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2 (1860) Director - Globus
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Gebrechliche.

beiden Formen sehr ungleich vertheilt, zu Gunsten der letzteren, doch ändert sich mit derZeit öfters das Verhältnis. Während Kinder mit dem torpiden Habitus sich manchmalgegen die Pubertät hin recht vortheilhaft entwickeln, verkrüppeln dagegen die feinen undgeistreichen Gesichter und bekommen grillenhafte Züge; sexuelle Regungen erwachen frühund mit Heftigkeit/ und in geistiger Beziehung entsprechen solche Kinder später den ge-hegten Erwartungen durchaus nicht: sicherlich oft nur, weil sie eben verdorben wordensind. Eine zweite Reihe von Gebrechen ist begründet in rhachitischem Leiden, welchessich durch die aufgetriebenen Apophysen der Röhrenknochen kennzeichnet, und durch eigen-thümliche Gesichtszüge mit etwas vorstehendem Unterkiefer und zurücktretendem Joch-bogen. Auch dies sind in der Regel kluge Kinder, die gut aufmerken und gut lernen,aber eher schweigsam sind als gesprächig. Besonders hervorzuheben ist nun aberunter den Gebrechen als solchen diejenige Verkrümmung des Rückgrats, welche eineAusbiegung nach hinten bildet, die Kyphose. Bei diesem Leiden zeigt sich namentlichdie Intelligenz in der Regel früh schon geschärft, buckelige Kinder zeigen oft besondereAnlagen, zumal für das auf Beobachtung und Berechnung sich gründende Wissen, undbilden dieselben mit Vorliebe aus. Unser berühmter Orthopäde vr. Heine in Cannstatthat mich versichert, daß in seiner vieljährigen Erfahrung ihm kein einfältiger, dummerKyphotischer vorgekommen sei. Was der tiefere Grund dieser Erscheinung ist, dieseaugenscheinlich freie und reife Entwicklung des Kopfes bei Buckligen insgesammt, die sichzu gleicher Zeit in einer ihnen allen gemeinsamen Konfiguration des Antlitzes kundgiebt, das ist bis jetzt unbekannt. Das geistige Uebergewicht, welches sie oft früh schonüber körperlich begünstigte Altersgenossen erlangen, tröstet sie, macht sie witzig mandenke an Lichtenberg, den großen Physiker und reizt wohl auch zu jener Eitelkeiteigener Art, welche gerne wie ein Zauberer halb gefürchtet und gescheut sein will: Hexen-meister und Zauberzwerge denkt sich das Volk gern buckelig. Woher kommt es, daßgermanische Göttergestalten wie Tyr und selbst Orin einarmig, einäugig sind, ganz imGegensatz zu den vielarmigen, vielköpfigen, indischen Misgeburten? Ist es ferner nichtbedeutungsvoll, daß seit Vulcan eine ganze Anzahl Gebrechlicher und Buckeliger aus-gezeichnete Mechaniker, Optiker, Chemiker und dgl. geworden sind? Allerdings bestimmtman wohl solche Kinder vorzugsweise gern für einen derartigen Beruf. In andernBeziehungen aber sind z. B. für den Philosophen des Markts der kluge selbstgefälligeAesop, für den räsonnirenden Demagogen der Volksfreund Thersites treffliche Typen.Die namentlich bei Mädchen so häufige Skoliose, die Verkrümmung nach seitwärts,gehört durchaus nicht hieher, sie kommt auch bei den beschränktesten Geistesanlagen vor.Gleicherweise giebt die große Menge und Mannigfaltigkeit weiterer Gebrechen, wie dieMisbildungen des Fußgelenks, der Klumpfuß u. s. f., Lähmungen, Verkümmerungs-,Hemmungsbildungen der verschiedensten Art durchaus keine besondern Momente an dieHand, und sie fallen schließlich, soweit nicht jede für sich besondere äußere Rücksichtenerheischt, unter denselben Gesichtspunct wie etwa chronische Krankheiten, wenn sie über-haupt noch als Krankheiten betrachtet werden können und nicht vielmehr als bleibendeFolgen abgelaufener Krankheitsprocesse. ^

Für alle die verschiedenen Fälle wird denn nun aber Eines zu sagen sein: daßwenn irgendwo, so hier, in der Behandlung der gebrechlichen Kinder die Liebe vorallem die Leiterin sein muß. Wenn nicht irgend eines dieser Kleinen geärgert werdensoll, so muß der natürliche Widerwille, den nur die Liebe überwinden lehrt, besiegtsein/ denn wie alle Kinder, so haben auch die gebrechlichen ein feines Gefühl für dieGesinnung, mit welcher man ihnen etwas thut, für den Herzensgrund, aus welchemheraus mau sie behandelt. Zunächst im Hause, in der Familie thut allerdings dieMutterliebe den Gebrechlichen vom zartesten Alter an mehr noch als gewöhnlichen Kin-dern noth/ nur ist leider dieselbe auch so oft geneigt, manches zu verderben. Soweitder Mutter Einfluß reicht, wird wohl ihr unglückliches Kind verwöhnt und verhätschelt,den übrigen Kindern vorgezogen, und dadurch seine Ansprüche an die Welt in einer