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2 (1860) Director - Globus
Entstehung
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Gedike.

Gefühllosigkeit.

Postwagen sieben Tage und sieben Nächte ununterbrochen nach Berlin zurück. Seitdembemerkte seine Familie, daß sein Gesundheitszustand nicht mehr die frühere Festigkeitund Kraft besitze, er aber wollte sich nicht entschließen, seine Arbeiten durch das Auf-geben eines seiner Aemter zu vermindern. Im Sommer 1802 machte er einem höheren Auf-träge zufolge zur Regulirung des Schulwesens eine beschwerliche Reise in die neu er-worbenen Provinzen Süd- und Neu-Ostpreußen, fiel aber gegen Ende des Jahrs inein heftiges Nervenfieber, von dem er sich nur wieder aufraffte, um am zwölften April1803 die öffentliche Prüfung selbst zu leiten, brach aber gleich hernach wieder zusammenund endete am 2. Mai sein rühmliches Leben. Der Professor Spalding hielt ihm dieGedächtnisrede in lateinischer Sprache, worin er unter Anerkennung der großen Ver-dienste Gedike's äußerte: noqus vnim tas luvrit et rnnAno opxrobrio oosserit lluiog^irmasio, si nuguam talio antistitis saororum suoinrn immvmor rsporiatnr obmu-tosoatgue in tanta üiosnlli nmtsria. Der Hörsaal des Gymnasiums bewahrt noch dieCopie seines von Grass in Lebensgröße gemalten Bildes. E. Bonnell.

Geduld, s. Erzieher.

Gefühllosigkeit, Roheit, Thierquälerei. Gefühllosigkeit ist nicht Mangelan Gefühl überhaupt das Selbstgefühl, freilich in der unedelsten Form der Selbst-sucht, ist bei demGefühllosen" sehr stark entwickelt; wir bezeichnen vielmehr mit jenemWorte die Abwesenheit der edleren sittlichen Gefühle des Mitleids, der Theilnahme,des Wohlwollens, hervorgehend aus dem Mangel des sympathetischen Gefühls.Dieses, obwohl es noch überwiegend sinnlicher Natur und keineswegs dem rein sittlichenWohlwollen, wie es in der werkthätigen christlichen Liebe seinen prägnantesten Ausdruckfindet, gleichzustellen ist, bildet doch die nothwendige Grundlage für die sittliche Ent-wicklung und Bildung überhaupt, weshalb wir auch mit Recht seinen Mangel alsRoheit und Barbarei bezeichnen. Insofern wir das Herz als den Sitz der Gefühlebetrachten, und unter dem WortHerz" insbesondere das Mitgefühl verstehen, sagenwir auch vom Gefühllosen, er habe kein Herz oder sein Herz sei verhärtet. So natür-lich dem Menschen als einem geselligen Wesen das Mitgefühl auch ist Kinder wei-nen, wenn sie Erwachsene in Thränen sehen, und fühlen den Sinn der Worte schonaus den Gesichtszügen und Geberden des Sprechenden heraus, auch wenn ihnen dasVerständnis der Rede noch abgeht: so kann doch der Trieb der Selbstsucht bald soübermächtig werden, daß er den Sinn gefangen nimmt und dieser kein Verständnismehr hat für die Gefühle anderer, weil er nur mit dem eigenen Ich beschäftigt ist.Wir haben also das Kind vor Gefühllosigkeit zunächst und vor allem dadurch zu be-wahren, daß wir seinen Egoismus, wo er hervortritt, beschränken und seinen Willen inZucht nehmen. Noch ehe das Kind einen Begriff vom Pflanzenlebeu hat, muß dieZucht schon dafür sorgen, daß es nicht muthwillig den blühenden Zweig vom Obstbamnoder den zarten Pflänzling aus dem Boden reißt. Schon das unmündige Kind mußgehindert werden, daß es mit der Peitsche nicht nach Belieben auf Menschen undThiere losschlage, daß es nicht alles, was ihm unter die Hand kommt, zerbreche. DerZerstörungstrieb als Moment in der Entwicklung des freien selbstbewußten Geistes hatseine Berechtigung; er ist wesentlich ein Ausfluß des Thätigkeitstriebes und wir habendeshalb über sein Hervortreten nicht zu erschrecken, sondern ihn nur vor Ueberschreitungvernünftiger Grenzen zu behüten und in seinen Aeußerungen zu leiten. Eine zu ängst-liche Beschränkung der Willkür des Kindes, ein Fernhalten desselben von jeder rauhenBerührung mit der Außenwelt, jene künstliche Erzeugung thränenseliger Sanftmuthund Empfindelei wäre das andere Extrem, das vor lauter Zartsinn und Empfindsam-keit zu moralischer Schwäche und abermals zum egoistischen Zurückziehen auf daseigene Ich führen würde. Der Knabe, der vielleicht als Mann sein Blut für dasVaterland vergießen muß, soll nicht über jeden Blutstropfen jammern oder bei einerleichten Schnittwunde in Ohnmacht fallen. Wir wollen es ihm auch nicht als Hangzur Grausamkeit auslegen, wenn er etwa im Schlachthause Mädchen halten sich