Druckschrift 
3 (1862) Göthe - Kindsmädchen
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

©ötped Scctuie.

fpedfifd) djriftlidje gärbmtg an ftd) trägt, mtb bann nod) oielmepr an ber 23efd)üfti'gung mit ben 333erfen eined foldjenSBeltfinbed" wie ©ötpe, fo gilt ed, wenn icfj fofagen barf, ben Sinter ber Sugenb, unb bie Sugenb bem 3)idjter 5 U erhalten, gerabebaburdj, bafj man jenen 33ebenfen ebenfo it)r Diedjt wiberfapren laßt, wie man iljrUnred)t jurüdweigt. Ebenfo gewiß paben aber bie öffentlidjcn Sebranftaltcn baburd),baß fie ben ®id)ter felbft in bie Ipanb nehmen unb non ihrem ©taubpuncte auS bieSugenb mit itym befannt ntad)en, bad Sntereffe einer gefunben, b. p- Wahrhaft djriftlid)Rumänen ißäbagogif bei ber Sngenb ju oertreten gegenüber non Eltern, für berat ganje333cltanfd)auung nnb Sebendprayid foldje ©Triften wie bie ©ötbed gleid)fam bad En an»gelium bilben. ®cr öffentlidje Unterricht muß, je tuel)r er auf ber einen ©eite ben @e=Wimt au§ ber 23efdjäftigung mit bem Sidjter für bie Sngenb ju jiel;en fudjt, ber fid)Wirtlich giepen läßt, auf ber anbern burd) bie 23eljanblung bed 2 )id)terd unb bie 9lrtber Sepaublung ben Damm gegen äftidbraud) unb fdjäblidjen Einfluß aufridjten, Weldjmbie päudlidje Erjiepung aitfguridjten Oerfäumt ober nerWeigert. lim nun bie gefteHtefjrage, ob überhaupt bie öffentliche Seetüre ©BtljeS in ber genannten Sftidjtung ju^u»taffen fei, ju beantworten, wären oor allem bie bagegen erhobenen SBebenfen näherind Sluge 51 t faffen. 3>ad fpauptbebenten ftüfct fid), Wie bereits angebeutet Worben,auf ben SBiberfprud) ber in ©ötbed SBerfen 311 ®age tretenben 2BeItanfd)auung mitben ©runbfüpen bed Ebriftentljumd überhaupt, unb im gttfammenbang barnit auf benfittengefäprlidjen Einfluß, weldjcr non ber Seetüre ©ötbed wegen beffen indbefonberegefürchtet Wirb, Wad fid) auf bie finnlicpe Siebe unb bad ®efd)led)tdoerhältnid im gan»gen bejieht. Ed ift nun freilid; h'er nid)t ber Ort, bad fo niel befprodjene 23erl)ältnid©öthed junt (Ehriftenthum erfdjöpfenb ju erörtern, wie fepr mau fid) baju aud) oer»fucht fühlen fönnte ebenfo burd) bieÜlrt, wie ©Btbe in biefer £>infid)t häufig angegriffenWirb, ald burd) bie Slrt, wie er gewöhnlich bagegen oertbeibigt wirb. 335ad will badtoenigftend heißen, ba unb bort einjelite ©teilen aufjuftedjen, in weld)en ©öthe fid) ent»Weber ffeptifd) über religiöfe unb djriftlidje $iuge audfprid)t ober fogar pofitinen Unglaubenunb 333iberwiHen gegen djriftlidje Sel)ren unb StnfdjauungdWeifeit ncrrütl)! Siragt edftdj babei bod) immer wieber im einzelnen, in welchem beftimmten 3 ufammenl)angefoldje anftößig erfdjeittenbe 21udfprüd)e auftreten, unb wie weit fie baburdj il;re Erflä»rung, .bejiehungdWeife Entfdjulbigung ober Rechtfertigung erhalten, unb müßen bod)bie ©eftalt, in weldjer El)riftentbum unb Sirdje ©öthe in feiner ßeit gegenübertrat,unb alle bie 2InSfd)reitungen unb Einfeitigfeiten, weldje bad Sßeftrebeu, bad Sitte aufju»löfeu unb ein Dfeued ju bilben, auf biefem ©ebiete erjeugte, in ihrem Einfluß auf jenewiberdjriftlid) nnb antireligiös lautenben Urtheile mit in 9ied)itung gezogen werben.®en lebendfrohen unb fdjarffidjtigen Silngliug Wioerte, wie bie eoangel. Äirdjengeitung(1837 in bem Stuffafc: Sl)ara!ter unb Ehriftentl)um) fagt, feine eigene Äirdje ald ein{alter unb btaffer Seidjnam an. Einzelne Sludfprüdje unb Urtheile ®ötl)ed, Wie feljrfie bem Ebrifteutbum Wiberftreiten, ja feinbfelig eutgegentreten mögen, fönnen bal)ernicht ald bad SBebenflicpfte betrachtet werben, mögen fie aud) oieHeidjt im SDtunbe bed®id)terd unb eines fold)en £>idjterd gefährlicher erfd)einen, ald mand)e ebenfo cinfeüige,ja nod) einfeitigere unb fdjroffere llrtpeile üon ©egnern, bie bem Ebrifteutbum grunbfäfc»lid) fid) entgegenfteHen. ®ad 23ebenflidjfte non biefer ©eite fann nur in ber ®iffouanjber ganjen 333eltanfdjauung bed ®id)terd mit bem Eljriftentbum gefunben werben, unbaud) jene einjelncn anftößigen Sludfprücbe finb boi^ugdweife iufofern non 33ebeutung, ald fiemit biefer non ber djriftlidjen abweidjenben 333eltanfdjauung überhaupt jufammenhängen.Ebenfowenig fann aber auf ber anbern ©eite bie 3lrt, wie ©öthe häufig oertbeibigtunb gerechtfertigt Werben will, ohne Weitered über bie Sebcnfen I)inüberfül)ren. Edläßt fidj aud ©öthed ©djriften eine Reihe non einzelnen 3luSfpriid)en, ja ganjen 2lb=fepnitten anfilpren, in Wellen fid) ein jarter unb feiner ©inu für bad ©roße unb @d)öneber Religion überhaupt, unb für bad Ebriftentpum unb feine pciiige llrfunbeit indbefon*bere audfpridjt, ja ©teilen, in welcpen gleid)fam bie fepönften ©locfentöne bed Epriften»