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Gedike.
gehen in die Methode des ersten Unterrichts. So entstand seine meistens dialogischdurchgeführte Abhandlung „Vom Lescnlernen und andern verwandten Materien," nachwelcher bei dem Kinde zuerst die Methode der Imagination angewendet und ans diesedie des Gedächtnisses folgen soll, sobald dies durch Bearbeitung der sinnlichen Neugierund der Imagination zu einer merklichen Größe herangewachsen sein wird. Der so vor-bereitete Zögling wird freilich erst mit dem zwölften Lebensjahre lesen lernen, aber dannauch in einer Woche und gleich den Begriffen, Empfindungen, Leidenschaften angemessen.Hierauf soll das Schreiben folgen. Von der Nichtigkeit seiner Ansicht war G. so über-zeugt, das; er 1791 als Gymnasialdirector ein „Kinderbuch zur ersten Hebung im Lesenohne ABC und Buchstabiren" verfaßte, in welchem er in durchdachter Weise durchsührte,die Kinder anstatt der synthetischen durch die analytische Methode lesen zu lehren, d. h.durch die Wörter und zugleich mit den Wörtern die Buchstaben lernen zu lassen. Er-halte beim Gebrauch des Buches vornehmlich auf den häuslichen Unterricht gerechnet,aber der alte Schlendrian beim Lesenlernen wurde sehr bald zweckmäßiger und wirk-samer durch die Lautirmcthode überwunden, und so fand seine Methode keinen Eingang.In den Aufsätzen „Vom Sprachstudium überhaupt, Von der lateinischen Sprache, Wo-her der allgemeine Fond zur Schulverbesserung?" äußert sich viel Scharfblick für dieErkennung der vorhandenen Mängel, aber zugleich in den Verbesserungsvorschlägen mehr-jugendlicher Eifer, der auch über die Trümmer gewohnter Zustände hinweg zum Zielezu rennen strebt, als besonnene Beachtung des Bestehenden und Erstrebung des Mög-lichen. So spricht er unter anderm den halb richtigen aber deshalb um so gefährlicherenund oft wiederholten Satz aus: „Eher ist an keine Schulverbesserung zu denken, bisman diese Erziehungsmengerei zu Grabe trägt, bis man alle sogenannten latein. Schulenin den kleinen Städten zu wahren Realschulen rimschmilzt und auf den Gymnasien, dieder gelehrten Erziehung gewidmet sind, keinen annimmt, der nicht wirklich zum Gelehrtenbestimmt ist." Das Nichtige in dem ersten Theile dieser Aeußerung hat sich durch diespätere geschichtliche Entwicklung des Schulwesens bewährt,*) das Unmögliche des letztenaber hat G. selbst bei seiner Schulpraxis eingeschen, indem er stets Kinder mit 7 und8 Jahren in die Sexta des Gymnasii ausgenommen hat, denen doch die wirkliche Be-stimmung zum Gelehrten auch der hellsehendste Schulmann nicht anmcrken kann. — DieAbhandlung über die Beschaffung eines allgemeinen Fonds zur Schulverbesserung zeigtganz richtig den Hauptgrund des Schnlverfalls darin, daß beim Schulstande für dieäußerliche Zufriedenheit eines Mannes, der sich fühlt, zu wenig gesorgt ist, und unterseinen Verbesserungsvorschlägen ist der zweckmäßigste die Uebcrwachnng der Privatin-stitnte durch ein Schulcollegium, damit nicht diese und die Privaterziehung überhaupt denöffentlichen Schulen die Schulgelder entzögen. Aber seinen Schmerzensrnf: „O dieZeiten sind so ziemlich vorbei!" nämlich durch milde Stiftungen und Vermächtnisse, durchfreiwillige Geschenke und Beiträge den Schulfonds zu verbessern, hat er in seiner Direc-toralwirksamkeit vielfach widerlegt gefunden, am glänzendsten durch das Glück, daßdas erste Jahr seines Directorats am Berlinischen Gymnasio auch das erste Jahr derEröffuung und des völligen Genusses der Streit'schcn Stiftung war, wodurch diesemGymnasium ein Vermächtnis von fast 200,000 Thlr. zuficl. Die ausführliche Nach-richt vom Stifter und der Stiftung gab er im Programm von 1794. In seinen vielenSchulprogrammen hatte er hauptsächlich das Publikum im Auge, schrieb sie deshalb indeutscher Sprache und behandelte in ihnen entweder wichtige pädagogische Fragen odergab Berichte über die Geschichte und Zustände der von ihm geleiteten Gymnasien. Seinekleinen Schulschriften fanden schon früh einen solchen Beifall, daß er i. I. 1789 diegesammelten heransgab und dem damaligen Minister von WLllner widmete, beidem G. eine kurze Zeit misliebig geworden war, weil er nicht für eine Cassation ge-stimmt hatte und deshalb bei künftigen Cassationsfällcn nicht mitvotiren sollte. Ein
*) Wir in Württemberg möchten unsere lat. Schulen nicht missen.
D. Red.