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2 (1860) Director - Globus
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Frühreife.

Fürstenschulen.

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meinfam ist, ist der ungewöhnlich lange Schlaf von 10 12 Stunden bis in dasJünglingsalter: offenbar ein Ersatz für die außergewöhnliche Anstrengung der jugend-lichen Denkkraft. Bei Christ. Heinr. Hein ecke, dem Lübecker Wunderkind (geb. 1521)traf offenbar verfrühte natürliche Reizbarkeit mit methodischer, aber nicht vernünftigerAusbildung durch den Vater zusammen. Es ergab sich die Merkwürdigkeit eines Kindes,das mit 5 Jahren eine lateinische Rede hielt, dabei noch die Mutterbrust genoß undbald darauf über der Entwöhnung starb. Als zu Tode erzogen kann man wohl auchdie Söhne Quintilians betrachten (vgl. die ziemlich ausführl. Erzähl, in inst. or.0. VI. xroosna., wozu Anm. bei Ooloinsrins). Eine große Reihe älterer Beispielefindet man namhaft gemacht bei (lrsnins äs sruäitions oornps.ranäa ImZä. Lat.1699. x, 37 u. ff. in einer Anmerkung zu äoaoli. Oarnsrar. xrasosxta vitas xnsrilis.Beispiele von kindlicher Frühreife im Rechnen giebt Jessen, Psychol. S. 153 u. f.Interessant ist das Beispiel eines frühreifen Schachspielers, des Amerikaners P. Morphy,der schon als Knabe die bedeutendsten Meister schlug und kürzlich auf seiner Reise nachEuropa großes Aufsehen erregt hat. Körperliche Frühreife bespricht Schwarz, Er-ziehungsl. 2. Aust. III, S. 354 f., geistige ebendas. 349 ff. Ueber Baratier vgl.Lorms^, 1a vis äs Isan I4ä1. Laratisr, Lranol. st LsixriZ 1755. Ueber Wittedie Werke seines Vaters: Erziehungsgeschichte, Leipz. 1819.2 Bde. u.K.Witte'shöchst glückliche Jugendjahre. Als Manuscr. gedr. 1843 (trägt Spuren vonGeistesverwirrung des Vf.). Nur ersteres dieser Werke ist benützt in einem trefflichenAufsatz der anonym erschienenen Erziehungsresultate, Hannover 1857. S.lff.*)

A. Lange.

Fiirstcnschulen. Mit diesem Namen werden gewöhnlich die drei sächsischen Landes-schulen bezeichnet, ursprünglich im Gegensätze gegen die städtischen Schulen, weil diesenicht wie jene auf Stiftung des Landessürsten beruhten und unter dessen unmittelbarerAufsicht und Leitung stunden. Nachdem Herzog Heinrich, 1539 seinem Bruder Georggefolgt, die Reformation in den albertinischen sächsischen Landen ein- und durchgeführthatte, mußte natürlich in ernsteste Berathung gezogen werden die Verwendung undVerwaltung der geistlichen Güter, namentlich der Klöster, welche sich von selbst entleerthatten. Weit entfernt waren die Fürsten und ihre Räthe von dem Gedanken, daß dasKirchengut zu etwas anderem verwendet werden dürfe, als zu dem Dienste des Herrn;daß man jedoch reifliche Erörterungen namentlich mit den Ständen des Landes pflog,

*) Präcocität unnatürlich frühe Geistesreife und Altklugheit bespricht als eine weitver-breitete Erscheinung und ein schlimmes Zeichen der Zeit Döderlein in den Reben und Auf-sätzen I, S. ISO ff. Die Kinder und Knaben wollen wie die Männer sein und was dem reife-ren Alter an Rechten und Genüssen Vorbehalten bleiben muß, für sich in Anspruch nehmen, undleider werden sie von einem Theil der Erwachsenen hierin thörichterweise unterstützt, weil manso oft alle von der Natur eigenhändig gemachten Unterschiede nicht mehr gelten lassen will; garviele Väter unb Mütter haben nicht Vernunft und Einsicht genug, um in der dem Alter vor-auseilenden Entwicklung ihrer Kinder mehr Gefahr, als Hoffnung und Ruhm zu sehen. Auchdie Schule hat ihren Antheil an der gemeinsamen Schuld der Zeit, indem sie z. B. dem Knaben,der die Anfangsgründe der Grammatik einübt, schon die abstractesten Begriffe, wie subjectiv undobjectiv, absolut und relativ u. dgl., in den Mund legt. Der Gärtner wartet auf Blüte undFrucht und weiß, wie es um Treibhauspflanzen steht; der Pferdezüchter kennt die Folgen davon,wenn ein Thier zu früh eingespannt wird; aber unter den Erziehern sind viele, welche die na-türliche Entwicklung mit künstlichen Reizmitteln verfrühen wollen, anstatt die Blüte, damit sieum so voller und schöner sich entfalte, möglichst lange in der Knospe zn halten. Gegen diesesUebel hilft nichts, als wenn wir uns entschließen, uns der verkehrten Mode, die sich Zeitgeistnennt, mit aller Entschiedenheit zu widersetzen, wenn wir die Natur in ihrer gesetzmäßigen Ent-wicklung beobachten und von den Irrwegen der Hypercnltur zu ihr zurückkehren. Die höhereSchule hat ein vortreffliches Gesundheitsmittel in der Beschäftigung mit den Klassikern:derUmgang mit den edelsten Geistern längst untergegangener Völker bildet ein abgeschlossenes, harm-loses Stillleben, wie es der Jugend noth thut." (Vgl. die Art. Altklug, Blasirtheit.) D. Red.