Furcht.
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liche Grauen, welches Nacht, Finsternis, Einsamleit für den Menschen und insbesondrefür das Kind in sich schließen, gleichsam verhöhnen zu wollen, statt sich zu begnügen/cs zu besiegen, wo sich diese Aufgabe unherausgefordert einstellt. l
Die Furcht vor der Dunkelheit ist eine der häufigsten Erscheinungen und finvetsich auch unabhängig von jedem bestimmten Aberglauben, wenigstens von dem Aber-glauben, insofern er Uebernatürliches zum Gegenstände hat; denn in Wahrheit ist dieVoraussetzung in allen Ecken lauernder Bösewichter, Diebe und Mörder ihrem Wesennach auch ein Aberglaube. Wo die Furcht vor der Finsternis bei Kindern stark aus-gebildet ist, namentlich bei Kindern, welche über die ersten Jahre hinaus sind, wird inder Regel, wenn auch noch so versteckt, ein Aberglaube dieser oder jener Art zu Grundeliegen und es wird stets erforderlich sein, mit Vorsicht danach zn forschen. Ob dieFinsternis auch an und für sich schreckhaft sei, ist streitig geworden. Ohne Zweifel kanngut gewöhnten Kindern unter gewöhnlichen Verhältnissen und in ihrer gewöhnlichen Umge-bung diese Empfindung ganz fern gehalten werden; allein man muß sich hüten nach solchenErfahrungen obigen Satz zu verneinen. Die deutschen Philanthropisten, hierin consequenterals Rousseau, haben freilich angenommen, daß auch die Furcht vor der Finsternis, ebensodie Furcht vor gewissen Thieren, wie Mäusen, Spinnen, Fröschen u. s. w. nur durch ver-kehrte Behandlung in die Kinder hineingebracht würde (vgl. die Anmerkungen vonCampe, Trapp, Gedike zu Aeußerungen von Rousseau und Locke, Allgem. Revision II,S. 533 ff. IX, S. 345). Allein die Bemerkung , daß diese Furcht, wenn sie natürlichwäre, auch unter allen Umständen eintreten müßte, genügt nicht, da die Gewöhnungauch manches andre seine Wirkung verlieren läßt. Unter ungewöhnlichen Umständen,namentlich in fremder Umgebung, werden auch gut gewöhnte Kinder leicht in den Fallkommen, das Schauerliche der Finsternis zu empfinden. Uni unter allen Umständen zusichern, muß daher nothwendig zu der Gewöhnung Pflichtgefühl und Gottvertrauenhinzutreten. Daß bei einmal vorhandener krankhafter Neigung zur Furcht nicht mitStrenge zu verfahren und Furcht mit Furcht zu vertreiben ist, wird von einsichtigenPädagogen aller Richtungen angenommen. Ein ernstes Wort, selbst eine Strafe zurrechten Zeit, mag zwar angewandt werden, aber die Hauptsache wird bleiben, anfangsdie Anlässe möglichst zu vermeiden, auf physische und geistige Stärkung im allgemeinenhinzuarbeiten und sodann allmählich und mit möglichster Vermeidung neuer Ausbrüchein der Gewöhnung fortzuschreiteu. Noch gefährlicher als die Furcht ist der Schrecken,der nicht nur als acute Form der Furcht zu betrachten ist, sondern auch eigenthümlicheUrsachen und Wirkungen hat, die noch weit enger als die der Furcht mit der physischenNatur Zusammenhängen. Schreckhaftigkeit kann ebensowohl Folge von Schwäche sein,als auch heftiger und namentlich wiederholter Schreck Physisch zu Grunde richten kann.—Ueber Furcht in physiol. und Psychol. Hins. vgl. Domrich, psych. Zustände, Jena 1849.Lotze, medicin. Psychologie Z. 440ff. Volkmann, Grundr. der Psych. 8-127. —Von älteren Pädagogen handelt über Gespensterfurcht Naxllsrm Vs§iug I, o. 11. —Von Neueren vgl. Campe, Allg. Rev. II, S. 508—552. Schwarz, Erzielst. 2. Ausl.II,212ff. Beacktenswerth ist die Mittheil, in „Erziehungsresultate," Hannover1857. S. 234 ff. — (Vgl. die Art. Aberglaube, Aengstlichkeit, Blödigkeit).*)
A. Lange.
*) Die Furcht vor wirklichen Gefahren kann dem Kinde nicht in jedem Falle erspart, sie sollnur durch Belehrung und durch die Ruhe und den Mnth der Erzieher gemäßigt werden. DasBeispiel ist auch in diesem Stücke von besonderer Wichtigkeit; wenn die Mutter bei jedem gerin-gen Leiden, das sie trifft, seuszt und jammert, bei dem kleinsten Unfall, der dem Kinde drohtoder zustößt, aufschreit, bei den Donnerschlägen des Gewitters erschreckt zusammenfährt u. dgl.,so nimmt oder schwächt sie dem Kinde vielleicht auf sein Lebenlang jenen natürlichen Mnth, derauch in sittlicher Beziehung von unschätzbarem Werthe ist. — Am tiefsten steckt in dem natürlichenMenschen die Furcht vor dem Tode, und ihre Bekämpfung fällt in gewissem Sinne mit derAufgabe der Erziehung im allgemeinen zusammen, sofern nämlich diese dazu helfen will, daß der
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