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2 (1860) Director - Globus
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Gebrechliche.

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Weise gesteigert, welche später in der Welt selbst nur allzu bittere Enttäuschungen her-beiführen muß. Ja noch in der Kinderstube wird häufig die Augendienerin, die Wär-terin, die Magd, die Bonne sich wohl zu Zeiten Luft macheu, in einer Art, welche garschlimme Wirkungen übt: entweder wird das Kind ein Ankläger, oder es schweigt ge-zwungen eine Zeitlang. Es ergiebt sich schon hier von vorn herein die Regel, daß mandem gebrechlichen Kinde gegenüber so viel als möglich so verfahren soll, wie wenn esnicht gebrechlich wäre, daß man die unersetzlichen Hemmungen und Hinderungen seinesLebens nicht zu vergüten suchen soll durch eitles Außenwerk. Die Geschwisterliebe,ohnehin eine zart zu pflegende Pflanze, kann sonst große Gefahr laufen. Namentlichalterirt alles die rechte Haltung, was in auffallender Weise zur Bevorzugung des Ge-brechlichen oder zur Entschädigung desselben für Genüsse geschieht, die ihm versagt sind;während sich in ganz natürlichem Wege ergiebt, daß in bestimmten Fällen, wie beimFahren in einem Kinderfuhrwerk oder im Schlitten, beim Schaukeln und dgl. das ge-brechliche Kind von Geschwistern und Gespielen bedient wird ohne Gegendienste zu leisten.In solchen Fällen wird der Gerechtigkeitssinn guter Geschwister der Führung der Elternin der schönsten Weise zu Hülfe kommen. Die geistige Entwicklung solcher Kleinen,namentlich wie die oben geschilderten sind, bedarf besonderer Aufmerksamkeit; sie isthäufiger vorsichtig zu zügeln, als anzuspornen, namentlich soll man nicht ihren Witzbewundern und ihre Eitelkeit nähren, dafür aber die gerade bei diesen Kindern so aus-gezeichnete Reizbarkeit des Gemüths mit sanftem Ernste behandeln.

Die Conflicte, in welche der gebrechliche Anfänger in der Kunst des Lebens kommtnoch in der Zeit, wo er hauptsächlich in der Familie lebt, sind übrigens nicht zu ver-gleichen mit denen, welche ihn außer dem Hause, zunächst schon beim Eintritt in dieSchu.le erwarten. In Beziehung auf die Zeit dieses Eintritts, auf das Lernen über-haupt, wann und wie es angefangen und nach Unterbrechungen durch Curversuche,Badereisen und dgl. fortgesetzt werden soll, hängt die Entscheidung so sehr von demindividuellen Falle ab, daß wir hier davon absehen dürfen. Darüber hat ohnehin inerster Linie der Arzt und erst dann auch der Lehrer zu entscheiden. *) Außerhalb desFamilienkreises fühlen zumal die geistig begabteren Gebrechlichen schon früh ihre unglücklicheStellung. In manchen Beziehungen, die durch Verstand und Raisonnement nicht gedecktwerden, sind sie schwer zu trösten. Die Verletzung der Eigenliebe durch Neckereien undverächtlichen Spott läßt sich ertragen, wohl auch mit geistiger Waffe pariren; aber daßsie in hundert Hoffnungen und Freuden sich hintangesetzt sehen, wo der durch Kopf undHerz gleich Berechtigte vergeblich es andern selbst minder Begabten gleich zu thun sucht, dasist ein Grund, warum nur zu oft ihr Gemüth eine krankhafte Reizbarkeit annimmt, welchebei gemeineren und gemein behandelten Naturen zu giftigem Neid und zu arglistiger Tückeführt, aber auch bei edlern, rücksichtslos Behandelten wohl Stimmungen nicht minderpeinlicher und schlimmer Art zu erzeugen geeignet ist. Man denke an des gründlich ver-zogenen Lord Byrons Qualen über seinen Klumpfuß oder seine Klumpfüße (venu bisheute ist nicht sicher entschieden, ob der sonst so schöne, kräftige Mann an einem oderan beiden Füßen verunstaltet war, so sorgfältig hat er es versteckt.) Sein Lebenschon im Knabenalter war erfüllt von aufreibender Sorge für die Verhüllung diesesGebrechens, von gekränktem Stolz, Liebesunglück und wüthendem Groll, der die Faustgegen den Schöpfer ballte, und der unheimliche Eindruck, den sein Wesen auf den Unbe-fangenen macht, ist gewiß mit bedingt durch diese verbissene Stimmung. Die schönstenund reichsten Gaben des Geistes verzehrten sich bei ihm in herbem Stolz und wildemGrimm gegenüber der lieblosen Eitelkeit und Selbstsucht der Welt. Mit krankhaftemfruchtlosem Mühen strebte der sinnliche, selbst geckenhaft eitle Mann seiner Natur das

*) In einer Anzahl orthopädischer Anstalten sind besondere Lehrer für die kleinen Jnsaßenangestellt. Es ist dem Verfasser nicht bekannt, daß einer derselben seine Erfahrungen veröffent-licht hätte.