Gebet.
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von Gebetsgedanken und Gebetsworten in Stand gesetzt ist, sein eignes Anliegen vorGott auszusprechen. Aufgeweckte Kinder werden bald, manchmal in so naiver Weise,daß der mitbetende Erwachsene Mühe hat, darob den Ernst nicht zu verlieren, ihreeigenen Gedanken miteinflechten. Bei andern dagegen hält es schwer, den Uebergangvom Beten des Vorgesprochcnen und Auswendiggelernten zum eigenen Gebet zu finden;eine Nöthigung, vor irgend einem Zeugen, also gleichsam zur Schau oder zur Probeaus dem Herzen zu beten, wäre ein ungemeiner pädagogischer Fehler.*) Daß derZögling diesen Uebergang finde, ist Sache der göttlichen Führung, die in demselbenden eigenen Trieb zu beten allein erwecken kann, er wird aber, einmal angeregt, um somächtiger wirken, je besser jenes Nachbeten schon vorgearbeitet hat, Gedanken und Worteschon zur Verfügung stellt.
Wir haben oben angenommen, Vater und Mutter lehren das Kind beten. Wieaber wenn sie's nicht thun? Ob sie es thun oder nicht, in jedem Fall hat die christ-liche Schule die Verpflichtung, es zu thun, um, was das Haus vielleicht versäumt, zuersetzen und das Gebet von der Schule aus ins Haus zu verpflanzen. Indem täglichesGebet zur Schulordnung gehört, wird dem schon zum Theil entsprochen; es ist aberam Platze, daß in Verbindung mit Katechismus und Spruchbuch — bei den jüngern Kin-dern auch schon mit der Fibel — die Kinder geeignete Gebete und Gebetsverse aus-wendig lernen, die sofort auch zu Hause, auch für sich zu beten der Lehrer dem Kindeaufgiebt. (S. Bormann, Schulkunde III. Berl. 1859. S. 128: „Diese Forderungläßt sich freilich nur in Form der Ermahnung an die Kinder bringen; denn einerseitsist es wichtig, keine Forderung an die Kinder zu stellen, deren Befolgung man nicht zuüberwachen vermag; andererseits kann und soll das Gebet überall nur ein Act freiesterEntschließung und der Ausdruck innerster Lebenserhebung sein. Aber je weniger hierder Ort ist, in dem gewöhnlichen Sinne zu fordern, um desto dringender ist der Anlaß,in heiliger Liebe zu bitten und zu ermahnen .... Auch muß solche Bitte und Er-mahnung nicht einmal, sondern wieder und immer wieder bei den mannigfaltigen dazusich darbietenden Veranlassungen an die Kinder gelangen, damit ihrer Vergeßlichkeitaufgeholfen und der Ernst des Lehrers in dieser Sache gespürt werde; und sie muß sichverbinden mit der Frage an die einzelnen, ob der wiederholten Ermahnung genügtwerde." In letzterem Satze ist das „an die einzelnen" sehr zu betonen, denn vor denübrigen Schülern wäre solch eine Gewissensfrage nicht geeignet; es ist dies ein seelsorg-licher Act, der nur unter vier Augen Vorgehen soll.)
Beide Arten, das Gebet für die Kinder und die eigene Uebung der Kinder imGebet, das Betenlehren, treffen zusammen in dem, was wir Gebet mit dem Kindenennen, wobei also die Kinder mit dem oder den Erwachsenen eine Gemeinde bilden,und das Gebet ein gemeinsames ist. Dies geschieht in der Hausandacht, in der Schul-andacht, in der Theilnahme der Kinder am Gottesdienste. — Speciell die Schulandachtbetreffend / ist es nicht gut, wenn der Lehrer nur immer ein Kind der Reihe nach einGebet herlesen läßt, was am Ende nur wie eine Leseübung erscheint; vielmehr soll erselbst auch das Gebet sprechen, sei es, daß er jedesmal vor oder nach dem Schülerbetet, sei es, daß er nach Tagen mit den Schülern abwechselt. Er selbst aber soll auchnicht immer nur ein Gebet lesen, sondern, zumal beim Anfang oder Schluß einerWoche, oder wo irgend sich ein äußerer Anlaß bietet oder auch nur in ihm selbst ein
da war kein Wort, welches nicht ein distinctes Licht in meiner Seele zurückließ. Zn meinemLeben habe ich nichts fröhlicheres empfunden und das hatte in folgender Zeit die Wirkung, daßich, wenn ein heftiges Donnerwetter kam, davor sich mein Vater hinter den Umhang des Bettesverbarg, getrost dachte: Ich fürchte mich nicht, weil ich weiß, wie man zu Gott betet." Mithinals eine Kunst, über die einem erst ein Licht aufgehen müße, hat er sie erkannt; es war daszwischen seinem 7. und 8. Lebensjahre.
*) Vgl. was Harms in seiner Selbstbiographie S. iS erzählt. (S. auch in des Vfs.Katechetik S. 62.)