Fürstenschulen
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z. B., es im allgemeinen gebracht wurde. Und hat etwa diese von manchen einseitiggescholtene Uebung, hat etwa diese im Leben keinen materiellen Vortheil gewährendeFertigkeit nicht die besten Früchte getragen? Ist sie nicht der einzige Grund der inder ganzen Welt anerkannten Tüchtigkeit der Fürstenschüler? Wenn die Fürstenschulendaher in der Pädagogik einen anerkannt heilsamen conservativen Einfluß geübt haben,so verdanken sie dies jenem Geiste, in dem sie gegründet wurden und der nie aus ihnenentschwunden ist, jenem gesunden, pädagogischen Grundsätze, der weit entfernt das Wissenzu verachten, doch das Können, die Entwicklung und Stärkung der Kraft voranstellt,jenem in ihnen traditionell fortlebenden Grundzuge ihres Wesens, der jeden schnellergriff und forttrug. Nicht übergehen dürfen wir, wie viel zu der wissenschaftlichen Aus-bildung ver Zöglinge jene gleich von Anfang getroffene Einrichtung, wornach di^Oberenden Unteren Unterricht zu ertheilen haben, beitrug.
Neben der Lehre haben wir in den Stiftungsurkunden am Eingänge dieses Artikelsdie Zucht betont gefunden', das zweite Erziehungsmittel, welches Gottes Wort denEltern ans Herz legt. Auch hier bewährt sich die Weisheit der.Stifter darin, daß dieGrundzüge der disciplinellcn Einrichtungen trotz vielfacher Modificationen im einzelnendennoch bis ans den heutigen Tag stehen geblieben sind. Wenn man die ältesten Schul-gesetze*) betrachtet, so wird man überall Gottes Gebot als den Ausgangspunct finden,und den tiefsten Ernst, dasselbe auch im Kleinsten zu erfüllen, Demuth, Gehorsam, Be-scheidenheit, Züchtigkeit selbst im Aeußern darzustellen. Die Disciplin trug nach demCharakter der Zeit in den häufigen vorgeschriebenen religiösen Uebungen und in derBeschränkung der Freiheit, die sogar beim Essen das Anhöreu nützlicher Vorlesungenforderte, einen mönchischen Charakter,**) aber wer da weiß, daß Frömmigkeit, Selbst-überwindung, Entsagung, Pünctlichkeit und Ordnungsliebe die Grundpfeiler der Erziehungsind, der wird wohl hier und da die Wahl falscher Mittel tadeln, aber dem Willenund Streben die vollkommenste Anerkennung zollen, und selbst dem Streben allen Klei-derluxus abzuschneiden. Die Fürstenschulen würden in der That einen frevelhaftenAbfall von dem Willen ihres Stifters begehen, wollten sie den Ernst der Zucht auf-geben, abgesehen davon, daß schon die Selbsterhaltung, was anderwärts pedantisch er-scheint, hier zu einem nothwendigen macht. Die Gemeinsamkeit des Lebens, welche jaauch so unendliche Vortheile gewährt, fordert von jedem Zöglinge zu ihrem Bestehendie Auferlegung eines Zwanges, das Versagen vieler Dinge, die anderwärts alsgleichgültig betrachtet werden können. Mag mancher Nachtheil einer so ernsten undstrengen Zucht nachgewiesen werden, die Heilsamkeit derselben wird durch überwiegendeZeugnisse bewiesen.***) Tyrannisch würde diese Strenge nur dann mit Recht genanntwerden können, wenn sie der Besserung keinen Raum gestattete, daß aber zu jeder Zeitauf den Fürstenschulen die Langmuth geübt worden ist, welche den Fehlenden Zeit zurBesserung läßt, aber auch eine Zeit ihrer Erschöpfung fest hält, ist ebenso gewiß, wiedaß der Laune und Willkür stets ein fester Damm gezogen war. Unter den Strafenfindet sich zwar in der ältesten Zeit die baoulatüo, doch bezeugen alle Nachrichten, daßsie nur selten zur Anwendung gekommen ist. Entziehung der Wohlthat, also Ausschluß
*1 Palm a. a. O. S. 30—38.
**) Daß schon von Anfang an der Zeitgeist gegen die Disciplin sich sperrte, sieht man ausdem Urtheile, welches Joh. Cogeler und Petrus Vincentius um 1570 über die Meißner Schuleerstatteten: klon plLcuit rutio Itlisnsusls, czuock proptsr nimiuin ckisoixlinus soverloris ri^orosi-tntein ivonacbos iusnlsos potins czuum viros poll tos ut<zuo ctootos praestarst. S. Mül-ler I. S. 70, wo aber auch die beifälligen Beurtheilungen Auswärtiger zu lesen sind. Daß auchdas Volk bei der Gründung der Fürstenschulen die Aufrichtung einer neuen Möncherei argwöhnte,darüber giebt Lorenz Bericht S. 21 urkundlichen Beweis.
***) Lauge's Rede : äs sovsritats cklsolptiuLo l?ortonsis. Weichert: äs antiyna sobolurninprovinciulinin äisoipliuu einsgns salnbrituts. 6rimmu 1828; auch in Friedemanns Samm-lung von Schulredeu abgedruckt.