Frühaufstehen.
Frühreife.
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bare Geist ausgerüstet sein, denn der Schlaf fällt sonst wie ein Gewappneter nochmalsauf seine Beute. Das beste ist das Sprüchwort: „Jung gewohnt, alt gethan" zu be-folgen, d. h. hier, die Ordnung des Hauses, früh aufzustehen, den Kindern anzuerziehenund zur Gewohnheit zu machen. Stromberger.
Frühreife bezeichnet in der herkömmlich gewordenen Bedeutung des Wortes nichtnur die früh eintretende wirkliche Reife, d.h. Männlichkeit im physischen und geistigenSinne, sondern es wird auch, namentlich auf geistigem Gebiete, von jeder Entwicklungs-stufe gebraucht, die im Verhältnis zum Alter ungewöhnlich früh eintritt. Wir sindeben so geneigt, ein Kind frühreif zu nennen, welches etwa mit dem dritten Lebensjahreschon fertig und mit Verständnis und Ausdruck lesen kann, als einen jungen Mann,der mit 17 oder 18 Jahren wissenschaftliche Leistungen zeigt, die man nur vom reiferenMannesalter erwartet. Das Wort hat sogar, vermuthlich unter dem Einflüsse einigerauffallender Beispiele, die in den letzten Jahrhunderten vorgekommen sind, vorwiegenddie Bedeutung angenommen, daß es den Zustand der sogenannten Wunderkinderbezeichnet, die schon im frühesten Lebensalter Erstaunliches leisten, aber nachher entwederphysisch zu Grunde gehen oder Zurückbleiben und die rechte Reife nie erreichen. Wennman den Begriff der Frühreife in dieser Weise beschränkt und also nur die ungünstigausgehende Verfrühung der Entwicklung darunter versteht, so darf man offenbar Män-ner wie Phil. Melanchthon, Torquato Tasso, Hugo Grotius, Albrechtvon Haller, die alle in ihrer Entwicklung ungewöhnlich früh waren, aber dabei auchnachhaltige Kraft und Tiefe besaßen, nicht als frühreif bezeichnen. Ein Heinecke,Baratier, K. Witte und andere werden die charakteristischen Beispiele der Frühreifesein. Allein die Natur scheint hier wie auf so manchen andern Gebieten der mensch-lichen Eintheilungen und Begriffsbestimmungen zu spotten. Es wird vergeblich sein,der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen gegenüber und ohne die zahlreichen Zwischenstufenaußer Acht zu lassen, irgend einen der beliebten Sätze über Frühreife mit einiger Be-stimmtheit aufrecht zu erhalten. — „illruotus illain clinturnns ao xraeoox ssss nsqnit,"ist ein Spruch, der sich auch den Bewunderern des jungen Mozart aufdrängte, alsdieser in seinem sechsten Lebensjahre zu Wien als Claviervirtuose auftrat (vgl. Jahn,Leben Mozarts I, S. 41). Kein Kind ist Wohl entschiedener als Wunderkind aufge-faßt, durch ganz Europa mehr als die außerordentlichste Erscheinung gepriesen worden,denn gerade Mozart. Alles an ihm schien abnorm. Ja noch mehr; er hat auch in derThat kein hohes Alter erreicht und es wird sich kaum leugnen lassen, daß sein früherTod mit seiner frühen Entwicklung in einigem Zusammenhänge stand. Sein ganzesLeben hatte ein etwas beschleunigtes Tempo, allein diese Beschleunigung war nicht nurmäßig, sondern auch in sich regelmäßig und gleichmäßig. Sie verband sich mit jenerfrühen Entwicklung eines Tasso, Melanchthon, GrotiuS, einer Entwicklung, von der sichbei den meisten sehr bedeutenden Geistern, sei es im Kindesalter, sei es gegen die Zeitder Reife hin unverkennbare Spuren finden. Mit Recht sagt daher Mozarts geistvollerBiograph, das Erstaunenswertheste bei Mozart sei, daß diese für so junge Jahre uner-hörte Productionskraft weder durch Ueberreizung noch Ueberbildung in dieser Weisegesteigert war, sondern daß wir diese Entwickelung für die dieser Natur normale erken-nen müßen. *) Mozart trug die Norm seiner Entwickelung in sich selbst. Sein Le-bensgang war nicht so beschleunigt, daß er ihm nicht Raum zur Entfaltung der größte»und reifsten Leistungen gegönnt hätte. Auch darf Wohl daran erinnert werden, daß esgerade in der Natur der Musik liegt, der frühen Entwicklung einen ungeheuren Spiel-
*) O. Jahn, W. A. Mozart I, S. ISO. Jahns eingehende Vertheidigung Mozarts hebtden gewöhnlichen Vorwurf auf, daß er durch eigentliche Liederlichkeit seine Gesundheit untergrabenhabe, die aufreibende Wirkung einer durch geistige Getränke unterstützten übermäßigen Productionbleibt aber bestehen. Auch scheint es uns doch bei der Lesung von Mozarts Briefen, als ob eingewisses Zurückbleiben im Kindischen auf dem Gebiete des gewöhnlichen Lebens sich nicht sovöllig wegleugnen ließe. L.