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Fußreisen.
gleichen Genusses und gleicher Anstrengung so innig sich aneinander an, wie an denLehrer, der aus den bestimmt abgeprägten und gleichförmigen Verhältnissen der Schuleheraus in den mannigfaltigen persönlichen Verkehr einer Lebensgemeinschaft mit uns ein-getreten war, als väterlicher Freund durch wohlmeinenden Rath, ermunterndes Beispielund freundliche Beihülfe leitend und unterstützend. Gewiß, wer solche Eindrücke sichvergegenwärtigt, dem kann nicht entgehen, wie heilsam es ist, wenn die Lehrjahre unsererJugend zum Theil auch Wanderjahre sind. Versuchen wir den Grund und die ein-zelnen Momente jener Eindrücke uns etwas deutlicher zu machen!
Um mit dem allgemeinsten zu beginnen, so haben wir einen Hauptnutzen der Fuß-reisen schon in dem gesammten Verhältnisse zu erkennen, in welches sieZöglinge und Erzieher zu einander bringen: in keinem anderen Falle trittder Zögling so in seiner gesammten Persönlichkeit dem Erzieher gegenüber, in keinemandern ist die pädagogische Einwirkung des Erziehers so unbehindert. Währendin der Schule der Zögling eben nur Schüler ist und die beim Schulunterricht unerläß-lichen festen Ordnungen die freie Bewegung des einzelnen nothwendig zurückdrängeu,giebt er sich auf der Reise als Mensch und entfaltet unbefangen seine gesammte Eigen-thümlichkeit. Der Vortheil, welchen Jahn (Deutsche Turnkunst, S. 215) vor andernErziehern, dem Vorsteher einer Turnanstalt zuschreibt, er kommt ans einer Fußreisejedem Lehrer im wesentlichen zu gut: „offenbarer, als jedem andern entfaltet sich ihmdas jugendliche Herz. Der Jugend Gedanken und Gefühle, ihre Wünsche und Nei-gungen, ihre Gemüthsbewegnngen und Leidenschaften, die Morgenträume des jungenLebens bleiben ihm keine Geheimnisse." Andererseits bringt es zwar die Natur derSache mit sich, daß ans der Reise die Zügel der Disciplin etwas minder straff ange-zogen werden; aber dafür fallen hier auch eine Menge Hindernisse des pädagogischenEinflusses weg. Insbesondere bieten Fußreisen einen ganz vortrefflichen Anlaß zur Be-seitigung verweichlichender häuslicher Gewohnheiten in Bezug aus Kleidung, Nahrungu. s. w. Dergleichen Schwächen thun sich großenteils bei solchen Gelegenheiten ersthervor, werden zum Theil schon durch die Verwunderung kräftiger gewöhnter Genossenzurückgedrängt, und jedenfalls wird es dem Erzieher nicht schwer, ihre Beseitigung an-zubahnen, da die Einwirkung überängstlicher Eltern ihn nicht hindert, die allen vorge-schriebene gemeinsame Reiseordnung aber dem Einzelnen es leicht macht, auch Ungewohn-tes mitzumachen, ganz abgesehen davon, daß zur Befriedigung jener übelangcwöhntenBedürfnisse sich häufig nicht einmal die Möglichkeit finden wird. So können auch kleineFaßreifen in den Zöglingen selbst gegen eine weichliche häusliche Zucht eine heilsameReaction begründen. Und wie das freiere Zusammensein die Zöglinge auffordert, ihrWesen dem Erzieher unbefangen zu erschließen, so giebt es auch diesem mannigfaltigeGelegenheit, das Vertrauen der Zöglinge zu ihm zu vermehren und zu befestigen, durchdas ermunternde Vorbild der eigenen Rüstigkeit und guten Laune bei den Anstrengungenund Beschwerden, welche die Reise mit sich bringt, durch die Umsicht und Sicherheit inder Behandlung der äußeren Lebensverhältnisse, durch die Fähigkeit, auf die tausendFragen, welche die wechselnde Umgebung veranlaßt, Rede und Antwort zu geben, durchdie freundliche Sorgfalt, womit er die kräftigeren leitet, die ermüdenden ermuntert,die schwachen unterstützt. Und endlich dient nichts so sehr dazu, den eigenen Geistfrisch und empfänglich zu erhalten, als die Bewegung mit der munteren Jugend in derfreien Natur, so daß der Lehrer schon um seiner selbst willen diese Erholung suchen sollte.
Die für pädagogische Einwirkung so günstige Situation, welche durch Fußreisenherbeigeführt wird, erweist sich nun vor allen Dingen für körperliche Kräftigung'und Uebung ersprießlich. Grade darin liegt für unser sitzendes und lesendes undschreibendes Zeitalter der Hauptwerkh dieser Reisen. Wie die Turnkunst (I a h n, a. a. O.S. 209), sollen auch sie helfen „die verloren gegangene Gleichmäßigkeit der mensch-lichen Bildung wieder Herstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leib-haftigkeit zuordneu, der Ueberfeinerung in der wiedergewonnenen Männlichkeit das