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Gebet.
sie also lediglich darin besteht, daß man nur nicht den Skandal eines Abfalls, einerNenegation auf sich nehmen will. Wo ein lebendiger Gott geglaubt und erkannt wird,wo ihm eines Herzens dankbare Liebe und inniges Vertrauen sich zugewendet hat, dakann solches alles nicht stumm bleiben, es sucht ihn, um ihm die Ehre zu geben, wieder Samariter, nachdem er vom Aussatze sich geheilt sah; es würde solch' tiefenDrang, dem Geber aller guten Gaben zu danken, in sich tragen, auch wenn es nichtwüßte, wer dieser Geber ist, würve ihn, d. h. eine Liebe, die der menschlichen Liebe dieHand reicht, suchen und am Ende in Baum und Quell, in des Waldes Rauschen unddes Meeres Brausen, in Sonne, Mond und Sternen ihn zu finden glauben, lieber vor diesendie Kniee beugen, als vor gar keinem Gott. Der Christ aber kennt ihn, weil er,ihm offenbargeworden ist, und so ist's ihm nicht eine Pflicht, nicht eine Auflage, die das Gesetz macht,daß er betet, sondern er thut's, weil er's nicht lassen kann, weil er seines Lebens undaller Güter nur froh wird, wenn er für sie als Liebesgabe dem Geber danken kann.Wer kein Gebet braucht und keinen Gott, dem ist hiernach einfach zu erklären, daß erein Egoist ist, der Wohl alles empfängt und genießt, aber ohne jene Liebesmacht in sichzu haben, die zum Danke treibt. Daher kann man auch niemanden zum Betenzwingen oder überreden, weil man auch zum Lieben niemanden nöthigen kann. DasDanken ist das Erste, das Bitten fließt erst aus jenem; an den Gaben Gottes sehe ich,daß ich ihn auch bitten darf. Aber noch mehr. Dank und Bitte heben sich nur alsconcreter formulirtes, durch irgend ein specielles Bedürfnis hervorgerufenes Beten ausjenem Allgemeinen heraus, das wir ein Beten ohne Unterlaß nennen; das ist einbeständiges Ruhen der Seele im Bewußtsein des in seiner Liebe wie in seiner Heiligkeit,Macht und Größe nahen Gottes, ein fortwährender Verkehr mit ihm, der eben ausder Liebe stammt; wie der Verkehr des Kindes mit den Eltern bald in Worten, darindas Herz alles mittheilt, wovon es bewegt ist, auch wenn es nichts besonderes begehrt,bald in Blicken ohne Worte, bald in stillen Gedanken sich vollzieht, so auch dieserstetige Umgang mit Gott. Durch ihn vermittelt sich auch der Zufluß von Kräften, mitdenen der Gläubige von Gott stets ausgerüstet wird, die ihn zu seiner Arbeit wie zumDulden und Tragen fähig machen. In Gott leben und weben alle Creaturen; indemaber der Mensch, weil er Mensch ist, sich dessen nicht bloß bewußt wird, sondern,was er ist, auch sein will, das Sein in Gott zum Inhalt seines Willens, zu freierThat erhebt, und zwar nicht bloß in der mittelbaren Weise des gottgefälligen Wan-dels, sondern in der unmittelbaren Form des Wortes, das er an Gott richtet, des Umgangs,in den er mit ihm tritt, entsteht ihm das Gebet. Nicht zu beten, ist also ein Zurück-sinken auf den niedern Standpunct der unbewußten, unvernünftigen Creatur, d. h. eineRoheit.
Ist dies — in wenigen Zügen angedeutet — die Genesis und Bedeutung desGebets, seine innere Notwendigkeit und solidarische Verbundenheit mit der Religion,so fragt es sich: welche Stellung dasselbe in der Erziehung einnehme? Es ist sowohlein Mittel als ein Zweck der Erziehung; der Erzieher betet für den Zögling und erlehrt den Zögling beten, weil dieser soll beten können, weil er, als Mensch, die oben-bezeichnete dem Menschen gebührende Stellung zu Gott einnehmen soll. Eine Erziehung,die den Zögling nicht beten lehrt, bringt ihn mit allem, was sie ihm sonst an BildungLeibringen mag, über jene Roheit nicht hinaus.
Also erstlich: der Erzieher soll für das Kind beten. Es steht aber bereits schief,wenn man dem Pädagogen das erst als ein Sollen auferlegen muß. Wir unsererseitsbegreifen nicht, daß eine Mutter, wenn sie ihr neugebornes Kind ans Herz drückt,wenn sie es zur Taufe tragen sieht, wenn sie an seinem Bette in kranken Tagen wachtoder ihre Augen an den glühenden Wangen des im süßen Schlummer liegenden Klei-nen weidet, nicht von selber ins Beten gerathen, oder daß ein Vater, der den Sohn indie Ferne ziehen läßt, ihn nicht betend in Gottes Obhut und Leitung befehlen sollte.Derjenige, der keinen Gott kennt, hat nur arme Wünsche, leere Worte und Hoffnungen,