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Französische Sprache.
und sagt von den Folgen: „Haben die Kinder nur erst durch solche Dressur einigeFertigkeit in französischer Floskelconversation erlangt, so übertragen sie diese todteManier auf die Muttersprache und sprechen gefühl- und gedankenlos in deutschenPhrasen." Selbst auf den obern Classen dieser Schulen ist das Erzielte so oberflächlich,daß die Schülerinnen häufig nicht im Stande sind, einen franz. Brief, eine kleineschriftliche Nacherzählung ohne grobe Fehler zu machen. Was soll dagegen geschehen?Der Unterricht kann nicht, allem weiblichen Wesen widerstrebend, vorwiegend gramma-tisch werden; die mündliche Handhabung der Sprache bleibt also Hauptsache, selbstwenn die Rücksichten auf das spätere Leben und der Wunsch der Eltern dieses nichterforderten. Ans diesem Grunde hat die Methode vor allem darnach zu streben, diemündlichen Uebnngen so bildend als möglich zu machen; und hierin kannnoch sehr vieles geschehen. Anhaltspunete: 1) Die Convcrsationssprache fällt weg (mitAusnahme des Allernothweudigsteu), und an die Stelle tritt Uebunz des münd-lichen Gebrauches der Sprache an französischen Texten, nach der früher angegebenenMethode. 2) Diese Texte inüßen dem Alter und der Bildungsstufe der Schülerinnenangemessen sein, niemals einen trivialen, sondern stets einen anregenden, intellectnelloder sittlich-religiös bildenden Stoff enthalten. — Die Wahl und Herstellung vontüchtigen Lesebüchern für Töchterschulen steht demnach bei der ganzen Frage vorn an.
3) In der Lectüre muß das erzählende, historische und beschreibende Element vorwalten.
4) Es finde kein Unterricht in der franz. Literaturgeschichte statt; die Schülerinnen er-halten dadurch nur hohlen Wissensdünkel über Nomenclaturen von Schriftstellern, diesie nicht gelesen haben. 5) Das Memoriren schöner Stellen und Gedichte ist für Mäd-chen der beste Literaturunterricht und nicht zu vermach,aßigen. 6) Kinderschauspiele sindgänzlich auszuschlicßen; moderne Dramen und selbst die älteren elastischen eignen sichzur Lectüre besser in Auszügen. 7) Der grammatische Unterricht muß sich nur mit denHauptregeln befassen. — Der entsetzliche Schematismus, den so viele frauz. Lehrerinnenmit Satzanalpstren nach Manier der franz. Schulen treiben, ist eine wahre Plage fürdie Schülerinnen und ein Ruin für ihre Geistesfrische und Lernfreudigkeit; es sei hierbesonders darauf aufmerksam gemacht. Mit allem ihrem Wissen von propositions ooxn-latrvös, rnockiüoativss, oirLoirstanoivUvs, ckoolarativvs, nvAntrvvs u. s. w. lernen dieSchülerinnen keinen einzigen Satz selbst produciren. 8) Die schriftlichen Uebnngensind dieselben wie ans der untern und Mittlern Stufe der Realschule; nur in der ober-sten Elaste kommen Uebnngen im franz. Briefstil und in Nacherzählungen gelesener odergehörter französischer oder deutscher Stücke historischen oder erzählenden Inhalts hinzu.Beschreibungen sind meistens zu schwer. Mit Ausnahme von Briefen müßen freie franz.Arbeiten ganz wegfallen: nach meinen Erfahrungen bei Prüfungen von Lehrerinnen habendiese selbst große Mühe, darin nur ziemlich Befriedigendes zu leisten. 9) Bei dem Ueber-setzen aus dem Französischen muß die Muttersprache nicht in den Hintergrund gedrängtwerden, sondern in ihre vollen Rechte treten, der deutsche Ausdruck überall muster-haft sein. Es ist dieses das beste Mittel, um die angeborene Flüchtigkeit und Ge-dankenlosigkeit der Mädchen zu fixiren und die Muttersprache vor den Nachtheilen derangcwöhnteu französischen Ausdrucksweisen zu schützen. — Es laßt sich nicht läugnen,daß der franz. Unterricht an Töchterschulen, ohne wissenschaftliche Grundlage und Ten-denz, selbst bei der besten Methode keinen bedeutenden Gewinn abzuwerfen vermag; erwird jedoch in deutschen Händen weit mehr Garantien bieten als in französischen, undnamentlich mehr als in den belgischen und französischen Pensionaten, jenen geschäfts-mäßigen Abrichtungsanstalten, welche die unbesonnene Eitelkeit der Eltern noch fort-während mit der Blüte unserer weiblichen Jugend bevölkert.
vr. Z. Baumgartcn.