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Fußreisen.
Fnßreisen. (Vgl. A. Kapp, Die Gymnasialpädagogik im Grundrisse. 1841,S. 182—191; Baur, Grundzüge der Erziehungslehre. 2. Ausl. 1849, S. 216-18-Raumer, Gesch.d. Pädagogik, 1847. III, S.217; Palmer, Ev. Pädagogik(1. Ausl.),I, S. 192 ff.; Schieber, Ein ärztlicher Blick in das Schulwesen. Leipzig, 1858;Derselbe, Die planmäßige Schärfung der Sinnesorgane. Leipzig, 1859).
Daß Fußreisen als Erziehungsmittel empfohlen werden, setzt, insoweit es sichdabei um Beförderung des Könnens handelt, Verhältnisse voraus, in welchen das Gleich-gewicht zwischen leiblicher und geistiger Bildung auf Kosten der ersteren gestört ist; in-soweit das Wissen bereichert werden soll, Verhältnisse, in welchen dem Gebildeten einüber die unmittelbare Umgebung, worin er zu wirken berufen ist, hinausgehendes In-teresse zugemuthet und demgemäß auch von der Erziehung die Erweckung und Befrie-digung eines solchen Interesse erstrebt wird: von dem pädagogischen Werthe der Fuß-reisen weiß darum erst die moderne Pädagogik zu reden. Im Alterthum trat einerseitsdie Rücksicht auf das Wissen hinter der auf ein den Nächstliegenden einfachen Lebensaufgabendienendes Können zurück, andererseits wurde für dieses letztere die leibliche Kraft nichtminder vorbereitet, wie die geistige. Obgleich darum auch z. B. viele griechischeWeisen mit Göthe sagen konnten: „Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert,"und obgleich die griechische Gymnastik, wie die Kraft, Gewandtheit und Ausdauer desKörpers überhaupt, so auch die Marschfertigkeit in hohem Grade ausbildete, wofürnamentlich die sogenannten Hemerodromen einen Beweis liefern*): so wurde doch aufFußreisen als auf ein besonderes Mittel leiblicher und geistiger Bildung kein Werthgelegt, ja den Spartanern erschien bei den Anstrengungen, die ihre Gymnastik demKörper zumuthete, Spazierengehen als ein erschlaffendes Sichgehenlassen: Aelian(Var. lllst. II, 5) erzählt: „Als die Ephoren zu Lacedämon erfuhren, daß ihre Leute,die in Decalia in Besatzung lagen, Abendspaziergänge zu machen pflegten, so entbotensie ihnen: „Gehet nicht spazieren." Denn ihre Ansicht war, es sei dies ein Vergnügen,nicht aber eine körperliche Anstrengung, und die Lacedämonier sollten nicht durch Spa-ziergänge, sondern durch Leibesübungen für ihre Gesundheit sorgen." Auf der anderenSeite dürfen wir in der Werthlegung der späteren Römer auf die umbnlutio einSymptom des Uebergangs zu modernen Zuständen und Anschauungen erkennen (z. B.Seneca, De trang. unimi, o. 17: InänIZencknin esb unimo äunäningns snllinäsvtium, guoä ullmenti so virinm looo sit, et in amdniationibns apertis vuAunänm,nt ooslo libsro et mnlto spiritn anASut nätollatgue se aniinns. aliguanäo veotutioitsrgne st mntuta regio vigorem äudnnt).
natürliche Mensch in einen geistlichen umgewandelt werde. Dazu gehört nun auch, was Raumer(Gesch. d. Päd. III, 5 S. 183) räth, die Kinder sollen beim Tode der Liebsten lernen, die Tobtenseien nun beim lieben Gott, durch den Tod gelange man in den Himmel zum Heiland, sie sollenschon frühe die hierauf bezüglichen Bibelsprüche und die schönen tröstlichen Verse aus unfern altenKirchenliedern lernen, damit sie alle Thränen, die sie vergießen sehen, nur auf das schmerzlicheVermissen der geliebten Seligen beziehen; weichmüthige Kinder weinen mit, denen, die nicht weinen,soll man es nicht als Hartherzigkeit auslegen; der getroste Glaube der Kinder kann in solchenFällen den Alten selber zum Tröste werden. — Eine weitere Art von Furcht, die Furcht vor derStrafe, ist in dem Art. Strafen zu besprechen. D. Red.
*) Die gewöhnliche Weite eines Tagmarsches betrug bei den griechischen Heeren 3—4 deutscheMeilen; doch kommt in besonderen Fällen eine Steigerung bis zu 6, ja bis zu 10 Meilen vor(Rnstow und Köchly, Geschichte des griechischen Kriegswesens. Aarau, 1852, S. 189. 30S).Nach der Schlacht bei Salamis lief der Platäer Euchidas, um von Apollons Altar reines Feuerzu holen, den Weg von Platää nach Delphi und zurück, also 1000 Stadien oder 25 deutscheMeilen, in Einem Tage und wurde freilich ein Opfer dieser patriotischen Anstrengung. Nochmehr und überhaupt das Größte, was in dieser Beziehung geleistet worden ist, würde neuer-dings der englische Schnellläufer Cootes geleistet haben, der 1000 englische, also 217 deutscheMeilen, in 100 Stunden, also 4 Stunden mehr als 4 Tagen, zurückgelegt haben soll (Valen-tin, Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 2. Aust. Braunschweig, 1847, I, S. 117 ff.).