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Doch soll hier nicht vom Spazierengehen gehandelt werden, sondern eben von Fuß-reisen. Eine Fußreise unterscheidet sich von einem Spaziergange hauptsächlichdurch die Verschiedenheit des verfolgten Zieles und demnächst durch ihre längere Dauer,woraus die übrigen Unterschiede von selbst folgen. Der Spaziergänger sucht in be-kannter, gewohnter Umgebung, die zugleich den Geist angenehm berührt, ohne ihn auf-zuregen, in wenig anstrengender Bewegung lediglich Erholung von geistiger Anstrengungoder auch von einseitiger körperlicher Thätigkeit. Der Reisende verfolgt ein bestimmtesZiel, welches jenseits der gewohnten Umgebung liegt und zugleich im Stande ist, diegrößere Anstrengung und die längere oder kürzere Verzichtleistung auf die gewohnteLebensordnung zu belohnen, ohne welche es nicht erreicht werden kann. Wir stehenhiernach nicht an, den Gang nach einer mehrere Stunden entfernten Höhe, einem Strom,einer Burg, oder einem interessanten Puncte anderer Art, wenn Hin- und Herweg einenvollen Tag in Anspruch nimmt, schon unter den Begriff der Fußreise zu fassen; nochmehr ist die Anwendung dieses Begriffes gestattet, sobald die Entfernung so groß ist,daß an einem fremden Orte übernachtet werden muß. Ja, wir haben bei diesem Artikelganz besonders solche kleinere Fußreisen im Auge, welche ein oder mehrere Lehrer miteiner größeren Anzahl von Zöglingen ausführen, weil diese fast in allen Schulen möglichgemacht werden können, auch ohne den Sonntag zu Hülfe zu nehmen oder die Ferienabzuwarten, während größere gemeinsame Ferienreisen ein Zusammentreffen von gün-stigen Bedingungen voraussetzen wie es nur selten eintritt. Doch bieten glücklicherweiseauch jene kleineren Reisen, wenigstens der Art nach, im wesentlichen dieselben Päda-gogischen Vortheile, wie die größeren, und von dem vorzugsweise über sie hier zu Sagen-genden läßt sich mit Leichtigkeit die Anwendung sowohl auf größere gemeinsame Schul-reifen als auf solche Reisen machen, welche ein einzelner Erwachsener mit einem einzelnenZöglinge, etwa der Vater mit dem Sohne, unternehmen will. Auch für die weiblicheJugend würden jene kleineren Reisen sehr heilsam sein, da in den sogenannten gebildetenStänden die Mädchen das Gehen nicht selten förmlich verlernen und damit einen Theilder reinsten, kräftigendsten und bildendsten Genüße entbehren müßen. Uebrigens habenwir hier nur den pädagogischen Gesichtspunct zu vertreten, und von den zahlreichen undanerkannten diätetischen Vortheilen der Fußreisen kann nur gelegentlich die Rede sein.Wer darüber genauere Belehrung wünscht, findet sie bei: Hilarius, Buch vom Reisen.Berlin, 1824; C. H. Th. Schreger, Reisediätetik. Halle, 1827, wo S. 51—75 „Ge-sundheit- und andere Lebensregeln für Fußreisende" recht zweckmäßig zusammengestelltsind; L. Fleckles, Die Krankheiten der Reichen. Wien, 1834, S. 101 ff.; Oe st er len,Handbuch der Hygieine. 1. Ausl. Tübingen, 1857, S. 651.
Wir beginnen mit denWorten Räumers, der, selbst ein vielgewandter Wanderer,zum Preise der Fußreisen sagt (Gesch. der Päd. III, S. 217): „Die beste Gelegen-heit zu Abhärtungen und Entbehrungen aller Art geben Fußreisen. Schlechtes Wetter,böse Wege, elende Wirthshäuser und andere dergleichen Unannehmlichkeiten widerfahrenauch dem glücklichsten Reisenden. Das erträgt sich alles, besonders in jugendlicher Ge-sellschaft mit Muth, ja mit fröhlichem Uebermuth; wer bei Regenwetter und schlechterKost sauer sieht, der leidet doppelt. Es ist zu beklagen, daß Dampfschiffe und Dampf-wagen dem Fußreisen der Jünglinge großen Eintrag thun." — Schade, wenn nichtjeder Erzieher aus eigner Erfahrung einstimmen kann in diesen Preis! wenn ihm nichtdie Erinnerung auftaucht an jene glücklichen Tage, wo man am frischen Morgen desAusmarsches in munterem Schwarme muthig und erwartungsvoll, wie ein Eroberer, aus-rückte, einer friedlichen, niemand beeinträchtigenden und doch sicheren Eroberung entgegen.Nach ein paar Stunden schon that eine neue Welt sich auf, wo alles die Aufmerk-samkeit wunderbar anregte, zumal da, was viele junge Augen, noch obendrein durch dieErmunterung des Lehrers geweckt, entdeckt hatten, doch einem jeden einzelnen zu gutkam. Wie wurden da so manche Lehren der Naturgeschichte, Geographie, Geschichte,ihren wirklichen Objecten gegenüber, erst recht lebendig! Wie schloß man im Gefühle