Gebrechliche.
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sehen, daß Thiere nicht selten die verstümmelten Genossen verfolgen und verjagen. Imalttestamentlichen Gesetze sind bekanntlich eine Anzahl von entstellenden Gebrechen auf-gezählt, welche den damit Behafteten zum auserwählten Priesterstande unfähig machten(3. ZN Mose 21, 17—24): ohne Zweifel, weil die äußerliche Tadellosigkeit und Voll-kommenheit ein Symbol der innern Heiligkeit sein sollte und ein Vorbild des untade-lichen Hohenpriesters (Hebr. 7, 26). Jene Satzung hat die römisch-katholische Kirchefestgehalten, obgleich im Neuen Testament in den Briefen an Timotheus und Titus(1. Tim. 3, 2; Tit. 1, 7) ganz andere Erfordernisse für den Leiter und Lehrer der Ge-meinde aufgestellt werden. Wenn wir andrerseits bei heidnischen, selbst bei sehr rohenVölkern eine Art von Respect, von religiöser Scheu wie vor den Wahnsinnigen so auchvor Gebrechlichen finden, so scheint dies andere Ursachen zu haben, die in dem unheim-lichen Wesen liegen, welches Gebrechliche häufig umgiebt und sie öfters gerade zum ge-heimnisvollen, fratzenhaften Zauberdienste geeignet macht. Im Durchschnitt ist auch beiden heutigen heidnischen und sogenannten Naturvölkern die Lieblosigkeit gegen Gebrech-liche vorherrschend. Das Aussetzen und Tödten krüppelhafter Kinder ist häufig genug.Bei den ostafrikanischcn Völkern ist es geradezu Gemeindesache, weil solche Kinder doch nurgroße Verbrecher würden, sagen sie. Anderwärts geschieht es ans einer Art von Huma-nität, die schnell fertig dem leiblichen Leben ein kurzes Ende macht, statt einer langenNoch: ja nach der Versicherung eines berühmten Geburtshelfers ist die Behauptung,daß bei weitem die meisten Misgeburten nicht lange leben, zwar richtig, aber dasFactum nicht durchaus bloß in natürlichen Verhältnissen begründet. Die echte, diechristliche Humanität macht es sich nicht so leicht, sie erbarmt sich auch dieser Armenund erwägt liebevoll, wie sie erzogen werden sollen.
Es ist bei der großen Verschiedenheit der Gebrechlichen ziemlich schwierig, Allgemein-gültiges über ihre Behandlungsweise festzustellen. Nicht einmal der Kanon, daß esschwächliche, körperlich keiner oder weniger Anstrengungen fähige Kinder seien, ist allge-mein wahr: es giebt unter ihnen solche, welche eine so kräftige Gesundheit besitzen, daßsie die angreifendsten Euren ertragen und leiblich und geistig ihre Kräfte ohne allenSchaden anstrengen können, wie jedes Kind. Die besondere Rücksicht auf den Kräfte-zustand wird allerdings eine der ersten, und in leiblicher Beziehung die Pflege der körper-lichen Entwickelung und Kräftigung mit besonderer Sorgfalt zu ordnen sein. So lockendan dieser Stelle die Gelegenheit wäre, auf die verschiedenen Systeme näher einzngehen,welche die Heilung oder Besserung der Gebrechlichen versuchen und mit der Hygieinederselben innig zusammen hängen, so haben wir doch bei der diesem Artikel vorgeschrie-benen Beschränkung uns dessen zu enthalten. Allein eines müßen wir uns erlauben,von medicinischem Standpunct kurz zu erörtern: nämlich die Typen für einige besondereElasten von Gebrechlichen, insofern hier Anhaltspuncte für die pädagogische Behandlunggegeben sind. Eine große Anzahl von Gebrechen bieten nämlich in ihrer äußern Er-scheinung nur den Ausgang eines tiefer liegenden, den Organismus besetzt haltendenconstitutionellen Leidens. Zn erster Linie stehen hier die Skropheln, welche namentlicheine Menge von Gelenkskrankheiten bedingen. Man hat bei ihnen einen irritabeln undtorpiden Charakter des Leidens unterschieden. Der Habitus des letzteren ist der eigent-liche bekannte Skrophelhabitus: dicker Kopf, große aufgeworfene Oberlippe, meistensauch dicke, wie geschwollene Augenlider und Nase, dünne Extremitäten und großer Bauch.Es sind Kinder, welche beständig essen wollen und zwar massige Nahrung, Mehlspeisen,Brod und dgl., während sie geistig ziemlich stumpf sich zeigen, dabei oft mürrisch und ver-drießlich sind und gegen die Außenwelt, gegen schmerzhaftes Angreifen besonders darumreagiren, weil sie dadurch in ihrer Ruhe gestört werden. Die irritable Form dagegenzeigt ein ganz anderes, fein markirtes Gepräge, hübsche Gesichtchen mit zarter Haut,öfters röthlichen Haaren, langen seidenähnlichen Wimpern, zarten Gliedern. SolcheKinder verrathen früh große Geistesanlagen, sind im 3ten Jahre schon witzig, dabeiüberaus empfindlich gegen äußere Eindrücke und Ereignisse. Die Loose scheinen zwischen
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