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2 (1860) Director - Globus
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Fürstenschulen.

Gymnasien. Gehen wir die vorhandenen Lectionspläne durch, so finden wir die Fürsten-schulen mit den meisten für wohl eingerichtet geltenden Gelehrtenschulen der jedesmaligenZeit in Einklang (S. die Beilagen bei Palm a. a. O.). Theologische und classischeStudien überwiegen anfänglich die nur spärlich bedachte Mathematik, während der Ge-sang eine ausreichende Berücksichtigung findet, dann aber Logik und Dialektik stark be-trieben. Die mathematischen Studien fanden zuerst ernste Beachtung. In Meißen ward1724, in Pforta 1725, in Grimma 1726 ein eigener Lehrer dafür angestellt. DasBedürfnis des Geschichtsunterrichts wurde im Anfänge des 18. Jahrhunderts tief ge-fühlt*) und bald seit 1727 durch geographische und geschichtliche Lectionen zu befriedigengesucht. Die Hebung in der deutschen Sprache blieb freilich lange Zeit auf das Ueber-setzen aus den alten Sprachen beschränkt, doch wurde schon 1727 und 28 die Uebungder unteren Schüler in deutschen Briefen und das Achten auf die Reinigkeit der deutschenSprache bei dem Uebersetzen, bald auch die Correctur deutscher Aufsätze anempfohlen;schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begann in Pforta der Professor Ll. JohannGottlieb Schmidt deutsche Literatur zu lehren. Für die neueren Sprachen wurde bereitsim vorigen Jahrhundert gesorgt (1724 ein französischer Sprachmeister in Meißen), auchseit 1719 Tauzunterricht ertheilt. Man kann daher nicht mit Recht behaupten, daß dieFürstenschulen neben den alten Sprachen alle andern Elemente der Bildung ausgeschlossenhätten, wohl aber haben sie den classischen Unterricht als den Kern und Mittelpunctstets festgehalten und selbst mit tyrannischer Kraft. **) Ebenso ist es ein Jrrthum, wennman vie philologische Gelehrsamkeit als das Ziel der Fürstenschulen hinstellt. IhrHauptverdienst ist vielmehr zu allen Zeiten darein zu setzen, daß sie nicht auf denUnterricht, sondern auf das eigne Arbeiten der Schüler das größte Gewichtlegten. Schon die ältesten Ordnungen stellten überall Arbeitsstunden zwischen die Lectionenund ganze Tage zu dem eignen Studiren hin; die Emendation (die Zurückgabe undVerbesserung der gefertigten Arbeiten) nimmt immer einen bedeutenden Raum ein.Allerdings hatten hierbei die Fürstenschulen als Alumnate größere Mittel die Thätigkeitzu erhalten und zu überwachen, allein wir könnten auch Hunderte von Zeugnissen an-führen, welche darlegen, wie schnell der Geist den Zögling ergriff, mit welcher Lust ge-arbeitet wurde ***) und zu welcher staunenswertheu Fertigkeit, in lateinischen Versen

erfolgte Anstellung von Collaboratoren hat sich als mit den ursprünglichen und traditionellenEinrichtungen nicht harmonirend nicht bewährt; man mußte vielmehr die Erfahrung machen, daßnur mit der vollen Auctorität bekleidete Lehrer auch gut zu wirken im Stande seien. S. Kirchnerim Progr. 1843 S. 89 ff.

*> Müller I. S. 39.

**) Wenn im vorigen Jahrhunderte die Uebung in deutschen Versen und die Lectllre derModeschriftsteller für ein Verbrechen galt, so kann man vernünftigerweise darin nichts anderessehen, als wenn heutzutage ein Lehrer einen Schüler, den er dem Literatenthum statt einem ern-sten Lebensberufe entgegeneilen sieht, mit allen Mitteln davon abzubringen sucht. Die Lesewuthunserer Jugend sollte eine billigere Beurtheilung der Vergangenheit vermitteln. Man brauchtübrigens nur auf die Valediction Klopstocks bei seinem Abgänge von Pforte hinzuweisen, umden Beweis zu liefern, daß die Fürstenschulen ein wahres inneres Streben nach dem Höchstennicht tödteten, sondern hoben. Wenn Danzel im Leben Lessings dem Pcdantismns der MeißnerSchule manches in dessen späterem Leben zuschreibt, so muß man dagegen in die Wagschale wer-fen, wie viel denn der große Geist eben dadurch gewonnen.

***) Es genüge eine Aeußcrung Klopstocks aus einem Briefe an den Rector Heimbach (Schmidtund Kraft S. 81):Die Pforte bekommt, wie ich höre, noch 6 Lehrer und ein neues Schulge-bäude. Werden jene in den Repetirstunden (d. h. Arbeitsstunden) vorgeschriebenen Unterrichtgeben? Oder wird den Schülern, wie sonst, freistehen, nach eigener Wahl zu arbeiten, sollte esauch zuweilen nur wenig sein? Wenn im ersten Falle das Lehren in einem fort geht, und danndie Repetirstunden cingehen, so wird die Pforte ein Pädagogium und es ist, fürchte ich, bald ausmit ihr." Vgl. auch die Aeußerungen von Thiersch und Döderlein in den pädagogischen Verhand-lungen der Philologenversammlung zu Stuttgart.