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2 (1860) Director - Globus
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Fußreisen.

Gebet.

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(Scume, Mein Sommer, S. 200 der Ausg. in einem Band):Wer geht, sieht imDurchschnitt anthropologisch und kosmisch mehr, als wer fährt .... Ich halte den

Gang für das Ehrenvollste und Selbständigste in dem Manne, und bin der Meinung,

daß alles bester gehen würde, wenn man mehr gienge. Man kann fast überall bloßdeswegen nicht recht auf die Beine kommen und auf den Beinen bleiben, weil man zuviel fährt. Wer zu viel in dem Wagen sitzt, mit dem kann es nicht ordentlich gehen. . . . Wo alles zu viel fährt, geht alles sehr schlecht: man sehe sich nur um! So

wie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen

Humanität entfernt. Man kann niemand mehr fest und rein ins Angesicht sehen, wieman soll: man thut nothwendig zu viel oder zu wenig. Fahren zeigt Ohnmacht, GehenKraft. Schon deswegen wünsche ich nur selten zu fahren, und weil ich aus dem Wagenkeinem Armen so bequem und freundlich einen Groschen geben kann."*) G. Baur.

G.

Gebet (für die Kinder und mit ihnen). Das Gebet ist die unmittelbarste Bethä-tigung der Religion; wer nichts vom Beten weiß, hat keine Religion, eben damitsinkt er unter die Normallinie des Menschlichen herab. Dies ist christliche Thesis, vermagaber freilich, so kategorisch hingestellt, die vielen nicht zu überzeugen und zu fleißigenBetern zu machen, die deshalb, weil sie nicht beten, noch nie einen Mangel verspürthaben. Und wie dem Spotte der Thoren, so ist das Gebet auch den theoretischenBegriffen der Weisen nicht entgangen, die es als etwas zum mindesten anthropo-morphistisches zu erkennen glauben; es soll ja eine thörichte Vorstellung sein, daßGott, wenn er wirklich der sei, für den man ihn halte, auf all das, was irgendeinem Menschenkind einfalle ihm vorzusagen, horchen oder gar um solcher Supplikenwillen an seinem Weltplan etwas ändern sollte. Darin finden sich diejenigen, diedas Gebet entbehren können, bestärkt durch die vielfach thörichte, sei es heidnisch-superstitiöse, sei cs jüdisch-gesetzliche Art, wie die Betenden das Gebet betreiben;da entweder ein Gott angerufen wird, weil man dadurch seinem dämonischen ZorneVorbeugen zu können meint, oder lange Gebete nach Pharisäerart vorgetragen werden,um damit einem Gesetze zu genügen, um ein frommes, verdienstliches Werk zu voll-bringen, sich damit einer Pflicht zu entledigen und Lohn oder Lob zu verdienen. Aberdasselbe Christenthum, das dieses Plappern, dieses Gesetzeswerk verwirft, fordert undwirkt ein Beten ohne Unterlaß. Das Beten setzt schlechterdings einen persönlichen Gottvoraus; ich rede zu ihm, weil er ein Du ist für mein Ich. Wer also keinen persön-lichen Gott hat, für den giebt es allerdings nichts überflüssigeres, als das Gebet; esist ihm höchstens eine poetische oder rhetorische Apostrophe an eine fingirte Macht, aneine personificirte Naturgewalt oder Idee. Das Beten setzt ferner einen Gott voraus,der allwissend und allmächtig zugleich die Liebe ist, der darum ein Herz hat für seineGeschöpfe, der sich ihnen als Vater offenbart. Wer also zwar einen Gott hat, abersich ihn nach Art des kahlen Deismus vorstellt, kann ebenfalls sich nicht zum Gebetbewogen finden; wenn er's dennoch thut, so ist's nur die oft sehr wohlthätige Jncon-scquenz, da die Angst und Noth des Herzens alle rie Mauern durchbricht, welche einverirrter, in oberflächlichen Begriffen und trügerischen Schlüssen hängen gebliebener Verstandum dasselbe gezogen. Auch wenn man einen Gott zu glauben bekennt, so ist die Gebets-losigkeit das sichere Zeichen, daß man von solcher Religion überall keinen Gebrauch macht,

*) Wir machen insbesondere die Lehrer noch aufmerksam auf die vortreffliche Behandlungdieses Gegenstandes in GutsMuths Gymnastik für die Jugend neu bearbeitet von F. W. Klumpp.1847. S. 128136. Vgl. oben den Art. Ferien. Die Red.