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Gedächtnis.
Inhalts im Gedächtnis hat. Man sagt nicht zu viel, wenn man die Wiederholung alsdas hauptsächlichste, wo nicht als das einzige Mittel zum Behalten bezeichnet und daßder alte Grundsatz: rsxotitio sst rnatsr stnäiornrn für alle Zeiten seine Wahrheit be-hauptet. Aber die Kraft der Wiederholung besteht nicht sowohl darin, daß ich den-selben Eindruck einer Sache zu verschiedenen Zeiten immer wieder in mein Bewußtseinaufnehme, sondern vielmehr darin, daß ich ein und dieselbe Sache in den verschie-denartigsten Situationen beobachte und sie in allen noch so verschie-denen Beziehungen als eine und dieselbe erkenne. Hiedurch nämlich bringeich sie in Verbindung mit vielen anderen Dingen, streife ihr das Vereinzelte und Jsolirteab, und mache sie gleichsam zu einem Centrum, von welchem viele Strahlen ausgehen,ohne daß durch diese Bewegung das einfache und mit sich identische Centrum verlorengieuge. Wer fremde Sprachen gelernt hat, der hat sich auch genugsam überzeugt, daßman ein einzelnes Wort der fremden Sprache, so oft man sich auch seinen Laut mitseiner deutschen Bedeutung vorsagen mag, sehr leicht vergißt und daß alles Memorirenvon vereinzelten Vocabeln wenig Frucht bringt. Wenn man dagegen ein fremdes Wortin verschiedenen Sätzen und Verbindungen gelesen, und die verschiedenen Bedeutungen,die es hat, kennen gelernt und den Grundbegriff, den es in den verschiedenen Bedeu-tungen unveränderlich behauptet, sich zum Bewußtsein gebracht hat; dann geht es demGedächtnis nicht wieder verloren, besonders wenn ich es in seinen verschiedenen Be-deutungen auch praktisch wiederholentlich gebrauche. Der Grund dieser Fixirung einesfremden Wortes im Bewußtsein liegt wieder allein darin, daß ich ihm seine Jsolirtheitbenehme, indem ich es mit vielem anderen, was ich schon kenne, in Beziehung setze undals eine lebendige Einheit von Unterschieden erkenne. Der Geist selbst ist die absoluteEinheit in einer Fülle zahlloser Unterschiede und daher widerstreitet das bloß Vereinzelteund Jsolirte seiner Natur und wird daher nur sehr schwer oder gar nicht von ihm aus-genommen und noch weniger behalten. Wird aber das Einzelne mit anderem Einzelnenin lebendige Verbindung gesetzt; erscheint es als ein Glied eines größeren Organismus,dann existirt es erst lebendig und wird auch ein lebendiger Bestandtheil des Bewußt-seins. Selbst die in neuerer Zeit wieder aufgewärmte Mnemotechnik beruht, so weitsie einen Gran von Wahrheit in sich trägt, auf dem Grundsätze, daß man Einzelnes,welches man merken soll, mit anderem Einzelnen, was man schon weiß, in Verbindungbringt und ihm so seine Jsolirtheit im Bewußtsein benimmt und es in den allgemeinenFluß der Vorstellungen hereinnimmt. Das Unsinnige der Mnemotechnik besteht nur darin,daß der Zusammenhang, in welchen das zu lernende Einzelne mit anderem in Verbin-dung gebracht wird, meist ein sehr äußerlicher und daß auch das andere, woran daszu Lernende angeschlossen werden soll, in der Regel ein sehr willkürliches und zufälligesGebilde ist. Das Einzelne erscheint erst dann in der dem Geiste gemäßen Form mitanderem verbunden, wenn es organisch und logisch mit dem anderen zusammenhängt. Sollalso ein Gegenstand für alle Zeit gemerkt werden, so sorge man dafür, daß er als einGlied eines organischen Ganzen und daher selbst als ein organisches Ganzes erscheintoder daß er selbst als eine logisch geordnete Gedankenreihe oder als ein Moment einersolchen Gedankenreihe von dem Geiste begriffen wird. Es ist bewunderungswürdig, wierasch man selbst einen großen Vortrag in das Gedächtnis aufnehmen kann, wenn manden Grundgedanken desselben und den Zusammenhang seiner Theile erkannt hat. Da-gegen kann es zu einer wahren Tortur werden, wenn man eine Reihe von Vorstellungendie in keinem logischen Zusammenhänge mit einander stehen, dem Gedächtnis ein-prägen soll.
Aus allem bisher Gesagten geht aber hervor, daß die Gedächtnisübungen, wennsie nicht die Auffassung der Sache durch den Verstand zu ihrem Hintergründe haben,keinen Werth und auch keinen bleibenden Erfolg haben können, und daß man den obenangeführten Grundsatz: tantnm soimns, guantnm vaoinoila tonornrm auch umkehrenund sagen kann: tantum momoria tsnsnans, ^uanturn soimns. Erst dasjenige behalte