Gefühllosigkeit.
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von solchen Stätten ohnehin fern — mit Spannung der Bewältigung und demTode der Hausthiere durch Menschenhand zuschaut. Etwas anderes ist aber „jenegrausame Lust au der Ueberwältigung des Thieres, an seinem Schmerz und rühm-losen Untergang" (Palmer, evaug. Päd., S. 276 ff.), von der nur ein Schritt ist zurvorsätzlichen überlegten Thierquälerei. Hat der junge Mensch erst im Unterdrücken undZerstören des thierischen Lebens die Regungen des Mitleids überwinden gelernt, sowird er herangewachsen auch zur Menschenquälerei fortschreiten und mit kaltem BlutMenschen hinzuopfern im Stande sein. *) Wie die Geschichte von den blutdürstigenDespoten, von einem Nero, Dsckingis-Chan, Karl IX. (der in der Bartholomäusnachtauf Hugenotten schoß) meldet, daß sie schon in der Kindheit am Blut gequälter undhingeschlachteter Thiere Gefallen fanden**), so zeigen fort und fort unsere Criminal-acten, daß die meisten Mörder schon in der Jugend sich als arge Thierquäler offen-barten. Sind doch die Thiere diejenigen lebendigen Geschöpfe, an welchen schon dasKind seine überlegene Kraft geltend machen kann; wird also nicht im Verhältnis zuihnen die hervorbrechende Selbstsucht getilgt, dann ist es auch um das Hervorkeimenund Aufblühen alles und jedes sympathetischen Gefühls geschehen. Darum giebt es,wie der Menschen- und thierfreundliche Lord Erskine sagt, keine wahrhaft gute Er-ziehung und kein wahrhaft gutes Herz ohne Mitleid mit den Thieren. Darum solltenaber auch alle Wohlmeinende, gleichviel ob mit oder ohne Beitrittserklärung, thätige Mit-glieder des Thierschutzvereins sein, wie ihn vr. Perner in München begründet hat undmit achtungswerther Ausdauer über ganz Deutschland zu verbreiten sucht; nicht bloßLehrer und Geistliche, sondern auch Gemeindevorsteher und angesehene Amts- oderPrivatpersonen sollten mit allen ihren Mitteln dahin wirken, daß es in der Gemeindezum Ehrenpnnct würde, Thierquälerei entweder zu verhindern oder zur Anzeige zubringen. Die Polizei zeigt Wohl hier und da guten Willen, grausame Behandlung vonThieren zu ahnden; aber Wie viel fehlt noch, bis nur das erreicht ist, daß die Schlacht-plätze nicht mehr an offener Straße dem Blick der Jugend offen stehen, oder daßKälber zu Dutzenden auf ein Fuhrwerk gepackt, mit herabhängenden Köpfen undhervorquellenden Augen fortgeschafft werden! Uebrigens dürfen wir, trotz mancherHärte und Grausamkeit im einzelnen, im allgemeinen doch von unserem Volke rühmen,daß sein Herz mitleidiger gegen die Thierwelt gestimmt ist als das der romanischenVölker und auch der Engländer, die an blutigen Hetzen und Thierkämpfen, an Hunden,die sich todtbeißen, und Hähnen, die sich zerfleischen, eben so großes Gefallen findenwie am Boxen, dem blutigsten, rohesten Zweikampf, den es giebt. Es ist solcherRoheit und Gefühllosigkeit gegenüber nur wohlthuend, wenn deutsche Pädagogen selbstdas Spielen der Kinder mit Thieren — Hunden und Katzen, Kaninchen und Vögeln— bedenklich finden (vgl. vr. Schreber, Kallipädie, S. 116), weil es leicht zu Thier-quälereien verleiten könne, obgleich sie hicmit ohne Zweifel zu weit gehen. Jene Lieb-haberei des Fangens und Einsperrens heimischer Singvögel ist allerdings möglichst zuunterdrücken, doch möchte es — die Beaufsichtigung der Erwachsenen vorausgesetzt —
*) Oft ist freilich auch der Gang der umgekehrte: wer als Kind in der Familie oder inder Schule Zeuge davon sein muß, wie Menschen von Menschen hart und unmenschlich behandeltwerden, der kann leicht auch das Erbarmen mit der vernunftlosen Creatur verlernen. D. Red.
**) Karls IX. Mutter, Katharina von Medicis, machte ihn, wie Brizard berichtet, schonfrühzeitig mit dem Anblick von Thierblnt vertraut; „sie brachte ihm Flcischerneigungcn bei, umihn desto leichter zu Heukersgefiihlen überzuleiten. Zu seinem Vergnügen gehörte, Thieren, denener begegnete, mit Einem Schlage den Kopf abzuhauen. Keine Hinrichtung geschah, ohne daßdiese unwürdige Mutter ihre Söhne hingeführt hätte." Llr. äoMwir erzählt: „Um ihn an denAnblick zu gewöhnen, Blut seiner Unterthanen fließen zu sehen, machte man ihm von klein aufdie Freude, Thiere zu zerstücken und in ihrem Blut zu sehen." Bgl. „über die Hauptgebrcchender Erziehung," von Hofrath vr. Perner (München 1858), wo eine Menge ähnlicher That-sachen znsammengestellt sind.