit 33ehagen burdjgebrad)t hätte, berfid)erte er gang ernftlich — unb ma« fein ÜJiunb auSfprad), mar guberläßig — baß er SBort für SBort gelefen hätte. 33 ei biefer güüe ber @elel)rfamfeit mar e 8 ihm benn aud) möglich, baß er feine ©orlefungen auf bie berfdjiebenartigften ©egenftänbe auSbehuen fonnte. ©r la 8 nicht bloß über bie ©egenftänbe, in benen er fidj gunäd)ft habilitirt hatte, näm= lid) über Sog«, SÜJetafah^ftf, SKathematif unb fßhhftfi fonbern audj über 9 caturred)t, fDioral, natürlid)e Ideologie, über' bie 33emeife bom ÜDafein ©otte 8 , über bie Sehre bom ©d)önen unb 00 m ©rhabenen, über ‘jßabagogif, phpfifdje ©eograpljie unb 3luthro= potogie. SRandie bon feinen SSorlefungen fanben ein fehr großes ißublicum, mie bie über IDlorat, über pht)fifd)e @eograpl)ie unb über Anthropologie. Qiefe maren für ein atlge= mein miffenfdjaftlidjeS ißublicunt bered)net unb man intereffirte fid) nid)t bloß in Äönig 8 = berg, fonbern auch außerhalb meit unb breit für biefelben; 3 . 33. ftubirte felbft ber SJlinifter bon 3 £ t>Iihf ber unter Sfriebricfj bem ©roßen bie ©ultu 8 berl)ältniffe be 8 preußifhen Staats mit fo biel ©inficht unb 3BeiSl)eit leitete, ÄantS 33orlefungen über Phhfifdje ©eegraphie nadj einem .jpefte, ba 8 bon einem ©tubiofen nad) bem SSortrage ÄantS nad)gefd)rieben mar, unb fe^te ben ^Mof^en in feer HebenSmürbigften SBeife babon in ÄenntniS. 3 n formeller .jpinficht merben bie Äant’fd)en Sorlefungen bon feinem 33iograpl)eu Sadjmann, ber ihn felbft eine 9teil)e bon Satiren S e h>*3vt hat, als lidjtboH unb angiehenb begeid)net. 3 n ben 23orlefungen, bie für ein allgemeines bßubli= cum bered)net maren, mie in ber phhf*f(h cn @cografjl)tc unb in ber 2 lntl)rof)ologie, fam ihm feine umfaffenbe ÄenntniS ber 91atur unb be 8 50ienfd)enleben8 unb feine au 8 ge= geidjnete 33elefenl)eit in ben berfdjtebenartigften ©djriften, fo mie feine ©emalt über bie Sprache gu ftatten, um fte anfdjaulid) unb intereffant gu machen. Dfamentlich ber= fie 93 orlefungen über Anthropologie unb phhfifdje ©eograpljie finb befanntlidj aud) in feinen SEBerfen enthalten unb nantentlidj bie erfteren, bie Sf. felbft Ijerandgegeben hat, finb auch jbtst noch > m ©tanbe, unfer ganjeö Sntereffe in Anfprudj 31t nehmen, fo große Swrtfdjritte aud) biefe Sßiffenfdjaft mittlerweile geniadjt hat. 9 Jtan erfennt in ben)eiben überall ben tiefen SJienfdjenfennev, ben außerorDentlidjen ©eiehrten, ben Haren ®enfer, ber aud) abdtracte ^Begriffe in ganj eigener Sßeife 3U beranfdjaulidjen unb 31: populariftren weiß, unb ben eblen unb djarafterboßen SJtenfdjen. Anberer SDtittel, ald in biefen mehr populären IBorlefungen, mußte fidj Ä'ant natür= Ud) in ben eigentlid) pljUofephifcf)en 33 orlefungen betienen, wie in benen über Sogif unb SWetaphhfH. .fpier fant ed ihm bor aßem barauf an, bie ®enffraft ber ©tubirenben 3U toeden unb in Hebung 3U berfe(3en. Gr berfdjtuäljte baljer bie getoöhnlid)e bogmati» fd)e Spanier, woitadj ed getoißen ®ocenten nur barauf anfommt, ihren, 3 u h“ l 'ern be= ftimmte ©ä(se unb Sehren glatt unb feft bo^utragen, bamit fie biefelben fdjtoarj auf Weiß nad) §aufe tragen unb etwa gum tßeljuf bon -Prüfungen ind ©ebädjtnid einprägen fönnen. ffür foldje benffaule 3 ul)örer War ber ißortrag Saut8 nidjt eingerichtet. Gr lehrte fein fefted phitofopljifcfjed ©tjflem, fonbern fud)te ben ©rieb unb bie gäljigfeit ber phi!ofophifd)en Unterfudjung 3U Weden. Sadjmann erwähnt in biefer 33 e= 3iehung, baß eine befonbere Sfunft bei ber AuffteHung unb ^Definition metapljhfifdjer ^Begriffe bewied, inbem er nämlid) bor feinen 3 nl)ärern gleid)fant ®erfudje anftelltc, alö Wenn er erft anfienge, über ben ©egenftanb nacf)3ubenfen, aßmählidj neue beftimmenbe ^Begriffe I)in3ufiigte, fdjon berfud)te Grflärungen nach unb nach berbefferte, enblidj 3um böfiigen Abfd)luß bed botlfommen erfdjöpften unb bon aßen ©eiten beleud)teten 93 egriffd ilbergieng unb fo ben ftreng aufmerffamen Zuhörer nidjt aßein mit bent ©egenftanbe befannt madjte, fonbern iljtt auch 3 um methobifdjeit ®enfen anleitete. 2ßenn biefe 50 le= tljobe aßein in bie SBerfftätte ber ^Begriffe einführt unb eine flare unb beutlidje Grfaf= fung berfelbeit ermöglidjt, fo bient fie audj aßein ba3u, ben ©eift unb Gljarafter ju bilben. Hnb barein gerabe fönnen wir ben ©eift ber Äant'fdjen SSorlefungen unb feiner gefammten afabemifdjen ©Ijätigfeit fefjen, baß er fidj bemühte, ben freien unb felb= ftänbigen ©eift unb Gljarafter, ber in ihm felbft in einem fo feltenen fücaße Icbenbig War, feinen 3 u härern mitjutheilen ober bielmeljr biefelben fo an3uregen, baß fie fid) getrieben fühlten, bie ©elbftbeftimmung unb ©elbftänbigfeit bed ®enfend unb bed 2 BoI= lend ju bleibenben Gigenfdjaften ihrer ©eelen 3U mad)en. Unb Ä. hat fo burd) feine bielfäl)rige energifd)e ©Ijätigfeit ald Uuiberfitätdleljrer nidjt bloß ben ©eift ber freien fporfdjung 311m ©emeingute bieler SJtenfdjen gemad)t, fonbern er hat aud) auf ben Glja» rafter unb bie ©ittlidjfeit feiner 3ul)örer fehr Ijeilfam eingeWirft. 9?ad) ber ftttlidjen ©eite Ijm Wirfte er befonberd in feinen 33 orlefungen über SDforal, in benen er bie reinen ©runbfähe ber ©ittlidjfeit, bon benen er felbft befeelt war, in begeifterter ©pradje nidjt bloß entwidelte, fonbern ben 3nhörern auch lebenbig and §ei - 3 legte. „3n ben SSorlefungen über SKoral, fagt berfelbe fdjon angeführte 3unerläßige ©eWährdmann Sadjntann, war Ä. nidjt bloß fpeculatiber fßhilofoph, h* er toar er audj geiftboßer Slfebner, ber §er3 unb ©efühl eben fo mit fid) fortriß, ald er ben SSerftanb befriebigte. Gd gewährte ein wahrljafted Gnt3üden, biefe reine unb erhabene ©ugeubleljre mit folcher fraftboßen 3 Se= rebtfamfeit aud beut SJiunbe iljred Urljeberd felbft gu Ijörett." ®ie moralifcfjen ©djrif= ten ftantd, bie wir in feinen gefammelten SEBerfen finben, fönnen und natürlidj feine boßftänbige Anfdjauung geben bon ber energifdjen SBirfung, bie feine mttnblidje fftebe auf bie SBcdüng bed fittüdjen ©efiiljld nach bem eben angeführten 3 eugniffe audgeübt haben muß; aber bennodj faun man audj Äantd moralifdje ©djriften nidjt ohne fittlidje Grljebung lefeti. 2 Ber ben großen Sftann in biefer S3e3ieljung nodj nidjt fennt, bem fönnen wir feine ©djrift: ©runblegung 3ttr SJtetaphßfif ber ©itten gunt ©tubium be= ftend empfehlen. Gd Weljt in biefem 23 udje — audj abgefeljen bon ber wiffenfdjaftlidjen Ätarljeit unb ©rüublidjfeit, bitrdj bie ed fid) audseidjnet — ein ©eift erhabener, bon .ftant. 851 Sofynfud)t freier ©ittüddeit, ber jeben aufmerffamen Sefer ergeben, begeiftern unb beffern muß. 3?od) ift Mer gu ermähnen, baß ft. nad) bem Jobe feined großen Protectord, Stieb“ rid)d bed ©roßen, in feiner Sehrfreiheit fel)r gehemmt mürbe. 3 TOar ' n ber erften ßeit nad) bem Siegierungdantritt Sriebrid) 3Bi(i;eimd II. mürbe er t)öt)eren Drtd nod) fefjr anerfannt. ©erabe in bad 3al)r, ald ft. juni jmeitenmale Rector ber Uniberfität ftö* uigdberg mar, fiel ber Job griebridjd bed ©roßen unb bie £>ulbigungdfeier feines 9?ad)foIgerd in ftönigdberg im September 1786. ft. trat ald Vertreter ber Unioerfität an ber ©pijje ber Profefforen bem neuen SÜfonarchen entgegen unb mürbe »on biefem auf bie fyulbreid)fte Slrt empfangen unb ald ber erfte Philofoph Jeutjdjlanbd eprenooU begrüßt. Sind) ber £mlbigungd=Eommiffariud, ber Eabinetdminifter ©raf bon §erjberg, jeidjnete ft. in jeber SBeife and, mo er il;n nur traf; e§ mürben nicht bloß bie Ein* fünfte ber Uniberfität um 2000 Jpaler jäl)rlid) oermeprt, fonbern ft. erhielt nod) and befonberen gonbd eine außerordentliche 3 ulage Con 220 Jljatern jäl)rlid) mit einem äußerft fd)meid)etl;aften ©djreiben bed ftönigd, in metd)em namentlich aud) ftantd aud* gejeid)neter gleiß, feine Uneigennü(jigfeit unb feine patriotifd)en Seftrebnngen in marmen 3Borten gebitljrenb anerfannt maren. Slbcr bie ©unft ber ©roßen ift unfidjer unb burd) politifdje unb fird)lid)e Strömungen bebingt. Unter griebrid) SSSil^elm II. nafjnt bie preußifd)e Politif unb bie Leitung ber firdjlidjeu Angelegenheiten befanntlicf) balb eine fel;r reactionäre Strömung, bie in bemfelben ©rabe mud)d, je heftiger ber reoolu* tionäre ©eift in grartEreidj gegen ftird)e unb ©taat heranftürmte. ©d)on jmei 3aljre nad) bem Jhronmedjfel mußte ber freifinnige SJcinifter 3 e büh, bem ft. fein (Stoche madjenbed Sßerf: bie ftritif ber reinen 33ernunft 1781 gemibrnet ^atte, abtreten, unb an feine ©teile trat am 3. 3uli 1788 ein fanatifd)er unb hierard)ifd)er Jheolog, ber frühere Prebiger SBöllner. 3J£it ihm $anb in §anb gieng ber ©eneralabjutant bed ftönigd, oon 23ifd)ofömerber. SBenige Jage nad) bem Amtsantritt biefed ÜJHnifterd er* fdjien bad nach ih m benannte berüchtigte Dieiigiondebict, meldjed bie HJeligiondlehrer ftreng an bie ©laubendbefenntniffe ald Storni »ermied unb jeben Auberdbenfenben mit Slmtdentfe( 3 ung bebrohte. Ein jmeited Ebict h»b bie Preßfreiheit auf. ©obann mürbe eine befonbere 33el)örbe errid)tet, bie bie auögebehntefte 23oHmad)t über alle ftirdjen* unb ©d)ulamter hatte unb anfteHen, beförbern, unterbrüden unb abfefcen fonnte. Ed mürbe mit ooIlern 33emitßtfein ein S3ernid)tuugdfrieg gegen bie fogenannte Aufflärung unternommen. Ed mar natürlid), baß eine fo mächtige Erfdjeinung mie ftant ben 93 er* liner @laubendrid)tern nid)t entgehen fonnte. ft. erhielt baher eine Eabinetdorbre Oom 1. Dctober 1794, bie SBöHner felbft abgefaßt hatte, in meld)er folgeube ©teilen oor* fommen: Unfere I)öd)fte Perfon hat fd)on feit geraumer 3bit mit großem SDtidfallen er* fehen, mie 3l)o Euere Philofopl)ie jur Entftellung unb ^erabmiirbigung mandjer ipaupt* unb ©runblefmen ber heiligen ©d)rift unb bed Ehriftentl)umö midbraucht, mie 3l)r biefed namentlich in Euerem 23ud): „Religion innerhalb ber ©renjen ber bloßen SBernunft" getl)an habt. P3ir »erlangen bed el)eften Euere gemiffenljaftefte 93erantmor* tung unb gemärtigen Und bon Sud), bei SSenneibung unferer höd)ften Ungnabe, baß 3h* (Sud) fünftigl)in nid)td bergleichen merbet ju ©chulben fommen laffen; mibrigenfatlö 3l;r Eud) bei fortgefejster Sleniteuj unfehlbar unangenehmer Perfügungeit 511 gemärtigen habt. 3ugleid) mürben fämmtlidje theologifdje unb pl)ilofophifd)e Sehren ber Unioerfität burd) amend unter) d)rif t 0 erpflic^tet, nid)t über ftant’fcfje Sfeligiondphilofopljie ju lefeit. Jiefer Eingriff in bie afabemifdje Sehrfreiheit mußte ft. ind Snnerfte treffen, ba er bie ungern* berte SDtittheilung ber lleberjeugungen für bad erfte fRedrt ber UBiffenfcljaft unb bie eigentlidje conditio sine qua non ilireö S3eftel)end hielt. Slnbererfeitd hatte er einen fehr ftrengen Segriff oon bem ©eljorfara, ben ber Unterthan feiner Dbrigfeit fd^ulbig ift, mie er benn in feinen 33 orlejungen oft bie befannte ©teile aud bem Diömerbriefe citirte: ©eib gel)orfam ber Dbrigfeit, bie ©emalt über Eud) hat. ©0 mürbe er benn burd) ben föniglidjen Erlaß in einen Sonflict oon jmei gleid) mefentlidjen Pflichten 852 .Staut. bermidett, ber ihm, mie toir aud feiner im 3al;re 1798, atfo nad; bem -Tobe griebridj SBilhelmd II., erfdjienenen Sdjrift über ben Streit ber gacultäten erfeljen, fet;r riet gu fdjaffen machte. ©r erlebigte aber bie Sad;e nad; einer SRajime, bie man auf einem 3ettel bon it;m aufgefdfrieben fanb unb bie fo lautet: SBiberruf nnb Verleugnung feiner inneren Ueberjeugung ift nieberträdjtig, aber Sdfmeigen in einem gatte, mie ber gegen= märtige, ift Unterthanenpftidjt; unb menn aßed, mad man fagt, mat;r fein muff, fo ift barum nicht aud; fpfiid^t, alte äBa^rtjeit öffentüdj gu fagen. 3n biefern Sinne beant= mortete er bad fönigtidfe Sd;reiben. (Segen ben Vormurf, baß er feine fßl)ilofopt)ie gur ©ntfteßung unb Slbmürbigitng bed ©hriftentl;umd midbraudft habe, berttjeibigt er ftd; audführlid;; erftärt aber gute^t, baß er, um aßen Verbad;t gu bermeibeit, atd Seiner fSRajeftät getreufter Uuterttian, fiinftigtjin aller bffentlidmn Vorträge bie fRetigion betreff fenb fclbotjt in Vortefungen als Schriften fid; gänglid; enthalten merbe. ÜRad; bem Stöbe griebrid; SBithelmd II. mürbe bie religiöfe ©ulbung unb bie Sehrfreil;eit mieber= fjergefteßt unb bad V3ößner’fd;e fRetigiondebkt aufgehoben unb Ä. tonnte ftd; nun atfo and) mieber in alter äöeife audffn-ed;en. Um aud bem berbrießtid;en £>anbet menigftend einen Vortt;eit für bie 235iffenfd)aft gu giet;en, fd^rieb er bie fd;on ermähnte Schrift über ben Streit ber gacultäten, in metdfer er and) guerft feine Vert;anbtung mit ber Staatsregierung beroffenttidjte, benn bis bahin hatte er faurn einem feiner greunbe etmad baöon gefagt. @r fe(3t barin bad Verhältnis ber fßh^ D f 0 hh’ e 3 ur Ortlfoboyie in feiner SBeife fet;r ftar unb umftänbtid; and einanber. 2)en testen 3 wet ^ i3e ® menfd;= lid)en hebend fetjt St. aud; in biefer Schrift, mie in aßen übrigen, in bie Sitttidjteit unb erftärt bat;er, baß aud; aße Sd;riftaudtegungen, fofern fie bie ^Religion be= treffen, nad; bem hßrincif) ber in ber Offenbarung abgegmedten Sittlidjfeit gemad;t merben miißen unb baß fie ohne bad entmeber ^raftifc^ leer ober gar £>inberniffe beS ©Uten feien. 2Iud; feien biefe Sd;rifterflärungen nur atdbann eigenttid; auttjentifd;, b. i. ber ©ott in und felbft fei ber Studteger, meit mir niemanben berftel;en, atd ben, ber burd; ltnferen eigenen Verftanb unb burd; unfere eigene Vernunft mit und rebet, bie ©öttlidjfeit einer an und ergangenen Sehre atfo burd; nidttd, atd burd; Ve= griffe unferer Vernunft, fofern fie rein moratifd; unb hiermit untriigtid; finb, erfannt merben bann. VSenn nun aud; nid;t moht getäugnet merben bann, baß bie Stant'fdje ‘’Ph'W°l-'ht c r f° f £ h r fm bis 3bee eines perföntidjen ©otted feftljätt, hoch bad objectioe SRoment ber d;riftlid;en ^Religion, monad; fie ein realed Verhältnis bed 9Reufd;en gu ©ott ift, entmeber gauj oerbennt ober bod; fehr in ben tpintergrunb fteßt unb baher aud; mand;e Sehren bed ©hriftenthumd, mie bie bon ber göttlidfen ©nabe, nicht in it;rer grudjtbarfeit anerbennen bann, fo mirb man bod; bon bem principe Stantd, baß bad ed;te Kriterium ber ^Religion bie Sitttichfeit unb baß unfere hödffte Sluctorität unb ber aßein autf;entifd;e Sludteger ber Sd;rift ber in und fett ft mirtenbe ©ott ift, uid;t abmeifett fönnen, ohne ber @efa£jr audgefetst gu fein, in Unbernunft unb 2ttei- gtaubcn gu berfaßen. St. genoß bie il;m burd; ben fRegiermtgdmedhfel miebergefc^enbte fRebefreit;eit nur menige Saljre, benn fdhon im 3. 1799 mußte er megen Sllterdfdfmädje feine afabemk fd;en Vortefungen fdjließen unb am 12. gebruar 1804 ftarb er. , 4. Stantd Vebeutung für bie ©ntmidtung bed beutfd;en ©eifted unb ber beutfd;en 333iffenfcb;aft. Stber fd;on längft hatte er bie SRiffiott, bie ihm für biefed Sebeu aufgetragen mar, boflftänbig erfüßt, benn er hatte feine Sbeeit md)t bloß atd Socent aufd bielfeitigfte audgefßrod;en, fonbern er hatte fie aud; — unb bad mar für 2Rit= unb 5Rad;mett bad 2Bicf>tigere — in einer fReihe geiftbofler gebrudter SBerfe niebergelegt. 3n biefen Sdjriften hat fich Äantd hpf)iIofof>l)ie über gang ©urogm »erbreitet; in biefen lebt fein ©eift fort für aße 3 e 'kR; an biefe muß man ftd; aud; hatten, um gu erfenneu, mctdje Vebeutung Ä. für bie ©ntmidtung bed menfdjttdfen ©eifted t;at unb in mie fern er gu fenen großen Viännern gerechnet merben muß, bie man atd Sel;rer unb ©rgieher ber 9Renfd;t;eit gu begeit^nen hat. .ffant. 858 68 laffert fid) in ÄantS fd;rififtellerifd;er 2öir ff amfeit beutlid; 3 m ei gerieten unter» fdfeiben. 3n ber erfteren fßeriobe, bie etma bis jum 3. 1770 reidjen möchte, manbelt er nod) mehr bie gemi3l;nlid)e ©traße ber fritieren fßhilofophen and ber 2BoIffd;en ©djule unb oertoenbet feinen ©djarffittn großenteils auf bie Unterfudjung naturmiffen» fdjaftlidfer ©egenftänbe. 6 ine ber mid;tigften ßon biefen ©dfriften ift bie allgemeine Diaturgefdjidjte unb XI;eorie beS Rimmels (Sljeil TI in ber SUtSgabe oon DJofenfranj unb ©cbubert), meld;e im 3. 1755 erfdjien unb griebrid; bent ©roßen gemibmet mürbe; $. legte aud; nod; in fpäteren Sauren einen befonberen 2ßerth auf biefeS Sud;, baS in ber S©t;at mit großer griffe nnb jum 3if)ei( mit einer an religiofe 6 vl;ebmig ftreifenben Sebenbigfeit gefdfrieben ift unb nod; je§t gelefen ju merben oerbient. 68 ge» hören ferner in biefe 3 eit bie ©d;riften über ©mebenborgS ®eifterfel;erei nnb oieleS anbere, toaS mir I;ier übergel;en. ®ie ©Triften, bie bitrd; ©mebenborgS Auftreten ber» anlaßt mürben, oerbienen aber and; in einer allgemeinen 61;arafteriftif ÄantS in fo fern eine befonbere 6 rmäl;nung, als er in benfelben nad; beiben ©eiten l;in feine Un= abhängigfeit unb SorurtheilSlofigfeit bemährt. 6 r untermarf bie ©efd;id;ten, bie oon bern Seriell - ©mebenborgS mit abgefdjiebenen ©eiftern erjaljlt mürben, ber gemiffen» l;afteften Prüfung; er fd;rieb felbft an ©mebenborg nnb ließ burd; einen greunb unb ehemaligen 3'thörer an Ort unb ©teile bie genaueren 6 rfunbigungen eiigiehen, ftu= birte forgfältig ein großes SBerf ©mebenborgS über feine mpfleriBfe ©abe. 35a8 6 nb= ergebniS feiner Itnterfudjungen aber ift fdjon burd; ben ©itel einer 8 3a!;re fpäter erfdneneuen ©djrift auSgebriidt: „Sräume eines ©eifterfeperS, erläutert burd; Sääume ber SHetaphbfiE," unb in einer ©d;rift „lieber bie jtranfbeiten beS .ßopfeS" (1764) er» fd;eint ihm baS £)iuau 8 ftarren in baS 3cnfcitS als etmaS lranll;afteS. Ungebulbige Präger h e lf 3 t er harten, bis fie felbft hinüber fommen, mo fie alles genau erfahren merben. 6 r legte bie ©ad;e für immer bei ©eite unb hatte aud; nicht bie geringfte 3eit ju folcffen Setrad;tungen, benn etma oom 3. 1770 an mar feine ganje Äraft in Sefd;lag genommen oon bem großen ©rnnbgebanfen feiner ber 'h m ^efon» berS burd; baS ©tubium beS englifd;en fPhilofopheu §ume aufgegangen mar. £>ie erften 2 lnbeutungen baoon, baß il;m ein neues ?id;t aufgegangen mar, finben mir in ber lateinifd;en ©djrift, bie er beim Eintritt ber orbentlid;en -ßrofeffur herauSgab: de mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis. 68 bauerte aber lange, el;e er fich biefeS ©ebanfenS, oon meld;em gleidj näher bie fKebe fein foll, ooHfomnten be= mäd)tigte unb bie 6 onfequen 3 en beSfelbcn nad; allen ©eiten hin ju 3 iel;en berniodjte. 3n ber 3eit Oon 1770—1781 ließ ber fonft fo frndjtbare ©d;riftfteHer feine einzige ©djrift oon irgenb einer Sebeutitng erfdjeinen, meil er mährenb beffen, abgefehen oon feinen Sorlefnngen, einjig mit ber SäuSarbeitung feines neuen ©t;ftemeS befdjäftigt mar. Sein 3. 1781 an aber entmidelte Ä. eine großartige unb bemunberungSmürbige literarifdje £l;ätigfeit unb faft febeS neue 3ahr ift burd; irgenb ein namhaftes Sßerf begegnet. 2>ie bebeutenbften berfelben, in benen Ä. fein phii D f°Phif^ e§ ©hftem ooüftänbig niebergelegt hat, finb: Äritif ber reinen Sernunft (1781), Prolegomena ju einer jeben fiinftigen 9Jfetapl;hfif, bie als 2Biffenfd;aft mirb auftreten fBnnen (1783) — für baS erfte ©tu» bium beS Äant’fd;cn ©vjftemeS fehr ju empfehlen, ba man l;i et bie ©enefiS ber ffant’fcfjen 2 lnfd;auungen fennen lernt, mährenb biefe in ber firitif ber reinen Sernunft in ard;iteftonifd;er 2 lbgefd;loffenf)eit bargefteüt merben —, ©runbleguug ber äRetaphbßf ber ©itten (1785), metaphbfif^ 2lnfangSgrünbe ber 9?aturmiffenfd;aft (1786), Sritif ber praftifdjen Sernunft (1788), Äritif ber UrtheilSfraft (1790) — äußerft midjtig für bie Segrünbung ber 2 leftljetif in ber gorrn, in meld;er mir fie gegenmärtig haben —, bie Religion innerhalb ber ©renjen ber bloßen Sernunft (1793) u. a. Oiefe SBerfe marfen bie gange bisherige bogmatifdje fßhil°f°hh’ e über ben €>aufen unb legten ben Äeim ju einer freien gorfdjung, mie fie bisher in ber SBeltgefdpdjte nod; nidjt ba ge» mefen mar. 2118 praftifdjen SemeiS für ihre uniberfeße Sebcutung fbunen mir junädift auf bie Sffiirfungen hinmeifen, bie fie in ber beutfdjen SBiffenfdjaft beroorbrad;ten. 3 n 854 -Kant. ber gegenwärtigen 3 e *t / ' mo bie ^ß^tiofop^ie gunt ©djaben jebeS tieferen unb felbftän= bigeren geiftigen Hebend leiber! fo feljr berad)tet wirb, hat man großenteils gar feine 3bee mehr babon, waS für eine große ^Bewegung ber ©eifter biefe SBiffeufdjaft herbor» bringen fann; Wir älteren Heute, bie wir unfere UniberfitätSftubien nod) in bett 20ger Safjren biefeS 3nhrl)unbertS gemad)t, haben wenigftenS nod) etwas babon erlebt, WaS für große SBirfungen bie Stadjfolger fantS in ben ©emütbern ber ftrebfamen 3ugenb herborbracßten; aber bennod) war biefe fpätere ^Bewegung burd) gilbte, ©(beding, §eget, Iperbart, ©d)leiermad)er u. a. nur eine Stad)Wirfung bon bem Slnftoße, ben Äant bern beutfdjen ©eifte gab. 2118 Ä. mit feinen 6pod)e mad)enbeit Sßerfen auftrat, ba entftanb ber rechte ßrül)ling beö wiffenfd)aftlid)en ©eifteßlebenS unferer gebanfenreidjen Nation. SUIeS regte, bewegte unb entwidelte fid), als Ä. feine Sritifen herauSgegebcn batte. Slud) ber äBiberfprudj gegen feine Helfen erzeugte neues Heben; aber biel größer War bie 3abl berjenigen ültänner, bie biefe fj3b>tbfopbt e in ib rer 3td tbeiter auSbilbeten unb auf bie berfd)iebenen ©pljären bcS ©eifteS unb ber 2Biffenfd)aften anWanbten. Snfolge beffen entftanb bamalS in Seutfdjlanb ein fo großartiges pl)ilofophiIofrp^tc herangebilbet haben, meiftenS I)öcf)ft felbftänbige ©eifter, benen bie &ant’fd)e fßhiM°pl8 e nur bagu gebient hat, bie in ihnen liegenbe eigentljümlidje philofopl)ifd)e ©abe gu ent= wideln unb ihr bie ihrer Statur entfpred)enbe ©eftalt gu geben. SSSie äußerft berfd>ie= ben, ja Wie entgegengefe^t finb bie pl)ilofopl)ifd)en ©pftenie bon gidjte, .ßerbart, Äraufe, §rieS, ©chopenhauer u. a. unb bodj entfpringen fie alle aus ber Äant’fdjen fßhtlofo* pl)ic unb nod) ift bis auf ben heutigen Sag feiner gum 5ßl)Hbfbphen geworben, ber nicht ein grünblidjeS ©tubiurn auS ben Äant’fd'en ©djriften gemacht hätte. Sie Äant’fdje Äant. 855 Ißfyitofopfyte ift in .tiefer 2Beife für ten beutfchen ©eift ein unoergängtidied Sid^t ge= worben, weites feine »orgüglidje Sebendlraft befonberd baburd) bewiefen hat, baß ed bad in ben »erfdjiebenen ©eiftern fdjlummernbe eigenthümlidje Sidjt beS ©eifted Wecfte unb nährte; gteidjwie bad eine fid) felbft gleid) bteibenbe ©onnenlidtt in ben »erfdjiebenen burd)fid)tigen StRebien in öerfd)iebener ber fRatur ber 9Rebieit entfpredf enter SBeife fid) brid)t. 33ead)ten wir nun aud) nur bad SBenige, wad über bie großen SBirluitgen ber Äant’fdjen iß^ilofo^ie bidl)er gefagt worben ift, fo brangt fid? um fo mehr bie grage auf, Wad mad)t benn bie Äant’fdje -ßfyüofopfyie fo groß, wad giebt ifyr biefen ®pod)e ntad)enben (Einfluß auf bad beutfd)e (Eulturleben, auf beutfdje Silbung unb (EntWidlung, wad ift itjr ©runbgebante, il)r fßrincip? 3Ran hat Ä. oft ald ten ©ofrated (man fömtte »ielleidjt mit nodj größerem SRedite ifjn ben ©ofrated unb Ißtato in (Einer ißerfon nennen) ber neueren 3eit begeidjnet unb in ber Sfat pat fein Unternehmen mit bem bed alten ©otrated in einer 23egiel)uug etwad fel)r älehnlidjed, wenn er aud) in anberer öegiehuug über ben ©tanbpunct bed ©ofrated ungeheuer weit I;itrauSgeljt. 2Ran rühmt ed bem ©ofrated nad), baß er bie )Ph^ D f D: P^ e 00111 fMmmel auf bie (Erbe, in bie §äufer unb auf ten SDfarft eingeführt, b. I). baß er ben 2Renfd)en unb namentlich bad moralifdje 3Befen bed SRenfdicn gurn SRittelpuuct unt £>auptgegenftanb feiner tyfy* lefopl)ie gemad)t habe. S)ad tl)at Äaut in feiner 2lrt aud). ©eine SSorgänger, bie bogmatifdjen H5hil°f°ßh en / ha«^ bie (Erfenutnid ber Singe gefudjt unb bad geiftige IBerntögen im 9Rcnfd)en, weldjed bod) ber Sräger aller (Srfenntnid ift unb alle (Erfenutnid bebingt, babei ald gegeben öoraudgefe($t; bagegen ließ St. bie Singe unb alle bie §hP°iW ei? unb -Principien, burdj bie man in bie SBelt ber Singe (Einheit unt gttfammenhang gu bringen fudite, gunäcbft bei ©eite liegen unb unterfudfte guerft ben ©eift, ber boc^, man mag fagen, wad man will, ber Präger alled ÜRadfbenfend, aller Sl)ätigfeit, aller SBahrheit, Wo nidjt felbft bie 2Bahrl)eit ift. Sa tiefe Unterfudjung bed ©eifted, man mag fonft and) »erfahren, Wie man will, bod) jebenfattd nur mittelft bed tl)ätigen ©eifted felbft angefteßt Werben f'aitn, fo bietet bie Stant’fdje guerft bad großartige ©djaufpiel bar, baß ber ©eift fiep felbft gum ©egenftanbe l;at, bei fid) ift, in feinem eigenen (Elemente fid) bewegt ober fprobuct unb probucirenbe lEhätigfcit gugleid) ift. SBenn wir tiefe SIbdtractien »on jeber äußerlichen Dbjectiöität unb biefe reine 23egie= Ijung bed ©eifted auf fein eigened SBefeit ald f^reibjeit begeidjuen, fo fönnte man bie fi'ant’fdje fPhilefophie aud) bie fPhilofopljie ber Freiheit nennen, Wie tenn aud) bieSbee ber Freiheit in aßen Sphären feiner fpl)ilofophie eiIie unenblid) widrige Stoße fpielt. Slber um beftiuiniter gu erfennen, worin ber Stern ber Stant’fd)en Spiiilofophie gn fuepen ift, haben wir bie »erfd)iebenen Sphären bed ©eifted unb bie bem entfpred)enben §aupttljeile bed Stant’fdjen ©hftemd gu itnterfdfeiben. St. blieb babei ftehen (»gl. Stritif ber Urtheildfraft, (Einleitung ©. 15 unb IG), baß alle ©eelenoermögen ober |5ähig= leiten auf bie brei gurüdgeführt werten: bad (Erfenntnidüerniögen, bad 53egel)rungd»en mögen unb bad ©efühl ber Suft unb Unluft unb baß fid? biefe nicht Weiter aud einem gemeinfd)aftlid)en ©runbe abteiten taffen. Siefer Srid)otomie bed ©eifted entfpred)en bie brei ^auptWerte ber Äaut’fdfen )Philtf»Phi°; inb ein b ie ®riti! ber reinen Vernunft bie 33ebingungen, bie ©rengen unb bie ÜRethobe ber Srfenntnid, bie Sriti! ber praltifchen 93ernunft ben SBillen unt bie Sinti! ber Urtheildfraft befonberd bad © e= fühl, namentlid) bad ©efühl für tad ©d)öne unt (Erhabene unterfudrt. ®a bie Slritif ber reinen Vernunft mit bem SBefeu ber iPhif°f°P^ e am innigften gufammen» hängt, bie Äritil ber praftifdjen Vernunft unmittelbar in bad ©ebiet ber ißäbagogil übergreift, fo mögen über beite hi° r nod) einige SBenterlungcn -ßlah finbeit, bie bagu bienen fbnnen, Sant’d 93cbeutitng für bie gortbiltung bed beutfdien ©eifted richtig gu würbigeu. 3lße SHMffenfdjaften haben ed mit ber Srlenntnid gu tl)un, inbeut fie fidj aße bed Srlenutnidoermögend bebienen, um in bad 2Befen ber 35inge eingubringett, unb fie unten 856 ■Staut. fdjeiben (Id) nur burd) bie SDfcjecte oon einanber, auf me(d)e bie Erfenntnid angemanbt loirb. Sic 3Kat()ematif 3 . 33. ift bie Erfenntnid ber ©roßen, bie Slftronomie bie Er= fenntnid ber I)imntlifd)en SSeioegungen, bie -ßI)V)ftl bie Erfenntnid ber Sfatitrerfdieinuttgen; fo l)at jebe befoubere SBiffenfdjaft il)r befonbered Object, mäljrettb fie alle barm eind jittb , baß fie fid) jur Erforfdptng ber Singe ber Erfenntnid betienen. Ed ift alfo Har, baß bie 333al)rljeit unb ber Erfolg feber 3Siffeitfd)aft unb febed menfd)lid)en Sen» fend überhaupt baoott abhängig ift, baß mir im Erfennen und ber red)ten Sßrincipiert unb ber redjten SKetljobe bebieuen; baß mir und ber 33ebingungen unb ber ©renjett ber Erfenninidtfyätigfeit moljl bemußt merben, baß mir unfere Erfenntnid nitfjt auf Singe rid)ten, bte nid)t erfeitnbar finb, unb aud) in ber Erfenntnid erfennbarer Singe nid/t fcld)er )]3rincipieit und bebienen, bie in ber SJatur bed 33erftanbeÖ nid)t begrünbet liegen. ©0 beftel)t benn bie Stant’fdje fßI)ilofopl)ie Oor allem in einer itritif bed ®r= fenntitidDermögeiid unb jmar bed Erfenntnidöermögeitd, mie ed in fid) ift, abgefeimt oon aller Erfahrung. Scutt ed Ijanbelt fid) in biefer Äritif nid)t um Erfal)rungder= fenntniffe, alfo meber um Erfenntniffe ber äußeren Erfahrung, meld)e bie Quelle ber ff5I)t)fif, nod) um Erfetintnifje ber inneren Erfahrung, melcfye bie ©rnnbtage ber entpiri» fd)en 'ißf^ologie audmad)t, fottbent um metapl)t)ftfd)e Erfenntniffe, bte jenfeitd aller Erfahrung liegen. St. felbft faßt bie Stufgaben feiner Äritif in ber grage 3 ufammen: 3Bie finb ft)u= tf)etifd)e Itrtßeile a priori tttöglid)? Unb in ber Sfyat erfennt man aud biefer grage bie 33ebeutung ber Äant’fdjen Äritif, rnenn man ben ©inn ber einjeltten, 3 um SI)eit fonberbaren Sludbritcfe, bie in bem ©a(je oorfotnmen, richtig oerfteljt. Stil unfer Senfen unb Erlernten beftefyt aber aud Urteilen, b. f). and ber 33erbinbung oon Gegriffen mit einanber unb ber Slbleitung Oon Gegriffen aud einanber. Sic Urteile alter Strt finb entmeber analptifdje Urteile ober fpntfietifdje Urttjeite, oon betten bie erfterett bloß er= täuternb finb ober 3 unt 3nl)alte ber Erfenntnid nidjtd Oinjutljuit, fonbent nur bad, mad barin liegt, Harer unb beftimmter l)eröorf)eben. Sagegett finb bie ft)ntl)etifd)en Urtbjeite ermeiternb; fie oergrößern bie gegebene Erfenntnid ober probuciren etmad ttened für ben ©eift. SBeiter unterfd)eibet St. bie Urtt;eite a priori nnb bie Urteile a posteriori; bie Urteile a posteriori finb Erfal)rungdurtl)eile, b. t;. Urteile, bie ber fOtenfd) aud ber 2ßarttel)inmtg unb Erfahrung cbjectioer Erfdjeinungen fdjopft; bagegen finb Ur= tljeiie a priori fold)e, bie abgefetjett oon alter objectioen Erfahrung in ber reinen 33er= nunft atd fold)er mit 9?otI)meubigfeit ooHjogen merben. ^iernad) unterfud)t St. itt feiner Stritif ber reinen SSernnnft bad reine Erlenntnidoermbgen, mie ed bem SRenfdjen abge= fefjett oon aller Erfahrung inncmoljnt, in feiner probuctioett Straft, ft)ntl)etifd)e Urteile 3 u fällen, unb fud)t feine 9Dtöglid)feit, feine ©rängen, fein SfBefeit unb feilt 33erfal)rett 31 t beftimuten. 3 n mie meit il)in biefe SBeftimmung gelungen ift, biefed näl)er attju* geben, ift nidjt ©ad)e biefed Slnffa( 3 ed. Slber fo oiet ift Har, baß er mit biefer Un= terfudjung itt bad Snnerfte aller fßl)ilofopl)ie unb atter 2 Biffenfd)aft, ja atted ft?ad)benfend eingebrnugett ift, benn bie SBttrjel alter iitenfd)lid)ett 3S5irtfamleit, fofern fie fid) oon bem St)ierifd)en unterfd)eibet, liegt in biefer ©d)öpf erfraft ber reinen 33er= nunfttt)ätigfeit. 3ÖäI)renb atfo bie fßf)itofopI)ie, jo lange fie nod) etmad anbered erforfdjte, ald bad reine Erlenntnidoermögen, gleidtfam nod) in ber grembe oermeilte, fo ift fie mit biefer Uitterfud)ung in ißrer eigentlichen 2Bol)nftätte, gleid)fant bei fid) felbft eingefel)rt. Sie Unterfndjnng ber probuctioen 33ernunfttl)ätigfeit ift bie erjte unb le^te Stufgabe ber eigentlichen fßI)ilofopf)ie, il)re mat)re Stufgabe, mäl)renb alle anberen Unterfudtungen nur ald Stnmenbnng unb praftifd)e 33emäl)rungen biefer reinen 33 er= nunftprincipien tonnen betrad)tet merben. SBüßten mir alfo oon &. aud) meiter nichts, ald baß 31 t er ft bttrd) iljn bie Vernunft gletdjfam itjre Einteßr bei fid) gehalten, baß er juerft bad Erlenntnidoermögen jum ©egenftanbe feiner miffenfd)aftlid)en Unterfut^ung gemalt unb nad) ber 9?atur ber Ertenntnid, nah ^l rer 9)töglid)teit, nah *^ ren ©renjen nnb nah üWet^obe geforfd)t ^at, fo müßten mir hn fhon bed^alb für einen .Saut. 857 I)Bd)ft bebeutenben (ßtülofophen galten, ber irt ber @efd)id)te bev ^^ilcfop^ie unb fomit aud) aller anberen 5Biffenfd)aften ■— benn bie $^i(ofo^ie ift ber Sern aller SBiffen« fd)aften — eine neue Spodie eröffnet. Iber mit melcber 5$irtuofität Ijat er nun ooHenbS biefe Stufgabe getönt! 3d) habe fdjon früher bie Unabhängigfeit unb SSorauSfe^ungStofigfeit, mit melcber fidj S. jeber Unterfiidjung mibmet, herOorgeboben. S. felbft batte oon biefer abfoluten greil)eit ber philofophifenfoermi)geng. 2 )er fül;ne ftttann reißt bag ©ubject Bon ber obfectioen SBett log unb Bott ben Srfafrttngen, bie eg in biefer gemadjt fiat, unb Betradjtet eg in feiner reinen S3ernünftigfeit. Sd fommt unfereS Srad)teng, um bie Spodje mad)enbe ©röjfe beg SDfanneg ridjtig gu fdjätsen, gar nid)t fo fefr auf bie SKefultate feiner Äritif an. SHelmefr Wirb man nad) beut gegenwärtigen ©tanbpuncte ber fJSfilofopfie gugebett ntiißen, baff gar tnantfe biefer fKefultate einer neuen Äritif gu unterwerfen finb unb auf unerwiefenen SSoraugfe( 3 itngen rufen, ©o ruft ber fiant’fdje ©af, baß wir nur bie Srfcfeinungen ber ÜDinge, nieft bag SInfid) berfelben erfettnen lönnen, auf ber unerwiefenen SSoraugfefuttg, baff bag Sinftd) ober bag Sßefen ber ®inge in ber gütte feiner Srftfeittungen ficf nieft offenbare, fottbern gleid)fam finter ben Srfd;einungen oerborgen bleibe. Slttdj erfebt Ä. bttrd) feine Sonceutraticn auf bie reine SSernunft beg 9Jienfd)en ben fubjectioen ©eift gu einer Slbfolutfeit empor, bei ber bag fDtoment ber Dbjectioität fowofl uaef ber ©eite ber 9?atur alg nad; bem gottlicfen SBefen fin gar fefr in ben ^intergrunb gebrängt unb felbft oerfümtnert wirb. Slber bttrd) biefeg unb Slefntidjeg Wirb bie ©röße beg SDSanneg nid)t im geringften attge> taftet. ©iefe greif eit Bon aller äußeren Sluctorität, biefe abfolute Äüfnfeit ber Äritif, biefeg reine SSerufen auf ber benfenben SSernunft ift unb bleibt ber abfolute Slnfang einer felbftänbigen fßfilofopfie uttb Wenn audf oon bem Äant’fd;en ©ffteme ber’fßfilo» fopfie finfidjtlicf ber fftefultate gteidjfam feilt ©tein auf bem anbern bliebe, fo würbe beitnocf Ä. in ber Ißfilofopfie bagfelbe bleibett, wag Soperuicug itt ber Slftrouomie unb Sutfer im religiöfett ©laubett. 5. Äant’g moratifd)e unb päbagogifdje ©runbfäfe. Slber abgefefen Bott biefer gefd)id)tlicfen SBebeutung, bie bie Äant’fdje fßfilofopfie für bie Sntwidlung beg ©eifteg ewig befallen wirb, finben fief in ben fiuterlaffenen ©djriften beg fßfito= fopfen eine jafHofe Sftenge fruchtbarer ©ebanfen, bie für bag geiftige Seben unb tnö= befonbere audf für bie Srgiefttng immer ifre ©eltung befaupten Werben. SSamentlidj gilt biefeg Bott feilten moralifcfeit Slnfd)auuttgen, bie itt feiner ©runblegung gur SDceta= pfffif ber Sitten unb in feiner Äritif ber praftifdjen SSernunft niebergelegt finb. Sitte ©itttid)feit beg SDJcnfdfeu beruft nacf Ä. auf bem SBilten; bie Sigenfdjaft aber, bie bettSBitten juntSiBitten mad)t, ift bie greifeit. SEBafrfeit Wollen unb g r ei fein ift ein unb bagfelbe. Stiemanb fat ben ^Begriff ber greif eit fdfärfer beftimmt, alg ffi. Sg liegen aber nad) ifm im SSegriff ber greif eit jWei Sttomente, ein ttegatioeg unb ein pofitioeg. 3)ag ttegatiue SDfotnent feißt aud) SBillfür unb befteft barin, baff id) Bon feinem SBefett aufjer mir beftimmt werben fann, fonbern bie abfolute 9 Jtöglid)feit in mir trage, attg mir atteg ju matfeit, meiner Sfätigfeit jebWebe fßitftung 31 t geben, mief jebetn finjugeben, aber aud) Bott febeitt, fogar Bon meinem eigenen Seben 3 U abgtra= firett, alfo int Bottftett 90?aße ber ©tföpfer meiner eigenen geiftigen Syiften 3 3 U fein unb mid) alg folcfen gu miffen. Slber bag jweite ttlfoment ber greif eit ift bag pofitiße, Ätt«t. 859 wonad) idj' nid)t btinblingS unb gufäöig jebem3mpulS, ber anmid) überaus mir lommt, 31 t folgen ^abe, fonbern bern im 3Biüen felbft liegenbett ©efeh mit S3e»ußtfein gel)orfam unb fotgfam fein foü. BiefeS ©runbgefejs beS 3BiüenS, auS »eld)em lferauS Der SDtenfd) fid) frei beftimmeit feil, ift aber nad) fi. tn bem ©atse au 8 gefprod)en: Sanble fo, baff bie SJiayime beineS 3BittenS jeberjeit gugbeid} baS fßrincifs einer allgemeinen ©efe(sgebung »erben lann, b. I). »oüe unb tl)ue nur baS, »aS aud) alle anbern 2Jien= fd)en »oüen unb tl)uu lönnten, ohne baff bie menfdjlidje ©emeinfdjaft gefäljrbet »ürbe. ©in ÜBifite ift nur baburdj gut, baß er burd) baS in ifynt liegeube )|3rindp beftimmt »trb; nicht aber burd) baSjenige, »aS er bemirlt. fjreitid) ift ber gute 3ßiüe aud) fein bloßer SBunfdf, »obei man bie §änbe in ben ©d)oß tegen lönnte, fonbern ber gute SSJitfe fdfießt bie Aufbietung aller 50fittet ein, fo »eit fie in nuferer @e»alt finb, aber bann glängt aud) ber gute 3Biüe als et»aS, baS feinen Ooüen 3Bertl) in fid) felbft fyat, unb bie »afyre 33eftimmung ber Vernunft »irb babjer barin hefteten, ben guten 235i£fen um fein felbft »illen in ftd) Ijeroorjubringen. SS ift überall nidjtS in ber 3Belt, ja überhaupt aud) außer berfeiben 31 t benfeit mögtid), »aS ofne ®in= fdjränlung für gut gehalten »erben lönnte, als ein guter SBiüe, unb bai)er muß er ber leiste 3u»d fceö SebenS unb alles anbere, »etdjen Stauten unb »eld)e 33ebeutung eS aud) I;aben möge, nur ÜDtittel 31 » 33er»irllid)ung beS guten SBiücnS fein. BiefeS im ntenfd)lid)en 3Biüen liegeube unb »irlenbe Allgemeine, bie allgemeine -Dtayime, bie febcr 3 eit gugteid) als ißrincip einer allgemeinen ©efe^gebung bienen lönnte, begeidjnet £. aud) als bie fßflid)t unb brüdt bal)er fein SDtoralprincip aud) fo auS: tfyue beine ißftid^t unt ber f)3flid)t »illen. Bie fßflid)t ift für Ä. baS fpödfte, »orauf eS bei adern menfd)lid)en fjanbeht anlommt, unb »er bal)er feine Pflicht nicf)t um ber 33flid)t »illen tl)ut, fonbern nm eines anbern mitten, ber tlfut gar nid)t feine fßflid)t, benn er niadjt bie fßflidjt 31 t einem SJiittel für einen anbern 3 u»d, »äl)renb fie felbft bod) allein ber leiste 3 We| i fei» foü. (33gl. ben Artifet ©tl)il ©. 301. 308. Bie Stebaction). SS giebt gar mand)e SJtotibe, burd) »eiche ber SOtenfd) fid) 3 U tpanblungen beftimmen läßt, bie äußerlid) fo auSfe^en, als »enn fie ^Pflichterfüllungen »ärcu, eS aber nid)t finb ; fotdje 93iotioe finb Furcf)t vor ©träfe, Hoffnung auf Soljn, überhaupt aber bie 3tüdfid)t auf meine inbioibuefle ©liidfeliglcit, auf mein perfönlid)eS aSoI)lergel)en. Ade folc^e materiale iprincipien oermirft R. aufs ftrengfte unD »erfolgt baljer bie fogenannte ©Iüdfelig= feitSleI)re, »onad) id) pflidjtgetreu Ijanbetn foü, um baburd) gliidlid) 3 U »erben, als ein unmoralifdjeS, auf ©goiSmuS beruljenbeS )|3rinrip in ade SBinlel hinein, in benen eS fid) oerftedt, mit be»unberungS»ürbiger ©nergie unb furchtbarer eoufequen 3 . 3 ' ÜCtl ‘ läugnet er ni^t, baß 3 m - 33oItfommenl)eit beS 30tenfd)cn bie ©lüdfeligleit mitgehöre; ja er leitet auS bem 9Jii8oerl)ältniS, toeldjeS 3 »ifdjen ©ittlid)feit unb ©lüdfeligleit befielt, bie »idjtigften Folgerungen für bie eytften 3 ©otteS unb bie Unfterblid)leit ber menfd)tid)en ©eele ab. Aud) giebt er 3 U, baß eS in gewiffem 35etrad)t ‘’ßftidjt fei, für feine ©lüdfeligleit 31 t forgett (»gl. Äritif ber praltifdjen Vernunft, ©. 223), t^cilS »eil bie ©lüdfeligleit (» 031 t 3 . 33. @efd)id[id)leit, ©efunblfeit, 9teid)tt)um gehört) SOtittel 3 m erfiiüung unfercr Pflicht enthält, tl)eils »eil ber äftangel berfelben ( 3 . 33. Armut) 33erfud)ungen enthält, feine )ßflid)t 3 U übertreten. Aber feine ©lüdfeligleit 3 U beforbern, lann unmittelbar niemals fflid)t, nod) »eniger ein ißrincip ader fSflidf fein. BaS oberfte @ut (als bie elfte 33ebiugung beS l)öd)fte-n ©utS) ift bie ©ittlid)teit; bie ©lüdfeligleit bagegen macht 3 »ar baS 3 »eite ©lernent berfelben auS, bod) fo, baß biefe nur bie nioralifd) bebingte, aber bod) notl)»enbige Folge ber elfteren ift. Bie fittlid)e ißftidferfüüung ift ber abfclute enb 3 »ed aüeS menfd)tid)en Raubeins, bie ©lüdfeligleit hädftenS ein SJJittel 3 itm 3 lüe ^j b ^ e ftttlidje Pflichterfüllung ift ber ©runb ber ntenfdjlidjen 33odtommenheit, bie ©lüdfeligleit bie Folge biefeS ©runbeS. 3)er SJtenfd) alfo, ber pflichtmäßig haubett, um glüdfelig 3 U fein, fei eS in biefent ober in jenem Sieben, ber mad)t baS 3 um lebten 3u>^de, »aS hoch nur ein SDiittel jurn 3' üe( fe fein foü, unb 3 um ©ntnbe ber 33odlommenheit, »aS hoch nur eine F°t0 e biefeS ©runbeS fein lann, unb berlel)rt fo baS vernünftige 33erhältniS. 860 Äanf. 2 ßer alfo in feinem ipanbctn baS ißrincip feefofßt: tl;ue beine tßflidjt, bamit es bir mol)t ergebe, ober oerfäume beine fßflidjt nicfjt, bamit es bir nicht übel ergebe, ber macht fein inbiöibuelteS SödIjX unb ffielje 511m lebten ßmede feiner gefammten ®hatig= feit, ber betrachtet fein inbiüibuetleS ©lüd ober Unglitd atS etmaS beffereS unb mid)ti= gereS, benn bie allgemeinen unb etoigen ißrincipien ber Soltfommenljeit, bie in bem ÜBiCten ruhen nnb fid) geltenb madjen, ber ntadft überhaupt bie unoernünftige Annahme, als märe baS Sttlgeuieine unb Unenbtidje um beS enbtidjen SnbioibuumS unb nid)t bielmeljr nmgefehrt baS particulare Snbioibuum um beS Unenblidjen unb Stttgemeinen mitten ba. Seit ber fitttidje SStenfd) feine Pflicht erfüllt um ber fßftidjt mitten, fo hält and) bie inbioibuette Neigung für etmaS unmefenttidjeS bei ber fßftidfterfüllung. 3 icft ntad)t. @itte3wede finb aber biefenigen, bie notljwenbiger Söeife oon jeberntaun gebil» ligt werben unb bie aud) ju gleidjer 3eit jebermannS 3 lü ede fein fönnen. Sie mora= lifdje ©ultur muß, als auS ber inneren Freiheit beS 9Dtenfd)en entfpringenb, auf 9Jlayi= men beruhen unb man muß fomit bal)in feigen, baß baS Sittb ftd) gewöhne, nad) 9Jtaj:i= men, beren Sißigleit cS felbft einfiel)t, unb nicht nad) äußeren Sriebfebern ju hanbeht. Sa biefe SJtapimen allgemeine S3eftimmungen finb, fo finb fie eine ©dfranfe gegen bie inbiöibueÜe SBiUIür, bie Ä. mit 9iedjt für einen geinb wahrer ©ittlidjfeit hält, ©aber gilt ihm als ein ®efe(s ber moraüfdfen ©r 3 iel)ung bie @ewöl)nung an ©eljorfam. 3 um ©h^alter eines S'inbeS, fagt er in biefer 33ejiel)ung IX, 417, befonberS eines ©djüterS, gehört Oor allen Singen ©ehorfam. Siefer ift jwiefad): erftenS ein ©eljorfam gegen ben abfoluten, bann gWeitenS aber aud) gegen ben für oernünftig unb gut ertaunten SBiüen eines gül)rerS. Ser ©ehorfam famt abgeleitet Werben aus bem Spange, unb bann ift er abfolut, ober auS bem 3 utrauen / uni:i bamt if 11 cr üotl ber anberen 9lrt. Siefer freiwillige ©ehorfam ift fehr widjtig, Jener aber aud) äußerft notljwenbig, inbem er baS Sinb gur ©rfüHung foldjer ©efege oorbereitet, bie eS fünftigljin, als S3ürger, erfüllen muß, Wenn fie ihm auch gleich uidjt gefallen, ©inen jweiten fpauptjug in ber ©rünbung beS fittlichen ©haralterS ber ftinber fe(st Ä. in bie 2ßahrl)aftißfeit unb einen 862 •ftant. brüten in bie ©efeßigfeit; namentlicg gält er bie SBagrgaftigfeit für baS atlermefent» lidjfte ©tücf ber ©ittlid;feit unb ertlärt eg für eine ber midjtigften unb notgmenbigften Slnfgaben ber ©rgietjer, bie Sinber an SBagrgaftigfeit ju gemögnen. ®a &. ben legten 3 mec f ber Srgieljung in bie SDteralifirung beg üDtenfdjen fegt, fo füllte man erwarten, baff er bie ©igciplinirung, bie Sultioirung unb Kioilifiruug unb felbft bie pggfifdje Kultur alg SOiittel gur SDloralifirung betradjten unb in ben ®ienft berfelben ftellen mürbe, meil nur auf biefe Sßeife feine ißäbagogif 5 U einem ein» geitlidjen ©pfteme fid; ergeben mürbe; aber mir finben biefe Kingeit in ben 3$orlefttn= gen über ipäbagogif feinegmegS erreidjt, ja nid)t einmal erftrebt, bielmegr bie. non fi. angegebenen ®geite ber Krgiegung megr äußerlid; neben einanber gefteKt, oljne baß igre gegenfeitige 333ed;felmirfuug beftimmt gerüorgegoben märe. Unb ba Ä. bie etgifdjen Üßirfungen namentlid; ber ®igcipliu unb beS Unterridjtg nidjt beutlid; erfannt fiat, fo entfielet ber meitere 3Jfangel, baß bie SJiittel, bie er gurn 3^ede ber fittlidjen 33ilbung beg Sftenfdjen anfügrt, nur fegr bürftig unb unüoUftänbig erfdjeinen tonnen. 3Bag 3 m erft bie ®igciplin betrifft, fo oermagrt fid; Ä. auSbrüdlid) bagegen, baß man fid; igrer 3 u bebienen gäbe, um SRoralüät 31 t begrünben. ®ie moralifege Kultur, fagt er IX. on mehr erwach» Jener ffinber muff man fid; nid;t bewegen taffen, it;ren Saunen nad;jugeben, unb man muß fie auch baran gewöhnen, baß fie nicht etwa burd; wieberl;otte unb bringenbere Sitten ihren SBitten bod; nod; burd;fe(jen. Sine jebe abfd;tägige SIntwort muff unwiber» ruftid; fein. SBenu man bie ffinber alles burd; ©dreien ermatten laßt, fo werben fie boStjaft, erhalten fie aber altes burd; Sitten, fo werben fie weid;lid; (©. 415). SBir müßen und mit ber Stnfüt;rung biefer wenigen Semerfungen ffantg über bie ©igciptin begnügen, obgleid) fid; uod; eine Stenge anberer, bie Bon praftifd;er ®rjiel;ungSWei§^eit ßeugnis ablegen, in ben Sortefungen finben. ©ie ©igciptinirung greift aud; fet;r in ben ©heit ber Srjie^ung ein, ben ff. mit bem Samen ber pl;t;fifd;en (Srjiel;ung beäeid;net. Sin §auptgruubfa (5 ffantg in Se^ug auf bie Sefanblung ber pl;t;fifd;en Satur ber ffinber ift baS tßrincip ber Slbhärtung, worauf er fefir oft jurüdfommt 3ft Je bie ffunft, fagt er, in ber Srjiet;uug ertaubt, fo ift eS allein bie ber Slbhärtung (©. 390). Sine Ijarte Srjietmng bient fet;r jur ©tärfung be§ fförperg. Me ®emäd;tid;feit ift jn t;inbern. Sßaö fonft jur Sitbung unb Sntwidtung beS förperlid;en gactorS beg Stenfd;en ju tt;un ift, begieljt fid; nad; ff. (©. 399) entWeber auf ben ©ebraud; ber wittfürtid;en Seweguug ober ber ©inueg» organe. 3n beibertei Sesietjung l;at ff. baSjenige, wag Sottffeau unb Safebow über bie förderliche Srjiet;ung jur ©eltung gebradjt l;aben, forgfättig beamtet unb Warm empfohlen. 3Ba§ ben ©ebraud) ber wittfürtidjen Seweguug betrifft, fo fommt eg barauf an, baff fid; baS ffinb immer fetbft fietfe. ©aju gel;öre ©tärfe, @efd;itflid;feit, |mrtigfeit, ©idjerfieit; 3 . S. baff man auf fdjmalen ©tegen, auf fteiten fpöl;en, wo man eine©iefe Bor fid; fiet;t, auf einer fdjwanfenben Unterlage, getjen tönne. 3 ur Stär» tung beg fförperg empfiehlt er befonberS baS Saufen atS eine fe^r gefunbe Uebung; aud; baS ©pringen, §eben, ©ragen, bie ©djleuber, baS SBerfen nad; bem 3 wte, Pag Singen, ben SBetttauf unb alle bergteid;en Uebungen I;ätt er für fet;r 3 Wecfmäßig. ©ie Uebung im SBerfen, tl;eilg Weit 31 t werfen, ttfeitS aud; ju treffen, t;at aud; bie Uebung ber ©inne, befonberS beg Slugenmaßeg mit jur Stbfidjt. ©arum ^ätt er aud; bag Satt» fpiel für fo gut. Ileberl;aupt feien biejenigen ©piele bie beften, bei wetdjen neben ben Spercitien ber @efd;idtid;feit aud; Uebungen ber ©inne tnnäufommen, 3 . S. bie Uebung beS Slugenmaßeg, über SBeite, ©röße unb Proportion rid;tig 3 U urtt;eiten, bie Sage ber Derter nad; ben SBeltgegenben ju finben u. f. w. Slud; fotdie ©piele empfiehlt er jur Sitbung ber ©inne, bei benen einer ber ©inne aujfer ©hätigfeit gefegt wirb, weit man bann bie anberen um fo melfr anftrengen muß, um ftd; helfen 31 : tonnen. Sin ©piel ber Slrt ift bag Slinbefuhfpiet, wobei bie Slugen Berbunben werben unb bann gewijfe 3 mec ^ e ltn ^ Verrichtungen, 3 . S. einen 3 U fud;en, mit £>ütfe beö @ef)ör 8 unb beg @efüt;t 8 au-Sgefüfjrt werben Jollen, ©iefeg ©piet fannten fd;on bie ©ried;ett unb nannten e§ fivtväa, wie benn überhaupt atteS, wag bie ©riedjen 3 ur ©tärfung, Ue= bung unb Serfdjönerung beg fförperg unb feiner Drgane traten, für alte 3e>ten mitfter= t;aft erfd;einen muß. Stud; über bie Suttur ber ©eetenfräfte finben ftd; in ber ffant’fdjen pübagogif red;t praftifd;e Semerfungen, Wenn fie aud; met;r Bereinsett ftet;en unb Weber mit ein» anber recht in einen organifd;en 3 ufawmenf)ang nod; aud; in ben ©ienft ber SSorati» firung gefegt finb. ff. tt;eilt bie Suttur beg ©eifteg 3 uttäd;ft in bie freie unb bie fd)o» Iafttfd;e. ®ie freie ift gteid;fam nur ein ©piet, Wobei auch jeber befdjöftigt ift unb ben ©eijt übt, ohne bod; eigenttid; 3 U arbeiten, ©agegen wirb ber 3 ögting bei ber fdjo!aftifd;en Sr 3 iel;ung Wie unter bem 3 1Bfln go betrachtet (IX, 404) unb wirb 3 ttr 3Ir= beit gewöhnt. Sg ift ein SBahtt, wenn man meint, baß ber 3ögting «Uog fpietweife 864 Mant. lernen fette. ®ad bewirft eine ganj berfefwte 2 iid)tung. ®ad Äinto fett fpielen, ed fett Grljolungdftunben haben, aber ed muß aud> arbeiten lernen. ®er ttJfenfd> fei, fagt er, ohnehin nur 31 t fefir 3 m- Unttjätigfeit geneigt unb je mehr er gefaulen 3 t ^abe, befto fernerer entfdjließe er fidj baju, 31 t arbeiten. Gr fpridjt ben ©ebanfen aud, baff ind= befoubere bie ©djule bie 2 lufgabe hat, in ben ßöglingen bie Neigung 3 ur Slrbeit ju cultioiren. 3n ber Stljat giebt ed faft nidjtd, wad einen fo großen SBertl; für ben SOienfdjen hatte, ald bie Siebe unb ©eWohnung jur Slrbeit; nur baburd) bringt er ed gu etwad in bem 2 öeltwefen, bewahrt fidj öor taufenb unfittlidjen Verirrungen unb fidjert ftdj bie münfdjendwertlje Siulje bed ©cmütbd. 355enn eine ©djule alfo aud) nur bad Gine erreichte, oaß fie iljre ßöglinge an Slrbeit gewöhnte, fo hätte fie fd)on ein ©roßed erreidjt. ®emnadj muß alled »erntieben werben, Wad ben ®rieb 3 ur Slrbeit= famteit abftumßfen fann. 3n biefer 23e3iehuttg roarnt Ä. feljr sor bem Slomanlefen, ba man baoon leinen Weiteren ©ebraitd) niadjt, ald baß man in bem Slrtgenblitfe, Wo man ben Siontan liedt, fidj unterhält. Gd fehlt beim Siomanlefen an einem oerniinß tigert ßwede, baljer ßerweidüidjt ed ben fOienfdjen unb fdrwäc^t aud) feine ©eelenfräfte 3 . 23. bad @ebäd)tnid, benn ed wäre lädjerlidj, Romane bemalten unb fie anberen wie= ber ergäljlen 31 t Wetten (IX, 407 u. 408). 2Bad bie freie Gultur ber ©emütljdfräfte betrifft, fo unterfdjeibet Sb. bie unteren unb bie oberen ©emütljdfräfte unb bedangt, baß bie unteren nur in Siiidfid)t auf bie oberen cnltioirt Werben, 3 . 23. bad ©ebädjtnid in Siücffidjt auf bie 23eurtf)eilungöfraft unb bie Ginbilbungdfraft 3 um 23ortf)eile bed 23erftanbed. 23erftanb, Urtljeildfraft unb Vernunft finb iljm bie oberen ©eelenfräfte. ®eu 23erftanb erflärt er bei biefer ®ele= genl)eit (IX, 406) ald bie Grfenntnid bed Slttgemeinen, bie Urtfyeildfraft ald bie SlnWen- buug bed 2lttgenteinen auf bad 23efonbere unb bie 23ernunft ald bad 33ermögen, bie Vcrfnüpfung bed Slttgemeinen mit bem Vefonberen eingufe^en. Sluf bie Sludbilbung biefer ^bljeren 23ermögen fommt ed alfo an. 2Benn baljer aud) bie Gultur bed @ebäd)t= niffed fel;r notljWenbig ift unb ber SluSf^ruc^: „tantum scimus, quantum memoria tenemus“ feine solle Siidjtigfeit l)at, fo muß man bad ©ebädjtnid bod) nur mit foldjen ®ingen befdjäftigen, an benen und gelegen ift, baß wir fie Del)alten, unb bie auf bad Wirftidje Seben 23e§ie^iung haben (IX, 403). 25on ®ingen, bie man bloß 3 U einem fünftigen Gramen ober in Siücffidjt auf bie futuram oblivionem lernt, ift Sb. barum gar fein greunb; bedljalb empfiehlt er ed audj, bad 23ocabelnlernen in einer fremben ©pradje gleid) bem Slutor an 3 uffließen, ben man mit ber Sugeub gerabe liedt. ®ad ©ebädjtnid beruht aber auf ber Slufmerffamfeit unb biefe muß allgemein geftärft wer= ben. gerftreuung ift ber geinb aller Grjieljung. lieber bie Gultur ber oberen ©eelenfräfte hebe id) nur bad 2ßid)tigfte aud ben 25or= lefungen Ijeroor unb namentlich badjenige, Wad aud) jefct noch bie ocllfte 23eachtung serbient. ®a ber 23erftanb bad 25ermögett bed Stttgemeinen ift, fo fann er nur ba= burd) gebilbet werben, baß man tljeitd aud einer gütte sott Gin 3 ehtl)eiten bad ©entein» fame Jjeraudljebt, theild umgefehrt bad gegebene 2lttgemeiue auf bad Gittjelne antoenbet. ®arunt ift bie ©rammatif felbft für ben 9lnfänger eine fo sortrefflidje 23erftanbedbil= bung, inbent man 23eifpiele anführt für bie Sieget (bad Slttgemeine), ober umgefehrt für bie einjeltten gälte bie Siegel auffinbet (IX, 411). Sluf bie praftifdje 25erweubung eined gegebenen Slttgemeinen legt Sb. überhaupt einen unbebingten 2Bertl). ®ie ®e= müthdfräfte, fagt er (IX, 412), werben am beften baburd) cuttioirt, wenn man bad alled felbft tljut, Wad man leiften will, 3 . 23. wenn man bie gramntatifdje Siegel, bie mau gelernt hat, gleich in 2 ludii 6 ung bringt. SJian serfteljt aud) eine Sanbfarte am beften, Wenn man fie felbft serfertigen fann. ®ad 23erftel)en I;at gum größten £)ülfd* mittel bad £>eroorbringen. Sttian lernt bad am grünblidjfteit unb behält bad am beften, Wad man gleidjfam aud fid) felbft lernt. ®iefe festere 23orfd)rift wenbet Sb. namentlid) aud) auf bie Sludbilbung ber 23ernunft an. SDiatt müße bahin fehen, baß man nicht •Äant. 865 Sernunfterlenntniffe in tote ©djüler Ijioeintrage, fonbern biefelbett aud iljneit peraud= pole. Set ber Sludbilbung berSentuitft müße ntan ba^er fofratifrf) »erfahren. SMdjen Sßertp übrigens bie eingelnen Unterridjtdmittel für bie Slttdbilbung beS Oeifted paben, in meldjed Serpältnid fie gu einanber gu [teilen unb wie fie gu bepanbeltt fittb, um ben »erniinftigeu ©efatnmtgmecf ber Srgieljung 31 t erreichen, fit 1-3 »on ber eigentlichen Utt= terridt;tSte^re finben fidj in ber Äant’fdjen ‘ißäbagogif nur eingelne unb ifolirt fiepende Semerfungen, bie mir hier nicijt meiter peraudpeben wollen. Oben ift audj fdjon be= merft, baß Ä. bie etpifdje ÜBirfung jebed Unterridjtd, wenn er in ber rechten 3lrt erthciit wirb, nidjt befonberd beachtet, eben fo Wenig a£s bie etpifcpe SEBirhutg einer »erniinftig geleiteten Didciplin. liefern Umftanbe hoben Wir ed baher audj gugufdjrei= ben, baff in feiner Sßäbagogif, fo feljr biefelbe »on einem ebien ntoralifdjen ©eifte getragen wirb unb bie üDloralifirmtg bed SDtenfdjen ald ben lebten 3med aller Srgieljung IjinfteUt, bodj nur fehr wenige ÜDiittel 3111 - Srgielung ber ntoralifdjen Kultur andbrüdtich peroorgepoben Werben. Dad eine biefer SDtittel befteljt in ber 33or= führuitg »on guten Seifpielen unb bad anbere in ber Aneignung »on ntoralifdjen 2 )?a= pitnen. Die iöeifpiele, burdj bereit tßorfüprung bie Siebe 3 um Outen unb 3 ur ißflidjt itt ben gelingen erwedt werben foö, finb gunädjft 33eifpiele aud ber ©efdjidjte, hoch finb bie 33eifpiele bed ©uten, bie bad Äinb an ben Sltern unb Sieljrern beobadjtet, in mancher 93egiepung 3 ur ntoralifdjen Kultur nodj wirffauter. Handlungen, in betten fid> bie 3 bee bed ©uten in irgend einer gornt »erleiblidjt I>at, wirfett auf ben, ber fie beobachtet, »or adern aber auf bie nod) empfänglichere 3 ugenb »erebelitb unb beffernb ein, unb man muß baher &. »oüfommen bestimmen, wenn er Slnfdjauung unb 33eob= ad)tuttg guter SDtenfdjen unb guter Handlungen für ein ntoralifdjeö Sulturmittel hält. Sin eben fo großed unb Wohl nod; größered ©ewidjt legt er aber auf bie Beibringung sott ntoralifdjen SDtapimen. SBie er feibft nach ntoralifdjen SDtapimen handelte unb erft bann feft unb fidjer in beftimmten ntoralifdjen Höhlungen war, Wenn er bie entfpre» cpenben SDtapimen ergriffen hotte, fo fucfjte er audj bie moralifdje Kultur ber 3ttgenb auf SDtapimen 31 t begründen. Sr wiinfchte daher, baß bie ber Sugenb nahe liegenden SDtapimen in einer 3lrt tatedjidmud bed Rechts sufamniengeftellt Würben. Diefer müßte, meinte er, gätle enthalten, bie populär wären, fidj im gemeinen Sehen gutragen unb bei benen immer biegrage ungefudjt einträte, ob etwad redjt fet ober nidjt (IX, 427)^ 3 . S. wenn jemand, ber heute feinem Kreditor begaljlen fotl, burd) ben Slnblid eine® Stotpleibenben gerührt wirb unb ihm die Summe, bie er fdjulbig ift unb nun bejahten füllte, pingiebt: ift bad redjt ober nidjt? Stein! ed ift unredjt, bentt idj muß frei fein, Wenn idj äBopltpaten tljun will. Unb, wenn idj bad ©elb dem Slrntett gebe, fo tljue idj ein oerdienftlidjed 2 Bert; begaple ich ober meine ©djulb, fo tljue idj ein fdjulbiged äßerl. SDtan fottte meinen, S. hotte hiernach in beiderlei Begiepung — nämlich in 3tüd= fidjt auf bie ntoralifdjen Beifpiele unb in Begug auf die utoralifdjen DDiapimcn — auf bie Bibel und die djriftlidje Steligion ald ein Houptmittel der ntoralifdjen Srgieljung gelangen müßen. Die abdtractrationaliftifdje Strömung jener 3eit un d die baraud entfpringenbe ©djeu oor dem llebernatürlidjen unb SBuuberbaren läßt aber ben fdjarfs finnigen bßhilofogoljert »erlernten, weldj reidjed unb wirlfamed Bitbungdmittel für bie SDtoral in ben bibüfdjen ©efdjichtett unb in ber biblifdjen Sehre liegt, ©eine eigene 3ugenbergiehung, in weldjer feine moralifdje ©efinnttng durch den Dieligiondunterridjt unb bad religiöfe Beifpiet begriinbet würbe, hätte iljtt fdjon eineö anbern belehren lön= nen. Slber in biefem einen Ißuncte ift ihm fein eigeued Seben nicht maßgebend für feine päbagogifdjen SDtapimen geWefen, wäljrenb er fcnft wohl alle Borfdjriften für die moralifdje Kultur, bie er in feinen päbagogifdjen Borlefungett auffteHt, auf fidj feibft in ber mufterpafteften SÜSeife angewandt pol- 6 ) Äant ald SJtufter ber ©elbftergiepung. 2 Bir paben fdjon oben bemerft, daß fein Sieben einSDtufter oon ©elbftergiepung war, unb wollen tiefe Behauptung gum l'ät'ag. encofCoväSic. IH. 55 866 Kant. ©djluffe biefer Slbljanblung nod; näher begrünben. Kuno gifdjer*) bemerft über Kantd ißerfüntidjfeit, baß ed gWei ©runbgüge finb, Wetdje [einett (Sfyaraftee bis in [eine ®in= getnljeiteu hinein audprägett unb fic^ in biefem ßfyarafter auf eine fettene Sßeife oer= binben unb noßenben, nämlich ber ©inn für perfönüdje Unabhängigfeit unb gugteid; für bie pünctlidjfte ©iefetmäßigfeit. SDtan ntuß biefeS gugebett, gugleidj aber aud; benterfen, baß beibe ©runbgüge in bem einen ^Begriffe ber fittbidjen grei= I; eit enthalten finb, non weldjer K. ein fo gtangenbed SSHufter aufftettt, baß wir ®eut= fdjen fdjon um bedwißen auf biefen großen ©tarnt ftolg fein tonnten. gür ben ßrjiefier uttb für ben Bögliug bietet er überbied ein 9Jfufter ber ©elbftergiehuitg bar, welches nid;t inftructiner fein fönnte. SBenn wir aber behaupten, baß Kantd Seben bon betn i)3riitcip ber fittlidjen greiljeit beftinunt gewefen fei, fo fittben wir bie greit;eit barin, baß er fein Sehen möglidjft unabhängig non anberen SDtenfdjen unb non äußeren 9Ser= tjättniffeu non innen t;eraud beftimmte unb organifirte; bie ©ittlidjfeit aber barin, baß er babei in feiner Slrt wiflfiirtid; uttb fetbftfildjtig nerfubtr, fonbern ben moralifdjen Sftapinieit, bie ihm bie praftifdje Vernunft an bie §anb gab, ben ftreng= ften ©eljorfam teiftete. Kants Seben ift ein ^ödjft leljrreidjed 23eifpiel nott ber SBaijr» heit, baß man bei aßer Slbljängigfeit non ber 9tatur unb non ben 2)lenfd;en bod; ein überaus unabhängiger SDtann fein ober fid; bod; bagu tuadjen fann. S)er unabljän» gigfte SDtenfd; ift wenigftend in fo fern abhängig, ald er einen Körper an fid; trägt, für beffen ©efunbljeit unb Erhaltung er Nahrung, Reibung, aBohnung unb niete an= bere SSebürfniffe nöthig tjat. SBte abhängig ift atfo non Ipaud aud ber Sinne unb ber ©djwädjlidje! Kantd großes SSeifpiel geigt aber, wie ein SDienfd; trog Slrrnut unb ©d;wäd;Iid;feit fidj frei unb unabhängig machen 1 fann. K. War non |>aud aud fe^r bürftig uttb bod) wie unabhängig hielt er fid; baburdj, baß er mit ftarfem SBißen auf atted, wad er nidjt haben fonttte, SSergidjt teiftete, ja wie Wußte er fetbft bie grüßten §ittberniffe fo ju behanbetn, baß er burd; biefetben — Wenn aud; auf Umwegen — hoch nur um fo fidjerer gu feinem Sebendgiele fontmen fonnte. ÜJfit wie großer Entbehrung hatte er in feiner 3 ngenbgeit gu fämpfen unb wie ftärfte bad hoch feinen SBißen unb lehrte i£;u, fid; auf bie eigene Kraft gu oertaffen. SBie gern wäre er und; feiner ©tu» bieitgeit in Königsberg geblieben, um als S)ocent aufgutreten; aber er fonnte fid; Wegen feiner ÜDfittellofigfeit bort nid;t hatten unb Würbe 9 Sahre lang ^audteljrer, wußte aber in biefem fo befdjränften Seben reid;e geiftige SOfittet unb Kräfte gu fammeln, um fid; 51 t einem nur um fo gtängenberen afabemifdjen 3)ocenten audgubitben. Uttb atd er enbtid; tDoceut geworben war, ba gieng ed ihm aud; bann noch trübe genug, aber er Wußte fid; bttrd; ftrenge ©parfamfeit unb Slbtegung jeber fatfd;en ©djam aufredjt gu erhalten. 3n feinen SHagifterjahren war fein eingiger 3tod fd;on fo abgetragen, baß ed einige feiner motjthabenben greunbe für nöthig erad;teten, ihm auf eine fet;r bidcrete Slrt ©elb gu einer neuen Kleibttng angutragett. K. fdjlttg aber biefed Slnerbieten aud unb freute fid; nod; in feinem I;nh erat Sitter bariiber, baß erd gethan unb bad Slnftö» ßige einer fd;led;ten, aber bod; reinen Kteibung ber brücfenben Saft ber ©d;utb unb Slbljängigfeit non anberen üJlenfdjen norgegogen habe. Sr pried fid; baher aud; gliid» tid;, baß er niematd in feinem Seben irgenb einem SJienfdjen einen § etter fd;utbig ge= blieben fei. Ger erflärte bie Unabhängigfett für bie ©runbtage aßed Sebendgtücfd unb nerfid;erte, baß ed il;n nott jet;er nie! gtüdlid;er gemadjt habe, gu entbehren, als burd; ben ©enuß ber ©d;ulbner eitted anberett gu werben. Slußer ber willigen SSergidpttei* ftuttg auf aßerlei ©enüffe, bie er nun einmal nid;t haben fonnte, war ed bie ©par= famfeit, bie ipm biefe öfouomifd;e Unabljängigfeit non anberen SDtenfdjeit tttöglid; utad;te; ed War eine feiner moralifdjen SRapimcn, baß man feine unniihen Sludgaben tnadjen *) 3mmattuel Kant, ®ntwicflungsgefcbicf;te uttb ©pftem ber fritifchen iphilofophie, Sßlamtbeitn 1860. Stefed mit Siebe unb grünblidjer Sinftdjt gearbeitete SBerf fann aßen, bie juitt ©tubiunt ber Kant’fdjett Sßpilofopbie eitted güprerd bebitrfeu, aufd befte empfohlen werben. Äant. 867 bürfe, b. 1). feine fotdje 2tu«gaben, bie feinen vernünftigen 3 m ed ^aten. 2Benn aber $IriftoteteS bie ©parfamfeit für bie -Bütte jtuifdjen SerfdjWenbung nnb ©eig erflärt, fo gilt biefeS für bie ©parfamfeit StantS, bie gugteid) greigebigfeit mar, int boßen SDfaße. 5Bi« in fein 50. S?eben«jat)r fyatte Sb. freilicfj fdjon SDfiifje genug, um fid) fetbft gu er= Ratten unb bon einer befonberen jfreigebigfeit gegen anbere fonnte baljer nidjt Wotjt bie üiebe fein; aud) lag in biefen feinen befd;ränften Sertiältuiffen woijt ber fpaupt= grunb, we«ljalb er nie^t f)eiratf)ete. 211« fid) aber feine 33erl)ättniffe befferten unb er fetbft gu Sermögen gefomnten, ba übte er and) bie il)tn eigene greigebigfeit in einem größeren äJtaßftabe and unb eS braudjt nur, um feine ©efinnuitgen gu d)arafterifiren, erwiitint gu werben, baß er, al« fein Sruber at8 Sßrebiger in Dftpreußen ftarb, ber SBittWe be«fetben fofort eine jäfjrlidje Sßenfion bon 200 Sßjafern, atfo bie £>ätfte feine« ©e^aftS auSfe^te unb für arme SerWanbte unb anbere ülrnte überhaupt jäfjrtidj metjr als 400 Skater verfd^enfte. (Sin gWeite« Spinberni«, wetdje« Sbant« Uuabtjangigfeit unb freie Gntwidtung wefent= lid) Ijätte fjemmen fönnen, war fein fdjwäd)Iid)er Sbörper; aber wie fiat er aud) über biefe« ^inberni« ben entfdjeibenbften ©ieg babon getragen! (Sr crbnete fein gange« Sieben auf ba« ftrengfte unter ba« ©pftent ber @efunbl)eit«rcgetn, bie er fid) fetbft auf ©runb einer fertwäljrenben, l)öd)ft forgfältigen Seobadßung feiner förperlidjen ©titnmungen auSgebitbet unb feftgefteltt Ijatte. Unter feinen @efunbl)eit«regetn war bie oberfte 9?id)t= »erweid)Itd)ung be« Sbörper«; fobann SDfäßigfeit, Gutfyattfamfeit unb Stiegelmäßigfeit. 3u ben wid)tigfteu ©tarfungdmitteln für feine ©efunbfyeit gehörte ber tägliche ®enuß ber freien Sluft unb ftarfe ^Bewegung, unb er gieng bat)er grunbfäigtid) tagtid) 1 bi« 2 ©tunben fpagteren unb gwar bei gutem unb fd)led)tem SÜJetter, bei §i(5e unb fjroft, ja fetbft wenn (SiS unb ©djnee bie 2Bege l)od) bebecften. 2lußerbem aber fyatte fein ®e= mütl) eine große ®ewalt über feinen Körper, wie feine SIbfianbtung bon ber SJfadjt be« ©ernütl)«, burd) ben bloßen 33orfa(3 feiner franftjaften @efüt)te SDfeifter gu werben, be= wei«t. (Sr wußte burd) feine Gfyarafterftärfe fetbft franftjafte 3 u f t ^ n be feine« Sbörper« für feine geiftige Arbeit unfdjäblid) gu ntadjen. SBenn nun Sb. fd)on gegen bie §emm= niffe be« ©d)idfat«, wogit Slrmut unb fd)Wäd)Iid)e ©efunbtjeit gehören, feine moratifdje Unabfängigfeit fo beftimmt gettenb gu mad)en wußte, fo geftattete er fein Sieben in fot= d;en ©ptjöreu, in benen ber SDJenfd) bon Spau« au« freier oerfiigen faitn, erft red)t ben ©runbfä^en ber bon it)m erfannten ©ittlid)feit gemäß. (Sr War ein treuer greunb, ein gel)orfamer Untertan unb bie allgemeinen Sugenben, bie ber SBfenfdj gegen feinen 3?ebenmenfd)en auSguüben tjat, befaß er in twfyem ÜD'taße. ©o muß man, um unter btetem nur ein« I)erborgul)eben, feine ftrenge SBatjrfiaftigfeit bewunbern. ©etbft im ©d)erge UuWat)rt)eiten gu fagen, t)iett er unter feiner Sßiirbe; and) bie fogenannte 5)?otI)= lüge l)iett er unter aßen Itmftanben für unerlaubt, ©eine SBorte Waren ftet« ein treuer ©pieget feiner ©ebanfen. (Sr fprad) feine 2Infid)ten offen au« unb fdjeute feinen SBiberfprud); ba er aber ftet« nur ba« Sntereffe ber 2Bat)rl)eit verfocht unb bon fetbft= füd)tigem Gljrgeig frei War, fo btieb er fetbft im ©treite immer ruljig unb ftar. Stber gewißermaßen feine Spaitpttugenb, bie Sugenb aßer Sugenben War feine ftrenge unb uubebingte Serufdtreue. 3ft Sbant« Sieben in irgenb einer 33egiet)ung ntufter* I)aft, fo ift e« in biefer fo gu nennen, ©ein gange« Sieben gehörte feinem Serufe unb biefer feinSBeruf beftanb barin, ber 2Bat)rl)eit mit aßer 2tufrid)tigfeit gu bienen unb für fie Jünger gu gewinnen. Stuf biefen S^ed war feine gange SlebenSorbnung I)ingerid)tet unb fetbft feine (Srljotungen bienten nur bagu, um fid) für biefen 3 to ed gu fräftigen. Sb. trieb feinen ©d)erg mit ber ifym gugemeffenen 3üt, fonbern er fteflte fie fo redjt geflif* fentlid) unb fpftematifd) in ben Sienft ber 2Bal)rI)eit, fo Weit er fie erfannt fiatte. Seber Sag war gu biefem Setyuf burd) bie püncßtd)fte (Sinttjeitung gteic^fam tinirt. ®ie 3eit berwattete Ä. nodj geWiffentjafter at« fein SSermögen unb feine ©efunbtjeit. Gin Hag bergieng wie ber anbere. Sßüncttid) lOUtjr gieng er gu Sette; pünctfidj 5 ll^r jtanb er auf. Sie erften SOforgenftunben waren größtent^eit« ben Sortefungen gewib= 868 jfant. ■ffarl ber ©rofe. met, bie aud) in ber ®ageborbnung Äantb obenan ftanben. kirnet 7 Ufyr begab er fiefy in ben ^örfaal unb lab in ber Siegel bis 9 Ul)r. ®ann knien bie kiffenfdjaftlidjeit Arbeiten unb bie gum ®rucf beftimniten ©griffen an bie Sfeil;e. Oljne Unterbredjung kurbe bib um 1 llfyr gearbeitet; bann km berSDtitkgbtifd;, für S. bie 3 e ^t bet genufj= reidjften (Erfjolung in ©efeflfdjaft feiner liebften greunbe. Stuf bie SJtaljlgeit, bie fid) in ber Siegel einige ©tunben pingog, folgte bann ftetb nad) einer Keinen ißaufe ber regelmäßige ©pagiergang. ®ie ®ämmerungbftunben gehörten ber SDiebitation, bie Slbenb- ftunben ber Seetüre. ®er große Sltann knnte nur (Einen ©eig, ben ©eig mit bereit. Saßt man fein ganges Seben in einb gufammen, fo knn man auf babfelbe feine SBorte ankenben, bie er 44 3al;re hör feinem ®obe fdjrieb: Vernünftig fei ber SJtenfd) in feinen (Entkürfen, guoerfid)tlid) auf bie (Erfüllung feiner Hoffnungen, aber opne Ungebulb, be= fdjeiben in feinen SBünfdjen olpte horgufdjreiben, hertrauenb ofyne gu pod)en, eifrig in Seiftung feiner Vft'djten, aber bereit mit einer djriftlidjen Stefignation fidj in ben 35efeljl beb Höd;ften gu ergeben, kenn eb il;m gefällt, mitten unter aßen biefen 33eftrebungen iljn hon ber S3ül;ne abgurufen, auf bie er gefteßt kar. Stimmt man nun nod; bagu, baß biefer fleißige, orbentüdje, tugenbpafte, guherfid)t= lidje unb vernünftige SJtanu einer ber fdjarffinnigften unb uuabljängigften ©elfter kar, bie biefe (Erbe jemals getragen l;at, fo kirb man eb begreiflid) finben, baß hon ifym eine gang neue Slera ber SEBiffenfdjaft batirt unb baß er bem beutfdjen Kulturleben unb mit ifym bem gangen geiftigen SBeltleben einen Smpulb gegeben fyat, beffen Vibrationen fid> bib auf bie ©egenkart erftreefen unb fid; gekiß bib auf aße 3ufunft erftreden kerben. ®ie banfbare 3?ad;kett fyat bem großen Sltanne ein ®enfmat in Königsberg errietet; aber ein unhergänglidjereb ®enfmal l;at er felbft fid) in bem ©eifte feiner Station begrünbet. Dr. Seinßarbt. bei @roßC. Siteratur. Einhardi vita Karoli Imperatoris; ®ebf. Annales; Monachi Sangallensis de gestis Karoli M. libri II (in Pertz Monument. Germ. hist. Scriptt. T. I. unb II.); Karls Kapitularien ebb. Legg. T. I. — 3beler Seben unb Sßanbel Karls beb ©roßen hon (Einfyarb. (Einleitung, Urfdjrift, (Erläuterungen unb Urfunbenfammlung. Hamburg 1839. Sorenj}, Sllcuinb Seben. Haße 1829. Soren( 3 , Karls beb ©roßen 5ßrihat= unb H°ft e ^ en » 'in Staumerb t;ift. ®afdjenbud) 1832. ©iefebredjt, ©efetyidjte ber beutfdjen Kaifergeit, 33b. I. — Ozanam, La civilisation chretienne chez les Francs. Paris 1849. V ä t) r, @e= fd)id)te ber römifdjen Siteratur im larolingifdjen Zeitalter. Karlsruhe 1840. Ampere Histoire litteraire de la France avant le douzieme Siede (Par. 1839 f.) T. III. — Kramer, ©efdjidjte ber Krgiefyuitg unb beb Unterridjtb in ben 3tieber= tauben (©tralfunb 1843) ©. 34 ff. ©d;mibt, ©efdjidjte ber Ißäbagogif' 33b. II. Heppe, bab ©djulkefen beb SJtittelatterb. SDtarburg 1860. — Slnbereb unten beiläufig. 3nt gangen 33ereid;e ber ©efdjicfyte giebt eb kenige dürften, keldje in fo eminen= tem ©inne epodjemadjenb gekefen finb alb Karl ber ©roße. Stad) Saprfyunberten giellofer Kraftentfaltung unb fyeillofer ßetrüttung l;at er bie gerraanifdjen Völler beb gefttanbeb mit ftarfer Hanb gu einem ©angen herbunben unb auf gemeinfame Aufgaben fßngeleüet; baburd) aber, baß er aße hortjanbenen -Kittel ber 33ilbung für ben Vöt= lerlreib, in beffen SJtitte er ftanb, mit flarer 33efonnenl;eit unb raftlofem Geifer aufbot unb bie große 3nfiitution ber Kirdje kieber gu eingreifenber unb nadjpaltiger 2Birffant= feit für bie kidjtigften 3lngetegenl)eiten beb 33tenfd;en= unb VölferlebenS anregte, l)at er für aße geiftigen (Sntkicfdungeu beb SJtittelalterb im ©runbe bo<^ bie ßkte gefteeft unb bie Stidjtungen beftimmt. ®enn kie bab Äaifertljum beutfdjer Station in it)m feinen 3lubgangbpunct gefeiert unb an bab, kab er getfyan l;atte, feine Slnfprüdje ge= fnüpft I;at, fo ifi ben ®rägern ber päpftlii^en ©ekalt bie Krinnerung an bab, kab biefe burd) i£)n gekorben, fort unb fort lebenbig geblieben. 9llb Vorfämpfer beb Kf)ri|tentl)umb gegenüber ben H^ben unb ben SSefennern beb 3blam Ijat er für bab Siittertljum ber folgenben ©efdjlec^ter bie Vebeutung eineb unerreid)bar gtängenben .ffatl bet ©rofe. 869 SorBiibeg gewonnen unb burd; bie 35erel;rung bet Kird;e in beit Dfeiljen bet ^eiligen eine ©teile erhalten. 2Bn§ bie 2Biffenfcf;aft nad; i^m in fieBen Saljrljunberten ge= fdjaffen, I;at bie DanfBarleit bet 9?ad;welt mel;r ober weniger auf feine ÜSeranftaltungen jurütfgefüljrt. „Satt war ber SJieifter be8 -DiittelalterS, ber bie 9)?enfdifyeit burd; bie SBiifte ber §3arBarei gliid(id) I;inburcf>füi;rte unb il;r einen neuen ßobey non politifdjen, fird;lid;en, Bürgerlidjen Sonftitutionen gaB. 3n feinem tl;eofratifd;en 37eid;e ftetite fic^ ber erfte SBerfud; beS 5D?itteIalterS bar, beit neuen 33unb ber 0efdjid)te aufjuridjten. ©ein fterBenbeS 2luge fal; eine unenbtid;e ßulturreitye breifadjer Solfergruppen, bet ©ermanen, Romanen unb ©iaWen, Bis in bie fernften Dämmerungen ber 3ufunft bor fid; ftel;en. 33or Karts ©rüge unb ber weltljiftorifdjen SSeßeutung beS ißro^eten, ber er War, verringert fid) ber 9htl;tn Slleyanberg, erflärten, *) mie bemt aud) aus biefer ober bet 3unäd)jt folgenben geit er f te fogeitannte Satedjefe in beutfcijer (Sprache ftatnmt, bie gehn ©ebote, baS apoftolifdje unb athanafianifdje SBefenntniS, baS iBaterunfer mit (Srflarung, bie fEobfünben unb eine Abfagung beS Seufets enthaltend 2Bar bie eingeleitete 33e= nujsung bet ?anbeSfprad)en aud) nod) eine feljr befdjräntte — nad) ben Skfd)tüffen »on fftheimS bad)te man junäd)ft nur an bie Belehrung über ben fattjolifdien ©tauben, über Auferftehung unb jiingfteS ©eridjt, über bie einige ©eligteit ber ©Uten unb bie einige 33erbammniS ber SBBfen —, fo mar bodt> ein fßrincip anerfannt, baS bie mol)ltbätigften Gonfequenjen haben tonnte, unb fidjer hat aud) fyierju ber Saifer bie Anregung gegeben; er tonnte nidjt mürbiger fein großes 233erf frönen. Snbem er aber fo bie 3Jtaffen beS SoIfS im Auge hatte, tag eS ihm bod) ftetS mieber am bergen, im engeren Greife gelehrte S3ilbung aud) burd) claffifdje ©tubien ju begrünben. 3m ©egenfafce ju bem, maS ©regor ber ©roße auSgefprod)ett batte, baß bie geoffenbarle 2Bal)rheit nid)t an bie Regeln »DonatS gebunben merbeit bürfe, er» ftrebte Sari eine ffteftauration ber ctaffifd^en Satinitat unb, befonberS mit 9tüdfid)t auf bie ©eminnung eines richtigen ©djriftöerftänbniffeS, Qcinrid)tung auethtabmte f baß mol)lthätige Gcinmirfungen auf feine Umgebungen nid)t auSbteiben tonnten. ®S mar in ibrn überhaupt ein feiner ©inn für fd)öne gönn, ber il)u auch ju offener Anerfennung ber auS bem Alterthum erbat» tenen jftefte ber bitbenben Sunft anteitete (cgi. Sintel, ©efdfidjte ber bilbenben Sünfte bei ben djriftlidjen 33ölfern, 156 f., 233 f.). ®a legt eS fid) nal)e, im allgemeinen ju betrad)ten, mie Sari mirfte. §ier ift nun bor altem feiner ^Bemühungen 3 U gebenfen, bon allen ©eiten tüdjtige ÜJtänner um fid) 3 U berfammeln. Dganaitt bat nid)t unrecht, menn er fagt: Toutes les provinces de l’Occident coneoururent au grand ouvrage des ecoles carlovingiennes. ®ie erften ©ebülfen für fein SBerf gab ihm Stalien, mo fort unb fort ötefte an» titer SBiffenfdjaft fid) erhalten batten, unb felbft gried)ifd)e ©pradje unb Literatur (namentlich burdj bie bor ben Sfonoflaften geftüdb»teten bpjantinifdjen äJiöndje) befannt geblieben maren. 9fom batte feine ©djulen, unb als Sart 774 jum erften fötale in bie ©tabt ber Säfaren unb ber fßäpfte eingog, brängten fid) aud) jafdreidje ©d)üler in feine ^Begleitung. ©0 oft er feitbem ötom befud)te, nahm er Seljrmeifter bon bort für feine SJöIfer mit.**) Aus fJ3at>ia batte er, gemißermaßen als einen SSeftanbtbeil ber tongobarbifdjen SSeute, fßetruS bon fßifa unb fßauluS SiaconuS erhalten. Sener, fd^ort bejahrt, lehrte im föniglidjen fflalafte ©rammatif (mit Srtläruitg lateinifdjer 5Did)ter), biefer mar mit bem ©riedjifdien befannt unb untermies in biefer ©pradje felbft SarlS £od)ter, 9iotrnbiS, meld)e ®emal)lin beS bt) 3 antinifd)en AutofratorS merben foUte. ***) AuS ©panien, roo bie ©cbulen ber d)riftlid)en tBebölferung aud) unter maurifdjer §err= fdf)aft fid) erhielten, tarnen menigftenS mächtige Anregungen burd) ben bort erhobenen aboptianifdjen ©treit, ber ben um Sari berfammelten ©eiehrten ©elegenheit ju fdjarf» finnigen Gcrörterungen gab; aber bieHeidjt ftammte auch ber tBifdjof Sh^ulf non £)r» *) Fauriel Hist, de la poesie provenqale (Paris 1846) T. I. 234 ff., loo nod) befon» berd bevtiorgeboben mirb, baß tu Abeimd entfdfiebener als felbft in SDiahtj bie Stntoenbung ber Sanbedfpradfe berlangt toorbeit, in ber Söeife, baß ebenfomobt für bie 23ebitrfniffe ber granfen als ber bie lingua Roraana rustica SRebenben geforgt loorbett fei. 95gt. Barbazan Fabliaux et contes des pobtes franifais des XI, XII, XIII, XIV, et XVe siecles (N. ed. par Meon, Par. 1808) T. I. 6 f. **) Cliron. Engolismense a. 787: Et dominus rex Carolus iterum a Roma artis grammaticae et computatoriae magistros secum adduxit in Franciam et ubique Studium literarum expandere jussit. SSgl. ©regorobius, ©efcb- ber @tabt SRom II. ***) lieber fßautuS SiacomtS bgt. Giesebrecht, de literarum studiis apud Italos primis medii aevi saeculis 8—10, 25 — 27 unb Cramer, de Graecis medii aevi studiis I. 28 f., II. 19 f. ©. and) SB ei jf ä dt er in §erjog« 9t@, XI. 222 ff. Äart bet ©rofje. 873 JeanS (f. u.) auS Spanien, ber nad) anbern freilid) ein Songo&arbe mar. 3rlanb, bie 3nfel ber ^eiligen, feit längerer 3 e it eine -ßflegeftätte ber SBiffenfcpaften, fanbte Sle= ntenS unb Dungat unb anbere ©eiehrte, beren 21nfprud)Slofigteit ebenfo groß mar als ihr SBiffen. *') SluS bem Sanbe ber Stngelfadifen erhielt Sari bereits 782 ben trefflid)en Sllcuin (f. b. 2Irt.), ber lieber anbere beS gleichen Stammes nad)jog. ^Diejenigen nun, melcfje Sari ttjeilS au§ ber grembe ^erbeirief, tpeilS auS ben eigenen Sanben um fiep fammelte (Sinparb, Diettoulf, fftifulf, SJngiJbert, 9Irno u. a.), büßeten, natürlidJ) unter mancherlei 2Bed)feln, jenen SreiS, ben man moljl bie StJabemie SarlS beS ©roßen ge= nannt pat. 9Jtan Weiß, baß Sari in biefer gelehrten Bereinigung fid) gern ben tarnen Daßib (ober aud) Salomo) gefallen ließ unb in feiner SSMßbegierbe nid)t feiten feljr verfängliche fragen ftellte, aber auch mieber feljr ernfte Dinge jur Beratung brad)te. Sin eine SIfabemie in mobernem Sinne ift freilid) nicht gn benfen; bod) biirfte Debete (De Academia Caroli Magni, üladjener Programm ßon 1847) gegen Sorenp recht haben, menn er eine feftere Bereinigung ber an SarlS §ofe ßerfammelten ©elehrten annimmt. Denn in ber Dl) a t tonnten SÜtänner auS fo oerfd)iebenen Säubern baS Ieb= hafte BebürfniS haben, im ©ebränge ber Diener unb Srieger ihres großen ©bnnerS fid) enger gufammenäufd)Iießen, mie beim aud) bie Slufgaben, bie biefer ihnen ftellte, ßon felbft eine gemeinfdjaftlidje 2l)ätigteit herf>eifü£)ren mußten; außerbem tritt bie Be= Ziehung auf bie platonifd)e SIfabenüe auSbrüdlid) h^öor.**) Db aud) baS Beifpiel ber Shalifen jener 3 s >i irgenbmie anregenb gemirft tmke, Ictffen mir bal)in geftellt; aber barauf ntöd)ten mir nod) aufmertfam mad)en, baß in ben lebten 3ah l '^ unbci ' tcu bor Sari eine bis jur ©eheimniSlrämerei gel)enbe Slbfdjließuttg ber ©elehrten ßon ber übrigen äßelt, mit mancherlei felfamen Beziehungen für bie eingemeihten, feljr gemöljntid) mar. ©emiß tonnte felbft Sari, mie entfdjieben er and) bem Seben zitgemanbt mar, foldje pebantifd)e Drabitionen nid)t ohne meitereS befeitigen. SDtit meldier Sonfequenj Sari ßormürts ftrebte, läßt fid) am beften auS feinen auf Bilbung beS SteruS unb beS Botts gerichteten Slnorbnuugen ertennen. ©leid) nach feiner erften 9lnmefenl)eit in Dfom, nod) ßoll ßon ben bort gemonnenen 9lnfd)auungen, fdhrieb er an SuüitS, beS BonifaciuS 9?ad)folger auf bem Stuhle ßon SOtainj (f 786), einen Brief, morin er fid) beflagte, baß er fo menig Sorge trage für bie Bilbung feines SleruS, mätjrenb er burd) freunblidjen fRatl) unb ernften Dabei ober aud) burdj äußere Unterftüfsung ju miffenfefjafttidjen Stubien anregen tonne, für metdje in feinem meiten Sprengel eine hint-eiefeenb große Slnjahl ßon Befähigten mürbe zu finben fein. Um biefelbe 3eit erhielt ))3auluS DiaconuS ben Auftrag, „auS bem meiten ©arten ber Sd)riften ber Bäter Blumen auSjitlefen unb baS hßaffenbe in einen Sranj (baS be= rühmte Homiliarium) ju minben." ***) Bon großer 2Bid)tigfeit mar ber nad) ber britten *) Bod) unter Sari bem Salden tonnte ber SDlönd) Serien« fdireibeu (Acta SS. Jul. T. VII. 322): Quid Hiherniam memorem, contempto pelagi discrimine paene totain cum grege pbilosopliorum ad littora nostra migrantem? **) SllCUtn cap. 71: Nee fastidiosa segnities legentium benevolentiae magistri juste deputari debet, si plurimis inclitum vestrae intentionis Studium sequentibus forsan Atlienae nova perficeretur (?) in Francia, imo multo excellentior, quia haec Christi Domini nobilitata magisterio omnem Academicae exercitationis superat sapientiam. lila tantummodo Platonicis erudita disciplinis septenis informata claruit artibus; haec etiam insuper septiformi Sancti Spiritus plenitudine ditata omnem saecularis sapientiae ex- cellit dignitatem. ***) ®as §omttiarium, fpäteftens 784 Bestätigt unb eiitgeführt, gab fjomitien ber Streben 5 bäter jur Sefmtg für ben SretSlauf beS 3apres. Bgt. Banfe, jur ®efd)id)te bes fjontilia» riitms Saris beS ©roßen, itt ben tpeol. ©tubieu unb Sritifen 1855, 2, 387 ff. lieber ge» büren auch bie bamats entftanbenen Sectionarien, Berjeicpniffe bibtifdjer Sefejtiide für ben ©ottesbienft bas Sircbenjabr btnburd). BgLipiper, Saris beS ©roßen Salenbartitnt unb öfter« tafel. Berlin 1858. 874 dtarl bet ©rope. fKomreife (787) gunädjfi an ben Slbt SSaugulf »on gulba, burd) biefen aber an bie 33ifdjöfe unb Siebte überhaupt geridjtete Srlaß, morin berfelbe aufgeforbert mürbe, neben bet ©orge für eine mürbige unb fromme güljrung bed gebend bad ©tubium ber aEßiffenfdjaften fid) gur Slufgabe gu ntadjen unb in biefen alle gu untermeifen, benen bagu, in oerfd)iebenen ©raben, gätjigfeit »erliefen morben. Sd mar babei SBejug ge» nommen auf bie Sfyatfadje, baß bie aud ÄlBftern ilpu gugefommenen ©djreiben gmar Don trefflicher ©efinnung, aber »on ungebilbeter ©pradje gemefen unb fo aud) jene gu unboHfommenem Sludbrucf gebracht; ba fei gu befilrdjten, baß felbft Srflarung unb SSerftcinbnid ber 1)1. ©d)rift barunter leibe, unb gerabe bie 3lücffid)t auf biefe rnüße gu um fo größerem gleiß antreiben; man foüe alfo SUtanner audlefen, toeldje gefdjicft mären gu lernen unb bad Verlangen emßfanben, anbere gu unterridjten. „Senn mir münfd)cn, baß il)r, mie ed ©treitern ber Äirdje gejiemt, inmenbig fromm, nad) außen gelehrt feib unb bie Äeufdjheit eined ^eiligen gebend mit guter ©pradjlenntnid bereinigt, bamit jebermann, ber eud) nalje tritt aud Siebe gu ©ott unb um bie fpeiligfeit eurer ©itten angufdjauen, gu berfelben 3oit, mo er burd) euern ©eift erbaut mirb, aud) er= Ieud)tet merbe burd) eure SEBeidljeit, ob er fie nun aud euren Untermeifungen ober aud euren heiligen ©efängen erfennt, unb frötjlidj ^eimfeßre mit Sanf gegen ben aH= mastigen £>errn." 3m 3. 789 folgte bie Slufforberung an ben Slerud, in Älöftern unb an Sifdjoffi^en ©djulen eingurid)ten, nidjt allein für bie Slinber ber Unfreien (aud benen bamald nod) oft -Jliöndje unb niebere Sllerifer ljer»orgiengen), fonbern aud) für bie greien (bie lieber bie SBaffen führten), unb gmar für ben Unterricht im gefen, ©ingen, Sftedjnen unb in ber ©rammatif, mobei mit befonberent Ufachbrud; auf bad gefen correcter ©chrift= teyte gebrungen mürbe. Sluf miffenfdjaftlidje SSorbilbung ber Älerifer begogen fiüllmann, ©täbteWefen beb äftittelalterb IY. 307 f.). ©ine 3feihe blühenber Älofterfdjulen fdjeint eb im ©prenget Bon Orleans gegeben ju haben. 3n ©idjftäbt foß fdjon unter bem erften 33ifdjofe biefer SMöcefe, SBilibalb 745—781), eine Älofterfdjule Borhanben gewefen fein, (©ay, ©efdj. beS £>odjftiftS unb ber ©tabt ©idjftäbt 13.) ®ie Älofterfdjule in gonteneße, tote ju befonberer 93ebeutung im elften Saljrljuttberte gelangte, beftanb bereits 787. ©t. ©aßen bewahrte feinen ßfuljm nodj lange. ®ajj biefe ©djulen auf 91nlegung Bon SSibliotljefen bebacht Waren, baßon finben fiel) mannigfadje ©puren, t) 9ludj an ben fßifdjofbfipen erhoben fich überaß ©djulen, ba Äart gerabe auf bie fpäupter ber Sfirdje ftetb wieber fräftig einWirfen lonnte. 3n SUep hatte Bießeidjt fchou ©probegang eine ©djule. Ueber bie ©inridjtuugen in ?tjon lonnte ber ©rjbifdjof Seibrab folgenbeS-an ben Äaifer fdjreiben(Launoius c. 7): Habeo scholas cantorum, ex quibus plerique ita sunt eruditi, ut alios etiam erudire possint. Praeter haec yero habeo scholas lectorum, non solum qui officiorum lectionibus exercentur, sed etiam in divinorum librorum meditatione spiritualis intelligentiae fructus consequuntur, de quibus nonnulli de libro Eyangeliorum sen- sum spiritualem ex parte adipisci possunt, plerique vero librum Prophetarum secundum spiritualem intelligentiam adepti sunt. Similiter libros Salomonis vel libros Psalmorum atque etiam Job. In libris quoque conscribendis in eadem ec- clesia, in quantum potui, elaboravi. Ob bie SJJadjridjt ©ritnb hat, baff in Dbna= brücf audj griedjifdjer Unterridjt ertheilt worben (Laun. c. 9), mäßen wir bapingefteßt fein laffen. gür pflege beb f irdjengefangb, ber in aßen biefeit ©djulen, über beren ganje ©inridjtung an einem anbern Orte ju fpredjen fein Wirb, fleißig getrieben Würbe, ba *) 95gl. Debefe 22 f., ber in ihnen freilich bie SJiitglieber ber Stfabemie erfennt, wohl nur bespalb, Weil jenen Zöglingen bie mitgetheilten fpipfinbigen gragen niemanb hätte (Men bürfen, — wäfjrenb bodj ber ganje Unterricht jefter Seit ben ßi^arafter beS Hünftlicien unb ©pipfinbigen hatte. **) Ep. 15: Ego itaque parum proficiens cum Turonica quotidie pugno rusticitate; vestra vero auctoritas palatinos erudiat pueros, ut eloquentissime proferant, quicquid vestri sensus lucidissima dictaverit eloquentia. Sllcuin pat übrigens JU Seiten Wohl and) auf bie £>offchute birecten ©influfj ausgeübt. ***) Ueber bie SSerbinbung beS §rabanus SbtauruS mit Sllcuin f. ben bem erfteren gewib» rneten Slrtifel. t) ©. j. 93. für gulba Äunftmann £>rab. SKagnentiuS ÜJianruS 34 f. 876 .ftarl bcr ©roßc. &arl, wie fd;on fein Sater, auf guten Stirdtengefang mit großem 6 ifer t)ieit, Waren befonbere ©ingfdjuten in SWejg unb ©oiffong eingerid)tet (f. bef. 3 bei er I. 236 ff., II. Seil. 9fr. LXXV—LXXYII; ogl. and) ben Slrt. ©efang Sb. II. 763 f.). ®a 8 für Karl auf Seranftaltung beg fßapfteg £abrian getriebene 2lntiphonar, eines ber ehrwürbigften ®enfntäler jener ßeit, befinbet fid; nodj in ber Sibliothef beg (Stifts ©t. ©allen unb ift Bon bem Sefuiten Santbilotte unter beni ®itel: Antiphonaire de St. Gregoire (Brux. 1851) mit reidjhaltigen 6 rläuterungen Ijeraitögegeben worben. «Daß man auf bem beften SBege War, ein eigentlidjeS Solfgfdjulwefen gu begrün« ben, geigt bie berühmte Serorbnung beg SifdjofS ST^eobutf Bon DrleanS (f 821) an bie Pfarrer feiner SDiocefe, baß fie überall (per villas et vicos) ©djulen galten unb bie ihnen 3 ugefiihrteu mit Siebe aufnehmen unb unterweifen, aber feinen Sofm forbern, fonbern nur freiwillige ©aben ber ©anfbarfeit anne^men feilten (fpeppe 11 ). 68 ift angunehmen, baff aud; anbere Sifdjöfe in biefem ©eifte gefyanbett haben. 2Bie erfreulid) ber 2Iuffd)Wung War, ben bie claffifdjen ©tubien bnrd) Start ben ©roßen erhielten, bie bann bnrd) baS gange neunte 3al;tunbert ihren 6 influß be= haupteten, brauet Ijier nur angebeutet gu werben (f. bef. Säl;r in bem oben angefitljr« ten Sßerfe). 68 lag in ber gangen bisherigen SilbuttgSWeife, baß bie lateinifdjen ÜDidjter mit Sorliebe gelefen würben unb unter ihnen wieber Sirgil bie htfte Ser« efirung fid) gewibmet fal). Sltcuin War in feiner Sugenb ein leibenfdjaftlidjer SeWun« berer biefeS ®id)ter 8 gewefen unb fudjte bafur im 3liter Wölfl gar bie Sewunberung anberer 311 mäßigen; aber fein 3sgting ©igulf laS ben Älofterfdrittem Bon ®ourg bie SBerfe Sirgilg im oerborgenen. 3Bie aber auch bie Iateinifdjen Ißrofaifer bilbenb wirf« ten,' geigt 6 inf)arb 8 Vita Caroli, bie befanntlid) nach ©uetonS Sorbilbe gefdjrieben ift. «Dag ©tubium be 8 ©riedjifdjen war in ÄarlS ßeitalter fid)erlid) uöd) ein feljr befdjränf« te 8 ;*) aber 6 inharb unb fßaulud ÜDiaconuS waren mit biefer Sprache befannt, unb auch fonft ift nid;t gerabe SDfanget an ©puren, baß griedjifdie ©tubien in jener 3 «t Wieber aufgenommen worben. 3Ba8 unter Äart bem Sfaf)Ien fid) enfwiefette, bagu f>atte hoch Sfarl ber ©roße ben ©amen audgeftreut. 3Iuf ber anbern ©eite Werben wir aud) bad fperBortreten ber erften umfaffenbeten SBerfe unferer Literatur in gewiffer Segiepung auf Äarl ben ©roßen gurüefführen bürfen. «Die Bon ilpn Beranftaltete (Sammlung alter §elbenlieber ift leiber oerlorcn gegangen; aber ber ^elianb unb Dtfriebd ffirift ^än 3 cn bod) aud) mit ffarlS ©orge für feineg Solfeg ©prad)e unb feinem eifrigen Semühen um richtige Slufflärung unb Senufsung ber hl. ©djrift int Unterridjte eng gufantmen. ®aß au 8 ben Sanbfdjaften, bie in einem faft breißigjäljrigen Äriege ÄarlS §anb fo fdpoer empfunden, aber aud) gugleid) feine Wunberbar organifirenbe Äraft erfahren hatten, ein ©ebidjt wie ber Ipelianb h eröor= treten fonnte, ift in jebem gälte ein fefw berebteS 3 ^ugni 8 für ben großen ,fperrfd)er; ba 8 ©elbftgefühl aber, in weldjem Dtfrieb gefd^rieben hat, ber ©folg beg djrifttidjen grauten gegenüber ben ©riechen unb Dfömern, hatte bod> aud) erft burd) ftarld unser« gleid)lid)e Saaten unb ©djöpfungen lebenbig werben fönuen. 3 nbem wir aber fo feinen 6 inf(uß auf bie beutfdjen fiemftänmte mit £h e *tnahme betradjten, beruhigen wir und leidjter bei ber äBahrnehmung, baß feine 6 inwirfungen auf bie 9tomanen im ©üben graufreid)d nur fehr geringe gewefen finb (Eauriel I. 240 f.). 3)er ÜRorben granf« reid ;8 I;at fein ©ebäd»tniS oiel treuer bewahrt, unb wie eine fpätere 3 ^>t baSfelbe in ftatttid;en 6 popöen erneuert hat, fo ift gerabe audj Ip^ bie 6 rinnerung an ba 8 groß« artige SBirfen ÄarlS für Silbung feiner Sölfer burch Sfetigion unb 2 öiffenfd;aft auf eigentfjiimlidje SBeife in ber 2lnnal;me gum Slugbrud gefommen, baß er ber ©tifter ber *) 9Iurer ©ritnbgeftalt ltnterweifitng b. f. Unterridjt mit ber Slbfidjt, ben Siujelnen in bie £eben§geftalt ber Äirdje baburd) eiitjufüfren, baß man ifm non ifrer SlnfdjauungSweife, ©prad)e, ©itte ÄenntniS unb Uebnng oerfdjafft. ©o!d)e Unterweifuug wirb eine 8 tl)eit 8 notfig fabelt, eii^ttfüfren in ben Snfalt be 8 33efenntniffe8 foWofl bon beffen gefdjidjtSmäßiger al 8 non beffen bialettifdjer ©eite, aubrerfeits fid) cinjulaffen auf bie praftifdje Umbilbung be 8 fubjectioen 3 uftf>nbe 6 , in Weldjem ber Äatedjumene als SKeopfft fteft, um ifn für ba 8 Seben in ber Äirdje 3 m 3 ubereiten. Seite Unterweifuug im Snfalte be 8 33efenntniffe8 wirb aber um fo nötiger, je reidjer entwidelt unb fdjärfer beftimmt ba 8 (Ei^elne im S3efenntniffe geworben ift, unb bie ^Bearbeitung be 8 innern 3>tjtaube8 beS Slatedpmenen wirb ein um fo unabweiS« lidiereS ©efdjäft, je mefr ber Äatedpmene mit 2 lnfd)auungen unb ©ewöljuungett 3 itm (Efriftentfum uafet, weldje biefem frentb unb feinblicf finb, We 8 l)atb e 8 um fo mefr barauf anfommt, fid) berfelben 31 t cntlebigen. ©iefe ber Äatedjefe notljWenbige, foWotjt iit 8 Sbeoretij^e al 8 in 8 fßraftifdje ge^enbe ßjidjtung l;at bie Äirdje in iljrer unterridjtenben Sliätigfeit, weldje fie ifiren ßteulingen wibmet, immer mit mel)r ober Weniger (Energie eingefallen. (Eine iu 8 ein 3 elne gefenbe SfadjWeifung, wie in ifren öerfdjiebeneu fßerioben unb ©eftatten bie Äirdje biefe wief» *) ®* (’• >-’ c n Sutfer an; Oorfer b«t ba§ SBort jtatecbisnms anbere Sebeutungeu gefabt, nadb ifin bat and) bie röntifdfe Sird;e fief biefeit ©ebrancb beb SBortb atigeeiguet. tp. itatedjefc. 879 ttge ©eite iljrer SBirffamfeit geübt ^at,-bleibt eine Stufgabe ber Äird)engeid)id)te. SttS @efcf)id)te ber fated)etifcf)en ^atigfeit fiuben n>ir fte guerft beljartbett Bon @. ülrnolb: ®ie erfte Siebe. 33. I, 2. II, 13. 14; Bon D. Greg. Lange mack, Historia Cateclie- tica. ®rei SL^eile. Stralfunb 1729. 33. 40. — M. ißt)- £>einr. ©datier, ©efdiicpte beS fatedjetifdjen DeligiouSunterrid)tS unter ben ißroteftanten Bon ber Deformation bis 1762. £>atle 1802. 3). Slugufti, 33erfitd) einer l;iftorifd)=!ritifd;en Einleitung in bie beiben §>aupt=Sated)iSmen ber eoangelifd)en &ird;e. Elberfelb 1824. Dr. Ehrenfeud)ter: 3ur ®efd)id)te beS gtatedjiSmuS. ©öttingen 1857, ißalmer u. a. §ier tonnen mir nur in ©runbgügen auf ben ©ang, metdjen bie gef djidjtlidje Entmidelung biefer fird)» lidfen Uutermeifung gehabt I;at, Ijintueifen. DähereS muß in fatedjetifdjen SBerfen aufge» fud)t merben. SBenn in ben, bei ber obigen Erörterung beS StuSbrudS Äatedjefe gegebenen gefd;id)tlid)en Düdbliden fd)on bie Uranfänge ber fated)etifd)en Si^ätigfeit in ber ftirdje ^inreidjenb gejeid;net finb, fo tönneu mir fyier mit berjenigen 3 e it anfangen, in meldfer ein Umfdjtag in bie fatedjetifdje ©Ijätigfeit babitrd) fommt, baß bie Stirdje gur Slnerfen» nuitg unb aßgemadj gur §errfd)aft im Staat gelangt unb in 9lbfid)t ihres 2Beiterbeftel)enS einer ©orge fid) nidjt mehr übcrlaffen burfte. SBenn närnlid) in ben früheren 3eiten, in melden nod) um itjre Epifteng getämpft mttrbe, mit allem gleiße unb mit großer SSorfidjt an ber ©eminnung unb 3ubereitung beS Dadimud)feS auf ergie^enbe unb un= terric^tenbe SBeife tjingearbeitet merben mußte: fo fd)iett eS nunmehr foldjerSlnftrengung nid)t meiter gu bebürfen, feit auS bem ©djoßc beS cf)riftlid)en gantilienlebenS bie Er» gängung ber ©emeittbe heranmudjs. Unb gemiß in bem ©rabe, in meldjem eine gamitie in baS Seben ber Äirdje aufgenommen unb oou bemfelben burdfbrungen ift, mirb eS and) gu hoffen fein, baß ber ©prößling Bon bem ®eifte ber 3 U( ^L ber Seljre, ber 33eftrebung fid) erfüllt fel;en merbe, melden bie Kirche an ihren ©liebem ertennen miU. „®aburd), baß unfere 33orfal)ren ben ©efaloguS, baS apoftolifdie ©laubenSbefenntuiS unb baS 33aterunfer iljre Kinber gu fpaufe Ijerfagen ließen, I;at ©ott in ber furdjtbaren ginfternis, momit bie DeligionSlehre bisher bebedt gemefen, als burd) einen fpauSfate» djiSmuS fidj eine Äirc^e erhalten." (33reng in ber 33orrebe gu 2)Mand)thouS Catechesis puerilis.) ®ie frommen gamilien haben auf biefeui Sßege an einseinen ehemals nidjt menig geleiftet, mie foIdjeS aud) gegenmärtig ba ber galt ift, menigftenS überall fein follte, mo ber DeligionSunterridjt grunbfä^lid) Bon ber öffentitdjen ©djule auSgefcfjloffen ift. @Ieid^= mo’pl mußte man, menn bie bienftlicbe Spätigfeit ber Kirdje, meldie oorbem gur Erl;al= tung beS ErfenntniS» unb 33etenntniSftanbeS ftattgefunben, aUmaplid) gurüdtrat, bie Einbuße, meldje baS Seben ber Äirdje erlitt, an ber einreißenben Unmiffenl;eit, an Slber» unb Unglauben fid) im allgemeinen bentertlid) utadjen. Es fdjeint, als ob ber Kirche foioohl bie 3Bege unb SDrgane, um lefyrenb auf bie gantilienglieber einjugreifen, bei bem ÜDtangel an ©cimlen gefehlt, ober als ob fie eS abfid)tlid) ben ßingeliten iiberlaffen habe, fidj an bem ent» meber genügen gu laffen, maS fie liturgifd) unb aSfetifd) in frember ©prad)e ipnen anbot, ober eS mit SSeftimmt^cit felbft bei il;r ju fud;en. Dur fepr menige ©puren Bon foldjer ©Ijätigfeit fyaben fid; erhalten. •— ©taub eS fo mit ber geiftlidjen pflege ber Sugenb ber eblen ©tänbe, fo mar bie beS gemeinen 93?anneS, ber in Unfreiheit lebte, fich Bößig felbft überlaffen. ®ie f)öh ere ©eiftlic^teit fanb aber neben ihren tnelt= lid;en ©efdfaften feine 3^t jum Unterricht unb bie niebere mar ju roh- 3BaS bie 33ettel= mön^e in einjelnen ©egenbeit Sated;etifd)eS gemadjt, ift nid;t Bon Gelang gemefen. ®er Sern» unb ErfenntniStrieb, ber inbeS nie aus ben lebenbigen ©liebem ber Äird;e gu fdjminben pflegt, brad; aud) in beit 3 e >t ei L toeldjen bie berufenen Drgane berfiirdie ihrer ipflidjt nidft nad)fameu, attS bem ©djoße Bon gamilien mieber Ijeruor, meld)e Bon lebenbigerem ßhriftenthume erfaßt maren; fo entfielt bei ben Sßalbenfem, §uffiten zc. ein fidler ertennbarer 3rt3 gur Untcrmeifung, eine ernftlidje SBefUffenljeit ber älteren ©d)id)tcn, ihre ©laubenSfähe an bie Sugenb auf bentSBege beS Unterrid)tS gelangen gu laffen. 2tuS ben „33rübern Born gemeiitfamen Sehen" (f. ben Slrt. ^ieronpmianer), meWje bem Seben beS SSolfeS nahe blieben, bilbete fidj in ber UebergangSperiobe Born 880 Katcdjcfe. ÜRittelalter gur ^Reformation eine ©enoffenfdjaft ijereor, bie ein ©efdjäft barauS machte, auch int 6 I;riftentfyunie Unterricht gu ertljeilen, infonberljeit an jüngere Seute aitS ben ärmeren Staffen. (Sßergf. 3c^. 9D^a±h>efiuS ^iftorien tc. VI. fßrebigt. ©eff den, Silber» fatedjiSmuS beS 15. 3ahrIjunbertS.) 2Benn bie ^Reformation Sebeutung unb Seftanb, ©egen mtbgufunft getoinnen foßte, burfte fie fidj meber auf 2 Biffenfd)aft§pf(ege nod) auf bie fßrebigt aßein oertaffen, fie mußte baS SfBerfgeug, baS in ber Katedjefe fid) anbot, in ©ebraud) unb Sultur nehmen. — M. @. 33eefenmeher, £iterarifd)=bibtiographifd)e 5Rad)ridjten üott einigen eoangelifdjen latedjetifdjen ©d)riften unb Katechismen oor unb nach SutljerS KatedjiS» muS. Ittm 1830; 3. Vartmann, Slettefte fatecfjetifdje ®enfmale ber eoangelifdjen Kirdje 2 c. Stuttgart 1844; fßatmer an f. D.; K. g. Sh* ©djneiber, D. SRartin SutljerS fteiner KatedjiSmuS, Sertin 1853, Einleitung — enthalten baS fRähere. Sin neues Seben tommt in bie djriftlidje Untertoeifung ber 3ugenb mit ber 3iefor= mation, baS oon geredjt urtljeilenben äRännern ber fatfjolifd)en Kird)e, toeldje @efd)id)te oerftetjen, toie oon bem ehrtoürbigen Virfdjer, als ein 2luffd)toung begeidjnet toirb. §at Sutljer in ©djreibung Oon KatedjiSmen aud) nicht guerft Katedjefe getrieben, fo hat er bod) toie fein anbrer Oor ihm ihren SSertlj erfannt unb auf ihre Uebung hingearbeitet. Apud nos coguntur pastores et ministri Ecclesiarum publice instituere et audire pueritiam. Et haec cerimonia optimos fructus parit. Mel. in Apol. ad Art. VIII. p. 212. fpat Sutljer aud) nidjt ben erften Kated)iSnmS in ber eOangelifc£>en Kirdje oerfaßt, fonbern fann S 8 ren§ ober ültthammer ober Sadjmann bie Shre beiaffen toer= ben, ein Sud) gefdjriebcn gu haben, baS bie fatecfjetifdje Untertoeifung leiten fonnte: fo toirb bod) fhitljer’n berfRuIjm oerbteiben, nidjt bloß bie aßererften Serfudje (1520) gemacht, baS 3lntiegen ber Katedjefe oon Slnbeginn auf bem V er 3 en getragen, bie §ln= regitng gur Slnfertigung berartiger Siicher mieberljolentlid) gegeben, fonbern aud) fdjtieß» tid) in ber Verausgabe feiner beiben befannten Kated)iSmen baS Si atS ein SotumbuS auf feine ©piße gefteßt unb ein Söerf oon foldjer Sebeutung geliefert gu tjaben, burd) baS für ein fatedjetifd)eS Seftreben in feiner Kirdje Suft unb Seben ertoecft, fotoie ©toff unb §orm in aßerüortrefflichfter, nämlich in einfadjfter SBeife gegeben toar. ®enn toenn in ber erften Kird)e aud) ein beftimmteS Slbfeljen bei ber fatedjetifd)en ©hätigfeit auf bie Uebermittelung beS ©t)mboIumS an bie Katechumenen genommen mürbe, fo mar babei baS gelb für bie Seljanblung noch immer gang unbeftimmt. Konnte nämlid) baS ©t)mbol aud) aßegeit bem Katechumenen oergegenmärtigt merben als ber ©efammtauSbrud oon bem bie Kirdje erfüflenben ©tauben: fo fehlten bod) bie gefd)idjt= lid) beredjtigten SlnbaljnungSpuncte, meldje auf bie im ©tauben gu acceptirenben Spat» fadjen leiten, ittgleidjen bie SInbeutungen beffen, toaS mir in Kraft foldjen ©laubenS gunt gemeinfamen V e ^ e ä u ül> en unb gu brattdjen haben. 2Benn bie frühere Katechefe fid) in einem SrfenntniSintereffe am SerftänbniS Oon üluSbrucf unb 3nljalt beS ©putbols gu befdjäftigen hatte:*) fo ertoedt Sutfjer, inbem er bie Spatfadjen, meldje in ber djrifilidjen Kirdje in Kraft unb £eben ftefjen, ins Sluge nimmt, ein IjiftorifdjeS **) unb pfpdjotogijdjeS burd) bie Sefdjäftigung mit bem S)efalog, unb ein praftifdjeS burdj bie Segiepung beS ©laubenS auf ©ebet *) ®ies möchte ich, fo int aßgemeinen gefagt, in foferne nicht gang gutreffenb ftttbeu, als baS Sfftittetalter gerabe baS ©rfenntitis=3ntereffe 51 t Befriebigett nicht eben BcflreBt toar; bie ftjm* bolifdjeit ©tiide mürben geleljrt unb gelernt, als benedictiones gefprocljen gu merben (quia sine bac benedictione nnllus poterit in coelorum regno percipere portionem, fagt eine ©pnobe gu gorlt 0 . 3. 971 ). 33ott ber Katedjefe ber alten Kirche, 5 . SB. bei ©ßriß, ift baS oben @e= Tagte aßerbings gang rtd)tig. Iß. **) Sur barf bieS rtidßt fo öerftanben merben, als patte Sutper bem Vtflorifdjeit tm Unter» ricpt felbjl, in ber ßrfläruttg bes Katechismus tc. eine bebeutenbe @teße eiitgeräitmt; Slugufitn pat (de catechiz. rud.) baS meit meljr gctpan, unb ber eigentliche Unterricht in bibltfdjer @e» fchidjte batirt fid) erft attS ber @peuer»graucfe’fd)ett tßeriobe. iß. itatedjefe. 881 .unb ©acrament. ®er latedjetifdje törper bed ©tjmbolumd gewinnt burd) ben ®efalog unb bie ©nabenmittel £anb unb guß, unb ed ift in biefer tßerbinbung ein ©runbriß gegeben für ein ©ebäu bed ©taubend, bad eine §ütte bleiben, bad aber aud) ein 5J3a= laft werben fann, barin ein ©tarier Raufet unb non Wo an« in ben ©arten ber ©djrift überaül)in mit SSerftanb einjutreten ift. Sd ift möglid), baß 3 e ^ ll 0 e 6 ot, ©lauben unb 35aterunfer and) f d)on bor ber Deformation in ben Käufern t)in unb t)er gelernt Wor= ben feien,*) aber gewiß ift, baff burd) Sutfyer biefe Seljrftücfe in iljrer gegenfeitigen bebeutungdreidjen Sejieljung wieber and Sidit gebradjt worben ftnb, non weldjer eine fpätere 3 £ it — ber über anbern SDingeit ober Unbingen ber SSIicJ für bad non Sutljer lebendnott Angelegte unb ®erbunbene abljanben getommen War •— afled 93erftänbnid bid auf bie letzte 2ll)nung nerlor, fo baß iljr ber tatedjidniud Sut^eri fo tief l;erab= finfen fonnte, bag fie benfelbett für uid)td weiter mel)r anfal), ald einen ber tobten Seitfäben, in bereu Sludfpinnuug fie fidj feitbem felbft fo frudjtbar gezeigt l)at. 3u ben tfjcild biblifdjen, tfjeild £ird)tid)en ©runbWorten ber fngenannten §aupt= ftüde tljat Sutfyer nun feine'rfeitd eine Srftärung. ®iefe Srflarung wirb fofort cnt= Werdet, wenn man fie aud bem ©efidjtdpuncte einer allgemeinen bibaftifdjen Srläuterung aufiel)t, fie oielmeljr angefefyen fein will ald ein Sßort, aud welchem erfannt werben foH, Wie bie ißerfönlid)leit Sut^erd fid) ju bem ©eyt ber fpauptftüde fteüt. 3n feiner Srflarung giebt Sr feine ©timme jur ©adjc ab, fein SSotunt unb 3< ; ngnid; unb beibed ift non biefem3 £ ugen nonSelang. Sr felbft fteüt fid) (nad) 2 SUiof. 13, 14) nor, baff Sr gefragt wirb: 2Bie lautet k. unb SBad ift bad? unb er antwortet bem entfpredjenb and ber Süüe feiner ©djrift= unb £ebenderfat)rung. ©o fe(jt ber tated)id= mud 8utl)erd nidjt mit einem abdtracten Seljrbegriff, nid)t mit einem Seljrftfid, fon= bem in aüererfter Sinie mit einer glaubenben ^3erfiinlicC>!eit in 23eriibrung, Welche ben fatedjetifdjen Snljalt ald il;r 3 £U 3 n i 8 wittfieilt unb nad) ifirer Erfahrung audlegt. £>ieburd) nerliert bie fated)etifd)e ^anblung fofort aüe ©djulmäßigfeit (©djolafticität) nnc Wirb bad Sebendjeugnid eined in traft ber ©djrift unb ber tirdjengenieinfdjaft fperoorragenben unb fe( 3 t feben einjelnen in bie aüernad)fte ©ebanfengemeinfdjaft mit bem, ber bed tated)idmud 5Sater felbft ift unb ber tirdje Deformator. — Unb wie und fo ©efefs unb ©laube in ber ©eftalt, wie fie ald ©fiter ber tird)e in £utl)er lebten unb aud ?utfjer fpredjen, gegeben werben ald Antworten auf fragen: fo ift nun eben= bantit ber 2lutaß angeboten, äum 9lnfd)luß unb in berartiger gWrm Weiter ju ge^en. 3n bem tated)idmud Ratten bie eöangelifc^en §anfer unb ©emeinben in ©e^ule nnb tirdje für bie in ifynen notbWenbig geworbene Unterweifung ben tern, ben fie nur brandeten fid) entfalten ju laffen, unb ben maßgebenbeu ©fern für bie gornt, een weldjer fie fid) nur brauditen leiten ju laffen ju Weiteren, höheren, feineren unb ebleren ©tufen. Sluf ©runb biefer Slnregungen warb in ben lateinifd)en ©djulen, weldje in unb nad) bem Sfefnrmationdjeitatter geftiftet Würben, ber Äatedjidmud Sutfyerd, bie Unterlage für eine melfr unb mein fid) aufftufenbe, entfaltenbe unb boctrinalwerbenbe Unterweifung, Wofür bie mannigfaltigften S3elege fpred)en, wie bie Catechesis öon ÜMand)tI)on, Urbanud Dljegiud, Sucad 2offiud, SI)t)träud u. a. unb gegen wetdje Sr. §elmboIbd Quadraginta odae catecheticae (Mulh. 1599), Weld)e Soacbim Don S3urg! in SOfufi! gefegt l)atte, nic^t fdjiißten. 2Bie man in unfern 3 e ü en ouf ben ©^mnafien eine ^itofoß^ifdfe -proßäbeutit oeranftalten ju müßen glaubte, fo legte man ed in jenen ©djulen auf ben oberen ©tufen bamald auf eine eigentliche tfyeologifdje )ßro= pabeutif mittelft ber Äatedjefe an. ©0 fd;reibt Urban Dl) e 3 * u8 fcfion in ber S3orrebe JU Sucad Soffiud tatec^idmnd boit 1540: Reliqui Catechismi, ut est meus et Phi- *) 3n ben Seidjtbüdjern bed 15. Sab^unbertd Wirb er fdjon febr ausführlich braftifdj erüärt. iß. (Pitaj. ttnc^flosnblc. III. 56 882 ■fiatcdjefe. lippi, sunt prolixiores et interdum nonnihil altioris Theologiae admiscent quam ut promiscue tarn teneris pueris prosint. lila autem t u a brevitas nemini impervia est. ©pater nal)m aber biefer tbeologifirenbe 3)octrinani«mn« nod) mel;r in ben £el)r= büdjern 31t, baS d)aratteriftifdje fpauptmertmal in fpinftdjt auf bie gorm, ba« gragen unb Sluücorteu', bedielten fie jjebod) bei. 3a 5Retand)tt)on unb Sodann ©pangenberg übertrugen biefe ©runbform fated)eti|d)er 33ebanbtung aud) auf ihre 23ibellectionen, »eld)e fie, ber erftere mit ber atabemifcffen Sugenb, ber anbre mit gefbrberten Abriften unterhielten, »ie benn and) SucaS SoffiuS ben Katedji8mu8 oornebntlid) als Ainlei = tung unb SSerbiibung für baS SSerftänbni« ber beit, ©djrift ertlärt. — 3n ben nieberen ©dpilen, fo »eit eS beren bamal« gab nnb fo »eit fie nad) unb nach entftanben, tarn eS gunäd)ft nur auf bie ßeremonie ber Jtated)i«mu«übnng nnb auf ein reidjtidjeS Sßerbören beS beutfdjen Septe« an, um ilpt angueignen. $011 geeigneten Iebrl)aftigen 2J?ännern, »ie 3ob- 5Ratl)efiu8, Sol)-unb Sprint ©pangenberg, »itrbe bann einige Sluälegung bagu getban. SlHmül)Iid) mod)te aber mit Slu«nal)me mandjer ©täbte unb Sanbfdjaften (cgi. Al)renfeud)ter <*• a - 0-) in betn ©rabe als bie eoangeüfd)e Äirdje gu einem mehr unb mehr gefieberten Red)t«= unb 23efi(3ftanbe gelangte unb tpeo= logifdje« ©egänf aud) bie beffern Äräfte binnab», ber fated)etifd)e Sifer, burd) »eidien bie 3itgenb bem Soangelio gu erbalten niept cergeblid) geftrebt »nrbe, nadjgelaffen haben unb nur nod) traurige Ruinen con früheren lebenSüoßen ®eranfta(tungen ntod)* ten nad) bem 30jährigen Kriege, als ©pener feine SBirffamfeit gu üben begann, übrig fein. ÜDiefer tebendtunßige 9)tann b atte in ©traßburg n. a. 0. erfannt, »eld) ein ©egen enthalten fein tonne in einer »ol)tangerid)teten 5tated)efe unb gugleid), »armn ber Arfolg ber bisherigen fo fiimmerlid) geworben. ©0 »irb er bei feiner ©leKung, 23eeiferung, Ainfidjt unb @efd)icflid)feit ber Regenerator ber tatedjefe baburd), baß er 1) ber feelforgerlid)en unb fird)(id)en Sbötigfeit beS ©eiftlidfen beftimmte Slrten oon Serf ammlungen fd).uf, in »eldjen ber ftatedpSmu« nid)t bloß cer= hört, aud)nid)t, »»bereit« corbem gefdjeben, im öffentlid)cn ©otteSbienfte beprebigt, fonbern in fated)etifd)er SBeife Cerbanbelt »urbe, bie fogenannten Äated)i«mu«= Spamina; 2) baburd), baß er ben im Äated)i«mu« Rttberi bargebotenen ©toff unter* rid)t«bolber a) biSponirte (ftated)i8mu8 = Säbelten), b) fatedjetifd) entfaltete (in feiner einfältigen Srttärung ber djriftlidjen Sehr), c) mit biefer feiner Application be= ftimmte biblifdje ©prüdje in ©erbinbung fe(5 te, »eiche tbeil« gum 23e»eifen, tbeil« gum 93e»egen bienen foECten; 3) baburd), baß er »efentlidfen Sinftuß auf bie 33 erbeff erung ber üated)etifd)en gönn bei ber miinblidien 33erbanblung ge»ann. Rid)t bloß bie fperabtaffung, greunblid)feit nnb ©ebulb »irb con bem Reformator ber Äatedjefe al« nottpoenbige« fitttidjeS Srforßerni« am ftatedjeten immer ftarf betont, cietfad) geforbert unb oorbitienb geleiftet, fonbern e« »irb in beutlid)er Ar* tenntni« unb beftimmter SBeife bie grage al« ba« unumgängliche Äunftmittel in ber tpanbpabung !ated;etifd)en Spim« begriffen unb für iljre ridpige unb g»edmäßige Slmcenbung con nun an ein fpauptimpulg gegeben. 33on nun an giebt eg ein erotema* tifd)e« Stbfel)en unb balß genug eine Arotematif ober eine Sedpiit ber grage. $>ie8 bieng mit bem fßietiSmu« auf baS innigfte gufamnten. 9Rebr als con ber ißrebigt ift für bie 33efeftigung beS frommen Sehen« oon ©emeinfamteit be« ©ebetS im fpietiämu« gehofft »orben; aber ba berfelbe fid; nicht cerbergen tonnte, baß alte« geiftlidie Seben in Al)rifto auf bem ©ritnbe einer Artenntnis (^brifti beruhe, biefe Artenntui« aber uotorifd) nid)t burdt) bie bamalige SBeife gu prebigen ge»edt »erbe: fo mußte man nad) einer anbern Unter»eifung«art fid) umtbun, al« bie bomiletifd)e »ar. 9Ran griff - bei benen, »etd)e man nid)t angufeben braud)te als ©clebrte, »eld)en gut prebigen i|d, fonbern al« Äinber am S3erftänbni«, gur gragmetbobe, b. b- ouf ba« naturge* mäßefte SRebium beim 3uftanbetommen lebenscoller ©eifte«gemeinfd)aft, unb gur Aonoer- fatiou. Unb »ie fid)crtid) bie gönn be« 33el)auptungSfa(5e« eine notb»eubige fprad)(id)e gornt für bie tßrebigt beS Aoangelium« ift, fo ift bie beS gragefa( 3eS bie uatiir- •Jratedjefe, 883 ließe, ftio auf bem ©ebiete beS ©ebanfenoerfehrS irgenb eine nadjweisbare AuSgleid;ung ju Staube femmen, b. I). «30 bie TOcßtmiffenben ober ÜRiditoerfteljenben jurn SBiffen unb 33erfteben geleitet «3erben foßen. ©ie Spener’fdje Satedjetenfdjule legt woßlbeWußt ein ©ewidjt auf bie grage, »eit fie ein SkrftänbniS baoon l;at, WaS fict> oon Stjrifti, ja öon SofrateS, ja felbft »on oielcr älteren grager 3 e ' ten h er mit biefem £>anbwertSgeräth im SBed;fel»ertehr ber ©eifter atifangen läßt. •— 3ft bie grage eine 3 atl 3 e f »er hat um ungefdjicfter An= «3enbung Wißen baS 3 Wedmäßige 3nftrument auS ben taufenb SBertftätten »erWiefen, wo man fie gebraud;t ? Unb bie grage ift toeber fpammer nod; AmboS, fonbern 3 atl 9» unb bei einem rechten Sdjmiebe finbet man afle brei. ©a eS galt, ben „SSerftanb, 9?ufe unb grud;f beS SatedjiSmuS" ju »ermitteln, fo mußte bie Äatecßefe wieber bibat- tifd; toerben, «3ie fie eS im ©runbe ihres urfprünglidjen SBefenS fd;on et)ebem War. Spener War fid; fel;r wol;l bewußt, Wie er als Äated;et nid;t foWot)I ißriefter als »ielmeht Sei;rer fei unb fdjämtc fid^ beffen nid;t, als man »on ihm in ©reSben fagte, ber Äurfürft -habe anftatt eines DberhofprebigerS einen Sdjulmeifter befommen. 5ft baS Sel;ren (9tem. 12, 7.) eine bem Shriftentßum "in^ärirenbe ©l;ätigteit, ber man nid;t entrathen fann: fo finb and; äße bem Sel;ren wefentlidje geraten an ihrem Orte im (S^riftentl;ume berechtigt. Spener ^at fid; barum aud; baS gragen nid;t nehmen laffen unb benjenigen Sdjulieuten, weld;e er in feinen „33ebenten" mit 9fath »erfießt, wiber= räth er baS gragen nid;t; e§ wäre and; Wunberlidj. Seine Äated;iSmuSeyamina finb nid;t Prüfungen ber Statedjumenen über bie Art, wie fie in ber Sd;ule ben &ated;iS= muS erlernt, fonbern Ausführungen unb Sntfaltungen beS in bem-SatedjiSmuS leimartig (Enthaltenen. Sr tonnte eS alfo nid;t unterlaffen, Wenn er lehrte, 1) ju gergliebern, 2) ju entwicfcln. Unb Wo wäre ein Seßrer ju finben, ber fid; mit feinen Sd;ülern ins SinoerftänbniS fefsen unb biefe ju einem ©egenftanbe ßeranbringen unb für benfclben gewinnen wiß, ber fid; biefer bibaftifdjen ©runboperationen begeben tonnte? ©urd; Spener erhielt bie Sbatecßefe ben »orwiegenb bibattifd;en Sharatter, b. 1;. biejenige ©eftaltung, »ermöge beren e§ auf Srlangung einer SrtenntniS ab= gefehen ift. Seit biefer 3 e 't wirb aus bem ©efcßäfte, we!d;eS fid; bie Äircße obliegen fah, nämlid; auS ber Uebertragung ihres SehrgehalteS im lebettSmäßigen AuS= brucf — eine Ingelegenheit ber Sdjule unb ber in ihr enthaltenen unterricßtlicßett Sun ft. SJiit biefem Stabium, in weldjeS bie Äatecßefe nach unb nach trat, fiel ju ihrem 9?ad;tßeile and; bie aus betannten ©rünben überl;anbnehmenbe 33eifeitefteßung beS pofi= ti»en ©ehalteS beS SßriftentßumS un ^ e '« e geftßaltung nur berjenigen üDtomente in feinen Sehren jufammen, wetd;e entweber beweisbar ans ber Sdjrift Waren, ober im 2SeWußt= fein beS aßgemeinen 9Jlenfd;engeijteS gegeben gu fein feßienen. 3n bem ©rabe, als bie Pfleger beS §eiligtßumS bie ihnen anöertrauten ©üter nid;t jn wahren Wußten ober ge= neigt waren, mußten e§ anbere leidjt haben, ißre bibattifd;e Sunft, Welche, infoferne fie bie UnterrebungSform beibehielt, aud; ben 9iamen tatedjetifd;e feftl;ielt, auf ben SRartt unb an ben SDlann gn bringen. S8 tarn mit bem SBefen ber Sird;e mehr unb mehr ins SKiSoerfteßen ober gar- jum 9üd)tmel;roerftehen, waS eine tateeßetif d; e grage ber Äird;e fei, b. ß. ein: ©egenftanb »on unermeßlicher SSebeutung für bie Äircße über bie djriftlidje @runbbit= bung ber Sinjelnen, unb man gieng mehr auf Srweiterung be§ Unterrid;tSgebieteS ein, als auf SEBürbigung unb iJSfiege »er wesentlichen Stoffe für bie Segung eines d;rifl= liehen ©runbeS »on SrtenntniS unb 2eben8erfal;rung. ©aber tarn eS, baß man, mehr ober weniger bie alten fatedjetifdjen ©runbbilber »on Suther unb S3renj gur Seite Iaffenb, fid; auf Anfertigung »on aflerhanb Seitfäben, Sateanbbücf;em nach eigenem ©ef^ntad unb angeblich gur Srleicbterung unb jeitgemäßeren S3etrei= bung beS Unterrien grage misoerftanb unb baS perfönlidje ÜDfoment Bon erheblicherer 23ebentung erfdjien in ber £>anbljabung, legte man fidj auf bie Unterrichts!unft unb bie fatedjetifdje UmgangSfunft. ©0 bitbete fidj ein SBiffen über bie Krforbenüffe ber Äatedjifirfragen, b. h* je mehr mau bie fadjlidjen Sarbinalangetegenljeiten fahren ließ, mibrnete man fidj ber ©efdjidlidjfeit, fragenb auf bie Bernenben eingumirfen unb in fpanbljabung biefer ©efdjidlidjfeit beftanb-fdjließlidj baS ©anjc ber fatedjetifdjen ütljätigfeit. 9öenn immer bie Satedjefe ein 2lbfeljen auf bie firdjlidje Konfirmation nodj behielt: fo mar fie bodj felbft in ber |janb beS KonfirmatorS eine UnterridjtSangelegenljeit, mie Bietmetjr erft innerhalb ber Sfäume ber ©djule! ®ie Äatedjetif, toeldje Borbem eine Partie ber praftifdjen S©h eD fogie auSgurttadjeit Berechtigt gemefen mar, fonnte nun mit größerem 9fedjte ihre ©teile in ber ÜDibaftif ober ÜDiettjobif fitdjen. Unb an foldjen, meldje bie fatedjctifdje Sitnft in biefent ©iune mit auSgegeidjneter 33oHenbung in 9Iu8= fiihrung 31 t bringen mußten, hat eS nidjt gefehlt. SBentt man ben ©ntmidhtngSgang, melden bie Äatedjefe bisher genommen, über* Blicft, fo muß man entbecfcn, baß man nunmehr erljebtidj anberS in ber ©ad)e fteljt, als urfbrünglid). S)ie itrfprünglidje Äatedjefe mürbe ebenfofehr auS 9JJiS0erftanb 3 ur ©eite gelaffen, als in golge beS 33eftreben8, baS oon ©pencr angeregt mar, nach meldjent theitS mehrereS in fie h' ne iugegogen mürbe, maS anfänglich nidjt in ihn ge» pflegt mürbe, t!jeit 8 ben 33ebiirfniffen ber Äatedjumenen meljr fftedjnung getragen mer* ben fohlte. ®ie nadjmatige 3 e ü, meldje in fpanbljabung beS UnterridjtS unb in ber ergieljerifdjen 33eftiffentjeit gegen frühere 3 e 'ten im 33orfprmtg ift, mußte in größerer ©emanbtljeit unb Slnfteüigfeit ben UuterridjtSgegenftanb bem ©efdjmad nnb bent 93e= bürfniS beS ©inseinen nahe 3 U bringen* unb fo ftehet bie ©adje im allgemeinen audj heute nodj. 9?nn giebt eS theitS unberedjtigteS Eßrioatmeinen, meldjeS in bie Bon ültterS Ijer Berechtigten ©runbformen djriftlidjen UnterridjtS, b. h- in bie Äatedjefe Ijltmtnfdjmaht, ohne baoon etmaS 31 t Berftetjen ober barin etmaS gu leiften, tljeitS ein gu feljr oorgrei* fenbeS ©taatsfentiment, mie in ben preußifcfjen 9?egulatiBen, meldje, ungeachtet ihnen bie fßftege alter tjiftorifdjen unb pofitioen Elemente djriftlidjen SebenS, alfo auch ber ÄatedjiSmuS fetbft, ernft am .fpergen liegen, hoch mit unhaltbaren Sleußerungen über baS tatcdjifiren 31 t Boreilig finb. SBotten unb fetten bie fftegulatioe mit einer 93ergangenheit nidjt bredjen, fo merben fie fidj and) ben Konfequengen berfelben nicht entgichen bürfen. 3Bie für bie fatedjetifdje SBelt Sutijer unb ©pener, fo tjaben auch hinter, oller unb Eßalmer nidjt nergebtidj gelebt, unb mie es um bie ©cfdjid* lidjfeit im Eßrebigen hoch etmaS ift, fo beljätt bie gefchicfte fpanbljabung ber Statedjefe ihren äBertlj. 2Bo man bah er Aufgabe hat, in eoangelifdjer SBeife unterrichten gu lehren, barf man fidj berfßflidjt nidjt entfdjlagen, biejenige Stunft gu pflegen, meldje auf bem 2Bege ber Unterrebnng gu djriftlidjen Srfenntniffen gu Berljetfen fudjt. 9)iag eS immerhin fein 9iedjt haben, maS ein einfidjtSooHer Äirdjenbiener (1841) fagt: 3Me 33erfünbigung beS SBortcS im gemeinfamen ©otteSbienft oerträgt fuh mit bialogifdjer gorm fdjledjthin i nur, infofern 9febe unb ©egenrebe, grage unb 3lntroort liturgifdj auftreten, mithin benn audj iljrem Snljalt nad) auf immer im oorauS feftgefteHt finb (Ko. fßajloralblatt für ©djtefien, 1841, 9?r. 1 . ©. 27 f.). — 2BaS bei ber firdjlidjen geier in ber Drbnung ift, ift barum uodj nidjt auf bie ©djule auSgubeljuen. ®ie ©dmle ift etmaS anbereS als baS gotteSbienftlidje Seifammenfein ber Srmadjfenen. 2Bie oljne alle SEBiberrece bie ©djule bie Eßflidjt Ijat, bie gäljigfeit Äatcdjefe. 885 ju djriftlidjer (Erfahrung unb bie Anfänge djrifttidjen SBiffenS nad) aßen ©eiten ^>in burd) äufüfyrung non ®efd)id)te, ©prud), Sieb nnb Sehre jn begrünten, fo ßat fie bad inbärirenbe 9 ?ed)t, biefe ©egenftänbe betrad)tuitgdmüßig ju burd)bringen unb 311 oertoertbeit, unb bied fann nur im 2 Bege ber Unterrebnng unb stoar ber serlegeuben (Erörterung unb erforbertidjen gaßd auf bem ber (Enttoidhutg mit (Erfotg gefdjeljen. ÜDf'ag bied mit biel ober mit toenig $unft Ooßbradjt ioerbeu, obnealleunbjebtoebeSebrfunft gebt ed nidjt bei bem, ber feinen unterrid)tlid)en 3toect oi^jt oößig oerfel)len miß. ®iefe lünftlerifd) e £b ätigteit in ihrer fßoßbringung ift bie Äatedjefe, unb bamit fie oerftanben toerbe, fo muff fie erlernt toerben. ®ie Äatedjefe midadjten ^eifft nidjtd. an» berd ald annebmen, ber Statedjidmud Sutl)erd toerbe Oon felbft SSerftänbnid unb 33 et)er= jigung finben, ober bieSebrenben für unfähig eradjtcn, foldjed ju betoirfen. 3 )ad erftere ift ungefd)id)t(id), bad letztere fauni richtig; toeuigftend müßten 93 erorbnungen öffentlicher 3lrt baranf audgeben, bie Selfrerbilbung in fold)em ©iune betoirfen ju taffen, baff fie im ©taube fei, bie Stufgaben 31t töfen, toeldje oon ihr ertoartet toerben müßen. ®ie &a» tedtefe bat in ber ©djule fo getoiß it;r 9 fed)t auf ber geeigneten ©tufe, ald bad ertoad)enbe ©eitlen ber ©djüler ©efidjtdpuncte forbert, toeldje nur auf fatedjetifdfem SBege in ge» meinfdfafttidjer SSoßjiebung mit beit ©d)üteru gefunben toerben mäßen, toenn fie Oon fReij, SBebeutung unb ©egen fein foß. fpieju bebarf aber, bie Sugenb ber fated)etifd)cn Scitung. Sie Sinridjtung ber Äatedjefe, toenn biefetbe feftgebalten toirb atd eine unter» ridjtlidje gunction aud ber Äirdjc jur Uebermittelung ihrer (Erlenntniffe an bie Uniuünbigen, beftimmt fid> battad), ob fie mittelbar burd) fie ooßjogen toirb ober unmittelbar. (Ed toar in ber erften ßUt ber Sfeformation in ber 2 ß)at ben eoangeli» fdten gamilien angemutbet, ben fatcdjetifdjen Sienft ju tl)un für bie fird)lid)e @e» meiufd)aft, tote bied aud Sutl)erd fteinem ÄatedjiSmuS ju erfetjen, unb eben biefer £)b= liegenbeit bed tpaufed gebadjten Sutt)er unb SBreng burd) bie (Einrichtung, toeldie fie ihrer Sfated)cfe gaben, Ijülfreid) entgegen 31t fomtuen. (Ed tourbe biefetbe in bie cinfadjftegorm bed ®eff3räd)d ftereott)fnrt, in toeldjem ber grager atd beseitige gebadjt ift, toeld)er l'ird)tid) 3U belehren ift.*) 2 Tcit bem 3uft-’ unterftüfcenb entgegen. 3 n biefer paftoraten Unterweifung hat fich bie Slbfdjattung ber theologifdjen ©djuletv 888 ■ftatcdjefe. beiten tote geiftlidjen Sekret - entftammen, immer bemerllidj gemalt unb danach mag ed eine Sleinharbifirenbe u. f. tu. gegeben I/abeit. ©umgreifend ift biefe garbung nidjt gemefeu, fomenig als bie mmtberlidje 3 bee bed f fßaftor ißudjta, nadj melier, je incorrecter bie jyragefteUung beim Äatedjifiren ift, fie um fo beutlidjer für bie Iänb = tidjc SBebölferuttg um Slugdburg feitt foö. ©ad ift nidjt mehr bad Stieberfauern, meldjed beit ^Philanthropen ehemals 311111 Vorwurf gemalt mürbe, bad ift'ganj gemöljit» lidjed SSerbauerit cer paftoralen ffiatedjefe; 2 ) als Sonfirntanbenuuterridjt. 3 it biefer fatedjetifdjen gunctioit hat ber ©eiftlidje gatt3 beftimmte ©djüler, um fie 31t beitt gan3 beftimmteu 3 mede, "mldjen bie Konfirmation in fidj fdjließt, gelangen 31t laffen. 3 ) als befoitbere fcelforgerifdje pflege. ®te Äatedjidnmd=(Spamina ©penerd maren bergleidjen Stete, unb halten mir fie, in angemeffener 2 Beife reit einer geeigneten ißerfönlidjteit »ermattet, nodj eben fo feljr arnfpiafeunb 001t ©egen, mie bie gegenmartig meljr öerbreiteten fogeitaitnteit „ 23 ibelftuitben". Heber bie smetfnmßige Sinridjtung ber= artiger geiftlidjer Untermeifung in latedjetifdjer fform I;at bie SDiöcifjlin ber praftifdjeit Sfieologie bie maßgebenden SBeftitnmungen 3U ermitteln, nidjt aber bie allgemeine ©ibaftif.— SJf-omeitt int Sitltnd famt bie Slatedjefe nur in ber Vorfeier ber Sott» firmation8l;anbluitg mcrbeit. lieber bie ©djmierigl'eit ihrer Gcinridjtung ffjrid^t ficdj ber öerftorbene ®en.=©up. Stibbed in feinem fßaft oralblatt 1841 , Sir. 1 , ©. 27 ic. mit großem SS'ebcnfeit and. 3 fl fnemit bie (Sinridjtung im allgemeinen angebeutet unb muß SHtljered hierüber in fatedjetifdjen ^janbbüdjern nadjsufetjen überlaffen bleiben, fo fdjeint ed liier nur nodj auf eine 93 efdjreibtntg, mie ber tatedjetifdje Sleiitbienft, mir meinen bad Siitjelne im unterridjtlidjeit Dperireit einsuridjten fei, attjulommen. Snbeffeit aber bad Srflären, Serfimtlidjen, SBemeifett, Slnmenben fittb Serridjiungeit, meldie auf allen anbent unterridjt» lidjen ©ebieteit Oorfoittmeit, unb bad fragen einfdjtießlidj bed Slntmortend ift nod; meniger eine fpecififdj fatedjetifdje SKngelegenljeit. ®ie Südjtigleit unb bie Slngemeffeutjeit bed fragend finto rein fpradf>Iid>e unb allgemein bibaftifdje Momente, fo baß mir und auf bie= felbett an biefer ©teile einjulaffen nid)t für befugt eradjten. 2Bie berjenige, meldjer lel;ren min, »or allen ©ingett im ©tanbe fein muß, richtig 3U fpredjen, fo muß ber Äatedjet ridjtig ju fragen unb jur Slntmort fidj angemeffeit 31t »erhalten oermögeit, menn er fein fate= djetifdjed ©efdjaft beginnen miH. 6d gehört bied 31t beit 33 orbebinguugen, meldje nidjt fpecififdj fatedjetifdj, fonbern allgemein bibaf'tifdj finb. ®d mar baljer bie tBerfeljrtheit, bie allgemeinften Forderungen ber ©ibaftif atd fatedjetifdje ©pecialerforberlidjfeiten öersu» führen, eben fo groß, mie bie mar, in meldjer man bie gefammte erotcmatifdje Unter» ridjtdform, modjtc fie in Ülnmeribuitg gebraut merben auf meldjen ©toff ed immer mar, bie fatedjetifdje nannte. SBir müßen baöon abftebeu unb öermcifen auf unfern Strtifel: fragen unb 2lntmorten. ©djließlidj bie 93 emerfuitg, mie man beobadjtet 31t haben glaubt, baß auf blühende unb fruchtbare iprebigerperiobeit ein Slttfblüljen ber Äatec^efe feit ber ^Reformation 31t folgen pflege. Sffiad hätte Ijienadj nidjt bie ftatedjefe 3U I;offen! — ©odj miß man be= merlt haben, laß ielbft in gebildeten Sebettdlreifen litlaß, Steigung unb ©efdjicflidjfeit gu fehlen beginne, eine geordnete Unterhaltung 3U führen, nidjt meniger eine gehörige afabeutifdjc © i d p tt t a t i 0 it 31t halte«, memt fie nidjt bloße Äontöbie oder ©piegelfed)terei fein foH. ®ie gertigleit in ber parlam entarif dj en ©ebatte ift geftiegen; bad Vermögen gemütljüotlen Seljrgefprädjd (Äatedjefe) ift gefunlen. — §offeit mir, daß im©efoIge bed gefteigerten Vermögend fomol;! ber gühvung meltlidjer ©ebatte ald attd; der geiftlidjeu 3 lnfprad;e und -predigt fid; attd; mieder die greube an dem 2ln» giehenbcit, ©eminnenden und Itebei^eugenden einftetten merbe, meldjed mit beut bated>eti= fd;ett ©ialog oerbundcit merben fann. Sd ift nidjt 31t 3m ei fein, daß bie gebildete djriftlidje Sefirerperfünlidjleit, je mehr fie fidj iit ihrer Aufgabe begreifen mirb, fid) ber §ornt, durch bic fie im ©taube ift, nidjt bloß 3U sengen non Shrifto, fonbern aud) 3« übersengen und ber Äraft, ihrer gait3en SBirffamteit im Sebett nadjljaltigen Sludbrucf 3U .ftatcdjefe. J'atcc^cttf. 889 ju gefeit, wieber erinnern werbe, nämlich ber Äatedjefc, b. i. ber Souoerfation int Sienfte geifilidjer Srtenntnis unb Srweifitng berjenigen SiebenSwiirbigteit, Weiche bent fpernt ©eelen gewinnt. SB. Spilo. ®atC(f)Ctif. — Sa bie 3Irtilet $atedj efe, Äatediifiren, fatedjiSntuS ba§ SRaterieBe berjenigen ©egenftänbe bepanbeln, bereit SBiffenfdjaft bie fiatedjetit ift, fo fat gegett= wärtiger SErtitel nttr barin bie übrigen nodj 51 t ergangen, baß er biefelbe als 2Bijfen= fdjaft uitb jwar oorneljmlidj Ijiftorifd), Wie fie itt ber Literatur oertreten ift, ju turjer Ueberfcpau Oorfüljrt. Ser SRame ßatedjetit ift in bent ©inne, in Weidnern wir batnit eine tljeologifdje — SBiffenfdjaft begeidjnen, nodj jicmlidi nett, Weil bie wiffenfdjaftlidje Sluffaffung unb 33e= Ijanbtmig ber ftatedjefe felber nodj leine pmtbert Saljre alt ift. 2Bir lernten wopl fdjon auS bent Anfänge be§ 17. 3al;rl)unbert§ ein theologia cateclietica (oon 3op. Jpeinridj Sllfteb, §attnooer 1622); unb fdjon Srojjenborf tjat eine methodus doetrinae cate- elieticae gefdjrieben (bie ßnt einem feiner ©epilier, SDiortin SaburnuS 1570 IjerauSgegebeit würbe); aber baS Waren utdjt ©griffen über bie tatedjetifdje Se^ruietI;obe, fonbent eS waren SarfteEuttgen ber djriftlidjen Se^re felber, wie ja überhaupt bis auf ©peiter bie ridjtige Ueberlieferung beS SeprjtoffeS, nicpt aber bie babei anjuwenbeitbe formeEe Si= battit baSjenige war, worauf ntan ba§ Slugenntert richtete. Saß baS ltnterweifen int (Eljriftentfyum eine ßunft fei, baß es aEba funftregcln gebe, beffeit würbe man fidj erft int patter SBaifettljaufe bewußt; bie prattifdje Hebung mußte oon felbft barauf führen. Saljer erhalten wir fofort — außer beit btoß ftofflidje u Sttrbeiten — nur erft prattifdje Slnweifungen; eS ift nidjt bie Satedjetit, fonbent baS Äatedjifiren, nidjt eine 2 Biffen= fdjaft, fonbent eine Sedjnif, bie man nunmehr cultioirt. (^ebinger, „(Erinnerungen, bie ltnterridjtung ber 1. 3ugenb betreffenb" 1700. 9?eu l;erattSgeg. Don ©taib, Sübingen 1858. ©eibel sen. „beutlid;e SInWeifung ptn ftatedjiftren" 1708. SR a mb ad), „ber woljlunterridjtete Äatedjet" 1722. ©eibel jun. „in ber Srfapruttg gegrünbete 3lnwei= jung, weldjeS fie Wapre SRetpobe 31 t tatedjifiren fei“ 1742. ShtbbeuS, fdjon 1729 geftorben, tatedjetifdje Geologie, perattSgegeben Bon gwifd) 1752.) SaS SluffteEeu Bon SRegeln, bie ber (Erfahrung gemäß als gwedbienlidj erfannt würben, bereu $eunt= nid unb gefd)idte Jpanbpabung ben tiidjtigen Äatedjeten auSmadjte, blieb audj nodj in ber fjolgegeit eine häufig gebraud)te SBeife, bie fatedjctit gu bepanbeln; logt. 3op. Sßet. SRiller, „SlnWeifttng §ur Äatedjifirfunft" 1770 unb beSfelben „uneittbeprlidjfte Sxetttpel gum leidjten, faßlidjen, erbaulidjen uttb angenehmen Äatedjijtren" 1778. 3. @. 9io= fenmitller, SInWeifung gunt tatedjifiren 1780. ©pater finb biefe ©djriften aEe oer= brättgt worben bnrdj 35 int erS oergüglidjfte SRegelit ber ^atedjetif 1802 (f. b. 2 lrt. Sinter, 33b. I. ©. 954). Sin fdjwadjer S3erfud> gang gleicher ©attung' ift noch bie 1827 erfdjienette „Äated^etcnfd^ute" Bon Wartung. Sine Wiffenfdjaftlidje Raffung unb Haltung paben aEe biefe Arbeiten nidjt, weint audj bei einäelnen SRännern, wie namentiid) bei 3.3. üiambad), bie ffSrämiffen baju mehr ober Weniger ju Sage liegen, ©inb bie Söerte Bor ©pener eigentlich nttr ÄatedjiSmen geWefen, fo finb bie nad) il)nt erfd)ienenen nur Einleitungen jur ßunft beS fatediifirenS, nidjt aber Wiffenfdjaftlidje SarfteBititgen ber Satedjefe al§ einer orgaitifdjeit fjunbainentalt^atigfeit ber Mrcpe. SRodj Weniger freilich 'f 4 baoon in ber alten uttb iit ber mittelalterlidjen Sirdje ju finben. 3n jener, Wo bie Äatedjefe nur bie ©djweBe ift, über Weldje ber fßrofelpte jur Saufe geführt wirb, finben fidj außer eingelneu Sentiitalen ber tatedjetifdjen ^3rapiS (b. h- außer ben für Äatedjumenen unb Säuflinge beftimmten SRebeit ber Äirdjenoäter, wie beS SpriE Bon 3erufalem, bes SßaflliuS, beS ShrpfoftomuS, unb ben ju bentfelben 3'^^de beftimmten liturgifdjen 3tnfpradjen in ben röntifdjen ©acramentarien) nur einige wenige prattifdje InWeifitngeit, wie namentlidj bie in ben apoftolifdjen Sonftitutionen lib. YII. cap. 39 — 41 gegebenen SSorfdjrifteit über ben 9eprgang, unb bie clafftfdje ©djrift SluguftinS de catechizandis rudibus. (Se^tere ift nod) 1828 unb 1829 Boit bem Srjbifchof ©ruber Bon ©aljburg feinen 33orträgen über Sateäjetit im bortigen )f3riefter= 890 .Äatcdjetif. femiitar 31 t ©runbe gelegt merben). ©a 8 Mittelalter fofort, ba eS feine längfte ßeit ijinburdj alles aitbre elfer tl;at als fated)ifiren, beburfte luoljl fteter Mahnungen, bodj menigftenS baS Minimum 31 t leiften — ben Äinbern baS Credo, baS 23ater Unfer nnb Ave Maria ein 3 U))rägen, aber eine Äunftlefyre War ba 3 n nidjt erforberlid). 2Ba8 in fpäterer 3^it int 3ufammenfyange mit bem 23eidjtinftitut gefdjefyen ift ( 3 . 23. ©erfouS ©ractat de parvulis ad Christum trahendis) bariibcr f. b. 2lrt. 23eid)te. Sine nidjt blofj tedjnifdje, fonbern tütffenft^aftlidje 23eljanbluug tjat bie Äatedjetif erft ju ber 3 e ü erfahren, als man hon ©eiten ber i|3l)ilofopIjie auf fie anfmerffam mürbe — ga «5 äljnlid), mie eS and; ber Ißäbagogif ergangen ift. Srft öon ba an begegnet unS and) in boüer ©elbftänbigleit ber Dlame Äated)etif, ber 3 Uöor entmeber allerlei prattifdjeren ©iteln fyatte fßlat3 laffen ntüjfeu , ober menigftenS nur als 23eimort einem Ipauptmort (catochetiea sc. theologia, doctrina, methodus) jugeljört tyatte. 68 mar bie ftantfdje ©diule, bie, mie ber ipäbagogif, fo and; ber &ated)etif il;re |>anb bot, ebenfofefyr um fie auf pljitofopl)ifd)e Äategeriecn 31 t [teilen unb in iljre Selp-en ein inneres @efe(j gu bringen, als and), um 3 ugleid) bem 3nl)alt ber $ated)efe burdj Äantfdje )}31)ilofopl)ie auf 3 ttl;elfen; fyatte bed) Stant felber eS nidit üerfdjntä^t, feiner ©ugenblefyre ( 1797 , ©. 163 f.) eine etl)ifdje ©itaftif beijugeben, unb in biefcr (©. 165 ) einen moralifdien ÄatedjiSmuS „als erfteS unb notljmenbigfteS boctrinaleS 3nftrument für ben nod) rofyeu 3ög!ing" 3 U poftuliren, öon meldjem Sated)iStnuS er fofort and; ein 23rudjftücf 3 m: fßrobe öorlegt, baS freilid) nur ben Söertfy eines SuriofumS Ijat. 97ad) ÄantS 3beeit bie djrifttidfe Äatedjetif 3 U bearbeiten, mar ber mit 23el)arrlid)feit unb UeberseugungStreue auSgefiityrte fßlan beS ©öttinger fßaftorS 3. g. 6 . ©raffe beftimmt. (©runbrijj ber allgemeinen Statecfjetit nadj &antfd)en ©runbfätjen 1796 . 23eKftänbigeS Seljrbud) ber Äatedjetif nadj fantfdjen @runbfä( 3 en, 3 23be., 1795 — 1798 ). ©a mürben benn 3 . 23. bie ©attungen ber fragen nadj bem ©djema öon Quantität, Qualität, [Relation unb Mortalität eingekeilt; eS merben bie Sigenfd)aften ber SBärme ic., bie eine Äatedjifation fyaben foll, aus ber Stantfdjen Seljre uon ben ©efüfylen abgeleitet, gemäjf ben ißrincipien ber Moral, ben 8 el)ren öoit ber greil;eit, üom rabicalen 23öfen k. foll ber Äatedjet auf bie Neigungen ber Äatedjumenen beftimmenb eittmirlen, foll in iljnen baS ntoralifdje ©efüljl, bie unbebingte Sldjtung öor bem @efe( 3 e bergeftalt medeu, baff fid; hieraus baS religiöfe ©efüljl bilbe. ©aS gleiche Urtljeit, baS ber Stantfdjen ©riiubuug aller [Religiofität auf Moralität, unb bie ber Moralität auf ben fategorifdjert Smperatiu gilt, trifft eben bannt and) bie ©räffefdje Äatedjetif. ©er fjortn nad) meniger abhängig öon Äant, als ©räffe mar, aber audj meit meniger rudfidjtSöoll gegen baS djriftlid)e ©ogma 3 eigt fidj bie Äatedjetif öon ©aub ( 1801 ). Sr mißt mit 23efeitigung ber trabitionellen 5tird)enlef)re nur bie auS ber 23ernunft entfprungenen begriffe oom Slbfoluten bem Saling mitgetljeilt miffen unb 3 mar fo, baß aud) baSfenige, maS ben felbe aus fid) felbft nidjt ju nehmen im ©tanbe fei, maS iljm alfo gefagt unb oon il)ut bemalten merben infifje, bod) ifjm fo als feinem eigenen ©enten eirtfpred^enb 3 U crlenncn gegeben merben foll, baff eS öon iljm burd) ©elbftttiätigteit Ijeröorgebradjt fein tonnte — gemäS berjenigen ©fyeorie ber Qffeitbaritng, moruad) fie 3 mar in ber ®efd)id)te früher aufgetreteu ift, als bie Menfdjljeit öoit felber auf foldje SrtenntniS gctommen märe, aber bod) nid)tS enthält, morauf bie Menfd)t)eit nidjt in irgenb einer 3 eit aud) öon .felber t)ätte tommen tonnen, ©aub miß, um öom leidjten 3 um Sdpoereren öor 3 ufd)reiten, 3 uerft in einem [RedjtStatedjiSmuS bem Äinte bie 3'öangS* pflidjten 3 um 23emuf)tfein bringen, bann in einem ©itgenb= unb einem9ieiigicnSfated)tS= muS bie ©ugenbpfliditen unb bie (Religionsbegriffe. — Qbmol)l ebenfalls öon Äant auSgel)enb, l)at bagegen §. 6 . ©d)mar 3 in jpeibelberg, eine Sal)n betreten, bie il)tt bem fßofittüeu unb Stird)(id)en öiel näl)er brad)te. (Äaledjetit, ober Einleitung 3 U bem Unterridjt ber Sugenb im Sl)riftentf)um, ©iefjen 1818 .) 97a^ einem erften ge= fd)id)tlid)en ©l)eile folgt bei it)m ein jmeiter, tl)eorctifd)er, unb ein britter, prattifdier ©l)eil. ©er 3 meite beleud)tet bie d)riftlid)e 3Migion iiberl)au|Jt als ©egenftanb für bie ifatcdjetif. 891 Belehrung ber 3ugenb (^Religion atd ©egenftanb ber 33itbitng. Sntwidfung berfelben nad; cem Sebendalter ec.); ber britte enthält bie DJlethobif; juerft bie Bilbung gur Religion nad; ben brei ©eetenbennögen, Wo bettu unter ber Kategorie beö ®rfenntnid= bermögend bad Äatcdjifiren feinen ißla(} finbet — alfo an einem bejieljunggweife unter» georbneten fßlage badjenige, Wad bei Dinter bie ganje Äatedjetif audmadjt •—; bann bie S3ilbung jur Sfeligioit nad; ber 3 e itf°Ig e ^ e8 jugenblid;en Sllterd; unb enbiid; ber religiöfe Sugenbunterridjt im Oanjen, b. I;. bie 23eleud;tung ber Berhältniffe, Worin |jaud, Sfirdje, ©d;ule ec. ju jenem flehen. — Damit War, ob aud; nod; in leifem Done, bod; einmal bie Slird;e wieber genannt, bie bon ben Geologen nicht minber als bon ben ißabagogen feit lange bergeffen War; baß bie Äated;efe eine Sfiatigfeit ber Jfird;e unb für bie &ird;e fei, bad hatte felbft bie ©penerfdje ©d;ule über ber ©orge um bad ©eetenl;eil ber Sinjelnen überfel;en. Der DJfann, welker biefen Bund feft iud Sluge gefaßt, weldjer Don biefem Bauet aud bie ganje Geologie ind Sicht ge« fegt hat, ift ©d;leiermad;er. Sßie er in feiner „titrjen Darftetlung bed tl;e'ologifd;en ©tubiitmd“ (2. Slufl. 1830) ber praftifd;en Sljeologie ihren S^renßlag neben ber pl;i= Iofopl;ifd)en unb ber Ijiftorifdjen binbicirt unb baburd; fie felber erft in ihren 9iang als 3ßiffenfd;aft eingefegt hat, fo I;at er innerhalb ber praftifdjen Geologie ber Äa= tedjetif ihren Ort angewiefen atd „Sltjeorie ber jnr Organifation bed Kirdjenbienfted gehörigen, auf bie Unmünbigen in ber ©emeinbe jn ricbtenben Süjätigfeit." ©o war bie Äated;efe nidjt mehr, Wie bei Dinter, eine ©djulmeifterfunft, bornehmtid; beut $wecfe ber Stufflärung bienftbar, fonbern eine Sebendfundion ber Äird;e, unb barum aud; bie 5fated;eti£ nicht bloS ein Dlegelwerf, fonbern eine 333iffenfd;aft unb jWar eine tl;eo!ogifd;e. Oer Bäbagogif, ber ©djulfuttbe wirb jwar bamit uic^t bad 9fed;t ge= nommen, bie Äatedjetif aud; ald einen ©heil iljreS ©ebietd anjufe^en; ed ift unleugbar, baß, wer Äated;et fein Will, aud; Babagog fein muß. Slber wofern bie Bäbagogif eine djriftlidje, eine fird;lid;e fein wiH, fo fann fie aud; bon il;rem ©tanbpunct aud 31 t feinem anberen Srgebniffe gelangen, als baß bie religiöfe Unterweifung ©ad;e ber Äird;e, unb aud; foweit fie nid;t non ben amtlid;en Organen ber &ird;e unmittelbar bewerffteHigt wirb, b. h* foweit fie ber gantilie unb ber ©d;ule anl;eimäugeben ift, bod; im (Sinflange mit ber Stirdje ftel;en unb barum unter ben Slugen berfelben bor fid; gehen muß (ogl. b. Slrt. Äirdje). Semerfendwerth aber ift ed eben bedhalb, baß ber erfte, ber Dort biefem ©tanbpund aud bie Äatedjetif grünblid; unb bollftänbig als wiffenfd;aftlid;e Didciplin, als $weig ber praftifd;en Ökologie burd;gearbeitet l>at, ein fat^olifd;er S^eolog, 3. 33. tpirfd;er ift. („ftatedjetif, ober: ber 33eruf beS Seel= fergerd, bie il;m anbertvaute Sugcnb im ©I;riftentl;um 3 U unterrichten unb 31 t erstehen", Tübingen 1831. ©eitbem nod; biermal neu aufgelegt). §irfcber l;at 3 War bie @ran 3 e 3 Wifd;en ber Sated;efe unb ber (äqieljung uid;t fdjarf genug iud Singe gefaßt, ba^er and; bad @eelforger!id;e 3 U feljr mit bem tated;etifd;en 3 ufammenfließt; aber feine Sluffaffung unb ®iutl;eituug bed galten ©toffed (I. 9J?ittl;eilung bed SBorted; II. burd; ben Äatedjcten bermittelte 33 oH 3 iel;ung bed SBorted) madjte ed um fo fühlbarer, auf Weid; einem befd;ränften unb 311 fal;len 33oben fid; «Diejenigen Umtrieben, bie immer nod; bad ganje üßefen ber Äated;efe ind Äate^ifiren, ind ©ofratifiren nad; Ointer’fcheit 333eife festen. Oal;er nimmt bie Satechetif bon £h' er ^ a( ^ (1830), bie in biefem gormalidmud bei totaler ©leid^giUtigfeit gegen bad fpecififd; fated;etifd;e Sel;nnaterial berbarrt, eine fet;r untergeorbnete ©teile in ber @efd;id;te ber Satedjetif ein, obgleich in SSetreff ber fpanbtyabung ber Unterrid;tdform immer etwad baraud 3 U lernen ift. 9loitt er bamit etwad', Wad bie Slatedjetit ald eine ihrer Slufgabett anjufehen fiat; aber fatedjifirt ift bad fo Wenig, bajj, wer jenes redjt gut ju ©taube bringt, möglicher SBeife im Wirflidjett Äatedjifireit wenig @Iüd tjaben fann. ©ad lieber* wiegen bed formell ©ibaftifdjen im 33egriff bed ÄatedjifirenS Würbe und faft beredjtigcn, in biefem Slrtifel bon bern djrifttidjen Snljalt unb firdjlidjen 3 'rcer Kontemplation unb SUfebitation erWadjfen iljm 2Infd)auuugen unb (5infid)ten, ©efüplSeinbrüde unb SBiCtenSbewegungen, bie eS tpatfädtüd) begeugen, baß in fold)eitt SBort Sehen ift; ber 33ud)ftabe Wirb ipnt tebettbig, wirb ©eift. Ser ©djiiler aber, ber benfetben ©ewinn erlangen foK, pat gunäd)ft an feinem Seyte nur einen @e= bauten (ober eine ©ebantenreipe), ber ipnt gwar, weil im üffiert auSgebrüdt, fd)on an ftd) meljr ober toettiger uerftänblidj ift, aber ben er bcd) gleidjfatii nur erft Bon außen fiel)t, ben er int allgemeiuen Bon auberem unterfdjeiben tattn, aber oljne barin nod) ben 9teid)tl)um an Söaljrpeit gu erfeniten, ben ber S?et>rer barin gefunben. 2Bie wirb er nun beSfelben tpeitpaftig gemadjt werben? 0l;ne 3toeifel nur baburd), baß toie il)tn alle Sernftoffe in it)re (Elemente aufgelöst toerben müßen, bamit fie fid) in feinem ©eift auS ifjren (Elementen neu erbauen, fo aud; mit bettt Seyt eine Slnalpfe borgenommen wirb, bamit erft baS (Eingelne gefaßt Werbe, unb bann bttrdj ©pntljefe and ben eingelneu Seyt* beftaubtpeilen baS ©ange als ein nun burdjfdjauteS fic^ reprobucire. Stber biefe 9te= probitction ift bei bem ©egenftanb, ben ber Slated)et — unb unter allen ©attungen bon Seljrern nur er— bor fid) pat, nid)t bie bloße 3 u f a wwenfe(3ung einer auSeittanber= gelegten SDtafdjine, bon ber man nun bie 33eftanbtl)eile unb bie SIrt ipred 3 u f am »wn* WirfenS lennen gelernt pat, fonbern, Wie bem djriftlidjert S?el;rer— ber ja nad) SDJattp. 13, 52 als eitt §auSbater aus feinem ©d)ape SUteS unb 9?etteS'peroorlangen foH — bei feiner’ SEftebitation über ben Seyt biefer unter ben §änben fid) aitSbel)nt, aus ben £muptbegriffen eine EDlannigfaltigteit bon Momenten l)erborfd)immert, bie Seyt= gehanten mächtig perübergreifen in baS concrete Seben: fo pat er aud) beut 3ögling baS Sluge gu öffnen, baß er in einem Sßorte cpriftlidjer SBaprpeit, je primitiuer eS ift — unb nur fotdje, b. p. @djrift= unb StatedjiSmuSworte finb würbig, Seyte gur Stated)ifa= tion gu fein, Wäl)renb baS Äirdjenlieb nur unter großen SSefdjräntuitgen für benfelben 3wect berwenbet Werben fann — um fo ntepr nic^t ein fteinerneS SEUonument, eine 3ufd)rift aus grauer SBorjeit, fonbern eine frifdje Duelle bon peilbringenber 325aljrlyeit ertennt. Ser 3ögting muß alfo, wie wir gufanmtenfaffenb nun fagen tonnen, in ben Seyt pinein= unb auS bentfelben wieber l)erau8gefül)rt Werben, perauS ins Sieben, in fein eignes Wie in baS gemeinfame, aber fo, baß er bie Ausbeute, bie it)m jener ge= wäprte, itt biefeS mitnimmt unb baburd) bes SBertpeS, ben jener (ErfenntniSguwadjS für il)tt pat, ftd) bewußt wirb. ©o Ijaben aud) wir gwei Operationen gefunben, bie jebe Äatedjifation in ftcE) fd)Iießen muß; Wir tonnen fie, Wie fid) fogleid) geigen Wirb, mit ben feit Sinter iib= lidjen üftamen beS 3 er g^ e t>ernS unb beS GntwidelnS begeidjnen, nur freilidj mit ber Staufel, baß beibeS für uns eine anbere 33ebeutung pat. 33orerft, um bieS beläufig gu bemerfen, fallt uns biejenige ©attung Bon Statedjifationen, bie bei Sinter (f. feine „Bor= güglidjften Siegeln" 6. Stuft. ©. 28. 94) ber gergliebernben unb entwidelnben nodj als eine britte folgt, bie eyamitttreube („Eßritfung ber Straft, -Prüfung ber Äenntniffe") gänglid) weg; benn entweber ift baS (Spanten ein pures Slbfragen beS ©eiernten, woburdj man ftd) übergeugett Witt, ob baSfetbe im ©ebädjttiiS feftfipt unb ftetS beiberfpanb ift: bann ift bie gange SProcebur tein Äated)ifireit mel)r; ober aber tann id) gwar als (Syaminator eine Äatedjifation als SJtittel gebrauten, um ntid) über ben ©tanb ber djriftlidjen <5r= tenntniS unb Senffäpigteit inS Älare gu fefeen, aber bie ftatedjifation felber ift um biefeS fpedeCten @ebraud)S Willen teilte wefenttidj anbere, als fonft; frage id) aud) oiel= leid)t ttad) einigem, nad) Wa8 ber orbenttidje üetjrer nidit fragen Würbe, Weil er weiß, baß bie Stinber eS Wiffen, fo ift beffen bod) BerpältniSmäßig Wenig; aud) in ber regu= lären ffiatedjefe werten bie Sinber BieleS gu fagen aufgeforbert, Bon bem ber Seprer entweber fid) nur Wieber übergeugen will, ob fie eS nocp wiffen, WaS alfo momentan aud) ein Syaminiren ift, ober Bon bem er red)t wopl weiß, baß fie eS wiffen, eS foU aber, wie ein SSetenntniS, taut au8gefprod)en werben unb baburd) int Sewußtfein 896 ■Äatcdjiftrcit. ber Äiitber haften. 3ft eS bodj felbft bei Prüfungen oon fiel h°h ere,n ütattge, 3 . 58. bet Slbituricnten* unb Saitbibatenprüfungen, gettjijj eitt 80 b fiiv beit Kpaminator, weint baS Kolloquium einigermaßen bett Kljarafter einer ftatedjifation Ijat, fo baß bie Kya* ntinanbett fidj »ietmel;r an einem ©efprädje beteiligt glauben, aus bent fie itodj etwas lernen tonnen. Sine befonbere Klaffe alfo fann aus ber epamittirenben Slatedjifation nidjt gemacht Werben. 5ffientt aber 3)üiter uttb feine ©djule (wie nodj allerneueftenS ber Slrtifel „Satedjetit" in ber 3 U Seidig bei ©cfjäfer anonym erfdjieneneit ©ncijftopäbie ber ißabagcgif tljut, welcher auf bie' naiofte SBeife lüdjtS als einen wörtlichen 5!luS= jug auS ©inter’S „toorgüglidjften üiegeltt" giebt, ohne aßer fein Original 3 U nennen!) 3er= gliebern unb Kntwideln unterfdjeibeit, fo nehmen fie für biefe beibeit ^hätigbeiten ganj oerfdjiebene Objecte au. 3 ev 86ebert Wirb ein ©ept, entwidelt aber wirb beS ©djülerS eigenes Oenleit, bah er KntWideln im Wefentlidjen burdjS 2lbIoden bewerffteHigt wirb, bent nur ein präparatorifdjeS 3 e degen ber begriffe oorangetjen muß, bamit baS Object nidjt bon oorn herein itnflar oorgefteHt Wirb. UnS ftetlt fid) bie ©adje etwas anberS. 2BaS wir entwitfeln, baS ift ber burdj bie 3crglieberung eines ©epteS gleidjfaut bloßgelcgte ©ebanteuftoff; unb baS Slblodeit, alfo baS Kljaratteriftifdje ber ©olratif, b. h« baS Slbfragen ftatt ber birect lehreitben DJiittheilung, wenbeit wir nidjt bloß 31111 t 3wecEe beS KntwidelnS, fonbern ebenfofehr fdjon 3 itm 3 mc ^ e beS 3 er 36 dernS an. SSeibeS, ßergltebern unb Kntwicfeln, finb unS barum and) gar nidjt oerfdjiebene ®at= tungen beS SlatedjifirenS, fonbent 3 Wei Operationen, bie irgettbwie jebeSmal tniißen borgenommen unb lebenbig mit einanber berbunben werben, wenn eine Äatedjifation ju ©taube fommett foC. ©>enn jenes ©inführen in ben ©ept, baS Wir oben forberten, ift nidjt inöglid), oljne baß man benfelben auflöst in feine einjetnen 58eftanbtljei(e; für beS ÄinbeS 5BerftänbitiS ift aitdj eitt eittfadjer ©ept fdjon 31 t inljattStioIl, als baß eS ihn fogleidj als ©anseS boUftänbig burdjfdjauen unb fid) aneignen tonnte. KS ift baS elententarifdje Verfahren, Was Ijwr feine Slnwenbung fiubet; ber Äatedjet tljut bamit baSfelbe, waS ber ?eljrer einer ©pracfje thut, inbent er conftruiren läßt. Stur befdjränft fid) jener babei nidjt barauf, ©ubject unb ipräbicat, ©ubject unb Object, 5Bor= unb StadjfalJ, ®runb unb Folgerung je. auffudjen 3 U taffen, fonbern ber fpradj* lidje wie ber fadjlidje, ber Ijiftorifdje, ber bibaftifdje 3 ufmuntenhang, in bent ber ©ept fteljt, fontmt bei biefer 3 arneljntung ergeben. — SBenn fofort ber ©pradjleljrer, nadjbeut couftruirt ift, feinen ©a |3 überfefceit läßt unb, nadjbent bieS ridjtig gefdjeljeit unb baS uötljige fadjlidje 58erftänbniS beigebradjt, alfo ber ©imt beS SlutorS öoHftäubig 3 U ©age geförbert ift, weiter fdjreitet: fo tritt für ben Äatedjeteit nun Ijier bie anberweitige Slufgabe ein, bie wir entwideln nennen. 3)teS ift eine Ope= ration, bie ihn Weit meljr bem ßJ3refciger, als irgenb einem gadjleljrer nahe bringt, wie benn audj außer grage ift, baß bie Äunft beS ßßrebigerS, einen ©ept gu entwideln, audj beut Äatedjeten als bie befte SluSftattung für jenen 3' üe d bient, obgleidj biefer beitSinbern nidjt prebigen, fo wenig als ber ßßrebtger bie Sllten latedjiftren foll. SiefeS Kntwideln faßt folgenbe ©Ijätigteiten in fid): 1) 58oit ben burdj bas 3crgliebent beS ©epteS gleidjfaut bloßgelegten 58egriffen ift jeber felbft wieber bie Sinheit eines SDtannigfaltigen, unb Weit ber 58eg«ff erft bann wirflidj begriffen ift, Wenn biefeS SWannigfaltige, b. h- feine SOterfmale erlannt finb, Äatcdjiitren. 897 fo muß aud) ber fiated)umene feilte ^Begriffe burd) Unterfdjeibung bei- SDterfmate erft ftar gewinnen uitb feft beftimmen lernen. Gd ift alfo aud) l)ier wieber guerft eine 9lna= Ipfe gu mad)en, bie aber in Sßalfrfyett für beit ßögling 3 ur ©pntljefe »irb; benn fo Wenig ebjectio bie SKerftnale ald bad posterius junt ^Begriff ald bem prius erft t)inju= fontmen, fo gewiß ift bod) bem ©d)üler bad beftimmte Unterfdjeiben ber erftern oom bestem ein novum; er batte bloß eine SCnfdiaitung oon ber ©adie, aber feinen ^Begriff. £>abe id) 3 . 33. ben begriff Siebe 31 t entwideftt, fo wirb ber ©d)ü(er, wenn er überhaupt fd)ott über berartiged SBefd£>eib geben faitn, ntir sur Grfläruttg ein ©pnont)= nton angeben („fag’ mir ein anbred 2 Bort bafür" ift eine bei ntattdjen Äatedjeten, — aber nicht bei ben beften! — häufige Sßenbung); aber baß in ber Siebe brei gactoren 3 ufamtnenwirfen, beren einljeitlidjed ißrobuct fie ift: 1. bad 2Bol)lgefalIen atu Slnbern; 2 . bad Verlangen, mit biefent 2 lnbern eins 31 t fein, alfo bad eigne 3 dj unb beffen gür= ftdjfein aufgugeben, ed an bad ülttbere I)iugugeben; unb 3. bad 33efriebigtfeiu, bad @e= fül)l bed ©eligfeind int SSefi^e bedfelben, in ber ©enieinfdjaft mit bemfelben: bad 3 U unterfdjeiben unb baburd) ben oorljer unbeftimmten ©ebanlen foWoht feft 3 U begrättgen ald in fid) felbff sott 3 U ntadjen, finb lauter 2 )inge, bie für ben ©djiiler erft burch bie ©tjntljefe bed Sernend 3 b Grfenntniffen werben. ®aß übrigend foldje Gntwid(un= gen nidjt mit febem ^Begriffe, Wo unb fo oft er oorfommt, oont Äated)eten oorgunehmen finb, fonbern nur ba, Wo jeber 3 unt erftenmat ald SDbject ber Seljre erfdjeint, unb fernerhin nur, wo eine 9lttffrifd)ung foldjer Grlenntnid ober ein prattifdjer ©ebraud) berfelben für irgenb einen anberweitigen Sehrswed (eine ^Beweisführung, eine Grflä= rang) angegeigt ift, oerfteljt ftd> oon felbft, ba fonft nid)t 0011 t gted 31 t fontmen wäre. 2 )ad SDefiniren barf nidjt 3 ur ©ud)t, 3 ttr ip.ebanterie werben. 2) äßtrb burd) biefe erfte ^Operation ber 33egriff itt fid) felbft entwidelt, bad Wad in ihm gleidjfam contpreß erfdjeint, audeinanbergelegt, gelüftet, fo Wirb ferner aud ber 9ludWidlung eine gortentwidlung, ba man am gegebenen gaben oorwärtd unb rüdwärtd fdjreitet, um ben oorliegenben 33egriff fowohl felber erft aud feinen Sßrämiffen abgu^ leiten, ihn alfo gleidjfam aud bemjenigett benfenb h ert> °rget;en 3 U laffen, Woraud er fadjlidj entfpringt, als aud) aud ihnt felber Wieber badjenige absuteiteu. Worin er feinSeben gleidjfam fortfefct; ed ift fo 3 U fagen ein gettealogifdjeS Verfahren, nicht 3 utn 3 «toer= treib, fonbern weil bie 97othwenbigfeit wie bie 9D ( föglid)feit bed äBirllidjen, ebenfo fein SBerth, feine SBebeutung, nur aud feinen IfSrätniffen unb feinen Gonfeqttengen 3 U erfen= nen ift. 3 ene SD?öglid)feit unb Sßotljwenbigleit, wie berSßertlj unb bie SBidjtigleit eines begriffltd) erfannten Dbjectd fann ^iftorift^er, pfpdjologifdjer, etljifdjer ober bogmatifdjer 9tatur fein; immer aber fdjreitet ber ^aitptbegriff in foldjer Grlenntnid über fid; felbft fjinaud, ohne bod; fid) felbft 3 U oerlieren, b. h- eben: er wirb entwidelt. 3) ©djon burch ©enannte greift bie Äatedjifation über badjenige hinaus, wad 3 . 23. in einer ©tjmnafialclaffe 3 ur Grllärung eines 9lutord gefdjieht, Wo man auf ißrämiffen unb Gonfequengen nur in foweit cingeljt, als ed 3 UU 1 objectioen, hiflorifdjett 23erftänbnid beffen, Wad ber ©djriftftetler fagen will, erforberlid) ift, unb nur beiläufig an inhaltsreicheren ©teilen bem ©cfjüler bie großen, allgemeinen SBaljrljeiten gunt 23e= Witßtfein bringt, bie barin liegen unb feinem inneren SKenfdjen 3 ur 23ereidjerung wer= ben feilen. SBad Iji« beiläufig unb feettubär gefd)ieht, bad ift bei ber Äatedjifation 3 War ber 3«t nad) auch nid)t bad Grfte, womit matt anfängt — ed foH ja aud bem ©egebenen unb beffen objectioem 2 $erftänbitid erft entwidelt werben — aber ed ift hoch oon Slnfang fd;on bad 2 lbfeljen barauf gerichtet, baß bad ©eiernte nicht 3 U einem 2 öif= fenSoorrath nur, fonbern 3 U einer 25eftimmtheit bed Sehend, 31 t einer SKadjt werbe, oen Welcher bad ganse 33ewußtfein, SEBiHe unb ©efühl beherrfd)t wirb. ®ie d)riftliche 2Bahr= heit ift basu ba, um in ber geheimften Quelle bed gefammten geift-igen Sehend, wo bie ©ebanfenbilbung ocr fi n obiger Sßeife ben 93egriff Siebe eutmidle, id) bamit beS ^BglingS eigene ©ebanfen, bie nur mie ein Änäucl jufantmem geballt in ihm gelegen, attSeittanbermicfein mürbe. 3n ihm lag nid)tS als eine nnbe= ftimtnte 33orfte(Iung; ma§ er fd)ott befaß, mar nur bie burcfj ©emohnheit erlangte fyer= tigfeit, biefe 93orfteHung unb baS bicfelbc bejeidmcnbe 2Bcrt bei gemiffcn 2lnläffen anjumenben; alles genauere SBiffen baöon erhält er lebiglid) bttrdt fD?ittf>eiIung; eS ift, mie oben gejeigt mttrbe, niemals Slnalpfe, fonbern Shnthefe, mie alles Sernett. 9Iber maS foH nun, menn bieS ber Sad)Derf)aIt ift, bie fatedjetifdje Haitptform, baS Gljaraf» teriftifdte beS ÄatedtiftrenS, bie Qrage? ©ttrd) fie mirb ja bodj etmaS ^eraußgelocft, etmaS flüffig gemadjt, maS im gögüng felber muß gemefen fein; menn nun nicht öom (Spatniniren bie 9tebe ift, maS (f. oben) nicht h^h er gehört, maS fofl bann bie grage? Snbem mir l)iefür auf ben 2lrt. „fragen unb Slntmorten" (93b. II. S. 419) bermeifen, bemerfen mir nur folgenbeS. SlHeS bisher 93efprod)ene mürbe nicht abfolitt eine befon= bcre 91rt beS SehrbortragS erforbern. @rmad)fcnen gegenüber laffen alle biefe ß^cde fid) bttrd; jufamntenhängenbe 3febe erreichen; Äinbern gegenüber märe bie 0 rage nur fomeit itöthig, als fie überhaupt in allem Unterricht ein unentbehrliches btbaftifdjeS fWittel ift; fie mürbe als GsriniterungSfrage baS ®ebäd)tuiS beS SdjülerS, fo mcit er fid) Sel;rftoffe fdjon angeeignet I;at, in Sfnfprudj nehmen unb eben hieburd) baSfelbe be= feftigen; als ©rfal)rungSfrage mürbe fie ihn nBtl)igen, baS maS ihm felbft fdjon in feiner ob auch befdjränften SebenSerfahruttg begegnet ift, maS er 3 . 93. bott ber SB eit ©bun ltnb Sireiben fdjon margcnornnten h a t, jtt äußern, um es für ben Sehrjmed (als 93eifpiel, als 5ßcmeiS tc.) jtt bcrmenbett; als SerftanbeSfrage mürbe fie fein eignes Ur» theil probocirett, unb als ©emiffenSfrage an fein fittlidjeS @efül)t appeüiren, mit ein fclbftänbigeS fittlid;eS Urtheil, 3 . 93. über eine itt ber @efd)idjte borliegenbe §anblung ober ißerfon, berborgurttfeu. Sebent Sehrfad) ift bie fyrage bienftbar, nur bei jebcnt mieber in attberer SBeife; felbft baS Spponiren beS SateiitfdmlerS ift im ©runbe nur ein Ülntmorteit, bcm bie firage borangel)t unb nad)folgt. 9lHein ebcttfo gemiß ift baS Äatedjifiren nod) etmaS mefentlidj anbereS, als eine bloße Slnmenbttng jener aUgemeinen bibaftifdten jporm auf ben d)riftlid)en Unterricht. Seber erfennt, baß eine Äatedjifation einen attbern ßljarafter h> a t, als irgenb eine, menn auch fofratifd) bel)anbelte Sehr» ftitube. SSSorin liegt ber Unterfdjieb? ©er confequente Sofratifer fagt: hier IjcuTDfe eS fid) um angeborne Sbeen, ttnt bie fdjon in ber Statur liegenbe, nur nod) nicht jum 93emußtfein gefotnrncne 9teligion; beSmegett I)aBe bie fyrage, bie baS Sd)lummernte ermede, hiev eine anbere, tiefere 93ebeutung, als 3 .58. im linguiftifdjen, geograpI)ifd)en, gefd)id)tlid)eu Unterridjt. ©iefe ©iftinction mad)t ber auf pofitioem 58obett ftel)enbe Äatedjet nidtt; er meiß aUjugut, maS eS mit ben attgebornen 3becn für eine 93emanbt* niS l)at unb maS für eine ©attung tmn Sieligiott auf biefem Sßegc 31 t ©age geförbert Jtatedjifircn. 899 Wirb. Sr Weiß, baß bag Sljriftenthum dg gefd;id)tlid)e Religion erft mitgetheilt wer» bcn muß; „berfiinbiget allen 23Btfern bag Sbangelium", fagt Shriftitg, nidjt: fatedji* firt aße 25ölfer; if tS bodj felbft auf ©eiten ber S(;eoIcgen, felbft bon ftrenggläubiger Stidjtung, eine feltfante Säufdjung, ber fie fld> mitbem gußen auf „djriftlidjent 33etoußt= fein ' 1 rtnb auf bie bemfelben 31 t entneimienben „Slugfageu" Ijiugeben; woburd) wirb benn bag 23eWußtfeiu ein djriftlidjeg, atg burd) fDtittheilung ber objectiben Sßahrljeit unb aßerbingg burd) bie im d)riftlid)en Seben gefanuneite Srfat;rung? 2lber ridjtige 2lug= fagen über objectibe Singe, über ©otteg Offenbarung, Sl)rifti Werfen je. finb auS bem „djriftlidjen 23ewußtfein" nur bann ju entnehmen, trenn bie S35atjr^eit über biefe Singe juerft bem 23eWußtfein eingepflangt, bem Senfen unb gü^Ien eingeWötmt Worben ift. — Sag Sigentfyiimlidfe beß Äated)iftrcn 8 beruht bielmel)r auf fclgenbem: a. 2 Bie bie erfte ©runblage aßeg religiöfen Unterridjtg SDtittheilung fein muß, fo mirb aud) burd; beit gangen fated)etifd)en Surfug I;inbitrd; ber Seljrer immer niitjut^eilen I;aben. Ser Äatedjumene foß in jeher ©ßmbe nid)t nur gefragt »erben unb antworten, fonbern etwag fyoren, ettoag empfangen, »ag il;n inuerlidj bereid)ert. Sieg wirb mand)= mal in jufammenpngenberer SBeife, 3 . 23. in gorm ber Srgählung, ber 23efd)rei» bung u. f. »., nod) üiel häufiger aber in fttrgen, ing ©efpräd) fid) einfledjtenben S3e= merfungen gefdjel)en, bie, ol)ne bagfelbe in rebnerifdjer SBeife gu unterbrechen, ot;ne überhaupt fid) in anfprud)gboß=fententiöfer Söeife aug bem ©angen Ijcraugguheben, bodj alg ©amenförner in beg ßögtingg ©eift unb §erj ftd) fettfen. 2 lber aud) ^ieju fdjen ift bie grage ein gang geeigneteg SJtittel. 2Bie oft im Sehen madjen »ir ein Stinb auf einen ©egenftanb auftnerffam unb tooßen taburdj probociren, baß eg nidjt nur ben= [eiben »arne^me, fonbern feine 2 Barnet)mung audj in äSorte faffe unb bamit benn eine neue Srfenfttnig fid) aneigne. 2Bir fönnen bieg tl)un burd; Hinweifung auf bie Wirflidjen Objecte, in Srmanglung biefer aber aud) burd) .fpinweifung auf Stefynlidjeg, an bem bag $inb bag Gntfpredjenbe abnehmen foß. Siefe UnterridjtgWeife nun faun ber &a= tedjet mel)r alg irgetib ein attberer Seljrcr antuenben. Senn bie Seyte, bie i£jm unb ben&inbern gemeinfam borliegen, bie fßerfenen, bie in ber ^eiligen @efd)ic^te auftreten, ihre fiteben, fpanblungen unb Sriebniffe,' »ieberum aße fittlid)en unb religiöfen fpl)ä= nomene im inneren unb äußeren Seben, auf bie bie djrijtlidje SBahrljeit ihr 8 ic(jt wirft: — bag aßeg finb fotd)e Objecte, über bie bag Sinh, nadjbem il)tn burd) jene primitioe ÜJtittpeilung einmal bag 2 luge unb ber SDtunb geöffnet worben, immer meljr 31 t einer Slugfage befähigt ift. 2ßenn id) mit einem aufgewedten Änaben eine Steife über Sanb ober gelb ntadje, fo Werbe idj nidjt in langen Stehen benfetben belehren, fonbern ids Werbe feine 23eobad)tung im ©ang erhalten unb feine S3emerfungen ihm abnehtuen, werbe midj babei nur anregenb, ergängenb, berid)tigenb Dermaßen: — fold) eine 2 Ban= berung ift bag $ated)ifiren; barin eben, baß bie Kinber fid) augfpredjen, liegt ber eigentümliche 9tei§, ben für ben finberfreunbtidjen SDtann bag Äatedjifiren h«t; eg ift ber djriftlid) = päbagogifdje ©efdjmnd, ber fid) barin befriebigt. Unb um fo mehr ift gerabe bag Äatedjijtren üor aßem anbern Unterridjten im ©tanbe, tiefen Steig ju ge= Währen, weit, wag feljr wol)t 3 U bead)ten ift, h^i - nicht, wie in anbern Sehrfädjern, jeber folgenbe Sehtfalj (fofern wir uns bie religiöfen Srfenntniffe in foldjem auggebrüdt benlett) ben Dorl)ergd)enben nothwenbig üoraugfeht; ht £r bietmel)ü fönnen ohne aßen logifdjen Stad)theil Sehren, bie im ©t)ftem am©d)luffe ftehen, ihrem Hauptinhalte nad) fd)on längft ben Äinbern befannt fein, ehe bie tljecretifd) noth»enbigen Vermittlungen ge= geben finb; ein tinb fann 3 . 23. bon 3efu alg bem fpdßmb p er 3)tenfd)en fchon 25er= fdjiebeueg wiffen, et)e eg in bie £el)re bon ber ©ünbe, ja felbft bon ©otteg Sigen= fdjaften u. f. f. näher eingeführt ift. Senn biefe Srfenntniffe, fei eg aud) in allerlei 23rud)ftüden, thcilen fid; bem £inbe noch auf gang anbern 2 ßegen mit, alg bloß burd) bie tated)efe; fie hören babon in ber Äirdje wie bei ber häuglidjen 2 lnbad)t; bie gange Sltmofphäre, in weldjer ein Sh ri f tenJ ‘ nto ^ ÜDn t r P i(4 ? cn ‘Steffen; — 900 ■Sfatedjiftrcn. baper fomutt es, baß «ir in biefern ©ebiete Biel mepr abfragen, Biet mepr ein ©efpradj führen unb gefpräd)S«eife mitttjeileit törttten, als in irgenb einem anbern. b. ©ieS fiiprt Bon fetbft auf eine «eitere ©eite ber ©adje. 3n einer &atediifa= tion «trb Biele'S auSgefprodjen, maß benSinbern fdjon befannt ift — ebenbeSpalb fonnen fte bariiber etmaS äußern —, fo Biet, «ie in feiner anbern Seprftunbe opne 3eüberluft SttteS unb ©efannteS gefprodjen, abgefragt, geantmortet «erben bürfte. Bfidjt freitid), atS ob «ir immer nur «ieber biefetben ©priidje unb ÄatedjiSmuSfafce recitiren ließen ober biefetben ©rntapnungen geben «oßten; baß bloße SBieberfäuett «iirbe bie ffinber ebenfo taug«eiten unb geiftig läpmen, »ie «enn ein ißrebiger fid) immer um biefetben Seemen breite unb biefetben ißprafen gebrauste. Slber aud) ber frifdjefte, gebautem reid)fte Sated)et muß bod) ftets «ieber auf bie feften ©rttnbbegriffe djrifttidjer Sepre, «ie auf bie ©patfadjen ber djriftlicpen Offenbarung äunuffommen; eben barum fann er «eit mepr fragen unb ftd) fagen taffen, als ein anberer Seprer. SBarum nuu er= miibet baS nid)t ? SBarum pören aucp ©rtoadjfene, rnofent fie überhaupt cprifttidien ©inn pabett, einer guten $ated)ifation fo gerne ju, ba bod) mögtidjerSBeife fein SBort gcfprod)ett «irb, baS fie nidjt längft «iißten? ©er ©runb ift ein jmiefadjer: mir möd)ten fagen ein aflgemein djriftticper, unb ein fpecieB firdjtidjer. SrftenS fiat ber fated)etifd)e ©toff Bor attcm anbern Seprftoffe baS BorauS, baß er nicpt als ffteueS nur intereffirt, bann aber, «enn er einmal angeeignet ift., feine «iebertjotte Slnatpfe eittbeprtidj unb wertptoS mürbe; fonbern in biefem ©toffe liegt eine Straft geiftiger 9?aprttng — «aS «ir atS baS Srbauenbe ju bejeidjnett pflegen —, infolge beffen jebe Slnatpfe aud) beS tängft Sefannten immer «ieber ©eift unb ©emütp anfpridjt. SBie barnm bie ftets «iebertjotte rebnerifdje ©arfteBung ber d)rifttid)en SBaprpeit in ber ■ßrebigt trop bem Bieten, «aS immer unb immer «ieber §itr StuSfpradje fomntt, bie= jenigen nid)t ermfibet, fonbern anjiept unb befriebigt, bie überhaupt d)rifttid)e 2Bapr= peit fucpcn unb lieben: fo ift aud) biejenige nidjt rebnerifcpe, fonbern bibaftifdje unb biatogifdje Slnatpfe beSfetben ©toffeS et«aS eigentpümtid) befriebigenbeS, erbauenbeS, erfreuenbeS, bie ber Statedjet Bornimmt; es fteBt fiep aud) barin baS Sitte, fid) ftets ©teidje — baS tebenbige SBaffer, baS ©priftuS ben ©ürftenben reidjt, 3op. 7, 37 — in immer neuen ©eftattungen, Sluftöfungen unb ©erbinbungen bar, baß man, «ie in eine fprubetnbe QtteBe, immer unb immer pineinfepen mag. ©erabe bie ©efprädjsfornt, biefeS SluSeinanbergepen unb ©idjjufammenfdjließen ber SBaprpeitSgcbanfen, pat ipre eigene ©djonpeit, «ie anbere formen — bie rebnerifdje, bie poetifd)e ic. — foldje in iprer SBeife an fidj paben. ©aS ßmeite aber ift, baß «ir, bie ermadjfenen ©lieber ber Äird)e, in jeber richtigen Slntmort ber Äatedjuntenen nid)t nur eine uns mit tpnen gemeinfame SrfenittniS fepen — (bie Siebe aber freut fiep ber SBaprpeit, 1. Stör. 13, 6) — fonbern baS uns mit ipnen gemeinfame ©efenntniS; barum eben freuen «ir uns einer guten Slnttoort jtoiefad), «eit «ir im (Erlernten jugteicp baS «erbenbe ©efennen, atfo and) barin ben 9Sad)toud)S ber Äirtpe, bie ©idjerung ipreS bauernben 23eftait= beS fepen. 5) Stuß alle bem ergeben fiep nun bie perfontiepen Sebingungen, unter betten aBein bas Äatecpifiren erfprieß(id), ja überpaupt — fofern fein 3«ecf erreid)t «erben foB — mögtid) ift. a. SBer bie bibtifdjen unb fird)tid)en ©äpe foB analpftren unb entmidetn fonnen, ber muß biefer ©äpe unb ipreS SnpattS nad) aBen tpeoretifdjen unb praftifejen S3e= jiepuugen tnädjtig fein. 9?ur «er grünbtiepe ©rfenntniS pat, fantt bariiber fatecjifiren. ©ine tpeotogifdie ©orbitbung ift pientad) fo nötpig, «ie $ur prebigenben ©arfteBung ber djrifttidjen SBaprpeit, bod) mit ber ©iitfdjränfung, baß fie bei ÜÖiännern, benen bie anbern ©rforberniffe nicpt abgepen, burd) perfontidjeS, tieferes Sntereffe an jener SBaprpeit unb äugleicj burd) nüd)terneS, BerftänbigeS ©enfen unb praftifdjen ©inn er= fept «erben fann. ©enn aBerbingS, «arme unb tiefe ftfeligiofttat aBein reidjt jur Äunft beS Äated)i|irenS noep «eiliger aus, atS jur Stunft beS fßrebigenS; «er nur in Äatcdjiflren. 901 3 been lebt, aber feine ^Begriffe bilbet, ober fotd)e fid) gtoar bitbet, aber aus pfyantafti» fdjen Sngrebiengien, ftatt aus ben »out S3erftanbe 51 t fonbernben unb gu oerbinbenben ÜJierfmalen, ber fann oielteidtt burd) 93egeifterung, burdj tjoljen glug ober bunfte ®ief= fimtigfeit Sttt unb 3 itug eleftrifiren, aber eteftrifiren unb fated)ifiren ift gtoeierlei; ein ßatedjet toirb er nie jein. 3 ene ©runboperationen bei feiner Arbeit erforbern fcfjted)ter= bingS eine auSgebilbete S3erftanbeStt)ätigfeit, für bie altes anbcre, alle jpergeuSrütjrung unb ©eifteSfatbung abfotut feinen Srfafs bietet. 9fur ber S3erftanb fann aud) bie l)odj= ften unb tiefften SBaljrljeiten gttm ßtoede ber ÜDarftettung orbnen; nur ber 23erfianb beS SetjrerS toirb aud) ben tBerftanb ber finber fo attfpredjen unb in SSetoegung feigen, bafj begriffe barauS toerben; unb bie eoangetifdje SBaljrljeit, obgleich fie über allen S3erfianb IjinauSgreift unb biefem bafyer immer ein residuum bteibt, baS er nid)t metjr ana£t)ftren fann, fonbern in feiner Unmittelbarfeit beut tpeigen unb ©etoiffen toie beut aljnenben, innertid) fdjauenben ©eift übertaffen mufj, giebt fid) bodj aud) toieber ed)t menfd)tidj bagu l;er, oom SSerftanbe ergriffen unb beljanbett, b. I). in ^Begriffe, Urttjeile, ©djtüffe gebradjt gu toerben. SB 0 ©otteS ©eift ift, ba toirb bie Sogif burd) iljit nid)t abgefdjafft; tool)l aber ift oft ba, too bie Sogif feljtt, aud) ber ©eift toeit abt)anben. b. ®er Äatedjet fott gtoar nid)t ein ebner fein, bei beffen SBort bie .fjörer alte gu fdjtoeigen Ijaben, unb gerne fd)toeigen, eben um it)n gu l)Bren; aber bie ©abe ber 3febe mufj er gleidjtooljt befifjen, unb gtoar fpeciett bie ©abe, ein ©efpräd) gu führen, nodj fpecietfer, bie ©abe, ein ©efpradj mit Unntttnbigen 31 t führen. 3ft er fdjon über= fjaupt beS SBorteS nidjt I)inreid)enb mädjtig, ringt er nod) mit ber ©prad)e, mufj er fid) corrigiren, einen fjatbootlenbeteu ©afj, eine angefangene grage abbredten, um an= berS angufattgen; ftoeft er, nad)bent er einiges 0011 fid) gegeben, madjt er Raufen, ba bie fiinber nid)t ioiffen, ob er, toie ber 33aal auf Karmel, iugtoifdjen bid)tet, ober 31 t fdjaffen tjat, ober mit feinen ©ebanfett über f^etb ift, ober oietteid)t mit toadjeni Sluge gar fdjtäft: — bann ift gum oorauS atteS Oertoren, bie £inber Ijaben— toie aud) loot)t er fetbft unb toer ettoa gul)ört —• nur nodj Sin ©efütjt, baS ber ©eljnfudjt nadj bent Snbe fotdjer ®ortur. ®ie oratio oontinua barf aber, fo feljr ber .Satedjet iljrer mädjtig fein mufj, oon itjm nun erft nicht frei angetoenbet toerben; ein ©efpräd) gu führen, ift eine eigene fünft, — gunädjft metjr gefettiger Strt, aber burd) bie gäljigfeit bebingt, mittelft ber eigenen ©ebanfen bie ©ebanfen anberer toadj gu rufen, fie in S3etoegung, in j$Iufj 3 U bringen, unb bann toieber an bie ©ebanfen anberer fo angu= fnüpfen, fie augenbtidtid) fo aufgufaffen (aufgufangen, tonnten toir im guten ©inue beS SBorteS I)ier fagen) unb mit getoanbter £>anb ifynen bie SBenbung gu geben, bafj fie toeiter führen, unb fo ©djlag auf ©d)Iag erfolgt. Um foldj ein ©efprad) in ©ang gu bringen, muffen aber Stiänner, tnüfjen SDtünbige beifamtnen fein; in ber fated)ifation ftetit nur Sin 9Jtann unter oieten finbern; er l)at, toenn ber StuSbuuf and) I)ter ge= ftattet ift, bie Soften beS ®efpräd)S altein gu tragen. ®aS ferbert erfiettS oon it)tn, baß er eS oerftefyt, bie finber gitm Sieben gu bringen, b. tj. baff er materiell immer loeifj, toaS auSgufftredjcn, gu beurtl)eiten, gu fdjliefjen, gu ergaben, ats S3eifpiel aus @efd)id)te unb Seben, ats 33eteg aus ber ©d)rift, bern ©efangbudt u. f. to. beigubrin= gen fie im ©tanbe finb; baff er alles, toaS fie fagen tonnen, itjnen gu fagen überläßt (biefeS atfo nid)t fetber fagt), unb bafj er formell ben SmputS gu biefem 3febett ber finber in richtiger SBeife gu geben toiffe, itjnen atfo Sufi tnadje gurn Sieben unb fotge= ridjtiger SBeife gum®enfen, toaS ttjeitS burd) bie fyreunfctidjteit unb Sebtjaftigfeit feines gangen S3enetjmenS gegen fie, ttjeitS unb oornetjmlid) burdj bie gefdjicfte f5 a ff ult 9 ^ er grage gu erreidjen ift, bie toeber gu oiet nod) gu toenig fdjon geben barf, bie aud) ff)rad)lid) ftetS correct unb bestimmt, unb hoch burd) ifjre 9J{annigfattigieit immer neu fein mu^. 3tpeitenS aber ift erforfcertic^, bafj ber Äatedjet baS oon ben Äinbern ©efagte rafd) aufnimmt unb, toaS baoon als StuhattS^unct bienen tanu, an ber braud)baren ©eite angreift um eS fortgufütjren; eine $unft, bie gang, befonbere ©eifteSgegentoart erfieifdjt, toeit bie Stntioorten ber hinter oft in fretnbe ©eleife führen, man atfo fo= 902 ■ftatcdjifttcit. gleid; im ©tanbe fein muß, auf ihre ©ebanfen gmar einjitgeljen (beim mit fctofjer 9 lb= meifung mirb baS Unrichtige nicht berichtigt), aber fie auf bem fürjeftcn9Beg ins rechte, fcfte ©eleife jurücfjubringen. c. 2ßenn mir enblid; als 'netljmenbigeS SngrebienS ein gemißeS IDtaß Bon ^5ljantafie für beu $ated;eten forbern, fo mirb fid; bieS aus bem ©efagten rechtfertigen. ®enn um bie unter a. bejeichneten Objecte ber Ülnfdjauung beijufdjaffeit, b. h- baS im STeyte Ijiefür gegebene SDtateriat anfdjaulid) ju mad;eit unb baS fonftljer (als ®feid;niS unb SSeif^iel) Seijubringenbe ftetS jnr Verfügung 3 U haben, bebarf eS jenes poetifdjeit ©eelenoermb» genS; in biefer @abe hat $• 33« 2KB ll er (ogl. feine fated;. Untertneifung in beit 10@e= boten, SRagbeb. 1854) feine ©tärfe; er ift unS freilid; auch bauen ein 93emeiS, mie leicht man beim ^uftrßmen biefeS (Elementes in 93erfnd;ung fommt, barin beS @uten mehr 31 t tljun, als nettjig märe. SBieberum, mer bem ©efprädje bie unter b. geforberte 93emeglid;feit geben, ja mer nur bie genau treffenben 93 e 3 eid;nungeit (mie fd;on ein großer Sheit unfreS ©prachfdjafceS auf treffenben 93ergleid;uitgen beruht unb urfprünglid; fhmbolifchcn (HjarafterS ift) ftetS jur fpanb haben mifl, bem muß bie ißßantafie ihre fyliiget leihen, ©ie muß überhaupt in ber ffatedjefe baju bienen, bem 93erftanbe8ele= ment, baS fo ftarl barin Bertreten ift unb baju ein fo großes 9?ed;t hat, bod) baS nöthige ©egengemidjt 31 t halten. 6 ) SDfüßett mir nun hiernach für bie Äatedjifirfunßt fo gut, mie für bie9tebe« unb ®id;tfunft eine fpecicKe Begabung forbern, ungeachtet jene nid;t mie biefe unter ben fieben freien fünften parabirt, and) feine ber neun SKufen 3 ur Patronin hat: f° ift hoch ebettfo gemiß, baß fie erlernbar ift unb and) Bon bem bafiir begabten erlernt merben muß. Unb 3 tnar hat bieS BorjugSmeife burch felbfteigneS ^robiren unb lieben 31 t gefd;el;ett, fo aber, baß 1. berÄatedjet Bon feiner eigenen Äated;umenen 3 eit h ev nod; eine (Erinnerung, gleidjfam eine £rabition in fidj trägt, er alfo baS allgemeine 93ilb foldj eines Vorganges fid) nicht erft fchaffen muß (mancher märe oielfeidjt felbft ein befferer Äatecfjet, menn ber fatedjetifdje Unterricht, ben er als $ nabe einft genoffen, nach gorm unb Snhalt tiefere (Sinbrücfe bei ihm hinterlaffen hätte); 2 . baß jebem fatedjeti» fd;en 93erfud;e — mie eS fdjon Bie erften praftifdjen Lehrer ber Äatedjetif, granefe unb feine greitnbe, im Malier 9Baifenl;aufe gethan — eine Kenfur folgt; benn an ben geh» lern, bie man madjt, unb au beren ganj in concreto gefd;el;enber (Eorrectur lernt man am meiftcu; 3. baß, uadjbem man fd;on felbft angefangen, 3 n fatedjifiren, bie tl;eore= tifdje Einführung in bie Äatedjetif burd; münbtidjen 9$ortrag berfelben unb burd) ©tu» biunt ber einfcfjlägigen Literatur ben redjteu miffenfdjaftlidjen ©efidjtSpunct, beu b)ifto= rifdjen Ueberblicf unb bie tedjuifdjen ©efefse im 3ufammenl;ang barbietet (beim baS alles mirb erft Berftanben unb baS Sittereffe bafür ift erft Borhanben, menn man bereits felber in ber Uebung ftel;t unb bie praftifdjen ©djmierigfeiten fennt); enblid; 4. baß man h'e unb ba einen guten Äatedjeten hört. ®aS Lefeu gebruefter Äated;ifationen foit= neu mir unter bie unerläßlichen Lernmittel nicht jahlen; benn ein ©efpräd; biefer ?lrt läßt fid; nie am bßitlte BoUftänbig auSarbeiten, ein treues 93ilb märe nur burd; fteno» grapl;ifd;e giriruttg einer Bon einem 9Keifter mirflid; gehaltenen Äatcdjifation 31 t gemin» neu, unb and; bann märe baS fo gemonnene 93ilb felbft bei mörtlidjer Sreue bod; Biel blaffer im 93erglcid; mit bem lebenbigen Original, als 3 . 93. eine gebrudfe 9tebe. 7) ®a 8 3uftanbefommen beS einjelneu fatechetifd;en 9lcteS ift fobann ein fel;r ein» fadjeS. UnBorbereitet fott ohne 31 t bringente Dfotl; feiner fatec^ifiren; bie Sßorbereitung mirb mefentlich uid;t 8 fein, als baS ®urd;benfen beS gegebenen ober gemäl;!ten OeyteS, um bie fpauptibeen unb bie oerfd^iebeuen SBejicl;ungen, in benen biefelben fid; im Oeyte barfteUen, fo mie bie oerfd;iebenen 9fid;tungcn, nach weldjcn biefelben — im oben aus» geführten ©inne — 3 U entmiefein finb, fid; oort;er gan 3 flar gu machen unb hmunad; ben ©ang beS ©efprädjeS 3 U orbnen. ®iefer ©ang mirb in ber 3fegel burd; bie 9fei= l;cnfoIge, in benen bie üteytmomeute Borliegen, fid; beftimmen, bod; fann eS unter Um» ftänben beut 3 tt 5 e( f e logifd;eu 93erftäubniffeS beffer entfpred;eu, Bon jener golge abju» ■Äatedjtftrcrt. 903 weiten, alfo 3 . 23. einen fftadjfais oor bem 23orberfa(5 jn erörtern. Sinnier ift eb aber bab 23e[te, bab edjt Äatec^etifcfje, nont ©egebeneu, oom SBorte beb STeyteS aubsugeljen, rticCjt aber SWgemeineb ober gernliegenbeb »orauSgu^djicfeiT, nra bon ba aub erft (wie eb bem fßrebiger woljl geftattet fein fann) 311 m ©eytwort 3 U gelangen; fo 3 . 23. ift ein ©leidjnib immer erft für fid;, loie trenn eb eine ©efdjidjte, eine 9Jaturbarftettnng wäre, »oUftänbig beutlidj 3 U madjen, epe man 3 nr Slbftreifung ter bilblidjen £üHe, 3 ur giyirung beb oerglidjenen, unter bcnt ©leidjnib bargeftellten ©egenftanbeb unb ,ur Sluffin* bung unb 23eftimmung ber 23ergleidjungbpuncte (beb tertium comparationis) fdjreiten barf. 3ene .§auptibeen unb iljre Wefentlidjen 23e3ieljungen, lote bie beftitmnenben 2)io= mente für bie (Entwicflung (looburdj päufig bie Äatedjifation fidj in einen aualtjtifdjen unb ftjntljetifdjen SEl;ei( serlegeu läfft), tljut ber Slnfänger woljl, fidj fdjriftlidj gu noti= ren unb ins ©ebädjtnib 31 t prägen, bamit er beit gaben nidjt oerliert unb nidjt in SBieberljolungen gerätlj; audj bie einseinen gragcn unb 2 lntworten aubsuarbeiten ift nur beutjenigen alb (Epercitium au 3 uratljen, ber nod) nidjt ©pradjfertigfeit genug Ijat unb baruin erft burdj foldjeb SJiittel bie ridjtige gaffung ber gragen lernen muß, nament» lidj audj, um bei jeber fidj fltedjenfdjaft 31 t geben, ob eine Slntwort nnb roeldje etloa barauf 3 U erwarten fei. ©onft aber ift eb gans ridjtig, wab 9Ji(jfdj gegen fdjriftlidje (Eonceptionen fagt (fßraft. ©peol. II. 1, ©. 214): „Unterridjtenbe 9tebe muff gitm @e= fprädje Werben unb auf bie gufatle einer mit bem Seljrling eingegangenen ©euieinfdjaft beb ©enlenb fidj einlaffen; batjer eb eper Ijinberlidj alb nötijig ift, bie Satedjifation anberb, alb in einem burdj ©eiftebgegenwart unb Ueberlegenljeit burdjsufüljrenben fßlane oorsubereiten unb alfo aubsuarbeiten." ©0 aubgerüftet tritt ber tatedjet unter bie Äiitber; ob mit lautem ©ebet attgefaugen nnb gefdjloffen wirb, Ijangt baooit ab, ob ber 2lct einen gottebbienftlidjeu (Eljarafter bat ober nidjt, unb ob er alb (Eonfirmanben* unterridjt für fidj befteljt, ober in ben ©djulunterridjt alb ©tunbenpenfum eingerei^t ift ober nidjt; wenn le( 5 tereb ber gaK ift, fo ift ja bab ©djulgebet borangegangen unb folgt ebeitfo itadj. ©ofort wirb unter allen Umftänben am befteu bamit begonnen, ben ©ept lefeu 3 U laffeti; eb bebarf feiner gormalitäten, um auf iljn corsubereiteu; audj wab ber (Srfläutng borangefdjidt Werben muß, folgt biel beffer bem Sefen beb ©epteb erft nadj. 2 lber fdjon beim Sefenlaffen ift woljl aufsumerleu, baff nidjt burdj uuridjtige Betonung 3 U 111 boraub ein falfdjer ©inn entfteljt; bab ridjtige Sefen muff ber (Erflä= ruug fdjon ben 2 öeg bahnen, ©er @ang beb ©efprädjeb ift fofort geregelt burdj bie ©ibpofition, bie sWar nidjt notljwenbig, Wie in einer fßrebigt, immer audj bem ©djüler aii 3 utünbigen ift, bie aber bodj in fo Weit audj iljm nalje gelegt Werben fann unb foll, alb er ben allgemeinen eines ©epteb unb bab logifdje ©ruuböerljältnib feiner ©Ijeile loiffen muff, um bab (Sin 3 elne ridjtig aufsufaffen. (2Ber 3 . 23. über ÜDfattlj. 7, 7. 8 . latedjifirt, barf nidjt berfaumen, 3 uerft barauf Ijinsufitljreu, baff 23erb 8 eine aE= gemeine fftegel, ein ©efejj im flieidje ©otteb auffteöt, Wobon 23erb 7 nur bie golge unb paranetifdje 2 lnwenbuug ift, wobei benn juerft jeneb@efe( 5 , jene göttlidje fpauborb= nung iljrem ©inne nadj— bie Slitnap itt Sitten, ©udjen unb Slnllopfen, Empfangen, ginben unb (Eingehen — erörtert unb bann ber 23eweib für bie ©iiltigfeit, bie 23ßaljr= Ijeit unb 2Birflidjfeit berfelbeu gefiiljrt Wirb.) gür bie Weitere, betaillirte 23eljanbluitg beb ©toffeb, wie fc^on für feine ©ewinuung, ift eitrig bab oben über bie Aufgabe ber Äatedjifation, über ß^rgliderung unb (Entwicflung ©efagte ntaffgebenb, Wobei, wie eb ber (Eljaratter eineb freien ©efprädjeb mit fidj bringt, beut Satedjeten freie £anb gelaffeu unb nur geforbert werben muff, baff er genau bei ber©adje bleibe, fidj nidjt unnötljig auffjalte ober burdj erhaltene Antworten unb bereu (Erörterung auf Nebenwege loden laffe unb in ber burdj ©ept unb ©ibpofition borgeseidjueteu Siidjtuug ftetig fortfdjreite. Sft ein ©Ijeil ber Jfatedjifatiou abfoloirt unb ein 2 Beubepuuct erreicht, fo ift bie 3teca= pitulation, bab Sluffammeln, wie ©inter eb nennt unb übt, gang am fßlage, am mei= ften, Wenn eine 9feilje coorbinirter SRomente auf einanber folgte, bie beljalteu Werben fotlen. ©er ©djlujf muff nidjt notljwenbig ein rpetorifdjer (Epilog fein; aber swcdmäjfig 904 Äofc<5tftrcrt. ■ÄatedjiSmuS. ift eS immer, menn baS Snbe ber Statedjefe irgenbmie fid> abrunbet; ein SBibelfprucfj, ein SieberoerS — legerer am beften gleich) gefuugen — bient baju am beften. Sie Siegein, bie für bie Raffung ber fragen, für baS Verfahren gegenüber ben oerfdjiebenen Irten »ou lutmorten (falfdjen, halbmafiren, richtigen) mie gegenüber beut Eiidjtantmorten ju nterfen finb, hat bereits ber Irtilel „gragen unb Intm orten" ge= geben; bie Literatur ift tl)eitS in biefem, tljeilS in ben boranfteijenben Irtifeln bereits genannt. ifjalnicr. Satedjt$11Ut3. Sie hier fpauptgebiete beS djriftlidjeu §MigionSunterrid)tS, bib= lifdje @efd)id)te unb @efd)id)te beS Sieidjö ©otteS, SBibelfttnbe unb SBibelerflärung, ®laubenS= unb ©ittenleljre, gefl= unb SuItuSlehre, finb bon ber Äirdje niemals ganj unbebaut liegen geiaffen morben; aber fie hat benfelben 31 t oerfd)iebenen Seiten nid)t nur im allgemeinen ein fefyr »erfcfjiebeneS 3Jtaß bon Sorgfalt jugemenbet, fonbern befouberS aud) bie einjelnen ©ebiete fei;r ungieid) bei;anbeit, unb halb bem einen, baib bent anbern eine i)öl)ere 33ead)tung unb eine größere pflege gemibuiet. 3m ganjen gleidftnäßig ber= breitete fid) ber St'atedjumeuenunterridjt ber alten Äirdje itad) ben oerfdjiebenen ©eiten i;in. Sind) im ÜTOtteiaiter War, fomeit ein regelmäßiger SieiigionSunterrid)t überhaupt ertijeilt mürbe, meber bie biblifdfe ©efdjidjte nodj bie 23ibelerfiärung haben ganj auS= gefdjloffen; aber nädjft ber Gtinprägung beS ©laubenSbefenntniffeS unb gemiffer S5eid)t= unb ©ebetsformeln ftanb bod) in erfter Sinie bie Gtinübung ber gotteSbienftiid)en @e= bräune unb Der firdjlidjen Sitte. 6 ben biefe unmittelbar praftifdje ©eite beS Sieli= gionSunterridjtS mirb bon ber heutigen Jatholifdjen Äirdje borjugsmeife berüdfid)tigt. SaS boctrineHe (Element oerfdjminbet babei jmar nid)t gaitj, namentlid) haben, aud) abgefe^en bon ben 3efuiten, meld)en es junädjft ju poIemifd)en Sieden bienen mußte, neuere !atl)elifd)e Äatedjeten ifym größere 33ead)tung gefdjenft; aber eS tritt baSfelbe gemäß ber iibcrmiegenb realiftifdjen Senbenj beS ftatljoliciSmuS gitrücf gegen baS lirdj= lidje 2ü)un, baS gottgefällige 333 er!, für meines bie bon ber Sirdje angeorbueteit unb fanctionirten gönnen oorljanben finb, unb baS Sogma felbft, mo eS borfommt, mirb immer gleid) faraftifc^ aufgefaßt unb gemenbet. *) Sefto mel;r ®emid)t i;at bie eoangelifdfe Äird)e, mie überhaupt fo aud) beim Religionsunterrichte, bon jeher auf baS Sogma gelegt. 333ie fie 3 U ihrem @laubenS= princip bie Seljre bon ber Rechtfertigung bnrd) ben ©lauben, nicht burefj baS SQBerf, erforen l;at, fo bemalt fie aud) bei ihrem Unterrichte unb ihrer erjiehlidjefn Slmtigfeit boräugsmeife bie innerliche Ineignung beS ©taubenS im luge, ohne barauf auSjugehen, baß baS innerlich erfaßte auch fofort in concret !irdjlid)er ©eftaltung fid) nad) außen hin barlege; unb trofc il)veS ©runbfaheS, baß bie I;.(Schrift bie eingige Duette unb baS 9Raß für ben Snhalt beS ©laubenS ift, hat fie bod) nicht mit ber biblifdjen ©efdjidjte unb bem Sefen unb irtlären ber 23ibel ben 3teligion8unterrid)t abfdjließen fönnen, fon= bem fid) getrieben gefühlt, für biefen ben Sehrbegriff als ein in fid) jufammeuhangenbeS ©anjeS in möglidjft einfacher, leid)tbel)ältlid)er unb babei einbringlicher gaffuug bar= jufteüen, unb bafiir eine beftimmte Selmmeife fleh anjueignen. Sßenn fd)on bie alte Äird)e nicht bloß gur SlufjteKung eines ©t)mbolS, als beftimmten SeugniffeS über ihr ©d)riftberftänbnis unb ©laubenSbefenntniS gcfd)ritten mar, fonbern aud) im tatedju= rnenat gürforge getroffen hatte, baß bie eintretenben neuen Sftitglieber für biefeS 3Se= tenntnis h^angebilbet mürben, fo mußte an bie proteftantifdje Sirat, Siebe unb Slnttoort geben. ®arum ift ber ft. in grage unb Slnttoort 31 t faffctt, toetdje I)ier nid)t fotool)t einen bibaftifdien, atd oielmefyr oor 3 itgdtoeife einen etl)ifd)en 3 iBcc ^ haben, grage unb Stntmort foKen einem @runbgefül)le, einer Slnfdjauung unb einem SßiKendacte Studbrud geben unb 3 unt S3efeitntnid unb Slngelobnid fünteiten. Geben baruut folt ber ft. nidjt bloß eine allgemein oerftänbtidje, fonbern and) eine leidjt beljältlidje unb üott= lommen fpred)bare ©pradje reben. „®en ftatedjumenen muß furg unb runb unb bünbig, in ptaftifdjer ©prad)e, in fefter, gteidjmaßiger, immer toiebedeljrenber gerat gefagt unb begeugt toerben, toad fie glauben unb toorauf fte leben unb fterhen foKen. ®ie ©pradie fei rljt)tljmifd), toie in Sutljerd Srflarung ber brci Strtifel, ber ©ebanfe fdjäle fid) rein Ijeraud, toie bad Gei aud ber ©djale, ber ft. fdjtieße fidf) oott Slnfang bid 31 t Snbe in tünftlerifd) ooHenbeter gerat rein ab, fo baß ein ©runbton fid) burd) bad ©ange hin» burd) 3 iet)e unb in entfpredjenbeit SBenbungen toie ein rotljer gaben toieberteljre . 11 *) — gügen toir nod) I^ingit, baß ber ft. 3 loar für bad 93ol! überbauet, indbefonbere aber für bie Sugenb beftimmt unb berechnet fein muß, toeil in bem I)erantoad)feubett ©efd)ted)te bie Butunft ber ftirdje liegt, unb toeil ein ittnerlid) tlared, auf Uebergeuguttg ruhenbed, aud einem entfpredjenben ©eelensufianbe frei unb ttatürlidj fieroorgetienbed 93efcnntnid ber ®rtoad)fenen objne früljgeitige 33efdjäftigung mit ben ©laubendteljren, oljne Srflarung unb (Sinübung ber ftated)idmudftiide nid)t erreidjbar ift: fo ^aben toir bie toefentlid)en SOterfmale bed ft. unb fönnen t)iernad) biefen befittiren atd ben Snbegriff ber oon ber ftirdje anerfannten ^auptftüde ber djrifttidjen 8 ehre, für bad Sßol! unb indbefonbere für bie Ijerantoad)fenbe 3 ugenb beljufd ber Slneignung unb bed SBefenntniffed genteinoerftänblid) abgefaßt unb in grage unb Slnttoort geftellt. Sd finb hiermit nid)t allein biejenigen Gfrflarungcn bed SBorted abgetoiefen, toeldje bad SZBefen bed ft. tebiglidj in bie populäre ®arftettung, ober in bie gornt oon grage unb Stnttoort fe^en unb Oon ber Strt unb 23efd)affenljeit bed Sntjaltd gang abfeben, fon= bern auch biejenigen, toeldje gtoar auf ein fReligiondbud) l)intoeifett, aber für bie 3lud= toatjl ber Sefjrftücfe unb ihre S3ebanbtung einen großen Spielraum taffen unb ber 9)tei= nung fftaum geben, atd fonne Sn^alt unb gorm bed ft. fid) halb fo balb anberd ge= *) Sbotudd tit. ätnj. 1841. Dlro. 11, <5, 84. 906 ffatccfnöinuS. ftalten.*) — Sie gefdjidjtlidje GStttWitfelmtg beS ff. beweist, baß feilt Sitljalt Wie fein ©ebraudj auf fefter Ijiftonfdjer 23aftS beruht unb baburdj eine heftimmte 23egrenjmtg erhalten Ijat. ©effden hat in feinem inhaltsreichen SEBerfe: „S>er ffiilbcvfatedjiSmuS beS 15. 3aljr= IjunbertS, Seifjjig 1855", ttadjgewiefen, baß £utljer guerft baS äßort ff. als Xitel eine« 23udjS ßcrgefdjlagen Ijat, wäljreub eS not iljm einen ber Saufe unmittelbar üorangetjenben 2lct begeidjnete; widjtiger ift, baß Snljalt unb gönn beS ff. ebenfalls bon fintier ^um 2lbfdjluß gebradjt Worben finb, baß aber beibe nidjt WiEfürtidj Oon iljm beftinunt, fon= berit ber bttrdj Saljrljuitberte geheiligten ^3rayiS ber ffirdje entlehnt finb. 3n ber alten Äirdje unb im 9)?ittelalter ift ff. footel als Saufbeleljrung, Saufeyamett. SBenn bie Xaufcaubibaten einen üorbereitenben Unterricht, ber fid) auf btblifdje @efdjid)te, 23ibeler!lüntng unb einen mehr ober weniger öoüftänbigen Sortrag ber djriftlidjen @lau= beuSlefjre erftredte, oljue baß ittbeS barin bie eigentlichen SDhjfterien beS &^riftenth>muö baS Stjntbotitm, baS SJateruufer, bie facramentalifdjeu Sebjrftüde unb anbere Stjeile ber fogen. diseiplina aroani fc^ou mitgetljeilt Würben, meift mehrere Saljre hiubnrdj genoffen hatten, fo würben ihnen erft fttrj iwr beut Saufact (3. 23. am fßalmfonntage, Wenn bie Saufe an Quafuuobogeniti ftattfanb) fette jur ©eheimlehre gerechneten (Stüde erflärt unb 311111 Semen oorgelegt, ttitt auf btefclben bei ber Saufe felbft baS 23efenntniS ab» julegen unb attjugeleben. SDiefer 2lct ttttb bie unmittelbar oorauSgeljenbe 23orbereitung bajtt, weldje fid; nur auf baS tefete Stabium beS ÄatedjunienatS erftredt, ift ber ff. ber alten ffirdje. Serfelbe bitbet ebenfo beit pofitiben Sfjeil be§ SaufbefcnntniffeS, wie ber SjorciStnuS unb bie Ibrenitntiatiou ben negativen. 3n biefetn Sinne finben wir fdjott bei 2htguftiit (de lido et operibus cap. 9. 13. 18. »gl. cap. 6.) baS S33ort cate- cliismus mit baptismus unb exorcismus in bie eitgfie 33egiel)uiig gefegt. 9(o Sutljer bei Stbfaffung feiner Statedßdnien an, inbeut er bie »orijanbenen, allgemein anerkannten Unterridßdftoffe gu einem ©angeit oerbanb, unb biefed unter einem attetjrwürbigen Damen gunt SDienfte ber Sfirdje meiste.**) 3n ber 2lrt, wie fhttljer hierbei »erfahren, ift bie Wahrhaft conferoatioe geft^altung au bem, Wad als djrifttidjed ©efenntnid im SSoIfe Ijeimifd; war, ber ed)t eoangetifdje Saft, wetdjer it)it bei ber Sludwatjt bed Dtateriald leitete unb bie SDfeifterfdjaft ber ©el)anbfung gteid) bewunberungdwürbig. Didjt nur erhielten bie fpauptftüde: ber ©taube, bad ©aterunfer, bie ©acramente unb ooran ber Sefatog, it;re ©teile im Sf., fonbern aud) bie beim Sauffatecfjidntud uttö bei ber ©eidtte übliche gvageforut würbe beibet;atten, unb fetbft in bie Antworten auf biegrageu uat)m üuttjer ©erfdßebened auf, Wad faft wörtlid) in ber catechesis theotisca aud bem 9. 3af)ii)unbert, in ber Studtegung bed ©aterunferd non Äero, ja bereits in bem Sacramentarium Gelasianum gu finbeu ift.***) Sagegen fd)toß er altes aud, wad ben ©tenipel bed göttlidjen ©ebotd ober bed firdjtid)eit ©t)in= botS uid)t in gleicher ©Seife, wie jene ©tiirfe, an fid) trug, g. ©. bie in ben ©eidjt* biidjern weitläufig betjanbelteit Eapitel öott ben t>erfd)iebenen Arten ber ©iinben unb Sugenbett, bad Ave Maria! it. a. nt. Aud) bie £ef)re öont Amt ber ©djliiffet, bie je( 3 t in ben lutfyerifdjen Sfatedjidmen angetroffen wirb, t>at er fetbft befaitntlid) it)neit nid)t einoerteibt, unftreitig oon ber 2lnfidjt geleitet, baß, ba bie ©uße unb bie priefterlidje Sodfpredjung nid)t unter ben eoattgetifdjen ©acramentdbegriff faden, jenen ©tiicfeu aud) nid)t neben Saufe unb Abenbntal)! eine ©tette gufomnte. Siefetbe Uebergeugmtg, baß in ben eigentlichen Sb. nur bie wirftidjen Sfertt= unb .^auptftöcfe bed d)riftlid)en ©efennt» niffed gehören, beftimmte itjn, atteS, wad er fonft befyufd ber ©etebuug bed retigiöfen Sehend in ber ©enteinbe unb jfamitie beigufügen für uBttyig erad)tete: bie Anroeifung gttr ©eid)te, ben 2)iorgen= uttb Abenbfegett u. a. nt., atd eine befonbere ©eigabe unter bem Sitel Gtnd)iribton (fpanbbüdjtein) beut Sb. aujufd^tießeu. Didjt itünber betnerfend* toertl) ift bie Art nnb ©Seife, Wie er bad ©ange gegtiebert unb Wieberum abgerunbet, bad Eingetne in feinen tieffteu ©egieliungen erfaßt, bem ©erftänbnid erfdjtoffen unb gunt ©efenntnid bargereidjt l;at. 3ebed fpauptftücf bitbet gemäß feiner ©ebeutung unb ber leidjtern Ueberfidjt wegen ein ©atxgeS für fid); aber fdjott in ber Aufeinanberfotge ber *) ©effden, a. a. D. ©. 23 ff. **) $ie ©efirebtutgen Sutt)er«, bad allgemein empfuttbene SSebiivfntS tiad) einem »erbefferten !Religion«uiiterrid)t 31 t Befriebigett, Beginnen fdjott oor feinem öffentlichen Auftreten als SRefor» mator ber Stii-dje, uttb geben mit feiner reformatifd)en SEftätigfeit §attb in §attb. ©eit 1516 prebigte er über beit Sefatog unb ba« SBateruitfer, Batb folgten gebntcfte Stitstegungen ber eilt» gellten ©auptfiüde. ©eine Bebeutenbße !ate^etifd;e ©tprift an« ben elften Sapren ber Oteforma» tiott ift bie „furje gornt ber 10 ©eBote, be« ©tauben« uttb SSatcrmtfer« öotit 3. 1520". ®te 3bee be« St. fetbft ift juerft itt ber „beutfcften SJteffe uttb Drbitung be« ©ottedbienfte« toout 3- 1526" Beftimmt auSgefprodbett; at« Sitet für ein allgemeine« 9tettgion8lebrbiidj begeidjnet er ba« 2Bort juerft in einem ©riefe oont 2 . gebruar 1525 an Stic. ®au«mattit. Sic Ausführung »er* fcbob fub uod), Sotta« unb Stgricota fottten fie übernehmen. @ie fcheinen fid) nicht an bie Aufgabe gewagt ju haben, (äubtid) gab bie fächfifche Slirdjenbifitation 00 m 3- 1529 beit testen Attßoß, uttb nun legte Seither fetbft bie tpanb au« SBerf. Snnerbatb Weniger tüionate erfchieu ba« Such itt boppetter SRebactiott, juerft ber große, bann ber tteilte St. ***) ©eifpiete bei 3. fjartmanit: Aettefte latechetifcöe SDeiifntate ber ebangetifcheit Äirche, ©tnttg. 1844. 908 ■ÄatedjiSntuS. einzelnen liegt ein tiefer Sinn.*) ©ie Srtlarungen geben nidß neben dem ©eyt her, um ifyu 3 U beleudßen, gu commentiren, fie burdjbringen ihn innerlich und berbinben fid) mit ifmt organifd) 3 U einem lebenSboden ©aitgen. 2?id)t in ängftlidjer Konformität wirb jeder einzelne begriff fdjulmaßig erörtert, fonbern in großartiger Sßeife baS Unmittet= barfte für ben ©lauben, baS fBebeutungSbodfte für ba§ Seben berborgeljoben. ©arunt tragen biefe SrHärungen felbft ben Sfyarafter eines ©eyteS an fid) unb laffen eine wei= tere fated)etifd)e Entfaltung 31 t. ©aS fpecififdj confefßonede SBelenntniS Wirb nidß ber= leugnet, aber nirgends tritt eine ■ßolemi! ober eine ^Betonung inbibibtteder Slnftdßen herbor; baS allgemein (Sljriftlidje erhält burd) bie firc^Iid>e f^affung nur befto beftimmtere Ilmriffe unb ein befto auSbrudbodereS ©eforäge. 31 t adern lontmt bie bßb e IBodenbung ber ©fwadje, bie Ättnß, in wenigem diel 31 t fagen, unb bettnod) burd) fßragttang nir= genbS tutflar, fdßbc-rfadig, unpopulär 3 U Werben; unb fcabei ber Warme, bjerjlidjc ©on, traft beffcn man, wie £ßl)e babon rühmt, ben Iutt)erifd)en Ä. beten tarnt. SÜBäfirenb 9utl;er im großen aus bem SBodett beS ©laubenS unb SebenS grei» fenb ben Sinn ber IpaufUftücte für bie tBebiirfniffe beS praftifdjen SebenS fowolß, wie 3 ur ©arlegung beS gereinigten ©laubenS mit befonberer Stiicffidß auf bie Pfarrer unb 9el;rer entwicfelt, faßt er in bem fleinen adeS tiirger unb gedrängter gufammen. 3n ber Äür^e aber liegt bie Steife, bie SSodeubung. 9Jfan tann Wol)I fagen, am großen B. I;at fid) für Sutber felbft erft bie 3bee beS St. bodfomnten abgetlärt; erft nad)bem ber große fertig War, b fl t er gefeiten, WaS für baS Soll 3 U leiften nod) übrig fei. ©er Heine B. ift nicfjt ein bloßer SluSgttg beS großen, er ift feine grudß unb ber ©ipfel bon Sut^erS gefammter tatedjetifdjer ©l)ätigteit. **) Sutljer felbft ^at feinen fleinen B. befamttlid) nur als gönn unb Sjremfjcl l)in= geftedt, unb anbern überlaffeu anbereS 31 t wagten (33orr. 3 um H. $t). S3 tann bieS aber uidjt auf ben Wefentlidjen Snfjalt, fonbern nur auf bie ^Behandlung beS gegebenen (Stoffs be 3 ogett werben. Sind) bejüglidj auf letztere bat aber bie Stird>e mit ridßigem ©efübd in biefer gufädig fdjeinenben gorm bie muftergültige ertaunt unb für ade foI= genben EatedßgmuSbilbungen fie als ©runbtt)fntS feftgeftedt. SS iß oben fd)on bemertt Worben, baß bie ^Belebung beS djriftlidjen SSoIfSunterridßS in engfter SBejietjung 3 U bem reformatorifdjen fßrincipe ftel)t, unb baß 2 utf)erS eigene tated)etifd)e ©bätigteit mit feinem großen SteformationSWerfe gleichen Schritt bjielt. SS tarnt bal)er nidß auffaden, baß aud) bie reformatorifd)en Parteien beS SOtHtelalterS, bie SBalbenfer, bie SBitlefiten, bie Slnl)anger bon §uß, toorgüglid^ bie bö^ntifd)en unb ntäl)rifd)en 33rüber, fd)on fated)etifd)e ^Bearbeitungen emgelner ^aufotftüde be= faßen, unb baß in ber jungen proteftantifd)en $irdje beS 16. 3at)rI)nnbertS neben unb gunt STfjeil bor £utt)er an mehreren Drten ßatedßSmeu tierbortraten. SDtan I;at in biefett <3d)rifteu SSorbilber für SuHjerS fiatedjiSmen 31 t finden geglaubt und ihnen felbft bett erften ©ebraud) beS StamenS B. als ©itet binbicireu Woden. 2Bie jebod) ttad) neuern gorfdßtngett***) ber fogen. 2 Batbenfer=$. in feiner neuern ©eftalt erft eine 9tad)= bilbung beS lutberifchen iß, unb urfprünglid) ben ©itel B. gar nid)t geführt bat, fo haben and) bie tatedjetifdßn Schriften bott SBiflef (pauper rusticus) unb ^uß einen gatt 3 andern, tt)eilS paranetifdjen, tbeilS boctrineden Sl)arafter, als baß fie, aud) abge= feben bon bem ©itel und ber SSerfdjiebenljeit beS ßofflidjen ©etialts, mit 5?ut£>erS 5?ate- djiSnten in eine Sinie geftedt Werben fönuen. ©ie ßatedßSnten der ßteformationSgeit iit unferer $ird)e felbft aber, bon Slltliammer, Stürnb. 1528, unb bonSad)iuann, £)eilbr. 1528, f) find 3 War bor beit lutljerifdjen unter gleichem ober ät)nlid)en ©itel erfdßenen, fie flehen aber fdjon gang unter der bon 9utl)er ausgegangenen Slnregttng. ©aSfelbe *) @. Ißatmer, Äatechetit, 2. Stuft. 300 ff. SutßerS ®orw. 511 m 4. §cmbtß. be§ gr. Ä. • |1 *) Ißatmer, itt §et' 3 og§ 31eal»(Snc^ftopäbie für fjroteß. ©beotogie unb Äirtbe, VII. 62t. ©breitfeud)ter, jur @efct;id)te beS Ä. ©Btt. 1857, ©. 15. ***) ©effden, a. a. O. ©. 17. Siedboff* bie SBatbenfer, ©. 98. t) 3- ®artmann, a. a. D. annöoerfd)cn unb S3raunfd;toeigfd;en lange im ©ebraud; geloefenen Hated;idmen Bon DJtid;. Sattler unb 3uft. ©efeniud, ber ©redbner fogeu. Hreugfated;idmud Bon 1688 tt. a. nt. — Sie britte fßeriobe, Bon ber DDtitte beS 18. 3al;rl;unbertd bid in bad gtoeite ®ecen= niunt bed 19. Saßrßunbertd, umfaßt bie 3 e 't bed Sluffommend unb ber §errfdjaft bed DJationatidmud in ber ©Ideologie, bed •pt;iIantt;ropinidmud, ber fogett. naturgemäßen @rgie= I;mtg unb bed rationellen Unterridftd auf bem ©ebiete ber tßäbagogil, bed ©ubjectioidntud, Hriticidmud unb Sbealidmttd in ber fßt;ilofopt;ie unb ber fogeitannten Slufflärung in ber allgemeinen 93olfdbtlbung. Diüdfidjtlid; bed ffteligiondunterridjtd ift für fie djarafteriftifd; bie Sletjanblung bed fird;lid;en Sel;rbegriffd juerft nad; ber bemonftratioen anatpfirenben 2Jtett;obe ber SBoIffdjen ©d;ute, fobann Born ©tanbpuncte bed gefimbett 9Jtenfd;enBer= ftaitbed unb nad; ben ©runbfäfeen ber „Dtetigicn innerhalb ber ©rengen ber bloßen SJernunft", unter Slntoenbung ber Siegeln einer audgebitbeten Hatedjifirfunft. Dtnfangd begnügte man fid; nod; mit ber formellen 33elmnblung bed überlieferten ©toffd, ot;ne ben Snljalt loefentlid; gu alteriren (fo im H. Bon Söfele, fßtön 1737); halb aber Berarbeitete man bie ntobernenDlnftdften in ben lutljerifdjen ©ept ßineitt (g. 23. im SBeintarfdfen H. Bon 1800), ober man ließ im ©efiifyle bed innern 2Siberfprud;d ben ©ept met;r ober ineniger bei ©eite liegen, b. ß. man fniipfte nur äußerlid) an iljtt an, oertried il;n in ben 21nl;ang ober ermähnte feiner gar nid;t (fo Gramer, fßarifiud, ©ifd)er u. a. nt.), lleberatl tourbe man Bon ber Dlttfidft geleitet, tneld;e guerft 1759 ber ©. DDfeiningfcfje 58erggerid;tdbirector ©rier in ©lüddbrunn iiffentlid; audgefprod;en ßatte unb ©d;ult» I;eß*) nod; 1830 wieberljolte, baß Sutljerd H. nad; 3nßalt unb gorm bem 3 niemanb jn fing bünfett unb »erachte fold) Sinberfpiel. ©IjrifluS, ba er SJtenjdjen jiel;en woEt, mußteSDlenfd) werben; foEen wiriltnber sieben, fo miißen wir auch fiinber mit tfmen werben. SBoEt ©ott, baß foldj tfinberfpiel Wollt getrieben würbe, man foEt in l'urjer 3 e 't großen ©djafj »on djriftlidjen Leuten fet;en!" Unb er feibft l)at es mit ben ©einen Wohl getrieben t unb Weiß, Warum? „23ie Wo!;! id) ein alter SDoctor ber £>. ©djrift bin," fkreibt Sutljer int ©eitbfdjreiben öom ®cl* metfdjeit, „fo bin ik bocb nod) nicht aus ber Jlinberleljre fommen unb uerftelje bie 10 @e= bote, ben ©lattben unb baS Saterunfer nod; nidjt recht; id; fann’S uidft auSftubireit, nod; auslernen; aber id) lerne nod) täglich baran unb bete benßatedjiSmen mit meinem ©ol;n Raufen unb meinem Üökterlein SDlagbaleneu. 1 ' 2öir fyabcn fiier aEe Wefentlid)en ©tüde eitteS regten Äated)i 8 mnSgebraitd)S »or uns. 1) 33or aflem ift auf bie SSe ft immun g beS &ated)i 8 mu 8 für bie Äirdfe unb für baS fpattS fyingewiefen; baS |)au 8 aber »ertritt I)ier aud) bie ©d)ule, bie ju SutljerS Beit als ein in fid) abgefd)loffener Sel)r!reiS nod) nid)t befteljt. SDlatt fyat beSfyalb bie ÄatedjiSnten aud) eingekeilt in ©otte§bienftfated)iSmen (für bie ÄatekiSmuSpre» bigten unb bie $ ated)iSmu 8 ejamina) uttb ©d)ulfated)i 8 raen unb 3 &ifd)en beibe Slrten eine britte, gleidjfam als UebergangSglieb, gefteEt, bie (SonfirntationSfatedfiSmen. ®iefe Unterfd)eibung ift inbeS in neuerer B^it immer mefir in ben §intergrunb getreten; »on einem guten $ated)i 8 ntu 8 »erlangen Wir mit f>fed)t, baß er nicht bloß in ber ©d)ule, fonbern aud) beim (5onfirmanbenitnterrtd)t unb in ber $ird)e gebraudjt werben lomte. 53on 2 Bid)tigfeit ift, baß ber ©d)ttl= uttb ber Äirkenunterridjt, befonberS aber ber ©d)ul= unb ber Sonfirmanbenunterrid)t gehörig in cinaitber greifen unb, foWeit irgenb möglik, nad) gleidjent fEane, nad) bemfelben 8 el)rbud)e gegeben werben. <$S ift ein großer, nicht 3 U bulbettbe» Uebelftanb, wenn beim ßonfirmanbennnterrid)te auf ben »oranS» gegangenen 9feligion8unterrid)t ber ©d)ule feine, ober bok nur eilte fel)r beiläufige 9iiidfid)t genommen wirb. 2 ) ®er $ated)i 8 ntu 8 muß gelernt werben unb jwar ber gange $ejt ber |>auptftüde nebft ben Srflärungen £utl)er 8 ; außerbent nok eine 2 luS= Wal)l »on SBibelfprüdjen, nidit 3 » »iele, wäljrcttb ber gait 3 en ©dju^eit bis gur (Sonfir» ntation 200—250; aber was gelernt wirb, muß fefteS (Sigentljum ber fittber werben. SDeSwegen ift »on bem Sernftoff nichts neues auf bie lebten SKonate ober 2Bod)en »or ber Gsntlaffung aus ber ©d)ule 3 U »erfparen; im Iefcten Safyre ober WenigftenS fpalbjalfre ift eigentlich nur baS ©eiernte 3 U wieberfyolen unb 31 t befeftigen. 2SaS bie ©dfülcr für il)r gat^eS Sieben bemalten foEen, baS mitßen fie in ber ©d)ttle längere Beit als einen ftdiern SDefifj bei fid) Ijaben. (Sin übereiltes SDfentoriren fui -3 »or bem Austritt aus ber ©d)ule l;at fürs Sebctt wenig ober leinen Sünden; baS fo (SrWorbene geht in linder 3 e E Wieber »erlorett. ®ie gange (Sppofition beS ßatekiönutS 31 t lernen ift Weber rätl;lid), nok möglid); fie müßte benn überaus luq gefaßt fein. ®ie 8 war aud) fd)on bie über» einftimmenbe 2lnfid)t »on 33reng unb ©pener. 3) ®er Ä. muß erllärt werben; „bie Äinber mitßen lernen, was ein jeglidjeS bebeute, unb Antwort geben, wie fie eS »er» fteljen.“ ®arnm muß ber Äated)i 8 ntuSnnterrid)t fik an beit aEgemeinett S3itbungS|tanb !¥ätiii(j. enajUopät'ic. III. 58 914 .JtatcdjiSmuS. ber Satedntmenen anfd?fxeßen unb ein ftufenmeife fortfd;reitenber, bem madjfenben gaf= fuugSbermögen bevfetPen entfpred;enber fein. 2)ie ftinber miißen, Pebor fie ben Ä. in bie §anb betommen, fcpon mit ber bibtifcpen ©efcpidjte unb mit benjenigen religiöfen SBaprpeiten, bie bem finbtid)en ©emütpe am näd)ften liegen unb aus ber peiligen @e= fd;id)te ftdj leidjt ableiten laffen, befannt geworben unb baburcp tu einem ettnaS gemed= teren religiöfen Semußtfeiu gelaugt, and) im Sefip eines Keinen ©d)ape8 bon Sibet= fprücpen, ©ebeten unb Sieberberfen fein. 2)er Äatcd)i8mu8.felbft fott bann in ber SRitteß claffe ber SoltSfdjute, b p. mit Äinbern bon 9 unb 10 3apren begonnen merben. *) SRan fange auf biefer «Stufe, opite meitere Einleitung, fcgleic^ mit ben ©eboten an, erftäre biefe bem einfad;en SBortfinn itad) unb taffe fie mit 8utperS Srttärung boßftänbig nebft einer Stnjapl baju gehöriger Sibetfprüdje lernen. Son ben ©eboten gepe man auf bie ©laubenSartifel über. S)er erfte mirb gteid; ganj gelernt, bei bem jmeitenunb brüten tann bie tutper. Gcrflärung borerft nodj megbteiben. Stud; beim brüten fpauptftücf be= fdjränfe man fid) §uuäd)ft auf ben SJteyt beS SaterunferS, ber burcpgefprocpen unb ein= fad; erläutert mirb. ®ie testen §auptftücfe merben auf biefer (Stufe nod; nid;t gelernt, bod; ift über Saufe unb Stbenbmapt unter Senupung ber bejügtidjen Sibetftetten ba§ @efd;id;ttid;e mitgutpeiten, beäiepungSmeife ju mieberpotcn. 3n ber Oberctaffe, mot;in bie Äinber bom 11., refp. 12. bis jnrn 14. 3apre gepören, mirb ber Sated;iSmu8 bott= ftänbig gelernt unb in metjrern 3al;reScurfeit immer grünblidjer burdjgegangen unb tiefer eingeprägt. 4) @8 fott aber ber ÄatecpiSntuS nidjt bloß mit bem Serftanbe unb bem @ebäd;tniffe erfaßt, er foH autp ins ©emütp gebracht merben, er foK $um Se= fenntniS auS Ueberjeugung unb jum freubigen StngetöbniS auf bie ernannte SEßa^r^eit fül;ren. Ser Äated;umene fott nid;t bloß unterrid;tet, er fott burd; ben Äated;iSmu8= unterrid;t „erjogen" merben. Saruut muß biefer Unterridjt überall ganj einfad) unb finblid;, aber einbringlid; unb anregenb fein, gr muß mit SBürbe, ja bietmepr mit 9tnbad;t gegeben merben unb baS fperfagen beS Äated;i8muS muß, mie eS bei 8utper mar, ein „Seten“ beS 8eprerS mit ben Stinbern fein. ganbbüdjer unb Stnteitungen jum ©ebraudj beS ÄatedjiSmuS, ju= meift für 8eprer beftimmt, befipen mir aus neuerer 3eit bon ÜRietfen (Söortfinn unb Sau 2C. f. ©. 911); Sri eg er, Serfud; einer bibl. facht, unb fprac^l. @rf(. tc. f. ebenb.); äRötler, $ated)etifcp-ebanget. Untermeifung in ben 10 ©eboten ©otteS nad; bem ÄatedjiSmuS 8utperi, 8 tiefer., Dlfagbeb. 1854, 1855, ÜUiffen, Unterrebungen über ben ll. $ated)i8mu8 SutperS, 4. Stuft., Äiet 1855; Sldermann, fpanbbud; 5 U SutperS ÄatedjiSmuS, SReiningen 1857; Sa8pari, ©eifttidieS unb SöettlicpeS ju einer boltStpümt. StuStegung beS !t. Ä. 8utperS, 5. Stuft. Srtaug. 1858; fpauff, Seteud;tuug ber &.=lepre burd) bibtifd;e Seifpietc unb 8eprfprüd;e, fReutling. 1854; grande, Seprbud; ber d;riftl. Stetigion nad; Drbnung be8 tutper. Ä. tc., 8pj. 1844; M. gr. 8. Strnbt, £>anbbud; für 8eprer tc., befonb. bei bem ©ebraitd; beS 1850 erfdjienenen 2Redt.= ©trelipifd;en 8aitbeS=$., tReuftrelip 1853; SR ater ne, cßriftt. ©taubenS= unb ©ittentepre, 2. Stuft. SiSteben 1855; SBangemann, bibl. £>anb= unb §ütf8bud; ju 8utperS tt. 2. Stuft., Sert. 1857; Ärüger, Sntmurf einer entmidetnben Äated)i8mu8tepre, Srf. unb 8pj. 1860. fßalnter, in ber fatedjetit, unter ber fRubrit 9?ro. 9 $ate= d)i8mu8. — Son ben Strbeiten über bie @efd)icpte beS Ä. finb außer ben fdjon ange= füprten, namenttid; ben ©d)riften oon Sprenfeuipter unb Srnefti, nod; ju nennen: *) SBemt es fi^ Bloß um ba« SOtemoriren mit etitfadpfler Srtiäntng beö SBortfiitnS panbelt, fo Jönute mau bamit immerbin fo früpe beginnen; aber e8 mbcpte im ganjeit bod) jmedmäßiger fein, biefer ©tufe ltocp ben bibl. Oefcpicptgunterricbt unb ba8 Sibettefen unb ©prücpeferncn opue ÄatecpiSmusj jujiimeifen. SBirb aber ber ft', einmal gelernt •— unb fomeit als es ju biefem 33e» pufe uötpig iß, tann man ben SBortftnn fdjon im 10. Pis 11. Sapre oerftepen, - fo fott er gan5, £>auptßiicE für ■Jiauptßüd unb grage für grage gelernt merben; cs iß gemiß beffer, meitn ber ©cpiiler ßcp ben ft'atecpisnuts als ein untrennbares @anje8 einprägt. $ie Dieb. dtatedjidmud. ■ffinberbdtte. 915 bad ältere fjauptmert bon Sangemad, Historia catechetica, 3 Style. 1729-—1730, unb Slugufti’d Serfudj einer tyiftor. = frit. (Einleitung in bie beiben fjautyt=Äated)idmen ber eoangel. Äirttye, (Elberf. 1824. SSScibemann. ^nttyebcr, f. ©dtyulgerättyfdjaften. tattycbralfdjltlc = Somfdjule (fattyebrallirdje = Somtirdje). Sgl. S omf djule. f’attyoltfdjc (ßäbftpgif, f. Ißabagogif, ityre 9tid)tungen. ®Cltf(tytyett, f. ©diamtyaftigleit. ÄittberMttc. Sad finb bodj motyl S3äHe, mit benen Äinber fielen? ober mie? feilten bamit etma gar Sangfefte gemeint [ein, Säüe, auf benen man mit ßinbern mie mit bunten Sailen ftyiett? — SBir [agen, ja; benn in ber Styat treibt in getoißen Greifen ber ©efeüfdjaft bie elterliche (Ergietyungdmeidtyeit and) foldje Slüten non glän= genber garbe, aber metyr als gföeifeltyaftem ©erud). (Ed finb gum ©lüd meift nur bie fpötyen bed Sol!e8, bie Greife ber [pöfe, beS Slbeld ober ber ipof unb Slbel nactyäffen= ben ©elbariftolratie, mo fie je unb je fi Strtigteiten, unb je metyr ficty bad ©ange anfietyt mie ein SaH ber großen Seute, burdj ein »erfleinernbeS ©lag gefetyen, bad ©piel ber (Ermadjfenen im berjüngten SDtaßflabe, befto metyr fdjlägt ben guten SDtüttern bag fierg bor greube. Sind; eingelne Väter ßnben ficty ein unb ttyeilen bie mütterlictyen (Emtyfinbungen. Sie VeWegungen unb ©tel= langen, bag gange ©ebaren ber Äinber, ber 3iingeld)en unb angetyeitben gräulein (nur baß fie nocty nidjt conprmirt finb; benn erft ber (Eonfirmationdfdjein ift ber [paß in bie große SB eit) merben gemuftert, Wtifirt; bie Iptyantafie magt fogar fütyne Slide weiter tyinauS in bie3wfunft bertangenben Ißärlein, unb biejenigen unter itynen, melctye bereits an ber SluggangSfctymeHe ber Äinbergeit ftetyen, magen motyl audj ityrerfeitd bie erften Vorübungen für garte Serbinbungen! — 3e unb je finb bie großen ?eute, bie eigent- lidjen ©vieler, öon bem ©tyiele ber lieben kleinen fo gerütyrt, baß fie felbft mieber jung merben unb mit einem: „Saß midj ein Äinb fein, fei e8 mit!“ fid) in bie jugenb» liden [Heityen mifctyen. — ©egen SHitternactyt grutytyirt ficty bad Sölftein um Sifdje, bie mit adern belaben finb, mag ben jungen ©autnen reigen mag, aud) tyier bon ben Slugen ber gtüdlidjen Glteru gemuftert. 97acty üDtitternadjt flattern bie bunten Nachtfalter enblidj augeinanber. — 2BeId)e @eifted= unb ©emüttydeinbrüde mögen baoon gurüdbleiben? gürmatyr ein gefährliches SaUftytel, bad fo bie (Eltern mit ityren Äinbern fielen! Sie garteften unb tyeiligften SSIüten ber linbedfeele fönnten babei auf bem ©tyiele ftetyen, unb mir for= gen, ed tyabe fid) fctyon mandjer bon ben jungen Nachtfaltern im Sang um bad glän= 916 •fiinbcrbättc. genbe Lidjt bed Äinberbalted bie glügel unheilbar Berbramtt. — ©djon ber unbeftodjene 3lrjt I;at oI;ne 3meifel feilte Sebenf eit Bon megen ber leiblichen unb gemütljlidjen ülufregung, bie in bie tiefe 9?adjt mäßrt unb beut jungen Körper bie fo Ijeifatne Stufye raubt. 3lber leie mag ein feldjer Slbenb erft auf ben ©eift mirfen? mie mettig merbett tote beu ©inn nod) eine 3 e W an 3 nadjljer umgaufeluben Silber gu ber ©amntlung ftimnten, meldje tie erfolgreiche Lernarbeit erl)eifd)t? Unb mag toirb nun BoHenbd mit fperg unb ©e = mütl) merbett? 3Birb nidjt ber armen Sugenb, meldje bie (Eitelleit ber (Eltern fo frühe fdjon gum SaHfaal führen 31 t mitten mäl)itt, ber SJlaßftab für bad, mag „mal)rl)aftig ift, mag ehrbar, mag geredet, mag feufdj, mag lieblich, mag motjl lautet 1 ', mag ©ttgenb unb Lob ift 0ßl)il. 4, 8 ), gang nerrüeft burd) ein fold)eg ©reiben, mo alleg auf beu ©djein unb bie glatte £)bevfläd)e, bie fdjötte Lüge geridjtet ift? Unb nun ber ©ang felbft? • ®ie ©eele toeSfelben ift benn bod) bag Liebedfpiel ber @efdjted)ter. Uttb mit biefem ©piele läßt utan $inber fpielett? — 9Jtag fein, baß jüngere Äinber nod) mit jener gliidlid)en ©ebaufenlofigfeit, bie ihren ©inn ben gefd)ledjtltd)eu ©ingen gegenüber umfdjtciert, bariiber megfouinien; bie älteren Sallgäfte aljnen fidjcrlidj meljr ober meni= ger toeutlich ben ©iitn ber ©adje. ©ebanfen, (Smpfinbitngen, bie am beften mogtichft lange fdflafeu, merben I)ier mie mit ©emalt gemedt uttb fo ber heilige ©djittucf unb ©d)tt (3 linblidjer Unfd)ttlb freoentlid) angetaftet. 3mar föunte ed fd;eiitett, ald tneffe man bie 33erl)ältniffe ber Rotieren ©taube 31 t fehr nad) bürgerlidjem Lftaßc. ®a mo fid) bie (Sitelleit Bon (Eltern attd bem 5D?ittel= (taube, beu ßöljeren ©tänbeit nad)äffettb, unberufen 3 itbrängt unb ihre Äinber 3 U £in= berbäHeu führt, bie oft nicht einmal mel)r int ©djufse bed IßriBattjaufed [teilen, fottbern mo ber ©atr,meifter feine Berfd)i ebenen (Eleuen an einem öffentlichen Drt gufamntem labt uttb fo gemißeruiaßen ber spiritus rector bed ©att 3 en mirb, fantt ber (Srgieljer nicht ernft unb laut genug fein Yeto einlegen. Slber iftd nicht mirllid) bei ben höheren unb höchften ©tanben ein anbered? Reinheit ber gornt, ©eloanbtljeit uttb ©idjerljeit ber Setoegung in gefeüfd)aftlid)en Greifen gehört nun einmal, fönnte matt fagen, 3 um Leben ber höheren ©tänbe. gür jebe fiunft uttb gertigleit ift aber bie Sugenb bie güu= ftige 3 e it ber Sorbtlbmtg. $aun man nicht bie SÖianieren unb gönnen ber großen SBelt lernen, mie man eine frembe ©pradje, eine gegebene ©erminologie lernt, um fid) nötljigenfaHg in berfclbett audbrüden 3 n fönnen? (£d fommt mol)l and; bei bettÄinber» ballen, mögen fie fid) immerhin nod) fo bebenflid), mibrig, frauenhaft anfehen, mie bei allem, mag bie eitern au ben Äiubern tl;uu, am (Enbe Biel barauf an, mad für ein ©eift ber gefauunten (Ergießung, in meldje bie Seranftaltung ober ber 23cfud) eines foldjen gamilienfinterballed eingeorbnet mirb, 3 U ©ruttbe liegt, uttb ob bad, mad eitern unb (Ergieljer babei tl)utt, mit fßaulud (9tom. 14,23) 3 U rebett, „au 8 bem ©laubeit" gel)t ober nicht? — ©djrcibcr toiefed ift ed begegnet, baß er fogleid) in ben erften ©agett feiner Ipofmeifterfdjaft feine jungen 3öglinge, 3 mei Änaben Bon 7 unb 9 Saljrett, auf einen Äittbcrball führen mußte, ©er geftgeber, ein beutfdjer ©efaitbter Bott feiner Silbttng unb felpr eljrentoertljein flttlidjem (Eljaralter, übte eine fel)r gemiffenl)afte Äinber= 3 ud)t, mad)te forgfältig über bem Umgänge feiner Sinber, glaubte ed aber bod) ber 3 ufniift berfelbett fdjulbig 31 t fein, baß fie fid) and) fritlje in ben gönnen ber oornel)= men iffielt bemegen lernten, unb gab barum je unb je einen ÄinbcrbaH. SBie biefe feine Äiuberbätte auf bie gelabeuen ^ittber gemirlt, ift fdtmer 31 t fagen: bie Äinber bed Saügeberd, ©öl)ne unb ©öcl)ter, finb aHefantmt gerätsen unb — tro (3 fiittberbaH — oljne 2ludital)me fßerfonen Bott entfd)ieben djriftlidjem ©inne geroorben. 3n fold) einem gatte mag ber gatt 3 e ©eift ber übrigen (Ergieljung mie ein fdjüfceu* ber ©eniud bie Sinber Bor tieferem ©d)aben bemal)ren, ja ed taffen fid) gaHe beulen, mo ber ©eift ©otted bereits in jungen ^erjen mirtt, unb ber 33 aK bem bagu ange= miefeiteit Sliube bereitd 3 unt ßrenge gemorbett ift, mie und beim eine junge ©odttcr attd einem altpatricifdjen @efd)led)te 3Zürubergd belaitut gemorbett ift, bie, rneil bie SDlutter burd)= aud barauf brang, im felbftoerläugnenben ©etjorfant giettg, Borger aber jebedmat int ifinberhttffc. .ffiitberglauBc. 917 Kämmerlein beit £>errn ernftlidjft um 33eWal)rung anrief. — gaffe foldfer 2Irt Werben aber bod) wolfl Ausnahmen bleiben. Sen ftanbeSmäffigen fftüdfidffen ber formellen S3ilbung fann fidjertid) aud) ofjne Kinterhatt genügt Werben, unb Wenn wir aud) mit Srwähmtng obiger Shatfadjeu ber Siffigfeit genügten, bie überaff in ber 33eurtl)ei(ung fxttlidjer guftänbe unb realer 33erljältntffe jiemt, fo nehmen Wir bod) um ihretwillen »on unferer grunbfähltd)en SSerurtheilung ber Kinberbäffe üom ©tanbpuncte djriftlidjer Srjieljung aus fein Sota jurfief. 3m Kinberhaüfaale We^t eine oon SDciaSmen erfüllte Suft, Oon beren anftedenDer unb üerberbltd)er SBirfung nur fefir gefunbe ober befonberS fräftig bewahrte Naturen unberührt bleiben bürften. *) SS. ©trehel. Siubcrfcft, f. ©d) Ulfe ft. ©tnbcrgartcu, f. gröber, Kleinfinberfchule. ^tubcrgfaitk, Sean fßaul mad)t am Slnfange beß Kapitels feiner Seoana (I. Kap. 9), baS biefe Ueherfdjrift trägt, bie 33emerlung, man brauche beut Kinber= glauben ber älteren Sheologen nur nähere ©egenftänbe 31 t leiben, fo fei iljr 2Bort riditig unb Wahr. Db biefe älteren Sheologen (genauer: Luther unb bie orthobopen Sogmatifer ber Iutherifd)en Äird^e) mit biefer STnerfennung ganj gufrieben wären, ift fehr ju be= jWeifeln; benn ihnen war eS bei Stuffteffung jenes 33egrtffeS eben nid)t um bie „näheren ©egenftänbe", b. h- SSater unb fDiutter, fonbern einzig um ben höd)ften, ilberweltlidjen ©egenftanb beS ©laubenS, um ben in Shriftud offenbar werbenben ©ott gu thun; unb baff fie einen ©tauben an biefen fdjon ben Dieugebornen jufdjrieben, als eine iibernatür= IiaitS unb ber ©d)itle nur mit fefter unb ftarer SEBahrljeit gebient ift. *) 3d) Weife hier auf bie ftrengen SBorte Dalmers (ffib. tßäb. 3. Sfusg. ©.266 f.) bin, ber gegen ben ©rttnbfafj, es fei in bett höheren ©tänben nothwenbig, bie Äinber frühe an Seit» umgänglichfeit 311 gewöhnen, ftd; auf bie ülettjjerung Hegels beruft: „Sie Srfahntng wiberlegt biefen ©ebanten, benn fte geigt oielmehr, bajj ÜDteufdjen, bie einen tüchtigen innern ©rmtb ge= legt hatten ttnb babei fonft in guten ©Uten ergogen waren, aitd) mit ber ©ewohuheit ber äitfjer» liehen Segeigmtg unb beS Benehmens in ber SBelt halb gttredht tarnen, bag auögegeichnete Seit* mämter feibft att« bem befchränftefien Sfftöndfsleben herborgegattgen ftttb; bag bagegen bie 2 Kett= fchen, weld;e in biefer Sleugerlichteit beS SebenS attfer 3 ogen Würben, auch ju teiitem inneren ■Kerne tommen." ©djmib. **) Serfelben unwiffenfchaftlidjen ©eniigfamteit ift es jttgufchreiben, wenn moberne Sheo s logen ben lutherifchen ffiiitberglauben, um ihn fefihalten 31 t föttnen, in eine bloße ßmpfättgfich* teit für bie Sinwirtungen bes h- ©eifteS oerwanbeln. Siefen fdftechten 3tothbehelf würbe gerabe Suther am Wenigften haben gelten laffen. 918 ütitberglauSc. S)er Äinbergtaube ift ein SRoment ber finbtidjen Unfdjulb, in fomeit biefe tro^ ber Srbfnitbe (f. b. SIrt.) als eine retatibe ©rüge Veftanb Ijat unb mit ber im Sinbe bortjautenen, an feine natürliche Sntmid'lung fidj anfdjtiefjenben SBirffamfeit beS heit, ©eifted auf eine ununterfd;eibbare Sßeife berfdjmoljen ift. itnb jtoar jeigt fich bie Un= fdjulb nad; biefer ©eite barin, baff bad Äinb benen, bie ed liebt, bie ihut au ©otted ftatt 31t Gütern unb Pflegern gefegt finb, unbebingt a priori pertraut, fomoljt baff, mad fie tljun, red;t unb gut, atd baß, mad fie reben, fdjledjtfjin mal;r fei; Ja, biefed Vertrauen geht mandjmal fo Weit, bajj ein Äiitb überzeugt ift, nicht nur atted, mad Vater ober SDtutter fagt, fei mat;r, fonbern aud; atted, road matjr fei, miffen biefelben, fönnen alfo auf jebe jfrage aud) Vefdjeib geben. Stuf metdjem innern ©runbe nun be= ruht biefed Vertrauen, biefe Voraudfetsung ber SBatjrtjaftigfeit anberer 2 )Jenfd;en? SDtait ift geneigt, biefen $ug au§ ber nod; tmrljanbenen eigenen Slufridjtigfeit unb SBaljr» haftigfeit ber Äinber abjuteitext, bie barum aud; auberen feine Saufdjung 3utrauen, toeil fie felbft nidjtd arged im tpersen tjaben. ©0 einteudjtenb biefe (Srftärung fdjeint, unb fo fcl;r fie aud; in öielen gälten jutreffert mag: genügenb ift biefetbe bennod) nicht. S)enit aud; badjenige Sfinb, beni bie S?üge bereitd nid;td frembed mel;r ift, fann gteidjmotjt gegen beftimmte ißerfoiten badfelbe Vertrauen nod; t;aben. Umgefet;rt fdjenft aud; bad uod; unfd;utbigfte itinb biefed Vertrauen nid;t jebermann; fagt il;m irgeitb jemanb, bem ed nod; fremb ift, etmad if;nt nod; uubefanuted, jumal ettoad feltfamed, fo tauft ed 3U Vater unb SJfutter, unb erft menn biefe bie Studfage beftätigen, entfdjliefjt ed fid;, biefetbe 31t glauben. Sd ift alfo mefenttid; bie fd;on murgelfefte Siebe, bie fotdjed Ver= trauen t;egt; men bad Äinb liebt, bem glaubt ed unbebingt; fotd;en ©egenftaub oer= trauendboHer Siebe 31t tjaben, ift eined jener abfotutenVebürfniffe, bie bem. 9 Jtenfd;en= tjerjen auerfd;affen finb, unb ot;ne bie eine ed;t ntenfdjlidje Sebendentmidtung unb Se= bendgcftattung gar nicht moglid; ift. 2Bie aber immer bad mat;rt;aft fhtmane, menn iljtn fKautn gemadjt unb ®et;br gegeben mirb, über fid; felbft IjinaudfiUjrt 3um Ueber= menfd;Iid;en, 3um ©öttticben, toeit ed fid; fetbft erft in biefem oollenbet: fo liegt in jenem Vebürfniffe, einen ©egenftanb unbebingten Vertrauend 3U I;abeu, bad höhere ©taubendbebürfnid, ber religiöfe Srieb bereitd eingemid'ett; befriebigt ed fid; im Äinbe 3uerft au Vater unb SOtutter, fo finbet ed bei reiferer Sntmicftung feine bolle VefricbU gung erft in einem ©ott, ber fid; ald t)öd;fted ©ut jenem Triebe 3um gläubigen 6m= ffangcn unb ©euiefjen barbietet. @d ift bat;er bie fjäbagogifdje Stufgabe an biefem bßxmct eine hoppelte; erftend fragt ed fid;, mie fid; bie (ärgieljung biefem Jfinberglauben gegenüber 3uuad;ft ald perfüntidjem gutrauen 3U 9 Jtenfd;en uerfiatten müße; unb bann, mie and biefem ber ©taube im höheren, religiofen ©inn 3U geminnen fei? 1) Stad Vertrauen irgenb eined SÖtenjdjeu, fo aud; eined Stinbed, tann id; mir eingig baburd; ert;atten, baß id; ed niematd täufd;e. Stad ift in ber Gsqieljung in fomeit uid;t fdjmer 3U meibeu, ald id; niematd bem Stinb etmad berfpredjen merbe, oi;ne ed 31t halten unb ebenfomeuig it;m bor etmad bange mad;en merbe, bad nicht eyiftirt ober nidjt fommen mirb; nur ber plumpfte Unberftaub fann, um ein Sfinb 3U befdjmidjtigeu ober 3um©et;orfam 3U beloegeu, itjm etmad berfpredjen, bad er nidjt gu halten gebenft, ober mit Sßötfen unb Varen brotjen, um einen SBiberftanb 3U bredjen. ©d;mer aber ift bie Srljattung jened Vertrauend für eitle biejenigen, bie nidjt fdjon 3Ubor, unb ab= gefeljen bon iljrer ©tettnng ald ©rgieher, burdjaud matjr finb. 3 n ihrer @ebanfen= tofigfeit merbeu fie oft bor ben Dh ren ber Sinber etmad reben, mobou biefe bereitd miffen, baff cd unmaljr, baß ed 3. V. eine erl;eud;ette jpöflidjfeit ift, ober toad tjernad; gar nid;t atd binbenbed 2Bort betrachtet mirb. Stlfo aud; menn bad St'inb fetber nidjt getäufdjt mirb, fonbent nur fietjt, mie bie ÜOienfdjen, and; bie, metdjeu ed traute, eiu= anber belügen, fo mirb fein Vertrauen berietst; ed madjt bie gans natürliche 2 lbftrac= tion, baff man it;m fetbft gegenüber berfetbcu Unreblidjfeit fähig fein merbe. 9 fun laßt fid; freilich nidjt jebe Verütjrung bed Sfinbed mit berSBett, bie ihm jene Säufdjung unb (Snttäufdjung bringt, oermeiben; ed ift fogar für bie 3 u ^ un ft nothmenbig, burd; fotdje ■SinbergtauBe. 919 (Erfahrungen bie Klugheit gu lernen, bie, wie ber ©iracibe rätl) ( 6 , 6 ), unter £aufen= ben faum (Einem oertraut, WaS ja gar nid)t hindert, baß man bettnod) jebent QJfenfdien ein lauteres 2BoI)lwoIlen entgegenbringt. 2lber baS eben erforbert mtn oiele $orfid)t unb 325eiSljett, um nid)t baS Vertrauen, baS dem Siinbe natürlidj ift, in ein ÜDiiStrauen umfd)Iageu p laffen, baS, Wenn eS einmal bis in beS ^erjenS innerftcS ©ernad) ge= brungeu ift, in fpäteren Jahren ju einem habituellen fittltc^en Hebel toerben fann. 2)ie grage, ob eS beffer fei, baS Äinb auf feinem guten ©lauben an aller ÜDfenfcffen 3feb= lidjleit fo lange ju laffen, bis eS felber (Erfahrungen üom ©egentheil ju machen be= fommen, ober ob man ihm biefe burd) Oorbereitenbe Belehrung über ber 2Belt 2lrt erfparcn mäße, beantwortet fid) bamit, baß gtoar foldje (Erfahrung gar feinem erwart bleibt, inbem aud) bie befte SttugpeitSregel gerabe ba am eheften oergeffen wirb, wo fie am meiften angewenbet werben foHte; baß aber gteid)Wobl bie (Erfahrung, bie bie eilten bereits befi^en, ben Jungen nicht oorenthalten werben, fonbern ju ftatten fom= men foH. 2Benn ein finb oon irgenb einem ©afte, ber bei uns oorfprid)t, jurn ®egett= befud), gu einem Sanbaufentljalt eingelaben wirb, fo meint baSfelbe gteid) morgen ber (Einlabung golge teiften ju follen unb oerfpridjt fid) golbene SSerge baüon. SBirb ihm nun entgegnet, beriet oon ber Slrtigfeit gebotene (Einlabungen pflege man nid)t fo ernft= lidj ju nehmen, man müße erft ab Warten, ob fie wieberholt werben, fid) überhaupt erft oon bern 23eftanb neuer greunbfihaften länger übergeugen: fo wirft baS wie ein @uß falten SffiafferS auf beS ÄinbeS WarmeS ©emütl); eS wirb im erften Slugenblid eher ge= neigt fein, bem gremben mel;r gu glauben — weit, Was man wünfcht, man aud} glaubt — als ben (Ettern, beren Urtheil ibjm ju hart erfd)eittt. SBirb aber bann einmal eine (Erfahrung foldjer 3lrt gemacht, bann wirft gerabe fette oorbauenbe ^Belehrung febem jftadjtheil entgegen, ben biefelbe für baS ©entüth bringen fönnte; baS ifinb finbet be= ftätigt, WaS bie (Eltern ihm fagten, fein urfprünglidjer ©laube an bie elterliche 3BeiS= heit wirb gerechtfertigt unb geftärft; eS fieljt aber jugleid) an ben (Eltern, baß biefe, ob fie gleid) ber 91ienfd)en Unpoerläßigfeit längft fennen, bemtod) SBienfdjenliebe haben unb üben ttnb lernt fo aud; ber Sßelt gegenüber fid) juredjt finben. greilidh barf fene ^Belehrung nicht in ber gorrn oon SDecIantationen über ber äöelt galfdjhett unb SoSljett ertheilt Werben, WaS jWar ein ergiebiger ©toff für fßebeübungen, aber ein päbagogtfd) fehr unfrud)tbares £h enia iß- ©onbern an baS Seben felbft unb feine fleinen unb großen fBegegniffe fnüpft fid; ungefucht baS redjteSßort; tooju fofort auch bie ©elegen= heit fomrat, bie ber Unterricht in biblifdjer unb profaner @efd)id)te 31 t (Erläuterungen unb 9lnwenbuttgen in jener Dichtung barbietet. — Jft eS atfo immerhin nothwenbig, bem ßögling i ene ^ 5DHStrauen gegen bie Sßelt, ober beffer gefagt, jene Sefdjränfung beS StnberglaubenS in betreff ber 2Renfd)en, betten er fid) unbedacht juwenbet, feneS nQoasxsw oLTto zäv äv&QODKwv, WaS ShriftuS fDcattl). 10, 17 feinen Jüngern 3 ur fßflidjt madjt, an 3 ueignen: fo muß, um bie gefunbe äBurjel jenes ©laubenS unangetaftet 3 U erhalten, jenem SDiiStrauen ein fräftigeS ©egengeWidjt gegeben Werben. ®ieS beftel)t nun 3 unäd)ft barin, baß baS Äinb weiß, wenn aud) alle ÜD?enfd)en falfd) finb, fo ift ©ott bod) wahrhaftig (9iöm. 3, 4); unb Wenn jeder betrogen ift, ber fid) auf 2)lenfd)en oerläßt, fo ift derjenige befto fidjerer geborgen, ber ©ott oertraut (3ereut. 17, 5., fßf. 118, 8 . 9). 2tber fold) eine abfolute (Eittgegenfejjung gwifchen ©ott unb ben ÜD?en= fd)en ift bem Äinbe gegenüber fchon deshalb unmöglich, weil biefem bod) 9ftenfd)en, nämlich f“ ne ßrjieher, als ©teüoertreter ©otteS beigegeben finb, benen eS glaubett foH und muß; Wer nie an äüenfdjen geglaubt hat, wirb aud) nie baju fommen, an ©ott 3 U glauben, wie man erft menfd)tid)e Siebe empfunden unb genoffen haben muß, beöor man etwas inne wirb oon göttlicher Siebe. Ueberhaupt fann niemand aller 2Bett geinb uttb nur ©otteS greunb fein; wer att ©ott glaubt, ber muß auch an f e i ne 9)iadjt in ber aJienfchen f? er S en und ©ewiffen glauben; wer ben SDienfdjen fd)lechthin mistraut, der glaubt nicht an ben dritten Slrtifel beS ©pmboluntS, er glaubt an feinen h e iÜ 8 en ©eift. ^Deshalb muß aud) bem Äittbe bie menfd)lid)e 2Bahrf)aftigfett in leibhafter SBirflidjfeit 920 jftnbcrglauBc. cor 2tugeit treten; ed muß -Perfonen fenuen, teuen fid; ber Sinbergtaube, ber luie 9Joal;’d Staube in ber Wogenben glitt ber SD'tenfdjeumaffen nirgenbd einen 9iu1jeort finbet, unbebingt guwenbett tarnt. ÜDiefe müßen it;m gegeben fein in ben Gittern unb Sefjrern, bereit Stuctoütät aud; bamnter nidjt 9?ott; leibet, wenn fie it;m auf bie eine ober bie anbere wißbegierige grage fagen müßen, bad wiffen wir nidjt, Wenn nur aöed, wad fie iljtn fagen, genau Watjr ift. Slber aud; außer biefen nädjften SDfejecteu bed Ver* trauend foH bad Sinb anf fotdje 9)?enfd)eit, bie feften, fdjtedjttjin guöerlüßigen Sljarat* terd, bie burdjaud watjr finb, Wo fie im Sebett ober in ber ©efdjidjte oorfontnien, be= fonberd aufmertfam gentadjt, feine tieffte Vereljrung auf fotdje Stjaraftere geteuft unb baburdj bem ©tauben an SJteitfdjen 9?atjrung gegeben Werben. Sernt ed auf biefeut 2Bege ben tjotjen fittlidjeu Sßertl; ber 2Baf;rl;aftigfeit, ben 9tbet eined lauteren ßifjaraf* terd erfcnuett, fo wirb bied auf feine eigene V3at;rt;aftigfeit reinigenb unb ftärfenb gu* rücfwirfen. Von Anfang freitid; barf man nidjt meinen, ber Sinbedgtaube ftelje fdjott Don 9tatur in gteidjem Vertjältnid mit ber eigenen Ülufridjtigfeit unb Voabrtjaftigfeit bed Äittbed. Sind ber it;m natürtidjen Voraudfe( 3 ung, baß alted Watjr fei, wad ber Vater it;m fagt, uiadjt ed fetber nodj gar nidjt ben ©djtitß, baß aud; aßed, Wad ed feiner= feitd bem Vater fagt, fdjtedjtljin watjr fein mfiße; t;ier fommen egoiftifdje 9Jfoti»e ind ©f'iel, benen ed fetber folgt, Wätjrenb ed gtiidtidjer 2Beife fotdje Sßtotioe beim Vater gar nidjt atd utöglid; ooraudfeftt — bid ed etwa in ben ungtiicflidjen galt fomntt, bad Vorljanbenfeitt fotdjer Sttotioe aud; beim Vater gu eutbeden; bamit ift bann freitid; beibed gugteid; gerftürt, ber Sinbedglaube unb fein eigened Vewußtfein oon ber ißftidjt ber 2Iufrid;tigfeit; gerftört atfo fann wot;t beibed gugteid; werben, nid;t aber ift beibed aud; mit einanber gefegt unb fotibarifdj oerbunben. ÜDad SBeitere hierüber wirb beirrt. VSaljrtjaftigfeit erörtern. 2) 3um retigiöfen ©tauben wirb ber Äinbergtaube erhoben, inbem an bie ©tette bed menfdjtidjen ©bjectcd, bem ber teuere naturgemäß fid; guerft guwenbet, bad uneublidje Dbject, ber perföntidje ©ott gefegt wirb, in wetdjent bad in jenem Sinbergtauben gum 2tudbrud fommenbe Vebürfnid, einen abfotuten §att, ein t;öd;fted, unbebingt ©uted unb SBaljred gu befifseii, erft gu feiner 9?ut;e, gu einer (Sättigung oljne jematigen Ueber= bruß gelangt. 3)aß ed tjiefür bie befte Vorbereitung ift, beit Stinbedgtaubeit aud; in feiner erften, befdjränften Vegieljitng auf ein enbtidjed Object intenfio red;t gu pflegen, atfo bad innere, fubjectioe Seben bed ©taubend in biefer engen Untgrönguug frifd; gn ertjalten unb gu ftärfen, nidjt aber auftatt beffen objectioe ©ä(3e über bad unenbltdje Object aufgutjäufen, bie bem ©emüttje bed Äinbed nod; frentb, nur im ©ebädjtnid tptafj fättben: bad ift eine ©rfenntntd, ber fid;, feit fßeftatoggi fie — wenn aud; nur auf feine 2Beife — gettenb gemadjt I;at, feine fßabagogif mel;r entgieljen fann. Sd fragt fid; bloß, ob nun tjiernad; wofjt bad ridjtige Verfahren bied fein werbe, baß erft, wenn bad fiinb attmätjtid; fetber finbet, baß bie SJt'enfdjett, benen ed fo unbebingt Dertraut, beim bod; biefent Vertrauen uid;t unbebingt entfpredjen, ja beim beften SBitten nidjt entfpredjen föitnen, — atfo wenn bad Äinb fetber infolge biefer (Srfatjrung nadj einem abfotuten ©egenftanbe für abfotuted Vertrauen (wie für bie bamit Wefenttid; oerbunbene unbebingte Siebe, für unbebiugten ©etjorfam) gu fragen anfängt, itjm biefer gegeigt, ber 9?ame ©otted genannt, beffen Dffenbarungdwort mitgettjeitt werben fotf. Mein wie in Dielen anbern Oittgen, fo ift aud; in üorliegenber Vegietjung bie ridjtige fßrayid biefe, baß bad tjötjere, ebtere Vebiirfnid, bad SBiffenfdjaft unb (Erfahrung im tötenfdjen* wefen erfentien, bad fomit in jebem menfdjtidjen Snbiöibuum atd oor^anben angenom= men Werben muß, nidjt erft bann beadjtet unb befriebigt wirb, Wenn ed bei jebem ein* getiten öen fetbfi fid; regt unb nad; Vefriebigung Ijinbrängt, foubern baß ed geWecft Wirb, wie ber ©ott ber biblifdjen Offenbarung, nadjbem er ben tÖteufdjen gefd;affen fiat, nun nidjt wartet, bid biefer eined Oaged fetber fo Weit in feiner geiftigen Sut= Widtung Dorgcfdjritten ift, um gu fragen, ob nidjt ein ©ott fei? fonbern atdbatb ifm mit einer ©elbftoffenbarung entgegentommt. 9lnbrerfeitd aber bteibt bod; aud; auf biefent Äinbcrgtaube. 921 Se&enSgeBiete bie Siegel in ©eltung, baß rtidfjt'S öerfrü^t, nidjtd forcirt werben barf, fonbern aud) jene SBedung bed nod) fdjtummernben 33ebürfniffcS mit ber natiirlidjen (Entfaltung bed langfam aud ber Unntiinbigfeit fid) ljeraudarbeitenben fiinbedgeifted in richtiger tproßortion fteljen muß. Sßel;altcn Wir biefed 3wicfac6e feft im 2tuge, fo wirb gotgenbed bem wirftidjen ©adjoerfyatt entsprechen. Sad religiöfe SebürfniS in feinem Sofien Umfange, wie ed namenttid) im ßufammenljange mit einer Boflftänbig entwidelten ®ewiffcndtt)ätigfeit, atfo mit einer tieferen ©ünbenerlenntnid fid; geftaltet unb auf bie= fern 333ege atd 33ebürfniS göttlicher Vergebung, genauer atd SSebürfnid eined gottmenfd)= Iid)en (Erlöferd unb fomit einer Wettgefdjidjttidjen |jeitdoffenbarung fühlbar Wirb, ift im Etinbedatter factifd) nod) uitfjt oorljanben; bie ©ünbeuangft, bad ©freien um ©nabe, bad ber ÜDletfycbidmud bei Änöblein unb SDlägblein juwege bringt, ift gerabe ein 35e= Weid gegen bad Wirflid)e tBortjanbenfein Solcher ®efül)le. Safyer fann beim aud), wenn man ftreng beobachtet unb unterfdjeibet, uicfjt mitgng gefagt werben, bie ,jpeildgefd)id)te unb bad hierauf gebaute Sogma entfpredje unmittelbar einem im Äinbe fd)en Borljan» benen, fpecififd) religiöfen SSebürfniffe, unb bed Äinbed ©taube fei eben bie SBirfung biefed Sntfpredjend, bad jmifdjen ber bibtifdjen unb tird)lidjcn Sehre einerfeitd unb jenem religiöfen Söebürfnid anbverfeitd ftattfinbe. 5Bielmel)r, Wad itjm gefagt wirb Bon ber 23ibet atd ©otted 393ort, Bon bem SSert'etjr ©otted mit ben biblifdjen -ßerfonen, Bon ber jjmljrung bed SSotted Sdraet unb ben wunberbareu Singen, bie fid) baran Inüpfen; Wad iljm gefagt Wirb Born |)eitanbe, Bon feiner ©eburt, feinen SBunbern, feinem Sob unb feiner 3tuferftet)ung ec., bad nimmt bad Slinb auf Sreit unb ©tauben, atfo aufütucto* ritat uorerft unbebeuttid) f)in; Weit ed fielet, baff Wir (ErWad)fene baran glauben, baß Wir unfern Sr oft unb ^rieben barin finben, fo nimmt ed auf unfer 393ort unb 3 eu 3 n '8 l)iu biefetben feieren als 333ahrf;eit an, wie ed audj bieStudfage Bon einer allgemeinen ©iinb* haftigleit unb tiefen ÜSerborbenljeit ber menfdjlidjen Statur, wenn ed aud) in einjetneu Momenten eine perfönliclje (Empfinbung oon ber 2S'at)rf)eit berfetben gewinnt, bod) im afigemeineit ebenfaßd atd watyr hinnimmt, weit (Ettern unb Seljrer ed fagen. (Ed ift atfo äunädjft ber ©taube an unfern ©tauben, auf bem für bad Äiitb ber religiöfe ©taube in obiger SSejie^ung rut)t. Sad aber ift ein ganj naturgemäßed 33ert)ättnid; muß bod) jebed Äiub eine SÜlenge Singe, aud) and beut Greife bed aßtägtidjen Sehend, ganj ebenfo aufSreu unb ©tauben l)innet)meu, et)e cd fie ßerföntid) tennen lernen fann; aber man ttjeitt fie it)in Borger fdjon nad) SJlaßgabe feiner gaffungdfraft unb feined Sntereffed mit, bamit ed ju feiner 3^1 um fdjueßer unb Sicherer fid) in biefetbc finbe. Unb fetbft mit ber fitt!id)en (Erfenntnid Bertjält ed fid) nicht anberd; Bon fetjr sietem glaubt bad Äinb nur barum, baß ed gut, baß ed böfe ift, weit ber (Erjietjer ed it)m atd fot= d)ed prabicirt, WieWotjt atterbingd ber abfotute ©egenfafj Bon gut unb böfe —■ rein formeß, atfo abgefeljen uon ber grage: wetd)e Singe gut, Wetd)e böfe feien — im ©eifte bed Siubed fetber Biet früher fid) gettenb madjt, atd ein fpecififch retigiöfer Srieb. — Snbeffen t)at jener objectiBe 3nt)att ber Sletigion, bie £)ffeubarungdgefd)id)te unb bie an fie fid) tniipfenbeu retigiöfen ÜSorfteßungen nod) eine befonbere ©eite, burdj Wetdje fie bem geiftigen Sebeu bed Äinbed fid) atd Siafyrung barbicten unb eine nid)t geringe 2lnjiel)ungd!raft auf baSfetbe audiiben. Sad Srandcenbente unb SSunberbare, bad feiner Slatur nad) BerWanbt ift mit bem fßoetifdjen, faßt bad $inb an feiner (Sinbit= bungdfraft an; biefe erfreut fich baran, fie finbet ed fo fdjön, baß ber fpeilanb mit einem einigen SCBorte Sranfe gel;eilt, Sobte aufertoeeft, Witte SReeredwogen geglättet fiat, unb baß berfelbe ©ottedfotju bie Äinbtein tjerjete unb fegnete. 3n biefem 2Bot)t= gefallen an bem Ueberirbifdjen unb SEßunberbareu ift fidjertid) einer ber widjtigften 3tn= tnüpfungdpuncte für ben d)rifttid)=retigiöfen ©tauben gegeben; 3)lenfd)en, benen biefer poetifd)e 3ug frenib ift, werben fdjwertid) ju einer tebenbigen Steligiofität gefangen. 3tber ebenfo wenig bürfen Wir und bariiber tauften, baß fid) oud) barin nod) tein fpecififd)=religiöfed SBebürfnid funb giebt unb baß bie SSißigteit, biefe Singe jweifettod tjinjuneljmen, nod) ftammBerwanbt ift mit jenen poetifdien tinberwünfdien, bie auc^ bad 922 ■fiinbcrglawbe. SBuitberfame im 9)lärd;en gern mirflid; bettfbar fabelt tnödjteu. Sßo ficfj bet einem Slinbe ein SEBoIjlgefatleit biefer Slrt fmtb giebt, ba rebet bie ^3äbagogif bed ^ßietiSmuS fdjon gerne öon „©laubendfünfleitt", bie in bem fleinen §erjen angejünbet feien; mir merben aber, fofern ed um pfpdjologifdje 3Bal;rl;eit ju tt;un ift, beit biblifd;en, 3 . SB. ben paulinifdjen SBegriff bed ©laubend, hierauf anjumenben fdjtoerlid) bered;tigt fein. — 3 n allen biefett SBejielinngen merben mir mol;l and; nidjt behaupten bürfen, ber Äittberglaube fei ber maljre 50?nfterglaube, uttb je mefyr mir il;n und felber and; feiner pfpd;oIogifd;en gornt unb ©ruitblage nad; (benn fein Snljaft fteljt t;ier aufjer jyrage) lebenölänglid; jn bemaljreit miffen, um fo reiner unb gottgefälliger fei unfere S)ieligio= fität. SZßo gl;riftud ben grmadjfenen ein Äinb jum SDtufter üorfteHt, ift ed nid;t ber ©laube bed Sinbed, mad ed ^ieju fäl;ig mad;t, fonbertt feine 2 lnfprud;dlofigfeit; unb mettn aud biefer aHerbingd aud; bie SBitligfeit l;eröorgeI;t, oon grmadjfenen, grfal;re= nen fid; belehren unb meifen ju laffen, fo fann unb merbe id; jmar biefe SZBiHigfeit, oon SBefferett etmad ju lernen, ja überhaupt SE3al;rfyeit ansunejunen, mol;er immer fie nur fomnten mag, — eine SSMigfeit, bie nad; 3af. 3, 17. ein Attribut ber mal;rett, Ijinttn* lifdjeit SBeid^eit ift —, mit Dem Äiitbe gemein I;abeit, aber oljue barum auf cad 3ied;t 31 t üer 3 id;ten, bad id; ald SDtauu öor bem Äinbe üoraud I;abe, näntlid; bie ©eifter erft 3 U prüfen unb nur bad Sßrobel;altige mir ansueignen. 9fid;t bad 33erl;ältnid, in meld;ent bad Äittb 3 U @ott, fonbern nur bad SBerfyältnid, in meld;ent ed 3 U 33ater unb Ültuttcr ftel;t, ift bad eigentlid; SBorbilclid;e ober äftuftergültige für bed Sljriften gait 3 ed 2 eben; müfjen mir and; merbeu mie bie Äinber, unt ind SReid; ©otted 3 n fern* men, fo bürfen mir bod; aud; im ©Ijriftentljunt nid;t fiinber bleiben, fonbern Jollen 31 a- geiftigen ®roj)jäl;rigfeit fommen (ogl. gpl). 4, 13. 14., 1. Äor. 14, 20). gd mag ttod; fo fdjßit, nod; fo beglüdenb fein, fein Sebenlang aud; im ©lauben ein Äinb 3 U fein: 3 U Seiten louimen unoermeiblidje gonflicte, mo ein in folcfjer Äinb^eit gebliebener ■Btenfd; entmeber l;itlflod feitted geiftigen ©nted beraubt mirb, ober mo er nun bod; ge= nötigt ift, fid; auf bent Sffiege ber ftteflepion um ©tfifcen für badjenige nm 3 ufel;en, mad il;m feiger ofme alle ©tü^en öon felber feftftanb. ©elangt er fo and; nur 3 U bent ©ebaitfett: mad feit öiel l;uubert Sauren fo Diel taufenb gläubigen gl;riften sunt STroft im £eben unb ©terben gemorben ift, mad aud fd)mad;en, fitnbigen 9}?enfd;en t;errlid;e ©ottedmänner gemad;t I;at, mad meiner eigenen gltern I;öd;fted @ut unb ein reidjer ©egen mar, ben id; oon tl;nen empfangen fjabe, mad fjeute nod; Diele trefflid;e «Dfätt» uer, bie nid;t in ben Jag I;ittein glauben unb leben, ald göttlid;e SB3at;rf)eit l;eilig galten unb beseligen, bad fann nid;t SErug ober £äufd;uitg fein; alfo f;inmeg mit ben ginreben unb id; bleibe beim ©lauben meiner Sßäter:— fo ift barin smar nod; frembe luctorität ber Jpauptftüjjpunct, aber in einer SSJeife, mie felbft bie ftrengfte 2Biffenfd;aft 3 . SB. bie @efd;id;tfd;reibung, auf Süuctorität, auf SSrett unb ©tauben fid; ftü( 3 t; bad ift ein fid; feined ©ruttbed flar bemujjter, ed ift ein männlidjer ©taube, mie l;ier aud; ber gntfdjlug: id; miß bei meinem ©lauben bleiben, eilte fittlidje SEl;at ift, bie eine ittännlid;e Äraft, ein männtidjed ©id;fetbftbeftimmen üoraudfegt. SJBenn mir bal;er öont gr 3 iel;er Derlattgeit müfjett, baff er — näl;er ber tated;et — ben Äinberglauben nid;t ald fotdjen (b. I;. mie oben, formell, bem fubjectioen, pfpd;ologifd;en gfyarafter nad;) permanent mad;e, fonbern bem Saling ald SProteftanten ein flared SBemuftfein 001 t bem 2Bal;rl;eitdgruitbe feined ©laubend beibringe unb il;n 311 m ffted;enfd;aftgebeu über bett= felbeit fäfiig mad;e, fo ift bamit nid;t bad ©lauben auf 3luctorität, bad l;eif;t badSßer» trauen auf bie S2Bal;vl;eit glaubmürbigeu 3 eu 8 n 'ff eS audgefdjloffen, aber ed mirb and; biefed SBertrauen bann in feiner SBemeidf'raft erfannt; ed ift aud; I;ier fdjliejjlid; bod; bie eigene, auf innerem ©eiftedseugnid unb eigener geiftlidjer Sebenderfa^rung beruljenbe iteberseugung, bie fid; burd; bad 3 eu gnid ber SBorgänger nur ftärft unb ben SJBert^ bedfelbeit anertennt. — 2 lel;nltd; uer^ätt ed fid; aucfj mit ber anbern oben berül;rteu ©eite ber @ad;e, mornad; ber ©taube bed Äinbed analog ift bem poetifd;en 2Bol;I= gefallen an ®ingen, bie über bie gemeine S£Birflid;feit übergreifen, monad; alfo bad üinbergtaube. 923 £)bject beS ©laubeng junäc^ft auf bie (Jinbilbunggfraft wirft unb bon biefer acceptirt wirb. Sem Sinbe muß felbftoerftänblid) eingeprägt werben, baß bi er nidjt ©ebilbe bicfjtenber bß^antafie, fonbern SBorte unb!X£)aten ©otted gegeben finb, bag biefe 2 Bunber= weit eine SBirftidjfeit Oberer Drbnung ift, bie barutn nic^t mit bfogem 2 Bot)IgefaIIen, wie ein ßftärdjen (f. b. 2 lrt.), fonbern mit (£^rf«rcfjt betrautet fein will. §lber etwag oon jener poetifdjen Slnfdjaunng beg Sinbergtaubeng faßte aud) für bie fpätere 3 ^it er= halten werben, nämlidj bag reine ©efüljl, bag bwr bie $ategorieen nnb ©efefse bet gemeinen Söirflidjfeit ebenfowenig angewenbet unb gur Srflärung beg HBunberbaren bei= gegogen werben bürfen, als bieg poetifdjen Sbeen gegenüber julägig ift. Sarin haben gerabe bie £h et, f°3 en in ®ogmatif unb Gcpegefe oft unfäglidj taftlog unb gefdjmacflog gehandelt; Wer mir 3 . S3. bie Sßatur beS Sluferfteljunggleibeg ©hi'ifti phbfifatifd) analt)= fiten ober in ber Slpofaltjpfe bag § 0(3 beg 9ebeng botanifd) erffären wiß, ber gerftört — abgefehen babon, bag fold)e Gcrflärungen hoch nur auf SBorte funauglaufen, bei benen fid) nidjtg benfen lägt—jenen poetifdjen Suft, ber aßeg derartige bor fold) plumper ^Behandlung fdjüheu foßte; fo!dj ein fog. biblifdjer fftealigmug ift oiehneljr ber leibliche 33ruber beg fmuSbacfenften fftationaligmug. — Slßebem aber, worin alfo ber $inberglaube fid) erft läutern unb befreien mug, um föfamtegglaube 3 U werben, fteljt ein ©ebiet beg refigiöfen Sebeng, bag eigentliche fpeitigtljum beSfetben, gegenüber, in weldjent aud) ber äftanit nichts beffereg tjaben fann, afg ben ©tauben eineg ßinbeg. Sag ift bag ©ottbertrauen in feiner rein praftifd)e:t ©eftaft, in feiner unmittefbarften 33egiehung aufg Seben, in weicheg baSfelbe gerabe an foldjen iguncten eingreift, wo aud) bag $inb fd)on erfährt, bag felbft bie Eltern, benen eg fein gan 3 eg SSertrauen fdjenft, boch Weber aßeg Wigen noch a ^ e§ fönnen, alfo bag SöebürfniS eineg ©egenftanbeg für unbebingteg Vertrauen fid) baburd) befriedigt, bag bag jfinb bon ©ott bem 2 tßmäd)ti= gen, Stügütigen, 2lßwiffenben unb Stßweifen hört unb 3 U ihm gu beten gelehrt Wirb. 2 Benn bag $tnb mit irgend einem ffeinen ober großen Slnliegen feine 3 ufludjt gurn lieben ©ott nimmt, bag er bie ÜDlutter genefen faffe, bag er etwag berloreneg ihm finden helfe, bag er ihm beiftehe, fein Sftemorirpenfum richtig Ijergufagen :c.; wenn eg darauf bertraut: ber SBater im Fimmel hört aßeg, wag id) ihm fage, unb eg ift ihm ein Mei= neg, aßeg 3 U thun, Wag er wiß, auch bag Unmögliche fann er möglich machen: bag ift ber redjte, edjte ßinberglaube, ben wir darum nicht gering achten bürfen, bag erben bogmatifcfjer SSeftimmtljeit noch f e h r wenig an fid) trägt, bag er fogar nidjt immer bogmatifch correct ift, fofern bag lind (wie bag $olf überhäufet) ©ott unb Heiland als bößig ibentifd;e SSegrige gebraucht; ja bag er aud) einem Sßioraliften ein Slergernig 3 U geben im Stande ift, wenn bag find (wie Saoater bieg bon fid) er= gählt) bent lieben .fpeilanb bag 3ntvauen fdjenft, er werbe etwag, wag eg peccirt, 3 . 33. eine ©d)ate, bie eg gerbrod)en, nidjt entbeeft werben tagen. @g ift gewiß recht bag SBefen beg ßinberglaubeng getroffen, wenn Soljanneg (1.3olj. 2, 13) fagt: „3dj fdjreibe end) lindern, denn ihr f'ennet ben Sßater". Siefen ©laitbeu fid) 3 U bewahren, bag ift aud) beg Sftanneg Aufgabe unb, Wenn er fie erfüßt, ein unendlicher ©egen; bag $tnb= lidce daran ift jene Sreuljergigfeit, bie bem bimmlifdjen ÜSater aßeg 3 utraut, bie ebenfo übergeugt ift, bag er bag Slßerfleinfte, wag nng befümmert ober bewegt, wag Wir felbft einem Sßenfdjen nidjt mittljeilen möd)ten, um nidjt oertadjt gu werben, mit liebeooßem 3luge beachtet, wie, bag er felbft bag ©roßte, ©ewaltigfte gu ooßbringen oermag, fo= halb er wiß, unb bie darum aud) bem ©tauben ben Sljarafter einer beftänbigen gröl)= lid)feit giebt. ÜDlan hält wol)l entgegen, baß 3 War bem S?inbe foldjer ©taube natürlidj fei, Weit eg bie bermittelnben Urfadjen ber Singe nidjt fenne, unb bon ber fftotl)Wenbig= feit beg 2Beltgufammenl)angeg feinen ^Begriff pabe, baß eg aber bem Spanne, ber biefe Äenntnig befipe, unmögtid) fei 31 t jener Einfalt 3 urüdgufet)ren. 2ltg ob irgenb jentanb biefen Sfßeltgufammenljang boßftäntig fennen würbe unb alg ob berfelbe für denjenigen, beffen Scitfen nicht im SJioraft beg SOfaterialigmug fteden geblieben ift, nidjt nodj 9faum genug ließe für einen lebendigen SBificn, ber bem ©angen, wie bem Eingelnen, feine 924 ■Äinbergtaube. V ßwede imb giele fe(jt! Unb als ob eine göttliche £ülfe, eine wunberbare ©otteStjat Weniger göttlidj, Weniger wunberbar Wäre, Weit bie fog. SJtittelurfadjen, burd) Wetdje fie gefdjidjttidj I;erbeigefüt)rt würbe, in ben natürlidjen gufammenbang ber ®inge mit» eingewoben finb! SBenn ber SDfann, unb jwar ber gebitbete, bentenbe üDiann, nodj fotctj finbtidjen ©tauben bat, fo ift baS nidjt Sdjwad)e beS ©eifteS, fonbern Äraft beS ©eifteS, ber mit männlidjem SSitten über baS S^ädjfte, oor 2 tugeu Siegenbe ^inauSgreift unb, ftatt im blinbeit ®rucf unb ©egenbrucf ber SKaturfräfte, ßielmetjr in einem Ijeili= gen, gottlidjen SBitten allein feinen ütubepunct finbet. — «Sofern aber baS red)te ©ott» »ertrauen aud) bie ootte Ergebung in alles baSfenige in fidj faßt, was ©ott über midj »errängt, fdjeint ber MitbeSglaube hinter bem SDtanneSglauben um ein gut $tfeit Weiter 3uriicf5uftet)en. ©in Äiub weiß fidj in bie tttidjterfüttung eines SSunfdjeS um fo Weniger mit ©etaffenljeit ju fiuben, Weit eS iibcrjeugt ift, eS Ware ja ©ott ein Meines gewefen, benfetben ju erfüllen. ®aß aud) bie 9 tidjterljörung, baß audj ein Hebet jum Sßeften gereidje, baS 31t glauben, fäCtt bem Mnbe fdjwerer, weit eS überbauet »ietmetjr im Stugenbtide lebt unb in bem aufgeljt, was ber 2lugenblicf bringt. ®afür tritt aber an biefem ißunct eine anbere SDtadjt, bie oberfte alter MnbeStugenben, ber ©etjorfam, in bie Süde; wie baS Äinb eine ftrenge fOtaßreget beS (grjieljerS fidj gefallen laßt, nidjt weit eS immer überzeugt ift, baß biefetbe Weife, geredet, beilfam fei, fonbern einfad), weit eS ben ©etjorfam als feine Sflidjt erf'ennt: fo würbe aud) gottlidjen gügungen gegenüber beS MnbeS Sertrauen nic^t immer auSreidjen, um eS getaffeu unt> gebutbig 31t madjen, wenn nidjt ber ©etjorfam baju tjätfe. Seim Spanne wirb unb muß baS anberS fein, weit feinem Vertrauen bereits bie ©rfabrung unb bie eigene, männlidje ©infidjt jur Stttfce bient; iubeffen ift aud) Ijier ber llnterfdjieb fein abfotuter; benn troj atter ©rfabrung unb ©infidjt Würbe aud; ber ttttann unter Umftänben feljr »er» fitest fein, fein Vertrauen Wanten unb fallen 31t taffen, wenn er fidj nidjt ber ißftidjt unbebingten ©eborfamS erinnerte; Wie ber ©efjorfam fidj auf baS Sertrauen ftüfete, fo umgefeljrt muß biefeS aud) jenen oft 31t fpütfe rufen, um uns baS fpaupt über bem SJaffer 31t batten. ©ine cigentbümtidje SdjWierigfeit liegt aber barin, baß auf djriftlidjem Soben nidjt nur ©taube unb Vertrauen geforbert wirb für ©ott unb feine £>eitSoffenbarung, als tperfon unb ®tjat, fonbern aud) für fein SSort in bem fpecietteti Sinn, in wetdjem ber Segriff „SBort ©otteS" mit ber Ijeit. Sdjrift als Sud) ibentificirt wirb. ®er Mnbergtaube trägt, gan3 feinem SBefen entfpredjenb, alte SBeiSljeit, SBabrtjeit unb @e= redjtigfeit, alle fdjted)ttjin fetjtertofe Sottfommenbeit, bie er ©ott unb feinem perfonlidjen ®b un 3utraut, aud) auf baS Sud) über, baS bie Äirdje als ©otteS Süßort präbicirt unb als ein fpeiligtbum itjm in biefpanb giebt. ®en Unterfdjieb, baß idj oottfomnten bereit unb willig fein fann, altes unbebingt alSSSabrtjeit bi^unetjmen unb praftifdj 31t befol» gen, Was mir ©ott fagt, aber baß idj erjl prüfe, was mir ©ott wirftidj gefagt tjat, unb ob inSbefonbere baSjenige, was nadj firdjtidjer ®rabition als ©otteS Sßort gilt, biefeS Wirftid) ift unb allein unb ooßftänbig ©otteS SSort ift —: biefen Unterfdjieb madjt ber Mnbergtaube nidjt; gebe idj itjm amb eine populäre Slpotogetif, fo nimmt er bod) auch bie itjm an bie tpanb gegebenen ©rünbe oiet meljr auf ®reu unb ©tauben bin, als baß fie bei ttjm eine fetbftänbige ©rfenntnis barftettten. SeneS Sertrauen nun ift beunodj fein blinbeS; eS wirb, je meljr man bie Sibet gebraudjt unb fidj in fie ein» tebt, befto metjr beftärft; eS fann auf biefem SSege fidj 3U einer foldjen Sibetfreube, einem foldjen Sibetteben entwicfeln, baß man — wie bieS an Scannern wie 3. S. SJtagnuS fyriebricj 3 tooS unb äbntidjen 3U fejen ift — gar fein anbereS SSiffen unb ®enfen metjr bat, als was auS ber Sdjrift gefcjöpft ift unb auf fie surüdffüljrt. 3 n fotdjem gatte ift ber MnbeSgtaube permanent geworben, aber er bot feine Stüjje bodj nid)t meljr bloß an ber Sluctorität ober gar an ber ©ewobnbeit, fonbern am eigenen geiftlidjen Seben; wie ein foldjer SDtenfdj fidj feiner felbft bewußt ift, fo ift ibm autb fein ©taube unmittelbar gewiß, weit er barin tebt. 2 Bie baS Mnb ftdj in feinem Ser» dtiitbcrgtaulic. 925 trauert gu jeittanb, bem eS fcagfetBe einntal gefteult tjat, au dt burd) Ungleidtljeiteit int 23enetjttten, burd) etngelneS befremblidje nidjt ftören läßt, gerabe weil eS itjm gu> traut, er tu erbe aut bagu feilten guten ©runb haben, weit eS it;m in lieben ödem 9 t e= fpect aud) bagu baS Code 9Jed)t einränntt: fo läßt fid) ber retigiöfe ßinbergtaube aud) burd) diejenigen ©igenfdjaften ber l). ©djrift, bie ber tnenfd)Iid)en gönn, ber geittidjen ®efd)id)te itjrer Slbfaffung angeboren, im minbeften nidjt beirren; Ungenauig= feiten in ber 23eridjterftattung, Unrid)tigfeiten in ber SlitWenbung attteftamentlidjer ßitate, Unbegreiflidjleiten, wie g. 33. baß ein Soangetift fel)r wichtige ©ljatfad)en, bereit 2lugen= jeuge er gewefen feilt muß, nid)t ergatjlt, wätjrenb bodj anderes, ittinber 23ebeutenbeS non atten ergä^tt wirb —: foldje ©inge, auf wetdje ber fritifdje ©pürfiitn fatjnbet unb aud benen er allerlei ©ttüffe gietjt, madjen betn ^inbergtauben, eben weit er baS ift, aud) nid)t bie minbefte Unruhe; größtenteils wirb er fie gar nidjt gewähr; g. 23. einen Unterfdjieb in ben 3been unb ©runbanfdjauungen be§ 3ot)anneS unb ber ©ijnoptifer, ober beS -ßautnS unb SalobuS, ber pauliniften 23riefe unb ber 2lpolaIt)pfe finbet er gar nitt oor; unb wenn tut je aud) auf faden Witt, baß eine ©tede fid) anberS oberbuntter über eine Seljre ober ©Ijatfadje auSfpridjt, als eilte anbere, ober Wenn eS tm fetber aud) einmal bünft, eS fodte in einer ©teile not etwas beigefügt fein r Weit baburd) erft biefetbe oodftänbig jur 23eweiSftede für eine Setjre würbe, fo erregt aud) ba§ leinen 3weifet nod) 33erbad)t, Wed il)itt baS Stpiom feftftetjt, ber I). @eift l)abe baS fouöeräne 9ted)t, fid) auSjubrüdeit, wie eS it)iit gefade; fei baß unfern ©pradjregcln nidjt confornt, fo fottten biefe oietmcl)r nad) itjm, atd er nad) iljueit fid) ritten; unb wenn er eieteS in bunlte SluSbrüde eiitljüde (wie g. iß. im Soangeliutn 3ot)anniS bie Gcrllärungett, bie 3efu8 ben 3ubeu über eine oou itjiten uid)t oerftanbene Siebe gibt, öfters nod) blinder fittb als baS gu Gsrdäreitbe, ober bloße Söiebertjotungen beSfetben), fo fietjt ber Äinbergtaube barin nur bie Weife 2Ibfid)t, gttttt eigenen Siatbenfen anguregen. Sine ©tede burt bie anbere, was bei 2Rattt)äuS fef)It burd) 3ot)attneS unb umgefeljrt, gu compenfiren unb baS fo 3"f ammei, 9 en °wwene atS ein fd)ted)tt)in 3ufammengel)örigeS, atS ein ©angeS angufetjen, ift itjin ein fid) gang bon fetbft oerfteljenbeS Siedjt, ja eine fßftidjt jebeS 33ibetleferS, bon ber er bie auSgebeljntefte, unbefdjränltefte Hinwendung mad)t. 3t)tt befrentben barum aud) fette StuSfagcn bon ©ott ober bon bibtifd) = gefd)id)tüd)en -ßer= fonen, bie ben geWötjntiten SRoralbegriffcn gu wiberfpreten fdjeinen; baß bie Binder SSraet auf ©otteS ©etjeiß ben Sgpptern ifire filberneit unb gotbenen ©efäße entwanbten (2 Sdtof. 11, 2. 12, 36), baS ftört beit Äinbergtauben nidit im geriugften; beim fein Htpiom ift: waS ber §err tut, baS ift gerecht, weil ®r eS tljut. — ©eWiß, eS fittb tjod)begtüd'te ©eeten, bie fotdje Sinfatt unbebiitgten ©taubenS in fid) tragen unb feft= gut)alten bermögen. 2tber mit biejer ©efigpreifung ift bie grage nod) nitt beantwortet, ob fotd) eine ©infalt als (£l)riftenpftid)t geforbert werben, ob atfo ber örgietyer um jeben i|3reiS ben 3“S^ n S au f liefern ©tanopuncte fefttjatten müße. 2ltS einft bon be Sffiette eine tljeetogifdje ©djrift Iritifdjen SntjattS crfd)ienen war, fagte auf bie fyrage eines 23e= lauitten, ob er biefetbe getefen? ein frommer alter fperr: „3Rein fpeitanb tjat mid) ba= ben bispettfirt, baß it baS 23ud) beS ,$errn be 2Bette nitt tefen muß." fpaben wotjt wir ade Stnfpritd) auf folcfje ©ispenfationen? ©eljr ftwerlid). @S ift gwar aud) für erwad)fcne Seute bequem, fid) ben ©tauben baburd) uuangefodjten gu ertjalten, baß man eiitfad) nidjt tieSt, loaS nid)t mit bemfelben im Giiiflange fteljt; ein ©runbfa(5, ber Weiter berfotgt am Snbe gu einem 33erfaljren leiten tonnte, wie baS, WeldjeS beut $a= lifen Dinar gegenüber ber 23ibIiotl)ef gu Sltepanbria nadjgcfagt Würbe. 2ßeitigftenS wer bentfsljatber Religion unb ©tauben ginn ©egenftanbe wiffeufdjaftlidjer Srlenntnis gu mad)en bat, ber lann bem 23orWttrfe ber §ault)eit ober and) einer I)od)iniitt)igen, ber= ftodten ©etbftgenügfaraleit uid)t entgehen, Wenn er grunbfä^tid) nur deSt, waS itm in feiner ©ebaulenWett nitt ftört. Unb aud) ein foldjer behauptet nidjt wirllidj feinen 3linbergtauben; beim biefer ift fröt)Iid) unb unbefangen, jener aber ood DRiStraneuS unb einer Stengfttidjleit, bie er fid) fetbft Wie anbern berljetjtt. ©er ©rimiti, mit bem 926 dfinbcrgtaubc. matt gegen atteg togfäfrt, mag man atg Unglauben anfieft, tag odium theologieum ift oft gar nidjtg anberg, atg bag berrätferifcfe Baffen, baß man beg eigenen @tau= beug nid)t ficfjer ift; man mirb Befanntlic^ nie! ärgerlicher, trenn man an ber ©eite angegriffen mirb, mo man fidj fdjtoad) fiiftt, alg menn man fidj bem ©egner ge= mad)fen toeiß. 2ltfo fann, mer ju f3tjilofofd)ifd)em unb tfcotogifdjem ©tubinrn berufg= falber berpflicftet ift, feinen Äinbergtauben nidjt in urffmüngtidjer Ginfalt feftfatten; er muß mit bemfelben Ijinburd) burd) Reiter unb Sßaffer. 2lber mag für biefen eine miffenfd)afttid)e SRotfmenbigfeit ift, für beren möglidje Hebet eben bie SIBiffenfdjaft fetbft and; bag ©egengemidjt barbietet, bag ift nid)t aud) für jeben anbern ein SBebürfnig ober etroag jmedmägigeg; um fo mefjr, atg and; beim ©Geologen bie Sßiffenfdjaft nur bie gorrn, nidjt bag Sffiefen beg $inbergtaubeng, nur bag Stienfdjtidje, Sßedjfetnbe, Bu= fällige baoon, nidjt bag Steibenbe, bie ertannte unb jum fperjenggut gemorbene djrift= lid)e SBaljrfeit fetbft atterirt. 2Bir untcrfdjeiben begfalb für bag päbagogifdje ißerfafren folgcnbe berfd)iebene f^äHe. 1) 2Bo jene bcrufgnmßige tBejtimmung nicht borfanben ift, ba liegt burd)au§ tein 2Intaß, nodj meniger eine bpfticht bor, ben Böglittg in ein ©ebiet tljeologifdjer Probleme einjufiiljren, bag itjn nur bermirren fann, mäfrenb er nicht, mie ber SJtann bont gadje, in ber SBiffenfdjaft fetbft aud) bag ©egengemüft gegen jene Ginbrüde finben mürbe. Gg ift barum unberantmortlidj, menn in Sefranftatten für junge Seute bom 14.—18. ober 20. 3aljre im Sfeligiongunterridjt bie fragen über bie Gdjtfeit ber bibtifdjen 23üdjer berfanbett merben; fie finb rein tfeotogifdje ©d)ittfragen, bie bag jurn Seben gemorbene Gfriftentfum nid)t berühren. Bögtinge, in benen ber Itinbergtaube nocf) tebenbig ift, nehmen tiefeg Slergernig taran; anbere, bie erft recht im ©eift angefaßt merben fottten, faben Sangemeile babei, nnb bag ift, fo fd)limm eg ift, am Gttbe nodj bag SSefte, meit eg ben Unoerftanb beg Sefrerg meifteng unfdjabtidj ju madjen berffrieft, freilich audj gugteich bie fReligiongftunbe fefr in ©d)^tten ftetlt gegenüber ben anberen Sßenfen. 2) 2tber aud) bie ©d)üter, melden bercinft, um ber SBottflänbigfeit Ojrer miffen= fd)afttid)en 33itbung mitten, biefe Sßrobteme nicht erfpart bleiben tonnen, bie fünftigen Stfeotogen müßen bagegen im boraug gefdjüft nnb innertid) feftgemad)t merben, baß biefe ©tnbien für fie nicht gefährlich merben, b. f. nicht baß fie ben fragen fetber faul ober feige aug bem SBege gefen unb babor ein Äreuj fdjtagen, fonbern baß fie benfelben ferjljaft unb mit unbefangenem ©inn ing 2litge fefen, aber baß ifnen barob ber fubftantietle ©efatt beg ©taubeng, bie Siebe ju ®otteS Sßort unb gu bem, ben eg berfünbet, bag SBemußtfein bon ber Hnentbefrlidjfcit beg eoangetifdjen ©faubengtrofteg nidjt abfanben fommt. SEßirb im fatedjetifdjen G(ementar=ltnterricft, mie Ijernadj im foljern ©fmnafiatunterridjt ber B^Sling nicht über bie 23ibet geftettt, um über fie reftectiren unb räfonniren ju lernen, fonbern in fie tjineingefüfrt, baß er erft ifren3n= halt fennen lerne unb fidj tebenbig aneigne, merben iljm bie djriftlidjen @runb= unb fpeitgtefren fo bargeboten, baß er bie ©röße unb £>errtid)feit ©otteg barin fdjauen unb fühlen lernt, baß fie itjm perföntid) tijeuer unb Ijeitig merben, baß er, mit Siebe fid) biefer äBafrfeit fingebenb, ju bem SSemußtfein fommt, er fönnte ofne biefeg Siebt, otjne biefen Streft, otjne biefe Hoffnung gar nidjt leben; finb iljm bie ©prüdje ber ©djrift burd; richtige Sefanbtung oon ©eiten beg Sefrerg, burd) ifren ©ebraudf im ©ottegbienft mie im Seben, in beffen freute unb Seib lieb gemorben; ift er burdf Hebung beg ©ebeteg in ferfontid)en Serfefjr mit bem tebenbigen ©ott eingeführt unb auf biefern unmittetbarjten SBege ber ©egenmart beffelbeit inne, feiner Äraft unb Streue gemiß gemorben: — bann ift er gefichert, fomeit überhaupt eine ©ieferung im uoraug meglid) ift; er mirb aud) aug ben B^eifetn, bie jene fpecietten fragen unb beren oer= fefiebette Söfung in ifm ermecfen, mit feilem ©emütt) Unb ©tauben ferborgefen. ®enn menn er aud) maneßeg atg ungelögte ©djmierigfeit muß ftefen taffen, fo ntadjt er oon Ginjetheiteit, bon leußertidjfeiten bag ©ein ober ÜRidjtfein feineg ©taubeng nidjt ab= hängig; mäfrenb eine ängfttid)e lfmtogetif unb §armoniftif ba unb bort unb immer ■Äinbergtaube. 927 wieber mit allerlei fleintidjen $9tittetd)en unb ßertegenen SluSfünften beifpringt, läßt er rut)ig bieS uttb jenes — wie 23iteamS Sfetin, wie Sofua’S [tiöfteljenbe ©onne — auf fid) berufen, Weit, WaS er als ©eift unb Seben aus ber ©dmift in fid) tragt, ßon ber 2lu8tegung foldjer ©teilen unabhängig ift unb feineSWegS mit ber buhftäbticfen geft tyaltung ihrer Oefd^ic^tlic^Ieit ftef)t ober fällt. Sbenfo werben il)m mand)e bogmatifdje ^Begriffe, weit er fie aus ber Unbeftimmtt)eit ober 33erfd)WommenI)eit ber ßutgären 3)ar= fteüung Wie aus bem ©pinnengeWebe fdjolaftifdjer gormetn h^uSheben nnb wiffen= fdjafttidj begränjen gelernt, eben baburdj aber fie erft fowoljl unter fid) in Haren fammenljang als auch mit feinem WiffenfdjaftMen ©efammtbewußtfein in ben notI)= wenbigeu Gsinftang gebradjt Ijd, fid) mobificiren; fotdje 9?ebucticn ift aber nicht eine 9lbfd)Wäd)ung, fonbern eine Reinigung; fie ift bie unauSbteiblidje SBirfung beS unbe= ftedjlid) wahrheitstreuen ßttrüdgehenS auf ba§ ©djriftWort felbft, nämlid) beSjenigen 3urüdgefjenS, ba man nicht med)anifdj SBorte unb ©ähe'jufammenfudjt, um ein 2>ogma barauS gu formiren, fonbern jebe ©djriftjtelte in ihrem urfprüngtidjen ©ontept läßt unb auS biefetn ihren lebenbigen ©ebanfengeljdt fdjöpft, babei auch wohl unterfdjeibet, was bie ©chrift fagt, bon bem, WaS fie nid)t fagt, fonbern WaS trabitionell in fie t)tneinge= legt wirb, ©o fehr aber nad) biefer ©eite jebeS ed)t wiffcnfchaftlidje ©tubium 31 t einer fritifdjen ©hötigfeit fährt, bie als foId)e aderbingS ben ©tanbpunct beS ÄinberglaubenS aufhebt: fo gewiß Ijd jene djriftliche 33ilbung in ©djute itnb|jau 8 , bie fchon ber&nabe empfangen, jejst bie erWünfd)te, gefegnete SBirtung, baß wenn ber 3ögld0 ßh and) als ©tubirenber ober als reifer Sttann gang cinläßlid) mit ben Arbeiten ber negatibften Äritif befc^äftigt, biele Behauptungen unb SSerneinungen berfetben, bie (gumat in ben breißiger unb oiergiger 3at)ren biefeS SahrljunbertS) eine theologifche ©djute unb eine untheotogifd)e plebs in ihrem btinben StuctoritätSgtauben als auSgemadjte ©ache t)in= nahm, ihm atSbatb in ihrer 9?idjtigteit unb SBiHfürtidjfeit btoßliegen. 3)enu nid)t bloß geht it)m ber Äij 3 et ab, überall ßerrätljerifd)e ©puren ßon IBerftößen, 9lnad)roniSmen u. f. w. 3 U entbeden, unb beShatb fotdje an Ijunbert Orten 31 t finben, Wo fein heHeS Stuge fie entbeden fann; nidit nur ift er frei ßon ben fehr pofitioen 35 orau 8 fef 3 ungen, bie in ber ßorgeblid)en IBorauSfehungStofigfeit fteden, namenttid) ßon bem bitrdjauS wittfürlid)eu 9lpiom, atS fei, WaS auS ben unS befannten 9?aturfräften nicht erftärt werben fann, eo ipso aud) unmöglid); fonbern ein fo ßorbereiteter, djriftltcf) gebitbeter Sftenfd) bringt ßon feinem fiinbergtauben h er etwas mit, ohne bas über S)inge beS ©taubenS 31 t urttjeiten feid)tfinnig unb frißot ift, nämlid) bie 2td)tung ßor bem ^eiligen, bie jßietät gegen baS, WaS ber $ird)e unb in iljr fo ßiet taufenb Weifen unb frommen 9Jtenfd)en baS Slheuerfte nnb Äoftbarfte ift unb WaS in feiner erhabenen Sinfatt immer wieber ber SJienfdjen ©erebe unb ©egänfe überbauert. S)iefe Pietät, wir wiffen baS fepr gut, faun ft^Iießlic^ nidjt üfcer SKahrtjeit unb Srrtfmm entfdjeiben — fonft wären auch Sutljer unb iHielanhtljon ßon ihrem papiftifdjen Äinbergtauben nie toSgefommen—, aber fie nött)igt unS bitrdj eine heilige ©d)eu, unS ßorher motd unb grünblid) unb geljnmat 3 U befinnen, ehe wir irgenb eine unS überlieferte ißofition auf bem ©ebiete beS @tau= benS aufgeben. 355er mit foldjer ©eelenßerfaffung in jene ©tubten eingeht, für ben barf unS niht bange fein; ber wirb halb finben, wetd) eine 9)?enge ßon gtßeifetu, poit oorgebtid)en SBiberfprüdjen tebigtih infolge ßorgefaßter SJteinungen hdeingetragen finb, wäljrenb fie fiir ben Unbefangenen aud) bei genauer Kenntnis ber ©pradje, ber 3 eitgefd)id)te u. f. f. gar nid)t epiftiren; er wirb namenttid) erfennen, baß gerabe berjenige ißitnct, auf bem bie gange apoftolifhe 33erfünbignug rut)t unb um ben fid) baS gai^e c^riftlidje ©taubenStebcn bewegt, bie Sluferftehung £l)rifti, e ' n ©tein ift über ben bie moberne Äritif mit allem ©djarffinn niht weggufommen ßermod)t t)d, währcnb bod) ohne biefeS gfactum bie Gsntfteljung ber d) r 'ftihen ^trd)e eine Unbegreiftid)teit Wäre, unbentbarer atS alles, was jene unbentbar finbet. ©0 bleibt aud) bent Spanne nod) fein Äinbergtaube; Wohl in freierer gorm, äfntid) wie aud bie fittüdje 9Sottjäl)= rigfeit über ßieleS ein freieres Urtt)eit I)at, atS ber noh ßon äußerer Stuctorität, ßom 928 ^inbcrgtauBc. 33ud;ftaben abhängige [djitjädjeve ©eift: aber toie bie ©nbjtanj beS ®tauben 8 = in^alteS beS Credo biefelbe ift, fo ift bie ^erjenSjieBung jum lebenbigen ©laubenS» objectc ebenfalls biefelbe; je unbebiitgter, je tnminlidjer baS perfonlid;e Vertrauen 3 um perfontid;en ©ott unb Grtefer ift, um fo finblidjer ift baSfelbe. Saper pat fid; fcpon maudjem burd; alle Siefen unb fpöpcn feiner SBijfenfdjaft gegangenen Sinologen fc^Iieg= lid) alles auf SutperS Keinen ÄatecpiSmuS rebucirt unb bariit concentrirt, — ein 23e= weis, baff ber ÄinbeSgtaube and; IDlanneSglaube fein taun, wie umgcteprt, baff, WaS julelst nad; aller SBiffenfcpaft als baS SBefte unb Äoftbarfte ertannt wirb, aud; oor aller 2Biffenfd;aft am beften bem ÄiubeSglanbeu jum 33epifel unb SluSbrttd bient. 3) SBenu aber opne alle ißrooocation uon ©eiten beS SeprerS ein altfluger Junge Oon felber anfangt, ß’ritit jn treiben, fo ift baS freilid; ein fdjIimmeS ©pmptom; benn Wenn baS liiublidje am Mnberglaubeu einmal oerloren, ber jarte Suft über ber $tinbeS= feele jerronneit ift, fo laßt fid) baS abpanben ©etcmmene fo wenig mepr in feiner Jben= tität perftetteit, als eine oerlorene Unfdjulb. Siber meiftenS werben bod^ bie 3">(ifd beS Knaben materiell oon ber 33efd;affenpeit fein, baf ber G^ieper auS feiner tieferen unb umfaffenberen Ginfid;t fie üollftänbig pcben tann — bie Giuroencungen Werben tinbifd; fein; ober Wenn fie Wirtlid; weiter greifen foHten, unb bod) bie 3<üt nod; nid;t ba ift, Wo eine freiere, geizigere @efamnttaufd;auung moglicp wäre, Wo alfo ein Gin= wanb jitgcgeben Werben tonnte, opne baf bamit gugleid) baS SBefeit, ba§ gunbament beS ©laubenS in gvage gefteHt würbe, ba bleibt nicpts übrig, als bem 3ögting jn fagen: baS oerftepft bu nod; nid)t; eS tann bir erft, wenn bu mepr gelernt paft unb fliiger geworben bift, bie ©ad;e ertlärt werben. Samit aber ber einmal erwarte 3®eifel nid;t insgeheim fortwüple, bamit anS ipm nid;t 3 TOe ifelfud;t Werbe, ift Wopl baS 23efte, bie Senttpätigteit unb fyrageluft auf aitbere ©egenftaube ju teilten unb burd; biefe ge= pßrig 3 U befd;äftigen, baneben aber ißpautafie, ©emtttp unb ©ewiffen fo 31 t Weden unb 31 t pflegen, baf für ben in einem anbern ©ebiete beS ©eifteSlebenS gefäprbeten ©tauben pier bie ©tütte offen bleibt, Wo er feine eigentliche |)eimat in ber IDtenfdjenfeele pat, unb wo er fo lange geborgen ift, bis bie poliere Steife aud; bie 2Jti5glid;feit mit fid; bringt, bie beibcn oorerft nod; nebeneinanber unb getrennt beftepenben geiftigen äöelten bie les S?erftanbeS unb bie beS ©emütpS, 31 t poperer Ginpeit 3 U oerbinben. ©d;licflid; ift pier nod; barauf Sciidfidjt 31 t nepmen, baf mand;e fromme Glteru ober Grjieper betümmert fiub, Wenn fie an ipren Äinbern nod; Wenig oon bemjenigen Warnepmeit, WaS man ©laubenSleben nennt, b. p. ein bewußtes 9eben fceS ©laubenS in ipnen unb ein principietteS SSeftimmtfein ipreS SeutenS unb SBotteitS burcp ben ©lauben. ©ie mßdjten, WaS fie 001 t 3injenborfS unb äpnlid;er SDtenfdjen frfipjeitiger ©ottfeligteit pören, aud; bei ipren eigenen jtinbern fepen. Ser SBunfd; ift gan 3 natiir» lid; unb berechtigt; er wirb fid;, je inniger er ift, befto mepr jum ©ebet geftalten unb bem gan 3 en GrjiepungSgefcpaft einen oorjngSweife religiöfen Sparatter geben. Siber fd;on ber SBunfd; felbft muf erft in ttareS £id;t gefteHt werben, bamit uid;t burd; falfd;e Sluffaffuug unb untluge 23egeprlid;tcit nad; SSefriebigung beSfelben baSjenige eut= ftepe, WaS man im tabelnben (Sinne beS SBortS pietiftifd;e G^iepung nennt. (SSgl. ba 3 u bie coang. ißäbagogif beS Unterjeidjneten, 3. Slnfl. ©.219 f. unb'bie einfcplägigen fpäteren Slititel ber Gncptlopäbie.) Jener SBunfd; wirb gcrabe baburcp nicpt jur Gr, füHung gebrad;t, woburd; ipu fold; unttugeS S3erfapren realifiren Witt, bnrcp ttnaufpör» tidjeS SSorprebigen, burd; Stötpigung 31 t gepäuften SlnbadjtSübungen, burd; gorberung frommer Gmpfinbungen, Sleufernngcn unb Setenntnijfe; entweber macpt man bentßinbe pieburcp bie Religion gerabeju wiberWartig, beffen gefunber ©inn gegen folcp eine fdjwa&pafte, fid; jur ©d;au tragcnbe grümmigteit, gegen fold; ein £reibpauS=Gpriftcn* tpum reagirt, ober ift ber Junge fd;lan genug, 3 U inerten, baf eS ipmS3ortpeil bringt, in foldje SBiinfdje mit fd;eiubarem Gifer cinjugepen; bann ift ftatt Sinberglauben® oicl= mepr $inberpcnd;elei erhielt unb an bie ©teile ber Ginfalt bie Süge getreten. GS ift aber jene S3etümmerniS and; oft eine gaitj überfliiffige. Sie ©efd;id;te leprt nicpt, baf .ginbetgtauben. jtinberbcitaitftattcn. 929 -aße, bie in reifen Saljren burdj religiöfen ©inn unb religiöfe Sfjätigfeit in irgend einer Slrt fidj auSgegeidjnet Ijdben, fdjon als Sinber fidj fo fromm bewiefen, baß man fie (mit ben alten Steten beS patter SBaifenljaufeS gu reben) tiätte „auf bie Sifte ber Grwedten" fe£en tonnen. SDie Steligion wirb nnr feiten unb unter ©orauSfe|}ungen, bie fidj nidjt erzwingen laffen, fdjon in frühem Sllter gum beljerrfdjenben geiftigeu SebenS» eentnun werben, fie geljt »ielmeljr oorerft nodj neben ber gangen, unbefangenen Offen» Ijeit für bie bunten Steige ber fidjtbaren ©Seit frieblid) tjer; eS ift baljer nodj ein fetjr Weiteres ©hriftentljum, baS and) bie beftgearteten Araber gu führen pflegen. Slber Wenn eS ber tinblidjen ©eele nur nid^t fefjlt au Slufridjtigfeit unb SBafjrheitSfiun, an Äraft ber Siebe unb beS Vertrauens , an ©ewiffenljaftigteit unb felbftoerteugnenbem ©efjorfaut, an gäljigfeit, bei gegebenem Stnlaß and) tiefere Ginbrüde aufgunehmen unb fid) ihnen Jjingugeben, — bann ift ber ©oben befteßt, in weldjen wir bie djriftlidje SBaljrbjeit aus ©otteS Siöort burdj Sehre unb ©eifpiel, burdj 3 u ^t un ^ auf Hoffnung auS= ftreuen; baff früher ober fpäter bie ©aat aufgebt unb als fdjöne grudjt ein Seben im ©lauben, eine gebiegene djriftlidje f)3erfönlidjfeit gu Sage fommt, bas gu wirten ift ©otteS ©adje. tpatmcr. t filtbcr|ci{anftaltcit. Sin bie bei ber öffentlichen Slnfgabe in ©egug auf bie t ör = pertidje ©rgieljung (f. biefen Slrtifet, ©djluß) erörterten allgemeinen SDtaßregeln gur ©rljaltung ber ©efunbljeit beS wadjfenben DrganiSmuS fnitpfen fid) als notljwenbi» geS ©tüd ber öffentlichen ^jtjgieine bie Ginridjtungen für bie mebicinifdje ©eljanblung unb fßftege ber traut, fiecfj ober gebredjlidj geworbenen Äinber, foweit biefelbe nidjt »on ben eingelnen Familien felbft geteiftet werben tann. SBir haben eS Ijier baljer nidjt mit ben Slnftalten für familienlofe ffinber (ginbet» unb ©Baifen=3lnftalten), für Verwahr» loste (StinberbeWaljranftalten unb SiettungSljäufer) gu thun unb fdjließen auch foldje Snftitutionen aus, bie fidj ebenfo ober meljr auf bie ©rgietjuug unb Unterrichtung als bie uiebicinifdje ©eljaublung ber an ben ©innen ober ber ptjtjfifdjeu Drganifation be= fecten Äinber begieljeu, als ba fiub bie Slnftalten für Gretinen unb ©djwadjfinnige, für ©linbe, für Saubftitmme, überbieS bie »erwanbten für ©totternbe. Sie befonbere ©orforge für bie ginber in ihren Äranfljeiten ift burdjauS Gigen» ttjum ber neueren 3eit; fonft naljmen bie Äinber nur, unb gwar, wa§ bie ©pitcder be= trifft, in untergeorbneter StBeife Slntbeil an ben gwei Jpauptftüden ber aßgemeinen Ärantenpflege, nämlidj einmal an ber öffentlichen Slergten übertragenen ©eljanbluug ber ertranften Sinnen in ihrer gamilie, unb fobann an ben gurSlufnaljme unb ©eljanb» tuug öon tränten in eigenen Slnftalten geftifteten ©pitätern ober grantentjaufern. Sie ©eljanbluug bonÄinbern in ben aßgemeinen grantenljäufern gefdjatj nur auSnaljmS» Weife unb ift überbieS großen ©ebenteu unterworfen, einmal wegen ber ©erfdjiebenljeit gwifdjen ber pflege unb ©ehanbluug oon Äinbern, gumal üon jüngeren, unb üon Gr» wadjfenen unb ber Ijieburdj bebiugten oerfdjiebenen ©inridjtung, fobann Wegen ber Un» gebjörigteit beS 3ufammenlebenS non Äinbcrn mit fonftigen, auf Ujre ©rgieljung ge= meinhin nidjt günftig wirteubeit ißerfonen. gür ginber, Weldje in ber gamilie nidjt verpflegt Werben fönnen, ift baljer ein eigenes SrantenljauS ober eine befonberS eingc» richtete unb getrennte Stbtheitung eines größeren ©pitalS aßein gwedmäßig; bagegen wüßte ©erfaffer leinen ©runb, weSljalb bie öffentliche ©eljanblung ber Äinber in ihren gamilien befonberen Snftituten gu übertragen wäre, fobalb ein ooßtommen genügender armenärgtlidjer Sienft, eine ©otitünif, befteljt. SaS ©ebürfniS ber 3 e 't fd?uf ©efudjSanftalten unb überbieS eigene Binder» franfenljäufer; auf ben erften ©lid fdjeint eS unnatürlidj, ein Äinb oon ben natiir» liehen Pflegern beffelben gu trennen unb in Sagen ber Srantljeit, in Weldjen bie tiebenbe ©egenwart unb pflege ber Sßtutter am Wenigften erfeigt werben tann, einem fremben |jaufe gu übergeben, unb in ber Sljat ift eS auch eine oiel gu wenig beadjtete §uma= nitätSriidfidjt, baß man ©äuglinge, Weldje freilich als bie am fdjwierigften unb toft= Guc^Hopäßic. III. 59 930 ■Ätnbetljetlattftoftcit. fpieligften ju öerpflegenben meiftenS auSgefdjloffen ftnb, nidjt ol;ne ihre HRutter ober ihreSlmnte, waS fdjon ber gleiten Nahrung wegen außerft widitig ift, baß man über= haupt Kinber au8 ben erften Saljren nur mit ber in ihre pflege eingeübten ißerfon auf= nimmt. Ibgefeljen baoon ftnb Kinberfpitäler eine große SSohlthat nnb toirb ihr 93e= bürfniS ein immer größeres; einmal ioeit fo öiele illegitime Kinber in ber elenbeften ^SfTege fidj befinben, fobann weil tttandje fonft beforgte SJfutter bem tränten fiinbe nur wenige Sage ober äßodjett lang ihre ooHe pflege fönten tarnt, tnbem bie Dtotfy, ber Kampf umS tägliche 33rob fie swingt, außerhalb beS £>aufe8 ihren Verbienft für ben Unterhalt ber gamilie gu fudjen; a(|o biefelben @rünbe wie für bie Grridjtung oon Grippen» unb KinberbeWafjranftalten, vulgo Kleintinberfdjulen. Söeiter aber ift bie 33 e= Ijanblung in einer £>eilanftalt nötl;ig, wenn es fid) um bie 3tnwenbung einer befonberen SDiätetif, namentlich um ^wertmäßige unb fräftige Koft, um 93äber unb um eine Umgeftaltung ber fdjledjten Jebenöoerljältniffe beS Äinbeö, weldje baSfetbe ju §aufe tränt unb fiedj ge= mad)t I;abeit, ^anbett; ober wenn eine fog. innere Krantheit eine fe^r epacte $eilmethobe unter ftetiger fadjferftänbiger Leitung erforbert; nodj mehr, Wo bie Ipauptcur in c^irurgifdjen ©ingriffen, orthopäbifdjen hülfen ober ^ei(gt)iunaftifd)en Hebungen beftefyt, furj atfo unter Verhältniffen, wo nur bie Wot;It>abenbften Gttern ben nötigen fieitapparat unb bie nötlpige Slbwartung im gamitienhaufe einridjten tonnen; für eigentümliche £eil= metfyoben befleißen baljer mit SRed;t überbteS befonbere Inftalten, namentlich bie be= tannten ort^opäbifd^en unb bie in neuerer $eit an ih*e ©teile tretenbett ober beffer als toefentlidje ©rganjung ju benfelben als Weiteres, ber ÜJJebicin wiHfommeueS Gurniittel ftdj ^ittjugefenenben Ginridjtungen für fog. fdjwebifdje ^eilghmnaftif. 2lu8 bem 3?e= merften ergiebt fid) überbieS, baß bie Kinbertranfenhäufer ^auptfädjlid) für chronifdje Uebel angemeffen frnb. lieber baS 33ebürfni8 einer unentgeltichen £>au8behanblung ber Kinber ber Slrmen im Weiteften ©inne braudjt eS teineS 93eWeifeS; biefelbe wirft um fo Wohlthäti= ger, als leiber jTirrbergefunbljeit unb Kinberleben Dielfad) gering gefd)äf 3 t Werben unb beSljalb wie aus bem Söahne, Hiitberfranffjeiten feien Wenig für bie ärjtlidje Kunft ju= ganglid), unb bei bem ganjlidjen Verfemten beS SBertheS einer richtigen ©efunbljeitS* pflege beS ©äuglingS für baS ganje 2JJenfd;enteben, bie bejahte ärjtlidje fpülfe fo oielfadj umgangen ober ju fpät in 2lnfprud) genommen wirb. ®ie beffere ©orge für bie tränten Kinber in ben lebten brei Sahrjeljnten beweist nid)t ein materielles ober moralifdjeS Verfommen ber nieberen ©laffen, fonbern bie ridjtigere SBürbigung beS VebürfniffeS unb ber SWittel für 3lbl;ülfe; weniger Ilmofen, aber mehr an guter pflege unb redit,zeitiger Veljanblung beS heranwadjfenben @efd)led)te8! ®ie fegenSreid;en golgen ber Kinberfranfenpflege bc^ieljen fidh einmal auf bie 9Ser= minberung ber ©terblidjfeit unb ber ßaljl bon Kinbern mit anhaltenier ©djwadjlidjfeit, ©iedjhcit ober Verfriippelttng, fobann unb befonberS auf bie Verbreitung ber fo überaus wichtigen befferen ®iätetit unb ©efammtpflegc ber Äinber unb weiter auf bie bamit gegebene görbermtg einer gefunbljeitSgemäßeren unb aud) moralifd) reineren JebenSWeife ber armen gamilien. ©in weiterer gwetf ift bie wiffenfd)aftlid}e Sereidjerung ber biatrit unb bei ben Äinberflinifen bie 3lu8bilbung ber jungen 9lerjte für biefen fpeciellen, in ben gewBbntidjen Ulinifen febjr hintangefe^ten ®h e '^ 'h re§ 93erufS. ®ie Verfuaufe auf= 3ufudjen ift; bie Slmbulantenflinif ift baher mit einer ipoliflinif, b. h- mit einer Stabt= befud)Sanftalt, ju berbinben; biefe felbft wirb um fo mehr leiften, nidjt je nadjbem ber Slr^t nad) bem befdjränften Tünlel ber jetzigen 9 ?id)tung mit ben Sfteagentien, bem füiifroffop unb Tljerniometer mehr ober Weniger arbeitet, fonbern je angelegentlidjer er auf bie ^pflege be§ $inbe8 in fronten wie in gefunben Tagen 31: wirfen fud>t. > T)ie fiinberfranfenhäufer felbft fotttett für acute unb noch mehr für djronifdje gätte beftimmt fein unb bei fiinbern unter 3Wei Saljren bie gleid)3eitige Aufnahme ber SJtutter oberSlmme ermöglidjen; ferner haben fie ben ftrengen Slnforberungen an foldje Spitäler 31t entfpredjen, weldje burd) bie Anhäufung unreinlidjer ober fpecififd) bie Sfuft infici= renber Oranten bie inneren Duetten bon mia8matffd)=coutagiöfen Uranlljeiten entwicfeln unb baburdj leidjt eine ungeheure SUiortalität beranlaffen; namentlid) unter ben Säuglingen in ben@ebar= unb ginbelbjaufern unb in überfüllten eigetttlidjeu jünberfpitälern Ijcrrfdjt eine Sterblidjfeit, weldje jene außerhalb ber Sluftalt bebeutenb überfteigt; ©runb unb fßflidjt genug, Sinrid)tung unb Setrieb eines ÄinberfranfentjaufeS nad) ben beften @runb= fä(jen für bie (Erhaltung namentlid) öon reiner üuft 3U geftaltcn unb bie Verbreitung anftecfenber firanlljeiten möglidjft 31t befdjrättfen; geräumige 3 iwmer mit wenigen Setten! Tie fßflege Wirb am beften grauen an3u»ertrauen fein unb Wirb für biefe Spitäler ntandjeS geredete Sebenfen gegen bie Slnfteüung bon DrbenSfdjWeftern Wegfällen, aber audj hier unter ber VorattSfehung, baß nur bie pflege, nidjt aber bie Slbminiftration ben ©liebem beä DrbenS (im weiteren, bie Tiafoniffen umfaffenben Sinne) übertragen Wirb. Tie übrigen mebicinifdjen gorberungen ftnb biefelben wie für jebeS gute ßranfen= haitS. GcS tritt aber für Unfällen, welche finber aitS bem Schulalter SJconate lang namentlid) 31t äußeren Suren aufnehmen, bie weitere, nidjt überall gewürbigte fßflid)t beS metljobifdjen UnterridfS burd) fadjberftänbige £eljrer Ijirtgu, Währenb bie S^ieljung. unb 3ugleid) bie borbereitenbe Unterweifung ber jüngeren Sinber am beften 31t ben fßflidjten beS SßarteperfonalS gehören wirb. Tie Srridjtung ber befprodjenen Unftalten ift größtenteils ein Verbienft ber fßrt= batwoljltljätigfeit unb befonberS eingeliter, ihre 3 e 'i unb ih r Vermögen aufopfernber Siebte; es ift auch in gufwnft baS meifte ©ebeiljen 31t erwarten, Wenn überall, Wo baS SebürfniS fid) funb giebt unb ber red)te 2lrgt unb SReufdjenfreunb bie Sache in bie Jfjanb nimmt, ein Verein fid) bilbet, mit einer Reinen Unftalt beginnt unb nad) 2 Jtaß= gäbe beS wadjfenben Vertrauens ber Vebölferung unb ben fteigenben ßuflaffcn ber freiwilligen fßribatbeiträge unb unter 3 u f c hüffen »on StaatS= unb ©emeinbecaffen bent guten äßerfe nad) unb nad) eine größere SluSbeljnung giebt; in monard)ifd)en Staaten ßnben fid) immer auch fürftlidje Verfonen, Weldje ben Sdjufs unb eine fräftige mate= riette Unterftil(3ung übernehmen. Seljr 3Wecfmäßig ftnb Uebereinfünfte beS Spitals unb ber ein3elnen ©eWerfe über bie Aufnahme franfer Seljrlinge gegen eine UberfaU entfehäbigung. fReine StaatSanftalten ftnb, als 3U foftfpielig, nidjt in genügenber 3 a ht 3 U cr= Warten unb bei ihnen Ijanbelt eS fleh für bie Sleigte unb SBärterinnen biel weniger um eine fpe^enSangelegenljeit als bei ben freien Unternehmungen; biefe gemütfjlidje Seite muß aber gerabe Ijic* i n ben Vorbergrunb geftettt werben. 3 m golgenben berfuchen wir eine ftatiftifdje Ueberfidjt über bie eigentlichen allgemeinen ftinbcrljeilanftalten unb borgugSweife über foldje Spitäler in Snropa, ftnb jebod) weit entfernt, eine Vottftänbigfeit 3U berbürgen, ba über ©rünbung unb noch mel)r über gortgang ber meiften Unfällen nidjts in bie genteinfame mebicinifche Literatur lomrnt unb bie für bie beitragenben ?aien beredjneten „SahreSberidjte" feine Weitere Verbreitung finben. gr an Ir eich ift Wegen beS erften reinen üinberljofpitalS, Hopital des enfants malades in fjloriS, mit 320 Setten unb gegrünbet im 3 ahre X ber fftepublif, 3ugleid> 932 jcinberbeitanftalten. liegen bet auSgegeidjneten wiffenfdfaftlidjeit Seiftungen biefeS SnftituteS Doranguftetlen; 2ßartS befi^t überbieö im Hopital Necket eine weitere Kinber=©tation unb feit 1854 ein gweiteS großes, baS ©t. ßugeirien = fpof ßital mit 308 Setten. 2)aS ©traßbur* ger ©pital umfaßt aud; eine Heine Kinberflinil. ©eutfdjlanb befigt bie meiften Kinberfpitäler, unb »Daten namentlich bie Sahre 1837—1846 befonberS fruchtbar an fold;en ©d)öpfungen. giir Defterreid) beftunb in 2Bien feit 1787 unter Dt. DJlaftalier, feit 1794 unter @öliS eine Äinber=SJ3oIiftinit, »Deld)e gegenwärtig fäfyrlid) über 3000 Kinber behanbelt; ebenfo fal; SBien in feinen 9)?auern bas erfte beutfdje ÄinberfranfenhauS unter beit oerbienftDoHen Semühungen Don Dt. SDiautlfner, nachher als Dritter 5DfautI;ner ooit SRauthftein geabelt, im 3al;re 1837 entfielen; feit feiner Vergrößerung oerpflegte biefeS „©t. Sinnen* Kinberfpital" in fteigeuber Slngafil bis gu 1100 Kinber im Sahre nnb bel;anbelte überbieS eine große 3 a ^ — 3160 im Saljre 1858 — Slmbutanten; SDiauthner grünbete jugleirf; bie erfte Kinberfiinif für ärgttidjen Unterrid)t unb bie erfte Filiale in einem Sabeorte (Saben bei Söien). . 3m 3al;re 1842 folgte eine Slnftalt, je( 5 t ,,©t. 3ofeph= Kinberfpital" genannt, in Verbinbung mit einer ©dptle für Kinberlranlenwärterinnen unb mit einer jährlichen Kranfengaljl Dott ungefähr 400, nebft 1834 Slntbulanten (1858); ferner trat 1844 auf Soften beS Dr. g. ©. $ügel eine Slmbulanten* unb ©tabtflinif — 1858 mit 1992 Kraulen — h' n S u f eubtidtj feit 1854 unter Dr. ÜuSginSft; baS große polilli* nifdje „Kinberfranleninftitut 31 t SDJariahilf" mit 4651 Uranien in bentfelben 3al>re. ©obann ift aus Defterreid) weiter 31 t nennen: bie 1839 Don Dr. ©d;öpf gegrüubete Slnftalt 31 t Sßefth, mit 30 Setten; weiter baS früher gum h- SagaruS, neuerbingS „jjrang * 3ofepl;= Kinberfpital" genannte Snftitut in Sßrag, gegrünbet non Dr. Krafc = mann 1842 unb feit 1843 Don bem aufopfernben Dr.Söfdjner in jeher £>infid)t Der* beffert unb erweitert, jefet mit 80 Setten unb einer jährlichen Slitfnahme Don 800— 1000 Kinbern, überbieS einem ftarlen Slmbulatorium; enblid) befteljen nod; 31 t @rä§ •feit 1844 (16Setten), 31 t Semberg feit 1845 unb inSriinn feit 1846 Kinberfpitäler, fcort mit 26, hier mit 15 Setten. fßreußen befifjt feit 1830 in Serbin eine befottbere, gugleicf) gu UniDerfitätS* g»Deden bienenbe 2Ibtl;eilung beS (Sharite=KranlenhaufeS, als bem ©taat gehörige Kittber* Hinil unb fJoIiflinil, guerft unter ber Seitung Don 21. Sareng. ®erfelbe gab aud; ben Slnlaß gur ©djöpfung einer fßriDatanftalt, beS Slifabeth-KinberhofpitalS, feit 1843 nach u»»b nad) bis auf 61 Setten erweitert; ein 3al)r fpäter, 1844, würbe ferner Don ben DDr. ©djiti^er unb Üöwenftein bie Heine 8 uifcn=KinberheilanftaIt, mit 10 Setten unb einem Slmbulatoriunt auS tnilben Seiträgen gegrünbet. VSeitere unb neuere Kinberlranlenhaufer befi^en Don ben preußifdjen ©täbten ©tettin, feit 1851 mit 40—50 Setten, unb SreSlau (2luguft*KinberfpitaI). 3n Saliern Würbe fdjon 1818 gu HMndjen bie „Dr. 9ieiner’frift, genannte Äinberhoffntal jugranffurt a. 20?.; baS non Dr. Stiebet sen. erridjtete ©ebäube tann bis ju 60 Setten faffen unb tiatte nad) bem lebten 3al)reS* beriet 124 firanfe aufgenommen, Gtnblidj unterhalt ein Serein für Erantenfjftcge ju Äaffel feit 1846 ein $inberl)efpital mit 36—40 Setten. 3n 9?ußlanb entwidelte fid) feit 1834 ju Petersburg unter taiferlid)cm Sd)u( 5 c ein gtänjenbcS, großartiges jtrantenljauS mit einer jäfjrtidfen Aufnahme non ungefähr 700 Traufen unb einer faft jeljnfadfcn £aijl ber antbulatorifdj unb tl)cit»eife ^olif£iuifcf> Seljanbelten, bis 1860 unter Dr. SSeiße. Sbenfo reid) anSgcftattet ift baS 1842 geftiftete, feit 1847 jur StaatSanftalt erhobene finberI;off.ntaI ju SfoStau mit 100 Setten für tränte Äinbcr. 3n ©roßbritannien falten bie oorübergehenben Anfänge eines SifpenfatoriumS für Scnbon fdjon aufs 3af» 1769 (Dr. Slrmftrong); feit 1816 lebte unter Dr. Sal'iS eine in brei Stationen oertbeitte Ambulanten» unb Politlinit (royal infirmary for chil- dren) auf unb beljanbelte 5—6000 fiinber jährlich; baS erfte reine ÄinbertranJcnhau« trat aber erft 1852 unter Dr. SBeft mit etüdjen unb breißig Setten unb ungefähr 600 jäl)rlidjen Ambulanten inS Seben. Äinber ßnben and) Aufnahme in bem atten Slatternl)ofpitale unb bem neueren Samaritan-Free-Hospital. Sifjtenfatorieit befielen weiter 31 t (Sbinburgh, Sublin unb 2Jtand)efter nnb nur in letzter Stabt bradjte eS baS reidfe ©ngtanb unter ber Anregung beS fdton bei pefth genannten Dr. Sdjöfjf» Stierei feit 1856 311 einem fteinen fiinberfrantenßaufe. Sd)Weben befifet in Stodbolnt eine große StaatSanftalt, „baS allgemeine Äiit= bertranfentjauS“, weldjeS jwifdjen 400 — 500 Säuglinge unb 3 »ifdjen 300 — 400 ältere jtinber oerpflegt. Sann grünbete Dr. fpuß eine „pflegeauftalt für tränte ßinber", feit 1854 mit 27 Setten. SSeiter ift ju ß^riftiania in 9?orWegen mit ber @ebär= anftatt ein Sinberfpital mit 12—15 Setten oerbuitbert. Stalien ift reid) au 2BoI)Itt)ätigteitSanftatten unb namentlich and) an Fiubell)äu= fern; für bie fpecieüe Sinberpflege gefdjal) bagegeit menig; nur Sur in befifct nuferes SBiffenS feit 1843 ein fieineS Spital mit 8 Setten unb einer umfaffenben SefudiSanftalt; ferner feit 1845 als Stiftung ber ÜDtardfefe fyaüeti bi Saroto ein mufterljafteS „fiinber» fpital für arme 2D?äbd)en" mit 44 Setten. Siteratur. Sie eittjige 2Dtonograpf)ie beS ©egcnftanbeS ift bie „Sefdjreibitng fämmtlidjer finberheilauftalten in Gcuropa", 0011 Dr. gr. S. £>ügel, SBien 1849; einen 2tu8jug barauS mit »eiteren 9?ad)»cifeu gab Dr. 0. $ oljlfdjütter, oer= einte beutfdje 3e'tfdjr. für StaatS=Ar 3 neifunbe, 3al)rg. 1850, VIII. S. 21. Sie neueren 9?otijen über Setrieb ber atten unb bie ©rünbttug neuer Anftalten finbeit fid) nur 3 er» ftreut unb unüollftänbig in beit mebicinifdjen 3eitfd)riften, namentlid) in Set)rcnb’§ Sournat für Äinberfranfljeiten, ben 3at)rbüd)ern für Äinberljcitfunbe unb ©d)mibt’S Saßrbüdjern; teiber Jommen üou ben »enigften ÄinberJranfenbäufern Serid)te in bie Fachliteratur. Sie oorübergeljenben ümt ©eiftlidjcn ober Sehrern auf bem Sanbe gehaltenen 2f?en= fionate für fräntlidje Sittber enthielten fid) ber öffentlidjen Sontrole unb tonnten baljer nid)t berüdfidttigt »erben. Dr. 5ft. jtößter. SiltbCMUUUt, Serbinanb, nimmt eine t)er»orragenbe Stellung in bem Greife oon SRännern ein, weldje im testen Srittel beS oerftoffenen 3al)rl)unbertS innerhalb beS öfterreid)ifd)en Staates unb beS fatI)oIifd)en Sl) e 'I s Seutfd)lanbS auf bem ©ebiete beS SoIfSfd)uI»efen§ in fdjöpfcrifdjer SBeife thätig waren, unb nad) biefer Seite bie eblen Seftrebungen ber großen ffaiferin, 2D?aria Sherefia, förberten. SBäljrenb ber Artifet 934 ■ftinbermatiK. „getbiger" an bem Silbe biefeg SftanneS uns bie rege fdjulorganifatorifdje £f)ätigfeit in ben engern öfterreidjifdjen Sänbern öor Singen geführt put, «erben «ir burd) Äinber= mann nad) S BI) men (unb SDäfyren) öerfefct. filier Tratte 5 «ar burdj ben Sinflujj ber Deformation in ben ßdto öor bem 30jäl)= rigen Ärieg baS ©djulmefen unter ber Leitung ber tßrager Uniöerfität einen nterlmürbi* gen Sluffdjmung genommen unb fidj allmäl)lid) audj auf baS Sanb nnb in bie SDlarft* flecfen oerbreitet. ©o befonberS in ben proteftantifdjen feilen beS £anbe 8 . Slber nun «areu aud) bie milben 3 e ^ tert i enc§ furdjtbaren Krieges erfd)ienen, unter beffen SBütljen Siitymen mcfjr als alle anbern IjabSburgifdjen Pänber litt. SDSit ifynen tarn „jene unerbitt= licfye füarte ber ©egenreformation, unter beren eifernen ©dritten bie blüljenben ©djulen ber ^roteftanten in allen ©täbten unb SJfarftflecfen SBtymenS fdjon barum ifircn Unter* gang finben mußten, «eil (nad) ber Slnfid)t ber Äatl;olifen unb Sefuiten) bnrd) bie beutfdjen ©djulmeifter nur berffie^erei biei£l)ore geöffnet «urben, mälprenb bie an iljre ©teile tretenbeu latfyolifdjen ©d)ulen nur bie Seftimmung Ratten, eben jenes fe^erifdje Unfraut auSjureißen unb bie reine fatt)olifd)e Se^re einjupflanjen." (©o felbft ber ftreng tatljolifdje fielfert, bie ©riittbung ber öfterreic^ifctjen Solfsfcfyulen unter SDaria Sfierefia. tßrag, SempSft) 1860. ©. 51.) ©aju traten fofort in ber üDlitte beS 18. 3at)rl)unbert8 tie 35rangfalc beS ©rbfotge* unb fiebenjäl;rigen ÄriegS, bie abermals auf SBpmen unb Sftätjven befonberS empfinblid) bri'tdten, um ßlenb, Dol)l)eit unb Sermilberuug überall 3 u begiinftigen unb auf ben Slnftatteu fürSübung beS Solls «ie ein Slip ju laften. ©o lonnte, toaS in ber 3 e *t bertl fiebenjaljrigen Ärieg baöon nod) öorfyanben «ar, nur öon ber fpärlidjften nnb lümmerlidjften Slrt fein, ©elbft in ben fiauptftäbten fal) eS aufs bürftigfte aus. ©S gab nur «enige fdjledjt befudjte beutfdje ©djulen. Dadj einem all* gemeinen Ueberfd)lag jaulte man in gang SBIjmen faum 1000 ©d;ulen, bie öon gemiß uidjt 30,000 jlinbern befucbt «urben (alfo bei ber Slnnal;me einer SeöBlferung öon 3 — 4 SDiillionen ungefähr non bem 20ften S^eil ber fdjulfäbigen fiinber). 9iod) öiel trauriger fal) eS mit ber Slrt beS ©d)ulunterrid)tS au§. 3nt 3al)re 1790 gefyt bmt 2 ßien nad) ißrag einßrtaß: „berÄaiferin fei 31 t iljrern befonbern üDUsfaKen beigebradjt «orben, baß in SBtymen in benjenigen Drtfdjaften, «eldje ben ßlBftern unb anbern geiftlidjen ©tiftungen gehören, baS ©djulmefen am übelften befteKt fei unb öon ben HBfterlidjen S)ominien tafür gehalten «erbe, baß eS für ben Dulden ber fjerrfdjaft beffcr «äre, «eun bie Untertanen in öoHer Unmiffenljeit beiaffen mürben." Ueberfyaupt, fcigt geifert (a. a. £). ©. 52), «ar öon 5Dfetl;obe feine ©pur, bie ©djulbiSciplin lag in ber SBiege, Slnfefyen ber ©djute, Sichtung ber ü'efyrer öon ©eiten ber ©emeinben, ber Gütern unb fiinber gehörten ju ben unbefannten ©roßen. Äinbermann felbft fd)il= bert ben 3 u ft an b feiner ©d)ule, als er bie ©eelforge in Äaplife antrat, folgenbermaßen (Dad)ricf)t öon ber Sanbfdiule ju Ä. 2te SluSg. $rag 1774. ©. 8 f.): „3)ie Stinber «aren alle, große unb Heine, itntercinanber öermengt. ®ie einen öerlangten, baß man ifmeuSrob bräd)e, bie anbern «oUten SDxildjfpeife, unb nod) anbere fdjienen gar nichts gu «ollen. Salb tief eines fyiuauS, halb laut eines I;ereiu. SBenn eines bie Sectio« laut auffagtc, fo fdjmajüe ent anbereS, baS brüte lallte ober murmelte beS erften SBorte nad). Siele famen nur alSöann in bie ©djule, «enn fie bie 3^t nid)t anberS ju= 3 itbringen mußten. S)er ©d)ufmeifter mitten unter iljnen «ar nidjt öermogenb, bem liebet obsubjelfen. S)ie Seidjtfertigfeiten ber finber lonnte er fo «enig öerpüten als ifmen baS ©ffen unb Sad)en öermebren. — ®ie Se^rart «ar ganj medjanifd). ©ie gieng nur bal)in, ben $opf mit SBörtern anjufütlen, mit benen bie ©d)üler feine Segriffe öer= banben; in ben Serftanb lam baöoit «enig unb in baS §erj nod) «eniger — gar nid)tS. ®ie Detigion «ar ein bloßeS @ebäd)tniS«erl unb einige fragen auS bem $ia= tednSmuS beantmorteu madjte baS ganje Söefen beS DeligionSunterrid)t 8 auS." S)aS Unerträglidje biefer 3 u ßönbe in Serbiubung mit bem erraad)ten eigentl)üm= lidjen 3 e 't3 e >f tc lüar toaS aud) l)ier baS Seftreben benfenber SD?cnfd)enfreunbe, auf tiefem «itben Soben beS SoIfSlcbenS ben Ißflug anjufe^en, «edte unb für bicfen 3 tocc ^ ■ffiubermann. 935 ißre SBlitfe auf bie feit 1763 in bem benachbarten Preußifd) = ©d)teften heruortretenbe ©hätigfeit gelbigerS mit feiner „©agan’fdjeu Sötefhobe" richtete, ©d)on oor 1770 mareit ba unb bort eingelne böbmifdje Seßrer gu biefein nad) ©agan getommen, hatten bie aßge» meine Kunbe haben nach SBöhmen öer^flangt unb einige fd)madje SScrfnc^e, feine Sel)r= art eingufü£)ren, gemadjt. ©er SJtaun aber, melier nun mit bem größten Geifer, un= ermüblidjer ©ebulb unb belohnenbftem Srfolg biefe Stngelegenljeit in feine fpanb nahm, mar fferbinanb Kinbermanu, geb. ben 27. ©eg. 1740 (1741?) gu SönigSmalbe bei ©dßudcnau, gebitbet ai*f ber llnicerfität gu Prag, im Saßre 1771 gum Pfarrer in Saplih, einem ©täbtdjen im Pubmeißer Greife, ernannt. £>atte fd)on baS UniberfitätS* ftubium unfern Sinbermann in theoretifdjer SBcife mit ber ©acf)e ber 33oIfSbilbung ber» traut gemadjt (djarafteriftifd) für bie bamaligc 3eit: bie 33orIefungen beS 9ßrcf. ©eibt in Prag über bie Srgiel)ungSfunft bor einem Weiteren unb allgemeineren fpörerfreife unb feine SlntrittSrebe „bon bem Sinfluffe ber Srgiehung auf ©liicffeligteit beS ©taateS“. Prag 1771), fo mar jeßt feine öffentlidje ©teßung für ihn ein lebenbiger Sluftoß, fid) praftifd) mit bem 33olfSfd)uImefen gu befaffen. „©a id) bie Steiße ber Pflid)ten über» bad)te," fagt er, „bie mir oblagen, fo fiel mir unter ben ©runbliuien, bie id) gu bem plane meiner ©eelforge gog, jene bon ber Schiebung berSugenb unb bon ber 9Serbeffe= rung ber ©d)itlen borgüglid) in bie 9tugen." Slge er baber fein Slmt antritt, macht fid) Kinbermanu felbft auf ben 2öeg nad) ©agan, um burd) unmittelbaren Slugenfdjein bie bortigeu ©djulen unb il)re Ptettiobe tenuen gu lernen. 9tad)bem er gurüdgefel)ft, meubet er baS ©emonnene alsbalb ait. „©er erfte©ag, ben ich ber ©eelforge mibmete, mar auch ber erfte, ben id) auf bie ©d)ule bermenbete." Sr fieng bantit an, ben ©d)ul= meifter unb eine Slnjahl Kinber gu fid) auf fein 3immer gu nehmen, jenen im Sehren, biefe im Sernen 31 t untermeifen. ©ie ©ad)e gieng gut bon ftatten. 23alb mar bie Suft beS SeßrerS, ber Sifer ber Kinber, bie Stufmerffamfeit berSItern gemonnen. S3in= nen 3 ober 4 2Bod)en Ratten KinbermannS 3ögü 1 , g e ben ganjen KatedjiSnmS erlernt, mit bem man fonft in bieten Sohren nicht 3 U ©taube fommen tonnte, ©ie Kinber madjten aus bem ©djlummer auf; biele tarnen aus Steugierbe, bas ©djaufpiel ber gleid)fant gaubernben neuen Sehre gu feßen, unb biele blieben, um fid) gleichfalls unterrichten 31 t taffen. ©0 gelang es il)m allmählich» eine für bie bamaligen 3 eiten trefflidje öffentliche S3oltSfd)itle inS Seben 3 U rufen, bie bon aßen ©eiten bie uötl)ige Unterftü( 5 ung fanb unb nad) unb nach aud) an anbern Drten 9tad)eiferung bemirtte unb ßinmieberum, je mel)r fie bie allgemeine Slufmertfamfeit unb ©ßeilnaßme au f fire, als SDiaria S^erefia ihre großen jlaatSmannifdjen Ißlane gur ©urd)führmtg eines allgemeinen georbneten BoIfSfdjultoefenS gu oertoirflidjett Begann, ihr Slugenmerf BefonberS auf föinbermann gerichtet toar. 97ad)* beut im 3afire 1770 baS große 9?ormaI=3nftitut für Seljrer inSBien erridjtet unb fyelbi= ger im 3al)re 1774 *) an baSfelbe, eBettbamit an bie ©pi($e beS öfterreid)ifd)en ©d)ut= toefenS Berufen toorben toar, feilte je(jt ittt 3al)re 1775 aud; für Böhmen eine ©d)ul= commiffton gur 2 )urd)fül)rung ber ©djuloerbefferungen in Ißrag ins SeBen treten. 3 n biefe tourbe unfer — fdjon im 3al)re 1772 gunt ©edjant erhobener —■ Äinbermanu als referirenber 91ath unb als DBerauffeljer beS gefammten beutfdjen BolfSfdjultoefettS Be= rufen, jugleid) and; gum -ßrofeffor ber Ißäbagogif am ©pntnafium auf ber Äteim feite (ipragS) ernannt, 35aniit hatte er ein reifes unb weites gelb für feine Jt;ätig= feit gefunben. ©eine Hauptaufgabe babei toar bie pflege ber unter ber unmittelbaren SDirection tion Slmanb ©djinbler neu gegrilnbeten 9?ormalfd;ule, einer Slrt ben Diealfdjute, an ber mit bent 3aljre 1776 aud) ein UnterridjtScurS für SehranitScanbibaten einge= richtet tourbe. ©ie toarb ben 15. UJooember 1775 feierlich eröffnet mit einer Siebe ÄinberniannS „über ben ©influß ber niebern ©d)ulen auf baS bürgerliche Seben unb bie übrigen ©attungen üon ©djulcn" unb bewährte fid> fortan in ber fpanb fittbermannS als ein trefflidjeS ÜDiittel, bem neuen BelfSfdjulftefen Böhmens Baljn gu Bremen. SBir haben barüber Siadjridjten in ben üon Äinbermann augeorbneten unb oerfaßten gebrudteit „©inlabungen gu ben öffentlichen -Prüfungen ber ©d)üler in ber f. f. üftorntalfdjule in ber fleinett Siefibengftabt Ißrag nad) geenbigtem ©ontnter* unb SBintercurfe" (fie liegen üon 1777 — 1792 Dor; f. geifert a. a. £). ©. 416), ioeldje Äinbermann nid)t bloß bagu benähte, bie neueften Berorbnungett in ©djulfadjen befannt 31 t machen, fonbern aud) aus ben halbjährigen Berichten ber 33egirfSauffeher, ©d)uIbirectoren unb Bifita= toren alles wichtigere oon ben im abgelaufenen 3 eitraum gemalten gortfebritten unb gefammetten Srfa^rungen im ©djttlWefen beS gangen SanbeS mitgutheilen. Biatt erfteljt Baratts, in ioetd) merftoiirbig rafdjer 2Beife in ben fürftlidjen, geift= lidjen unb ftäbtifdjen ©ebieten fid) baS neue ©djttlWefen enttoidelte. ©d)on i. 3. 1777 feilen 500 in ber neuen Sehrart unterrichtete Jünger tljätig getoefen fein. 3Me ©rünbe biefer intereffanten ©rfdjeimtng haben toir tl)eilS in ber allgemeinen 9fid)tung ber geit uttb ber ©eifler in £)eittfd)lanb, beffen ©influß Deflerreid) gerabe in biefen Jaljrgehnten ntebr als je — früher ober fpäter — offen flattb, theils in ber burcfj bie Berührungen beS fiebenjährigen Kriegs getoedten unb halb allgemein fid) oerbreitenben ©infidjt in bie materiellen Bortheile, weldje eine I)öf)ere Bilbung ber BoIfSmaffe mit fid) führe, inS= befonbere aber in ber fwhm Ißerfönlidjfeit einer SDiaria ©h ere fla 5« fudjen. ©ie hatte mit ihrem fdjarfen unb freien Blicf eS flar erfannt, toie bie S?raft ihres SieidjeS in ber SDtitte ber europäifdjen Nationen unb inSbefonbere bie pflege beS biefelben bim benben beutfdjen SlementS **) toefentlid) üon ber görbermtg ber bis jefct gang brach ge= bliebenen BoIfSbilbttng abhängig fei unb hielt eS baruni nicht für gu gering, biefe fo mand)en gürften unfdjeinbar bünfenbe 21ngelegenl)eit in ihre befonbere Dbljut gu nehmen unb gang int ®etai£ fid) um fie gu befümmern. 3h re forgfame pflege beutfdjer ©chulen crfchett toir BefonberS aus gtoei S©heitigen ob beut Präger ©djloffe unb bie infulirte 2 lbtei oon ^ßetur in Ungarn unb erhob itjn in beit Stitterftanb mit betn begeid)ttenben -ßräbicat oon © d) u 1 ft e i n. lieber bie metfiobifdjen ©runbfafee unb bie 9lrt ber ©d)ultl)ätigleit Sinbermannd erfahren mir atterbingd nid)td befonbered unb eingelned. Saß er im allgemeinen ber gelbiger’fdjen 9D7etI;obe folgte, geht fdjon aud bent Obigen fteröor. 3m gangen geigt fid) jebod), baß er in feiner 5D7etl)obe fid) oiel freier bemegte unb ein befonbered @e= mid)t auf bie attregenbe unb SSerftaub mecfenbe !ated)etifd)e Se^rmeife legte. 233ad aber entfd)ieben gu feinen eigeutljümlidjen ÜSerbienften gehört unb il)n als praltifdjen DJiattn befonberd leungeidjnet, bad ift ber oon il)tn erfaßte unb audgeführte fdjöpferifdje ©ebanle einer organifdjen SBerbinbung ber SBolfSfdjuIe mit 3nbuftriefd)ulen, mit bem er fogar ähnlidfeu Slnreguugen biefeS ©ebanlend im proteftautifd)en Seutfd)Ianb oor= audeilte. ®d mar nidjt fot»of>l ber überall erhobene ©nmurf, baß man burdj bad 97ormalinftitut nur gelehrte SBauern gieljc, ber ibjn auf ben iplan, an ben 33olfdfd)ttIen ülrbeitdclaffen angulegen, führte, fonbern ber belle SBIitf in bie mefentlidjen 33ebiirfniffe ber 33oIldbilbung unb bie labere 3bce, aud feinem in ^Bettelei unb Müßiggang oer= funfenen ÜSolfe mittelft einer burdjgreifenben pflege bed gleißed unb ber Slrbeitfamleit eine inbuftriöfe Station gu mad)en. SJfit meid) rid)tigem Salt er biefed 3iel oerfolgte, bad geigen einmal bie trcffenben ©runbfäfce, bie ibn aud) babei mie bei feinen übrigen ©djuloerbefferungen leiteten: matt ntüße bei fold)en Singen oon oornbereiit auf ein ©pftem, auf 33ollßtanbigfeit unb SSolUommenbeit oergid)ten, fonbern ba anfangen, mo fid) eben Slnlaß bagu biete unb bie ©adje fo anfaffen, mie Steigung, ©elegenbeit unb SDfittel bagu bereit liegen; ferner, man mäße allen oernteiben, üielmebr bad Sntereffe ber 23etheiligten felbft ermeden unb reigen, bie Snbuftrie oon ber ©eite bar= fteHen, oon ber fie ald ein lxetljmenbiged SERittel für bie Spifteng jebed Subioibuumd erlannt merbe; enblid), man mfiße bad unmittelbar 9ial)eliegenbe unb ißraltifdje er= greifen unb jugleicd^ ben ©d)uIoerI)ältniffen ooüe 9ied)nung tragen. Sie ülrbeiten lönnen leine anbern fein ald foldje, bie mit bem ©tanb unb lünftigen 33eruf ber ©d)üler in Uebereinftimntung fteljen, bie in bad 3fab feiner lünftigen SBefdjäftigung eingreifen; fie bürfen gugteid) ben ©d)ulmann oon feinem Sefyramt nicljt abhalten, bie SBerljeuge unb rolien (Stoffe bürfen leinen großen Slufmanb erforbern, aud) miißen bie Arbeiten foldje fein, bie oon jeberntanit nüfjlid) unb Ieid)t 51 t betreiben ftnb. 9?od) mehr aber bemal;rte fid) ber praftifdje ©iun Äinbermannd in biefer ©adje burd) bie ungemötjnlidjen ©rfolge, bereu er fid) gu erfreuen hatte, itibem ed il)tn gelang, über bad gange Sanb ein 9?e^ oon 3nbuftriefd)ulen, in betten Snaben unb iöiäbdjen im 23aummoHe= unb glad)d= fpinnen, ©triefen unb 9?äl)en untermiefen mürben, gu oerbreiten. „SBoljl ift heute," fagt geifert (©. 433) „oon fiinbermannd großartiger ©d)öpfung faßt nichts mel)r oorl)an= ben, aber bie l)eilfamen folgen baoon fittb geblieben. Senn mentt felgt Söljmen itt ber 3nbuftrialftatiftil ber öfterreidjifdjen Sauber eine fo I)o^e ©htfe einnimntt, menn ed in oielcn Snbuftriegmeigen allen anbern Ärontanbern öoranßteht ttno nur in menigen biefent ober jenem ben 33ortritt läßt, fo möge in ber 9£eil)e berllrfadjen, meld)e biefen ©tanb ber Sittge herbeigefüljrt haben, aud) bet 9?ame bed großen ©djulmannd nid)t oergeffen merben, ber faßt ohne alle 33eil)ülfe öffentlicher SDtittel bureb feinen reid)en ©eift unb llarett 33erftanb unb bad opferfreubige 3ufainmenmirten oon Scannern aud allen Glaffen ber Seoölferung, meld)ed er burd) Selel)rung, Slneiferung, Slufmunterung mad) ju rufen unb 3 U erhalten mußte, bie 33clfdfdjule jur erfteit ©runblage bed 97a= 938 ■ffinbermann. .ßinberwärteritt. tionatwohlfianbeS gemalt Ijat. Unb Wenn man bei ber großen Sötenge berjenigen, bie im evften ©rittet beS gegenwärtigen SafyrfyunbertS als too^tßabenbe Sanbwirthe, als betriebsame ©ewerbsleute, als einfid)tSoode Snbuftriede in Heineren unb größeren greifen in Slditung unb SInfefjen ftanben, nap ber erften Quede preS materietten ©tücfs ^ätte Umfrage galten lönnen, fo würbe man oon ben meiften Wohl ben 23efpeib erhalten fabelt, bie Pfarrfdjule fei eS geWefen, wo ihnen guerft Siebe unb 23erftänbniS ber Slrbeit beigebradjt, bie Segnungen beS Steiße unb ber Drbnung, bie fyrüpte ber ©parfamfeit in fleinen Erfolgen gegeigt Worben feien." 2Bäl;renb auf biefe SSBeife jUubermann eine großartige unc erfolgreidje praftifpe ©hätigteit entfaltet, erfd)eint er gegenüber oon fyelbiger unb feiner überreipen Iiterari= fpen Probuclioität als ©priftfteder befto ärmer. £)6 man it;n wotf barunt mehr ober Weniger 31 t ad)ten ^abe? 2Bir befpen oon pni bloß fotgenbe ©d)riften (f. ülbelung @el. Sey.): 1 ) bie fpoit oben angeführte -Kapridtt non ber Sanbfd)ule gu ilafalig j 2 ) 9tebe oon bem Einfluß ber uiebern ©pulen auf ben Sel)r=, 2öel;r= unb 9?äl)rftanb, Prag 1776; 3) ©ebanten über bie drittel, ben SReligionSunterript ber oerbefferten ©emeinfputen unter ben Erwadjfenen 3 U oerbreiten, nebft ber 2lnfiinbigung gweier Preisfragen 3 itr 23erfaffung eines erbaulipen Sehrbuchs fürs SßoIE unb einer faßlichen unb lernigten Erflärung ber allgemeinen 3tetigionS= unb Jtird)engebräud)e. Prag 1790. ®»ie ©efpipte feines 2ßerlS, baS ohne Seifet bereits mit bem ©obe Sofeph 8 H-» noch mehr unter ben fctgenbcn Äaifern riidwärtS gieng, ift mit ber ©efpipte beS Bfterreipifpen ©djulwefenS überhaupt oerfptungen (f. baljer aud) ueben „gelbiger" bie Strt. 3ofeph II., dJlaria ©herefia, öfterreipifpeS ©djulwefen). 23on ÄinbertnannS SebenSfpid'falen ift uns nichts näheres mehr betannt, als baß ihm im 3. 1779 3U111 3 e >d? en ^er faiferlic^eit 3ufriebe«heit neben feiner früheren Pfrünbe aud) bie Propftei ber 2Badfal)rtS!irpe SDJaria ©d)ein bei ©eplp 3 itgeWiefen unb baß er fpäter (1790?) 3U111 23ifpof in Seitmerp ernannt Würbe. 2ttS fotd)er ftarb er ben 25. üDtai 1801. ES Wäre l)öd)ft wünfd)enSwerth, jefet, wo bie öfterreipifd)en Strd)ioe unb Urfuubenfamntlungen fid; öffnen, dlätiereS über bie Perföntidffeit mtb baS SBirlen biefeS ungewöhnlichen SdanneS oernehmen 3 U bürfen. Siteratur: oor adern geifert a. a.D.; fobann fpeppe, ©efpipte beS 23ol!sfd)uH WefenS 1858. 23b. I. ©.103—105; Ärünifc, EncpHopäbie 23. 61. 62. — 2luS § eifert heraus giebt über Äinbermaun 2 RittI)eiIungen Seltner in feinen fo eben erfpienenen ©fi 33 en unb 23iibern aus ber ErgiehungSgefpipte. Effen, 23äbefer 1862. II. 60 f. Dr. ©ifentoljr. ^illberfpl'iften, f. Sugenbfpriften. @iltbcra) (Hierin, (SinbSmäbdjen). ®ie adgemeinen Klagen über bie Itnbraup- barleit ober bie fd)äblid)en SiuWirfungen folper bienenben Perfonen, welihen in ber Familie als £>aupt= ober üftebenaufgabe bie Slbwartung ber Sinber übertragen wirb, grüuben fid) theilS auf bie fplepte Ergiel)ung in ben nieberen ober mittleren Eiaffen, aus welchen biefe oon fpaufe aus 31 t ihrem 23ernfe wenig geeigneten Perfonen fwrt>or= gehen, unb auf bie I;äufige fdjlepte 3nbioibualität berfetben, theilS auf baS 23erlennen ber ErgieljuugSpflipten, welche ber gamilie felbft obliegen. ES ift bal)er gu unterfnd)en, welche Snbioibualitäten finb bei ber 2öal)I einer Äinberwärterin 31 t beüorgugen? ©eiten macht fid) ein 23ater, eine SKutter Har, Welpen tiefgreifenben Einfluß für bie zeitweilige unb ebenfo unb felbft nod) mel)r für bie fpn= tere ©eftaltung eines fip cntwicfelnben dftenfpen Dom erften SfinbeSalter an bie „SGBärterin", baS „fiinbSmäbpen", baS heißt ein täglipeS Drgan ber Srgiehung unb Pflege befpt. 23ei ber 2öal)l iß gu oerlangen einmal ein phhf*fP feinem 23erufe geWapfeneS Snbioituum; man wirb baher nid)t bloß mit anftedenbcn Srianlfteiten behaftete, tränt- lipe, crft in ber @efpled)tSentwidlung begriffene dliäbpen auSfpließen, aup fd)on förperlipe Unreife unb Unlräftigteit ift ungeeignet, weil bie balbige Ermiibung beim itinberwärterin. 939 ^Tragen unb gülden beS Äinbeö unb bet nädßUdjem Slbwarten öerbrtefjlicE) unb nach» lägig mad;t, ober beim oöHigen Serfagen ber Äräfte teidjt einen Unfall eintreten läßt. 3 m ganjen toerben baljer Stäbchen unter 18 bis 20 3 al;ren fetten ober nur für einen leisten SDienft ju mahlen fein. — greunblidjer 2 luSbrud beS ©efiditeS unb eine Wolf!» flingenbe, fanfte Stimme finb fdjähenSwerthe (Sigenfdjaften (f. ben 2 lrt. „erfte &inb= heit"). Sei ber moralifc^en unb int eil e ctu eilen Sefälßgung !ann bie 2 Baht fein jtoifdjen einem bilbfamen Neuling unb einer gebienten, erfahrenen SBärterin. gür bie leiber nid)t fettenen gamilien, welche baS Stinb im wefentlidjen einer ÜBärterin über» laffen, beftel;t nur bie legte SZBatjl unb wirb aisbann bie jrtmeift erfahrene unb erprobte ältere Ißerfon auSsutefen fein. Sonft ift eher ein jüngeres, jebod) an ben Umgang mit Sinbern (©efdjwiftern) gewöhntes Stäbchen oorjttjiehen, inbem ältere ^ßerfonen, wetd)e an felbftänbige Stellung gewöhnt finb, ihre eigenen Stapimen unb ©eWohnljeiten mitbringen, unb fid; fchwer unb ungern ben Srjiehungdgrunbfähen beS neuen IpaufeS unterwerfen; wie häufig finb herrifdje, hödjft eigentiebige unb oerwöl;nte Seute biefer 2 lrt! Sei unerfahrenen Stäbchen wirb jmtädjft baS Slugenmer! auf ihr elterlidjeS |>auS ju richten unb nadj Unbefdjoltenheit ber gamitie, nach beren DrbnungSfinn, 9 ?einlid)feit, äußerer unb innerer Sultur gu fragen fein; Stäbdien aus rohen, pöbelhaften gamitien werben, wenn überhaupt, erft bann braudjbar, wenn fte in Käufern befferen StanbeS unb eblerer Sitte bie bäurifdje Ungefdjlachtheit abgelegt haben. Sobann ift Unoerborbenheit unb eine gewiffe Steife be8 SerftanbeS unb ®haralter§ ju oerlangen; ob 2 lufrid)tigfeit unb gemüthliche Siebe gu Sinbern oorhanben, wirb bie ißrobe ergeben; ift nur einige Slnlage gum Ergählen oon $inbergefaufe, ift an baS Sidjfelbft» überlaffenblei6eit ober gegentheilS an eine bem Sitter unb »Temperament nid;t augemeffene Aufregung, an ba§ Einpflangen oon gurcht, Iberglauben unb unwahrenSorftettungen burch unpaffenbe Srgählungen 31t benfen; ein häufiger gehler ift, baß bie Dienftboten 940 ■Sinbcrnmtterin. ifinblmt, erftc. aus Sdjtoädje, auS Specutation auf bie Liebe ber Äinber ober gar um StiEfdjtoeigeu über eigene 23erfehtungen 51 t erlaufen, bie ©iSciptin lodern, unb fonft verbotene- Sßünfdje getoäI)ren, toaS nad) SdjreberS ridjtiger 33emerfitng am fpäteren 23eget)ren beS SlinbeS 51 t entbecfen ift. 33eim Metnfein über Stadjt liegt bie <35efatjr nahe, baß eine jüngere, ben Schlaf ferner entbetjrenbe Sßerfon baS unruhige $inb burd) heftiges Sdjaufeln, ^ijjeln, mitunter burd) gefd)ted)tlid)e Siebung, ober burd) ©rot)en uttb ßr= regen oon gurdjt ju befd)toid)tigen fud)t. gür befonberS gefährtid) gelten mit 9Jed)t unbetoadjte längere 2tuSgänge mit bem fiinbe, jumal trenn fein älteres ©efdjtoifter als 2 Bäd)ter mitgegeben toirb; man betritt ein befannteS §auS unb baS Sittb fieljt unb fiört, toaS e§ nid)t beobad)ten füllte, unb wirb mit 9?äfdjereien gehätfdjelt, ober man fdjtoafct untertoegS, unb baS unbeioadße ftinb oertej 3 t fid), oieEeid)t toirb alSbann ber Unfall übcrbieS üert;eimlid)t, ober gar es geht 31 t einem SteEbidjein, lauter ©rünbe bafiir, baß man bei bem beS LuftgenuffeS toegett fo nötigen 2tuSgel)en einen $Iaj$ oorfdjreibe, meiner lcid)t unter ben Stugerc gehalten toerben fann, am beften überbieS feinen öffentlichen Ort, fonbern einen ber gatnilie gehörigen ©arten ober gut gelegenen hofraum. Literatur: 9?aumer, ©efd)id)te ber tßäbagogif, III. 2. S. 198. 23ud) ber ®rjie^ung, Stuttgart 1851; baS hierher ©efjörige aud) unter bem Sätet: Dr. @. griebrid), bie @efal)ren für Äinber burd) Äinbermabdjen nebft ülntoeifung 3 m- 53il= bung brauchbarer Sinberloärterinnen. Sdjreber, unter anberen ©driften in berÄaEi» l'abie, S. 64, 121 ff. tßatmer, So. Sßäbagogif, S. 242. Dr. 91, .Sföljtcr. ßinbljCit, erftc. ©ie 9lufgabe ber fotgenben ©arfteEung fann nicht barin gefunben toerben, 51 t ben im Ueberftuffe üorl)anbeneu, für Sfiddärjte beftinunten Sdjriften über bie biätetifdje pflege beS SäugtingSalterS ober über bie üor^ugStoeife hhhftf^e ®rjtef)ung ber Äiubheit im ganzen eine neue alten 3nl;altS ^irtsugufügen, fonbern bem 3ö>ede biefeS SBerfeS gemäß toerben bie ©runbjüge ber pljhfifdjen Sr^ietjung in ben erften Lebensjahren, bis baS finb mit ber gertigfeit im @el;en unb 9feben aus bem 3uftanbe ber größten Unfetbftänbigfeit het'auSgetoad)fen ift, aus ben loidjtigften ©h a tfad)eu über bie ^3^i^fioIogte unb Ißathologie beS finblid)eu Lebens abjuteiten fein, toobei toir jum llnterfdjiebe Oont hergebrachten befonbern 2 ßertl) auf bie im großen unb ganzen maßgeben» ben tßert)ättniffe für bie glüdtid)e ober unglüdlidje Snttoidlung beS finblid^en OrganiS» muS unb für bie ßrt)attung ober $3ernid)tung beS Lebens ju fegen haben. SlnberntheilS toerben bie antl)rohologifd)en Geig entl)ümlid)f eiten beS finbtid)en Organismus in ihrer S3e= beutung für bie Srjiehung ber pfhdjifdjen ©h^tigfeiten unb für bie inteEectueEe unb ntoralifdje ©eftaftung ber 3nbioibualität baräutegen fein. ®ie ©runbtage ber ganzen Stuffaffung iß nothtoenbigertoeife biefelbe, tote fie für bie förderliche ßrsiehung überhaupt (f. bicfen 2 lrt.) gettenb gemad)t toirb; toir hatten feft an ber 23ebeutung ber boEfommenen hhhfißh en ©efunbheit junädjß für ben in jeber hinfidjt normalen Hergang- unb bie normale 2luSbitbung ber dftjdjifcfsm gunctionen unb Snergieen unb toeiter für bie ©eftaltung ber SnteEigenj, beS ßt)arafterS unb ©emütljS, unb toir betonen, baß bie ganje fpätere 8 ebenSgefd)id)te beS ganzen 9Renfd)en toefent» lieh bebingt ift burd) bie äußeren ßintoirfungen unb bie inneren Gsrlebniffe beS DrgaitiS» ntuS in ber 3 e ü feiner größten, jumat hfi)d)ifd)en ©eftaltbarfeit unb jugteid) feiner erften erfahrungSgemäßen 33eftimmung burd) bie Ülußentoelt unb bie 2Bed)feItoirfung 3 toifd)en bem Setoußtfein unb finntidjen Organismus. 9?ad) biefem ergiebt fid) um 3 toeifetI)aft bie 33ebeutung aEer ber SRittet, um auf eine möglidjft bem Sbeat beS 9Ren= fd)en entfpred)enbe ßnntiche natttrtidje Snttoidetnng beS fiinbeS unb geiftige ßutfattung beffetben burd) tBetoahrung, pflege unb Srsiehung 3 U toirfen; ferner ergiebt fid) bie 9?otl)toenbigfeit, ben toerbenbett 9Renfd)en fd)on bon feiner ©eburt an ats ©egenftanb ber ßr 3 iel)ung 3 U behanbetn unb bei ber großen 2 Rad)t ber ©etoöljnung unb ben unberechem baren gotgen ber früheften ßintoirfungen auf ben Säugling unb feiner anfänglichen Steigungen unb ©etoohnheiten bie richtigen ©runbfäße fofort anjutoenben, toeiter aber ■Rinbljeit, etile. 941 and; erhellt bet äöerth bet Sljaifadjen über bie ©djäblidjfeiten, weldje bie Sntwidetung beS garten finbeS in eine ftathologijcfje S3al;n aBIenlen. 3e größer bie fränflidfeit unb bie ©terblidjteit untet ben Sinbern, guntal unter ben ©äuglingen, um fo geringer bie 3 fl ht ber Sftenfdjen, an Weldjen fid) ber Gsrgie= hungSgwed überhaupt ober mehr ober weniger ooüftänbig erreichen laßt. Ser fpäbagoge muß beShalb ein SSerflanbuiS ber Sljatfadje befreit, baß bie Sranllicbteit uns ©terb= lidjfeit in oiel höherem SHaße als oon unabänberlid)en 9?aturgefehen Oon ber ©efittung eine§ SSolfeS überbauet unb im befonbern Oon einzelnen iitoralifdjen ©ebredjen unb :pbbfMd)m, in bie SBiüfür beS äftenfdjen gelegten ©djablic^feitert abbängt; bie patt;e= logifdje finbergefd;id;te ift baS ®erid;t über bie S©auglic^beit ober Untauglidjteit einer ißeoöllerung gttr Srgielung nnb (ärgieljung einer tüchtigen 9?ad;loiniitenfd;aft. üln ber oerfdjiebenen regelmäßigen ©terbXidjbeit, BefonbcrS im erfteu Lebensalter unb gumal im erften 3al;re, haben wir ben aflgenteinften iDJaßftab Ijiefür; leibet ift es nun gewiß, baß gerabe einige rein beutfdje Länber unb in oenfeiben gang befonberS einzelne Lanbftridje burd; eine ungeheure ©terblidjteit ftd; auSgeidjtten, *) b. h* burd; eine überaus große 3al;l oon Opfern, Welche im äBiberfprudje mit ber göttlidjen Orbnung ber Dtatur oon ben ©djäben ber ©efeHfdjaft uitb beS Familienlebens geforbert werben. Sie inneren ©rünbe baöott finb in ber Shat fehr Wenige unb gerabe bei ber größten ©terblidjteit unb fräntüdjfeit treten fte am fd^roffften Ijeroor; fie finb einmal bie moralifebe unb ptjtjfifdje Sepraöatiou einer ©eneration unb bamit bie angeborene fdjledjte Sonftitution ber ©prößlinge, namentlid; in Siftricten, wo fdjon bie ©efunbheit beS finbeS in bem gabrifbknfi gu@ruiibe geht, ober WoSollslafter, Wie Sranntweingenuß imlleber= maße, X;ervfdjen; fobann ift baS phhfifdje nnb weiter baS tttoralifdje ßlenb ungleich größer unter ben uneljelidjen als ben ehelichen finbern; ber glucf) einer großen 3 a hl illegitimer ©eburten äußert ftd; fd^on auf bem mebicinifdjen ©ebiete burth ihr ©iedf>= thum unb ihre faßt oernidjtenbe 9)iortaIität; nicht ber birecte, oon ber Suftig oerfolgte finbStnorb ift babei bie |iauptfad;e, fonbern ber inbirecte, bebingt burd; bie 93ernad;= läßigung beS finbeS oon ©eiten ber SJiutter unmittelbar ober oon ©eiten feiner ge= mietheten -hflegeeltern. Ser britte ©runb finbet fid; in Iräftigen Seoölferuttgen, inbent in ihrer Sinbijeit bem Sobe nur biejenigen entronnen finb, Weldje fid; einer ungeWöl;n= lidjeu f räftigteit erfreuten, bah er ber Dieft im erWadjfenen Sitter ben überrafd;enben Sitn brud nngewöl;nlid;er ©efunbheit machen tann; hier liegt bie ©d;äblid;feit faft allein in ber naturwibrigen biatetifdjen pflege ber Diettgeborenen unb gWar in ber gttr SBoIfSfitte geWor= benen unnatürlichen Srnähmng; an bie ©teile ber äJluttermildj, an bie ©teile eines erträglid; guten ©urrogateS berfelben tritt baS Stuffüttern mit einer für ben tinblid;en Organismus unoerbaulid;en Nahrung; baS finb ftiröt unmittelbar an ©erbauungStranfheiten unb fdjledjter Ernährung, ober eS ftirbt ober oertrüppelt an ben Weiteren, in fd;led;ter33er= bauitng unb Srnätjritng wurgelttben d;ronifd;en SonftitutionSfranfheiten beS erften ober jweiten f inbeSalterS, Wie fliljadjitiS, ©tropljulofe unb Suberculofe. ©on oiel gerin= gereut SSetange finb bie frantljeiten burd; Srtältung ober burd; DJiiShanblung beS @e= hirneS. 6S ift flar, auf biefent hohen ©tanbpunct gewinnt bie Aufgabe beS ©eelforgcrS unb Lel;rerS einen weiteren Snhalt; wir mäßen hierauf um fo mehr@ewid;t legen, als gar nid;t abgufeljen ift, wie -ßolijeimaßregeln nnb bie 2lergte allein ohne ben mächtigen SSeiftanb ber Organe ber firdje unb ber ©d;ute bie bloß gelegten ©djäben beS ©olfS« lebenS oerbeffern lönnen. **) *) ©tirbt omt je 100 lebenb ©eborenen im erfiert Safir burchfcljuittlicb eilt Sehntet, fo ftnb bie SSertjättniffe ungetoöhnlid; günftig: ungefähr ber »ierte $heit ftirbt in ben meiftett gefitteteu europöifchen Sänbern, bie abnorme ©terblidjteit geht aber, 3. SS. in eittjclnen ©egenben ©iib= beutfdjtaubs, bis über bie §ätfte ber ©eboretten hinaus! **) Näheres hierüber in ber ©djrift beS SSerfafferS: TaS gefunbe unb frattle Seben in ber ©tabt Tübingen; 2iüb, 1860 . 942 .Rinbheit, erfte. 3nbem wir fofort gur inbioibuelten ©efunbljeitdßftege ber «Säuglinge übergeben, haben wir itad) bem SSorgetragenen ald bic widjtigften Regeln gu benennen: pflege in ber gamilie nnb, wo biefe fel)lt, pflege bei braudjbaren, nid)t um bed überbied rneift fefjr färglid)cn Soljneö, fonbern um ©ottedwitlen bad »erlaffene fiinb ergiehenben ißflegeeltern; allen ©eelforgern muß ed eine ©ewiffendhftidjt fein, um bad Sood biefer armen, bed SSaterS nnb ber 9Jiuttcr beraubten unnatürlidjen SSJaifen ftd) eingetyenb gu befiimmern; jeber ^ftic^tgetreue Slrmenargt wirb bie fdjtedjten -ßflegeljänfer angeben fönnen nnb ein S3iid in bad ®obtenregifter Wirb feine Slngaben beftätigen. ©obann bie gweitefftegel ift bie naturgemäße (Ernährung. Sei ber 2Bid)tig» feit ber ©ad)e folt biefer einzige rein biätetifdje ißunct hier näher begrünbet Werben, inbem ed leidet ift, auf genieinfaßlidje SBeife ben empirifdjen 33eWeid »on ber Unentbet)r= lidßeit ber SDiuttermild) mit bem tljeoretifdjen gu ergängen. ®ad menfd)lid)e 2Beib ift ebenfo gur Silbung bed 2J?enfd)enfeimd unbgu feiner Sergung unb (Ernährung bid gum 9Jtöglid)Werceu bed (Sytra=UterinIebeüd, ald gur (Ernährung über bie 3eit bed ©äuglingdatterd beftimmt; bemgemäß beginnt im weiblidjen Drganidmud mit ber Sludfdßießung bed Äinbed bie Slbfonberung feiner SSahrung unb bauert fo lange fort, bid bie Serbauungdwerfgeuge bed ßinbed gur Verarbeitung frembartiger 9?al)rung gefdjicft geworben finb. ®ie grauenmild) enthalt alle für bie (Ernährung, bad 2Sad)d= tl)um unb bie Umgeftattung ber ©eWebe bed $inbed nötigen ©toffe in befter gorut unb 9)Ufd)ung unb überbied änbert ftd) ifjre 3ufammenfe^ung mit ben Sllterdftufen unb bem fid; änbernben SSebürfttiffe bed ©äuglingd; je »oÜftänbiger bie SSMffenfdjaft bie £eiftungdfäl)igfeit ber nad) Sau unb guttdion bom fpäteren Verhalten abweidjenben Verbauungdorgane bed ©äuglingd unb bie Sebeutitng ber Stahrungdmittel für ben ©toffwed)feI bed $inbed begreift, um fo beftimmter erfennt fie bie 9)iuttermild) ald bad allein naturgemäße 9?al)rungdmitte[ bed ©äuglingd unb erflärt ed, warum eine fremb» artige $oft um fo gefährlicher ift, je jünger bad fiinb, b. h* je weniger feine S3er= bauung frembe ©toffe gu »erarbeiten »erntag; ftatt baß man bie große ©terblidffeit ber ©äuglinge bei Nahrung mit ÜDieldbreien u. bgl. auffaHenb finbeit unb aud einer be= fonberen, natürlidjen ©d)Wäd)lid)feit biefed Sllterd erflären foHte, muß man fid) gegen» tljeild Wunbern, baß aller Unnatur gum ®rolge bodj nod) mand)e Hinber mit unge» wöljnlid) fräftiger Verbauung bem®obe entrinnen. Sebenft man weiter, baß aüerbingd bie SDiüdj einer 21mme jener ber SDfutter am nädjften ftel;t, baß weiter and) bie 2ln= nähme eined burd) bie 9ftild) »ermittelten, nidjt materiellen (Sinfluffed ber Slmme auf bad Sinb nid)t bewiefen unb nid)t einmal burd) bie (ungültige) Slnalcgie mit bem (Ein» ftuffe bed (Ergeugerd unb ber 9)?utter auf bie moralifdjen Gigenfd?afteit iljred ©ßrößlingd wahrfdieinlid) gentad)t Werben fann, baß aber bie Slufnaljme einer fold)en, gewöhnlich für bie 6rgiel)ungdgwecfe, felbft ben §audl)alt unbraudjbaren, oft and) faum ald bloße- 9tal)rungdqiteHe bed ütnbed geniigenben ißerfon bem Sinnen unmöglid), bem 2BoI)lhaben= ben unb ©efitteten ein Slergernid ift, fo wirb man bie (Ernährung burd) bie eigene ÜJlutter jener burdj jebe anbere 9)tenfd)enmild) »orgiehen müßen. 2>ie 9JMld) einer Slmme ober ©tiÜfrau, immer genügenbe SDienge unb ©üte »orauögefeht, ift gleid)WoI)l ^h^fiotoßifd? ber t®h t e r ttt 1 1 cf) »orgugieljen; benn and) bie im großen allein gu ©ebot fteljenbe 9)1 iIch ber &ul), Weldje »on 9?atur für bie 6rnäl)rung bed Jlalbed unb nicht bed finbeö beftimmt ift, Weid)t in ihrer gufammenfeigung Con g er 2)Ufd)ung »er grauen» mild) ab, iß Wegen bed ftärler gerinnenben läfeftoffd fd)Wcrer öerbaulid), läßt fidj nidjt burd) einfadje 3 u f“he uon SBaffer unb 3 u ^ er r fonbern nur burd) ein feb»r com» ßlicirted, barum wnpraftifdjed SSerfahren in eine bergrauenmilch giemlid) gleidje ßrocen» tifdje 3ufammenfehung überführen; fo begreift fid), warum manche fiinber auch bei ber forgfamften Sluffütterung mit ^ul)mild) fränfeln ober gu ©runb gehen, baher ed mora» lifche fßflid^t ber (Eltern fein fann, tro(} alled Sebenfend für bie gute 9Md) einer Slmnte ober ©tidfrau gu forgen. ©ie tuhmild) felbft ift aber Wieber ohne SSergleid) ein natur» gemäßered DJahrungdmittel ald anbere, gang frembartige, nach gorm unb 9)iifd)ung ben Kinbheit, erfte. 943 SBebilrfniffett beS KinbeS fdjlecbt entfpredjenbe «Stoffe, namentlich als bie leibigen ftärte= mehlreidfen Alimente, mögen fie Sßeigenmehl ober Semmel ober ober (5Jerften= grille ober SfrroWroot heißen, unb eS ift Unöerftanb ober inbuftrießer 33etrug, irgenb eines biefer ja^freidjen, ber SNobe unterworfenen Surrogate als ein Slequioalent für baS fpecififdje l|3robuct ber fäugenben ffrauen ober ©h' cre auSgugebcn. Singeine ber= felben haßen einen UBerth, Wenn eS fidf nm bie Ernährung franfer Kinber hunbelt, g. 33. gegudcrte ffteifd)f>rühe, gefdjabeneS Steift, fog. ©idjelfaffee, gehören aber eben batjer nicht gur fj^V)fiologifd)en ©iätetif; anbere finb ungeniigenbe — Earotenfaft — ober üiel gu ftfjWer öerbaulidje Nahrungsmittel — fog. Revalenta arabica, b. Ij- Niehl öon Stufen, Erbfen u. bgt. ©ie SNebicin forbert alfo im öoßen Sinflange mit ben moralifdjen ©eboten ber SDiutterpflidjten in erfter Sinie bie Ernährung beS Säuglings burdj bie 5Nüch feiner Niutter. ©aff fo öiele Niittter biefer fßflid)t nidjt nadjfommen, beruht befanntlid; eineStheitS auf ber Eitelfeit unb @euußfud)t ber „feinen“ SBelt, anberntheiiS fällt bie Sdjulb auf bie unoerfennbare ^jäufigfeit ber fd)Wäd)lid)en ober fräuflidfen Niütter, weldje olgte ©efahr für ihre ober beS KinbeS ©efunbljeit nicht fangen bürfen, ober beren NahrungSqueßc öorgeitig unjureidjenb fliegt ober üerfiegt; in biefem Stüde uutjf bie öerfehrte Ergiehung ber weiblid;en 3ugenb angeflagt werben, wenn fie gwar gebilbete ober »erbilbete, aber gur öoßen Erfüllung ber SNutterpflidjten phhfifd) unbrauchbare Naturen in baS Sieben entläßt; in gteid;er 2Beife übt aber and) bie phhfifdje unb ntoralifdje Kräftigung ber männlichen Sugenb einen großen Einflug auf baS SBo!;! beS gweiten @efd)led)teS; jene, inbem mand;e Kranfheiten, KranfljeitSantageu unb bie aßgemeine Schwäd)lieifS mit erwärmter Kuhmilch, anfangs üerbünnt, fpäter rein, theilS mit feften Stoffen einleiten wifl. Ein fetjr oerbreiteter 333al)n öeranlaßt öiele SNiitter, ihrem Säugling öorgeitig gu effen, b. !;• feftere Nahrung gu geben, bamit eS bod) ja „bid“ werben möge; biefe maffenljafte fyettlülbung im Unterhautgewebc ge= mafteter Kinber ift, Wie fd;on ipippofrateS wußte, ftatt baS 3 e '^ cn einer befonberen ©efunbheit, baS Nierfmat einer abnormen Ernährung; baS ffett fdjwinbet beim Er> franfeit in wenigen ©agen ober SBodjeit nnb gerabe biefe mit Stärfemehl überfütterten, feiften Kinber erfranfen häufiger unb fdjwerer, als bie naturgemäß mit Nfildf ernährten, ©ie 3eit, öon Weldjer an neben ber -Diilch eine ftärfemehlhultige Nahrung in hulbfefter fforra bei guter Verbauung ertragen wirb, unb gwar fe fpäter, um fo beffer, fäßt öon ber gweiten £>älfte beS elften SaljreS bis gum beenbeten fjeroortreten ber erften gwölf bis fed)jehn 3äl)ue, b. h- bis gegen bie Niitte beS gweiten 3ahreS; benn mit ber aßmählidjen Entwidetung ber Kauapparate, ber gleidjgeitigen ftärferen ffunction ber Spcidielbrüfen, ber Vergrößerung beS SNagenS, ber langfameren Bewegung ber ©ebärnte, ber 3luSbit= bung beS VlinbtarmS unb ber ftärferen Seiftung öon Sieber unb 35aud)fpeid)elbrüfe treten bie SBebiugungen ein, bamit ftärfemehlhaltige Stoffe, wol>tgefodjt unb in ber fform einer biinnen Suppe obereineS biiniten 33reieS, gut oerbaut werben; gugleid) traditet baS Kinb aud; nad; Nfaterialien für tie Uebung feiner Kiefer unb 3ähue, unb gegen ben Sd)(uß biefer i)3eriobe wirb bie 33eigiehuitg foldjer Nahrung fogar gwedmäßig, ba baS Entwöhnen mit geringerer Störung fid; bewerlfteßigcn läßt, wenn baS Kinb nach uu ^ 944 .Sinbljeit, crjte. nadj neben ber SJlitdf an ©uppen oberSreie aug SDiitdf ober gteifdjbrüfye mit irgenb einer guten ntelßigen ©ubftanj, mie feinfteg äßeisenmelß, ©erftengrüfce gewöhnt mürbe. Sbenfo giebt aud; bie Sntmidelung ber erften jmBlf, tängfteng ber erften fedjjeEjn 3äfme bie ridjtige 3 e 'i» um in einer fßeriobe beS ©tißftanbeg im 3®^uen, bei gleidjjeitigem SÜBo^I&efinben, namentlidj bei gefunber Serbauung unb bei falter cber uiitber, ja nidft bei tfeißer SBitterung ju entmBfmen, am beften inbem man §uerft aufport, bem Sinbe 9?adjtg bie Sruft ju reidjen, unb algbatui nadf einigen SBocffen mit bem ©tißcn am ©age ptöf$= lieb abbridjt. SDiit bem Uebergange ju bifferenter Soft ift nod) teineSmegS bag Sebürfnig gegeben, bag Kinb an allen ©Reifen unb ©eträn'fen Srmadjfener tpeitnelnnen ju taffen; eg ift Bielmepr aßeg ftrenge ju oermeiben, mag megen feiner groben ober jäfien Sonfiftenj uuBoflfommen Berfteinert toirb, maß bei großer iOfaffe bodj nidjt bie mefent* Udfen plaftifdjen ©toffe in genügenber 9J?enge liefert, mie ein Uebermaß üon Srob, Bon fd)meren dreien, überljau^t oon fUfeptfpeifen ober gar Bon Kartoffeln, ober rot)e§ Dbft, ferner, mag jmar feiner ßiifammenfetsung nad; natyrunggträftig ift, aber eine feljr fräftige Serbauung unb ftarlen ©toffmecfffel bei angeftrengter 93ht§!eltf)ätig!eit Boraugfe(st, mie feljr fette 3)?üd), fette Q'Ieifd^fjjetfen, bie ferneren fpütfenfrüdjte, ftart gefäuerte ©Reifen, meiter mag bie ©efdjmad'gorgane ju fef)r titelt unb ben Sftagcn überreizt, mie äße ßuderjaifien unb ftarle ©emürse, enbltd) mag ein ffteijmittel für bag ©efäßfpftem ober bag ©efyirn, bag befonberg ju fdjonen ift, barfteflt, mie Kaffee, ©f>ee unb bie gegorenen ©etränfe; üöein unb Sranntmein bürfeit nur Bont Sl^te atg 3frjneimittel Berorbnet merbeit; mit einem ©afse, eg Ijanbett fid) um eine jmar nat )- rungglräftige, aber teidftoerbaulidfe, mitbe, reiglofe fftaprung. Sei ben niebern Staffen oeraulaßt bie grobe, ftidftoffarme Koft Serbauunggfranfljeiten, ©fropliutofe unb 9ft)ad)itiä; bei ben Sßobßmbenben füfyrt ber föiisbraudb Bon Sedereien, ©emurjen unb Sfeijmittetn jur ÜJfafdjIfaftigteit unb ©efraßigfeü, ju Snbigeftionen ober djronifdjer Serbauungg= ftörung, jur HngemBlfnung Bon ©timntantieu, ferner btgponirt er ju Kopfcongefttonen unb Ueberreijung beS fReroenfpftemg. Sin meiterer beftept in ber ju üjetufigen ©arreidjung Bon ÜRaprung, feltener in bem Bon einjetnen ©peoretifern geforberten Sptrem, baff man bie 3 e ^ ten b« Sictljrung auf bag für einen ooßfommen gefittiben Srmadjfenen jmedmäßige fOfinimum einfdjränft; man pat pier, mie mir feiert merben, ber Sfüdfidft auf bie ©emBfmung beg ©augtingg bie ebenfo mistige Seadßung ber Steinzeit beS 2Rageng unb ber fdfmacpen Serbauungglraft unb bie päbagogifdje 3tüd= fiept auf bie finnlicpen Sebürfniffe aufgeopfert; ben $ag über reidje man juerft aße 2—3 ©tunben, nad; unb uac^ feltener bie Sruft unb fudje aus 9füdfid)t auf bie 5Ra^trut)e ber fäugenben ober pftegenben -ßerfon Born 3. ober 4. Sftonat an über bie 9?ad)t mit nur einmaligem 9?ät)ren, ffniter ganj ot,me fotdjeS, t)öc^ften8 mit einem tetdften ©etränte burc^jufommen. St>e mir biefen ©egenftanb Bertaffen, fei nodj ber befonbern fPftidjten ber ftißenben SRutter, bejietmngSmeife ber Slmme gebad)t; fie ergeben ficb auS ber 2d;atfad)e, baff unter nerfdfiebenen Sinftüffen bie SJiitc^ na^rungännträftig mirb unb befonberg ba§ fte birect nadjttfeitige Sigenfdjaften auuimmt; Vertier gehören SDiätfetjIer, Srtältungen, ©emüttjgbemegnngen, fejrueße Slitfregung unb neue ©c^man= gerfdjaft. Sin jnjeiter fßunct in ber f5t)t)fifcben Siixtetif betrifft bie Srfyaltung ber Sigem märrne; Bon biefem @efid;tgf3nnct aus tfauptfäd^tidf ift bie Sefteibung beg KinbeS ju beftimmen, unb muß mit Sfouffeau gegen ben Unfug beg SinämängenS ber ©lieber in ein SBidetjeug, metdjeg bie Seine mie in bem Serbanbe eineg Seinbrudjeg in auggeftredter Sage unb unbemeglicf) erplt, bie 3lrme an ben Körper anpreßt unb bag SBpfdjen gegen bie Srnft Ijerab brüdt, gefprodjen merben. gür bie freie iDJugfetübung unb bag Srternen ber combinirten Semegungen, eine natürtidje Aufgabe be§ Kinbeg, gugteicf> für ungelfinberten Stutlauf, öferoeneinftuß unb SIBärmebitbung muß bie Sefteibung aße ©orge tragen. Slßeg Sinpreffen unb Sinfdmiiren ift burdfaug Bermerflid). ©abei foß .ftin&Ijcit, crftc. 945 matt aber alle Äßrpertljeile außer beut stopfe, »eldjer fdjon bon Anfang nur leidet gu bebeden unb bet genügenbem ,£>aar»ud)fe im ßimmer gang bloßgu taffen ift, außer bem §alfe unb ben tpänbdjen, »eldje gleidjfatlg frülje an tii^te Temperatur gu ges »öljnen finb, bor 3 u gluft unb öor Grfältitng fd)üigen; bemnadi rtdjtet fid) Stenge unb Dualität ber SSefteibung tbjeilö ttad) ber umgebenben Temperatur, tljeilS nadj ber SBärmeergeugttng be8 Stinbeg felbft; lein bebedter SUbjeib barf lalt »erben unb feiner foll übermäßige SBSarme ober ©d)»eiß bilben. Vteberbieg muß ber «Stoff ber ßartbeit ber ©lieber gemäß meid) unb elaftifdj fein. Sie fyinlänglidte SBärme unb eine »eid)e Unterlage Ijat aitd) tag Sette gu getoäljrett, »eld)eg bor grober S 3 erunreinigitug ge= fd)üfst fein unb fjäufig mit frifdjer SBäfdte unb gülluttg berfcljen »erben muß. Gbettfo ift, gttmal Sßinterg unb bei Neugeborenen, für eine gleichmäßige ßimmertemferatur bott 16° 31 . gu forgen. Sag Settdjen ober gar fein Äopfcnbe an ben Reißen Gifenofett 3« fteUen, ift ein aütäglidjer Unfug, »eldjer feiner »eiteren Seridjtigung bebarf. Äantt bag finb gelten, fo »irb häufig ber Niobe 31t lieb eine berfefyrte fleibungö= art gewählt; tag finb muß attdj je(3t feine ©lieber rühren fönnen, fein Tljeit außer @efid)t unb fpalg barf ber fälte aitSgefefjt fein, feiner folt unter 31t »armer Sebedung fd)»i(3en, am »enigften aber foK man nad) bem fßarifer Nfobefournal mit affeufetttö= bienljafter Tradjt feie in enge ©d;ul)e gepreßten gitße unb bie nadten SÜBaben frieren taffen unb ben mit fpütlen überlabetten Stopf erdigen. Sille Sefleibungßfiüdc, bereit 3 al)f unb ©toff nacf) ber Temperatur 3ttbemeffen ift, feien paffenb b. I;. »eher 3U »eit unb baburtf) leidet 31t »enig fd)iit5enb, nod) 31t eng unb baburdj ber 33 e»egung unb bem Slutlauf Ijinberlidj. Sag Ginfjülleit in fylaneCt paßt nur für 31t früh geborene unb für blutarme, abgemagerte finber, normal befdmffette »erben ber»eid)Ud)t; benn burd) iljre an fjolje Temperatur gewöhnte Spautneroeu ttnb il;re Sigpofition 3U ©dt»eißen entfielt eine abnorme Gntpfinblidifeit gegen gugluft, niebere Temperatur unb Surdjnäffuttg. G§ fiiljrt bieS bon felbft auf bie Spautcitltur; il;re Slufgabe ift eine hoppelte, einmal burd) Slbfpiilen ber Gpcrete, namentlich in ber Umgegettb ber ©enitafien unb beg Slfterg, ber NaljrungSrefte, ber abgeftorbenen §autfd)uppen, beS ©djinntjeS auf ben unbebedten Tl)eilen u. f. ». bie fpaitt oor bem 2 Bunb»erben 31t fd)üfjen unb il;re belle Transpiration, ein toidjtigeö ©tüd beg organifdjen ,fpaugl)alteg, 3U betätigen, fobann aber bie §aut für äußere ©djäblidjfeitett weniger empfinblidj 3U ntadjen unb barnit il;re gunctioiten unb mittelbar ben gangen Drganigmug gu fräftigen. Slud) !)»>•' ift eg leidft, bie rid)tige ÜDtitte gmifdien ber Sergärtelung burd) fortgefeljte laue Säber unb ber brutalen Slbfyärtung mit faltem Sßaffer unb ungcnügenber Sefleibung 31t finbett. Saue Säber finb atterbingS ein treffliches Stiftet ber 3 teinlid)feit, fie ber»eid)lid)en aber bie .fpaut, fie raadjen überbieg mattdjen finbern felbft bei gang nötiger Temperatur ( 28 ° — 26 ° 3 t.) unb aitd) bei fttrger Tauer Slutanbrang gegen innere Drgauc, namenttid) gegen bag ©e^im unb bebingen bei Ueberntaß neben ber Neigung gu fatarrl)alifd)en unb rl)euntatifd)en Grfranfungen eine reigbare ©d)»äd)e beg gangen DrganiSnutg; fie paffen bal;er nur fo lange, big bie Steinigung burdj ein fräftigenbeg SDtittel erreidjt »erben barf; fo grob ber geiler ift, fd)on ein Neugeboreneg burd) fiälte ftärfeit unb abljärten gu tooKett,.fo ungerechtfertigt ift eg, ein gangeg Saljr lang aH»öd)entlid) laue Säber 31t geben, gür bie erften SebenSmonatc benii(3e man alfo allerbingg täglid) laue Säber bon furger Satter — 5 SNinuten —, fpäter aber gebe man nur ade 2 Bod)en, bann alle Stonate ein SteinigungSbab mit abneljmeitber Temperatur big fjerab auf 23 ° 3 t. unb beginne ettoa bont fedjsteit Ntouat bag Äittb SNorgeng unb Slbenbg am gangen Äßrper mit lauem SBaffer gu »afdjen unb l)ierauf bie £>antfläd)e big 3U ifjrer Stützung gu reiben; nad) unb ttad) neunte man ben gang fernsten ©dj»amm nur für bie befonberg befdjntu^ten Ttjeile, für ben mit Talg, ©d)ttppen unb ©d)tnu§ bebedten, behaarten Äopf laues ©eifett»affer, ben gangen übrigen Äorper reinige man mit einem in immer tpstuig. Cncijftoyäbic. III. £0 946 .ftinblieit, elfte. füljlered SBaffer öon 23—16° N. getauften, bann audgebrüdten ©djwantm unb reibe beim 2lbtrodnen gteid^faHS fräftig; biefe SNethobe reinigt, betätigt bie £>autfunctionen, erfrifcbt bie Neröen unb madjt bie |jaut für äußere ©inflüffe weniger empfindlich- ®er Unoerftanb hält ben ©djmnfs auf bem Kopfe für ein Woljlthätiged ©d)u( 3 tnittet unb begreift überhaupt nidjt bie Vebeutung ber fpautcultur, daher mit Cent Sludtritt ber fpebantme bad obligate Vaben aufgegeben unb felbft eie Reinigung aufd fümmer= lidjfte beforgt wirb. Um äftidoerftänbniffen gu begegnen, fei audbriidlid; bemerft, baff bie gortfefsung ber lauen Väber bei fdjwäc^lidjen, biutarmen, ernähruugdfranfen Kindern ald wichtiges Ipeilmittel häufig angegeigt ift. ©dut(3 bor Äranffyetteit ber 5DJunbt)ö^Ie leiftet große 9?einlid)feit mit ben 2lrinf= gerätsen unb befonberd dem ©auglappen, ber nie mit 3uder ober geftoßenem Vrob ge= füllet Werben foßte, unb bad Slbwifdjen bed SJtunbed mitteift eined feudjten Säppdjend itac^ jedem Satiren. 3)urdj aße ©djidjten ber ©efeßfdjaft geht bie Unterfdjä( 3 ung bed SBertfyed oon reiner unb fonuiger 8nft; bie Slufnaljme fdjtec^ter Suft unb bie mangelhafte 3ttt)em= tljätigleit in feinsten, finftern, dumpfen SBohnungen unb beim Siegentafjen unb Sin= fperren bed Kinbed ift für bad Neugeborne um fo nachtheiliger, bebingt um fo eher eine fd)lechte Vlutbübung, blaffed, trän!lid;ed Sludfehen, fd^Iet^te Gntwidlung bereinige unb ber SNudfelu, atd ülrmut, Unberftanb unb bei ben Reichen bie Sitelfeit ben Kindern gum ©ag= unb Nadjtaufenthalt bie finfterften unb engften (Selaffe giebt unb bie ©orge für reine Suft gerabe hier am gröbften öernadjläßigt wirb; in folerumtragen erft in liegender, fpäter in halb fixender ober fi^enber ©teßung. SDiefer 3wed wirb am beften erreicht, wenn man bem Kinde burd; 2lud= tragen auf trodene, winbftiße, ©ommerd oor ©taub unb blenbenbem ©onnenlidjt ge* fchühte fßlähc bie reine unb fonnige 8uft gu genießen giebt; bem gefunden Kinde wirb biefer Suftgenuß wirflid) gum Vebürfniffe unb bad Verlangen darnach barf nicht ald Gigenfütn unb Verwöhnung päbagogifd; unterbriidt Werben: ed handelt fid; dabei um die »erftänbige SBaljl ber 3 e ftr in «oelcher bad Neugeborene guerft an bie freie 8uft gewöhnt unb gu weldjer $£agedgeit unb bei weldjer VMtterung ed fpäter audgetragett werben foß; bei Iränllidjen unb gu Suftwegelranlheiten geneigten hindern bedarf ed aßerbingd großer Vorficht, fonft aber fann jebed Sind außer bei ftrenger Kälte unb gang naffern Sßetter gum großen Vortl;eil für feine Kräftigung in bie 8uft gebradjt werben; Kinder über einem halben3al;re, ebenfo folche, welche gehen fönnen, aber oor *) Srgt. ben Sludgug aus Sattemattb bei Var rau, Theorie ber (Svjiebuug, in berbeutfebeu Ausgabe @. 254 f. jfinb^cit, erfte. 947 ©chmu (3 unb Dtäffe be$ 23oben§ gefügt werben müffen, hat man auSjufahren; in ben erften Sauren ift habet jebodf eine ftärlere Grfd)ütterung als äußerfb gefäl;rlicf> für baS @e= Ijirn ju »ermeibett. ©obann barf matt freilich fd^ott beit jfüngften ©ättglittg ntdjt burd) ju häufiges 21ufbenarmnet)meu, ©ragen, führen ober SBiegen oerwöhnen, man halte bie red)te 3»torbnung unb baS redfte üftafj. ffiieberholt ift gefagt, bie bßftege habe ben bettt $inbe eingepflanjten ©rieb zur willführlidjen Bewegung nnb baS Ginüben ber SBitlenSbjerrfcfjaft über bte 9ftuSfeIgruf5f)eu jn begünftigen, ba8 ift etwas ganz anbereS als baS unjeitige SJeranlaffen beS aufrechten ©ifjenS unb bie Äünfteleien, um baS ©ehenlernen ju beforbent. ©olange ba§ Sinb beit Stopf nicht tragen lann, ift eS beim Slufridjten ju unterbieten; folange baS fiinb nidjt »on felbft jifct, b. h- nid)t bie nottjrge Stnod)en= unb SöiuSlelfraft unb bie nötige Snnerbation für biefe 2Irt ber freimütigen Stuftrengung befifct, barf baS Stinb nicht in ho&nber ©tettung un= mittelbar auf ben 2lrmen, foubern nur im ©ragbette unb mit fdjwadj erhobenem Dber= leib getragen werben; erft wenn es ftdjer unb längere 3 e it fiie bäbagogifdje Äehrfeite ber forcirten Gewöhnung burch §ungernlaffen u. f. tr. ift trefflich entwicfelt bon 3Baih» aßgemeine ißäbagogif, 1852 , ©. 158 . 948 ■ffirtbfjdt, erftc. 5 D?enfcf;en Don bornhereiit ganj unberechenbaren, fdjäblidjen @iitfTüffe auf baS @eelen= orgatt wie für ©eele unb ©eift felber, tljeilS um ^ofittoe Sinmirfungen, um ben überaus reidjcn pftjdjifdjen SntmidlungSproeejj burch Darbieten ber geeigneten ©iuneS= eiubrüde mit toeifem SDcafje 31t forbern, mithin bie Srbanung ber Snnenioelt burd) Slufnaljme nnb Verarbeitung ber Slufenloelt 3U begünftigen unb auch auf ben redjten geiftigen 3 nljalt ^injutDirfen; Leiter aber l;anbelt eS fidj fdjon beim jüngften finbe um bie Vorbereitung jur (Srjiefmng eines fräftigen fittlid) = retigiöfen VJiHcnS burd; @e= ibüljnung an ffrenge Drbnung unb ©eljorfam unb burd? Vefämpfen beS bem ftitibe mafirlid) nidjt anerjogenen böfett VMüenS; bor allem burdj bie SOfadjt ber ©etböljnung, eines guten VeifpielS, nnb, loo eS fein muß, audj einer angemeffeneit ©träfe. ®a= bei ift atlerbingS ben Slnljängern Sftouffeau’S infomeit fKedjt ju geben, als eine ber= lehrte Veljanblung beS SlinbeS bon ©eburt an, fei eS eine meift unbelbufjte pljpfifdje 2 )fiS^anbIung, fei eS eine fdjledjte ($rjiel;ung, bie ©innlidjfeit reigt, fdjledjte Steigungen unb ©elboljnljeiteit medt ober fteigcrt nnb ben SBiHen in eine falfdje Valjn lenft. (SS ift für bie UnfenutniS beS pftjdjifdjen SebenS im ©äugtingc djaraftcriftifdj, baß bie SOtenge ber VolfSfcbriften biefeS tbidjtigfte ©tiid für bie Srljaltung ber @e= fitnbbeit beS innern SJlenfdjen, djriftlidj gefprodjen feines „Gebens", faum anfaßt. 2 lm natiirlidjfteu beginnen mir mit bem erftcn Seben§3eidjen beS Steugeborcnen, mit bem ©freien. 9 In baS aus SrftidüngSangft, aus Suftljunger inftinctio eintre= teube Vt^mcn ift bie Slenfjerung ber Untuft über bie plöjslidje Slenberung ber ge= tboljnten ©imteSeiubrilde getnüpft; baS ©efdjrei überhaupt fpielt in ber SfinbljeitSpflege eine Hauptrolle, als bie borljerrfdjcnbe Sleufjentng aller im ©efüljl als Unluft bemerken Sinbrüde ber Slujjenmelt unb beS eigenen ÄörperS, fpäter 3ugleidj als bie trompete — sifc venia verbo — be§ SÜSillenS unb ber gemiitljltdjen SIffecte. 3 n jener Ve3ieljung ift 3U uuterfdjeibeit 3toifdjen bem ©djreien als SluSbrud ber l;öf)cren Unluft beS ©djme^eS; ferner bem für ein aufmerlfameS Dljr leidjt erfennbaren Sreagireu gegen bie Smpfiubiutg beS Hungers unb DurfteS unb fonftige unluftige Smpfinbungen, mie »01t fiiljter Temperatur, enger Äleibung, beim SJtangel gelohnter ©inne§rei§e ober ange= tbbljnter Vebiirfniffe unb ettblidj anbererfeitS bem ©djreien aitS Slerger, 3 orn un ^ übler Saune. Sine toidjtige Aufgabe für bie aufmerlfame SJtutter ift, ar3tlicf) 3U fpredjen, bie Differcntialbiagnoftif beS ©efdjreiS; ber geläufige SSBaljn erfennt im ©d)reien nur ben SluSbrnd beS Jüngers; trenn biefer bermeiutlidje Hunger befeitigt ift, fo fdjließt mau erft auf Vaudjgtiutmen unb fpäter auf ©djme^en bom 3 a ^ nen ! SWgemeitt ftür - 3t in ben SSZittelftäubeu bei längerem ©dreien baS gan3e Sßartperfoital 3U unb ohne rul;ig 31t prüfen unb 3U beobachten, greift man uadj ben geläufigen Vorfteßungen 3u einem fel;r häufig falfdjeit SDZittel, um boc^ ja baS ©djreien 3U füllen, namentlich giebt man 3m 4 Ungeit unb 3U häufig SZaljruttg, ober reicht eine SZäfdjerei, ober legt baS itinb 3U häufig troden, ober trägt eS unter ©djaufeln herum, ober fegt bie SBiege in Setoegung, beim Volle nodj je(st um fo heftiger unb rafdjer, je ftärler baS ©efdtrei, ober entfdjließt fid; toenigftenS 3U111 ©auglappen, einem bielgetabelten, bei reinlidjem Halten unb oljne genieß baren Suljalt 3iemli(h unfdjulbigen VefdjtbidjtigungSmittel, im= merl;in aber ein angeloölmteS VebürfniS. 3 it ber falfchen Vehanblung beS Sliuberge= fdjrcicS liegt baher eiu H aiI Ptgrunb ber begehrten, in ber ridjtigen ber guten Si'Siehung; bort getnöljut man baS jtinb an iiberflüfftge ober unmittelbar fd)äblid;e Vebürfuiffe, nsetdje bie weitere pflege ungemein erfd;toeren, fe^tbie berftänbige SebenS= orbnung gegen bie finnlidjen Triebe unb Saunen beS SinbeS 3uriid unb er3iel;t einen launenhaften, finnlidj begehrlidjen, herrifd;en 233 illen unb fteigert bie pfpdjifdje Smpfinblid;= feit für unangenehme Sinbrüde, hieb aber benii(3t man baS ©djreien, um baS Slinb bor aüem au Drbnung, an baS gebulbige Srtragen leichter Vefdjioerben, an baS Ve= herrfdjen ber finnlicben SCriebe unb an bie Uuterorbnung feines äBitlenS gu getböljnen. Vei loirflithem ©djmerggefdjrei fuc^e man burth eine umfidjtige Prüfung ben ©runb 3U üinbljeit, erfte. 949 finben unb folgen zu ^e£en; gelingt bieg nicht, fo nüfeen bie gewöhnlichen fpütfen wenig ober nichts, fdjaben aber gewiß burd) Berwöfjnung; ber 3lrjt ^at t)ier einjutreten, aber nidjt bie Sltbernljett ber SEBärterinnen, Berwanbten u. f. w., Welche fid^ in ihrem ®ünfet weit ergeben über ärjtüdje Sunft unbSSSiffen; fdjreit bag Äinb nidjt aug junger, fonbern aug öorjeitiger ©ßtuft unb SSegetjrlic^feit, fo taffe mau eg, wenn bie SMjrung gut unb genügenb War unb bag Sinb gefunö ift, fdjreien, big eg fidj beruhigt unb ber Born erften Sage an ungefähr feftgefefete 3eityunct beg Stäljreng eintritt; bieg wirb um fo teidjter getingen, wenn man bie 3roifdjenjeiten nur attmätjlidj Bertängert unb nament» Ii<£ nidjt eine ganze Stadjt fdjon Heine Säuglinge faßten läßt. Streit nun aber bag Sinb fort unb immer Ijeftiger, fo tritt ein 3eitßunct ein, Bon Wettern an bie über= mäßige Slnftrengung burd; ffteroenreijung ober bie Störung beg Btutlaufeg unb beg Sttljmeng fdjäbtidj wirb; einzelne fiinber ertragen jwar erflaunlidj Biet, aber anbere mit reizbaren SfarBen BerfaÜen in Krämpfe unb hintennadj in Betäubung, bag barf nidjt Berfdjwiegen werben; eg iß nun gewiß unßljijfiologtfdj, etwa wie 33 eff er Witt, mit ber Utjr in ber fpanb eine 33iertelftunbe taug bem Schreien feinen Sauf ju taffen; bie £>eftigfeit beg ©efdjreieg unb ber bamit Berbunbenen Bewegungen, bie Snbioibualität beg Sinbeg unb bie Beobachtung ber erften, 3eidjen ber ©onBulftonen ober ber Btutftam ung unb beg ftodenben Stttjemg wirb einen beffern tDtaßftab abgeben, ©benfo läßt ftcfj nidjt beftreiten, baß bie häufige Itutuft, Wetdje bem Sdjreien §u @runb liegt, bem Kinbe eine bauernbe grämtidje unb traurige Stimmung geben tarnt uub baß unmittelbar burdj nadjtäffige Befriebigung wirttidjer Bebürfniffe bag Strtb in Ijeftige Unrutje gefegt, bie fmnlidje Begierbe in itjm etjer gefteigert unb eine §>eftigfeit beg 3lffecteg angewöljnt werben mag. Satjer wenn bag Sinb aug ridjtigem junger fdjreit, ober wenn bie Stagen fidj auf ©urdjnäffung ber Kleiber unb beg Bettg, auf unbequeme Sage, auf eine burdj über= mäßige Bebedung im Bette erzeugte $tfce unb Bangigfeit beziehen u f. w., ber rechte SKittetweg gwifc^en einem übertriebenen 3uoorfommen gegen bie Begetjrungen beg Kinbeg, Wetdjeg bag ©inhalten ber ftrengen Orbnung unb bie frühzeitige ©ewöljnung an bie Keinen Unbequemlidjteiten beg Sebeng augfdjtießt, unb jwifdjen einer pebantifdjen Strenge ju finben unb jebenfattg wirfiidje Bernadjtäffigung augjufdjtießen ift; fdjreit bag Sinb fpäter aug Stergerunb 3orn, fo wirb man bie erforberlidje Befriebigung eineg natürlichen Bebürfniffeg nidjt fofort fidj abtrohen taffen, fonbern warten, big bag Ktnb fidj be= ruljigt hat unb befdjeiben bittet; baburch ergieljt man juerft bie ©rfatjrung unb fpäter bag innere Berftanbnig ber Sljatfadje, baß bag Kinb feine ertaubten 3t®ecfe nur burd) Betjerrfdjung beg Ueberntaßeg im 3tugbrude feineg 3Bitteng erreidjt, währenb bie tie= benbe pflege ihm alteg, wag ftdj gehört, zur 3«t unb gerne gewahrt; ift bag ©efdjret aber ber Sterger über etwag mit ßtedjt oerfagteg, ober über eine nötljige Unluft, j. B. beim Boafdjen unb Baben, befonberg beim SBafdjen mit fühtem SBaffer, fo tjat man bag Kinb fe nach feiner pfijdjifdjen ßntwidtunggftufe burdj Stbtenfen ber 2tufmerffam= feit auf einen anbern, aber unfdjutbigen ©egenftanb feineg Sntereffeg, fpäter burch ben ernften Slugbrud ber Stimme unb ber ©efidjtgjüge, nöthigenfattg fetbft burch einen empfinbtidjen ßinbrud auf feine fpautnernen zur Befmnung z« bringen; ber tjäufigfte getjter fdjwadjer ©ttern ift, bag heftig Bertangte fidj zutefet hoch abtrofcen z« taffen, ober bie gufriebenljeit beg Sinbeg burdj einen erfahrneren Sinnegüfcel zu erfdjteidjen. Sag zweite Borfommnig, wetdjeg am Ijäufigften zu fchtechten SSCngewBljnungen führt unb bem Sinb biefjkrrfdjaft über feine ©rzietjer Berleitjt, ift bag fdjwierige ©infdjtafen. ©in gefunbeg, befonberg ein an Suftgenuß gewötjnteg-unb am Spiele unb ber Be= tradjtung ber Stußenwett ermübeteg Kinb fdjlaft Stbenbg unb im erften 3afjre je jünger um fo häufiger audj ben Sag über zu 3eiten ein, wetdje fidj recht wotjt orbnen taffen; bieg hört auf, fobatb bag Äinb in ben Stunben Bor bem Schlafe pfhdjifdj aufgeregt wirb unb ebenfo ift eg um bag ruhige ©infdjtafen gefdjeljen, wenn bie Stfutter bag Sinb an bag Sinfdjtäfern burd) SGßiegen, §entmtragen, Singen, unter äJtittjütfe beg 950 itinbhcit, crftc. ©auglappenS ober aud) nur unter il;rer beftänbigen Anmefenheit gemßhnt hat; baS Äinb forbert je(3t biefe hülfen uub ift feljr aufmertfam auf it)re bauernbe Sereit» fdjaft, regt fid) batjer fortmäl)renb auf unb fommt oft fdjmer 31t einem fefien ©dflafe; neues Aufmadjen, neues ©efdfrei, neue §itlfe, aber bei ber gefteigerten Aufregung toieber feine SUuIje. Seiberfettige fpeftigfeit, enblid) ©djläge ober ein betäubenbeS ©djaufeltt u. f. tu. 9 )ian bereite baher adeS, maS ben Eintritt beS ©d)IafeS ftören muff, iiberlaffe fobann aber 31« redeten ßeit baS Stinb fid) felber, bei älteren ©äug» lingen nöthigenfadS mit bem fategoriftfjen ©ebot: je§t fd^Iäfft bu. Sin ©runb beS fd)ioierigen Sinfd)IafenS of)ne ©efedfcfjaft ber SDcutter ift bei älteren Äinbern il;re ^ 3 f) an= tafie, menn fie burd) t^öridjte Stählungen mit gurdft erfüllt mürbe; in biefem ißuncte finb befoitberS bie Sienftboten, bie älteren ©efdjmifter, aber aud) unpaffenbe Silber ju übermad)en. Sin britteS ©tüd ber guten ©emöfmung bejieljt fid) auf bie Ausleerungen, ebenfo im päbagogifdjen Sntereffe mie im mebicinifdjen, I)ier um bie im fpäteren Sehen fo iäfiige ©djmädfe ber Ipantblafe unb bie näd)tlid)e Unreinlic^feit 3U oerf)üten; fobalb baS ffinb fifjen fann, bringe man eS bon 3 eit 51t 3 eit auf baS entfpred)enbe ©erättje unb bebeute juerft bem Stinbe baS Srfolgeu ber Ausleerung, fpäter baS SebürfniS ber» felben burd) irgenb ein 3eid)en anjugcben. 3 iad) biefer allgemeinen Srörterung ift über bie pflege ber einsetucn ©inne unb ber einjelnen gormen ber pfpdjifdfen S©f)ätigfeit 31t fpredjen. Sinraal ift in ber Uebung ber ©inne baS redjte SJiajf 31t I;atten uub ift meiter bie Dualität ber ©inneSeinbrüde in Sejug auf ihre Sebeutung für ben pftydjifdjen Snljalt ju bead)ten. Sie fieberen ©inueSapparate finb bei ber ©eburt an feine Sieije gemöhnt, fie müffen beSfjalb bor allen ftarfen ober 31t rafd) medjfelnben Sinbrütfen gefdjüht merben, fonft er» fäf;ri baS Drgan felbft eine Sefdfäbigung ober burd) ben ©rab unb Sßedjfel ber pft)= djifdjeu Srregung entfielt eine Ueberre^ung beS @el)irnS; bei rafdfem 2 Bed)fel an fid) nid)t 3u ftarfer 3fei3e ift bem Stinbe bie fo midjtige ©elegenheit ent3ogen, fid) felbft 3m- ridftigen unb bodftänbigen finnlidjen SBarnetymung, 3tir Sübung richtiger Sorftedungen unb Urteile unb 31er ruhigen unb bel)arrlid)en ©ebanfenarbeit 3U ersiehe«; man gebe bem ffinbe beSljalb friü^eitig Anlajf, ftatt hcdbträumenb basuliegen, bie pft)d)ifdje Arbeit an ben einfadjften ©egenftänbeu ber 3 Sarnel;mung 31t rot^iehen; babei ift eS ganj im Sl;aracter beS fiinbeS, meld)eS bie Sigenfcfjaften eines ©egenftanbeS mit allen feinen tätigen ©innen 3U erforfdjen trachtet, if>m ein ©piet3eug 3U geben, baS mit bem Auge, mit bem ©efdmiade unb mit bem Saftorgane ftubirt merben fann; bietet man längere 3eit benfelben ©egenftanb, fo lernt ein „finniges" ßinb beufelben halb fennen unb an bemfelben feine SBitlenginifmlfe praftifd) oermirflidfen; baS Äinb mirb nicht überfüllt mit djaotifdjen ©inneSeinbrütfen, fonbern eS benüfst überbieS, maS 3um geiftigen Snljatt ber» baut mürbe, als ben feft im ©ebäd^tniS bjaftenben ÄrpftadifationSpunct, an melden bie fpäteren SBarnehmungeu fid) anreifjen. 3 n fpäterer 3 eit ift eine ernftlidje Sefdjäf» tigung mit bem ©fjiele, ol;ne Suft unb freie Steigung artSgufc^ließen, gerabesu an3u= gemöl)nen. Sie ©eljöreinbrüde, metdfe gleichfalls nur nach unb nad) in ftärferen Stegen eintreten bürfen, finb nod) mehr als jene beS ©efidfteS geeignet, ben ©inn 3m: fdjarfen Unterfdjeibung 31t erziehen, baS ©ebädjtniS 3U üben unb bor allem bie höhere pfi)d)ifd)e Sh^tigfeit, burd; bie Serbinbung bon flaren Segriffen mit ben margenom» menen unb bem ©ebädjtniS eingeprägten Sauten unb Sautfolgen 31t entmideln; hiemit ift bor adern baS Semugtfein unb bie innere SDtöglidjfeit, feine ©ebanfen burd) er» lernte unb reprobucirte Saute mit fjitlfe ber allmählich eingeübteu ©prachorgane 31t äugern, gegeben; für bie AuSbilbung biefeS ©inneS unb mit ihm für bie geiftige Entfaltung ift baher ber Umgang mit rebenben 5 D?enfd)en baS SBidjtigfte; begreiflicher Stßeife be= giinftigeu mir baS fftebenlernen, menn mir bie am leidfteften 3U articulirenben Saute bem Äinbe mit auSbrudSboHer ©tellung unb Semegung ber ©prachorgane bormachen jfinbpeit, erfte. 951 unb feinen erften Spracpfcpap befonberS aus SBorten bitten, beren begriff Cent finbe burd; finnlicpe Slnfcpauung aufgefaßt wirb; überhaupt getröpne man frühzeitig, anftatt an mecpanifcpeS plappern, an flarbetrußteö lautet ©enfen. ®ie Dualität ber (Sinbrüde burep Dpr unb 2luge ift aber ineiter ron größtem Gelange für bie gemütplicpe Sr= tredung unb bte 93eftimmung beS ganzen ©runbtonS im ©emütpe; tpeilS ertoirbt baS Äinb burd; Nadjapmuug namentlich ber ©efidjtSzüge feiner Umgebung zuerft nur ben mimifdjen Slutbruct ber Reitern über finftern (Stimmung, ber ebeln unb ber fd)Ied)te:t Stffecte, bann aber Stimmung unb Slffect felbft; tpeilS toirfen bie ©epöreinbrüde, lange epe ber Sinn ber SBorte rerftanben tnirb, unmittelbar toopltpuenb ober rerlepenb unb erfdjredenb auf baS ©ernütp; piemit ift auep bargetpan, melden Sinfluß bie Um= gebung beS finbeS burd; alles für baS finb Sicptbare unb §Brbare auf feine innere ©eftaltung äußert unb toie baper fepon bem Säuglinge ber 23erfepr mit ben zur Sr= Ziepung berufenen ßliern, zumal ber 9Jtutter, unb niept mit Söiietplingen ju geträpren unb bei ber SBapI ber finbertoärterin naep ftrengen ©runbfäpen ju rerfapren ift. 3um täglicpen Umgang gepören auep bie älteren ©efdjtoifter, beren lieberoIIeS 33enepmen wie baS ©egentpeil auf ben Säugling gleichfalls große SBirfung äußert; pier fei nur eines SlnlaffeS zum Neib unb zur feinbfeligen Stimmung, melcpe feine ©efcpwifterliebe auffommen läßt, gebadjt; mir meinen bie ^Beraubung beS ©ftgeborenen, trenn bem neuen Slnfommling zugleid; faft bie ganze Siebe unb pflege ber -Kutter fid; jumenbet; für beibe fintier ift eS bagegen gleid; fegenSroll, toenn bie SJtutter fid> gleichzeitig mit beiben ©efeptriftern befepäftigt, baS ältere in bie Heberolle pflege beS jüngeren burd; 23enüpung feiner fteinen ©ienfte mit pinein^iept unb bei ben fleinen Seiben beS Säug= lingS baS -Kitgefüpl beS älteren ertredt. ®en @efcpmacfS= unb ©eruepsfinn pat man ber natürlichen ©ttwidlung ju überlaffen unb foH namentlid; niept burd; rorgeitigeS ©arreidjen ron Süßigfeiten mit= telft ber görberung beS ©efcpmacfSfinneS bie finnlicpe 33egeprlid;feit fteigern. ©aS Sorgetragene entpält Slnbeutungen, trie burep bie Drbnung beS SebenS unb bie ©etoopnung unb toie burd; bie S3epanblung ber Sinne auf baS ©ebäcptniS, bie ißpantafie, bie JnteHigenz, befonberS auf ben SBiHen unb baS ©emütp einjutoirfenfei; Zur ßrz^ e ^ utl 9 eines eble« unb religiBfen ©emütpS gepBrt aber noep tueiter bie früp= Zeitige ©tredung ber 2lnbad;t (f. biefen Slrtifel) unb als baS fpauptfäcplicpfie im erften finbeSalter bie Iparntonie ron ©nft unb ron traprer Siebe im ganzen SSerpalten ber SItern, treld;e allein neben bem ©eporfam peiteren finberfinn unb lieberotleS 2Ser= trauen ertneden fann. Siteraiur. 33gl. bie Slrtifel Slnbacpt, SllterSftnfen, SBetrußtfein, ©eporfam, ©etrBpnung, f inberträrterin, fßrperlicpe ©ziepung, 23erpalten bei franfpeiten, unb fNäßigfeit. 21uS ber großen 3 a ^ ber populären Scpriften mBgen perrorgepoben trerben: ^ufetanb, guter 9?atp an üNütter über bie pppjtfcpe ©ziepung berfinber, in rerfep. Auflagen. %. 21. r. 21mmon, bie erften 2Jtutterpflid;ten unb bie erfte ÄinbeSpflege, 8. 2lufl., 1859; Sdjreber, faüipäbie; ferner „bie ©gentpümlicpfeiten beS finblicpen DrganiSmuS u.f.tr.", Seipzig, 1852. Kautpner bitter ron Kautpftein, finber= biätetif, 3. 2lufl., SEBien, 1858. 23effer, f. bie obengenannte Scprift. SBertpeimber, ©iätetif ber Neugeborenen unb Säuglinge, ÜKümpen, 1860. ffür bie ©epirnbiätetif fpe= cieH rgl. bie ausgezeichnete Slrbeit ron S. ©. Stieb ei, zwölfter Sericpt über (Eprift’S ÄinberfranfenpauS, 1856; abgebrudt im Journal f. Äinberfranfp. 1856. XXYI. £>eft 3. 4. S. 249. ferner nepmen befonbere Nüdftcpt auf bie pfpd;ifd;e ©ziepung: Sigi8= munb, finb unb 28eit, S3raunfcpWeig 1856; Sdjmibt, Briefe an eine SDtutter über SeibeS= unb ©eifteSerziepung iprer finber, fötpen, 1856; .ßepfelber, bie finbpeit beS SNenfcpen, ©langen, 1857; 9Jceier (Seprer in Gümben), baS finb in feinen er= jien SebenSjapren. Unter ben Sßerfen über finberfranfpeiten ift zu nennen: 93oucpun 952 .ffinbbdt, crftc. ^anbbud; bet föinberfranfgeiten, Bearbeitet bon SBffdjoff, 2. Stuft. SBürsburg, 1860. StuS ber pabagogtfdjen Literatur ogt. namentlich IßalmerS tpäbagogif, @. 178; bon SKaunterS Oefdj. b. ißäbagogif, befonberS III. 3 ff.; 2öaig, ißäbagogit a. a. D. 33arrau’8 STIieorie ber Grgieljung, überfegt bon ®öf;Ier, <3. 150 ff. S3gl. ferner bte in ben Strtifeln über .fßrperlidje erjiegung" gegebenen literarifc^en 3?ad^toeife. Dr. 9t. üöbtet. ÄinbSntGbdjeu, f. Äinbertbörterin. ©ötlfe, ß. 21. Dibenburg. ©. 1. ©ötbe’d Seetüre, Ben Sanberer. ©.7. ©ottedfurd^t, ©ottfetigfeit, f. grömmigteit. ©oußernante, ß. SBeefenmetyer. ©.24. ©rafer, ß. (Sifenlofyr. ©. 37. ©regor I., b. Rahner. ©. 44. ©regorianer, f. §tercttt)tntaner. ©regoriudfeft, f. ©dfulfefte. ©riedfenlanb, B.ißfyitipbe3ean. ©.46. ©riecBifc^e Sräiefyung, f. ©olott, Styfurg. ©riedfifdje ©practie, ß. 23äumlein. ©. 63. @ro jfbritannien unb Srlanb, ß. ©anfeftabte. Bamilton unb feine SDtetfyobe, ß. Sßutfyarbt. ©. 241. Banbarbeit, ß. gteiljofer. ©. 255. Banbfibel, f. 9lS3S=33nd§. Bannoßer, bad geteerte ©d)ul= toefen, ß. ©efferd. ©. 263. Bannoßer, bad SBolfdfdjuhßefen, ß. Sßabft. ©. 319. Banfeftäbte, f. amSnbe bed 33udfftaben B- Baupttatalog, f. ©djillerßerseicfjniffe. Bauptlelfrer, f. Seljrer. Bauptfdjule, f. Sanbfdjule. Bamptßerfeijung, f. SSerfe^ung. Baud, 33er!fältnid jtnifc^en §au8 unb ©djuie, f. ©cfyute, 35erpltni8 jtßifdjen Baud unb ©dfule. Baudanbadft, f. £>au§gotte§bienft. Bandaufgaben, f. Slufgaben. Baudgottedbienft, ß. Segler. ©. 337. Baudlfaltungdgefdfäfte, f. De!onomifd)e Arbeiten. Baudiefyrer, f. Sßrißattefyrer, B°f» ie iP er * Baudorbnuug, ß. ißatmer. ©. 342. Baitdßater in Sftettungdanftalten, ß. SSölter. ©. 344. Bebbomabariud, f. Sllumnate. ©. 76. Bebräifdje ©pradje, ß.Deljter. ©.346. Beder, 3ot). Suliud, ß. fftanfe. ©. 378. Begel, ß. ©effraber. ©. 384. ' Begiud, Siieyanber, ß. Bi r 5 e *- ©• 388. Beimatfinn, ß. SSeefemnaijer. ©. 390. Beiterteit, f. fyrol;finn. £elferftyftem, ß. Sföiede. ©. 393. Berbart, ß. SftoUer. ©. 397, Berber, ß. Beifonb. ©. 440. Bermann, ©ottfrieb, ß. ßiegter. ©.450. Berraaitn ßon bem SSufdje, ß.Äamntel. ©. 460. Berrnljutif d)ed ßräielfungdtoefen, ß. Sßlitt. ©. 463. Berrfd)fud)t, f. SBerträglid)!eit. Berj, f. ©emiitfy. Beffen, Äurfyeffen, ß. Sßejjenberger. ©. 475. Beffen*® armftabt, ß. ©trad. ©.511. 954 2?erjetc^niS ber Slrtifet. Heuchelei, f. SBahrljaftigfeit. Heuriflifdj, f. UnterrichtSform. Hepne, b. kämmet. ©. 532. Hieronpmianer, t>. kämmet. ©. 537. Hintergehung, b. Sange. ©. 545. Hod)mutl;, f. ©etbftgefüht. Höftidjfeit, f. 2tnftanb. Hofmeifter, b. ©trebet. ©. 549. Hofmeiftern, f. £abet. Hoftopt, f. Seltenberg. Holtnnb, b. Se Dop. ©. 558. ®a§ gemifd)te ©djutfpftem in HoI= lanb. ©. 579. HoöpiteS, f. ©d)üter. Hrabanud SDauruS, b. ißatmer. ©.583. Hütfeteiftuug, f. tBeipütfe. HütfSteprer, b. ©totjenburg. ©. 586. Humanismus unb Realismus, b. ©efferS. ©. 589. Humaniftifdje ißäbagogit, f. ißäbagogif, ihre Dichtungen. Humbotbt, k. SBittietm b., b. @. 23aur. ©. 644. Humor, f. Sehrton. Hanfeftäbte, b. ißalbamitS. ©. 659. 5- Sbeate, f. Sbeatität. Sbeatität, b. H°Öen5erg. ©. 667. SbiotenanfMten., f. (Sretinenanftatten. Sgnorantiner, f. ©(putbrüber. 3mpffd)ein, f. körperliche Srgiehung, 5ßf(id)= ten ber ©djule. Sucipieng, b. S3od. © 669. 3nbibibualität, b. @. 33aur. ©.673. 3nbu|triefd)ulen, b. ^reihofer. ©.681. Snfpection. SrfterSlrtifetb.kern. ©.692. Snfpection. ßloeiter Slrtifel b. H°l3 er - ©. 695. 3nfpectoren, ©djüter als Snfpectoren, f. Stlumnate. (©. 76). 3nftitut8= unb Samitienerjiehung, b. @. 33aur. ©. 698. Snftrumentalmufif, b. ißatmer. ©. 705. SniettectualiSmug in ber ßrjiehung, f. (Srjiehung, fatfdje Dichtungen. 3nterftitium, f. ißaufe. Sntrobuction, f. StmtSeintoeifung. Srlanb, f. ©ropritannien. Sronie, f. Sehrton. 3tatien, f. am ®nbe beS SBerfS. Stalienifcpe ©prache, b. ©antter. ©. 712. SacobS, fjrieberidh, b. kämmet. ©.725. Sacotot, b. Dutharbt. ©. 731. Sähjorn, f. ©etöftbeperrfdiung. Sejuiten, Sefuitenfdjuten, b. 2Bagen= manu. ©. 740. 3 ofeph II-, b. kämmet. ©. 793. 3ugenbfreunbfd)aft, f. greunbfchnft. 3ugenbtectüre, Sugenbtiteratur, b. kühner. ©. 802. M. kattigraphie, f. ©djreibunterricht. kameraben, f. ©efpieten. kämmerer, 3oad)im, b. ©cpneiber. ©. 840. kant, b. S)einharbt. ©. 844. kart ber ©rofje, b. kämmet. ©. 868. karten, f. Sanbtarten. kartenjeibhnen, f. ©eographie. katechefe, b. Stylo. ©• 877. katedjetif, b. ißatmer. ©. 889. katecpetifch, f. Unterrid)tSform. katedjifireu, b. ißalmer. ©. 892. katedjiSmuS, b. 2Beibemanit. ©.904. katheber, f. ©chutgerättychaften. katpebratfchule, ©. 915. kattjiotifche ißäbagogif, [. ißäbagogif, ihre Didjtungen. keufchpeit, f. ©djampaftigfeit. kinberöälte, b. ©trebet. ©. 915. kinberfejt, f. ©c^ulfefte. kinbergarten, f. gröbet, kteinfinberfd^ute. kinberglauben, b. ißatmer. ©. 917. kinberheitanftatten, b. köhter. ©. 929. kinbermann, b. ©ifentopr. ©. 933. kinberfdpriften, f. Sugenbfdriften, kinb erioärterin, b. köhter. ©. 938. kinbheit, erfte, b. köhter. ©. 940. kinb8mäbd;en, f. kinb ertoärterin. H 0. Haumer’s ^fdjidjte to |)dtraö0güi 1 üoöftänbtg tu dritter (tuoljlfeilercr) Slitflagc. 3« ber Serlagebuctdjattblung Den ©. ßtcfdjing in (Stuttgart ift foebetr er; fdjietten unb in alten Shtd^anblungcn ju fabelt: öom '^fieberauffifüfjen fX a ffifer ©tubieit bt§ auf unfere Seit. Seit iS.arl ttott ftoutner. ^ierfer 'gßanb. Studj unter bent Xitel: 2>te bentfielt ttntöcrfttätcu. «ritte, tiurdjgcfchcnc uttii ucrmchrte Auflage. 26 Sogen in 9iot)al=Dctao. @ef;eftet. 5ßreiS 2 £f)lr. — ober ft. 3. 30 fr. Sttbalt: I. ©efd)id)tlid)C 0 . (Uebcrblid ber beutfdjen ltniberfitäten uadj ber 3 £ itfotge ihrer (Stiftung — bie beutfdjen ltniberfitäten beS 14. btS 18. fsahrhunbcrtd — im 19. Jahrhunbcrt: perfönliche ßrtebniffe bed S3erfaffers [®öttingcn, 4?aIIc, SBrcdlau]). — II. Altatiemifdje Abhandlungen, (ffatheberoortrag — ©jamina — (Eotiegien — SScrhältuid ber IJSrofefferen ju ben Stubenteit — Keine unb große ltniberfitäten — Sltabemien m. ic.) — III. ^Beilagen (1—14). SBeigabc ber gegenwärtigen brüten Slufiage: Aur ©cfdjidjtc bcs früheren uiiti jnr ®ljaractcri(lik bcs gegenwärtigen tJotUsfdjnlniefciis. 9ltrtabetiftf)c§ @nffj> itttb Statuen=Dtcgifter 31 t bett bicr ©heilen ber ©cfchidjtc ber tpäbngogif. ®ie wiebcrholten ütuftagen bed für bie SBiffcnfdjaft wie bad practifche ScBcn gteidf wichtigen unb fegensreidfen SBerted beweifen bie Slncrfennuiig, weiche baffelhe in fteigenbem SJlajjc finbet: unb bied nicht allein in ®eutfd)laub, fonbern auch außerhalb beffeu ©rcitjeu. 3 n Sinterifa würbe ed großentheitd, in (fngtaiib aber bie boit bent Setfaffcr gegebene ausführliche Eharacterifiit fpefia» lojjid ind (ingiifdje überfe^t. SJiit bent ßrfeheiuen bed borltegenbcit Saitbed ijt bie britte, burd) manche Zugaben bcrmchrte unb non Sicucnt bunhgcfcheuc Auflagen bed ®anjen botiftän* big geworben. ©er Scrfaitfdpreid ift gegen bie früheren Slufiagcti wefentlid) ltiebrfgcr geftettt. ©urd) jebe in* unb audläubifdjc Sitdfhanbluiig faitn eine nähere ßinfidjt ber SBänbc, weidje auch einjeln unb nach unb nach 3 « taufen finb, allejeit genommen werben. UcBcrhltd bc§ SnljaltS ber örci erften SBiittbc: €rfl:er Xheil. ©ritte Slufiage. ®ad SÄitteialter bid ju Söiontaigue. l 9 /io£hlr. — fl. 3. 20 tr. 9il). 3weiter ©he«- ©ritte Slufiage. S 0111 Xobe SBaco’d btd 311111 Xobe ipefiatesjid. 21'ioXhtr.— ft. 3. 40 tr. Schein. ^Dritter ©heil. ©ritte Stuftage. 2 2 /s Xlflr. - fl. 4. - Sihein. - Snhatt: I. fnmilic. Sdjulc. £ird)c. ©ie crjte Äinbheit. &tcinfiiibcrfd)uleit. Sdfitle unb £and. Stliim* nceit. CS'rsiehungdiufiitutc. .ftofnteifter. Äird^e unb Sd^iitc. — II. Unterricht: Siciigiondnnter* rieht, Satein. — Der Unfcrridjt im Driiffdjen. Sou Siubotf »on SJlaiinter. — Siphoridnten über bad Sehren ber ®cfd)ichte. (frbfmibc. Slatmnntcrridjt. ®eomctrie. Oiedjneit. fßhhfifche (Stichling. — III. ©ic Sehnten ber SBißcufdjaft unb Äitnft. — IY. Die ©rjichmig Der iMitö- djen. — V. Sdjtufiliclradjimigcit. — ^Beilagen. •G“ 3er Sltftfjnitt „bie (Srjiebnng ber SKiibtben" ift fiir einen weitem SreiS bon ficfcrit mtb namentliit) fiir Mutter aue biefetn iBnnbc befonberö nboebrueft worben in Meinem gormnt, fein eorto= nirt, ju oem greife »oit 24 Sgr. — fl. 1. 20 tr. ju bobett. — 3n ateidjer SSScifc ift bie Slbbanbtung: 3 er Unterriibt int Scutftbcn. iBon iHnbotf bon Stoumcr, in einem ttinjclobbrutt ju bem greife bon fl. 1 . 12 tr. ober 20 ©gr. ju erbotten. Verlag von Jnstns Perthes in Gotha. H. Bach: Geognost. Karte von Deutschland etc. 9 Bl. 8 Thlr., aufgez. 10 Thlr. Dr. H. Berghaus: Physikalischer Atlas. 2 Bde. geh. 2. Aufl. 1850—1852. 34Vs Thlr. INHALT: Erster Band, I. Abthl. Meteorologie u. Klimatographie; geb. 5 Thlr. II. Abthl. Hydrologie u. Hydrographie; geb. 5 Thlr. III. Abthl. Geologie; geb. 6 Thlr. IY. Abthl. Tellurischer Magnetismus, V. Abth. Pflanzen-Geographie; beide zusammen geb. 5 Thlr. — Zweiter Band. YI, Abth. Zoologische Geographie; geb. 5 Thlr. VII Abth. Anthropologie, VIII. Abth. Ethnographie; beide zusammen geb. 87 3 Thlr. Dr. H. Berghaus: Physikalischer Schul-Atlas. 28 Karten. 1850. ... 3 Thlr. — — Suppleiuentlieft z. Stieler’s Schul-Atl. 6 K. z. physik. Erdk. 7. Aufl. 1861. 10 Sgr. Th. Menke: Orbis antiqui descriptio. In usum scholarum. 17 Tab. Editio 3 a - 1860. 1 ’/e Thlr. Dr. F. Reuter: d. nördl. gestirnte Himmel. Wandk. in 4 gr. Bl. aufgez. 2. Aufl. 2 Thlr. Kleiner Atlas des Preussischen Staats. 9 Karten, cart.18 Sgr. Schul-Atlas der Alten Welt. 15 illum. Karten. 23. Aufl. ..1 Thlr. Dr. K. v. Spruner: Histor.-geograph. Hand-Atlas. 3. Abthl. 2. Aufl. 34 2 /s Thlr. I. Abth.: Atlas der Alten Welt. 27 Karten mit 64 Nebenk. 2. Aufl. 1855. 6% Thlr. II. Abth.: Atlas zur Geschichte der Staaten Europa’s vomAnfnnge des Mitteialters bis auf die neueste Zeit. 73 Karten mit mehr als 100 Nebenkärtchen, Plänen etc., nebst erläut. Text. 2. Aufl. 1854. 22 Thlr. III. Abth.: Atlas z. Gesch. Asiens, Afrika’s, Am er ika’s u. Aus trali ens. 18 K. 2. Aufl. 1855. 6 Thlr. Dr. K. v. Spruner: Histor.-geograph. Schul-Atlas. 22 K. 2. Aufl. 1860. 2 1 /, Thlr. — — Historisch-geograpli. Schul-Atlas von Deutschland. 12 K. 1857. . . 1 ‘/2 Thlr. „ „ „ von Österreich. 13 K. 1860. . . l 2 /s Thlr. — — Ilistor. Karte von Europa, West-Asien und Africa. 15 Bl. 12 Thlr. Dr. K. v. Spruner-Bretschneider : Histor.-geograph. Wand-Atlas. 10 Karten zur Geschichte Europa’s im Mittelalter. 1. 2. Lief. 90 Sect. m. Text. 1856." 18 2 /s Thlr., aufgez. und in Mappe.30 Thlr. Ad. stieler: Hand-Atlas über alle Theile der Erde u. über das Weltgebäude. Neueste vollständige Ausgabe in 83 Karten. Nebst Erläuterungen.13 Thlr. — — Desselben mittlere Ausgabe in LXIII Karten.10 Thlr. — — Desselben Auswahl in 31 Karten (Schul-Ausgabe).dVa Thlr. Ergäimingen zu Ihieler’s BLinil - Atlas ; Der Preussisclio Staat. 11 Blatt, n. Aufl. Geh. 2 3 /-i Thlr., gebunden 3 Thlr. Der Oesterreich. Kaiserstaat. (Deutsche Kronländer.) 8 Blatt. . . 2 Thlr. Die Europ.-Buss. Grenzländer. 10 Blatt. Geh. 2 V 2 Thlr., gebund. 2 6 /e Thlr. Bayern, Hannover und Hessen. 3 Blatt. 1860. 22 2 /4 Sgr. Ad. Stieler: Atlas von Deutschland, dem Kgr. der Niederlande, Kgr. Belgien und der Schweiz in 25 Karten. Neueste revidirte Ausgabe.4'/2 Thlr. — — Kl. Atlas der Deutschen Bundes-Staaten. 29 Karten. 6te Aufl. l 2 /s Thlr. — — Atlas d. Oesterr. Monarchie nach d. neuesten polit. Einth. 1860. 7 K. 12 Sgr. — — Schul-Atlas über alle Theile der Erde. 32 K. 41ste Aufl. 1861. . l'/s Thlr. F. von Stülpnagel: Schul-Wand-Karte von Europa nach politischer Eintheilung colorirt. 9 Sectionen. 2te Aufl. 1860.Roh 1 Thlr., aufgez. 2’/s Thlr. — — Schul-Wandkarte von Deutschland nach politischer Eintheilung colorirt. 9 Sectionen. 1855.Roh l’/s Thlr., aufgez. 2 5 /e Thlr. E. von Sydow: Wand-Atlas über alle Theile der Erde. Roh 12 2 /s Thlr., aufg. 22 5 /e Thlr. Erdkarte, 4. Aufl.; roh IV 2 Thlr., aufg. 3 Thlr. Nord- und Süd-Amerika, 3. Aufl., roh iy 3 Thlr., Europa, 4. Aufl.; roh IV 2 Thlr., aufg. 2 6 /c Thlr. aufgez. 2% Thlr. Asia, 3. Aufl.; roh iy 3 Thlr., aufgez. 2 3 / 3 Thlr. Australien, roh iy 2 Thlr., aufgez. 27a Thlr. Afrika, 3. Aufl.; roh 1 Thlr., aufgez. 2 Thlr. Deutschland, roh 27a Thlr., aufgez. 3 6 /c Thlr. Nord- und Süd-Amerika nach politischer Eintheilung colorirt, roh 2 Thlr., aufgez. 3y 3 Thlr. E. von Sydow: Grundriss der Allgemeinen Geographie. Eine geographische Vorschule und Anhalt für jede Ileimathskunde. Auch unter dem Titel: Geographischer Leitfaden. 1. Abtheilg. Allgemeine Geographie, gr. 8. geb. 1862. 20 Sgr. — — M eth o discher Hand-Atlas. 21 Karten. 4te Aufl. 1853. . . . 3'/a Thlr. — — Supplement zum methodischen Hand-Atlas. 13 Karten. 1852. . . 2 2 /s Thlr. — — Metliod. Hand-Atlas. Neue Bearbeitungen aus dem Jahre 1861. 5 K. 6 /o Thlr. — — Oro-Hydrograph. Atlas. 25 Boden- und Gewässer-Karten. 1856. 1 2 /e Thlr. — — Orograp bischer Atlas. 24 Bodenkarten. 1855. 2 /s Thlr. — — Hyd rotopisclier Atlas, 28 Gewässer- und Ortskarten. 1856. . 24 Sgr. — — Hydrograph. Atlas. -27 Flussnetze u. Musterbl. 2. Aufl. 1856. 1 Thlr. 4 Sgr. — — Gradnetz-Atlas. 16 Gradnetze nebst Musterblätter und Anweisung. . 18 Sgr. — — Schul-Atlas in 42 Karten. 13te Aufl. 1861.1 x j-i Thlr. Taschon-Atlas über alle Theile der Erde. 24 Karten. 9te Aufl. 1861. . V 2 Thlr. Bretschneider: Leitfaden für den geographischen Unterricht. 4. 4te Aufl. 1861. 9 Sgr.