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2 (1860) Director - Globus
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Gedächtnis.

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daß auch das Gedächtnis für alle Zeiten mit dem Gegenstände bereichert ist, daß esihn in sich hält und trägt und zu jeder Zeit reproduciren kann. Die Mittel, die dazudienen, der Seele das Verständnis eines Gegenstandes zu eröffnen und durch das Ver-ständnis Interesse dafür einzuflößen, sind daher auch die Mittel, um den Gegenstanddem Gedächtnis für immer einzuprägen, und es giebt unseres Erachtens keine andere.*)Ist irgend eine Beobachtung lehrreich, um zu erkennen, auf welche Art und Weise einegeistige Substanz sicher ins Gedächtnis ausgenommen werden kann, so ist es die Beob-achtung des kindlichen Alters. Es kann uns das Gefühl der Bewunderung ergreifen,wenn wir sehen, was für eine zahllose Menge von Gegenständen die Kinder, ohne sichdurch mechanische Gedächtnisübungen viel zu quälen, in ihr Gedächtnis aufnchmen undwie sicher sie dieselben aufbewahren. Aber wir werden diese Erscheinung begreiflicherfinden, wenn wir bedenken, in welcher geordneten Weise sie den Inhalt in sich auf-nehmen. Zn den allerwichtigsten Besitztümern, die die kindliche Seele sich erwirbt,gehört offenbar die Muttersprache. Sitzt irgend etwas recht fest im Gedächtnis, so sindes die Worte der Muttersprache. Hat sich aber auch irgend etwas auf naturgemäßemWege festgewurzelt, so sind es die Worte der Muttersprache. Wären sie dem Kindebloß als vereinzelte Laute mitgetheilt worden, es würde dieselben nimmermehr gemerkthaben. Aber jedes Wort ist selbst ein Resultat vieler einzelner Beobachtungen undwird, wenn es einmal gewonnen ist, umgekehrt auch gebraucht, um viele einzelne Beob-achtungen zu begreifen, und so wird es ein lebendiges Eigenthnm des Geistes und darumauch des Gedächtnisses. Soll das Kind die allgemeine Vorstellung, die durch das WortBaum" bezeichnet ist, ins Gedächtnis aufnehmen, so muß es vorher viele einzelneBäume wahrnehmen, aus denen es das allen GemeinsameBaum" heraushebt. DasWort Baum ist daher nichts vereinzeltes im Bewußtsein, sondern der einfache Ausdruckfür eine Fülle von Einzelnheiten, die durch etwas gemeinsames mit einander verbundensind. Je öfter diese einzelnen Beobachtungen und Erfahrungen wiederholt werden, destoklarer und bestimmter entwickelt sich auch der allen gemeinsame Gattungsbegriff undwird ein unverlierbares Eigenthum des Gedächtnisses. Ist ein Wort erst im Gedächtnis,so wird es auch dadurch immer mehr befestigt, daß man es recht oft auf die einzelnenErscheinungen, deren Begriff es vorstellt, in Anwendung bringt und es auch in dieserWeise als den Inbegriff von einer Fülle von Einzelnheiten erkennt und empfindet.Aehnlich verhält es sich mit der Asflmilirung individueller Anschauungen. Es ist be-kannt, daß nichts so sehr im Gedächtnis haftet, als die Bilder von Gegenden undMenschen, die man in der Jugend viel um sich gehabt hat. Aber wie unendlich ofthabe ich diese Bilder auch gesehen und in wie verschiedenem Lichte und in wie verschie-denen Stellungen und Verhältnissen! Erst wenn ich z. B. eine bestimmte Person rechtoft gesehen und überhaupt wahrgenommen und mich von der Identität derselben in denverschiedensten Erscheinungsformen überzeugt habe, erst dann wurzelt ihr Bildim Gedächtnis fest und zwar für alle Zeiten. Das Vereinzelte als solches würde auchin diesem Falle leicht und schnell ans dem Gedächtnis verschwinden; aber das Einzelneals das mit sich Identische in einer Fülle von Unterschieden das haftet und wirdbehalten und tritt rasch in die Erinnerung ein, wenn es der Geist in seiner Thä-tigkeit wieder gebraucht. Es geht daraus nun zugleich auch hervor, was für eine un-endlich große Bedeutung die Wiederholung für das Aufbewahren eines geistigen

eine wesentliche Bedingung für die Dauer der Erinnerung und das Interesse zu wecken ist auchin dieser Beziehung ein Haupttheil des Lehrgeschäfts. D. Red.

*) Nur von dem unserem Geiste nicht assimilirten, nicht gehörig durchdrungenen Stoffe kanndaher Hamann reden, wenn er sagt, das Gedächtnis könne sich auch Uberfressen, so daß die üb-rigen Geisteskräfte schwinden. In gleichem Sinne kann man sagen, daß sich zuweilen Jünglingevor der Maturitätsprüfung an Geschichtstabellen u. dgl. dumm lernen; sie stärken das Beharrungs-vermögen des Geistes durch Uebnng und schwächen zugleich durch Mangel an Uebung die Ur-teilskraft. D. Red.