Französische Sprache.
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franz. Unterrichts und auf dessen Verhältnis zu dem übrigen SchulorgauismuS, sodürften sich für die Methode folgende Fingerzeige ergeben: 1) In den untern undMittlern Classen findet die Aneignung der Formenlehre und der lexikalischen Kennt-nisse in derselben praktischen Weise wie au der Realschule statt (s. oben). 2) AllesEtymologisiren fällt in diesen Classen weg (vgl. S. 932). 3) Bei der Auswahl von syn-taktischen Regeln für diese Classen hat man darauf zu achten, daß die entsprechendenlateinischen im lateinischen Unterricht vorhergcgangen sind. Cs haben z. B. die Quin-taner keine syntaktischen Schwierigkeiten im Französischen zu bcwäliigen, die sie im La-teinischen erst in Quarta zu lösen erhalten. Für formale Schwierigkeiten gilt dasselbePriueip. Fehler dagegen können zum Theil selbst lähmend auf Len elastischen Unterrichteinwirken. 4) Mit Rücksicht auf das lateinische und griechische Gedächt-nismaterial muß das französische genau berechnet werden, um die Schü-ler vor Ueberbürdung zu schützen. Nach meinen darüber gesammelten Er-fahrungen hat die Quinta ans der Grammatik allein ungefähr 1000 neue latein. Wörterzu lernen, daneben 1200 von der Sexta zu wiederholen und noch dazu die Wörterdes Uebungsbnches zu memoriren; daneben kann der franz. Unlcrricbt, wenn er ge-ziemend auf die Aussprache hält, nicht mehr als 650—700 Wörter bewältigen; unddieses ist im Verhältnis zum Lateinischen genug. In Quarta tritt das Griechischehinzu und das Französische verliert eine Stunde; der Memorirstofs müßte also bedeu-tend beschränkt werden, wenn nicht die erzielten Fortschritte in der Anssprache die An-eignung desselben erleichterten. Doch kann in dieser und in der folgenden Classe dieZahl von 500 franz. Wörtern nicht überschritten werden, weil die Formenlehre zu vielZeit beansprucht.'—Den vielen nach Absolvirnng dieser beiden Classen in ras Leben über-gehenden Schülern würde der franz. Unterricht, nach den bezeichneten Grundsätzen ein-gerichtet, gerade ras mitgeben, was sie am besten brauchen und weiter cnltiviren können:eine Kennlnis von 16— 1700 franz. Wörtern, der Formenlehre und der wichtigsten syn-taktischen Regeln und die Befähigung zur Lectnre von leichtern Prosaikern. 5) In denobcrn Classen fallen zunächst alle zu Sprechübungen dienenden größern Hebungenweg, weil sie zu viel Zeit verlangen; die übrigen Exerciticn für den mündlichen Ge-brauch bleiben dieselben wie in der Realschule (vgl. oben). 6) Die schriftlichen Pensaschließen sich wie in der Realschule der wissenschaftlichen Grammatik an, concentrirensich jedoch auf den historischen Stil; die Aufgaben dazu werden franz. Historikernentnommen. 7) Alle größern schriftlichen Arbeiten fallen weg; beibehalten werden dieDictate und größern Extemporalien. 8; Für die Leetüre gelten dieselben Grundsätze wiean der Realschule; nur muß die Interpretation schwieriger Sprachstoffe, die in denobern Gymnasialclassen vorzugsweise zu wählen sind, früher beginnen.
ck) Modificationen für Mädchenschulen. Allen Pädagogen ist der franz.Unterricht an den Mädchenschulen, besonders an den Pensionateu, mit Recht ein Steindes Anstoßes; denn mit Hintansetzung aller höheren Bildungszwecke, stellt er sich dieFertigkeit in der Conversationssprache zur Hauptaufgabe. In Folge dessen istder Unterricht, häufig in der Hand von gcbornen Französinnen, zu einer mechanischenAneignung von trivialen Redensarten und gedankenlosen Phrasen geworden. Karl vonRaumer nennt diese Unterrichtsweise mit Entrüstung eine Dressur in leerem Gewäsch
Gegen alle gesunde Pädagogik und zum größten Nachthelle der Gymnasien ist in mehrernfranz. Elementarbüchern nicht die Wiederholung und ausgedehnte Verarbeitung der Memo-rirstoffe in Sätzen die Hauptsache, sondern eine athemlose Hetzjagd nach neuen Wörtern.Es liegt mir ein Schulbuch der Art vor, in welchem nicht wenige kurze Aufgaben, 60, 40, 70, 30, 50u. s. w. neue Wörter nach einander enthalten, und den Quintanern das Auswendiglernen vonbeinahe 2000 franz. Wörtern zngemnthet wird! Was nutzt es, wenn die Uebnngssätze dazu demInhalte nach vortrefflich gewählt sind? Begeht nicht trotzdem die Kritik eine Sünde an derJugend, wenn sie ans Rücksicht auf die gewiß ehrenwerthen Verfasser solche Bücher zur Ein-führung empfiehlt?