Druckschrift 
2 (1860) Director - Globus
Entstehung
Seite
597
Einzelbild herunterladen
 

Gedikc.

597

giebt er im Programm von 1796 an: 1)daß ein unv der andere Lehrer in seinemHauptsache in mehreren Classen unterrichte und so sich seine Schüler nach und nachzuziehe; 2) daß in andern Lectionen mehrere Lehrer zu gleicher Zeit Unterricht geben,wodurch es möglich wird, vaß ein Schüler nach Maßgabe seiner Fortschritte in Ansehungdes einen Gegenstandes in einer höhern, in Ansehung eines andern in einer mo-dern Classe sitzen könne." Er gab also dem mit Parallelismus verbundenen Fach-systeme den Vorzug, das kaum zehn Jahre nach seinem Tode durch das Classensystemverdrängt wurde. Durch Befolgung dieses zweiten Erfordernisses entstand freilich mit-unter eine Zersplitterung einzelner Lehrgegenstände, wie sie jetzt unmöglich scheint, daßz. B. im Sommer 1791 auf dem Werder'schen Ghmnasio in Prima der Director wöchent-lich 1 St. Horaz, 1 St. Lat. Stil, 1 St. Latein (?), von den Lehrern neben ihm PlesmannTacitus, Weisser Virgil, Koch Sueton in je einer Stunde lehrten; G. gab außerdemgleichzeitig 1 St. Theorie des deutschen Stils, 2 St. Encyklopädie, 1 St. philosophischeGeschichte. Die Zahl der wöchentlichen Stunden überhaupt betrug 30, darunter warenin Prima Hydraulik, Wasserbaukunst, bürgerliche Baukunst, hydrostatische Aerometrie.

Auf die Lehrer der von ihm geleiteten Anstalten wirkte er außer dem oben angege-benen Organismus vorzugsweise durch sein Beispiel. Sein überall hindringender Blick,sein stets waches Auge, seine unermüdliche Thätigkeit, seine ausgezeichnete Lehrgeschicklich-keit brachten in alle eine gewisse Schwungkraft; mit dem vorzüglichsten Erfolge wirkteer aber auf die jüngeren Lehrer. Säumigen College» gegenüber war er der ernste Vor-gesetzte, so schrieb er in einem Circular vom 8. September 1791Sobald einer vonden Herren, wie leider noch immer gar zu gewöhnlich geschieht, ein oder mehrere (Cen-sur-) Bücher 3 oder 4 Tage bei sich liegen läßt, so entstehen daraus natürlich mancherleinachtheilige Folgen. Ich wiederhole also auch diesmal meine so oft gethane Bitte,sich doch sogleich an diese Arbeit zu machen und nicht durch Verschieben und Verzögernmir selbst die Arbeit zu erschweren." Dabei konnte er doch in seiner Abschiedsrede 1793zu denselben Lehrern äußern:Die Freundschaft und Einigkeit, die in unserm Kreiseherrschte, ist vielleicht beispiellos." Um jeden Misklang zwischen sich und seinen Mit-arbeitern zu vermeiden, lehnte er, als er alleiniger Director des Berlinisch-KölnischenGymnasii geworden war, die ihm vom Magistrate übertragene Beibehaltung des Direc-torats vom Werder'schen Ghmnasio ab. Er hatte sich anfänglich dazu unter Abtretungder Hälfte seines Einkommens zu Gunsten seiner früheren College» bereit erklärt, weiles der Wunsch des Publicums zu sein schien und der aller seiner Mitarbeiter gewesenwar. Später aber wollte der Prorector Plesmann lieber einziger Vorsteher des Gym-nasii als Rector unter Gedikes Direction sein, und deshalb legte G. nicht nur seinerstes Directorat nieder, sondern empfahl auch dem Magistrate Plesmann zum Director.Letzteres geschah wohl mehr, um den ihm von Plesmann gemachten Borwurf desEgoismus durch einen Act großmüthiger Vergeltung abznwehren, als daß er wirklichvon seiner Empfehlung überzeugt sein konnte; wenigstens brachte Plesmanns Unfähigkeitsehr bald das von G. so gehobene Gymnasium wieder zu der früheren Unbedeutendheitherab. Indes wies G. bei seinem Scheiden durch die Empfehlung der Anstellung deSSeminaristen Bernhardt zugleich auf den Mann hin, der von allen Schulmännern Ber-lins später am besten verstand, Gedike's Werk fortzusetzen und noch genialer auszubil-den. Zu den Lehrern am Berlin'schen Ghmnasio stand G. in einem engeren Freund-schaftsverhältnisse, namentlich zu Michelseu, Delbrük und Spalding. Bei seinen Schü-lern hatte er von der untersten Stufe an stets bas Ziel im Auge, sie zu gekittetenMännern zu erziehen; er suchte dies Ziel von seiner Seite durch einen wohldurchdachten,sorgfältigen und anregenden Unterricht, von Seiten der Schüler durch einen geregeltenFleiß derselben zu erreichen. Die beständige Abwechselung der Gegenstände und derLehrer in den Lectionen sollte die Schüler vor Ermüdung bewahren, der Unterrichts-stoff sollte schon von Anfang an Gelegenheit zu mancherlei Hebungen des Verstandesund zur Erlernung sowie zur Entwickelung moralischer, historischer, geographischer und