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2 (1860) Director - Globus
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Gefühllosigkeit.

Gefühlsbildung.

gerade ein erziehliches Moment bilden, wenn das Mädchen ihren Kanarienvogel zufüttern und zu Pflegen, der Knabe für seine Kaninchen Futter zu besorgen hat. In derthätigen Sorgfalt für ein lebendes Wesen wird das Gemüth sicher auch zum Mit-gefühl für dasselbe gestimmt, gleichwie der Gärtner gerade darum seine Bäume undBlumen wie Kinder liebt, weil er sie wie seine Kinder pflegen muß; und schwerlichwird ein Kind, das seine Thiere mit Achtsamkeit und Sorgfalt zu behandeln gewöhntworden ist, grausam gegen die Thiere anderer sein. Der Zucht, die zunächst nur negativhindernd und beschränkend, verbietend und strafend wirken kann, muß stets die positiveEinwirkung der Erziehung voran und zur Seite stehen, wenn sie nachhaltig wirken soll.Von größter Bedeutung ist auch hier das Beispiel der Erwachsenen, die in milder Be-handlung der Thiere wie in menschenfreundlicher Theilnahme am LooS der Armen,Kranken und Schwachen der Jugend voranzuleuchten haben. Ferner der Unterricht.Liebe zu der Pflanzen- und Thierwelt kann nur befestigt werden durch die Erkenntnis,daß auch in der Natur der Geist Gottes weht, daß auch die Pflanzen und ThiereGeschöpfe des allliebenden Vaters sind, der für alle sorgt und allen ihre Speise giebtzu rechter Zeit. Die biblische Geschichte schafft für diese Erkenntnis die einzig praktischeUnterlage; sie finde ihre concrete und anschauliche Erweiterung im naturkundlichenUnterricht, an dem auch die Volksschuljugend ihren Antheil haben soll. Wer denwundervollen Bau einer Blume kennen gelernt hat, wird sie nicht muthwillig zerreißen,und wer gelernt hat, daß auch dem Wurme Empfindung und für die Bewegung einkunstvoller Muskelapparat zu Theil geworden, der wird ihn nicht gedankenlos zertreten.Erst dann, wenn das wissenschaftliche Interesse erregt ist, mag man der Jugend dasSammeln von Käfern und Schmetterlingen gestatten, natürlich nicht ohne sie zu mensch-licher Behandlung derselben anzuleiten. Damit neben der Arbeit des zergliederndenVerstandes auch die Phantasie, die den Theil als Ganzes erfaßt, ihre Nahrung finde,mögen lebensvolle Naturschilderuugen in Poesie unv Prosa den Unterricht ergänzen;schon die kleinen Thierfabeln von Hey stimmen das Gemüth des Kindes zum Natur-sinn und zur Milde; Dichtungen wie die Hebel'schen Naturlieder, wie Paul GerhardsSommerlied, oder zumal wie die Lobgesänge der Psalmen werden ihren Eindruckauf junge und alte Gemüther nicht leicht verfehlen. Naturkunde und Religionsunter-richt müßen, wenn auch von verschiedenen Puncten ausgehend, wetteifern, der jungenSeele Vorstellungen zu bieten, an welcher die sympathetischen Gefühle einen festenHalt bekommen. Bloße Ermahnungen thuns nicht, noch weniger freilich sentimentaleNaturbetrachtungen mit frommem Anstrich. A. W. Grube.

EefÜhlsÜildUNg« Daß hier von der Bildung des Gefühls gehandelt werdensoll, zeigt deutlich, daß es sich nicht um einen psychologischen, sondern um einen imeigentlichsten Sinne pädagogischen Artikel handelt. Wir sind darum nicht bloß berechtigt,sondern verpflichtet, die nähere psychologische Begründung vorauszusetzen und von derErfahrungsthatsache auszugehen, daß der menschliche Geist wesentlich auf dreifacheWeife sich thätig zeigt, indem entweder unser Ich durch die Eindrücke der Außenweltund der eignen Vorstellungen bestimmt und erregt wird, oder das Ich seinerseitsauf die Außenwelt und auf sich selbst bestimmend einzuwirken strebt, oder endlichder Geist zur Außenwelt und zum eignen Ich sich rein betrachtend verhält: im erstenFalle fühlen, im zweiten wollen, im dritten denken wir (vgl. d. Art. Er-kenntnisvermögen S. 171 ff.). Je nachdem die Eindrücke als Förderung oder alsHemmung des eignen Lebens empfunden worden, unterscheiden wir angenehme undunangenehme Eindrücke. Wir verstehen demnach unter Gefühl das unter der Formdes Angenehmen oder Unangenehmen zu Stande kommende unmittelbare Jnnewerdenunseres durch Eindrücke der Außenwelt oder der eignen Vorstellungen bedingten Zustandes.Von den Mitteln, unser Inneres zu äußern, entspricht dem Denken das Wort, demWollen die Handlung, dem Gefühl der Laut und die Geberde (Jessen,Versuch einer wissenschaftlichen Begründung der Psychologie. Berlin 1855, S. 128 ff.).