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2 (1860) Director - Globus
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593
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Gedächtnis.

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ich und gebrauche es als mein Eigenthum, was ich recht weiß, d. h. worin nichtsdunkeles, nichts trübes mehr ist, was das Licht des Geistes nicht durchdränge. Diemenschliche Seele ist zwar so organisirt, das; sie auch sinnlose Zeichen und Laute in sichaufnehmen und eine Weile auswendig behalten kann. Wenn ich ein für sich auch sinn-loses Zeichen mir recht oft ansehe und den Unterschied seiner Gestalt von allen anderenGestalten deutlich bemerke, so kann ich es wohl eine Zeit lang behalten, eben so gewisseLaute und Töne, obschon sie keinen Sinn haben, wenn ich sie oft höre, und ihren Unter-schied von anderen Tönen mir zum Bewußtsein bringe. Aber solch ungeistiger Gehalthaftet nur sehr äußerlich in mir und geht sehr bald wieder verloren. Ganz andersverhält sich die Sache, wenn die gehörten Töne mit einander in einem inneren Zusam-menhänge stehen, wenn sie z. B. eine Melodie bilden oder einen Fortschritt von Harmonieendarstellen, der für das Ohr zu einem musikalischen Gesammtbilde wird, oder wenn diegesehenen Zeichen und Gestalten eine Bedeutung haben oder eine Idee versinnlichen,kurz! wenn der sinnlichen Erscheinung eine geistige Wesenheit zu Grunde liegt; in diesemFalle kommt der Geist erst im wahren Sinne des Wortes zu sich selbst und nimmt dendargcbotenen Inhalt auf eine bleibende Weise in sich auf.

Wenn nun aber auch eine untrennbare Verbindung stattfindet zwischen dem gedächt-nismäßigen Behalten einer geistigen Substanz und dem inneren geistigen Verständnisderselben, so darf man doch darüber nicht verkennen, daß das Verständnis der aller-wichtigsten und folgenreichsten Dinge von Stufe zu Stufe sich entwickelt und meist sehrspät sich vollendet, wenn es sich überhaupt vollendet. Dieses gilt vor allem von reli-giösen Ideen, die erst durch eine reiche Lebenserfahrung ihr volles Verständnis und dasinnigste Interesse für das Gemüth erhalten. Nichts desto weniger erscheint es heilsam,tiefsinnige religiöse Lieder und Sprüche frühzeitig dem Gedächtnis der Kinder einzu-prägen, damit sie zur Zeit'der Noth und Gefahr in der Seele des Kindes gegenwärtigsind und ihre Kraft beweisen. Es ist recht gut, wenn die Kinder solche Lieder undSprüche Wort für Wort also zunächst mechanisch ins Gedächtnis aufnehmen,wenn nur die weiteren Operationen, durch welche sich solcher Inhaltim Geiste und Gemüthe für alle Zeiten festwurzelt, Nachfolgen. Diesebestehen zunächst darin, daß der Lehrer die in dem Gelernten liegenden Vorstellungenund Gedanken für sich und in ihrem Zusammenhänge möglichst klar macht und durchpraktische Erfahrungen und Beispiele veranschaulicht. Hat ein Kind, welches den Reli-gionsunterricht empfängt, außerdem noch das Glück, daß es von einem Lehrer unter-richtet wird, der selbst ein lebendiges Interesse für die religiösen Wahrheiten hat, sosenkt sich der religiöse Inhalt auch schon einigermaßen in sein Gefühl ein, wenn aucherst die späteren Lebenserfahrungen nach und nach immer tiefere Beziehungen desselbenaufschließen, und ihn hierdurch mit unserem geistigen Selbst immer inniger verbinden. *)Auch für mathematische und philosophische Wahrheiten erscheint es in vielen Fällenganz nützlich, wenn man mit diesem mechanischen Theil der Assimilation, den man mitdem Namen des Auswendiglernens bezeichnet, den Anfang macht, wenn nur dasJnwendiglernen redlich nachgeholt wird. Wenn man einen philosophischen odermathematischen Satz erst Wort für Wort ins Gedächtnis ausgenommen hat, so hat mandann um so mehr Freiheit und Veranlassung, ihn zu beweisen und zu begreifen undder mehr äußerlichen Assimilation die innere hinzuzufügen. Einer der tiefsinnigstenPhilosophen unserer Zeit und aller Zeiten, Hegel, theilt in seinem Aufsatz über den Un-terricht in der Philosophie auf Gymnasien folgende höchst merkwürdige Thatsache mit,daß er schon in seinem zwölften Lebensjahre wegen seiner Bestimmung für dastheologische Seminar in Tübingen, die Wolfschen Definitionen von der sogenannten läea«lara an erlernt, und im vierzehnten Jahre die sämmtlichen Figuren und Regeln der

*) Bgl. bei R a u m e r,'Gesch. d. Päd. III, 34.

Padagog. EncvklDp.idic. II.

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