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Französische Sprache.
14) Die Lectüre des modernen franz. Drama's ist ganz anszuschließcn. Gründe:die Conversationssprache gehört nicht auf die Schule, sie wird auch nicht aus Dramengelernt,' das moderne Lustspiel ist der Ausdruck einer leichtfertigen raffinirten Lebens-Philosophie; das Trauerspiel ein Ausdruck verkehrter literarischer Richtungen oder einemittelmäßige Nachahmung der alten Meister.
15) Da die modernen franz. Schriftsteller nicht zn ideologischen Studien an Schulendienen können, so ist es nicht nöthig ihren Geist an ganzen Werken kennen zu lernen,und eine für praktische und ethische Zwecke eingerichtete Auswahl von dem Inhalte nachabgerundeten Auszügen die passendste prosaische Lectüre für die obern Elasten (s. dazuoben 2), 3), 7) und den Artikel von Prof. Wilbermuth über Chrestomathien). — Zur Berich-tigung einiger unbestimmten Begriffe hierüber muß bemerkt werden, daß jeder wirkliche odervermeintliche Nachtheil des Fragmentarischen in allen historischen und descriptiven Stückendeshalb wegfällt, weil sie Ergänzungen zu dem übrigen geographischen, ethnographischenund historischen Unterrichte liefern. Die „abgerissenen" Stücke erscheinen da als Theileeines organischen Ganzen, und es versteht sich von selbst, daß man deren Bildungs-Werth und praktische Brauchbarkeit nicht mit der Elle nach der Länge oder Kürze ab-meffen darf.
o) Modificationeu für Gymnasien. Die vorangegaugcuen Besprechungenhatten zum Gegenstand einen vollständigen, allen Forderungen des bürgerlichen Lebens, derPädagogik und der Wissenschaft entsprechenden franz. Unterricht, wie ihn die Real- undBürgerschulen, wenn sie tüchtige Lehrkräfte und gebührende Zeit (nach den Erfahrungenaller aufrichtigen Fachmänner mindestens 5 Stunden wöchentlich in jeder Elaste)darauf verwenden, zu geben vermag. Damit ist gesagt, daß das Gymnasium nur einenlückenhaften für jene Forderungen nicht ausreichenden franz. Unterricht bietet. In derThat hat die außerordentlich beschränkte Unterrichtszeit für daS Französische (15, ja 10oder 8 Stunden in Bayern und sonst, neben 76 bis 80 lateinischen Stunden wöchent-lich) die gewöhnliche Folge, daß gewissenhafte Lehrer, die etwas ganzes leisten wollen,die eine oder andere Seite des Unterrichts, Grammatik, praktische Uebung, Lectüre, ein-seitig cultiviren oder andere von allem etwas treiben wollen und mit dem besten Willenzusammen weniges erzielen. Hier ist für Gymnasien die Klippe des franz. Unter-richts. Die Nothwcudigkeit, für die Integrität der Nationalbildung und des National-charakters in der überwiegend elastischen Bildung eines Theiles des Volkes eine Stützezu haben, die zugleich das Gleichgewicht zwischen dem Traditionellen und dem über-stürzenden Fortschritte der Gegenwart aufrecht hält, läßt eine dem Zwecke derGymnasien nachtheilige Erweiterung des Französischen nicht als wünschenswert!), unddaher auch die selbst an den bestbestellten Gymnasien den Realschulen weit nachstehendenLeistungen im Französischen nicht als Vorwurf erscheinen. Es fragt sich nur, ob dieMethode bei größerer Concentration und genauerer Umschreibung des Erreichbaren nichtwenigstens qualitativ ganz befriedigende Resultate zu Wege bringen könnte? DieseMöglichkeit liegt schon in der unbestreitbaren Thatsache, daß die Schüler der obern. Elasten an Gymnasien durch den elastischen Unterricht weit befähigter sind als die derRealschulen, wissenschaftliche franz. Grammatik und Onomatik gründlich zn treiben.Nehmen wir zu dieser Erwägung noch die nöthigen Rücksichten auf den Umfang des
noch immer so unglaubliche und unverzeihliche Mißgriffe gemacht, daß mau beinahe zu dem Schluffekommen könnte, dem deutschen Schulmeister und Philister komme der modernen franz. Literaturgegenüber der gesunde Menschenverstand abhanden: er greife wie ein Kind oder vielmehr wie einNeuling, dem noch ein Stuck von der Eischale der Barbarei anklebt, zn den grellfarbigsten bun-testen und einfältigsten Sachen.
Ponsard mit seiner Inioeöeo macht keine Ausnahme. Die Kritik wirft ihm mit Rechtvor: ängstliches äußerliches Copiren eines historischen Stoffes ohne innere Durchdringung des-selben, fehlerhaftes sachliches Detail, zn wenig Handlung und Contrast, zu oberflächliche Charakter-zeichnnng. — Man ziehe die echten Klassiker vor.