Früh aufstehen.
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Kinder, welche um 4 Uhr aufstehen und vor der Schule 3 Stunden arbeiten, um zehnUhr schläfrig sind. Es sollte sich also das Frühaufstehen während der Schul- undStudienzeit nach dem Beginn des Unterrichts und der Vorlesungen richten oder umge-kehrt. In Städten, worin die meisten Gesellschaften Abends gehalten werden, wird einguter Theil der Zeit vor Mitternacht, die am zuträglichsten für den Schlaf sein soll,in Gesellschaften zugebracht und in Folge dessen ergiebt sich ein spätes Aufstehen, so daßoft am Morgen vor der Geschäfts- und Schulzeit Eile und Uebereilung bemerklich sind.*)Auf dem Lande ist's Regel, mit der Sonne aufzustehen. Für die schulpflichtigen Kindersollte durch Eltern, Lehrer und Erziehungsrath eine Verständigung darüber stattfinden,daß nicht zu früh vor den Lehrstunden aufgestanden werde, oder daß diese nicht zulange nachher den Anfang nehmen.
Warum soll man auf Frühaufstehen halten? Es ist ein Stück der nothwendigenkörperlichen Abhärtung. Mit 7 Stunden Schlaf soll der Erwachsene genug haben.Das Kind soll mit den Jahren auf dieses Maß verkürzt und deshalb an das Früh-aufstehen allmählich gewöhnt werden. Das Kind muß angehalten werden, rasch undschnell munter zu werden und die Sinne zusammen zu haben. So singt denn auch dasVolkslied: „Und wird's dann wieder hell, so wecken sie mich schnell. Dann spring ichso munter vom Bettlein herunter. Hab Dank, Gott Vater du, ihr Englein auch dazu!"Nur der nicht über das Maß ausruhende Körper ist zur Arbeit frisch und behend. Eingesundes Kind, das durch Lernen, Arbeit und Spiel ermüdet ist Abends um 9, kannzwischen 5 und 6 aufstehen. Anders wird es mit schwächlichen Kindern sein) diesenrechne man die Schwachheit des Leibes an und setze zu. Am besten ist es dann, sichmit einem verständigen Arzte zu benehmen. Gewaltsame Nöthigung wäre bei kränk-lichen Kindern verwerflich.
Viele bedeutende Männer zeigen an ihrem Beispiele, daß eine Menge Zeit durchFrühaufstehen gewonnen und dadurch viel mehr gearbeitet werden kann. Der praktischeEngländer wird auch darauf sein „timv io mons^" anwenden, wiewohl in London da-durch, daß man die Arbeitszeit in die Nacht ausdehnt, viel Geld vergeudet wird fürBeleuchtung u. s. f.; denn das späte Aufstehen, resp. der späte Anfang der Arbeitszeitvertheuert den Lebensunterhalt. Friedrich II., König von Preußen, schlief nur bis4 Uhr. Peter der Große von Rußland stand stets vor Tagesanbruch auf nach demGrundsätze: „Ich mache mein Leben so lang, als ich kann und schlafe deshalb so wenigals möglich." Dean Swift sagte, er hätte nie einen Mann zu Größe und Bedeutungkommen sehen, der den Morgen im Bette gelegen. Buffon wie Doddrige bekannten,daß sie ihre großen Arbeiten der durch Frühaufstehen gewonnenen Zeit verdankten.Franklin sprach aus: „Wer spät aufsteht, mag den ganzen Tag laufen, und hat dochAbends die Arbeit nicht eingeholt." Als Arbeitszeit empfiehlt sich die Morgenstundebesonders. Das Sprichwort: „Morgenstund hat Gold im Mund" bezeugt, welchengroßen Werth die Volksweisheit darauf legt. Auch soll nicht bloß das Gesinde frühaufstehen und die Herrschaft lange schlafen, vielmehr muß die Herrschaft selbst darin voran-gehen, wie von Glaubrecht neuerdings in der Geschichte vom Weißen Spatz mit Humordargethan wurde. Daß der ausgeruhte Körper in den Morgenstunden zu geistiger An-strengung am tauglichsten ist, belegen die Aussprüche der genannten Gelehrten und derRömer: Aurora Uusis awioa. **)
*) Aber auch deswegen sollten die Kinder eben an keinen nächtlichen Gesellschaften von solcherAusdehnung Theil nehmen. D. Red.
**) Die Goliardeu (s. d. Art. Bachanten. I, S. 365 f.) hatten hierüber andere Ansichten,wie sie zu ihrem dissoluten Leben paßten; vgl. die varinina durana. Stuttg., 1847, S. 252:Oräo nostsr problbst inatatlnas plane.
8unt Hnaeäain lantasinata cznae va§antnr inane,per <zuae noble vsninnt vislonss vanas;
ssä gal tune surrexerlt, non est msntls sause. D. Red.
PLdag. Encyklopädie. II.