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Fußreisen.
sie zu versuchen; ein Kampf, der dann für den jungen Kämpfer auch ohne Gefahr ist,wenn dieser, bevor die Anstrengung in Erschöpfung übergeht, auf eine trockne und warmeUnterkunft rechnen kann.
Wie ferner Fußreisen für die Bereicherung und namentlich für die Bele-bung des Wissens nutzbar gemacht werden können, ist bereits berührt worden. Dieoben angedeuteten Vortheile, welche der Naturkenntnis erwachsen, sind allerdings dieNächstliegenden und bedeutendsten. Doch gehen auch Geographie, Statistik und Ge-schichte nicht leer aus. Nicht bloß erhalten die geographischen Grundbegriffe von Berg,Thal und Ebene, Gebirgszug, Bergrücken und Wasserscheide, Quelle, Bach und Flußu. dgl. erst ihren realen Inhalt, sondern auch die Verhältnisse, welche Gegenstand derpolitischen Geographie bilden, die verschiedene Dichtigkeit der Bevölkerung, der Unter-schied des Stadt- und Landlebens, die Verschiedenheit der Bodenbeschaffenheit und derBodencultur werden klarer werden. Der Besuch industrieller Etablissements wird dazudienen, nach dieser Seite hin den Blick zu erweitern; ganz besonders aber bieten dieDenkmale der Vorzeit zu geschichtlicher Belehrung Veranlassung dar, die gewiß niemalsbesser haftet, als bei solcher Gelegenheit. Für die so geleitete Jugend sind die Wortedes alten Turnerliedes: „Und uns allen wohlbekannt wird das deutsche Vaterland"keine bloßen Worte mehr: daß ihm das deutsche Vaterland bekannt und lieb wird, istdie schönste und werthvollste Errungenschaft des rüstigen Wanderers.
Dies führt uns auf den letzten Punct, auf den Einfluß, welchen Fußreisen auf dieBildung des Gemüthes üben. Vor allem kommt nur der Fußreisende der Naturund ihren Schönheiten recht nahe; nur er kann sich ihr völlig ungestört hingeben. Aberauch den Menschen kommt er näher. Er kann sie ruhig beobachten in ihrer Arbeit, inihrer Noth und in ihrem Genuß, und zu dem eingehenden Gespräche mit den Begeg-nenden, welches das Gesehene erläutert und deutet, findet nur er Gelegenheit. Undwie die glückliche, heitere Jugend für die bittende Armut Herz und Hand offen habenwird, so schließen auch ihre Herzen gegeneinander in innigerer Freundschaft sich auf,und es bietet sich reichlicher Anlaß, in wechselseitiger Aushülfe und in der Unterstützungder schwächeren diese Gefühle zu bewähren. Das freudig bewegte Gemüth aber findetseinen Ausdruck im Gesänge, welchen der Erzieher nicht bloß als Syniptom einer wün-schenswertsten glücklichen Stimmung begrüßen, sondern auch als Mittel, diese Stimmunghervorzurufen, begünstigen wird: ein frisches Lied läßt augenblickliche Beschwerden ver-gessen und unwillkürlich folgen die ermüdeten Füße seinem muntern Takt.
Zum Schluß sei nur noch an einige rüstige Fußwanderer erinnert, deren Beispielzur Nachahmung aufzufordern Wohl geeignet ist. Vor allen an Göthe. In seinenjungen Jahren war er vom Wandern ein so großer Freund, daß er sich selbst denNamen „Wanderer" beilegte, ja an seinem 23. Geburtstage (28. August 1772), da ervon Wetzlar aus seinen Freund Höpfner besuchte, unter diesem Pseudonym in die GießenerFremdenliste sich einzeichnen ließ. In späteren Jahren war es seine Freude, Knabenauf seinen Reisen zur Begleitung mitzunehmen, denen er als trefflicher Pädagog dieVortheile des Fußreisens aufs beste zuzuwenden wußte (vgl. Oldenberg, Grund-linien der Pädagogik Göthe's. Zittau, 1858, S. 97). Seine schönsten Lieder spiegelndie auf den frischen Wanderungen empfangenen Natureindrücke wieder: den Jubel des „Mai-liedes," die wunderbare Schilderung des Grauens der allmählich heranschleichenden nächt-lichen Finsternis im Anfang von „Willkomm und Abschied," die unvergleichlichen Verse:„Wie traurig steigt die unvollkommne Scheibe des rolhen Monds mit später Glut heran!"und vieles ähnliche, das konnte nur ein „Wanderer" dichten! Nächst Göthe nennenwir Schleiermacher, vorzüglich wegen der sokratischen Herrschaft über sich selbst,womit er einen oft kränklichen Körper zu den Anstrengungen der Fußreise zu zwingen,an ihre Beschwerden zu gewöhnen unv am Ende doch seinem Geiste den erfrischendenEinfluß dieser nalurgemäßcsten Bewegung zu verschaffen wußte. Besser aber können wirnicht schließen, als mit Len Worten des rüstigen „Spaziergängers nach Syrakus"