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2 (1860) Director - Globus
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605
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Gcfühlsbildung.

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Schon aus dieser Darlegung geht hervor, daß unter Gefühl etwas anderes zu ver-stehen ist, als unter Gemüth (vgl. d. Art.). Während nämlich Gefühl nur einebesondere Seite der geistigen Thätigkeit bezeichnet, ist Gemüth, aus dem ahd. Collec-tivum das Zimnatl, eigentlich das vrnot collectiv gedacht, d. h. die Gesammtheit derEmpfindungen und Stimmungen der Seele (Weigand, Wörterb. der deutschen Syno-nymen, N. 1711). Das Gemüth umfaßt die Totalität der individuellen Persönlichkeit(Rothe, Theol. Ethik, I, S. 258),das Wort drückt also das sinnlich-geistige Principim Menschen aus als den lebendigen Inbegriff der Seelenvermögen, in deren Vereinigungdas Wesen der menschlichen Natur besteht" (Weigand, a. a. O.), und wenn wireinen gemüth voll nennen, wenn wir ihm die Eigenschaft der Gemüthlichkeit imhöchsten Sinne zuschreiben, so setzt dies freilich voraus, daß er auch gefühlvoll ist,daß er eine lebendige Empfänglichkeit besitzt für die Eindrücke der sinnlichen und übersinn-lichen Welt; aber diese Erregtheit des Gefühls allein ist noch nicht das, was wir Gemüthnennen, vielmehr gehört zu diesem noch, daß die Eindrücke des Gefühls im Innerstenderindividuellen Persönlichkeit" durch sittliche Kraft gesammelt und für diese Gegenstand undAnlaß zur Thätigkeit werden: man könnte das von der Gefühlsbildung zu erreichendeZiel einfach darin finden, daß die von dem Gefühle aufzunehmenden mannigfaltigenEindrücke zum lebendigen Eigenthum eines in Gott gegründeten Gemüthes gemacht werden.Auf der andern Seite ist Gefühl auch nicht mit Empfindung gleichbedeutend.Empfindung bezeichnst vorzugsweise den einzelnen Vorgang des Erregtwerdens, zu-mal durch sinnliche Eindrücke, Gefühl zugleich den Zustand des Erregtseins und diedamit in Verbindung stehende bleibende Seelenstimmung, so wie das Vermögen, insolcher Weise Eindrücke aufzunehmen und zu gestalten. Eben insofern wir unter Gefühlein bestimmtes geistiges Vermögen verstehen, können wir von Gefühlsbildung reden.Ihre Aufgabe besteht darin, daß die Empfänglichkeit des Gefühls überhauptgeweckt, dann auf die höhere Bestimmung des Menschen bezogen undzu Denken und Wollen in das richtige Verhältnis gesetzt werde. MitRücksicht auf diese Aufgabe handeln wir zuerst von der Lebendigkeit und Kräftig-keit des Gefühls, dann von seiner inneren Bestimmtheit, insbesondere in seinemVerhältnis zur sittlichen Aufgabe, ferner von der Beziehung des Gefühls auffeine verschiedenartigen Gegenstände und endlich von den Mitteln der Ge-fühlsbildung.

1) Die eigenthümlich modificirte krankhafte Ueberreiztheit des Gefühls, welche wirals Empfindlichkeit und Empfindsamkeit (Empfindelei) bezeichnen, hat bereitsin den bezüglichen Artikeln ihre besondere Besprechung gefunden. Hier handelt es sichnur um das rein quantitative Verhalten des Gefühls, welches auf der einenSeite als Unempfindlichkeit oder Gleichgültigkeit, auf der andern als leb-hafte Erregbarkeit hervortritt. Die Unempfindlichkeit kann zunächst nur dienatürliche Folge der Beschränktheit des kindlichen Gesichtskreises sein. DasKind, welches in ungestörtem Wohlstände aufgewachsen ist, hat keinen Begriff und darumkeine Empfindung von den mannigfaltigen Leiden des Lebens; es könnte, wie jene vor-nehme Dame, sich darüber wundern, warum doch die Armen, wenn sie denn kein Brodhaben, nicht Kuchen essen. Um sein schlummerndes Gefühl zu wecken, kann nicht aus-reichen, daß man ihm, wie hier gefühlt werden muß, einfach als Pflicht verhält. Wohlaber wird die warme und lebendig ins Einzelne eingehende Schilderung der so oft inder nächsten Nähe des Wohlstandes befindlichen tiefen Noth der Armut, verbundendamit, daß das Kind geeigneten Falles der Vermittler der elterlichen Wohlthätigkeitwerden darf, es wird die Hinweisung darauf, wie Tod und Krankheit und sonstigeUnglücksfälle das glänzendste äußere Glück auf einmal zerstören können, dazu dienen,das Gefühl den großen Leiden des Lebens und seinen tiefen Widersprüchen zu erschließenund zugleich die Empfindlichkeit gegen die kleinen und nur vermeintlichen Leiden, welchedie weichliche Selbstsucht des Kindes auszustehen hat, zurückzudrängen. Dem armen