Mongolen. 141
Sibirien, im O. der Khingan-Oola (s. d.) von derMandschurei, im W. schneiden die vom Altai nachS. streifenden Ketten Tannn-ola und Ektag-Altaihinein; die südliche Grenze bilden westlich der Thian-schan, östlich mehrere den Lauf des Hoangho be-gleitende Gebirgszüge, wie der Ala-schan und Jn-schan; in der Mitte unterbricht die Niederung derGobi jede Erhöhung. Nur der nördl. Theil enthältf bedeutendere Flüsse, deren Lauf nach Sibirien ge-richtet ist (Kerulun, Selenga, Ula-kem, der Unterlaufdes Jenissei); die anderen sind im Sande versiegende,oder in einem der zahlreichen Steppenseen (darunterUbsanor u. Jke-aral im NW-, Dalai-nor im NO.,Barkul im S. die bedeutendsten) sich verlierendeSteppenflüsse. DasKlima zcigterheblicheTempera-turunterschiede u. ist im Ganzen sehr rauh und un-wirthlich; lange Winter niit extremen Kältegraden,kurze sehr heiße Sommer; furchtbare Stürme sindkeine Seltenheit. Ackerbau wird nur spärlich in derNähe der wenigen Städte betrieben, der hervor-stechende Charakter des Landes als Weideland undder im Verhältniß zur Größe spärliche Graswuchsbedingen die Viehzucht u. bilden Herden von Schafen,Kamelen, Pferden u. Ziegen die Nahrungsquelle u.den Reichthum der Bewohner. Wälder sind in sehrgeringem Maße vertreten, von jagdbaren Thierensind die häufigsten: Wildschafe, Hirsche, Antilopen,Hasen. Wichtig ist die M. als Durchgangsland desostasiatischen Karawanenverkehrs, der unter großenEntbehrungen und Strapazen von den Mongolen,hauptsächlich auf den Linien Kalgan-Urga-Kiachta u.Kuknchoto-Urumtfi betrieben wird; dieHandelsgegen-^ stände sind vorzugsweise: Thee von chinesischer, Tucheu. Metallwaaren von russischer Seite. Die auf 2—4Mill. geschätzten Bewohner der M. sind Mongolen,Burjäten, Kalmücken u. wenige Chinesen; sie stehtunter chines. Oberhoheit, die sich jedoch aus die Ober-aufsicht über die ihre Stammesgeuosseu regierendeneinheimischen Fürsten beschränkt (s. u. Mongolen). Diebedeutendsten Städte sind: Kobdo, Uljassutai, Urga,Maimatschin, Kalgan, Kukuchoto. Geschichtlich ist dieweite Fläche der M. bekannt als dieHeimathder durchihre verheerenden Eroberungszüge gefürchteten Step-penvölker, vorAllemderMoiigoleujs.d.). Thielcmaim.
Mongolen ist der Name eines ostasiatischenVolkes, Lessen einstige politische Bedeutung der ge-summten mit ihm verwandten (gelben) Völker-samilie in der wissenschaftlichen Classification die Be-zeichnung der Mongolischen Race (s. Menschen-racen, S. 784) gegeben hat; in der Geschichte wares ein Völkername von wechselnder Bedeutung. Die! dunklen Nachrichten der älteren chinesischen Schrift-steller über die stamm- u. sprachverwandten Stämmeim N. ihres Reiches, welche unter den nicht genauunterschiedenen Namen der Tata oder Thata u. derMokho oder Mungku (der nachherigen Tataren undM.,s. unten) begriffen werden, haben, als Dschin-k gis-Khan u. seine Nachfolger alle jene Horden zu dem' furchtbaren Überfall fast der ganzen civilisirten Weltführten, dazu geführt, daß, während unter ihremBefehl sich mongolische sowol als tungusische alstürkische Stämme befanden, diese einerseits mit dems gemeinsamen Namen M., anderseits jedoch auchl (wenigstens in einzelnen historischen Abzweigungen)I mit dem der Tataren bezeichnet wurden, eine Ver-wirrung in dem Gebrauch der Namen dieser beiden
verschiedenen Stämme, die bis auf den heutigenTag fortgedauert hat. Nach dem jetzigen Stand-punkt der Ethnographie sind die M. eine Völkerfa-milie der sogen, mongolischen Race und im Beson-deren infolge der Sprachverwandtschaft nahe ver-wandt den Völkerfamilieu der Finnen, Samojeden,Turko-Tatareu (auch speciell Türken oder Tatarengenannt) und Tungusen und mit diesen den großenural-altaischen od. «iranischen Völker- u. Spracheu-stamm bildend. Sie zerfallen wieder in vier Zweige:die Ost-M., die Kalmücken (s. d.), die Burjä-teu (s. d.) u. die Hazara (s. d. 1). Die erstereu, diemau jetzt gewöhnlich unter dem Namen der eigent-lichen M. versteht, bewohnen die östliche Hälfte derWüste Gobi und sind durchschnittlich von mittlererStatur mit breiten Schultern u. schmächtiger Taille;braune Augen, schief gegen die Nase gestellt u. weniggeöffnet, hervorspringende Backenknochen, stumpfeNase, fleischige Lippen, schwarzes, straffes Haar,große vom Kopf abstehende Ohren, olivengelbeHaut, geringer Bart, find im Allgemeinen ihre cha-rakteristischen physischen Grundformen, die sie auchmit den stammverwandten Völkern theilen. VonCharakter sind sie gutmüthig, gastfrei, ehrlich undmäßig (mit Ausnahme der mit Chinesen u. Russenviel verkehrenden Familien); anderseits prahlerischu. sehr träge; eine hervorstechende Schattenseite istihre unbegrenzte Unreinlichkeit. Die Beschäftigungder Weiber ist in die engen Grenzen der Häuslich-keit gebannt und sie sind als gute Mütter bekannt;ihre eheliche Treue ist jedoch nicht ohne Makel undUnsittlichkeit nicht ungewöhnlich. Der M. hat mireine gesetzliche Frau, jedoch ist es ihm gestattet, soviel er will, Concubineu zu nehmen, deren Kindergleiche Rechte genießen. Die Wohnungen sind Zelteoder Jurten von Filz (die sogen. Gyr), die der Vor-nehmen inwendig kostbar verziert. Die Haare schee-ren sie; nur lassen sie auf dem Scheitel einen ein-zelnen Schopf stehen. Ihre Kleidung besteht auseinem langen, schlafrockähulicheu Nocke (gewöhnlichaus blauem chinesischen Baumwollcnstoff), chinesi-schen Stieseln und einem niedrigen Hut, im Winteraus einem Schafpelz u. warmen Beinkleidern; umdie Taille hält ein Gürtel sie zusammen, in dem dieWaffen u. die dem M. unentbehrlichen Rauchappa-rate , Pfeife rc., hängen. Ihre ausschließliche Be-schäftigung u. die Quelle ihres Wohlstandes ist dieViehzucht, ihr Reichthnm besteht daher in Heerden,in erster Linie von fettschwänzigen Schafen, dannvon zweihöckerigen Kameelen u. von Pferden, in ge-ringerer Anzahi von Rindern und Eseln; aus derSorge für Liese erklärt sich ihr vollständig noma-disches Leben. JhreNahrung besteht ans Hammel-,auch aus Kameel- und Pferdefleisch, was sie in un-glaublichen Quantitäten verschlingen, anderseitslange Zeit entbehren, ferner Milch in ihren verschie-denen Formen, Butter, Kumys, Areka (so v. w.Quark) u. Thee; dem Branntwein u. Opium (von denChinesen zugeführt) sind sie leidenschaftlich ergeben.Acker-und Gartenbau wird nur wenig betrieben;ihre Industrie beschränkt sich ans Bereitung vonLeder, Filz und Pelzen; ihre geringen Bedürfnissewerden ihnen durch die Chinesen zugeführt, vondenen sich auch Viele einzeln, wie in ganzen Colo-nien unter ihnen niedergelassen haben. Der kräftigeKörper u. der fortwährende Aufenthalt in derSteppe