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2 (1860) Director - Globus
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Gedächtnis.

Gedike.

Schlüsse inne gehabt und sie von da an immer behalten habe, und er fügt die für alleGedächtnisübungen gültige Wahrheit hinzu: eine Erkenntnis, sie sei welche sie wolle,auch die höchste, mäße man, um sie zu besitzen, im Gedächtnisse haben; man möge nundamit anfangen oder damit endigen; werde damit angefangen, so habe man um somehr Freiheit und Veranlassung, sie selbst zu denken. Aber freilich muß auch mit demSelbstdenken des zunächst mechanisch Anfgenommenen ein rechter Ernst gemacht werden,wenn es nicht als ein todtes und isolirt stehendes Material bald genug auch aus demGedächtnis herausfallen soll. Es giebt aber noch einen wesentlicheren Grund, weshalbman wenigstens gewisse sprachliche Erzeugnisse Wort für Wort auswendig lernen muß.Dieser Grund liegt in der Form der Schriftwerke. Nimmt man ein elastisch voll-endetes Gedicht, so liegt seine Vollendung nicht bloß in der Tiefe des Gedankens, son-dern besonders auch in der Form der Darstellung, in der Wahl der Worte und Bilder,in der Wortstellung, in dem Bau der Sätze, in dem Metrum und Aehnlichem. Manmuß solche Gedichte Wort für Wort in sich aufnehmen und vor allem in das Gedächtnismechanisch ausnehmen, um ein Gefühl für schöne und vollendete Form zu erlangen. Esversteht sich von selbst, daß man einem Schüler, dem man die Aufnahme eines solchenGedichts zumuthet, ganz unverständliche Worte und Wendungen, die darin Vorkommen,möglichst erklärt; aber daun gehe man daran, dasselbe ganz fest und Wort für Wortmcmoriren zu lassen. Ein solcher im Gedächtnis gegenwärtiger, formell vollendeter In-halt wirkt fast bewußtlos auf die Bildung des Formsinns; freilich aber in einem umso höheren Grade, je mehr man bei jeder passenden Gelegenheit darauf zurückgeht undihn immer tiefere Wurzeln in Geist und Gemüth schlagen läßt. Auch für die Bildungdes deutschen Stils der Schüler ist es ein treffliches Mittel, daß man sie Abschnitteeiner elastischen Prosa, wenn sie dieselben nach Inhalt und Zusammenhang im wesent-lichen verstehen, Wort für Wort auswendig lernen und oft wiederholen läßt, zumalwenn man immer mehr Bemerkungen über die Form anknüpft, wenn sie nahe liegenund verstanden werden können. Wer so die Muster guter Prosa in sich trägt, gewöhntsich immer mehr, nach ihnen seinen eigenen Stil zu bilden und zu beurtheilen. *)

Deinhardt.

Gedächtnisübung, s. Me morirüb ungen.

Gedike, Friedrich, hat unter allen preußischen Schulmännern die umfangreichste Wirk-samkeit gehabt und durch die rastlose Thätigkeit, die er in einem nur kurz zugemessenenLeben entfaltete, überall einen neugestaltenden Einfluß ausgeübt, der in den Schulenseines Vaterlandes noch unverkennbar fortwirkt. Er gehört zu den vielen Männern inder Geschichte der Geistesbildung, die aus unscheinbaren Anfängen und trotz vieler Hem-mungen sich zu einer bedeutenden Höhe emporgearbeitet haben und eine Leuchte undVorbild für viele geworden sind. Er war im Dorfe Boberow bei Lenzen in derPriegnitz d. 15. Januar 1754 geboren. Sein Vater, ein kärglich besoldeter Landpre-diger, konnte auf seine erste Erziehung, welche in die traurigen Zeiten des siebenjährigenKrieges fiel, keine Sorgfalt wenden; er wuchs daher sich selbst überlassen auf; aber wasfür viele Ursache der Verwilderung wird, legte bei ihm den Grund zu der Selbständig-keit, die später ein Hauptzug seines Charakters war. Auch seine Verwaisung im 9tenLebensjahre und fast gänzliche Hülflosigkeit wurde für ihn zum Segen, denn gerade sieführte ihn in seinem 12ten Jahre der Erziehungsstätte zu, in welcher der von oberfläch-lichen Beurtheilern bis dahin für beinah stumpfsinnig gehaltene Knabe den Neichthumund die Kraft des inwendigen Menschen zur schönsten Blüte schnell entfalten konnte.

'st Vgl. die Art. Bd. I. Anschauung, S. 180 f.; Bildungsgehalt, S. 696 f.; Bb. II.Einübung, S. 70; Elementarschule, S. 84; Erkenntnisvermögen, S. 190 f.; ferner das Bei-spiel der Engländer in Wiese, Deutsche Briefe, S. 87; Palmer, Päd., S. 353 ff., 383 ff.;Held, Schulreden, S. 13654; Mager, Die genet. Methode, S. 20412; Waitz, Päd.,Z. 24. Schmid.