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Gedike.
Lebens zu betrachten. „Ja viel sind der Freuden, die ich wahrend meines siebzehnjäh-rigen Schulamts an dieser Anstalt genoß, weit mehr als die kühnste Hoffnung desJünglings zu ahnen wagte," sagte er selbst und mit vollem Rechte in seinem Programmzur Einführung als Director des Berlin'schen Gymnasii 1793. Das Werder'sche Gym-nasium sah er durch seine Leitung bald aus seiner Gesunkenheit zu der blühendsten Lehr-anstalt der Hauptstadt sich erheben, das Vertrauen der Eltern aller Stände führte ihmSohne zu, so daß sich die Schülerzahl in rascher Progression von 94 auf 310 hob, umso beachtenswerther zu einer Zeit, wo in Berlin die Unterweisung der Kinder durchPrivatlehrer und in Privatschulen eine herrschende Blöde geworden war, so daß selbstdas blühende Berlinische Gymnasium damals nur 252 Schüler zählte.
Dem Friedrichs-Werder'schen Gymnasium gab er die Organisation, die nicht nurnoch an demselben vorherrscht, sondern durch die einflußreiche Stellung, die G. baldim Schulwesen gewann, auch maßgebend für die übrigen Gymnasien geworden ist.Selbst der Umstand, daß G- College» von geringerer Befähigung neben sich hatte, ließseine große Bedeutung erst recht hervortreten und was er vermochte vollständig zeigen.Dabei erfreute er sich einer ununterbrochenen Gesundheit, so daß er unermüdlich diekleinsten Details des Schulamts mit gleicher Sorgfalt wie die schwierigsten Aufgabenseiner hohen Stellung im Schulwesen behandelte. An dem Berlin'schen Gymuasio fander mehr mit bewährter Amtsklugheit zu erhalten als zu schaffen und ein Lehrercollegiumvou Männern, die fast alle ihren Wirkungskreis rühmlichst ausfüllten, an deren Spitzedie Namen Heindorf der ältere, Michelsen, Spaltung, Fischer glänzten. G. hat vonbeiden Gymnasien das anschaulichste Bild in seinen Schulprogrammen, die er nachdamaliger Einrichtung alle ganz selbst schrieb, entworfen, von dem Friedrichs-Werder'-schen besonders in der Geschichte desselben zur Feier seines hundertjährigen Jubiläums1781 und in dem Nachtrag zu dessen Geschichte und der des Berlinisch-Kölnischen Gym-nasiums 1793, von dem letzteren allein in seiner „Kurzen Nachricht von der gegenwär-tigen Einrichtung" desselben 1796.
Seine Thätigkcit als Director zerfällt in die organisirende, in die leitende undin die erziehende. An dem Friedrichs-Werder'schen Gymnasio zeigte er sein organisato-risches Talent durch die Einführung und Handhabung einer sicheren und durchgreifendenLeitung, welche die einzelnen Theile der Anstalt zu einem zusammenhängenden Ganzenverband. Er ward aber nicht nur der Gesetzgeber für seine Schule, sondern die allesbeständig belebende Seele. Außerdem daß er die wichtigsten Unterrichtsstunden selbstübernahm, traf er solche Einrichtungen, daß alles, was Disciplin und Unterricht betraf,in geregelter Weise zu seiner Kenntnis kam. Er inspicirte fast täglich sämmtliche Klas-sen, nahm Kenntnis von der sittlichen Führung der Schüler durch Controle der vonihm eingeführten Tagebücher und durch monatliche schriftliche Berichte der Lehrer überihre Schüler, sorgte für Ertheilung vierteljährlicher und wo es nöthig war wöchent-licher Censuren, hielt regelmäßige Revisionen der schriftlichen Arbeiten, auf deren Anfer-tigung er großes Gewicht legte, und worüber seine Aufzeichnungen in den Gymnasial-acten noch vorhanden sind, hielt mit den Lehrern regelmäßige Conferenzen, worin erseine genaue Kenntnis der einzelnen Schüler in jeder Weise an den Tag legte. DieHauptaufgabe und zugleich der wahre Prüfstein für das Dircctorialtalent war aber zujener Zeit, wo es noch kein genau vorgeschriebenes Schema dafür gab, die Anlegungdes Lectionsplans. Sein erstes Directorat fiel noch in die Blütezeit des Philanthro-pismus und angesteckt davon huldigten die Schüler mehr oder weniger dem Encyklo-pädismus und der Vielwisserei; auch G. war in der Jugendzeit seines Lehramtes einBewunderer von Basedow und Campe gewesen, aber das bewährte Bildungselement deralten Sprachen, welche „todte" zu nennen er für „einfältig" erklärte, war ihm durchfleißige Beschäftigung mit denselben so zum Bewußtsein gekommen, daß er sie stets zuden Hauptgegcnständen seines Lehrplans machte und nach den Leistungen im Lateinischendie Classe der Schüler bestimmte. Als die zwei Erfordernisse eines guten Lectionsplans